Homo Deus

von Yuval Noah Harari 
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Homo Deus
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Ein komplexes, nicht immer leicht verständliches, aber sehr unterhaltsames Sachbuch, das mich von Anfang bis Ende fesseln konnte (*****)

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Biodeterministischer Reduktionismus und Werbung für Google, Facebook & Co

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Inhaltsangabe zu "Homo Deus"

In seinem Kultbuch Eine kurze Geschichte der Menschheit erklärte Yuval Noah Harari, wie unsere Spezies die Erde erobern konnte. In „Homo Deus“ stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406704017
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:576 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:31.08.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 27.02.2017 bei Der Hörverlag erschienen.

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    michael_lehmann-papevor 2 Monaten
    Aufstieg und Untergang des Humanismus

    Aufstieg und Untergang des Humanismus

    War es Kennzeichnung des Humanismus (laut Harari), den Menschen auch zur Reflexion seiner selbst anzuleiten und damit die eigenen Beschränkungen gewahr werden zu lassen (nach Harari, Kennzeichen des „liberalen Humanismus“), so ist in einer anderen Strömung des Humanismus („evolutionärer Humanismus“) bereits das Saatgut für den Untergang des Humanismus (von Harari als „Religion“ gesetzt) gelegt.

    Was im Übrigen mit einer doch steilen These zu Adolf Hitler einhergeht, vor allem aber darauf verweist, dass der Mensch der Moderne vor allem digital, technisch, data-basiert eine „neue Zukunft“ im Gesamten aufzuschlagen bereit zu sein scheint.

    Während die Vergangenheit gleichbleibend von drei Kernfragen geprägt war: Hunger, Krankheit und Krieg, kann nun, laut Harari, ein durchaus anderes, vielleicht freieres, Leben angehen.

    Durch Technologie und weltweite Vernetzung postuliert HArari eine Welt, die sich nicht mehr um diese jahrtausendealte Kernfragen dreht (die Harari zudem als Quellen der transzendenten Religionen ausmacht), sondern in der der Mensch (zunächst natürlich nur die Reichen) gar die Sterblichkeit weitgehend verbannen (wenn vielleicht auch nicht ganz aufheben können) und damit der Mensch an die traditionell Stelle Gottes rückt (homo deus statt homo sapiens).

    „..wacht die Menschheit auf und macht eine erstaunliche Feststellung. Die meisten Menschen denken selten daran, doch in den letzten Jahrzehnten ist es uns gelungen, Hunger, Krankheit und Krieg im Zaum zu halten. Natürlich sind diese Probleme nicht vollständig gelöst, aber was einmal unbegreifliche und unkontrollierbare Kräfte der Natur waren, sind jetzt Herausforderungen, die sich bewältigen lassen“.

    Eine steile These, der man so nicht durchgehend zustimmen kann (vielleicht war es nur der Schock des 2. Weltkrieges, der für ein paar Jahrzehnte relative Ruhe gesorgt hat, vielleicht werden Krankheiten besiegt, doch neue Gefährdungen tauchen auf wie Aids, Krebs, resistente Keime, die Natur geht aus dem Gelichgewicht etc.. Alles Gedanken, die zur Lektüre dazu gedacht werden sollten, ohne Hararis Kerngedanken unbedingt schmälern zu wollen). Die aber der Tendenz des Werkes entspricht, das „große Ganze“ in den Blick zu nehmen (durchaus mit bedenkenswerten Ideen und Wendungen) und sich nicht im „klein-klein“ zu erschöpfen.

    Harari weist durchaus im ersten Teil seines Werkes ja nach, wie er seine Aussagen meint und welche Indizien für diese Thesen sprechen, bei allen Einwänden, die möglich sind.

    Vor allem aber die Grundidee, die Harari durchaus fundiert vor Augen führt, lässt aufhorchen und ahnen, dass tatsächlich eine „Zeitenwende der besonderen Art“ bevorsteht. Ist der Mensch bereits durch Geräte inzwischen „vernetzt“ und dadurch Teil einer radikalen Revolution der globalen sozialen Entwicklungen (mit allen Vorteilen und Nachteilen), so steht einerseits durch die KI und andererseits vor allem durch weitere Biotechnologie der „technikverstärkte Mensch“ vor der Tür der Geschichte der Zukunft.

    Eine Entwicklung, die sich vollziehen wird, eine Kraft des technischen Fortschritts, der sich die Menschheit nicht entziehen kann. Und bei der sich die Frage stellt, wie das ausgehen könnte.

    Dazu legt Harari vielfache Gedanken vor, die allesamt kühn, aber durchaus erwägenswert formuliert werden. Als Möglichkeiten, wohlgemerkt, nicht als Postulate im Buch zu verstehen.

    Was eine wichtige Lektüre trotz mancher fehlender Differenzierung und mancher einfach behaupteter und nicht unbedingt belegter Thesen darstellt, denn eine solche Zukunft mit solchen Möglichkeiten, aber auch Gefahren, sich an die Maschinen oder gar in den Maschinen zu verlieren bedarf einer klaren Haltung, um diese gestalten zu können.

