Leserpreis 2018

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64 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

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Flammen und Seide

Petra Schier
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 18.12.2018
ISBN 9783499273551
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe schon einige Bücher von Petra Schier gelesen und alle haben mir gefallen – dieses hier hat mir aber besonders gut gefallen und ist so zu meinem Lieblingsbuch der Autorin geworden.

Eigentlich ist es eine Dreiecksgeschichte vor historischem Hintergrund und obwohl ich so was eigentlich nicht mag, hatte ich hier doch große Lesefreude. Im Mittelpunkt stehen Madlen, Peter und Lucas. Madlen ist Peter versprochen und wird ihn heiraten, sobald er zurück in der Heimat ist. Dass gerade nach seinem Eintreffen auch der Jugendfreund Lucas wieder in Rheinbach auftaucht, um einen Verräter im Konflikt zwischen Holländern und Franzosen zu stellen, bringt Madlen völlig durcheinander, und sie ist sich ihrer Gefühle nicht mehr sicher. Doch sie muss sich für einen entscheiden.

Die ganze Geschichte spielt in Rheinbach, im Jahr 1673. Zwischendurch gibt es immer wieder Rückblicke ins Jahr 1668, in denen erzählt wird, warum Lucas aus Rheinbach verschwunden ist. Und beide Erzählstränge waren wirklich spannend – der von 1668, weil es tatsächlich um Leben und Tod, um Ehre und Schuld geht und man die drei Hauptfiguren in jüngeren Jahren kennenlernt, der von 1673, weil nicht nur die Liebesgeschichte im Mittelpunkt steht, sondern auch die Suche nach dem Verräter und der Krieg an verschiedenen Fronten. Geschickt hat die Autorin die fiktive Geschichte ins historische Geschehen eingewebt, und ganz nebenbei lernt man noch einiges über die damalige Zeit.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und bei jedem hatte ich ein genaues Bild vor Augen. Madlen entwickelt sich vom erst noch ein wenig naiven Mädchen zu einer gestandenen Frau, die sich auch im kaufmännischen Bereich durchzusetzen weiß, Peter ist ein sehr optimistischer Mensch, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt, dennoch hatte ich bei ihm immer das Gefühl, dass sich hinter seiner Frohnatur doch noch etwas gemeines verbirgt. Lucas wirkt zunächst wie ein Halodri, erst im Laufe der Geschichte lernt man auch bei ihm andere Seiten kennen; geschätzt habe ich bei ihm sein Verantwortungsbewusstsein, wenn es um wichtige Dinge geht. Insgesamt sind die Figuren aber eher modern geraten und so wohl ich mich beim Lesen gefühlt habe, weil auch der Schreibstil fluffig und flüssig zu lesen ist, dazu lebendig und voller Atmosphäre, so wenig glaubhaft waren manche Figuren, denn sie passten einfach nicht richtig in ihre Zeit. Zu modern die Ansichten, zu viel Verständnis den Frauen gegenüber und gerade auch die Eltern waren mir zu offen und gutmütig. Das ist auch der Grund, warum es keine 5 Sterne geworden sind – trotzdem hatte ich tolle Lesestunden und fand die Geschichte von Anfang bis Ende spannend. Gerne gebe ich daher gute 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch unbedingt weiter.

Mein Fazit
Auch wenn die Figuren nicht immer ihrer Zeit entsprechend gehandelt haben und dadurch doch ein wenig die Authentizität verloren geht, hatte ich schöne Lesestunden mit diesem von Anfang bis Ende spannenden Schmöker. Die Figuren sind sehr gut gezeichnet, die verschiedenen Erzählstränge spannend und lehrreich zugleich – ich fühlte mich gut unterhalten und gebe gute 4 von 5 Sternen.

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

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Die Rose des Herzogs: Roman

Marita Spang
E-Buch Text: 683 Seiten
Erschienen bei Knaur eBook, 01.09.2018
ISBN 9783426441572
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ein toller Roman, in dem Marita Spang es erneut schafft, Fiktion und Wirklichkeit so geschickt zu vermischen, dass eine spannende und fesselnde Geschichte entsteht und man ganz nebenbei auch noch einiges über die Zeit der französischen Revolution lernt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Charlotte de Rohan-Rochefort, eine zwar unbekannte, aber nicht minder starke Persönlichkeit, deren Leben von der französischen Revolution geprägt ist. Sie muss fliehen, das Land verlassen und immer wieder um die Liebe ihres Lebens kämpfen.

Gefallen hat mir, dass man ganz nebenbei viele historische Fakten erfährt und die französische Revolution mal aus ganz anderer Sicht erlebt, nämlich aus Sicht der Bevölkerung, die im Alltag ums Überleben kämpft, um ihre Lieben bangt und sich ihres Lebens nicht sicher sein kann. Mit Charlotte hat sich die Autorin eine sympathische und gleichzeitig auch interessante Persönlichkeit ausgesucht, die ich gerne begleitet habe. Sie ist eine mutige und starke Person, die leider nicht immer so kann, wie sie gerne möchte und damit auch eine Frau ihrer Zeit ist und bleibt. Ich mochte ihre anpackende Art, ihre Beharrlichkeit und ihren Optimismus – und den zu behalten war in der aufregenden Zeit Napoleons nicht immer einfach. Charlotte ist aber auch eine tragische Figur und so sehr ich sie mochte, so sehr habe ich auch mit ihr gelitten. Auch ihr Liebster Louis-Antoine ist mir rasch ans Herz gewachsen – auch wenn ich ihn wegen seiner Sturheit manchmal hätte schütteln wollen. Aber er hat seine Ideale, die er nicht aufgibt, auch wenn er darunter zu leiden hat. Und auch er ist ein Mann seiner Zeit, der Konventionen unterliegt, die man heute nicht mehr nachvollziehen kann. Auch die anderen Figuren sind sehr gut gezeichnet, und man merkt, dass sich die Autorin mit ihnen beschäftigt hat, weil sie auch jeder noch so kleinen Figur wirklich Leben einhaucht.

Die Geschichte wird im Rückblick erzählt, aus Sicht der nun sterbenden Charlotte. Der Schreibstil ist der Zeit angemessen, dennoch aber gut zu lesen und sehr lebendig. Die Autorin versteht es, Atmosphäre zu schaffen und mich als Leserin in die Geschichte zu ziehen – ich hatte nicht nur alle Schauplätze genau vor Augen, sondern fühlte mich als Teil der Geschichte.

Während ich das erste Drittel des Buches noch ein wenig langatmig fand, hat sich das dann im letzten Drittel drastisch geändert – hier überschlagen sich die Ereignisse, es ist spannend, und ich konnte das Buch nur schlecht aus der Hand legen. Und obwohl man den Ausgang der Geschichte kennt, will man doch wissen, wie es denn nun dazu kommen konnte.

Ich habe „Die Rose des Herzogs“, dessen Titel nicht passender sein könnte und der sich im Laufe des Buches erklärt, sehr gerne gelesen. Nur im ersten Drittel habe ich mich ein wenig schwer getan, weil ich noch nicht so richtig gefesselt war – ich gebe daher gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Wieder ist der Autorin gelungen, Wahrheit und Fiktion geschickt miteinander zu verknüpfen und so einen lehrreichen wie auch spannenden historischen Schmöker zu schreiben. Zwar braucht die Geschichte etwas Zeit, um richtig in Gang zu kommen, dann aber ist sie spannend und fesselt, so dass man das Buch kaum aus den Händen legen kann. Der lebendige Schreibstil, die sehr gut gezeichneten Charaktere und die sympathische Protagonistin lassen den Leser richtig eintauchen in die Geschichte. Ich gebe gute 4 von 5 Sternen.

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106 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 48 Rezensionen

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Gut Greifenau - Abendglanz

Hanna Caspian
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.11.2018
ISBN 9783426521502
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich liebe Familiengeschichten und war deshalb sehr gespannt auf diese neue Reihe – trotz der einen oder anderen Schwachstelle wurde ich gut unterhalten und hatte schöne Lesestunden.

Mittelpunkt ist Gut Greifenau – hier leben Herrschaft und Bedienstete unter einem Dach. Konstantin ist der älteste Sohn des Gutsherrn und versucht, sich mit Innovationen gegen seinen eher konservativen Vater durchzusetzen. Doch dieser ist davon gar nicht überzeugt – und sicherlich würde es ihm auch nicht gefallen, wenn Konstantin ihm seine Liebe zu einer „Bürgerlichen“ gesteht. Auch die Jüngste, Katharina, hat unter diesen Konventionen zu leiden – in die Gesellschaft eingeführt, soll sie den Neffen von Kaiser Wilhelm heiraten, doch ihr Herz schlägt für einen ganz anderen. Mit völlig anderen Sorgen schlägt sich die Dienerschaft rum – das Stubenmädchen Wiebke sucht ihre Geschwister, der neue Kutscher Albert Sonntag verdreht nicht nur den Frauen den Kopf, sondern birgt zudem noch ein Geheimnis, der Hausdiener Caspers ist ganz schön garstig zu den Bediensteten, bis Mamsell Schott herausfindet, warum er sich so verhält.

Es gibt nicht nur einen Protagonisten, um den sich die ganze Geschichte dreht, es sind eigentlich alle Bewohner von Gut Greifenau, die im Mittelpunkt stehen – mal mit schönen Ereignissen, mal mit Geheimnissen oder den nicht eingehalten Konventionen der damaligen Zeit. Man bekommt einen tollen Einblick, wie ein Gut seinerzeit funktionierte, auch wie die Menschen zueinander standen, wie sie miteinander umgingen, sowohl zwischen den verschiedenen Schichten als auch innerhalb der eigenen Reihen. Das hat mir wirklich sehr gut gefallen, vor allem auch, weil die Geschichte lebendig erzählt ist – es sind nicht immer nur die großen Ereignisse, auch an alltäglichen Sorgen und Freuden nimmt man als Leser teil.

So unterschiedlich die Päckchen sind, die getragen werden, so unterschiedlich sind auch die Charaktere. Da hat die Autorin wirklich großes geleistet, so echt und authentisch wie sie die Figuren gezeichnet hat. Jeder hat eine eigene Geschichte, die man früher oder später auch erfährt, jeder hat gute, aber auch schlechte Seiten und so wirken alle Figuren, wie aus dem Leben gegriffen. Und so unterschiedlich die Figuren sind, wird auch jeder Leser einen finden, der ihm sympathisch ist und mit dem man fiebern kann.

Obwohl ich die Atmosphäre im Buch sehr mochte und gerade auch der Alltag gut beschrieben wurde, fand ich die erste Hälfte der Geschichte doch etwas langatmig – spannend wird es erst in der zweiten Hälfte und dort wird das Buch dann auch zum Pageturner. Es gibt verschiedene Ereignisse, bei denen man wissen will, wie sie nun ausgehen – nur leider werden in diesem ersten Band nicht alle auch wirklich aufgelöst. Das Ende des Buches kommt ziemlich plötzlich und wirkt eher wie abgeschnitten, als denn wie ein Abschluss – schade; dafür aber bin ich nun gespannt auf den nächsten Band. Ich gebe diesem ersten Teil 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Geschickt hat die Autorin die vielen verschiedenen Figuren der Geschichte eingeführt, so dass man sie nach und nach kennenlernt und sich dann auch als Teil von Gut Greifenau fühlt. Dabei sind es nicht immer nur große Sorgen, auch die kleinen Nöte des Alltags werden aufgegriffen. Es gibt Intrigen, Konventionen und Geheimnisse, aber auch Zusammenhalt und Freundschaft. Leider nur fand ich die erste Hälfte doch etwas langatmig, erst die zweite war dann spannend, und ich dann neugierig, wie es weitergeht. Daher gebe ich 3,5 von 5 Sternen.

