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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Die Tänzerin von Auschwitz

Paul Glaser , Eva Schweikart , Barbara Heller
Flexibler Einband: 286 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632483
Genre: Biografien

Rezension:

Mich hat dieser Erfahrungsbericht sehr aufgewühlt und das, obwohl ich schon vieles aus dieser Zeit gelesen habe. Er ist tragisch, sehr offen und ehrlich und gibt dem Leser auch noch Einblicke in die Zeit nach der Befreiung – und das hat mir – zumindest was die Niederlande angeht – nochmal ganz neue Aspekte und Informationen geliefert.

Das Buch wird aus zweierlei Sicht erzählt – einmal aus Sicht des Autors Paul Glaser, der mehr zufällig anfängt, in seiner Familiengeschichte zu stöbern und den man bei seinen Recherchen begleitet. Die andere Sicht ist die seiner Tante Roosje, die aus ihrem Leben erzählt, wie sie eine Tanzschule eröffnet, wie es zunehmend schwieriger wird als Jüdin in den Niederlanden, was sie dann in Auschwitz erlebt und wie sie schließlich befreit wird und dann ein neues Leben in Schweden beginnt.

Das Buch liest sich sehr flüssig, sicherlich auch der eingehenden und einfachen Sprache wegen, die aber authentisch klingt und den Leser mitten ins Geschehen entführt. Mich hat aber vor allem die Geschichte Roosjes sehr gefesselt. Sie beschreibt ihre verschiedenen Etappen sehr lebhaft und lebendig und bewahrt sich trotz aller schrecklicher Erlebnisse immer noch ihren Optimismus. Wahrscheinlich hat dieser ihr auch das Leben gerettet, denn ein „ich kann nicht mehr“ gab es für Roosje nicht, egal, was passierte, hat sie für sich immer nach Lösungen gesucht – und auch gefunden, egal wie widrig die Umstände auch waren. Mich hat diese Willenskraft und Stärke sehr beeindruckt, mir nochmal aufgezeigt, was Menschen aushalten können, aber auch, was sie am Leben hält.

Interessant waren aber auch die Erfahrungen, die Paul Glaser im Rahmen seiner Recherchen macht. Zunächst stößt er auf ein großes Schweigen, kaum einer weiß genaueres oder die, die etwas wissen, wollen nicht reden. Es ist schon interessant, wie unterschiedlich Menschen mit dem Thema Holocaust umgehen – die einen verschweigen und wollen gar nichts mehr davon hören, die anderen wollen genau das nicht – schweigen, sondern gegen das Vergessen reden. Bemerkenswert finde ich auch, was diese Erfahrung dann mit einer Familie machen kann – wie sie das Zusammenleben beeinflusst und auch den Umgang mit anderen schwierigen Themen – wird eher geredet oder doch eher geschwiegen.

Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt – nicht der schrecklichen Erlebnisse wegen, die Roosje zur Zeit des Holocaust durchmachte (und auch später noch, als sie wirklich unangenehme Erfahrungen mit ihrem Geburtsland machte), sondern vor allem wegen ihrer Stärke und ihrem Optimismus, den sie ausgestrahlt und nie verloren hat. Ich finde es faszinierend, wie Menschen sich in Ausnahmesituationen verhalten und was sie am Leben erhält – Roosje ist da ein tolles Beispiel, eine starke Frau, die sich nicht hat unterkriegen lassen und so auch das schlimmste Kapitel deutscher Geschichte überlebte.

Mein Fazit
Ein beeindruckender Erfahrungsbericht einer jungen Holländerin, die sicher vor allem durch ihre Stärke und ihren Optimismus den Holocaust überlebte. Obwohl Schreckliches beschrieben wird, sprüht das Buch doch voller Optimismus, eine Einstellung, die der Protagonistin Roosje das Leben rettete und mich sehr fasziniert hat. Wer sich für diese Zeit interessiert, dem kann ich diese Biographie sehr ans Herz legen – sie rückt noch mal andere Gesichtspunkte in den Vordergrund, und ich bin sehr froh, sie gelesen zu haben.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

thriller, thomas vaucher, verfolgung, die akte harlekin, bremen

Die Akte Harlekin

Thomas Vaucher
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Riverfield Verlag, 17.08.2016
ISBN 9783952464007
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den Einstieg in die Geschichte fand ich sehr gelungen, denn im Prolog wird man Zeuge eines Mordes - und man sollte nicht zu zart besaitet sein, denn der Serienkiller geht mit seinen Opfern nicht gerade zimperlich um.

Doch nach dem Prolog flacht die Spannung leider erst mal ab. Man lernt den Privatdetektiv Richard Winter kennen, den die Polizei als externen Ermittler für die Ermittlungen engagiert. Mittlerweile gibt es nicht nur ein Mordopfer, sondern schon drei und dazu noch einige Suizide der Angehörigen, die plötzlich von Geistern heimgesucht werden. Da Winter ein Experte für Okkultes ist, scheint er natürlich genau der richtige zu sein. Und mit seinen Ermittlungen wird es auch wieder spannend – zumal Winter bald selbst ins Visier des Mörders gerät. Diese Spannung wird dann auch bis zum Schluss gehalten – ich zumindest war wirklich gepackt von der Geschichte.

Wer denn nun eigentlich der Mörder ist, habe ich zu keinem Zeitpunkt wirklich geahnt – ich habe da in eine ganz andere Richtung gedacht und war am Ende auch wirklich erstaunt. Die Auflösung war in sich schlüssig, auch wenn rückblickend vieles konstruiert erschien und gerade das Motiv des Mörders wenig glaubhaft wirkte. Ebenfalls nicht gefallen hat mir der ausgeprägte mysteriöse Touch im Buch – wer das mag, der wird hier voll auf seine Kosten kommen, meins war es leider nicht. Mir hat am Ende da einfach eine plausible Lösung gefehlt. Trotzdem war ich gefesselt von dem Fall, weil es einfach spannend war, und ich habe das Buch nur schlecht aus der Hand legen können.

