Yvonne Adhiambo Owuor

 4 Sterne bei 63 Bewertungen
Autor von Der Ort, an dem die Reise endet, Das Meer der Libellen und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Yvonne Adhiambo Owuor

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. Ihre Kurzgeschichten erschienen in internationalen Literaturmagazinen. 2003 wurde sie mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. Ihr Debütroman ›Der Ort, an dem die Reise endet‹ (DuMont 2016) stand auf der Shortlist für den Folio Prize, außerdem erhielt sie dafür den Jomo Kenyatta Prize for Literature. ›Das Meer der Libellen‹ ist ihr zweiter Roman. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Yvonne Adhiambo Owuor

Cover des Buches Der Ort, an dem die Reise endet (ISBN: 9783832164249)

Der Ort, an dem die Reise endet

 (52)
Erschienen am 21.03.2017
Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832166076)

Das Meer der Libellen

 (11)
Erschienen am 11.10.2021
Cover des Buches Dust (ISBN: 9781783781317)

Dust

 (0)
Erschienen am 04.06.2015
Cover des Buches Nick Brandt (ISBN: 9783775750899)

Nick Brandt

 (0)
Erschienen am 14.09.2021

Neue Rezensionen zu Yvonne Adhiambo Owuor

Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832181147)Ingrid_Menzels avatar

Rezension zu "Das Meer der Libellen" von Yvonne Adhiambo Owuor

Auf der Suche nach der eigenen Identität...
Ingrid_Menzelvor einem Jahr

Die Autorin, 1968 in Nairobi , Kenia, geboren, beschäftigt sich in ihren fiktionalen Romanen mit der jüngeren Geschichte Kenias und nimmt sie äußerst kritisch in den Blick. Im Fokus stehen, neben den politischen Themen, Visionen von Herkunft, Heimat, die Frage nach Zugehörigkeit und der Suche nach einem Platz in der Welt. 

"Das Meer der Libellen" ist ihr zweiter Roman, ein 600-Seiten-Werk. Die Autorin fühlt sich inspiriert von der ersten Reise über den Indischen Ozean, deren 600. Jubiläum in Jahre 2005 gefeiert wurde und eine junge Frau von der kenianischen Insel Pate ein Stipendium für ein Studium in China erhielt. Man sagt, dass diese Studentin die Nachfahrin eines Seefahrers aus der Ming-Dynastie sei. 

Hauptschauplatz dieses Romans ist eben diese kenianische Insel Pate an der Swahili-Küste Kenias, eine Insel des Lamu-Archipels. Diese Küste nebst ihren Inseln wurde mal von den Portugiesen beherrscht mal vom Sultan von Oman. Kriegerische Ereignisse und Naturkatastrophen überzogen das Land. Heute sind es Islamisten, amerikanische Söldner und Piraten, die Unruhe schaffen. Zudem zeigt China großes Interesse im Rahmen der Seidenstraßen-Offensive und beruft sich dabei auf die Annahme, dass es eine weit zurückreichende Verwandtschaft zwischen der alten Ming-Dynastie und Afrika gäbe. 

In diesem Buch geht es um die Geschichte von Ayaana, die auf der Insel Pate bei ihrer Mutter Munira aufwächst. Als eigensinniges Kind ist sie ständig auf der Suche nach ihrem Vater. Ihre Mutter ist Kräuterfrau und Heilkundige und weiß mit Pflanzendüften und -säften, Aromen und Pflanzenfarben umzugehen. Schließlich findet Ayaana "ihren Vater" in dem gestrandeten Matrosen Muhidin, zu dem sie ein intensives Vater-Tochter-Verhältnis aufbaut. Die Patchworkfamilie erweitert sich nochmals um Ziriyab, der der Liebhaber ihrer Mutter wird. Das Leben auf Pate verändert sich zunehmend durch gestrandete Fremde und religiöse Fanatiker. Auch Munira gewährt Fremden Zuflucht und muss mitansehen, wie ihre Tochter ein exotisches Opfer von solchen Eindringlingen wird.. Belastet mit diesen Erfahrungen ergreift Ayaana als junges Mädchen die Gelegenheit, Pate zu verlassen und sich als "Nachfahrin" auf ein Stipendium für ein Studium in China einzulassen. Dort wird sie gefeiert als eine Exoten-Quenn: mit ihrer schwarzen Haut und gleichzeitig asiatischem Aussehen, ihren Sprachkenntnissen und der chinesischen Kleidung, die sie trägt. In der Öffentlichkeit wird sie auf vielen Anlässen als schwarze Nachfahrin wie in einem Zoo zur Schau gestellt, der Preis, den sie für das Studium bezahlen muss und der sie als Vermittlerin zwischen zwei Kulturen dienen soll. Sie versucht  vergeblich, sich als Chinesin zu fühlen und flüchtet immer wieder in ihre Träume, gedemütigt von rassistischen und fordernden Übergriffen auf ihre Person. Ihrem türkischen Kommilitonen Koray gelingt es, sie zu einem Urlaub in sein Heimatland zu überreden, aber in Istanbul wäre es fast zu einer Zwangsheirat gekommen, wenn sie nicht gleich wieder die Flucht ergriffen hätte. Zurück in China schließt sie ihr Studium der Nautik ab und kehrt dann, ihrem eigenen Antrieb folgend, nach Pate zurück. Dort fasst sie Fuß im Hause ihrer Mutter, erinnert sich an das Wissen, was sie einst übermittelt bekommen hat, kombiniert mit dem Erlernten aus ihrem Studium. Ihre Liebe zur Natur, dem Meer, ihre Verbindung zu den Geistern und Ahnen ihres Ortes schaffen ihr ein Gefühl von Sicherheit und Reife.

