Zana Fraillon Wenn nachts der Ozean erzählt

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Inhaltsangabe zu „Wenn nachts der Ozean erzählt“ von Zana Fraillon

Ein Buch über Freiheit, Hoffnung und die heilende Kraft von Geschichten Subhi ist ein Flüchtlingskind, geboren in einem Auffanglager. Seine Welt beschränkt sich auf einen staubigen Flecken Erde hinter einem Maschendrahtzaun. Aber wenn alle schlafen, dann träumt Subhi vom Nachtmeer, das zu seinem Zelt kommt und ihm Schätze bringt. Eines Tages bringt es ihm Jimmie. Das Mädchen Jimmie lebt auf der anderen Seite des Zauns, fühlt sich jedoch genauso verloren und einsam wie Subhi. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird. Am Ende müssen beide mutiger sein als je zuvor, um sich und der Welt neue Hoffnung zu geben.

Es ist so traurig .

— Bookeater17
Bookeater17

Ein unvergessliches und wertvolles Jugendbuch über Freundschaft, Freiheit und Menschlichkeit. Großartig! ♥

— LimaKatze
LimaKatze

Die Thematik ist topaktuell, berührt und regt zum Nachdenken an!

— startbeingabooklover
startbeingabooklover

Auch wenn man klein ist, kann man große Träume haben !!!

— vannisbuchzeilen
vannisbuchzeilen

Ein ganz besonderes und wichtiges Buch über Flüchtlinge,Minderheiten, Menschenrechte,Freundschaft und Liebe. Es berührt ganz tief und bleibt

— Buecherwurmanja
Buecherwurmanja

Es transportiert auf ganz besondere Weise die Stimmung des jungen Subhi und die Stimmung im ganzen Lager. Jeder sollte es lesen!

— SATZZEICHEN
SATZZEICHEN

Prädikat: Besonders wertvoll!

— MelE
MelE

... dieses Gefühl das das Buch hinterlässt ist nur schwer in Worte zu fassen

— CarasBuecherwahn
CarasBuecherwahn

Eine starke Geschichte, die meisterhaft erzählt ist und vor allem eines tut: An die Nieren gehen!

— Svenjas_BookChallenges
Svenjas_BookChallenges

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  • Ein wichtiger und wertvoller Roman über Freundschaft, Freiheit und Menschlichkeit.

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    LimaKatze

    LimaKatze

    Buchbeschreibung:Ein Buch über Freiheit, Hoffnung und die heilende Kraft von Geschichten.Subhi ist ein Flüchtlingskind, geboren in einem Auffanglager. Seine Welt beschränkt sich auf einen staubigen Flecken Erde hinter einem Maschendrahtzaun. Aber wenn alle schlafen, dann träumt Subhi vom Nachtmeer, das zu seinem Zelt kommt und ihm Schätze bringt. Eines Tages bringt es ihm Jimmie. Das Mädchen Jimmie lebt auf der anderen Seite des Zauns, fühlt sich jedoch genauso verloren und einsam wie Subhi. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft, die auf eine harte Probe gestellt wird. Am Ende müssen beide mutiger sein als je zuvor, um sich und der Welt neue Hoffnung zu geben. Zum Inhalt:Der neunjährige Subhi lebt mit seiner Mutter und seiner Schwester Queeny im Familienzelt eines Auffanglagers, in dem verdorbenes Essen und Gewalt an der Tagesordnung sind. Und damit sind nur zwei der Schrecken genannt, die Subhis Leben im Flüchtlingslager ausmachen. Seine Schwester brachte ihm einst das Lesen und Schreiben bei, und seitdem liest der empfindsame Junge alles, was ihm zwischen die Finger kommt. Dadurch erhält er zumindest eine vage Vorstellung von der Welt hinter dem Stacheldrahtzaun. Außerdem liebt Subhi die Geschichten und Erzählungen der Alten, denn sie sind voller Erinnerungen an ein Leben außerhalb des Lagers. Erinnerungen, die er nicht haben kann, denn Subhi wurde in diesem Auffanglager geboren. Eines Nachts steht das Mädchen Jimmie vor ihm, ganz urplötzlich, wie eine aus dem Boden gewachsene Erscheinung. Aber das taffe Mädchen ist kein Geschöpf seiner ausgeprägten Phantasie, sondern Realität, und: Sie kommt von draußen! Jimmie kann trotz ihrer zehn Jahre noch immer nicht lesen. Die Mutter ist vor drei Jahren verstorben, und dem Vater und ihrem Bruder verheimlichte sie bisher ihre Leseschwäche. Jimmie hat ein Buch von ihrer Mutter, welches sie wie einen Schatz hütet. Aus diesem Buch lässt sie sich von Subhi vorlesen. Bei jedem ihrer geheimen Treffen gelingt es den beiden Kindern, ihre Einsamkeit für kurze Zeit zu vergessen und es entsteht eine innige Freundschaft. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse: Subhis geliebte Mutter will eines Tages gar nicht mehr aufwachen, sein bester Freund fasst einen gefährlichen Plan, und obendrein wird Jimmie sehr krank. Subhis bisherige Welt gerät völlig aus den Fugen und er steht vor schweren Entscheidungen...Mein Fazit:In „Wenn nachts der Ozean erzählt“ hat die australische Autorin Zana Fraillon das hochaktuelle und brisante Thema Flüchtlinge in ein Jugendbuch gepackt. Eine sicherlich schwierige Aufgabe, die ihr aber hervorragend gelungen ist, und dieses wertvolle Buch nicht nur für junge Leser, sondern auch für Erwachsene sehr lohnenswert macht. Darüber hinaus ist der anspruchsvolle Roman sicherlich eine Bereicherung für jede Schulbibliothek, mit viel Diskussionsstoff für einen lebhaften Unterricht. Auch wenn das Erzählte im Buch frei erfunden ist, entspricht leider vieles einer traurigen Realität. Im Vordergrund steht die Geschichte von Subhi, sein Leben in diesem furchtbaren Flüchtlingslager, und die Bedeutung von Freundschaft, Freiheit und Menschlichkeit. Beiher wird aber auch das harte Leid der Rohingya angesprochen. Die Rohingya sind eine muslimische Volksgruppe in Myanmar. Eine unterdrückte Minderheit, die in der eigenen Heimat verfolgt wird und auch woanders unerwünscht ist. Ein Konflikt, von dem die Welt wenig mitbekommt. Der tapfere und liebenswerte Hauptprotagonist Subhi ist mir schnell ans Herz gewachsen, ebenso wie die kleine kesse Jimmie. Das Tun und die Gedankengänge der Kinder beschreibt die Autorin sehr einfühlsam, dadurch sind deren Emotionen für den Leser verständlich und nachspürbar. Die Geschehnisse im Lager werden zwar schonungslos und wirklichkeitsnah vermittelt, auf der anderen Seite gibt es wunderschöne Passagen im Buch, die poetisch und märchenhaft anmuten. Diese Stellen lockern den schwer verdaulichen Lesestoff auf und machen viel Freude.Insgesamt gesehen war dieser Roman für mich ein äußerst beeindruckendes Leseerlebnis, welches mich zutiefst berührt und erschüttert hat. Die Autorin selbst sagt über ihr Buch, sie wünschte, dass sie es nie hätte schreiben müssen. Nach der Lektüre kann man ihr nur zustimmen und ich persönlich empfinde Hochachtung für ihr aufrüttelndes Werk. Sehr gerne vergebe ich hier voller Überzeugung fünf Sterne und spreche eine unbedingte Leseempfehlung aus!

