Zadie Smith Swing Time

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Inhaltsangabe zu „Swing Time“ von Zadie Smith

Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen: Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Westafrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen. Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.

Interessantes Thema schwach umgesetzt

— Leseprinzessin1991
Leseprinzessin1991

Ich wünschte, es hätte mich weniger gelangweilt, die Charaktere wären mir weniger unsympathisch gewesen. So schade!

— once-upon-a-time
once-upon-a-time

Ein Freundschaftsporträt

— eleisou
eleisou

(Zu) viele Geschichten bei oft schönen Sprach-Bildern, aber zerfaserter widersprüchlicher Story: Was will uns die Autorin damit sagen?

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

Poetisches Meisterwerk über zeitgemäße Themen wie Rassismus und Chancengleichheit

— lizlemon
lizlemon

Ich muss zugeben, dass ich mir von „Swing Time“ etwas mehr erwartet hatte. Deswegen kann ich leider nur drei Sterne geben.

— Lealein1906
Lealein1906

Schöner Roman, mit schnellen, fesselnden und nachdenklichen Passagen, das eine Freundschaft zum Thema hat, aber nicht nur um diese kreist.

— mirabello
mirabello

Feinfühlige Geschichte einer Frauenfreundschaft über das Gewinnen und Verlieren, die beeindruckt.

— AnTheia
AnTheia

"Swing Time" von Zadie Smith ist für mich die bessere "Meine geniale Freundin" - spannend, humorvoll und kurzweilig!

— RomeosJuliet
RomeosJuliet

Zadie Smith springt...

— Durga108
Durga108

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    Swing Time
    Leseprinzessin1991

    Leseprinzessin1991

    16. August 2017 um 22:56

    Zadie Smith hat sich mit ihrem Roman White Teeth bereits einen großen Namen gemacht. Dementsprechend gespannt war ich auf dieses Buch. Der Roman beginnt mit dem eigentlichen Ende der Geschichte, als die Erzählerin von ihrer Arbeitgeberin Aimee entlassen wurde. Sie reflektiert über ihr bisheriges Leben und berichtet , wie sie im Jahr 1982 ihre Freundin Tracy in einem Ballettkurs kennengelernt hat. Die Ich –Erzählerin , deren Namen man leider nicht erfährt und Tracey sind sofort ein Herz und eine Seele. Beide sind Töchter aus einer Mischbeziehung in Großbritannien der 80ziger Jahre. Die Mutter der Ich- Erzählerin ist eine Einwanderin , wahrscheinlich aus der Karibik, und strebt eine politische Karriere an. Sie wirkt sehr aufgeklärt, modern und kritisch. Tracys Mutter ist eine einfache Frau, die nicht besonders viel Wert auf ein geregeltes Leben legt. Trotz dieser ungleichen Herkunft verstehen sich beide Mädchen, nicht zuletzt durch ihr gemeinsames Hobby Tanzen. Tracy ist sehr begabt , während die Ich – Erzählerin eher erfolglos bleibt. Im weiteren Verlauf trennen sich die Wege der Freundinnen und die Hauptfigur nimmt die Stelle einer persönlichen Assistentin von Aimee, eines weißen australischen Popstars, an. Aimee möchte in Westafrika eine Schule bauen und verwirklicht ihren Plan, kümmert sich dann aber nur halbherzig um ihr Projekt. Dies ist die Aufgabe der Ich -Erzählerin. Nach einem Konflikt wird die Erzählerin entlassen . Sie steht vor dem Nichts. Mich hat das Buch nicht überzeugt. Viele Themen wurden angerissen, aber nicht vertieft. Das im Klappentext angekündigte Tanzmotiv verläuft dann irgendwo im Sand. Es hätte sehr viel mehr über Immigranten in Großbritannien, deren Schwierigkeiten und Lebensumstände berichtet werden können. Es gibt im Buch mehr als genug Ansätze. Die Handlung springt zwischen den verschiedenen Zeitebenen hin und her, deshalb vielleicht der Titel Swing Time? Die Geschichte der Mädchen war teilweise sehr interessant. Den Handlungsstrang mit Aimee und ihrem Projekts in Afrika fand ich ziemlich langweilig und auch unglaubwürdig. Smith beschäftigt sich mit zu vielen Themen und so fehlt der rote Faden.

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  • Leider langweilig

    Swing Time
    once-upon-a-time

    once-upon-a-time

    16. August 2017 um 21:06

    Zusammenfassung. Swing Time erzählt die Geschichte eines Mädchens auf ihrem Weg, erwachsen zu werden: von Siegen und Verlust, von Familie und Freunden, von Arbeit und Freizeit.Erster Satz. Es war der erste Tag meiner Schmach.Cover. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich Menschen gibt, denen das Cover gefällt, ich mag es gar nicht. Es ist zu grell und (für mich, aber vielleicht übersehe ich ja auch etwas) völlig bedeutungsleer.Inhalt. Selten fiel es mir schwerer, den Inhalt eines Romans zusammen zu fassen als bei diesem. Bis jetzt ist mir noch nicht klar, worum es überhaupt geht: Geht es um das Erwachsenwerden? Um schwarze Kultur? Um Entwicklungshilfe? Um Freundschaft? Um Familie? Man weiß es nicht. Also, ich weiß es nicht.Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich dieses Buch stellenweise so ungeheuer langweilig fand, dass das weiterlesen schwerfiel. Das mag jetzt sehr harsch klingen, aber sich durch über 600 Seiten zu kämpfen, von denen mindestens die Hälfte entweder langweilig war oder ich mich fragte, wo genau das jetzt hingehen soll, das ist halt einfach echt kein Vergnügen.Und dabei ist die Thematik an sich ja spannend! Tanz, Musik, Erwachsenwerden, Konflikte – was also macht dieses Buch falsch? Ich weiß es nicht.Personen. Das mit den Personen ist halt so eine Sache. Die Erzählerin ist so frustriert (oder genervt von ihrem Leben oder keine Ahnung, was es sonst ist), dass einfach niemand in ihrer Erzählung gut wegkommt. Vielleicht ist das so ein Ehrlichkeitsding, sie beschönigt halt einfach gar nichts, und dann kommt im Endeffekt vielleicht niemand mehr gut weg. Aber das machte es mir schwer, Sympathie für die Figuren aufzubringen.Fazit. Tja. Vielleicht habe ich dieses Buch zur falschen Zeit gelesen, vielleicht kann ich es in zwei Jahren noch einmal in die Hand nehmen und bin dann ebenso begeistert wie so viele andere, aber zu jetzigen Zeitpunkt ist das unmöglich.Ich mochte die Figuren nicht, ich fand die Handlung in weiten Teilen uninteressant und die wenigen positiven Dinge, die ich sagen kann, belaufen sich auf die Ehrlichkeit und die im Prinzip gute Idee.