 Sie war in die Welt gegangen, wo ihre Generation durchaus Geschmack dran gefunden hatte. Sie hatte darin nichts gefunden, das zu besitzen sich lohnte. Aber je mehr sie diese ferne Welt erlebte, desto entfremdeter und unsicherer fühlte sie sich. 

Nun ist sie angekommen und übernimmt den Platz ihrer Mutter als Heil- und Kräuterkundige , zu der sie gemäß alter Initiationsriten eingeweiht wird. 

Ein kraftvoller, fast märchenhafter Roman, dessen verwobener Sprachstil  in seiner dichten, poetischen und melancholischen Weise zu einem Schlüssel wird. Ein Schlüssel für die Magie und spirituellen Geheimnisse dieses kenianischen Inselvolkes und seinem alten Wissen über  Naturphänomene,  Geister und Ahnen. Eine Sprache, die Verbindung schafft zwischen der alten Welt und ihren Geheimnissen und der neuen Welt mit den Schattenseiten der globalisierten Zwänge und Angriffe auf den afrikanischen Kontinent. 

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Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832181147)lilli1906s avatar

Rezension zu "Das Meer der Libellen" von Yvonne Adhiambo Owuor

Großartiges Buch
lilli1906vor 2 Jahren

Dieser Roman spielt in Afrika und handelt von einer jungen, willensstarken Frau und ihrer Suche nach sich selbst.


Die Geschichte ist wunderbar geschrieben, bildgewaltig und voller Details. Die Autorin schafft es, die Landschaft Afrikas und das Leben dort vor dem inneren Auge des Lesers zum Leben zu erwecken.


Die Protagonistin ist ein ganz toll ausgearbeiteter Charakter mit vielen Tiefen und Facetten. Sie muss in ihrem Leben mit vielen Schicksalsschlägen fertig werden, die sie im Endeffekt aber stärker machen.


Sie verlässt ihre Heimat, um in China zu studieren. Und auch dieser Teil der Geschichte ist großartig erzählt.


In diesem Roman konnte ich wirklich versinken und möchte ihn darum unbedingt empfehlen!

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Cover des Buches Das Meer der Libellen (ISBN: 9783832181147)leseleas avatar

Rezension zu "Das Meer der Libellen" von Yvonne Adhiambo Owuor

Ni shi shei?
leseleavor 2 Jahren

„Ni shi shei?“ ist Chinesisch und bedeutet „Wer bist du?“. Es ist eine Frage, die Ayaana sich stellt, seitdem sie ein kleines Mädchen ist und am Meer ihrer Insel auf Antworten wartet. Sie wartet auf ihren leiblichen Vater, sie wartete auf Erklärungen, warum ihre Mutter Munira und sie von den anderen Inselbewohnern geschnitten werden, sie wartet darauf zu erfahren, was ihre Bestimmung ist. Das Meer schickt ihr einen Vater, den Matrosen Muhidin, der sie liebt, als wäre sie sein eigenes Kind und ihr das Leben und den Ozean erklärt. Das Meer schickt ihr später chinesische Diplomaten, die auf der kenianischen Insel Pate Spuren der Ming-Dynastie entdecken und in Ayaanas DNA chinesisches Erbgut. Sie reist nach China, um dort zu studieren und als Nachfahrin die afrikanisch-chinesischen Beziehungen zu vertiefen. Ihr ganzes Leben lang schickt ihr das Meer – sei es nun das in Kenia oder das in Xiamen – Liebe, Schmerz, Verlust, Hass, Frieden, Vergangenheit und Zukunft. Und immer wieder diese Frage: „Ni shi shei?“ Eine Frage, auf die Ayaana nur zögerlich eine Antwort findet und für die sie fast einmal um die Welt reisen muss, um schließlich wieder in Pate und bei sich anzukommen.