Mit dem Privatdetektiv Richard Winter hatte ich leider so meine Probleme – der dem Alkohol verfallene Ermittler, der am Hungertuch nagt und den keiner engagieren will, war mir einfach zu stereotyp gezeichnet, eigentlich war seine Figur sogar überzeichnet. So möchte ich ihn einfach nicht und das hart sich auch während seiner Ermittlungen nicht geändert, ich fand ihn leider einfach nur unsympathisch. Die anderen Figuren sind nicht so stereotyp geraten, dafür aber eher flach in ihrer Gestaltung. Neben der Richard zur Seite gestellten Polizistin Catherine Weiß, die eng mit ihm zusammenarbeitet und die man nach und nach kennenlernt, gibt es zwar noch andere Figuren, die aber eher Nebenrollen einzunehmen scheinen.

Sehr gelungen fand ich aber die vielen Wendungen und Überraschungen – so bin ich wirklich die ganze Zeit auf dem Holzweg gewesen. Am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse und Catherine wird eine ganz besondere Rolle zuteil – das hat mich wirklich sehr erstaunt, weil ich mit einer anderen Lösung gerechnet hatte.

Der Schreibstil ist umgangssprachlich und sehr einfach, manchmal wirkte er auf mich ein wenig hölzern - trotzdem hat er sich gut lesen lassen und die Seiten sind rasch dahingeflogen. Es gibt wenig Beschreibungen, die ich aber auch nicht vermisst habe, dafür reichlich Dialoge, die manchmal etwas gestelzt wirkten, das ganze aber sehr lebendig gemacht haben.

Mich hat das Buch trotz meiner Kritikpunkte gut unterhalten, am meisten gestört haben mich der eher unsympathische Ermittler und der doch große mystischen Part – ich gebe 3,5 von 5 Sternen und behalte den Autor weiter im Auge.

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Tell

Thomas Vaucher
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Stämpfli Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783727279003
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich war sehr neugierig auf diese Interpretation über die Legende Wilhelm Tells, weil mich die Leseprobe sofort gefesselt hat – und auch das Cover finde ich sehr ansprechend, vielleicht auch, weil es die klassische Art von Covern historischer Romane etwas verlässt.

Und ich wurde beim Lesen auch nicht enttäuscht – der Autor hat es geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Die Geschichte Wilhelm Tells – von Kindheit an bis zum legendären Apfelschuss – ist eingebettet in eine kleine Rahmengeschichte, die das Ganze nochmal spannender gemacht hat. Zwar wird das Leben Wilhelm Tells langsam erzählt, das aber hat die Spannung überhaupt nicht gemindert. Sie ist die ganze Zeit vorhanden, steigt stetig an und entlädt sich dann am Schluss in einem tollen Finale. Ich war wirklich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, obwohl es auch ruhigere Passagen gab im Buch - einfach weil ich immerzu wissen wollte, wie es denn nun weitergeht.

Das hat sicherlich auch mit dem angenehmen und sehr eingängigen Schreibstil zu tun. Er lässt sich flüssig lesen und hat bei mir ein historisches Gefühl geschaffen, so dass ich mich beim Lesen tatsächlich in eine andere Zeit versetzt gefühlt habe. Durch die vielen Beschreibungen, die aber nie zu lang oder ausführlich waren, konnte ich mir alles genau vorstellen und die Geschichte spielte sich vor meinen Augen wie ein Film ab.

Mir hat die Erzählung um Wilhelm Tell noch mal ganz neue Einblicke in die Vergangenheit gestattet – nicht nur, weil ich bisher noch nichts historisches gelesen habe, das in der Schweiz spielt, sondern auch, weil mir die Einblicke in das Söldnerleben sehr gut gefallen haben. Ich hatte da keine konkreten Vorstellungen, umso interessanter war es für mich, nun Neues über das Leben, die Hintergründe und auch die Motivationen eines Söldners zu erfahren.

Die Charaktere sind alle sehr gut gestaltet – und tatsächlich hat nicht nur der Protagonist Wilhelm viel Tiefe, sondern auch die Nebencharaktere sind alles andere als flach gezeichnet. Dafür hat sich der Autor viel Zeit genommen, so dass mir viele der ganz unterschiedlichen Figuren sehr ans Herz gewachsen sind. Es gibt nicht einfach nur „gut“ oder „böse“, jeder hat ganz unterschiedliche Facetten und jeder hat auch eine eigene Geschichte, die erklärt, warum er so geworden ist, wie er nun mal ist. Interessant sind dabei auch die Namen, die die Söldner tragen – selten ist es einfach nur der richtige Name, vielmehr nennen sie sich nach Anekdoten ihres Lebens; und als Leser wundert man sich über Namen wie „Strubbler“, „Bluttrinker“, „Einohr“, „Schlitzer“, „Zwiebelarsch“ – doch im Laufe des Buches werden alle Namen erklärt und damit dann auch verständlich.

Gefallen hat mir auch der sehr ausführliche Anhang – hier kann man nicht nur nachschlagen, wo sich mancher Ort befindet und welche Figuren überhaupt mitspielen, es gibt zudem noch ein Glossar, in dem einige Worte erklärt werden, die heutzutage nicht mehr so geläufig sind. Auch die auf den Innenseiten abgedruckte Karte mochte ich sehr, denn so konnte ich manche Reise einfach besser einordnen.

Dass mich das blutrote Cover sehr angesprochen hat, habe ich ja schon erwähnt, genauso wie die gesamte Gestaltung des Buches mit seinem Anhang und den abgedruckten Karten. Ungewöhnlich fand ich dagegen das Format des Buches: es ist deutlich größer als herkömmliche Hardcover und zu meinem Leidwesen leider mit sehr kleiner Schrift gedruckt. Auch der Preis des Buches ist ungewöhnlich hoch – aber vielleicht wird sich der ja noch unserem Buchpreismarkt anpassen.

Mein Fazit
Eine spannende und packende Geschichte, die sich um das Leben Wilhelm Tells dreht und mir ganz neue Einblicke gegeben hat. Die tolle Charakterzeichnung, der fesselnde und eingängige Schreibstil sowie die an Spannung stetig zunehmende Geschichte haben das Buch für mich zu einem Lesevergnügen werden lassen. Auf jeden Fall werde ich nach weiteren historischen Werken des Autors Ausschau halten – diesem hier gebe ich sehr gute 4 von 5 Sternen.

