Yoko Ogawa Der Herr der kleinen Vögel

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Inhaltsangabe zu „Der Herr der kleinen Vögel“ von Yoko Ogawa

Erinnerung und Vergessen, die Unausweichlichkeit des Schicksals und der Rückzug in die Stille. Mit ihrem schwebenden, unverwechselbaren Erzählstil knüpft Yoko Ogawa an die großen Themen ihrer früheren Romane an und schickt den Leser auf eine wundersame Reise durch eine Welt voller Geheimnisse und Magie. Auf dem Gelände eines ehemaligen Waisenhauses steht eine Voliere, in der ganz unterschiedliche Vogelarten gehalten werden: Kanarienvögel, Haussperlinge und Prachtfinken, aber auch Papageien. Jeden Tag besucht ein Mann die Voliere, um im Schatten eines Ginkgos dem Gesang der Vögel zu lauschen und mit ihnen zu sprechen. Eines Nachmittags jedoch bricht er neben dem Käfig zusammen und stirbt kurze Zeit später. Die Vögel sind über den Verlust ihres treuen Freundes so bestürzt, dass seinem jüngeren Bruder die Obhut der Voliere anvertraut wird, um sie zu beruhigen. Von den Kindern in der Stadt wird der jüngere Bruder fortan der »Herr der kleinen Vögel« genannt – so aufopferungsvoll kümmert er sich um die Tiere. Er lebt einsam und zurückgezogen, nur zwei Menschen gelingt es, sein Vertrauen zu gewinnen. Einer jungen Bibliothekarin, die er kennenlernt, als er in der Stadtbücherei Fachbücher über Vogelkäfige konsultiert. Und einem alten Mann, der stets eine kleine Holzschachtel mit einer Grille bei sich trägt, um sich an ihrem Gesang zu erfreuen … Als eines Tages ein kleines Mädchen vermisst gemeldet wird, gerät die ansonsten so friedliche Stadt in helle Aufregung. Und der Herr der kleinen Vögel wird von zwei Polizisten über seinen merkwürdigen Bekannten mit der Grille befragt, der ebenfalls spurlos verschwunden ist.

Der Herr der kleinen Vögel ist in seiner Einfachheit ein wunderschönes, lesenswertes Buch für alle, die Melancholie lieben.

— EmanuelvanWeimar

Eine Geschichte wie eine sanfte Umarmung

— Monika58097

Wieder ein besonderes Buch der japanischen Schriftstellerin - ein leises, einsames, letztlich dennoch erfülltes Leben wird hier präsentiert.

— parden

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  • Eine literarische Melodie der leisen Töne

    Der Herr der kleinen Vögel

    EmanuelvanWeimar

    "Kein Lebewesen würde von einer derartigen Inbrunst erfüllt sein wenn es um etwas anderes ginge als die Liebe." Der Herr der kleinen Vögel von Yoko Ogawa - ein Buchtitel, der auf dem ersten Blick Ruhe verspricht, etwas märchenhaftes versprüht, in jedem Fall aber etwas, dass eher von Frieden als Brutalität erzählt. Genau diese Erwartungen werden auch erfüllt und zwar frei von jeglichen erzählerischen Überraschungen. Überraschenderweise ist das Fehlen solcher eine der größten Stärken des Buches. Der Herr der Vögel, wie der Hauptcharakter von manchen genannt wird, hat ein stilles und einsames Leben, dessen Höhepunkte daraus bestehen, sich der zärtlichen Pflege und Bewunderung von Vögeln hinzugeben. Während er Vögel mehr zu verstehen scheint als sonst jemand, sich mit ihnen in liebevolle Gespräche verstrickt, kann er sich anderen Menschen nur schwierig annähern. Durch seine Eigenart wirkt der Herr der kleinen Vögel selbst wie ein komischer Kauz, der von der Außenwelt mit zunehmenden Alter argwöhnisch beäugt wird. Während andere Bücher mit zunehmender Seitenzahl an Spannung gewinnen und immer größere Wellen schlagen, hat man mit Der Herr der kleinen Vögel einen durchgängig ruhigen Bach vor sich, der es vermeidet, in einer starken, wilden Strömung zu münden. Man beobachtet und gibt sich der langsam vor sich hintröpfelnden Geschichte hin, malt diese mit seinen eigenen Gedankenfarben aus. Für manche mag das Buch zu ruhig erscheinen, vielleicht sogar langweilig. Allerdings ist die Ruhe, die es ausstrahlt, auch eine der größten Stärken: Während man liest, vergisst man den eigenen Alltag, verkleidet sich in der Rolle als stiller Beobachter der Geschichte des Herrn der Vögel. Wie ein Märchen, welches man sich selbst vorliest, um danach seelenruhig in das eigene Leben zurückzukehren. Die Wortwahl ist klar und deutlich. Dennoch oder gerade deshalb schafft es die Autorin, dass die Melancholie zeitweise schon fast in jedem Satz mitschwingt und gerade dann zeigt sich, was unter der unscheinbaren Fassade des Hauptcharakters schlummert und welchen teils schmerzvollen Gedanken er nachhängt. Der Herr der kleinen Vögel ist in seiner Einfachheit ein wunderschönes, lesenswertes Buch für all diejenigen, die nicht unbedingt Spannung benötigen, um sich unterhalten zu fühlen. Dennoch gibt es meinerseits (leider) einen Stern Abzug, da dem Buch trotz der geschätzten Ruhe der ein oder andere Höhepunkt keinen Abbruch getan hätte.