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  • Wunderbare Worte, aber der Funke springt nicht über

    Swing Time
    Julianchen

    Julianchen

    15. August 2017 um 17:53

    Ich bin bei diesem Buch etwas zerrissen. Die Leseprobe war wirklich vielversprechend, aber irgendwie kann ich mich nicht wirklich anfreunden. Zwei kleine Mädchen, die sich beim Tanzen kennenlernen. Charakterlich unterschiedlich und doch vertraut. Der Wohnort, die Hautfarbe und die Liebe zur Musik verbinden beide. Nur eine von beiden, Tracey, schafft es, sie hat Talent und den nötigen Willen. Allerdings ist mir diese Figur so unglaublich unsympathisch, dass man ihr beinahe das Scheitern wünscht. Die andere Freundin bleibt in der Musikbranche und wird Assistentin einer berühmten Sängerin, ihres Jugendidols. Werden sich die Wege der beiden wieder kreuzen? Und wenn ja als Freundinnen oder Feindinnen? Wer findet das Lebensglück und was ist das eigentlich? "Swing Time" ist wirklich wunderbar geschrieben, aber die Figuren ziehen mich nicht in ihren Bann. Es wird Wert aufs Detail gelegt, aber für mich etwas zu langatmig. Schade.

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  • Ein Freundschaftsporträt

    Swing Time
    eleisou

    eleisou

    12. August 2017 um 15:46

    Das Buch hat mich als Thema ein wenig an die Ferrante Saga erinnert, auch hier geht es an erster Stelle um eine lebenslange Freundschaft zweier Mädchen aus der gesellschaftigen Unterschicht, aus denen die eine Tänzerin wird und die andere eine Angestellte eines Pop Stars, trotz Universitätsausbildung. Inmitten dieser Freundschaft, die mit den Jahren and Intensivität etwas verliert jedoch sich niemals ganz auflöst, werden wichtige Themen aufgegriffen. Rassismus, Gesellschaftstatus, Religion, Selbsterkenntnis, Globalisierung sind manche der Gebiete die das Buch analysiert. Mit einer bewegenden Sprache erzählt Zadie Smith von Rassenunterschieden und der Suche nach der eigenen Identität. Die Erzählerin bleibt im ganzen Buch über namenlos, was eine gewisse Distanz ihr gegenüber verursacht, mich aber ansosten nicht gestört hat. Das Cover der Buches sticht mit seinen intensiven Farben direkt ins Auge, obwohl es an sich schlicht gehalten ist. Meine Gesamtnote für dieses Buch beträgt demnach 4 Sterne.

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  • interessante Themen

    Swing Time
    yellowdog

    yellowdog

    12. August 2017 um 04:16

    Swing Time ist ein sorgfältig durchgearbeiteter Roman, der mehr als 25 Jahre umfasst und von zwei Mädchen in London erzählt. Bei haben ein Elternteil, das weiß und eins, dass jamaikanischer Herkunft ist. Aufgrund ihrer gemeinsamen Hautfarbe schließen sich zusammen, sie teilen auch die Begeisterung für Tanz, z.B. in alten Filmmusicals mit Fred Astaire und Ginger Rogers. Die glaubhaft geschilderten Kindheitsszenen nehmen einen guten Anteil in der Handlung ein und sind für beide auch als Erwachsene noch bestimmend. Die Erzählweise einer Icherzählerin und ihrer Freundin Tracy, einer Protagonistin, die nur aus deren Perspektive geschildert wird, eingebettet in relativ schwierige Familienverhältnisse, erinnert mich stark an Elena Ferrante´s Neapel-Saga. Diese Erzählweise erweist sich auch hier als zwingend. Tracy ist ein Maßstab für die Icherzählerin. Als Erwachsene trennen sich die Wege. Während die begabte Tracy sich als Tänzerin versucht, wird die Icherzählerin Assistentin von Amelie, einem Star (erinnert leicht an Madonna), die sie auch auf Reisen begleitet. Ihre Wege werden sich aber wieder kreuzen und ihre Entwicklung beeinflussen. Der Roman ist einigermaßen lang, liest sich aber gut weg. Es gab aber auch ein paar Passagen, wo mich die zaudernde Protagonistin leicht nervt. Sie ist immer wieder mit ihrem eigenen Leben unzufrieden und hat starke Bindungsängste. Aber langsam versteht man als Leser, wie wichtig die Identitätssuche für sie ist. Auch die Zerbrechlichkeit von Freundschaft wird deutlich im Zusammenhang mit der Herkunft gezeigt. Zadie Smith hat hier ein wichtiges Buch vorgelegt, das an ihren großen Erfolg, den Debütroman White Teeth aus dem Jahr 2000 heranreicht, vielleicht sogar übertrifft. Ein lohnens-und lesenswertes Buch mit interessanten Themen wie Freundschaft, Erfolg, Familie und Herkunft.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2017: Die Challenge mit Niveau

