Yvonne Adhiambo Owuor Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

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Inhaltsangabe zu „Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet“ von Yvonne Adhiambo Owuor

Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Doch im Moment größter Verzweiflung entsteht auch etwas Neues: Eine Liebe – oder zumindest eine Verbindung – nimmt ihren Anfang.
›Der Ort, an dem die Reise endet‹ ist ein großer Roman über eine versehrte Familie und ein zerrissenes Land. Mit einer Sprache, die einem den Atem raubt, voller Kraft und Intensität, erzählt Yvonne Adhiambo Owuor eine Geschichte von universeller Dringlichkeit – eine Geschichte von Macht und Täuschung, von unerwiderter Liebe und dem bedingungslosen Willen zum Überleben.

»Yvonne Adhiambo Owuor hat mit ihrem ersten Roman ein Stück Weltliteratur geschrieben.« KATHARINA GRANZIN, TAZ

»Kenia wurde von Ngũgĩ wa Thiong’o auf die literarische Weltkarte gesetzt, Yvonne Adhiambo Owuor schraffiert nun diese Karte neu. Ein zeitgeschichtliches Panorama […] von intimer Intensität.« ILIJA TROJANOW

»Dieser kraftvolle erste Roman wird Vergleiche mit William Boyd und sogar Graham Greene und Joseph Conrad evozieren … Eine wichtige Ergänzung der Literatur der afrikanischen Gegenwart.« BOOKLIST

»Owuor beweist auf diesen Seiten außergewöhnliches Talent und eine beachtliche Bandbreite. Ihr Stil ist im Wechsel impressionistisch und rau, beschwörend und drängend. Ein bemerkenswerter Roman.« THE WASHINGTON POST

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

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    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareenanneschuessler anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Frau_J_von_T Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesMotte_muqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1886
  • Leserunde zu "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" von José Eduardo Agualusa

    Eine allgemeine Theorie des Vergessens

    aba

    "Unser Himmel ist euer Boden" Dem preisgekrönten angolanischen Schriftsteller José Eduardo Agualusa ist mit seinem neuesten Roman "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" ein Meisterwerk gelungen. Die Heldin dieses Romans, Ludovica, überrascht den Leser mit ihrem großem Willen, ihrer ungewöhnlichen Ausdauer und mit einer Persönlichkeit, die sie unvergesslich macht. Sie ist eine Frau, die ihr eigenes Leben rettet, indem sie die Isolation wählt, und die Existenz eines Schiffbrüchigen mitten in einer großen Stadt führt, die 30 Jahre lang von Bürgerkrieg, Korruption und Rache gepeinigt wurde. Ihre Begleiter während der ganzen Zeit: ihr Tagebuch und die Poesie. "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" ist eine Geschichte über Hoffnung und über die Macht der Träume, die sehr lange in Erinnerung bleibt.Liebt ihr anspruchsvolle Literatur? Wir freuen uns sehr, euch mit "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" einen weiteren Titel im LovelyBooks Literatursalon vorstellen zu dürfen, in dem euch literarische Neuerscheinungen und spannende Spezialaufgaben erwarten.Zum InhaltEs ist eine fantastische und doch ganz und gar wahre Geschichte: Am Vorabend der angolanischen Revolution mauert sich Ludovica, nachdem sie einen Einbrecher in Notwehr erschossen und auf der Dachterrasse begraben hat, für dreißig Jahre in ihrer Wohnung in einem Hochhaus in Luanda ein. Sie lebt von Gemüse, gefangenen Tauben und von einer Hühnerzucht, die sie auf der Dachterrasse wie durch Zauber beginnt, und bekritzelt die Wände in ihrer ausgedehnten Wohnung mit Tagebuchnotaten und Gedichten. Allmählich setzt sich aus Stimmen, Radioschnipseln und flüchtigen Eindrücken zusammen, was im Land geschieht. In den Jahrzehnten, die Ludovica verborgen verbringt, kreuzen sich die Wege von Opfern und Tätern, den Beteiligten an der Revolution, ihren Profiteuren und Feinden. Bis sie alle eines Tages erneut vor der Mauer in dem wieder glanzvollen Apartmenthaus stehen. José Eduardo Agualusa hat mit seinem wunderbaren, dicht und spannend gewobenen Roman, der das Fantastische der Wirklichkeit und eine Art höhere Gerechtigkeit beschwört, unvergessliche Szenen geschaffen, tragisch, komisch, grotesk. Dieser Roman feiert die Kunst des Erzählens selbst.Lust auf eine Leseprobe?Zum AutorJosé Eduardo Agualusa, 1960 in Huambo/Angola geboren, studierte Agrarwissenschaft und Forstwirtschaft in Lissabon. Seine Gedichte, Erzählungen und Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, für seinen Roman "Ein Stein unter Wasser" (1999) erhielt er den Grande Prémio de Literatura da RTP. Auf Deutsch erschienen die Romane "Die Frauen meines Vaters", "Barroco Tropical" und "Das Lachen des Geckos", für den er 2007 den britischen Independent Foreign Fiction Prize erhielt. "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" stand auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2016 und erhält 2017 den hochdotierten International Dublin Literary Award für "A General Theory of Oblivion".Agualusa lebt als Schriftsteller und Journalist in Portugal, Angola und Brasilien.Möchtet ihr alles über Ludovicas Leben in der Isolation erfahren? Möchtet ihr wissen, wie es ihr gelingt, zu überleben?Zusammen mit C.H.Beck verlosen wir 30 Exemplare von "Eine allgemeine Theorie des Vergessens" unter allen, die sich im Rahmen einer Leserunde über diesen wunderbaren und außergewöhnlichen Roman austauschen und im Anschluss eine Rezension schreiben möchten. Ihr meint, dieses Buch ist das richtige für euch? Dann bewerbt euch* über den blauen "Jetzt bewerben"-Button bis zum 23.07., und antwortet auf folgende Frage:30 Jahre verbringt Ludovica in der Isolation. Ihr Tagebuch und die Poesie trösten sie über ihre absonderliche Situation hinweg.Was würde euch - außer Büchern natürlich! - Trost spenden, wäret ihr in so einer ähnlichen Situation? Wie würdet ihr die Zeit verbringen, um euch von der eigenartigen Lage abzulenken?Wir freuen uns auf eure Antworten und wünschen euch viel Glück!Im Rahmen des LovelyBooks Literatursalons könnt ihr in dieser Leserunde ein weiteres Literatursalon-Lesezeichen erlesen! Ihr seid noch kein Literatursalon-Mitglied? Ihr könnt jederzeit eintreten. Alle Infos dazu findet ihr hier. * Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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    StefanieFreigericht

    04. August 2017 um 23:15
    miss_mesmerized schreibt ich glaub sie haben beide die Einstellung, dass die Dinge halt so sind, wie sie nun einmal sind und man ja trotzdem damit leben muss und dass dann einfach macht. Einer hewisser Zweckpragmatismus ...

