Himbeeren mit Sahne im Ritz

von Zelda Fitzgerald 
4,0 Sterne bei28 Bewertungen
Himbeeren mit Sahne im Ritz
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Beeindruckendes Zeitzeugnis.

SnoopyinJulys avatar

Sie hätte eine eigene Schriftstellerkarriere verdient.

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Inhaltsangabe zu "Himbeeren mit Sahne im Ritz"

Unkonventionell, klug und witzig – der Sensationsfund aus der Feder der Stilikone.

Kaum jemand verkörpert den Zeitgeist der Roaring Twenties so wie Zelda Fitzgerald. Sie war der Prototyp des »Flappers«: frech, abenteuerlustig, extravagant. Ihre Erzählungen entführen uns in das glamouröse, schillernde Bühnenuniversum der Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Sängerinnen und erwecken das Gefühl dieser Ära zum Leben. Die Lichter des Broadway, Schrankkoffer voll Tüllkleider, Orchideen in onduliertem Haar: Diese hinreißend sinnlichen Erzählungen handeln von der hohen Kunst, sich selbst zu inszenieren – und von dem Preis, den man dafür zahlt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783328103295
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:224 Seiten
Verlag:Penguin
Erscheinungsdatum:11.02.2019

Rezensionen und Bewertungen

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    Sidnys avatar
    Sidnyvor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Beeindruckendes Zeitzeugnis.
    Einblick in eine längst vergangene Ära

    In diesem Kurzgeschichtenband gibt es elf Episoden, in denen verschiedenste Frauen im Mittelpunkt stehen. Mal ist es eine Revuetänzerin, mal eine Leinwandkönigin oder eine Ballerina, und trotz ihres unterschiedlichen Hintergrundes und Lebenslaufs sind es in der Regel typische "Flapper". Also Frauen, die sich nicht um überholte Konventionen scheren, die unabhängig und selbstbestimmt durchs Leben gehen, aber trotzdem auf der Suche nach der großen Liebe sind.

     

    Die 20er Jahre sind meine absolute Lieblingsdekade des 20. Jahrhunderts, denn sind wir mal ehrlich, die erste Hälfte war, von diesen zehn Jahren einmal abgesehen, keine Epoche in der man gerne gelebt hätte. Erster Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, Zweiter Weltkrieg - alles in allem eine traurige Bilanz für ein halbes Jahrhundert. Nur in den 20ern hatten die Menschen die Gelegenheit, das Leben in vollen Zügen zu genießen, und unter dem Eindruck des gerade beendeten Krieges haben sie das auch getan, wenn sie die Möglichkeit dazu hatten.

    Aus diesem Grund lese ich gerne Romane, die in dieser Zeit angesiedelt sind, aber in der Regel sind das dann natürlich historische Romane. In diesem Fall ist die Autorin aber Zelda Fitzgerald, die berüchtigte Ehefrau des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, und die Ikone (heutzutage würde man wahrscheinlich sagen: das "It-Girl") ihrer Ära. Das macht diese Anthologie zu etwas besonderem, denn sie ist ein Zeitzeugnis, geschrieben von einer Schriftstellerin, an der sich eine ganze amerikanische Frauengeneration gemessen hat.

     

    Die Geschichten selbst sind sehr unterschiedlich, die Protagonistinnen kommen mal aus einfachsten Verhältnissen, mal sind sie reiche Erbinnen oder auch Ehefrauen. Aus heutiger Sicht wirkt das Lebensgefühl der 20er oft sehr oberflächlich und ichbezogen, denn es ging ja hauptsächlich darum, sich zu amüsieren und das Leben zu genießen, und sich selbst - vor allem als Frau - richtig in Szene zu setzen, um ein möglichst geheimnisvolles und anrüchiges Image zu kreieren. Zelda Fitzgerald lüftet den Schleier für den Leser und lässt ihn in diesen ganz und gar nicht oberflächlichen Geschichten hinter die perfekt inszenierten Fassaden blicken.

     

    Besonders gut hat mir ihr Stil gefallen, am Anfang ungewohnt, doch Geschichte für Geschichte vertrauter und ansprechender. Obwohl in Kurzgeschichten eigentlich wenig Platz dafür ist, werden Schauplätze und ihre Atmosphäre auf sehr besondere und plastische Art zum Leben erweckt. Manche Geschichten haben einen traurigen oder melancholischen Hintergrund ("Miss Ella" oder "Zwei Verrückte"), aber es gibt auch heitere, die mit feiner Ironie zeigen, dass Zelda Fitzgerald ihre Generation selbst nicht immer völlig ernst nahm ("Unsere Leinwandkönigin" oder "Ein Mädchen aus einfachen Verhältnissen").