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73 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

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Die Ärztin - Stürme des Lebens

Helene Sommerfeld
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.11.2018
ISBN 9783499274008
Genre: Historische Romane

Rezension:

Der erste Band der Trilogie um die Ärztin Ricarda Thomasius hatte mir ja sehr gut gefallen, da konnte die Fortsetzung leider nicht ganz mithalten - dennoch hatte ich schöne Lesestunden.

Auch dieser Band ist wieder sehr lebendig, weil scheinbar immer irgendetwas passiert, ohne dass die Geschichte aber atemlos oder hektisch wird. Dabei bleibt man mit Ricarda nicht nur in München, sondern entdeckt auch noch ganz andere Orte und Welten – und das war für mich so nicht abzusehen und entpuppte sich als interessante Wendung. Zu den verschiedenen Handlungsorten gibt es noch viele familiäre Tumulte – und hier hat die Autorin auch nicht an Ereignissen gespart. Es geht um Kinder und Liebe, um Hochzeit und Tod, um Krankheit und verbotene Liebschaften und noch einige andere, zum Teil sehr dramatische Entwicklungen. Hatte mir am ersten Band vor allem auch die historische Medizin sehr gut gefallen, ist sie auch jetzt noch vorhanden, aber nicht mehr ganz so im Vordergrund; ebenso der Krieg, der immer nur am Rande erwähnt wird, dennoch aber stets präsent ist.

Es sind jetzt vor allem auch die Kinder Ricardas, die im Mittelpunkt stehen, und da hat sich die Autorin viel einfallen lassen. Auch hier gibt es wahrlich viele Höhen und vor allem auch Tiefen, und insgesamt hatte ich bei diesem Band eher das Gefühl, dass die Stimmung gedrückt und oft melancholisch ist – der im ersten Band noch vorherrschende Optimismus ist hier leider verlorengegangen. Auch die Auslandsaufenthalte, die viel Potential hatten, lebendig und interessant zu werden, waren mir zu dröge. Irgendwie ist es nicht gelungen, die Atmosphäre der verschiedenen Länder einzufangen, so dass sich bei mir auch kein spezielles Gefühl für das Land entwickelt hat.

Zwar passiert im Buch die ganze Zeit sehr viel und gerade am Ende wird es dann auch geradezu melodramatisch, leider aber dreht sich diesmal sehr viel um das Thema Liebe – und einen Liebesroman hatte ich eigentlich nicht erwartet. Und so war ich letztlich doch ein wenig enttäuscht, auch wenn sich das Buch wieder flüssig hat lesen lassen durch den sehr lebendigen und eingängigen Schreibstil, der die Seiten wirklich schnell dahinfliegen lässt.

Das Ende bietet dann einen fiesen Cliffhanger, und eigentlich kann man auch gar nicht von einem Schluss sprechen, denn eher hat man das Gefühl, dass die Geschichte einfach mittendrin unterbrochen ist. Jetzt heißt es leider warten auf den Abschlussband – diesem hier gebe ich knappe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Wieder gibt es viele Ereignisse, die das Buch lebendig machen, diesmal ist es aber nicht die Medizin, die im Vordergrund steht, sondern vielmehr familiäre Tumulte und schwierige Liebschaften. Die Geschichte spielt diesmal nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern – und so toll ich diese Idee fand, so wenig Atmosphäre hat mich hier leider erreicht. Dafür aber ist der Schreibstil sehr gelungen und gut lesbar, und natürlich war es schön, die alten Bekannten wiederzutreffen. Der Cliffhanger am Ende ist sehr gemein – so bleibt mir nur, auf den nächsten Band zu warten. Diesem hier gebe ich knappe 4 von 5 Sternen.

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39 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Der Hexenjäger

Astrid Fritz
Flexibler Einband: 446 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 20.11.2018
ISBN 9783499274671
Genre: Historische Romane

Rezension:

Manches habe ich etwas oberflächlich und konstruiert empfunden, trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter, gerade auch an solche Leser, die noch nicht so viel im Genre „historischer Roman“ gelesen haben.

Der Titel „Der Hexenjäger“ lässt vermuten, dass tatsächlich Heinrich Kramer, bekannt auch als Autor des Hexenhammers, im Mittelpunkt der Geschichte steht – dem ist aber nicht so, auch wenn er eine wichtige Figur in der Geschichte ist und man viele Einblicke in seine Kindheit und Jugend erhält, die erklären sollen, warum er sich der Hexenverfolgung verschrieben hat. Hauptfigur ist aber die junge Susanna Mittnacht, die nach dem Tod der Mutter zunächst den Haushalt führt, dann aber verheiratet wird und nach Straßburg zieht. Hier führt sie eine ungewöhnliche, ruhige Ehe, bis der Inquisitor Heinrich sie als Hexe bezichtigt und ihr einen Prozess machen will.

Die Geschichte ist – sieht man mal vom letzten Viertel ab – eher eine ruhige, und so erfährt man viel Alltägliches aus der damaligen Zeit. Mir hat diese ruhige Erzählweise gefallen, wohl auch, weil sich die Geschichte langsam aufbaut und so in sich dann schlüssig ist. Ob Heinrich aber tatsächlich dieser unsympathische und nachher auch wahnhaft kranke Mensch ist, als der er hier dargestellt wird, ist meines Erachtens nicht sicher bewiesen – dennoch aber ist es ein durchaus nachvollziehbarer Erklärungsversuch der Handlungen des Inquisitors.

Susanna ist dagegen eine Figur, die ich sofort ins Herz geschlossen habe, auch wenn sie mir an manchen Stellen zu lieb gewesen ist – dafür hat sie ein großes Herz und ist einfach liebenswert. Dass sie sich nicht mehr auflehnt, ist sicherlich auch der Zeit geschuldet, in der die Geschichte spielt.

Während die ersten drei Viertel der Geschichte leise vor sich hin plätschern und nur ganz im Hintergrund eine subtile Spannung aufgebaut wird, ändert sich das im letzten Viertel. Hier war ich richtig gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zwar schien mir hier einiges konstruiert, das hat aber der Spannung keinen Abbruch getan. Auch das Ende scheint mir nicht richtig glaubwürdig und hier hat die Autorin für mich zu tief in die Zauberkiste gegriffen. Trotzdem war ich gefesselt und hatte schöne Lesestunden. Daher gebe ich 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein eher ruhiger, unterhaltsamer Roman, in dem Heinrich Kramer, dem Autor des „Hexenhammers“ eine wichtige Rolle einnimmt. Letztlich aber steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die aus ihrer Sicht die Ereignisse Ende des 15. Jahrhunderts im Elsass erzählt. Ich habe die sympathische Susanna gerne begleitet und hatte interessante Lesestunden – daher gebe ich 4 von 5 Sternen.

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

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Leise rieselt das Glück

Debbie Macomber , Nina Bader
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 01.10.2018
ISBN 9783734106521
Genre: Liebesromane

Rezension:

Eine schöne und kitschige Weihnachts-Liebesgeschichte, die zwar vorhersehbar ist, mich aber dennoch gut unterhalten hat - und genau das hatte ich auch erwartet.

Diesmal hat die Autorin sich dem Online-Dating verschrieben – Merry hat nur wenig Zeit, daher hat ihre Familie sie kurzerhand bei einer online-Dating-Plattform angemeldet. Und es dauert auch gar nicht lange, bis sich jemand bei ihr meldet. Dass sie diesen jemand im real life schon kennt und ihn eigentlich total unsympathisch findet, ahnt sie nicht, denn beim Schreiben mit ihrem neuen „Fang“ hat sie Schmetterlinge im Bauch - bis die beiden sich dann endlich persönlich kennenlernen.

Natürlich weiß man als Leser von Anfang an, wie die Geschichte ausgehen wird, trotzdem wurde ich gut unterhalten. Nicht immer konnte ich die Figuren in ihrem Handeln verstehen, trotzdem habe ich sie gerne begleitet. Erzählt wird die Geschichte sowohl aus Merrys als auch aus Jaysons Perspektive, so dass ich oft schmunzeln musste, was der eine gerade über den anderen denkt. Dabei ist der Schreibstil sehr locker und umgangssprachlich, mit einer angenehmen Prise Humor ohne dabei die schöne Botschaft, dass die inneren Werte und nicht das Aussehen zählen, aus den Augen zu verlieren. Schnell sind die Seiten dahingeflogen, und für einen kuscheligen Winternachmittag ist diese Geschichte genau richtig.

Merry mochte ich gerne, auch wenn ich in manchen Situationen anders gehandelt hätte. Obwohl sie manchmal ein wenig zickig wirkt, hat sie ein großes Herz, das merkt man vor allem, wenn sie von und mit ihrem Bruder spricht. Mit ihm geht sie sehr liebevoll um. Jayson macht erst einen sehr unsympathischen Eindruck und er weiß sehr gut, seinen Charme und sein großes Herz zu verstecken. Aber nach und nach lernt man auch ihn näher kennen – und ich zumindest auch schätzen.

Am Ende trägt die Autorin für meine Verhältnisse dann doch etwas dick auf, und die eine oder andere Situation hätte es für mich nicht geben müssen. Trotzdem wurde ich insgesamt gut unterhalten und gebe daher 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine schöne, wenn auch vorhersehbare, Liebesgeschichte, die in der Weihnachtszeit spielt und mich gut unterhalten hat. Genau das richtige für einen kuscheligen Winter-Nachmittag auf der Couch – ich musste viel Schmunzeln beim Lesen, trotzdem geht die schöne Botschaft des Buches nicht verloren. Lediglich am Ende ging es mir zu sehr drunter und drüber – trotzdem gebe ich gerne 4 von 5 Sternen.

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41 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 15 Rezensionen

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Traum des Lebens

Jeffrey Archer , Martin Ruf
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.11.2018
ISBN 9783453271876
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich hatte hohe Erwartungen an das neue Buch von Jeffrey Archer, da ich seinen Schreibstil sehr mag und die Atmosphäre, die er schafft; und tatsächlich hat mich der Autor auch diesmal wieder packen können, und ich habe den Schmöker in kurzer Zeit durchgelesen.

Die Idee des Buches finde ich grandios – der junge Alexander flüchtet mit seiner Mutter aus Russland, und eine Münze entscheidet, ob es nach England oder nach Amerika geht. Doch der Autor entscheidet sich dann nicht für einen Weg, sondern spinnt zwei Geschichten – was ist aus Alexander geworden, den es in die Staaten verschlagen hat, was aus Sascha, der in London gelandet ist. Beide Handlungsstränge waren interessant, und obwohl sie eigentlich gar nicht so unterschiedlich waren und es einige Gemeinsamkeiten in den beiden Lebenswegen gab, sind es doch zwei ganz verschiedene Geschichten mit zwei unterschiedlichen Protagonisten.

Wer Jeffery Archer kennt, weiß um seinen einnehmenden Schreibstil. Nicht nur, dass er gut und flüssig zu lesen ist, wird zudem noch eine unglaubliche Atmosphäre aufgebaut, und es entsteht ein ganz eigener Sog, der mich nur schwer das Buch hat aus der Hand legen lassen. Immer abwechselnd wird die Geschichte von Alex und Sascha erzählt – kleine Cliffhanger am Ende eines Kapitels halten die Spannung hoch. Der Protagonist Sascha bzw. Alex war mir sehr sympathisch, auch wenn er nicht an den Charme des Protegierten der Clifton-Saga herankommt. Trotzdem habe ich die beiden auf ihren unterschiedlichen Lebenswegen gerne begleitet. Nicht so gelungen finde ich die sehr stereotype Schwarz-Weiß-Malerei ¬- es gibt tatsächlich nur die Guten und die Schlechten und leider hat ein Guter überhaupt keine Ecken oder Kanten und die Schlechten sind tatsächlich nur eins: durch und durch böse. Das wirkt auf mich leider wenig glaubhaft und nimmt der Geschichte viel Authentizität.

