Zülfü Livaneli Serenade für Nadja

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Inhaltsangabe zu „Serenade für Nadja“ von Zülfü Livaneli

Ein alter Mann sucht seine Vergangenheit, eine junge Frau ihre Zukunft. Eigentlich soll die Türkin Maya den deutschstämmigen Professor Maximilian Wagner nur während eines Kongresses in Istanbul betreuen. Doch je mehr die junge Frau von seinem Leben erfährt, desto weniger kann sie sich der tragischen Geschichte des alten Mannes entziehen. Ganz allmählich versteht Maya, was es mit der geheimnisvollen Frau, Nadja, auf sich hat, von der Wagner stets erzählt. Und für die er - Jahrzehnte später - am Ufer des Schwarzen Meeres seine Geige auspackt und spielt. Die Geschichte dieser tragischen Liebe lässt Maya nicht los, vor allem als sie immer mehr Parallelen zu ihrem eigenen Leben erkennt ...

Habe auf den ersten 50 Seiten aufgegeben. Furchtbar trivial, wird dem Thema nicht gerecht.

— alasca
alasca

Eine fesselnde, tragische Geschichte aber das Buch ist leider überladen mit verschiedenen Themen, habe es auf türkisch gelesen.

— Meenama
Meenama

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  • Berührende und erschütternde Geschichte mit weithin unbekanntem historischen Hintergrund

    Serenade für Nadja
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    13. August 2013 um 20:23

    Berlin, später Abend. Welches Buch beginne ich jetzt? Bloß keinen Thriller, sonst lese ich wieder die Nacht durch. Lieber einen ernsten Roman, den kann ich jederzeit unterbrechen. Berlin, 04:40. Ich habe das Buch durch, vorher konnte ich einfach nicht aufhören. Es kommt selten vor, dass ein tiefgründiger Roman so spannend ist wie ein Thriller. Dieses Buch ist solch eine Ausnahme. Maya Duran, Angestellte der Universität Istanbul und allein erziehende Mutter eines Sohnes, soll einen deutschstämmigen amerikanischen Professor betreuen, der zu einem Kongress anreist. Das ist nichts Ungewöhnliches; damit hat sie schon so viel Routine, dass sie auch als Stadtführerin arbeiten könnte. Aber diesmal ist alles anders. Der 87jährige Professor Maximilian Wagner ist nicht zum ersten Mal in der Türkei. Er hat jahrelang in Istanbul gelebt und gearbeitet, es aber in den letzten 59 Jahren nicht mehr besucht. Das hat einen erschütternden Grund. Maya gegenüber öffnet Maximilian sich, und seine Erzählungen über das Schicksal seiner Frau Nadja und von der Serenade, die er für sie geschrieben hat, bringen Maya zum Nachdenken über ihre eigene Situation. Dass sie sich mit der Geschichte Maximilian Wagners und mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt, ändert ihr gesamtes Leben. Dieses sprachlich schöne Buch hat mich tief berührt. Die Protagonistin Maya ist nachdenklich und klarsichtig, besonders, wenn es um das Geschlechterverhältnis in der Türkei geht. So sehr es ihr widerstrebt, sich immer wieder mit den Vorurteilen der – meist männlichen – Besucher auseinandersetzen zu müssen, ist ihr gleichzeitig bewusst, dass trotz der neuen Gesetze immer noch viele Frauen von ihren Männern geschlagen werden und in der Osttürkei immer noch Mädchen auf Beschluss des Familienrates hin umgebracht werden können. „So ein widersprüchliches Land war die Türkei. Von modernstem Leben bis zum rückständigsten Feudalsystem gab es nichts, was es nicht gab.“ Das mag daran liegen, dass die türkische Identität so schwierig zu definieren ist, wurde doch versucht, aus dem Osmanischen Großreich einen türkischen Nationalstaat zu bilden. „Wie mein Bruder es einmal formulierte, hatten wir uns nicht wie die anderen Nationen einen Staat geschaffen, sondern bei uns hatte der Staat sich eine Nation geschaffen.“ Auch durch vermeintlich moderne Medien wie das Internet wird das Frauenbild nicht modernisiert. So macht Maya sich Sorgen, als sie sieht, welche Pornos ihr halbwüchsiger Sohn im Internet konsumiert. „Es war eine Atmosphäre der Gewalt, die allen Grundsätzen der Menschlichkeit hohnsprach. So also lernte mein Sohn die Welt und die Frauen kennen? Hatte er deswegen keinen Respekt vor mir, weil ich auch eine Frau war und damit erniedrigt werden durfte? Was für eine kranke Welt.“ Maya sieht jedoch auch, dass Jungen und Männer es in der Türkei ebenfalls nicht leicht haben. „Männer werden hier als Jungen von den Eltern geschlagen, dann bekommen sie durch die Beschneidung auch noch ein geschlechtliches Trauma mit auf den Weg, und mit dem Prügeln geht es dann in der Schule, beim Militär und auf dem Sportplatz fort. Wie sollte einem da noch Selbstvertrauen bleiben? Bei den meisten wirkte sich das so aus, dass sie dann gerne Schwächere unterdrückten.“ Der Universitätsprofessor Maximilian redet mit Maya über die Mechanismen von Macht und Gewalt. Ganz nebenbei bringt er ihr Dinge über die Geschichte ihrer Heimat bei, die sie stark erschüttern. „Wenn es ums Unterdrücken ging, bekam in diesem Land also jeder etwas ab, ob Türke, Armenier, Kurde, Grieche oder Jude.“ Das Besondere an diesem Buch ist, dass weithin unbekannte historische Ereignisse Bestandteil der Romanhandlung werden, ohne dass die Erzählung in ein verkapptes Sachbuch umschlägt. Das liest sich nicht immer leicht. Die Verbrechen, die an den Armeniern begangen wurden, die Unterstützung Nazideutschlands durch die Türkei, das Schicksal des Blauen Regiments, und vor allem der Umgang mit den Menschen auf dem Flüchtlingsschiff Struma, sind sehr realistisch beschrieben. So schnell ich dieses Buch auch gelesen habe, es klingt lange nach.

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