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    • 11
  • Jeder sollte es lesen!

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    Toscas_little_bookworld

    Toscas_little_bookworld

    27. May 2017 um 11:07

    Hier kommt ihr zur Originalrezension: http://ourfictionalrealities.blogspot.de/2017/05/rezension-zu-wenn-nachts-der-ozean.html Inhalt: Subhi hat schon immer im Flüchtlingslager gelebt; er wurde dort geboren und hat noch nie etwas von der Welt außerhalb des Zauns gesehen. In manchen Nächten kommt das Nachtmeer bis zu seinem Zelt und bringt im Schätze, und eines Tages bringt es ihm Jimmie, die sich häufig genauso verloren fühlt wie er und von der anderen Seite des Zauns kommt. Zwischen den beiden entsteht eine zarte Freundschaft, die Subhi jedoch nicht vor der Grausamkeit, die im Camp herrscht, schützten kann. Meine Meinung: Ich glaube fest daran, dass es Bücher gibt, die diese Welt besser machen können. Und zu genau diesen Büchern zählt "Wenn nachts der Ozean erzählt". Die Geschichte ist auf der einen Seite sehr sensibel erzählt, auf der Anderen aber auch brutal ehrlich, da man sich beim Lesen immer wieder vor Augen führt, dass das Ganze nicht einfach nur Fiktion ist, sondern Realität. Zu Beginn der Geschichte wird dem Leser sofort des Leben im Lager beschrieben und man kann sich sofort das unvorstellbare Leid der Bewohner vorstellen. Für mich war besonders der Anfang sehr berührend und aufwühlend, da ich für meinen Teil nicht wusste, dass es diese Art von Flüchtlingslagern gibt und nicht glauben konnte, dass man Menschen, die ein neues Leben anfangen wollen, auch in der Realität in einigen Ländern einfach hinter Zäunen einpfercht. Die Geschichte ist sehr gut strukturiert und so aufgebaut, dass der Leser zuerst mit der Umgebung des Camps, dann mit den Figuren vertraut gemacht wird und dann eine immer tiefere Beziehung zu den Beiden aufbaut. Parallel dazu wird eine gewisse Spannung aufgebaut, da man genau weis, dass etwas passieren wird, auch wenn man nicht weis, was. Als es dann zu dieser Spannungsentladung kommt, kann man das Buch kaum aus der Hand legen, man hängt einfach an den Figuren und man will, man muss, wissen, was passiert Während der gesamten Handlung musste ich das Buch - so blöd das jetzt auch klingen mag - immer wieder zur Seite legen, weil ich nicht glauben konnte, was ich da gerade gelesen hatte. Die Hauptfigur des Romans ist der Junge Subhi. Ich konnte mich sehr gut mit ihm identifizieren, da man zwar einiges über ihn erfährt, auf der anderen Seite aber auch noch massenhaft Interpretationsfreiraum hat und ihn so mit Leben füllen kann. Er ist eine sehr sympathische Figur mit nachvollziehbaren Handlungen und Gefühlen. Gleichzeitig hat er mich häufig zum Schmunzeln gebracht; Alles in allem ist er mir beim Lesen wirklich ans Herz gewachsen. Auch Jimmie, die zweite Hauptfigur, war mir sehr sympathisch. Meiner Meinung nach war sie ein guter Gegenpart zu Subhi, da sie sich auf der einen Seite charakterlich sehr gut ergänzt haben und man auf der anderen durch sie immer wieder den Kontrast von Subhis Leben zu Unserem gesehen hat. Der Schreibstil, den die Autorin anwendet, ist sehr passend, da er dazu passt, dass das Buch aus der Ich-Perspektive von Subhi erzählt ist und somit nicht zu erwachsen klingt."Eines Tages wird Maá erkennen, dass zurückschauen genauso wichtig ist, wie nach vorne zu schauen, ganz egal, wie viel Trauriges damit verbunden ist." Quelle: "Wenn nachts der Ozean erzählt", Zana Fraillon, cbt Verlag 2017 Fazit: "Wenn nachts der Ozean erzählt" ist ein unglaublich berührendes, aber auch aufwühlendes Buch, dass mich sehr gefesselt hat. Ich habe mit ganzem Herzen mit den Figuren mitgefiebert und war immer wieder geschockt über das, was ich dort gelesen habe. Auch wenn das Buch für sehr weichherzige Leser vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas zu krass sein kann, möchte ich den Roman eigentlich Jedem empfehlen. Ich denke, dass er bei vielen Menschen verändern könnte, was sie über Flüchtlinge denken und wie sie diese behandeln. Für "Wenn nachts der Ozean erzählt" vergebe ich deshalb 5 von 5 Sterne!!!  