Schade fand ich auch, dass es wieder ähnliche Themen wie in der Clifton-Saga sind, die aufgegriffen werden – es geht um Wahlen und Politik, um Schmuggel und Betrug, um Aufstieg und Fall. Wer bisher noch kein Buch des Autors gelesen hat, dem wird das bestimmt sehr gut gefallen, ich dagegen hatte leider an einigen Stellen Déjà-vus. Trotzdem ist die Geschichte sehr unterhaltsam und vermochte auch zu fesseln. Gerade auch einige Anspielungen auf tatsächlich existierende Politiker mochte ich oder auch das Wiedersehen von Figuren aus der Clifton-Saga.

Auch wenn ich einige Parallelen zu anderen Büchern des Autors erkennen musste, wurde ich gut unterhalten und hatte schöne Lesestunden – ich gebe 4 von 5 Sternen.

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220 Bibliotheken, 15 Leser, 0 Gruppen, 62 Rezensionen

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Die Suche

Charlotte Link
Fester Einband: 656 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 01.10.2018
ISBN 9783764504427
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich bin ein großer Charlotte Link-Fan und habe mich deshalb sehr auf ihr neues Buch gefreut – leider aber konnte mich die Autorin diesmal gar nciht überzeugen, dafür war mir die Geschichte über lange Strecken einfach zu langatmig.

Ein totes Mädchen, ein Verschwundenes und dann noch ein Vermisstes – die Polizei tappt lange im Dunkeln und tritt bei ihren Ermittlungen auf der Stelle. Detective Kate Linville ist zufällig vor Ort und ermittelt auf private Faust – und kommt damit nicht nur dem Täter auf die Schliche, sondern gerät auch in große Gefahr.

Der Plot klang interessant, auch wenn die Autorin auf Altbekanntes zurückgreift, die Umsetzung aber hat mir aber leider gar nicht gefallen. Nach einem spannenden Einstieg bleibt die Geschichte dann lange Zeit sehr ruhig – für mich zu ruhig, denn ich hatte gar nicht das Bedürfnis weiterzulesen, weil das „Auf-der-Stelle-Treten“ der Polizei und das ständige Wiederholen der wenigen vorhandenen Fakten einfach nur langweilig war. Leider hat die Autorin mich in dieser Zeit auch nicht mit anderen Geschehnissen, Charakteren oder Beschreibungen fesseln können, und ich musste lange warten, bis wieder etwas Schwung in die Geschichte kam. Erst im letzten Drittel war ich dann gefesselt und hier bin ich auch mehrfach überrascht worden – als Täter hatte ich jemand ganz anderen im Visier, die Auflösung war etwas konstruiert und daher überraschend, trotzdem konnte ich mit ihr gut leben. Vielleicht hat mich die erste Hälfte auch so gelangweilt, weil ich die Charaktere fast alle unsympathisch fand. Detective Kate hat ein großes Problem mit ihrem Selbstbewusstsein und hat mich damit sehr genervt, ihr Kollege Caleb erfüllte das Klischee des ehemaligen Alkoholikers, der nur allzu oft kurz vor dem Rückfall steht. Richtig gut gezeichnet fand ich nur eines der verschwundenen Mädchen, das vor Energie nur so strotzte und einen starken Überlebenswillen hatte – am Ende fand ich hier eine Situation zwar auch etwas übertrieben, trotzdem habe ich mit ihr tatsächlich gefiebert. Bei Kate und Caleb kann ich das leider nicht behaupten, auch wenn Kate dann doch irgendwann ihre Frau steht und über sich selbst hinauswächst.

Interessant fand ich die Kapitel, in denen der Täter zu Wort kommt und er seine Gedanken und Gefühle beschreibt. So krank dieser Mensch auch ist, so interessant waren aber die Einblicke in seine Psyche.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig zu lesen, manche Dialoge wirken etwas hölzern und leider hat die Autorin diesmal auch nicht eine besondere Atmosphäre einfangen können. Der Aufbau der Geschichte ist interessant mit seinen wechselnden Perspektiven und Zeitebenen, wer aber schon andere Bücher von Charlotte Link gelesen hat, dem wird dies nicht ganz unbekannt sein.

Insgesamt kann ich dem Buch leider nur 3 von 5 Sternen vergeben, weil die erste Hälfte viel zu langatmig war und es mir an Spannung einfach gefehlt hat. Und das konnten leider auch die Charaktere nicht wettmachen, weil sie zu blass und unsympathisch gewesen sind. Schade – für mich leider eine Enttäuschung.

Mein Fazit
Dieses Buch konnte mich trotz den ansprechenden Plots leider gar nicht überzeugen – zu langatmig in der ersten Hälfte, Charaktere, die mich nicht einfangen konnten und die zum Teil auch etwas klischeehaft geraten sind. Im letzten Drittel nimmt die Geschichte dann aber doch noch Fahrt auf und konnte mich dann auch fesseln. Dennoch kann ich leider nicht mehr als 3 von 5 Sternen vergeben.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

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Um Reich und Krone

Philippa Gregory , Anja Schünemann
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.09.2018
ISBN 9783499274602
Genre: Historische Romane

Rezension:

Über die drei Grey-Schwestern hatte ich bisher noch nichts gelesen, daher war ich sehr gespannt auf diesen zweiten Band der „Das Erbe der Tudors“-Reihe. Den Einstieg fand ich noch etwas schwierig, nachdem ich mich dann aber bei all den Personen orientiert hatte, war ich gefesselt und habe die Lektüre sehr genossen.

Es gibt drei Teile im Buch und jeder Teil wird aus Sicht einer Schwester geschrieben. Zunächst geht es um Jane, die als sogenannte 9-Tage-Königin bekannt geworden ist. Sie erzählt von ihrem Aufstieg, ihrer Zeit als Königin ihrer Religion und ihrer Gefangenschaft im Tower, bevor sie dann auf dem Schafott landet und hingerichtet wird. Im zweiten Teil steht Katherine im Mittelpunkt, die sich ganz anders als ihre große Schwester nicht der Religion verschrieben hat, sondern frivoler rüberkommt und voller Lebenslust und Energie steckt. Doch ihr Wunsch nach Liebe und ihre heimliche Hochzeit werden ihr zum Verhängnis, und letztlich erwartet sie ein ähnliches Schicksal wie ihre Schwester Jane. Der letzte Abschnitt wird von Mary erzählt, der kleinwüchsigen Schwester, die zwar nur 4 Fuß misst, dafür aber kraftvoll und selbstbewusst rüberkommt. Doch auch sie wird zum Opfer ihrer Liebe und muss ähnlich wie ihre Schwestern lange Zeit in Gefangenschaft verbringen.

So unterschiedlich die Schwestern waren, so unterschiedlich waren auch ihre Geschichten – und doch verbindet sie alle eins, und genau das bringt sie alle drei zu Fall. Es ist die Liebe, der sie sich hingeben, egal ob der weltlichen oder der Liebe zu Gott. Janes Kapitel hatte zugegebenermaßen seine langatmigen Passagen, was aber ihrer langen Haft zu verdanken ist. Dafür aber ist ihre tiefe Religiosität wunderbar dargestellt, und ich bewundere Jane für ihre Standhaftigkeit und ihre Unerschütterlichkeit. Sie war keine sympathische Person, dennoch aber eine, der ich Respekt zolle. Anders war das bei Katherine, die erst im Laufe der Geschichte an Reife gewinnt – dann aber ist auch sie eine gestandene Frau, die für ihre Lebenslust bezahlen muss. Am meisten beeindruckt hat mich Mary, die es als Kleinwüchsige am Hof sicherlich nicht leicht hatte. Dafür besticht sie aber durch ihren wachen Verstand, und auch sie glänzt mit einem sympathischen Selbstvertrauen und lässt sich trotz widriger Umstände nicht unterkriegen.

Letztlich ist die Geschichte eine tragische und die Schwestern Grey hatten kein schönes Leben. Im Buch scheint alles an Elisabeth I. zu liegen, die bei Philippa Gregory nicht gut davonkommt und als verhärmte, neidische und gemeine Königin dargestellt wird. Sie scheint nur sich zu sehen und kann anderen kein Glück gönnen – schon mal gar nicht, wenn es um die wahre Liebe und langersehnte Kinder geht. Sie ist eine unerbittliche Königin und schreckt auch vor Intrigen nicht zurück. Dabei ist es in diesem Roman wenig politisch – vielmehr stehen die emotionalen Beziehungen im Vordergrund, das Weltgeschehen wird erst im letzten Teil von Mary angeschnitten.

Man sollte sich in der englischen Geschichte ein wenig auskennen, um in den vollen Genuss dieses Buches zu kommen. Gerade am Anfang war ich da auch ein wenig verwirrt und oft habe ich in den vorangestellten Stammbäumen der Tudors, Seymours und Dudleys nachgeschaut, wenn ich eine Person nicht zuordnen konnte. Es hat aber nicht lange gedauert und ich war drin in der Geschichte und habe die weitere Lektüre dann auch genossen.

Der Schreibstil ist angenehm und gut zu lesen, auch wenn er nicht immer einfach ist – dafür aber hat er die Atmosphäre sowohl der Zeit als auch der verschiedenen Orte sehr gut eingefangen. Und gerade bei den Haftumständen hatte ich viele Bilder vor Augen, so bildgewaltig sind die Beschreibungen.

Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe 4,5 von 5 Sternen – einen halben Stern ziehe ich nur ab, weil mir Elisabeth doch zu negativ dargestellt wurde.

Mein Fazit
Ein opulenter Roman über die drei Grey-Schwestern, die – jede in einem eigenen Kapitel – über ihre Leben berichten, die sehr beeinflusst waren von Königin Elisabeths zum Teil sehr willkürlichen Entscheidungen. Die drei Schwestern sind sehr unterschiedlich, und so sind auch ihre Erfahrungen völlig verschieden – auch wenn man letztlich das Gefühl hat, alle drei verbringen einen Großteil ihres Lebens in Gefangenschaft. Ich gebe diesem unterhaltsamen Roman 4,5 von 5 Sternen, der Abzug ist der negativen Darstellung Elisabeths geschuldet, die bei den Schilderungen Philippa Gregorys wirklich zu keinem Zeitpunkt gut wegkommt.

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29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

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Orpheus

Salih Jamal
Fester Einband: 268 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 15.11.2018
ISBN 9783752822847
Genre: Romane

Rezension:

Ich habe das Buch vorab schon testlesen dürfen und war deswegen natürlich mächtig stolz. Im Vergleich zur ersten Rohfassung hat sich ene Menge getan, im positiven Sinne – ich habe die Lektüre wirklich genossen; und wer offen ist für einen anderen, besonderen Stil, der sollte sich „Orpheus“ wirklich mal anschauen.

Ich kann gar nicht sagen, in welches Genre ist das Buch stecken würde – es ist eine Mischung aus Roman, Krimi, Charakterstudie und Essay; auf jeden Fall ist es besonders, und gefallen hat mir, dass es im letzten Drittel dann auch richtig spannend wird und ich das Buch nur schlecht aus der Hand legen konnte. Die erste Hälfte dagegen glänzt nicht durch Spannung, sondern durch die Gedanken und die Wortwahl.

Wer schon „Briefe an die grüne Fee“ kennt, weiß um den außergewöhnlichen Schreibstil des Autors, und auch in diesem Buch erkennt man ihn gut wieder. Ich würde den Stil als blumig und lyrisch bezeichnen, dennoch aber auch direkt und auf den Punkt. An manchen Stellen ist er sehr schnörkelig, an anderen wieder eher plump und hart – es ist eine sehr besondere Mischung, die mich völlig eingenommen hat, in die ich abtauchen und in der ich mich suhlen konnte. Auf jeden Fall entsteht so eine besondere Atmosphäre – sie ist dicht und voll durch Beschreibungen und Metaphern; in manchen Passagen war mir das tatsächlich ein wenig zu viel. Es gibt an einigen Stellen viel zu verdauen und viel Stoff zum Nachdenken – nicht, dass die Geschichte schwer ist, aber die vielen Bilder und Metaphern haben mich immer wieder das Buch zuklappen lassen müssen, um sie sacken zu lassen.