    @miss_mesmerized @Gwendolina Schöner Vergleich zur Baba Dunja. Passt, beides, was ihr sagt Ich ziehe noch dazu den Vergleich zu "Der Ort, an dem die Reise endet" - auch ein Afrikabuch, auch in ...

  • Schöne neue Welt auf Zeit

    Das geträumte Land

    jenvo82

    „Viel zu lange hatte sie gewartet, etwas aus sich zu machen, und jetzt, mit dreiunddreißig, hatte sie alles, oder war kurz davor, alles zu haben, was sie sich je für ihr Leben gewünscht hatte.“ Inhalt In ihrem Heimatland Kamerun sehen Neni und Jende keine Perspektiven für sich und ihr gemeinsames Leben, ganz anders als in Amerika, in einem Land, in dem jeder die Möglichkeit bekommt, sich zu beweisen und ungeachtet seiner Herkunft oder Abstammung erfolgreich zu sein. Sie sind jung, engagiert und träumen gemeinsam den Traum einer selbstbestimmten, erfolgreichen Zukunft, fernab der Fesseln ihrer Heimat. Jende arbeitet als Chauffeur des erfolgreichen Geschäftsmannes Clark Edwards und Neni drückt die Schulbank, um in nicht allzu ferner Zeit Pharmazie studieren zu können. Doch was vielversprechend und hoffnungsvoll beginnt, wandelt sich bald in ein schlechtes Omen. Die Jongas haben keine Greencard und stehen kurz vor der Ausweisung, die Wirtschaftskrise zwingt Mr. Edwards dazu, seinen Angestellten zu entlassen und das zweite Kind fesselt Neni an ein ungewolltes Hausfrauendasein. Schon bald müssen die beiden erkennen, dass die schöne neue Welt, in der sie sich bereits tief verankert sahen, ihnen immer mehr entgleitet. Als Jende auch noch krank wird, ziehen sie Bilanz und überdenken erstmals ihre Entscheidung… Meinung Die kamerunische Autorin Imbolo Mbue vereint in ihrem Roman viele verschiedene Aspekte des Migrantendaseins in einem Land fern der Heimat. Zum einen entwirft sie das Bild einer zunächst glücklichen Ehe, getragen von gemeinsamen Zukunftsplänen und tiefer, echter Liebe zum anderen zeigt sie die Entwurzelung, die der Sprung ins Ungewisse mit sich bringt. Während in der Heimat existentielle Probleme vorherrschen, denen man sich nicht entziehen kann, wenn es an Geld und Status fehlt, bedrohen in der Fremde eher die mangelhaften Rahmenbedingungen das Glück. Und so wandelt sich nicht nur die Bedeutsamkeit der Eheleute füreinander, sondern es treten zunehmend Dissonanzen in ihrer Beziehung auf, die bald mit Abweisung, Sorge und körperlicher Wut einhergehen. Im fremden Land werden auch die Liebenden zu Fremden, weil alle Gewissheiten, die man in der Heimat hat, hier nicht gelten. Allein die klassische Rollenverteilung in einer kamerunischen Ehe wird intensiv und differenziert beleuchtet, das Dilemma zwischen Verantwortung und Fürsorge einerseits und Freiheitsbeschneidung und Abhängigkeit andererseits. Amerika öffnet Türen, die vorher gar nicht da waren. Auch der zweite Erzählstrang, der sich nahtlos und in Kombination mit dem ersten abwechselt, zeigt eine typisch amerikanische Familie, die zwar genügend Geld und Status besitzt, aber vollkommen die Werte zueinander verloren hat. Eine betrogene Ehefrau, die ihr Unglück in Alkohol und Tablettensucht begräbt, zwei Söhne, die der Familie zumindest teilweise den Rücken kehren und ein Familienoberhaupt, welches nur noch die Karriere vor Augen hat und darüber hinaus keine Freizeitaktivitäten mehr pflegen kann und möchte. Trotz Geld und Ansehen findet man hier Gefühlskälte und Drama. Interessant ist die Verknüpfung der Lebenswege durchaus, obwohl sich auch Längen einschleichen, obwohl man als Leser schnell erkennt, dass es für die Afrikaner in Amerika kein Happy-End geben wird. Und sich durch die Schreibweise dazu berufen fühlt, keine wirkliche Nähe zu den Protagonisten aufzubauen. Sie stehen eher für Rollenbilder, für Menschen ihres Volkes und weniger für sich selbst. Alles wirkt irgendwie verallgemeinernd und man könnte vielleicht die Namen tauschen, die Schicksale und Lebenswege blieben die gleichen. Fazit Ich vergebe 4 Lesesterne für diesen vielschichtigen, unterhaltsamen Migrantenroman, der zeigt, dass sich Träume und Wunschvorstellungen in der Realität manchmal als untragbar und enttäuschend herausstellen, der für Ausgewogenheit und menschliche Nähe plädiert und letztlich auch dafür, sein persönliches Glück eher in den Menschen zu suchen und weniger in der äußeren Lebensweise.

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    • 8
  • ‚Erinnerungen sind einsame Geister.‘

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    sabatayn76

    17. July 2016 um 23:21

    Inhalt: Der talentierte Student Odidi Oganda wird auf einer Straße in Nairobi erschossen. Seine Schwester Arabel Ajany kehrt aus Brasilien nach Kenia zurück, um ihren Vater bei der Überführung Odidis Leiche von der Hauptstadt zu der Familienfarm zu helfen. Dort müssen sie sich nicht nur mit ihrer Trauer und dem Unverständnis, was passiert ist, auseinandersetzen, sondern werden zudem mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert, denn kurz nach Odidis Tod taucht der Engländer Isaiah auf der Farm auf und stellt Fragen nach seinem verschollenen Vater Hugh. Isaiah stand in Kontakt mit Odidi, der etwas über Hugh wusste, und reiste nach Kenia, um Odidi zu treffen und mehr über seinen Vater zu erfahren. Mein Eindruck:Mir hat der Roman insgesamt gut gefallen, obwohl ich fand, dass er eine ziemlich harte Nuss ist und es dem Leser recht schwer macht. Der Schreibstil ist außergewöhnlich: eigenwillige Interpunktion, lange Sätze, intrusionsartige Einschübe, Idiome. Zu Beginn des Romans empfand ich dies als eher anstrengend und hatte an der Lektüre initial wenig Vergnügen. Nach einer gewissen Einlesezeit ist mir der Zugang zu ‚Der Ort, an dem die Reise endet‘ jedoch deutlich leichter gefallen, obwohl ich durchweg das Gefühl hatte, dass das Buch für meinen Geschmack etwas zu adjektivlastig und zu metaphernüberladen ist. Sehr gut gefallen haben mir die Einblicke in die Geschichte Kenias sowie die Verwebung von Realität und Magie, wodurch mich der Roman vor Ort versetzt und mir das Leben in Kenia und die Überzeugungen der Menschen näher gebracht hat. Mein Resümee:Ein sprachlich anspruchsvoller Roman, der dem Leser das Leben in Kenia und die Geschichte des Landes näher bringt.