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  • Geht es hinter dem Horizont weiter?

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    SATZZEICHEN

    SATZZEICHEN

    03. May 2017 um 11:03

    Subhi wächst in einer Parallelwelt auf. Er wurde in einem australischen Flüchtlingslager geboren und kennt die Welt jenseits des Zaunes nicht. Mittlerweile ist er mindestens zweiundzwanzigeinhalb Zaunlatten groß, ganz sicher, aber vielleicht auch nicht. Er ist schon länger nicht mehr gemessen worden. Das hat seine Gründe: Seine Mutter, die er liebevoll Maá nennt, ist mittlerweile fast immer müde. Früher hat sie ihm jede Menge Geschichten erzählt, und wenn er ihr etwas berichtete, hat sie gelächelt, manchmal sogar gekichert. Seit einer Weile erzählt sie kaum noch etwas, meist liegt sie nur auf ihrem Bett, das Subhi Bett nennt, seine große Schwester Queeny aber bloß „alte Armeepritsche“, und schläft. Neuerdings hat sie auch keinen großen Hunger mehr. Neben Maá und Queeny gibt es noch Eli, der sehr wichtig für Subhi ist. Eli ist ein Teenie und alleine, er hat keine Familie mehr. Weil er aber minderjährig ist, darf er auch ohne Familie in einem Familienzelt leben. Das klingt romantischer als es ist: In Elis Zelt wohnen siebenundvierzig Leute, in Subhis zweiundvierzig. "Dass der Altersunterschied zwischen Eli und mir noch größer ist als zwischen Queeny und mir, ist nicht wichtig, er ist trotzdem mein bester Freund und wir erzählen uns alles. Eli sagt, wir sind sogar mehr. Wir sind Brüder." In lakonischem Stil lässt Zana Fraillon den kleinen Subhi in ihrem Buch „Wenn nachts der Ozean erzählt“ aus dem Lagerleben berichten. Die Beklemmung, die der Leser bei all dem verspürt, ist Subhi fremd. "Maá sagt, ich soll mir das Essen nie zu genau ansehen, und wenn ich Fliegen oder Würmer darin finde, erklärt sie mir jedes Mal, dass ich besonderes Glück habe, weil ich auf diese Art Eiweiß bekomme. Einmal habe ich sogar einen menschlichen Zahn in meinem Reis gefunden. >Hey, Maá, bringt der auch Glück?<, fragte ich und Maá sah ihn sich an und sagte: >Wenn du Zahn brauchst.< Sie lachte lange über ihren Witz." Das Camp ist für Subhi Normalität, er kennt ja nichts anderes, der durch Zäune abgesteckte Bereich ist seine Heimat. Das hilft ihm, schützt ihn und macht ihn stark. Und doch gibt es Dinge, die ihm Angst einflößen. Als kleiner Junge hatte er Albträume, seine Mutter und seine Schwester zu verlieren. Nur zu verständlich, denn seine Mutter musste mit der kleinen Queeny an der Hand und Subhi unterm Herzen ohne ihren Mann aus Burma fliehen. Subhi kennt seinen geliebten „Ba“ nur aus Erzählungen. Er weiß, dass sein Ba verhaftet wurde, weil er Rohingya ist, und weil er früher Gedichte schrieb, die irgendwem nicht passten. Kein Wunder, dass Subhi Angst hat, auch noch den Rest seiner Familie zu verlieren. Und dann gibt es noch die fiesen Alltagsprobleme – Aufpasser zum Beispiel, die alle Flüchtlinge nur bei ihrer Identifikationsnummer rufen und immer unfreundlich sind. Beaver ist der schlimmste von allen, denn er wurde einmal angegriffen von einem durchgedrehten Lagerinsassen. Seither hasst Beaver alle Flüchtlinge und lässt keine Chance aus, sie zu demütigen. Der bedrückenden Atmosphäre entflieht Subhi auf seine ganz eigene Art. Er träumt sich davon. Auf wunderbare Weise unterhält er sich tagsüber mit seinem Gummi-Enterich, der ihm, es erscheint einem völlig natürlich, auch antwortet. Und nachts, ja, nachts liegt Subhi auf seiner Pritsche und träumt vom Ozean. Ganz laut hört er dann die Wellen und mit diesen Wellen kommen Geschichten und Schätze zu ihm. Zur selben Zeit liegt Jimmie in ihrem Bett. Sie lebt auf der anderen Seite des Lagerzauns. Sie ist zehn Jahre alt, frei und ihr stehen alle Türen offen. Rein objektiv gesehen. Doch schaut man genauer hin, ist auch sie eine Gefangene. Ihre Mutter starb vor drei Jahren, seither droht der Rest der Familie im Chaos zu ertrinken. Der Vater ist durch seine Trauer wie gelähmt, der Bruder pubertär und vor allem mit sich beschäftigt. Seit dem Tod ihrer Mutter geht Jimmie kaum noch zur