Yoko Ogawa Der zerbrochene Schmetterling

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Inhaltsangabe zu „Der zerbrochene Schmetterling“ von Yoko Ogawa

Jeden Tag sitzt Aya auf der Tribüne eines Schwimmbades und beobachtet, wie Jun vom Zehnmeterturm Kunstsprünge vollführt. Die beiden sind zusammen im Waisenhaus aufgewachsen und einander so nah, wie nur Geschwister es sein können. Doch dann tritt plötzlich etwas Fremdes an die Stelle des Vertrauten, ein mächtiges, quälend schönes Begehren, das Aya bald nicht mehr kontrollieren kann. Stets sind es Beziehungen unter falschen Vorzeichen, anhand derer Yôko Ogawa die unergründliche Triebkraft menschlicher Empfindungen beschreibt: die lähmende Fremdheit, die eine Schwangere plötzlich ihrem Mann gegenüber empfindet, die Zuneigung zum Bruder, die sich erst im Moment des Abschiednehmens offenbart, oder die subtile Lust, mit der ein unglücklich verliebtes Mädchen einen Säugling quält. Mit der schwebenden Leichtigkeit ihrer Sprache verwischt Yôko Ogawa die Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit und lässt eine Welt voller Magie und naiver Gewalt entstehen.

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  • Rezension zu "Der zerbrochene Schmetterling" von Yoko Ogawa

    Der zerbrochene Schmetterling
    lesemaus

    lesemaus

    15. January 2013 um 10:58

    Das Schwimmbad Also die ersten Seiten vermitteln dem Leser ein nettes, schütternes, verliebtes Mädchen. Sie schaut jeden Tag einem Jungen, in den sie verliebt ist, beim Wasserspringen zu. Die Beiden wohnen gemeinsam in einem Waisenhaus, wobei sie das Kind der Betreiber ist, und haben sehr wenig mit einander zu tun. Sie fühlt sich geborgen bei ihm, aber verabscheut die anderen Kinder. Sie quält eines der Kinder, ein Baby, welches wehrlos und sprachlos ist, indem sie dieses in dunkles, nasses Fass setzt und diesem beim Schreien und Weinen zuschaut. Grausam!! Noch schlimmer wird es als sie das Baby mit einem verfaulten Windbeutel vergiftet. Das Mädchen fühlt keine Schuld, merkt aber nicht, dass sie selber bei ihrem schrecklichen Handeln beobachtet wird. Am Schluss kommt es zur gerechten Strafe. Das vollkommene Krankenzimmer Der Bruder lässt sich in das Krankenhaus einliefern, indem auch seine Schwester arbeitet. Dort erfahren beide, dass er unheilbar krankist und bald stirbt. Da erkennt sie, dass sie ihren Bruder liebt. Dort lernt sie den Arzt ihres Bruders und dieser ist der Sohn von Eltern, die ein Waisenhaus betreiben und es kommt Wasser ins Spiel, als hätte die Erzählung eine Verbindung zu der vorherigen. Eine schlichte, ruhige Erzählung. Der zerbrochene Schmetterling Diese Erzählung beschreibt wie sich eine Frau, nachdem sie ihre senile Großmutter in einem Heim abgeben hat, verändert. Diese Veränderung beruht nicht nur darauf, dass die Großmutter weg ist und sie jetzt alleine in der Wohnung lebt, sondern auch, dass sie schwanger ist. Fazit: Ogawas Sprache ist an vielen Stellen ekelig und man möchte schnell diese Wörter überfliegen. Die Erzählungen sind leicht und schnell gelesen :)

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  • Rezension zu "Der zerbrochene Schmetterling" von Yoko Ogawa