    aba

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2017 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2017 bis 31.12.2017 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2017 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nimmst du die Herausforderung an? Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2017 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema. Ich freue mich auf viele Anmeldungen! Teilnehmer: AgnesM aljufa Ancareen anushka Arietta ArizonaAspasia ban-aislingeachbanditsandra Barbara62 blaues-herzblatt BookfantasyXY bookgirl Buchina Buchraettinc_awards_ya_sin CaroasCaro_LesemausCornelia_Ruoff Corsicana Curin cyrana czytelniczka73 dia78 DieBerta Dionemma_vandertheque erinrosewell Federfee Flocke86 Fornika Gela_HK Ginevra Gruenentegst Gwendolina hannelore259 imitas Insider2199 Isaopera jenvo82 JoBerlin kalestraKatharina99 katrin297Katze21 krimielse lesebiene27 leselea LibriHolly maria1 Maritzel marpije Mercado Miamou Mira20 miro76  miss_mesmerized moni_lovesmuqqel Nane_M naninka Nilonce-upon-a-time parden Petris Pocci Sandra_Halbesar89 schokoloko29 serendipity3012 SikalSimi159 sofie solveig SorR StefanieFreigericht Sumsi1990 suppenfee Susibelle TanyBee Tinchen07 TochterAliceulrikerabe vielleser18 Weltensucher Xirxe xlxn Yolande

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    • 1512
  • Willkommen in der Matrix

    Swing Time
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    09. August 2017 um 08:03

    Hm. Den Matrix-Film mochte ich übrigens nicht, zu überzogen, zu düster – aber er wird im Buch oft zitiert, wohl als Bild dafür, dass die Ich-Erzählerin jemanden neben sich wahrnimmt, der anscheinend fast in einer Art Paralleluniversum lebt. Laut Klappentext erzählt Zadie Smith von der Freundschaft zweier Mädchen bis ins Erwachsenenalter, wobei Freundschaft hier „Ferrante-mäßig“ daher kommt: beide Mädchen leben unterhalb der Mittelschicht und Freundschaft bedeutet ein sehr merkwürdiges aufeinander-Bezogensein, mit Phasen der Unzertrennlichkeit, aber auch der Entzweiung, mit merkwürdiger Unterordnung der einen gegenüber der anderen; das ist der Part der mich auch schon bei Ferrantes „Genialer Freundin“ genervt hat. Auch! Das ist ein Buch über Träume und Hoffnungen – die beiden Mädchen lernen sich beim Ballettunterricht kennen, doch nur Traceys Talent reicht für die Akademie. Die Ich-Erzählerin hat schulische Begabung, doch wegen des Widerstandes gegen ihre ehrgeizige Mutter führt sie das nicht immer weiter. In der Realisierung von Träumen dürfte man dennoch am ehesten dieser Mutter Gewinner-Punkte zusprechen, wenn auch eher für sich selbst. Dies ist ein Buch über das Leben eines modernen internationalen Stars, dessen Assistentin die Ich-Erzählerin ist: Aimee reist durch die Welt für Konzerte mit einem Tross an Mitarbeitern, denen sie das Privatleben aussaugt: Dauer-Erreichbarkeit, ein goldener Gruppen-Käfig, wohltätige Projekte und ein Misstrauen gegenüber denen, die sie nur ausnutzen wollen, der „Kundschaft“, was sich auf ihr Personal überträgt (da es ja absichtlich oder ungewollt Informationen preisgeben könnte): Freunde, Partnerschaften, Kinder? Eher selten. Die Abgehobenheit dieses Lebens wird nachvollziehbar beschrieben, ja, als geradezu zwingend. Das ist ein Buch über irgendetwas wie schwarze Identität: Die Mutter von Tracey ist weiß, ihr meist abwesender Vater schwarz. Bei ihrer Freundin ist es „falsch herum“, wie sie sagt (irgendetwas, dazwischen). Mit Aimee reist die Ich-Erzählerin später nach Afrika: trotz des Besuchs an den Stätten des Ursprungs der Sklaverei und damit auch des Ursprungs ihrer eigenen Geschichte (die Mutter wurde auf Jamaika geboren) scheitert sie, immer wieder, an ihren Missverständnissen und Vorannahmen. Vielleicht