Zaza Burchuladze

 3.9 Sterne bei 17 Bewertungen
Autor von Der aufblasbare Engel, Adibas und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Zaza Burchuladze

Kunst und Gedanken lassen sich nicht bezwingen: Zaza Burchuladze wurde 1973 in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens, geboren. Er studierte Kunstwissenschaft und Malerei in Tiflis und veröffentlicht bereits seit Ende der 90er Jahre kürzere Geschichten in georgischen Zeitungen. Bis 2001 schrieb er unter dem Pseudonym Gregor Samsa, benannt nach der Hauptfigur in Franz Kafkas „Die Verwandlung“. Neben dem Schreiben arbeitet er auch als Übersetzer und übertrug so beispielsweise schon Dostojewski ins Georgische. Seine Werke wurden jedoch in seiner Heimat von religiösen Fanatikern negativ aufgefasst, weswegen er bedroht und vom damaligen Staatspräsidenten beschimpft wurde. Aufgrund dessen floh er mit seiner Familie Anfang 2014 nach Deutschland. Heute lebt er in Berlin und ist ein mehrfach ausgezeichneter Autor. Sein Roman "Adibas" ist sein erstes Buch in deutscher Sprache.

Neue Bücher

Der aufblasbare Engel

 (7)
Neu erschienen am 14.09.2018 als Hardcover bei Blumenbar.

Alle Bücher von Zaza Burchuladze

Der aufblasbare Engel

Der aufblasbare Engel

 (7)
Erschienen am 14.09.2018
Adibas

Adibas

 (6)
Erschienen am 21.09.2015
Touristenfrühstück

Touristenfrühstück

 (3)
Erschienen am 17.02.2017
Adibas

Adibas

 (1)
Erschienen am 09.01.2014

Neue Rezensionen zu Zaza Burchuladze

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Rezension zu "Der aufblasbare Engel" von Zaza Burchuladze

Séance mit Folgen
sar89vor 2 Monaten

Nino und Niko Gorosias sind ein eher gelangweiltes Paar in der Sackgasse. Nino hat zwar einen Job aber einen, den sie nicht mag. Niko ist ein gescheiterter Künstler und weiss nichts mit sich anzufangen. Aus Langeweile starten die Beiden eine Geisterbeschwörug. Sie möchten den Geist von Georges Gurdjieff einem Esoteriker, Mystiker und Gauner. Zu aller Überraschung auch der Gurdjieffs führ die Beschwörung zum Erfolg und er steht bei den Gorosias in der Küche, unfähig oder unwillig zu veschwinden. Nach ein paar Tagen wünschen sich die Gorosias Nützliches von ihrem Geist. Sie wollen möglichst schnell an Geld kommen. Gurdjieff erfüllt ihnen diesen Wunsch. Doch die Art und Weise ist alles andere als legal, dies stört die Gorosias aber nicht im Geringsten, vor allem als die Million auf dem Tisch liegt, sie sich eine schöne Wohnung, einen Innenarchitekten und eine Bäckerei leisten können. Gurdjieff lassen sie vor sich hinvegetieren zusammen mit dem Foucault und des Entführten, nicht mehr ganz taufrischenTschikobawas. Geurdjieff verwandelt Tschikobawas in eine Art versteinerten Priester mit Laserauge. Witzigerweise stellen sie ihn in einer Kirche ab und de Aberglaube der Bevölkerung beginnt seltsame Blüten zu treiben....
Alles in allem habe ich mich gut amüsiert, wobei die Lügen und Kriminalität einfach mal so hingenommen werden, solange Geld und Wohlstand daraus resultieren. Die Mitte der Erzählung als sie auf das Opfer warteten, konnte mich gar nicht packen. Anfang und Ende fand ich sehr gut! Ich muss noch sagen, dass ich bisher nicht dazu gekommen bin "Meister und Margarita" zu lesen, was dem Verständnis für die Figur Gurdjieff wohl nicht ganz dient. Es hat mich aber gefreut endlich Georgische Literatur zu lesen. Vermutlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein.

