Yoko Ogawa Zärtliche Klagen

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Inhaltsangabe zu „Zärtliche Klagen“ von Yoko Ogawa

Tief verletzt durch die Untreue ihres Mannes, flieht Ruriko aus Tokio und zieht sich in ein einsam gelegenes Landhaus zurück. Sie arbeitet als Kalligrafin und will dort Ruhe finden, um die Transkription der Lebenserinnerungen einer englischen Dame abzuschließen. Bald schon lernt sie ihre neuen Nachbarn kennen. Nitta war früher ein bekannter Pianist und widmet sich nun dem Bau von Cembalos. Dabei geht ihm eine junge Frau namens Kaoru zur Hand, die er als seine Assistentin vorstellt. Von ihr erfährt Ruriko, dass Nitta nicht mehr vermag, in der Gegenwart anderer Klavier zu spielen. Es ist, als wäre sein Herz zu Stein geworden und die Musik zur bloßen Erinnerung. Ruriko und Nitta fühlen sich zueinander hingezogen, und doch spürt die Kalligrafin, dass zwischen ihm und seiner Assistentin unsichtbare Bande bestehen, die stärker sind als das, was Nitta für sie empfindet ... In ihrer unverwechselbaren, ebenso kühlen wie poetischen Sprache erzählt Yoko Ogawa die Geschichte eines Manns zwischen zwei Frauen. »Zärtliche Klagen« ist ein außergewöhnlicher Roman über das flüchtige Glück der Menschen und den unbegreiflichen Zauber der Musik.

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  • Einsamkeit und Melancholie

    Zärtliche Klagen
    serendipity3012

    serendipity3012

    21. March 2017 um 19:12

    Einsamkeit und Melancholie Yoko Ogawa ist hierzulande schon recht erfolgreich mit einigen Romanen wie „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ oder „Schwimmen mit Elefanten“. Ich habe den ersten der beiden Romane gelesen und in guter Erinnerung, wenn die Lektüre auch nicht so eindrücklich war wie jetzt diejenige von „Zärtliche Klagen“.Wobei der Titel eher abschreckend ist und mich zunächst von der Lektüre des Romans absehen ließ. „Zärtliche Klagen“ jedoch ist der Titel eines Klavierstücks von Jean-Philippe Rameau („Les tendres plaintes“), das im Roman eine zentrale Rolle spielt.Hauptfigur des Romans ist Ruriko, eine Frau um die 40, die vor ihrer unglücklichen Ehe aus Tokio in ein Landhaus flieht. Sie ist Kalligraphin und arbeitet gerade an der Transkribierung der Memoiren einer betagten englischen Lady. Auf dem Land lernt sie bald den Cembalobauer Nitta und seine Assistentin Kaoru kennen. Beide begegnen ihr freundlich und sie verbringen viel Zeit miteinander. Nitta war einst begabter Cembalist, der nicht mehr vor Publikum spielen kann, und Kaoru ist vor einer Tragödie aufs Land geflohen. Ruriko fühlt sich bald zu Nitta hingezogen, spürt aber auch, dass zwischen Nitta und Kaoru ein besonders Band besteht, sie eine undurchschaubare symbiotische Beziehung zu haben scheinen.Was sich so vielleicht anhört wie eine banale Dreiecksgeschichte, wird zu etwas Besonderem durch den feinen Stil der Autorin. Ogawa scheint den Leser dazu anhalten zu wollen, nicht durch die Geschichte zu hetzen, sondern sich Zeit zu nehmen und sich auf ihren Rhythmus einzulassen. Ihre Sprache ist einfach und auf den Punkt, wobei gelegentliche Redundanzen auffallen, wenn sie den gleichen Sachverhalt noch einmal in anderen Worten wiederholt. Was mich zunächst irritierte, empfand ich später als stimmig und verstärkend.Vor allem ist „Zärtliche Klagen“ die Geschichte einer Frau, die schon lange einsam war, die sich nicht aus ihrer Ehe befreien konnte oder wollte, die schon lange nicht mehr glücklich war. Ihre Einsamkeit setzt sich auch dann fort, als sie Nitta und Kaoru kennenlernt, und doch macht Ruriko einen Reifeprozess durch, an dessen Ende sie gestärkt sein wird. Und auch Nitta und Kaoru sind vom Leben geschlagene, gebeutelte Figuren, die sich nicht von ungefähr aufs Land zurückgezogen haben, wo sie Cembalos bauen – und wo auf den Instrumenten auch gespielt wird, unter anderem die titelgebenden „Zärtlichen Klagen“, Es spielt eine nicht unwesentliche Rolle, wer da für wen Musik macht. „Zärtliche Klagen“ erschien in Japan bereits 1996. Es ist ein bisschen so, als hätten Mobiltelefone und Tablet-PCs sowieso nicht in diese leise Geschichte gepasst, in der sich die Figuren so sehr auf sich selbst und einander konzentrieren. Ogawas Roman wird getragen von einer melancholischen Grundstimmung, die ich trotz der fast greifbaren Einsamkeit Rurikos als sehr stimmig und angenehm empfunden habe.Ogawas Figuren benehmen sich von Zeit zu Zeit seltsam, schweigen, wo sie reden sollten, handeln unerwartet. Und ja, manchmal bewegt sich die Autorin dann doch nah am Kitsch. Dennoch ist „Zärtliche Klagen“ ein feines, melancholisches und kraftvolles Buch über Einsamkeit, Liebe und Musik und über die Frage, wie wir unser Leben leben wollen.

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