Zana Fraillon

 4.5 Sterne bei 25 Bewertungen

Alle Bücher von Zana Fraillon

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Zana FraillonWenn nachts der Ozean erzählt
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Wenn nachts der Ozean erzählt
Wenn nachts der Ozean erzählt
 (17)
Erschienen am 14.05.2018
Zana FraillonMonstrum House - Haus des Grauens
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Monstrum House - Haus des Grauens
Monstrum House - Haus des Grauens
 (5)
Erschienen am 07.08.2012
Zana FraillonBestie aus der Tiefe
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Bestie aus der Tiefe
Bestie aus der Tiefe
 (2)
Erschienen am 06.06.2013
Zana FraillonMonstrum House, 2, Angriff der Monster
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Monstrum House, 2, Angriff der Monster
Monstrum House, 2, Angriff der Monster
 (1)
Erschienen am 04.03.2013
Zana FraillonMonstrum House - Bestie aus der Tiefe
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Monstrum House - Bestie aus der Tiefe
Monstrum House - Bestie aus der Tiefe
 (0)
Erschienen am 06.06.2013
Zana FraillonLocked in
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Locked in
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 (0)
Erschienen am 01.09.2011
Zana FraillonWhen No-One's Looking on the Farm
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When No-One's Looking on the Farm
When No-One's Looking on the Farm
 (0)
Erschienen am 01.06.2012
Zana FraillonWhen No-One's Looking at the Zoo
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When No-One's Looking at the Zoo
When No-One's Looking at the Zoo
 (0)
Erschienen am 01.06.2012

Neue Rezensionen zu Zana Fraillon

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LimaKatzes avatar

Rezension zu "Wenn nachts der Ozean erzählt" von Zana Fraillon

Ein wichtiger und wertvoller Roman über Freundschaft, Freiheit und Menschlichkeit.
LimaKatzevor einem Jahr

Buchbeschreibung:

Ein Buch über Freiheit, Hoffnung und die heilende Kraft von Geschichten.
Subhi ist ein Flüchtlingskind, geboren in einem Auffanglager. Seine Welt beschränkt sich auf einen staubigen Flecken Erde hinter einem Maschendrahtzaun. Aber wenn alle schlafen, dann träumt Subhi vom Nachtmeer, das zu seinem Zelt kommt und ihm Schätze bringt. Eines Tages bringt es ihm Jimmie. Das Mädchen Jimmie lebt auf der anderen Seite des Zauns, fühlt sich jedoch genauso verloren und einsam wie Subhi. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird. Am Ende müssen beide mutiger sein als je zuvor, um sich und der Welt neue Hoffnung zu geben.


Zum Inhalt:

Der neunjährige Subhi lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester Queeny im Familienzelt eines Auffanglagers, in dem verdorbenes Essen und Gewalt an der Tagesordnung sind. Und damit sind nur zwei der Schrecken genannt, die Subhis Leben im Flüchtlingslager ausmachen. Seine Schwester brachte ihm einst das Lesen und Schreiben bei, und seitdem liest der empfindsame Junge alles, was ihm zwischen die Finger kommt. Dadurch erhält er zumindest eine vage Vorstellung von der Welt hinter dem Stacheldrahtzaun. Außerdem liebt Subhi die Geschichten und Erzählungen der Alten, denn sie sind voller Erinnerungen an ein Leben außerhalb des Lagers. Erinnerungen, die er nicht haben kann, denn Subhi wurde in diesem Auffanglager geboren.

Eines Nachts steht das Mädchen Jimmie vor ihm, ganz urplötzlich, wie eine aus dem Boden gewachsene Erscheinung. Aber das taffe Mädchen ist kein Geschöpf seiner ausgeprägten Phantasie, sondern Realität, und: Sie kommt von draußen! Jimmie kann trotz ihrer zehn Jahre noch immer nicht lesen. Die Mutter ist vor drei Jahren verstorben, und dem Vater und ihrem Bruder verheimlichte sie bisher ihre Leseschwäche. Jimmie hat ein Buch von ihrer Mutter, welches sie wie einen Schatz hütet. Aus diesem Buch lässt sie sich von Subhi vorlesen. Bei jedem ihrer geheimen Treffen gelingt es den beiden Kindern, ihre Einsamkeit für kurze Zeit zu vergessen und es entsteht eine innige Freundschaft.