    Ein Entwurf einer möglichen Utopie, der nicht allzu weit von dem entfernt ist, was jetzt schon denkbar und möglich ist, der nicht in allem restlos überzeugt, aber genügend und vielfache Impulse in sich trägt, um die Komplexität der Zukunft zu erfassen.

    Das ganze in ruhiger, klarer Sprache und sehr verständlich aufgearbeitet, ergibt am Ende einen umfassenden Blick auf die bisherigen sozialen und kulturellen Regeln der Menschheit und dem, was diesen Regeln an gravierenden Veränderungen bevorsteht, Die Harari ohne weiteres in ihren Vorboten sehr klar in der Gegenwart bereits benennt.

    „Der Dataismus droht somit, homo sapiens das anzutun, was homo sapiens allen anderen Tieren angetan hat“.

    Wenn nicht mit klarer Haltung Dieser Fortschritt aktiv zugunsten des Menschen geformt wird. Wonach es aktuell nicht unbedingt aussieht.

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    StefanSchweizervor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Biodeterministischer Reduktionismus und Werbung für Google, Facebook & Co
    Viel Schein - fast nix dahinter

    Hararis "Homo Deus" liest sich flüssig und verwendet gleichwohl wissenschaftliche Terminologien, sodass der Leser den Eindruck hat, dass es sich um ein seriöses Sachbuch handelt. Leider verbirgt sich hinter dieser populärwissenschaflichen Fassade nicht viel. Lesen sich die ideengeschichtlich-philosophischen Ausführungen noch ganz gut, so wird schnell die Stoßrichtung des Autors evident. Harari ist ein Vertreter der biodeterministischen Weltsicht, die dem Menschen keinen freien Willen zugesteht - der Mensch ist demnach ausschließlich und allein der Gefangene der in ihm ablaufenden chemischen Prozesse. Diese Sichtweise ist bereits veraltet - deutsche Neurophysiologen wie Singer und Roth vertraten diesen Standpunkt schon vor vielen Jahren. Harari fügt noch die metaphorische Überhöhung hinzu, dass der Mensch ausschließlich Algorithmen prozessiert. Damit ist die Brücke zum Computer und zur digitalen Welt hergestellt. So verwundert es nicht, dass Harari prognostiziert, dass die Menschheit auf die neue Religion des "Dataismus" zustrebt. Als wäre das nicht schon genug, indoktriniert er geradezu seine Leserschaft, so viel Daten wie möglich an Dienstleister wie Google, Facebook & Co. zu liefern (Big Data), unter dem Vorwand, dass es dem Menschen nütze. Harari reflektiert dabei überhaupt nicht, dass viele Daten im Internet nicht stimmen, d.h., dass Menschen willentlich und unbewusst häufig falsche Daten angeben (z.B. der 50-jährige Mann, der sich als 14-jähriges Mädchen ausgibt, um "Chat-Bekanntschaften" zu machen oder der adipöse Rentner, der bei der Kalorienangabe etwas "schummelt"). Außerdem bleibt die Konsequenz eines absoluten Überwachungsstaats durch Algorithmen vollständig ausgeklammert. Hararis Zukunftsszenario basiert m.E. sowohl auf falschen anthropologischen und soziopolitischen Annahmen und an mancher Stelle könnte sich der Eindruck aufdrängen, dass er von den digitalen Wirtschaftsriesen, die mit Daten von und über Menschen ihr Geld verdienen, dazu ermutigt worden ist. Wer sich nach der Hälfte des Buchs nicht allzu sehr über das Gelesene echauffieren möchte, dem sei an dieser Stelle dringend von der Lektüre abgeraten. Da gibt es viele bessere, fachliche korrektere und politisch progressivere Zukunftsschilderungen.

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    daydreaminvor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Wie ist der Mensch so weit gekommen, wie könnte unsere Entwicklung weitergehen und was sind wir bereit dafür zu opfern? Spannende Visionen.
    Chancen und Risiken der nächsten Jahrzehnte

    Yuval Noah Harari ist Historiker und lehrt momentan an der Universität in Jerusalem. Bekannt wurde er durch sein Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit", in welchem er einen Überblick über die Entwicklung des Homo Sapiens liefert. Nun greift er die aktuellen Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft auf und zeigt auf, was passieren könnte, wenn wir den Menschen selbst auf die nächste Stufe bringen und die Ära des Homo Deus einleuten.

    Zunächst geht Harari noch einmal darauf ein, was der Mensch bis zum heutigen Tage schon überwunden hat. Über Krieg, Hunger und Krankheit haben sich unsere Vorfahren hinweggesetzt, daher ist es nur logisch, dass auch wir die Mittel unserer Zeit nutzen werden, um die menschliche Rasse weiter voranzubringen. Der Autor analysiert kleinschrittig, welche Instrumente und Technologien wir für den Aufstieg zum gottgleichen Wesen nutzen können und welche Chancen und Risiken diese Weiterentwicklung bergen könnte.

