iO Tillett Wright

 4 Sterne bei 5 Bewertungen
Autor von Darling Days.
iO Tillett Wright

Lebenslauf von iO Tillett Wright

Transgender erzählt seine Geschichte: Der 1985 als Mädchen geborene Autor lebte acht Jahre lang als Junge bevor er sich im Erwachsenenalter als Transgender outete. Wie seine Mutter, arbeitet iO, der die Anrede mit seinem Vornamen anstatt eines geschlechtsspezifischen Personalpronomens bevorzugt, als Fotograf. Zudem ist der Schriftsteller als Fernsehmoderator und Aktivist tätig. Seinen Debütroman „Darling Days - A Memoir“ veröffentlichte iO, der erste Schauspielerfahrungen in Nebenrollen in der Serie „Sex and the City“ sammelte, 2016, ein Jahr später folgte die Übersetzung „Darling Days - Mein Leben zwischen den Geschlechtern“. Protagonistin iO will kein Mädchen mehr sein und entscheidet sich ein Junge zu werden. In einer Welt, in der Anderssein gelebt wird, in dem ungarische Filmemacher, alt gewordene Pornostars und Künstler zusammen mit all den anderen Freaks die Gegenkultur feiern, beginnt für die Figur iO, wie auch für den Autor selbst, ein Leben zwischen den Geschlechtern.

Alle Bücher von iO Tillett Wright

Darling Days

Darling Days

 (5)
Erschienen am 11.09.2017

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Rezension zu "Darling Days" von iO Tillett Wright

Wildes Leben, traurige Kindheit
katzenminzevor 3 Monaten

In Darling Days beschreibt iO Tillet Wright ihre chaotische Kindheit in News Yorks heruntergekommensten Virteln. Sie analysiert die Beziehung zu ihrer unangepassten und freiheitsliebenden Mutter, die sie alleine aufzog und in der Hass und Liebe ganz dicht beieinanderliegen. IO merkt zudem früh, dass sie kein Mädchen sein will und beschreibt die Ängste und die Ausgrenzung die damit verbunden ist nicht in die Norm zu passen. Das ist teilweise harter Tobak aber auch erstaunlich mitreißend wenn man einmal in iOs Welt hineingefunden hat.


 „Mische einen Teil Einhorn, drei Teile Gewittersturm, zwei Teile verwundeter Kampfstier, dann hast du so ungefähr den Vibe, der meine Mutter umgab.“ Seite 22

An iOs Sprache musste ich mich ein bisschen gewöhnen, aber der flapsige, dreckige, wütende Ton und die schnelle Erzählweise passten einfach perfekt zum Inhalt. Es wurde mir zwar hin und wieder zu pathetisch* oder es fehlte mit der Überblick über die umfangreichen Nebencharaktere aber einmal im Lesefluss kommt das kaum zum tragen. IO zieht den Leser nämlich in eine andere Welt, die mit den sonderbarsten Menschen bevölkert ist. Ein Trupp von Aussteigern, Verlierern, Sonderlingen und Exzentrikern unter denen iO und ihre Mutter etwas Halt und viel Hilfsbereitschaft finden.

Das New York der 80er und 90er Jahre ist lebendig beschrieben. IO führt den Leser in versiffte Wohnungen, durch New Yorks Straßen, auf Feuerleitern und Dächer. Und natürlich durch ihr bewegtes Leben. Das Ende dieser Reise finde ich generell gut gewählt. Ein Neustart in allen Bereichen. Es ist nur etwas seltsam, dass iO sich dort am Ende als lesbische Frau definiert, im Autorenportrait (buchstäblich auf der nächsten Seite) aber als „der Autor“ und „er" beschrieben wird. Im Bezug auf die Geschichte die man gerade gelesen hat ist das zwar vollkommen verständlich, aber ein kleines Update, wie es nun zu dieser Wahl gekommen ist, hätte ich sinnvoll gefunden. Ich habe hier jeweils die weibliche Form benutzt, weil diese mE auch im Buch hauptsächlich verwendet wurde.

