Sorry

von Zoran Drvenkar 
4,0 Sterne bei437 Bewertungen
Sorry
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Positiv (325):
haberland86s avatar

Ein sehr spannender, äußerst lesenswerter und noch immer aktueller Thriller, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Kritisch (37):
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Leider sehr enttäuschend. Die Erzählweise ist zwar wirklich packend, aber mit den Charakteren bin ich so gar nicht warm geworden :(

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Inhaltsangabe zu "Sorry"

Die fetten Jahre sind vorbei. Eine gute Geschäftsidee ist gefragt. Frauke, Tamara, Kris und Wolf, vier junge Berliner, stört, dass sich niemand mehr für nichts verantwortlich fühlt. Sie setzen auf die heilsame Kraft eines einfachen 'Sorry' und gründen eine 'Agentur für Entschuldigungen'. Erstaunt stellen sie fest, dass die Resonanz überwältigend ist. Bis Kris eines Tages am vereinbarten Treffpunkt nicht den Klienten, sondern eine brutal zugerichtete Leiche findet. Und den Auftrag, sich bei ihr zu entschuldigen. Die vier lassen sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Mörder ein, das immer perfider und grausamer wird.Ihr Angebot rüttelt die Geschäftswelt auf, denn sie entschuldigen sich für die Vergehen von Unternehmen. Sie bieten den Schuldigen Unterstützung an und helfen den Opfern. Sie selbst verdienen viel Geld damit, die vier jungen Berliner, die diese clevere Geschäftsidee hatten, irgendwann, bevor alles anfing. Immer mehr Menschen erleichtern über sie ihr Gewissen - als ihnen eines Tages jemand den Auftrag erteilt, eine Tote um Verzeihung zu bitten für die unvorstellbaren Qualen, unter denen sie starb. Hier schnappt die Falle zu. Die Lektion, die der Auftraggeber ihnen ab jetzt erteilt, ist voller Dunkelheit: Wie Schachfiguren werden sie auf eine Spur der Grausamkeit gesetzt, auf der es keine Vergebung gibt, kein Schwarzweiß mehr zwischen Opfer und Täter. Zoran Drvenkars verstörender neuer Roman erzählt auf zwingende Weise von einer Welt, in der wir der Gewalt nicht mehr ausweichen können.
Weitere Informationen über Zoran Drvenkar und 'Sorry' finden Sie hier.

Entdecken Sie auch das Hörbuch zu 'Sorry'.

'Sorry' von Zoran Drvenkar ist Gewinner des Friedrich-Glauser-Preises 2010 in der Kategorie Roman. Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783548281834
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:400 Seiten
Verlag:Ullstein Taschenbuch Verlag
Erscheinungsdatum:12.05.2010
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.02.2009 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

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    haberland86s avatar
    haberland86vor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Ein sehr spannender, äußerst lesenswerter und noch immer aktueller Thriller, der mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
    Sehr spannend und noch immer aktuell

    Vor ein paar Jahren las ich mit "Du" meinen ersten Roman von Zoran Drvenkar. Die verschachtelte Geschichte voller überraschender Wendungen gefiel mir sehr, sodass ich nicht zögerte, als ich letzten Mai "Sorry" in einem Berliner Second Hand Laden fand.
    Auch wenn ich mich grob an den minimalistischen und schonungslosen Schreibstil des Autors erinnerte, hätte ich nicht gedacht, dass mir bereits das erste Kapitel eine Spur zu heftig sein könnte. Glücklicherweise ging es in den folgenden Kapiteln wieder harmloser zu und es entwickelte sich eine spannende Geschichte über vier Freunde, die eine Agentur für Entschuldigungen gründen und damit sehr erfolgreich werden. Alles scheint perfekt, bis sie einen Auftrag erhalten, der sie in einen Sumpf aus Schuld und Kindesmissbrauch hineinzieht und den sie nicht alle überleben werden.

    Drvenkar erzählt die Geschichte aus der Sicht verschiedener Protagonisten. Neben den vier Freunden Frauke, Tamara, Kris und Wolf sind das auch "Du" und "Der Mann, den es nicht gab", die man zu Beginn nicht so recht einordnen kann. Zeitlich werden die Kapitel außerdem mit "davor" oder "danach" übertitelt. Der Leser bleibt zunächst im Unklaren darüber, vor oder nach welchem Ereignis die jeweiligen Kapitel spielen. Ein kniffeliges Rätsel, das erst ganz zum Schluss komplett aufgeklärt wird.