Schule, denn keiner hat die Zeit, sie zum Bus zu bringen, der nur einmal am Tag kommt. Also bleibt sie meist zu Hause oder spaziert alleine durch die Nachbarschaft. Bei einem dieser Streifzüge kommt sie an den Zaun des Lagers. Und plötzlich will etwas in ihr wissen, wie es dort drin aussieht. Jeder Zaun, so sagt ihr großer Bruder, hat eine Schwachstelle – man muss sie nur finden. Eines Nachts findet sie sie. Und dann ist sie drin. Als Subhi in genau jener Nacht nicht schlafen kann, krabbelt er aus seinem Familienzelt – und findet sich plötzlich Jimmie gegenüber. Einfach so steht dieses fremde Mädchen vor ihm. Lange schauen sie sich einfach nur an und dann beginnt eine erstaunliche Freundschaft. Denn trotz seines eingeschränkten Lebens im Lager kann Subhi nämlich etwas, was Jimmie in ihrer Freiheit dort draußen nicht gelernt hat –  lesen. Doch wie das Leben so ist: Es gibt einem schöne Dinge, doch gleichzeitig nimmt es einem auch welche. Und so passiert am Tag nach der hoffnungsfrohen Begegnung mit dem Mädchen von draußen etwas ganz Furchtbares: Subhis bester Freund Eli muss den Familientrakt des Lagers verlassen und nach „Alpha“ umziehen. Eli, der zwar ein paar Jahre älter als Subhi ist, aber noch lange nicht volljährig.  Der Bereich „Alpha“ ist für alleinstehende Männer. Keiner versteht, was das soll. Es ist bürokratische Willkür. "Es passiert etwas mit den Männern, wenn sie so zusammenleben, ohne ihre Familien, ohne die Möglichkeit zu arbeiten oder etwas zu lernen oder etwas zu tun, und dabei die ganze Zeit auf die Aufpasser und ihre ständig klimpernden Schlüssel hören müssen. Es verändert einen Menschen, sagt Eli." Je schöner die nächtlichen Treffen mit Jimmie werden, umso schrecklicher wird die Situation im Lager. Während Subhi nachts Jimmie aus dem Tagebuch ihrer verstorbenen Mutter vorliest und Jimmie ihm im Gegenzug heiße Schokolade in der Thermoskanne mitbringt und vom Leben jenseits des Zaunes berichtet, spitzt sich die Lage in den Flüchtlingszelten zu. Manche der seit Jahren Wartenden treten in Hungerstreik, machen Fotos vom Zustand im Lager und stellen sie ins Internet. Doch Subhi kann sich damit nicht wirklich auseinandersetzen, er hat ein ganz anderes Problem: Eines Nachts bei einer ihrer Vorlese-Sitzungen, bemerkt er, dass Jimmie krank ist. Als sie zitternd und verwirrt nach Hause schwankt, verliert sie das Buch ihrer Mutter. Subhi nimmt es an sich und wartet darauf, dass Jimmie zurückkehrt, um es an sich zu nehmen. Doch sie kommt nicht. Und dann entdeckt er am Nachthimmel ihren vereinbarten Hilferuf: Zweimal lang blinken mit der Taschenlampe. Subhi weiß, was er tun muss … Zana Fraillons Buch ist zu Recht für die Cilip Carnegie Medal 2017 nominiert und auf der Shortlist für den Guardian Children’s Fiction Prize 2016 gelandet. Fraillon hat viel recherchiert für ihren Roman und das merkt man. Sie kombiniert das fundierte Wissen mit Emotionen und setzt es gelungen in Szene. Man kann sich dem Charme, den der kleine Protagonist Subhi versprüht, nicht entziehen, trotz des erschütternden Themas. (Wer wissen möchte, wie sie auf das Thema kam, kann hier weiterlesen.) Offensichtlich hat Claudia Max in ihrer Übersetzung alles richtig gemacht, denn die herrliche Sprache, derer Subhi sich bedient, ist so lebendig, berührend und überzeugend kindlich, dass Inhalt und Form perfekt verschmelzen. Es ist gleichzeitig gut und schlecht, dass „Wenn nachts der Ozean erzählt“ dem Genre Jugendroman zugeteilt wurde. Gut, weil der Titel dann hoffentlich viele junge Menschen erreicht, vielleicht auch solche, die ohne diesen wundervollen Roman eine ganz andere Meinung über das Thema Flüchtlinge hätten. Schlecht ist es, weil die Geschichte dadurch vielen Erwachsenen entgehen wird, denn wer schaut sich jenseits der zwanzig schon bei Jugendromanen nach der nächsten Lektüre um? Ich möchte diesen kleine Schatz jedem in die Hand drücken: meinen Kindern, meinem Mann, meinen Eltern, meinen Nachbarn. Keinen kann es unberührt lassen, wenn Subhis Stimme erklingt. Und wenn alle mit ihm mitleiden und -fühlen, könnte sich viel verändern.