geht es auch um Identität generell – um Ziele, um das, was einen ausmacht. Vielleicht. Dies ist ein Buch über die Achtziger und Neunziger Jahre in Großbritannien, erst mit den typischen Spielsachen, später mit dem Rausch des Booms der privaten TV-Sender, an dem die Ich-Erzählerin als Angestellte teilnimmt. Dies ist ein Buch vom Scheitern (wieder Klappentext) – die Ich-Erzählerin arbeitet sich unermüdlich mit Andeutungen darauf hin, dass es sowohl einen Bruch mit Tracey geben wird als auch einen mit Aimee. Ich hatte da mit so einigem gerechnet – die Gründe kommen so spät, dass ich eher entnervt war und auch enttäuscht ob ihrer Nichtigkeit. „Später hieß es, ich sei Aimee eine schlechte Freundin gewesen, schon immer, ich hätte die ganze Zeit nur auf die richtige Gelegenheit gewartet, sie zu verletzen, sogar zu zerstören.“ S. 281 „Sie hat mir etwas furchtbares angetan. Als wir zweiundzwanzig waren.“ S. 204 Und entnervt trifft es insgesamt: Ich weiß nicht so recht, was für ein Buch von den vielen oben es denn nun sein soll – am ehesten über die Identität, aber dafür gibt es so verdammt viele breit ausgeführte Nebenansätze. Dann braucht zwar auch Ferrante insgesamt vier Bände für ihre Geschichte und zeigt damit Längen, für mich besonders im ersten Buch, aber auch bei Zadie Smith wurden mir die 640 Seiten oft seeehr lang (fast noch nervender, dass es zwischendurch immer wieder fesselte). Sie spricht viele aktuelle Themen an, bis zum „hintenrum“ aus Afrika ‘raus (= über Lampeduse), über die Unfähigkeit des britischen Erziehungswesens, das Kindern armer Eltern Aufsätze über Ferienerlebnisse oder Gartenprojekte aufbrummt (in Abwesenheit von Ferienfahrten und Gärten) – kratzt dabei aber nur an sehr vielen Oberflächen. Und dann diese Andeutungen im Buch zu dem, was kommen wird, das sich im kapitelweisen Wechsel durch Vergangenheit und Jetztzeit arbeitet, dabei immer und immer und immer wieder ein Stückchen vom Ohr des Kaninchens zeigt, das es letztlich aus dem Hut zieht. Sprachlich gelingt das durchaus immer wieder schön: „In der stetig wachsenden Lücke zwischen ihnen [meinen Eltern] spielte sich meine Kindheit ab.“ S. 33 Oder: „Sie maß die Zeit in Buchseiten. Eine halbe Stunde, das waren für sie zehn gelesene Seiten oder auch vierzehn, je nach Schriftgröße, und wenn man sich die Zeit so vorstellt, dann bleibt davon nichts übrig für irgendetwas anderes, es bleibt keine Zeit, in den Park zu gehen, oder sich ein Eis zu holen…“ S. 278 Solche Bilder sind toll, häufig wird es jedoch überzogen „Wie ist es wohl den Mädchen auf den Baumwollfeldern ergangen – oder denen in den viktorianischen Armenhäusern?“ S. 94 Nun, man vergebe mir die Plattitüde: wohl nicht gut. Auch die anscheinend ernstgemeinte Sicht der Ich-Erzählerin, ihr eigenes Leben für sehr „brav“ zu halten, während sie beschreibt, wie sie mit 15 und unter Einverständnis ihrer Mutter bis nach Mitternacht allein ausgeht, mit der Wodka-Flasche dabei, wobei sie dann mit einem völlig Unbekannten im Nebenzimmer ungeschützten Sex hat. Ja, gibt’s alles, die meisten Teenager machen Alkohol-Experimente, aber: das Selbstbild? Ich musste mich durch’s Buch quälen, von wenigen Passagen ausgenommen, blieb ratlos zurück. Und: warum der „Rebecca“-Touch, der die Ich-Erzählerin namenlos lässt? Warum wird das afrikanische Land für Aimees Projekt nie genannt – ich war irgendwann ganz fixiert auf die Identifikation (wohl Gambia, auf S. 303 wird dessen Hauptstadt Banjul genannt, die Beschreibung des Königs passt https://de.wikipedia.org/wiki/Yahya_Jammeh). Nein, ich denke, dass muss man nicht lesen. Es blieb mir fern, war mir zuletzt zu viel Gejammer aus den Perspektiven von drei Protagonistinnen, denen es eigentlich doch hätte gut gehen können. Nur zwei Sterne von fünf, trotz der Sprache.