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    • 6
  • Ein Roman der wunderschönen und melancholischen Klänge...

    Der Herr der kleinen Vögel

    Ayda

    29. April 2017 um 09:45

    Jahreshighlight 2017!!!"Leute,die Bücher lesen,reden kein überflüssiges Zeug. Sie sind eher still..." (S.137)Zuerst einmal möchte ich sagen,dass ich jede Seite in diesem Buch liebe und es zu meinen Jahreshighlights gehört,Yoko Ogawa hat mich mal wieder begeistert und zu Tränen gerührt! Das Cover ist toll gestaltet und es gefällt mir sehr,dass die Taschenbücher im gleichen Design gehalten sind,da sie wunderschön im Bücherregal aussehen:)In diesem kleinen literarischen Schatz lernen wir zwei Brüder kennen,die nach dem Tod ihrer Eltern zusammenleben und sich intensiv mit der Beobachtung, den Gesängen und der Fürsorge von Vögeln beschäftigen, was den Großteil ihres Alltags ausmacht. Das ganze Buch über haben beide Brüder keinen Namen. Sie werden "die Brüder, "der Jüngere" und "der Ältere" genannt. Der Jüngere von beiden arbeitet in der Verwaltung,wohingegen der ältere Bruder sich um den Haushalt kümmert,alles strukturiert und die Welt auch etwas anders wahrnimmt. Vor allem hat er die Gabe die Sprache der Vögel zu verstehen. Abgeschottet von ihrer Umwelt nimmt ihr Leben mit der Faszination für Vögel ihren Lauf,bis der Ältere eines Tages verstirbt. Nach seinem Tod übernimmt der jüngere Bruder die Pflege einer Voliere in einem Kindergarten und eröffnet sich somit einen Weg zu den Menschen,die ihn "Der Herr der kleinen Vögel" nennen bis jedoch eines Tages etwas passiert....Ich habe dieses Buch innerhalb weniger Tage gelesen,da ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Yoko Ogawa hat eine so wundervolle und poetische Sprache,dass ich mich selber in einer Voliere der besonderen Literatur gefühlt habe. Die Geschichte ist sehr leise und doch so kräftig. Es ist eine Mischung aus Drama und Phantasie. Es gibt hier keinen besonderen Spannungsbogen aber den bedarf es auch nicht. Vielmehr ist es die Sprache und die Protagnisten,die Ogawa zu Blatt bringt und mich sprachlos in der Stille lässt. Der Herr der kleinen Vögel ist ein wunderschöner,melancholischer Roman,der  vor allem durch die herausragende Sprache mein Herz erobert hat. Diese Geschichte muss man auf sich wirken lassen,ohne viel darüber zu reden,denn ich kann das garnicht in Worte fassen,was der Roman in mir ausgelöst hat. So geht es mir aber immer nachdem ich ihre Bücher gelesen habe.Volle 5 Sterne und bitte noch viele weitere Romane von der außergewöhnlichen und talentierten Autorin Yoko Ogawa! Autorin:Yoko Ogawa, geboren 1962, gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit zahlreichen namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in der Präfektur Hyogo. Bei atb liegen von ihr vor: „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“, „Das Museum der Stille“, „Schwimmen mit Elefanten“, „Liebe am Papierrand“, „Hotel Iris“ und „Der Herr der kleinen Vögel“.(www.aufbau-verlag.de)

