Yoshihiro Tatsumi Existenzen und andere Abgründe

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Inhaltsangabe zu „Existenzen und andere Abgründe“ von Yoshihiro Tatsumi

Mit Yoshihiro Tatsumi veröffentlicht Carlsen einen weiteren Meister japanischer Comicliteratur. Bereits in den 1950er-Jahren entwickelt er eine bis dato nicht gekannte realistische Erzählweise, zusammen mit anderen Zeichnern gilt er als Gründer der Gekiga, der realistischen Manga. Seine Charaktere führen ein Leben, das geprägt ist von Frustrationen und existentiellen Ängsten. Ohne jemals in Sentimentalitäten zu verfallen, zeigt Tatsumi tiefes Einfühlungsvermögen für die Verirrten und Verlierer, die die Gesellschaft in ihrem Kielwasser aufgegeben hat. Tatsumis Buch »A Drifting Life« wurde 2010 mit zwei Eisner Awards ausgezeichnet. Die vorliegende Graphic Novel »Existenzen und andere Abgründe« wurde 2008 auf dem Comicsalon in Angoulême für den Prix Alph-Art nominiert und umfasst dreizehn Kurzgeschichten, die in den 1970er-Jahren entstanden sind − den Abschluss bildet ein persönliches Nachwort des Autors und Zeichners.

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  • Rezension zu "Existenzen und andere Abgründe" von Yoshihiro Tatsumi

    Existenzen und andere Abgründe

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. January 2012 um 19:49

    Einen besseren Titel für diese Sammlung von Erzählungen hätte man kaum finden können: Die Hauptfiguren der 13 verschiedenen Geschichten stecken stets tief in existenziellen Krisen, und an ihrer Seite wird der Leser von einem Abgrund zum nächsten geführt. Ob Kriege und ihre Folgen, Prostitution, Obdachlosigkeit oder Mord - was Tatsumi zu erzählen hat, ist nicht schön, sondern bedrückend und schockierend. Im Gegensatz zu vielen Mangas richtet sich “Existenzen und andere Abgründe” dementsprechend an ein erwachsenes Publikum. Vielleicht hat sich der Verlag deswegen entschlossen, den Band als Graphic Novel in westlicher Leserichtung zu veröffentlichen. Ihre Entstehung in den 1970er-Jahren sieht man den Figuren anhand von Frisuren, Brillen und Lidstrichen an und fühlt sich so in die Zeit ihres Ursprungs versetzt. Da der Autor in erster Linie unter Zeitdruck für Magazine zeichnete, wirkt der Stil zum Teil etwas ungelenk, was der Atmosphäre aber keinen Abbruch tut. Im Gegenteil: Tatsumi hat es nicht nötig, durch Effekthascherei vom Inhalt abzulenken. Was den Tiefgang angeht, steht er den Schreibern guter Prosa in nichts nach.

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  • Rezension zu "Existenzen und andere Abgründe" von Yoshihiro Tatsumi