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

glück, sammlung, zweite chance, roman, trostloses leben

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

Rezension:

Ich schiebe diese Rezension jetzt schon länger vor mir her, weil ich immer noch über das Buch nachdenke und es mich einfach nicht loslassen will – beim Lesen selber hat es gar nicht diese große Faszination auf mich gehabt, aber dafür hallt es um so länger nach.

Wieder hat sich der Autor eine ganz besondere Geschichte ausgedacht. Der Anwalt Pierre-François Chaumont liebt es, Dinge zu sammeln, seine Frau hat für diese Leidenschaft dagegen wenig Verständnis. Als er ein altes Portrait ersteigert, auf dem er sich selbst erkennt, macht er sich auf die Suche, woher das Bild stammt.

Die Geschichte ist wieder mit einer wunderbaren Sprache erzählt, eine Sprache, in die ich sofort versinken kann und in der ich mich unglaublich wohl fühle. Dabei sollte man jetzt keine Angst vor blumigen oder ausschweifenden Beschreibungen haben, nein, die Sprache ist einfach poetisch und trifft mit jedem Wort genau das Wesentliche – und oft auch mitten ins Herz. Dazu hat natürlich auch die Geschichte beigetragen, die – obwohl von der Stimmung her eher melancholisch und traurig – doch Mut macht, neue Wege einzuschlagen, Eingefahrenes zu verlassen und so dem Leben neue Chancen einzuräumen. Eine schöne Botschaft, die mir gut gefällt.

Beim Lesen habe ich zwar den Zauber der Sprache gefühlt, den Zauber den Geschichte aber erst nach einigen Tagen, in denen ich noch viel über die Geschichte nachgedacht habe, weil sie mir nicht aus dem Kopf gehen wollte. Sie hat einfach etwas Magisches, etwas Unwirkliches – und trotzdem ist sie auch wieder sehr real und hat bei mir ein Gefühl ausgelöst, auch mal Dinge anzugehen und sie nicht vor sich her zu schieben.

Die Figur des Pierre-François Chaumonts ist außergewöhnlich, dabei aber sehr gut gezeichnet – und obwohl sie so außergewöhnlich ist und die Geschichte manchmal wie ein Traum erscheint, ist sie doch sehr authentisch. Ich habe mit Pierre-François Chaumont gelitten, seine Leidenschaft gespürt und bin daher auch gerne mit ihm auf diese ungewöhnliche Suche eingegangen. Andere Charaktere waren nicht ganz so filigran ausgearbeitet, ließen sogar ein paar Klischees erkennen, das aber hat mir gar nichts ausgemacht, weil sie so sehr gut in die Geschichte passten.

Wie schon die anderen Bücher Antoine Laurains, hat mir auch dieses wieder sehr gut gefallen. Eine Geschichte, die bei mir zwar erst auf den zweiten Blick ihren wahren Charme entwickelt hat, die mich dann aber vollends gepackt hat – ich gebe gerne 4 von 5 Sternen.

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62 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

alzheimer, kreuzfahrt, familie, krankheit, venedig

Tage zwischen Ebbe und Flut

Carin Müller
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519738
Genre: Romane

Rezension:

Eine wundervolle Geschichte voller Emotionen, die zum Nachdenken genauso anregt wie zum Schmunzeln oder Weinen – man sollte nur in der richtigen Lesestimmung sein, dann kann es wirklich überzeugen.

Mittelpunkt der Geschichte ist der 70-jährige Felix, der mit Ehefrau Ellen, Tochter Judith und Enkelin Fabienne eine Kreuzfahrt antritt – doch wer jetzt denkt, ein Idyll anzutreffen, täuscht sich, denn nicht nur ist Felix an der Alzheimer-Demenz erkrankt und wirft damit den einen oder anderen Plan schnell mal über Bord, ist seine Familie auch alles andere als einfach – so braucht es seine Zeit, bis jeder seinen Platz findet, auf dem Schiff, in der Familie und auch in seinem eigenen Leben.

Die Autorin hat sich ein schweres Thema für ihren Roman ausgesucht, trotzdem ist die Geschichte eine locker-leichte, bei der zwar zwischendurch immer mal wieder die ernsten Töne durchblicken und den Leser zum Nachdenken anregen, die aber auch voller Humor steckt und mich so auf eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen hat. Ich habe viel geschmunzelt, aber auch viel nachgedacht – vor allem aber sind die Probleme, die sich durch die Alzheimer-Erkrankung eines Familienmitglieds ergeben können, sehr deutlich geworden. Auch wenn manche Situation eher zum Schmunzeln einlädt, waren andere doch oft auch ernst und zeigten, wie viel Gefühl und Einfühlungsvermögen notwendig sind im Zusammenleben mit einem Demenzkranken.

Die Figuren waren alle sehr gut gezeichnet und jeder wirkte wie aus dem Leben gegriffen. Felix habe ich natürlich sofort ins Herz geschlossen – obwohl er manchmal hilflos wirkt, hat er doch seinen eigenen Kopf und vor allem das Herz am rechten Fleck – schlimm waren nur die Situationen, wenn er sich seiner Krankheit bewusst wird, da hatte ich dann auch schon mal Tränen in den Augen. Seine Ehefrau Ellen wirkt leider etwas herrisch, im Laufe der Geschichte aber lernt man sie näher kennen und dann auch ihren weichen Kern – das Zusammenleben mit ihrem Mann fordert sie sehr und diese Dominanz ist einfach ihre Art, mit der Situation umzugehen. Tochter Judith dagegen muss erst lernen, wie schwer genau dieses Zusammenleben sein kann – sonst sich eher der Karriere widmend, weiß sie in manchen Situationen nicht, mit der Familie umzugehen. Gefallen an ihr hat mir aber, dass sie sich entwickelt und bald auch erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist. Enkelin Fabienne bringt in die Geschichte noch mal jugendlichen Schwung, weil ihre Probleme einfach andere sind und sie sich wie ein typischer Teenager verhält – auch wenn sie das natürlich nicht hören mag.