    Der zerbrochene Schmetterling
    Lax

    Lax

    28. August 2011 um 12:41

    Die drei frühen Werke von Yoko Ogawa wandern zwischen Ekel und Sauberkeit, einer realen Welt und einer nicht weniger realen Traumwelt. Die 1962 geborene Yoko Ogawa begann 1988 mit dem Schreiben. Und drei ihrer frühen Werke finden sich versammelt in dem Band „Der zerbrochene Schmetterling.“ Es sind Erzählungen, die zwischen Ekel und Sauberkeit balancieren. Die Reinheit eines Swimmingpools und die glatten, sehnigen Muskeln eines Turmspringers wird in der ersten Geschichte, die stärkste in dem Band, von einem Mädchen beobachtet. Sie ist verliebt in ihn und sie kommt ihn ganz nahe, als sie später gar den fallenden Schnee mit ihm beobachtet. „Er springt geradewegs in mich hinein.“ Sie sucht Geborgenheit, da sie zwar Eltern hat, aber diese ein Waisenhaus führen und sie sich selber als Waise sieht und von ihren Eltern vernachlässigt wird. Sie richtet ihre Wut auf ein junges Mädchen, das sie mit faulem Essen quält. Auch die zweite Geschichte hat diese Verbindungen, Waisenheim, Reinheit, diesmal eines klinisch reinen Krankenhauses und dem Ekeln, der sich in der schleichenden Zersetzung von Essen und eines kranken Bruders zeigt. Niemals war die Frau ihrem Bruder so nahe, wie kurz vor seinem Tod. Auch sie sucht Halt, findet ihn nicht mehr bei ihrem Mann, „Sein Kuss roch nach fauligem Blut“, nur noch in dem Krankenhauszimmer. Hier ist sie weit weg von Leibern, aus denen der Eiter quillt und Schokoladenzysten, deren einzige Schönheit der Name ist. Auch in der titelgebenden Geschichte löst sich ein Mensch allmählich auf. Die Mutter der Protagonistin wird in ein Altenheim gebracht und die Tochter lebt von nun an alleine in der gemeinsamen Wohnung. Sie sieht die Spuren, die die alte Frau hinterlassen hat und beginnt an sich und der Welt zu zweifeln. „Die Grenze zwischen normal und anormal, zwischen Wirklichkeit und Illusion sind fließend.“ Ogawas Darstellung des Ekels ist manchmal sehr drastisch und ihre Sätzen wirken manchmal wie eine Aneinanderreihung von unzusammenhängenden Erlebnissen, doch ziehen die Erzählungen in ihren Bahn und lassen den Leser die Welt mit anderen Augen sehen. Yoko Ogawa lebt mit ihrem Mann und Sohn in Ashiya, Hyogo. Sie hat mehrere Romane, Erzählungen und nicht-fiktionale Werke veröffentlicht, die mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet wurden.

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  • Rezension zu "Der zerbrochene Schmetterling" von Yoko Ogawa