Die Idee der Geschichte ist klasse und auch nach Beenden habe ich noch lange drüber nachgedacht. Das Buch heißt nicht umsonst Orpheus, auch wenn es während des Lesens nicht immer offensichtlich war, warum der Titel so gewählt wurde. Am Ende aber gibt dann doch alles einen Sinn und der Kreis schließt sich zu einem runden Ganzen.

Die Charaktere sind alle gut durchdacht und der Autor nimmt sich Zeit, sie nacheinander vorzustellen. Sie sind alle stark und sehr authentisch – immer wieder habe ich mich gefragt, wie viel autobiographisches da drin steckt – denn die Charaktere wirken echt und wie aus dem Leben gegriffen. Stereotype findet man hier nicht, dafür aber richtige Charakterköpfe, die voller Ecken und Kanten stecken und damit unheimlich glaubhaft und lebendig erscheinen.

Mich hat der Autor auch mit diesem Buch wieder packen können – es ist vor allem sein Stil, den ich unheimlich gerne mag; seine Wortgewalt, die Metaphern und diese dichte, einhüllende Atmosphäre machen das Buch zu etwas Besonderem – es ist sicherlich nicht für jeden geeignet und man sollte sich an schönen Stilen erfreuen können, dann aber erhält man eine wirklich berauschende Sammlung von Bildern, Beschreibungen und Handlungen.

Mein Fazit
Man sollte sich eine Leseprobe gönnen, ob man den Stil des Autors mag, denn der ist besonders mit großer Wortgewalt, wunderschönen Bildern, ernüchternden Metaphern und einer unglaublichen Atmosphäre – mag man das, erhält man eine interessante Mischung aus Roman, Charakterstudie und Krimi. An manchen Stellen war mir die Stimmung zu dicht, trotzdem habe ich die Lektüre genossen und empfehle sie auch gerne weiter, wenn man sich mal auf etwas anderes, Neues einlassen möchte.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Das Weingut. In stürmischen Zeiten: Das Weingut 1 - Roman

Marie Lacrosse
E-Buch Text: 672 Seiten
Erschienen bei Goldmann Verlag, 23.07.2018
ISBN 9783641226411
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe mich sehr gefreut, als die Autorin mich ansprach, ihr neues Buch zu rezensieren, denn ich kenne sie von ihren Mittelalter-Romanen, die ich großartig finde. Diesmal entführt sie uns ins Elsass des 19. Jahrhunderts und damit auch in die Zeit des deutsch-französischen Kriegs. Es ist die Geschichte der Weinhändler-Familie Gerban, die ihren Sitz im elsässischen Weißenburg hat. Und die steht tatsächlich auch Im Mittelpunkt, über das Weingut selbst, die Herstellung des Weins und seinen Verlauf erfährt man leider nur sehr wenig. Dabei hatte ich mich gerade auch darauf gefreut, denn die Kulisse ist für mich neu, und ich hatte gedacht, auch darüber mehr Informationen zu erhalten.

Die Geschichte dreht sich um das Dienstmädchen Irene, das unter merkwürdigen Umständen in das Herrenhaus gelangt und sich schon bald in den Sohn des Weinhändlers verliebt. Ihrer Liebe werden Steine in den Weg gelegt, und unter keinen Umständen soll es zur Hochzeit kommen – und da spielt den beiden nicht nur der Krieg ein Schnippchen.

Es beginnt spannend mit einem Prolog, der 15 Jahre vor der eigentlichen Geschichte spielt und der neugierig macht auf das, was noch kommt. Vieles ist dann leider sehr vorhersehbar und ich hätte mir mehr Überraschungen und unerwartete Wendungen gewünscht, trotzdem sind die Seiten rasch dahingeflogen durch den lebendigen und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, wobei Irene immer den Mittelpunkt bildet.

Sie ist eine sympathische Figur, die leider schnell ihre anfangs erfrischende Neugierde und Keckheit verliert, um zu einer devoten Angestellten zu werden. Gemocht habe ich sie trotzdem und gerade in der zweiten Hälfte habe ich auch mit ihr gelitten und gefiebert – denn da wird ihr ganz schön zugesetzt. Denn nicht alle sind ihr wohlgesonnen, gerade in der Familie Gerban gibt es einige, die intrigant und gemein gegen sie vorgehen. Dabei scheinen gerade der Weinhändler Wilhelm, seine Frau Pauline und Tochter Mathilde mehrere Gesichter zu haben, mal erscheinen sie freundlich und nett, dann wieder hinterhältig und gemein. An manchen Stellen fand ich das überzogen und dadurch nicht glaubhaft, auch wie sich die Figuren entwickeln, war mir zu konstruiert. Aber gerade durch dieses Verhalten kommt in der zweiten Hälfte des Buches richtig Fahrt auf. Auch die Entwicklung und wie die Familie miteinander umgeht, fand ich etwas übertrieben, so dass ich den Fortgang der Geschichte leider nicht sehr glaubwürdig fand. Das Ende ist sehr offen gehalten und es gibt keinen richtigen Abschluss der Geschichte – so bin ich natürlich neugierig auf den 2. Band.

Sehr gut recherchiert sind die Erlebnisse während des Krieges – da ist mir wirklich oft ein Schauer über den Rücken gelaufen, so realistisch beschreibt die Autorin das Geschehen an der Front, aber auch im Lazarett. Und auch die Konflikte der Menschen, die in grenznahen Regionen wohnen, sind sehr gut dargestellt, wer früher noch Freund war, wird plötzlich zum Feind. Die politischen Zusammenhänge bleiben da eher im Hintergrund – das hat mich aber nicht weiter gestört.

Insgesamt hat mich der Roman gut unterhalten, auch wenn vieles vorhersehbar war und mancher Charakter etwas stereotyp geraten ist. Ich gebe daher knappe 4 von 5 Sternen und bin schon gespannt auf die Fortsetzung.

Mein Fazit
Die Autorin entführt ins Elsass des 19. Jahrhunderts und greift damit eine interessante Zeit auf. Im Mittelpunkt steht aber eine tragische Liebesgeschichte – vom Leben auf dem Weingut erfährt man leider nur wenig. Insgesamt gibt es wenige Überraschungen, trotzdem wurde ich gut unterhalten und durch den lebendigen Schreibstil in eine andere Zeit entführt. Ich gebe knappe 4 von 5 Sternen.

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69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

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Spätsommerliebe

Petra Durst-Benning
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 16.07.2018
ISBN 9783734106378
Genre: Romane

Rezension:

Wieder nach Maierhofen reisen zu können und all die liebgewonnenen Charaktere wieder zu treffen, war einfach wunderschön. Und auch wenn im Genießerdorf nicht immer alles glatt läuft und der eine oder andere sich in Problemen wälzt, ist die Geschichte doch leicht und locker und sehr unterhaltsam.

Zwar ist das Buch in sich abgeschlossen, dennoch empfehle ich, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen – nur so kann man wirklich mit den Einzelnen fiebern, da man sie ja von Band zu Band immer näher kennen lernt, mit all ihren Ecken und Kanten und natürlich auch guten Seiten.

Diesmal knistert es gewaltig in Maierhofen, nicht nur weil sich die Liebesroman-Autorin Michelle bei Christine eingemietet hat, sondern weil einige der neu gefundenen Paare darum kämpfen, ihre Liebe auch im Alltag zu erhalten. Und das ist nicht immer einfach. Man darf jetzt aber nicht denken, dass es eine schweres, problembehaftetes Buch ist – nein, trotz der vielen Kebbeleien bleibt die Geschichte locker und leicht. Der Autorin gelingt es, durch ihren lebhaften Schreibstil eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Immer wieder gibt es auch Situationen, die mich haben schmunzeln lassen, aber auch solche, in denen ich mich ertappt fühlte, weil ich mich in ihnen wiedererkannt habe. Der Schreibstil ist leicht und locker und lässt sich einfach und flüssig lesen – und so ist das Buch eine wunderbare Lektüre für einen schönen Sommertag.

Die einzelnen Charaktere sind mir noch mal mehr ans Herz gewachsen und immer noch lernt man neue Seiten an ihnen kennen. Schön ist auch die Entwicklung, die sie bis zum mittlerweile vierten Band der Maierhofen-Reihe durchgemacht haben – ich hoffe, dass noch weitere Bände folgen, denn ich tauche gerne ab in das kleine Genießerdorf im Allgäu. Für diese gute Unterhaltung gebe ich 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Man sollte die Vorgängerbände gelesen haben, um in den vollen Genuss dieses 4. Bandes der Maierhofen-Reihe zu kommen – dann kann man so richtig abtauchen in das kleine Genießerdorf mit seinen sympathischen Einwohnern. Auch wenn diesmal der Haussegen bei einigen schief hängt, ist die Geschichte doch leicht und locker und für einen ruhigen Sommertag bestens geeignet. Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe 4 von 5 Sternen.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Wie Treibholz im Sturm

Daniela Ohms
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur, 03.04.2018
ISBN 9783426654316
Genre: Romane

Rezension:

Das neue Buch von Daniela Ohms war anders und hatte nicht so einen starken Sog auf mich wie "Winterhonig", trotzdem aber war die Geschichte eindringlich, dicht erzählt und voller Atmosphäre.

Der Klappentext könnte einen denken lassen, es handelt sich um eine rührige Liebesgeschichte im Nachkriegsdeutschland, doch ich habe das ganz anders empfunden. Ja – es gibt auch eine Liebesgeschichte, aber vielmehr steht für mich die Frage der Schuld im Mittelpunkt. Wer hat Schuld am ganzen Kriegsgeschehen, am Leid, das gerade an der Front unbeschreiblich ist, in den Lazaretten, aber auch bei den Hinterbliebenen, die in Schutt und Asche um ihr Leben kämpfen, Hungersnöte und Kälte zu überstehen versuchen; ist mal als Mitläufer nicht auch schuldig oder kann man sich darauf zurückziehen, nur Befehlen gefolgt zu sein; jeder geht anders mit seinem Erlebten um, den einen zerfrisst die Schuld, andere überspielen sie mit bitteren Scherzen, wieder andere schweigen sich aus und versuchen zu vergessen.

Neben Hannah, die nach Schleswig-Holstein auf einen Gutshof evakuiert wurde, nachdem sie ihre ganze Familie verloren hat, stehen im Mittelpunkt noch drei Soldaten, mit denen sie sich eine kleine Dachkammer teilt. Nach anfänglichem Misstrauen und Unsicherheit, entwickelt sich zwischen den ungleichen Menschen langsam so etwas wie Freundschaft, bis sie alle von ihren unterschiedlichen Vergangenheiten eingeholt werden.

Die Geschichte ist sehr ruhig und obwohl es doch viel Schreckliches zu berichten gibt, bleibt die Erzählung leise, dafür aber umso eindringlicher. Sie gibt erschreckende Einblicke in die Nachkriegszeit, was die überlebende Bevölkerung durchmachen musste, wie sie um ihr Überleben hart kämpften. Nur langsam hat sich eine subtile Spannung aufgebaut, und ich muss gestehen, dass mir gerade die erste Hälfte des Buches doch ein wenig zu ruhig war. Dabei sind die Charaktere wirklich großartig gezeichnet – sehr differenziert und fernab jeglicher Klischees, mit Ecken und Kanten, so dass sie sehr authentisch wirkten.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, hauptsächlich steht dabei Hannah im Mittelpunkt. Es gibt aber immer wieder auch Abschnitte, in denen in die Vergangenheit geblickt wird, was einzelne Soldaten im Krieg an der Front erlebt haben; außerdem gibt es Tagebucheinträge, die das Geschehen nochmal aus einer anderen Sicht erzählen. So erhält man als Leser nach und nach ein umfassendes Bild – doch trotz des umfassendes Blicks auf die Dinge steht es mir nicht zu, ein Verhalten zu bewerten oder gar ein „Urteil“ zu fällen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, sehr dicht und voller Atmosphäre. An manchen Stellen war mir die Erzählweise ein wenig zu langatmig, trotzdem waren die Beschreibungen fantastisch und authentisch und vor meinen Augen sind viele Bilder entstanden – jetzt habe ich ein sehr konkretes Bild vom Nachkriegsdeutschland vor Augen.

