Zadie Smith Swing Time

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Inhaltsangabe zu „Swing Time“ von Zadie Smith

'Nicht nur Freundschaft, sondern die ganze verrückte, ungerechte Welt wird einem präzisen prüfenden Blick unterzogen.' New York Magazine.Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancengleichheit.
Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Afrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.
Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.
'Bewegend, lustig und wahrhaftig analysiert dieser Roman mit der Eleganz von Fred Astaire oder Michael Jackson Themen wie Hautfarbe und Weltpolitik.' Kirkus Reviews

Ein etwas gewolltes Buch über das Aufwachsen als Mischling in London

— rallus

Großartige Sprache, schwache Handlung

— Buchina

Elena Ferrante auf Englisch - leider wenig packend und in der Figurenzeichnung zu blass. Und das trotz spannender Grundlagen

— hundertwasser

Eine sehr lange, gemächliche Erzählung, der streckenweise der Rote Faden abhanden zu kommen scheint. Interessanter Schmöker.

— kalligraphin

Im Mittelteil manchmal ein bisschen langatmig, aber die zweite Hälfte zieht an und hat mich dann auch wirklich begeistert!

— Code-between-lines

Ziemlich gut.

— ju_theTrue

Das Ende hat mich versöhnt. Dennoch bin ich mir nicht sicher, was mir das Buch eigentlich sagen wollte. Anstrengend und überladen politisch.

— rumble-bee

Ein monotoner Schreibstil, ein zuviel an Themen und letztendlich bleibt unklar wo genau die Geschichte einen hinführen soll.

— Betsy

Mehr erwartet, jedoch hat die Spannung gefehlt.

— Stephi90

Swing Time - Identitätssuche

— sabine3010

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  • Rhythmus im Blut

    Swing Time

    Fornika

    05. November 2017 um 10:41

    Tracey und die Ich-Erzählerin lernen sich als kleine Mädchen beim Ballettunterricht kennen. Die Liebe zum Tanzen verbindet sie, auch wenn sie sich aus den Augen verlieren und ihre Leben trotz ähnlicher Herkunft ganz unterschiedlich verlaufen. Mit der Erzählerin lernen wir die Welt der Popstars kennen, denn sie wird persönliche Assistentin der erfolgreichen Aimée. Und verliert die eigene Herkunft, das eigene Leben dabei völlig aus den Augen… Zadie Smith nimmt uns mit in eine Welt der Musik und des Tanzes, aber auch in eine Welt, in der die eigene Hautfarbe das Leben bestimmt, die Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen und das Engagement der Eltern dem eigenen Werdegang Grenzen setzen. Einerseits steckt viel Wahrheit in der Geschichte, andererseits wirkte sie oft sehr konstruiert und als ob die Autorin ihre Themencheckliste abgearbeitet hätte. Der Spagat zwischen glitzernder Popwelt und ärmlichem Afrika beispielsweise ist der Autorin nur mäßig gelungen, ich fand die Handlung in dieser Beziehung doch sehr klischeebeladen. Mir hat eigentlich der Anfang des Buches am besten gefallen, die Freundschaft der jungen Mädchen und ihre Jugend sind sehr authentisch und glaubhaft gelungen. Danach entwickelt sich die Handlung etwas zäh und eben auch zu sehr gewollt. Sprachlich hat mir das Buch sehr gut gefallen, Smith hält ihr gewohntes Niveau. Nur inhaltlich konnte sie mich diesmal nicht so recht überzeugen.

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  • Zwischen den Welten

    Swing Time

    Lesenisttoll

    19. October 2017 um 12:37

    Die Ich-Erzählerin, deren Namen nicht genannt wird, wächst im Norden Londons auf, als Tochter einer schwarzen Mutter aus Jamaika und eines weißen Vaters. Die Mutter ist sehr ehrgeizig. Sie will studieren und Karriere machen, Mann und Kind sind dabei eher hinderlich. So wird die Tochter auch hauptsächlich vom Vater betreut, bekocht und erzogen.Als kleines Mädchen lernt sie beim Ballettunterricht Tracey kennen, deren Vater schwarz und die Mutter weiß ist („richtig herum“, wie Tracey es nennt). Die beiden werden beste Freundinnen, wenngleich von Anfang an viel Konkurrenzdenken vorhanden ist. Bald stellt sich heraus, dass Tracey die begabtere Tänzerin von beiden ist, die sogar später an einer Tanzschule angenommen wird.Die Beschreibung der Schulzeit ist ziemlich langatmig und enthält einige für meine Begriffe ziemlich abstoßende Szenen, so dass ich drauf und dran war, das Buch wegzulegen. (Stichwort „Scheidengrapschen“, meiner Meinung nach etwas unglücklich übersetzt, denn welches 9jährige Mädchen spricht denn von seiner „Scheide“?)Mit Anfang 20 lernt die Protagonistin die Sängerin Aimée kennen, für die sie fortan für viele Jahre als persönliche Assistentin arbeitet. Ihr eigenes Leben gibt sie völlig auf, es sind nur noch Aimée und deren Bedürfnisse, die zählen. Tracey, die mittlerweile als Tänzerin in Nebenrollen auf der Bühne steht, sieht sie auch nur noch durch Zufall.Aimée jettet durch die Welt, beginnt ein Hilfsprojekt für Mädchen in Afrika, und ihre Assistentin ist immer an ihrer Seite bzw. bereitet Aimées großen Auftritt vor. Die Ehe der Eltern ist längst geschieden, die Mutter ist politisch tätig, für persönliche Beziehungen bleibt keine Zeit. Die Beschreibung der Verhältnisse in dem afrikanischen Dorf, in dem Aimée ihr Hilfsprojekt ansiedelt, gehört zu den Highlights des Buchs. Idealismus und Naivität treffen auf die Realität und das vollkommen andere Leben in einem armen afrikanischen Land, in dem außerdem Korruption und politische Vetternwirtschaft herrschen. Ein perfekter Nährboden für religiöse Fanatiker.Bei ihren Aufenthalten im Dorf wohnt die Protagonistin bei der lebenslustigen Hawa, die mit Mitte 20 allerdings schon als alte Jungfer gilt, was Hawa mehr ausmacht, als zunächst ersichtlich ist. Die Verhältnisse im Dorf werden zunehmend schwierig. Aimée hat ein Auge auf einen attraktiven jungen Mann geworfen und will ihn zu sich in die USA holen. Ihm gefällt ihre Aufmerksamkeit, doch er wünscht sich eine jüngere Frau und Kinder. Aimées Assistentin wiederum bekommt eine Liebeserklärung eines Mannes, für den sie nichts empfindet. Sie weist ihn ab, mit weitreichenden Folgen, wie sich herausstellt...„Swing Time“ ist ein sehr vielschichtiges Buch, das hauptsächlich von starken Frauen handelt, die Männer spielen eine eher untergeordnete Rolle. Die starke Mutter, Aimée, sogar Tracey mit all ihren Problemen, sie alle prägen die Protagonistin, die am Ende des Buches vor einem Scherbenhaufen steht, jedoch endlich die Chance hat, ihr Leben nach ihren eigenen Bedürfnissen auszurichten.

