Zygmunt Miloszewski Ein Körnchen Wahrheit

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Inhaltsangabe zu „Ein Körnchen Wahrheit“ von Zygmunt Miloszewski

Nach seiner Scheidung kehrt Teodor Szacki Warschau den Rücken und zieht in ein kleines Weichsel-Städtchen. Als er gerade anfängt, sich in der Idylle zu langweilen, geschieht ein Mord an einer im Ort hoch angesehenen Dame. Der Fundort der Leiche neben der Alten Synagoge sowie die grausame Art der Verletzungen lassen unter den Leuten alte antisemitische Vorurteile wieder aufblühen. Schnell ist das Medieninteresse an dem Fall enorm und gegen all die Lügen und die sich ausbreitende Hysterie kämpfend, versucht Szacki der Wahrheit näher zu kommen…

Auf jeden Fall lesens- und lohnenswert, wenn man diese Art Krimi mag, aber keine leichte Kost!

— vanessabln

Staatsanwalt Szacki bleibt top: Starker polnischer Krimi über alte Ressentiments zwischen Juden und Polen.

— Gulan

Mit Teodor Szacki erlebt man Nervenkitzel der grausamen Art mit einem charmanten und sympathischen Ermittler aus Polen! Grandios! 5*

— Floh

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  • Anspruchsvoller Krimi über das moderne und vergangene Polen

    Ein Körnchen Wahrheit

    vanessabln

    21. December 2016 um 10:13

    Bereits der erste Teil der Krimi-Reihe mit dem eisgrauen Staatsanwalt Teodor Szacki entführte in ganz andere Krimiwelten, nicht nur auf der Weltkarte. Der Schreibstil Miloszewskis ist ein ganz anderer als man ihn als Krimileser sonst kennt. Deshalb hat es auch hier gedauert (ganze 60 Seiten, um genau zu sein), bis ich so richtig ins Buch einsteigen konnte. Danach war ich jedoch froh, doch nicht abgebrochen zu haben. Es geht zwar schon bald um einen Mordfall, der viel Aufsehen erregt sowie unschöne Erinnerungen und böse Gerüchte aufkommen lässt, aber das ist nicht alles. Das Buch ist auf eine besondere Weise intelligent, gesellschaftskritisch, philosophisch und melancholisch, dazu gespickt mit polnischer Geschichte und Begriffen, die man nachschlagen muss, um mitzuhalten. Deshalb bedarf es Konzentration und Interesse, da es sich nicht leicht liest. Ein wenig erinnert es in Anspruch und Vielschichtigkeit fast schon an Umberto Eco, wenn ich einen Vergleich nennen müsste.Szacki mag man entweder oder nicht, auf jeden Fall ist er unverwechselbar. Von Frau und Kind getrennt, hat es ihn nun nach Sandomierz in der Provinz verschlagen. Anfangs langweilt er sich, freundet sich aber immer mehr mit der Gegend und ihren Bewohnern an, sieht aber auf der anderen Seite das typisch kleinstädtische Gerede, Vorurteile sowie alten und neuen Antisemitismus. Die Mordfälle, in denen er ermittelt, erinnern an alte Legenden, die wahr geworden sein zu scheinen. Daneben schlägt sich der Staatsanwalt noch mit Kleinkriminellen vor Gericht herum und natürlich seinem Privatleben. Eingebettet ist das Ganze in die täglichen Nachrichten, die überraschend vielseitig vor jedem neuen Tag skizziert werden. Alleine das ist schon eine Kunst. Eigentlich würde ich 5 Sterne geben, nur ist es eben kein Pageturner. Auf einen dritten Teil bin ich gespannt, auch wenn ich mich wohl wieder "durcharbeiten" muss.

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  • Das Mysterium des Bluts.