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  • Meisterhaft erzählt

    Swing Time
    lizlemon

    lizlemon

    08. August 2017 um 21:30

    Am Ende von Zadie Smiths neustem Roman „Swing Time“ weiß der Leser so ziemlich alles über die Protagonistin. Nur nicht ihren Namen. Die Ich-Erzählerin wächst als Kind einer farbigen Mutter und eines weißen Vaters in einem der ärmeren Londoner Stadtteile auf. Sie interessiert sich leidenschaftlich fürs Tanzen: Sie nimmt nicht nur selbst Unterricht, sondern schaut sich mit großer Leidenschaft Filmmusicals an und liest alles über das Thema. Nach ihrem Irgendwas-mit-Medien-Studium kehrt sie nach London zurück, jobbt zunächst in einem kleinen Fastfood-Restaurant und findet schließlich einen Job bei einer Videoproduktionsfirma. Als die weltberühmte australische Sängerin Aimee in die Stadt kommt, soll die Protagonistin sie betreuen. Dabei überrascht sie die Sängerin so, dass Aimee ihr einen Job anbietet und sie schließlich als persönliche Assistentin einstellt. Die Arbeit erfordert 100-prozentige Hingabe und es bleibt kaum Zeit für ein Privatleben. Eine der Aufgaben der Erzählerin besteht in der Koordination und Kontrolle eines Hilfsprojekts in Gambia. Aimee möchte dort eine Schule für Mädchen eröffnen. Ihre Assistentin reist in den folgenden Jahren immer wieder nach Afrika und trifft dabei auf Menschen, die ihr Leben entscheidend beeinflussen. Die Erzählung springt nicht-chronologisch zwischen Kindheit und Jugend sowie Erwachsenenalter hin und her. Die Tragik der Protagonistin besteht damit, dass sie sich mit Hingabe einem Thema widmet, egal ob es das Tanzen oder das Hilfsprojekt in Afrika ist. Gleichzeitig steht sie bei allem immer im Schatten starker und dominanter Frauen. In ihrer Kindheit wird sie von ihrer besten Freundin Tracy überflügelt, die im Gegensatz zur Erzählerin ein natürliches Talent für das Tanzen besitzt und später eine professionelle Karriere startet. Die Mutter liebt ihre Tochter zwar, bringt jedoch deutlich mehr Energie auf für ihre eigene Bildung als für die Erziehung der Tochter. Die Mutter leistet dabei beeindruckendes: Die ungelernte Frau vertieft sich in Bücher, studiert ernsthaft und arbeitet sich vom Nichts zur angesehenen Lokalpolitikerin hoch. Ihre Tochter hingegen kann nach der Schule ohne Hindernisse ein Studium beginnen, scheint aber nicht besonders ehrgeizig zu sein. Ihre Jobs erhält sie eher durch Zufall, denn durch persönliche Anstrengungen. Dann ist da Hawa, eine junge Frau aus Gambia, die sich durch die nie endende Hausarbeit für ihre Familie eingesperrt fühlt. Entgegen der familiären Wünsche findet sie aus eigenem Antrieb einen Weg heraus aus ihrer Situation – etwas, das der Erzählerin nie von selbst gelingt. So wundert es nicht, dass sie die persönliche Entscheidung ihrer Freundin kritisch sieht. Mehr als zehn Jahre arbeitet sie für Aimee, die das scheinbar perfekte Leben hat: Sie ist erfolgreich, reich und schön. Doch Aimees Leben gelingt nur so gut, weil eine Herde Angestellter, darunter die Erzählerin, dafür sorgt und ihr eigenes Privatleben dafür aufgibt. „Swing Time“ hat mich aus vielen Gründen rundum begeistert. Es ist eines dieser Bücher, die ich erst nachklingen lassen und verdauen musste, bevor ich ein neues Buch anfangen konnte. Großartig fand ich die vielschichtigen, komplizierten weiblichen Charaktere und die Konflikte, aber auch Unterstützung zwischen ihnen. Sie alle haben unterschiedliche Lebensentwürfe, unterschiedliche Probleme und unterschiedliche Wünsche. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, in dem die Protagonistin hin und her irrt. Zadie Smith spricht in dem Roman viele kontroverse, aktuelle und spannende Themen an wie Rassismus, die Folgen der Kolonialisierung und gut meinende, aber unwissende und naive Initiativen aus westlichen Ländern, die ein Hilfsprojekt in Afrika starten wollen. Hier kommen viele kluge Gedanken zur Sprache. Der einzige Kritikpunkt, den ich habe: Für mein Empfinden hätten diese ruhig noch tiefergehender behandelt werden können. Sprachlich hat mich das Buch absolut verzaubert. Zadie Smith formuliert meisterhaft und immer passend zu den Charakteren: Mal liest man philosophisch-poetische Passagen, mal krass-realistische Dialoge. In dem Roman arbeitet die Autorin zudem mit sehr vielen Auslassungen. Wie erwähnt, erfährt der Leser nie den Namen der Erzählerin, aber auch nie den Namen des afrikanischen Landes, in dem ein wichtiger Teil der Handlung spielt. Dass es sich um Gambia handeln muss, kann man anhand von Hinweisen wie der Stadt Barra oder dem Nachbarland Senegal ableiten. Auch wichtige Wendungen in der Handlung spricht Zadie Smith nicht explizit an. Stattdessen impliziert sie die Geschehnisse, sodass ich zu Beginn öfter das Gefühl hatte, etwas überlesen zu haben. Ein kurzes Zurückblättern bewies, dass das nicht der Fall war. Diese bewussten Auslassungen lenken die Aufmerksamkeit des Lesers auf besonders wichtige Punkte im Leben der Protagonistin. Zadie Smith ist wahrlich eine Meisterin des Sprachgebrauchs – trotz Auslassungen gelingt es ihr mühelos, alle wichtigen Infos zu vermitteln. Dies war der erste Roman von Zadie Smith, den ich gelesen habe, aber sicherlich nicht der letzte.

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    • 2
  • Erwartungen leider nicht ganz erfüllt

    Swing Time
    Lealein1906

    Lealein1906

    08. August 2017 um 16:04

    Ich muss zugeben, dass ich mir von „Swing Time“ etwas mehr erwartet hatte. Deswegen kann ich leider nur drei Sterne geben. Es geht um die Geschichte eines Mädchens, das in einem Vorort von London aufwächst. Der Vater ist weiß, ihre Mutter ist schwarz. Von Anfang muss sie mit Vorurteilen und anderen Problemen zurechtkommen, ist dabei aber nicht unglücklich. Im Klappentext wird ja groß die Freundin Tracey erwählt, die natürlich auch eine wichtige Rolle spielt, aber am Ende gar nicht so viel vorkommt. Es ist also keine große Freundschaftsgeschichte. Stattdessen erfährt man alles vom Leben des Hauptcharakters, wie sie als Assistentin von einer berühmten Sängerin engagiert wird und schließlich auf einem ihrer Aufträge nach Westafrika reist. Dort macht sie ganz besondere Erfahrungen. Insgesamt fehlt mir dem Buch aber die richtig spannende Note, die mich gereizt hätte, mehr von der Protagonistin zu erfahren. Kritikpunkt Nummer eins ist für mich, dass es mir manchmal zu verworren ist. Ich hätte mir eine klarere Linie gewünscht. So wird mal aus der Gegenwart, mal aus der Vergangenheit berichtet, aber nicht abwechselnd sondern „willkürlich“. Ich habe mich manchmal gar nicht mehr zu Recht gefunden. Deswegen hat sich auch das Lesen etwas gezogen. Es hat mich nie so mitgenommen, dass ich immer unbedingt sofort weiterlesen musste. Es hat mich nicht wirklich neugierig auf mehr gemacht. Kritikpunkt Nummer zwei ist, dass ich mir aufgrund des Klappentextes mehr aus den verschiedenen Afrikareisen erhofft hätte. Ich habe nicht wirklich das Gefühl, dass es nur das Land war, was die Hauptdarstellerin verändert hat, sondern viele andere Sachen auch in ihr selbst. Vielleicht hatte ich auch einfach zu viele Erwartungen, aber ich hätte mir da noch mehr und tiefergehende Situationen gewünscht. Trotzdem würde ich wieder ein Buch von Zadie Smith lesen, weil ihr Schreibstil doch etwas sehr individuelles hat, nur hoffe ich beim nächsten Mal auf eine flüssigere und etwas spannendere Geschichte.

