Zuhal Soyhan

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Ungebrochen

Ungebrochen

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Erschienen am 07.02.2012

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Rezension zu "Ungebrochen" von Zuhal Soyhan

Starker Titel mit starker Persönlichkeit
Lemas_Buecherweltvor 3 Monaten

Bei einem Erdbeben in ihrer türkischen Heimatstadt wird die dreijährige Zuhal Soyhan verschüttet, erst Tage später kann sie aus den Trümmern gerettet werden. Da sie mit ihren „krummen Armen und Beinen“ immer etwas anders war, geben ihr die türkischen Ärzte wenig Hoffnung das ihre Knochen gerade wieder zusammenwachsen. Sie lässt dennoch eine Tortur an Behandlungen über sich ergehen. Über bereits ausgewanderte Familienmitglieder erfahren die Eltern von spezialisierten Orthopäden in München und wagen einen großen Schritt. So lebt Zuhal Soyhan bereits als junges Mädchen in München und bekommt von den deutschen Spezialisten die Diagnose Glasknochenkrankheit. Von da an verbringt sie ihr halbes Leben erst im Krankenhaus und dann in einem Heim für Behinderte.
Doch, anstatt aufzugeben, und sich ihrem Schicksal hinzugeben, beginnt Zuhal Soyhan gegen Vorurteile zu kämpfen und erlebt so ein Abenteuer, über das sie heute noch gerne spricht.

Mit „Ungebrochen“ hat Zuhal Soyhan ihre ganz eigene Biografie geschrieben, denn im Titel besteht eine gewisse Doppeldeutigkeit. Auch ihr Schreibstil und die Art und Weise wie sie mit den Worten gespielt hat, hat mich so beeindruckt, dass ich das Buch fast verschlungen habe. Ich würde sehr gerne mehr von ihr lesen, selbst wenn es nichts mehr Autobiografisches sein kann. Für mich ein ganz klares Jahreshighlight.

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Rezension zu "Ungebrochen" von Zuhal Soyhan

Rezension zu "Ungebrochen" von Zuhal Soyhan
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Ein erfolgreiches Leben mit Osteogenesis imperfecta

Landläufig als „Glasknochenkrankheit“ bezeichnet man jene Krankheit, deren Hauptmerkmale instabile und leicht brechende Knochen mit hinzukommenden Verwachsungen in verschiedenen Schweregraden sind. Eine Krankheit, die Zuhal Soyhan nicht nur mit ihren Symptomen, sondern auch mit besonders ausgeprägten sozialen Folgen seit ihrer Kindheit zu tragen hat.

Das Buch gibt Auskunft über dieses „Tragen der Krankheit“ und der Titel des Buches ist dabei im übertragenen Sinne Programm. Trotz hunderter von Brüchen, die Person Soyhan stellt sich dem Leser tatsächlich „ungebrochen“, im Gegenteil, stark und erfolgreich, vor.

In der Türkei geboren, im Zuge eines Erdbebens als Dreijährige verschüttet, mit hochgradig „zerbrochenen“ Knochen aufgefunden und dann erst in der Krankheit diagnostiziert, folgt eine Lebensweg, der entweder eine starke Persönlichkeit hervorbringt oder einen daran zerbrechen lässt. Operationen, Heimaufenthalte vor allem und damit eine Form des „weggesperrt werdens“, Schmerzen, Rückschläge und so manches mehr schildert Zuhal Soyhan in ihrer lebendigen, immer optimistischen Art, die schon in der Form ihrer Sprache erkennbar ist. Hier berichtet eine, die den Kampf mit dem Leben, der Krankheit, dem Schicksal und den Widrigkeiten, die das alles mit sich brachte, erfolgreich und offensiv aufgenommen hat. Und trotzdem, trotz des „guten Ausgangs“ und des optimistischen Grundtons, man liest den Lebensbericht Soyhans gerade in Bezug auf ihre Erlebnisse als Kind mit echter Betroffenheit. In der Türkei, umgeben von Menschen, die mit ihrer Behinderung zunächst so gut wie nichts anzufangen wussten, ein Arzt, der sich für „unnormale Knochen“ schlichtweg nicht für zuständig erklärt, hart Zeiten in und mit der Krankheit für das kleine Kind, von denen Soyhan nüchtern erzählt.

So fließt es zusammen in jenem Bild in der Mitte des Buches, welches Soyhan untertitelt: „26 Jahre alt - das Leben kann nun endlich beginnen“. Nach überstandenen Operationen, einem Leben im Heim, der Knüpfung von Kontakten und Freundschaften, der Regelung der Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland und dann, irgendwann, der Bezug eines eigenen Zimmers in einer Wohngemeinschaft mit der Freundin. Auch dies wieder eine typische Szene für die Fährnisse des Lebens der Autorin, denn die Missbilligung, die ihr vom Vater der Freundin entgegenschlägt ist fast spürbar in den beschreibenden Worten des Buches.

Gut, dass Zuhal Soyan, neben so manch anderen Durchhaltekräften, über ein ganz wesentliches „Talent“ verfügt. Sich auf jene Personen, jene Aufgaben, jene Ziele zu konzentrieren, die ihr wichtig sind und von denen sie sich sicherlich nicht freiwillig abbringen lässt. Eine Kraftquelle in gleicher Form, wie ihre Familie.
Wie der Klappentext es sagt, „heute ist sie Deutschlands einzige Moderatorin im Rollstuhl“. Das Buch beschreibt den langen Weg zu diesem erfolgreichen und, folgt man Soyhan in ihren Eigensaussagen, erfüllten und glücklichem Leben.

„Zuhal, der Glückspilz“ untertitelt sie ein anderes der (wenigen) Bilder des Bildteils und nach Abschluss der Lektüre kann man ihr in ihrem Leben nur zustimmen.

Das Buch ist Zeugnis eines ganz außergewöhnlichen Lebensweges, der einen Einblick gibt in das Leben mit der Glasknochenkrankheit, aber auch Hinweise bereit hält, wie wichtig (und wie lohnenswert) es ist, die eigenen Ziele, das eigene Leben, mutig auch immer wieder neu anzugehen. Und sich nicht von vielfältigen Reaktionen und Abwehrhaltungen „der anderen“ entmutigen zu lassen.

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