    Ein Körnchen Wahrheit

    Gulan

    15. October 2016 um 20:41

    „Sollen die Schulen geschlossen werden?“ Szacki stutzte. Er drängte zum Eingang durch, doch die Frage war so blöd, dass er stehen blieb. „Die Schulen, warum?“ „Um die Kinder zu schützen.“ „Entschuldigung, aber wovor?“ „Vor dem Mysterium des Bluts.“ „Sind sie verrückt geworden?“ Staatsanwalt Teodor Szacki hatte den Eindruck, es öffne sich die Tür zu einer alternativen Wirklichkeit. Zu einer alten, vergessenen und irrealen Wirklichkeit, wie er dachte, übersät mit den Leichen alter Dämonen. Aber es genügte schon, einen Blick durch einen Spalt zu werfen, um zu erfahren, dass die Dämonen keineswegs tot waren, sie hatten nur geschlummert, und dazu war das ein überaus leichter Schlaf gewesen. (S.219) Staatsanwalt Teodor Szacki hat sich ins Provinzstädtchen Sandomierz versetzen lassen. Dort ist es eigentlich relativ geruhsam, doch dann erschüttert ein grausamer Mord das Städtchen. Eine hoch angesehene Frau wurde durch schwere Schnittverletzungen am Hals ermordet, offenbar durch ein spezielles Messer für rituelle jüdische Schächtungen. Alte antisemitische Ressentiments kommen wieder hoch und Szacki versucht verzweifelt, gegen diese alte Legenden anzukämpfen. Da wird die nächste Leiche gefunden, auch sie ermordet wie in der alten Ritualmordlegende. Bereits im letzten Jahr las ich den ersten Band der als Trilogie angelegten Reihe um den Warschauer Staatsanwalt Teodor Szacki. Sowohl mit „Warschauer Verstrickungen“ als auch mit „Ein Körnchen Wahrheit“ gewann Autor Zygmunt Miłoszewski den Polnischen Krimipreis „Nagroda Wielkiego Kalibru“. Was mir an der Reihe besonders gefällt, ist die vom Autor hervorragend kreierte Hauptfigur. Staatsanwalt Teodor Szacki ist Ende 30, eisgraues Haar, eitel, intelligent, geistreich, schlagfertig bis zynisch. In seinem Job sehr professionell, tonangebend, manchmal arrogant. Ein strenger Hüter der Gerechtigkeit. Nach seiner Affäre im ersten Teil ist seine Ehe gescheitert und er hat fernab der Hauptstadt einen neuen Job in der beschaulichen Kleinstadt Sandomierz angenommen. Er fühlt sich im Job unterfordert. Mit unkonkreten Affären versucht er seine Einsamkeit und Melancholie zu vertreiben, doch eigentlich will er zurück zu Frau und Kind. Der Roman ist ein Whodunnit, eng begleitet der Autor seine Hauptfigur mit einem personalen Erzähler durch die Ermittlungen. Obwohl der Krimi durch die Melancholie des Protagonisten und die akribische Ermittlungsarbeit einen eher ruhigen Verlauf nimmt, versteht es Miłoszewski durch die gesellschaftlichen Hintergründe eine subtile Spannung zu erzeugen und überrascht am Ende mit einem Twist. Sandomierz ist ein architektonisches Kleinod im Südosten Polens an der Weichsel. Die Morde wecken allerdings in der kleinstädtischen Atmosphäre böse Geister auf. Die Ritualmordlegende als Teil des alten Antijudaismus war bis ins 20.Jahrhundert europaweit verbreitet (und wird bis heute von Rechtsextremen und Islamisten immer noch propagiert). Und wie fragil das Verhältnis zwischen Juden und Polen bis heute ist, das zeigt der Autor in diesem Krimi auf. In einer Gegend, in der es noch Pogrome nach dem zweiten Weltkrieg an Holocaust-Heimkehrern gab, in der bis heute ein Wandbild der Legende in der Kathedrale (verhüllt) hängt und umgekehrt Juden tragende Rollen im kommunistischen System und der polnischen Staatssicherheit spielten (was Miłoszewski klugerweise einen Rabbi im Buch bestätigen lässt). Teodor Szacki hat alle Hände voll zu tun, sich gegen alte Ressentiments zu stemmen, aber gleichwohl muss er seine Ermittlungen in alle Richtungen offen halten. „...Ich bin Beamter der Republik Polen, und mich interessiert ausschließlich eins: den Schuldigen für diese Verbrechen zu finden und vor Gericht zu stellen. Und es ist mir total schnuppe, ob das der wiederauferstandene Karol Wojtyla, Ahmed aus der Döner-Bude oder ein schmächtiger Jude von ihrem Typ ist, der in seinem Keller Mazze backt. Wer immer es ist, er wird an seinem verlausten Pejes aus dem feuchten Loch gezogen, in das er sich verkrochen hat, und muss sich für das verantworten, was er getan hat. Das garantiere ich Ihnen.“ (S.224) Vor einem Jahr habe ich schon mal die Krimilandschaft Osteuropas erkundet. Und der Blick gen Osten lohnt sich weiterhin: „Ein Körnchen Wahrheit“ bietet eine exzellente Hauptfigur, interessante religiös-gesellschaftliche Hintergründe und einen feinen, literarischen Stil.

