Yvonne Adhiambo Owuor

 4 Sterne bei 60 Bewertungen
Autor von Der Ort, an dem die Reise endet, Das Meer der Libellen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Yvonne Adhiambo Owuor

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. Ihre Kurzgeschichten erschienen in internationalen Literaturmagazinen. 2003 wurde sie mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. Ihr Debütroman ›Der Ort, an dem die Reise endet‹ (DuMont 2016) stand auf der Shortlist für den Folio Prize, außerdem erhielt sie dafür den Jomo Kenyatta Prize for Literature. ›Das Meer der Libellen‹ ist ihr zweiter Roman. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Yvonne Adhiambo Owuor

Cover des Buches Der Ort, an dem die Reise endet (ISBN: 9783832164249)

Der Ort, an dem die Reise endet

 (51)
Erschienen am 21.03.2017
Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832181147)

Das Meer der Libellen

 (8)
Erschienen am 22.09.2020
Cover des Buches Das Meer der Libellen: Roman (ISBN: B087J59TC2)

Das Meer der Libellen: Roman

 (1)
Erschienen am 22.09.2020
Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832166076)

Das Meer der Libellen

 (0)
Erscheint am 11.10.2021
Cover des Buches Dust (ISBN: 9781783781317)

Dust

 (0)
Erschienen am 04.06.2015
Cover des Buches Nick Brandt (ISBN: 9783775750899)

Nick Brandt

 (0)
Erscheint am 14.09.2021

Neue Rezensionen zu Yvonne Adhiambo Owuor

Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832181147)lilli1906s avatar

Rezension zu "Das Meer der Libellen" von Yvonne Adhiambo Owuor

Großartiges Buch
lilli1906vor 5 Monaten

Dieser Roman spielt in Afrika und handelt von einer jungen, willensstarken Frau und ihrer Suche nach sich selbst.


Die Geschichte ist wunderbar geschrieben, bildgewaltig und voller Details. Die Autorin schafft es, die Landschaft Afrikas und das Leben dort vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben zu erwecken.


Die Protagonistin ist ein ganz toll ausgearbeiteter Charakter mit vielen Tiefen und Facetten. Sie muss in ihrem Leben mit vielen Schicksalsschlägen fertig werden, die sie im Endeffekt aber stärker machen.


Sie verlässt ihre Heimat, um in China zu studieren. Und auch dieser Teil der Geschichte ist großartig erzählt.


In diesem Roman konnte ich wirklich versinken und möchte ihn darum unbedingt empfehlen!

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Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832181147)leseleas avatar

Rezension zu "Das Meer der Libellen" von Yvonne Adhiambo Owuor

Ni shi shei?
leseleavor 5 Monaten

„Ni shi shei?“ ist Chinesisch und bedeutet „Wer bist du?“. Es ist eine Frage, die Ayaana sich stellt, seitdem sie ein kleines Mädchen ist und am Meer ihrer Insel auf Antworten wartet. Sie wartet auf ihren leiblichen Vater, sie wartete auf Erklärungen, warum ihre Mutter Munira und sie von den anderen Inselbewohnern geschnitten werden, sie wartet darauf zu erfahren, was ihre Bestimmung ist. Das Meer schickt ihr einen Vater, den Matrosen Muhidin, der sie liebt, als wäre sie sein eigenes Kind und ihr das Leben und den Ozean erklärt. Das Meer schickt ihr später chinesische Diplomaten, die auf der kenianischen Insel Pate Spuren der Ming-Dynastie entdecken und in Ayaanas DNA chinesisches Erbgut. Sie reist nach China, um dort zu studieren und als Nachfahrin die afrikanisch-chinesischen Beziehungen zu vertiefen. Ihr ganzes Leben lang schickt ihr das Meer – sei es nun das in Kenia oder das in Xiamen – Liebe, Schmerz, Verlust, Hass, Frieden, Vergangenheit und Zukunft. Und immer wieder diese Frage: „Ni shi shei?“ Eine Frage, auf die Ayaana nur zögerlich eine Antwort findet und für die sie fast einmal um die Welt reisen muss, um schließlich wieder in Pate und bei sich anzukommen.