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  • Tanz der Möglichkeiten

    Swing Time

    rallus

    11. October 2017 um 21:27

    „Die Leute sind nicht arm weil sie schlechte Entscheidungen getroffen haben, wie sie gern erklärte, sie treffen schlechte Entscheidungen weil sie arm sind.“ Ist in der Armut, dem Aufwachsen in Familien, die sich Bildung nicht leisten können, oder den 3D-Farbfernseher wichtiger finden als Bücher, das Scheitern vorprogrammiert? Dreht sich die Armutsspirale immer dort weiter, wo die Hauseingänge mit Parolen beschmiert, der Vorgarten der Hochhäuser mit Hundekot vollgekackt ist, die populistischen Parolen der Rechtsradikalen breite Zustimmung finden und der Traum einer Zukunft in dumpfen und viel zu kleinen Mietskasernen erstickt wird? Hoyerswerda ist überall, auch in anderen Staaten. Swing Time spielt in Londons Nordwesten, in Kilburn, wo sich zwei Mädchen in den Achtzigerjahren finden, die von ihrer Art nicht unterschiedlicher sein könnten. Eine Gegend, aus der auch die Autorin kommt und die ihr nicht unbekannt ist. Auch die Hautfarbe der Mädchen hat den identischen Braunton wie die der Autorin. Als coloured people sind ihre Bildungs- und Aufstiegschancen um viele Faktoren schlechter, als die der Weißen. Hier ist es wichtig, dass, wie die Mutter der namenlosen Ich-Erzählerin sagt, die Eltern sich um die Möglichkeiten der Kinder kümmern. Tracey unddie Ich-Erzählerin lernen sich auf der Tanzschule kennen. Tracey hat sehr viel Talent, die Erzählerin kann gut singen, aber weniger gut tanzen. In der Schule sind sie in der gleichen Klasse. Beide träumen den Traum, so gut wie Fred Astaire und Ginger Rogers zu tanzen (Er gab ihr Klasse, sie gab ihm Sex, so ein erwähntes Zitat von Katherine Hepburn im Buch) und in Musicals aufzutreten. Die Erzählungen über die Schulzeit und das Aufwachsen in dem Vorort von London (einer von zwei Vororten wo die ethnischen Minderheiten, die Bevölkerungsmehrheiten bilden) werden retrospektiv erzählt. Dazwischen führt uns Zadie Smith in die Gegenwart. Die Erzählerin arbeitet als persönliche Assistentin bei einer erfolgreichen australischen Pop-Musikerin, Aimee. (Diese ist fiktiv, ähnelt aber in ihrem Gebaren sehr Madonna, auf die auch die farbigen adoptierten Kinder hindeuten). Die Ich-Erzählerin führt es nach Afrika, wo sie beim Bau einer schwarzen Schule mithilft.  Wobei die Erzählerin zynisch bemerkt, dass Aimee mehr im Jahr verdienen würde, als das komplette Land. Dort kommt sie mit vielen Afrikanern in Kontakt, die die Erzählerin aber als Weiße betrachten. Eine Umkehrung der Verhältnisse. Zadie Smith baut viel schwarze Haut, Musik, Stammeszugehörigkeit, Milieu, ethische Minderheiten, Islamkritik, Bildung, Chancengleichheit und noch viele andere drängende Themen unserer Zeit ein. Doch alles wirkt seltsam leblos. Angesprochen, ohne die notwendige Wut oder wenigstens eine Art Emotion. Das mag vielleicht auch an der blassen, untätigen Ich-Erzählerin liegen, die alle ihre Möglichkeiten im Leben liegen lässt. Tracey ist lebendiger und probiert, fällt auf die Nase, nicht aber ohne zu versuchen, ihre halbherzige Freundin mitzunehmen auf die Reise. Diese weiß nicht wohin sie soll und welche Eigeninitiative sie ergreifen soll. „Ich fühlte mich, als hätte ieh in einem ganz bestimmten Zug gesessen, der mich dorthin brachte, wohin Menschen wie ich als Jugendliche eben sollten, doch jetzt war plötzlich etwas anders. Man hatte mir mitgeteilt, ich solle an einer ungeplanten Haltestelle ein ganze Stück weiter vorn aussteigen. Ich musste an meinen Vater denken, den man schon aus dem Zug geschubst hatte, bevor er ganz aus dem Bahnhof war. Und an Tracey, wild entschlossen, selbst abzuspringen, weil sie lieber laufen wollte als sich vorschreiben zu lassen, welche Haltestelle ihre war und wie weit sie noch mitfahren durfte.“ So verfliegen die Seiten, Kapitel voller Menschen, die in Bezug treten, ohne wirklich unter die Oberfläche zu gehen. Die Ich-Erzählerin ist zwar eine von vier persönlichen Assistentinnen von Aimee, führt aber kein eigenes Leben, begräbt sich und ihre Träume in einer Scheinwelt. Tracey hingegen kann wenigstens den Broadwaytraum zu Ende träumen. Das Buch wird immer sehr interessant, wenn die Ich-Erzählerin in der Vergangenheit verweilt. Dann sind die musikalischen Tanzträume der Mädchen sehr bunt und wirklich, die Emotionen von Tracey beleben diese Parts. Die Gegenwarts-Teile verlieren sich in dumpfer Gleichgültigkeit und fehlender Intensität. Letztendlich ist dieses Buch nicht an mich gegangen. Ist es diese Unentschlossenheit der namenlosen Heldin, die mich manchmal rasend macht? Oder ist es die Fülle an Themen die nicht fertig ausgeführt und halb gar im Eintopf des Buches herumliegen? Oder die Beiläufigkeit mit der dieses Buch an mir vorbeizieht? Ich kann es nicht sagen. Es berührt mich kaum. Es entwickelt sich keine Leidenschaft. Nur ganz am Ende hat die Autorin mich eingefangen, da hat sie mein Herz doch noch gepackt und zugedrückt.

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  • Zu viel gewollt

    Swing Time

    Buchina

    09. October 2017 um 16:20

    Dieses Buch ist ein echter Hingucker. Drei starke Farben, eine passende Schriftart und sonst nichts. Im Minimalismus steckt die Stärke des Covers. Aber es sagt nichts über den Inhalt aus, was auch nicht so einfach ist, denn für mich fehlte dem Buch ein wirklicher roter Faden. Zum einen geht es um das Erwachsen werden der Ich-Erzählerin, es um eine langjährige Freundschaft, die ambivalent ist. Es geht um Schwarz vs. Weiß, Chancengleichheit, das England der 90er erfolgreich und hipp. Viele politische Fragen werden gestellt. Für mich war es zuviel, denn die Autorin konnte sich nicht wirklich auf etwas konzentrieren, vielleicht wollte sie soviel wie möglich einbringen und vergaß darüber eine spannende Geschichte zu erzählen. Ich wartete vergeblich auf einen richtigen Spannungsbogen, er schien oft zum Greifen nahe, aber der Faden wurde nicht fortgeführt und sich wieder auf etwas anderes konzentriert. Das Lesen viel mir entsprechend schwer. Und am Ende blieb ich unbefriedigt und etwas ratlos zurück. Auch die Protagonistin konnte bei mir nicht Punkten. Sie war mir nicht sympathisch, blieb unzugänglich für mich. Ich konnte nicht wirklich mitfiebern mit ihr. Auch die anderen Charaktere rissen mich nicht mit, keiner wurde mir sympathisch. Zum Teil wirkten sie sehr überzogen. Wie viele andere schon anmerkten, ist der Schreibstil das große Plus des Romans.  Die Autorin benutzt eine sehr bildhafte Sprache, die einzelnen Sätze versprechen Tiefe. Zadie Smith kann schreiben, weshalb ich sie auch weiter verfolgen werde und einfach hoffe, dass sie in ihrem nächsten Roman der Handlung mehr Aufmerksamkeit schenken wird.

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  • Buchverlosung zu "Swing Time" von Zadie Smith

    Swing Time

    m_exclamationpoint

    Auf den Versen einer Freundschaft Als Tracey und die Erzählerin noch jung waren, stand eine Sache fest – Sie bleiben beste Freundinnen, für immer. Doch im Leben läuft nicht immer alles so, wie man es sich denkt und schon bald trennen sich die Wege der jungen Frauen. Während die eine eine erfolgreiche Tänzerin wird, jettet die andere als Assistentin einer Sängerin durch die Welt. Auf ihrem verschlungenen Lebenspfad zu sich selbst gibt es immer eine Konstante – der Gedanke an ihre Freundschaft mit Tracey… In den USA und Großbritiannien hat „Swing Time“ bereits seine Leser begeistert. Jetzt ist auch Deutschland dran. Mach mit bei unserer Buchverlosung zu „Swing Time“ von Zadie Smith und lass dir diesen feinfühligen Roman über die Irrwege und die Beständigkeit des Lebens nicht entgehen. Über das Buch: Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen: Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Westafrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen. Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.>> Hier geht's zur Leseprobe!Über die Autorin:Zadie Smith wurde am 27.10.1975 in Willesden bei London geboren. Nach ihrem Schulabschluss entschied sie sich, Englische Literatur zu studieren. In dieser Zeit war sie bereits schriftstellerisch tätig und veröffentlichte ihr Kurzgeschichten in einer Studentenzeitschrift. Ein Verleger wurde auf sie aufmerksam und so gelang es ihr wenig später, ihr Debüt "White Teeth" zu veröffentlichten. Heute schreibt Smith neben Romanen auch zahlreiche Essays. Die Autorin wurde mittlerweise mit mehreren Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Guardian First Book Award" und dem "Orange Prize for Fiction".Gemeinsam mit dem KiWi Verlag verlosen wir 15 Exemplare von "Swing Time". Was ihr dafür tun müsst? Bewerbt euch bis einschließlich 23.08. über den blauen "Jetzt bewerben"-Button und beantwortet folgende Frage: Erzählt uns von eurer besten Freundin! Was verbindet euch beide? Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen.Ich wünsche euch ganz viel Glück und freue mich schon riesig auf eure Antworten!

