Hotel Iris

von Yoko Ogawa 
3,8 Sterne bei31 Bewertungen
Hotel Iris
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (20):
Kerstin_Westerbecks avatar

Eine schockierende Liebesgeschichte!

Kritisch (2):
SentaRichters avatar

Der Klappentext verspricht mehr, als das Buch hält. Nicht schlecht, aber auch nicht allzu besonders...

Alle 31 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Hotel Iris"

Die dunkle Welt des Begehrens

Die junge Mari macht eines Tages die Bekanntschaft eines deutlich älteren, faszinierenden Mannes. Sie folgt ihm auf eine einsame Insel, wo er an der Übersetzung eines Romans arbeitet, dessen Heldin ein grausames Ende findet – genau wie seine eigene Frau Jahre zuvor. Mari verstrickt sich immer tiefer in eine dunkle Beziehung mit ihm, voller Schmerz, aber auch voller Lust. Doch dann droht die Situation zu eskalieren.

“Ogawa ist originell, elegant – und sehr beunruhigend.” Hilary Mantel

„Ogawa spielt mit der Kraft der Sprache.“ Publishers Weekly

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746632216
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:18.07.2016

Rezensionen und Bewertungen

Neu
3,8 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne6
  • 4 Sterne14
  • 3 Sterne9
  • 2 Sterne2
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    zwischen_meinen_zeilens avatar
    zwischen_meinen_zeilenvor 2 Jahren
    Eine Überraschung von Yoko Ogawa...


    Ähm ja, das war eine schnelle, einsaugende, verstörende Lektüre. Auch wenn der Klappentext eine dunkle Begierde verspricht, hatte ich das nicht erwartet. Besonders nicht von Yoko Ogawa! Ok, im „Museum der Stille“ gibt es einen Frauenmörder und es sterben Menschen, aber diese Beziehung ist schon krass. Wobei es ihr ja gefällt, also schon in Einverständnis geschieht. Die Sprache ist wie immer schön, die Beobachtungen kleiner Dinge besonders. 

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    tinations avatar
    tinationvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine etwas ungewöhnliche, aber interessante Liebe
    Eine etwas ungewöhnliche, aber interessante Liebe

    Das Buch: Die siebzehnjährige Mari arbeitet im Hotel ihrer Mutter. Meist an der Rezeption. Und da bekommt sie so einiges von den Eigenarten der Gäste mit. So auch, als mitten in der Nacht eine Hure ein Hotelzimmer verlässt – verfolgt von Rufen eines Mannes. Und dieser Mann geht Mari nicht mehr aus dem Kopf. Und so kommt es wie es kommen musste: Mari und der Mann, der Übersetzer, fangen heimlich ein Verhältnis an. Und dieses überschreitet viele Grenzen im Leben von Mari…

    Fazit: Mari ist jung. Und verliebt sich in einen alten Mann. Da rücken die Geschehnisse im Hotel Iris schnell in den Hintergrund. Denn tatsächlich ist diese „Liebe“ zwischen beiden weitaus reizvoller als das übliche Hotelleben in einem Küstenort. Denn schon alleine der Altersunterschied kann durchaus creepy erscheinen. Doch hat man das erst einmal hinter sich, wird es noch wilder: „50 Shades of Grey“ lässt grüßen! Aber dies soll jetzt auf keinen Fall abwertend klingen. Die Autorin schafft es durchweg die Anziehung zwischen Mari und ihrem Übersetzer niveauvoll und bedacht herüberzubringen.

    Es bleibt somit ein Buch über die Liebe. Und zeigt einige Facetten der Liebe und zeigt auch, was Träumerei, Besessenheit oder Anziehung ist. Denn ob Mari den Übersetzter wirklich liebt, weiß sie selbst nicht. Aber diese Anziehung beider ist auch eine Form der Liebe. Und so kann diese Story nur tragisch enden. Und auch das hat Ogawa gut hinbekommen, obwohl ein paar Seiten dann doch gut getan hätten.