Der Schreibstil ist locker und leicht, sehr lebendig und lässt mich als Leser eintauchen in die wundervolle Geschichte. Und die entführt nicht nur in eine turbulente Familie, sondern nimmt auch mit auf eine wundervolle Schiffsreise rund um den italienischen Stiefel und schafft so auch ein gewisses Urlaubsfeeling. Die Seiten fliegen rasch dahin und die Geschichte ist sehr kurzweilig, dennoch ist das Buch keins für zwischendurch, weil es noch lange nachhallt und zum Nachdenken anregt. Einziges Manko – und da kann das Buch nichts für – ich war leider nicht in der richtigen Lesestimmung; sonst hätte es volle 5 Sterne gegeben. Trotzdem würde ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, weil es einfach eine tolle Geschichte ist, die emotional berührt, dabei voller Humor steckt und Lesefreude schenkt.

Mein Fazit
Trotz des ernsten Themas ist das Buch voller Humor und lädt zum Lachen, aber auch zum Nachdenken und Weinen ein. Die Schiffsreise der Familie Kaufmann, bei der im Mittelpunkt der demenzkranke Felix steht, entwickelt sich für jeden einzelnen zu einer Reise zu sich selbst – und trotz vieler lustiger Szenen bietet die Geschichte auch viele ernste Themen, die nachdenklich machen. Liebenswerte Charaktere und ein lockerer, sehr lebendiger Schreibstil haben mir schöne Lesestunden geschenkt. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen.

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12 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

schuld, freundschaft, deutschland 1914, erster weltkrieg, front

Die Stunde des Schmetterlings

Pieter Webeling , Christiane Burkhardt
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Blessing, 26.09.2016
ISBN 9783896675682
Genre: Romane

Rezension:

Man sollte natürlich gerne Bücher lesen, die zur Zeit des ersten Weltkrieges spielen und in denen nichts beschönigt wird, dann aber kann ich dieses in Abschnitten an Remarques Klassiker „Im Westen nichts Neues“ erinnerndes Buch sehr empfehlen: eine eindringliche und berührende Geschichte über Schuld, Verrat und Illusion, aber auch über die Kraft der Liebe und der Freundschaft.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen, die aber sehr nah beieinander liegen. Julius Reinhardt ist im Jahr 1915 auf Heimaturlaub und möchte seinem Leben ein Ende setzen – zu groß ist das Gefühl der Schuld und des Verlustes – doch ein Priester hält ihn davon ab und lässt ihn seine Geschichte erzählen. Diese beginnt ein paar Jahre vor Kriegsbeginn mit einer innigen Freundschaft vierer ganz unterschiedlicher Jungen.

Pieter Webeling lässt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen – zunächst wir man rein geschmissen in die bedrückende Szenerie in den Ruinen einer Kirche, in der Julius sich das Leben nehmen will, einmal „gerettet“ jedoch, begleitet man Julius zurück in seine Kindheit und Jugend, als alles noch ganz normal erschien, bis der Ausbruch des Krieges dann alles veränderte.

Langsam werden die vier unterschiedlichen Freunde vorgestellt, so dass man sich jeden sehr gut vorstellen kann und auch das interessante Geflecht, das die vier miteinander verbindet. Alle vier melden sich als Soldaten, denken, damit dem Einerlei des Alltags entfliehen zu können – und werden bald desillusioniert. Jeder geht in dieser schweren Zeit einen eigenen Weg und doch sind sie untrennbar miteinander verknüpft.

Julius erzählt dabei seine Geschichte und man erlebt dabei als Leser hautnah, was ihn in der Zeit des Krieges berührt und geängstigt hat, was er verloren, aber auch gefunden hat – und nicht immer sind seine Erlebnisse leicht zu ertragen.

Der geduldige und sehr inspirierende Zuhörer Julius‘ Geschichte ist ein alter Mann, der Priester eines nahezu völlig zerstörten französischen Dorfes – er hat eine ganz eigene Philosophie des Lebens, die den Titel des Romans erklärt, und die er wunderbar mit seinem Glauben verknüpft, das aber ganz unaufdringlich, so dass ich mich nicht genötigt oder in eine Ecke gedrängt fühlte.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, mal sehr schlicht mit einfachen, aber sehr treffenden Worten, dann aber wieder auch poetisch und an manchen Stellen auch etwas blumig – immer aber schafft er eine melancholische und bedrückende Stimmung, die mich völlig eingenommen hat, und die einfach anschaulich die Atmosphäre der jeweiligen Szenerien widerspiegelt.

An manchen Stellen lässt der Autor sich vielleicht etwas viel Zeit, die Geschichte zu erzählen, zumindest habe ich es beim Lesen so empfunden – nach Zuschlagen des Buches aber scheint kein Satz mehr überflüssig und alles wirkt in sich rund und schlüssig.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt und wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich es sehr ans Herz legen. Ich gebe ihm gute 4 von 5 Sternen.

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das Weihnachtsdorf

Petra Durst-Benning
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 26.09.2016
ISBN 9783641200008
Genre: Romane

Rezension:

Der erste Band der Maierhofen-Reihe hatte mir ja sehr gut gefallen, nun war ich sehr gespannt, was an Weihnachten in dem kleinen Dörfchen mit seinen liebenswerten Bewohnern passieren wird.

Es war sehr schön, die altbekannten Charaktere, die mir sehr ans Herz gewachsen waren, wiederzutreffen – und deshalb würde ich auch raten, dieses Buch erst nach dem ersten zu lesen, um einfach diese Verbundenheit mit den Figuren zu spüren. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mittendrin im beschaulichen Maierhofen, das sich aber durch den Enthusiasmus seiner Bewohner und durch deren behutsame und liebevolle Art zu einem ganz besonderen Städtchen gemausert hat. Nach und nach tauchen wieder alle bekannten Gesichter aus dem ersten Band auf, man erfährt, was seit dem Genießerfest im Sommer geschehen ist und nimmt einfach Teil am Leben der Bewohner.

Dabei hat aber trotz aller Freude jeder auch sein Päckchen zu tragen, der eine ein größeres, der andere ein kleineres. Und jeder hat eigene Vorstellungen, wie er das Weihnachtsfest feiern möchte. Nach einigen trubeligen Erlebnissen kommt am Ende dann alles ganz anders - als Leser ahnt man das natürlich, trotzdem habe ich mich beim Lesen sehr wohl gefühlt und war zu keinem Zeitpunkt etwa gelangweilt. Ich habe mich gerne von der vorweihnachtlichen Atmosphäre anstecken lassen und habe ebenso wie die ganzen Charaktere die Vorfreude auf das Fest gespürt – ein Buch, das also wunderbar auf das Weihnachtsfest einstimmt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, beschwingt und fluffig – und schafft eine schöne Stimmung, die trotz aller Turbulenzen dann auch noch festlich wird. Schade nur, dass das Buch nur sehr dünn ist – für mich hätte die Geschichte gut noch ein paar mehr Seiten vertragen, dann hätte ich einfach länger in Maierhofen verweilen können und noch besser abtauchen können bei den mit ans Herz gewachsenen Figuren.

