Schlafen werden wir später

von Zsuzsa Bánk 
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Schlafen werden wir später
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L

Tolle Autorin! Aus der Bibliothek; Email Roman; muss man mögen

leseleas avatar

Das erste Buch von Bánk, das mich nicht erreichen konnte. Hinter Sprache und Struktur geht die eigentliche Geschichte verloren.

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Inhaltsangabe zu "Schlafen werden wir später"

Was fangen wir noch an mit diesem Leben, jetzt, nachdem wir die halbe Strecke schon gegangen sind?

Die Schriftstellerin Márta lebt mit Mann und drei Kindern in einer deutschen Großstadt, die Lehrerin Johanna lebt allein in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Eine lange Freundschaft verbindet sie, in E-Mails von großer Tiefe, Offenheit und Emotionalität halten sie engen Kontakt. Was ist gewesen in ihrem Leben – und was wird noch kommen? Zuszsa Bánks großer Roman ist eine Feier der Freundschaft und des Lebens.

'700 Seiten magischer Sog. Wir sehen in die Köpfe, wir sehen in die Herzen. Man will teilhaben, mitleiden, mitlachen.'

Neue Presse

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596522033
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:928 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:24.10.2018
Das aktuelle Hörbuch ist am 07.03.2017 bei Audiobuch erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    leseleas avatar
    leseleavor 3 Monaten
    Kurzmeinung: Das erste Buch von Bánk, das mich nicht erreichen konnte. Hinter Sprache und Struktur geht die eigentliche Geschichte verloren.
    Das dritte Lebensviertel

    Zsuzsa Bánk gehört uneingeschränkt zu meinen Lieblingsautorinnen: Ich habe ihre beiden Romane verschlungen, auch den Band mit Kurzgeschichten gerne gelesen und konnte sie sogar schon live bei einer Lesung erleben. Sie ist für mich eine absolute Sprachvirtuosin, eine der Autorinnen, die immer „schön“ schreibt und die es schafft, in ihren Büchern eine ganz besondere Atmosphäre, zwischen Melancholie und Zuversicht schwebend, zu kreieren. Ich habe also bestimmte Erwartungen, wenn ich ein Buch von Zsuzsa Bánk aufschlage, so auch bei ihrem neuesten Roman Schlafen werden wir später, selbst wenn dieser, wie nach Lesen des Klappentextes deutlich wird, anders funktioniert als ihre bisherigen Bücher.

    In Schlafen werden wir später geht es um zwei Freundinnen in den Vierzigern, die sich seit Kindesbeinen kennen: Márta lebt in Frankfurt, mit Mann und drei Kindern und ist von Beruf Schriftstellerin; Johanna ist alleinstehend, lebt und arbeitet im Schwarzwald als Lehrerin und promoviert nebenher über Annette von Droste-Hülshoff. Beide befinden sich in einer Phase, in der sie sich fragen, was im Leben schon war und was noch kommen wird, sie schleppen ihre Dämonen mit sich und ringen um einen positiven Blick in die Zukunft. Anders als Der Schwimmer und in Die hellen Tage, die beide die Kindheit und die in dieser Zeit gewonnenen Erfahrungen und Erinnerungen in den Vordergrund stellte, konzentriert sich Zsuzsa Bánk in ihrem dritten Roman auf erwachsene Frauen in ihrer Lebensmitte. Zudem geht sie auch strukturell neue Wege: Schlafen werden wir später ist als E-Mail-Roman konzipiert. Die circa 680 Seiten sind angefüllt mit Mails, die in den Jahren 2009 bis 2012 von Johanna und Márta verfasst werden, einen Text jenseits dieser Nachrichten gibt es im Buch nicht.

