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40 Bibliotheken, 10 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

italien, bahnhof, versöhnung

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Salvatore Basile
E-Buch Text: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 13.03.2017
ISBN 9783641195021
Genre: Romane

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495 Bibliotheken, 85 Leser, 2 Gruppen, 36 Rezensionen

thriller, sebastian fitzek, achtnacht, fitzek, the purge

AchtNacht

Sebastian Fitzek
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 14.03.2017
ISBN 9783426521083
Genre: Krimi und Thriller

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122 Bibliotheken, 11 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

thriller, sonderdezernat q, kopenhagen, dänemark, fortsetzung

Selfies

Jussi Adler-Olsen , Hannes Thiess
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.03.2017
ISBN 9783423281072
Genre: Krimi und Thriller

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174 Bibliotheken, 69 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

barcelona, carlos ruiz zafón, spanien, der friedhof der vergessenen bücher, zafón

Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafón , Peter Schwaar
Fester Einband: 944 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 16.03.2017
ISBN 9783100022837
Genre: Romane

Rezension:

Band 4 aus der Reihe um den 'Friedhof der Vergessenen Bücher' 

Barcelona, im Jahr 1959: An einem grauen Wintertag im Dezember kehrt die junge Frau Alicia Gris von Madrid in ihre Heimatstadt Barcelona zurück. Sie hat den Auftrag, dem mysteriösen und plötzlichen Verschwinden den Ministers Mauricio Valls nachzugehen. Dessen Auto wurde verlassen in den Straßen Barcelonas gefunden. Bei ihren Recherchen findet sie in Valls' Besitz ein geheimnisvolles und äußerst seltenes Buch, das dieser sehr gut versteckt hatte. Um mehr über das besondere Buch zu erfahren, führt ihr Weg sie unter anderem in die Buchhandlung Sempere & Söhne. Schon beim Betreten des Ladens kommen bei Alicia Kindheitserinnerungen auf, zuerst nur schemenhaft - die besondere Atmosphäre und die vielen Bücher nehmen sie sofort gefangen...
Doch nicht nur die Erinnerungen an ihre Vergangenheit, sondern auch der aktuelle Fall erfordert ihre ganze Aufmerksamkeit. Noch ahnt sie nicht, dass sie bereits mitten in einer dunkle Intrige mit noch ungeahntem Ausmaß steckt...

"Ich durchschritt den Gang bis zu einem Bogen, hinter dem sich ein mächtiges Gewölbe auftat, und blieb hier stehen. Vor mir erhob sich das große Labyrinth wie eine unendliche Luftspiegelung. Eine Spirale aus Treppen, Tunneln, Brücken und Bögen verflocht sich zu einer ewigen, aus sämtlichen Büchern der Welt errichteten Stadt und stieg zu einer riesigen Glaskuppel an."
-Seite 10

Da mir von Carlos Ruiz Zafón besonders die Bücher um den Friedhof der Vergessenen Bücher gefallen haben, war ich dementsprechend gespannt auf den neuen und finalen Band der Reihe. Auch wenn bei mir das Lesen der drei vorigen Bände schon eine Weile her ist, war der Zauber der Bücher sofort wieder da. Schon ganz an Anfang wird man (innerhalb eines Traums) schon kurz wieder an den besonderen Ort mitgenommen: In die Kathedrale, die von oben bis unten bestückt ist mit alten Büchern.
Das Buch beginnt mit einigen losen Erzählsträngen, wo man noch nicht genau weiß, wie sie sich später zusammenfügen werden. Doch danach findet man sich sehr gut zurecht. Man lernt Alicia kennen, die den Auftrag erhält, einen hochangesehenen Minister zu finden, der vor kurzem spurlos verschwand. Während ihrer manchmal speziellen und ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden findet sie unglaubliches heraus...
Es wird überraschend spannend mit einigen Krimi- und Thriller-Elementen - doch trotzdem geht der "Bücher-Zauber" nicht verloren. Denn auch die Welt der Bücher spielt hier eine zentrale Rolle - hier steht neben den rätselhaften Verschwinden von Mauricio Valls (dass noch ungeahnte Ausmaße annehmen wird) auch ein äußerst seltenes Buch und dessen Autor im Vordergrund, um den sich einige Geheimnisse ranken. Das hat mir besonders gut gefallen, genauso wie das Ende des Buches, das noch einige Überraschungen bereithält.

Das Cover finde ich sehr passend - schlicht und mit dem Jungen, der sich die Nase an dem Schaufester einer Buchhandlung plattdrückt sehr nostalgisch und sympathisch - passend zum Stil der Zafón-Bücher.
Der Autor erwähnt am Anfang des Buches, dass man den Zyklus um den Friedhof der Vergessenen Bücher in beliebiger Reihenfolge oder auch einzeln lesen kann. Am besten ist natürlich, wenn man die Bände der Reihe nach liest, da die Bücher alle durch Personen und Handlungen miteinander verbunden sind, doch das ist kein Muss. Auch wenn vielleicht einige Fragen auftauchen, kann man "Das Labyrinth der Lichter" auch ohne Vorkenntnisse lesen. Es ist trotz Verbindungen schon eine eigene Geschichte.

"Sie eilte die Treppe hinunter und blieb erst stehen, als sie in ihrem Zimmer war. Dort lehnte sie sich an die Tür und rutschte dann auf den Boden; sie spürte, dass ein Fluch die Luft vergiftet hatte und dass diese Nacht die letzte in diesem trüben Märchen war, dass sie allzu lange Jahre inszeniert hatten. " -Seite 94

Mein Fazit: Das Finale des Zyklus um den Friedhof der Vergessenen Bücher ist sehr gelungen. Neben dem wunderbaren Bücher-Zauber wartet auch ein wirklich spannender Krimi, verbunden mit dem besonderen Schreibstil Zafóns. Zu Anfang braucht man einen Moment, um die vielen Fäden der Geschichte zu ordnen, doch im Laufe des Buches fügt sich alles zusammen. Er schafft es auch hier wieder, einzelne Orte wundervoll zu beschreiben - man ist sofort gefangen von der Geschichte! Es wird spannend und abenteuerlich mit einigen überraschenden Wendungen. Mir hat dieser Roman mit seinen vielen Facetten sehr gut gefallen. Mit einem perfekten Ende ein würdiger Abschluss der Reihe!

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Tags: barcelona, carlos ruiz zafón, das labyrinth der lichter, der friedhof der vergessenen bücher, roman, spanien   (6)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

erzählungen, kurzgeschichten, der muschelsammler, anthony doerr

Der Muschelsammler

Anthony Doerr , Barbara Rojahn-Deyk
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei btb, 13.03.2017
ISBN 9783442733989
Genre: Romane

Rezension:

Der Zauber von Meer und Natur...

Der Muschelsammler ist erstmals im Jahr 2002 in der amerikanischen Originalausgabe erschienen und Anthony Doerrs preisgekröntes Debüt. Die acht wunderbaren Erzählungen sind zwar inhaltlich völlig unterschiedlich, jedoch haben sie alle etwas gemeinsam: Den beeindruckenden Erzählstil Doerrs. Oft steht das Meer mit seinen vielen Facetten im Vordergrund, aber auch der Zauber des Winters wird hier mit Liebe zum Detail beschrieben.

Das Buch enthält folgende Geschichten:

- Der Muschelsammler
- Die Frau des Jägers
- So viele Chancen
- Lange Zeit war das Griseldas Geschichte
- Der 4. Juli
- Der Hausmeister
- Verwicklungen am Rapid River
- Mkondo

"Über ihm zogen die Sterne herauf in myriadenfachem Erschauern. Sein Leben hatte die letzte Windung vollführt und tauchte hinab. Dorthin, wo es nicht mehr weiterging, wo es am dunkelsten war, wo sich das Schneckenhaus im Schattenhaften verlor."
- Seite 39 (Der Muschelsammler)

Nachdem ich schon mit Begeisterung die anderen Werke des Autors gelesen habe, war ich nun sehr gespannt auf diese Erzählungen, die nun im März 2017 als Taschenbuch veröffentlicht wurden. (Die gebundene Ausgabe erschien bereits 2007).
Die einzelnen Geschichten sind völlig unterschiedlich: In "Der Muschelsammler" entdeckt ein blinder Muschelsammler zufällig die Heilkraft einer hochgiftigen Meeresschnecke; in "So viele Chancen" begeistert sich ein vierzehnjähriges Mädchen nach einem Umzug ans Meer für das Fliegenfischen und in "Der 4. Juli" spielt ein skurriler Wettkampf eine zentrale Rolle.
Die Erzählungen sind in dem typischen Stil Anthony Doerrs erzählt, den man schon aus "Winklers Traum vom Wasser" oder auch "Alles Licht, das wir nicht sehen" kennt - immer leicht poetisch, zwischendurch -besonders bei Beschreibungen von Landschaften- auch immer mal in langen, verschachtelten Sätzen. Die Kurzgeschichten, die zwischen 20 und 50 Seiten lang sind, haben alle ausdrucksstarke Charaktere, die man selbst auf den wenigen Seiten sehr gut kennen lernt. Dieses hat mir sehr gut gefallen.

Das Cover ist mit dem einzelnen Segelboot auf dem Meer eher schlicht gehalten und passt meiner Meinung nach sehr gut zu dem Inhalt.

"Der Fluss taute auf und trieb riesige Eisschollen in Richtung Missouri. Das Glucksen und Plätschern des fließenden Wassers, das Geräusch der Befreiung, des Schmelzens drang durch die offenen Fenster der Hütte herein. Der Jäger spürte die alte Erregung, spürte, wie seine Seele auflebte."
- Seite 60 (Die Frau des Jägers)

Mein Fazit: Acht Kurzgeschichten, jede auf besondere Art erzählt. Auch hier sticht Doerrs einzigartiger Erzählstil hervor: Leicht poetisch und mit detailreiche Beschreibungen, die aber perfekt zu den Storys passen. Das nur 256 Seiten dünne Buch lässt sich flüssig lesen, eine schöne Lektüre für zwischendurch. Insgesamt hat mir diese Story-Sammlung sehr gut gefallen - nur bei ein, zwei Geschichten war das Ende etwas zu abrupt, es blieben ein paar Fragen offen. Ansonsten ein sehr lesenswertes, wunderbares Buch. Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür.