Der wirklich ausführliche Anhang mit Rezepten zur Adventzeit, Deko- und Feiertipps rundet die ganze Geschichte dann nochmal ab und hat mich das Buch mit einem warmen Gefühl im Bauch zu schlagen lassen. Insgesamt gebe ich 4 von 5 Sternen und freue mich schon auf den nächsten Band aus der Maierhofen-Reihe.

Mein Fazit
Ein Buch, das wunderbar auf Weihnachten einstimmt und sehr gut in die Adventszeit passt – schön war es, die liebgewonnen Charaktere aus Band 1 wiederzutreffen und ihre turbulente Vorweihnachtszeit mitzuerleben. Schade nur, dass das Buch so kurz ist – gerne wäre ich noch länger in Maierhofen geblieben. Ich gebe 4 von 5 Sternen und freue mich auf den nächsten Band!

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142 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 65 Rezensionen

heiligendamm, barbarazweig, ostsee, liebe, amnesie

Winterblüte

Corina Bomann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783471351420
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe schon einige Bücher von Corina Bomann gelesen - daher war ich natürlich neugierig auf ihr neues Buch – diesmal ist es keine Geschichte auf zwei Zeitebenen, sondern eher eine ruhige, aber berührende Liebesgeschichte.

Sie spielt im Dezember des Jahres 1902, in Heiligendamm, dem eleganten Ostseebad. Während Johanna sich zum Weihnachtsfest für einen Verehrer entscheiden soll, den sie heiraten soll, obwohl ihr Herz doch einem ganz anderen Mann gehört, der aber für die Eltern nicht in Frage kommt, findet ihr Bruder am Strand am junge Frau, die nach einem Unfall aber ihr Gedächtnis verloren hat - einzig an den Brauch des Barbarazweigs kann sie sich noch erinnern.

Corina Bomann versteht es, den Leser direkt in die Geschichte hineinzuziehen, die dann auch einen ganz eigenen Sog entwickelt. Dabei hilft natürlich auch der angenehme Schreibstil, der sich nicht nur gut lesen lässt, sondern auch die Stimmung des Buches, die eher gediegen und bedrückend, am Ende dann aber auch feierlich wird, einzufangen. Dabei bleibt die Geschichte insgesamt sehr ruhig und war mir an einigen Stellen auch etwas zu langatmig, weil sie sich im Kreis zu drehen schien – bei Johanna dreht sich alles immer wieder um die Wahl ihres Verlobten, bei Barbara um ihre Erinnerungen. Dazu kam, dass die Geschichte sehr vorhersehbar war und das Ende eigentlich klar ist - dadurch ging leider die Spannung dann auch verloren. Trotzdem habe ich die Atmosphäre gemocht, die tatsächlich an die Vorweihnachtszeit erinnert.

Die Charaktere sind gut gestaltet, auch wenn das eine oder andere Klischee bedient wurde – es gibt die etwas naive Protagonistin, den freundlichen und sehr zugewandten Bruder, die an Konventionen haftende Mutter, den zurückhaltenden Vater und die geheimnisvolle Fremde. Gemocht habe ich Johanna und auch Barbara trotzdem und sie beide auf ihrer Suche auch gerne begleitet. Am Ende klären sich dann alle Fragen und die Fäden laufen zusammen – und auch wenn alles etwas vorhersehbar war und sich dann schließlich zum Guten wendet, schlägt man das Buch mit einem wohligen Gefühl im Bauch zu.

Mir hat trotzdem die Spannung gefehlt und über die eine oder andere Überraschung hätte ich mich sehr gefreut, so war es eine schöne, aber leider auch nicht lange nachhaltende Lektüre. Ich gebe 3 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine schöne, wenn auch sehr vorhersehbare Geschichte, die wunderbar in die Adventszeit passt – mir hat leider die Spannung etwas gefehlt, dafür aber besticht das Buch durch eine schöne Atmosphäre und eine wundervolle Sprache. Die sympathischen Charaktere habe ich gerne begleitet und am Ende fügt sich alles zusammen, so dass keine Fragen zurückbleiben. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen.

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76 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

familien-saga, luxusliner, historischer roman, jeffrey archer, ira

Im Schatten unserer Wünsche

Jeffrey Archer , Martin Ruf
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419919
Genre: Historische Romane

Rezension:

Voller Vorfreude habe ich auf die Fortsetzung der Clifton-Saga gewartet und fand diesen Band auch wieder packend und fesselnd – doch auch wenn ich mich gut unterhalten fühlte, habe ich doch Kritikpunkte an der Umsetzung.

Ich hatte sehr gehofft, dass es wieder mal mehr um Harry Clifton geht – ihn habe ich seit dem ersten Band sehr ins Herz geschlossen, doch leider hat er in den nachfolgenden Bänden zunehmend eine kleine Nebenrolle eingenommen – so auch in diesem Band. Es sind eher seine Frau Emma, die im Mittelpunkt steht, so wie das Barrington Unternehmen, dem sie als Vorstandsmitglied vorsitzt, oder die fiesen Machenschaften von Alex Fisher und der Rachefeldzug von Don Pedro Martinez. Vieles dabei ist wirklich spannend und ich habe mit Emma gefiebert, doch leider muss ich auch sagen, dass einige Stilmittel nun schon in Vorbänden genutzt wurden und so etwas „abgenutzt“ wirkten; es geht wieder um Verkäufe von Aktien, lange Verhandlungen im Vorstand, Wahlkampfgeschichten und wieder ist es Alex Fisher, der eine wichtige Rolle spielt. Es gab für mich aber auch ein Highlight, nämlich die Figur des Bankers Cedric Hardcastle. Er hat die Geschichte wirklich bereichert mit seinem Ideenreichtum und seiner Hartnäckigkeit – ich hoffe, er wird auch im nächsten Band wieder auftauchen und eine größere Rolle spielen. Die meisten anderen Figuren kennt man nun schon aus den Vorgängerbänden – Emma hat sich in diesem Band in eine tolle Richtung weiterentwickelt, bei Giles und Harry kann ich das leider nicht sagen, weil sie einfach blass geblieben sind und sie kaum in der Geschichte auftauchten. Das hat mich schon ein wenig traurig gestimmt. Denn auch bei diesen Figuren tut sich was im Leben, doch selbst Ereignisse wie eine Hochzeit oder Kinder werden nur mal nebenbei in einem Nebensatz erwähnt und es besteht die Gefahr, dass sie einfach untergehen oder überlesen werden.