    Der zerbrochene Schmetterling
    dzaushang

    dzaushang

    20. August 2011 um 17:20

    Jun ist Waise und lebt mit vielen anderen Waisenkindern unter einem Dach mit Aya, deren Eltern dieses Heim leiten. Aya erträgt die vielen Kinder nicht. Mit Jun ist das anders. So oft es geht sucht sie die Nähe zu ihm, ist aber immer darauf bedacht nicht von ihm entdeckt zu werden. Am nächsten fühlt sie sich ihm am Rand des Schwimmbeckens, von wo sie ihn bei seinen Turmspringübungen beobachten kann. Auf ihn hat sie im Laufe der Zeit all ihre geheimsten Sehnsüchte projiziert, nur in seiner Nähe fühlt sie sich wohl. Dabei weiß Aya eigentlich gar nicht so genau, warum sie die anderen Mitbewohner nicht mag. Sie weiß vor allem nicht so richtig, warum sie insbesondere die Kleinsten und Schwächsten immer wieder heimlich auf das Grausamste quälen muss und daraus Wohlbefinden für sich erzielt.. Doch auch Aya wird, ohne das sie es bemerkt, beobachtet. Auch während ihres unseligen Treibens. --- Einige Andeutungen in der zweiten Erzählung lassen vermuten, dass wir Jun, nun als erwachsenen Mann und Arzt in einer Klinik, wieder begegnen. Hier betreut er ein Geschwisterpaar. Der jüngere Bruder liegt im Sterben, die Schwester begleitet in aufopferungsvoll. Angesichts des immer schnelleren Verfalls des Bruders, für den der Arzt nichts mehr tun kann, gerät die Schwester ebenfalls in eine existentielle Krise. Den Großteil ihrer Zeit verbringt sie mit ihrem Bruder in dessen Krankenzimmer, einem sterilen Raum, einer undurchdringlich erscheinenden Barriere gegen Unordnung, Verfall und Tod. Draußen aber empfindet sie immer sensibler die zeitliche Begrenzung aller Dinge. Sie sucht die Nähe zum Arzt ihres Bruders der vielleicht wenigstens ihr helfen kann. Den allzu frühen, allzu schnellen Tod des jüngeren Bruders kann letztlich aber auch das Krankenzimmer nicht aufhalten. Er stirbt noch weit vor der ihm prognostizierten Zeit. --- In „Der zerbrochene Schmetterling“, der letzten Erzählung des kleinen Buchs, muss sich die junge Nanako schweren Herzens dazu durchringen ihre immer stärker an Demenz erkrankende Großmutter Sae, mit der sie unter einem Dach gelebt hat, in ein Pflegeheim zu geben. Sie bleibt alleine im Haus zurück und macht sich so ihre Gedanken, über ihre Beziehung zu der alten Dame, die ihr die fehlende Mutter ersetzte, aber auch über ihre Beziehung zu Mikoto. Warum spürt er nicht, dass sie schwanger ist und sein Kind unter dem Herzen trägt, eigentlich müsste er das doch spüren, oder nicht? In seltsamer Schwebe verharrend, in einer Traumwelt schwebend vergehen Nanakos Tage. Dann aber gibt Mikoto ihr eines Tages einen deutlichen Hinweis darauf, wie es um ihn steht, ohne dabei ein Wort zu verlieren. Am Ende zerbricht nicht nur ein Schmetterling in Nanakos Hand. Was ich an Ogawas Erzählstil so unbedingt mag? Ihre Welten durchströmt immer eine eigenartige Mischung aus Traum, Phantasie, Orientierungslosigkeit, Grenzsituation, Umbruch, Sehnsucht und einem, vielleicht im hintersten Winkel versteckten, noch verborgenem, Wissen. So entsteht ein Schwebezustand, in dem sich nicht nur Ogawa´s Protagonisten sondern sehr schnell auch die Leser wiederfinden und zurechtfinden müssen. Es bleibt viel Raum für Interpretation, nie schließt eine Handlung, eine Story so richtig ab, am Ende bleibt immer viel Spielraum für farbiges Kopfkino.

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  • Rezension zu "Der zerbrochene Schmetterling" von Yoko Ogawa

    Der zerbrochene Schmetterling
    la_marite

    la_marite

    21. November 2007 um 22:32

    Yoko Ogawa wird als eine der bedeutendsten zeitgenössischen Schriftstellerinnen Japans bezeichnet. Scheinbar gebührt dieser Erfolg der Abgrenzung gegenüber den uns gängigen japanischen Schriftstellern unserer Zeit wie Haruki Murakami oder Banana Yoshimoto. Und dennoch weiß der Leser sofort: hier handelt es sich um japansche Literatur. Nur eine Geschichte trägt den Namen des Buches, aber allen wohnt der Klang eines zerstörten, fragilen Wesens inne. BRIGITTE erlaubt den Werken, ein kleines Wunder zu sein, der STERN spricht von Sinnlichkeit und Kuriosität. Aber was ist kurios an der Beschreibung einer 14jährigen, die ein viel kleineres Kind schreiend in einer Bodenvase zappeln lässt? Oder ist es sinnlich, wenn beim Anblick des essenden Ehemannes Erinnerungen an klebrige-faulige Sahne auftaucht und mit ihr das Kribbeln, das Ameisen auf der Zunge hinterlassen würden? Sinnlich allein ist die Bildlichkeit der Sprache und gleichermaßen grausam die damit erzeugten, klaren Bilder klarer Emotionen. Was die Lektoren schreiben trifft deswegen den Gehalt des Buches viel besser, wenn sie von einem „Grenzgang zwischen Betörung und Grausamkeit“ schreiben. Aus diesem Grund ist das Buch jenen zu empfehlen, die im menschlichen Wesen nicht das Absurde, sondern das Zerstörte erkennen. Den zerbrochenen Schmetterling.

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