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Rezension zu "Der aufblasbare Engel" von Zaza Burchuladze

Ganz phantastisch :-)
Nadezhdavor 3 Monaten

Selten ist es mir so schwer gefallen, eine Rezension zu seinem Buch zu verfassen, ohne zu viel über dessen Inhalt zu verraten.

 

Ich habe es auf zwei Ebenen gelesen: Zum einen ist da diese absurde, zum Teil komische, zum Teil wiederum überdehnt groteske Geschichte um Nino und Niko, die mir Spaß gemacht hat, über die ich anfangs noch gut schmunzeln konnte und die mich in einer stressigen Arbeitswoche abends gut unterhalten hat – ein wenig nach dem Motto, bei anderen Leuten geht es auch ein bisschen verrückt zu im Leben.

 

Auf dieser Ebene konnte ich jedoch nicht lange bleiben. Zu stark wurden die Anklänge zum einen an Goethes „Faust“, viel stärker jedoch noch an Bulgakows Faust-Adaption „Der Meister und Margarita“. An Bulgakows Roman erinnern mich schon der sprachliche Duktus, die skurrilen Figuren, zu denen eine gewisse Distanz gehalten wird und die sich in einem Moment vollkommen pragmatisch, im nächsten Moment komplett absurd verhalten; die spezielle Vermischung aus Realität, Fiktion, Schwarzer Magie und Hypnose, Träumen, Bezügen zu mythologischen Figuren und Geschehnissen; die bei allem stets vorhandene Ironie, ungewöhnliche Beobachtungen sowie eine z.T. schräge Situationskomik.

 

Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen, sei hier erwähnt, dass Burchuladzes Roman voll ist von Motiven, Figuren oder Szenenfetzen aus „Faust“ und mehr noch dem „Meister und Margarita“. Da ich beide Werke sehr mag, hat mir das beim Lesen natürlich viel Vergnügen bereitet. Ich bin mir jedoch nicht sicher, worin nun das neue Bild bestehen soll, das Burchuladze aus diesen ganzen Bruchstücken und Anklängen sowie eigenen Ideen zusammensetzt – der neureiche Mensch in Georgien als ein unredlicher Geisterbeschwörer, der gedanken- und gewissenlos buchstäblich über sämtliche Leichen seines vorherigen Lebens geht? Dreht es sich um Undankbarkeit? Um vollkommene Skrupellosigkeit angesichts des schnellen Reichtums? Und da Burchuladze diese verbrecherischen Mechanismen nicht konkret benennen will, packt er das Ganze mit Hilfe der Verweise auf „Faust“ und „Der Meister und Margarita“ in diesen mephistophelisch-teuflischen Kontext? Darüber werde ich noch ein wenig nachzudenken haben.

 

Obwohl es sich beim „Aufblasbaren Engel“ um einen Roman handelt, ist das Buch wie ein Drama in fünf Akte gegliedert; diese haben jeweils vier Unterkapitel, die mit Überschriften versehen sind (auch hier wieder eine Mischung von „Faust“ und „Der Meister und Margarita“). Der titelgebende aufblasbare Engel taucht erst gegen Ende als eine Art metaphorischer Geist auf.

 

Ich bin ursprünglich wegen des Covers auf das Buch aufmerksam geworden; die Motive und die kitschige Farbzusammensetzung waren für mich ein echter Blickfang. Aufgrund dieses Covers und auch des ersten Satzes im Klappentext („Eine Frage des Glaubens“) hätte ich stärkere Bezüge zur georgisch-orthodoxen Kirche oder zu Religion und Religiosität überhaupt erwartet. Diese tauchen jedoch erst ansatzweise im vierten Akt sowie dann vermehrt im fünften Akt auf, wobei auch hier stets die engen Bezüge zu „Faust“ und zum „Meister und Margarita“ gewahrt bleiben, jedoch auch biblische Texte aufgegriffen werden und ein unschuldig Getöteter zur Christus-Figur ausgebaut wird. Diesem perspektivisch am Ende chancenlosen Christus stehen Kälte, Verrat und Herzlosigkeit gegenüber.