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  • Den Rhytmus finden

    Swing Time
    mirabello

    mirabello

    07. August 2017 um 13:22

    Mit seinem in Gelb, Rot und Schwarz gestalteten Cover legt der Roman "Swing Time" in moderner, fast gewaltiger Gestalt einen impulsanten Auftritt hin. Die Ausstattung und Herstellung geben ein gelungenes Gesamtbild ab - mit Lesebändchen ist irgendwie immer schöner - und auch im Inhalt lassen sich keine auffälligen Fehler finden, obwohl eingangs darauf verwiesen wurde, dass man ein unkorrigiertes Leseexemplar in den Händen halte. In der Geschichte folgen wir einem Mädchen oder wahrscheinlich eher einer Frau, die rückblickend aus ihrem Leben erzählt. Episodenhaft wechseln sich Szenen aus ihrem Kinder-, Jugend- und Erwachsenenalter ab. Alle stehen in mehr oder weniger großer Abhängigkeit zu ihrer Freundin Tracey aus Kindertagen. Dabei ändern sich auch die Tonart der Erzählung sowie manche Zwischentöne, die irgendwo immer zeigen, wie sehr diese Freundschaft unsere Erzählerin doch geprägt hat und immer noch beeinflusst, auch wenn sich die beiden Freundinnen bereits seit einer langen Zeit nicht gesehen haben. Dieses Buch zeigt, das Persönlichkeiten keinesfalls linear funktionieren und dass es lange braucht, um möglicherweise endlich einen eigenen Rhythmus zu finden.

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  • Ungewöhnliche Freundschaft mit vielen Facetten

    Swing Time
    AnTheia

    AnTheia

    06. August 2017 um 20:58

    Zadie Smith erzählt die Geschichte einer Frauenfreundschaft, die sich von den 80igern von Londoner Sozialwohnungen, über New York bis Afrika erstreckt und fast 30 Jahre umfasst. Erzählt wird aus der Perspektive einer namenlosen "Ich"-Erzählerin, die ihre Beziehung zur gleichaltrigen Tracey zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschreibt. Beide Mädchen haben eine dunkelhäutige Mutter und einen weißen Vater. Sie lernen sich als Kinder auf einer Ballettschule kennen und träumen davon, einmal die Sozialwohnungen hinter sich zu lassen und ein besseres Leben zu führen. Ihre Freundschaft ist von Anfang an facettenreich und nicht konfliktfrei. Tracey ist ehrgeizig, dominant und frühreif, schafft mit Bravour die Ballett- und Stepschule. Während für "Ich" der Traum von einer Bühnenkarriere ein Traum bleibt und sie später studiert. Die Wege beider trennen sich. "Ich" lernt später die erfolgreiche Pop-Sängerin Aimee kennen und jettet über mehrere Jahre mit ihr als Assistentin um die Welt bis nach Afrika, wo Aimee in Gambia ein Schulprojekt als weiße Retterin der Schwarzen realisieren will. Während all der Jahre versucht "Ich" den Kontakt mit Tracey nicht abbrechen zu lassen, sucht gedanklich oder persönlich ihre Nähe, indem sie z.B. ein Bühnenshow mit Tracey besucht... bis sich schließlich der Kreis zum Prolog schließt. Zadie Smith ist das Portrait einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft gelungen, die trotz ihrer Ähnlichkeiten nicht unterschiedlicher laufen kann. Es geht um Liebe, Hass, Neid, aber auch um das Gewinnen und Verlieren. Smith ist dabei aus meiner Sicht eine sehr komplexe Geschichte gelungen, die mit unterschiedlichen Themen spielt. Dabei geht sie nicht chronologisch vor, sondern betrachtet immer aus der "Ich"-Perspektive bestimmte Stationen und Momente, wie durch eine Lupe, um die Freundschaft und die Entwicklung beider Charaktere zu beleuchten. Auffallend dabei ist, dass "Ich" als Hauptprotagonistin immer namenlos bleibt. Sie führt regelrecht ein Schattendasein. Sie wird für den Leser zum Kanal, um auf die Beziehung zu Tracey und auf Ihr Umfeld zu blicken. Stark fand ich auch die "Mutter-Tochter"-Beziehung, die sehr deutlich während der Geschichte zum Tragen kommt. "Ich" leidet unter der Dominanz ihrer Mutter, für die Schule und Bildung der Schlüssel zum Erfolg sind, während Tracey alle Freiheiten einer künstlerichen Laufbahn hat. Damit schneidet Smith ein Thema an, was nahezu berührt und zum Nachdenken einlädt. Man spürt förmlich, wie die Freundschaft zu Tracey für "Ich" zum Ankerpunkt wird. Jahrelang sucht sie nach einer Identität (stylistisch sehr gut durch das namenlose Ich gelöst), nach einem zu Hause und nach einer Zugehörigkeit. Das wird besonders deutlich, als sie nach Afrika - quasi zu ihren Wurzeln - kommt und sich dort dennoch wie ein Fremdkörper fühlt. Ich muss sagen, dass es mir die Geschichte zu Beginn schwer gemacht hat, hineinzufinden und auch zu mögen. Die Geschichte ist großartig durchdacht und hat sehr viel Tiefgang. Aber es fehlte mir durch die häufigen Wechsel zwischen der Kindheit und der älteren "Ich" der richtige Rhythmus, den ich aber ab Mitte des Buches sehr gut fand. Zadie Smith hat eine wunderbare Sprache und einen feinsinnigen Schreibstil. Durch die ungewöhnliche Perspektive wird man selbst als Leser zum Betrachter und das genau macht die Stärke dieses Buches aus. Mein Fazit: Feinfühlige Geschichte einer Frauenfreundschaft über das Gewinnen und Verlieren, die beeindruckt.

