einzlkind Gretchen

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Inhaltsangabe zu „Gretchen“ von einzlkind

Überraschend, fies und unglaublich lustig - Bühne frei für Gretchen Morgenthau! Gretchen Morgenthau ist eine Legende des Theaters. Zum Unglück ihrer Mitmenschen eine lebende. Die Karriere als Intendantin hat sie beendet, den Gottesstatus aber behalten. Ihr Leben in London könnte kaum großartiger sein. Doch dann geschieht das Undenkbare. Wegen einer Unachtsamkeit wird Gretchen zu vier Wochen auf einer Vulkaninsel bei Island verurteilt. Sie soll mit den Einheimischen ein Theaterstück aufführen. Keine gute Idee.

Brillant geschrieben, großartige Protagonistin, aber null Handlung.

— CocuriRuby
CocuriRuby

Sehr gut! Ende kam etwas zu plötzlich

— sternchennagel
sternchennagel

Theaterdiva am isländischen Arsch der Welt - wunderbar schräg.

— Fornika
Fornika

Herrlich komisch und böse....

— Ritja
Ritja

Kurz, aber genial und unglaublich witzig.

— Annabel
Annabel

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  • Großartiger Stil, keine Handlung

    Gretchen
    CocuriRuby

    CocuriRuby

    06. June 2017 um 15:50

    Zunächst zum Schreibstil: Ich finde ihn unbeschreiblich genial. Er ist gewählt, er ist wortgewannt, er ist geradewegs Zynisch. Das spiegelt sich auch in den Figuren wieder. Von seinen Figuren lebt das Buch geradezu, weshalb viel Augenmerk auf der Protagonistin liegt und diese hervorragend ausgearbeitet ist. Zu Beginn wird die Geschichte noch aus zwei Perspektiven erzählt, nämlich aus der von Gretchen und der von Kyell. Kyell ist ein Einheimischer der isländischen Insel und ich muss sagen, dass ich ihm nicht ansatzweise so zugetan war, wie Gretchen. Ich finde auch, dass man ihre Figur viel besser greifen kann. Sie ist (gerade zu Beginn so dargestellt) die ätzendste Person, die man sich nur vorstellen kann. Sie nimmt sich extrem wichtig, alles was sie tut muss als Heiligtum betrachtet werden. Hat sie schnupfen, muss man mit dem baldigen Ableben rechnen, Sparsamkeit ist ihr wichtig, wie es sich durch ihre 120m² kleine Wohnung London ausdrückt. Natürlich beschreibt sie sich als Schönheit, deren Falten malerisch wie ein Kunstwerk gleichkommen. Sie hat ihre Prinzipien, bei denen es Blasphemie gleich kommt, sollte diese erschüttert werden und einen leichten Hang zu Herablassung aller anderen Lebewesen gegenüber ist ihr auch gerne zu Eigen.  Sie ist in ihren Charakter so überspitzt, dass es schon fast als Karikatur durchgehen würde. Aber dem eben auch ein großartiger Humor anhaftet. Es haftet ihrer Figur auch etwas Surreales an, so widmet sie sich zumindest gedanklich auch dem auftragstöten und wie schwer doch die Beseitigung in diesem Gewerbe ist. Auf jeden Fall hat sie eine Vorliebe für Rebellion mit Stil. Kurz gesagt: Ich liebe sie! Man kann sich so richtig schön in ihrer Ablehnung suhlen, ihr Sarkasmus ist unübertroffen. Die Figur hat das gewisse etwas, ich habe mich köstlich amüsiert. Generell ist es großartig, wie Figuren oder auch Situationen beschrieben werden und mit wie viel Sarkasmus es erzählt wird. Da haben wir aber den größten Knackpunk an dem Buch: eine Handlung ist praktisch nicht vorhanden. Die Figuren und der Schreibstil sind so im Fokus, dass es wirklich praktisch keine Handlung gibt. Inhaltlich könnte man das Buch ganz locker mit 2-3 Sätzen zusammenfassen. An kann sich auch nie wirklich sicher sein, was der Wirklichkeit/Wahrheit und was nur Gretchens Darstellung entspricht – das gefällt mir wiederum sehr gut. Es lässt sich auch Kritik quer durch die gesellschaftlichen Schichten und dessen Themen finden. Die Aufarbeitung dessen, erfolgt  mit viel Humor, aber im Fokus steht das nicht. Das ging sogar soweit, dass wenn man zu viele Seiten am Stück liest, ich mich geradezu gelangweilt habe. Weil dann Sprache allein nicht ausreicht, um mich am Ball zu halten – auch wenn sie noch so brillant ist.   Fazit Letztlich fällt es mir sehr schwer das Buch zu bewerten, denn die Figuren, die Art wie es geschrieben ist, finde ich großartig. Handlung findet sich aber überhaupt nicht in dem Buch.