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  • Leserunde zu "Ein Körnchen Wahrheit" von Zygmunt Miloszewski

    Ein Körnchen Wahrheit

    Berlin_Verlag

    Eine Leserunde für die Gewinner unseres Jahresabos. Ein neuer Fall für Teodor Szacki Nach seiner Scheidung kehrt Teodor Szacki Warschau den Rücken und zieht in ein kleines Weichsel-Städtchen. Als er gerade anfängt, sich in der Idylle zu langweilen, geschieht ein Mord an einer im Ort hoch angesehenen Dame. Der Fundort der Leiche neben der Alten Synagoge sowie die grausame Art der Verletzungen lassen unter den Leuten alte antisemitische Vorurteile wieder aufblühen. Schnell ist das Medieninteresse an dem Fall enorm und gegen all die Lügen und die sich ausbreitende Hysterie kämpfend, versucht Szacki der Wahrheit näher zu kommen…

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  • Ein Körnchen Wahrheit, ein Quantum Glück und ein Fünkchen Hoffnung. Thriller aus Polen!

    Ein Körnchen Wahrheit

    Floh

    06. July 2016 um 03:34

    Der polnische Autor Zygmunt Miloszewski hat es mit seinem ersten Fall für Staatsanwalt Teodor Szacki „Warschauer Verstrickungen“ geschafft, mich von meiner Vorliebe zu skandinavischen Thrillern und Krimis in Richtung Osteuropa, genauer gesagt, nach Polen zu locken. Nun geht es weiter mit dem etwas chauvinistischen und sympathischen „Ersatz-Ermittler“ Teodor Szacki mit seinem zweiten Fall „Ein Körnchen Wahrheit“. Ich habe mich so sehr darauf gefreut, wieder etwas aus der Feder des polnischen Erfolgsautors zu lesen und zu entdecken, ob er seine eigene hoch gestellte Messlatte erreichen, oder sogar übertreffen kann. Auch dieser Thriller ist thematisch wieder einmal sehr dicht, trotzdem bleibt Raum und Platz für Atmosphäre, Gemütlichkeit, Alltag und Landschaft. Eine sehr gelungene Gratwanderung aus Spannungsspitzen und Erholungsinseln in einem durchweg rasanten und potentialbehafteten und ausschöpfenden Thriller. Erschienen im Berlin Verlag (http://www.berlinverlag.de/)Inhalt / Klapptext:„Nach seiner Scheidung kehrt Teodor Szacki Warschau den Rücken und zieht in ein kleines Weichsel-Städtchen. Als er gerade anfängt, sich in der Idylle zu langweilen, geschieht ein Mord an einer im Ort hoch angesehenen Dame. Der Fundort der Leiche neben der Alten Synagoge sowie die grausame Art der Verletzungen lassen unter den Leuten alte antisemitische Vorurteile wieder aufblühen. Schnell ist das Medieninteresse an dem Fall enorm und gegen all die Lügen und die sich ausbreitende Hysterie kämpfend, versucht Szacki der Wahrheit näher zu kommen…“ Handlung:Patriotismus, Glaube, Aberglaube, Gesellschaftskritik, Fremdenhass, häusliche Gewalt… In Zygmunt Miłoszewskis zweiten Fall für den charmanten und außergewöhnlichen Ermittler Teodor Szacki kommt einiges an Zündstoff für eine rasante und fesselnde Story zusammen. Nachdem Szacki weitgehend durch die Scheidungsprozesse durch ist, zieht er sich aus dem pulsierenden Warschau zurück und zieht aufs Land. Doch auch hier trügt die ländliche Idylle an der Weichsel. Es dauert nicht lang und Teodors Gerechtigkeitssinn und sein Gespür für Ungerechtigkeit appellieren. Sein neuer Fall hat es politisch, menschlich und religiös wirklich in sich. Mit harten Bandagen muss er sich den Menschlichen Abgründen stellen. Dass, was Szacki hier durch seine Ermittlungen, Befragungen, Einsätze und Recherchen an die Oberfläche