Zeruya Shalev Für den Rest des Lebens

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Inhaltsangabe zu „Für den Rest des Lebens“ von Zeruya Shalev

Chemda Horovitz liegt in ihrem Bett und blickt mit schwindendem Bewusstsein auf ihr Leben zurück. Sie denkt an ihre Kindheit im Kibbuz, an ihre Ehe und ihre zwei Kinder, von denen sie eines zu sehr und das andere zu wenig liebte. Ihr geliebter Sohn Avner ist zu einem Mann herangewachsen, dessen Erfolg als Anwalt ihn nicht von seiner tiefen Verbitterung erlösen kann. Er verfällt einer geheimnisvollen Frau, die seine Liebe nicht erwidert. Chemdas Tochter schenkt alle Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Tochter. Als diese sich immer weiter von ihr entfernt, entsteht in ihr das mächtige Verlangen, ein Kind zu adoptieren und noch einmal von vorne zu beginnen. Doch der Widerstand ihrer Familie treibt sie in eine Sackgasse. Sie kann den Traum nicht überwinden, der das zu sprengen droht, was er eigentlich retten soll: ihre Familie. In Für den Rest des Lebens erzählt Zeruya Shalev von den elementaren Kräften zwischen Eltern und Kindern, von Wut, Enttäuschung und Sehnsucht, von Verletzungen und Liebe und davon, wie sich die Familienbande als stärker und beständiger erweisen als alles Sehnen und Streben, diese zu zerschneiden, und stärker als alle Kräfte, die uns trennen.

Ein schonungsloses Buch, das die großen tabuisierten Themen wie Tod, Scham und Versagen aufgreift.

— 101844
101844

Die schriftstellerische Melancholie dieser Autorin weiss zu beeindrucken.

— Provinzpoet
Provinzpoet

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  • Eine Geschichte vom Leben und Sterben

    Für den Rest des Lebens
    101844

    101844

    07. March 2017 um 21:36

    Was bedeutet das eigene Leben noch im Angesicht vieler falsch getroffener Entscheidungen? Was fängt man mit dem Rest von etwas an, das gründlich schief gegangen ist? Was ist der Sinn des Lebens?Das Buch taucht tief in die Geschichte einer Familie ein und vermittelt dabei ganz eindrücklich die Kultur Israels. Die Lesenden erfahren, was eine Kindheit im Kibbuz bedeutet, welche Auswirkungen eine so enge Gemeinschaft auf das Leben und die Entwicklung von Kindern und Erwachsenen von vier Generationen hat. In Form von Gedanken folgen die Lesenden den Charakteren und sind dadurch so eng und schonungslos nah mit ihnen verbunden. Nichts wird ausgespart, so wie es eben in der eigenen Gedankenwelt aus geschieht. Es ist nicht immer einfach diese Gedanken mit den Charakteren zu teilen ohne das Buch kurz zur Seite zu legen. Gerade dieser Umstand macht das Buch zu einem absoluten "Pageturner".Shalev schafft eine bedrückende Atmosphäre von Angst, Trauer Zweifel. Es gibt keine wörtliche Rede, die Gedanken und Geschehnisse vollziehen sich in seitenlangen Sätzen. Ein Absatz trennt manchmal Welten.Ein Leseerlebnis ganz anderer Art. Traurig, verstörend und hoffnungsvoll.

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  • Für den Rest des Lebens von Zeruya Shalev.