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    • 262
  • Eine sehr lange, gemächliche Erzählung

    Swing Time

    kalligraphin

    21. September 2017 um 10:02

    „Es ist ein Leben im Schatten und irgendwann zermürbt einen das.“ (592)Ein solches Leben führt die Erzählerin des Romans. Als Kind einer Jamaikanerin und eines Engländers fühlt sie sich im London der 80er Jahre, in dem sie ihre Kindheit verbringt, zwar irgendwie fremd, aber doch auch geborgen. In ihrem Viertel sind viele Familien mit Migrationshintergrund. Man bleibt gewissermaßen unter seinesgleichen und lebt in recht geordneten Bahnen. Ihr Vater ist sehr aufmerksam und freundlich, ihre Mutter lebt für ihren Wunsch nach Emanzipation (nicht nur persönlicher, sondern allgemeiner). Die Erzählerin ist zwar klug und verfügt über eine gute Beobachtungsgabe, gleichzeitig schwirrt sie aber sehr um sich selbst mit ihren Gedanken und Wahrnehmungen. Sie hat eigentlich nur ein Interesse: Den Tanz. Doch selbst ist sie auf diesem Gebiet nur mittelmäßig begabt und so kann sie nur andere bewundern. Als Kind schließt sie sich einem Mädchen ihrer Ballettgruppe an. Dann wählt sie ohne große Passion einen Studiengang und gerät mehr zufällig in den Job als persönliche Assistentin eines Popstars. Sie betreut das karitative Projekt ihrer Chefin in Afrika mit: Die Gründung einer Mädchenschule. Ein charakterstärkerer Mensch wäre bei dieser Gelegenheit vielleicht auf Identitätssuche gegangen. Sie jedoch treibt nur zehn Jahre an der Seite des Popstars mit, ohne eigene Besonderheiten. Am Ende trifft sie wieder auf das Mädchen aus der Ballettschule.„Swing Time“ ist ein über 600 Seiten dicker Schmöker, dem teilweise der Rote Faden zu fehlen scheint. Die Story plätschert dahin, die recht persönlichkeitslose Protagonisten nimmt uns mit in ihr Leben, das zwar nicht unbedingt ereignislos ist, aber dennoch sehr unspektakulär.Das Besondere des Buches liegt wohl gerade in dieser Perspektive. Die namenlose Erzählerin ist ein sehr formbarer, angepasster Mensch. Ein Normalo ohne Ecken und Kanten, der aus seinem Leben erzählt, ohne dabei ein konkretes Erzähl-Ziel zu verfolgen. Nichts an der Geschichte scheint gestrafft oder künstlerisch zurechtgebogen. Aber am Ende fügt sich dann sogar diese scheinbar ziellose Geschichte zu einer runden Sache.Wer es mag, sich über viele Lesestunden von einer Erzählung tragen zu lassen, und nicht unbedingt Handlungsstärke braucht, ist mit diesem Roman gut bedient. Es fließen immer mal wieder interessante Alltagsbeobachtungen und intelligente Kommentare über das Leben ein. „Was wusste sie schon von den Wellen der Zeit, die eine nach der anderen über uns hinwegrollten? Was wusste sie schon vom Leben als ständig provisorischem, niemals vollständigem Über-Leben dieses Vorgangs?“ (197)---Lesungsberichtlit.COLOGNE Spezial - Zadie Smith und Milena Karas - Swing Time 03.10.2017, 19:30 UhrKlaus-von-Bismarck-Saal, KölnDie Lesung von Zadie Smith hat mir ein wenig die Augen geöffnet. Ich habe Swing Time eher als Unterhaltungsroman geschmökert und mich von der Geschichte tragen lassen. Doch ich glaube nun, nach dem Interview mit ihr, dass all die Rezensenten, die mehr darin gesehen haben (und sogar diejenigen, die mehr darin sehen wollten und dann doch die Tiefe vermisst haben), absolut Recht hatten und dass mir einfach einiges entgangen ist.Zadie Smith ist eine sehr beeindruckende, intelligente Frau. Sie machte einen grüblerischen, philosophischen und auch politischen Eindruck auf mich.Zunächst wurde sie natürlich gefragt, warum die Protagonisten in Swing Time namenlos bleibt. Nun, hätte sie gewusst, wie oft sie danach gefragt würde, hätte sie der Heldin einen Namen gegeben, lautete ihre Antwort. ;) Doch dann begründete sie die Namenlosigkeit damit, dass sie eine bewusst charakterlose, wenig greifbare Figur schaffen wollte. So neutral, dass sie im Leser eine ständige Irritation auslöst.Auch sprach die Moderatorin an, dass viele Leser die Kritik am Popstardasein, die durch Aimee zum Ausdruck gebracht werden solle, als zu oberflächlich empfinden. Zadie Smith antwortete, dass es ihr nie darum gegangen wäre, Aimee als stereotypen Popstar darzustellen, der als Kritik an ALLEN Popstars gedacht gewesen wäre. Sie selbst hielte Aimee auch für keinen "schlechteren Menschen" als es zum Beispiel die Protagonistin wäre. Narzisstisch und blind für viele Dinge in der Welt. Aber Aimee ist reich und hätte damit mehr "Power", Dinge auszulösen, zu verändern und falsch zu machen.Die Ferrante Bücher haben ihr übrigens durchaus als Vorbild gedient. Sie empfindet Elena Ferrante als eine Vorreiterin, die den Weg geebnet hat für eine moderne Frauenliteratur, die mehr und anderes erzählen will als die weit verbreitete ChickLit.Darüber hinaus erwähnte Zadie Smith noch, dass sie als Lehrkraft für „Creative Writing“ durchaus ihren Studenten sehr formale Dinge über das Schreiben beibringen würde. Auf der anderen Seite aber läuft der Schreibprozess bei ihr selbst sehr viel intuitiver, spontaner und freier ab. Sie hätte sich im Vorfeld keine Gedanken gemacht, was aus ihren Figuren werden würde, sondern sich am meisten an der Frage aufgehalten, wo sie einen Punkt, wo ein Komma und wo ein Semikolon setzen solle.Es wurden noch viele andere Dinge angesprochen, die hier wohl zu weit führen würden: Rassismus, Ideologien, der Tanz, das Singen, Kunst, ihre Afrika-Recherchen und ihre Arbeit als Rezensentin.