holt, hätte man am liebsten als für immer verborgen gesehen. Aber die Gerechtigkeit findet seinen Frieden nur, indem man die Ungerechtigkeit bestraft und die Taten sühnt… Geballter Stoff, einmalige Hintergründe und ein Nervenkitzel, der den Namen Thriller redlich verdient. Zudem dieser einmalig charmante Ermittler mit seiner unvergleichlichen Art und Aura seine Ziele zu erreichen und scheinbar wirklich jeden in die Knie zu treiben oder um den kleinen Finger zu wickeln. Und dass, obwohl sein eigenes Leben so gezeichnet ist… Behördliche Instanzen, das polnische Rechtssystem, Korruption, Vertuschung, der geliebte Deckmantel des Schweigens und nur ein kleiner Funken Hoffnung, das kleine Körnchen Wahrheit… Fesselnd, stark, innovativ und von ganz neuer Präsenz. Schreibstil:An den Stil und die Nuancen der polnischen Thrillerliteratur musste ich mich in Szackis zweiten Fall gar nicht mehr gewöhnen, da mir die ganze Stimmung und Palette der Reize bereits aus dem ersten Fall noch sehr bekannt und vertraut waren. Ich war sofort wieder ganz im geschehen und fühlte mich gleich wieder an Teodors Seite gestellt. Er ist dem Leser so nah, dass ich ihm die Hand reichen könnte, oder ihm den Schweiß von der Stirn tupfen könnte… Neuleser müssen sich sicherlich erst an den eigenen Stil der osteuropäischen Spannungsliteratur gewöhnen, wenn sie sonst eher die nordischen oder südlichen Thriller und Krimis für sich entdeckt hatten. Doch schnell findet man gefallen an die sachliche und kalkulierte Sprache, an die politischen Wunden und die Narben der Ereignisse der Geschichte des Landes. Das Buch beginnt gleich sehr fesselnd und spannend. Es werden erste Fragen aufgeworfen und der Leser sogleich dazu eingeladen, sich voll und ganz auf die Besonderheiten des Falls einzulassen. Der Schreibstil des Autors besitzt Wiedererkennungswert und seine eigene Note. Ich bin froh, dass er diesem Stil auch in seinem zweiten Fall treu bleibt und ich mit gutem Gewissen zu einem weiteren Werk seiner Reihe greifen konnte. Miloszewski schreibt aus der dritten Erzählperspektive aus der beobachtenden Sicht, dennoch schreibt er so nah und intensiv, als wäre man stets selbst in diesen unmöglichen und unwirtlichen Gefahrensituationen wie Szacki. Zygmunt Miloszewskis Stil und seine unverkennbare Feder sind unheimlich erfrischend, da es mal eine ganz andere Art des Thrillers ist. Polen bietet so viel Potential und ganz neue Ansichten und Themen für Thriller und Motivationen. Hat man sich erst einmal an die neuen Behörden, schwierigen Namen und Ortsbezeichnungen gewöhnt, so liest es sich absolut packend, innovativ, flüssig und flott. Bis auf wenige Längen kann der Autor mit verblüffenden Spannungsspitzen glänzen und versorgt den Leser mit Lokalcharakter, Atmosphäre, Verstrickungen und sonderbare Ermittlungsarbeit. Offen, ehrlich, schonungslos und gesellschaftskritisch. WOW. Meinung / Leseeindrücke:Ich bin absolut froh, dass sich meine hohen Erwartungen erfüllt haben. Dieser zweite Fall gefällt mir vielleicht sogar noch etwas besser als der Auftakt zu dieser großartigen und einzigartigen Thrillerreihe aus Polen. Nicht grundlos wird der Autor in seinem Land und inzwischen auch in vielen anderen Ländern durch die Übersetzung seiner Werke, die hier in der Deutschen Ausgabe übrigens absolut hervorragend ist, gelobt und gefeiert. Absolutes Plus für mich in diesem Thriller