    Für den Rest des Lebens
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. April 2013 um 04:35

    Chemda liegt im Sterben und daher eilen ihre Tochter und ihr Sohn ein letztes Mal an ihre Seite. Doch auch im Angesicht des Todes ist sie keineswegs sanft, denn ihre Kindheit unter der Fuchtel des Vaters beschäftigt sie noch heute. Doch auch ihre beiden Kinder haben Dämonen der Vergangenheit, die sie nicht so einfach frei geben wollen. Einen Tag nur hat die Lektüre dieses Buchs gedauert. Nicht weil es so kurz oder simpel gewesen wäre, sondern weil seine Geschichte und deren emotionale Tiefe mich regelrecht in den Roman hinein sog und erst dann entließ als die letzte Seite beendet war. Die Charaktere sind hierbei für mich treibende Kraft des Romans und das, was die Faszination ausmacht. Denn alle von ihnen Grübeln und Leiden unter Dingen, die sie nicht loslassen können, auch wenn ihnen das manchmal gar nicht so bewusst ist. Das macht sie für mich so authentisch und ermöglicht es ihnen die Handlung zu bestimmen, anstatt als von ihr bestimmt zu werden. In sprachlich schönen Bilder, Sätzen und Kapiteln erzählen sie ihre Geschichten, treffen sie auf einander und den Leser. So dass die Welt außerhalb ihrer Welt an mir vorbei rauscht, während ich mich im Roman bewege, lese, leide, fühle als wäre ich Teil der Handlung, Vertrauter ihrer Figuren. Ich empfehle Dir daher an dieser Stelle, lass Dich ein auf diese Reise, lass Dich treiben auf den Worten von Zeruya Shalev. Lass sie Dir erzählen von ihren Charakteren, deren Lieben und Leiden, deren Schmerz, der Dein eigener sein könnte und Dich trotz allem nicht beschwert. Ich werde nach meiner Erfahrung mit dem Roman nun gleich “Liebesleben” auf meine Wunschliste schreiben. Denn wer ein solch beeindruckendes Charakterporträt zeichnen kann, der gehört im Ganzen aufs Regal, angefangen natürlich mit “Für den Rest des Lebens”. Eine kleine Geschichte, die aber nicht minder berührt.

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  • Rezension zu "Für den Rest des Lebens" von Zeruya Shalev

    Für den Rest des Lebens
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    29. July 2012 um 17:08

    Auf der Leipziger Messe war mein Highlight das Interview mit Zeruya Shalev zu ihrem neuen Buch "Für den Rest des Lebens", welches ich mir natürlich vor Ort auch gleich zulegen musste. Shalevs vorhergehende Werke "Mann und Frau", in der es um eine Trennung eines Paares nach vielen Jahren geht; "Liebesleben", worin die Autorin die obsessive Liebe einer jungen Frau zu einem wesentlich älteren Mann beschreibt und "Späte Familie", die Geschichte einer