Aber dann überschlagen sich die Ereignisse: Subhis geliebte Mutter will eines Tages gar nicht mehr aufwachen, sein bester Freund fasst einen gefährlichen Plan, und obendrein wird Jimmie sehr krank. Subhis bisherige Welt gerät völlig aus den Fugen und er steht vor schweren Entscheidungen...


Mein Fazit:


In „Wenn nachts der Ozean erzählt“ hat die australische Autorin Zana Fraillon das hochaktuelle und brisante Thema Flüchtlinge in ein Jugendbuch gepackt. Eine sicherlich schwierige Aufgabe, die ihr aber hervorragend gelungen ist, und dieses wertvolle Buch nicht nur für junge Leser, sondern auch für Erwachsene sehr lohnenswert macht. Darüber hinaus ist der anspruchsvolle Roman sicherlich eine Bereicherung für jede Schulbibliothek, mit viel Diskussionsstoff für einen lebhaften Unterricht.

Auch wenn das Erzählte im Buch frei erfunden ist, entspricht leider vieles einer traurigen Realität. Im Vordergrund steht die Geschichte von Subhi, sein Leben in diesem furchtbaren Flüchtlingslager, und die Bedeutung von Freundschaft, Freiheit und Menschlichkeit. Beiher wird aber auch das harte Leid der Rohingya angesprochen. Die Rohingya sind eine muslimische Volksgruppe in Myanmar. Eine unterdrückte Minderheit, die in der eigenen Heimat verfolgt wird und auch woanders unerwünscht ist. Ein Konflikt, von dem die Welt wenig mitbekommt.

Der tapfere und liebenswerte Hauptprotagonist Subhi ist mir schnell ans Herz gewachsen, ebenso wie die kleine kesse Jimmie. Das Tun und die Gedankengänge der Kinder beschreibt die Autorin sehr einfühlsam, dadurch sind deren Emotionen für den Leser verständlich und nachspürbar. Die Geschehnisse im Lager werden zwar schonungslos und wirklichkeitsnah vermittelt, auf der anderen Seite gibt es wunderschöne Passagen im Buch, die poetisch und märchenhaft anmuten. Diese Stellen lockern den schwer verdaulichen Lesestoff auf und machen viel Freude.

Insgesamt gesehen war dieser Roman für mich ein äußerst beeindruckendes Leseerlebnis, welches mich zutiefst berührt und erschüttert hat. Die Autorin selbst sagt über ihr Buch, sie wünschte, dass sie es nie hätte schreiben müssen. Nach der Lektüre kann man ihr nur zustimmen und ich persönlich empfinde Hochachtung für ihr aufrüttelndes Werk. Sehr gerne vergebe ich hier voller Überzeugung fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus!

Kommentare: 10
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Toscas_little_bookworlds avatar

Rezension zu "Wenn nachts der Ozean erzählt" von Zana Fraillon

Jeder sollte es lesen!
Toscas_little_bookworldvor einem Jahr

Hier kommt ihr zur Originalrezension: http://ourfictionalrealities.blogspot.de/2017/05/rezension-zu-wenn-nachts-der-ozean.html

Inhalt:
Subhi hat schon immer im Flüchtlingslager gelebt; er wurde dort geboren und hat noch nie etwas von der Welt außerhalb des Zauns gesehen. In manchen Nächten kommt das Nachtmeer bis zu seinem Zelt und bringt im Schätze, und eines Tages bringt es ihm Jimmie, die sich häufig genauso verloren fühlt wie er und von der anderen Seite des Zauns kommt. Zwischen den beiden entsteht eine zarte Freundschaft, die Subhi jedoch nicht vor der Grausamkeit, die im Camp herrscht, schützten kann.