Es ist ein komplexer Entwicklungsroman, den die kenianische Autorin Yvonne Adhiambo Owuor mit ihrem zweiten Werk, Das Meer der Libellen, vorlegt und in dem sie eine Geschichte erzählt, die für westliche Leser_innen häufig fremd und auch überraschend anmutet: ein afrikanisches Mädchen mit chinesischen Wurzeln, das im Reich der Mitte zur Erwachsenen heranreift und erkennt, wer sie wirklich ist. Die Verbindung von Afrika und China, von einem vermeintlich rückständigen Kontinent und einer aufstrebenden Weltmacht, fand zumindest ich vor der Lektüre schwer zu denken. Doch Owuor beweist einem das Gegenteil und damit die eigene Kurzsichtigkeit: Denn China und Afrika verbindet nicht nur eine jahrhundertalte Handelspartnerschaft, gerade in jüngster Zeit engagiert sich China für die wirtschaftliche Entwicklung. Das dies nicht immer ohne Hintergedanken ist, wird auch im Roman thematisiert. Als erstaunlich politisch erweist sich Das Meer der Libellen beim genaueren Lesen, erzählt es doch von Geopolitik, Imperialismus, den Folgen des Kolonialismus und dem wachsenden Islamismus der 2000er Jahre.

Zugleich enthält das Buch aber auch eine klassische Coming-of-Age-Story. Über 20 Jahre lang begleiten die Leser_innen die Protagonistin Ayaana und sehen ihr beim Erwachsenwerden zu. Der Roman nimmt sich dabei viel Zeit – manchmal vielleicht einen Ticken zu viel – die Geschichte der Hauptfigur zu entfalten und ausführlich das Leben auf der kleinen Insel Pate zu schildern: das Leben an und mit dem Meer, der Umgang mit Gästen und Fremden, das gesellschaftliche Miteinander, durchaus geprägt von archaischen Vorstellungen. Ayaana, Munira und auch Muhidin passen nicht genau in den Ablauf der Insel und so verwundert es nicht, dass es sie alle einmal aus Pate wegtreibt – nur damit sie schlussendlich wiederkommen. Heimat, Zugehörigkeit, Identität ist der zweite große Themenblock, den der Roman auf knapp 600 Seiten verhandelt und bei dem er seine Figuren den ein oder anderen interessanten Umweg nehmen lässt.

Owuor schreibt sehr ausführlich und detailfreudig, sehr blumig und manchmal auch zu pathetisch. In den besten Fällen hat die Geschichte dadurch etwas Märchenhaftes, macht die Sprache das Buch zu einem tollen Schmöker, in dem man gerne versinkt und bei dessen Lektüre man so einiges lernt. In den schlechtesten Fällen (z.B. alle Sexszenen!) versinkt das Geschrieben im Kitsch, zieht sich die Erzählung künstlich in die Länge und wird mit Symbolik überfrachtet. Sehr gut gefallen hat mir, dass viele Wörter aus dem Swahili, später auch aus dem Chinesischen eingeflochten werden; leider bleiben sie in vielen Fällen unübersetzt, sodass man entweder die Wahl hat, eine Szene nicht zu verstehen oder die Lektüre immer wieder durch Recherchen zu unterbrechen.

Insgesamt hat mir Das Meer der Libellen eine wunderbare und außergewöhnliche Leseerfahrung beschert. Der Roman ist nur schwer vorhersehbar und weiß seine Leser_innen immer wieder zu überraschen. Dabei ist er alles andere als handlungsreich; die Faszination für das Erzählte speist sich vielmehr aus der Nähe zur Hauptprotagonistin und für ihren Lebensweg, der so in wenigen Romanen behandelt wird, die auf den deutschen Buchmarkt drängen. Auch wenn die Geschichte hier und da etwas ausfranst und die Erzählweise in ihren sehr ausufernden Momenten durchaus ermüdend wirkt, habe ich Ayaana sehr gerne bei ihrer Reise über die Meere und zu sich selbst begleitet. Den Debütroman der Autorin habe ich mir bereits notiert, dem vorliegenden zweiten Buch wünsche ich viele Leser_innen und spreche eine eindeutige Empfehlung aus.

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Letzter Beitrag von  Dajobamavor 2 Jahren

Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!

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