sich neu findenden Patchwork-Familie haben mich alle begeistert und so kann man mich getrost als Fan der israelischen Star-Autorin bezeichnen. Umso gespannter war ich auf ihren neuen Roman und bin nicht enttäuscht worden. Die Geschichte vereint die Geschichte dreier Familienmitglieder: der Mutter Chemda, die dem Ende ihres Lebens entgegen sieht und dieses Revue passieren läßt und versucht, ihren Frieden mit dessen Verlauf, den sie lange Zeit in einem Kibbuz verbrachte, zu finden. Der zweite Hauptdarsteller ist Chemdas Sohn Avner, den sie mehr liebte als ihre Tochter Dina, die Dritte im Bunde. Avner hadert mit seinem Leben. Obwohl er als erfolgreicher Anwalt für Menschenrechte arbeitet und eine Familie mit zwei Söhnen hat, ist er zutiefst unzufrieden, möchte ausbrechen aus einer lieblosen Ehe, die er viel zu früh eingegangen ist. Er möchte am Ende seines Lebens mit Liebe aus demselben scheiden, so wie er es am Nachbarbett seiner kranken Mutter im Krankenhaus bei einem Paar erleben durfte. Er verliebt sich in die zurückbleibende Geliebte des Sterbenden, sie ist für ihn aber unerreichbar. Dina ist die ungeliebte Tochter und liebt vielleicht deshalb ihre einzige eigene Tochter umso mehr. Weil sie deren Zwilling noch vor der Geburt verlor und weil die Tochter sich im pubertären Alter immer mehr von ihr entfernt, entsteht bei ihr der unausweichliche Wunsch nach einem weiteren Kind. Und da sie bereits in dem Alter ist, wo ihr eigene Kinder nicht mehr vergönnt sind, möchte sie ein fremdes Kind adoptieren. Mit diesem Wunsch stößt sie jedoch auf steinharten Widerstand bei ihrem Mann und zuerst auch bei der Tochter. Zeruya Shalev zeigt in allen drei Mitgliedern die tiefe Verbundenheit mit der eigenen Familie, egal, ob man versucht, die Verbindung zu kappen, egal wie enttäuscht man manchmal ist. Am Ende ist diese Verbindung stärker als alles Andere und hilft über Krisen hinweg. Wie tief blickt die Autorin in die Seelen ihren Figuren, macht Unverständliches verständlich. Ich bewundere dieses psychologische Einfühlungsvermögen und staune, wie Shalev es in all ihren Büchern schafft, den Kern menschlichen Handels zu erspüren. Als Leser findet man sich in allen Personen wieder: im Zweifel, in der Hoffnung, im Hadern und in der Emanzipation. Ich trage all dies in irgendeiner Form selbst in mir, kenne Situationen, in denen ich ähnlich empfunden oder gedacht habe. Und daraus entsteht eine tiefe Verbundenheit mit den Figuren, die einen auch lange nach Beenden der Lektüre noch nachklingen. Ich kann allen nur wärmstens die Werke von Zheruya Shalev ans Herz legen. Wer sie noch nicht entdeckt hat - es wird Zeit.