sind die Facetten und der Lokalcharakter aus Schilderungen und Beschreibungen örtlicher Gegebenheiten und der Kultur der Menschen dort. Tageszeitungen, TV, Glaube, Sitte, Speis und Trank, Berufsalltag, Gesetze, Behördenhierarchien und die dunklen Winkel der verborgenen Drahtzieher. Zudem zeigt Teodor Szacki hier viel Rechtschaffenheit und Mitgefühl. Diese neuen Ermittlungen bringen ihn physisch und psychisch an seine Grenzen. Zudem sind da noch die Nachwehen seiner Trennung und das Leben auf dem Lande mit seinen Vorteilen, aber auch Nachteilen. Da ich sonst eher zu skandinavischer Literatur greife, war dies ein ganz besonders neues und intensives Erlebnis für mich auch mal einen Thriller aus einer anderen Region und mit anderen Schauplätzen kennenzulernen. Der Zweite Fall für Teodor Szacki setzt dem ersten Fall noch das Krönchen in Form einer Kirsche zur Sahnehaube auf. Sehr kontroverse Themen, viel Hintergrund und Provokation liegen hier im Fall verborgen. Ich freue mich wirklich schon auf einen dritten und vierten und fünften und…. Band. Szacki ist echt fantastisch, dieser Ermittler ist mir wirklich ans Herz gewachsen. So eine Seele hätte man gern im echten Leben in seinem Bekanntenkreis, oder auch nicht… Mich beeindruckt ganz besonders, neben den tollen Hauptprotagonisten, natürlich die tolle Gratwanderung aus Spannung, noch mehr Spannung und Entspannung. Hier gibt es kleine Erholungsinseln, die weitere brisante Ermittlungsschritte und Wendungen wieder richtig aufleben lassen und so keinerlei Monotonie entsteht. Das gesamte Konstrukt und die unglaublichen Zusammenhänge und Hintergründe sind wirklich verblüffend. Ich habe wie gewohnt den Wechsel aus Privatleben des Staatsanwalts und der erschütternden und keinesfalls einfachen Ermittlungen sehr genossen. So erhält man ein ganz intensives Bild von Teodor und meint beim Lesen wirklich sein Leben zu führen und den Fall zu bearbeiten. Der Leser wird dazu animiert, eigene Thesen aufzustellen, Mutmaßungen zu äußern und sich vom Schubladendenken in die Irre führen zu lassen. Grandios! Auch die Aufklärung dieser Ermittlung zieht ein Nachspiel mit sich, was zum Sinnieren und Nachdenken anregt und noch eine ganze Weile nachhallen wird. Der zweite Fall, ist wie der erste auch, an sich abgeschlossen, bietet aber sicherlich noch viel Stoff für weitere Teile dieser unglaublich geballten und rasanten Thrillerreihe um Teodor Szacki. persönlicher Kritikpunkt:Diese persönliche Kritik, kann aber für andere Leser sogleich ein hervorragender Pluspunkt und eine willkommene Stärke im Buch sein. Die Namen der Haupt- und Nebenrollen sind landestypisch gehalten und für mich wirklich schwer zu Lesen und zu merken. Einige der interessanten und wichtigen Charaktere heißen für mich ähnlich, und da wurde es schwierig, den Überblick zu behalten. Diese Schwierigkeit wird einfacher, je mehr man über einzelne Darsteller erfährt. Denn die Charaktere weisen so typische Psychogramme und Charakterstudien auf, dass in der weiteren Handlung eine Verwechselung schier ausgeschlossen ist. Charaktere:Mit Teodor Szacki hat der polnische Autor Zygmunt Miłoszewski einen Hauptprotagonisten erschaffen, der provoziert, sympathisch ist und mit seiner jungen, charmanten und manchmal etwas kühlen Art die Frauenherzen zum Schmelzen bringt und den Widersachern und Gegenspielern richtig Ehrfurcht einhaucht. Szacki ist