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  • Es öffnet einem die Augen für all die Probleme auf der Erde

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    startbeingabooklover

    startbeingabooklover

    16. April 2017 um 13:47

    “Wenn nachts der Ozean erzählt” von Zana Fraillon ist ein Buch mit topaktueller Thematik, das dem Leser immer wieder vor Augen führt, wie glücklich er sich mit seinem Leben schätzen kann. Meine Meinung: Das Buch hat einen Zweck, und zwar: dem Leser die Augen öffnen und das hat es eindeutig geschafft. Das Buch spricht viele Probleme an, verpackt sie aber sehr gut in dieser Geschichte. Auch wenn diese Erzählung fiktiv ist, beruht sie doch auf wahren Problemen und deshalb habe ich großen Respekt für diese gelungene Umsetzung. Einige Male hatte ich kleine Schwierigkeiten die Fantasiewelt von Subhi und die Realität auseinander zu halten, doch vielleicht war dies auch genau so gewollt. Das Buch wird zum Ende hin immer spannender, so dass man es gar nicht mehr aus der Hand legen mag, bis man weiß, dass alles in Ordnung ist. Man baut zu den Personen kleine Beziehungen auf, die einem das Mitfühlen und Miterleben der Geschichte leicht machen. Fazit: Ich empfehle es jedem über 12 Jahren, das Buch zu lesen. Die angesprochenen Probleme sind allgegenwärtig und auch unsere Probleme! Das Buch regt zum Nachdenken an und verdeutlicht nur allzu gut die Ungerechtigkeiten auf der ganzen Welt.

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  • Berührend

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    thebookpassion

    thebookpassion

    13. April 2017 um 13:13

    Subhi ist in einem Auffanglager geboren, denn seine Familie ist aus ihrem Land, vor Zerstörung und Terror geflohen. Er kennt nur diese Fleckchen Erde, dass durch unüberwindbare Zäune gesäumt ist. Und so träumt Subhi vom Nachtmeer, das ihm geheime Schätze und Geschichten bringt. Doch eines Tages gelingt es einem einsamen kleinen Mädchen eine Lücke im unüberwindbaren Zaun zu finden und Subhis Leben verändert sich ab da drastisch.Aufgrund meines Studiums (Lehramt für sonderpädagogische Förderung mit dem Schwerpunkt Inklusion) setzte ich mich fast täglich mit dem Leid oder dem Leben von Menschen, die flüchten mussten auseinander. Ich war daher umso gespannter, ob es der Autorin gelingt mich bei diesem Thema abzuholen und es authentisch zu vermitteln, ohne etwas zu beschönigen oder kleinzureden. Doch schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass die Autorin sich traut das problematische Thema erbarmungslos zu schildern und in eine zu tiefst traurige Geschichte einzubetten. Es gelingt ihr die Gewalt, den Hunger und auch die Angst die in einem „Auffanglager“ herrscht einzufangen und die Nöte der Menschen in Worte zu fassen. Subhi und die anderen geflüchteten Menschen leben in einer menschenunwürdigen Umgebung, voller Unterdrückung und Rassismus.All diese Eindrücke werden aus der Perspektive von Subhi geschildert, sodass die Geschichte eine kindliche Klarheit erhält, die tief bewegend ist. Alles wirkt so verdammt realistisch, auch wenn der Roman fiktiv ist, spiegelt er die Realität wider. Subhi versucht halt in seinen Geschichten und Bildern zu finden, denn seine Mutter und auch seine Schwester scheinen selbst am Ende ihrer Kräfte zu sein. Er wirkt oft einfach noch so jung und gleichzeitig schon so schrecklich alt.Die Freundschaft zwischen Subhi und dem kleinen Mädchen verleiht dem Buch eine gewisse Hoffnung. Ich denke, dass die Autorin damit die Brutalität und die ständige Traurigkeit abmildern wollte, denn so eine Freundschaft kann man nur in Büchern oder Filmen wiederfinden.„Wenn nachts der Ozean erzählt“ ist eine realistisch und zu gleich tragische Geschichte, über das Leben als geflüchteter Mensch, voller Wahrheiten, Schmerz und auch Hoffnung.(c) Thebookpassion- thebookpassion.blogspot.de