     

    Dass in allen Geschichten ausschließlich die weibliche Sicht auf die Welt zum Tragen kommt, macht das Buch in meinen Augen außergewöhnlich, denn die meisten zeitgenössischen Werke wurden ja immer noch von Männern geschrieben. In Zelda Fitzgeralds Geschichten sind die männlichen Figuren bestenfalls Staffage, was bei einer Autorin, die bezüglich ihres Schaffens zeitlebens im Schatten ihres berühmten Ehemannes stand, nicht weiter verwundert.

    "Himbeeren mit Sahne im Ritz" ist ein literarisches Denkmal für die erste Generation von Frauen, die das althergebrachte Rollenbild in Frage stellten und bewiesen haben, dass Frauen nicht zwangsläufig ihre Erfüllung als Ehefrau und Mutter finden, sondern genauso wie die Männer nach den Sternen greifen dürfen.

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    Bris avatar
    Brivor 2 Jahren
    Das fehlende Sahnehäubchen

    Zelda Fitzgerald erging es lange wie vielen Frauen vor ihr: Zunächst als schmückendes Beiwerk des großen F. Scott Fitzgerald, dann als dessen Klotz am Bein und Auslöser seiner Trunksucht und bis hin zur "Kreativitätsbremse" betrachtet, billigte man ihr kaum eigene ernstzunehmende Kreativität zu. Sicher, eine schillernde Persönlichkeit. Anmut und Charme wurden ihr bescheinigt. Mit Kunst erfolgreich zu sein eher nicht. Und das obwohl sie das war, was man damals,einen Flapper nannte. Und genau diese Diskrepanz scheint sie - zu ihrer eigenen seelisch meist nicht ausgeglichenen Lage - so sehr beschäftigt zu haben, dass sie es in diversen Kurzgeschichten verarbeiten musste.

    Kurzgeschichten, deren Hauptfiguren - zumindest was die in dem wunderschön gestalteten Band Himbeeren mit Sahne im Ritz angeht - immer Frauen sind, die neben dem Hang sich zu nehmen, was sie möchten, auch unter einem enormen Druck stehen. Unter dem Druck, den Frauen seit Jahrhunderten kennen: Perfektionismus, dem Drang zu gefallen und dem Wunsch dabei als intellektuelles Wesen wahrgenommen zu werden. Ganz ehrlich: Welche Frau erkennt diese Muster, zumindest nicht ab und an, auch bei sich selbst?

    Da wegen des aufwändigen Lebensstils der Fitzgeralds - wie gewonnen, so zerronnen - ein kontinuierlicher Geldfluss vonnöten war, Zeldas Geschichten aber, weil sie von Zelda und nicht von Scott stammten, keine größeren Beträge erzielt hätten, erschienen sie teilweise unter dem Namen des Meisters der Roaring Twenties. Weshalb nicht auffiel, dass die Geschichten nicht von ihm stammten, ist mir ein kleines Rätsel. Denn auch wenn beider Erzählungen viel Menschliches zum Inhalt haben, so ist sprachlich und konzeptionell doch ein Unterschied zu vermerken. Während bei Scotts Kurzgeschichten (ich gebe zu, ich bin eine glühende Verehrerin) alles leicht und trotzdem mit Tiefe hingeworfen, die Konzeption perfekt durchdacht scheint, weisen Zeldas Geschichten Schwächen auf. Sicher, sie war keine solch professionelle Autorin, wie ihr Mann. Sie war interessiert an vielen Dingen und meist wird Scott für ihren kürzeren Atem an gewissen Projekten festzuhalten die Schuld gegeben. Aber eben das gehört zu einer Meisterschaft dazu: das Durchhalten, das immer von Neuem Anfangen und Weitermachen. Im besten Fall mit einer positiven Weiterentwicklung.

