SAGE ODER MÄRCHEN?
Beim Hören dieser mir bislang komplett unbekannten Märchen aus Frankreich stellte sich mir mehr als einmal die Frage: War das jetzt tatsächlich ein Märchen oder doch eher eine Sage? Ich war beruhigt, als Wikipedia verriet, dass die Abgrenzung zwischen Märchen und Sage unscharf ist, da beide Gattungen eng miteinander verwandt sind.
Wikipedia weiß außerdem speziell zu französischen Märchen zu berichten:
"In den aus der Zeit der Wende zum 18. Jahrhundert überlieferten französischen Märchen spiegeln sich oftmals die Probleme einer malthusianischen Gesellschaft, in der eine seit 1690 bestehende Hungerkrise zum Geburtenrückgang, zur Kindestötung und zur Vernachlässigung und Aussetzung sowie zum Verkauf von Kindern durch Eltern und besonders durch Stiefeltern führt. Auch die Verkrüppelung durch Krankheit, Unfall oder Verstümmelung von als unproduktiv geltenden Familienmitgliedern, die als Bettler tätig werden, ist ein Thema. Die phantastischen Elemente der französischen Märchen sind weit weniger ausgeprägt als im deutschen Märchen; seltener spielen sie im Wald, vielmehr oft im Haushalt, im Dorf oder auf der Landstraße. Somit weisen sie deutliche sozialrealistische Züge auf: Sie zeigen, was vom Leben zu erwarten ist. Wichtige Themen sind immer wieder der Hunger, der Zwang zum faktisch vegetarischen Leben, bei dem Fleisch einen seltenen Luxus darstellt, oder die Unterschichtutopie des Sattessens. Die „Suche nach dem Glück“ auf der Landstraße ist dabei nur ein Euphemismus für Bettelei."
In dieser kleine Sammlung (angenehm erzählt von Jürgen Fritsche in 2 Stunden und 4 Minuten) sind folgende Märchen enthalten:
- Die künstliche Orgel;
- Goldtöchterchen;
- Wie der Teufel ins Weihwasser fiel;
- Der verrostete Ritter;
- Der alte Koffer;
- Der Wunschring;
- Sepp auf der Frei;
- Die drei Schwestern mit den gläsernen Herzen;
- Das Klapperstorch-Märchen;
- Wie sich der Christoph und das Bärbel immer aneinander vorbeigewünscht haben;
- Das kleine, bucklige Mädchen;
- Der kleine Vogel;
- Die himmlische Musik;
- Von Himmel und Hölle;
- Von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der nicht das Brummeisen spielen konnte.
Manche der Märchen waren eher lustig, andere beleuchteten die ernsten Dinge im Leben, wiederum andere wirkten vor allem moralisch. Alles in allem ein netter Einblick in andere Zeiten mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Aufgrund der Kürze der einzelnen Geschichten sind diese auch als Gute-Nacht-Lektüre geeignet. Allerdings nicht, wie angegeben, für Kinder, sondern doch wohl eher für Erwachsene, die das Gehörte anders einordnen können.
© Parden