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  • Zadie Smith ist eine gute Beobachterin

    Swing Time
    Corsicana

    Corsicana

    02. August 2017 um 21:50

              Zadie Smith ist eine sehr gute Beobachterin. Sie beobachtet Tendenzen in der Gesellschaft. Und stellt sie in Romanform dar. Dabei bedient sie sich einer ausgefeilten, beschreibenden, klaren Sprache, die sicherlich literarisch anspruchsvoll ist. Und trotzdem gut zu lesen ist.Dieser Roman spielt wieder überwiegend im Londoner Nordwesten, wie schon einer der Vorgänger-Romane "London NW", den ich damals mit Begeisterung gelesen habe. Diesmal hat die Begeisterung mich leider nur so knapp durch den ersten Teil des Romans getragen. Danach ließ meine Begeisterung nach und ich empfand vieles als langatmig oder uninteressant. Was sicher daran lag, dass ich persönlich wenig mit der Protagonistin / Erzählerin der Geschichte anfangen konnte.Schon in London NW gab es eine Protagonistin dieses Typs: Gut erzogen von einer Mutter mit Ambitionen und Bildung - aber selbst ziemlich lethargisch, phantasielos und komplett un-ambitioniert. Was man gerne auch als Anti-Reaktion auf den Ehrgeiz der Mutter interpretieren kann - mir persönlich war die Protagonistin deshalb trotzdem sehr fern. Und die meisten anderen Personen in der Geschichte auch.Es geht im Kern um zwei Freundinnen, beide "Mischlinge" (sprich Milchkaffee-Braun), die im Londoner Nordwesten aufwachsen. Die eine, Tracey, mit einer arbeitslosen, weißen Mutter, die nichts anderes zu tun hat, als ihre Tochter anzuhimmeln und in Rosa-Glitzer-Zeugs zu stecken. Und in den Tanzunterricht. Zum Glück ist die Tochter begabt und wird später einige Engagements ergattern. Aber dann....Die andere, die Erzählerin, hat eine schwarze Mutter aus Jamaika und einen weißen Vater, der als Postbote arbeitet. Was aus Sicht von Tracey "falsch herum" ist. Der Vater kümmert sich ums Kind - und die Mutter um die Bildung. Ihre eigene. Denn die Mutter will raus aus dem Sozialwohnungs-Umfeld. Und sie wird es schaffen. Und später in die Politik gehen. Ihre Tochter wird sie auf diesem Weg aus den Augen verlieren - oder diese sie - je nachdem, wie man das sieht.Die Tochter wird keine Tänzerin (mangelnde Begabung). Sie wird zwar studieren - aber keinen Ehrgeiz entwickeln. Und als persönliche Assistentin einer weltbekannten Sängerin arbeiten (diese ist so ein wenig Madonna und ein wenig Kylie Minogue). Als Assistentin ist die Protagonistin immer schön in der zweiten Reihe - und ohne eigene Ziele. Aber irgendwann wird die weltbekannte Sängerin sie feuern. Warum? Damit beginnt der Roman. Und erzählt in Rückblenden abwechselnd aus der Zeit der Kindheit und aus der Zeit mit der Sängerin.Obwohl mir das Lesen zwischendurch schon langweilig wurde. so muss ich doch das Können von Zadie Smith bewundern. Sie ist eine scharfe Beobachterin gesellschaftlicher Zustände und eine begnadete Analystin dieser Zustände. Und schaut damit gleichzeitig in die Zukunft unserer Gesellschaft. London ist eine viel multikulturellere Stadt, als sie bei uns in Kontinentaleuropa oft wahrgenommen wird (und das hat sich mit meinen persönlichen Erfahrungen während eines Auslandssemesters in London gedeckt). Und Rasse und Hautfarbe spielen eine ganz andere Rolle, als viele heute noch Denken. Und Bildung und Ehrgeiz spielen auch eine ganz andere Rolle und sind in Zukunft wahrscheinlich noch viel  bedeutender als Hautfarbe und Rasse. Damit bewegt sich Zadie Smith mit ihren Romanen eigentlich schon in der Zukunft. Sie ist eine wahrhaft "moderne" Schriftstellerin, was sich in ihrer eher assoziativen und Episoden-artigen Schreibform erkennen lässt. Manchmal überfordert sie damit ihre Leser. Und manchmal gelingt es ihr nicht, die heutigen Leser zu fesseln (wie zeitweise bei diesem Roman). Und manchmal sind die Figuren dem Leser einfach fremd (wie in mehreren ihrer Romane) - aber immer beobachtet und beschreibt Zadie Smith hervorragend.Deshalb gebe ich diesem Roman dann doch 4 Sterne - obwohl mir zwischendurch manchmal das Lesen schwer fiel.        