    Himbeeren mit Sahne im Ritz versammelt elf Erzählungen Zelda Fitzgeralds, die durchaus ihre funkelnden Momente besitzen. Es finden sich großartige Sätze darin

    „Sie gönnte sich Masseure, die sie jeden Morgen behandelten, zu viele Sidecars vor dem Mittagessen und Unterwäsche, in der man tot aufgefunden werden wollte.“

    und doch stellt sich keine wirkliche Verbindung zwischen Text und LeserIn ein. Zumindest erging es mir an manchen Stellen so. Vielleicht liegt das nicht so sehr an der handwerklichen Fähigkeit der Zelda Fitzgerald, der man durchaus Talent attestieren kann, sondern an der Umsetzung der eigenen Wünsche und Träume, die eben nicht ohne das auskommt, was sie gleichzeitig als erdrückend empfindet: Männer und deren Einfluss. Letztendlich gelingt es keiner ihrer Protagonistinnen, die sehr wohl talentiert, jung und gut aussehend sind, ihr Glück ohne einen Mann und dessen Erfolg, respektive Geld, zu finden. Tragische Heldinnen sind es, fast wie bei Scott, dessen Helden ja auch meist tragisch sind. Doch hier ist es wie im Leben: Tragische Helden vermögen es manchmal sogar im Untergang zu erstrahlen, während ihre weiblichen Pendants sich ihrer Pflicht bewusst sind und sich fügen.

    Hervorzuheben sind - neben der sehr schönen Gestaltung des Bandes - die wunderbare Übertragung in die deutsche Sprache, für die Eva Bonné verantwortlich zeichnet und das kluge und einfühlsame Nachwort von Felicitas von Lovenberg.

    Zelda selbst wollte oder / und konnte sich nicht fügen. Immer auf der Suche nach etwas, das sie selbst ausmachte, verlor sie sich letztendlich. Und ich frage mich, ob ihre Texte mich so kalt lassen, weil sie eben Zelda Fitzgerald war. Ganz genau werde ich das nie sagen können - und so bleibt bezüglich meines Leseeindrucks ein unentschiedenes Gefühl: Für mich waren es Himbeeren, aber ohne Sahnehäubchen und das schon gar nicht im Ritz.

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    F
    FairytaleLivresvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Wunderschönes Buch mit sehr viel Eleganz.
    Wunderschönes Buch mit sehr viel Eleganz.

    Das Cover passt natürlich perfekt in das Zeitalter in der die Geschichten spielt. Ich finde es ist passend, aber nicht großartig auffällig. Trotzdem sehr schön.

    Bei dem Buch handelt es sich um eine Ansammlung von Kurzgeschichten. Insgesamt elf Stück lassen uns in einer Welt voller Glamour und Glitzer eintauchen. Bei den Protagonisten handelt es sich meistens um junge Frauen, die ihre Träume verwirklichen wollen. Nach außen hin elegante, starke Damen, die im inneren doch nicht mehr so stark sind wie sie wirken und für ihre Träume alles geben würden.

    Die ganze Atmosphäre gefällt mir unglaublich gut. Es fühlt sich an, als wäre man selbst dabei. Man atmet beim Lesen einen Hauch der Flapper-Ära ein und wird vollkommen in sie gefangen. Alles wirkt einfach unglaublich authentisch.

    Der Schreibstil von Zelda gefällt mir wirklich gut. Sehr elegant und schön. Man fühlt die Energie, die in den einzelnen Geschichten steckt. Alles wird sehr Detailreich beschrieben. Durch diese Art zu schreiben, kann man sich besonders gut in die Protagonisten einfühlen. Man fiebert und fühlt mit den Damen. Bekommt all ihr Emotionen genau mit. Es scheint als wäre man selbst dabei und ein Teil ihrer Welt.

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    BettinaR87s avatar
    BettinaR87vor 2 Jahren
    Frauenrollen in den 1920ern

    Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die Frauen: Mal ein einfaches Mädchen, das bei seinem Vater in der Gastwirtschaft arbeitet und für eine Saison in ihrem Dorf zur Filmdarstellerin wird. Oder Lou, Gay und wie sie alle heißen. Sie alle sind eigenständige Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollen und von der Gesellschaft eingeschränkt werden. Macht sie das zu starken, feministischen Charakteren, wie man es oft in anderen Rezensionsn liest?