Meine Meinung:
Ich glaube fest daran, dass es Bücher gibt, die diese Welt besser machen können. Und zu genau diesen Büchern zählt "Wenn nachts der Ozean erzählt". Die Geschichte ist auf der einen Seite sehr sensibel erzählt, auf der Anderen aber auch brutal ehrlich, da man sich beim Lesen immer wieder vor Augen führt, dass das Ganze nicht einfach nur Fiktion ist, sondern Realität.
Zu Beginn der Geschichte wird dem Leser sofort des Leben im Lager beschrieben und man kann sich sofort das unvorstellbare Leid der Bewohner vorstellen. Für mich war besonders der Anfang sehr berührend und aufwühlend, da ich für meinen Teil nicht wusste, dass es diese Art von Flüchtlingslagern gibt und nicht glauben konnte, dass man Menschen, die ein neues Leben anfangen wollen, auch in der Realität in einigen Ländern einfach hinter Zäunen einpfercht.
Die Geschichte ist sehr gut strukturiert und so aufgebaut, dass der Leser zuerst mit der Umgebung des Camps, dann mit den Figuren vertraut gemacht wird und dann eine immer tiefere Beziehung zu den Beiden aufbaut. Parallel dazu wird eine gewisse Spannung aufgebaut, da man genau weis, dass etwas passieren wird, auch wenn man nicht weis, was. Als es dann zu dieser Spannungsentladung kommt, kann man das Buch kaum aus der Hand legen, man hängt einfach an den Figuren und man will, man muss, wissen, was passiert
Während der gesamten Handlung musste ich das Buch - so blöd das jetzt auch klingen mag - immer wieder zur Seite legen, weil ich nicht glauben konnte, was ich da gerade gelesen hatte.
Die Hauptfigur des Romans ist der Junge Subhi. Ich konnte mich sehr gut mit ihm identifizieren, da man zwar einiges über ihn erfährt, auf der anderen Seite aber auch noch massenhaft Interpretationsfreiraum hat und ihn so mit Leben füllen kann. Er ist eine sehr sympathische Figur mit nachvollziehbaren Handlungen und Gefühlen. Gleichzeitig hat er mich häufig zum Schmunzeln gebracht; Alles in allem ist er mir beim Lesen wirklich ans Herz gewachsen.
Auch Jimmie, die zweite Hauptfigur, war mir sehr sympathisch. Meiner Meinung nach war sie ein guter Gegenpart zu Subhi, da sie sich auf der einen Seite charakterlich sehr gut ergänzt haben und man auf der anderen durch sie immer wieder den Kontrast von Subhis Leben zu Unserem gesehen hat.
Der Schreibstil, den die Autorin anwendet, ist sehr passend, da er dazu passt, dass das Buch aus der Ich-Perspektive von Subhi erzählt ist und somit nicht zu erwachsen klingt.

"Eines Tages wird Maá erkennen, dass zurückschauen genauso wichtig ist, wie nach vorne zu schauen, ganz egal, wie viel Trauriges damit verbunden ist." Quelle: "Wenn nachts der Ozean erzählt", Zana Fraillon, cbt Verlag 2017

Fazit:
"Wenn nachts der Ozean erzählt" ist ein unglaublich berührendes, aber auch aufwühlendes Buch, dass mich sehr gefesselt hat. Ich habe mit ganzem Herzen mit den Figuren mitgefiebert und war immer wieder geschockt über das, was ich dort gelesen habe.
Auch wenn das Buch für sehr weichherzige Leser vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas zu krass sein kann, möchte ich den Roman eigentlich Jedem empfehlen. Ich denke, dass er bei vielen Menschen verändern könnte, was sie über Flüchtlinge denken und wie sie diese behandeln.
Für "Wenn nachts der Ozean erzählt" vergebe ich deshalb
5 von 5 Sterne!!!

 

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SATZZEICHENs avatar

Rezension zu "Wenn nachts der Ozean erzählt" von Zana Fraillon

Geht es hinter dem Horizont weiter?
SATZZEICHENvor einem Jahr

Subhi wächst in einer Parallelwelt auf. Er wurde in einem australischen Flüchtlingslager geboren und kennt die Welt jenseits des Zaunes nicht.

Mittlerweile ist er mindestens zweiundzwanzigeinhalb Zaunlatten groß, ganz sicher, aber vielleicht auch nicht. Er ist schon länger nicht mehr gemessen worden. Das hat seine Gründe: Seine Mutter, die er liebevoll Maá nennt, ist mittlerweile fast immer müde. Früher hat sie ihm jede Menge Geschichten erzählt, und wenn er ihr etwas berichtete, hat sie gelächelt, manchmal sogar gekichert.

Seit einer Weile erzählt sie kaum noch etwas, meist liegt sie nur auf ihrem Bett, das Subhi Bett nennt, seine große Schwester Queeny aber bloß „alte Armeepritsche“, und schläft. Neuerdings hat sie auch keinen großen Hunger mehr.

