Achtung, diese Rezension enthält Spoiler für diejenigen, die noch nicht die vorherigen Teile der Reihe gelesen haben!
”The smell reminded Jaime Lannister of the pass below the Golden Tooth, where he had won a glorious victory in the first days of the war. On the morning after the battle, the crows had feasted on victors and vanquished alike […] How much can a crown be worth, when a crow can dine upon a king?”
Den Lannisters und ihren Verbündeten ist es gelungen, die meisten ihrer Konkurrenten um den Eisernen Thron zu besiegen, jedoch formieren sich schon wieder neue Anwärter. Die Geschwister Cersei und Jaime Lannister befinden sich in King’s Landing, wo Tommen, der fünfjährige Sohn der Königin, nach der Ermordung seines älteren Bruders Joffrey gerade den Thron bestiegen hat. Tatsächlich ist Cersei diejenige, die die Geschicke der Sieben Königreiche lenkt, genau so, wie sie es immer wollte. Unterdessen sind die Schwestern Sansa und Arya, nachdem nunmehr sowohl ihre beiden Eltern als auch ihr ältester Bruder Robb ihren Feinden zum Opfer gefallen sind, weit voneinander entfernt, die eine in Hohenehr (The Eyrie), die andere in Bravos. Die weibliche Ritterin Brienne, durchquert das Land auf der Suche nach Sansa, nachdem sie ihrer Mutter Catelyn versprochen hat, sie zu finden und zu beschützen. Samwell Tarly wird von Jon Snow, welcher zum Lord Commander der Nachtwache aufgestiegen ist, nach Oldtown geschickt, wo er sich zum Gelehrten ausbilden lassen soll.
Die Geschichte wird dieses Mal hauptsächlich aus der Sicht von Cersei, Jaime, Sam und Brienne geschildert, somit wird die Erzählperspektive deutlich weniger gewechselt als in den vorherigen Bänden. Einige liebgewonnene Figuren wie Tyrion Lannister und Daenerys Targaryen tauchen in diesem Teil auch überhaupt nicht auf, was mich zunächst ziemlich verwundert und enttäuscht hat. Der Autor erklärt am Ende zwar, dass er sich bewusst hierfür entschieden hat und die Schicksale dieser Figuren im nächsten Band wieder aufnehmen wird. Trotzdem hätte es mir besser gefallen, wenn eher parallel von mehr Figuren berichtet worden wäre. Es kommen aber auch wieder ein paar neue Figuren zu Wort, die zuvor bestenfalls am Rande vorgekommen waren, was mir gut gefallen hat. Sehr spannend fand ich in diesem Teil die Entwicklung von Königin Cersei. Nach Joffreys gewaltsamem Tod genießt sie die Macht, die die Inthronisierung Tommens ihr verschafft hat. Gleichzeitig entwickelt sie eine Art paranoide Angst davor, dass jemand ihrem kleinen Sohn schaden könnte und schreckt vor keiner Maßnahme zurück, die ihrer Meinung nach nötig ist, um ihn zu beschützen. Auch fürchtet sie um die Bewahrheitung einer Prophezeiung, welche sie als Kind von einer Wahrsagerin erhalten hat und die unter anderem beinhaltet, dass sie von einer jüngeren Königin abgelöst werden wird. Daher hat sie es vor allem auf Tommens Ehefrau Margaery Tyrell abgesehen. Am Ende habe ich wirklich gehofft, dass jemand ihre Pläne durchschauen und durchkreuzen möge. Auch Sansa Stark, die sich schon in den vorherigen Bänden sehr von dem naiven Mädchen von einst weiterentwickelt hatte, hat mich wieder beeindruckt. Klaglos erträgt Sie ihre schwierige und unsichere Situation in Hohenehr, wo sie sich, als Bastard getarnt, versteckt.
Jon Snow ist als neuer Lord Commander der Nachtwache leider ziemlich hart geworden und hat sich von seinen alten Freunden distanziert, was ich etwas schade fand, wenn auch nicht unverständlich.
Insgesamt hat mir „A Feast for Crows“ nicht ganz so gut gefallen wie der vorherige Band der Reihe, da ich einige meiner Lieblingsfiguren darin vermisst habe. Die Geschichte war dennoch spannend zu lesen und am Ende gab es noch ein paar überraschende Wendungen. Das Buch ist in sich aber nicht besonders abgeschlossen, sodass einem nichts anderes übrig bleibt als schnell mit dem nächsten Band weiterzumachen!
“Crows will fight over a dead man’s flesh and kill each other for his eyes. […] We had one king, then five. Now all I see are crows, squabbling over the corpse of Westeros.“
Rezension zu „A Feast for Crows“ von George R. R. Martin