Im Nachwort geht die Autorin auf die Idee zu diesem Roman ein – und interessant finde ich die Parallele zu den aktuellen Flüchtlingsproblemen. Insgesamt ist auch dieses Buch wieder sehr gelungen, auch wenn es mir trotz aller Eindringlichkeit und Atmosphäre an manchen Stellen zu ruhig und langatmig war. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle es allen, die sich für diesen Zeitabschnitt Deutschlands interessieren.

Mein Fazit
Eine eindringlich und dicht erzählte Geschichte, die ein sehr gutes Bild des Nachkriegsdeutschlands zeichnet; dabei steht die Liebesgeschichte gar nicht so sehr im Vordergrund, vielmehr die Schuldfrage der Soldaten, aber auch die der Hinterbliebenen. Nachdem mir die erste Hälfte ein wenig zu ruhig war, baut sich in der zweiten dann eine subtile Spannung auf – und ab da habe ich mich auch angekommen im Buch gefühlt. Ich gebe 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch auf jeden Fall an Interessierte weiter.

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141 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 47 Rezensionen

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Die Ärztin - Das Licht der Welt

Helene Sommerfeld
Flexibler Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.04.2018
ISBN 9783499273995
Genre: Historische Romane

Rezension:

Helene Sommerfeld ist ein Pseudonym, und dahinter verbirgt sich ein Autorenduo, das schon viele andere historische Romane geschrieben hat. Die Geschichte ist nicht nur gut recherchiert, sondern auch sehr lebendig erzählt. Kurzum - ich hatte großen Spaß beim Lesen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ricarda, die der Leser im 19. Jh. begleitet, von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter. Dabei erhält man nicht zu nur viele Einblicke in die damalige Zeit, die Lebensumstände verschiedener sozialer Schichten und deren Alltag, sondern auch zur Stellung der Frau in der Gesellschaft und speziell auch in der Medizin. Ricarda ist eine sympathische Protagonistin, die ich von Beginn an ins Herz geschlossen habe. Sie ist eine sehr herzliche Person, die sich gerne für die Menschen einsetzt. Sie brennt für die Medizin, und das schon fast bis zur Selbstaufgabe. Zum Glück kriegt sie immer wieder doch noch die Kurve und geht nicht vor lauter Arbeit und Engagement unter. Aber nicht nur Ricarda ist eine sehr gut gestaltete Figur, auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Bei jedem hatte ich ein genaues Bild vor Augen, so gut sind die Figuren gestaltet. Sie sind wunderbar beschreiben, haben eine eigene Geschichte und sind einfach sehr lebendig. Sie sind auch nicht einfach nur gut oder schlecht, sondern jeder hat gute wie auch schlechte Seiten.

Langweilig wird es in der Geschichte nie, dafür passiert einfach zu viel, ohne dass es aber zu rasant wird. Es gibt immer wieder Wendungen und unerwartete Ereignisse, die nicht nur kurzweilig zu lesen sind, sondern auch die Spannung erhöhen. Dass die Medizin dabei im Mittelpunkt steht, kann man sich sicherlich denken – zu medizinisch wird es aber nicht und auch auf abstoßende Beschreibungen hat die Autorin verzichtet. Also auch mit einem empfindlicheren Seelchen kann man sehr gut in diese Geschichte abtauchen und muss keine Angst vor blutigen Beschreibungen haben.

Es ist ein angenehmes Tempo, mit dem die Autorin den Leser durch die Geschichte führt. Lediglich am Ende gibt es eine Wendung, die mir gar nicht gefallen hat, die aber die Geschichte in eine bestimmte Richtung bringt, die anders nicht gelungen wäre. Mehr kann ich leider nicht dazu sagen, denn dann würde ich spoilern – wer das Buch aber gelesen hat, der weiß sicher, was ich meine. Auch wenn diese Wendung notwendig war, um die Geschichte den bestimmten Weg einschlagen zu lassen, hat sie mir nicht gefallen.

Dass es nicht langweilig wurde, liegt aber auch an dem lebendigen Schreibstil. Er ist nicht nur angenehm zu lesen, sondern lässt die Personen zum Leben erwachen – ich zumindest fühlte mich als Teil der Geschichte. Dabei schafft die Autorin eine unglaubliche Atmosphäre die auch zur Zeit, in der die Geschichte spielt, passt.

Nicht so gelungen fand ich dagegen das Ende - streng genommen gibt es gar keines, denn die Geschichte hört einfach mittendrin auf. Zum Glück erscheint der Folgeband schon bald, so dass die Wartezeit nicht zu lange wird. Insgesamt hatte ich aber wirklich schöne Lesestunden und gebe daher gute 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine wirklich schöne Geschichte, die hier erzählt wird in einem angenehmen Tempo, so dass es nie langweilig wird, aber auch nicht zu rasant. Der Schreibstil ist sehr lebendig, so dass ich richtig in die Geschichte abgetaucht bin. Die sympathische Protagonistin hat es mir zudem noch mal leichter gemacht. Lediglich das Ende hat mir nicht gefallen – einfach weil es keines ist und die Geschichte einfach mittendrin aufhört; aber zum Glück erscheint der Folgeband ja schon bald.

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101 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

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Shark Club – Eine Liebe so ewig wie das Meer

Ann Kidd Taylor , Ivana Marinovic
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Penguin, 10.04.2018
ISBN 9783328102373
Genre: Liebesromane

Rezension:

Vom Cover her dachte ich, es wäre eine einfache Liebesgeschichte; aber hinter dem sommerlichen, farbenfrohen Buchdeckel verbirgt sich noch viel mehr. Die Tochter von Sue Monk Kidd hat in ihrem Debütroman viel Schreibtalent bewiesen – trotzdem hat sie mich nicht ganz überzeugen können.

Es ist vor allem der Schreibstil, der mir sehr gut gefallen hat und der eine ganz besondere Atmosphäre entstehen lässt. Er ist leicht zu lesen, voller Poesie und Wärme, voller Liebe zu dem, was sie gerade beschreibt, insbesondere, wenn es um die Tiere geht. Und die spielen in der Geschichte eine große Rolle – nicht so sehr, dass sie die Handlung vorantreiben, sondern eher, weil man die Leidenschaft der Autorin für das Meer und deren Bewohner bemerkt. Mir war das an einigen Stellen zu viel der ausführlichen Beschreibungen, und ich hätte sie in dieser Detailverliebtheit nicht gebraucht. Sicher aber werden viele genau das mögen – und zugegeben gibt das auch Möglichkeit, in eine andere Welt abzutauchen.

Lieber wäre mit diese Intensität bei der Charaktergestaltung gewesen. Es gibt einige Figuren, die in der Geschichte auftauchen, doch leider bleiben sie oft nur flach angelegt, obwohl es doch viel Potential gäbe, sie mehr auszuarbeiten. Zwar hat jeder eine eigene Geschichte, die wird aber immer nur kurz umrissen – da hätte ich mir mehr Tiefe und Ausführlichkeit gewünscht. Denn an Ideen mangelt es der Autorin nicht. Es gibt viele verschiedene Themen, die angeschnitten werden, vielleicht sind manche etwas klischeehaft, dennoch aber bieten sie Stoff für eine schöne Geschichte. Es geht um Liebe und Freundschaft, um Vertrauen und Verlust, um Engagement und Lebensaufgaben. Und mit dem gefühlvollen Schreibstil hätten manche Themen noch mehr gewinnen können, wenn sie ausführlicher auf sie eingegangen wäre.

Die Geschichte selber ist leider doch eher eine klassische Dreiecksgeschichte – und die hat mich leider nicht fesseln können. Es ist lediglich dem Stil zu verdanken, dass ich beim Lesen dann doch auch meine Freunde hatte, denn hineinversetzen in die Taten und Gedanken der Protagonistin konnte ich mich nicht – da hat auch nicht geholfen, dass sie als Ich-Erzählerin auftritt und man als Leser ihr ja so sehr nahe ist bzw. sein soll.

Die Autorin hat auf jeden Fall Schreibtalent, die Geschichte selber konnte mich dann leider nicht ganz überzeugen. Da mir aber die Atmosphäre und der Schreibstil so gut gefallen haben, gebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein wunderbarer Schreibstil voller Poesie und Wärme, eine einnehmende Atmosphäre, die den Leser in warme Gewässer entführt und eine Liebesgeschichte, die leider doch eher einem klassischen Liebesdreieck entspricht – so richtig überzeugen konnte mich die Autorin nicht, trotzdem hat mich die Stimmung im Buch beeindruckt, so dass ich 3,5 von 5 Sternen vergebe.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Das Meer so nah

Fiona Blum
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 23.04.2018
ISBN 9783442314782
Genre: Romane

Rezension:

Die ersten beiden Bücher der Autorin haben mir schon gut gefallen und auch dieses hat meinen Geschmack genau getroffen - Fiona Blum wird langsam zu einer meiner Lieblingsautorinnen.

Es ist vor allem die Atmosphäre, die mich völlig eingenommen hat, diese Mischung aus Hommage an die grüne Insel, Roadmovie und Charakterstudie. Und das Ganze erzählt mit wundervollen Worten, die - ohne schnörkelig zu sein - trotzdem lieblich und herzergreifend sind.

Es gibt mehrere Erzählstränge, die sich immer mal wieder kreuzen, dann aber auch wieder auseinandergehen, dazu auch Rückblicke in die Vergangenheit. Lucy, eine Mathematiklehrerin durch und durch, erfährt durch einen Telefonanruf von ihrem schwerkranken, bis dahin aber nicht bekanntem Vater – sie macht sich auf nach Irland, doch kommt leider zu spät; ihr Vater ist bereits verstorben. Und trotzdem beginnt für die Lucy ein Abenteuer, in dem sie sich selber von einer ganz neuen Seite kennenlernt.

Lucy ist ein skurriler Charakter und vielleicht habe ich sie gerade deswegen auch sofort ins Herz geschlossen. Wirkt sie erst wie eine Mathematikerin, die nur für ihre Zahlen lebt und dadurch sehr spröde und trocken rüberkommt, zeigt sie auf ihrer Reise durch Irland auch noch eine andere Seite – eine liebevolle, berührende und herzliche Art. Und am meisten hat mir gefallen, dass sie sich auf Veränderungen eingelassen hat, sich ihnen stellt und damit einen ganz neuen Lebensabschnitt beginnt.

Aber nicht nur Lucy ist als Figur gut gelungen – in Irland trifft sie auf eine Gruppe alter Freunde ihres Vaters, die alle sehr eigen und schrullig sind – aber sympathisch schrullig und mit dem Herz am rechten Fleck. Nach und nach erfährt man auch von ihnen die jeweiligen Vergangenheiten und kann die eine oder andere Marotte viel besser nachvollziehen. Durch diese Ecken und Kanten wirken sie echt und authentisch – und damit glaubhaft und sympathisch.

Die Geschichte ist – obwohl sie fast einem Roadmovie nahekommt – doch eine ruhige. Und auch wenn es nicht sonderlich spannend ist, entwickelt sie doch eine Sogwirkung, die sich langsam aufbaut, so dass ich im letzten Drittel nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Ich habe mich richtig wohlgefühlt mit den Charakteren, habe die Reise durch Irland mit tollen Beschreibungen richtig genossen und mich der ruhigen und liebevollen Atmosphäre, die im Buch herrscht, hingegeben. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und 4 von 5 Sternen. Einen Stern ziehe ich nur ab, weil der Einstieg doch etwas gemächlich war – das hat sich aber zum Glück dann verloren.