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  • Afrikanisches Familienepos

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    TochterAlice

    11. July 2016 um 12:26

    Ein afrikanisches Buddenbrooks? Oder gemahnt es doch eher an "Korrekturen", den (fast) zeitgenössischen großen Roman von Jonathan Franzen? Nichts von beidem, finde ich: es ist eine weitere eindringliche Familiengeschichte, eine sehr spezielle. Eine aus einer absolut fremden, fernen Welt, eine, die mich zunächst neugierig werden ließ. Doch aufgrund des fahrigen, nicht stringenten Erzählstils war für mich der Zauber rasch verflogen, als mühselig empfand ich es, mir diese Geschichte von einem fernen Kontinent, einem mir gänzlich unbekannten Land, zu erarbeiten, mich auf die Charaktere und ihre Schicksale einzulassen. Die Geschichte, in deren Mittelpunkt zwei Generationen und zwei Familien, nein: eigentlich eine Familie in der Hauptrolle, eine in der Nebenrolle und eine Freundschaft, die aber auch beide Familien über beide Generationen berührt, stehen, ist sehr fahrig und - man möge es mir verzeihen - aus meiner Sicht wirr erzählt, immer wieder wird die Zeit und das Setting gewechselt. Und es kommen - eigentlich überaus interessant und spannend - eine Menge kenianische Persönlichkeiten (und auch solche aus den Nachbarstaaten) vor. Eigentlich mag ich so etwas, im vorliegenden Kontext empfand ich es einfach nur als verwirrend. Es ist eine tragische Geschichte, in die ich mich aber nicht so einfinden konnte, dass sie mich tiefer berührt, in mir das Interesse an weiteren Nachforschungen zu Kenia geweckt hat. Der Stil ist anspruchsvoll, eindringlich, dabei nicht unanstrengend, nicht zuletzt aufgrund der vielen fremdartigen Namen von Personen und Ortschaften, die eine Rolle spielen oder auch nur erwähnt werden, denn auch das passiert ständig. Wobei diejenigen, die sich darauf einlassen, durchaus Unterstützung erfahren, nämlich in Form eines ausführlichen Glossars am Ende des Buches. Die Autorin Yvonne Adhiambo Owuor ist sicher eine gewaltige Stimme ihres Landes, aber leider eine, die mich nicht so ganz erreichen konnte!

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  • Ein ganz anderer Roman

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    Frieda-Anna

    02. July 2016 um 14:15

    Zugegeben hatte ich es am Anfang sehr schwer mit diesem dicken, in einem bunten Umschlag eingehüllten Wälzer und war auch zwischenzeitlich dazu geneigt, es wieder zur Seite zu legen. Lese ich später mal.... Aber nicht doch! Klappentext und die Meinung anderer Leser haben mich zum Durchhalten motiviert. Es ist halt anders geschrieben, von einer anderen Autorin aus einem anderen Breitengrad und aus einem anderen Blickwinkel. Nicht alles ist für die Medien interessant weiter zu verfolgen und so kann ich mich auch nur wage an die Wahlen Ende 2007 in Kenia erinnern, als es dort zu Unruhen kam. Odidi, Ajanys Bruder wird währenddessen erschossen. Die Familie, ansässig im ärmlichen Nordkenia, holt die Leiche heim. Sprachgewaltig wird die ausgelebte Trauer, die jedes Familienmitglied empfindet zum Ausdruck gebracht. Man spürt regelrecht die Unterschiedllichkeit zu uns kühlen, eher emotionsunterdrückenden Europäern im Umgang damit. Zeitsprünge, episodische Abrisse und aufgefallen viele Aufzählungen machen es schwer das Geschehen im Auge zu behalten. Eingewöhnungsphase, Staunen über die ungewöhnliche Ausdruckweise, trotzdem Eintauchen in die Gefühlswelt der einzelnen Handelnden, roten Faden festhalten und siehe da! Belohnung. Es tauchen klare Hinweise auf, was mit dieser zerrissenen Familien geschehen  ist. Erst ganz leise, dann wird Yvonne Adhiambo Owuors Stimme immer kräftiger. Und die Handlung zum Glück immer klarer. Ich habe mich mich mitreissen lassen und fand mich trauernd und zeitweise ängstlich im fernen Afrika als Beobachter wieder. Wer dazu Lust hat und sich einlassen mag, dem lege ich dieses wunderbare Debut ans Herz. Nicht zu vergessen! Hut ab vor der Übersetzerin. That was definitely not easy!         

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  • Der Ort, an dem die Reise endet

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    buchernarr

    25. June 2016 um 17:56

    Ein etwas anderer Roman, denn afrikanische Literatur ist eher selten in unserem Raum gesehen, die Übersetzungen kommen nicht oft vor. Es handelt sich auf jeden Fall um keinen Roman für angenehme Stunde. Keine leichte Kost denn Gewalt, Trauer, Schmerz und Verlust regieren das Bild, vor allem am Anfang. Doch auch die Liebe kommt nicht zu kurz. So wird auch Odidi in Kenia ermordet und seine Schwester Ajani reist von Brasilien nach Nairobi um der Sache auf den Grund zu gegen. Dort trifft sie unter anderem auf den Engländer Isaiah, dessen Vater verschwunden ist und den er jetzt sucht. Und doch bleibt es nicht nur dabei, denn ihre Vergangenheit ist miteinander verknüpft. Die Kolonialherrschaft, der Streben nach Unabhängigkeit, dies alles hat seine Spuren hinterlassen. Um denen müssen sich die Protagonisten jetzt stellen. Ein anspruchsvolles Buch das ein sehr gutes Beispiel afrikanischer, talentierter Autoren ist. Sehr gerne mehr davon!

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  • Anspruchsvoll aber beeindruckend