Ein wenig gestört hat mich die Beschreibung des Dorgenkonsums generell. IO nimmt es ihren Eltern sehr übel, dass sie bestimmte Drogen nehmen und bemerkt die negativen Veränderungen, die der Konsum mit sich bringt. Die heftigsten Probleme ihrer Eltern rühren vom Drogenmissbrauch her und das weiß iO auch. Als Jugendliche fängt sie dann selbst massiv an diverse Mittel zu konsumieren. Es macht aber den Eindruck, dass das bei ihr ok geht und kaum negative Auswirkungen hat. Auf sich selbst bezogen scheint sie die Gefahr zu ignorieren oder zu tolerieren. Hier wurde meiner Meinung nach mit zweierlei Maß gemessen und gerade mit Blick auf jüngere Leser hätte ich mir mehr Reflektion auch über ihr eigenes Konsumverhalten gewünscht.

"Darling Days" ist ein wilder, praller Bericht der abwechselnd traurig, betroffen und wütend macht, aber auf interessante und unterhaltsame Weise Einblick in ein vollkommen anderes Leben gibt. IO schildert ihre Erlebnisse farbenfroh auch wenn alles oft düster erscheint. Sie ist eine starke kämpferische Persönlichkeit, wenn auch nicht immer einfach. Insgesamt eine gelungene Romanbiografie übers Erwachsenwerden, Transgender-identität, alternative Lebensentwürfe und eine sehr sehr zwiespältige Mutter-Kind-Beziehung.


* „Die beiden großen Frauen in meinem Leben kämpfen mit dem Verhängnis.“ Seite 424 oder „Als sich unsere Lippen berühren, strömt Lava durch meine Adern.“ Seite 434 

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Rezension zu "Darling Days" von iO Tillett Wright

Bittersüß und traurig-schön
Farbwirbelvor einem Jahr

Bittersüß, traurig-schön. Darling Days ist die Autobiographie von iO Tillett Wright, die davon berichtet, wie kaputt Liebe machen kann, wie der Kampf mit dem eigenen Körper und der verspürten Lust zerstören kann, wie unsagbar schwer es ist, zu gehen und noch so viel mehr.

Der Roman beginnt mit einer Liebeserklärung an seine Mutter, die gleichzeitig viele emotionale Knackpunkte in ihrer Beziehung andeutet. iO wächst in den späten 80ern und 90ern in New York auf. Eine Zeit, die in dieser Stadt legendär ist und vor allem eins: absolut destruktiv. Rhonna, seine Mutter, kümmert sich herzzerreißend um iO und gleichzeitig verlangt sie ihm viel zu viel ab. Sie leben am Existenzminimum, tanzen sich von einer Vorstellung zur nächsten, es gibt kaum Stabilität für iO. Rhonna selbst hat starke psychische Probleme. Auf der einen Seite ist sie ein strahlendes Energiebündel, gleich einem Supermodel und auf der anderen Seite kann sie bösartig ausrasten und iO viel zu viel zumuten.  iO kennt es aber nicht anders. Einzig bei seinem Poppa bekommt er Ruhe und die Liebe, die ein Kind braucht. Aus diesem Grund beginnt er irgendwann davon zu träumen, bei ihm zu leben.

Auf der anderen Seite kämpft iO einen inneren Kampf, den er zwar versucht darzustellen, dessen Ausmaße man sich aber kaum vorstellen kann. Eines Tages entscheidet sich iO dazu, kein Mädchen mehr zu sein, sondern ein Junge. Mit dieser Entscheidung fühlt er sich zwar zum einen befreit, zum anderen beginnt ein ständiges Verstecken und Bitten darum, nicht entlarvt zu werden. Er irritiert und will eigentlich nur Kind sein.