    Der Beginn des Buches baut auf historischen Fakten auf, mit fortschreitender Seitenzahl wird es immer philosophischer. Während Harari zunächst vergleicht wie der Mensch früher mit Problemen umgegangen ist und wie er es heute tut, gibt es für seine Zukunftsszenarien natürlich lediglich Anhaltspunkte, nicht jedoch Beweise. Harari ist kein Hellseher und lässt uns an seinen gut begründeten Gedanken teilhaben, diese Tatsache sollte allen Leserinnen und Lesern vor dem Griff zu diesem Buch bewusst sein. Mir hat es sehr gut gefallen, wie der Autor die verschiedenen Szenarieren ausführt und in welcher Art und Weise er die Fragen, die mit diesen Visionen einhergehen, an die Leserin bzw. den Leser weitergibt. Schön fand ich auch, wie Harari mir persönlich vor Augen führen konnte, wie sehr ich als Mensch in meinem Denken durch das aktuelle Zeitalter und die aktuelle Gesellschaftsform begrenzt bin. "Homo Deus" ist definitiv ein Anstoß dazu, über den Tellerrand hinaus zu blicken und noch kritischer zu hinterfragen, wohin die Reise der Menschen und der Erde im Allgemeinen überhaupt gehen kann.

    Generell sind mir allerdings die vielen Wiederholungen im Buch aufgefallen. Wiederholungen sind gerade bei so komplexen Themen gut und wichtig, damit das Gelesene auch wirklich verstanden wird und im Gedächtnis bleibt, hier jedoch war es mir etwas zu viel und ich habe das Buch nicht selten unterbrochen und zur Seite gelegt. Hararis Fragestellungen an sich sind unglaublich spannend, umso mehr tat es mir leid, dass ich das Buch teilweise ein wenig langatmig fand und mich mehr als einmal motivieren musste, um weiterzulesen.

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    Insider2199s avatar
    Insider2199vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ein komplexes, nicht immer leicht verständliches, aber sehr unterhaltsames Sachbuch, das mich von Anfang bis Ende fesseln konnte (*****)
    „Sind Organismen wirklich nur Algorithmen?“

    "Sind Organismen wirklich nur Algorithmen?"

    Der 1976 in Haifa geborene Autor promovierte 2002 an der Oxford University. Aktuell lehrt er Geschichte an der Hebrew University in Jerusalem mit einem Schwerpunkt auf Weltgeschichte, Mediävistik und Militärgeschichte. Mit „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ (2011) wurde er innerhalb kürzester Zeit weltbekannt. Das vorliegende Sachbuch ist mein erstes von ihm.

    Inhalt (Klappentext): In seinem Kultbuch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ erklärte Yuval Noah Harari, wie unsere Spezies die Erde erobern konnte. In „Homo Deus“ stößt er vor in eine noch verborgene Welt: die Zukunft. Was wird mit uns und unserem Planeten passieren, wenn die neuen Technologien dem Menschen gottgleiche Fähigkeiten verleihen – schöpferische wie zerstörerische – und das Leben selbst auf eine völlig neue Stufe der Evolution heben? Wie wird es dem Homo Sapiens ergehen, wenn er einen technikverstärkten Homo Deus erschafft, der sich vom heutigen Menschen deutlicher unterscheidet als dieser vom Neandertaler? Was bleibt von uns und der modernen Religion des Humanismus, wenn wir Maschinen konstruieren, die alles besser können als wir? In unserer Gier nach Gesundheit, Glück und Macht könnten wir uns ganz allmählich so weit verändern, bis wir schließlich keine Menschen mehr sind.

    Meine Meinung: Ich habe schon lange nicht mehr ein solch fesselndes Sachbuch gelesen, obwohl man sagen muss, dass es leider nicht immer leichte Kost ist, man sehr fokussiert bei der Sache bleiben muss, um dann letztlich doch nicht alles zu verstehen. So ging es mir zumindest. Ich fühlte mich zwar einerseits tw. etwas überfordert und von den Informationen erschlagen, andererseits sog ich alles wie ein Schwamm auf.

    „Wir können die Zukunft nicht wirklich vorhersagen. All die hier in diesem Buch entworfenen Szenarien sollten als Möglichkeiten und weniger als Prognosen verstanden werden. Wenn wir über die Zukunft nachdenken, sind unsere Horizonte üblicherweise durch gegenwärtige Ideologien und Gesellschaftssysteme beschränkt. […] Dieses Buch spürt den Ursprüngen unserer gegenwärtigen Konditionierung nach, um ihren Griff zu lockern und uns in die Lage zu versetzen, weit fantasievoller als bisher über unsere Zukunft nachzudenken. Statt unsere Horizonte durch die Prophezeiung eines einzigen definitiven Szenarios einzuengen, will dieses Buch sie erweitern und uns vor Augen führen, dass es ein viel breiteres Spektrum an Möglichkeiten gibt.“

    Genau DAS empfand ich als großen Pluspunkt des Sachbuchs, dass der Autor eben nicht versucht, „unsere Horizonte durch die Prophezeiung eines einzigen definitiven Szenarios einzuengen“, sondern unseren Blick erweitert. Mir gefiel besonders wie der Autor sehr oft chronologisch die geschichtlichen Ereignisse zusammenfasste, um klarzumachen, in welche Richtung wir steuern. Das mutete zwar manchmal etwas ausschweifend an – und man fragte sich oft: worauf will der Autor hier hinaus? – aber letztlich zeigte es dann doch sehr deutlich die Entwicklung auf: woher kommen wir und wo gehen wir hin. Diese Art der „Argumentation“ fand ich sehr lebendig und fesselnd.