    […] die guten und die schlechten Dinge zählen, auflisten und abwägen, vielleicht zur Hälfte des Lebens ein Kopfrechnen in Haben und Soll, die guten, die schlechten Fasern, die wir sind und die uns ausmachen […] (S. 451)

    Zsuzsa Bánks Sprache ist, E-Mails hin, Internet her, dabei so gekonnt wie früher: Sie füllt ihre Seite mit üppigen, sattmachenden Wörtern wie Stadtlichterdunkelheit, regengetunkt, Sommerfensterklang oder windscheu, in denen man versinken kann, die einen einlullen, die es einem gemütlich machen. Ihre Naturbeschreibungen sind in einem Maße treffend, das es einem unheimlich wird: Ja, genau so, fühlt er sich an, der Frühling, der Sommer, der Herbst und der Winter, so schaut es draußen aus, wenn man die Augen von den Seiten hebt, so erinnern wir uns an die eine Jahreszeit, die vergeht und an die nächste, die alljährlich wiederkommt. Allein: Es passt meiner Meinung nach nicht zu der Idee eines E-Mails-Roman. Wer schreibt denn wirklich so, wenn er schnell im Morgengrauen, vor der Arbeit noch eine Mail verfasst? Wer teilt mit solchen Wörtern seine Empfindungen anderen Mitmenschen mit? So schön der Text auch zu lesen ist, er kommt mir im vorliegenden Kontext viel zu artifiziell, zu stilisiert vor.

    Darüber hinaus fehlt jenseits der Sprache eine Idee auf der Inhaltsebene: In Schlafen werden wir später passiert eigentlich nichts, außer dass die Jahreszeiten vergehen, die Erwachsenen älter und die Kinder größer werden – und die beiden Protagonistinnen das bejammern. In diesem Roman wird auf dem Großteil der Seiten im Selbstmitleid versinkt, larmoyant der Alltag skizziert und stillgestanden: Auf jeden Schritt nach vorne, folgt ein Schritt zurück, Entwicklungen gibt es kaum Nennenswerte. Im Vergleich zu den beiden vorherigen Romane fehlt es dabei eindeutig an Leichtigkeit oder auch Selbstironie: Schlafen werden wir später ist eine drückende Lektüre, die sich schwer auf den Leser senkt und zumindest mich persönlich in meiner Stimmung unheimlich nach unten gezogen hat.

    Für fast 700 Seiten ist mir das alles insgesamt zu wenig: Auch wenn die Frauenfreundschaft in ihrer Besonderheit gut ehrausgearbeitet wurde und die Sprache zum Dahinknien ist, hat mir das Lesen dieses Bánk-Romans wenig Freude bereitet. Zu anstrengend, zu langatmig, zu pessimistisch und dabei trotz allem zu unbeteiligt war mir diese Lektüre, die leider in keiner Weise an die Leseerfahrungen bei Der Schwimmer oder Die hellen Tage herankommen konnte. Ich vergebe daher nur wohlgemeinte und sich ein bisschen auf den Erfolg der Vorgängerbücher ausruhen dürfende 3 Sterne und verbleibe mit der Hoffnung, dass der nächste Roman von Zsuzsa Bánk wieder mehr meinem Geschmack entspricht.

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor einem Jahr
    Schwülstige Sprache, langweilige Handlung

    Normalerweise bin ich jemand, die jedes Buch zu Ende liest, egal wie ätzend es ist. Wenn ich allerdings wie hier schon nach zwanzig Seiten ob der größtenteils belanglosen Handlung nur gähnen und ob der schwülstigen Sprache die Augen verdrehen kann und noch weitere 668 Seiten vor mir habe, schaffe ich es leider nicht, mich zum Weiterlesen zu motivieren. Dabei mag ich normalerweise so dicke Wälzer ganz gerne.

    Ich habe mich bei diesem Buch vom Klappentext täuschen lassen, der einen interessanten  E-Mail-Roman verspricht. Die E-Mails habe ich bekommen, aber mein Interesse konnte Zsuzsa Bánk absolut überhaupt nicht wecken.

    Mit den Protagonistinnen, die die ganze Zeit nur rumjammern, konnte ich so gar nichts anfangen. Es gibt auch nicht wirklich eine Entwicklung in ihren Leben. Die knapp 700 Seiten sind mit ständigen Wiederholungen gefüllt - sprachliche und inhaltliche Wiederholungen.

    Ich habe das Buch dann quergelesen, aber es ändert sich bis zur letzten Seite nichts.


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    Ancareens avatar
    Ancareenvor einem Jahr
    Rezension schreiben - unmöglich

    Das ist mir so noch nie passiert!
    Es ist mir unmöglich einen Abstand zu diesem Roman herzustellen, um so halbwegs abgeklärt etwas Vernünftiges zu Papier zu bringen.