Der Schreibstil ist toll, er fesselt und hat mich als Leser bei der Stange gehalten, sicherlich auch, weil er rasch und flüssig zu lesen ist. Wieder wird die Geschichte aus Sicht verschiedener Figuren erzählt, deren Name jeweils vorangestellt ist, diesmal aber ist die Geschichte linear erzählt und nicht – wie es mich vor allem im ersten Band so begeistert hat –, dass gleiche Zeitabschnitte aus Sicht verschiedener Personen betrachtet werden. Schade, denn gerade dieses Stilmittel fand ich grandios. Verzichtet hätte ich gerne auf einen erneuten Cliffhanger am Ende des Buches – wieder hat man den Eindruck, das Buch endet mitten im Kapitel, ohne Abschluss. Diesmal kann man sich aber denken, wie es ausgeht, trotzdem finde ich diese Cliffhanger überflüssig, denn Leser gewinnt man nicht durch ein offenes Ende, sondern durch eine gut erzählte Geschichte, die neugierig macht, wie es weitergeht.

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich auch dieser vierte Band der Clifton-Saga wieder gut unterhalten. Grundsätzlich hätte ich mir einfach gewünscht, dass der Schwerpunkt mehr auf Harry liegt und es weniger um die Geschäfte und um die immer wiederkehrenden Rachefeldzüge geht, sondern mehr um die Familie. Aber vielleicht ändert sich das ja im nächsten Band – auf den warte ich auf jeden Fall schon wieder sehnsuchtsvoll. Diesem Buch gebe ich 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Auch wenn sich die Saga in eine andere Richtung entwickelt, als ich es mir gewünscht habe und es doch einige Szenen und Stilmittel gibt, die schon in den vorherigen Bänden benutzt wurden, war auch dieser Teil wieder fesselnd und sehr unterhaltsam. Man sollte die Bücher aber tatsächlich in der richtigen Reihenfolge lesen, da die einzelnen Bücher nicht in sich abgeschlossen sind und aufeinander aufbauen. Diesem Band gebe ich 4 von 5 Sternen.

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(40)

69 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

köln, familiengeheimnis, geheimnis, familiensaga, liebe

Die Kirschvilla

Hanna Caspian
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419551
Genre: Romane

Rezension:

Ich liebe ja Romane, die auf zwei Zeitebenen spielen, daher war ich sehr neugierig auf diese Geschichte. Und auch wenn sie sehr düster ist, hat mich das Buch doch gepackt und gefesselt.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen – in der Gegenwart steht Isabell im Mittelpunkt, die mit ihrer Großmutter Pauline nach Köln fährt, weil diese dort eine alte Villa geerbt hat. Für Pauline ist es eine Reise zurück in die Vergangenheit, doch es ist keine schöne Reise, denn die Villa gibt einige düstere Geheimnisse preis. Der zweite Erzählstrang spielt in den 20er Jahren und erzählt vom Leben der Familie Korte in eben dieser Villa. Es ist ein Kampf ums tägliche Überleben, jeder in der Familie muss mit anpacken – doch was sich tatsächlich hinter den Toren der Kirschvilla abspielt, ahnt zunächst keiner.

Wie so oft, habe ich mich auch diesmal in dem Erzählstrang der Vergangenheit wohler gefühlt als in dem der Gegenwart. Ich muss aber zugeben, dass dieser schon sehr bedrückend und düster war – nicht so sehr der entbehrungsreichen Zeit wegen, sondern weil in der Familie Korte Dinge geschehen, die so unglaublich sind, dass sie mich sehr wütend und traurig gemacht haben. Leider gab es nur sehr wenig helle Momente in dieser Familie und die ganze Tragik zieht sich wie ein Fluch auch bis in die Gegenwart hinein. Auch wenn der Erzählstrang in der Gegenwart nicht ganz so düster war, wurde auch er überschattet von vielen schlimmen Ereignissen. Da konnte leider auch die etwas konstruiert wirkende Liebesgeschichte nicht drüber hinwegtäuschen und die Atmosphäre zum Guten verbessern – es ist einfach eine düstere Geschichte geblieben.

Während in der Vergangenheit die ganze Familie Korte im Mittelpunkt der Geschichte stand, ist es in der Gegenwart vor allem Isabell. Ich mochte sie gerne, auch wenn ich viele ihre Einstellungen nicht richtig verstanden habe und ich mich so auch schlecht in sie hineinversetzen konnte. Dennoch war sie einfach liebenswert, weil sie sich für ihre Großmutter einsetzt, sie begleitet und ihr in den Tagen, als schlimme Erinnerungen über sie hineinbrechen, beisteht. Julius, ein Mitarbeiter der Notarskanzlei, in den sich Isabell verliebt, wirkte dagegen etwas gestelzt und hölzern – er war mich nicht unsympathisch, aber er wirkte einfach nicht authentisch, so wie er sich verhalten und vor allem wie er gesprochen hat. Richtig toll gestaltet waren dagegen die Mitglieder der Familie Korte. Es passiert ja schreckliches in der Familie – was, werde ich natürlich nicht verraten – und ich konnte mir jeden einzelnen in diesem Drama genau vorstellen, habe bei fast jedem verstanden, warum er gehandelt hat, wie er es tut – und konnte mich – so verschieden die Menschen auch waren - sehr gut in sie hineinversetzen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und lässt vor allem die Zeit der 20er Jahre nochmal lebendig werden. Hanna Caspian schafft mit ihren Worten eine unglaubliche Atmosphäre, die aber leider über das ganze Buch hinweg sehr düster und melancholisch ist. Hier hätte ich mir einfach ein paar mehr „Lichtblicke“ gewünscht, ein paar schöne Momente, in denen man mal aufatmen kann und all das Schreckliche vergessen kann. Die immer wieder eingestreuten Tagebucheinträge einer der Töchter der Kortes haben die ganze Tragik noch einmal verstärkt, weil ich durch diese Einträge nochmal mehr mitgefühlt und vor allem auch mitgelitten habe. Das Geheimnis, das sich wie ein roter Faden durch beide Erzählstränge zieht, fand ich eher vorhersehbar und war mir schon sehr früh klar – dennoch aber hat mich die Geschichte gepackt und gefesselt, so dass ich das nicht als Manko angesehen habe.