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Tags: anthony doerr, der muschelsammler, erzählungen, kurzgeschichten   (4)
 

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179 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

fantasy, götter, markus heitz, krimi, urban fantasy

AERA - Die Rückkehr der Götter

Markus Heitz
Flexibler Einband: 784 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2015
ISBN 9783426518618
Genre: Fantasy

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

This New World

Laura Newman
Fester Einband: 392 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 03.03.2017
ISBN 9783743187986
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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95 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

markus heitz, des teufels gebetbuch, kartenspiel, hexerei, verlag knaur

Des Teufels Gebetbuch

Markus Heitz
Flexibler Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.03.2017
ISBN 9783426654194
Genre: Fantasy

Rezension:

Bube, Dame, König, Tod...

Der ehemalige Spieler Tadeus Boch arbeitet in einem angesehenen Kasino in Baden-Baden als Sicherheitskraft. Einst hatte die Spielsucht in Kombination mit Drogen und Alkohol sein Leben zerstört. In seinem Job hält er sich tapfer und ist dankbar für eine neue Chance im Leben.
Doch eines Abends wird seine Widerstandskraft erneut auf eine harte Probe gestellt: Er gerät in den Besitz einer jahrhundertealten, wunderschön gestalteten Spielkarte. Dass diese von enormen Wert ist, bekommt er schnell zu spüren: Unbekannte sind ihm auf den Fersen. Tadeus aber möchte unbedingt mehr über diese geheimnisvolle Karte herausfinden - sie scheint ihn magisch anzuziehen. Doch bei seinen Recherchen gerät er immer tiefer in einen gefährlichen Strudel von mysteriösen Ereignissen. Schon bald gerät sein Leben in Gefahr...

"Der Dealer nahm derweil die verheerende Karte und gab sie mit dem verbliebenen Stapel, aus dem gezogen wurde, in den Mischapparat. Der Tod befand sich erneut im Spiel." -Seite 52

Nach dem ich im letzten Jahr schon mit Begeisterung seinen Roman Wedóra gelesen habe, war ich dementsprechend gespannt auf Markus Heitz' neuestes Werk. Und dieses ist wirklich gelungen: Mit geheimnisvollen magischen Spielkarten, die Jahrhunderte alt sind und skrupellosen Personen, die alles dafür tun würden, um diese in ihren Besitz zu bekommen. Dazu gibt es noch ein spezielles Kartenspiel, bei dem es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod geht - Das Buch hat einiges zu bieten! Die Handlung spielt zwar überwiegend in der Gegenwart, doch zwischendurch geht es auch in die Vergangenheit - ins Leipzig des 18. Jahrhunderts. Aus verschiedenen Blickwinkeln, die über weite Teile Europas sogar bis in den tiefsten Dschungel im Amazonas führen, fügen sich nach und nach die einzelnen Puzzleteile zusammen. Dieser häufige Wechsel der Handlungsstränge ist dem Autor wirklich gut gelungen. Man kann alles sehr gut verfolgen und kommt so gut wie nie durcheinander.

Viele bestimmte Abschnitte sind mir besonders im Gedächtnis geblieben, eine davon ist der Verlauf einer geheimen Partie des Spiels Supérieur am Anfang des Buches, das einen unheilvollen Ausgang nimmt - dieses ist unheimlich packend geschrieben. Und vor allem das Geheimnis um die mysteriösen Karten wird nach und nach aufgedeckt. Gerade hier gibt es viele detailreiche Ausführungen, die die düstere Aura sehr gut rüberbringen.

Auch der Rest der Handlung hat einiges zu bieten - spannende Entwicklungen, überraschende Wendungen und ein schnelles Tempo. Im Anschluss an die Geschichte gibt es noch einen ausführlichen Anhang, wo man alles über die historischen Fakten rund um das Thema Kartenspiel und die Kartenentstehung nachlesen kann.

Sehr gelungen ist auch die ganze Buchgestaltung - Das Cover ist großartig! An manchen Stellen ist die Klappenbroschur leicht angeraut, was dem Buch einen schönen älteren Stil gibt. Zusätzlich findet man in den Innenseiten vorn und hinten die Regeln und den Ablauf des Kartenspiels Supérieur.

"Tadeus beschloss umgehend, sich gar nicht erst näher mit Supérieur zu beschäftigen. Aber vielleicht macht es Spaß. Mehr Spaß als Poker, wisperte die Sucht. Das Geld ist ja nicht deins. Versuch es doch einfach mal. Es bleibt unser Geheimnis."
-Seite 94

Mein Fazit: Der neue Roman von Markus Heitz ist genau so, wie ich erwartet habe: Packend, unheimlich, mysteriös und phantastisch. Die Handlung ist durchweg spannend, es gibt neben Thriller- auch gut platzierte Horrorelemente - man kann das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen. Der Schreibstil ist klar, an den richtigen Stellen detailreich und dann wieder rasant. Es lässt sich flüssig lesen. Mit interessanten Charakteren, ungeahnten Wendungen und einer düsteren Atmosphäre ein wirklich gelungenes Buch. Sehr lesenswert!!

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Tags: des teufels gebetbuch, fantasy, kartenspiel, markus heitz, mystery-thriller   (5)
 

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15 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

flavia de luce, krimi, detektivgeschichte, das geheimnis des kupferroten toten, kurzgeschichte

Flavia de Luce - Das Geheimnis des kupferroten Toten: Short Story

Alan Bradley
E-Buch Text
Erschienen bei Penhaligon Verlag, 13.03.2017
ISBN 9783641189068
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine neuer Fall für Hobbydetektivin Flavia de Luce  

An einem ruhigen Sonntagmorgen wird für Flavia de Luce ein geheimnisvoller Brief abgegeben. Die elfjährige Hobbydetektivin, die gerade in ihrem geliebten Laboratorium arbeitet, ist überrascht - und neugierig. "Mord! Komm sofort her" steht in dem Brief geschrieben - Das lässt sich Flavia natürlich nicht zweimal sagen. Sofort macht sie sich auf den Weg zum Internat Greyminster, das einst bereits ihr Vater besuchte. Schon das alte Anwesen, von Nebel umhüllt, strahlt etwas Unheimliches aus. Doch der Tote gibt noch viel mehr Rätsel auf: In einer Badewanne liegt ein Mann, tot, überzogen mit einer Kupferschicht. War es Mord? Sofort macht Flavia, die nicht nur Detektivin sondern auch begeisterte Hobbychemikerin ist, sich an die Ermittlungen und findet Überraschendes heraus...

"Ich war gerade dabei, den Giftzahn einer Kreuzotter, die ich an diesem Morgen nach dem Kirchgang hinter der Remise gefangen hatte, unter dem Mikroskop zu betrachten, als es gedämpft an die Tür meines Labors klopfte." -Seite 7, eBook

Mit dieser für Flavia de Luce typischen Tätigkeit beginnt die Kurzgeschichte um den kupferroten Toten, in dessen Fall die Hobbydetektivin schon bald begeistert ermitteln wird. Die Elfjährige mit ihrem besonderen Charme hat eine Vorliebe für Ermittlungen, Chemie und Gifte und daher ihr eigenes kleines Labor in ihrem Zuhause Buckshaw. Als sie zu einem mysteriösen Todesfall gerufen wird, beginnt sie sofort mit ihren Nachforschungen - natürlich bevor die Polizei eintrifft. Wird sie auch diesen Fall lösen? Im schon gewohnten Schreibstil der bisher sieben Bände ist auch diese Short Story geschrieben, die die Wartezeit auf den am 25. April 2017 erscheinenden achten Teil ein wenig verkürzt. Die Ich-Perspektive ist auch hier sehr gut gewählt. Trotz der wenigen Seiten wird die Geschichte schön ausführlich erzählt - natürlich insoweit, wie es in einer Kurzgeschichte möglich ist. Dieses ist sehr gut gelungen.

"Mord, Dringlichkeit, Eile, Furcht - wer hätte da widerstehen können? Genau meine Kragenweite!" -Seite 8, eBook

Mein Fazit: Das Geheimnis des kupferroten Toten ist nur 27 eBook-Seiten lang, enthält aber trotzdem eine komplette, spannende Geschichte mit allem drum und dran. Flavia ist in ihrem Element, Einzelheiten werden aufgelistet, alle Fragen werden beantwortet - perfekt! Eine tolle Kurzgeschichte im gewohnten Flavia-Stil, die die Wartezeit auf den neuen Roman ein wenig verkürzt. Sehr gelungen, für alle Fans der Reihe ein Muss!

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Tags: alan bradley, das geheimnis des kupferroten toten, flavia de luce, krimi, kurzgeschichte   (5)
 

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21 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 2 Rezensionen

sience-fiction

Freie Geister

Ursula K. Le Guin , Karen Nölle
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 26.01.2017
ISBN 9783596035359
Genre: Science-Fiction

Rezension:  
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260 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 136 Rezensionen

mord, psychologie, krimi, roman, erinnerungen

Das Buch der Spiegel

E.O. Chirovici , Werner Schmitz , Silvia Morawetz
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 27.02.2017
ISBN 9783442314492
Genre: Romane

Rezension:

Ein rätselhaftes Manuskript, ein ungelöster Mordfall und die Suche nach der Wahrheit...  

Der Literaturagent Peter Katz erhält eines Tages eine E-Mail des Autors Richard Flynn, der ihm das Manuskript seines neuen Buches anbietet. Neugierig durch das ausführliche Anschreiben, beginnt Peter den beigefügten Auszug des Manuskripts zu lesen.
Richard Flynn schreibt darin über einen ungeklärten Mordfall, der sich im Jahre 1987 ereignet hat. Der Professor Joseph Wieder wurde damals in seinem Haus ermordet, die genauen Umstände sind unklar, der Fall wurde nie gelöst. In seinem Manuskript deutet Flynn, der inzwischen schwer erkrankt ist, allerdings an, das Rätsel gelöst zu haben. Doch der Text endet abrupt.
Als Peter Katz sich mit Flynn in Verbindung setzten will, erfährt er, dass der Autor inzwischen verstorben ist - die fehlenden Seiten sind unauffindbar.
Doch den Literaturagenten lässt sie Geschichte nicht los, gemeinsam mit einem befreundeten Reporter begibt er sich auf Spuren in die Vergangenheit. Was ist damals tatsächlich geschehen? Welche Rolle haben Richard Flynn und die heute unauffindbare Laura Baines damals tatsächlich gespielt? Je tiefer sie in der Vergangenheit graben, desto rätselhafter wird es...