    Die Zwickmühle bei diesem Feminismus-Argument ist, dass es bei jeder einzelnen Geschichte einen Mann braucht, um aus dem Mädchen eine Prinzessin zu machen. Gerechtfertigterweise liegt das mit an der Zeit, in der Geschichten spielen und geschrieben wurden, hat trotzdem mit Feminismus sehr wenig zu tun. Jetzt wird es kompliziert: Das heißt nicht, dass wir hier von zahmen Damen lesen, die sich ihrer Rolle am Herd nur zu bewusst sind. Sie wollen alle etwas verändern in ihrem Leben und nutzen dafür ganz selbstbewusst jedes Mittel, das ihnen zur Verfügung steht. In den meisten Fällen sind das die Männer.

    Die Protagonisten bei Zelda Fitzgerald ähneln sich stark. Es geht sehr oft um Frauen, die in der Gesellschaft aufsteigen wollen: Entweder in Hollywood oder durch kluge Heiraten. Diese turbulente Leben in der kreativen Szene könnten oftmals einfach das sein, was sie selbst erlebt hat - denn mit 19 Jahren heiratete sie schon Scott Fitzgerald und führte insgesamt ein buntes und turbulentes Leben in New York, bevor sie in einer Nervenklinik landete und dort bei einem Brand verstarb. Die interessanteste Frage aus dem Buch lautet daher: Beschreibt sie sich selbst in all den Geschichten?

    Zelda Fitzgerald hat ihren ganz eigenen Stil, der mich persönlich beim Lesen oft hat stolpern lassen: Der Fluss wurde immer wieder unterbrochen. Wem dieser Stil bekannt vorkommt - einige ihrer Werke wurden unter dem Namen ihres Mannes veröffentlicht. Die Leichtigkeit, mit der sogenannte "Flappers" in den 1920ern ihr Leben gelebt haben, spiegelt sich leider nicht in den elf einzelnen Geschichten wider. Vielmehr wahrt sie immer eine gewisse Distanz und lässt den Leser nie richtig auf die einzelnen Charaktere hinzugehen. Sie lässt nicht miterleben, sondern beschreibt meistens nur von Außen. Des Weiteren zeigt sie die einzelnen Szenen in sehr reduzierter Form: Seltem gibt es ausführlichere Beschreibungen der Orte, sodass das Kopfkino kaum Fahrt aufnehmen kann. Wenn sich Paare trennen, neu verlieben und wieder trennen, spürt man keine Emotion beim Lesen, es bleibt alles seltsam vage. Deswegen bleibt am Ende des Buchs kaum eine bleibende Erinnerung an mehr als zwei Geschichten, was doch sehr schade ist.

    Meine Empfehlung wäre daher, das Buch selbst in Etappen zu lesen. Hier mal eine kurze Geschichte in der U-Bahn. Dort einmal am Wochenende.

    Das Fazit: Für Fitzgerald-Fans natürlich trotz allem Pflicht, aber wer nicht auf die 1920er steht oder dieses Schriftstellerpaar, darf sich getrost nach anderer Lektüre umsehen.

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    wortkulisses avatar
    wortkulissevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Scharfzüngig, mit einer Prise Ironie und leider wenig abwechslungsreich entführt uns Z. F. in die berauschende Zeit der Roaring Twenties.
    Himbeeren mit Sahne im Ritz

    Es gibt wohl kein Paar, das die glamouröse und hemmungslose Zeit der zwanziger Jahre besser verkörpert, als die Fitzgeralds. Doch während F. Scott Fitzgerald noch heute für sein schriftstellerisches Talent verehrt wird, ist nur wenigen bekannt, dass auch seine Ehefrau Zelda Fitzgerald schriftstellerisch tätig war. Elf ihrer Erzählungen sind dieses Jahr in neuer Übersetzung im Manesse Verlag erschienen.

    Die Roaring Twenties sind gekennzeichnet durch glamouröse Partys, viel Alkohol und Zigarettenrauch, finanzielle Ausgelassenheit, Federboas und lange Perlenketten. Nicht zuletzt Zelda Fitzgerald war eines dieser typischen "flapper girls", die in der Öffentlichkeit rauchten, tranken und sich selbstbewusst über Regeln der Schicklichkeit hinwegsetzten. So ist es kein Wunder, dass Zelda Fitzgerald eben solche Frauen in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen rückt. Es sind starke, schillernde Frauen, die voller Abenteuerlust und Tatendrang stecken, die Konventionen missachten und großen Träumen nachhängen. Die Autorin zeichnet in ihren Erzählungen tiefgründige weibliche Charaktere, die sich über die bestehenden Regeln des Frauseins hinwegsetzen und ihren eigenen Weg gehen. Die Handlung bildet dabei häufig nur einen losen Rahmen, in denen Fitzgerald ihre Protagonistinnen mit ihren Wünschen und Sehnsüchten entfaltet. Die Geschichten werden jeweils aus der Sicht eines Ich-Erzählers erzählt, der zur Hauptfigur meistens in direkter Beziehung steht. So könnte es natürlich sein, dass Zelda Fitzgerald inspiriert durch ihre Bekannten diese Erzählungen schrieb und damit Menschen aus ihrem Umfeld beschrieb. Zum anderen weisen die im Zentrum der Geschichten stehenden Frauen einige Ähnlichkeiten zu Zelda Fitzgerald auf, sodass es manchmal scheint, als würde sich die Autorin von außen selber betrachten.