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    Franzis2110

    18. June 2016 um 17:46

    Wir befinden uns in Kenia, im Jahr 2007. Ein Jahr, in dem Ajany aus Brasilien zurückkehrt, wo sie seit einigen Jahren lebt. Zurück in ihre Heimat. Doch der Anlass ist ein trauriger. Gemeinsam mit ihrem Vater muss sie den Leichnam ihres Bruders zurück nach Hause, nach Wuoth Ogik –  dem Ort, an dem die Reise endet – bringen. Ihr Bruder war ein hoch talentierter Student, der in den Straßen von Nairobi erschossen wurde. Zurück in ihrer alten Heimat, inmitten der Wüste Kenias, versucht sie Trost zu finden. Doch der wird ihr verwehrt. Die Erinnerungen gehen zu tief, sind zu schmerzhaft. Erinnerung, die der Mord an ihrem Bruder heraufbeschworen hat. Solche, die nicht nur Sie, sondern ihre ganze Familie heimsuchen, die sie zu zerbrechen droht. An die koloniale Gewaltherrschaft, an blutige Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit, an die Vergangenheit. Gezeichnet von Wut und Trauer läuft ihre Mutter in die Wildnis davon, als Ajany und Nyipir zurück nach Wuoth Ogik kommen. Ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen, die durch die Geschehnisse an den Tag befördert wird. Aber an diesem Ort, an dem die Reise endet, entsteht auch etwas Neues – eine Verbindung, eine Anfang, eine Liebe. Yvonne Adhiambo Owour entführt uns in das von der Geschichte, von Korruption und Gewalt beherrschte Kenia und das Leben einer Familie, die von diesem Land gezeichnet ist. Eigentlich nicht nur in das Leben einer, sondern zweier Familien. Voller Sprachgewalt und Poesie bringt sie uns das Leben in Kenia und die Suche Ajanys danach, wer ihr Bruder war, näher. Die Geschichte dieses Landes und dieser Familie geht unter die Haut, wenn sie auch keine leichte Lektüre ist. Ich habe mir oft schwergetan, mich richtig darauf konzentrieren zu können und mich fallen zu lassen. Die Sprache, die kenianischen Ausdrücke, die Poesie – all das macht das Buch sehr authentisch und echt, aber es macht es auch schwer zu lesen. Für die Geschichte rund um Ajany, die Reise in die Vergangenheit von ihrem Bruder, ihrem Vater, ihrer Mutter sollte man konzentriert mit viel Zeit lesen, nicht einfach zwischendurch. Nur dann kann sie ihr Potenzial und ihre Kraft voll entfalten. Yvonne Adhiambo Owour konnte mich mit „Der Ort an dem die Reise“ endet trotz der Schwierigkeiten einnehmen. Die Geschichte hat viel mehr zu bieten, als es auf den ersten Moment scheint. Wir erleben nicht nur die Geschichte von Ajany, sondern auch die von ihrer Familie und die von Kenia. Eine Geschichte voll sprachlicher Raffinessen und einem Hauch dezent eingewebter Gesellschaftskritik.

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  • Keine leichte Lektüre, aber gut

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    Lealein1906

    15. June 2016 um 11:59

    „Der Ort, an dem die Reise endet“ ist wirklich kein einfaches Buch. Die Autorin wählt eine sehr poetische Ausdrucksweise, oft sind die Sätze lange und verschachtelt, es wird wahllos zwischen den verschiedenen Erzählstrangen hin und her gesprungen. Trotzdem hat das Buch, die Geschichte die erzählt wird, es geschafft mich in ihren Bann zu ziehen. Odidi wird von der Polizei auf der Straße erschossen. Seine Schwester Ajany kommt deswegen zurück aus Brasilien und muss sich nicht nur dem Tod ihres Bruders stellen, sondern auch der Konfrontation mit ihrer Familie und der Vergangenheit. Denn als Isaiah Bolton nach Wuoth Ogik, dem Haus der Familie Oganda, kommt wird die verrückte Situation noch schlimmer. Wir begeben uns mit den verschiedenen Charakteren auf die Reise, wo jeder nach sich selbst sucht, nach dem Sinn. Denn jeder wird durch den Tod von Odidi auf eine andere Weise mit der Wahrheit konfrontiert und muss lernen damit umzugehen. Auch wenn es manchmal ein bisschen schwierig war den Handlungen und Gedankensprüngen der Autorin zu folgen, war ich doch beeindruckt, wie sie es schafft, so viel und in so schöner Sprache in die Geschichte miteinzuflechten. Man kann viel aus diesen verschiedenen Geschichten lernen und ich denke jeder Charakter spiegelt sich in einer von den beschriebenen Personen wieder. Nach der Lektüre dieses Buches hat man wirklich den Eindruck tief in ein Land eingetaucht zu sein. In die Geschichte, in Bräuche, in eine so andere Form von Leben, als wir es uns in Europa vorstellen können: Wo Geister und Schatten eine unheilvolle Andeutung sind, wo die Machtstrukturen immer aus dem Ruder laufen, wo andere Werte und Traditionen herrschen. Ich gebe 4 Sterne für dieses Buch. Für diese bildgewaltige Geschichte über Kenia, die einen einlädt ein neues Land kennenzulernen. Für ein Buch, das eine Familiengeschichte erzählt und diese mit der Geschichte Kenias verknüpft, in einer nicht einfachen, aber trotzdem zu bewältigenden Sprache.

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  • Rezension zu "Der Ort, an dem die Reise endet"

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    lisibooks

    09. June 2016 um 15:36

    Ajany ist in Kenia geboren, lebt jedoch seit einigen Jahren in Brasilien. Aus einem traurigen Anlass kehrt sie in ihr von der neu gewonnenen Unabhängigkeit gezeichnetes Geburtsland zurück: Ihr Bruder Odidi wurde erschossen. Sein Leichnam muss identifiziert und bestattet werden. Zusammen mit ihrem Vater und Odidis Sarg kehrt Ajany nach Wuoth Ogik zurück – ihrem Zuhause in der Wüste. Anstatt dort Ruhe zu finden, droht die Familie auseinander zu reißen, alte Geheimnisse treten zutage und Ajany begibt sich nach Nairobi, um mehr über die Hintergründe der letzten Lebensjahre ihres Bruders herauszufinden. Sprachgewaltig entführt Autorin Yvonne Adhiambo Owuor ihren Leser nach Kenia. Wie ein Gemälde lässt sie das Land durch ihre bildreiche, mit vielen Adjektiven gespickte Sprache beim Lesen vor dem eigenen Auge entstehen. Dieser Stil passt zum Charakter Ajanys. Aus ihrer Sicht wird überwiegend erzählt und sie ist selbst Künstlerin, hat früher häufiger gemalt und daher ein Auge für ihre Umgebung. Man erfährt jedoch nicht nur von Ajanys Suche nach Odidis Vergangenheit. Zahlreiche Rückblicke verschiedener Charaktere unterbrechen die aktuellen Ereignisse und teils finden diese Episoden so unvermittelt statt, dass man beim Lesen sehr aufpassen muss, den Überblick zu behalten. Der Roman ist sowohl inhaltlich als auch sprachlich anspruchsvoll zu lesen, doch die Mühe wird belohnt. Nebenbei erfährt man viel über das Land Kenia und die Menschen. Die Autorin übt fein ausgewogene Gesellschaftskritik, ohne den Zeigefinger zu erheben. Die Geschichte nimmt den Leser in ihren Bann und ist zwischenzeitlich spannend wie ein Thriller, hebt sich aber durch die überaus gelungene Sprache von diesem Genre ab und hat so viel mehr zu bieten, AKS eine spannende Geschichte. Fazit: Eine Leseempfehlung für alle, die gerne anspruchsvolle Romane lesen und etwas über Kenia erfahren wollen. Belohnt wird man mit einer sprachgewaltigen, mitreißenden Familiengeschichte.