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  • Rezension zu "Für den Rest des Lebens" von Zeruya Shalev

    Für den Rest des Lebens
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    06. February 2012 um 13:51

    Lebensveränderungen und Lebensannäherung Das das Leben kaum „nach Plan“ geht. Das im Leben vielmehr die Emotionen, die tiefliegenden, meist kaum bewussten Gefühle jene Kräfte sind, die dem Leben Veränderungen, Richtungen geben, als die „Vernunft“. Emotionen, die auf inneren „Programmen“ beruhen, von Kindheit an geprägt. Dies beschreibt Zeruya Shalev präzise und genau in ihrem neuen Roman. Intensiv widmet sie sich dem, was in ihren Protagonisten vorgeht, zeigt ausführlich und sprachlich sehr genau ausgedrückt die manchmal taumelnde, oft widersprüchliche, immer aber leidenschaftliche Gefühlswelt ihrer Personen auf. Und ihre Verstrickung in die eigene Geschichte, die zugleich, natürlich, eine Familiengeschichte ist. Personen, die an Scheidewegen stehen, zumindest die drei Hauptpersonen des Romans. Die Geschwister Dina und Avner stehen, beide je für sich, an diesen Scheidewegen. Dina sieht ihr bisher gewohntes Leben offenen Auges davon gehen. Die Tochter wird flügge, ihr Mann lebt seit ehedem ein stückweit zumindest in seiner eigenen Welt, zu der Dina wenig Zugang erfährt. Der bisherige Lebensinhalt trägt nicht mehr, so er je wirklich getragen hat. Ins Taumeln gerät die Frau, Mitte 40, und spürt, dass sich nun etwas ändern muss, das der Rest der Lebenszeit nicht einfach abgesessen werden kann. Aber dennoch hält sie fest an ihrem „Programm“. Versucht mit einer fast zwanghaften Idee, das Spiel eines Familienlebens noch einmal und neu in Gang zu setzen. Vielleicht nur aus Angst vor der Leere, die droht? Avner, ihr Bruder, leidet weniger unter zu großer Distanz, sondern eher unter einer unguten, ungesunden, zu großen Nähe seiner Frau. Einer negativen Nähe. Beständig sieht er sich im Privaten als Objekt der Kritik, abgestoßen und dennoch nicht losgelassen, aber nicht in Liebe verbunden. Immer stärker wird in ihm die Sehnsucht nach echter Verbundenheit und so macht er sich auf die Suche nach einer, nein, nach „der Anderen“. Dina und Avner sind allerdings nicht nur durch ihre nun anstehenden Umbrüche und nicht nur als Geschwister miteinander verbunden. Auch die Beziehung zur Mutter wird in dieser Phase ihres Lebens noch einmal eine wichtige Rolle einnehmen. Chemda, die Mutter, sieht dem Tod entgegen, der dritte anstehende „Umbruch“ im Buch, und lässt ihr Leben Revue passieren, gerade im Blick auf ihre beiden Kindern, denen sie sehr unterschiedlich gegenüberstand. Dem Sohn innig, der Tochter distanziert, ein Leben lang. Ein Verhältnis, welches, so wird im Lauf der Seiten eindrücklich und sprachlich intensiv von Shalev verdeutlicht, das Leben der Kinder Dina und Avner intensiver und nachhaltiger geprägt hat, als viel andere Erfahrungen. Ein Leben, dass in konkreten Bezügen stattfand und stattfindet. Auch Chemda wird ihre Prägung im buch offen legen durch das Land Israel an sich und die besonderen Umstände der Lebensweise im Land. Wechselnd aus den Perspektiven ihrer drei Hauptpersonen und in vielen Rückgriffen auf die Geschichte der Personen erzählt Zeruya Shalev ihre Geschichte vom Suchen, Finden und Verlieren, von Zerrissenheit und Hoffnungen, von Nähe und Distanz. Eine Geschichte, in der sich die Frage nach dem „Ist“ des Lebens und dem Wunsch nach einem anderen Leben aneinander reiben. Eine Geschichte, in der sich aber auch große Bögen schließen, in der eine Nähe zur Mutter, eine „gesündere“ und versöhnlichere Nähe beider Kinder sich langsam einzustellen scheint. In ganz besonderer, teils fast mäandernder Sprache (die gewöhnungsbedürftig ist) erzählt Zeruya Shalev diese Familiengeschichte, die in erster Linie wie ein Psychogramm die Protagonisten seziert und vor den Augen des Leser all jene kleinen und großen Linien offen legt, die ein Leben prägen ohne dass dies einem immer klar und bewusst wäre. Und Shalev erzählt von der Notwendigkeit, den Bogen im Leben zu schließen, um damit Altes, Ungesundes hinter sich lassen zu können, trotz der Ungewissheit einer noch offenen Zukunft. „Für den Rest des Lebens“ ist ein intensives Buch, das lang nachhallt in seiner Frage (die sich nicht nur mit Mitte 40 im Leben stellt), wie denn der „Rest des Lebens“ aussehen soll und ob es nicht (ebenfalls nicht nur mit Mitte 40) an der Zeit ist, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen und die eigenen Lebensautomatismen im Blick auf die Zukunft zu überwinden. Sprachlich durch die Neigung zu ausufernden Sätzen allerdings im Stil gewöhnungsbedürftig.

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  • Rezension zu "Für den Rest des Lebens" von Zeruya Shalev