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    • 2
  • [Rezension] "Swing Time" - Vertane Chancen! Leider enttäuschend

    Swing Time

    SicaUee

    19. September 2017 um 16:08

    London, Anfang der Achtzigerjahre. In „Swing Time“ erzählt Zadie Smith die Geschichte der namenlosen Ich-Erzählerin und deren Freundin Tracey, die beide jeweils ein Elternteil mit weißer und mit schwarzer Hautfarbe haben. Sie lernen sich in einem Tanzkurs kennen und fühlen sich, unter den ansonsten nur weißen Mädchen, sogleich zueinander hingezogen. Die Leidenschaft für den Tanz verbindet die beiden, allerdings hat nur Tracey wirklich Talent. Auch sonst leben sie sehr unterschiedliche Leben. Tracey hat eine weiße, etwas prollige Mutter und einen schwarzen Vater, der allerdings nie da ist und zudem als Kleinkrimineller immer wieder im Gefängnis sitzt. Die namenlose Ich-Erzählerin hat einen weißen Vater, der aus der Arbeiterklasse stammt und eine schwarze Mutter, die sich beständig weiterbildet, später auch studieren geht, und sich politisch engagiert. Die Freundschaft ihrer Tochter mit Tracey sieht sie nicht gerne, kann sie aber auch nicht verhindern. Die Lebensläufe der beiden Freundinnen trennen sich, Tracey geht auf eine Tanzakademie und wird Tänzerin, während ihre Freundin studieren geht und anschließend als Assistentin eines australischen Popstars, Aimee, arbeitet.Als der Ich-Erzählerin nach zehn Jahren gekündigt wird, reflektiert und berichtet sie über ihr Leben, über ihre Freundschaft mit Tracey und ihre Jahre als persönliche Assistentin Aimees, der sie, teilweise ohne es zu bemerken, ihr ganzes Leben abgetreten hat. Und es stellt sich die Frage, wer sie eigentlich ist... Und das war auch für mich die ganz große Frage – und mein vielleicht größter Kritikpunkt, denn sie scheint überhaupt keine Identität zu besitzen. Und das obwohl ihre Mutter sich ihr Leben lang für die Emanzipation und auch für die Unterdrückten eingesetzt hat und natürlich versucht hat, ihrer Tochter so viel wie möglich davon mitzugeben. Aber diese hat sich stets eher für die Geschichte des Tanzes interessiert (überhaupt gehört Tanz in diesem Roman eigentlich zur schwarzen Identität dazu) und hängt anscheinend auch viele Jahre später immer noch an ihrem Kindheitswunsch, Tänzerin zu werden, weswegen sie Tracey beneidet, auch wenn diese gescheitert ist. Überhaupt ist diese ganze Freundschaft eine höchst frag- und merkwürdige Geschichte, die für mich vor allem gegen Ende hin nicht mehr nachzuvollziehen war, vor allem das Verhalten der Ich-Erzählerin. Überhaupt habe ich die Namenslosigkeit der Ich-Erzählerin als störend und distanzaufbauend empfunden, allerdings wird einem auch sonst keiner der Charaktere irgendwie sympathisch, sie wirken alle überzogen, bis auf die Ich-Erzählerin, die im Grunde genommen ein Niemand ist.„Swing Time“ erzählt von Tanz und Freundschaft, von Herkunft und Kultur, von Chancen und Beginn, vom Scheitern und so weiter. Es werden viele Themen angerissen (etwa Entwicklungshilfe in Westafrika, wo der Popstar Aimee eine Mädchenschule errichten lässt, ein Projekt, das mit viel Engagement angegangen wird, dann aber nur noch halbherzig weitergeführt wird), allerdings wird keines vertiefend behandelt, alles bleibt oberflächlich und verschwindet im Nirgendwo. Das Beste in diesem Roman war der Schreibstil, der sehr detailliert, voll scharfsinniger Beobachtungen und schöner Formulierungen ist. Die Geschichte war hingegen nur teilweise interessant, vor allem dann, wenn es um die Kindheit und Jugend der Mädchen ging, der ganze Themenstrang, der in Afrika spielte und auch die späteren Jahre als Assistentin waren eher langwierig und teilweise auch unrealistisch geschildert. Es stellt sich das Gefühl ein, dass die Autorin zu viel gewollt hat, als hätten alle Themen in ein Buch gepresst werden sollen, wodurch alles oberflächlich blieb. Das im Buch stark auftretende Motiv der vertanen Chancen passt also irgendwie auch zu diesem allgemein.Abschließend muss ich leider sagen, dass mich das Buch eher enttäuscht hat. Die Geschichte hatte viel Potential, das leider nicht genutzt wurde, es wurden zu viele Themen angeschnitten, die dann aber nicht richtig ausgebaut wurden. Der Schluss verlief dann irgendwo im Sand und war einfach nur nichtssagend. Das Buch spricht zwar viele wichtige Themen an (wie gesagt, wahrscheinlich zu viele), aber am Ende hat man das Gefühl, trotzdem nichts in der Hand zu haben.

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    • 5
  • Willkommen in der Matrix