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  • Authentisch - Kein Schönreden von Tatsachen - Nachdenklich stimmend

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    MelE

    MelE

    08. March 2017 um 09:03

    "Wenn nachts der Ozean erzählt" ist ein sehr realistisches Kinderbuch, dessen wahre Brutalität eventuell junge Leser/-innen ab 12 Jahren überfordern könnte. Mit der Option gelesenes mit den Eltern zu reflektieren, würde ich die Altersangabe belassen. Der Roman ist definitiv keine leichte Kost und regt sehr zum Nachdenken an. Gewalt, Hunger und Angst sind sehr präsent. Es ist kein Schönreden von Tatsachen, daher tut das Lesen mitunter wirklich weh und es entwickelt sich unbewusst Dankbarkeit in Freiheit leben zu dürfen, Ich empfand "Wenn nachts der Ozean erzählt" als sehr wertvoll für mich, da die Flüchtlingsproblematik anders aufgezäumt wird und der Blick anders geschärft wird. Wer macht sich Gedanken um die Entbehrungen der Menschen hinter dem Stacheldrahtzaun? Geschrieben ist das Buch aus der Sicht von Subhi, der in etwa dem Alter der Zielgruppe entspricht. Es wirkt daher authentisch, aber nicht kindlich, denn Subhi ist reif, da er schon vieles Befremdliches gesehen und erlebt hat. Subhi ist ein Träumer, der sich in seine Geschichten verliert, die ihm aber Kraft und Trost spenden. Sein Leben ist nicht einfach und durch einen Maschendrahtzaun abgeschnitten. Über seinen Vater ist wenig bekannt und auch der Rest der Familie wird eher oberflächlich behandelt, was ein Hinweis darauf ist, das sich selbst Kinder alleine durchschlagen müssen, um zu überleben. Der Grundton ist mitunter sehr traurig und wird durch die ausgedachten Geschichten, die kursiv geschrieben, bunter und farbenfroher. Ich möchte gerne eine Leseempfehlung aussprechen, da ich "Wenn nachts der Ozean erzählt" als einen Roman empfunden habe, der sich nicht mit Floskeln und Schönmalerei abhandeln lässt, sondern das Leben hinter dem Stacheldrahtzaun behandelt. Es ist dennoch ein Buch des Trostes und erzählt von einer ganz besonderen Freundschaft. Eine Freundschaft, die unter solch Umständen tatsächlich nur in Büchern vorhanden sein kann und dennoch ausschlaggebend ist, "Wenn nachts der Ozean erzählt" den Schrecken zu nehmen.Wichtig empfinde ich hierbei das Gespräch mit Leeser/innen der angegebenen Zielgruppe, da es sicherlich auch Dinge geben wird, die eine gewisse Brutalität ausdrücken. "Wenn nachts der Ozean erzählt" ist kein Buch für mal so gerade eben gelesen, sondern ein Kinderbuch, welches eindrücklich nachwirken wird. Prädikat: Besonders wertvoll!

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  • Wenn Nachts der Ozean erzählt

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    CarasBuecherwahn

    CarasBuecherwahn

    06. March 2017 um 20:56

    Meine Meinung:Das Buch hat mich auf drei Arten sehr angesprochen. Erstens aufgrund des Covers, dass ich super toll finde. Mir gefällt es wie man unten das Meer mit dem Mond sieht und davor der Zaun ist, der sich in Richtung Himmel zu Vögeln auflöst. Zweitens aufgrund des Titels, da ich mir erstmal nicht viel darunter vorstellen konnte und er mich dadurch neugierig gemacht hat und drittens natürlich der Inhalt. Ich finde mit dem Buch wird nicht nur eine aktuelle Problematik angesprochen sondern auch tiefe und ewige Probleme der Menschheit. Dieses Buch führt einem immer wieder vor Augen wie wenig die Menschen aus der Vergangenheit gelernt haben und es bestätigt sich mal wieder: Geschichte wiederholt sich!Mit Subhi hat das Buch einen sehr jungen Protagonisten, denn er ist erst circa neun Jahre alt, wenn ich es richtig verstanden habe. Außerdem kennt er die Welt nicht, da er im Camp geboren wurde. Trotzdem stellt er sich die Welt vor und gibt die Hoffnung nicht auf irgendwann diese zu sehen und vor allem seinen Vater wieder zu treffen, da dieser nicht mit seiner Mutter, seiner Schwester und ihm im Flüchtlingscamp lebt, sondern in der Heimat zurückbleiben musste. Das Buch zeigt die Unsichtbaren. Die unsichtbaren Menschen, die hinter Zäunen gehalten werden und teilweise wie Tiere behandelt werden. Kaum Wasser, wenig Essen unfreundliche und brutale Aufseher. Und dann trifft Subhi auf Jimmie. Zuerst dachte ich, dass es sehr unrealistisch ist, dass sie plötzlich im Camp ist, aber nach und nach wurde mir klar wie wunderbar das zu ihr passt. Sie wohnt mit ihrem Vater und ihrem Bruder in einem Haus ganz in der Nähe des Lagers und irgendwann will sie wissen wie es in dem Lager ist, also schleicht sie sich heimlich hinein und trifft auf Subhi. Zwischen den beiden entsteht eine wunderbare und besondere Freundschaft, die aber durch die gegebenen Umstände schwer zu verwirklichen ist.Das Buch ist sehr schön und realistisch geschrieben. Es hat etwas kindliches an sich durch die Vorstellungen von Subhi - ist aber definitiv kein Kinderbuch!!!!! da es auch sehr deutlich und brutal Missstände aufdeckt. Das Buch ist dadurch absolut lesenswert und besonders!