Trotz der düsteren und sehr traurigen Geschichte, hat mir das Buch aber gut gefallen, so dass ich 4 von 5 Sternen vergebe.

Mein Fazit
Es ist eine sehr düstere und traurige Geschichte und die Atmosphäre ist durchweg bedrückend – das sollte man vielleicht wissen, wenn man sich auf dieses Buch einlässt, das auf zwei Zeitebenen spielt und den Leser in die entbehrungsreiche Zeit der 1920er Jahre entführt. Trotzdem hat mir die Geschichte gut gefallen, auch wenn ich mir ein paar mehr „helle“ Momente zum Aufatmen gewünscht hätte. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Charaktere sind gut gezeichnet – ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

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22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

seniorenresidenz, krimi, cornwall, reihe, mord

Gestorben wird früher

Rebecca Michéle
Flexibler Einband: 328 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 06.09.2016
ISBN 9783940258632
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der letzte Band der Reihe um Mabel Clarence, die im Stil von Miss Marple im beschaulichen Cornwall Morde aufklärt – doch so traurig es ist, dass es wohl der letzte Band um die liebenswerte Ermittlerin ist, scheint es im nächsten Jahr eine neue Reihe zu geben, die in Mabels herrschaftlichem Herrenhaus Higher Barton angesiedelt ist – nur mit neuen Protagonisten.
Dieser Band ist in sich abgeschlossen, trotzdem würde ich empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, denn nur so kann man verstehen, warum man als Leser am Ende aufatmet und endlich das eintritt, was man sich schon lange gewünscht hat.

Diesmal spielt die Geschichte in St. Ives, wo in einer Seniorenresidenz eine Frau unter merkwürdigen Umständen ums Leben kommt – nur die Polizei hält den Todesfall für völlig erklärlich. Mabel Clarence kann es natürlich nicht lassen, und mietet sich in die Residenz ein – und tatsächlich bleibt es nicht bei dem einen Todesfall…

Ich mochte das Setting der Morde in dieser Seniorenresidenz, weil es einfach mal was anderes war. Ab Mitte des Buches ahnt man als Leser zwar, wer der Mörder sein könnte, das aber hat meine Lesefreude in keinster Weise getrübt. Die Charaktere sind wieder mal interessant gezeichnet – vielleicht wird das eine andere Klischee hier bedient, dennoch aber haben die eigenwilligen und kauzigen Senioren einfach wunderbar in die Geschichte gepasst. Ich zumindest musste das eine oder andere Mal richtig schmunzeln, weil sie so abstrus und schrullig waren. Mabel ist davon natürlich ausgeschlossen – sie mag ich wegen ihrer Art, nichts einfach als gegeben hinzunehmen und wegen des Drangs, den Dingen auf den Grund gehen zu müssen. Dass sie dabei an Miss Marple erinnert, ist gewollt – genauso wie der ihr stets beiseite stehende eigenbrötlerische Victor Daniels an Mr. Stringer erinnert. Die beiden sind einfach ein wunderbares Ermittlerpärchen und ihre sprachlichen Schlagabtausche habe ich wieder einmal sehr genossen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, locker und sehr lebendig durch viele Dialoge – diesmal aber habe ich die Atmosphäre Cornwalls nicht ganz so sehr gespürt wie sonst, sicherlich aber auch deshalb, weil die Geschichte in großen Teilen in der Seniorenresidenz spielt und Mabel wenig unterwegs ist. Gefesselt war ich dennoch, und langweilig ist es nie geworden, dafür passiert einfach zu viel und man wird als Leser durch einige unerwartete Wendungen überrascht.

Insgesamt gebe ich diesem Buch 4 von 5 Sternen – zwar bin ich traurig, Mabel und Victor nun verlassen zu müssen, bin aber auch schon neugierig auf die neue in Cornwall spielende Reihe!

Mein Fazit
Ein toller Abschluss der Reihe um Mabel Clarence, die als neugierige Rentnerin in Cornwall – diesmal in einer Seniorenresidenz – ermittelt. Es hat Spaß gemacht, die sympathische Protagonistin erneut zu begleiten und auch wenn man als Leser ab der Mitte des Buches ahnt, wer der Mörder ist, hat es meinem Lesespaß keinen Abbruch getan. Ich gebe diesem Band 4 von 5 Sternen und kann die Reihe als unterhaltsame Lektüre für zwischendurch nur empfehlen!

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294 Bibliotheken, 7 Leser, 1 Gruppe, 94 Rezensionen

frankreich, schwestern, resistance, zweiter weltkrieg, krieg

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

„Die Nachtigall“ ist ein wirklich berührender und aufrüttelnder Roman über das schwierigste Kapitel deutscher Geschichte.

Im Mittelpunkt stehen die beiden Schwestern Vianne und Isabelle, die unterschiedlicher nicht sein können – während für Vianne die Familie über allem steht, fühlt sich Isabelle eher als unabhängiger Mensch. Und auch als Frankreich von den Deutschen besetzt wird, geht jede der Frauen einen eigenen Weg – aber beide kämpfen auf ihre Weise gegen die Nazidiktatur.