    Swing Time

    StefanieFreigericht

    Hm. Den Matrix-Film mochte ich übrigens nicht, zu überzogen, zu düster – aber er wird im Buch oft zitiert, wohl als Bild dafür, dass die Ich-Erzählerin jemanden neben sich wahrnimmt, der anscheinend fast in einer Art Paralleluniversum lebt. Laut Klappentext erzählt Zadie Smith von der Freundschaft zweier Mädchen bis ins Erwachsenenalter, wobei Freundschaft hier „Ferrante-mäßig“ daher kommt: beide Mädchen leben unterhalb der Mittelschicht und Freundschaft bedeutet ein sehr merkwürdiges aufeinander-Bezogensein, mit Phasen der Unzertrennlichkeit, aber auch der Entzweiung, mit merkwürdiger Unterordnung der einen gegenüber der anderen; das ist der Part der mich auch schon bei Ferrantes „Genialer Freundin“ genervt hat. Auch! Das ist ein Buch über Träume und Hoffnungen – die beiden Mädchen lernen sich beim Ballettunterricht kennen, doch nur Traceys Talent reicht für die Akademie. Die Ich-Erzählerin hat schulische Begabung, doch wegen des Widerstandes gegen ihre ehrgeizige Mutter führt sie das nicht immer weiter. In der Realisierung von Träumen dürfte man dennoch am ehesten dieser Mutter Gewinner-Punkte zusprechen, wenn auch eher für sich selbst. Dies ist ein Buch über das Leben eines modernen internationalen Stars, dessen Assistentin die Ich-Erzählerin ist: Aimee reist durch die Welt für Konzerte mit einem Tross an Mitarbeitern, denen sie das Privatleben aussaugt: Dauer-Erreichbarkeit, ein goldener Gruppen-Käfig, wohltätige Projekte und ein Misstrauen gegenüber denen, die sie nur ausnutzen wollen, der „Kundschaft“, was sich auf ihr Personal überträgt (da es ja absichtlich oder ungewollt Informationen preisgeben könnte): Freunde, Partnerschaften, Kinder? Eher selten. Die Abgehobenheit dieses Lebens wird nachvollziehbar beschrieben, ja, als geradezu zwingend. Das ist ein Buch über irgendetwas wie schwarze Identität: Die Mutter von Tracey ist weiß, ihr meist abwesender Vater schwarz. Bei ihrer Freundin ist es „falsch herum“, wie sie sagt (irgendetwas, dazwischen). Mit Aimee reist die Ich-Erzählerin später nach Afrika: trotz des Besuchs an den Stätten des Ursprungs der Sklaverei und damit auch des Ursprungs ihrer eigenen Geschichte (die Mutter wurde auf Jamaika geboren) scheitert sie, immer wieder, an ihren Missverständnissen und Vorannahmen. Vielleicht geht es auch um Identität generell – um Ziele, um das, was einen ausmacht. Vielleicht. Dies ist ein Buch über die Achtziger und Neunziger Jahre in Großbritannien, erst mit den typischen Spielsachen, später mit dem Rausch des Booms der privaten TV-Sender, an dem die Ich-Erzählerin als Angestellte teilnimmt. Dies ist ein Buch vom Scheitern (wieder Klappentext) – die Ich-Erzählerin arbeitet sich unermüdlich mit Andeutungen darauf hin, dass es sowohl einen Bruch mit Tracey geben wird als auch einen mit Aimee. Ich hatte da mit so einigem gerechnet – die Gründe kommen so spät, dass ich eher entnervt war und auch enttäuscht ob ihrer Nichtigkeit. „Später hieß es, ich sei Aimee eine schlechte Freundin gewesen, schon immer, ich hätte die ganze Zeit nur auf die richtige Gelegenheit gewartet, sie zu verletzen, sogar zu zerstören.“ S. 281 „Sie hat mir etwas furchtbares angetan. Als wir zweiundzwanzig waren.“ S. 204 Und entnervt trifft es insgesamt: Ich weiß nicht so recht, was für ein Buch von den vielen oben es denn nun sein soll – am ehesten über die Identität, aber dafür gibt es so verdammt viele breit ausgeführte Nebenansätze. Dann braucht zwar auch Ferrante insgesamt vier Bände für ihre Geschichte und zeigt damit Längen, für mich besonders im ersten Buch, aber auch bei Zadie Smith wurden mir die 640 Seiten oft seeehr lang (fast noch nervender, dass es zwischendurch immer wieder fesselte). Sie spricht viele aktuelle Themen an, bis zum „hintenrum“ aus Afrika ‘raus (= über Lampeduse), über die Unfähigkeit des britischen Erziehungswesens, das Kindern armer Eltern Aufsätze über Ferienerlebnisse oder Gartenprojekte aufbrummt (in Abwesenheit von Ferienfahrten und Gärten) – kratzt dabei aber nur an sehr vielen Oberflächen. Und dann diese Andeutungen im Buch zu dem, was kommen wird, das sich im kapitelweisen Wechsel durch Vergangenheit und Jetztzeit arbeitet, dabei immer und immer und immer wieder ein Stückchen vom Ohr des Kaninchens zeigt, das es letztlich aus dem Hut zieht. Sprachlich gelingt das durchaus immer wieder schön: „In der stetig wachsenden Lücke zwischen ihnen [meinen Eltern] spielte sich meine Kindheit ab.“ S. 33 Oder: „Sie maß die Zeit in Buchseiten. Eine halbe Stunde, das waren für sie zehn gelesene Seiten oder auch vierzehn, je nach Schriftgröße, und wenn man sich die Zeit so vorstellt, dann bleibt davon nichts übrig für irgendetwas anderes, es bleibt keine Zeit, in den Park zu gehen, oder sich ein Eis zu holen…“ S. 278 Solche Bilder sind toll, häufig wird es jedoch überzogen „Wie ist es wohl den Mädchen auf den Baumwollfeldern ergangen – oder denen in den viktorianischen Armenhäusern?“ S. 94 Nun, man vergebe mir die Plattitüde: wohl nicht gut. Auch die anscheinend ernstgemeinte Sicht der Ich-Erzählerin, ihr eigenes Leben für sehr „brav“ zu halten, während sie beschreibt, wie sie mit 15 und unter Einverständnis ihrer Mutter bis nach Mitternacht allein ausgeht, mit der Wodka-Flasche dabei, wobei sie dann mit einem völlig Unbekannten im Nebenzimmer ungeschützten Sex hat. Ja, gibt’s alles, die meisten Teenager machen Alkohol-Experimente, aber: das Selbstbild? Ich musste mich durch’s Buch quälen, von wenigen Passagen ausgenommen, blieb ratlos zurück. Und: warum der „Rebecca“-Touch, der die Ich-Erzählerin namenlos lässt? Warum wird das afrikanische Land für Aimees Projekt nie genannt – ich war irgendwann ganz fixiert auf die Identifikation (wohl Gambia, auf S. 303 wird dessen Hauptstadt Banjul genannt, die Beschreibung des Königs passt https://de.wikipedia.org/wiki/Yahya_Jammeh). Nein, ich denke, dass muss man nicht lesen. Es blieb mir fern, war mir zuletzt zu viel Gejammer aus den Perspektiven von drei Protagonistinnen, denen es eigentlich doch hätte gut gehen können. Nur zwei Sterne von fünf, trotz der Sprache.   Edit: Als Alternativbuch ist mir sehr im Nachgang eingefallen: https://www.lovelybooks.de/autor/Karine-Tuil/Die-Zeit-der-Ruhelosen-1409147396-w/rezension/1447175972/1447177221/ Frankfreich. Auch Einwanderer-Nachkommen, und was man der Herkunft (nicht?) entrinnen kann - wobei das nur einer von drei Haupt-Protagonisten ist. Auch Identität, auch - u.a. - schwarze Identität, wenn auch erweitert um weitere Komponenten. Das Buch ist nicht schwafelig.

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    • 6
  • Kopfgeburt

    Swing Time

    rumble-bee

    14. September 2017 um 12:26

    Das ist sie nun also, die große Zadie Smith. Schon so viel hatte ich von ihr gehört. Seit ihrem Erfolg „White Teeth“ wird sie in ihrem Heimatland Großbritannien ja  regelrecht hochgejubelt. So war ich einerseits erfreut ,  das Buch zu gewinnen, sah mich andererseits aber auch einem gewissen „Erfolgsdruck“ gegenüber,  es zu mögen. Nun bin ich zwar nicht direkt enttäuscht, bleibe aber doch – nach einer langen, quälenden, oft unterbrochenen Lektüre – ein wenig ratlos und überfahren zurück. Das liegt zum einen daran, dass ich einfach nicht herausgefunden habe, was das Buch von mir wollte. Es hat Stoff genug für – gefühlt  - 10 Romane , entscheidet sich aber für keinen davon mit ganzem Herzen. Da wäre zum einen die Geschichte einer Mädchenfreundschaft, über Jahrzehnte hinweg. Dann wieder der Ansatz eines klassischen Entwicklungsromans, eine „coming of age“-Geschichte der Ich-Erzählerin. Möglicherweise auch eine Parabel über Erfolg und Misserfolg  - eines der Mädchen wird Tänzerin, die andere nicht. Dann eine schier unendliche Phalanx möglicher politischer Ansätze  - Vorstädte, Chancengleichheit oder deren Fehlen, Schwarz vs. Weiß,  Kriminalität,  und so weiter. Dann der  Medienboom im England der 90er Jahre. Das stressgeplagte und seltsam entrückt Leben eines internationalen Popstars  (für den die Erzählerin später arbeitet ). Und nicht zuletzt die Schilderung  eines gut gemeinten, letztlich aber oft fehlgeleiteten Entwicklungshilfeprojekts in Afrika. Ich bin schon beim Aufzählen ganz außer Puste. Man fühlt sich als Leser thematisch oft überfordert. Dazu kommt noch die seltsam distanzierte Erzählweise der Autorin. Die Ich-Erzählerin bleibt die ganze Zeit über namenlos, was einerseits gewollt sein mag, mich aber andererseits in dem ganzen Wust an politischen und gesellschaftlichen Ansätzen zusätzlich irritiert hat. Auch der seltsam lakonische Ton machte mich zunehmend fahrig  und unaufmerksamer. Selbst bei der Schilderung gröbster Missstände kann sich die Erzählerin kaum mal zu einer Wertung aufraffen. Zu den größten Rätseln gehört dabei für mich ihre Freundschaft zu Tracey, dem anderen schwarzen Mädchen aus dem Viertel. Für mich handelt es sich hier gar nicht wirklich um eine Freundschaft, eher um eine Zweckgemeinschaft, die von Dominanz und emotionaler Ausbeutung geprägt ist. Viele erzählerische Fäden laufen ins Leere, oder beziehen keine eindeutige Stellung. Der Popstar ist exzentrisch und überzogen, die Lehrer und Sozialarbeiter weltfremd, das Entwicklungshilfeprojekt scheint mal mehr, mal weniger zu gelingen. Keine einzige Figur war mir wirklich sympathisch, nichts hat mich wirklich berührt. Die Geschichte zerfasert zunehmend durch ständige Zeitsprünge, und groß angekündigte Vorausdeutungen verpuffen wirkungslos. Die Geschichte der Mädchenfreundschaft hätte dabei noch die größte Chance gehabt, zum Bedeutungsträger des Buches zu werden – doch auch hier bleibt alles im Ungefähren. Keiner ist wirklich Gewinner oder Verlierer. Das Ende bleibt völlig offen. Ich will der Autorin gerne zugestehen, dass sie eine gehaltvolle und metaphernreiche Sprache benutzt. Auch muss sie unglaublich recherchiert haben, allein für die zahlreichen politischen Blickwinkel. Ich habe jedenfalls noch kein Buch erlebt, bei dem selbst der Kauf von Ballettschläppchen oder der Verzehr von gewissen Nachspeise zum Politikum wird. Das habe ich teilweise auch als ungeheuer anstrengend empfunden. Im Nachhinein fühle ich mich,  als hätte ich kein Buch gelesen, sondern ein Kind mit ADHS gehütet. Ich mag lieber die unaufdringliche Bedeutsamkeit, die sich aus sich selbst heraus ergibt. Warum ich dennoch bei drei Sternen lande? Weil ich das unzweifelhafte schriftstellerische Talent der Autorin anerkenne, und weil ich gehaltvolle Sprache schätze. Und weil ich eine Vielzahl an möglichen Bedeutungsebenen zumindest erahne. Aber das Buch bleibt für mich eine „Kopfgeburt“, das sich nicht an wirkliche Leser, sondern an Feuilletonisten richtet. 