    Trotzdem bleibt durchweg ein kleiner fader Beigeschmack zurück. Denn dieses Buch spielt mit den Grenzen der Gesellschaft. Und das kommt auch beim Leser an. Natürlich ist dies gewollt und Ogawa hat auch dies gut darstellen können. Dadurch kommen aber alle Figuren ein wenig zu negativ herüber, als sie eigentlich sein sollten. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau.

    Zusammenfassend ist dieses Buch empfehlenswert. Absolut kein Vergleich zu dem oben genannten Buch. Niveauvoll, schüchtern, leise, attraktiv und begehrenswert. So ist dieses Buch.

    https://booksoftination.wordpress.com/2016/09/21/yoko-ogawa-hotel-iris/

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    divergents avatar
    divergentvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Für das Ende braucht man starke Nerven !
    Hotel Iris

    Titel: Hotel Iris
    Originaltitel: Hoteru Airisisu
    Autor: Yoko Ogawa
    Seitenanzahl: 223
    Genre: Roman
    Verlag: Aufbau Taschenbuch


    Mari ist 17 und arbeitet in dem Hotel von ihrer Mutter als Rezeptionistin.
    Als sie eines Tages einem sehr viel älteren Mann begegnet, der in ihrem Hotel absteigt, ist Mari von Anfang an sehr fasziniert von dem fast 50 Jahre älteren Mann. Sie lernt den Mann, einen Übersetzer besser kennen und zwischen ihnen entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung die für Mari gut und schlecht zugleich ist. Mari steckt immer mehr in diese Beziehung rein bis es zu einer Eskalation kommt...


    Ich fand die Geschichte von Anfang an sehr interessant erzählt. Auch der Schreibstil der Autorin ist flüssig und angenehm zu lesen. Doch ich hatte mit dieser doch nicht ganz alltäglichen Beziehung von Mari und dem sehr viel älteren Mann schon so meine Probleme. Alleine was der Mann alles mit Mari macht ist ziemlich verstörend zu lesen. Was ich mich ja immer gefragt habe war, weshalb sie nicht schreiend davon gelaufen ist und immer wieder zu dem Mann zurückgekehrt ist. Eine solche Beziehung ist doch für so ein junges Mädchen auf die Dauer nicht gesund.
    Ich muss der Geschichte einen Punkteabzug geben, wegen dem Ende! Das Ende ist schon ziemlich heftig zu lesen und nichts für schwache Nerven. Klar ahnt man, dass irgendwas schlimmes passieren muss, aber mit dem was dann passiert, habe ich so nun auch nicht gerechnet! Einen weiteren Punkteabzug gibt es für diese verstörende Beziehung. Ich hab schon damit gerechnet, dass die Beziehung von Mari und dem Übersetzer anders sein wird, doch mit Sadomaspchismus und Erniedrigungen habe ich so natürlich auch nicht gerechnet. Wer kein Problem mit solchen Themen hat, kann ruhig zu dem Buch greifen! Das ist so ein typisches Beispiel für einen Roman, der einfach polarisiert. Die Einen werden diesen Roman mögen - die Anderen nicht. 


    Ein sehr ungewöhnlicher Roman, der nicht schlecht ist, nur leider nicht so mein Fall war. Aber der Erzählstil der Autorin ist wirklich sehr gelungen und lesenswert! 3 von 5 Sternchen!

    Kommentieren0
    55
    Teilen
    zauberblumes avatar
    zauberblumevor 2 Jahren
    "Hotel Iris"

    "Hotel Iris" ist das erste Buch, das ich von der bekannten japanischen Autorin Yoko Ogawa gelesen habe. Die Geschichte: Die junge Mari macht eines Tages die Bekanntschaft eines deutlich älteren, faszinierenden Mannes. Sie folgt ihm auf eine einsame Insel, wo er an der Übersetzung eines Romans arbeitet, dessen Heldin ein grausames Ende findet – genau wie seine eigene Frau Jahre zuvor. Mari verstrickt sich immer tiefer in eine dunkle Beziehung mit ihm, voller Schmerz, aber auch voller Lust. Doch dann droht die Situation zu eskalieren. Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen. Sie liest sich doch etwas anders als meine bisherig gelesenen Bücher. Ich kann Mari nicht verstehen, was sie an dem alten Mann findet, ist es die sexuelle Anziehungskraft? Es ist doch alles absurd und unvorstellbar. Mari ist dem alten Mann direkt hörig. Irgendwie war ich beim Lesen der Geschichte unruhig, so richtig begeistert hat mich das ganze nicht. Das Cover ist für mich ganz in Ordnung. Wirkt melancholisch und passt zum Ganzen. Ich vergebe für dieses Lektüre 4 Sterne

    Kommentieren0
    7
    Teilen
    vielleser18s avatar
    vielleser18vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Schockierend, beklemmend und doch genial erzählt.
    Schockierend, beklemmend und doch genial erzählt.

