Neue Rezensionen zu York Hovest

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Als der Fotograf York Hovest den Dalai Lama während seines Deutschlandbesuchs 2011 begleitete, gab er ihm das Versprechen, nach Tibet zu reisen und das Land zu porträtieren und der Welt zu zeigen. Die Vorbereitungen für seine hunderttägige Expedition dauerten ein ganzes Jahr, dann konnte er sich zu Fuß, mit dem Motorrad oder dem Auto in die verschiedensten Gebiete Tibets begeben. Dabei wanderte er auch abseits der üblichen Pfade und lernte Tibeter kennen, die ihn tatkräftig unterstützten.
Das 220 Seiten umfassende Buch ist in die Abschnitte Nepal, Zentraltibet, Südtibet, Westtibet und Nordtibet gegliedert und beinhaltet rund 205 Abbildungen und Texte zu York Hovest Erfahrungen. Die einzelnen Kapitel werden mit kleinen Landkarten eingeleitet, sodass man sich vorab einen kleinen Überblick über den nächsten Reiseabschnitt machen kann. Zudem finden sich immer wieder Zitate des Dalai Lama.

Versprochen wurde also ein Werk, dass Tibet genauso abbildet, wie es tatsächlich ist. Ein großes Vorhaben, auf das ich sehr gespannt war. Das Werk beinhaltet definitiv schöne Fotografien. Da ich selber noch nie in Tibet gewesen bin, freute ich mich auf verschiedene Blickwinkel auf das Land und auf Geschichten aus dem Alltag der Tibeter.

Allerdings muss man sagen, dass das Buch sehr einseitig gehalten ist. Die schöne Landschaft wurde fleißig abgelichtet, doch sucht man kritische Bilder vergebens. Von der verschwindenden Kultur, der chinesischen Besatzung, der Polizei- und Militärpräsenz, Massentourismus und Ähnlichem wird hier nichts auch nur angeschnitten. Seltsam leer wirken zudem die Bilder, auf denen allenfalls einzelne Häuser in der Landschaft zu erkennen sind. Doch gehören Städte wie Lhasa, Xigazê, und besonders Garzê mit ihren dicht an dicht gebauten Häusern ebenso dazu, wenn man Tibet und seine Menschen abbilden möchte. Zwar wird an einer Stelle auch beschrieben, dass es in Lhasa keinen öffentlichen Platz mehr gäbe, an dem man nicht von Kameras observiert würde oder dass sich in den letzten 5 Jahren über 130 Tibeter verbrannt haben, um die Welt auf Tibets Situation aufmerksam zu machen (S.52), doch findet sich dazu nicht ansatzweise auch nur ein Hinweis in den zu dem Abschnitt gehörenden Fotos: Stattdessen ein Kloster von innen, das wie leer gefegt wirkt und von einer Butterlampe in mystisches Licht getaucht wird.
Durchaus wird auch von Erlebnissen berichtet, in denen die unterschiedlichen Lebensbedingungen unserer westlichen Welt mit der Tibets in Verbindung gebracht werden - beispielsweise als Hovest eine Mikrowelle beschreibt und die Tibeter über ein solches Gerät lachen -, doch fehlt mir mehr solchen Austausches. In die tatsächliche Lebenswelt scheint man mit dem Buch keinen Einblick erhalten zu können.

Somit ist dieses Buch sicherlich schön, um einen Eindruck zu gewinnen, doch ist das gezeichnete Protrait sehr einseitig gehalten und befasst sich nicht mit den Problemen, mit denen Tibet konfrontiert wird. Gerade da dieses Buch kein normaler Bildband, sondern ein realitätsgetreues Portait darstellen soll, bin ich nun etwas enttäuscht. Die Fotografien sind schön, die Gestaltung ansprechend, doch fehlt mir das Einlösen des Versprechens, das Hovest dem Dalai Lama gab.

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Rezension zu "Hundert Tage Amazonien" von York Hovest

‚So konnte ich die Schönheit des Regenwaldes und seiner Bewohner mit der Kamera einfangen [...].'
sabatayn76vor 2 Jahren

‚So konnte ich die Schönheit des Regenwaldes und seiner Bewohner mit der Kamera einfangen und zeigen, was wir bewahren sollten beziehungsweise was wir verlieren, wenn wir es nicht schützen.‘

Inhalt:
York Hovest war 100 Tage in Amazonien unterwegs und brachte von seiner Reise durch Peru, Brasilien, Venezuela und Ecuador zahlreiche Fotos und Geschichten über Amazonien und die hier lebenden indigenen Völker mit.

Mein Eindruck:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, denn Hovests Fotos von Amazonien und den Menschen, die im Amazonasgebiet leben, sind sehr gelungen und fangen die Stimmung in Amazonien perfekt ein. Durch die ästhetischen Abbildungen und die lehrreichen Texte erhält der Leser Einblicke in eine bisher kaum bekannte Welt und bekommt ausführliche Informationen zur Region.

