Yusuf Atilgan Der Müssiggänger

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Inhaltsangabe zu „Der Müssiggänger“ von Yusuf Atilgan

Wie 'eine schwankende Brücke ohne Geländer' ist das Leben für den jungen Flaneur. Ziellos treibt er durch die Straßen Istanbuls. Er geht in Kinos, trifft sich mit Künstlern und macht sich einen Spaß daraus, die Heuchelei der anderen zu entlarven. Mal provoziert er Passanten, mal Kellner in den Cafés, immer ist er unglücklich und auf der verzweifelten Suche nach der Frau seiner Träume.
Eines Tages erblickt er ein Mädchen im blauen Regenmantel; er spürt, dass sie die Gesuchte ist. Sie steigt in einen Bus und fährt davon. Verzweifelt stürzt er ihr nach und kommt dabei fast unter die Räder. Er weiß, er hat sein Glück im gleichen Augenblick gefunden und wieder verloren.
Yusuf Atilgan erregte mit seinen Schilderungen von Haltlosigkeit und Entfremdung Aufsehen, weil er damit die Werte der jungen Türkischen Republik in Frage stellte.

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  • Rezension zu "Der Müssiggänger" von Yusuf Atilgan

    Der Müssiggänger

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    19. December 2008 um 12:43

    Ohne Zweifel ist es interessant einmal in eine andere Welt einzutauchen, in der vollkommen andere Sitten und Bräuche herrschen, als man es gewöhnt ist - in diesem Fall in die Türkei. In dem Buch lernt man den Müssiggänger kennen, der weitestgehend anonym bleibt und nur unter dem Buchstaben C. angesprochen wird. Er ist tagein, tagaus auf der Suche nach der Liebe seines Lebens - doch der Erfolg blieb ihm bisher verwehrt. So verbringt er den Tag damit, in Kinos oder Cafés zu sitzen, Frauenbekanntschaften zu knüpfen oder sich mit Künstlerfreunden zu treffen. Von Familie, Ehe und überhaupt einem geregelten Leben hält er jedenfalls nichts. Arbeiten muss er nicht, denn er lebt vom Erbe seines Vaters. Versteht man zunächst einige Eigentümlichkeiten seines Verhaltens nicht, so klären sich diese im Verlauf des Buches nach und nach auf, denn vieles liegt in seiner Kindheit begründet. Das Buch ist in 4 Teile gegliedert - entsprechend den Jahreszeiten. Der Großteil des Buches ist aus Sicht des Müssiggängers geschrieben, dazwischen erhält man jedoch immermal Einblicke aus einer anderen Perspektive. Insgesamt fand ich das Buch zwar recht interessant, aber irgendwie krankt es doch ein wenig daran, dass die ganze Zeit der Müssiggang beschrieben wird - denn (wie nicht anders zu erwarten) ist die Handlung natürlich dadurch doch relativ begrenzt. Man erhält im Gegenzug einen sehr ausführlichen Einblick in die recht pessimistische Gedankenwelt des Müssiggängers, der oft in seinen Gefühlen hin- und herschwankt, und ohne Unterlass sich und die ihn umgebenden Menschen analysiert.

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  • Rezension zu "Der Müssiggänger" von Yusuf Atilgan

    Der Müssiggänger

    Clari

    23. June 2008 um 12:47

    Atilgan Yusuf Der Müßiggänger Unionsverlag ISBN 3293100082 Der Debütroman eines nicht vergessenen türkischen Schriftstellers! Als Nachfahre von Italo Svevo mit seinem Roman Zeno Cosini mag der Autor des vorliegenden Romans Der Müßiggänger gelten. Wie bei Svevo geht es um einen grüblerischen, Zweifler, der mit sich und der Welt nur schwer ins Reine kommt. Worum geht es? Ein Mann geht durch Istanbul und beobachtet gedankenvoll analysierend sich selbst und seine Umwelt. Er bleibt anonym und tritt nur mit dem Anfangsbuchstaben C. in Erscheinung. Es geht ihm um die Frau seines Lebens, die er überall sucht. Könnte es diese sein? Oder jene? Er geht dem Müßiggang nach, denn er kann vom Erbe seines Vaters leben. Launisch und unstet lebt er einen Schlendrian, der ihn ins Kino, in Kneipen und in die Ateliers von Künstlerfreunden führt. Frauen nähert er sich drängend, versucht sie zu küssen, will anbändeln,--aber schnell ergreift er die Flucht, wenn sie ihm ihrerseits zu nahe kommen. Seine Ambivalenz zwischen Nähe und Distanz ist unverkennbar. Nichts ist ihm verdächtiger und unangenehmer, als Gewöhnung und Alltagsroutine. Der Gedanke an Ehe und Familie schreckt ihn. Spürt er, dass eine Frau es darauf abgesehen hat, sucht er sofort das Weite. Zu den Favoritinnen von C. zählt Güler, die noch studiert. Auch mit ihr kann es nichts werden. Minutiös registriert er bei den gemeinsamen Ausflügen jede Geste, jede Mimik und die Stimmungen des Augenblicks. Nichts lässt er in seinen Gedanken unkommentiert. Vorwiegend sind es pessimistische und argwöhnische Ideen, die ihn verfolgen. Zugleich ist er ein Provokateur, der keinem Zwist im Kleinen aus dem Weg geht. Die Malerin Ayse ist eine seiner Freundinnen. Verlässt sie ihn, weil sie seine Ambivalenz im Verhältnis zu Frauen bemerkt hat? Öde und Langeweile umgibt ihn und macht sich in dem ganzen Roman breit. Dieser ist in vier Jahreszeiten unterteilt, in denen sich Gefühle spiegeln, die der Witterung entsprechen. Dabei entstehen Stimmungsbilder von stillem Reiz und außergewöhnlicher poetischer Schärfe. Yusuf Atilgan wirft einen genauen Blick auf die türkische wohlhabende Mittelschicht des 20. Jahrhunderts. Erstaunlich westlich erscheint uns die Offenheit, mit der Fremde einander auf der Strasse und im Kaffee ansprechen. Studentinnen, Maler und Gelegenheitsbegegnungen bieten ein ungewohntes Bild der türkischen Gesellschaft, die man eher konservativ und streng einschätzt. C. bleibt ein verlorener Wanderer in der modernen Welt. Er sucht die Zweisamkeit und scheut sie doch zugleich. Für seine Marotten erkennt man die Ursachen in seinen ersten Kinderjahren. Der frühe Tod der Mutter und die Liebe des Vaters zu Tante Zehra haben ihn geprägt und zu einem einsamen Sonderling werden lassen. Das Buch endet überraschend und schlüssig. Yusuf Atilgan hielt sich vom Literaturgeschehen in den großen Metropolen weitgehend entfernt und lebte in der Provinz. Umso erstaunlicher ist es, dass seine zwei Romane und ein Erzählband nicht in Vergessenheit geraten sind. Er hat mit seinen Themen von Entfremdung und Haltlosigkeit die Gesellschaft provoziert, weil er damit die Werte der jungen Türkischen Republik infrage stellte. Er lebte von 1921 -1989 und gilt als Klassiker der türkischen Moderne. In einem Nachwort von Yüksel Pazarkaya kann man einer Deutung seines Werkes nachgehen.

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