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  • Leise Töne und bescheidenes Glück

    Der Herr der kleinen Vögel

    MikkaG

    21. March 2017 um 22:01

    "Der Herr der kleinen Vögel" ist ein Buch der leisen Töne, der kleinen Dinge, des bescheidenen Glücks oder Unglücks. Der Leser wird eingeladen, zur Ruhe zu kommen und einer Geschichte zu lauschen, auf die man sich einlassen muss, die dann aber einen ganz eigenen poetischen Zauber entfaltet.Behutsam erzählt Yoko Ogawa die ungewöhnliche Lebengeschichte zweier Brüder, die eine Faszination für Vögel und deren Gesang teilen, auch über den Tod des älteren hinaus. Ihre Namen werde im ganzen Buch niemals erwähnt (sie sind immer nur "der Ältere" und "der Jüngere"), und auch sonst verzichtet die Autorin weitgehend auf Etiketten.Der ältere Bruder spricht schon seit seiner Kindheit ausschließlich in einer selbst erfundenen Sprache und braucht seine festen Rituale, um glücklich zu sein. Da kann man als Leser insgeheim spekulieren: Selektiver Mutismus? Autismus? Die Autorin verrät es uns nicht, aber das ist auch gar nicht nötig. Der jüngere Bruder findet ein wunderbares Bild: in seiner Vorstellung ist der Ältere der alleine Bewohner einer einsamen Insel, und nur sein Boot findet den Weg dorthin.Die beiden leben fast vollkommen isoliert, ihr Leben richtet sich noch im Kleinsten nach den Ritualen des älteren Bruders. Sie essen immer das Gleiche, besuchen gemeinsam die Vogelvoliere des nahegelegenen Kindergartens und unternehmen ausgedehnte, metikulös geplante Weltreisen - Letzteres jedoch nur in ihrer Fantasie. Es ist eine Geschichte bedingungsloer Liebe, ruhig und ohne Pathos erzählt und dennoch bewegend.Nach dem Tod des Älteren ist der Jüngere im Grunde sein ganzes restliches Leben auf der Suche nach dessen Insel. Auch, dass er die Pflege einer zu einem Kindergarten gehörenden Vogelvoliere übernimmt, obwohl er Angst vor Kindern hat, geschieht zunächst im Angedenken an seinen Bruder, entwickelt sich dann aber zu einer echten Liebe zu den Vögeln. Die Kinder nennen ihn daher "Herr der kleinen Vögel". Die Geschichte hat in meinen Augen keinen ausgeprägten Spannungsbogen. Das Leben des Jüngeren ist meist eher ein stiller See denn ein bewegtes Meer. Menschen treten in sein Leben und verschwinden wieder, gute und schlechte Dinge passieren... All das sind nur Steine, die ins Wasser seines Sees fallen und für kurze Zeit Kreise ziehen. Manches bleibt gänzlich ungeklärt.Diese Offenheit hat jedoch etwas beinahe Schwereloses, wie ein langer Tagtraum.  Ich habe mich beim Lesen keineswegs gelangweilt. Yoko Ogawa findet wunderschön verträumte, zarte Worte. Ich habe immer wieder innegehalten, um mir einen Satz auf der Zunge zergehen zu lassen.Der Jüngere ist mir sehr ans Herz gewachsen - er ist ein ruhiger Mensch mit einfachen, bescheidenen Wünschen. Sein Leben wirkt unspektakulär und sogar einsam, aber er findet auch immer wieder Erfüllung in den kleinen Dingen. Als ich das Buch zuschlug, hatte ich fast das Gefühl, einen alten Freund verloren zu haben. Da die Brüder nur wenig mit anderen Menschen interagieren, bleiben die anderen Charaktere eher unvollständig. Manchmal wirken sie wie bloße Kulisse, während die Vögel lebendig und individuell geschildert werden - aber anders könnte diese Geschichte vielleicht gar nicht erzählt werden, und ich habe beim Lesen nichts vermisst.Fazit:"Der Herr der kleinen Vögel" ist ein wunderbares Buch, das sich nur schwer beschreiben lässt und an das man möglichst ohne Erwartungen herangehen sollte.Die Handlung ist schnell zusammengefasst: Nach dem Tod der Eltern leben zwei Brüder ihr ganzes Erwachsenenleben zusammen, bis auch der Ältere schließlich stirbt. Da er Vögel über alles geliebt hat, bietet der Jüngere an, fortan kostenlos die Voliere des örtlichen Kindergartens zu betreuen. Manchmal geht er in die Bibliothek, um die Bibliothekarin scheu beobachten zu können, und im Park lernt er einen alten Mann kennen, der stets eine Grille in einer hübschen Holzschachtel mit sich herumträgt. Dann passiert etwas, was seinem Spitznamen "Herr der kleinen Vögel" einen unschönen Beigeschmack gibt, und schließlich begegnet er Menschen, die von sich behaupten, den Gesang der Vögel zu lieben, ihn in Wirklichkeit aber für ihre eigenen Zwecke ausnutzen. Aber eigentlich kommt es gar nicht darauf an, was genau passiert. Für mich war es die schlichte Poesie der Worte, die mich verzaubert hat, und der Einblick in ein bescheidenes Leben, das die meisten Menschen wohl nicht als sonderlich glücklich bezeichnen würden, das aber dennoch seine schönen, erfüllenden Momente hat. 