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  • Was für eine starke, gute, wichtige Geschichte!

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    Svenjas_BookChallenges

    Svenjas_BookChallenges

    02. March 2017 um 18:32

    Die Geschichte hat mich vor allem aufgrund der brisanten und aktuellen Thematik interessiert und ich war sehr gespannt darauf, wie Zana Fraillon diesen schweren und wichtigen Stoff umsetzt. Vorab: In diesem Buch geht es um ein Flüchtlingskind, das in einem Flüchtlingscamp in Australien aufwächst. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten und auch, dass die Bedingungen in europäischen Erstaufnahmelagern oftmals schon menschenunwürdig sind. Dass es aber noch viel, viel, viel schlimmer geht - das führt Fraillon einem in Wenn nachts der Ozean erzählt vor Augen.Die Geschichte wird aus der Sicht des (vermutlich) 12-jährigen Subhi erzählt, einem Jungen, der in einem Flüchtlingslager irgendwo in Australien geboren wurde und dieses noch nie in seinem Leben verlassen hat. Die Welt beschränkt sich für ihn also auf das Fleckchen staubiger Erde innerhalb des Zauns. Schon allein dieser Gedanke ist so unfassbar traurig und regt zum Nachdenken an: Was hat denn Subhi verbrochen, dass er nicht raus darf? Dass er nicht leben darf? Was seine ältere Schwester, die angesichts der Verhältnisse im Lager bereits völlig abgestumpft ist, und was seine Mutter, die sich und ihre Kinder aufgegeben und einfach nicht mehr die Kraft hat, um überhaupt aufzustehen? Was hat sein bester Freund Eli verbrochen, der einzige Überlebende seiner Familie, der es nur so weit geschafft hat, um in einem anonymen Lager vor sich hinzuvegetieren? Was haben all diese Menschen verbrochen, außer auf ein besseres Leben in Frieden zu hoffen? Schon allein diese Ausgangssituation ist mir wahnsinnig an die Nieren gegangen.Und dann ist da Zana Fraillons Schreibstil, der einfach genial ist. Klar, eindringlich, ehrlich und doch so metaphorisch, dass er einfach perfekt zu einem Kind als Erzähler passt. Subhi, der Dinge, für die er keine Worte findet, umschreibt, der plötzlich mitten im Erzählen abbricht, wenn es zu schmerzhaft für ihn wird oder er nicht weiter weiß. Subhi, der dieses Lager als sein Zuhause betrachtet, der sich gar nicht vorstellen kann, dass es da draußen eine noch viel größere, beeindruckendere Welt gibt. Und der es doch versucht, indem er jede Nacht das Nachtmeer auferstehen lässt und von seinem Vater träumt, der ihn sicher irgendwann holen wird. Diese kindliche Naivität und das unerschütterliche Vertrauen in das Gute im Menschen - das hat mich ein ums andere Mal schlucken lassen. Subhi ist für mich als Leser real geworden, hat mir seine Geschichte erzählt und mich mit seinen Worten tief berührt.Ebenso wie Jimmie, die zwar im "Draußen" lebt, sich aber in ihrem Leben genauso gefangen fühlt wie Subhi. Gemeinsam mit Subhi flüchtet sie sich in die Magie der Geschichten und gemeinsam können die beiden von einem besseren, freien Leben träumen. Diese Freundschaft ist so pur und so mächtig und das, obwohl sie ganz ohne große Worte und Gesten auskommt. Es ist einfach deutlich zu spüren, dass Subhi und Jimmie schon alleine durch die Nähe des jeweils anderen Trost finden. Das ist ein so bewegender und wunderschöner Gedanke.Dem gegenüber steht jedoch die harte, nur schwer zu ertragende Realität im Camp. Dass Flüchtlinge teilweise unmenschlich behandelt, zusammengetrieben und maximal am Leben erhalten werden - das kennt man (leider, LEIDER!) auch von den Lagern in Europa. Das Ganze steigert sich in einem australischen Flüchtlingscamp, wie Fraillon es darstellt, aber noch einmal bis hin zu unermesslicher Grausamkeit und Brutalität. Diese Menschen werden dafür bestraft, dass es sie gibt und dass sie in dieses Land kamen, um zu überleben. Niemand möchte sie haben: In ihrem eigenen Land werden sie verfolgt, gefoltert, ermordet und in dem Land, in dem sie Schutz suchten, werden sie zusammengepfercht wie Vieh, anonymisiert und tot geschwiegen. Teilweise haben mich die Zustände in diesem Lager sogar an die Konzentrationslager im Dritten Reich erinnert - und das ist KEINE Übertreibung. Es ist für mich einfach unbegreiflich, wie man sich das Recht herausnehmen kann, Menschen so zu behandeln. Wie man sie der Willkür grausamer Aufseher aussetzen kann, die einfach nur die Macht genießen, die sie in diesem Job haben, weil sie zuhause vermutlich nichts zu melden haben. Es tut mir leid, aber ich kann gar nicht sagen, wie wütend mich das alles macht.Natürlich ist Subhis Geschichte Fiktion, aber Fraillon gelingt es, ihn zum Leben zu erwecken. Er ist da und starrt einen an und man kann sich ihm einfach nicht entziehen. Und man darf es auch nicht. Man darf nicht wegsehen - nicht bei dieser Geschichte und nicht in der Realität. Man weiß einfach, dass dieses Schicksal, das einen so betroffen macht, vermutlich Tausende und Tausende von Kindern überall auf der Welt ereilt. Und man darf sie einfach nicht vergessen oder verdrängen, denn es sind Menschen, die es verdient haben, dass man sie wahrnimmt, sich an sie erinnert und sie wertschätzt. Und Zana Fraillon ruft einem das auf geniale, eindringliche Weise ins Gedächtnis. Schaut nicht weg!Mein Fazit:Was für ein starkes Buch und was für eine unendlich traurige, bewegende Geschichte. Zana Fraillon findet genau die richtigen Worte für etwas, für das es eigentlich gar keine Worte gibt. Ich habe immer noch einen dicken Kloß im Hals und bin immer noch wütend auf all die Menschen, die sich über andere erheben. Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen. Allerdings finde ich die Altersempfehlung des Verlags (ab 12) nicht angemessen, denn die Geschichte ist definitiv schockierend, ehrlich und stellenweise grausam. So grausam, dass man es selbst als Erwachsener nur schwer erträgt.