    Für den Rest des Lebens
    Ruth_liest

    Ruth_liest

    03. February 2012 um 12:36

    Was tun mit dem Rest des Lebens? Alte, schmerzlich bekannte Wege gehen oder neue suchen und unbekannte Schmerzen auf sich nehmen? Diesen Fragen geht Zeruya Shalev in ihrem jüngsten Roman "Der Rest des Lebens" nach. Drei Personen stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Mutter Chemda und ihre Kinder Dina und Avner. Chemda liegt im Sterben. Vom Pflegebett aus wandert sie durch ihr Leben. Ihre Eltern gehören zur Gründergeneration der Kibbuzim. Die Mutter selten anwesend, widmet sich dem Eintreiben von Geldern für die Kibbuzbewegung. Der Vater erzieht Chemda mit aller Härte und Strenge des Pioniers. Wärme und Anteilnahme sind Fremdwörter für Chemda. Entsprechend kühl wachsen ihre Kinder Dina und Avner auf. Erst auf ihrem Sterbebett gesteht sich Chemda ihre Einsamkeit im Kinderhaus und später in ihrer Ehe ein. Sie erkennt ihre Versäumnisse Dina und Avner gegenüber. Doch ihr bleiben nur wenige Augenblicke, die sie bei Bewusstsein ist, um ihren erwachsenen Kindern bei der Weichenstellung für deren Rest des Lebens zu helfen. Denn erst der Rest von Chemdas Leben bringt die Geschwister auf die Idee, ihr eigenes Leben zu überdenken und neu zu gestalten. Avner und Dina sind beide verheiratet, haben Kinder, sind berufstätig und stehen für das bürgerliche Ideal von Glück und Zufriedenheit. Doch unter der Oberfläche ist alles andere als Zufriedenheit. So sehnt sich Dina seit 16 Jahren nach dem im Mutterleib verstorbenen Zwillingsbruder ihrer Tochter. Sie wünscht sich nichts mehr als einen Sohn. Und da ihr Mann all die Jahre keine weiteren Kinder wollte, soll es nun ein Adoptivsohn sein. Das ist es, was sie vom Rest des Lebend erhofft, einem Kind all ihre Liebe zu geben. Und Avner ist als junger Mann geradezu in seine lieblose Ehe und damit in sein Unglück gestolpert. Er träumt davon, endlich eine Frau wirklich zu lieben und geliebt zu werden. Doch Shalev kriecht nicht nur in diese drei Menschen hinein und legt ihre privaten Verletzungen und Sehnsüchte frei. Sie spürt auch den besonderen politischen Umständen Israels nach. Die Abschnitte zum Kibbuzleben klingen wie eine Abrechnung mit diesem Mythos. Einen Sohn aus dem Ausland zu adoptieren bedeutet für Israelis auch, ihn in ein Kriegsland zu bringen und für den Dienst in der Armee zu erziehen. Avner ist Menschenrechtsanwalt und streitet seit Jahrzehnten gegen Ausweisungen oder Beschlagnahmungen. Er kann zwar den einen oder anderen Erfolg verbuchen, doch seine Arbeit trägt selten Früchte für seine Mandanten. So zeichnet die Autorin ein Bild von einer Gesellschaft, die von Angst und Schrecken gelähmt und gefangen ist und sich gleichzeitig nach Liebe und Frieden sehnt. Der Leser zittert bis zuletzt, ob Dina und Avner ihre Angst vor Veränderungen abstreifen können und den Mut für einen Neubeginn haben. Ob die israelische Gesellschaft es schafft, sich aus dem Kreislauf von Gewalt und Angst zu befreien, muss der Roman offen lassen. Ich habe dieses Buch, wie auch seine Vorgänger, verschlungen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass ich auch in der Mitte des Lebens mit all seinen Fragen angekommen bin. Shalev ist erneut ein ungemein berührendes und vielschichtiges Werk gelungen. Allerdings war ich zwischendurch verunsichert, wie leicht Dina und Avner ihr altes Leben abzustreifen scheinen. Aber man soll ein Buch eben doch bis zum Ende lesen.

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  • Rezension zu "Für den Rest des Lebens" von Zeruya Shalev

    Für den Rest des Lebens
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    30. January 2012 um 10:04