    Wie erwartet, entstand nach wenigen Seiten ein Sog, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte und der mich immer tiefer in die Geschichte eintauchen ließ. Dies lag sicherlich auch an der realistischen Story, die fast zehn Jahre nach Erscheinen von "Sorry" nichts an ihrer Aktualität eingebüßt hat.

    Eine Agentur, die sich für ihre Auftraggeber entschuldigt, könnte vermutlich wirklich gute Geschäfte machen, aber auch sehr seltsame und verstörende Aufträge erhalten. Ob natürlich jemand so weit gehen würde, Menschen umzubringen, um sich anschließend bei ihnen zu entschuldigen sei dahingestellt. Auch die vom Täter an den Tag gelegte Selbstverständlichkeit, nicht erwischt zu werden, sowie das Vermögen, das die vier Freunde innerhalb kürzester Zeit mit ihren Aufträgen scheffeln, schienen mir ein wenig übertrieben.
    Für einen fiktiven Thriller geht das aber in Ordnung, zumal der Autor alles sehr plausibel verpackt und die einzelnen Figuren jederzeit logisch und absolut nachvollziehbar handeln.
    Die Story ist packend geschrieben und mitunter so nervenaufreibend, dass ich es kaum aushielt. Über Hunderte von Seiten schwang eine unheilvolle Stimmung zwischen den Zeilen mit, die zwar auf Dauer bedrückend und deprimierend wirkte, aber gleichzeitig die Spannung aufrecht hielt. Ein Kunststück, das mir bislang bei keinem anderen Autoren in diesem Maße auffiel.
    Wer allerdings ein positives Buch sucht, das beim Lesen ein gutes Gefühl hervorruft, wird mit diesem Buch leider nicht glücklich werden.
    Sorry.

    Die vollständige Rezension findet sich auf meinem Blog.

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    javalines avatar
    javalinevor einem Jahr
    Intelligenter Thriller

    Der Thriller von Drvenkar ist beeindruckend intelligent und rational aufgebaut. Der Autor führt den Leser so durch die konstruiert wirkende Geschichte, dass erst nach und nach wie in einem Puzzle die Personen an ihren „richtigen“ Platz rücken. Das Grundthema des Thrillers: Schuld und Entschuldigung ist spannend. Und mir gefällt vor allem Drvenkars Bild, sich selbst (nicht) in die Augen schauen zu können. Es ist ein Bild, das ich in diesem Zusammenhang auch oft bemühe. Trotzdem vergebe ich „nur“ 4 von 5 Sternen, habe sogar überlegt nur drei Sterne zu vergeben. Für meinen Geschmack führt Drvenkar den Leser zu eng an seiner Leine. Er spielt mit dem Leser. Das ist ok, aber ich als Leser brauche auch etwas eigene Bewegungsfreiheit der Gedanken und möchte dem Autor nicht so eng folgen müssen. Außerdem las ich bereits Stille von Drvenkar und finde den Aufbau beider Bücher gar zu ähnlich.

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    Inibinis avatar
    Inibinivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Leider sehr enttäuschend. Die Erzählweise ist zwar wirklich packend, aber mit den Charakteren bin ich so gar nicht warm geworden :(
    Enttäuschend :((

    Inhalt:
    Die fetten Jahre sind vorbei. Eine gute Geschäftsidee ist gefragt. Frauke, Tamara, Kris und Wolf, vier junge Berliner, stört, dass sich niemand mehr für nichts verantwortlich fühlt. Sie setzen auf die heilsame Kraft eines einfachen »Sorry« und gründen eine »Agentur für Entschuldigungen«. Erstaunt stellen sie fest, dass die Resonanz überwältigend ist. Bis Kris eines Tages am vereinbarten Treffpunkt nicht den Klienten, sondern eine brutal zugerichtete Leiche findet. Und den Auftrag, sich bei ihr zu entschuldigen. Die vier lassen sich auf ein gefährliches Spiel mit dem Mörder ein, das immer perfider und grausamer wird. (Quelle: LB)

    Meine Meinung:
    Nachdem ich vor 2 Jahren 'Still' von Zoran Drvenkar gelesen habe und ich sowohl von seiner Erzählweise, als auch von der Story total begeistert war, wollte ich unbedingt mehr von ihm lesen. Endlich habe ich es geschafft. 'Sorry' konnte mich dabei aber leider nicht überzeugen.

    Für mich sind die Charaktere einfach mit das wichtigste an einem guten Buch und wenn diese nicht gut ausgearbeitet sind, dann habe ich einfach keinen Spaß beim Lesen. Leider bin ich diesmal nämlich mit den vier Hauptcharakteren so gar nicht warm geworden. Sie blieben mir viel zu blass und ich konnte mich nicht in sie hineinversetzen und damit auch nicht mitfiebern. 

    Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf die Spannung. Zu Beginn war es wirklich ganz spannend, aber schnell flachte die Spannung ab und kam auch nicht wieder. Das Story ging nur schleppend voran und hat sich einfach nur gezogen. Ich hatte nie den Gedanken 'du musst jetzt unbedingt wissen, wie es weitergeht'... Mir haben auch die grausigen Elemente und die schonungslose Beschreibung, die  ich  aus 'Still'  kannte, weitestgehend gefehlt. Schade!

    Das Ende konnte mich auch nicht überzeugen. Es war meiner Meinung nach zu offen...

    Was mich jedoch, wie schon bei 'Still', überzeugt hat, ist die Erzählweise von Drvenkar. Diese ist wirklich außergewöhnlich und das, was mich eigentlich dazu bewegt hat, nicht abzubrechen, weil ich wissen wollte, wer hinter den Erzählsträngen steckt. 

    Mein Fazit: 
    Ein Buch, das mich leider enttäuscht hat. Weder gut ausgearbeitete Charaktere, die einem sympatisch waren, noch einen Spannungsbogen oder grausige Elemente, wie in 'Still'. Das Ende hat mich auch nicht überzeugt. Nur die interessante Erzählweise und der ungewöhnliche Schreibstil haben mich weiterlesen lassen... Sonst war die Story an sich leider gar nicht packend und kam nur schleppend voran.

    Von mir gibt es diesmal leider keine Leseempfehlung. Wer etwas Gutes von Drvenkar lesen möchte, der sollte lieber zu 'Still' greifen.

    2/5 Thrillersternchen 

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    kassandra1010s avatar
    kassandra1010vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Kindesmissbrauch, Folter, Drogenmissbrauch, Seelische Qual und das alles in unserer Hauptstadt, das ist "Sorry" von Drvenkar.
    Sorry war für mich eine echte Herausforderung

    Sorry war für mich eine echte Herausforderung. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Die grammatische Ausarbeitung ebenfalls. Ich sehnte mich wärend des ganzen Buches nach der normalen wörtlichen Rede, diese Bindestrichaufzählungen sind sehr gewöhnungsbedürftig, oft erkennt man nicht, wer hier spricht oder ob das überhaupt gesprochen wurde. Aber wir schreiten ja im Zeitalter voran, warum nicht also auch in der schrifltichen Ausdrucksform.

    Der Autor hat eine mehr oder weniger glaubwürdige Story geschaffen, bei der die Idee einer Agentur für "Entschuldigungen" aufkommt. Vier Freunde aus Berlin gründen nun diese Agentur und verdienen sich dumm und dämlich, da ja unsere Menschheit soweit menschlich fortgeschritten ist, das man sich selbst ja nicht mehr entschuldigt. Nein, wir beauftragen eine Agentur damit. Dienstleister sind nun mal nicht mehr wegzudenken.

    Die Vier stoßen jedoch auf einen Auftrag, der ihr Leben verändern wird. Es sterben Menschen, die es vielleicht selbst nicht wehrt waren, selbst überhaupt zu leben. Das Team wird letztlich auf 2 Personen dezimiert und ein offenes Ende pakt Zoran auf noch oben drauf.

    Verwirrende Dialoge und seltsame Einblicke und immer aus der Sicht der einzelnen Personen geschrieben, erfährt man ein paar Hintergründe, die vielleicht der Auslöser für das ganze Gemorde gibt....

    Kindesmissbrauch, Folter, Drogenmissbrauch, Seelische Qual und das alles in unserer Hauptstadt, das ist "Sorry" von Drvenkar.

    Es war etwas anders zu lesen, als gewohnt, aber storytechnisch nicht schlecht. Es hätte etwas unspektakulärer sein können.

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    radmoths avatar
    radmothvor 2 Jahren
    Schuld

    Vier Freunde, deren Jugend zu Ende ist und die nie erfolgreich waren, haben plötzlich eine Geschäftsidee. Schuld ist die Grundlage ihrer Idee.
    Wer ist schuldig? Wie geht man mit Schuld um? 
    Ich fand den Wechsel zwischen den Perspektiven klasse! Nur wenige Autoren wagen es, zwischen "Ich/Du/Er"-Perspektive zu wechseln, Drvenkar ist ein Meister darin! Vor allem diese Ungewissheit, wer "Du" und "Der Mann, der nicht da war" sind, macht das ganze noch viel spannender.
    Die Charaktere gefielen mir auch unglaublich gut, man hat sich oft dabei ertappt, in die Psyche von ihnen einzutauchen. "Hätte ich auch so gehandelt? Haben sie nicht völlig übertrieben reagiert? Oder eher doch nicht?" Bis zum Ende habe ich mitgefiebert.
    Das Buch war keine Sekunde langweilig und ich empfehle es allen, die auf schaurige Geschichten stehen, die nicht blutrünstig sind.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Leider abgebrochen

    Mit "Still" konnte mich Zoran Drvenkar im letzten Jahr sehr begeistern. "Sorry" war leider gar nicht mein Fall. Allein der Schriftsatz hat mir zu Schaffen gemacht - durch die sehr kleine Schrift und dem geringen Zeilenabstand konnte ich nie so viele Seiten am Stück lesen wie sonst, da meine Augen schnell schmerzten. Auch die Spannung ließ zu wünschen übrig: Die im Klappentext genannte Leiche, die die Geschichte überhaupt ins Rollen bringt, taucht erst nach knapp 100 (!) Seiten auf. Auch danach konnte mich das Buch überhaupt nicht packen.

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    C
    ClaudiasWortweltenvor 2 Jahren
    Ein erschütternder, herausragender, innovativer und auch literarisch hochwertiger Thriller

    Inhalt:

    Bislang waren Kris, sein Bruder Wolf, Frauke und Tamara in ihrem Leben nicht sehr erfolgreich, hangelten sich von Job zu Job, sind immer wieder gescheitert und haben es nie geschafft, beruflich richtig Fuß zu fassen. Doch als sie eines Abends zusammensitzen und über den Sinn des Lebens philosophieren, hat Kris eine neue Geschäftsidee. Tagtäglich wird gelogen und betrogen, Menschen werden erniedrigt, verletzt und beleidigt, aber kaum jemand ist in der Lage, sich zu entschuldigen. Selbst wenn man sich seines Fehlverhaltens bewusst wird und einsieht, dass man sich falsch verhalten hat, schafft man es nicht, um Verzeihung zu bitten, sodass die Schuld für immer am Gewissen nagt. Und so beschließen die vier Freunde, eine Agentur für Entschuldigungen zu gründen und sich im Namen ihrer Klienten zu entschuldigen. Sie schalten eine Anzeige und schon kurz darauf melden sich die ersten Interessenten.

    Die vier Freunde haben mit ihrer Geschäftsidee erstaunlich schnell Erfolg, denn offenbar haben viele Menschen das Bedürfnis, auf diese Weise ihr Gewissen zu erleichtern. Schon bald können sie eine alte Villa am Kleinen Wannsee kaufen, gemeinsam dort einziehen und ihre florierende Agentur betreiben. Doch ihre Glückssträhne reißt ab, als sie eines Tages von einem Klienten gebeten werden, sich in seinem Namen bei einer Toten zu entschuldigen, der unsägliche Qualen zugefügt wurden, bevor sie starb. Er geht mit seiner Forderung noch weiter, denn er beauftragt die Agentur „Sorry“ auch, die Leiche zu entsorgen. Kris, Wolf, Frauke und Tamara bleibt nichts anderes übrig, als sich seinem Willen zu beugen, denn ihr Kunde lässt sie wissen, dass er alles von ihnen weiß und nicht davor zurückschrecken wird, ihre Familien zu besuchen. Sie müssen sich auf sein perfides Spiel einlassen, wenn sie ihre Liebsten beschützen wollen – und dieses grausame Spiel ist noch lange nicht vorbei.

    Meine persönliche Meinung:

    Ich habe erst vor ein paar Monaten Zoran Drvenkars Thriller Still gelesen, ein Buch, das mich zwar häufig an die Grenzen dessen brachte, was ich ertragen kann, aber mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und in jeder Hinsicht grandios, originell und innovativ war. Da Still vor allem sprachlich und stilistisch wirklich herausragend war und man im Thriller-Genre nur sehr selten Bücher findet, die literarisch so hochwertig sind, war ich nun auch sehr gespannt auf Sorry, das Buch, für das Drvenkar 2010 mit dem renommierten Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte Roman ausgezeichnet wurde.
    Ich habe bereits auf den ersten Seiten gemerkt, dass es sich auch bei Sorry um einen Thriller handelt, der sich deutlich von anderen Büchern dieses Genres abhebt. Außergewöhnlich ist nicht nur das hohe sprachliche Niveau, sondern auch die formale und stilistische Originalität. Das mag zunächst etwas verwirren, weil man es eben nicht gewohnt ist, aber dennoch war ich sofort von diesem Buch gefangen, was nicht zuletzt an Drvenkars Sprachstil liegt, der zwar äußerst poetisch, aber auch so knapp, eindringlich und ungemein intensiv ist, dass man sich seinem Sog kaum entziehen kann und in die Abgründigkeit der Geschichte förmlich hineingezogen wird. Ich bin nach wie vor ein großer Anhänger der alten deutschen Rechtschreibung, fand es sehr sympathisch, dass Drvenkars 2014 erschienenes Buch Still auf ausdrücklichen Wunsch des Autors in der alten deutschen Rechtschreibung gesetzt wurde und er bereits 2009 in Sorry an dieser Schreibweise festhielt. Eine weitere Eigenheit des Autors besteht darin, wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen zu setzen, sondern sie mit Spiegelstrichen kenntlich zu machen, was zunächst allerdings etwas gewöhnungsbedürftig ist.
    Ungewöhnlich ist aber vor allem die formale Struktur des Textes, denn die Kapitel sind mit „Dazwischen“, „Davor“, „Danach“, „Du“, „Kris“, „Tamara“, „Frauke“, „Wolf“ und „Der Mann, der nicht da war“ überschrieben, wechseln also zwischen mehreren Zeitebenen und werden abwechselnd aus der Sicht der vier Freunde, des Mörders und einer weiteren unbekannten Person geschildert. Bis zum Schluss weiß man nicht, wer sich hinter „Du“ und dem „Mann, der nicht da war“ verbirgt. Allerdings weiß man, dass es sich bei den Du-Kapiteln nur um die Perspektive des Mörders handeln kann. Besonders verstörend an diesen Kapiteln ist, dass sie in der zweiten Person Singular geschrieben sind, der Mörder den Leser also direkt anspricht. Damit wird eine äußerst unbehagliche Nähe und Vertrautheit zu dem unbekannten und brutalen Mörder erzeugt, was überaus irritierend und befremdlich ist.
    Da ich ja bereits Still gelesen hatte, wusste ich ungefähr, worauf ich mich einlasse, und da der Autor zugibt, beim Schreiben selbst Angst vor seinem Buch gehabt zu haben, ist es nicht verwunderlich, dass auch ich bereits auf den ersten Seiten von Sorry schockiert war. Drvenkars Thriller sind wirklich nur für äußerst nervenstarke Leser geeignet, denn im weiteren Verlauf der Erzählung sollte es noch weitaus schlimmer kommen als bei dem Mord, der zu Beginn des Buches geschildert wird. Zweifellos ist Kindesmissbrauch eine der schlimmsten Perversionen, zu der Menschen fähig sind. Es ist ein Thema, das nur schwer zu ertragen ist, über das aber eben auch so eindrücklich geschrieben werden muss, dass es unerträglich ist. Es muss geradezu wehtun und aufs Äußerste erschüttern, wenn man sich mit dieser Thematik literarisch auseinandersetzt, denn nur so kann das unsägliche Leid, das diesen Kindern angetan wurde, deutlich werden. Drvenkar verzichtet darauf, Gewalt und Missbrauch detailliert zu beschreiben, setzt nicht auf effekthascherische Brutalität, die allenfalls platt, aber keineswegs erschütternd wäre. Stattdessen schafft er es mit seiner intensiven Sprache, mit der er fast beiläufig Einblicke in die schlimmsten Abgründe der menschlichen Seele gewährt, dass das Erzählte umso verstörender und schockierender wirkt. Das Grauen, das häufig nur angedeutet wird und zwischen den Zeilen steht, sich wie ein Film im Kopf des Lesers abspielt, ist viel ergreifender und wirkungsvoller als es detaillierte Gewaltbeschreibungen jemals sein könnten. Das muss man aushalten können, weshalb ich zartbesaiteten Gemütern eher abraten würde, Drvenkars Bücher zu lesen.
    Da die Perspektive des Mörders in der zweiten Person erzählt wird und er dem Leser damit unangenehm nahekommt, begleitet man ihn nicht nur bei der Durchführung seiner Morde, sondern assistiert ihm geradezu, was auch mehr als verstörend ist. Besonders irritierend ist jedoch, dass die Grenzen zwischen Opfern und Tätern, zwischen Gut und Böse immer wieder verschwimmen und man die abscheulichen Taten des Mörders am Ende des Buches auf erschreckende Weise verstehen und nachvollziehen kann.
    Während der Täter mit der Agentur „Sorry“ sein perfides Spiel spielt, wird jeder der vier Freunde auch mit seinen eigenen Abgründen und auch immer wieder mit dem Thema Schuld konfrontiert. Wirklich sympathisch war mir leider keiner dieser vier Hauptprotagonisten. Bereits ihre hirnrissige Geschäftsidee fand ich schon von Anfang an sehr fragwürdig, da Vergebung meiner Meinung nach nur persönlich und niemals über Dritte erfolgen kann und wahre Reue auch auf innerer Einsicht und aufrichtigem Eingeständnis der Schuld beruht und deshalb keine Dienstleistung sein kann, für die man einen Außenstehenden bezahlt. Ich fand es äußerst anmaßend, dass sich die vier Freunde als Vermittler zwischen Schuld und Reue verstehen und aus dem schlechten Gewissen anderer ihren Profit ziehen wollen. Manchmal war ich mir auch nicht sicher, ob nicht einer von ihnen der Täter sein könnte. Der Autor hat jeden der vier Freunde zwar sehr präzise gezeichnet, aber dennoch blieben sie bis zum Schluss undurchschaubar und waren mir stets ein wenig suspekt. Leider waren auch ihre Handlungen manchmal weder logisch noch nachvollziehbar. Der ständige Zeit- und Perspektivwechsel führt auch dazu, dass der Plot häufig etwas konfus wirkt. Doch am Ende fügen sich alle Puzzleteile zu einem schlüssigen Ganzen zusammen.
    Im Zentrum der Handlung steht immer wieder die Frage um Schuld, Strafe, Reue und Vergebung, und am Ende stand für mich die Erkenntnis, dass es Taten gibt, für die es keine Entschuldigungen geben kann und die niemals vergeben werden können.
    Für mich war Sorry ein in jeder Hinsicht herausragender und innovativer Thriller von hoher literarischer Qualität, den man nicht mehr vergessen wird, auch wenn oder gerade weil er dem Leser einiges abverlangt und ihn aufs Äußerste erschüttert.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Mein Favorit