 

Ich habe das Buch sehr gern gelesen, werde sicher noch weiter darüber nachdenken und spreche auch eine klare Leseempfehlung aus.

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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Der aufblasbare Engel" von Zaza Burchuladze

Zaza Burchuladze - Der aufblasbare Engel
miss_mesmerizedvor 3 Monaten

Langeweile ist der Grund, weshalb Nino und Niko in ihrer Küche eine Geisterbeschwörung durchführen. Ernsthaft daran glauben tun sie beide nicht und als der Geist von George Gurdjieff vor ihnen steht, sind sie einigermaßen überrascht. Dieser würde gerne nach einer kurzen Stippvisite wieder verschwinden, aber das will einfach nicht klappen und so muss er wohl notgedrungen für ein paar Tage bei dem georgischen Pärchen unterkommen. Nino und Niko sind fasziniert von dem Mann und seinen Fähigkeiten, eine Internetrecherche enthüllt ihnen, dass sie es wahrhaftig mit einem erstaunlichen Mann zu tun haben und als dieser ihnen Reichtum in Aussicht stellt, können sie das kaum ablehnen – auch wenn dafür eine Entführung notwendig wird.

Zaza Burchuladze konnte mich mit „Der aufblasbare Engel“ einmal mehr durch seinen lakonischen Schreibstil mir subtilem Humor begeistern. Die Handlung ist hochgradig absurd, aber viel entscheidender als das, was erzählt wird, ist das wie und damit kann der Schriftsteller, der seit Jahren im deutschen Exil leben muss, punkten.

Die Figuren sind allesamt auf ihre Weise schräg, allen voran der Geist: ehemaliger Gymnast, Heiler und auch Magier, der nun ein therapeutisches Korsett tragen muss, da er eben auch nicht mehr der Jüngste ist. Seine magische Mütze hilft ihm leider nicht aus dem Dilemma aus der Wohnung der Gorosias verschwinden zu können. Aber das ist nicht das Einzige, was ihn akut belastet, denn auch seine Erinnerung funktioniert nur noch mäßig, wenn er seinen unfreiwilligen Gastgebern seine Lehren nahebringen will, zeichnen sich immer wieder große Lücken ab:

Insbesondere vom vierten Weg. Neben dem Weg des Fakirs, dem Weg des Mönchs und dem Weg des Yogis, sagte er, der sich von den anderen dreien prinzipiell unterscheide. Doch an den Unterschied könne er sich leider nicht mehr erinnern. Übrigens könne er sich ebenfalls nicht erinnern, wie die letzte Folge von Dr. House ausgegangen war, die er am Vorabend gesehen habe.

Das schnelle Geld ist verlockend für Nino und Niko und so stimmen sie der Entführung Nugsar Tschikobawas zu, der in ihrem Haus immer seine Geliebte besucht. Um eine Million reicher halten sie Ausschau nach einer besseren Wohnung, aber nun haben sie neben dem Geist auch noch einen weiteren Mann an der Backe und dieser beginnt auch schon zu stinken und die Polizei wird ebenfalls auf das Treiben in der Wohnung aufmerksam...

Eine kurzweilige Geschichte, die von der Situationskomik und vor allem dem trockenen Humor des Autors lebt. Die Absurditäten und Ironien des Alltags in Georgien, das zwischen Vergangenheit und Zukunft steckt und wo Aberglaube und Kriminalität genauso ihren Platz haben wie das rechtschaffene Leben der einfachen Leute, wird so glaubwürdig abgebildet.

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Zaza Burchuladze wurde am 09. September 1973 in Tiflis, Georgien geboren.

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