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  • Der Ort, an dem die Reise endet

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    urmeli

    03. June 2016 um 16:17

    In Nairobi im Jahr 2007 wurde mitten auf der Straße Odidi Oganda erschossen, ein junger Mann, der sich für Gerechtigkeit und gegen Korruption einsetzte. Seine Schwester Ajany ist aus Brasilien zurückgekehrt um mit ihrem Vater Nyipir den Toten nach Hause, nach Wuoth Ogik, zurück zu bringen. Der Tot wirft bereits viele Fragen auf, doch auch die Familiengeschichte ist voller Brüche und Seltsamkeiten. Ajany erinnert sich an die Zeiten die sie mit ihrem Bruder verbracht hat, daran, dass der nur 4 Jahre ältere sich um sie gekümmert hat und nicht ihre Mutter. Daran, wie sie in einer - verbotenen - Höhle gespielt haben und dort Schreckliches erlebt haben. Ihre Zeit im Schulinternat war auch alles andere als glücklich. Ihr Zuhause, Wuoth Ogik, liegt im trockenen Norden Kenias, weit weg von der Zivilisation, und dieses haben sie zu spüren bekommen. Auch Nyipir erinnert sich an vergangene Zeiten, wie er als Kind versuchte Geld zu verdienen um nach Burma reisen zu können zu seinem Vater und Bruder, die als Soldaten dort hingeschickt wurden und nicht zurückkamen. Daran, wie er selbst zu den Soldaten kam, Folter und Leid ertrug und einen Weg aus dem Elend fand. Die Beerdigung Odidis verzögert sich, ihre Mutter Akai flüchtet aus Verzweiflung über den Tod des geliebten Sohnes. Ajany entdeckt in Haus ein Nacktbild ihrer schwangerer Mutter, gemalt von einem Hugh Bolton. Wer ist dieser Mann, was hat er mit der Familie zu tun? Kurz darauf erscheint Hughs Sohn Isaiah, der im regen Briefkontakt mit Odidi war, um mehr über seinen Vater und dessen Verbleib zu erfahren.Yvonne Adhiambo Owuor schreibt einen sehr umfangreichen Roman über das Leben und die Lebensart Kenias. Politik, Familie, Zusammengehörigkeitsgefühl, Religion und Übersinnliches nehmen einen großen Raum ein, auch die Natur, die Landschaft und Tierwelt und die Eigenheiten des Klimas, der Dürre werden thematisiert. Man erfährt viel über ein doch recht fremde Welt. Immer wieder springt die Geschichte in verschiedene Zeiten, werden Geschichten aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Ein interessanter Roman, der eine erhöhte Aufmerksamkeit beim Lesen erfordert. Die Sprünge sind mir an manchen Stellen zu radikal, zu schwer nachzuvollziehen. Im Anhang hätte ich mir eine kurze Abhandlung über die politische Geschichte Kenias gewünscht.

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  • Der Ort, an dem die eine Reise endet, und eine neue beginnt

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    Tsubame

    Während der Unruhen um die Präsidentschaftswahlen in Kenia wird der junge Odidi Oganda auf offener Straße erschossen. Mit dieser Tragödie startet der 490seitige Roman der kenianischen Autorin Yvonne Adhiambo Owuor und enthüllt nach und nach die Umstände um Odidis Tod. Sie führt uns an seinen Heimatort, Wuoth Ogik, eine unwirtliche Ödnis im Norden Kenias, stellt uns seine Familie vor, seinen Vater Nyipir Oganda, seine Mutter Akai-ma und seine jüngere Schwester Arabel Ajany Oganda, die vor Jahren nach Brasilien ging und nun in ihre Heimat zurückkehrt, um den Tod ihres Bruders zu betrauern und gleichzeitig nach der Wahrheit zu suchen. Und noch eine zweite Familie ist für die Geschichte von Bedeutung: das britische Ehepaar Bolton, das vor Jahren hoffnungsvoll nach Kenia zog, um sich an der Fremdheit des Landes schließlich zu entzweien. Der eine blieb und gilt seit Jahren als verschollen, die andere floh zurück in ihre Heimat. Nun zieht es den Sohn Isaiah ebenfalls nach Kenia, um Licht ins Dunkle um das Verschwinden seines Vaters zu bringen. Wie sehr die Schicksale beider Familien mit einander verflochten sind, wird erst im Laufe des Romans deutlich. Nur langsam und bruchstückhaft gibt die Autorin die Zusammenhänge preis, bedient sich lieber eines Erzählstils, der kraftvoll und emotional die Trauer und die Traumata spürbar macht, unter der ihre Protagonisten leiden. Sie alle haben Geheimnisse, über die sie nicht sprechen können oder wollen. Doch in der Konfrontation mit der Vergangenheit, die alle zunächst so sehr scheuen, liegt eine große Chance für die Zukunft eines jeden von ihnen und am Ende des Romans kann man trotz der zahlreichen Schrecken Afrikas, durch die einen die Autorin gejagt hat, fast so etwas wie einen Hoffnungsschimmer erkennen: alle ihre Protagonisten machen einen für ihre persönliche Entwicklung wichtigen Schritt nach vorne ...

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    • 2
  • Der Ort an dem die Reise endet

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    Eeyorele

    26. May 2016 um 10:44

    InhaltKenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Doch im Moment größter Verzweiflung entsteht auch etwas Neues: Eine Liebe – oder zumindest eine Verbindung – nimmt ihren Anfang. Meinung"Der Ort an dem die Reise endet" ist ein Buch, das es einem am Anfang nicht leicht macht, in die Geschichte zu finden. Der Stil ist von beginn an malerisch, spannend und emotional, dennoch nicht leicht zu lesen. Erschwerend kommt hinzu, das die Geschichte nicht in einem fortläuft, sondern immer wieder zwischen Personen und Zeiten hin und her springt. Hat man jedoch erstmal einen Zugang zu der Geschichte und vor allem auch zu ihren Protagonisten gefunden, dann lassen sie einen auch nicht so schnell wieder los. Die Geschichte erzählt nicht nur einfach von einer Familie und ihrer Geschichte. Vielmehr erzählt sie von einem ganzen Land, einer ganzen Nation und ihrem Weg in eine Zukunft. Am Beispiel der Familie von Ajany wird dem Leser vor Augen geführt, was alles in einem Land passiert, das zumindest für mich doch sehr weit weg ist - sowohl geografisch, als auch gedanklich. Es werden die Schrecken aufgezeigt, die Menschen einander antun können und die Menschen bereit sind zu tun. Und das nicht nur auf der hohen Ebene des Krieges und seiner Schrecken, sondern auch in zwischenmenschlichen Beziehungen. Es ist aber auch eine Geschichte über Menschen und neue Anfänge, wenn etwas anderes endet. Über Menschen und Gefühle. Gefühle von Einsamkeit, Ende, aber auch von Liebe und Neuanfang. Es zeigt, wie schwer es sein kann, sich seiner Vergangenheit zu stellen und wie sehr die Vergangenheit die Gegenwart und auch die Zukunft immer noch beeinflussen kann. Die Geschichten aller Protagonisten laufen zusammen in einem Punkt - dem Ort an dem die Reise endet. Und gemeinsam malen sie, unterstützt durch die bildgewaltige und malerische Sprache der Autorin ein Portrait von Kenia, das für mich völlig fremd, neu, erschreckend, traurig, spannend, liebevoll und wunderschön zugleich war. Ich werde hier nichts über die einzelnen Charaktere oder ihre Geschichte schreiben, da ich denke, dass das Buch davon lebt, dass man die Geschichte der Charaktere mit ihnen zusammen entdeckt und so auch die Geschichte des Landes durch sie erfährt. Empfehlung Ich empfehle das Buch jedem, der sich nicht durch einen etwas schwierigen Start verunsichern lässt und sich auf Geschichten komplett einlassen kann. Außerdem ist dieses Buch eine Bereicherung für alle, die sich mit Afrika beschäftigen wollen oder einfach einen Eindruck aus einer ganz anderen Sicht der Dinge bekommen möchten.