    Noch nie habe ich schon nach der Hälfte der Lektüre beschlossen: das lese ich gleich noch mal. Ich rase auch nicht durch die Seiten und verschlinge. Das ist eher meine Oase in der Raserei des Alltags, des Abtauchens in zwei Leben.
    Nun habe ich das Pech da regelrecht drinzustecken: Ich bin so alt wie Johanna und Márta. Ich bin Lehrerin und habe Kinder, die nun schon erwachsen sind. Aber ich hab sie allein großgezogen. Die Orte, sei es Freiburg und der Schwarzwald, sei es Bonn, der Balaton oder Frankfurt, sind mir vertraut. Ich habe einen ungarischen Vater ès tanultam magyarul (und lernte Ungarisch) und meine Mutter gehörte, stets unterwegs, der schreibenden Zunft an.
    Beide Frauen sind zusammen aufgewachsen. Jede ging ihren eigenen Weg immer in Sichtweite zur anderen. Sie schreiben sich und telefonieren auch, besuchen sich. Dies alles erfährt man aus ihrem tagebuchartigen Briefwechsel. Höhen und Tiefen des Lebens, Alltag, das Leben.
    Sorry, das wird keine Rezension. Ich finde mich nicht hinaus aus den Seiten. Leider unmöglich .... für mich einfach ein großartiges Buch, absolut einmalig unvergleichlich und unbeschreiblich  schön in seiner Sprache.

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    4Mephistopheless avatar
    4Mephistophelesvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Melancholisch und sinnierend mit dichter bildhafter Sprache. Ein brillianter Roman über zwei selbstreflexive starke Frauen
    Was macht uns glücklich? - Ein Briefroman der besonderen Art

    In einer Zeitschrift hatte ich eine kurze Buchbesprechung gelesen und war neugierig, da darin ein außergewöhnlicher Briefroman angepriesen wurde. Als ich eines Tages in einer Buchhandlung in das Buch hineinschauen konnte, nahm mich schon der erste Absatz so gefangen und ich war berührt.

    In diesem ersten Absatz schildert die Schriftstellerin Márta ihrer besten Freundin Johanna, dass ihr Mann und der Vater der gemeinsamen drei Kinder ihr beim frühen Kaffee scheinbar nebensächlich und achtlos mitgeteilt hatte, dass er sie bereits verlassen hätte, wäre er zehn Jahre jünger und hätten sie die Kinder nicht. Márta verknüpft diese Neuigkeit jedoch nicht mit emotionalen Zerreißproben, sondern mit Beobachtungen aus ihrer Umwelt: "Eine Drossel hatte sich ans nachtbeschlagene Fenster gesetzt und mit ihrem Schnabel angeklopft, als wolle sie uns warnen und bremsen [...]".

    Dieser erste Absatz zeigt deutlich, worum es hier in diesem Buch geht: Keine schnellen Handlungen oder große Ereignisse, sondern das Leben, wie wir es nur zu gut kennen. Die beiden Frauen, die sich in dem Buch gegenseitig schreiben sind beide sehr literaturaffin, ihre Mails sind gespickt mit literarischen Anspielungen und Ritualen, allen voran natürlich aus dem Werk "der Droste", Annette Droste-Hülshoff. Diese literarische und lyrische Prägung durchzieht das Werk auch sprachlich. Kunstvolle Metapher und Allegorien durchziehen die Mails. Der Satzbau ist abwechslungsreich und bedeutungsvoll.

    Beide Frauen sind scharfe Beobachterinnen und ihre Eindrücke von den Personen, Tieren und der Natur, die sie umgibt, wird kunstvoll dargestellt und in Beziehung mit ihrem eigenen Leben gesetzt.
    Ebenso ähneln sich die Frauen, indem sie sich selbst stark reflektieren und an ihren eingeschlagenen Lebenswegen zweifeln.