"Wie auf einem schneebedeckten Berg, wo ein kleines Geräusch oder ein fallendes Steinchen eine gewaltige Lawine auslösen kann, die alles in ihrem Weg mit sich reißt, sollte ein scheinbar banales Ereignis alles zertrümmern, was ich über Laura und letztlich auch über mich selbst zu wissen glaubte." -Seite 73, eBook

Das Buch der Spiegel bietet eine wirklich interessante Story: Ein Manuskript, dass anscheinend der Schlüssel zu einem ungelösten Mordfall ist, dessen letzter -und entscheidender Teil- aber fehlt. Der Autor ist inzwischen verstorben und die letzten Seiten sind wie vom Erdboden verschluckt. Doch der Literaturagent möchte unbedingt das Ende erfahren und stößt bei seinen Recherchen auf Ungereimtheiten, Rätsel und auf etwas, was die ganze Sache noch mysteriöser macht.
Die Geschichte ist in drei unterschiedlichen Erzählperspektiven erzählt, jeweils aus Sicht der aktuellen Person. Alles ist sehr gut verständlich, anfangs erfährt man den Inhalt des Teilmanuskripts, welches Peter Katz erhalten hat und lernt somit die Geschichte von Richard Flynn und dessen Begegnungen mit Laura Baines und dem Professor kennen. Doch schon dort bleibt einiges geheimnisvoll und wird im späteren Verlauf des Buches noch mysteriöser. Gerade dieses ist sehr gut gelungen und hält die Spannung aufrecht. Nach und nach bringen die Nachforschungen in der Vergangenheit Licht ins Dunkel, gleichzeitig tauchen auch Fakten auf, die sich widersprechen. Es bleibt in jedem Fall sehr interessant!

"Vorm Einschlafen grübelte ich noch über alles nach und war mir fast sicher, dass sich unter der Oberfläche dieses Falls etwas verbarg, noch finsterer und rätselhafter als das, was Flynn in dem Teil des Manuskripts dargelegt oder die Polizei damals ermittelt hatte."
-Seite 102, eBook

Mein Fazit: Ein gutes Buch, das mit seinem interessanten, unvorhersehbaren Verlauf überrascht. Trotz der gut eingesetzten Krimi-Elemente ist die Geschichte ruhig erzählt - es wird sehr mysteriös und man kann als Leser prima mitraten, was mir sehr gut gefallen hat. Die Handlung bleibt bis auf kurze Passagen im Mittelteil durchweg spannend. Zum Ende hin warten dann so einige Überraschungen. Die Charaktere hätten meiner Meinung nach vielleicht noch etwas mehr ausgearbeitet werden können, doch die Entwicklung der Story ist sehr gut gelungen. Insgesamt ein gutes Werk und daher sehr lesenswert.

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Tags: das buch der spiegel, e.o. chirovici, krimi   (3)
 

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196 Bibliotheken, 24 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

freundschaft, ein wenig leben, hanya yanagihara, roman, missbrauch

Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara , Stephan Kleiner
Fester Einband: 958 Seiten
Erschienen bei Hanser Berlin, 30.01.2017
ISBN 9783446254718
Genre: Romane

Rezension:

Ein Leben, von der Vergangenheit gezeichnet...

Die Begegnung von vier jungen Männern am College ist zugleich der Beginn einer lebenslangen Freundschaft. Malcolm ist angehender Architekt und kommt aus einem wohlhabenden Elternhaus und Jean Baptiste (JB) ist ein aufstrebender Künstler und stellt mit seinen Aktionen die Freundschaft immer wieder auf die Probe. Willem hofft auf eine Schauspielerkarriere und ist wohl am engsten mit Jude befreundet. Jude St. Francis ist ein besonderer junger Mann - ein aufstrebender Anwalt mit guten Karrierechancen, er ist sympathisch und freundlich - doch innerlich zutiefst verzweifelt und zerbrochen . Seine Freunde, insbesondere Willem, kümmern sich liebevoll um ihn, doch manchmal, in seinen dunkelsten Stunden kommen selbst sie nicht an ihn heran. Über seine Vergangenheit hüllt Jude sich in Schweigen. Was ist in der Kindheit vorgefallen, dass ihn zu einem so gebrochenen Menschen gemacht hat?

"Und dann trieb die Sonne davon, der Wagen ratterte gleichgültig von ihr fort, und die Welt nahm wieder ihre normalen traurigen Formen und Farben an, die Menschen ihren normalen traurigen Zustand, eine Veränderung, die sich so grob und abrupt vollzog, als wäre sie vom Zauberstab eines Magiers herbeigeführt worden." -Seite 34, eBook

Schon an dem Klappentext ahnt man, dass dieses Buch ein sehr Emotionales sein wird - und das ist es auch. Es erzählt die Geschichte von vier jungen Männern bis weit ins Erwachsenenalter hinein. Jeder von ihnen erfährt Freud und Leid, Höhen und Tiefen, Erfolg und Missgunst. Doch niemand hat so viel Leid erfahren wie Jude St. Francis, dessen Leben von seiner Vergangenheit gezeichnet ist - körperlich und auch seelisch. Zugleich möchte er aber niemanden zur Last fallen, hat große Angst, dass er die Menschen, die ihm inzwischen so viel bedeuten, plötzlich den Rücken kehren könnten. Dabei hat er Freunde, die komplett hinter ihm stehen und für ihn da sind - dieses ist sehr eindrucksvoll und schön geschrieben.
Nach und nach erfährt man schließlich, was Jude in seiner Kindheit widerfahren ist - und das ist so erschütternd und leidvoll, dass es einem kalt den Rücken runter läuft - es wird sehr ergreifend.
Sehr sensibel schildert die Autorin verschiedenste Ereignisse - nicht nur aus der Vergangenheit , sondern auch aus der Gegenwart, in der das Vergangene immer noch nachhallt und sich mit aktuellen Geschehnissen verbindet.
Die Geschichte ist aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben und auch nicht chronologisch. Man erfährt nach und nach immer Ausschnitte aus der Vergangenheit, hauptsächlich natürlich aus Judes Leben, aber auch aus Willems, Malcolms und JBs Leben erfährt man einiges. Der Aufbau zusammen mit der ganzen Schreibweise ist sehr gut gewählt, auch wenn man manchmal kurz überlegen muss, in welchem Zeitabschnittt man sich gerade befindet. Das Buch ist mit seinen 960 Seiten zwar ein sehr ausführliches und detailreiches Werk, aber tatsächlich an keiner Stelle langatmig. Es fesselt den Leser und zieht ihn mit.

"Wäre ich eine andere Art von Mensch, würde ich vielleicht sagen, dass dieser Vorfall eine Art Metapher für das Leben als Ganzes ist: Dinge gehen kaputt, und manchmal können sie wieder repariert werden, und meistens stellt man fest, dass das Leben, egal was zerstört wurde, einen Weg findet, den Verlust wiedergutzumachen, manchmal auf ganz wunderbare Weise. Und weißt du was - vielleicht bin ich diese Art von Mensch." (Harold Stein zu Jude St. Francis) -Seite 149, eBook

Noch kurz zum Cover: Ich muss zugeben, dass mich das Cover zuerst nicht so sehr angesprochen hat - doch im Nachhinein habe ich meine Meinung darüber geändert: Es passt perfekt zu dem Roman. Der abgebildete junge Mann mit dem schmerzvollen Gesichtsausdruck spiegelt genau das wieder, was Jude widerfahren ist.

"Er starrte mich an, mit diesem gewissen Blick, bei dem man merkt, dass er innerlich vor einem zurückweicht, obwohl er einen ansieht, bei dem man sieht, wie sich die Tore in seinem Inneren schließen und verriegeln, wie die Brücken über den Schlossgraben hochgezogen werden." -Seite 389, eBook

Mein Fazit: Ein sehr besonderes Buch, dass noch lange nachhallt. Eine sensible, sehr tiefgründige Geschichte, die mit großem Feingefühl erzählt wird. Die Autorin hat hier den richtigen Ton und Erzählweise getroffen. Es ist oft sehr erschütternd und tieftraurig, was Jude widerfahren ist und wie dieses ihn in seinem Erwachsenenleben noch immer wieder einholt. Man muss so manches Mal innehalten, um das gerade Gelesene zu verarbeiten.
Doch es gibt auch schöne Momente, die berühren, besonders die unerschütterliche Freundschaft ist sehr gelungen beschrieben.
Kurz gesagt: Besondere Charaktere, eine außergewöhnliche Geschichte, fesselnd geschrieben. Ein sehr lesenswertes Buch, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Tags: drama, ein wenig leben, hanya yanagihara, new york, roman   (5)
 

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66 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

paul auster, 4 3 2 1, 2017, amerika, roman

4 3 2 1

Paul Auster , Thomas Gunkel , Werner Schmitz , Karsten Singelmann
Fester Einband: 1.264 Seiten
Erschienen bei Rowohlt , 31.01.2017
ISBN 9783498000974
Genre: Romane

Rezension:

Was wäre wenn?

Der Junge Archibald "Archie" Ferguson wächst in den 1950er Jahren in Newark auf. Er ist ein aufmerksamer Junge und hinterfragt schon früh bestimmte Begebenheiten. Und so kommt ihm eines Tages auch dieser Gedanke: Was wäre, wenn etwas auf ganz andere Weise geschehen würde als gedacht? Wenn durch ein zufälliges Ereignis sein Leben dadurch einen völlig anderen Verlauf nehmen würde? So entstehen schließlich vier Versionen seines Lebens, wo manchmal nur eine kleine Entscheidung zu einem ganz anderem Leben führt...