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  • Challenge: Literarische Weltreise 2016

    Euphoria

    Ginevra

        Liebe Lovelybookerinnen und –booker, habt Ihr Lust, im Jahr 2016 auf Weltreise zu gehen – literarisch gesehen? Dann begleitet mich durch 20 verschiedene Lese- Regionen! Die Aufgabe besteht darin... -  12 Bücher in einem Jahr zu lesen;-   Mindestens 10 verschiedene Regionen auszuwählen (zwei Regionen dürfen also doppelt vorkommen);-   Autor und/oder Schauplatz und/oder eine bzw. mehrere der Hauptfiguren müssen zu dieser Region passen.-   Bitte postet Eure Rezensionen und Beiträge bei den passenden Regionen;-   Auch Buchtipps ohne Rezension sind jederzeit willkommen;-   Am Ende des Jahres zählen Eure 12 Rezensionen - bis zu zwei Kurzmeinungen sind erlaubt!-   Eure Beiträge werde ich verlinken;-   Einstieg und Ausstieg sind natürlich jederzeit möglich;-   Genre und Erscheinungsjahr sind egal:-   Hörbücher, Graphic Novels, Biographien, Krimis, Literatur – bei dieser Challenge ist alles erlaubt!Gut geeignet sind z.B. die Bücher verschiedener Literaturpreise oder Empfehlungslisten (Booker- Preis, Preis des Nordischen Rats, ZEIT- Liste zur Neuen Weltliteratur, usw.).Diese Challenge eignet sich also auch hervorragend dazu, den SuB abzubauen, oder um andere Challenges damit zu kombinieren.Unter den TeilnehmerInnen, die die Challenge erfolgreich beenden, verlose ich am Ende des Jahres drei Bücher aus meinen Beständen - natürlich passend zum Thema!Ich freue mich sehr auf Eure Beiträge und werde zu jeder Region ein Unterthema erstellen, so dass es etwas übersichtlicher wird. Einige Tipps und Empfehlungen werde ich schon mal vorab anhängen - Ihr müsst davon natürlich nichts lesen. Dann wünsche ich uns allen...Bon voyage – Buon viaggio - Have a nice trip - Tenha uma boa viagem - Приятной поездкиСчастливого пути - ¡Qué tengas un buen viaje! -旅途愉快!- すばらしい旅行をなさって下さい。-Gute Reise! TeilnehmerInnen:abaAberRushAmayaRoseAriettaArizonaarunban-aislingeachBellastellaBellisPerennisBibliomaniablack_horseBonniereadsbooksBuchraettinBücherwurmBuchinaCaroasCode-between-linesConnyMc CorsicanaCosmoKramerDaniB83DieBertaDunkelblauElkeelmidiGelindeGinevraGingkoGruenentegstGwendolinahannelore259hexepankiInsider2199IraWirajasbrjeanne1302kopikrimielseKruemelGizmoleiraseleneleseratteneuleseleaLeonoraVonToffiefeelesebiene27leucoryxLexi216189lieberlesen21LibriHollylittleowllouella2209MaritaGrimkeMinnaMminorimiss_mesmerizedmozireadnaninkaNightflowerOannikiOrishapardenPetrisPMelittaMPostboteRyffysameaSchlehenfeeschokolokoserendipity3012Sikalsnowi81StefanieFreigerichtstefanie_skysursulapitschiSvanvitheTalathielTanyBeeTatjana89Thaliomeevielleser18wandablueWanderdueneWedmawerderanerWollywunderfitz

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    • 1702
  • Kein leichtes Buch, sowohl von der Thematik als auch von der Sprache...