    Natürlich will der Autor auch aufrütteln und zum Nachdenken anregen und das ist auch gut so. Bei mir hat es gut funktioniert und es hat Spaß gemacht, sich eine Weile mit solchen komplexen Themen auseinanderzusetzen, und ich werde mit Sicherheit das Buch irgendwann erneut lesen, weil bei so viel Data Flow sicher einige wichtige Informationen untergegangen sind.

    Fazit: Ein äußerst komplexes – nicht immer leicht verständliches – aber sehr unterhaltsam geschriebenes Sachbuch, das mich von Anfang bis Ende fesseln und zum Nachdenken anregen konnte. Ich vergebe 4,5 Sterne: einen halben Stern muss ich leider abziehen, weil mich tw. die Infos etwas erschlagen haben, was leider oft daran lag, dass manchmal ein paar einfache Erklärungen für den ungeübten Laien erforderlich gewesen wären, um besser in die Materie hineinzufinden. Bin aber doch so neugierig geworden, mich bald dem Erstling „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ widmen zu wollen.

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    mabreevor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr inspirierend
    Das Buch regt zum Nachdenken an


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    GuidoVobigs avatar
    GuidoVobigvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Lesenswert aus vielerlei Hinsicht - wenn auch die eigentliche WAHRHEIT über das Paradoxon Mensch nicht zur Sprache kommt.
    Begeisterung und Enttäuschung zugleich

    Das Buch von Yuval N. Harari verstand es, mich durchweg zu begeistern – und doch enttäuschte es mich zugleich. So ist das lesenswerte Werk der immer deutlicher werdenden Schattenseite unserer technologischen Entwicklung zwar auf der Spur, abzulesen beispielsweise an folgendem Zitat, doch versäumt es, die unbequeme WAHRHEIT über unser Treiben auszusprechen:


    Die schlechte Nachricht ist, dass sich die Lage zwar verbessert hat, gleichzeitig aber die Erwartungen förmlich explodiert sind. Dramatische Verbesserungen der Lage, wie die Menschheit sie in den letzten Jahrzehnten erlebt hat, übersetzen sich eher in größere Erwartungen denn in größere Zufriedenheit. Wenn wir daran nichts ändern, dürften uns unsere Errungenschaften so wenig zufriedenstellen wie eh und je.

    Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 53


    Es folgen unzählige nachvollziehbare Gründe für diese Entwicklung, in der der Autor unsere menschliche Vorstellung von Harmonie treffend herausarbeitet:


    Mit jedem Jahr, das vergeht, nimmt unsere Toleranz gegenüber unangenehmen Empfindungen ab, während unsere Sehnsucht nach angenehmen Empfindungen zunimmt.

    Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 63


    Endlich EIN Buch zudem, das der Rolle der ANDEREN Lebewesen, im Kontext unserer Entwicklung, reichlich Raum gewährt, denn, so schreibt der Autor:


    Meiner Ansicht nach kann man über Wesen und Zukunft der Menschheit nicht ernsthaft diskutieren, ohne mit unseren Mitgeschöpfen zu beginnen.

    Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 95


    Allein für diese Betrachtungsweise hat das Buch EINE große Leserschaft verdient, ist diese doch zwingend notwendig, um dem Zeitgeist nicht länger auf den Leim zu gehen und um sich der WAHRHEIT annähern zu können. Warum dann die eingangs erwähnte Enttäuschung?
    Nein, es ist nicht die im Buch allgegenwärtige Gleichsetzung von Wirklichkeit und Realität, von Gefühl und Emotion, auch nicht die von Information und Daten. Weder ist es das gewohnte Anstimmen des Lobliedes auf die globalen Impfpraktiken noch das Aufgreifen des medialen Klageliedes vom Klimawandel, der, so der Tenor, bald in EINEM Wärmechaos enden wird – müssen solche Lieder doch vielleicht längst mitgesungen werden, um überhaupt EINEN Bestseller zu ermöglichen, vielleicht gar, um überhaupt EINEN Verlag zu finden. Ob Lieder solcher Art allerdings zum generationsübergreifenden Evergreen taugen, das wird indes die Zukunft zeigen. Jene, die HOMO DEUS thematisiert – auch wenn die Darlegungen des Autors schnell klarlegen, dass sich besagte Evergreens selbst widersprechen und so eher EINE Endlosschleife menschlicher Harmonievorstellung darstellen. EIN Widerspruch, der jedoch nicht der Absicht des Autors entsprechen dürfte, sondern Zeugnis des zeitgeistigen Leims ist, dem nicht nur Yuval N. Harari anhaftet.
    Wodurch wird EIN Lied eigentlich EIN Evergreen? Dadurch, dass viele Menschen an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten in ihrer Hörgewohnheit und Harmonievorstellung übereinstimmen respektive kooperieren – woraus letztlich meine Enttäuschung hervorgeht, denn der Autor fasst zusammen, was er als DEN entscheidenden Unterschied unserer Spezies, im Vergleich zu allen ANDEREN Lebewesen, ansieht. EIN Unterschied, der, wie angedeutet, vonnöten ist, damit Lieder überhaupt zu Evergreens werden können. Wir EINEN sind so anders, weil:


    Homo sapiens als einzige Art auf Erden in der Lage ist, in großer Zahl flexibel zu kooperieren.

    Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 183


    Mit “unzähligen Fremden kooperieren“ zu können, das ist laut Yuval N. Harari DIE Basis unserer “Herrschaft über den Planeten Erde“.
    Leider versäumt er zu erwähnen, dass erst unsere Möglichkeit, Energie zu rauben, EINE solche Kooperation ermöglicht – bis zum heutigen Tag und vom ersten Tag an, an dem ein brennender Ast in eine bis dahin finstere Höhle getragen worden war, dorthin, wo das Feuer von Natur aus nie von sich aus hingelangt wäre. Erst dadurch bedingt, konnte all das entstehen, was der Autor lesenswert als unsere Entwicklung als Spezies beschreibt, inklusive unserer gänzlichen Andersartigkeit, verglichen mit allen ANDEREN Lebewesen auf dem Planeten Erde. Zudem sei die Frage erlaubt, warum der Mensch ANDEREN Lebewesen das Leben dermaßen schwer macht, wenn des Menschen größte Errungenschaft die Kooperation mit Fremden ist - wozu zweifelsohne ANDERE Lebewesen immer mehr gehören ...

    All unsere Kreativität, die Entwicklung all unserer Sprachen, unserer Schriften, unserer Technologien, all das ist Folge des Energieraubes, als Ausdrucksform von Energie, die dergestalt ungebändigt ihr Unwesen treibt. Dieser Raub führt(e) zur Beschleunigung dessen, was von Natur aus, aus gutem Grund, weit mehr Zeit benötigt, denn die Beschleunigung lässt die Verstrickung EINER Spezies in den eigenen Wirren als flexible Kooperation von Fremden erscheinen, die sich aber ohne Energieraub nie begegnet wären, sei es körperlich wie virtuell, um sich so, kooperierend, EINEM Raubzug anschließen zu können, der die langsam sich bildende Verwobenheit ANDEREN Lebens für die Zwecke EINER Spezies ausbeutet, unaufhörlich und unzufrieden nach dem strebend, was Yuval N. Hararis Buch bezeichnenderweise als Titel trägt.

    Warum es wichtig ist, den WAHREN Grund unserer Andersartigkeit zu erkennen und zu akzeptieren? Nun, die Zukunft der Menschheit gestaltet sich entsprechend. Wenn die in HOMO DEUS identifizierte Kooperation der Grund ist, ohne sich des Energieraubes bewusst zu werden, dann wird die Zukunft EINE ganz andere sein als es der Fall sein wird, wenn die Basis allen Strebens in WAHRHEIT der Energieraub ist. In letzterem Fall wäre EINE ganz ANDERE Zukunft möglich – oder wie es Yuval N. Harari ausdrückt:


    … die […] beschriebene Zukunft ist lediglich die Zukunft der Vergangenheit – also eine Zukunft, die auf den Ideen und Hoffnungen beruht, welche die Welt in den letzten dreihundert Jahren bestimmt haben. Die wirkliche Zukunft – also eine Zukunft, die aus den neuen Ideen und Hoffnungen des 21. Jahrhundert erwächst – könnte eine völlig andere sein.

    Yuval N. Harari – Homo Deus – S. 95


    Wäre der Autor sich des Energieraubes und dessen Tragweite bewusst, dann wüsste er auch um die unterschiedlichen Schreibweisen, die uns EINEN von allen ANDEREN unterscheiden … und um die Möglichkeiten, die uns EINEN wieder auf den Boden zurückholen werden und nicht länger Irrwege verfolgen lassen. Keine Frage, Kooperation spielt dabei eine wesentliche Rolle, nur ANDERS als wir es aktuell noch für möglich halten und jene für notwendig erachten, die sich bereits selbst als EIN Gott auf Erden aufspielen und folgsame respektive folgenreiche Kooperation propagieren – in Form immergrüner Endlosschleifen. EINE Seite der WAHRHEIT fasst unser “göttliches“ Multilemma indes folgendermaßen zusammen:

    Der Fortschritt der Gegenwart bestimmt über den Verlauf der Vergangenheit.
    Je fortgeschrittener, desto mehr Unwahrheiten, auf denen die Zukunft aufbaut.


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    Wedmavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Man muss nicht zu allem Ja und Amen sagen, um das Buch in vollem Umfang zu schätzen, aber gelesen und darüber nachgedacht haben, sollte man.
    Ein must read!

    Homo Deus von Harari sticht deutlich aus der Reihe von Sachbüchern hervor, die man zum Thema Zukunft der Menschheit heute lesen kann. Auf jeden Fall ist es ein Buch, das man gelesen/gehört haben muss.