    Mari ist 17. Die Mutter ist herrschsüchtig, dominant, gängelt Mari jede Minute. Lässt ihr keinen Freiraum. Maris Vater erging es ähnlich, er flüchtete in den Alkohol und kam ums Leben als Mari 8 Jahre war. Dennoch sind Maris besten Kindheitserinnerungen diejenigen, in denen ihr Vater und ihr Großvater eine Rolle spielten. Als ein wesentlich älterer Mann, der ihr Großvater hätte sein können, im Hotel Iris, dem Hotel ihrer Familie, nachts einen lautstarken Streit mit einer Prostituierten bekommt, der eskaliert, ist Mari nicht abgeschreckt, sondern fasziniert. Als sie ihm kurze Zeit später zufällig wiederbegegnet, entwickelt sich zwischen diesen beiden ungleichen Personen eine Beziehung der ganz besonderen Art. Mari lässt sich von ihm demütigen, sado-maso Spiele beflügeln ihre Lust. Immer weiter hinein gerät sie in den Strudel der fast unerklärlichen Anziehung zu diesem alten Mann........


    223 Seiten, die durch die ganz besondere Erzählweise der japanischen Autorin Yoko Ogawa schnell gelesen sind. Faszinierend, wie sich das Geschehen langsam aufbaut, der Strudel, in den sich Mari verfängt, sie immer mehr an den Abgrund treibt. Erzählt wird in der Rückblende aus der Sicht von Mari, nüchtern berichtet sie, schonungslos und der Autorin gelingt es in die Haut der jungen, unbedarften, unerfahrenen und von der Dominanz der Mutter geprägten Protagonistin zu schlüpfen. Auch wenn man sich nicht mit ihr identifizieren kann, ja teilweise abgeschreckt von ihr ist, hat mich die Geschichte gefesselt. Die weiteren Protagonisten bleiben in ihrer Art weitgehend im Dunkel  - was ihre Beweggründe waren, was ihre Vergangenheit, ihre Gefühle betrifft. Dies zeichnet sich schon an ihren fehlenden Namen ab - die Mutter, der Übersetzer, der Neffe, die Zugehfrau, namenlos, schattenlos und nur durch die Wahrnehumung von Mari dargestellt.

    Viele Szenen dunkler Begierde gehen unter die Haut, schrecken ab, beunruhigen, sind aber dennoch irgendwie nüchtern und gefühllos beschrieben, so dass sie bizarr und mit der ausdrucksstarken Schreibweise der Autorin dennoch lesbar und ertragbar sind.

    Fazit:
    Ein gut gezeichnetes Psychogramm eines jungen Mädchens, das in einen dunklen Strudel aus Lust, Begierde und Schmerz gerät.
    Schockierend, beklemmend und doch genial erzählt.

    Kommentare: 7
    31
    Teilen
    Aydas avatar
    Aydavor 2 Jahren
    Sprachliches Meisterwerk und faszinierend verstörend...

    Lesehighlight 2016
    5 Rosen 🌹🌹🌹🌹🌹
    "Mir war,als wäre er eine vom Fluß der Zeit unberührte Erscheinung,jenseits von Vergangenheit und Gegenwart,deren Existens auf dem Treppenabsatz im Hotel Iris ihren Ursprung hatte." (Auszug  aus dem Buch)