    Zelda Fitzgerald schafft es auf beeindruckende Weise ihre Leser in die Zeit der Roaring Twenties zu entführen und sie beim Lesen die Ausgelassenheit dieser Zeit spüren zu lassen. Ich habe mich mit Freude in jede der einzelnen Erzählungen gestürzt und mich wiedereinmal in diese Zeit gesehnt. Aufgrund der gleichen Thematik und der Ähnlichkeit der Hauptprotagonistinnen wirken die Erzählungen jedoch sehr ähnlich. Deshalb habe ich zwischen den Erzählungen kleinere und größere Pausen eingelegt, um nicht das Gefühl von Monotonie aufkommen zu lassen. Wie es bei Erzählbänden häufig der Fall ist, gibt es auch in diesem Erzählungen, die ich großartig fand und andere, die ich nicht so sehr mochte. Dennoch zeigen sie alle, dass Zelda Fitzgerald ein großes Talent zum Schreiben hatte. So beschreibt sie beispielsweise präzise den Gang der Sonnenstrahlen zwischen den Häuserfassaden bis sie "in kalter Berechnung [...] die Gasse" - S. 83 ignorierten, durch die sie gerade ging. Dabei geizt die Autorin weder mit Ironie noch mit frecher Scharfzüngigkeit und sprachlichen Bildern, die die Erzählungen zu einem wunderbaren Lesevergnügen machen.

    Zelda Fitzgerald entführt ihre Leser mit ihren Erzählungen in die ausgelassene Zeit der Roaring Twenties. Dabei überzeugt sie nicht nur durch ihr schriftstellerisches Talent, sondern auch durch starke und gleichzeitig zerbrechliche Protagonistinnen. Leider ähneln sich die Erzählungen inhaltlich sehr. Dadurch bietet es sich an, von Zeit zu Zeit eine kleine Pause einzulegen, um dann erfrischt erneut in die Zeit der Roaring Twenties einzutauchen.

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    Marina_Nordbrezes avatar
    Marina_Nordbrezevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Zeitreise in die mondänen 20er Jahre mit der besten Reisebegleitung, Zelda Fitzgerald herself. Ein großes Vergnügen mit kleinen Schwächen.
    Für Liebhaber der Zwanziger Jahre und Fitzgerald-Fans

    Meine Verehrung für die Zwanziger Jahre und insbesondere für die Familie Fitzgerald ist ungebrochen. Das ist quasi mein buzz word – wenn ich "Fitzgerald" höre, werde ich zum Erdmännchen. Oder so ähnlich. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass ich bei der Ankündigung eines Erzählbandes von Zelda Fitzgerald nicht nur in Erdmännchen-Position ging, sondern auch meine Öhrchen gespitzt habe. Und so kam es, dass ich vor der Lektüre des Buches erst einmal zu einer Lesung im Rahmen des Münchner Literaturfests ging und lauschte, wie Bibiana Beglau aus "Himbeeren mit Sahne im Ritz" vorlas. Ein Freudenfest! Bibiana Beglau ist eine gar großartige Schauspielerin, die ich schon öfter im Residenztheater bewundert habe und deren Stimme mich komplett hypnotisiert. Besser hätte man es also nicht treffen können. Drei Geschichten wurden an dem Abend vorgelesen und schon da witterte ich den ersten Schwachpunkt des Erzählbandes, der sich dann beim Lesen auch weiter bestätigt hat.