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  • Eine Frau mit Attitüde

    Gretchen
    Babscha

    Babscha

    14. December 2016 um 22:17

    Gretchen ist eine ganz Große. Des Theaters, der Kunst. Zumindest hält sie sich dafür. Und das schon seit 75 Jahren. Single ist sie. Natürlich, Männer hat sie genug gehabt, auf Dauer alles nur störendes Beiwerk. Zeit ist eben knapp, vor allem Lebenszeit, da kann man sich nur auf Wesentliches konzentrieren, zum Beispiel das Savoir Vivre eines Lebens in einer selbstgebastelten elitären Welt der Mode und des Luxus voller Designerware in ihrer Wahlheimat London. Wien, ihre Geburtsstadt, war da einfach zu klein. Oder man reflektiert permanent über seine nicht so ganz geradlinig verlaufene Karriere in der Theaterwelt, zunächst als -natürlich nie eingestandene- Versagerin auf der Bühne, in den Folgejahren dann als Intendantin dahinter.  Alkohol in ungesunden Mengen gehört natürlich auch zu so einem Leben. Wenn man dann irgendwann mit 1,4 Promille angehalten wird und ob der Belästigung durch die Polizei mit seinem Jaguar den Streifenwagen schrottet, braucht man sich nicht zu wundern, wenn ein ideenreicher Richter einen als Strafe für vier Wochen auf die gottverlassene Insel Gwynfaer bei Island verbannt, um dort mit den Einheimischen ein Theaterstück nach Wahl einzustudieren.Auch in seinem zweiten Roman erschafft der Autor wieder eine schillernde, vielschichtige Hauptfigur, die es in sich hat, eine bizarre, durchgeknallte Vertreterin der High Society, die nach außen mit ihrem vornehmen, herrischen Getue und ihrer Exzentrik selbst nicht weiß wohin, aber in ihrem Innern einfach nur ein hochkomplizierter, gescheiterter Mensch auf Schlingerfahrt durch sein Leben ist, eine zerrissene, unsichere Person, die sich immer und überall im Leben mit ihren Mitmenschen bewusst angelegt hat und dabei eigentlich nie von sowas wie Selbsterkenntnis gebeutelt wurde. Und warum das alles so ist, das erfährt man erst im Verlauf der Story, wenn man "Die Morgenthau" bis zum überraschenden Ende der Geschichte immer besser kennen lernt. Gespickt mit einer umwerfenden Situationskomik, in der von Einzlkind gewohnten genialen Sprachakrobatik, mit teils irrem, ansatzweise auch so passend wie unerwartet vulgärem Humor der Protagonistin und einer unterhaltsamen Story als Grundlage ist das Buch mal wieder ein Highlight, das einfach nur Lesespaß garantiert. Volle Punktzahl. Auf so eine abgefahrene Type muss man als Autor erst mal kommen.

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    • 4
  • Gewinne einen Buch-Gutschein von arvelle.de

    Marina_Nordbreze

    Marina_Nordbreze

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  • Gretchen

    Gretchen
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    09. January 2016 um 13:52

    Das Einzige, was Gretchen Morgenthau mit einer liebenswürdigen alten Dame gemeinsam hat, ist das Alter. Auch wenn man sie darauf besser nicht ansprechen sollte, da reagiert sie empfindlich. Gretchen - die sich generell nur mir Frau Intendantin ansprechen lässt - sieht sich nämlich noch in den besten Jahren, woran auch die Falten in ihrem Gesicht nichts ändern. Ansonsten besticht Frau Intendantin vor allem durch den Charme einer Kettensäge: und sie zögert nicht, ihn im Umgang mit ihren Mitmenschen zu gebrauchen. Das ist das dann auch, was ihr eine Audienz bei Londons wohl ungewöhnlichstem Richter einbringt- dieser verurteilt sie nicht etwa zu einer saftigen Geldstrafe oder Sozialstunden im Altenheim, sondern zu einem vierwöchigen Aufenthalt auf einer kleinen Vulkaninsel vor Island - um mit den Bewohnern ein Theaterstück einzustudieren. Ob es da wohl Prada gibt? Oder wenigstens Gucci? Einzlkind - der richtige Name des Autors ist unbekannt - erschafft mit Gretchen Morgenthau wohl eine der ungewöhnlichsten wie unsympathischsten Figuren, denen ich begegnen durfte. Sie ist eine der Figuren, bei denen man zwischen mögen und nicht mögen schwankt; sie bringt mich zum Lachen und gleichzeitig zum Kopfschütteln. Dadurch entstehen grotesk komische Momente, und vor allem im ersten Teil des Romans wird dieser dadurch zum wohl zur bisher humorvollsten Lektüre dieses Jahres. Weiterlesen

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  • Hier kommt Gretchen Morgenthau

    Gretchen
    Bibliomania

    Bibliomania

    05. November 2015 um 22:42

    Gretchen ist die Liebenswürdigkeit in Person und in Mathematik sowieso die Beste! Aber am allerwichtigsten: Sie liebt das Theater. Leider ist sie 75 und damit im besten Rentenalter, was sie selbst jedoch völlig anders sieht. Nach einer Beamtenbeleidigung, die dummerweise bis vors Gericht geht, wird sie verurteilt auf einer Insel mitten im Nirgendwo 4 Wochen lang zu verbringen und ein Theaterstück einzustudieren. Na, die Rechnung haben sie wohl ohne Gretchen gemacht. Ein Werk, das vor Ironie strotzt und mit voranschreitender Handlung in meinen Augen immer besser wird. Es strotzt vor Ironie und Sarkasmus. Vor "Billy" geschrieben, ist es in meinen Augen ein weiteres gelungenes Buch von einzlkind. Jetzt muss ich "Harold" lesen!