Es ist ein komplexer Entwicklungsroman, den die kenianische Autorin Yvonne Adhiambo Owuor mit ihrem zweiten Werk, Das Meer der Libellen, vorlegt und in dem sie eine Geschichte erzählt, die für westliche Leser_innen häufig fremd und auch überraschend anmutet: ein afrikanisches Mädchen mit chinesischen Wurzeln, das im Reich der Mitte zur Erwachsenen heranreift und erkennt, wer sie wirklich ist. Die Verbindung von Afrika und China, von einem vermeintlich rückständigen Kontinent und einer aufstrebenden Weltmacht, fand zumindest ich vor der Lektüre schwer zu denken. Doch Owuor beweist einem das Gegenteil und damit die eigene Kurzsichtigkeit: Denn China und Afrika verbindet nicht nur eine jahrhundertalte Handelspartnerschaft, gerade in jüngster Zeit engagiert sich China für die wirtschaftliche Entwicklung. Das dies nicht immer ohne Hintergedanken ist, wird auch im Roman thematisiert. Als erstaunlich politisch erweist sich Das Meer der Libellen beim genaueren Lesen, erzählt es doch von Geopolitik, Imperialismus, den Folgen des Kolonialismus und dem wachsenden Islamismus der 2000er Jahre.

Zugleich enthält das Buch aber auch eine klassische Coming-of-Age-Story. Über 20 Jahre lang begleiten die Leser_innen die Protagonistin Ayaana und sehen ihr beim Erwachsenwerden zu. Der Roman nimmt sich dabei viel Zeit – manchmal vielleicht einen Ticken zu viel – die Geschichte der Hauptfigur zu entfalten und ausführlich das Leben auf der kleinen Insel Pate zu schildern: das Leben an und mit dem Meer, der Umgang mit Gästen und Fremden, das gesellschaftliche Miteinander, durchaus geprägt von archaischen Vorstellungen. Ayaana, Munira und auch Muhidin passen nicht genau in den Ablauf der Insel und so verwundert es nicht, dass es sie alle einmal aus Pate wegtreibt – nur damit sie schlussendlich wiederkommen. Heimat, Zugehörigkeit, Identität ist der zweite große Themenblock, den der Roman auf knapp 600 Seiten verhandelt und bei dem er seine Figuren den ein oder anderen interessanten Umweg nehmen lässt.

Owuor schreibt sehr ausführlich und detailfreudig, sehr blumig und manchmal auch zu pathetisch. In den besten Fällen hat die Geschichte dadurch etwas Märchenhaftes, macht die Sprache das Buch zu einem tollen Schmöker, in dem man gerne versinkt und bei dessen Lektüre man so einiges lernt. In den schlechtesten Fällen (z.B. alle Sexszenen!) versinkt das Geschrieben im Kitsch, zieht sich die Erzählung künstlich in die Länge und wird mit Symbolik überfrachtet. Sehr gut gefallen hat mir, dass viele Wörter aus dem Swahili, später auch aus dem Chinesischen eingeflochten werden; leider bleiben sie in vielen Fällen unübersetzt, sodass man entweder die Wahl hat, eine Szene nicht zu verstehen oder die Lektüre immer wieder durch Recherchen zu unterbrechen.

Insgesamt hat mir Das Meer der Libellen eine wunderbare und außergewöhnliche Leseerfahrung beschert. Der Roman ist nur schwer vorhersehbar und weiß seine Leser_innen immer wieder zu überraschen. Dabei ist er alles andere als handlungsreich; die Faszination für das Erzählte speist sich vielmehr aus der Nähe zur Hauptprotagonistin und für ihren Lebensweg, der so in wenigen Romanen behandelt wird, die auf den deutschen Buchmarkt drängen. Auch wenn die Geschichte hier und da etwas ausfranst und die Erzählweise in ihren sehr ausufernden Momenten durchaus ermüdend wirkt, habe ich Ayaana sehr gerne bei ihrer Reise über die Meere und zu sich selbst begleitet. Den Debütroman der Autorin habe ich mir bereits notiert, dem vorliegenden zweiten Buch wünsche ich viele Leser_innen und spreche eine eindeutige Empfehlung aus.