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    • 3
  • Ein zu viel und zu wenig zugleich

    Swing Time

    Betsy

    12. September 2017 um 16:10

    „Doch für mich war ein Tänzer ein Mensch, der nirgendwo herkam, der keine Eltern und Geschwister hatte, keine Nation und kein Volk, keinerlei Verpflichtungen, genau diese Eigenschaft war es, die mir so gefiel. Alles andere, die ganzen Einzelheiten, verschwanden dahinter.“Eine namenlose Ich-Figur erzählt vom Beginn ihrer Freundschaft mit einem anderen farbigen Mädchen namens Tracey, die sich beide beim Ballettunterricht das erste Mal begegnen. Es ist eine ungewöhnliche Freundschaft, da beide Mädchen sehr verschieden sind, dennoch verbindet sie auch einiges miteinander, wie ihre Hautfarbe, ihre Liebe zum Tanz und zu Musicals. Während Tracey unglaubliches Talent zum Tanzen besitzt, hat die Ich-Erzählerin ein großes Gesangstalent. Beider Leben verläuft anders als erwartet und auch wenn ihre etwas eigenwillige Freundschaft mit dem Heranwachsen zu schwinden scheint, verlieren sie sich dennoch nie gänzlich aus den Augen.Ein Buch, das mich doch ein wenig enttäuscht zurücklässt. Anders als erwartet geht es nicht unbedingt um eine ganz besonders innige Freundschaft, sondern es zeigt eher wie sich Freundschaften verändern und wieviel Einfluß diese auch Jahre später noch haben können. Auch die Musik und der Tanz spielen zwar das ganze Buch hindurch eine Rolle, aber eher als Bindeglied zwischen all den anderen Dingen die hier vorkommen. Ganz klar ist mir leider nicht geworden, worauf genau die Autorin hier hinaus wollte, da hier einfach ein klares zu viel an Themen hineingepackt worden ist. Angefangen von Arm/Reich, Herkunft und Hautfarbe, Chancengleichheit, Drogen, Alkohol, Sex und Missbrauch bis hin zu Bildung, Erwachsenwerden, Politik, Religion, Selbstaufgabe, Feminismus usw.„Wenn man arm ist, muss man jede Phase durchdenken. Reichtum ist das Gegenteil. Mit Reichtum darf man gedankenlos sein.“Anfangs bekommt man einen guten Einblick davon wie die Ich-Erzählerin aufwächst, mit all ihren Träumen, der ehrgeizigen Mutter, die mehr vom Leben will, während der Vater ganz zufrieden damit ist und auch von der beginnenden Freundschaft mit Tracey. Großes Manko ist hier von meiner Seite aus, dass man erst am Ende des 1. Abschnitts erfährt wie alt die Mädchen sind, besonders weil es hier schon um Themen wie Sexualität geht, wo man im Nachhinein doch erstaunt über das Alter ist. Leider bleibt es dann auch recht einseitig, da nur eines der Mädchen hier die Geschichte erzählt, wo gerade so einiges aus Tracey Sichtweise sehr interessant gewesen wäre zu erfahren, besonders zum besseren Verständnis von ihr.Darüber hinaus fällt es auch etwas schwer sich komplett in die Geschichte hineinfallen zu lassen, da man zwar gute Einblicke in das Umfeld bekommt, aber man hadert und fiebert nicht wirklich mit, weil die Figuren selbst nicht gerade sympathisch sind und sie einem damit auch nicht sonderlich ans Herz wachsen. Auch wird alles dann recht emotionslos erzählt, sodass man trotz der Hülle an Problemen und den durchaus wichtigen Inhalten, dennoch immer Distanz wahrt. Dazu sorgt dann noch der extrem monotone Schreibstil, der einem beim Lesen zeitweilig fast schon etwas einschläfert, dafür, dass der Lesefluß immer wieder gestoppt wird, da man sich teilweise enorm konzentrieren muss um beim Lesen um nicht einfach in Gedanken abzudriften, weil es einfach immer weiter so dahinplätschert. Neben dem faden Stil der Geschichte sind es auch die Zeitenwechsel, die einen anfänglich durchaus verwirren können, da es einem besonders zu Beginn nicht immer leichtfällt sich bei einem erneuten Wechsel gleich zurechtzufinden. Irgendwann wird dann der Kreis bis zur Gegenwart geschlossen, aber manches bleibt irgendwie im Raum schwebend stehen und auch das Ende wirkt unvollendet.Generell wird die Geschichte zwar aus der Ich-Perspektive erzählt, stellt aber gleichzeitig 4 andere Frauenfiguren in den Mittelpunkt, angefangen von der Mutter der Ich-Erzählerin (die warum auch immer, ebenfalls namenlos bleibt), der Kindheitsfreundin Tracey, der Künstlerin Aimée und einer jungen Frau in Afrika, die alle Einfluss auf die Erzählerin haben. Es bleibt ein wenig unklar warum die Erzählerin auch am Ende keinen Namen erhält, aber ein Grund dafür könnte sein, dass sie selbst bei den starken Frauenfiguren in ihrem Leben quasi verschwindet und selbst kein eigenes, freies Leben hat bzw. gar nicht weiß wer sie wirklich ist und was sie will. Zwar zeigt die Ich-Erzählerin hier eine Entwicklung auf, da sie anfängt die Dinge mehr zu hinterfragen, aber ihre Reaktionen sind teils dadurch bedingt, dass sie sich ins Abseits gedrängt fühlt und die Aufmerksamkeit vermisst. Es ist ein hin- und her mit ihr, einerseits kann man sie verstehen, aber andererseits will man sie zeitweise einfach nur schütteln und anschreien, besonders weil sie soviel einfach hinnimmt und selbst nicht immer logisch handelt.Es ist ein Buch ohne große Gefühlsduselei, in der definitiv die Frauen im Vordergrund stehen, aber auch die Entwicklung der Gesellschaft an sich in punkto Chancengleichheit, Mode, Musik, Technik usw., samt den damit einhergehenden Veränderungen und wie die Frauen hier damit umgehen bzw. wie es ihr eigenes Leben beeinflusst.Fazit: Ein Buch mit einem Inhalt, der einfach zu komplex an Themen ist um wirklich punkten zu können und man als Leser scheinbar mit jedem Problem konfrontiert wird, das es auf der Welt zu geben scheint. Letztendlich weiß man daher auch gar nicht so recht was man damit anfangen soll, besonders weil der Schluss selbst irgendwie so nichtssagend erscheint. Generell ist der Inhalt eher eine Reise der Ich-Erzählerin zu ihren Wurzeln und dem Sinn ihres Lebens, als eine reine Freundschaftsgeschichte. Des Weiteren ist die Geschichte sehr nüchtern geschrieben, sodass wenig bis gar keine Emotion beim Lesen aufkommt und es einfach schrecklich monoton bleibt, sodass man oftmals Mühe hat den Inhalt zu erfassen, weil man gedanklich wieder mal abgeschweift ist. Definitiv kein einfaches Buch, das zwar durchaus wichtige und interessante Themen aufbereitet und zum Nachdenken anregt, besonders wenn es um Hautfarbe und Herkunft geht, aber sich immer mehr in weiteren Missständen verliert und vieles zu oberflächlich bleibt.

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    • 3
  • Interessante Themen, jedoch schwach umgesetzt.

