Zülfü Livaneli Glückseligkeit

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Inhaltsangabe zu „Glückseligkeit“ von Zülfü Livaneli

Mit 15 vergewaltigt. Zur Sühne soll sie sterben. Ein kleines ostanatolisches Dorf ist in Aufruhr: Die 15-jährige Meryem wurde missbraucht – und nun droht ihr der Tod, weil sie ihre Familie entehrt hat. Cousin Cemal, gerade aus dem Krieg gegen die kurdische PKK zurück, erhält den Auftrag, sie zu töten. Dafür soll er sie in die anonyme Großstadt Istanbul bringen. Dort treffen die beiden jungen Leute auf eine ganz andere Türkei ... «Ein intensiver Roman, dicht an Ereignissen, Gedanken, Themen.» DIE WELT

Eins meiner Lieblingsbücher der letzten Jahre. Nicht nur sprachlich ein Genuss, sondern auch die vielschichtige Geschichte.

— klottchen
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Ein Porträt der heutigen Türkei, im Konflikt zwischen Tradition und Moderne.

— Tamar_
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  • Rezension zu "Glückseligkeit" von Zülfü Livaneli

    Glückseligkeit
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    22. July 2010 um 11:32

    Meryem war bisher nicht wirklich vom Glück verfolgt: Sie kennt nur ihr ostanatolisches Dorf, ihre lieblose Familie und den begrenzten Horizont der Dorfbewohner. Nach der Vergewaltigung durch ihren ach-so-gläubigen Onkel wird sie in den Keller gesperrt, wo jeder darauf wartet, dass sie sich umbringt – vollkommen klar, schließlich hat sie die Ehre ihrer Familie beschmutzt. Aber Meryem bringt sich nicht um – sie hofft darauf, nach Istanbul gebracht zu werden, so, wie man es schon mit anderen Mädchen aus dem Dorf gemacht hat. Was sie nicht weiß: Die Mädchen werden zwar nach Istanbul gebracht, kommen von dort aber nicht wieder – sie werden in der Anonymität der Großstadt von ihren Cousins oder Brüdern umgebracht. Ihr Cousin Cemal wird ausgesucht, Meryem zu beseitigen. Cemal hat gerade den Militärdienst in den Bergen beendet, wo er gegen die Kurden gekämpft hat. Eher widerwillig macht er sich also mit Meryem auf nach Istanbul, denn eigentlich will er diese Pflicht nur schnell hinter sich bringen, um dann zurückzukehren und seine Jugendliebe Emine zu heiraten. Parallel dazu wird Irfan in die Geschichte eingeführt: Der Professor aus Istanbul hat alles, was man sich nur wünschen kann: Er verkehrt in den besten akademischen, einflussreichen und wohlhabenden Kreisen, hat eine schöne Frau und ist durch seine TV-Auftritte bekannt und meistens beliebt. Er bräuchte sich also keine Gedanken über sein weiteres Leben machen – doch er tut genau das: Die klassischen Midlife-Crisis bringen ihn dazu, seine Frau zu verlassen, seine Zelte in Istanbul abzubrechen und sich fortan nur noch durchs Leben treiben zu lassen. Er mietet sich ein Segelboot, um durch die Ägäis zu schippern, an einem Buch zu schreiben und sonst einfach in den Tag hineinzuleben. Die Wege von Irfan, Meryem und Cemal sollen sich im Laufe der Geschichte noch kreuzen, aber alles möchte ich hier nicht erzählen. Viel eher solltet ihr dieses tolle Buch selbst lesen. Ich kann gar nicht so richtig sagen, was mir so gut daran gefallen hat, aber irgendwie war alles stimmig: Jeder der drei Hauptcharaktere bekommt einen nahezu gleich großen Anteil an der Geschichte, die jeweiligen Vorgeschichten, Charaktereigenschaften und Beweggründe sind gut ausgearbeitet. Ob man sich nun mit den Handelnden identifizieren kann, ist sicherlich das eine, aber man kann immer verstehen, wieso diese so handeln, wie sie handeln. Letztlich geht es um die Zwänge, in denen jeder von uns steckt: Nicht nur traditionelle Gemeinschaften üben diese Zwänge auf Individuen aus, auch unsere vermeintlich individualistische Gesellschaft ist nicht frei davon.

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  • Rezension zu "Glückseligkeit" von Zülfü Livaneli

    Glückseligkeit
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    15. November 2009 um 10:36

    Die 15jährige Meryem lebt in einem ostanatolischen Dorf und wird vom Imam vergewaltigt. Sie hat damit Schande über ihre Familie gebracht und es gibt nur zwei Möglichkeiten, wie die Ehre wieder hergestellt werden kann: Selbstmord oder Ehrenmord. Bis zur Entscheidung bleibt das Mädchen im Keller des Hauses eingesperrt. Cemal, Meryems Cousin, ist Soldat. Er kämpft in den Bergen gegen die PKK-Anhänger. Dabei ist sein Jugendfreund selbst Kurde. Eine dritte Hauptperson des Buches ist Irfan. Er ist Professor an der Universität von Istanbul, ist wohlhabend und leidet an Depressionen, Ängsten und der Midlife-Crisis. Nach und nach verknüpfen sich die verschiedenen Handlungsstränge miteinander und ein vielschichtiger, interessanter und lebensnaher Roman eröffnet sich dem Leser, der gleichzeitig einen erstaunlich tiefen Einblick in den türkischen Familienalltag gewährt. Livaneli Zülfü erzählt in „Glückseligkeit“ die Geschichte dieser drei am Scheideweg stehenden Protagonisten, die wie ihr Land, aus dem sie stammen, zwischen Tradition und Moderne hin- und hergerissen werden. So wie die drei Hauptpersonen ganz verschieden Umfeldern entstammen, wird das Leben in der Türkei aus deren grundverschiedenen Sichtweisen geschildert und aufgezeigt, wie westliche und traditionelle Lebensart, Stadt- und Landleben, Fortschritt und Rückständigkeit aufeinander prallen. Deutlich weist der Autor auf Doppelmoral und Falschheit hin und geht weit über die Ehrenmordproblematik hinaus. „Glückseligkeit“ ist ein atmosphärisch dichter, sehr intensiver Roman, der eindringlich die bekannten Probleme im türkischen Kulturkreis thematisiert. Lediglich die Zeichnung der Charaktere blieb mir häufig zu einfach. Da lag vielleicht auch an der Komplexität der Handlung, die für eine feinere Charakterisierung kaum noch Platz ließ. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, ich las es fast am Stück und war beeindruckt von der mutigen Schilderung der gesellschaftlichen Zustände in der Türkei und der nicht unkritischen Sichtweise. Ich konnte mit den Protagonisten bei der Suche nach ihrer Glückseligkeit mithoffen und –fiebern. Glückseligkeit ist ein Roman, der Anspruch und Unterhaltung auf äußert gelungene Weise vereint.