    Ich war vollkommen gefangen und habe mir dennoch viel Zeit für das Buch genommen und schon ein, zwei Mails brachten mich mitten in die Welt von Johanna und Márta, mit denen ich mich einerseits ein wenig identifizieren konnte und die mir mit fortschreitender Seitenzahl realer wurden. Ich lachte mit ihnen, erinnerte schöne Momente, weinte bei einer unverhofften Tragödie.

    Obwohl ich versuche, meinen Buchbestand klein zu halten, ist dieses Buch nun auch dauerhaft in mein Regal gewandert. Viele schlecht erzählte Romane erschufen bei mir eine Art körperlichen Schmerz, wieder so ein sprachlich-brillianten Roman zu lesen.

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    Kellerbandewordpresscoms avatar
    Kellerbandewordpresscomvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sehr Lyrisch und speziell
    Schlafen werden wir später

    Das Buch ist ein Schriftwechsel zweier Freundinnen. Beide kennen sich schon sehr lange und sind mittlerweile Anfang 40.

    Auch ich bin Anfang 40 und denn och nicht so verzweifelt, wie es die Schreiberin wohl sein musste.

    In den Emails schildern sie ihren Alltag und ihre Sorgen.

    Der gegenseiter Neid und eine pessimistische Dauerbeschallung machte es mir schwer das Buch zu lesen.

    Auch die lyrische Schreibart liegt mir nicht so. Ich mag eher den modernen Erzählstil.

    Daher leider nur 3 Sterne.

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    Laramarias avatar
    Laramariavor einem Jahr
    Für mich leider eine Enttäuschung

    Zsuszu Bank schreibt in "Schlafen werden wir später" über zwei Freundinnen, die für sich unterschiedliche Lebensmodelle gewählt haben. Beide leiden unter ihren Entscheidungen und beneiden das Leben der anderen. Der Roman ist in Briefform verfasst und erstreckt sich über drei Jahre.
    Beim Lesen des Klappentextes war ich vom Inhalt sofort begeistert, dass meine Entscheidung zum Kauf des Buches relativ schnell fiel. Doch als ich anfing zu lesen, kamen mir schon bei den ersten Sätzen Zweifel, die ich aber zur Seite schob. Ich dachte mir, es würde schon noch gut werden. Bis Seite 26 hielt ich durch. 
    Für mich war jeder Satz gewollt poetisch und dadurch anstrengend zu lesen. Nicht dass es schlecht ist, wenn Sätze poetisch oder anstrengend sind, doch dann sollten sie wenigstens Freude bereiten !
    Zudem empfand ich eine große Abneigung gegenüber den Protagonistinnen, denen ich am liebsten hätte zuschreien wollen, sie sollen aufhören zu jammern. 
    Letztendlich eine großartige Idee mit ernüchternder Umsetzung. 

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    katzenminzes avatar
    katzenminzevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der Roman hat eine wundervolle, eine grandiose Sprache! Aber es fehlt an Inhalt. Leider!
    zweischneidiges Schwert

    Zsuzsa Bánk muss ziemlich genau gewusst haben, was sie nach ihrem neuen Roman Schlafen werden wir später für Kritik zu erwarten hat. Sie nimmt es ja im Buch schon vorweg. Da geht es an einer Stelle nämlich um den gerade erschienenen Roman einer der beiden Haptcharakterinnen:

    „Habe die Zeitungen gelesen. Mich geärgert über die Besprechung in der Rundschau. […] Angeblich geschieht nichts. Ja, muss denn etwas geschehen? […] Na ja, und dann noch mildere Gemeinheiten wie: Nur für Lagstreckenleser geeignet. Aber du bist doch eine Langstreckendichterin!“
    S. 556