    Taschenbücher / Der Ort, an dem die Reise endet

    Floh

    Die kenianische Autorin Yvonne Adhiambo Owuor hat mit ihrem sehr offenen, enthüllenden, klaren und einprägsamen Roman „Der Ort, an dem die Reise endet“ eine Gesellschaftskritik geschaffen, die den Leser mit seinen Reizen und Vorhaltungen zum Nachdenken und Sinnieren bewegt. Eine polarisierende Geschichte mit Bezug zur Gegenwart und zur Gesellschaft in einem fernen Land mit seiner Politik, seinem Krieg und seinen Opfern. Eine Typologie der Gewalt und Trauer, der Liebe und Heimat, der Familie und des Verlustes... Dieses Buch hat eine lange Reifung und eigene Geschichte hinter sich. Ein Themenkomplex in schnörkellose und doch sehr verzweigte und verdichtete Worte mit prägnanter Wirkung gekleidet. Dieses Buch macht nicht nur mit seinem Titel „Der Ort, an dem die Reise endet“ unheimlich neugierig, sondern auch mit einem grellen und bizarren Cover in dieser eindringlichen Leuchtschrift. Ein Buch was auffallen muss, um wahrgenommen zu werden Yvonne Adhiambo Owuor hat eine schwierige Sprachmelodie (von klar bis prägnant, zu poetisch, wortmalend bis verschnörkelt und undurchdringlich zu derb und krass bis beinahe liebevoll und lyrisch), die lange in meinem Kopf nachklingt und einen sehr bewegenden, anmutigen und tiefgründigen Roman voller Elan, Tragik, Katastrophe, Abenteuer und Wut einmalig untermalt, aber mich, zugegeben, nur sehr schwer und spät erreichen konnte. Erschienen im DuMont Verlag (http://www.dumont-buchverlag.de/)Ich habe kaum ein Buch gelesen, dass mich so lange gefangen hielt und zwischen Abbruch und Weiterlesen hin und her riss! Meine Erwartungen, nach diesen großen Lobeshymnen und den sehr mitreißenden Leserstimmen auf den Bücherplattformen, und den vielversprechenden Zitaten auf dem Buchrücken, waren nun sehr hoch. Aber dieses Buch hat einfach das gewisse ETWAS, was dieses Werk einfach zu etwas ganz Besonderen und sehr selten dagewesenen macht. Auf jeden Fall ist das Buch "Der Ort, an dem die Reise endet" ein Buch, was dem Leser eine neue reise schenkt. Ein ganz kostbares Stück Literatur, welches mich, zwar recht spät, aber dennoch sehr in den Bann gezogen hat und mich nun mit allerlei neuen Eindrücken, viel Wissen und Informationen und vor allem mit vielen bewegenden Gefühlen und Fragen zurücklässt! Das Weiterlesen hat sich gelohnt und bezahlt gemacht. Inhalt / Beschreibung:"Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Doch im Moment größter Verzweiflung entsteht auch etwas Neues: Eine Liebe – oder zumindest eine Verbindung – nimmt ihren Anfang." Handlung:Obwohl das Buch keine im klassischen Sinne spannende oder aufbauende Handlung mit scharfen Kern hat, und keinen üblichen Plot mit Spitzen aufweist, möchte ich die Handlung, ohne zu viel zu verraten, kurz zusammenfassen und wiedergeben:Als Geschwister wurden Moses Odidi und Arabel Ajany Oganda in eine kenianische Familie im Norden Kenias weit abseits von Nairobi geboren. Für Ajanys ist ihr Bruder Moses Odidi nicht nur ihr großer Bruder, nein, er ist ihr Retungsanker, ihr Mutmacher ind Held ihrer Kindheit. Odidi wird Opfer bei einer Schießerei in den Straßen Nairobis (Prolog). Für die letzte Ehre und Beerdigung kehrt seine Schwester Ajany aus Brasilien zurück in ihre Heimat. Papa Aggrey Nyipir und Mama Akai Lokorijom trauern gemeinsam mit ihrer Tochter, wobei jeder auf seiner eigenen Art und Weise seine Trauer zum Ausdruck bringt. Moses Odidis Tod hat die Familie erneut zerrissen, dieser ungerechte Tod lässt Erinnerungen an vergangene Zeiten lebendig werden, die bis in die Kolonialzeit zurückgehen, bevor Kenia unabhängig wurde. Als Mama Akai voller Trauer von zu Hause flüchtet, kommen die Zweifel an die vergangenen Ereignisse innerhalb der Familie, aber auch manche bisher unausgesprochene Wahrheit drängt sich an die Oberfläche… . Hier ist der Ort, an dem die Reise endet; aber für die Leserschaft und für Schwester Jany beginnt. Autorin Yvonne Adhiambo Owuor nimmt uns, ihre Leserschaft, mit auf eine Reise von familiären Dramen, Emotionen, Schicksalen und kolonialen Einblicken der kenianischen Gesellschaft der 1950er und 1960er Jahre.Bezug zur Gegenwart:Die Autorin hat natürlich mit ihrem Roman auch einen aussagenden und mahnenden Wunsch, so bezieht sich der Roman gesellschaftskritisch auch auf die heutige politische und menschliche Lage. Die Politik und die Menschenrechte spielen hier im Roman eine bedeutende Rolle, was sich in der Aussagekraft des Buches widerspiegelt. Rückblenden, Erzählungen, Analysen und Darbietungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich hier im Plot unterschwellig ab. Nach der gesetzlichen Unabhängigkeit Kenias von Großbritannien 1962 sollte im Land alles besser werden. Die Menschen hofften auf eine sicherere Zukunft, sie sehnten sich nach Freiheit, Unabhängigkeit, Recht und Wohlstand. Eine neue Generation, die Vorreiter und Pioniere eines neuen Staates. Die Unterdrückung und Ausbeutung durch die Kolonialherren sollten ein für alle Mal vergessen sein… Dass diese Träume sehr bald zerplatzten, alles sogar noch viel schlimmer wurde als zuvor, zumindest für den Großteil der Bevölkerung, bildet den traurigen, leider allzu realistischen Hintergrund des Buches. Demokratie, Freiheit, Selbstbestimmung und Wohlstand gingen in Korruption, Vetternwirtschaft, Deckmäntel des Schweigens, Kurs, Machtkämpfen, Gewalt und Bürgerkrieg unter. Eine Tatsache, die die Generationen im Land spaltet. Eine geteilte Gesellschaft zeichnet sich schnell ab. Die alte Generation, die für die Unabhängigkeit gekämpft hatte, und die konsumfreudige junge Generation, die in den Tag leben, verschließen die Augen vor dem Offensichtlichen. (Zitat: "Kenias offizielle Sprachen: Englisch, Swahili und Schweigen.")Yvonne Adhiambo Owour geht hart ins Gericht mit ihren Landsleuten, ohne sie zu verurteilen oder mit erhobenen Finger zu mahnen. Dennoch schafft sie Klarheit und vertritt einen Standpunkt, der nichts schönredet oder blumig beschreibt, sondern faktisch und ehrlich ist. Der Leser spürt die Lähmung und Geißelung des Landes hautnah. Wie in der Familie Oganda herrscht auch im Land Kenia eine lähmende Sprachlosigkeit, Verzweiflung und Unglaube, sowie Verschließen vor den Tatsachen des Scheiterns und des Rückschritts. Das Zerplatzen aller Hoffnung. Denn auch die Gegenwart ist geprägt durch Kämpfe, Polizeigewalt, Korruption, besonders nach den Wahlen Ende 2007, bei denen es zu zahlreichen Unregelmäßigkeiten kam und zu welcher Zeit der Roman dann den Faden aufnimmt und uns diese Geschichte beschreibt.Meinung:Zunächst hervorgehoben: dieses Buch ist keine leichte Kost! Wer neuartige und noch nie dagewesene Sprachmelodien (von rau, derb bis krass zu liebevoll, anmutig und bildhaft im Rahmen der Poesie) liebt, der wird hier in "Der Ort, an dem die Reise endet" reich beglückt. Wobei man bei diesem ernsten Themenkomplex nicht von Glück sprechen kann. Wer aber mit Yvonne Adhiambo Owuor Sprachbildern und Stil warm geworden ist, wird sich in ihren Worten, Aussagen, Bildern, Darstellungen und in ihrem Talent Afrika darzustellen verlieren, wer keine anspruchsvollen Lektüren mag, der wird mit diesem Roman kein Glück haben. An die Leser, die nicht genug bekommen können von streitbaren Bildern, wortgewandten Dialogen, flacher aber auch stellenweise gehobener Sprache und erstaunlicher Effekthascherei: bitte greift zu diesem Werk und lasst euch verwöhnen mit schicksalhaften