Ich fühle mich noch immer gegängelt, aber mit ein bisschen mehr Auslauf. Das Halsband sitzt lockerer. – S. 248

Irgendwann erkennt er, dass das Leben bei seiner Mutter nicht kindgerecht sein kann und meldet sich beim Jugendamt.  iO bekommt zwar seinen Traum erfüllt und zieht zu seinem Poppa nach Deutschland, doch erkennt er nun auch selbst, dass er kein einfacher Charakter ist. Immer wieder kämpft er mit sich, mit seinem Geschlecht, mit seinem Umfeld, mit seiner Identität. Er sucht, er will ausreißen, traut sich nicht und traut sich dann so vieles. Ein stetiger Kampf gegen das, was viele Normalität nennen, obwohl lediglich eine eigene innere Ruhe die Zielstellung ist.

Die Schreibweise ist dabei sehr intensiv, man schlüpft in die Zeit hinein, in die Orte und die Gefühlswelten. Die Formulierungen treffen immer ins Schwarze, sind traurig-schön und bittersüß. Die Kapitel enden zudem stets mit einem Foto aus der Zeit, wodurch die eigene Vorstellungskraft noch befeuert wird.

Der Roman ist wirklich ein wunderbares Werk! Ich empfehle ihn wärmstens und hoffe darauf, dass viele Leser genauso angetan sein werden.

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Rezension zu "Darling Days" von iO Tillett Wright

Berührend, schockierend, fesselnd
Lilli33vor einem Jahr

Broschiert: 445 Seiten
Verlag: Suhrkamp Verlag (11. September 2017)
ISBN-13: 978-3518468036
Originaltitel: Darling Days
Preis: 15,95€
auch als E-Book erhältlich

Berührend, schockierend, fesselnd

iO Tillett Wright wird 1985 in der New Yorker Lower East Side als Mädchen geboren - nicht gerade in einem Vorzeigeviertel. Die Eltern trennen sich bald, iO wächst bei der Mutter auf, die sich anfangs liebevoll und intensiv um ihr Kind kümmert und keine Mühen scheut, um es zu beschützen.

Mische einen Teil Einhorn, drei Teile Gewittersturm, zwei Teile verwundeter Kampfstier, dann hast du so ungefähr den Vibe, der meine Mutter umgab. (S. 22)

iO merkt schon früh, dass er kein Mädchen ist, aber zum Jungen fehlt ihm der passende Körper. Hin- und hergerissen zwischen den Geschlechtern laviert er sich an der Seite seiner Mutter durch die ersten Jahre, und die sind in einem Umfeld von verschiedensten Künstlern nicht wirklich konventionell. Doch mit der Zeit ist iOs Mutter mit der ständigen Geldnot, Wohnungsproblemen und dem Kind überfordert. Immer öfter kommt es zu Streit und bösen Worten in der kleinen Familie. Für iO, der schon mit sich selbst und seiner Identität nicht klarkommt, gibt es nur einen Ausweg …

Das sind die Darling Days, wenn alles gut ist und das Ungeheuer schläft. (S. 109)

Die „Erinnerungen“ iO Tillett Wrights beginnen in diesem Buch bereits vor seiner Geburt und werden chronologisch bis ins Jahr 2008 erzählt. Der Autor berichtet schockierend offen von seiner Suche nach dem eigenen Ich, von Drogen und Sex, aber auch von Familie und Freundschaft.

Die Sprache ist sehr intensiv und vermag die Lesenden zu fesseln, einfach weil das Erzählte so authentisch klingt. Die ganze Härte dieses Lebens kommt hier zum Ausdruck. Ich konnte nicht anders, als mit iO mitzufühlen und hoffte mit jeder Seite, dass es endlich aufwärts gehen möge mit ihm. Schon durch die detaillierten Beschreibungen, aber auch durch die eingestreuten Fotos, bekommt man ein gutes Bild von den Personen.

Fazit:
Ein sehr lesenswertes Buch für alle, die sich für andere Menschen interessieren und gerne über den eigenen Tellerrand hinaussehen. Hut ab vor dieser starken Persönlichkeit, die sich nicht unterkriegen ließ, sondern ihren eigenen Weg gesucht und gefunden hat.

★★★★★

Herzlichen Dank an den Suhrkamp Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zugeschickt hat.

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iO Tillett Wright wurde am 02. September 1985 in New York City (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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