    Und eigentlich sagt das fast alles. Aber von vorn: Der Roman ist der E-Mail Austausch zweier langjähriger Freundinnen. Márta ist Schriftstellerin und Mutter von drei Kindern, die oft in Alltagschaos und Geldsorgen versinkt und sich verzweifelt jede Minuten zum schreiben freikämpfen muss. Johanna ist Lehrerin und schreibt an ihrer Doktorarbeit über Anette von Droste Hülshoff, die nicht so richtig vorankommen will. Sie hat mit der Trennung von ihrem Langjährigen Lebensgefährten und einer überstandenen Krebserkrankung zu kämpfen. Das alles erfährt man nach und nach aus dem Mailwechsel der zwei. Und der hat mich gleich in seinen Bann gezogen! Der ganze Roman ist einfach superschön geschrieben. Die Mails sind sehr lyrisch und man kann das Buch auf jeder beliebigen Seite aufschlagen und findet überall mindestens einen hübschen, runden, herzerwärmenden Satz. Es gibt ein paar Phrasen die immer wieder auftauchen. Die mochte ich sehr gerne. Die „dreimal hintereinander“ oder das Titelgebende „schlafen werden wir später“ oder andere dieser kleinen Insidersätze gaben einem das Gefühl Teil der innigen Gemeinschaft von Márta und Johanna zu sein. Ich mochte den Ton des Romans einfach sehr gerne.

    Nur leider kommt jetzt noch ein großes ABER. Es gibt nämlich keine wirkliche Entwicklung im Leben der beiden Frauen. Es plätschert so vor sich hin und nur ein schöner Ton kann nicht durch einen Roman mit fast 700 Seiten tragen. Da hätte weniger Umfang doch gut getan. Hin und wieder passiert natürlich schon etwas, aber auf dem Weg dahin habe ich Márta verwünscht für ihre ständig gleiche Klage über die Kinder und über den Zeitmangel und das wenige Geld. Oder Johanna die immer in die gleichen Sädte fährt und über „die Droste“ sinniert. Ich habe im letzten Drittel gekämpft mit dem Buch und einiges nur noch überflogen aber ich habe es trotzdem gerne gelesen! Zwischendurch habe ich überlegt, ob ich es „Häppchenweise“ versuchen und etwas anderes dazwischenschieben soll. Aber dann stand ich vor meinem Bücherregal und wollte nichts anderes zwischen Márta, Johanna und mich lassen.

    Mochte ich das Buch jetzt, oder mochte ich es nicht? Irgendwie beides. Der Ton, die Sprache und die beiden Frauen sind wunderbar. Aber sie „reden, reden, reden, dreimal hintereinander reden sie“ über die immer gleichen Dinge. Es zieht sich sehr. Andererseits ist es so auch authentisch, was Bánk hier so lyrisch beschreibt.

    Letztlich ist es ganz einfach: Wer Johanna im folgenden Zitat zustimmt sollte hier auf jeden Fall zugreifen.

    „Entscheidend ist nicht, über was, sondern nur wie geschrieben wird.“
    S. 363

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    Ginevras avatar
    Ginevravor einem Jahr
    "Trost in Schmerz und Leiden"

    Johanna und Márta sind Schulfreundinnen, die einander nie aus den Augen verloren haben. Heute sind beide Anfang 40, und führen völlig unterschiedliche Leben: Márta ist Lyrikerin, verheiratet mit einem Theaterschriftsteller und gestresste Mutter dreier Kleinkinder. Die Lehrerin Johanna lebt alleine im Schwarzwald, schreibt an einer (nicht enden wollenden) Dissertation über "die Droste", hilft in einem Blumenladen aus und versucht, eine Brustkrebserkrankung und eine gescheiterte Beziehung zu verarbeiten.
    Ganz schön harte Kost - aber die beiden finden einen offenen, gefühlvollen und lebensfrohen Ton, der - trotz vieler romantischer Zitate - nicht kitschig wirkt. 

    Mich hat sehr beeindruckt, wie wertschätzend sich die beiden Freundinnen in allen Lebenslagen unterstützen, auch wenn ihre Gefühle und Gedanken gegen den Strom schwimmen. Die Männer spielen zwar eine wichtige Rolle, geraten aber immer mehr in den Hintergrund, und die beiden Frauen entwickeln immer mehr Stärke. So habe ich es zumindest erlebt. 
    Am Anfang hat mich der Mix aus poetischer Sprache und Alltagssprache etwas befremdet, aber mit der Zeit hat mich dieser Roman immer mehr in seinen Bann gezogen und bewegt.

    Zsuzsa Bánk, geb. 1965, hat Publizistik, Politik und Literatur studiert, lebt als freie Schriftstellerin in FFM und wurde bereits mehrfach für ihre Veröffentlichungen ausgezeichnet. 