    Existenzen und andere Abgründe

    K-to-the-Nut

    08. November 2011 um 23:19

    Unsere Alten haben uns gelehrt, dass Comics komisch sein müssen. Der Leser soll zum Lachen gebracht werden. Wir wollen das nicht mehr tun.“ Diese Worte vom Yoshihiro Tatsumi prangen im Klappentext des im September erschienenen Buchs „Existenzen und andere Abgründe“. Die Graphic Novel, die eigentlich ein Sammelband bestehend aus vielen kleinen graphischen Novellen ist und Tatsumis Werk nun auch im Westen zu mehr Bekanntheit verhelfen soll, trägt seine Worte wie einen Orden und Schild zugleich. Sie sollen warnen vor der vermeintlichen Andersartigkeit der Comic-Geschichten, die zugleich aber auch ihren großen Wert und ihre Bedeutung ausmachen. Denn die zwischen 16 und 30 Seiten langen Kurzgeschichten sind düster, zeigen ohne große erzählerische oder graphische Ausschmückungen von ganz normalen traurigen Menschen, die ein gewöhnlich außergewöhnliches Leben langsam in Verzweiflung stürzt. In der Geschichte „Leidenschaft und Reue“ kommt der junge Tatsuya in den Semesterferien zu Besuch bei seinem Vater, der als No Schauspieler arbeitet– Schauspieler die den Charakter ihrer gespielten Figur mit unterschiedlichen Masken und Bewegung darstellen. Während zu seinem Vater seit langem schwelende Spannungen bestehen, treibt Tatsuya aber vor allem die glühende, geheime Affäre zu seiner anscheinend fast gleichaltrigen Stiefmutter um. Bis sein Vater dahinter kommt. „Die Stadt in meiner Hand“ ist die Geschichte von zwei Brüdern, der eine durch eine archaischen medizinischen Eingriff am Gehirn, der Lobotomie, geistig verkrüppelt, der andere durch die Perspektivlosigkeit in die Prostitution und schließlich in die Selbstzerstörung getrieben. Auch alle anderen Comics des Sammelbandes erzählen von Sex, Gewalt, Sehnsucht, Einsamkeit und Depressionen. Wahrlich nichts, was den Leser zum Lachen bringen soll. Während heute Comics – oder Graphic Novels - mit ernstem Inhalt zumindest für Kenner der Comicszene nichts Neues mehr sind, waren in Japan in den 50er Jahren die „Manga“, die ihrem Wortlaut nach komisch sein sollen, der Standard. Tatsumi musste sogar erst einen neuen Begriff für dieses neue, melancholische Genre finden. „Gekiga“, „das traurige Bild“, sollte die neue Comicströmung heißen, die versucht die Schattenseiten des Lebens ungeschönt darzustellen. Doch ob das Genre nun in den Kinderschuhen steckte und ein gewisser Minimalismus nun mal bewusst in Kauf genommen wurde oder nicht: Der Zeichenstil dieser in den 70er Jahren entstandenen Comics wirkt für heutige Verhältnisse nicht nur sehr veraltet, sondern scheint durch die Konzentration auf die wesentlichen Details und die manchmal wie schnell hingeschmierten wirkenden Zeichnungen nicht immer sehr ansehnlich. Doch während dieser rein ästhetischen Aspekt noch leichter verdaulich ist, fehlt den Kurzgeschichten oft das, was sie wirklich zu gut funktionierenden Geschichten machen würde. Sie strotzen zwar vor guten Ideen und das Material, dass sie behandeln, ist bereits an sich herzzerreißend. Doch das bloße Abbilden bedauernswerter Schicksale scheint für graphische Novellen zu wenig. Zuviel bleibt oberflächlich, zu unmittelbar. Was fehlt ist das Unausgesprochene, die tieferliegenden Bedeutungen. Die Charaktere bleiben unnahbar. Auch wenn sie bemitleidenswert sind, kann man kaum mit ihnen mitfühlen. Und nicht selten hört die Geschichte gerade dann auf, wenn man das Gefühl hat, jetzt hätte sie gerade erst anfangen. Während all das damals wahrscheinlich genauso und nicht anders beabsichtigt war, vermag es doch – im hier und jetzt - nicht zu zünden. Tatsumis Werke sollen dem Journalismus näher sein als der Belletristik, weil sie eben mehr die Realität abzubilden versuchen denn etwas zu erzählen. Dennoch sind sie eben fiktiv. Und in der Form von Graphic Novels ist heutzutage einfach mehr zu erwarten. Somit ist nicht mehr das Worüber, sondern das Wie problematisch. Interessierte an der Mangakultur und –geschichte sollten aber trotzdem ein Auge auf „Existenzen und andere Abgründe“ werfen, genauso wie alle, die das Ungewöhnliche reizt. Waren Tatsumis Gekiga damals schon keine Standardkost, sind sie es heute immernoch nicht oder erst recht nicht.

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