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  • Schwarz, schwärzer, Gretchen. Herrlich!

    Gretchen
    CarolinHafen

    CarolinHafen

    15. August 2015 um 17:24

    Nach Harold kommt Gretchen, und ich bin sehr zufrieden, dass Einzelkind die Absurdität noch steigern konnte. Weil Gretchen noch krasser, noch lustiger, noch absurder ist. Im besten Sinne. Ich wünschte, ich hätte diesen umfangreichen Wortschatz. Und diese Art Humor. Und das Talent Dinge so exakt auf den Punkt zu bringen. Es ist ein Fest. Und dann kommen noch Puffins in der Geschichte vor. Hach und Seufz und Schmalz. Das neue Buch von Einzelkind erscheint im September. Ich glaube ja, noch besser geht es nicht. Und ich hoffe, das ich mich täusche. Zum Buch: Die Story klingt ziemlich banal. Alternde Diva und Theater-Regisseurin wird für ein Vergehen (ich benenne das jetzt absichtlich nicht näher), dazu verdonnert auf einer einsamen Insel ein Theaterstück zu inszenieren. Das ist aber nur der zweite Teil der Geschichte, viel einnehmender ist der Weg dort hin. Gretchen ist ungewöhnlich. Sympathisch, eine Diva wie sie im Buche steht, so abgrundtief schwarz und böse, quasi dem Beelzebub sei Mudda. Und dann ist da, als Gegenstück Kyell, achtzehn Jahre jung, naiv, jungfräulich, ein bisschen einfältig. Der wohnt auf dieser einsamen Insel und weiß noch gar nicht, was da auf ihn zukommt, ein Sturm, der sein Leben verändert. Das ist die Situation. Klingt nicht nach viel. Ist aber großartig, weil Gretchen großartig ist, diese gewalttätige Hünin, die nicht Theater machen sollte, sondern... ach. Das sag ich nicht. Lies selbst.

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  • Gretchen Morgenthau und ihr entbehrungsreiches Leben

    Gretchen
    Piranhapudel

    Piranhapudel

    08. June 2015 um 16:44

    Gretchen Morgenthau, 75 Jahre jung, geboren in Wien, aufgewachsen überall, hat ein abwechslungsreiches Leben am Theater verbracht und lebt jetzt in einer bescheidenen 120 Quadratmeter großen Wohnung in ihrer Wahlheimat London. Ihre Tage sind entbehrungsreich und voller schwerer Entscheidungen — heute ein Kleid von Luis Vuitton oder doch lieber Christian Dior? Welches Täschchen passt dazu? Welches Buch mit einem farblich passenden Cover und intellektuell ansprechendem Inhalt könnte man sich dazu unter den Arm klemmen? Ganz aus Versehen wurde sie letztens dabei erwischt, wie sie nach nur sechs bis höchstens acht Gläsern Wein Auto gefahren ist. Eventuell hat sie dabei noch die Polizistin beleidigt und deren Dienstwagen angefahren und ist deshalb ziemlich außer sich, als das Gericht ihr eine Strafe aufbrummt: Aus rein erzieherischen Zwecken muss sie sich ein paar Wochen auf der Insel Gwynfaer bei Island aufhalten und dort im Dorftheater Regie führen. Gleich nach den ersten Zeilen wird klar, dass es sich bei der Protagonistin Gretchen Morgenthau um ein ganz besonderes Persönchen handelt. Eventuell auf ihre sehr spezielle Art sympathisch, aber im Grunde doch ein ziemliches Miststück und vor allem immer grundehrlich und direkt. Sie nimmt alles wörtlich, schlägt als Giftspritze ihre Gesprächspartner vor den Kopf, über- und untertreibt maßlos und kann sich ohne vor Sarkasmus triefenden Äußerungen gar nicht unterhalten. Obwohl ich mir sicher bin: Die meint das im tiefsten Inneren alles ernst. Fans von schwarzem Humor kommen hier auf jeden Fall nicht zu kurz, aber allzu sensibel sollte der Leser auch nicht sein. Einige Äußerungen könnten schon persönliche Grenzen überschreiten. Für mich hat aber genau dieser Humor den Charme dieser Geschichte ausgemacht. Die Lektüre hat Spaß gemacht, hat mich an einigen Stellen sprachlos zurückgelassen oder vor Lachen gefährlich auf meinem Stuhl schwanken lassen. Doch es geht in diesem Buch, das zwar nach ihr benannt wurde, nicht ausschließlich um Gretchen. Es geht um Kultur, um Menschen, um Beziehungen. Auf der Vulkaninsel Gwynfaer lernen wir noch so einige weitere Persönlichkeiten kennen, die mit voller Wucht gegen unsere Frau Intendantin prallen, allen voran Kyell, der später von Gretchen zum persönlichen Assistenten auserkoren wird. Zu Beginn des Buches musste er noch den Kater Josef Wissarionowitsch Dschugaschwili, liebevoll auch Stalin genannt, kastrieren (ja, da gibt’s detailreiche Beschreibungen), weil der Inseltierarzt noch seinen Rausch ausschlief, später muss er Gretchen über die Insel führen, ihr Gepäck tragen und sie wieder gesund pflegen (schwerer Alkoholrausch). Es geht auch noch um Tule, ursprünglich mal Kyells Kumpel, jetzt Gretchens Regieassistent, der nun alle Plattitüden, die im Kulturbetrieb vorkommen könnten, in einem Satz nachplappert und jedes Stereotyp perfekt in sich vereint. Damit treibt er natürlich nicht nur Gretchen in den Wahnsinn, auch ich als Leser musste mich so unglaublich fremdschämen. So interessant die Charaktere hier auch sind, so froh bin ich, dass ich niemanden im echten Leben begegnen müsste. Das wäre garantiert nicht gut für den Blutdruck. Dazu kam leider noch ein kleiner Wermutstropfen: Zwar waren die Charaktere spannend und zugespitzt, aber leider auch ziemlich einseitig. Gretchen konnte zwar immer wieder überraschen, weil sie einfach total verrückt ist, doch ihr Sarkasmus war dann doch immer der Gleiche. Immerhin blieb sie sich bis zum Ende des Romans treu — und damit garantiert ein Charakter, der in Erinnerung bleibt.