    Swing Time

    Stephi90

    09. September 2017 um 08:30

    Cover:Das Cover sticht dem Leser sofort ins Auge. Der Name der Autorin ist genauso groß geschrieben, wie der Titel des Buches. Am Anfang etwas verwirrend. Aber man gewöhnt sich dran. Die Rückseite des Buches finde ich sehr gut gelungen. Durch die einzelnen Abschnitte weiß man sofort, um was es in dem Buch geht.Inhalt :In dem Buch lernen sich zwei Mädchen bei einer Tanzstunde kennen, die aus unterschiedlichen Familien kommen kennen. Das eine Mädchen wuchs ohne Vater auf, das andere Mädchen hat eine strenge Mutter und einen lockeren Vater. Die beiden werden Freundinnen.Beide Mädchen verfolgen den Traum, Tänzerin zu werden. Als sie Erwachsen sind verlieren, die beiden sich aufgrund eines Streits aus den Augen.Fazit:Ich habe mir mehr von dem Buch erhofft. Teilweise hat es sich beim Lesen wirklich in die Länge gezogen. Die Themen, wie z.b. die Unterschiede der Hautfarben, Tanz und Musik sowie auch Freundschaft fand ich super interessant. Doch leider kam für mich nicht wirklich Spannung auf.Die Autorin schreibt sehr flüssig, jedoch schafft ihr es nicht den Spannungsbogen zu halten und den Leser zu fesseln. Den Charakteren jedoch verleiht sie allen eine gewisse Tiefe und man erfährt als Leser viel von den einzelnen Protagonisten. "Swing Time" ist definitiv keine leichte Lektüre, man muss sich beim Lesen schon sehr konzentrieren, um dabei zu bleiben. Mir ist leider aufgefallen, dass auch ich manchmal abgeschweift bin in Gedanken, aber einfach, weil mich das Buch nicht so wirklich gefesselt hat. Es gibt Bücher, das kennt ihr sicher, die nimmt man in die Hand, und will sie sofort in einem Rutsch durchlesen. Bei diesem Buch war ich leider froh als ich es beendet hatte.

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  • Swing Time - Identitätssuche

    Swing Time

    sabine3010

    02. September 2017 um 19:13

    Inhalt:Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancengleichheit.Fazit:Ein Buch über eine junge Frau, die auf der Suche nach der eigenen Identität ist - eine tolle Lektüre, die viel Unterhaltung bietet und den Leser auch nach dem Lesen noch eine Weile beschäftigt bzw. zum Nachdenken anregt. In einigen Abschnitten hat das Buch auch seine Schwächen - etwas langwierig oder Wendungen, die nicht nachvollziehbar waren für mich - sprich der rote Faden durch das Buch hindurch fehlte mir etwas. Aber im Großen und Ganzen wurde das Thema toll umgesetzt und das Buch ist absolut empfehlenswert, wenn man ein Interesse für die Thematik zeigt.

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  • Rhythmus, Blues und Wurzeln

    Swing Time

    Leserin3

    02. September 2017 um 15:54

    Die meisten Mädchen träumen vom Ballett, vom Tanzen, vom Ruhm, so auch zwei farbige aus der gleichen Wohngegend, aus ähnlichem Milieu. Doch ihre Talente und in der Folge ihre Lebensläufe entwickeln sich auseinander. Der Beginn des Buches deutet ein grosses Scheitern an, doch mit der Ballettschule kann es nichts zu tun gehabt haben, ist doch die Ich-Erzählerin, deren Namen wir bis zuletzt nicht erfahren, längst kein Kind mehr. Die erwähnte Schmach ist jedoch der Auftakt zu einer Reihe von Rückblicken in eine verwirrende Kindheit zwischen Marx, Rassenfragen und dem Streben nach Höherem. Die Tochter soll es besser haben, und dafür geben die Eltern ihr Bestes. Dass genug nie genug ist, das ist leider eine Tatsache, insbesondere, wenn man schwarz ist und mehr als andere zu kämpfen hat. Einmal mehr zeigt sich, dass die Weissen noch weit davon entfernt sind, Menschen mit anderer Hautfarbe als gleichwertig einzustufen, sodass Ausgrenzung zum Alltag der Erzählerin und ihrer Freundin Tracy. In die Welt der grossen Popstars darf sie zwar vom Bühnenrand aus einen Blick werfen, aber dazu gehören wird sie nie. Hingegen ändern sich Rhythmus und Musik, als sie in Westafrika eine Stiftung für Mädchen überwachen soll, denn hier mischen sich erschreckende Töne ein. Tragisch ist, dass es der Erzählerin nie gelungen ist, sich dem Licht anderer anzuschliessen, sondern dass sie sich immer nur als Schatten empfunden hat. Das Cover ist sehr ansprechend: Farbig abgesetzte Buchstabenteile vermitteln den Eindruck von Bewegung, Rhomben deuten auf afrikanische Stoffmuster hin. Die Vielfalt der im Buch genannten Tänze weist darauf hin, dass Tanz im Leben der Protagonisten auch dann noch eine grosse Rolle spielt, wenn diese längst einen völlig anderen Beruf ergriffen haben. Alles in allem: Die Zadie Smith-Leser dürfen sich zurecht auf ihr neuestes Werk freuen, wenn es auch in einer etwas braveren Sprache geschrieben wurde. Vielleicht liegt es ja an der Übersetzung.