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  • Eine Geschichte wie eine sanfte Umarmung

    Der Herr der kleinen Vögel

    Monika58097

    05. March 2017 um 12:00

    Nachdem die Eltern verstorben sind, kümmert sich der junge Bruder liebevoll um den älteren. Der ältere Bruder kommuniziert nicht mit den Menschen. Er hat sich bereits als Kind seine eigene Welt, seine eigene Sprache erschaffen. Nur sein jüngerer Bruder kann ihn verstehen. Mittwochs gehen die beiden immer zusammen in die Apotheke. Dort darf sich der ältere Bruder dann einen Lutscher aussuchen, ein Ritual aus Kindheitstagen. Der jüngere Bruder arbeitet in einem Gästehaus und verdient den Unterhalt für beide. Als er Urlaub bekommt, möchte er mit seinem Bruder für zwei Tage verreisen. Der ältere Bruder packt und packt und schließlich bleiben sie doch Zuhause, dort, wo sich der ältere Bruder am wohlsten fühlt. Von Stund an tun die beiden nur noch so, als würden sie verreisen. Als der ältere Bruder stirbt, übernimmt der jüngere Bruder die Pflege der Vögel in der Voliere eines Kindergartens. Die Kinder nennen ihn „Herr der kleinen Vögel“. Der jüngere Bruder geht immer sonntags in eine Bücherei, um sich ganz viel Wissen über Vögel und eine bestimmte Firma anzueignen. Eine junge Bibliothekarin gewinnt sein Vertrauen. Später auch ein alter Mann, der stets dem Gesang einer Grille lauscht, die er in einem Kästchen mit sich herumträgt, doch beide sind auf einmal verschwunden und der jüngere Bruder ist wieder allein. „Der Herr der kleinen Vögel“ - es ist ein so wunderbarer, ein ganz leiser Roman. Die Geschichte ist wie Balsam für die Seele, wie eine sanfte Umarmung. Es ist ein außergewöhnlicher Roman über zwei Brüder, die Vögel lieben, ein Roman über die Einsamkeit. Poetische Bilder ziehen am Leser vorüber. Ein sehr berührendes Buch voller Wärme. Ein Buch, das sehr leise daher kommt, wunderschön erzählt.

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  • Der Gesang der Einsamkeit...