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  • unbedingt lesen

    Gretchen
    Eva-Maria_Obermann

    Eva-Maria_Obermann

    27. May 2015 um 22:23

    Es gibt Bücher, die faszinieren mich noch ehe ich sie angefangen habe zu lesen. Nicht mal wegen des ersten Blicks, sondern weil ich erahne, was hinter ihnen steckt, welche Abgründe sich auftun können und welche Wortzaubereien mich gefangen nehmen können. So war das auch bei Gretchen von einzelkind, erschienen im November 2014 bei Heyne mit 240 Seiten. Gretchen Morgenthau ist die Frau Intendantin, im Ruhestand. Sie beherrscht die Welt, ob die  Welt das nun will oder weiß - ist auch egal. Als sie es mal wieder zu bunt treibt wird sie kurzerhand in die Einöde verbannt, wo sie ein Theaterstück inszenieren soll. Dort trifft sie auf einen schleimenden Bürgermeister, einen überengagierten Pseudo-Kulturellen und einem Assistenten, der eigentlich nur eines will. Seine Ruhe. Ruhe ist es aber, was Gretchen auf den Tod nicht ausstehen kann. Und so ist eines vorprogrammiert: Jede Menge Theater. Der Autor einzelkind schafft mit seinem Pseudonym schon eine Inszenierung seiner Person. Auch Gretchen inszeniert vor allem eines: sich selbst. Von Theater hat sie gar nicht mal so viel Ahnung, wie zu vermuten wäre. Vom Leben auch nicht. Und doch ist das Buch ein grandioses  Schauspiel in Prosa, eine Hommage an das Leben und die besonderen Figuren, die sich eigentlich kaum jemand ausdenken kann. Grandios ist auch der Stil, der zwischen knallharter Realität und unglaublichem Humor schwankt. Tränen, Lachen, Staunen, Erfahren. Absolut unsympathisch kommt Gretchen daher, ein Phänomen. Vielleicht will der Leser nur wissen, was auf sie zukommt, welche Hürden es gibt und welches Ende geschrieben ist. Ein Aufruf auch an unsere globale Welt, die so zusammengerückt ist. Immerhin ist auch das Inselchen, auf das Gretchen kommt, keineswegs vom Internet abgeschnitten. Nur die Menschen ticken noch anders – manche sogar total.

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  • Böse, zynisch, Gretchen

    Gretchen
    Ritja

    Ritja

    27. March 2015 um 17:37

    Gretchen ist ganz wunderbar böse, sarkastisch und scharfzüngig. Wer den leicht bissigen Humor nicht verträgt und vor allem nicht versteht, sollte sich einem anderen Buch zuwenden. Alle anderen können es genießen, wie eine ältere Dame aus der Theaterwelt sich durch das Leben mit dem einfachen Volk „kämpft“. Ihre Kommentare sind trocken, arrogant, versnobt und dabei sehr unterhaltsam. Neben der Frau Intendantin gibt es noch die Inselbewohner von Gwynfear. Ein recht eigenwilliges, aber sehr interessantes Völkchen, die sich die Welt eher von außen anschaut und davon lernt. Jedoch hat es nicht das Bedürfnis in diesem Weltgeschehen mitzumischen. Diese zwei Handlungsstränge werden nun durch einen Richterspruch miteinander verbunden und so packt eine Frau Intendantin ihre Koffer, um den Inselbewohnern das Theaterspielen zu lehren. Einzlkind hat einen sehr unterhaltsamen und stark überspitzten Roman geschrieben. Mehrfach verwendet er Gegebenheiten aus der realen Welt und zeigt sie in überdeutlicher Form bzw. öffnet die Augen für einen andere Perspektive. Häufig wird die Welt des Theaters, der Show und dem Medienbusiness auf das Korn genommen. Es lohnt sich die Diskussionen zwischen den einzelnen Charakteren zum Thema Bühnenstück zu lesen. Herrlich überspitzt und doch so real. Es macht Spaß die Frau Intendantin zu begleiten und ihren Humor bis auf die letzte Seite auszukosten.  Das Ende hat mich etwas überrascht, aber irgendwie war es auch schon wieder passend. Danke, an Einzlkind für die gute Unterhaltung…bis zum nächsten Buch.