    Fazit: ein Buch über die schönen und schattigen Seiten des Lebens, tiefgründig und unterhaltsam, sprachlich auf hohem Niveau - was will man/frau mehr?
    5 von 5 Sternen!

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    M
    maria1vor einem Jahr
    Ein Buch über die Zumutungen und die Freuden des Lebens

    Marta und Johanna, 42, sind seit ihrer Kindheit befreundet. Da sie an verschiedenen Orten leben, tauschen Sie sich per E-Mail über die Ereignisse in ihrem Leben, ihre Gedanken und Empfindungen aus. Dabei haben sie den Wunsch dem Leben alles abzutrotzen, getreu dem Motto: Schlafen werden wir später.


    Ja, ich gebe zu, anfangs habe ich mir gedacht: Sie haben ja recht, aber muss man das alles so ausbreiten, muss man immer wieder klagen? Muss sich das alles wiederholen? Mich hat die Lektüre deprimiert.


    Ich mochte den Stil nicht, der irgendwie gedrechselt und unnatürlich daherkommt; sehr schön - aber es ist nicht "mein"Stil. Und die immer gleichen Wendungen haben mich genervt.


    Eigentlich wollte ich die Lektüre abbrechen. Da mir das Buch aber eine Freundin geschenkt hat, die auch immer nach meinen Eindrücken gefragt hat, bin ich drangeblieben.


    Und dann hat mich die Geschichte gepackt. Das Buch hat mich sehr berührt; die Freundinnen habe ich ins Herz geschlossen. Ein wunderbares Buch über Leben, Liebe und Freundschaft. Durch die Form des E-Mail-Schriftwechsels kann man gar nicht anders, als auch das eigene Leben zu hinterfragen, darüber zu reflektieren, was das Leben ausmacht. Ich mag die Intensität, mit der dieses Buch daherkommt.
    Und an den Stil habe ich mich beinahe gewöhnt...

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    Girdies avatar
    Girdievor 2 Jahren
    Wunderbarer Roman über Freundschaft, Selbstverwirklichung und Neufindung

    „Schlafen werden wir später“ von Zsuzsa Bánk ist ein Briefroman in moderner Form. Johanna und Mártha sind Freundinnen seit Kindertagen und schreiben einander E-Mails über das, was sie gerade bewegt. Sie schreiben einander auch Briefe und Postkarten, telefonieren miteinander und besuchen sich gegenseitig. Doch es sind die E-Mails die ihnen den Platz einräumen, ihre Gedanken zu ordnen, der anderen ihre Gefühle begreifbar zu machen, Vergessenes zu erfassen, Ungesagtes zu äußern und zu kurz Gekommenes zu ergänzen. Sie ermöglichen eine schnelle Reaktion auf eine erhaltene E-Mail, nehmen Platz ein für ein nicht stattgefundenes Telefonat und erlauben eine wohldurchdachte Antwort auch nach mehreren Tagen. Selbst wenn in der Hektik des Alltags die Möglichkeit zum erholsamen Schlafen fehlt, sind meistens ein paar schnelle Zeilen an die Freundin rasch geschrieben, egal zu welcher Tageszeit.

    Johanna und Mártha sind beide 42 Jahre alt. Johanna ist Lehrerin und wohnt in einem Haus im Schwarzwald. Sie hat sich vor nicht allzu langer Zeit von ihrem Freund Markus getrennt und eine schwere Krankheit überstanden. Außerdem schreibt sie an ihrer Doktorarbeit über die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff steht, deren Werke sie bewundert. Ihre Eltern sind früh verstorben, doch ihre Gedanken verweilen häufig bei ihnen und ihren besonderen Charakteren.
    Mártha ist Autorin und hat bisher zwei Lyrikbände geschrieben. Sie arbeitet an einem Buch mit Erzählungen, wenn ihre Zeit als dreifache Mutter es erlaubt. Mit ihrem Mann Simon und den Kindern lebt sie in Frankfurt am Main in einer Erdgeschosswohnung. Wenn sie zu Lesungsterminen fährt kümmert sich oft eine alte Freundin der Familie oder ihre aus Ungarn stammenden Eltern um die Kinder. Ihr großer Wunsch ist es, von ihrer Arbeit ohne Not leben zu können.