    Chemda Horowitz liegt im Sterben. Über achtzig Jahre alt, befindet sie sich in einem Zustand zwischen Wachen und Träumen in einem Krankenhaus in ihrer Stadt in Israel. Sie denkt über ihr Leben nach. Ihre Kindheit, die sie als spät sich entwickelndes Kind in einem Kibbuz verbrachte, ihren Vater, der sie zum Laufen regelrecht zwang, an ihre Ehe und vor allem immer wieder an ihre beiden Kinder. Chemdas „Rest des Lebens“ ist knapp bemessen und sie nutzt ihn, indem sie nachdenkt. Auch ihre beiden schon lange erwachsenen Kinder plagen sich nicht nur mit dem Gedanken an das zu Ende gehende Leben ihrer geliebten Mutter, sondern sie haben beide unabhängig voneinander erhebliche Problem mit ihrem eigenen. Avner ist ein ehemals sehr erfolgreicher Anwalt, der immer wieder Mandate von palästinensischen Bürgern annimmt und versucht, ihnen gegen eine übermächtige israelische Besatzungsmacht zu ihrem Recht zu verhelfen. Doch in den letzten Jahren kann er nicht mehr viel erreichen. Da auch seine Ehe an einen kritischen Punkt gekommen ist, befindet er sich mitten in einer ernsten Lebenskrise, als er im Krankenhaus seiner Mutter zwei Menschen beobachtet, eine Frau und einen Mann. Der Mann liegt im Sterben und die Frau spricht sehr liebevoll mit ihm. Avner erscheint dies als Sinnbild für das, was in seinem eigenen Leben fehlt, und er versucht nun in der Folge, der Geschichte des zwischenzeitlich verstorbenen Mannes nachzuforschen und vor allen Dingen dieser Frau nahezukommen. Er ist ihr regelrecht verfallen, doch sie erwidert seine Liebe nicht. Dina, die Tochter von Chemda Horowitz, hat Probleme eigener, weiblicher Art. Ihr Mann Gideon hat lange Jahre hindurch ihren Wunsch nach einem zweiten Kind abgelehnt und nun, da die gemeinsame Tochter Nizan in der Pubertät sich von ihrer Mutter löst, fällt Dina in ein tiefes Loch. Sie glaubt es schließen zu müssen, indem sie ein Kind adoptiert. Dafür unter nimmt sie die unmöglichsten Anstrengungen und gibt sie auch bis zum überraschenden Ende des Buches nicht auf. Was hier so klingt wie ein Roman über die Midlifekrisen zweier Menschen und ihre Familien, ist aber viel mehr. Wie in ihren früheren Romanen auch, geht es Zeruya Shalev nicht nur um das Innenleben der Menschen, die sie beschreibt, sondern es geht ihr auch immer um das Land, indem sie leben. Es geht um Israel, seine Geschichte und schwierige Gegenwart. Und so erfahren wir viel über die Welt des Kibbuz, über die Ideologie der Staatsgründer, wir erfahren etwas über die aktuelle politische Situation. Das, was den einzelnen Menschen geschieht, wie sie versuchen, die Frage, was sie mit dem „Rest des Lebens“ anfangen sollen, wie sie ihrem Leben einen Sinn geben und positive Perspektiven für ihre Zukunft entwickeln können – in dem scheint zwischen den Zeilen auch immer die Frage durch, wie es mit diesem zerrissenen und gebeutelten Land weitergehen soll, das gedacht war als Zuflucht für alle verfolgten Juden, als ein Land, in dem die Gerechtigkeit wachsen kann. Sie tut es, indem sie ihre Protagonisten zu den Anfängen zurückkehren lässt. Beide, Avner und Dina, sitzen immer wieder getrennt und auch zusammen am Sterbebett ihrer Mutter Chemda und irgendwann, Chemda ist vom Krankenhaus nach Hause verlegt worden und wird von eine Pflegerin betreut, ziehen beide sogar wieder bei der Mutter ein, als die Konflikte in den beiden Ehen zu groß werden. Dina formuliert an einer Stelle: „Die Zeit verspottet ihre Kinder, ist es nicht lächerlich, in der Mitte des Lebens, zum ersten Mal die Existenz der Ursprungsfamilie zu spüren?“ Und auch Avner lässt sie an einer Stelle einen Satz sagen, der für den israelischen Staat genauso Geltung hat wie für Avners Familie: „Kann man gegen die Angst kämpfen, ohne Angst zu erzeugen? Kann man sich schützen ohne anzugreifen?“ Shalevs Sprache ist mächtig. Lange Sätze baut sie, setzt viele Kommata, will gar nicht zum Ende kommen. Sie wechselt wie spielerisch die Zeitebenen und die Sphären von Traum und Wirklichkeit. Doch schnell hat man sich an diesen faszinierenden Stil gewöhnt, und liest sich wie mit angehaltenem Atem durch einen Roman, der mich jedenfalls gefesselt hat bis zu seinem Ende.