    Zweifelsohne ist es kein Wohlfühlbuch. Ganz im Gegenteil. Harari hat gezielt darauf angelegt, die Leser zu provozieren, sie aus der Komfortzone zu locken, über den Tellerrand eigener Überzeugungen und Vorstellungen von Gut und Böse zu schauen, uvm. Bei vielen seiner Ausführungen lässt er bewusst einige wichtige Aspekte des Menschseins aus und hebt ganz andere hervor. So dargestellt stehen Menschen eher wie ferngesteuerte Zombies da und man fragt sich, ob das nur Hirngespinste eines „verrückten“ Professors sind oder ist da mehr dran, bzw. ob das insg. angehen kann.

    Harari serviert seine Sicht der Dinge durchaus so, dass einem, je nach Gemüt und seelischer Verfassung, die Haare zu Berge stehen, man ggf. einen dicken Hals kriegt und evtl. gute Lust bekommt, das Ganze in die hinterste Ecke zu pfeffern. Aber das ist Teil seiner Show, da liegt u.a. das Geheimnis seines Erfolges. Durch gezielt provozierende Äußerungen bekommt er seine Leser aus der (antizipierten) Egal-Haltung heraus und, was noch wichtiger ist, überhaupt dazu, über solche Themen nachzudenken und sich solche Fragen zu stellen, die man sich nicht unbedingt jeden Tag stellt, wie: Was heißt es eigentlich, Mensch zu sein? Was gehört dazu? Und was nicht? Und warum? Wo geht das alles hin? Warum unbedingt so und nicht anders? Wollen wir es überhaupt? Und was ist mit ethischen Aspekten solcher Entwicklungen? Können wir uns nicht einen anderen Ausweg überlegen, andere Zukunftsvisionen entwickeln, die vllt nicht so brutal ausfallen, und uns daran machen, diese auch umsetzen? uvm. In der Hinsicht liest sich Hararis Werk wie eine düstere Dystopie.

    Von der Infoseite her liefert er nicht wirklich viel Neues, vielmehr größtenteils gutes altes, bloß unter etwas anderem Blickwinkel betrachtet und recht reißerisch dargeboten. Infotainmenteinlagen gibt es reichlich, man kennt den Stoff aber auch schon von woanders, wenn man paar Sachbücher zu dem oder auch verwandten Themen gelesen hat. Das Spannendste war für mich das Wie des Erzählten.

    Seine Art zu argumentieren erschien mir reichlich fragwürdig, so gar nicht professorlike. Steile Thesen wurden in den Raum geworfen und wenig bis nicht begründet dagelassen, aber immerhin eindrucksvoll zur Sprache gebracht. Zudem wiederholte er sich recht oft, er wiedersprach sich selbst auch oft genug. Aus diesem Blickwinkel betrachtet ist er eher ein passionierter Entertainer, ein Showman, dem die Stringenz seiner Logik, die Unerschütterlichkeit seiner Beweise nicht so wichtig erscheinen, dafür aber der Eindruck, den er mit seinem Auftritt hinterlässt, der Grad der Aufrüttelung, der Anteilnahme seiner Leser/Zuhörer und dergleichen. Polemisieren war wohl eher sein Ziel, was er auch erreicht hat.

    Die Frage, die oft auftauchte, war: Was will Harari mit seinen Ausführungen insg. erreichen? Dass sich seine Intentionen auf pures Infotainment beschränkten, fiel mir gewissermaßen schwer zu glauben. In der Hinsicht drängte sich: Ist es schon alles, weshalb er die ganze Arbeit geleistet hat?  Oder sieht er vielmehr die Menschheit am Rand des Abgrunds, es ist in etwa fünf vor zwölf,  und er will aufwecken und zum Umdenken, zu grundsätzlich anderem Handeln anregen? Fragen über Fragen.

    So oder so: Harari schafft es, seinen Lesern genug Stoff zum Nachdenken und Diskutieren zu bieten. Darin sehe ich seinen Verdienst.

    Bei Homo Deus muss man nicht zu allem Ja und Amen sagen, um das Buch gut zu finden, bzw. es in vollem Umfang zu schätzen wissen, aber gelesen und darüber nachgedacht haben, sollte man es.

    Das Buch ist toll gestaltet: Es schaut chic aus mit diesem weißen Umschlagblatt und goldenen Buchstaben des Titels. Auch Festeinband in Dunkeltürkis ist mit goldenem Fingerabdruck in der Mitte verziert. Das Lesebändchen, ebenfalls in ähnlicher Goldfarbe rundet die schöne Gestaltung ab. Als Geschenk/nettes Mitbringsel einfach perfekt.

     

     

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    Archers avatar
    Archervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Provokant, amüsant und zum Nachdenken anregend: Dieser Professor weiß seine Studenten und Leser zu fesseln.
    Der Algorithmus des Lebens

    Es ist wahrhaftig nicht einfach, eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben. Die meiste Zeit kam ich mir wie in einer Vorlesung eines sehr gut aufgelegten Professors vor, der mich mit Daten, Fakten, historischen Wissen überrollte und dann, wenn ich irgendwas verarbeitet hatte und meine Hand hob, um eine Frage zu stellen, schon zehn Meter weiter war, so dass ich mit einem gemurmelten "Ja, aber ..." verstummte. Es ist also angeraten, das Buch vielleicht häppchenweise zu lesen, wirklich Kapitel für Kapitel (und idealerweise mit anderen zu besprechen).