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  • Eine bessere Ferrante

    Swing Time
    RomeosJuliet

    RomeosJuliet

    30. July 2017 um 20:10

    "Swing Time" von Zadie Smith ist für mich die bessere "Meine geniale Freundin" - spannend, humorvoll und kurzweilig erzählt Smith hier die Geschichte von zwei Mädchen, die in jungen Jahren eine ganz besondere, auch durch Wettkampf gezeichnete Freundschaft schließen, die im Laufe ihres Lebens jedoch immer weiter verblasst, auch wenn sie nie ganz aus dem Leben der anderen verschwinden.Zadie Smiths Schreibstil ist einnehmend und wirft den Leser sofort in die Geschichte. Nach und nach wird die Geschichte der Protagonistin, deren Namen wir nie erfahren, von ihrer frühen Kindheit bis zu den jungen Erwachsenenjahren erzählt. Wer Smith kennt, weiß, dass es dabei immer nicht nur um die Beziehung der äußert lebendig wirkenden Figuren zueinander geht, sondern auch um größere Themen: in "Swing Time" um Zugehörigkeit und Identität. Smith nimmt den Leser mit in die Sozialbauten Londons, das Glamour-Leben eines Popstars in New York und in die davon ganz gegensätzliche Welt Afrikas und schafft es, den Leser in jede dieser Welten mühelos eintauchen zu lassen.Nichtsdestotrotz sind es am Ende vor allem die Figuren, die einem in Erinnerung bleiben. Mit ihren Ecken und Kanten schwankt man als Leser immer wieder zwischen Sympathie und Antipathie, Bewunderung und Verachtung. Zusammengenommen ergeben die Figuren eine so herrliche wie meisterhafte Konstruktion, die letztendlich auch die Spannung des Buches ausmacht.Insgesamt war "Swing Time" eine kurzweiligere und tiefschürfendere Leseerfahrung als "Meine geniale Freundin". Ohne erhobenen Zeigefinger erfährt der Leser hier viel über fremde Welten, gespickt durch viele kluge und zitatwürdige Sätze in Smiths wunderschönem Schreibstil.

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  • So ist Leben, beeindruckend erzählt, unaufgeregt und echt

    Swing Time
    SofieWalden

    SofieWalden

    30. July 2017 um 18:24

    Zwei kleine Mädchen lernen sich beim kostenlos angebotenen Tanzunterricht kennen und werden beste Freundinnen. Zusammen verbringen sie ihre Kindheit und leben ihren gemeinsamen Traum, Tänzerin zu werden. Doch nur eine der beiden, Tracey, hat das nötige Talent, wechselt als Jugendliche auf eine entsprechend ausgerichtete Schule und wird tatsächlich Tänzerin. Die andere namenlos gelassene Ich-Erzählerin dieses Romans geht einen anderen Weg. Sie studiert und wird dann, eher durch Zufall, Assistentin der berühmten Sängerin Aimee. Für viele Jahre besteht ihr Dasein darin, um die Welt zu jetten, und ein Leben zu leben, das nicht ihr eigenes ist. Eine für sie persönlich besondere Rolle darin spielt ein Projekt Aimees, eine Mädchenschule in Westafrika aufzubauen und zu unterhalten. Irgendwann ist dieser Lebensabschnitt schließlich vorbei und ein neuer beginnt. Der Kontakt der beiden Freundinnen kommt dabei über die Jahre nahezu zum erliegen, reißt aber nie ganz ab. Meist zufällig treffen sie immer mal wieder aufeinander und sind sich dabei doch noch sehr vertraut. Viel Zeit lässt sich die Autorin in diesem Roman beim Erzählen. Der geradezu sachliche, unaufgeregte und doch sehr intensive Schreibstil, mit der sie die Realitäten des Lebens dieser beiden Mädchen und ihres Umfelds beschreibt, hallt lange nach. Das Kämpfen, Siegen und Scheitern, das Enden und die damit verbundene Chance, neu anzufangen, die Frage nach den eigenen Wurzeln und dem 'was ist überhaupt Glück', dies alles 'swingt' mit in diesem beeindruckenden Buch.

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  • Swing Time

    Swing Time
    CanYouSeeMe

    CanYouSeeMe

    28. July 2017 um 20:49

    Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancengleichheit. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Westafrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.Das Buch ist mir durch die kräftigen Coverfarben und die große Aufmachung vom Titel und Autorennamen sofort ins Auge gesprungen: die Gestaltung ist simpel und doch wirkungsvoll.Der Schreibstil ist schon auf den ersten Seiten sehr bildhaft, was schon auf der ersten Seite ein bildhaftes Kino in meinem Kopf entstehen ließ. Die verwendete Sprache passt gut zur Situation und den Personen und wirkt somit sehr authentisch.Die Charaktere sind ausreichend beschrieben, ich konnte mir von allen wichtigen Personen ein gutes, prägnantes Bild machen. Alle Beschreibungen sind aus Sicht der Protagonistin, so dass man als Leser alles durch ihre Wahrnehmung beschrieben bekommt. So ist es nicht möglich die Geschehnisse aus einer unvoreingenommeneren Perspektive zu sehen.Die Handlung gefiel mir in den ersten Kapiteln sehr gut, ich war interessiert an der Protagonistin und Tracey und ihrer Entwicklung, der Spannungsbogen war gespannt. Je weiter ich gelesen habe, desto weniger haben mich die Geschehnisse interessiert, ich war schon fast gelangweilt von der Handlung. Das lag weniger an dem Schreibstil oder der Art der Beschreibung, als an dem Inhalt. Denn das lebensfrohe junge Mädchen vom Anfang des Buches entwickelte sich zu einer jungen Frau, mit der ich mich nicht identifizieren konnte, deren Anliegen mich nicht bewegen konnten und deren Ansichten ich nicht teile. Aimee als Charakter war mir von Beginn an unsympathisch, und die Protagonistin wurde mir auch von Kapitel zu Kapitel unsympathischer… Vielleicht konnte ich mich auch als Leser momentan nicht gut auf die Handlung einlassen, zum jetzigen Zeitpunkt habe ich wenig Zielführung in der Storyline erkennen können, es ist mir unklar, worauf die Autorin mit diesen Ausführungen genau hinauswollte.Insgesamt ist ‚Swing Time‘ ein interessantes Buch, das mich zu Beginn durchaus unterhalten und fesseln konnte, mit zunehmender Seitenzahl für mich aber immer undurchdringlicher und langatmiger wurde. 

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