anonym Lichtjahr 2. Ein Phantastik-Almanach (Lichtjahr, 2)

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Inhaltsangabe zu „Lichtjahr 2. Ein Phantastik-Almanach (Lichtjahr, 2)“ von anonym

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    Lichtjahr 2. Ein Phantastik-Almanach (Lichtjahr, 2)
    buchwanderer

    buchwanderer

    07. January 2016 um 13:15

    „… und die Annahme, die Münze unseres Geistes sei im ganzen Universum gültig, klingt verdächtig nach Selbstüberschätzung.“ (S.198) Zum Inhalt: Einen kleinen Querschnitt durch die Literatursparte der Phantastik, sowie eine durchaus kritische Auseinandersetzung mit derselben stellen die zahlreichen Kurztexte namhafter Autoren des Sammelbandes dar. Von humorvoll über nachdenklich, bis hin zu ansprechend unterhaltend und historisch-archivarisch relevant findet der Leser schillernde Versatzstücke aus der SF mit dem Schwerpunkt auf DDR-Autoren. Auszug aus den einzelnen Beiträgen: „In eigenem Auftrag“ (Bernd Ulbrich) Der Reiz des Verbotenen, die Frage nach der eigenen Identität – Was mach uns im Innersten aus? Sind wir austauschbar? – in einer Mini-Robinsonade. „Die Wahrheit über den Elekter“ (Andrzej Czechowski) Würde der Mensch von seiner Anlage her eine Übernahme der Verantwortung für alle Bereiche seines Lebens durch Automaten als störend empfinden oder sich einfach damit arrangieren? „Lichtspruch nach Tau“ (Rolf Krohn) Thematisierung von Bewußtseinstransfer in eine Maschine und die damit verbundenen Fragen nach Identität und Selbsterkenntnis „Die zwölf erbosten Kritiker“ (Georgie Gurawitsch) Ssatirischer Text in dem 12 fiktive Kritiker beispielhaft ausgehend von Jule Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ 12 Ansprüche an die Phantastik erarbeiten / postulieren. „Ein Besuch bei Jules Verne“ (F.P. Freyberg) Interview mit und Einblicke in die Arbeitsweise des sympatischen Autors, der vielen als der Vater der modernen Phantastik gilt. „Mein Jules Verne“ (Arkadi Strugatzki) Sehr persönliche Hommage an einen der ganz Großen im Bereich der phantastischen Literatur. „Das Profil“ (Fritz Reinel) Sarkastische Persiflage auf Behörden, Innovationsfeindlichkeit und Wortkosmetik. „Sfan“ (Manuel van Loggem) Ferrie wird von einem Alien besucht, der nach dem Studium Ferries SF-Büchersammlung seinem Volk von einer Invasion der Erde abrät, da die Menschen in ihrem Wissen schon zu fortgeschritten seien – so der Schluss aus der Lektüre. „Was für komische Bäume“ (Viktor Kolupajew) Phantastisches Erlebnis eines Soldaten im Schützengraben kurz vor seinem Tod „Von Zeit und Raum“ (Marietta Tschudakowa) Perspektivenwechsel zwischen einem Menschen dessen Begrenzung in der Zeit (Lebensspanne) und einem Menschen dessen Grenzen im Raum liegen „Im Kreis, immer näher“ (Vladimir Colin) Liebesgeschichte gefangen in der Tragik einer Zeitschleife auf der Suche nach einem Ausweg, „in der sich das Zeitreisemotiv in einer weiteren ungewöhnlichen Variante präsentiert.“ (S.144) „Schöne Bella“ (Heiner Rank) Schattenseiten der eigennützig missbrauchten Gentechnik „Über das Science-Fiction-Ghetto“ (Stanislaw Lem) Eloquente und zeitlose Abhandlung über die Positionierung der SF innerhalb der Literaturgattungen. „Über Lem und GOLEM“ (Karlheinz Steinmüller) Ernüchternde Analyse des Anspruchs der SF als Visionsträgerin und /oder Unterhaltungsgenre mit zahlreichen Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart dieser Literaturgattung, sowie der Frage nach der Befruchtung der Naturwissenschaft durch die SF. „Time Repayment – aus alten Archiven“ (Johanna Braun, Günter Braun) Zeit als Zahlungsmittel; die Absurdität der Annahme Zeit verlängern zu können, anstatt sie mit Inhalt / Leben füllen zu wollen und die Entlarvung von übertriebenem Zeitmanagement als Bauernfängerei. „Mit letzter Energie“ (Günter Braun, Johanna Braun) Wirtschaftliche und v.a. gesellschaftliche Implikationen einer rein auf Windenergie aufgebauten Gesellschaft. „Fa und Cre“ (Johanna Braun, Günter Braun) Das zweischneidige Schwert von gewerteter Fantasie und Kreativität in seiner Auswirkung auf eine mögliche menschliche Gesellschaft. Fazit: Sowohl viele der Autoren, als auch ihre Werke, die im zweiten Lichtjahr-Almanach ihren Auftritt haben sind mittlerweile zu Klassikern im Genre der SF avanciert. In der Tradition des ersten Bandes stehend bieten die Texte ausgewogen Unterhaltung und Wissen auf hohem Niveau und von zeitloser Aktualität. Vor allem die literaturkritischen Texte frappieren immer wieder ob ihrer ungebrochenen Relevanz, auch in den aktuellen Diskussionen rund um den Stellenwert der SF in der Gegenwartsliteratur. Zum Buch: Ebenso experimentell – man könnte salopp auch sagen schräg – wie einige der Texte, präsentiert sich die bildnerische Gestaltung und typografische Zusammenstellung des Bandes. Die mutige Durchgängigkeit in Farbgebung, die künstlerische Variationsfreude und die avantgardistisch anmutende Motivwahl machen zu einem nicht unerheblichen Teil den Reiz des hübschen Buches aus, der in einer ausgesprochen sauberen drucktechnischen und buchbinderisch tadellosen Ausführung seinen würdigen handwerklichen Rahmen findet. Der ein oder andere kleinere Lapsus (siehe z.B. hier) kann diesen Gesamteindruck dabei nicht nachhaltig trüben. Ein ganz besonderes literaturhistorisches Gustostückerl stellt der Beitrag von Olaf R. Spittel „Bibliografie der Science-Fiction in der DDR 1949-1979 DDR-Autoren“ mit über 400 Einträgen dar.

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