    Harari nimmt uns auf einen Trip mit. Um auf die Zukunft zu kommen, wie er sie sieht (und mir durchaus möglich, wenn auch nicht in jeder Form zwingend erstrebenswert erscheint) beleuchtet er die Aspekte der Menschheit. Was macht den Menschen aus, wie konnte er sich vom Tierreich abheben, was unterscheidet ihn von anderen Rudeln, Horden, Herden, Rotten und Scharen intelligenter Lebewesen auf der Erde? Nicht viel anscheinend, außer dass wir gelernt haben, uns zu vernetzen. Und wo wird uns die Zukunft hinbringen? Im ersten Moment entwirft er fast eine Art Utopie: keine Kriege mehr, Gesundheit, Glück, ewiges Leben. Und wie soll das bewerkstelligt werden? Durch Algorithmen. Denn das sind wir alle wohl, nicht mehr, nicht weniger.

    Die Antwort erscheint im ersten Moment absurd, vielleicht erschreckend, aber nicht unlogisch, was uns aber auch von der Utopie einer Dystopie näherbringt. Denn wenn wir Algorithmen sind, sind wir eher fehlerhaft. In Zukunft werden Algorithmen das Steuer in die Hand nehmen, denen keine (erkennbare) Fehler mehr unterlaufen werden. Schon heute ist in der Datensammlung so viel möglich und üblich, dass es nur noch erschrecken kann, die Zukunft ... wird vielleicht nicht mehr die unsere sein. Harari ist ein Dozent, der seinen Studenten mehr Fragen als Antworten liefert und vielleicht, so sagt er selbst, irrt er sich. (In vielen Dingen mag man das hoffen.) Er schreibt lebendig, sein Unterricht wirkt nicht einschläfernd, und er liebt es zu provozieren. Ich hätte mir mehr "morgen" als "Geschichte" gewünscht, weniger Wiederholungen, aber das Buch hat eines auf jeden Fall geschafft: dass ich gedanklich immer wieder dahin zurückkehre, Wissen neu bewerte, Erkenntnisse vergleiche. Mehr kann sich ein Prof von einem aufmerksamen Student kaum wünschen.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Viele Fragezeichen auf der Stirn

    und mehr noch im Gehirn hatte ich nach der Lektüre des Buches "Homo Deus" des israelischen Wissenschaftlers Yuval Noah Harari. In seiner ebenso klugen wie polarisierenden Geschichte von Morgen taucht Harari tief in die Geschichte und Kultur, die Natur und die Entwicklung des menschlichen Werdens, seiner unterschiedlichen (Um)wege ein.

    Wozu ist eine Geschichte der Zukunft überhaupt notwendig? Nun, diese Antwort fällt nicht schwer im Hinblick auf die Sorgen, die der Mensch der Gegenwart - sowohl im Allgemeinen als auch als Individuum zu tragen hat: Bedrohung der Umwelt, Radikalisierung der Gesellschaft(en), Kampf gegen Krankheiten, gegen Armut und vor allem für den Frieden und die Gerechtigkeit. Da schadet es nichts, Visionen zu entwickeln bzw. dazu einzuladen, selbiges zu tun. Denn Harari bezieht den Leser durchaus in seine Überlegungen und Darstellungen, in sein gesamtes Modell mit ein. Es sind - aus meiner Sicht - mehr Darstellungen, ja Präsentationen als Überlegungen, denn der Professor - Harari ist Historiker, hat u.a. in Oxford studiert und lehrt an der bekannten Hebrew University - ist ausgesprochen eitel. Und unbescheiden (wozu er allen Grund hat, auch wenn dies nicht jedermanns Sache ist). Vor allem ist er ausgesprochen mutig, denn es war vorauszusehen, dass er sich mit seinen Thesen angreifbar macht.

    Ja, die Thesen - sie betreffen, wie bereits erwähnt, ein überaus breites Spektrum an Themen, in dieser Hinsicht ist das Buch also ausgesprochen rund, denn der Autor bringt seine gesamten Überlegungen in Bezug auf die Zukunft des Menschen und die im Titel enthaltene Fragestellung, ob es ihm möglich sein wird, gottähnlich zu agieren, definitiv auf den Punkt. Nun, das möchte ich an dieser Stelle nicht näher definieren, sondern vielmehr darauf verweisen, dass eine Lektüre auf jeden Fall ein Gewinn ist, selbst wenn man - liegt im Bereich des Möglichen - irgendwann völlig genervt ist und das Buch in die Ecke pfeffert. Dann hat der Autor zumindest gewisse menschliche Instinkte des Lesers geweckt, wenn auch ablehnende. Und ihn damit zum Denken gebracht, ein zentraler Punkt.

    Denn dieses kluge Buch enthält ein wahres Konvolut an Anregungen. Hararis Gedanken zur Religion bspw. konnte ich in vielem nicht teilen, aber sie haben mich zum Nachdenken, zu einer Auseinandersetzung nicht nur mit Gott, sondern vor allem mit mir selbst gebracht, die noch andauert. Ein sehr wichtiger Aspekt des Buches ist die Nachhaltigkeit, die Langlebigkeit der Gedanken. Denn obwohl der Autor aus der aktuellen Situation heraus argumentiert, wird dies auch noch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren seine Relevanz haben.