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  • Krasse Omi.:D

    Gretchen
    Annabel

    Annabel

    17. March 2015 um 18:24

    Gretchen Morgenthau begegnet dem Leser keineswegs als tattrige, alte und Zerbrechliche Oma, trotz ihrer 75 Jahre. Sie verträgt harten Alkohol, hat eine unfassbar große Klappe und ist trotzdem so sympatisch und alterslos, wie es selten eine andere Figur in einem Buch, das ich gelesen habe, war. Gretchen ist eine recht kurzlebige Geschichte, lässt sich schnell "weglesen" und beinhaltet trotzdem genug Details, um sich in Gretchens Gedanken einfinden zu können. Des Öfteren musste ist schmunzeln und muss auch zugeben, dass ich diese Frau auch gern persönlich kennengelernt hätte. Als Gretchen auf Island landet, spürt man, wie zwei Welten gewaltig aufeinanderprallen, sich mit der Zeit jedoch, wenn auch zaghaft, befreunden. Diese ganze neue Welt lernt man durch Gretchens Augen kennen. Andere Personen beschreibt sie einfach herrlich und ihr Auftreten, wenn auch großkotzig, ist einfach fabelhaft. Sie ist ein Charakter, den man einfach lieben muss, wie ein Lied, das man so lange hört, bis man es mag, auch wenn man es zu Beginn ganz furchtbar fand. Auch der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Das Ganze ließt sich wie Gedanken. Teilweise nur kurz aufeinanderfolgende Worte, keine ganzen Sätze, dann wieder monologartige Gedanken. Was ich auch besonders gut fand war das Ende, Gretchens Abgang. Ihrer Würdig legt sie eine wenn auch schlichte, sehr theatralische Show hin.

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  • Gretchen

    Gretchen
    a.schmalzbauer

    a.schmalzbauer

    16. January 2015 um 17:23

    Verwöhnt, versnobt und eigentlich kaum zu ertragen, so würde ich die Frau Intendantin, Gretchen Morgenthau, beschreiben. Sie ist rigoros, zu niemandem freundlich und glaubt über allem zu stehen. Und trotzdem ist sie ein Charakter, dem man sich nicht entziehen kann. Dem man mit staunender Faszination „hinterherliest“. Der/die/das Autor Einzlkind hat es, nach „Harold“, zum zweiten Mal geschafft, einen außergewöhnlichen Charakter und eine skurrile Geschichte zu kreieren. Einzlkind nimmt den Theaterbetrieb aufs Korn und das Aufeinandertreffen der Kulturen. Denn Gretchen wird wegen eines kleinen Vergehens zu einem 4-wöchigen Aufenthalt auf Gwynfaer verurteilt. Einer Insel fast im Nirgendwo. Schon die ersten Sätze haben mich für das Buch eingenommen, es ist diese Art schwarzer Humor, die ich herrlich finde. Leider gibt es diese Art Buch nicht allzuoft. Gretchen und die Sprache des Autors machen dieses Buch zu etwas Besonderem. Der erste Satz, „Als Gretchen Morgenthau aufwachte, fiel ihr der Himmel auf den Kopf und es fehlte nicht viel, da wäre Gott gleich mitgefallen“ , hatte mich schon für das Buch eingenommen, auch wenn die Handlung im Laufe der Geschichte etwas unter der dominanten Intendantin zurück bleibt. Der Autor spielt mit den Wörtern, mitunter anstrengend, aber wie soll es anders sein, bei der Hauptperson. Leider habe ich es jetzt erst gelesen, da diese Neuerscheinung 2013 irgendwie an mir vorbei gegangen ist. Ich kann es jedem empfehlen, der skurrile Geschichten und schwarzen Humor mag. Und mir scheint, ich habe in diesem Buch von sämtlichen Designern gehört, die auf diesem Planeten ihr Unwesen treiben. Wer der Autor ist bleibt weiterhin ungewiss, das Bild auf dem Umschlagfoto gibt keinen Aufschluss. Es darf also weiter gerätselt werden.