    Inhalt:
    In der Geschichte geht es um die 17 jährige Mari, die mit ihrer herrischen Mutter ein Hotel namens Iris führt. Neben Zimmerpflege und Küchenarbeit ist Mari vor allem für die Rezeption zuständig. Eines Tages streiten sich ein Mann und eine Frau, sie beschimpft ihn und wir erfahren schnell, dass die Frau eine Prostituierte ist. Der Mann hingegen ist sehr still und verlässt ebenfalls zügig das Hotel. Mari ist sofort fasziniert von diesem Unbekannten,obwohl er weitaus älter als sie ist. Als sie in den nächsten Tagen Einkäufe für die Mutter erledigen muss, trifft sie in zufällig in der Innenstadt und auch er erkennt sie sofort. Er, der das ganze Buch über, "Der Übersetzer" genannt wird, übersetzt derzeit ein Buch vom russischen, dessen Hauptprotagonistin stirbt, genaus so wie seine Frau vor vielen Jahren. Zwischen der jungen und aufgeweckten Mari und ihm entwickelt sich schnell eine Art Beziehung und sie macht sich auf den Weg auf die Insel wo der Mann lebt,ohne zu ahnen auf was sie sich einlässt...

    Meine Meinung:
    Ich kann schon vorab sagen,ich habe das Buch an 1,5 Tagen verschlungen. Mich hat die Geschichte von der ersten Seite ab so gefesselt,dass ich garnicht mehr aufhören konnte  zu lesen. Dieser Schreibstil ist so grandios, dass neben der interessanten Geschichte vor allem dieser Aspekt mich sehr sehr begeistern konnte. Weiterhin erleben wir hier eine sehr außergewöhnliche Beziehung zwischen einer so jungen Frau und einem Mann, der ihr Vater oder sogar Großvater sein könnte. Aber neben dem Altersunterschied, ist es viel mehr die Obsession und Begierde,die sie so schnell für sich verspüren. Mari ist ein sehr sympathisches und emotionales Mädchen, dass mir sehr ans Herz gewachsen ist. Es gibt auch Szenen,die ich doch schon sehr heftig fand, dass sie sowas erlebt oder über sich ergehen lässt. Ihre Mutter ist sehr autoritär und egoistisch, an das Wohlergehen ihrer Tochter ist sie weniger interessiert,bis sie eines Tages nicht mehr zurückkommt...

    "Alle deine Besucher kommen heimlich,stimmt´s? Ja, da hast Du recht. Wenn sie sich verraten, versinken sie mitsamt der Insel im Meer." (Auszug aus dem Buch )

    Ein Buch,das mich schockieren und gleichzeitig begeistern konnte. Sprachlich auf einem hohen Niveau erzählt uns Ogawa die Begierde und Obsession, die sich zwischen Mari und dem Übersetzer entwickelt.
    Ich habe es sehr gerne gelesen und möchte dem Buch 5 Sterne geben!

    Autorin:
    Yoko Ogawa, geboren 1962, gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen der Gegenwart. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit zahlreichen namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrer Familie in der Präfektur Hyogo. Im Aufbau Taschenbuch sind ihre Romane „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“, „Das Museum der Stille“, „Schwimmen mit Elefanten“ und „Liebe am Papierrand“ lieferbar.
    (Quelle: www.aufbau-verlag.de)

    Kommentieren0
    21
    Teilen
    sommerleses avatar
    sommerlesevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sprachlich fast teilnahmslos erzählt, fesselt die Geschichte mit Dramatik und verstörender Abhängigkeit Maris.
    Stößt ab und fesselt dennoch

    Der Roman "*Hotel Iris*" wurde von der japanischen Autorin "*Yoko Ogawa*" 1996 geschrieben. 2016 erscheint die deutsche Übersetzung  im "*Aufbau Taschenbuch Verlag*".

    Die junge Mari leidet unter ihrer herrischen Mutter und macht die Bekanntschaft eines deutlich älteren Mannes. Er wohnt auf einer einsamen Insel, wo er als Übersetzer arbeitet. Sie nehmen eine dunkle Beziehung auf, er schreibt ihr faszinierende Briefe, die für Mari nach sehnsüchtiger Liebe klingen. Bis die Situation schliesslich eskaliert.

    Dieses Buch zog mich magisch in einen Lesesog. Auch wenn ich Maris Gefühle für den alten Übersetzter nicht verstehen kann und  einige Szenen mir ekelhaft und abschreckend erscheinen, wollte ich dennoch wissen, wie die Geschichte ausgeht. 