    Yuval Noah Harari - ein moderner Philosoph? Definitiv, würde ich sagen und zwar einer, dessen Namen man auch noch in späteren Jahrhunderten kennen wird. Ein Trendsetter sozusagen, denn er benennt die Themen, die für uns und die nachfolgenden Generationen von Bedeutung sind und zwar in der Sprache seiner Zeit. Es muss nicht unbedingt gefallen, was der Autor schreibt, aber bewegen sollte es!

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    fasersprosses avatar
    fasersprossevor einem Jahr
    Die Gestaltung unserer Zukunft hängt davon ab, wem wir die Verantwortung dafür überlassen.

    Gestern – heute – morgen. Die Entwicklung des Menschen vom aufrechten Gang hin zu einem Homo Deus, der sich über alles erhebt, nach seinen Maßstäben gottgleich in die Natur eingreift, sie bis zum Kollaps plündert, Gene verändert und sich selbst optimiert. 

    Harakiri schaut genau hin und zeigt ein breites Spektrum von desolaten Möglichkeiten und Visionen auf, wie unsere Zukunft gestaltet sein kann. Dazu greift er in die Schatzkammern der Geschichte, der Wissenschaften und Ideologien und verdeutlicht den Ablauf mit stark akzentuierten Beispielen.

    Zum Bewusstmachen ergründet er relevante Themenbereiche. Unter anderem: Seele, Bewusstsein, Freier Wille, Geist, Emotionen, Empfindungen, Wertewandel, Biotechnologie, Cyborg, nicht organische Lebewesen, Wissen, Religionen, Ideologien, politische Systeme, Humanismus, Dataismus.

    Was erwartet uns? Den Kampf gegen Hunger, Krankheit und Krieg hat die Menschheit dahingehend gewonnen, dass diese nicht mehr ausschließlich das Leben auf der Erde bestimmen. Aus diesem Fortschritt heraus erfolgt nun ein Streben hin zur Unsterblichkeit, zum Glück, zu einer Existenz, die der Göttlichkeit gleichkommt. Die Ressourcen werden nun zum upgraden des Menschen eingesetzt, zu einem „höherwertigem menschlichen Modell mit optimierten körperlichen und geistigen Fähigkeiten“. Algorithmen durchdringen alle Lebensbereiche und steuern unsere Emotionen und Wünsche. Die Macht verschiebt sich zu den Kräften des Marktes.

    Welchen Preis zahlen wir dafür, wenn sich die Maßstäbe, die wir selbst entwickelt haben, über uns erhöhen und wir die Kontrolle abgegeben haben? Wir machen uns dadurch selbst überflüssig.

    Hararis Monumentalwerk beginnt mit einer umfangreichen Einleitung und ist anschließend in drei Teile gegliedert. Es ist vollbepackt mit Informationen, die seine Betrachtungen belegen. Seine Darstellung fordert heraus, löst Bestürzung und Empörung aus und appelliert, sich die dringlichsten Fragen zu stellen und zu beantworten.

    Ich bin beeindruckt von seinem Werk. Einiges war mir bekannt, einiges neu, doch es hat in seiner Gesamtheit dazu beigetragen, dass ich mir von den Dimensionen ein profundes Bild machen konnte. Seine Herangehensweise fand ich vielschichtig und seine urteilsfreie, mit einer gelegentlichen Prise Humor unterlegte Kontroverse hat dazu beigetragen, dass dieser Sachbuch-Wälzer ein kurzweiliger Lesegenuss war. Die Übersetzung fand ich hervorragend. Meiner Meinung nach ist seine Publikation ein wichtiger und wesentlicher Beitrag dazu, die Vorgänge zu erkennen und entsprechend zu handeln, so dass keine seiner vorgestellten beklemmenden Möglichkeiten unsere reale Zukunft wird.

    Kommentare: 1
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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    Knigaljubs avatar
    Dies ist eine Leserunde OHNE Verlosung von Büchern. Wir wollen uns nur gemeinsam an das Buch wagen und uns darüber austauschen.
    Die Runde startet am 17.05.2018 und jeder Interessierte ist herzlich eingeladen, mit seinem eigenen Buch (oder Hörbuch) mitzumachen.

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    Wedmas avatar

    Einige Teilnehmer der Sachbücherchallenge haben beschlossen, Homo Deus von Harari in einer Leserunde gemeinsam zu lesen und den Stoff auszudiskutieren.

    Es gibt ein Exemplar zu gewinnen -> Es wurden dann aber 8! Dank der freundlichen Unterstützung von C. H. Beck Verlag 👍

    Bewerben kann man sich bis einschl. 11. July. Das Exemplar wird am 12. July verschickt.

    Ab 15. July geht es mit der Diskussion los--> Verschoben auf 22.07, da die zusätzlichen Exemplare noch ankommen müssen.

    Wer möchte, kann mit eigenem Exemplar zu uns stoßen, auch wenn er bei unserer Challenge nicht angemeldet ist.

    Ich wünsche viel Spaß und bis bald in unserer Leserunde!

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