Mein Fazit
Eine schöne Geschichte, die den Leser nicht nur in Irland abtauchen lässt, sondern auch wundervolle und gestandene Charaktere bietet, die trotz – oder gerade wegen? – ihrer Ecken und Kanten einfach nur sympathisch sind. Eine tolle Atmosphäre, eine wunderschöne Sprache voller Poesie, die dabei aber keineswegs schnörkelig ist und eine Reise zu sich selbst – zumindest für die Protagonistin. Ich gebe der Geschichte 4 von 5 Sternen und empfehle das Buch gerne weiter.

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Das Haus der Seidenblüten

Liz Trenow , Andrea Brandl
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 19.03.2018
ISBN 9783734104855
Genre: Historische Romane

Rezension:

Vielleicht hatte ich auch einfach zu hohe Erwartungen, nachdem mir das Debut der Autorin so gut gefallen hatte - dieses Buch konnte mich leider nicht überzeugen..
Die Geschichte spielt in London, Mitte des 18. Jahrhunderts. Die junge Anna kommt vom Land in die Stadt, um dort in die Gesellschaft eingeführt zu werden. Doch sie interessiert sich viel mehr für den französischen Seidenweber Henri – aber der entspricht nicht den Vorstellungen der Familie. Doch die Einwanderer haben es nicht leicht in England und bald gerät Henri in Gefahr.
Irgendwie hatte ich gedacht, es wäre nicht eine reine Liebesgeschichte, sondern das Seidenweben und auch die politischen Geschehnisse ständen mehr im Vordergrund. Zwar wurde davon auch berichtet, dennoch war es vor allem Annas Leben in London mit seinen gesellschaftlichen Zwängen, das den Mittelpunkt der Geschichte bildete. Und so waren die ersten 2 Drittel der Geschichte auch sehr langatmig, ich habe alles als reines Geplänkel empfunden, weil einfach nicht viel passierte. Zwar habe ich so noch einmal nette Einblicke in das gesellschaftliche Leben Londons im 18. Jahrhundert erhalten, aber gefesselt war ich davon leider nicht. Erst im letzten Drittel kommt richtig Bewegung in die Geschichte, es wird spannend und damit auch packender – und trotzdem war es auch hier die Liebesgeschichte, die eigentlich der Dreh- und Angelpunkt war. Interessant war dann aber doch die Art und Weise, mit der die Protagonistin Anna ihre Interessen durchsetzt – eigentlich wirkte sie vorher eher zurückhaltend und schüchtern, sehr lieb, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Dass sie dann so ganz andere Geschütze auffährt, hätte ich nicht erwartet.
Die Figuren sind gut gezeichnet und gerade Anna und ihr Henri sind beide sympathische Charaktere. Sie hatten jetzt nicht unbedingt große Ecken und Kanten, waren lieb und umgänglich, was sie auch ein wenig langweilig dastehen ließ. Das hat sich erst im letzten Drittel etwas gewandelt, als Bewegung in die Geschichte kommt und die das schon lange vorhersehbare Ende dann auch tatsächlich eintritt.
Der Plot war leider für mich nicht fesselnd, und dass ich drangeblieben bin an der Geschichte lag vor allem auch an dem Schreibstil, der wirklich schön und eingehend ist, angenehm zu lesen, ohne große Schnörkel, dabei aber doch warm und gewinnend.
Leider hat mich das Buch insgesamt nicht überzeugen können, es war nett, aber letztlich nur eine einfach Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund. Ich kann daher leider nur knappe 3 von 5 Sternen vergeben.

Mein Fazit
Leider hat mich dieses Buch enttäuscht – ich dachte, einen komplexen Roman über das Seidenweben und die französische Einwanderer im 18. Jahrhundert in England zu erhalten, letztlich war es aber nur eine einfache Liebesgeschichte. Zwar gab es liebenswerte Charaktere und einen angenehmen Schreibstil, gerade die ersten zwei Drittel fand ich aber sehr langatmig. So kann ich leider nur knappe 3 von 5 Sternen vergeben.

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

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Das hungrige Krokodil

Sandra Brökel
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 02.02.2018
ISBN 9783865326089
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich bin durch eine Leserunde auf das Buch aufmerksam geworden, das aus alten Aufzeichnungen des Arztes Pavel Vodák entstanden ist, die jahrelang in seiner Arzttasche geschlummert haben. Die Autorin hat sich die Mühe gemacht, alles zu sichten, natürlich auch zu recherchieren und dann einen spannenden und authentischen Familienroman geschrieben.

Die Geschichte Pavels ist spannend und sehr interessant. Ich habe bisher noch nicht viele Bücher gelesen, die in Prag spielen – und so habe ich eine Menge gelernt. Beginnend im Jahr 1939 begleitet man den Kinderarzt und Psychiater bis in die Gegenwart, ins Jahr 1990. Dabei erlebt man mit ihm viele historische Ereignisse – nicht nur den Krieg, auch den Prager Frühling, die Revolution und schließlich Pavels Flucht (keine Sorge, das ist nicht gespoilert, davon erfährt man schon auf den ersten Seiten).

Pavel ist ein interessanter Mensch – und auch wenn man ihn hier nur von einer bestimmten Seite kennenlernt, nämlich einer ernsten, bedachten, kritischen und sorgenvollen, schimmern zwischendurch doch auch sein Humor und seine Lebensfreude hindurch. Er wird sehr authentisch dargestellt, was sicherlich daran liegt, dass es ja seine eigenen Aufzeichnungen sind, mit denen die Autorin gearbeitet hat. Dabei hat sie die Stimmung und Atmosphäre der damaligen, sehr schwierigen Zeit, sehr gut einfangen können. War sie in der Familie meist sehr warmherzig und freundlich, wirkte sie im Land eher unterkühlt und bedrohlich.

Nicht so gefallen haben mir die Zeitsprünge; es wird immer nur von wichtigen Ereignissen oder aber Wendepunkten berichtet; ich hätte es schön gefunden, auch mehr Einblick in die Normalität zu erhalten, das ganz normale Leben – so könnte der Eindruck entstehen, dass immer nur alles schlecht und ernst und bedrohlich war, das wiederum kann ich mir aber nicht vorstellen. Sicher hat die Familie Vodák auch schöne Momente gehabt – doch die haben mir leider ein wenig gefehlt.

Der Schreibstil ist im ersten Teil sehr eindringlich und dicht, so dass ich schnell gefangen war. Im mittleren Teil hat sich das für mich ein wenig verloren, und ich habe ihn als distanziert und fremd empfunden. Das letzte Drittel wird dann wieder packender, und ich fühlte mich mittendrin – auch wenn hier der Stil mit seinen kurzen, abgehakten Sätzen mir nicht zugesagt hat, passte er doch exzellent zur Situation und zu den Ereignissen.

Fand ich den Titel des Buches erst noch etwas befremdlich, hat sich das bald gelegt, denn er wird immer wieder aufgegriffen und bekommt so eine ganz besondere Bedeutung – der Vergleich des hungrigen Krokodils mit der politischen Lage und der Gefahr, die von ihr ausging, passt einfach sehr gut und immer wieder musste ich über diese Analogie nachdenken.

Die Geschichte ist sehr eindrücklich und macht nachdenklich – lediglich im Mittelteil habe ich vor allem des Stils wegen ein bisschen gehadert; dennoch empfehle ich das Buch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Aus Aufzeichnungen des Arztes Pavel Vodák ist diese Geschichte entstanden, die sich über einen Zeitraum von gut 50 Jahren zieht und sich viel mit dem Nachkriegsleben in Prag beschäftigt. Ich fand diese Einblicke sehr interessant, nur im Mittelteil habe ich ein wenig mit dem dort eher distanzierten und wenig emotionalen Stil gekämpft – trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Das Versprechen der Jahre

Penny Vincenzi , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.03.2018
ISBN 9783442486731
Genre: Historische Romane

Rezension:

Genau meins - dachte ich, als ich das Buch in den Verlagsvorschauen enteckte. Ich liebe Familiengeschichten, insbesondere auch, wenn sie im 20. Jahrhundert spielen. Leider wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt, was aber gar nicht an der Idee der Trilogie lag, sondern eher an der Umsetzung.

Der Einstieg ist mir sehr gut gelungen und man wird als Leser auch direkt ins Geschehen geschmissen. Lady Celia heiratet gegen den Willen der Eltern den Verleger Oliver Lytton – und damit schafft sie nicht nur einen Schritt in eine andere gesellschaftliche Schicht, sondern entdeckt auch ihre Liebe und Leidenschaft für das Verlagswesen. Hat sie anfangs noch Probleme, in der männerdominierten Domäne Fuß zu fassen, ändert sich alles, als der Krieg ausbricht und sie den Verlag vor dem Untergang rettet.

Das Thema Verlagswesen zur Zeit des Krieges hat mir sehr gut gefallen und in der ersten Hälfte ist dies auch tatsächlich ein vorherrschendes Thema. Das dies nicht das einzige Thema bleibt, war mir klar, doch dass sich die Geschichte zunehmend zu einer Soap entwickelt und Liebes-Dreiecksgeschichten in den Vordergrund rücken, damit habe ich nicht gerechnet. Zwar spielt auch der Krieg eine Rolle und die Stellung der Frau in der Gesellschaft, ebenso wie einige historische Ereignisse in die Geschichte verwoben werden, dennoch liegt der Fokus doch mehr und mehr auf der Romanze mit allem hin und her, das eine Dreiecksgeschichte braucht.

Auch mit dem Schreibstil bin ich nicht gut klargekommen – ob es an der Übersetzung liegt oder am Stil selber kann ich nicht sagen. Gewundert hat mich nur, dass jeder Band der Trilogie von einer anderen Übersetzerin bearbeitet wird. Der Stil ist sehr einfach und schlicht – so lässt er sich zwar gut lesen, wirkt aber auch sehr trocken und hat bei mir keine Emotionen erzeugt. Auch die Stimmung und Atmosphäre, die die Zeit ja eigentlich mit sich bringt, konnte ich nicht spüren. Es gibt zudem viele kleine Absätze, in denen auch zwischen den Handlungsorten hin und hergesprungen wurde – vermutlich sollte so die Spannung erhöht werden, bei mir hat das aber leider nicht gut funktioniert.

Die Charaktere waren gelungen, auch wenn manche in ihrer Gestaltung etwas flach wirkten. Trotzdem hat mir die Protagonistin Celia gefallen, weil sie für die Zeit unkonventionell ist und so ihren ganz eigenen Weg durch eine schwierige Zeit geht.

Der Auftakt der Trilogie bietet leichte Unterhaltung, ohne dass ich richtig gefesselt war – leider haben die Versuche, die Spannung aufzubauen und hochzuhalten, bei mir nicht funktioniert. Obwohl ich die Idee des Buches wirklich gut fand, hat mir die Umsetzung nicht so gut gefallen – ich gebe diesem Buch daher 3 von 5 Sternen, bin aber noch unschlüssig, ob ich die Reihe weiter verfolgen soll.

Mein Fazit
Die Idee zu dieser Trilogie hat mir sehr gut gefallen, leider konnte mich der Auftaktband nicht ganz überzeugen. Während die erste Hälfte noch durch interessante Themen und Wendungen punktet, stand mir in der zweiten Hälfte zu sehr eine Liebes-Dreiecksgeschichte im Vordergrund. Auch der Schreibstil ist eher gewöhnungsbedürftig – trotzdem wurde ich gut unterhalten, so dass ich 3 von 5 Sternen gebe, aber noch nicht sicher bin, ob ich die Reihe weiter verfolgen werde.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Happy

Fearne Cotton , Ulrike Kretschmer
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Irisiana, 26.03.2018
ISBN 9783424153347
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wow - das Cover hat mit seinen frohen Farben und dem zwar einfachen, aber genialen Titel sofort angesprochen! Und auch den Klappentext fand ich sehr ansprechend – und wer sich bisher wenig mit dem Thema Happiness, Glück und Zufriedenheit beschäftigt hat, wird mit diesem Buch wahrscheinlich auf seine Kosten kommen. Wer sich allerdings schon Einblicke in das Thema hatte, der wird vermutlich nur wenig neue Anstöße erhalten.