Staatsanwalt, er lebt und liebt für sein Land. Doch scheut er sich auch nicht, Salz in die politischen Wunden des Landes zu streuen. Jüngst hat er seine Scheidung zu verdauen und zieht aus der Großstadt ins ländliche Idyll. Doch auch dort erwarten ihn menschliche und politische, sowie religiöse Abgründe und von Ruhe scheint keine Spur mehr zu sein… Neben den bekannten Charakteren schickt der Autor weitere wichtige Haupt- und Nebenrollen ins Geschehen. Manche der Protagonisten werden mit einer wichtigen Schlüsselrolle behaftet, die man erst sehr spät erkennen wird, die daurch aber umso überraschender sein wird. Man muss den ersten Fall für Staatsanwalt Teodor Szacki nicht kennen, um sich in „Ein Körnchen Wahrheit“ zu Recht zu finden. Meilensteine aus Teodors Vergangenheit werden gekonnt aufgegriffen und platziert. So stören sie auch treue Leser nicht. Interessant als Pendant zu den einmaligen Charakterzügen ist auch der geschilderte typisch polnische Alltag und die Beobachtungen und Gedanken, die Teodor über sein Land und seine Bewohner anstellt. Die Schauplätze:Anders als in „Warschauer Verstrickungen“ spielt der zweite Fall für Szacki nicht im pulsierenden Warschau, sondern in der polnischen Provinz. Teodor zieht aufs Land in die Idylle nahe der Weichsel. Beschaulich, familiär und ruhig. Sollte man meinen, doch die Menschen auf dem Land leben ein anderes Leben, sie sind gezeichnet und die antisemitischen Auswüchse sind hier stark ausgeprägt. Dieses adaptiert der Autor an seine gewählten Kulissen und spielt hier mit dem Landleben und den Einstellungen zur Religion und des extremen Patriotismus der Bewohner. Hier auf dem Land werden nicht nur die polnischen und politischen Geister und Dämonen geweckt, auch Szacki muss sich einer düsteren Vergangenheit seiner selbst stellen. Und genau das ist es, was an den dargestellten Schauplätzen so unglaublich deutlich wird. Mit vielen Details formt der Autor Zygmunt Miloszweski ein authentisches Bild der Umgebung und der Leute. Große klasse, gelungene Leistung und fantastische Adaption polnischer Historie und Gegenwart. Die Gegenden werden so liebevoll und mit Herzblut beschrieben, dass man trotz aller Grausamkeiten und Unfassbarkeiten des Falls gern eine Reise ins beschauliche Polen unternehmen würde. Behörden, Orte, Straßen, Gebäude und Nachrichtenmedien werden mit realen Namen versehen und bilden einen unglaublich realen und echten Schauplatz. Der Autor:„Zygmunt Miłoszewski, geboren 1976 und früher Journalist bei Newsweek Polen, katapultierte sich mit »Die Verstrickung« in die erste Reihe der osteuropäischen Autoren, die gerade die internationale Krimiszene aufmischen. Für das Buch erhielt er den Preis Wielki Kaliber, die höchste polnische Auszeichnung für Kriminalliteratur.“Mein Fazit: Ich bin absolut überrascht, dass der zweite Fall den ersten Fall für den charismatischen und chauvinistischen Ermittler und Staatsanwalt Teodor Szacki noch übertreffen konnte. Ich freue mich auf viele weitere spannende Bücher von Erfolgsautor aus Polen Zygmunt Miloszewski. 5 Sterne gebe ich gern für diesen begeisternden Thriller und diesem noch brennenderen zweiten Fall. Hier findet man noch meine Rezension zum ersten Fall aus Polen:http://www.lovelybooks.de/autor/Zygmunt-Miloszewski/Warschauer-Verstrickungen-1126335151-w/rezension/1193683660/

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