    Außerdem fasziniert mich die Ausdruckskraft der Erzählweise Ogawas. Die knappe, einfache und doch voller Sinnlichkeit fesselnde  Sprache ist ein einziger Lesegenuss.

    Dabei beschreibt dieses Buch echte Tabuthemen - Sado-Masochismus und Sexualität zwischen Partnern mit hohem   Altersunterschied.
    Hier erkennt man die beiden verlorenen Seelen. Da sind die zwei Seiten des alten Mannes und Maris Sehnsucht nach Liebe, die sie ihm entgegen bringt. Denn in seinen Briefen zeigt er sich voll verzehrender Liebe nach ihr, besucht sie ihn in seinem Haus, ist er der Bestrafer. Er will sich vergewissern, ob es ihn noch gibt. Sie geniesst die neu erweckte Lust und ein Leben neben ihrer Rolle als Tochter und Arbeitskraft.

    Die perversen sexuelle Neigungen drücken den Schmerz beider Figuren aus, es wird aber niemals anzüglich oder obszön. Hier schafft Yoko Ogawa es, die unverständliche Zuneigung Maris auszudrücken. 

    Der Erzählstil in einer zurückgenommenen, knappen, fast kargen Sprache wirkt wie eine Beobachterrolle. Das erweckt einen kargen traurigen Eindruck, die Aussicht auf die herrische Mutter oder den kranken Alten, wo ist hier Hoffnung?
    Ist es wirklich eine Liebesbeziehung oder fliehen hier zwei verlorene Seelen vor ihrem tristen Alltag?

     
    Ein Roman, der abschreckt und dennoch fesselt, weil man lesen möchte, wie die Figuren enden.

    Kommentieren0
    78
    Teilen
    Stefan83s avatar
    Stefan83vor 5 Jahren
    Der alte Mann und das Mädchen

    Pendragon, Arche, Ariadne/Argument, Liebeskind – im Meer der großen deutschsprachigen Verleger sind es oftmals die vermeintlich Kleinen, welche mit einem zwar übersichtlichen, aber stets erlesenen Programm zu überzeugen wissen. Und besonders letztgenannter hat sich in den vergangenen Jahren zu einer sicheren Bank für mich gemausert. Was bei Liebeskind erscheint, das kann, so zumindest meine Erfahrung, nicht nur bedenkenlos gekauft, sondern auch stets mit Vergnügen gelesen werden. Dennoch hat es lange gedauert, bis Yôko Ogawa in mein Bücherregal gewandert ist. Geschuldet ist diese Zurückhaltung einer allgemeinen Skepsis was japanische Literatur angeht. Das Land der aufgehenden Sonne und des Lächelns ist mir seit jeher etwas suspekt, seine Kultur so sehr und auf eine gewöhnungsbedürftige Art und Weise von der unseren verschieden, dass sich mein Interesse an ihm in Grenzen hält. Der lieben Frau Susanne Fink, Verantwortliche für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei Liebeskind, ist es zu verdanken, dass ich dennoch einen Versuch gestartet habe: „Hotel Iris“ war ihre Empfehlung, meine erste Ogawa und, auch wenn das Leseerlebnis aufgrund der Thematik doch irgendwie zwiespältig ausfällt, wohl nicht meine letzte.

    Kurz zur Handlung: Zusammen mit ihrer Mutter führt die 17-jährige Mari das titelgebende „Hotel Iris“ in einem kleinen Badeort an der japanischen Küste. Ein wenig einträglicher und zuweilen eintöniger Job. Zumindest bis zu dem Abend, wo sie Zeugin eines lautstarken Streits zwischen zwei Gästen wird. Ein älterer Herr und eine offensichtlich zutiefst schockierte Prostituierte, die vor seinen sexuellen Neigungen Reißaus nehmen will. Gegen ihren Willen ist Mari beeindruckt von diesem mysteriösen Mann, der trotz seiner abartigen Wünsche Würde und Eleganz ausstrahlt. Und damit genau das verkörpert, was „Hotel Iris“ seit langer Zeit verloren hat. Als sie ihn wenige Tage später in der Stadt wiedersieht, spricht sie ihn an und folgt ihm kurzerhand mit einer Fähre auf eine kleine Insel. Hier, zurückgezogen von den Menschen, arbeitet der Mann an der Übersetzung eines russischen Romans, an dessen Ende die Heldin der Geschichte ein gewaltsames Ende findet. Genau wie seine eigene Frau Jahre zuvor.