    Doch zuerst einmal die positiven Seiten. In elf Erzählungen widmet sich Zelda Fitzgerald starken, eigenständigen Mädchen, nein, Frauen, die in den Zwanziger Jahren ihren Platz im Leben suchen. Der Platz befindet sich meistens auf der Bühne oder vor der Kamera, nicht unbedingt an der Seite eines Mannes und schon gar nicht vor dem Herd. Showgirls, angehende und bestehende Schauspielerinnen, Träumerinnen und scharfsinnige Beobachterinnen geben sich hier ein Stelldichein bei Himbeeren mit Sahne im Ritz.

    "Aber es muss furchtbar gewesen sein, ganz allein unter dem vergoldeten Stuck eines Pariser Hotels zu sterben, egal wie kostbar das Gold war und wie gewohnt der Anblick." (Seite 47 f.)

    Wenn ich wollte, könnte ich die elf Geschichten mit den elf Protagonistinnen hier nun beschreiben. Das Problem ist aber: Das geht gar nicht wirklich. Denn egal, ob sie nun Gay oder Lou oder Miss Ella heißen, sie sind doch alle die eine – Zelda. Immer ist es Zelda, die da ihren Weg ins Rampenlicht sucht, immer ist es die große, alles verschlingende Beziehung zu F. Scott, die da aufgebaut oder zerbrochen wird. Liegt das nur an mir, dass ich zwischen den Zeilen nur die echte Zelda Fitzgerald sehen kann oder ist dem wirklich so?

    Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in letzter Zeit zwar dachte, dass ich mit Erzählungen gut klar komme, sich die Erzählungen in "Himbeeren mit Sahne im Ritz" aber so ähnlich sind, dass nur die klare Abtrennung durch die Überschriften mich davon abhält, alles in einem Zug und verwoben miteinander zu lesen.

    Im Nachwort fragt Felicitas von Lovenberg, wie wir die vorliegenden Erzählungen wohl lesen würden, wenn sie nicht von Zelda, sondern einer unbekannten Frau geschrieben worden wären. Meine ehrliche Antwort? Gar nicht. So sehr mich die Lektüre erfreut hat, so wenig kann ich damit im Nachhinein anfangen. Umso interessanter finde ich es, dass einige der Erzählungen zu Lebzeiten unter F. Scott Fitzgeralds Namen veröffentlicht wurden. Dieser Aspekt interessiert mich so sehr, dass ich wohl noch ein wenig herumforschen muss, wie eng das schriftstellerische Schaffen des Ehepaars miteinander verwoben war. Falls hier jemand Lektüretipps für mich hat: Immer her damit!

    "Himbeeren mit Sahne im Ritz" ist eine amüsante Zeitreise in die mondänen Zwanziger Jahre mit der besten Reisebegleitung, die man sich hierfür vorstellen kann – Zelda Fitzgerald herself. Ein Vergnügen mit kleinen Schwächen und wohl eher für Liebhaber der Ära und Fitzgerald-Fans geeignet. 

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Himbeeren mit Sahne im Ritz

    Keiner schafft es die Roaring Twenties so gekonnt, so schön und so lebensecht in Worten wiederzugeben wie die Fitzgeralds, denn das Schriftstellerpaar F. Scott und Zelda Fitzgerald gehört selbst zu den berühmtesten Figuren jener Zeit. Neben Scott, der schon zu Lebzeiten erfolgreich war, blieb Zelda schriftstellerisch eher im Hintergrund und veröffentlichte ihre eigenen Texte zum Teil sogar unter seinem Namen. Nun finden ein paar ihrer Erzählungen in einem wunderschönen Band im Manesse Verlag ihren eigenen Platz. Denn auch wenn man Zelda Fitzgerald immer als Teil „der Fitzgeralds“ und somit auch als F. Scott Fitzgeralds Frau sehen wird, hat sie es doch verdient, als eigenständige Person und vor allem als Schriftstellerin gewürdigt zu werden.

    In elf Kurzgeschichten erzählt Zelda Fitzgerald in „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ von Mannequins, Filmdiven, Tänzerinnen und Sängerinnen, die stolz ihr Leben leben, aber dennoch ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Zelda nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die goldenen Zwanziger, auf glamouröse Partys, hinter und auf die Bühne und auch ein bisschen in das Seelenleben der Heldinnen. Das alles geschieht aus der beobachtenden Perspektive Zeldas, deren Blick so klar und deren Beschreibungen so intensiv sind, dass man meint, mitten im Geschehen zu stehen. Mal schlüpft Zelda in die Rolle der Bekannten oder der Freundin und mal bleibt sie einfach nur entfernte Beobachterin, aber immer schafft sie es die Frauen in ihren Erzählungen und deren persönliche Lage einfühlsam zu beschreiben, ohne viele Worte im eigentlichen Geschehen zu verlieren. Vielleicht auch, weil ein wenig Zelda in all ihren Heldinnen steckt.