Neben Maá und Queeny gibt es noch Eli, der sehr wichtig für Subhi ist. Eli ist ein Teenie und alleine, er hat keine Familie mehr. Weil er aber minderjährig ist, darf er auch ohne Familie in einem Familienzelt leben. Das klingt romantischer als es ist: In Elis Zelt wohnen siebenundvierzig Leute, in Subhis zweiundvierzig.

"Dass der Altersunterschied zwischen Eli und mir noch größer ist als zwischen Queeny und mir, ist nicht wichtig, er ist trotzdem mein bester Freund und wir erzählen uns alles. Eli sagt, wir sind sogar mehr. Wir sind Brüder."

In lakonischem Stil lässt Zana Fraillon den kleinen Subhi in ihrem Buch „Wenn nachts der Ozean erzählt“ aus dem Lagerleben berichten. Die Beklemmung, die der Leser bei all dem verspürt, ist Subhi fremd.

"Maá sagt, ich soll mir das Essen nie zu genau ansehen, und wenn ich Fliegen oder Würmer darin finde, erklärt sie mir jedes Mal, dass ich besonderes Glück habe, weil ich auf diese Art Eiweiß bekomme. Einmal habe ich sogar einen menschlichen Zahn in meinem Reis gefunden. >Hey, Maá, bringt der auch Glück?<, fragte ich und Maá sah ihn sich an und sagte: >Wenn du Zahn brauchst.< Sie lachte lange über ihren Witz."

Das Camp ist für Subhi Normalität, er kennt ja nichts anderes, der durch Zäune abgesteckte Bereich ist seine Heimat. Das hilft ihm, schützt ihn und macht ihn stark. Und doch gibt es Dinge, die ihm Angst einflößen. Als kleiner Junge hatte er Albträume, seine Mutter und seine Schwester zu verlieren. Nur zu verständlich, denn seine Mutter musste mit der kleinen Queeny an der Hand und Subhi unterm Herzen ohne ihren Mann aus Burma fliehen. Subhi kennt seinen geliebten „Ba“ nur aus Erzählungen. Er weiß, dass sein Ba verhaftet wurde, weil er Rohingya ist, und weil er früher Gedichte schrieb, die irgendwem nicht passten. Kein Wunder, dass Subhi Angst hat, auch noch den Rest seiner Familie zu verlieren.

Und dann gibt es noch die fiesen Alltagsprobleme – Aufpasser zum Beispiel, die alle Flüchtlinge nur bei ihrer Identifikationsnummer rufen und immer unfreundlich sind. Beaver ist der schlimmste von allen, denn er wurde einmal angegriffen von einem durchgedrehten Lagerinsassen. Seither hasst Beaver alle Flüchtlinge und lässt keine Chance aus, sie zu demütigen.

Der bedrückenden Atmosphäre entflieht Subhi auf seine ganz eigene Art. Er träumt sich davon. Auf wunderbare Weise unterhält er sich tagsüber mit seinem Gummi-Enterich, der ihm, es erscheint einem völlig natürlich, auch antwortet. Und nachts, ja, nachts liegt Subhi auf seiner Pritsche und träumt vom Ozean. Ganz laut hört er dann die Wellen und mit diesen Wellen kommen Geschichten und Schätze zu ihm.

Zur selben Zeit liegt Jimmie in ihrem Bett. Sie lebt auf der anderen Seite des Lagerzauns. Sie ist zehn Jahre alt, frei und ihr stehen alle Türen offen. Rein objektiv gesehen. Doch schaut man genauer hin, ist auch sie eine Gefangene. Ihre Mutter starb vor drei Jahren, seither droht der Rest der Familie im Chaos zu ertrinken. Der Vater ist durch seine Trauer wie gelähmt, der Bruder pubertär und vor allem mit sich beschäftigt.
Seit dem Tod ihrer Mutter geht Jimmie kaum noch zur Schule, denn keiner hat die Zeit, sie zum Bus zu bringen, der nur einmal am Tag kommt. Also bleibt sie meist zu Hause oder spaziert alleine durch die Nachbarschaft. Bei einem dieser Streifzüge kommt sie an den Zaun des Lagers. Und plötzlich will etwas in ihr wissen, wie es dort drin aussieht. Jeder Zaun, so sagt ihr großer Bruder, hat eine Schwachstelle – man muss sie nur finden. Eines Nachts findet sie sie. Und dann ist sie drin.