Begegnungen und einer komplexen Erzählung einer Lebensgeschichte inmitten der Katastrophe der Verwüstung und den Hoffnungen und der Suche nach ein bisschen Glück und Normalität. Besagt man nicht, dass die schönste Liebe in den traurigsten Zeiten gefunden wird und wächst? Vielleicht auch hier…Wie zuvor schon erwähnt, waren meine Erwartungen sehr hoch, aber ich war auch vorgewarnt, dass diese Literatur von besonderer Schwere ist, eine eigene spezielle Note besitzt und die Geister erhitzt. Dieses Buch hat Glanz, Anspruch und viele Farben. Sprachlich gekonnt, und sehr beeindruckend. Keine Frage, aber dennoch konnte ich bis fast zur Mitte nicht ausmachen, wohin mich dieses Buch leiten möchte. Der Kern dieses Buches erschließt sich erst recht spät, wenn es denn überhaupt einen eigentlichen Kern geben sollte, daher wankte ich zwischendurch, zugegeben, mit Abbruch des Buches. Das wäre jedoch fatal gewesen, denn für die Leser, die durchhalten, offenbart der Roman noch einen ganz besonderen und sehr impulsiven und intensiven Lesegenuss, eine Wahrheit und ein Vor-Augen-Halten. Es breitet sich ein Gefühl aus, als dass man der Handlung nicht mehr entfliehen kann, man fühlt sich als Gefangener Yvonne Adhiambo Owuor Worte, Gefangener dieser dramatischen Landes- und Familiengeschichte weit weg vom Mainstream und der Masse in den Weiten Afrikas, an selten so erlebten Schauplätzen und Kulissen. Eine besondere Kost, die mit Muße gelesen werden sollte, um sie ganz wirken zu lassen. Zum Glück siegte meine Neugier, denn jetzt bin ich stolz, dieses Buch der gesellschaftskritischen Themen und Spitzen und des großen Sprachgeschicks gelesen und aber auch genossen zu haben!Trotz der Schwierigkeiten für mich, dem Buch einen roten Faden zu verleihen, bin ich sehr begeistert von der Aussagekraft und dem Anreiz über das Gelesene Nachzudenken und über den Tellerrand zu schauen. Was vor allem an den Beschreibungen und der wortgewandten groben aber auch teils sehr leisen Sprache liegt. Yvonne Adhiambo Owuor hat eine schwierige Sprache, jedoch verleiht sie den Worten auch eine feine Poesie. Ich kann mir vorstellen, dass die erfahrene Übersetzerin Simone Jakob an ihre Grenzen gestoßen sein mag um diese feinen Noten widergeben zu können. Vieles wurde auch in seiner Ursprünglichen Fassung belassen und erst gar nicht versucht den Wortlaut zu übersetzen. Ein Glossar am Ende des Buches (in den ersten Seiten wird löblicher Weise direkt darauf verwiesen) erweist wirklich hilfreiche und informelle Dienste. Charaktere:Die eigentliche Hauptperson ist hier in diesem Roman Odidi Oganda, oder auch Moses Odidi. Odidi ist ein intelligenter Student und lebt in Nairobi. Er engagiert sich in der Opposition, wird von einem Geschäftspartner im Stich gelassen, als er einen politischen Skandal bekannt machen will, rutscht gesellschaftlich immer weiter ab und gerät in undurchsichtige Machenschaften. Eie der Titel uns auch verlauten lässt, endet seine Reise hier. Für seine Schwester Ajany, genannt Jany, die in Brasilien lebt, bricht eine Welt zusammen. Aber auch ihre Eltern gehen mit der Trauer um ihren Sohn unterschiedlich um. Gerade hier, in der Bewältigung der Trauer und in der spürbaren Wut über dieses Regime im Land, mit ihrem Erlebten und Verlusten, steht noch so unglaublich viel zwischen den Zeilen. Ungesagtes, das aber nachhallt. Ich habe mich in keiner Zeile gelangweilt, obwohl manchmal nicht viel geschieht. Die Personen sind so klischeehaft und von so feiner Note skizziert, dass der Leser beinahe mit jedem Wort nachfühlt, was ein Leben in diesem Land bedeutet. Und noch schlimmer: was die Politik, die Gewalt und die Widersacher mit dem armen Volk anstellen und sie ausbeuten. Mit der Zeit verstricken sich die Leben der beschriebenen Personen miteinander und Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen zu einer Zukunftsaussicht. Autorin Yvonne Adhiambo Owuor hat nicht nur die Wucht und Schlagkraft über die Worte, nein, sie hat auch die Macht, die Eigenschaften und Details der einzelnen Charaktere, besonders der Familie Oganda, die so traumatisiert und verletzt ist, sowie der Gesellschaft und all den anderen Farmern, Mitmenschen, der Gesellschaft, Kultur und Menschen der Gegend und Region Nairobis, auszumachen und unglaublich genau einzufangen. Yvonne Adhiambo Owuors Beweggründe werden dem Leser jedoch erst schrittweise deutlich und klar gemacht.Die Anzahl der Charaktere im Buch ist schon recht hoch und dicht. Die Namensgleicheit und Ähnlichkeit lässt das Lesen manchmal etwas Stocken und stört in unserer Sprache den Fluß. Aber die Authentizität bleibt besonders durch die Namen und den Status erhalten und ehrlich, beinahe autobiografisch. Der Verlust, die verheerende Zerstörung und der unmenschliche Bürgerkrieg lässt die Menschen zu Egoisten werden, kalt, skrupellos, von Gier und Macht getrieben... Aber es gibt auch die wenigen, die die Menschlichkeit nie verloren haben. Die Autorin fängt das dortige Leben und die Situationen in den Kriegsgebieten und dem sich immer wieder aufbäumenden Nairobi so gekonnt ein, dass man glaubt Teil der Handlung zu sein.Die Autorin:"Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. Ihre Kurzgeschichten erschienen in internationalen Literaturmagazinen. 2003 wurde sie mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. ›Der Ort, an dem die Reise endet‹ ist ihr erster Roman, der 2015 auf der Shortlist für den Folio Prize stand und für den sie den Jomo Kenyatta Prize for Literature erhalten hat. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi."Die Übersetzerin:„Simone Jakob ist eine Übersetzerin. Sie hat Texte übersetzt von David Nicholls, Karen Russell und Ian Hamilton.“Cover / Buch:Das Buch ist absolut hochwertig und sehr schön verarbeitet. Das Schriftbild ist angenehm, die Kapitel sind sehr umfangreich und dicht, das Lesebändchen macht dieses Buch zu einem edlem und wertigem Hardcover. Das Cover hätte mich überhaupt nicht angesprochen, wenn ich nicht die vielen differenzierten und durchmischten Leserstimmen zum Buch gelesen hätte. Meine Neugierde war sofort geweckt. Die Leuchtschrift ist gar nicht mein Fall. Im Vorsatzpapier im Buche findet sich das grelle Orange in der Darstellung der Karte nochmals krass wieder. Grausam, das brennt beinahe in den Augen und wirkt spaceig und gar nicht stimmig zum Inhalt. Ja, die Aufmachung des Buches hätte von mir etwas mehr Liebe und Herz bekommen. Schade, das Buch ist kein Augenschmaus. Hätte ich nicht so viele tolle Rezensionen zum Buch vernommen, die mich aufmerksam gemacht haben, so wäre dieses Buch, diese Perle der Literatur, sicherlich nicht in mein Augenmerkt gerückt. Zu schade wäre das gewesen. Aufmachung und Inhalt passen leider gar nicht zusammen, für meinen Geschmack. Fazit:Voller realer Kulissen, polarisierenden und streitbaren Charakteren, von schwieriger Sprache, die erst spät erblüht und zugänglich wurde. Und zudem von wunderbarer Poesie und ernstem Bezug zur Gegenwart. Wer hinter die Fassade, blickt und beim Lesen durchhält, wird mit einem kleinen Meisterwerk belohnt! Sicherlich kein Buch für Jedermann, man muss besondere Literatur lieben, und sich fallen lassen, und um all die Nuancen aufzuspüren. 3,5 löblich intensive Sterne, die ich gerne verdient zu 4 Sternen aufrunde!

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    • 6

    KruemelGizmo

    20. May 2016 um 17:13
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