Die Fotografien sind meist großformatig, oft doppelseitig und zeigen ausdrucksstarke Menschen in s/w, exotische Tiere in Farbe, wunderbare Landschaften und faszinierende Makroaufnahmen.

Mein Resümee:
Ein ästhetischer und anspruchsvoller Bildband.

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Rezension zu "Hundert Tage Tibet" von York Hovest

Es war einmal ein Versprechen...
ForeverAngelvor 4 Jahren

Einst schrieb  York Hovest einem Mann einen Brief und gab ihm ein Versprechen. Dieser Mann war niemand anderes als der Dalai Lama. Er versprach ihm, eines Tages in sein Land zu reisen und alles, was es ausmacht, fotografisch festzuhalten. Er versprach, die Bilder eine ganz besondere Geschichte erzählen zu lassen. Vielleicht glaubte der Dalai Lama ihm. Vielleicht nicht. Doch eins steht fest:  York Hovest hielt sein Versprechen. Viel Geld und noch mehr Zeit steckte in seiner Reise, doch schließlich gelang ihm, was zuvor unmöglich erschien: er bannte Tibet in all seiner Pracht, mit all seinen beeindruckenden Facetten, mit seiner Natur, seinen Menschen, seiner Religion, seiner Geschichte auf Fotografien. Er hat es trotz aller Hindernisse geschafft, Orte zu erkunden, die den meisten anderen Menschen verborgen und verwehrt bleiben und vor allem ist es ihm gelungen, seine tiefe Faszination für dieses Land in seinen Fotos wiederzugeben. Wo die landschaftlichen Fotos begeistern und den Atem rauben, berühren die Porträts von einzelnen Personen und die bewegenden Aufnahmen von Menschen, die weiter den Weg ihrer Tradition gehen, selbst wenn das bedeutet, mitten auf einer viel befahrenen Straße zu laufen. "Kritische" Fotos, die Tibet auch von seiner anderen Seite zeigen, die beispielsweise das Militär zeigen, fehlen. Leser, die einen vollständigen Bildband vor sich haben möchten, mag das stören. Andere vielleicht nicht. Das ist eine Frage der Prioritätensetzung bei diesem Bildband.  (Die Reise mag etwas weniger unmöglich und seine Leistung etwas weniger beeindruckend erscheinen, wenn man an den Sponsor denkt, der sie ihm finanziert hat.)


In 100 Tage Tibet erzählt  York Hovest von den Strapazen, die er auf sich genommen hat. Von der mehrfachen Konfrontation mit dem Gesetz, von dem Kampf gegen Naturgewalten, von dem Erkunden der eigenen Grenzen. Von den Menschen, denen er begegnet ist, und die bleibenden Eindrücke, die diese hinterlassen haben. Von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die ihm widerfahren ist. Von den Menschen, ohne deren Hilfe er diesen Bildband niemals hätte machen können. In seinen Berichten, die nicht so wirkungsvoll sind wie seine Fotos, erzählt er vor allem von seinen Anstrengungen, von den sportlichen Aktivitäten während des Aufenthalts in Tibet. Das Schriftbild ist schön dezent, sodass die Fotos wirken können, ohne von verspieltem Layout überschattet zu werden. Letztendlich sprechen seine Fotos für sich, aber die Texte helfen manches Mal zu verstehen, woher die Gefühle stammen, die auf den Fotos zu sehen und zu spüren sind. Nicht immer hat mich interessiert, was er geschrieben hat, oftmals habe ich die Bilder lieber selbst sprechen lassen, aber manches Mal waren die Informationen in seinen Texten sehr interessant. 


100 Tage Tibet befasst sich vor allem mit den schönen Facetten des Landes und überzeugt besonders durch eindrucksvolle Naturaufnahmen. Der Stil der Fotografien ist etwas gewöhnungsbedürftig, vielleicht wurde auch ein Filter verwendet. Einerseits passt er teilweise hervorragend zu den Motiven, andererseits hätte ich mir manchmal unbearbeitete Bilder gewünscht. Aber das ist Geschmackssache. Schön ist, dass das Versprechen, das  York Hovest dem Dalai Lama gegeben hat, den Bildern noch etwas mehr Tiefe verleiht und dass es sich wie ein vielleicht nicht sichtbarer, aber spürbarer roter Faden durch die Fotos zieht. 


Trotz des einen oder anderen Kritikpunktes ist es ein schöner, gelungener Bildband über Tibet und seine Einwohner. 


~*~ National Geographic ~*~ 220 Seiten ~*~ ISBN: 978-3-86690-411-8 ~*~ Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag ~*~ 45,00€ ~*~ Oktober 2014 ~*~
 


(c) Books and Biscuit

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