Als Subhi in genau jener Nacht nicht schlafen kann, krabbelt er aus seinem Familienzelt – und findet sich plötzlich Jimmie gegenüber. Einfach so steht dieses fremde Mädchen vor ihm. Lange schauen sie sich einfach nur an und dann beginnt eine erstaunliche Freundschaft. Denn trotz seines eingeschränkten Lebens im Lager kann Subhi nämlich etwas, was Jimmie in ihrer Freiheit dort draußen nicht gelernt hat –  lesen.

Doch wie das Leben so ist: Es gibt einem schöne Dinge, doch gleichzeitig nimmt es einem auch welche. Und so passiert am Tag nach der hoffnungsfrohen Begegnung mit dem Mädchen von draußen etwas ganz Furchtbares: Subhis bester Freund Eli muss den Familientrakt des Lagers verlassen und nach „Alpha“ umziehen. Eli, der zwar ein paar Jahre älter als Subhi ist, aber noch lange nicht volljährig.  Der Bereich „Alpha“ ist für alleinstehende Männer. Keiner versteht, was das soll. Es ist bürokratische Willkür.

"Es passiert etwas mit den Männern, wenn sie so zusammenleben, ohne ihre Familien, ohne die Möglichkeit zu arbeiten oder etwas zu lernen oder etwas zu tun, und dabei die ganze Zeit auf die Aufpasser und ihre ständig klimpernden Schlüssel hören müssen. Es verändert einen Menschen, sagt Eli."

Je schöner die nächtlichen Treffen mit Jimmie werden, umso schrecklicher wird die Situation im Lager. Während Subhi nachts Jimmie aus dem Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter vorliest und Jimmie ihm im Gegenzug heiße Schokolade in der Thermoskanne mitbringt und vom Leben jenseits des Zaunes berichtet, spitzt sich die Lage in den Flüchtlingszelten zu. Manche der seit Jahren Wartenden treten in Hungerstreik, machen Fotos vom Zustand im Lager und stellen sie ins Internet.

Doch Subhi kann sich damit nicht wirklich auseinandersetzen, er hat ein ganz anderes Problem: Eines Nachts bei einer ihrer Vorlese-Sitzungen, bemerkt er, dass Jimmie krank ist. Als sie zitternd und verwirrt nach Hause schwankt, verliert sie das Buch ihrer Mutter. Subhi nimmt es an sich und wartet darauf, dass Jimmie zurückkehrt, um es an sich zu nehmen. Doch sie kommt nicht. Und dann entdeckt er am Nachthimmel ihren vereinbarten Hilferuf: Zweimal lang blinken mit der Taschenlampe. Subhi weiß, was er tun muss …

Zana Fraillons Buch ist zu Recht für die Cilip Carnegie Medal 2017 nominiert und auf der Shortlist für den Guardian Children’s Fiction Prize 2016 gelandet. Fraillon hat viel recherchiert für ihren Roman und das merkt man. Sie kombiniert das fundierte Wissen mit Emotionen und setzt es gelungen in Szene. Man kann sich dem Charme, den der kleine Protagonist Subhi versprüht, nicht entziehen, trotz des erschütternden Themas. (Wer wissen möchte, wie sie auf das Thema kam, kann hier weiterlesen.) Offensichtlich hat Claudia Max in ihrer Übersetzung alles richtig gemacht, denn die herrliche Sprache, derer Subhi sich bedient, ist so lebendig, berührend und überzeugend kindlich, dass Inhalt und Form perfekt verschmelzen.

Es ist gleichzeitig gut und schlecht, dass „Wenn nachts der Ozean erzählt“ dem Genre Jugendroman zugeteilt wurde. Gut, weil der Titel dann hoffentlich viele junge Menschen erreicht, vielleicht auch solche, die ohne diesen wundervollen Roman eine ganz andere Meinung über das Thema Flüchtlinge hätten. Schlecht ist es, weil die Geschichte dadurch vielen Erwachsenen entgehen wird, denn wer schaut sich jenseits der zwanzig schon bei Jugendromanen nach der nächsten Lektüre um?

Ich möchte diesen kleine Schatz jedem in die Hand drücken: meinen Kindern, meinem Mann, meinen Eltern, meinen Nachbarn. Keinen kann es unberührt lassen, wenn Subhis Stimme erklingt. Und wenn alle mit ihm mitleiden und -fühlen, könnte sich viel verändern.

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