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  • Ein Lesemuss gegen das Vergessen

    Wenn nachts der Ozean erzählt
    GrueneRonja

    GrueneRonja

    27. February 2017 um 14:48

    „Viele versuchten zu flüchten und wünschten sich nur Sicherheit. Versuchten, sich auf den Weg zum Frieden zu machen. Viele hatten Angst, von der Welt vergessen worden zu sein, von einer Welt, die taub schien für die Rufe der Bedürftigen und in der Hoffnung Mangelware war.“ (S.271) Subhi ist ein Nirgendwo-Kind. Es ist 22 Zaunquadrate groß und 9 Jahre alt. Er ist sogar das erste Kind, das in dem Auffanglager in Australien geboren wurde, und seine Kennung lautet deswegen DAR-1. Seine Mutter und seine Schwester sind aus Burma geflüchtet, als die Soldaten kamen und Ba, den Vater, mitgenommen haben. Doch Subhi wartet auf seinen Ba, denn er weiß, dass er kommen wird. Mit dem Nachtmeer, was nur Subhi und seine Maá hören können, schickt Ba ihm Nachrichten im Form von kleinen Geschenken, wie z.B. die Muschel, die er erst kürzlich gefunden hat. Doch das Leben im Auffanglager ist nicht immer schön und voller Geschichten. Meistens ist es sogar ziemlich schlimm. Schlechtes, abgelaufenes Essen, zu wenig Wasser und Ärzte und Medikamente, kaputte Toiletten, Ratten, und zu viele Krankheiten und Menschen auf engstem Raum. Und die Aufpasser sind auch nicht gerade nett. Als Subhi dann nachts auf Jimmie trifft, ein Mädchen von draußen, hat er endlich etwas, worauf er sich freuen kann. Dieses Buch ist eine Mischung aus Märchen und der bitteren Wahrheit. Obwohl es Fiktion ist, sind es die beschriebenen Umstände in einem Auffanglager nicht. Jimmie von draußen fragt z.B., ob die Kinder wirklich alle Fahrräder haben, weil ihr das so erzählt wurde. Und Subhi ist ganz fasziniert von den Dingen, die Jimmie ihm von draußen so erzählt. Als drinnen und draußen aufeinander treffen, entsteht eine Explosion, die hoffentlich allen die Augen öffnet. Wie Der Junge im gestreiften Pyjama ist auch Wenn nachts der Ozean erzählt ein Buch aus der Sicht eines Kindes, weil Kinder eine andere Wahrnehmung haben, alles unschuldiger sehen und so die Wirklichkeit gleich viel schlimmer wahrgenommen wird. So wirkt Subhis Auffanglager so stark an die KZs der Nazis, dass man gar nicht glauben mag, dass so etwas schon wieder geschieht, wo doch alle Welt geschworen hat, so etwas zu vermeiden. Flüchtlinge und Asylbewerber werden meist von Anfang an kriminalisiert, obwohl sie einfach nur Schutz suchen. Diese menschenunwürdige Massenhaltung bietet keinen Schutz, sondern schürt die Angst nur noch mehr, sowohl im Zaun, als auch draußen. Dieses Buch sollte jeder lesen, und hoffentlich einige Menschen aufrütteln.

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