    Nicht alle Erzählungen sind vollends gelungen, manch eine könnte man als ein wenig langatmig und langweilig bezeichnen. Doch das macht nichts. Die Atmosphäre, die Zelda Fitzgerald kreiert, ist einmalig und macht das Buch allemal einzigartig und lesenswert - nicht nur für Fitzgerald-Fans.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Die Inszenierung eines Lebens

    Diese Sammlung von Erzählungen aus der Feder von Zelda Fitzgerald, erschien im September 2016 erstmals in der deutschen Übersetzung von Eva Bonne.


    Zum Inhalt:

    Im Zentrum all dieser Erzählungen stehen ehrgeizige, schillernde und einnehmende Frauen der Roaring 20's, die das Lebensgefühl jener Zeit perfekt repräsentieren. Und dort gehört der schöne Schein und die Inszenierung der eigenen Person zum guten Ton. Authentizität ist unerwünscht und in Gesellschaft wenig hilfreich, denn diese Frauen wissen was sie wollen und wie sie es bekommen. Männer spielen dabei eine untergeordnete Rolle, sind höchstens Mittel zum Zweck und Teil des erdachten Lebens. Doch unter der Oberfläche finden sich verpasste Chancen, Ängste, Verlust, unerfüllte Träume und Einsamkeit und hinterlassen einen matten Fleck auf der sonst so glänzenden Hülle.

    Meine Meinung:
    Die Fitzgeralds waren ein interessantes Paar mit einer schwierigen Ehe. Zelda Fitzgerald blieb als Schriftstellerin immer im Schatten ihres erfolgreichen Mannes F. Scott Fitzgerald unter dessen Name auch einige ihrer Werke veröffentlicht wurden um sie besser zu verkaufen.
    Ich hatte den Eindruck diese fehlende Anerkennung und einen gewissen Geltungsdrang in einigen ihrer Erzählungen wiederzufinden. Dabei ist auch die Perspektive interessant, denn oftmals beschreibt sie die Frauen ihrer Geschichten tatsächlich aus der Perspektive einer Freundin oder Bekannten und oftmals ist die Erzählerin sogar Zelda Fitzgerald selbst, als hätte sie all diese Frauen wirklich gekannt.
    Die Sprache ist durchwachsen. Neben Passagen deren Formulierung mir sehr bemüht und hölzern erschienen, gab es auch beeindruckend präzise und vielschichtige Beschreibungen, die mich begeistern konnten und eine Markierung wert waren.
    Zu den meisten der skizzierten Charaktere konnte ich keine emotionale Verbindung aufbauen. Diese oberflächliche Welt wohlhabender und schöner Menschen mit Drang zur Selbstdarstellung ist für mich sehr weit weg und entsprechend fand ich einige der thematisierten Probleme nahezu banal. Ich mochte allerdings die unterschwellige Melancholie, die dem schönen Schein oftmals seinen Glanz nehmen konnte.

    Fazit:
    Wer mehr über Zelda Fitzgerald erfahren möchte kann durch ihre Erzählungen einen ersten Eindruck von ihrem Leben sowie dem Lebensgefühl der Roaring 20’s im Allgemeinen bekommen. Dabei ist insbesondere die Erzählperspektive sehr interessant. Sie hat eine schöne Sprache mit bemerkenswerten Formulierungen, die aber zeitweise etwas bemüht wirkten. 