    Der Herr der kleinen Vögel

    parden

    DER GESANG DER EINSAMKEIT... Dies ist bereits das dritte Buch von Yoko Ogawa, das ich gelesen habe, und immer wieder zeigt sich ihre Kunst, auf eine unaufgeregte und doch fast poetische Art einsame Leben zu präsentieren, die leise am Rande der Gesellschaft existieren und letztlich dennoch erfüllt scheinen. In diesem Buch geht es um zwei Brüder, die sich von Kindheit an eine ganz eigene Welt schaffen. Der ältere der beiden Brüder vermag nicht mit anderen zu kommunizieren, hat aber eine eigene Sprache entwickelt, zu der nur der jüngere Bruder einen Zugang hat. Dieser versteht ihn und kann sich mit ihm unterhalten, fungiert auch als 'Übersetzer' für die Umwelt. Er ist es auch, der erkennt, dass sein älterer Bruder sich nicht nur für Vögel zu interessieren beginnt, sondern so intensiv dem Gesang dieser Tiere lauscht, dass es oftmals so wirkt, als könne er sich mit ihnen unterhalten. Nach dem Tod der Eltern ist es der jüngere Bruder, der sich um den Älteren kümmert. Er arbeitet als Verwalter eines stillen Gästehauses einer Firma und verdient so das Geld für sie beide, er erledigt auch die Einkäufe und alle außerhäuslichen Angelegenheiten, während der ältere Bruder sich um den Haushalt kümmert. Die beiden leben wie in einem Kokon, umgeben von Ritualen, die kaum einmal durchbrochen werden. Sie fühlen sich am wohlsten gemeinsam in ihrem Elternhaus, sorgen sich um die Vögel im Garten und gehen täglich zu einer nahegelegenen Voliere auf dem Grundstück eines Kindergartens. Dort steht der ältere Bruder oft stundenlang, um die Vögel zu beobachten und ihrem Gesang zu lauschen - der Zaun, an den er sich dabei lehnt, zeigt schon den Abdruck des Mannes. Als der ältere Bruder plötzlich stirbt, vermag der Jüngere nicht von seinen Ritualen abzulassen. Er besucht weiter täglich die Voliere und übernimmt schließlich die Pflege der Vögel. Leise und behutsam begibt er sich in den Dienst der scheuen Tiere und erfreut sich stets an deren schönem Gesang. Im Kindergarten nennen sie ihn nur noch den 'Herrn der kleinen Vögel'. Er beginnt sich Bücher über Vögel in der Bibliothek auszuleihen und kommt dort scheu in Kontakt mit der jungen Bibliothekarin. Und bei einem sonntäglichen Spaziergang lernt er einen älteren Mann kennen, der ihn lehrt, dass auch Zikaden schön zu singen vermögen. Doch eines Tages wird ein kleines Mädchen als vermisst gemeldet, und plötzlich muss der jüngere Bruder erfahren, dass 'Kotori' nicht nur 'Herr der kleinen Vögel' bedeutet... Ein Buch der leisen Töne über ein scheues, zurückgezogenes Leben und über den Rückzug in die Stille hat Yoko Ogawa hier präsentiert. Ohne jede Wertung und in der Rolle des genauen Beobachters stellt die Autorin dieses Leben vor und lässt den Leser daran teilhaben. Gemeinsam entdeckt man die kleine Dinge des Alltags, an denen man sich erfreuen kann, lernt die Welt der sonst oft so unscheinbaren Vögel kennen - und verneigt sich schließlich trotz einer verbleibenden Distanziertheit - niemals erfährt man beispielsweise den Namen eines der Brüder - vor einem derart unspektakulären und letztlich doch erfüllten Leben. Wieder einmal ein bezauberndes Buch der japanischen Schriftstellerin, das mich in meiner Absicht bestärkt, noch weitere Werke von ihr lesen zu wollen. © Parden

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    • 10

    Cridilla

    08. February 2016 um 04:47
    Krimiwurm schreibt Eine schöne Rezi :) Aber das Buch ist nichts für mich ;)

    Geht mir ähnlich; im Moment nicht mein Beuteschema!

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