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  • Rezension zu "Glückseligkeit" von Zülfü Livaneli

    Glückseligkeit
    Clari

    Clari

    05. October 2008 um 00:34

    Zülfü Livaneli Glückseligkeit Klett-Cotta ISBN 3608937927 Die Türkei zwischen gestern und morgen. Mit einem bedrückenden Szenario beginnt der Roman über verschiedene Gesichter türkischen Lebens heute. Meryem, deren Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist, wird im Alter von 15 Jahren von dem Scheich ihres ostanatolischen Dorfes vergewaltigt. Weit entfernt davon, irgendwelche Rechte einklagen zu können, erwartet sie ein bedrohliches Schicksal. Zur gleichen Zeit gibt sich ihr Vetter Celem den Träumen über eine verheißungsvolle Geschichte hin: sie handelt von einer unschuldigen Braut und kursiert unter den Soldaten, die in den Bergen gegen Anhänger der PKK kämpfen. Kurden und Türken bekriegen sich heftig, und die Gegenüberstellung zwischen Celem und seinem einstigen kurdischen Jugendfreund zeigt krass die landesinternen Konflikte zwischen gegensätzlichen Bevölkerungsgruppen. In Istanbul wird Irfan Kurudal, Professor an der Universität von Istanbul, von heimtückischen Ängsten verfolgt, die an eine Lebenskrise des mittleren Lebensalters gemahnen. Alle drei Protagonisten zeichnet eine Gemeinsamkeit aus: sie leben in einem Land, in dem hierarchische, archaische und mit Aberglauben vermischte Gewohnheiten zur Tradition gehören. Die Unterdrückung sexueller Bedürfnisse und vermeintliche weibliche Abgefeimtheit im Kontrast zu männlicher Überlegenheit und Herrschaft bestimmen den Alltag. Wilde Fantasien beflügeln das Verhalten von Männern und Frauen. Selbst der westlich gebildete und von einem Auslandstudium heimgekehrte Professor ist ängstigenden Fantasien ausgesetzt, die ihn zur Ohnmacht gegen ein mächtiges Geschick verdammen: er fürchtet seinen nahenden Tod! Indem der Autor die Lebensläufe der aus unterschiedlichen Kulturkreisen entstammenden Protagonisten thematisiert, wird die heutige Türkei aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Sowohl die ländlich- schlichte Bevölkerung als auch das an westliche Lebensformen angelehnte Verhalten der Menschen in Istanbul bieten Einblicke in die Zerrissenheit türkischer Lebensart. Aufklärung steht gegen anachronistische Tradition und Herkommen, Bildung kontra Analphabetentum. Der mit dem Leben hadernde Soziologieprofessor hat den Durchblick, mit dem er ein schwankendes Gesellschaftsbild heraufbeschwört: in ihm sieht er die alten Werte östlicher und islamischer Vergangenheit dahinschwinden, ohne dass sich mit der Annäherung an den Westen ein neues Wertesystem entwickeln konnte. Die Gesellschaft hat ihre Bezugspunkte verloren und ist damit ihrer Wurzeln verlustig gegangen. Irfan Kurudal, aus armen Verhältnissen in die reiche Gesellschaft Istanbuls aufgestiegen, wird mit seinen Reflexionen zum Prototyp des aufgeklärten, aber an sich und seiner Kultur verzweifelnden Türken. Was zunächst als deutlich realistische und vorstellbare Handlung beginnt, das entwickelt sich zu einem breit angelegten Schmöker. Die Lebensgeschichte der drei führt sie am Ende zusammen, und gespannt folgt man ihren Abenteuern. Verpackt in die märchenhafte Handlung wird die gegensätzliche Gesellschaftsstruktur mit ihren unterschiedlichen Gewohnheiten, Glaubensvorstellungen, mit Rückständigkeit und Fortschritt zu einem glanzvollen Stück türkischer Alltagsgeschichte. Zülfü Livaneli schreibt atmosphärisch anspruchsvoll und eindringlich. Er kennt sich aus und hat den emanzipatorischen Anspruch, mit seiner Schilderung immanente Wünsche an eine gleichberechtigte und aufgeklärte Gesellschaft zu verknüpfen. Zugleich machen seine Beschreibungen deutlich, dass die Gegensätze in der türkischen Gesellschaft noch lange nicht behoben sein werden. Der Autor gilt als aufgeklärt und liberal und musste aufgrund seiner politischen Einstellung einige Jahre im Exil verbringen.

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