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Cover des Buches Das Meer der Libellen: Roman (ISBN: B087J59TC2)Sigismunds avatar

Rezension zu "Das Meer der Libellen: Roman" von Yvonne Adhiambo Owuor

Sprachgewaltig, poetisch und politisch aktuell
Sigismundvor 6 Monaten

REZENSION – In ihrem preisgekrönten Debütroman „Der Ort, an dem die Reise endet“ (2016) beschäftigte sich die kenianische Schriftstellerin Yvonne Adhiambo Owuor (52) mit den Auswirkungen kolonialer Gewaltherrschaft und der Unabhängigkeitskämpfe ihres Landes. In ihrem zweiten, im September im Dumont-Verlag veröffentlichten Roman „Das Meer der Libellen“ schildert sie nun politisch aktuell am Lebensweg ihrer jungen Protagonistin Ayaana den nicht minder katastrophalen Fortgang der Entwicklung Kenias, das sich unter unfähigen und korrupten Regierungen von ausländischen Wirtschaftsmächten ausbeuten lässt.

Der Roman beginnt in den 1990er Jahren. Ayaana wächst als kleines Mädchen auf der dem Festland vorgelagerten Mangroven-Insel Pate auf - einem Ort, „der alle räumlichen und zeitlichen Verbindungen mit dem Rest der Welt ignorierte“. Die Bewohner leben noch immer von Fischfang oder Seefahrt. Handy und Tablet sind einzige Zugeständnisse an die industrielle Neuzeit. Auf Pate bleibt man gern unter sich, lebt in alter Tradition mit und von der Natur. Im umgebenden Meer, wohin die bunten Libellen alljährlich zurückkehren, fühlt sich Ayaana wohl: „Ein weiches, heiteres Sinken, eine vertraute Ruhe erfüllte sie, in der sich die Zeit und all ihre Probleme im Nichts auflösten.“

Jahre später, Ayaana ist inzwischen eine junge Frau, drängt das Weltgeschehen auch nach Pate durch. Wir hören vom Islamischen Staat und vom Tsunami. Die Chinesen beginnen, sich für Kenia zu interessieren. Unter dem Deckmantel freundschaftlicher Beziehungen und vermeintlicher Wirtschaftshilfe erweitert China sein Einflussgebiet und beutet die Rohstoffe Kenias aus. „Wie wir gehört haben, will China einen neuen Hafen bauen. Eine Ölpipeline soll quer über die Insel verlaufen. Wir haben gehört, dass eine ganze Stadt im Meer entstehen soll. All das wissen wir nur vom Hörensagen. Mit uns spricht China nicht.“

Im Rahmen diplomatischer Beziehungen erhält Ayaana ein Stipendium, um in China traditionelle Heilkunde zu studieren. Doch bald wechselt sie zur Schifffahrtskunde. „Was bedeutet das?“, wird sie von ihren Leuten auf Pate gefragt. „Dass ich ein Schiff nach Hause bringen kann.“ Voller Sehnsucht kehrt Ayaana tatsächlich nach Studienabschluss aus der chinesischen Millionen-Metropole enttäuscht auf ihre kleine Insel vor der kenianischen Küste zurück. „Ihre Generation hatte angeblich Geschmack an einer Welt gefunden, die anderswo hergestellt wurde. Sie hatte darin nichts gefunden, das zu besitzen sich lohnte. Je mehr sie in dieser Welt erlebt hatte, desto unsicherer war sie geworden.“ Trotz aller Verlockungen der großen weiten Welt vermisste Ayaana ihre Heimat, die kleine Insel ihrer Kindheit, ihr vertrautes Meer der Libellen: „Das Einzige, das ihr ein Gefühl von Sicherheit vermittelte, war das Meer. Dem Meer war sie immer willkommen.“

„Das Meer der Libellen“ überzeugt in inhaltlicher Tiefe und gewaltiger Ausdruckskraft. Der Roman aus Kenia begeistert durch seine atmosphärische, fast poetische Sprache voller Farben, Klänge und Düfte eines fernen Landes, wobei hier der Übersetzerin Simone Jakob ein besonderes Lob gebührt. Einerseits ist der Roman eine gefühlvolle Geschichte über das Erwachsenwerden einer jungen Kenianerin, der der Verlust ihrer geliebten Heimat droht – sei es durch Unfähigkeit der eigenen Regierung oder durch Einfluss ausländischer Mächte. Andererseits ist es gerade deshalb auch ein äußerst politischer Roman. Doch das politische Zeitgeschehen bindet Schriftstellerin Yvonne Adhiambo Owuor derart geschickt in die Geschichte Ayaanas und ihrer Freunde ein, dass man, fasziniert von den so unterschiedlichen Lebenswegen der Romanfiguren, Gefahr läuft, die harsche Kritik der Autorin am politischen System Kenias und dessen industrieller Abhängigkeit von China fast überliest.

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