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  • Rezension zu "Für den Rest des Lebens" von Zeruya Shalev

    Für den Rest des Lebens
    Clari

    Clari

    25. January 2012 um 14:20

    Lebensbilanzen! Auf der Krankenstation eines Krankenhauses in Israel liegt Chemda Horowitz. Sie ist alt und hängt halb bewusstlos ihren wirren Erinnerungen nach. Ihr Sohn Avner ist bei ihr, und Tochter Dina kommt später dazu. Wie ist ihr Leben verlaufen? Hat sie gut genug gelebt, oder gab es schwere Versäumnisse? Ihre beiden Kinder sind ebenso wie ihre Mutter befangen in ihren Träumen, ihrem Wüten gegen bestimmte Lebensumstände oder den Enttäuschungen, die ihr Leben beschädigt haben. Avner beobachtet auf der Krankenstation eine Frau, die ihren sterbenskranken Mann begleitet und ergeht sich in Fantasien um diese Frau. Dina hadert in Gedanken mit ihrem Schicksal, das ihr von Zwillingen nach dem Tod des einen nur die Tochter ließ. Jeder der Protagonisten trägt ein Schicksal, das keine hoffnungsfrohen Zukunftsperspektiven zulässt. Avner kommt mit seiner Frau nicht gut aus und kann den älteren seiner Söhne nicht lieben, den kleineren der beiden dafür umso mehr. Seine Schwester Dina hat eine Tochter, die sie abgöttisch liebt, die aber seit ihrer Pubertät eigener Wege geht. Dina sehnt sich in ihre jüngeren Jahre zurück und denkt daran, ein Kind zu adoptieren. Doch ihr Mann Gideon will davon nichts wissen. Auch Chamda plagt sich auf ihrem Krankenlager mit Gedanken um ihre Kinder. Wie sehr sie Avner geliebt hat und wie gering ihre Zuneigung zu Dina war. Viele Fragen tun sich auf. Doch gibt es nur sparsame Antworten darauf. Zeruya Shalev schreibt in einem Stil, der an Träume erinnert und wechselnde Stimmungen heraufbeschwört. Dina und Avner lassen ihre Gedanken zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her wandern und betrachten diese oder jene Seite des Lebens; zufrieden sind sie beide nicht. Es ist ein wenig mühselig, diesem Auf und Ab der Gedanken, die in den Alltagsablauf eingebettet sind, zu folgen. Im Fokus der Erzählung steht die Liebe zwischen Eltern, Kindern, Geschwistern und Ehepartnern. Hat man den Kindern genug mit gegeben? Oder haben sie Anerkennung und Ermutigung vermisst? Israel mit seinen geographischen Besonderheiten, der steten Kriegsbedrohung und dem Kibbuz als Lebensform berühren das Leben tief. Avner fühlt sich z. B. als Anwalt mit der Verteidigung des Sohnes von seinem palästinensischen Freund überfordert. Viele Themen, die das Leben in Israel erschweren, werden am Rande gestreift . Doch geht es in dem neuen Roman von Zeruya Shalev um die Liebe und familiäre Bindungen. In langen Reflexionen der Protagonisten nimmt man an ihrem Leben teil und erlebt die Ängste, Frustrationen und Enttäuschungen hautnah mit. Man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass sich die Autorin in ihrem Stil an David Grossmann anlehnt. Angenehme Perspektiven sind rar und gute Lösungen für zahlreiche der angedeuteten Fragen gibt es nicht. Insofern ist der Roman leicht irritierend in seiner Erzählweise um das Hin und Her von Raum und verbleibender Lebenszeit. Man darf aber hoffen, dass am Ende noch alles gut wird!

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