    Durch diese besondere Form des Romans hat der Leser es mit zwei Ich-Erzählerinnen zu tun. Die Gedanken beider Protagonistinnen liegen also offen vor ihm. Es sind nicht die großen weltpolitischen Ereignisse über die die beiden Frauen schreiben, sondern das ganz normale Leben und die Zwänge des Alltags. Beide sind in Frankfurt-Höchst aufgewachsen und immer füreinander da gewesen. Sie kennen einander so gut, dass ihre Unterhaltungen ganz tief gehen. Sie scheuen sich nicht den anderen zu kritisieren, ihren Ärger übereinander zu benennen oder ihre Enttäuschung. Sie nutzen die Möglichkeit, um sich zu beschweren und ihre Gefühle, die sie in bestimmten Situationen empfinden, von der Freundin bestätigen oder korrigieren zu lassen. Sie verzeihen einander und lassen sich auch gerne von der anderen ermutigen oder loben. Sie sprechen sich wie zu Kinderzeiten mit Kosenamen an und genießen dadurch die Erinnerung gemeinsamer wohliger Vergangenheit, sie streicheln sich mit Worten und verschenken ihre Aufmerksamkeit um der Freundin Halt und Wärme zu geben.

    Zsuzsa Bánk schreibt ohne Kapiteleinteilung und lässt die Freundinnen immer im Wechsel mailen. Nicht jeder Tag wird verschriftlicht, denn dazwischen erfolgen Telefonate, Briefe und Besuche auf die die folgenden Mails dann eingehen. In manchen E-Mails sind die Sätze nicht ausformuliert, sondern eine Aneinanderreihung von Worten die direkt aus dem Gedankenkarussell des Alltags kommen und ungefiltert in den Text fließen. Der Roman beginnt im März 2009 und endet im Juni 2012. Natürlich ist es interessant zu verfolgen, ob Mártha in dieser Zeit ihre Erzählungen fertig stellen und Johanna ihre Doktorarbeit beenden wird. Aber was diesen Roman so besonders macht ist die Ehrlichkeit. Beide Charaktere sind aus dem Leben gegriffen und so, dass sie jedem schon einmal begegnet sind oder man sich in ihnen selbst erkennt. Sie wirken authentisch und ich denke, dass viele eigene Erfahrungen der Autorin in sie hinein geflossen sind. Ich habe mich immer tiefer in den Text hineingelesen und war stellenweise sehr berührt von den realistisch eingefangenen Stimmungsbildern des Alltags.

    „Schlafen können wir später“ ist ein wunderbarer Roman über Freundschaft, Selbstverwirklichung, Zusammenhalt und Neufindung, der mich am Ende mit Wärme im Herzen zurücklässt und den ich gerne an empathische Leser weiterempfehle.

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    So schön, so traurig, dass wir froh sind, keine Antworten schreiben zu müssen, sondern nur mitlesen dürfen.

    Zsuzsa Bánks neuer Roman erzählt poetisch vom Ringen zweier Freundinnen mit den Zumutungen der Realität. […] zeitlos.

    Wir sehen in die Köpfe, wir sehen in die Herzen. […] Man will teilhaben, mitleiden, mitlachen, […] so poetisch und lebensklug sein wie die beiden Heldinnen.

    eine Geschichte aus dem Leben und über das Leben.[…] Gleichzeitig ist der Roman eine Lobpreisung auf wahre Freundschaft.

    Die große Stärke von Zsuzsa Bánk: Ihre Heldinnen […] wirken nicht nur authentisch, sondern es liest sich stellenweise wie ein Gedicht.

    Nicht kurze Mitteilungen in nachlässiger E-Mail-Sprache lesen wir, sondern poetische, auch humorvolle Herzensergießungen.

    eine poetisch dichte und dennoch trotz des melancholischen Grundtons beglückend leichtfüßige, wortschöpfungsgesättigte Erkundung […] Eine sprachsprühende Feier der Freundschaft und der Literatur, dieser beiden lebensrettenden Anker.

    Ein Meisterstück, wie hier der Alltag poetisch ausgeleuchtet wird - und keineswegs nur für das weibliche Publikum ein Genuss!

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