"Ja, alles war möglich, und nur weil etwas auf eine bestimmte Weise geschah, hieß das noch lange nicht, dass es nicht auch auf eine andere Weise geschehen könnte. Alles könnte anders sein. Die Welt könnte dieselbe Welt sein, und doch wäre sie, wenn er nicht vom Baum gefallen wäre, eine andere Welt für ihn." - Seite 86

Paul Austers neues Werk ist schon auf den ersten Blick eine beeindruckende Erscheinung: 1.264 Seiten lang und knapp 1,3 kg schwer - doch auch inhaltlich hat es einiges zu bieten: Mit einem sehr lockeren Erzählstil, bei dem einzelne Sätze auch schon mal eine halbe Seite lang sein können, erzählt der Autor die Geschichte von Archibald Ferguson. Der Roman beginnt mit der Einreise von Archibalds Großvater in Amerika und welchem Umstand er es zu verdanken hatte, dass er plötzlich "Ferguson" hieß. Nachdem man auch einen sehr guten Einblick in Archibalds Verwandtschaft bekommen hat, rückt schließlich nach gut fünfzig Seiten die Hauptfigur in den Vordergrund. Archibald, der im ganzen Roman überwiegend bei seinem Nachnamen Ferguson genannt wird, stellt sich als Kind die Frage: Welchen Weg hätte sein Leben genommen, wenn er in bestimmten Situationen andere Entscheidungen getroffen hätte?
So entstehen schließlich vier sehr unterschiedliche Lebensgeschichten. Das Besondere hier ist, dass diese nicht einfach nacheinander in vier langen Teilen aufgelistet sind, sondern immer abschnittsweise. Dieses ist sehr überraschend und auch erst etwas gewöhnungsbedürftig, jedoch sehr gut durchdacht und abwechslungsreich.

In einer der vier Geschichten ist mir diese tolle Aussage von Ferguson im Gedächtnis geblieben:

"Ich bin richtig froh, wenn ich an all die Bücher denke, die ich noch nicht gelesen habe. Hunderte. Tausende. So viel, worauf ich mich freuen kann!" -Seite 269

Das genau diese Geschichte einen Verlauf nimmt, mit der man so gar nicht rechnet, ist sehr überraschend...

Natürlich bleiben einzelne Längen bei diesem Seitenumfang nicht aus. Manchmal schweift Auster etwas zu sehr ab. Manches wird zu oft wiederholt oder einfach viel zu detailreich dargestellt. Obwohl ich umfassende Geschichten mag, wäre hier weniger an manchen Stellen mehr gewesen. Man benötigt schon etwas Durchhaltevermögen. Im Gesamten betrachtet, hält sich dieses jedoch in noch einigermaßen in Grenzen, vielleicht auch deshalb, weil der Schreibstil locker bleibt und sich das gesamte Buch flüssig lesen lässt.

"Du scheinst dort drüben die Zeit deines Lebens zu haben, schrieb er in einem der zweiundvierzig Briefe, die er ihr im Sommer schickte. Während ich hier in New York das Leben meiner Zeit führe." - Seite 904

Genau wie bei der englischsprachigen Originalausgabe ist das Cover der deutschen Ausgabe eher schlicht gehalten - gerade dieses und der spezielle Titel 4 3 2 1 fallen sofort ins Auge.

Mein Fazit: Ein großes Werk mit Stärken und Schwächen. Meine Meinung hier ist zweigeteilt:
Zum Einen ist es ein wirklich interessanter und sehr gut aufgebauter Roman. Mit seinen 1.264 Seiten ein sehr umfangreiches Buch, dass sich aber durch den lockeren Erzählstil überraschend flüssig lesen lässt. Der Roman ist atmosphärisch sehr dicht, neben der Hauptfigur werden auch die Nebencharaktere ausführlich dargestellt.
Jetzt kommt das "Aber": Sosehr ich umfangreiche Bücher auch mag und diese mit Begeisterung lese - diese Geschichte ist einfach zu lang. Nicht alle der vier Geschichten haben mir gefallen, manches war etwas ermüdend und zu sehr in die Länge gezogen. Vielleicht 300 Seiten weniger wäre perfekt gewesen.
Es ist kein schlechtes Buch! Diese Story hat durchaus packende Momente und hält Überraschungen bereit. Der Schreibstil hat hier einiges ausgemacht und mir sehr gut gefallen. Ich vergebe für dieses außergewöhnliche Werk 3,5 Sterne.

Kurz gesagt: Wer ausführliche Romane mit einem interessanten Schreibstil mag und etwas Durchhaltevermögen mitbringt, dem kann ich dieses Werk nur empfehlen. Und auch wenn nicht alles perfekt war, möchte ich dieses Leseerlebnis nicht missen.

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Tags: 4 3 2 1, amerika, lebensgeschichte, paul auster, roman   (5)
 

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288 Bibliotheken, 32 Leser, 0 Gruppen, 79 Rezensionen

experiment, wissenschaft, terranauten, roman, usa

Die Terranauten

T. C. Boyle , Dirk van Gunsteren
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 09.01.2017
ISBN 9783446253865
Genre: Romane

Rezension:

Zwei Jahre in einer anderen Welt...

Auf die junge Frau Dawn Chapman und sieben weitere Personen wartet ein besonderes Experiment mit einem ganz bestimmten Ziel: Ein Leben in einem komplett geschlossenen Ökosystem - einer ganz eigenen Welt. Um dieses zu simulieren, werden vier Frauen und vier Männer für zwei Jahre in ein riesiges Terrarium eingeschlossen - eine riesige Ökosphärenkuppel, die mitten in der Wüste von Arizona errichtet wurde. Niemand darf während dieser Zeit "Ecosphere 2" verlassen. Wissenschaftler beobachten jede noch so kleine Veränderung. Die Glaskuppel mit ihren acht Terranauten ist natürlich auch ein großes Medienereignis: Viele Touristen reisen an, Fernsehteams und Zeitungen berichten über das Geschehen - Wie verändert sich der Mensch in zwei Jahren Abgeschiedenheit? Missgunst und Rivalität, aber auch Liebe entsteht. Und so passiert etwas, womit niemand gerechnet hat: Dawn wird schwanger. Nun stellt sich die Frage: Ist das Experiment nun zum Scheitern verurteilt oder kann die ihr Kind in der geschlossenen Ökosphere zur Welt bringen?

"...und doch war es eher das Dröhnen der Stahltür, das metallische Einschnappen des Schlosses, das mich so aufwühlte, dass mir die Tränen kamen - Tränen der Freude und Erleichterung. Aber da war noch etwas anderes. Eine Beklommenheit, würde ich sagen. Oder eine Ungewissheit, das trifft es vielleicht besser. Dies war wirklich eine neue Welt. Und jetzt war ich drinnen, und es gab keinen Weg zurück." (Dawn Chapman) - Seite 103

Auf dieses besondere Buch bin ich aufgrund des sehr interessanten Covers aufmerksam geworden. Der Astronaut mitten in einem Garten ist wirklich ein Hingucker. Nachdem ich dann den Klappentext gelesen habe, war meine Neugier schließlich geweckt. Die Story ist schnell erzählt: Acht Menschen (vier Frauen und vier Männer) lassen sich für zwei Jahre in eine riesige Glaskuppel einschließen und leben in ihrer eigenen Welt - nichts kommt rein, nichts geht raus - der Grundsatz. Natürlich läuft nicht alles nach Plan - weder drinnen noch draußen.
Was sofort auffällt, ist der besondere Schreibstil: Die Geschichte wird aus drei bestimmten Blickwinkeln erzählt. Im ersten Augenblick etwas gewöhnungsbedürftig, doch es passt sehr gut. Man erfährt nach und nach einige naturwissenschaftliche und technische Fakten; wie das Leben in der Kuppel funktioniert, wie alles aufgebaut ist und welche Aufgaben zu erfüllen sind. Dieses ist in einem guten Maß gehalten - es ist zwar alles ausführlich geschildert, aber nie zu ausufernd oder "technisch". Im Mittelpunkt stehen natürlich die Menschen - die acht Teilnehmer sind alle völlig unterschiedliche Charaktere. Man lernt sie nach und nach besser kennen - ihre positiven und negativen Eigenschaften, ihr Denken und Handeln, auch ihre psychischen oder physischen Veränderungen werden detailreich geschildert. Doch auch über die Menschen draußen erfährt man einiges. Denn nicht für alle hat sich der Wunsch des Terranauten erfüllt. Überraschend und manchmal auch etwas erschreckend war der Neid und die Missgunst, die des Öfteren eine Rolle spielen. Daher waren mir persönlich die Charaktere nicht immer sympathisch.

Sehr interessant ist auch, dass der Roman auf wahren Begebenheiten basiert. In den 1990er Jahren hat es so ein Experiment tatsächlich in Arizona gegeben.

"An diesem Tag lernte ich etwas. Ich lernte zu unterscheiden. Und von da an wusste ich, wer es ernst, wirklich ernst meinte, in guten wie in schlechten Zeiten, und wer bloß Trittbrettfahrer war."
(Ramsay Roothoorp) -Seite 234

Mein Fazit: Ein gelungener Roman mit einer sehr interessanten Handlung! Es ist unheimlich spannend zu verfolgen, wie es den acht Teilnehmern in dem Terrarium ergeht - man erfährt alles: Ihre Gefühlszustände, ihr Handeln und Denken. Die Geschichte ist eher ruhig, aber auf eine bestimmte Art sehr packend. Es gibt einige interessante Entwicklungen, sowohl drinnen als auch draußen. Der Schreibstil ist speziell, aber sehr gut gewählt.
Was ich jedoch immer wieder etwas verwirrend fand, waren die Namen. Es gibt einen ständigen Wechsel zwischen den richtigen Vornamen, Spitznamen und Abkürzungen der Spitznamen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Die Charaktere hätten vielleicht noch etwas sympathischer gestaltet werden können.
Doch diese kleinen Kritikpunkte sollte einem nicht vom Lesen abhalten. Es ist ein wirklich lesenswertes Buch, dass ich sehr gern weiterempfehle! 4,5 Sterne von mir.

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Tags: arizona, die terranauten, experiment, roman, t.c. boyle   (5)
 

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todesmarsch, stephen king, horror, dystopie, richard bachman

Todesmarsch

Stephen King , Nora Jensen
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.09.2013
ISBN 9783453436916
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Marsch um Leben und Tod...

Es ist der 1. Mai. Wie jedes Jahr an diesem Tag findet ein Wettbewerb statt, bei dem nur einer gewinnen kann: Der Todesmarsch. Einhundert Jugendliche, alle siebzehn Jahre alt, brechen an der kanadischen Grenze zu diesem Marsch auf - mit Regeln, die strengstens eingehalten werden müssen. Es wird nur einen einzigen Gewinner geben, dem mit dem Sieg alle Türen offen stehen. Den neunundneunzig Verlieren hingegen erwartet das Schlimmste...

"Der Major blickte auf eine Taschenuhr aus rostfreiem Stahl. Langsam hob er seine Hand, und jetzt hing alles von seinen Fingern ab. Die hundert Jungen blickten ihn aufmerksam an; die Stille war grauenvoll intensiv. Die stille füllte alles aus." - Seite 8, eBook

Todesmarsch ist eines von Stephen Kings älteren Werken, das zuerst unter seinem Pseudonym Richard Bachmann erschienen ist. (Die erste deutsche Ausgabe erschien 1987). Es ist ein sehr unheimliches Buch, dessen Handlung schnell erzählt ist: Einmal im Jahr, am 1. Mai treten einhundert Jugendliche zu dem sogenannten Todesmarsch an, bei dem es sprichwörtlich um Leben und Tod geht. Die Regeln sind einfach, aber knallhart. Auch der 16-jährige Ray Garraty gehört zu den Teilnehmern. Er ist die Hauptfigur des Buches, in dessen Leben man im Laufe der Handlung kleine Einblicke bekommt. Auch über einige Teilnehmer, die in seinem Umkreis marschieren, erfährt man etwas. Jedoch bleibt das meiste eher vage und oberflächlich.
Die Story plätschert zwar so vor sich hin, doch sie verliert in keinem Moment von ihrem Schrecken. Dieses Element ist Stephen King sehr gut gelungen. Im letzten Drittel kann man das Buch dann nur noch schwer aus der Hand legen, weil man wissen muss, wer gewinnt - und wann. Allerdings ist das Ende dann doch etwas abrupt.
Das aktuelle Cover mit dem blutigen Turnschuh ist gut gewählt und passt zur Handlung.

"Alle starrten mit fasziniertem Entsetzen auf die Straße hinunter, als wäre sie ein Seil über einem bodenlosen Abgrund, den sie unbedingt überqueren mussten."
-Seite 71, eBook

Mein Fazit: Ein Roman, der es trotz seiner eher ruhigen Handlung in sich hat. Es wird unheimlich - mit einem Horror, der während der ganzen Geschichte bestehen bleibt. Wie oben schon beschrieben, ist dieses sehr gut gelungen. Doch mir hat bei diesem Buch etwas die Tiefe gefehlt - der Kern der Handlung ist klar, doch es fehlt ein Gerüst drum herum. Zudem bleiben einige Fragen offen, die mich etwas ratlos zurück gelassen haben. Dennoch ist es kein schlechtes Buch, sondern im guten Mittelbereich angesiedelt. Für King-Fans lesenswert, ich vergebe hierfür 3,5 Sterne.

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Tags: horror, stephen king, todesmarsch   (3)
 

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

stephen king, düster, albträume, grusel

Albträume

Stephen King , Joachim Körber
Flexibler Einband: 700 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.09.2013
ISBN 9783453436862
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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157 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 22 Rezensionen

becky chambers, der lange weg zu einem kleinen zornigen planeten, science fiction, science-fiction, galaxie

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Becky Chambers , Karin Will
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 27.10.2016
ISBN 9783596035687
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Auf abenteuerlicher Reise mit der Wayfarer...

Mit ihrer neuen Stelle als Verwaltungsassistentin auf der Wayfarer erhofft sich die junge Rosemary Harper einen Neuanfang. Der etwas ramponierte und altmodisch wirkende Raumkreuzer, der Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien schafft, indem sie Löcher ins Weltall bohrt, soll ihr neues Zuhause werden. An Bord wird sie herzlich empfangen und lernt die besondere Crew, die aus verschiedenen Spezies besteht, kennen.
Captain Ashby hofft unterdessen auf profitablere Angebote im Tunnelbau und erhält schon bald ein Angebot, das zugleich sehr lukrativ, aber auch gefährlich ist: Die Wayfarer soll einen neuen Raumtunnel zu dem weit entfernten Hauptplaneten der Toremi anlegen. Bisher unbekanntes Territorium, da das Volk der Toremi als sehr angriffslustig gilt. Doch Ashby sagt zu - damit beginnt für Rosemary und die restliche Crew ein großes Abenteuer, dessen Ausgang noch ungewiss ist...

"Sie befand sich weit weg von allem. Hier gab es keine Planeten, keine Raumschiffe, keine funkelnden Orbiter. Nichts als Leere, grauenhafte Leere, und hin und wieder ein paar Felsbrocken." -Seite 7, eBook

Ich war im Vorfeld sehr gespannt, was mich in diesem Roman erwarten wird - der Inhalt ist tatsächlich überraschend. Überraschend in dem Sinne, dass die Handlung unheimlich locker aufgebaut ist und es einige Situationen gibt, die den Leser zum schmunzeln bringen. Mir hat besonders der Anfang des Buches sehr gefallen: Rosemarys Ankunft auf dem Raumschiff Wayfarer, man lernt die interessante Crew, die nicht nur aus Menschen besteht, sehr gut kennen. Auch die Wayfarer an sich mit ihren vielen interessanten Räumen ist toll beschrieben. Neben diesen Abschnitten wird aber auch schnell klar, das Rosemary ein Geheimnis verbirgt...
Neben außergewöhnlichen Orten wird auch das Zusammenleben der verschiedenen Spezies sehr gut geschildert. Besonders die Gemeinschaft und der Respekt gegenüber anderer Kulturen spielt eine zentrale Rolle. Gerade dieses ist der Autorin wirklich gut gelungen.

"Eine Menagerie aus Geschöpfen, die sich in einer schwindelerregenden Vielfalt von Sprachen unterhielten, Hände schüttelten, Pfoten packten und über Tentakel strichen. Wie konnte man einen solchen Ort
nicht großartig finden?"
(Captain Ashby über den Markt Port Coriol) -Seite 101, eBook

Doch es gibt leider auch ein 'aber': Auch wenn mir die Wayfarer-Crew schnell sehr sympathisch war, hat mir bei der reinen Handlung etwas der rote Faden gefehlt. Ich hatte das Gefühl, dass diese zwischendurch immer wieder von Weg abkommt und sich in Nebensächlichkeiten verliert. Dieses fand ich etwas schade, gerade weil die Idee der Story mir sehr gut gefallen hatte.

Mein Fazit: Ein Space-Abenteuer der etwas anderen Art! Doch auch wenn mir der Schreibstil, die tollen Beschreibungen der verschiedenen Handlungsorte und die vielfältigen Figuren sehr gefallen haben, konnte mich die Handlung nur teilweise überzeugen. Nach einem vielversprechendem Anfang geht die eigentliche Story etwas unter. Dadurch wurde anfängliche Begeisterung etwas gedämpft.

Kurz gesagt: Toller Schreibstil, spannende Schauplätze, interessante Figuren - leider mit schwacher Handlung, die etwas untergeht. Ich vergebe 3 Sterne hierfür.

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Tags: becky chambers, der lange weg zu einem kleinen zornigen planeten, science-fiktion, space-opera   (4)
 

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157 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

freundschaft, college, mord, geheimnis, studium

Die geheime Geschichte

Donna Tartt , Rainer Schmidt
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 16.12.2013
ISBN 9783442480579
Genre: Romane

Rezension:  
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200 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 67 Rezensionen

neuseeland, goldrausch, astrologie, goldgräber, historischer roman

Die Gestirne

Eleanor Catton ,
Fester Einband: 1.000 Seiten
Erschienen bei btb, 09.11.2015
ISBN 9783442754793
Genre: Romane

Rezension:

Rätselhafte Verbrechen, Geheimnisse und die Suche nach der Wahrheit...

Neuseeland im Jahre 1866: Es ist die Zeit der Goldgräber. So ist das Küstenstädtchen Hokitika inzwischen ein begehrter Anlaufpunkt für viele Goldsucher. Eines Tages trifft auch der junge Walter Moody dort ein. Nach einer anstrengenden Überfahrt möchte er eigentlich nur noch etwas Ruhe im Hotel genießen. Doch der erste Abend in der Hafenstadt gestaltet sich anders als erwartet: Im Rauchzimmer des Crown-Hotel trifft er auf zwölf Männer, die sich nicht zufällig dort getroffen haben. Sie wollen sich über einige rätselhafte Verbrechen, die sich in kürzester Zeit in Hokitika ereignet haben, unterhalten. Nach und nach erfährt Moody die ganze Geschichte und wird, eher er sich's versieht, mitten in die Geheimnisse und mysteriösen Verstrickungen hineingezogen...

"Die im Rauchzimmer des Crown Hotel versammelten zwölf Männer wirkten, als hätten sie sich dort zufällig eingefunden. Aus ihrem Betragen und ihrer Kleidung zu folgern - Gehrock, Frack, Seemannsjacken mit Gürtel und Beinknöpfen, gelber Moleskin, Kammertuch und Serge -, hätten sie zwölf Fremde in einem Eisenbahnwaggon sein können, jeder von ihnen auf dem Weg zu einem anderen Viertel einer Stadt mit genug Nebel und Wasserläufen, um sie voneinander zu trennen."
-Seite 19, eBook

...mit diesem Satz beginnt die besondere und umfangreiche Geschichte von Eleanor Catton, die im 19. Jahrhundert während der Goldgräberzeit angesiedelt ist. Schon auf den ersten Seiten merkt man, das dieser Roman sehr ausführlich und mit vielen kleinen Details ausgestattet ist - wie beispielsweise Walter Moodys erster Eindruck von den zwölf so unterschiedlichen Personen, die die sich im Rauchzimmer des Hotels versammelt haben - Ihr Aussehen, ihre Handlungen und ihre Position im Raum wird genauestens beschrieben. Gerade dieses hat mir unheimlich gut gefallen und gibt einen ersten Einblick in die außergewöhnliche Schreibweise der Autorin. Die erste Hälfte des 1.040 Seiten starken Roman erfährt man aus vielen Blickwinkeln alles über die rätselhaften Verbrechen und Vorkommnisse, die sich jüngst in Hokitika ereignet haben. Man lernt die zwölf Männer und auch Walter Moody sehr gut kennen, bekommt einen informativen Einblick in deren einzelner Leben. Und auch über die Zeit des Goldrauschs, der in diesen Jahren auf dem Höhepunkt ist, gibt es ein paar interessante Fakten. Das Besondere an diesem Roman: Man weiß lange überhaupt nicht, in welche Richtung die Geschichte gehen könnte und was noch so alles passieren wird. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber sie nimmt aufgrund der ganzen Verstrickungen einen wirklich sehr interessanten Verlauf...

Damit man bei der umfangreichen Handlung nicht den Überblick verliert, gibt es immer wieder hilfreiche Zusammenfassungen der Geschehnisse, dieses fand ich sehr gut. Dazu gibt es auch ein kleines Personenregister am Anfang des Buches.
Wie schon gesagt, sticht hier die einzigartige Schreibweise hervor: Lange verschachtelte Sätze, bildhafte, ausführliche Beschreibungen und durch die ungelösten Verbrechen auch ein kleiner Krimi - Gerade durch diese ganzen Elemente ist dieser Roman etwas besonderes.

"Im Rauchzimmer des Crown Hotel trat Schweigen ein - ein Schweigen, das wirkte, als hielte für einen Augenblick jeder Anwesende den Atem an und als verharrte sogar der Rauch, der von den Pfeifen, Zigaretten und Zigarren aufstieg." - Seite 331, eBook

Mein Fazit: Ein außergewöhnlicher und atmosphärisch sehr dichter Roman, der mir sehr gut gefallen hat! Es ist unheimlich spannend zu sehen, wie sich die Geschichte entwickelt. Es gibt anfangs viele lose Fäden - wie sich einiges dann zusammensetzt, ist völlig überraschend. Nach und nach kommt man schließlich hinter so manches Geheimnis. Toll geschrieben, doch es ist kein Buch für zwischendurch - es erfordert an vielen Stellen vollste Konzentration und vielleicht auch etwas Durchhaltevermögen - doch es lohnt sich auf jeden Fall! Auch wenn es zwischendurch immer mal kleinere Längen gab, hat Die Gestirne mir sehr gefallen und kann es allen empfehlen, die mal ein etwas anderes Buch lesen wollen. Von mir gibt es hierfür 4,5 Sterne.

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dorf, brandenburg, gesellschaftsroman, dorfgemeinschaft, ddr

Unterleuten

Juli Zeh
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 08.03.2016
ISBN 9783630874876
Genre: Romane

Rezension:

Wenn die Idylle trügt...

Das kleine Dorf Unterleuten liegt mitten in Brandenburg, etwa eine Stunde von Berlin entfernt. Auf den ersten Blick findet man hier alles, was man sich unter einem idyllischen Dorfleben vorstellt: Weitläufige Grundstücke, schöne Häuschen, ländliche Ruhe, unberührte Natur mit einer seltenen Vogelart und eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Doch diese anscheinend so friedliche Idylle trügt, denn unter der Oberfläche brodelt es gewaltig: Egal ob die Alteingesessenen oder die neu zugezogenen "Großstadtaussteiger", die sich den Traum vom eigenen Haus auf dem Land erfüllen wollen - überall gibt es den ein oder anderen Konflikt, hier und da kleine und große Probleme.
Als schließlich eine Investmentfirma plant, in Unterleuten einen Windpark zu errichten, ist kurz darauf die Hölle los im Dorf- die Ereignisse überschlagen sich, lang Verschwiegenes kommt an die Oberfläche...

"Er drehte sich um und stieg in den Roadster. Der gekühlte Innenraum empfing ihn mit jener sterilen Anonymität, die er so schätzte. Plötzlich hatte er den Eindruck, dass es ein Fehler war, hierherzukommen." -Seite 54, eBook

Mit Unterleuten hat Juli Zeh einen beeindruckenden Roman geschrieben. Im Mittelpunkt steht das Dorf Unterleuten in Brandenburg - ein Ort in dem jeder jeden kennt - oder dieses zumindest glaubt. Die Geschichte beginnt ruhig, nach und nach lernt man die Bewohner kennen. Man erhält einen detailreichen Einblick in deren Leben. Ob es Sorgen, Ängste oder große Zukunftspläne sind - jeder ist mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt und glaubt, das Richtige zu machen. Dieses jedoch entwickelt sich in manchen Fällen völlig anders als geplant. Auch gibt es immer wieder kleine Rückblicke in die Vergangenheit. Gerade hier erfährt man, wie manches zusammenhängt und warum die manchmal angespannten Situationen bis heute so festgefahren sind. Was von Anfang an klar ist: Die Idylle trügt - das Dorf gleicht einem Hexenkessel. Die Autorin schildert mit packender Schreibweise, wie die Maske des Ortes fällt und dahinter einiges zutage kommt...
Neben den vielen so unterschiedlichen Charakteren, die hier aufeinandertreffen, ist das fiktive Dorf Unterleuten mit seinen vielen Handlungsorten unheimlich gut beschrieben. Auf der Website www.unterleuten.de gibt es neben einer Skizze vom Dorf auch alle wichtigen Infos zu dessen Bewohnern.

"Ich bin gekommen, damit du mir etwas versprichst. Halt dich aus diesen Unterleuten-Geschichten heraus. Mit dem Dorf stimmt was nicht. Ganz massiv." (Miriam) - Seite 354, eBook

Mein Fazit: Ein gelungener Roman mit einem speziellen Thema. In der Inhaltsangabe stand geschrieben, dass sich Unterleuten so spannend liest wie ein Thriller - dieser Aussage kann ich voll und ganz zustimmen. Es ist unheimlich interessant zu verfolgen, wie die einzelnen Fäden im Laufe der Geschichte zusammenkommen und das große Drama schließlich seinen Lauf nimmt. Das Besondere und Spannende hier: Es ist völlig unvorhersehbar, wie die Geschichte zu Ende gehen könnte. Das Ende hält dann Überraschungen bereit, mit denen man so nicht gerechnet hätte...
Ein sehr lesenswerter und packender Roman, der mit seinem detaillierten Schreibstil überzeugt!

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Tags: brandenburg, drama, gesellschaftsroman, juli zeh, unterleuten   (5)
 

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manuel timm, parallelwelt, die federn des windes, magie, iphosia

Die Federn des Windes

Manuel Timm
E-Buch Text: 408 Seiten
Erschienen bei TWENTYSIX, 20.01.2017
ISBN 9783740773724
Genre: Sonstiges

Rezension:

Eine Reise in eine geheimnisvolle Parallelwelt...

Als es eines Abends an der Haustür klingelt, ahnen die beiden Schwestern Ellie und Anna noch nicht, dass sie bald Unglaubliches erwartet. Vor der Tür steht ein Mann namens Horace Finton, der auf der Suche nach einem besonderen Buch ist, dass sich im Besitz ihrer verstorbenen Großmutter befinden soll. Nachdem sie den Fremden abgewiesen haben, macht Anna sich auf die Suche - und findet das sagenumwobene Buch. Plötzlich geht alles ganz schnell: Sie wird von Horace entdeckt und von ihm samt Buch durch ein Portal in eine andere Welt entführt. Ellie, die das Verschwinden ihrer kleinen Schwester fassungslos mit ansehen muss, kann in letzter Sekunde noch durch das sich bereits schließende Portal treten. Allein, und ohne Ahnung, wo Anna sich in dieser fremden Welt befindet begegnet sie dem geheimnisvollen jungen Mann Kellan, der ihr schließlich das Leben rettet. Doch irgendwas scheint er zu verbergen. Kann sie ihm trauen?
Auch Anna ist zunächst überwältigt von der unbekannten Landschaft. Doch nach und nach erfahren die beiden mehr über Iphosia, deren Völker und Pläne. Schon bald wird klar, dass die geheimnisvolle Welt lange nicht so märchenhaft ist, wie sie auf den ersten Blick scheint...

"Anna war erschrocken und fasziniert zugleich. Die Stadt wirkte wie aus einem Science-Fiction-Roman. Sie war kunstvoll errichtet, überall leuchteten und blinkten Lampen in unterschiedlichen Farben, erschufen aus dem Straßennebel bunte Watte." -Seite 110

Mit Die Federn des Windes hat Autor Manuel Timm ein neues spannendes Fantasy-Abenteuer geschaffen. Bisher nur als drei einzelne Episoden erhältlich, gibt es diese nun als Gesamtausgabe. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Schwestern Ellie und Anna, die aufgrund eines unglücklichen Zufalls durch ein Portal in einer anderen Welt landen - getrennt voneinander. Auf der Suche nach ihrer kleinen Schwester lernt die achtzehnjährige Ellie den jungen Kellan kennen und erfährt schließlich mehr über die fremde Welt, in der es alles andere als friedlich und ungefährlich ist...
Die Parallelwelt namens Iphosia ist gut konstruiert, man erfährt nach und nach mehr über die beiden herrschenden Völker, die seit Ewigkeiten zerstritten sind - die derzeitige Waffenruhe droht zu zerbrechen. Die Magischen und die Techniker leben völlig unterschiedliche Leben, gerade hier erhält man einen übersichtlichen und detailreichen Einblick. Bei der Umgebung der Techniker kommt sogar ein kleiner Hauch von Steampunk auf - auch wenn dieses nur am Rande ist, hat mir das sehr gut gefallen.
Anhand der Karte vorn im Buch kann man sich über Iphosia einen sehr guten Überblick verschaffen. Die Handlung beginnt anfangs sehr ruhig, nimmt dann aber schnell an Fahrt auf und wird spannend und abenteuerlich. Sehr gut gefallen haben mir hier auch die Abschnitte um das geheimnisvolle Buch, das viel wichtiger ist, als es zunächst aussieht.
Die einzelnen Kapitel, die regelmäßig zwischen den einzelnen Charakteren wechseln, sind kurz, flüssig zu lesen und gut verständlich. Der ständige Wechsel ist sehr gut gewählt, da durch die verschiedenen Blickwinkel die Spannung die ganze Zeit über aufrecht erhalten wird.
Sehr interessant ist auch, was es mit dem Buchtitel auf sich hat - im Laufe der Geschichte erfährt man, welche Bedeutung Die Federn des Windes hat.
Das Cover, das für diese Gesamtausgabe komplett neu gestaltet wurde ist ein richtiger Blickfang - eher dunkel gehalten mit verschiedenen Personen, ist es sehr gut abgestimmt auf den Roman.

"Viele Fäden des Schicksals verliefen in der Dunkelheit, unsichtbar für den Betrachter, und fügten sich erst zu ihrer gesamten Macht zusammen, wenn es nicht mehr zu verhindern war. Jedenfalls sollte es so sein und Horace Finton tat alles, was in seiner Macht stand, um die Fäden in der Dunkelheit zu belassen." - Seite 226

Mein Fazit: Ein gelungenes Fantasy-Abenteuer, die den Leser in eine fremde Welt entführt. Spannend aufgebaut und gut konstruiert, findet man sich in Iphosia sehr gut zurecht. Die Handlung entwickelt sich schnell und spannend, die Geheimnisse, die sich um die verschiedenen Charaktere ranken, werden nach und nach gelüftet. Alles ist sehr gut aufeinander abgestimmt, einzig das geheimnisvolle Buch, das mir persönlich sehr gut gefallen hat, gerät im Laufe der Geschichte etwas zu sehr in den Hintergrund. Gerade zu diesem Thema hätte ich mir noch mehr Ausführungen gewünscht. Doch davon abgesehen hält die Geschichte einige Überraschungen bereit, zum Ende gibt es einige dramatische Wendungen, mit denen man so nicht gerechnet hat. Ein sehr lesenswertes Fantasy-Abenteuer!

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Tags: die federn des windes, fantasy, iphosia, manuel timm, parallelwelt   (5)
 

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123 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 66 Rezensionen

kaffee, historischer roman, abenteuer, diebstahl, sonnenkönig

Der Kaffeedieb

Tom Hillenbrand
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 10.03.2016
ISBN 9783462048513
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein Dieb auf gefährlicher Mission...

Im Jahr 1683: In Europa gibt es ein neues Getränk, das inzwischen jeder begehrt: Kaffee. In Kaffeehäusern treffen sich Philosophen, Künstler, Dichter und Händler um bei einer Schale Kaffee alles wichtige zu besprechen. Doch die wertvolle Bohne ist nicht nur beliebt, sondern auch sehr teuer - die Osmanen haben das Monopol darauf. Sie wachen streng darüber, auf Diebstahl der wertvollen Kaffeebohnen steht der Tod.
Auch der junge Engländer Obediah Chalon ist regelmäßiger Gast in den Kaffeehäusern Londons und geht dort seinen Geschäften nach. Doch nachdem er sich an der Börse verspekuliert hat und auch einiges andere schiefgelaufen ist, führt ihn sein Weg nach Amsterdam. Dort wird Obediah ein Angebot gemacht, das er unmöglich ausschlagen kann - den nur damit kann er seinen drohenden Ruin abwenden. Er soll den Türken den Kaffee klauen. Auch wenn die Gefahr, erwischt zu werden, sehr hoch ist, bereitet Obediah akribisch die gewagte Expedition vor. Zusammen mit einer ausgewählten Truppe begibt er sich schließlich auf die abenteuerliche Reise - ohne zu wissen, ob er und seine Gefährten diese überleben werden....

"Obediah ging weiter, bis er 'Jonathan's Coffee House' erreichte. Als er den bis zum Bersten gefüllten Raum betrat, schlugen ihm die Aromen von Tabak, Kaffee und Aufregung entgegen." -Seite 23

Der Kaffeedieb spielt Ende des 17. Jahrhunderts und ist ein historischer Roman, der einige Abenteuer bereithält. Im Mittelpunkt steht der Kaffee - das neue Getränk, das jedermann in den unzähligen Kaffeehäusern konsumiert. Schnell bekommt man einen sehr guten Einblick in die damalige Zeit und dessen Flair: Ob es der Handel, die Korrespondenz, die Ausdrucksweise oder die Bekleidung ist - alles wird hier detailreich beschrieben.
Ich musste mich anfangs zwar erst an den Schreibstil und an die Fremdwörter gewöhnen, doch mithilfe des Glossars hinten im Buch findet man sich schließlich gut zurecht. Neben der interessanten Hauptfigur Obediah Chalon, der den Leser immer wieder durch sein Handeln in Staunen versetzt, gibt es noch eine Reihe weiterer, sehr unterschiedlicher Personen. Genau diese heuert Obediah für seine Mission an, die alles andere als ungefährlich ist - Er will den Osmanen ihr Monopol abluchsen und die wertvollen Kaffeebohnen stehlen. Neben der abenteuerlichen Expedition gibt es noch einen weiteren Handlungsstrang, denn Obediahs Aktivitäten bleiben nicht unbemerkt...
Beide Wege sind interessant zu verfolgen. Auch wenn die Geschichte in der ersten Hälfte des Buches ein paar Längen aufweist und sich dadurch manchmal etwas verliert, wird es in der zweiten Hälfte wieder richtig spannend.
Sehr gut gefallen haben mir die beiden abgebildeten Karten vorne und hinten im Buch. So kann man sich sowohl über die Reiseroute, als auch über die damalige Länderverteilung ein sehr gutes Bild machen.

"Der Anführer dieser Expedition muss einen messerscharfen Verstand besitzen, Beziehungen zu Personen mit vielerlei Talenten haben und die neuesten naturphilosophischen Errungenschaften kennen. Ihr seid der perfekte Mann für die Aufgabe."
-Seite 57

Mein Fazit: Ein sehr lesenswerter historischer Abenteuerroman mit einem wirklich interessanten Hauptthema: Der Kaffee. Die damalige Zeit wird wunderbar geschildert und nach kleinen Längen am Anfang wird es in der zweiten Hälfte sehr packend. Die Geschichte nimmt an Fahrt auf, ist nach kleinen Anfangsschwierigkeiten gut verständlich und überrascht mit einem interessanten Verlauf. Auch das Abenteuer kommt hier nicht zu kurz. Trotz kleiner Kritikpunkte hat mir dieses Buch insgesamt sehr gut gefallen. Wer mal einen etwas anderen historischen Roman mit großem Abenteuer lesen möchte, dem kann ich Der Kaffeedieb sehr empfehlen!

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Tags: 17. jahrhundert, abenteuer, der kaffeedieb, historischer roman, kaffee, tom hillenbrand   (6)
 

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46 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

mord, gerhard jäger, schuld, tiro, brand

Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Gerhard Jäger
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Blessing, 26.09.2016
ISBN 9783896675712
Genre: Romane

Rezension:

Auf der Suche nach der Wahrheit...

Im Herbst des Jahres 1950 reist der junge Historiker Max Schreiber aus seiner Heimatstadt Wien in ein kleines Tiroler Bergdorf, um mehr über ein mysteriöses Verbrechen zu erfahren, das sich Mitte des 19. Jahrhunderts dort ereignet hat. Als Max, der den ganzen Winter dort verbringen will, sich bei den Dorfbewohnern umhört, stößt er auf Misstrauen und Ablehnung. Irritiert von dem Verhalten zieht sich der 25-jährige immer mehr zurück, konfrontiert mit der Abgeschiedenheit der Berge. Einzig eine stumme junge Frau erweckt seine Aufmerksamkeit...
Doch eines Tages überschlagen sich die Ereignisse: Es gibt einen seltsamen Todesfall, eine Scheune brennt bis auf die Grundmauern nieder und der Winter hält Einzug - in diesem Jahr mit einer unglaublichen Wucht. Mit den Schneemassen brechen tödliche Lawinen über das Dorf herein. Doch damit nicht genug: Max Schreiber gerät unter Mordverdacht und plötzlich fehlt jede Spur von ihm.
Über fünfzig Jahre später reist ein älterer Mann in die Gegend mit dem Ziel, die Wahrheit herauszufinden. Was ist damals, als der Winter mit aller Macht kam, wirklich passiert? Die Spurensuche beginnt...

"Es gibt Momente, Orte, die dir Angst machen. Du weißt, dass da etwas ist, das auf dich wartet, gesichtslos, namenlos, jenseits aller Begriffe, jenseits aller Konturen, und doch, es ist da, du spürst es, und du weißt nur eines: Es ist nichts Gutes." - Seite 20

Dieses Buch hat mir mit seinem beeindruckendem Erzählstil sehr gefallen! Es ist eine Mischung aus Krimi, einer kleinen Liebesgeschichte und einem großen Drama - alles angesiedelt in einem kleinen Tiroler Bergdorf. Vor einem beeindruckendem Bergpanorama spielt sich eine Geschichte ab, die sich langsam dramatisch zuspitzt - die unerwarteten Schneemassen spielen dabei eine traurige Rolle...

Die Handlung hat zwei Erzählebenen: Zuerst lernen wir den älteren Mann Mr. Miller kennen, der zu einer Reise aus den USA nach Innsbruck aufbricht, mit der Hoffnung, dort die Wahrheit zu finden: Anfang der fünfziger Jahre verschwand ein Verwandter spurlos. Dabei wird er immer wieder von Erinnerungen eingeholt. Dann geht es in die Vergangenheit, ins Jahr 1950, als sich der Wiener Historiker Max Schreiber in ein abgeschiedenes Bergdorf aufmacht, um dort nach einem Verbrechen zu forschen, dass ein Jahrhundert zurückliegt. Doch mit dem, was er in diesem Winter erlebt, hat er nicht gerechnet...
Die regelmäßigen Wechsel der beiden Ebenen sind sehr gut aufeinander abgestimmt, nach und nach kommt alles ans Licht.
Dieses Buch sticht vor allem mit einem heraus: Dem bildgewaltigen, großartigem Erzählstil. Sehr detailreich und mit einer poetischen Note schildert der Autor hier die Atmosphäre des kleinen Dorfes und des Winters, dessen Idylle trügt. Gerade die Momente, als der Schnee alles einhüllt, sind sehr aussagekräftig. Doch neben den Schauplätzen gibt es auch eine sehr spannende Handlung, die einiges zu bieten hat. Die Sätze sind oft verschachtelt und lang - aber gerade das macht diesen leicht poetischen Schreibstil aus.
Das Cover -ganz in Weiß gehalten mit einer einsamen Gestalt, die durch den Schnee stapft- ist, genau wie der Titel, sehr gut auf den Inhalt abgestimmt.

"Und er blickt zurück zum Dorf, alles liegt unter einer dicken weißen Schneedecke, auf der die Sonne blinkt, fast schon meterhoch die Schneewände auf den Seiten der freigeschaufelten Straßen, Gassen und Wege, eine idyllische Szene, eine friedliche Szene, die nichts verrät von den Leichen, die im Keller liegen, und Schatten, die nachts ihrer Wege gehen." -Seite 249

Mein Fazit: Ein beeindruckendes Buch, dass mit seiner wunderbaren Erzählweise überzeugt. Ein detailreich geschildertes Winterpanorama, hinter dem sich eine tödliche Gefahr verbirgt. Dazu gibt es noch eine packende Handlung, die einerseits sehr spannend ist, andererseits aber -aufgrund der Katastrophe- auch berührend und traurig ist. Es gibt ausgewählte Momentaufnahmen, in denen man die Hauptcharaktere sehr gut kennen lernt - ihr Denken und Handeln wird bis in kleinste Detail beschrieben. Alles ist sehr gut aufeinander abgestimmt.
Ein sehr gelungener Roman - anders, besonders und sehr lesenswert!

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Tags: der schnee das feuer die schuld und der tod, drama, gerhard jäger, roman, tiro   (5)
 

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menschenhandel, frankreich, krimi, charlotte link, bulgarien

Die Entscheidung

Charlotte Link
Fester Einband: 580 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 05.09.2016
ISBN 9783764504410
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Eine Entscheidung mit fatalen Folgen...

Der vierzigjährige Simon möchte zusammen mit seinen Kindern die Weihnachtsfeiertage in Südfrankreich verbringen. Doch alles kommt anders. Die Kinder sagen kurzfristig ab und seine Freundin gibt ihm den Laufpass. Enttäuscht vom Leben macht Simon einen Strandspaziergang und trifft dort auf Nathalie - die junge Frau ist verwahrlost, völlig verängstigt, ohne Unterkunft und Papiere. Da trifft Simon spontan eine Entscheidung, zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnend, in welche lebensgefährliche Geschichte er mit hineingezogen wird: Aus Mitgefühl bietet er Nathalie seine Hilfe an und nimmt sie mit in sein Haus. Nach und nach erfährt er schließlich ihre Geschichte - die zu unglaublich ist um wahr zu sein. Doch schließlich geht er zusammen mit ihr einer Sache auf den Grund, unwissend, welche Folgen das haben wird. Dann überschlagen sich die Ereignisse...
Das die anfangs rätselhafte Geschichte bis nach Bulgarien führt und erschreckende Ausmaße annimmt, ahnt niemand der Beteiligten...

"Die Sache gefiel ihm nicht. Er hatte das deutliche Empfinden, auf einer Schwelle zu stehen, von der aus er am besten keinen weiteren Schritt tun sollte. Es war, als bekäme er eine Warnung, unhörbar und unkonkret, und dennoch so intensiv, dass er fröstelte.
Da er sich diesen Vorgang nicht erklären könnte, beschloss er, ihn zu ignorieren."
-Seite 62, eBook

Der aktuelle Roman von Charlotte Link beginnt gleich mit einem unheimlichen Prolog: Ein junges Mädchen, scheinbar in Todesangst, flüchtet aus einem Haus. Danach nimmt die rätselhafte Geschichte ihren Lauf : Durch verschiedene Blickwinkel geschildert-die im ersten Augenblick viele Fragen aufwerfen- wird jedoch nach und nach klar, worum es geht. Man beginnt zu ahnen wie manche Schicksale zusammen passen könnten. Im ersten Moment vielleicht etwas verwirrend, doch nach einigen Kapiteln hat man einen guten Überblick. Die Hauptgeschichte spielt in Frankreich, wo der nichtsahnende Simon aus Mitleid eine Entscheidung trifft, die sein ganzes Leben verändert. Als ihm das klar wird, ist es zu spät, um noch auszusteigen. Auch in Bulgarien wurde aus einer großen Not heraus eine falsche Entscheidung getroffen...
Charlotte Link gelingt es sehr gut, die unheimliche Atmosphäre, die während des ganzen Romans herrscht, komplett aufrecht zu erhalten: Dunkles Winterwetter in der zurzeit verlassenen Provence, dazu die detailreich geschilderten Ängste und Empfindungen der Hauptcharaktere.

"Der einzige Moment, an dem ich diese ganze Geschichte hätte vermeiden können, war der allererste. Als ich den Strand entlang durch den Regen lief und mich idiotischerweise in eine Situation eingemischt habe, die mich nichts anging. Es war die falsche Entscheidung, im Bruchteil von Sekunden getroffen..." (Simon) -Seite 190, eBook

Mein Fazit: Ein spannender Kriminalroman mit einem ernsten und brisanten Thema. Nach und nach fügen sich die einzelnen Puzzleteile an seinen Platz und geben ein schockierendes Ergebnis preis. Atmosphärisch sehr dicht und eher düster gehalten, wird es packend. Es kommen Details ans Licht mit denen man so nicht gerechnet hat - genau diese ungeahnten Entwicklungen machen dieses Buch zu einem spannendem Krimi. Einzig der etwas unübersichtliche Anfang ist ein kleiner Kritikpunkt. Ansonsten sehr gut geschrieben und aufgebaut. Ich vergebe 4,5 Sterne hierfür.

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Tags: bulgarien, charlotte link, die entscheidung, frankreich, krimi, kriminalroman   (6)
 

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weltraum, hexen, kai meyer, raumschiff, science fiction

Die Krone der Sterne

Kai Meyer , Jens Maria Weber
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 26.01.2017
ISBN 9783596035854
Genre: Fantasy

Rezension:

Unterwegs in fernen Galaxien...

In den Weiten der Galaxis liegt das galaktische Reich Tiamande. Dieses wird von der allmächtigen Gottkaiserin und ihrem Hexenorden beherrscht. Alle fünf Standardjahre werden junge Frauen als Bräute ausgewählt und zu ihr auf die Thronwelt gebracht. Niemand weiß, was mit den Mädchen dort geschieht - sie wurden nie wieder gesehen.
Nun ist die Wahl auf die junge Adelige Iniza Talantis gefallen, die in der Baronie Koryantum lebt. Sie soll nun an Bord einer riesigen Raumkathedrale von den Hexen nach Tiamande zur Gottkaiserin gebracht werden und sich ihrem Schicksal ergeben. Doch Iniza hat andere Pläne. Zusammen mit ihrem heimlichen Geliebten Glanis hat sie einen Plan geschmiedet. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse - zusammen mit dem geheimnisvollen Waffenmeister Kranit -um den sich einige Mythen ranken- und der Alleshändlerin Shara Bitterstern versuchen sie die Pläne der Hexen zu durchkreuzen. Ein gefährliches Abenteuer führt sie quer durch das Reich zu fernen Planeten und unbekannten Wegen. Doch während die vier unterschiedlichen Menschen um ihre Zukunft kämpfen, entdecken sie während ihr Flucht etwas, dass das Leben im gesamten Reich Tiamande für immer verändern könnte...
Ist an den vielen Mythen und Legenden, die Iniza in ihrer Kindheit gehört hat, doch etwas Wahres dran?

"Sie durfte nicht daran denken, dass einzig sein Griff um den Lauf sie davon abhielt, hilflos ins All zu driften. Das Panorama der funkelnden Sterne, dessen Schönheit sie am Fenster überwältigt hatte, entpuppte sich jetzt als Abgrund, über den sie wie an einem seidenen Faden baumelte." - Seite 36

Der neue Roman von Kai Meyer hat einiges zu bieten. Ein packendes Abenteuer in einer fernen Galaxie, mit mächtigen Raumkathedralen, besonderen Raumschiffen, Laserwaffen und vielem mehr. Ein besonderes Extra wartet gleich zu Beginn des Buches: Auf mehreren Doppelseiten gibt es anhand mehreren Illustrationen schon vorab einen tollen Einblick in die Geschichte. Diese stammen von Jens-Maria Weber.
Beeindruckend ist auch die Galaxis mit ihren Reichen, Planeten und deren unterschiedlichen Machtverhältnissen. Dank der ausführlichen Beschreibungen zu Anfang fällt einem der Einstieg in die Geschichte schon nach ein paar Seiten sehr leicht. Es gibt tolle Beschreibungen zu den Welten, den Laserwaffen und den einzelnen Fahrwerken. Im Mittelpunkt stehen hier u.a. die mächtigen Raumkathedralen des Hexenordens oder auch die Nachtwärts - das beeindruckende Raumschiff mit ihrem besonderen Aussehen. Zu allem gibt es detailreiche Ausführungen, jedoch wird es nie zu technisch. Neben den verschiedenen Schauplätzen gibt es auch eine spannende Handlung mit interessanten Charakteren. Im Mittelpunkt steht die junge Frau Iniza, die als Braut der Gottkaiserin ein ungewisses Schicksal erwartet - doch die Pläne hat sie zusammen mit einigen Helfern schnell durchkreuzt...
Sehr gefallen haben mir auch die Abbildungen vorne und hinten in der Klappenbroschur, die es zusätzlich zu den Illustrationen gibt. Es gibt Abbildungen der Galaxis und des Reichs Tiamande, sowie eine Skizze der Nachtwärts, dessen Aussehen ich besonders toll finde. Zusammen mit dem leicht schimmernden Cover ist das Buch ein sehr schöner Hingucker.

"Die Nachtwärts stand am Ende der Plattform, sie konnte ein kleines Stück davon zwischen den übrigen Schiffen erkennen. Shara spürte einen Anflug von Euphorie, der an einem Ort wie diesem tödlich sein konnte, weil er sie unvorsichtig machte, Man hatte ihr die Schwingen gestutzt, aber nicht abgeschnitten. Bald würde sie wieder fliegen." -Seite 87

Mein Fazit: Space-Fantasy vom Feinsten! Mich hat dieser Roman sehr positiv überrascht - toll geschrieben mit vielen phantastischen Elementen, spannender Science Fiction und einer sehr packenden Handlung - alles angesiedelt in einem beeindruckenden Universum. Die Krone der Sterne ist eines von jenen Büchern, die man, einmal angefangen, am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Die Handlung hat vieles zu bieten - sie hält einige Überraschungen bereit, ganz besonders zum Ende hin. Lasst euch überraschen... Ich kann dieses Buch allen empfehlen, die Lust auf ein spannendes Abenteuer haben. Sehr lesenswert!

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Tags: die krone der sterne, galaxis, kai meyer, science-fiction, space-fantasy   (5)
 
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