Es ist wirklich die Aufmachung, die mich immer noch überzeugt – nicht nur die frohen Farben, sondern auch die liebevolle Gestaltung im Innenteil mit kleinen Illustrationen, einem ansprechenden, nicht zu überladenen Schriftbild und ermunternden und anregenden Übungsaufgaben. Auch der Schreibstil ist angenehm – die Autorin erzählt von ihrer eigenen Depression, dem schweren Gang durch den langen dunklen Tunnel und was ihr letztlich durch dieses Tief wieder herausgeholfen hat. Sie schreibt lebendig, und dadurch ist der Text nicht nur leicht zu lesen, sondern wirkt auch sehr authentisch.

Mir hat die Autorin ein bisschen zu viel von sich selber geredet – ich hätte mir gewünscht, dass die Praxistipps und Übungen mehr im Vordergrund stehen, dass mehr darauf eingegangen wird. Damit will ich nicht sagen, dass es nur unzureichende Erklärungen gibt, an manchen Stellen wirken sie auf mich aber wie „runtergeleiert“ und damit nicht wirklich motivierend. Auch die Seiten, auf denen man selber etwas eintragen soll, sind wirklich toll gestaltet – aber es gibt sie leider immer nur einmal, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass es reicht, die entsprechende Übung auch nur einmal zu machen.

Hat man sich schon mit dem Thema Glück, Zufriedenheit, Resilienz und Gelassenheit beschäftigt, wird man nur wenige neue Impulse entdecken – ist man aber noch ganz unbedarft, gibt es viele schöne Anregungen. Als Weg aus einer Depression finde ich das Buch dagegen nicht hilfreich, erst wenn man sich schon wieder gefangen hat und im „Aufschwung“ ist, kann das Buch motivieren und neue Perspektiven aufzeigen. Mitten in einer Depression glaube ich nicht, dass man sich mit den Themen wirklich sinnvoll auseinandersetzen kann.

Das Glück finden, richtige Entscheidungen treffen, der Umgang mit sich selbst, sich annehmen und lieben, aber auch im Hier und Jetzt leben oder neues ausprobieren sind nur einige Themen, die angesprochen werden – immer mit dem Ziel, das Glück zu finden und das Leben in der Gegenwart zu genießen. Vielleicht bin ich einfach schon zu tief im Thema drin, aber mir hat das Buch keine neuen Aspekte geben können – daher gebe ich 3 von 5 Sternen, und das vor allem wegen der wirklich ansprechenden und motivierenden Aufmachung.

Mein Fazit
Die Aufmachung ist wirklich toll, und ich habe das Buch mit seinen vielen kleinen Illustrationen, der liebevollen Seitengestaltung und der frohen Farben wegen gerne in die Hand genommen – der Inhalt hat mich dagegen nicht überzeugen können; das liegt aber eher daran, dass ich mich mit dem Thema schon beschäftigt habe. Wer da noch ganz unbedarft ist, wird sicher einige interessante Anregungen erhalten und genau diesen Menschen würde ich das Buch auch empfehlen.

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150 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 59 Rezensionen

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Die geliehene Schuld

Claire Winter
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Diana, 05.03.2018
ISBN 9783453291942
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte spielt nur über einen kurzen Zeitraum, von August 1948 bis Mai 1949. Zunächst ist man nur in Berlin, bald aber entführt die Autorin den Leser auch nach Köln und Düsseldorf und in weiter entfernte Gefilde. Es sind 4 Hauptfiguren, die im Mittelpunkt stehen. Vera, eine Journalistin in Berlin, die eigentlich nur im Kulturressort arbeitet, verliert plötzlich ihren besten Freund Jonathan durch einen „Unfall“ – Jonathan hat an einer brisanten Geschichte gearbeitet und ihr in einem mysteriösen Brief davon erzählt. Vera glaubt nicht an einen Unfall und recherchiert auf eigene Faust. Und das wird für sie von Tag zu Tag gefährlicher. Im Rheinland lebt Marie - ihr Vater ist im Krieg gefallen, doch näheres gibt ihre Familie nicht preis, so dass sie selber recherchiert und auf Unglaubliches stößt. Bei dieser Suche lernt sie die junge Jüdin Lina kennen und schon bald verbindet die beiden eine ungewöhnliche Freundschaft.

Die Autorin hat nicht nur exzellent recherchiert und ein interessantes Thema aufgegriffen, über das ich in Romanen bisher noch nichts gelesen habe, sondern auch interessante Handlungsstränge entworfen, die zunächst nebeneinander herzulaufen scheinen und sich erst im weiteren Verlauf zu einem Strang verknüpfen. Das besetzte Deutschland ist noch in verschiedene Zonen eingeteilt, eine Verfassung ist noch im Entstehen, die Nürnberger Prozesse versuchen, Gerechtigkeit walten zu lassen und trotzdem gibt es Kriegsverbrecher, die dem System entkommen konnte. Um diese geht es in der Geschichte.

Gerade Vera hat mir sehr gut gefallen – sie ist eine starke Persönlichkeit, die beharrlich an der Sache dranbleibt; und das, obwohl sie viel Angst hat – und das auch mit gutem Grund. Denn mehr als einmal gerät sie in große Gefahr. Trotzdem lässt sie nicht locker und geht jeder Spur nach. In Rückblicken kommt auch Jonathan zu Wort, den ich gleich in mein Herz geschlossen habe und den ich leider auch gleich zu Anfang wieder verloren habe. Bei Marie habe ich richtig mitgelitten – sie ist sehr verletzt und man kann den Schmerz beim Lesen geradezu spüren. Gut, dass sie Lina hat, die sie immer wieder tröstet und ihr gut zuredet. Dabei hat auch Lina einiges zu bewältigen und gerät mehr und mehr in Gefahr. Alle Charaktere sind sehr gut gezeichnet, mit Stärken und Schwächen – so wirken sie sehr authentisch. Durch die unterschiedlichen Erzählperspektiven konnte ich mich zudem gut in sie hineinversetzen und ihre Gedanken und Handlungen besser nachvollziehen – und da vor jedem Kapitel steht, um wen es sich gerade dreht, kommt man als Leser auch nicht durcheinander.

Schon der Einstieg in die Geschichte ist gut gelungen und ich habe mich direkt als Teil von ihr gefühlt; die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen – und hat diese auch bis zum Schluss gehalten. Dachte ich zunächst, es handelt sich um eine Familien-Nachkriegsgeschichte, entpuppt sich der Roman dann eher zu einem Krimi. Zur Spannung beigetragen hat natürlich auch der Schreibstil, der mich völlig eingenommen hat – angenehm zu lesen und voller Bildgewalt, ohne dass es langatmige Passagen von Beschreibungen gibt; ich hatte viele Bilder im Kopf und konnte die Atmosphäre im Nachkriegsdeutschland geradezu spüren.

Das Buch hat mich wirklich packen können – wegen des interessantes Themas und der spannenden Erzählweise. Ich habe viel Neues erfahren und auch jetzt noch denke ich viel über die Geschichte nach. Trotzdem hat mir irgendetwas gefehlt, um 5 Sterne zu geben – was es ist, kann ich gar nicht richtig in Worte fassen. Aber 4,5 Sterne sind es allemal – und gerne empfehle ich das Buch an alle, die sich für die Nachkriegszeit in Deutschland interessieren.

Mein Fazit
Bisher habe ich nie etwas gelesen über Kriegsverbrecher, die dem System entkommen konnten – und genau darum geht es in diesem Buch, das eher an einen Krimi erinnert denn an einen Roman. Die Autorin hat die Geschichte spannend und fesselnd erzählt und kann die Spannung auch bis zum Schluss halten. Die zunächst parallel verlaufenden Erzählstränge verbinden sich nach und nach und ergeben dann am Ende ein schlüssiges Bild. Gerne habe ich die tollen Charaktere begleitet und gebe 4,5 von 5 Sternen.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Das Schweigen der Bienen

Valerie Geary , Joannis Stefanidis
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 01.12.2017
ISBN 9783959671279
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Das Cover hat mich neugierig gemacht, der Klappentext lässt dann an einen Krimi denken – doch auch wenn es um die Suche nach einem Mörder geht, ist die Geschichte doch eher eine ruhige, die leise und eindringlich erzählt wird und erst am Ende richtig an Fahrt aufnimmt.

Sam und Olli haben ihre Mutter verloren und ziehen nun zu ihrem Vater Bear, der in einem Zelt lebt und sein Geld mit der Bienenzucht verdient. Als eine junge Frau ermordet aus dem Fluss gezogen wird, denken alle, der exzentrische Bear ist der Mörder – und alles scheint auch auf ihn als Täter hinzuweisen. Nur die fünfzehnjährige Sam glaubt an seine Unschuld.

Auch wenn die Geschichte erst auf den letzten 50 Seiten richtig spannend wird und ich das Buch da dann auch kaum aus der Hand legen konnte, haben mir auch die Seiten davor gut gefallen, die sehr eindringlich sind und mich in diese ganz andere Welt entführt haben. Intensiv, aber dennoch ruhig erzählt die Autorin von der Vergangenheit der Mädchen, von ihrem neuen Leben auf der Weide und von den neuen Nachbarn und Freunden. Die Beziehung zwischen den beiden Geschwistern Sam und Ollie ist dabei eine ganz besondere. Während Sam eher robust und selbstbewusst auftritt und gerne mal nach vorne pirscht, ist die zehnjährige Olli ganz zurückhaltend – was auch daran liegt, dass sie seit dem Tod der Mutter nicht mehr spricht. Den Mystery-Anteil habe ich jetzt nicht so gemocht, richtig störend fand ich ihn aber auch nicht, zumal er zwar eine Rolle spielt, die Geschichte aber auch ohne ihn glaubhaft erscheint. Olli ist sehr sensibel und feinsinnig und steht so in großem Gegensatz zu Sam.

Aber auch die anderen Figuren sind gut gezeichnet, einfach Menschen mit Ecken und Kanten. Ich konnte sie mir alle gut vorstellen und fand sie sehr authentisch.

Der Schreibstil ist toll – nicht nur angenehm zu lesen, sondern voller Kraft und Atmosphäre, eindringlich und oft auch voller Poesie. Gerade die Beschreibungen der Landschaft oder auch der Handlungen verschiedener Leute habe ich sehr genossen.

Während es die ersten dreiviertel des Buches eher ruhig und leise zugeht, dabei aber nie langweilig ist, steigt die Spannung am Ende rasant an. Ich fand, das Finale hat nicht zur restlichen Geschichte gepasst, auch wenn es wirklich gefesselt hat und ich das Buch hier kaum mehr aus der Hand legen konnte. Mir erschien die Auflösung eher konstruiert und leider nicht nachvollziehbar – zu sehr hat es die Autorin hier für mich auf „Schockmomente“ angelegt. Trotzdem hat mir die Lektüre insgesamt gut gefallen, deshalb gebe ich gerne 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine leise, dafür aber eindringlich Geschichte, die eine subtile Hintergrundspannung enthält und erst im letzten Viertel richtig an Fahrt aufnimmt. Tolle Charaktere und ein beeindruckender Schreibstil haben mir viel Lesefreude geschenkt. Nur das Ende und die Auflösung waren mir zu konstruiert – trotzdem fühlte ich mich gut unterhalten und gebe 4 von 5 Sternen.