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  • Schräge Schrulle

    Gretchen
    AnnaChi

    AnnaChi

    14. September 2014 um 18:41

    War "Harold" trotz aller Klugscheißerei am Ende doch ein braver Junge, so könnte "Frau Intendantin", Gretchen Morgenthau, seine teuflische Großmutter sein. Alt, schräg, bösartig, fern jeder Neigung zur Nächstenliebe, aber stets gekleidet in feinstes Tuch und genüsslich grenzüberschreitend, gerät sie auf Grund eines Gerichtsurteils auf eine schottische Insel, auf der sie mit den Ureinwohnern ein Theaterstück inszenieren soll ... Gretchen und gleichnamiges Buch kann man nur entweder lieben oder nichts damit anzufangen wissen. Mich hat dieses Feuerwerk skurriler Gestalten und Dialoge begeistert und bestens unterhalten. Ja, ein Apfelkuchen mit Rosinen kann ein wahrhaftes Drama sein und ein Papageientaucher mit Appetit auf Seeteufel ein zwar lästiges, aber liebenswertes Haustier ... Geneigte Leser, vor allem Damen auf dem Weg ins höhere Lebensalter wie ich, mögen dies Buch kosten - und verschlingen!

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  • Wundervoll, grandios, einmalig

    Gretchen
    Ruby85

    Ruby85

    02. March 2014 um 20:38

    Darf ich vorstellen: Margarete alias Gretchen alias „Frau Intendantin“ Morgenthau – Protagonistin dieses einzigartigen Romans aus der Feder des Autors oder der Autorin Einzlkind. Doch wer ist Gretchen Morgenthau? Nicht mehr ganz taufrisch mit knapp 75 Jahren, aber noch immer mehr als rüstig und bestimmt, mischt die gebürtige Wienerin ihre neue Wahlheimat London auf. Aufgewachsen mit den Brettern, die die Welt bedeuten, arbeitete sie viele Jahre als Regisseurin und ist noch heute ganz die Theaterprinzipalin der alten Schule. Die Karriere hatte sie jedoch schon lange hinter sich gelassen und steht nun vor einer ganz anderen Herausforderung: Sie ist Angeklagte in einer Gerichtsverhandlung. Zuvor müssen natürlich noch die wichtigen Dinge des Lebens erledigt werden: Die allgegenwärtige Kleiderfrage muss geklärt werden, denn: „ Ihr fiel auf, dass sie gar nichts zum Anziehen hatte. Armut, so dachte sie, müsse man sich leisten können, ein zu teures Vergnügen, als dass sie je die Muße dafür gehabt hätte. Uns so war es auch nicht das Wenige, sondern das Viele, das ihr Kopfzerbrechen bereitete. Für die Verhandlung musste etwas dezent Autoritäres her, eine Mischung aus Eleganz und Überheblichkeit, auf jeden Fall nicht ganz so verspielt, wie sie es sonst bisweilen wagte.“ (S. 10) Ja, Gretchen ist wahrlich eine Dame von Welt! Zumindest teilweise, verfügt sie doch auf der anderen Seite auch über eine gesunde Portion makabersten Humors, Scharfzüngigkeit und Biss, die sie ihrer Umwelt auch nur seltenst vorenthält. So wird ein Apfelkuchen mit Rosinen fast zum Staatsskandal erhoben. „Gretchen Morgenthau blickte von ihrem Apfelkuchen auf und sah Fine voller Finsternis an, als habe diese ihr geraten, die Rosinen einfach beiseitezulegen. Mit der Gabel? Und sich vielleicht noch dafür entschuldigen, dass sie Rosinen verachtet, entschuldigen dafür, dass es im Leben wohl kaum eine größere Plage gibt als Rosinen?“ (S. 46) Doch wie kam es nun zur eigentlichen Verhandlung? Gretchen nahm immer Mittwochs am „Salon der Debütanten“ teil, hatte das eine oder andere Gläschen getrunken und sich mit dem Auto auf den Heimweg gemacht. Während der Fahrt geriet sie in eine Polizeikontrolle (1,4 Promille! – Ein Ding der Unmöglichkeit!), die in einem Disput und einem zerstörten Polizeiauto endete. Auch die Amnesie, auf die sich unser Gretchen beruft, hilft ihr nicht, einer Strafe zu entgehen. Doch wie bestraft man eine Frau Intendantin gebührend? „Gretchen Morgenthau liebäugelte mit der Todesstrafe, die sie ja nur vom Hörensagen kannte und die sicherlich eine hübsche Erfahrung, mal was anderes wäre. Selbst hinter Gitter hatte sie es bisher noch nicht geschafft, eine Schande für eine Gesetzlose ihres Kalibers. Das Gefängnis war ja einer der letzten mythischen Orte überhaupt, auch der Hygiene wegen.“ (S. 83) Aus diesen Überlegungen wurde jedoch nichts, hatte das hohe Gericht doch ganz andere Pläne: Gretchen sollte nach Gwynfaer, eine kleine Insel in der Nähe von Island, reisen und dort mit den Bewohnern ein Theaterstück proben und aufführen. Gretchen dazu: „Ich, Gretchen Morgenthau, werde ganz gewiss nicht auf diese Gwynirgendwasinsel fahren und mit lieben, netten Dorfbewohnern ein Theaterstück aufführen. Man hat mir eine Professur am Salzburger Mozarteum angeboten. Dort hätte ich begabte und von Ehrgeiz betrunkene junge Menschen unterrichten können. Aber ich habe abgelehnt. Zu glauben, ich würde stattdessen inzestuöse und unterbelichtete Insulaner mit der Hochkultur vertraut machen, grenzt an infantile Schwindsucht.“ (S.86) Doch es nützt alles nichts und Gretchen muss auf die Insel. Wie es ihr dort ergeht und ob und was sie inszenieren wird, lasst Euch überraschen! Puh, was für ein grandioses Kunstwerk, dass der/die liebe Einzlkind mit Gretchen geschaffen hat! Betrachten wir zunächst die Handlung, die sich auf den ersten Blick als ziemlich einfach entpuppt: eine alternde Dame von nahezu divenhaftem Verhalten, die betrunken Auto fährt und zur Strafe auf eine kleine Insel geschickt wird, um dort das Einzige zu tun, was sie richtig gut beherrscht: Theater machen, anstatt mit Profis aber mit Laien. Ein Handlungsstrang, der als roter Faden auch absolut ausreichend ist, füllt ihn Einzlkind doch mit tausend kleinen liebevollen Details, die die Fantasie des Lesers anregen und ein wahres Feuerwerk von Bildern während des Lesens entstehen lassen. Die Figuren – der absolute Wahnsinn! Gretchen, was für eine Diva! Voller Anmut schreitet sie daher. Verachtungsvoll, bissig, versnobt, trinkfest, furchterregend, schlau mit einem Kleiderschrank, den die weltgrößten Designer bestückt haben, erinnerte sie mich beim Lesen sofort an Miranda Priestley (Der Teufel trägt Prada). Doch tief im Inneren, unter der harten Schale steckt ein liebevolles Wesen, welches man im Laufe des Buches Stück für Stück kennenlernt, ohne dass sie sich selbst die Blöße geben würde, offen ihre Gefühle zur Schau zu tragen. Das gehört sich für eine Frau Intendantin nicht. Auch die Insulaner sind ein tolles Völkchen. Voll Liebe zum Detail zeichnet Einzlkind jeden einzelnen Charakter. Sei es der junge Kjell, der unter dem Verlust des Großvaters leidet, seinen Platz im Leben sucht und zum persönlichen Assistenten von Gretchen ernannt wird – eine Verbindung, von der beide sehr profitieren können, kann doch manchmal auch Alt von Jung etwas lernen, Tule, der im Inneren schon immer wusste, dass er für die Regie und das Theater geschaffen ist, Tuva, schroff nach außen und im Inneren ein riesen Herz, die noch dazu den besten Apfelkuchen ganz ohne Rosinen zu verbacken mag und all die anderen Figuren, die einem sofort ans Herz wachsen! Die Sprache: Sie ist das Herzstück des Romans. Schon zu Beginn der Rezension wird Euch aufgefallen sein, dass ich diesmal ungewöhnlich viele Zitate eingebaut habe! Ja, denn eigentlich könnte man das ganze Buch auseinandernehmen und jeden zweiten Satz in ein Notizbuch schreiben oder per SMS verschicken! So viel Wortwitz, Weisheit, Gesellschafts- und Kulturkritik auf hohem Sprachniveau – kaum in Worte zu fassen! Insgesamt bleibt nur eins zu sagen: LESEN!!! Wenn ihr euch köstlich amüsieren und laut lachen, nachdenken und sinnieren, kopfschüttelnd manches nicht fassen wollt, Charakteren begegnen wollt, von denen ihr noch etwas lernen könnt, dann greift zu diesem herzerwärmenden Roman, der zugleich ein Meisterwerk des literarischen Humors und köstliche Theater- und Kultursatire ist! Bravo, Einzlkind!!!

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  • Beppoppelk!

    Gretchen
    OelemannC

    OelemannC

    17. February 2014 um 11:33

    Beipackzettel Gewarnt wird vor der "Gretchen"-Lektüre besonders bei Bauchweh-Anfälligkeit und chronischer Miesepetrigkeit. Am besten wirkt die Substanz dieses unverschämten Romans nach dem Aufwachen und vor dem Einschlafen! Unter dem Pseudonym Einzlkind schriftstellert seit Geraumem ein fabuliermächtiger Intellektueller, nur weiß man nicht genau, um wen es sich handelt. Sub sigillo wurde bereits Hans Magnus Enzensberger ins Spiel gebracht; auch traten Vermutungen auf, es handele sich um die „Beppoppelki“- Erschafferin Sylvia Richard-Färber. Nichts davon ist wahr; meine eigene Vermutung rückt den Verlagsleiter und Herausgeber dieses hochkomischen Werkes, Klaus Bittermann, ins Licht. Dass er ebenso ein Meister der Groteske ist wie die beiden zuerst Genannten, stellt jedenfalls in Literaturkreisen schon lange kein Geheimnis mehr dar. Worum es in Gretchen geht? Tja, wenn das so einfach zu beantworten wäre! Aber ich möchte es versuchen. Gretchen Morgenthau ist eine Theaterlegende, auf einer Stufe mit Gott stehend, wie sie selbst in aller Bescheidenheit zum Besten gibt. Sie bringt Nachwuchsganoven erbarmungslose Härte bei und unterrichtet Debütanten in Weltrevolution. Dafür muss sie sich vor Gericht verantworten. Es geschieht das für sie Undenkbare: sie wird verurteilt, 4 Wochen in einer diasporösen britischen Insel mit den kauzigen Einwohnern ein Theaterstück einzustudieren. da sie erst 75 ist, das ganze leben also noch vor sich hat, akzeptiert sie den Spruch und begibt sich nach Gwynfaer. Zunächst erwägt sie die Einstudierung von Ibsens Peer Gynt, überlasst dann aber die Probenarbeiten ihrem Regieassistenten, der kurzerhand das Theaterstück eines anderen norwegischen Dramatikers, eines Beckett-Epigonen, einstudiert. Gretchen ist einerseits zutiefst empört, kann die Geschehnisse jedoch andererseits nicht mehr abwenden, weil sie spürt, dass es ihr Leben ist, das auf die Bühne gebracht wird und dem sie sich naturgemäß nicht entziehen kann. „Nein, Gretchen Morgenthau trachtete es nie nach postmortaler Ehre; im Diesseits wollte sie unsterblich sein, das Jenseits war ihr schnuppe.“ Ein Meisterwerk der Groteske ist dieses Roman! Aber, wie gesagt, Vorsicht! Meine Lachsalven brachten mich bei der Erstlektüre verdächtig nah ans Ersticken.

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  • Alles nur Theater

    Gretchen
    rallus

    rallus

    Gretchen Morgenthau ist nicht mehr so frisch wie der Morgentau. Aber Männer die sie anhimmeln und über 40 sind, wirken auf sie schon etwas zu alt. Dabei ist sie mit 75 als Frau Intendatin eine Legende in Wien. Geld ist für sie Mittel zum Zweck, das gibt man aus! "...aber es gibt Menschen, dachte Sie, deren einziges Ziel im Leben es ist, Geld anzuhäufen. Und dann sterben sie irgendwann und das Einzige, das sie hinterlassen, ist Geld, an ihre wohlstandsverwahrlosten Kinder, die davon Dinge kaufen, die blingbling machen." In ihrem Leben spielt sie Theater - und das auf der ganz großen Lebensbühne. Dass für sie auch die Gesetze wie für Normalsterbliche gelten soll, findet sie eher lästig. Und die Polizei, die sie aufhält, nur weil sie 8 Wein getrunken hat, muss sich für den zerbeulten Polizeiwagen nicht wundern. Jetzt soll sie, als richterliche Auflage, nach Gwynfaer bei Island und in 4 Wochen ein Theaterstück aufführen - mit nach Erde stinkenden Laienschauspielern. Was soll sie da zum Anziehen mitnehmen? Da muss sie doch das Schönste zurücklassen, aber das ganze Leben besteht eben auch auch Loslassen. Das Loslassen das kann sie - nur eines nicht, ihre Person ist der Mittelpunkt, Gottgleich, alles um sie herum dient nur ihrem Zweck und wenn es nicht so funktioniert wie es soll, nimmt sie das als persönlichen Affront. Auch wenn sie das Wesen der Natur schon richtig einordnet: "Die Natur kennt kein Gut und Böse, sie kennt nur Opfer." Und sie ist eben keines. Gwynfaer ist der nicht-personalisierte Gegensatz im Buch. So bodenständig und hochintelligent wie auf dieser Insel geht es wohl nur selten auf dem 'Lande' zu. Doch hier zu viel Intepretation hineinzugiessen würde dem Buch nicht gerecht werden. Ich zitiere: "Erwartungen auf Zero herunterschrauben - und einfach lesend geniessen." Dass Gretchen noch nicht Size Zero hat, wundert sie am meisten! Das Buch lebt hauptsächlich von der Sprache und der wirklich aussergewöhnlichen Hauptperson - da ist die etwas zerfahrene Geschichte Nebensache. Einzlkind schafft auf jeder Seite Absätze die man am liebsten jedem laut vorlesen, an die Wand pinnen oder für immer in seine Zitatensammlung aufnehmen möchte. Und lustig ist er auch noch, auch wenn mancher Witz doch genau so manche wunde Punkte unserer Zivilisation trifft. "Humor ist eine sehr ernste Angelegenheit, deshalb verstehen lustige Menschen Humor ja auch nie." Einzlkind findet aber auch in den ruhigen Momente die richtigen Worte - und leider viel zu kurz findet das Buch unprätentiös ein Ende, wobei ihm da zum ersten Mal die Worte fehlen. (und mir auch) Sprache 6 Sterne, Gretchen 6 leuchtende Sterne, Geschichte nur 3 (aber die wird ja immer etwas überbewertet) Laut arithmetischem Mittel 5 Sterne, für ein aussergewöhnliches Buch mit einer aussergewöhnlichen Frau.

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    • 3
    Babscha

    Babscha

    19. January 2014 um 22:15
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