    Mari ist gleichermaßen abgestoßen und fasziniert. Hat der Mann seine Frau gar selbst getötet? Wäre er zu so etwas fähig? Von der Neugier getrieben, verbringt sie immer mehr Zeit mit ihm. Stets eingeladen durch einen liebevollen Brief, dem in seinem Haus auf der Insel die Demütigung folgt. Gefesselt und unfähig zur Flucht, lässt sich Mari auf dieses Spiel aus Bestrafung und Lust ein, bis sie eines Tages hinter sein Geheimnis kommt... und aus dem Spiel ernst wird.

    Sado-masochistische Praktiken, sexuelle Beziehungen zwischen sehr jung und sehr alt – nein, thematisch wäre „Hotel Iris“ kein Roman gewesen, der mit mir gemeinsam die Buchhandlung meines Vertrauens verlassen hätte. Die Neigung, den eigenen Körper verletzten zu wollen und daraus auch noch Befriedigung zu ziehen, ist mir zutiefst suspekt, wenngleich sie hier äußerst anschaulich und nachvollziehbar geschildert wird. Im Mittelpunkt stehen zwei Charaktere, welche zwar viele Lebensjahre trennen, die aber beide auf ihre Art und Weise einsam, auf der Suche nach einer verwandten Seele sind. Besonders Mari hadert mit der wenig erfüllenden Arbeit im Hotel, lässt sich immer mehr hängen und gibt sich dabei kaum Mühe, ihre Unzufriedenheit zu verbergen. Gerade diese innere Unruhe ist es, welche sie in die Arme des Mannes treibt. Er verkörpert den drastischen Gegensatz zum Hier und Jetzt, holt Mari aus der Tristesse des Alltags. Gleichzeitig ist es eine Rebellion gegen die Zwänge des Hotels und die allgegenwärtige Mutter. Während sie hier lediglich gebraucht wird, will der Übersetzer sie – und alles von ihr. Es ist dieses ihr entgegengebrachte Verlangen, dass den schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens in Gang setzt – aber auch letztlich die Schattenseiten dieser Entwicklung schmerzlich spürbar werden lässt.

    Für den Leser ist diese Verwandlung Maris mitunter schwer zu ertragen. Ogawa schreibt zwar nicht obszön, aber doch klar und mitunter eiskalt sachlich. Sie geht weit über die üblichen Andeutungen hinaus und wird selbst in den intimsten Momenten konkret, wobei sich das voyeuristische Potenzial dieser Szenen in Grenzen hält. Letztlich war es aber diese knappe, gefühlskalte Sprache, die „Hotel Iris“ zu einem lohnenden Leseerlebnis gemacht hat. Mit einem anderen thematischen Hintergrund könnte in Zukunft aus dem soliden Vergnügen eventuell sogar Begeisterung werden. Andere Titel der Autorin werden jedenfalls in Bälde auf meinen Merkzettel wandern.

    Insgesamt ist „Hotel Iris“ ein drastisch-klarer, ungekünstelter „Coming-of-Age“-Roman. Schwer verdaulich, hart, aber auch eindringlich und nachwirkend. Einmal mehr hat der Liebeskind-Verlag hier einen guten Riecher bewiesen.





    Kommentieren0
    16
    Teilen
    geckos avatar
    geckovor 11 Jahren
    Rezension zu "Hotel Iris" von Yoko Ogawa

    Der Roman ist sehr düster und zu Beginn nicht sonderlich spannend. Trotzdem
    entwickelt und entfaltet sich die Geschichte, auch wenn man sich erst
    hinein lesen muss.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    SentaRichters avatar
    SentaRichtervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Der Klappentext verspricht mehr, als das Buch hält. Nicht schlecht, aber auch nicht allzu besonders...
    Kommentieren0

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks