Der Schwimmer

von Zsuzsa Bánk 
4,1 Sterne bei141 Bewertungen
Der Schwimmer
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Barbara62s avatar

Ein melancholischer Roman über eine Kindheit ohne Mutter und ohne festes Zuhause in einer ganz besonderen Sprache.

J

Leises, aber schönes Buch

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Inhaltsangabe zu "Der Schwimmer"

Ungarn 1956: Die Panzer rollen, der Aufstand schlägt fehl, die Hoffnung scheitert, daß die Welt eine andere hätte werden können. Ohne ein Wort verläßt Katalin ihre Familie und flüchtet über die Grenze in den Westen. Ihr Mann Kálmán verkauft Haus und Hof und zieht fortan mit den Kindern Kata und Isti durch das Land.

Während Kálmán in Schwermut verfällt, errichten sich Kata und ihr kleiner Bruder Isti ihre eigene Welt: Isti hört, was die Dinge zu erzählen haben - das Haus, die Steine, die Pflanzen, der Schnee -, während Kata den Geschichten der Menschen zuhört, denen sie auf ihrer jahrelangen Reise begegnet. Der genaue Blick der Kinder trifft auf eine Welt, die sie nicht verstehen. Nur wenn sie am Wasser sind, an Flüssen, an Seen, wenn sie dem Vater zusehen, wie er seine weiten Bahnen zieht und wenn sie selber schwimmen - nur dann finden sie verzauberte Momente der Leichtigkeit und des Glücks. Beide ahnen, dass ihr Leben erst beginnt.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596510207
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:368 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.11.2007
Das aktuelle Hörbuch ist am 01.01.2003 bei DHV Der HörVerlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Barbara62s avatar
    Barbara62vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein melancholischer Roman über eine Kindheit ohne Mutter und ohne festes Zuhause in einer ganz besonderen Sprache.
    Eine Geschichte über eine Kindheit ohne Mutter und ohne festes Zuhause

    In den Wirren nach dem Aufstand in Ungarn verlässt Katalin im Spätherbst Ungarn und ihre Familie ohne ein Abschiedswort. Zurück bleiben die Ich-Erzählerin Kata, ihr kleiner Bruder Isti und Velencei Kálmán, der Vater, der von nun an immer wieder nicht ansprechbar ist, pausenlos raucht, zur Decke starrt, „taucht“, wie die Kinder es nennen. Die Mutter hat dem Vater nie widersprochen, sie ist einfach ohne Gepäck mit einer Freundin in einen Zug gestiegen und über einen wenig bewachten Grenzabschnitt in den Westen geflohen. Kálmán verkauft daraufhin Haus und Hof und lebt fortan mit den Kindern abwechselnd bei verschiedenen Verwandten in unterschiedlichen Landesteilen.

    Zsuzsa Bánk erzählt in ihrem mehrfach preisgekrönten Debütroman Der Schwimmer aus dem Jahr 2002 von einer Kindheit ohne Mutter und ohne Zuhause. Immer wieder heißt es Abschied nehmen, alles zurücklassen, schnell vergessen werden, neue Verwandte, neue Bleibe auf Zeit und immer nur geduldet. Über den Kindern liegt wie eine Glocke eine nie nachlassende Sehnsucht nach der Mutter und Kata leidet sowohl unter der Angst, dass die Erinnerung verblassen könnte, als auch unter der Angst um ihren zunehmend psychisch auffälligen Bruder, die sich zuletzt als berechtigt erweist. Zum Vater bleibt eine große Distanz und die Kinder haben das Gefühl, lediglich „Zusätze“ zu sein, die er nicht abschütteln kann. Einzig das Schwimmen, das zu Istis großer Leidenschaft wird, bringt er ihnen bei.

    Der Roman besteht aus 17 Kapiteln, die außer dem ersten („Wir“) alle mit den Namen der darin im Mittelpunkt stehenden Personen betitelt sind. Erst das letzte, kürzeste, trägt den Namen der Ich-Erzählerin, Kata, die Ende der 1960er-Jahre erwachsen geworden ist und nun auch mehr von den politischen Zusammenhängen begreift. Sie hat die Belastungen besser überstanden als Isti und Kálmán, weil sie davon erzählen konnte.

    Die Besonderheit an Zsuzsa Bánks Roman besteht in der ruhigen, melancholischen Sprache mit dem ganz eigenen Rhythmus, die die Atmosphäre der Orientierungslosigkeit und der Erstarrung sehr gut unterstreicht. Gleichzeitig hat diese Sprache aber auch ein Gefühl von Depression bei mir hervorgerufen, so dass ich zwischen Faszination und dem Wunsch, das Buch aus der Hand zu legen, hin- und hergerissen war. Ersteres hat aber zum Glück gesiegt.

    Kommentare: 6
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    L
    Lucinda4vor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein sehr atmosphärisches Buch wie aus einer anderen Welt.
    Schwimmen in einer anderen Welt

    Der Schwimmer ist ein sehr ruhiges Buch, das von der genauen Charakterisierung und Darstellung der Figuren lebt, die Handlung ist Nebensache. Jedes Kapitel konzentriert sich auf eine Figur des Buches, enthält Hintergründe, die gleichzeitig auch ein neues Licht auf die anderen Charaktere und die persönliche Situation aller werfen, sodass ein zunehmend komplexes Gesamtbild entsteht. Die politischen Hintergründe der Handlung werden nur angedeutet. Im Mittelpunkt stehen die einzelnen Menschen, ihr Umgang mit ihrem Leben, ihre Träumen und Hoffnungen. Ein sehr atmosphärisches Buch wie aus einer anderen Welt.

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    Milagros avatar
    Milagrovor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Leseempfehlung!
    Berührend

    Meine Gedanken sind noch völlig gefangen.
    Wie diese Autorin es schafft, auf 284 Seiten eine so atmosphärisch dichte Geschichte zu entwickeln, ist mir unbegreiflich. Schon vom ersten Absatz war ich gefangen und ich musste das Buch zeitweise einfach aus der Hand legen, weil ich diese melancholische, eingehende Schilderung einfach nicht aushalten konnte. Das Buch hat mich unendlich berührt.
    Gleich zu Beginn erfahren wir vom Verlust der Mutter, die Mann und ihre zwei kleinen Kinder in Ungarn zurück gelassen hat und mit einer Bekannten in den Westen gegangen ist. Ob aus persönlichen Gründen oder wegen der politischen Situation in den 1950igern Jahren , bleibt offen. Das ist den zurückgelassenen Kindern natürlich auch egal. Isti, der Sohn, wird ebenso wenig damit fertig wie Kata, die ältere Schwester, aus deren Sicht das Geschehen erzählt wird. Beide leiden, ich litt mit.. Die Kinder, noch nicht in der Schule , haben sich selbst nur als Trost, der Vater spricht wenig, versunken in den eigenen Gedanken bleibt er unfähig, den Kindern das für sie Unfassbare zu erklären. Wie auch, er selbst ist gefangen, man weiß nur nicht, was in seinem Kopf vor sich geht, wenn er auf dem Rücken liegend der Welt entflieht Die Entscheidung, die er dann plötzlich trifft, ist überraschend, die Kinder kommen zur Oma, doch dann holt er sie ab, es wird wenig gesprochen, vieles bleibt ungesagt. So reisen die Kinder mit dem Vater von einem Ort zum nächsten, immer zu Verwandten und bleiben, bis sie weiterziehen müssen, warum auch immer. Dieser ständige Aufbruch, dieses Heimatlose, das Weiterziehen steht im Kontrast zu der gleichförmigen, keinesfalls langweiligen Erzählweise. Schleppend, wie die Hitze im Sommer, durchbrochen von einigen schönen Tagen, an deren Ende doch wieder die Frage nach dem Warum steht Die Großmutter bringt eine Erklärung mit vom Besuch im Westen, einen Erklärungsversuch, der den Kindern unverständlich bleibt, sie bleiben allein, auch bei den Verwandten. 

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    Mrs_Nanny_Oggs avatar
    Mrs_Nanny_Oggvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Berührend, bezaubernd, poetisch und traurig! Die Ereignisse in Ungarn des Jahres 1956 und später aus Sicht eines jungen Mädchens.
    Die Sehnsucht nach Sommer und Glück

    Kata und Isti können es nicht begreifen: Eines Morgens ist ihre Mutter einfach verschwunden, weg aus dem kleinen ungarischen Dorf, wohin weiß niemand. In den Westen, munkelt man. Ihr Vater Kalmán versinkt in Tagträumen und weiß nichts mit sich und mit den Kindern anzufangen. Er reist von Verwandten zu Verwandten, von Dorf zu Dorf. Manchmal kann die kleine Familie länger bleiben und die Kinder fangen an sich wohl zu fühlen, manchmal müssen sie schon bald wieder fort. Am schönsten finden es Kata und Isti bei den Verwandten am großen See. Dort lernen sie auch das Schwimmen und vorallem Isti übt es verbissen und kann es nicht abwarten, bis es endlich wieder warm genug ist, ins Wasser zu gehen.
    Kata beschreibt ihre Umgebung und die Menschen aus ihrer Sicht. Oft bezieht sie auch die Aussagen ihres kleinen Bruders Isti mit ein. Isti ist ein ganz besonderer Junge, der viele Dinge hört und sieht, die normalen Menschen entgehen. Kata ist ein paar Jahre älter, die vernünftigere, wie es scheint, doch auch sie hat einen unverstellten Blick auf die Menschen. Jedes Kapitel widmet sich einer anderen Person näher und gleichzeitig wird aber die Geschichte weitererzählt.
    Der Schwimmer ist das Erstlingswerk der Autorin Zsuzsa Bánk und wurde zurecht mit Preisen überhäuft (aspekte-Literaturpreis, Deutscher Bücherpreis, Jürgen-Ponto-Preis, Mara-Cassens-Preis sowie dem Adalbert-von-Chamisso-Preis). Ihre Sprache verströmt eine tiefe, traurige Poesie, die doch vom Glück der Kindertage erzählt.
    Ein wahres Ausnahmebuch, bitte lesen!

    Kommentare: 3
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    bookgirls avatar
    bookgirlvor 3 Jahren
    Melancholische Geschichte um Trauer und Verlust

    Inhalt
    An einem Novembertag im Jahr 1956 steigt die Mutter in den Zug und lässt ihre Familie in Ungarn zurück. Sie flieht, ohne ihren Mann Kálmán und die beiden Kinder Isti und Kata, über die Grenze in Österreich, wie viele ihrer Landsleute nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstands. Nach anfänglicher Erstarrung ziehen nun auch der Vater und die Kinder weiter zunächst zur Großmutter, dann zur Cousine des Vaters, zu Verwandten am See – quer durchs Land.

    Meine Meinung
    "Der Schwimmer" ist der vielfach ausgezeichnete Debüt-Roman von Szusza Bank, die nach der Veröffentlichung als die neue Entdeckung am Autoren-Himmel gefeiert wurde. Ihr Buch beginnt mit der Flucht der Mutter und endet mit einem schrecklichen Todesfall.

    Mit großem Einfühlungsvermögen schildert Zsuzsa Bank das Gefühlsleben der Protagonistin Kata, die als Ich-Erzählerin in Erscheinung tritt. Mit achtzehn erinnert sie sich an die Zeit zurück, als sie mit ihrem Vater und dem kleinen Bruder durch Ungarn zog. Durch die Großmutter Rozsa erfährt der Leser hingegen, wie es der Mutter in Westdeutschland ergeht.

    Die Autorin verfügt über eine poetische, wenn auch nüchterne Sprache, durch die es ihr dennoch gelingt starke Gefühle und eine melancholische Stimmung zu erzeugen. Besonders die Angst der Kinder, dass auch der Vater eines Tages verschwinden könnte, wird überdeutlich in dieser Geschichte um Verlust und Trauer:

    Er würde allein in einen Zug steigen, vergessen, zurückzukommen, vergessen, uns abzuholen", schwant es Kata. "Oder er würde uns abstellen, irgendwo auf unserem Weg, vielleicht an einem Wegrand, und es wäre unmöglich, ihn einzuholen."

    Mein einziger Kritikpunkt ist, dass die Autorin teilweise zu sehr abschweift und die vielen Wiederholungen dadurch manchmal eintönig wirken.

    Fazit
    "Der Schwimmer" ist das gelungene Debüt von Zsuzsa Bank, die es versteht Gefühle von Verlust und Trauer zu vermitteln, wenngleich sie aufpassen muss, dass ihr Erzählstil nicht zu ausschweifend und dadurch eintönig wird.

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    fraeuleinbuecherwalds avatar
    fraeuleinbuecherwaldvor 5 Jahren
    Debütroman mit deutlichen Schwächen

    Zsuzsa Bánk, ein Name, den man wahrscheinlich schwer wieder vergisst, weil er so außergewöhnlich ist, so außergewöhnlich klingt. Ein Name, der sich anhört, als hätte er schon eine lange Reise hinter sich, als könnte er Geschichten erzählen aus weit entfernten und doch so nahen Ländern Osteuropas.

    Ihr Debütroman „Der Schwimmer“ stand deshalb schon länger auf meiner Leseliste, ebenso wie ihr Nachfolgeroman „Die hellen Tage“. Großartige Kindheitsgeschichten würde die in Deutschland geborene Tochter ungarischer Eltern erzählen, wurde mir gesagt.

    Trotzdem muss ich sofort feststellen, dass mich das Buch nicht überzeugt, nicht gepackt hat.

    Zsuzsa Bánk berichtet von der Kindheit zweier Geschwister in Ungarn (vermutlich Mitte des 20. Jahrhunderts). Nur durch Recherche erfährt man, dass die Geschichte wohl kurz vor dem Ungarischen Volksaufstand 1956 spielen muss.

    Die Mutter der beiden Hauptfiguren, Kata und Isti, macht sich zu Beginn der Geschichte erstmal aus dem Staub, flieht vor einer bedrückenden Enge im Dorf und der Perspektivlosigkeit ihres Daseins. Später erfährt man, dass sie es geschafft hat, bis nach Westdeutschland zu gelangen.

    In verschiedenen Kapiteln wird dann die nun beginnende Odyssee der Kinder beschrieben – mit einem unfähigen Vater, der beinahe autistisch sein Leben lebt, ohne jedes Interesse für seine beiden Schutzbefohlenen, pendelnd zwischen verschiedenen Verwandten und Bekannten, die die kleine Familie so lange aufnehmen, wie es nur irgendwie geht – und oft geht es nicht sehr lange.

    Besonders Katas kleiner Bruder Isti leidet sehr unter den unsteten Verhältnissen, dem ständigen Aufbrechen, aber niemals Ankommen. Er zieht sich in seine eigene Welt zurück, fantasiert, weiß nicht mehr, wann er schläft und träumt oder wach ist.

    Kata scheint von alldem unberührt. Obwohl sie die Ich- Erzählerin ist, gibt sie keine Gefühle preis, man erfährt so gut wie nichts von ihrem Charakter.

    Sätze wie: „In diesem Sommer machte ich mir noch größere Sorgen um Isti“ kann man als wahre Gefühlsexplosionen bezeichnen. Sie erträgt stoisch oder gar nicht – die Grenze ist da fließend.

    Allgemein scheint Zsuzsa Bánk Gefallen daran zu finden, den Leser „hängen“ zu lassen. Oft deutet sie gewisse Umstände nur an und wenn man sich fragt „Was ist denn da jetzt los“, wechselt sie lieber das Kapitel und lässt einen enttäuschten Leser zurück.

    Ansonsten verläuft die Geschichte geradezu ereignislos. Der Vater unfähig, die Verwandten lieblos, nur einmal, bei einer Tante, scheinen die Kinder etwas zur Ruhe zu kommen, doch diese ist nicht von langer Dauer.

    Das Ende wirkte auf mich geradezu erlösend, die letzten 50 Seiten habe ich nur noch überflogen.

    Was ich besonders schade finde ist, dass man nichts, aber auch wirklich gar nichts über Ungarn zu der Zeit erfährt. Das hätte mich wirklich interessiert. Nur auf der Flucht der Mutter kann man herauslesen, dass es wohl „Missstände“ gab, aber welche, das wird nicht benannt. Auch dass die Verwandten in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land leben, sagt natürlich etwas aus. Aber das Bild, das von Ungarn gezeichnet wird, ist mehr als unscharf. Die Geschichte könnte als solche überall auf der Welt passiert sein – in Australien wie in Afrika wie in Ungarn.

    Deshalb ist mir auch nicht klar, was das Buch aussagen soll. Ob es überhaupt etwas aussagen will. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich etwas über eine „ungarische Kindheit“ erfahren habe. Würden nicht ab und zu Städtenamen genannt werden, ich hätte nicht mal gewusst, dass es in Ungarn spielt.

    Vielleicht steckt aber auch ein ganz tiefer, verborgener Sinn in dem Buch, den ich einfach nicht verstanden habe und ich tue dem Roman absolut Unrecht, wenn ich sage, dass er mich nicht überzeugt hat. Aber vielleicht gibt es wirklich nichts, was man daraus ziehen kann.

    Ich bin enttäuscht, werde „Die hellen Tage“ aber trotzdem noch lesen, denn ein Debütroman darf Schwächen haben.

    Und nun werde ich weiter wütend über Eltern sein, die ihre Kinder so unverfroren im Stich lassen.

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    Gruenentes avatar
    Gruenentevor 5 Jahren
    trauriges Buch über Kinder ohne Halt, bis einer von ihnen untergeht

    Ungarn 1965. Im Land herrschen schwierige politische Zustände. Manch einer versucht in den goldenen (?) Westen zu fliehen.

    Das macht auch Katalina, die spontan mit einer Freundin einen Zug besteigt und über einen Schleuser nach Deutschland gelangt.

    Schön für sie, aber bitter für Ihre, ohne einen Abschied, zurückgelassene Familie Kálmán, ihr Mann und die Kinder Kata und Isti.

    Das Buch beschreibt aus Katas Sicht das Leben einer entwurzelten Familie. Aus Sicht des heranwachsenden Kindes bleiben viele Szenen bruchstückhaft, unerklärt. Der Leser kann sich allerdings im Laufe der Zeit viele Zusammenhänge selbst erschließen.

    Der Vater verlässt das Heimatdorf um fortan mit den Kindern bei verschiedenen Verwandten unterzukommen. So wachsen die Kinder ohne Heimat, ohne Fixpunkte auf. Denn Kálmán kümmert sich kaum um die Kinder, er stellt sie irgendwo ab und gibt sich der Schwermut hin. Während Kata sich flexibel auf vieles einstellen kann, verliert der jüngere Isti zunehmend den Halt.

    Der Vater, selbst versierter Schwimmer, bringt den Kindern im Plattensee das Schwimmen bei. Für Isti ist das Wasser  die eigentliche Heimat, was ihm später auch zum Verhängnis wird.

    Auch das Leben der Mutter in Deutschland wird beschrieben, Ihre Motive bleiben für mich total unklar. Sie scheint auch nur per Zufall geflüchtet zu sein und treibt selbst auch einfach dahin wohin sie der Zufall führt.

    Auch der Vater hat die Kinder eigentlich verlassen, er schleppt sie nur herum wie lästiges Gepäck, was er an ihnen hat geht ihm erst auf, als es schon zu spät ist.

    Das Buch ist zutiefst melancholisch, traurig, hoffnungslos. Die scheinbaren Dorfidyllen beherbergen viele traurige Schicksale.

    So schwimmen alle Protagonisten irgendwie hilflos in ihrer Zeit: die Kinder, der Vater, die Mutter, die eine Großmutter, die im Heimatdorf allein zurückgelassen wird, de andere, die von einem bessere leben träumt und immer von den Schrecken der Vergangenheit heimgesucht wird, die Tante in Budapest, die von der Hand in den Mund lebt und einsam stirbt, der Onkel dem die Schädeldecke einsinkt…

    Jedes Kapitel ist einem dieser hilflos Schwimmenden  gewidmet.

    Die tragischste Figur ist aber Isti. Er ist auch am Anfang noch so jung und sensibel, dass sein Untergang fast unabwendbar ist.

    Die Sprache ist nicht üppig, aber ausdrucksvoll. Der Inhalt wird immer in kleinen Häppchen angeboten, so wie ein Kind halt die Welt erlebt. Und so, wie es in dem Buch auch nicht erklärt wird, wird für die Kinder immer unbegreiflich sein, warum die Mutter sie einfach zugunsten eines einsamen Lebens verlassen hat.

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    Gruenentevor 5 Jahren
    der Untergang des schwächsten Schwimmers

    Ungarn 1965. Im Land herrschen schwierige politische Zustände. Manch einer versucht in den goldenen (?) Westen zu fliehen.

    Das macht auch Katalina, die spontan mit einer Freundin einen Zug besteigt und über einen Schleuser nach Deutschland gelangt.

    Schön für sie, aber bitter für Ihre, ohne einen Abschied, zurückgelassene Familie Kálmán, ihr Mann und die Kinder Kata und Isti.

    Das Buch beschreibt aus Katas Sicht das Leben einer entwurzelten Familie. Aus Sicht des heranwachsenden Kindes bleiben viele Szenen bruchstückhaft, unerklärt. Der Leser kann sich allerdings im Laufe der Zeit viele Zusammenhänge selbst erschließen.

    Der Vater verlässt das Heimatdorf um fortan mit den Kindern bei verschiedenen Verwandten unterzukommen. So wachsen die Kinder ohne Heimat, ohne Fixpunkte auf. Denn Kálmán kümmert sich kaum um die Kinder, er stellt sie irgendwo ab und gibt sich der Schwermut hin. Während Kata sich flexibel auf vieles einstellen kann, verliert der jüngere Isti zunehmend den Halt.

    Der Vater, selbst versierter Schwimmer, bringt den Kindern im Plattensee das Schwimmen bei. Für Isti ist das Wasser  die eigentliche Heimat, was ihm später auch zum Verhängnis wird.

    Auch das Leben der Mutter in Deutschland wird beschrieben, Ihre Motive bleiben für mich total unklar. Sie scheint auch nur per Zufall geflüchtet zu sein und treibt selbst auch einfach dahin wohin sie der Zufall führt.

    Auch der Vater hat die Kinder eigentlich verlassen, er schleppt sie nur herum wie lästiges Gepäck, was er an ihnen hat geht ihm erst auf, als es schon zu spät ist.

    Das Buch ist zutiefst melancholisch, traurig, hoffnungslos. Die scheinbaren Dorfidyllen beherbergen viele traurige Schicksale.

    So schwimmen alle Protagonisten irgendwie hilflos in ihrer Zeit: die Kinder, der Vater, die Mutter, die eine Großmutter, die im Heimatdorf allein zurückgelassen wird, de andere, die von einem bessere leben träumt und immer von den Schrecken der Vergangenheit heimgesucht wird, die Tante in Budapest, die von der Hand in den Mund lebt und einsam stirbt, der Onkel dem die Schädeldecke einsinkt…

    Jedes Kapitel ist einem dieser hilflos Schwimmenden  gewidmet.

    Die tragischste Figur ist aber Isti. Er ist auch am Anfang noch so jung und sensibel, dass sein Untergang fast unabwendbar ist.

    Die Sprache ist nicht üppig, aber ausdrucksvoll. Der Inhalt wird immer in kleinen Häppchen angeboten, so wie ein Kind halt die Welt erlebt. Und so, wie es in dem Buch auch nicht erklärt wird, wird für die Kinder immer unbegreiflich sein, warum die Mutter sie einfach zugunsten eines einsamen Lebens verlassen hat.

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    AnnaChis avatar
    AnnaChivor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Schwimmer" von Zsuzsa Bánk

    Ein Buch für Menschen, die die Stille lieben. Zwei Geschwister ziehen gemeinsam mit ihrem Vater ziellos durch das Ungarn der 50er und 60er Jahre, nachdem die Mutter die Familie verlassen hat, um in den Westen zu gehen. Mit intensiver und kraftvoller Sprache erzählt Zsuzsa Bánk die Geschichte der Geschwister, die die Sprachlosigkeit des Vaters ertragen müssen und sich in wechselnden Lebenssituationen gegenseitig Halt und Heimat zu sein versuchen.
    Ein Buch, zärtlich und melancholisch wie ein Blick in den verregneten Garten in der Dämmerung, den Kopf voller wehmütiger Gedanken. Wundervoll!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Der Schwimmer" von Zsuzsa Bánk

    Ich bin damit spät dran, aber ich bereue es nicht: Das ist eines der besten Bücher, die ich in jüngster Zeit gelesen habe. Es besticht durch klare, kraftvolke, schlichte Sprache, durch beeindruckende Protagonisten, durch Poesie und Traurigkeit. Grandios.

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