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  • Swing Time

    Swing Time

    Buecherschmaus

    29. August 2017 um 09:52

    Es gibt Autorinnen/Autoren die stets das gleiche Buch schreiben, stets zum gleichen Sujet greifen, denselben Ton wahren. Das ist in seltenen Fällen (ich denke da zum Beispiel an Patrick Modiano) spannend und beglückend, viel öfter aber ein Zeichen mangelnder Kreativität oder künstlerischer Fähigkeit. Die britische Autorin Zadie Smith hat auch ein Thema, das sie immer wieder umtreibt und zudem sind ihre Romane meist in dem Teil Londons verortet, aus dem sie selbst stammt, dem Nordwesten. Und doch schafft sie es, jedes Mal ein gänzlich neues Buch zu schaffen.Schaut man sich die beiden letzten Romane an, das 2012 auf Deutsch erschienene London NW und das unlängst hier veröffentlichte Swing Time, so unterscheiden sich die verhandelten Themen gar nicht so sehr. In beiden geht es um eine Mädchenfreundschaft, in der Kinder aus recht verschiedenen Milieus entstammen, es geht um die Bedeutung von Herkunft, hier auch explizit der der Hautfarbe, die Wirkung der verschiedenen Stellschrauben, die durch Erziehung, Umfeld oder auch einfach durch Glück und Zufall an ein Leben angesetzt werden. Verhandelt wird in beiden auch die Möglichkeit oder auch Unmöglichkeit des Aufstiegs, gerade auch in den unterschiedlichen Ebenen der Mittelschicht, die Veränderungen in Stadt und Gesellschaft, die Auswirkungen der Globalisierung.Und doch ist Swing Time doch so ein gänzlich anderes Buch als sein Vorgänger. War dieser sehr rasant und experimentell geschrieben, so kommt der neue Roman eher konventionell erzählt daher. Gab es dort eine Polyphonie der Stimmen, einen an James Joyce geschulten Bewusstseinsstrom, so haben wir hier eine Ich-Erzählerin, die aus einer Rahmenhandlung heraus ihre Geschichte rückblickend erzählt. Das ist nicht weniger kunstvoll und souverän gemacht, Zadie Smith versteht ihr Autorenhandwerk perfekt, verflicht unterschiedliche Zeitebenen gekonnt und abwechslungsreich, aber es ist deutlich „braver“ und zugänglicher. Das soll ausdrücklich kein negatives Urteil sein, siehe oben, ich bewundere solch Vielseitigkeit. „Wechselt die Musik, ändert sich der Tanz“. Dieses Sprichwort der Haussa ist das Motto des Buches. Um Tanz dreht es sich unter anderem. Es scheint mir aber auch perfekt zu seiner „Andersartigkeit“ zu passen.Schon der Prolog zeigt, dass die Geschichte der bis zuletzt namenlosen Ich-Erzählerin und ihrer Freundin Tracey aber nicht einfach chronologisch heruntererzählt wird. Die junge Frau, sie muss altersmäßig so in den 30ern sein, ist nach ihrer „Schmach“, der fristlosen Entlassung aus den Diensten eines weltweit erfolgreichen Pop-Superstars, aus New York in ihre Heimatstadt London zurückgekehrt. Belagert von Journalisten schleicht sie sich aus ihrer „Übergangswohnung“ und streift ziellos durch die Straßen. Zufällig kommt sie an der Royal Festival Hall vorbei und geht spontan zu einer Veranstaltung. Drinnen läuft ein Filmausschnitt, der sie abrupt in ihre Kindheit versetzt. Fred Astaire tanzt in „Swing Time“ mit drei Schatten um die Wette. Es war einer der Filme, die sie sich als Kind zusammen mit ihrer Freundin Tracey wieder und wieder angeschaut hat, von einer Karriere als Tänzerin träumend, die Schranken durchbrechend, die ihnen als farbige Mädchen der unteren Mittelschicht immer wieder gesetzt wurden. Ginger Rogers und Fred Astaire ihre großen Idole. Aber auch Michael Jackson mit seinen neuesten Videoclips. Doch die Erzählerin kommt nicht nur ins Erinnern.„Mir wurde eine Wahrheit offenbar: dass ich immer versucht hatte, mich an das Licht anderer anzuschließen, dass ich selbst nie ein Licht in mir gehabt hatte. Ich erlebte mich als eine Art Schatten.“Eine bittere Erkenntnis. Aber eine weitere ereilt sie, als sie abends die Filmszene erneut in Internet anschaut, etwas, dass sie weder in der Vorstellung registrierte, noch aus den Kindheitserinnerungen memorierte: Fred Astaire tanzte mit „geschwärztem“ Gesicht eine Art Minstrel Show oder auch Blackface, in der Weiße schwarze Stereotypen darstellten. Was wie eine kleine Eingangsepisode erscheint, ist doch auch Bild für eines der großen Themen des Buchs, das der Hautfarbe und der damit zusammenhängenden Zugehörigkeit, die sich für die Mädchen besonders kompliziert darstellt, hat doch das eine (die Erzählerin) eine dunkelhäutige, aus Jamaika stammende Mutter und einen weißen Vater, die andere einen schwarzen Vater und eine weiße Mutter. Eine Tatsache, die sie zusammenschweißt. Aber ihre Freundschaft ist alles andere als unbelastet. Beide spiegeln sich immerfort ineinander, was die Autorin dadurch plastisch macht, dass sie einander genau gegenüber wohnen. Beide fühlen sie die Abgrenzung, die sie von den überwiegend weißen Mädchen in ihrer Schule trennt. Beide unterscheiden sich aber nicht nur in ihrem Talent für ihre große Liebe Tanz – Tracey hochbegabt und ehrgeizig, die Erzählerin voller Enthusiasmus, aber mit „Plattfüßen“ -, sondern auch durch ihr Elternhaus. Entstammen sie zwar in etwa der gleichen sozialen Schicht, ist doch die Mutter der Erzählerin sehr um Bildung und Erziehung bemüht, wird allmählich zur erfolgreichen Politikerin aufsteigen, der Vater ist Postbote und kümmert sich rührend um sein Tochter. Traceys Mutter ist zwar sehr fürsorglich, tendiert in ihrer Passivität und Vulgarität aber eindeutig zur Unterschicht, der Vater ist Kleinkrimineller, der die Familie verlassen hat und immer wieder im Gefängnis landet. Die beiden Mädchen sind als zwei sich gegenüberstehende Pole geschaffen. Das hat natürlich etwas Konstruiertes. Zadie Smith ist eine sehr engagierte, gesellschaftspolitisch sehr rührige Autorin. Auch hier geht es ihr um eine Aussage, benutzt sie die Handlung des Buches dazu, gesellschaftliche Verhältnisse darzustellen und sich dazu kluge Gedanken zu machen. Sie ist in all ihren Büchern eher eine Autorin der Vernunft als des Gefühls. Trotzdem lesen sich ihre Romane immer auch unterhaltsam und vor allem auch witzig. Es ist ein untergründiger, oft auch leicht bitterer Humor. Das ist bei Swing Time nicht anders.Während Tracey trotz ihres Talents nur mittelmäßige Engagements ergattern kann, erhält die Erzählerin mit einer guten Portion Glück die Stellung einer Assistentin des Popstars Aimee, lernt die Welt der Superreichen kennen und jettet um die Welt. Dieser Handlungsstrang ist meiner Meinung nach der deutlich schwächste des Buches. Die Schilderungen sind zwar sicher gut recherchiert, aber oft zu plakativ. Madonna fungiert dabei zu deutlich als Vorbild, auch wenn Aimee aus Australien stammt. Eindringlicher wird es wieder, wenn die Erzählerin im Auftrag ihrer Chefin in Westafrika die Stiftung einer Mädchenschule überwachen soll. Den Zwiespalt den sie dort als „Weiße“ erfährt, lassen sie erneut über Zugehörigkeit nachdenken. Zudem bietet sich die Gelegenheit, die Probleme dieser Weltregion, besonders das der Abwanderung vornehmlich der jungen Männer, die nur noch Ausweglosigkeit in ihrer Heimat sehen, die Gefahr der Islamisierung und die allgegenwärtige Korruption anzusprechen – vielleicht versucht Zadie Smith ein wenig zu viele Themen anzusprechen. Meiner Meinung nach gelingt ihr das aber sehr gut und berührend, indem sie von dieser fernen afrikanischen Region ein genauso stimmiges Bild entwirft wie wir das von den Londoner Stadtteilen Kilburn und Willesden von der Autorin kennen. Diesmal spielt ein Teil der Handlung auch in Zadie Smith derzeitigem Wohnort New York.Dass sich die Erzählerin in ihrem Gefühl „dazuzugehören“, Teil der Welt von Aimee, vielleicht sogar ihre Freundin zu sein, bitter getäuscht hat, eigene Familienpläne nie gemacht, das Verhältnis zu ihren Eltern vernachlässigt hat, merkt sie erst sehr spät, als sie nicht mehr in Aimees Konzept passt, ihren Unmut auf sich zieht, gnadenlos geschasst wird.Swing Time ist vielleicht nicht Zadie Smiths bestes Buch, hin und wieder schleicht sich besonders im Mittelteil die eine oder andere Länge ein. Bei seiner Themenfülle, seinem klugen Aufbau, seinen wichtigen Gedanken und dem souveränen Schreibstil der Autorin ist das aber Kritik auf allerhöchstem Niveau. 

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  • Für mich leider enttäuschend, da ich was anderes erwartet habe

    Swing Time

    Buchverschlinger2014

    28. August 2017 um 22:24

    Eigentlich geht es in "Swingtime" von Zadie Smith um 2 Freundinnen, die beide Außenseiter sind und die sich über ihren gemeinsamen Traum Tänzerin zu werden kennenlernen. Doch nur eine schafft es wirklich ihren Traum zu verwirklichen, während die andere die persönliche Assistentin (oder besser Sklavin) einer bekannten Sängerin wird. Auch wenn sich die beiden Lebenswege so unterschiedlich entwickeln, verlieren sich die beiden Freundinnen aus Kindertagen nie ganz aus den Augen. Ehrlicherweise hat mich das Buch ziemlich enttäuscht. Erstens geht es fast ausschließlich das den Lebensweg einer namenslose Ich-Erzählerin und ihre Freundschaft zur Tänzerin kommt mir dabei zu kurz, auch wenn sie im Erwachsenen Leben kaum Kontakt mehr haben. Der fehlende Name macht die Ich-Erzählerin für mich irgendwie abstrakt und ich konnte mich nicht mit ihr identifizieren. Zweitens hat mich der häufige und abrupte Wechsel von der Gegenwart zur Vergangenheit gestört, da mir dadurch der Lesefluss und die Entwicklung der Personen unterbrochen wurde. Aus diesem Grund kann ich persönlich dieses Mal nur 2 Sterne vergeben.

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