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55 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Die bittere Gabe

Ellen Marie Wiseman , Sina Hoffmann
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.02.2018
ISBN 9783492312219
Genre: Romane

Rezension:

Ich war mir nicht sicher, ob mich diese „Zirkusgeschichte“ wirklich packen könnte, trotzdem war ich neugierig, weil mir die anderen Bücher der Autorin gut gefallen hatten – und tatsächlich hat mich die Autorin mit ihren beiden Erzählsträngen, die nach und nach ineinandergreifen, fesseln und auch unterhalten können.

In den 30er Jahren ist Lilly die Protagonistin, die die ersten 10 Jahre ihres Lebens auf einem Dachboden versteckt wird, weil sie ein Monster sei und die Menschen sich bei ihrem Anblick erschrecken würden. Als sie von ihrer Mutter zu einem Zirkus gebracht wird, ahnt sie noch nicht, was ihr noch alles geschehen wird.

In den 50er Jahren erbt Julia überraschenderweise ein Anwesen – beim Aufräumen entdeckt sie mehrere Unterlagen, die ein Geheimnis bergen. Und je mehr sie in diese Geschichte eintaucht, umso mehr unglaubliches kommt zutage – und das macht auch vor ihrem eigenen Leben keinen Halt.

Mich hat die Geschichte von Anfang an packen können – sowohl der Erzählstrang von Lilly als auch der von Julia. Während ich bei Lilly eher bedrückt und erschüttert war, bei dem, was sie durchmacht und erleben muss, ist es bei Julia eher spannend, und ich habe mitgerätselt bei all den Hinweisen, die sie nach und nach findet.

Mit Lilly habe ich gelitten – nicht nur, dass sie auf einem Dachboden eingesperrt aufwächst, auch ihre Zeit im Zirkus ist alles andere als leicht. Sie macht eine unglaubliche Entwicklung vom kleinen, schüchternen Mädchen zur gestandenen, selbstbewussten jungen Frau durch, die mich an mancher Stelle doch verwundert hat. Den Grund, warum sie in einer kleinen Kammer aufwachsen musste, fand ich nicht sonderlich glaubhaft, auch nicht für die Zeit, in der dieser Erzählstrang spielt. Trotzdem aber war ich davon natürlich berührt.

Für die Zeit m Zirkus hat die Autorin sich viel Zeit genommen – sie beschreibt ausführlich, wie es im Zirkus zugeht, erzählt von anderen „Artisten“, den sogenannten Freaks, deren Lebensumständen und den Tieren, die zwar liebevolle Pfleger haben, trotzdem aber gequält und zu Kunststücken gezwungen werden. Mir waren die Beschreibungen ein wenig zu langatmig, auch wenn sie natürlich viele Bilder im Kopf haben entstehen lassen und einen guten Einblick zum Zirkusgeschehen in der damaligen Zeit gegeben haben – dafür ist die Handlung ein wenig zu kurz gekommen, und Lillys Erzählstrang bleibt ein wenig auf der Stelle stehen.

Anders ist das bei Julia, die immer wieder neue Puzzlesteine findet, die zur Lösung des Geheimnisses um ihre Familie beitragen. Dieser Erzählstrang ist spannend und lädt zum Mitraten ein – denn erst nach und nach wird klar, wie die beiden Erzählstränge miteinander verbunden sind und wie Lilly und Julia zueinander stehen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, wirkt an manchen Stellen vielleicht ein wenig „hochgestochen“, was für mich nicht zur Geschichte gepasst hat. Bei manchen Beschreibungen hatte ich das Gefühl, dass die Autorin unbedingt poetisch klingen wollte, was aber etwas gekünzelt gewirkt hat – große Teile aber sind sehr lebendig geschrieben und haben auch die ganz eigene Atmosphäre des Zirkus‘ einfangen können.

Das Ende hat mir dann leider nicht gefallen – das war mir einfach zu viel der unglaublichen und schrecklichen Geschehnisse und wirkte auf mich konstruiert. Trotzdem hat mich das Buch insgesamt fesseln und unterhalten können, so dass ich 4 von 5 Sternen vergebe.

Mein Fazit
Eine packende Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt und den Leser in die ganz eigene Welt des Zirkuslebens in den späten 30er Jahren entführt. Ich habe mich in beiden Erzählsträngen wohl gefühlt und mit den Charakteren gelitten – an manchen Stellen war es mir dann aber zu viel dessen, was ein Mensch aushalten soll, so dass ich einiges dann nicht mehr glaubhaft fand. Trotzdem hat mich das Buch gut unterhalten, so dass ich 4 von 5 Sternen vergebe.

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127 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

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Drei Schwestern am Meer

Anne Barns
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 05.03.2018
ISBN 9783956497926
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Autorin hat es geschafft, eine Insel-Stimmung zu schaffen und in mir den Wunsch geweckt, sofort nach Rügen zu reisen; die Geschichte selber hat mich dagegen leider nicht ganz überzeugen können.

Im Mittelpunkt stehen die ganz unterschiedlichen Schwestern Rina, Jana und Pia, die sich bei ihrer Großmutter auf Rügen treffen, nachdem diese ins Krankenhaus geliefert werden musste. Jede der dreien hat zudem noch ein eigenes Päckchen zu tragen, und dann gibt es auch noch ein Familiengeheimnis, dass die drei aufzulösen versuchen. Warum hat Oma ihren drei Enkelinnen nicht früher davon erzählt?

Erzählt wird die Geschichte aus Rinas Sicht in Ich-Form, so dass man gerade ihre Gedanken und Gefühle gut kennenlernt und sich auch gut in sie hineinversetzen kann. Dabei ist der Schreibstil leicht und locker, sehr angenehm zu lesen, und er kann diese besondere Insel-Atmosphäre von Rügen wunderbar einfangen.

Alle drei Schwestern waren mir gleich sympathisch, so unterschiedlich sie auch sind. Rina steckt gerade sowohl in einer beruflichen als auch privaten Krise und muss für sich einige Entscheidungen treffen; eigentlich lebt sie in Berlin, erkennt aber bald, dass sie sich mit Rügen tiefer verbunden fühlt, als sie sich bisher eingestanden hat. Auch Pia und Jana mochte ich gerne – und auch die beiden tragen einige, eher private Probleme mit sich rum. Doch als Geschwister-Trio sind die drei unschlagbar – sie stehen zueinander und helfen sich gegenseitig aus der Misere.

In der Geschichte gibt es unglaublich viele Probleme, die zunächst unüberwindbar erscheinen. Letztlich lösen sie sich dann aber fast von alleine auf – und das ist auch mein Kritikpunkt an der Geschichte, denn ich fand das leider nicht glaubwürdig und zu konstruiert. Die drei Schwestern treffen immer genau auf die richtigen Menschen, die ihnen wohlgesonnen sind, ihnen sofort zur Seite stehen und zudem auch noch immer „Gutmenschen“ sind. Hier haben mir ein paar Ecken und Kanten gefehlt, um die Charaktere für mich authentischer wirken zu lassen. Auch der Schreibstil hat für mich nicht zur Geschichte gepasst. So angenehm er auch zum Lesen war, so wenig hat seine Leichtigkeit und Beschwingtheit zu den vielen Problemen der verschiedenen Figuren gepasst.

Insgesamt habe ich die Insel-Atmosphäre im Buch wirklich gemocht und am liebsten würde ich sofort nach Rügen aufbrechen, der Plot hat mich dagegen nicht so begeistern können. Ich gebe daher gute 3 von 5 Sternen, werde die Autorin aber weiter im Auge behalten.

Mein Fazit
Wer Inselatmosphäre schnuppern möchte, ist mit diesem Roman sicherlich gut bedient, denn die hat die Autorin wunderbar einfangen können. Auch der Schreibstil ist wunderbar, locker und beschwingt – passt aber leider für mich nicht zu der Geschichte, die doch einiges an Problemen bietet, die sich dann alle fast schon wie von selber lösen. Ich fand das leider nicht glaubwürdig und gebe daher insgesamt gute 3 von 5 Sternen.

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63 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 26 Rezensionen

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Der Herr der Bogenschützen

Mac P. Lorne
Flexibler Einband: 704 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.08.2017
ISBN 9783426520826
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mich hat dieses Buch sehr zwiegespalten zurückgelassen: streckenweise habe ich es als sehr spannend und interessant empfunden, in anderen Abschnitten aber als langatmig und langweilig – ich bin wirklcih unentschlossen, wie ich es nun bewerten soll.

Der Einstieg in das Buch ist gut gelungen, denn man wird direkt mitten reingeschmissen ins Geschehen und lernt John Holland als junges Kind kennen. Ihn begleitet man dann auf seinen weiteren Jahren – Schwerpunkt ist hier insbesondere seine Ausbildung und seine Teilnahme am hundertjährigen Krieg. Anfangs waren diese Schilderungen auch noch spannend und interessant, im Mittelteil des Buches stehen aber die Schlachten zunehmend im Vordergrund, die ausführlich und detailreich beschrieben werden – auch die politischen Fädenzieher, ihre Pläne und Intrigen spielen hier natürlich eine Rolle; mich hat dies nur leider gar nicht fesseln können, so dass ich den Mittelteil als sehr langatmig empfunden habe. Erst im letzten Drittel wird es wieder spannender, als Johanna von Orleans auf der Bildfläche erscheint - vom Klappentext her könnte man meinen, sie stünde im Mittelpunkt des ganzen Buches, dem ist aber nicht so – erst im letzten Drittel kommt ihr eine größere Rolle zu, davor wird sie immer nur mal im Nebensatz erwähnt. Zwar geht es hier auch immer wieder um Kämpfe und da spart der Autor auch nicht an detaillierten Beschreibungen, trotzdem aber hat mir die Geschichte um Johanna gefallen – sie umgibt ein unglaubliches Charisma, das der Autor sehr gut eingefangen hat und Johanna richtiggehend lebendig hat werden lassen. Besonders gefallen haben mir die politischen Diskussionen, die sie, aber auch John führen und die das rhetorische Geschick beider Charaktere gezeigt haben.

Johanna fand ich als Charakter großartig gezeichnet – erscheint sie anfangs noch als gläubiges liebes Mädchen, wird ihr göttlicher Wahn zunehmend stärker, bis sie damit auch erfahrene Kriegsführer einzunehmen weiß. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Auch John ist gut gezeichnet, auch wenn er mir an manchen Stellen zu „gut“ war – ein paar Ecken und Kanten hätten ihm meiner Meinung nach gut getan, so wirkte er wie ein Gutmensch und als solcher leider nicht authentisch. Daneben tauchen noch viele weitere Figuren auf, die mal besser, mal schlechter ausgearbeitet sind, je nachdem, wie wichtig sie für die Geschichte sind. Zum Glück gibt es ein Personenregister zum Nachschlagen, wenn man bei den oft gleich klingenden Namen unsicher ist.

Der Schreibstil ist angenehm und lässt sich leicht und locker lesen. Manche Beschreibungen waren mir zu ausführlich, insbesondere die der Schlachten und politischen Diskussionen – ich kann mir aber vorstellen, dass gerade dieser Schwerpunkt andere Leser begeistern wird. Anfang und Ende sind mir durchaus 5 Sterne wert, der Mittelteil hat meine Begeisterung aber deutlich geschmälert, so dass ich insgesamt 3 von 5 Sternen gebe, das Buch aber dennoch allen denen empfehle, die gerne über Schlachten und Kriege lesen.

Mein Fazit
Die Geschichte um John Holland, der als Bogenschütze zum Heerführer im 100-jährigen Krieg wird und dort auch mit Johanna von Orleans zusammentrifft – die langen Beschreibungen der Schlachten und politischen Überlegungen haben mich leider eher gelangweilt, Beginn und Ende des Buches fand ich dagegen grandios. Ich gebe daher 3 von 5 Sternen, spreche aber dennoch eine Leseempfehlung aus.

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