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    YukBookvor 2 Jahren
    Die Welt der Flapper Girls

    Eines konnte man von den schillernden Frauen aus den Roaring Twenties gewiss lernen: die Kunst der Selbstinszenierung. Mitten unter ihnen war Zelda Fitzgerald, die meist im Schatten ihres Ehemannes und weltberühmten amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald stand. Welche erzählerische Begabung sie selbst besitzt, beweist sie in in dieser Erzählsammlung. In jeder Geschichte steht eine andere weibliche Persönlichkeit im Mittelpunkt: die clevere und entschlossene Gracie in New Heidelberg, die lebenshungrige Harriett in Jefferssonville oder die autoritäre und wankelmütige Helena in New York. Die Autorin entwirft ein breites Panoptikum an Figuren, die in ihren Ambitionen und Hoffnungen verstrickt sind, und man kann sich gut vorstellen, dass Zelda tatsächlich ähnlichen Menschen in ihrem Leben begegnet ist. Zeitweise hat man Mühe, bei den zahlreichen Stationen mitzuhalten, kann jedoch dank der glänzend formulierten Sprache immer wieder genussvoll in die neue Szenerie eintauchen. So entfaltet sich ein authentisches Bild der High Society, in der sich vergnügungssüchtige Eisenbahnmagnaten, Bankiers und Großunternehmer tummeln, Frauen in den elegantesten Ozeandampfern von New York nach Paris jetten und im Ritz Champagner schlürfen. ‚Flapper’ wurden diese jungen Frauen genannt, die gern tranken rauchten, tanzten und Jazz hörten. Manchen von ihnen wird alles geschenkt. Frei von finanziellen Sorgen können sie ihre Launen ausleben und ihre Begierden befriedigen. Doch gerade jene Frauen, denen es an nichts zu fehlen scheint, versprühen ein Gefühl des Mangels und der Rastlosigkeit. Andere wiederum träumen in einem Provinznest in den Südstaaten von einer Tanzkarriere in New York und arbeiten hart dafür, bis sie schließlich erkennen müssen, dass nicht jede für den Broadway bestimmt ist. Fitzgerald präsentiert die mannigfaltigen Frauenfiguren wie auf einem Laufsteg und beschreibt detailreich ihre Außenwirkung. Was sie jedoch tief im Inneren fühlen, bleibt dem Leser verborgen. So blieben die Charaktere für mich größtenteils unnahbar. Wie die Autorin ihre sinnlichen Eindrücke der verschiedenen Begegnungen und Schauplätze und das Lebensgefühl der Goldenen Zwanziger beschreibt, habe ich dagegen sehr genossen.

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr schöner Erzählungsband von Zelda Fitzgerald in neuer Übersetzung. Ein großartiger Überblick über ihre Kunst und ihr Leben.
    Die Frauen der Roaring Twenties

    Himbeeren mit Sahne im Ritz, Reisen nach Frankreich, Revuetänzerinnen, Schauspielerinnen, das Leben der Flapper in den 20er Jahren. All das beschreibt Zelda Fitzgerald in ihren Geschichten auf eine unvergleichliche Art. Zu Lebzeiten wurden die meisten ihrer Geschichten nicht unter ihrem Namen veröffentlicht oder sie wurde zumindest nur als Co-Autorin ihres Mannes, Scott Fitzgerald, genannt. Dies hatte auch praktische Gründe, bekam ihr Mann durch seine Berühmtheit doch bedeutend mehr Geld für seine Geschichten. Jetzt sind ihre wunderbaren Geschichten im Manesse Verlag  ine einer sehr schönen Ausgabe endlich unter ihrem alleinigen Namen erschienen. 

    Die Geschichten von Zelda Fitzgerald bestechen durch eine unglaublich bildhafte Sprache, die die Leser sofort mitnimmt und in die Geschichte eintauchen lässt. Dabei sind viele Geschichten biographisch angehaucht, so ist Zelda selbst ein Südstaatenmädchen, wie einige ihrer Protagonistinnen und wie einer der männlichen Charaktere meldete sich auch ihr Mann Scott zur Armee und kam jedoch nie zum Kriegseinsatz, weil der Krieg vorher zu Ende war. Wie auch ihr Mann bediente sich Zelda an ihren eigenen Erfahrungen und am Leben von Freunden und Familie für ihre Geschichten. Sie handeln von Neid, Eifersucht und gescheiterter Liebe und eben sehr oft von Frauen, die kämpfen müssen, um im Leben zurecht zu kommen, die eben nicht den einfachsten Weg wählen, um glücklich zu werden. 

    „Himbeeren mit Sahne im Ritz“ ist eine wunderbare Sammlung von Zelda Fitzgeralds Geschichten und die Übersetzerin Eva Bonné lässt Zeldas Sprache auch in der deutschen Übersetzung so leicht und bildhaft wirken, wie sie einmal in Zeldas Kopf entstanden sein muss. Ein großartiges Buch, um es immer wieder lesen und doch immer wieder neues zu entdecken. 

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