    Definitiv eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe. Drvenkars besonderer Schreibstil, die außergewöhnliche Beziehung zwischen Autor, Leser und fiktiven Charakter ist immer wieder ein neues, spannendes Erlebnis. Ich bewundere vor allem die genialen Ideen und die spitzenmäßige Umsetzung! Großes Lob!

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    Aleshanees avatar
    Aleshaneevor 2 Jahren
    Kurzmeinung: In einer Nacht durchgesuchtet!
    So ungewöhnlich wie genial!

    "Und niemand kann dir helfen, wenn du dir selbst gegenüber nicht ehrlich bist." S. 346

    Sich zu entschuldigen fällt nicht jedem leicht, erleichertert aber sehr das Gewissen ... diese Geschäftsidee verfolgen in "Sorry" von Zoran Drvenkar vier junge Erwachsene und bieten damit einem Mörder eine perfekte Plattform, seine Taten zu sühnen.

    Meine Meinung

    Das war jetzt nach "Still" mein zweites Buch von Zoran Drvenkar. Der Anfang war wieder etwas konfus bzw. musste ich mich erstmal an den Schreibstil und den Aufbau gewöhnen, der sehr ausgefallen und anfangs auch etwas anstrengend ist. Aber das ist wohl einfach sein Stil und wenn man sich mal reingelesen hat, ist es ein ganz besonderes Leseerlebnis!

    Die Perspektiven wechseln hier zwischen "Du", bei dem der Autor praktisch aus der Lesersichtweise schreibt, als ob man selbst gemeint wäre und den anderen Figuren, die eine wichtige Rolle spielen:

    Kris, ein 29jähriger Journalist, der von heute auf morgen auf die Straße gesetzt wurde und seinem jüngeren Bruder Wolf, der unstet und ständig auf der Suche ist.
    Tamara, die nach ihrem Studium keine Anstellung und dafür bei ihrer Schwester Unterschlupf findet und der freien Mediengestalterin Frauke, deren beste Freundin.
    Sie alle führt ein schicksalhafter Zufall zusammen, ein Zufall, aus dem die Idee der Agentur "Sorry" entsteht.
    Im ersten Moment eine total schräge Idee: Sich für andere Leute zu entschuldigen und ihnen damit das schlechte Gewissen zu nehmen. Einfach mit Geld zu bezahlen, ohne dass man selber etwas dafür tun muss - das Prinzip ist ja nicht neu in unserer Gesellschaft, aber was sich daraus entwickelt, hätten die vier jungen Leute sicher nicht erwartet!

    Dabei gibt es dann aber auch noch zeitliche Wechsel zwischen "davor", "danach" und "dazwischen", wodurch die Handlung noch verstrickter wird - nachdem ich dann reingefunden hatte, war es aber kein Problem mehr und ich bin immer noch fasziniert von diesem Konzept.

    Zu den vier Charakteren, die die Agentur gründen, gibt es anfangs kleine Häppchen über ihr Vorleben und ihre Eigenschaften, die sie sehr gut skizzieren. Als dann der Auftrag des Mörders kommt, weiß man noch nicht so recht, was man davon halten und wo das hinführen soll. Aber der Autor entwickelt hier sehr geschickt mit Rückblicken eine subtile Spannung, die mich nicht mehr losgelassen hat. Das Tempo ist angenehm und man bekommt immer wieder kleine Hinweise, die mich zum Miträtseln animiert haben. Ich hab das Buch dann auch an einem Abend in einem Rutsch durchgelesen.

    Es wirkte zu Beginn alles noch verwirrend, aber je mehr man in die Hintergründe eintaucht, umso fesselnder entwickelt sich die Geschichte. Es sind wirklich grausame Zusammenhänge aus der Vergangenheit, die hier eine große Rolle spielen und die Frage nach Schuld, Vergebung und Rache steht konstant im Vordergrund. Wer Probleme beim Thema Missbrauch hat, sollte es sich gut überlegen, denn hier wird wenig geschönt, auch wenn es nur wenige Szenen sind.

    In einer anderen Rezension hab ich gelesen, dass hier viele Unstimmigkeiten sein sollen - ist mir aber nicht aufgefallen. Man muss natürlich schon gut aufpassen, denn durch das Verwirrspiel wird man auf falsche Fährten gelockt; aber das macht natürlich auch gerade den Reiz aus.

    Fazit

    Obwohl es anfangs sehr verwirrend ist, entwickelt die Geschichte einen regelrechten Sog. Viele Andeutungen und Fährten, denen man mit Spannung folgen kann. Insgesamt ein sehr eigenwilliger, aber genialer Aufbau der Handlung, der mich nicht losgelassen hat.

    © Aleshanee
    Weltenwanderer

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    Frauelein_S8s avatar
    Frauelein_S8vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Krass kranke Geschichte über gestörte Täter und ahnungslose Opfer.
    Selbst nach Monaten bin ich noch verstört.

    Hätte ich gewusst, dass es um Pädophilie geht, hätte ich es wahrscheinlich nicht gelesen. Nicht, weil ich die Augen davor verschließen will, sondern weil ich sowieso den Glauben an die Menschheit verloren hab und das nur ein weiterer Beweis ist.

    Es war schwer für mich all die "Ich/Du/Er" Perspektiven richtig einzuordnen. Aber mit mehr gelesenen Seiten ging es einfacher.
    Ich bewundere den Schreibstil der Autoren. Er ist einerseits sachlich, andererseits schafft er es die "Kindermomente" so liebevoll und unschuldig widerzugeben.

    Ich musste das Buch teils aus der Hand legen und spazieren gehen um das gelesene zu verarbeiten. Das gesamte Buch ist so verstörend ohne blutrünstig zu sein. Es ist nun einige Monate her, dass ich es gelesen hab und es lässt mich nicht los. Vor allem die Sicht des "Familienvaters" hat sich in mein Gedächtnis gebrannt.

    Das Buch ist mehr als nur gut und es ist mehr als nur ein Buch.

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