Auch wenn mich das Buch nicht von Anfang an packen konnte und es etwas Zeit brauchte, bis die Geschichte in Schwung kam, hat es mich letztlich doch überzeugen und fesseln können. Kristin Hannah hat mich mit ihren Beschreibungen in die furchtbare Zeit des von den Deutschen besetzten Frankreichs entführt – ich habe den Hunger der Bevölkerung genauso spüren können wie die Kälte des Winters, habe beim Schlange stehen, um etwas Essbares zu erhalten, mitgefühlt und viele schreckliche Bilder vor Augen gehabt. Dabei fand ich die Beschreibungen nie zu weitschweifend, sondern genau passend, so dass mein Kopfkino angeschaltet war. Überhaupt schafft die Autorin eine unglaubliche Atmosphäre mit ihrem Schreibstil, der gut zu lesen ist, dabei mitreißt und den Leser berührt. Einmal in der Geschichte angekommen, war ich dann auch gefesselt und gerade in der zweiten Hälfte konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen. Dabei ist die Autorin nicht zimperlich mit dem, was geschieht, hier wird nichts verharmlost oder beschönigt, sondern die Zeit so dargestellt, wie sie tatsächlich war – und auch wenn es eine fiktive Geschichte ist, konnte ich mir die beiden Schwestern Vianne und Isabelle genauso in dieser Zeit vorstellen.

Beide Figuren waren sehr gut gestaltet und ich könnte gar nicht sagen, wer von beiden mir besser gefallen hat. Ich mochte Vianne mit ihrer bodenständigen Art, auch wenn sie nicht so revolutionär wie ihre Schwester war und man sie fälschlicherweise auch als untertänig oder gehorsam bezeichnen könnte – sie hat auf ihre Weise gekämpft und auch gehörigen Mut bewiesen; dass sie die Familie als höchstes Gut sieht, habe ich als sympathische Eigenschaft empfunden und daher auch mit ihr gelitten und gefiebert. Ihre kleinere Schwester Isabelle war da ganz anders – sie ist impulsiv und ein Kämpfertyp, nichts kann sie so schnell zurückschrecken. Manches Mal wirkt sie dabei ein wenig naiv, und oft hatte ich das Bedürfnis, sie einfach mal in den Arm zu nehmen in dieser von Angst und Schrecken geprägten Zeit. Sie hat sich einen anderen Weg des Widerstands ausgesucht und mich mit ihrer mutigen und anpackenden Art beeindruckt. Aber auch andere Charaktere sind gut gestaltet, besonders gefallen hat mir zum Beispiel der Vater Viannes und Isabells in seiner sehr tragischen Rolle.

Man sollte sich wohl von dem Cover nicht in die Irre leiten lassen – so hübsch ich es auch finde, passt es meiner Meinung nach leider nicht zur Geschichte und lässt einen an etwas ganz anderes denken. Man sollte also keine romantische Liebesgeschichte in Paris erwarten – vielmehr bekommt man bedrückende und sehr emotionale Einblicke in das Leben zweier starker Frauen im besetzten Frankreich. Ich gebe dieser Geschichte 4,5 von 5 Sternen, einen halben Stern ziehe ich nur wegen des doch zögerlichen Einstiegs in die Geschichte ab.

Mein Fazit
Eine spannende und zugleich beklemmende Geschichte zweier Schwestern, die ganz unterschiedliche Wege des Widerstands gegen das Nazideutschland gehen. Der Schreibstil ist sehr atmosphärisch und hat bei mir einen ganzen Film im Kopf entstehen lassen, die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und haben mich mitfühlen und –leiden lassen. Diese Geschichte ist wirklich eine emotionale Tal- und Bergfahrt – wer gerne Bücher liest, die sich mit dem zweiten Weltkrieg beschäftigen und dabei nichts beschönigen, sollte sich dieses Buch mal genauer anschauen. Ich gebe ihm 4,5 von 5 Sternen und ziehe einen halben Stern nur wegen des etwas zögerlichen Einstiegs ab.

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166 Bibliotheken, 8 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

menschenhandel, frankreich, krimi, charlotte link, mord

Die Entscheidung

Charlotte Link
Fester Einband: 580 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 05.09.2016
ISBN 9783764504410
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In das Genre Kriminalroman würde ich dieses Buch zwar eher nicht einordnen, sondern es eher als Spannungsroman bezeichnen, aber egal was es nun ist, hat es mich gut unterhalten.

Das Buch fesselt von der ersten Seite an, sicherlich auch, weil es zwischen verschiedenen Schauplätzen hin und her wechselt, die man zunächst nicht zusammenbringt, die dann aber nach und nach doch ineinandergreifen. So entsteht am Ende eines jeden Kapitels ein kleiner Cliffhanger, der mich als Leser bei der Stange gehaltern hat. Aber auch die Geschichte selber ist spannend – im Mittelpunkt stehen zum einen Simon und Nathalie, die eher zufällig in einer mörderische Verfolgungsjagd gelangen, dabei aber gar nicht wissen, was eigentlich der Grund für diese Verfolgung ist, zum anderen Selina, die gerade aus ihrer Gefangenschaft fliehen konnte und vor lauter Angst vor ihren Verfolgern nur eines will – untertauchen. Die Sorge ist berechtigt, denn die Verfolger sind nicht zimperlich – auch nach einigen Morden tappt die Polizei weiter im Dunkeln und die Leben von Simon, Nathalie und Selina stehen auf dem Spiel.

Die Geschichte ist wirklich spannend, so dass ich das Buch in kurzer Zeit durchgelesen hatte. Dazu hat sicherlich auch der eingängige Schreibstil Charlotte Links beigetragen – er ist gut lesbar, lebendig und hat bei mir vor Augen einen Film entstehen lassen.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, auch wenn ich sie in ihren Handlungen nicht immer verstehen konnte. So unentschlossen Simon auch meistens war, habe ich ihn doch irgendwie in mein Herz geschlossen – vielleicht einfach weil er nicht aus seiner Haut konnte, dabei aber sein Herz am rechten Fleck trägt. Nathalie dagegen mochte ich nicht so gerne – sie hat es in ihrem jungen Leben bisher nicht leicht gehabt und sicherlich sind viele Verhaltenszüge genau dadurch zu erklären, dennoch konnte ich ihre abgöttische Liebe und ihr dadurch unüberlegtes Handeln nicht verstehen. Gefallen hat mir aber, dass beide Charaktere sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln – und auch wenn beide da noch einen weiten Weg vor sich haben, war das doch ein guter Anfang. Toll als Figur fand ich Ivana – wer sie ist und welche Rolle sie spielt, muss man selber herausfinden. Aber sie wächst über sich hinaus und entwickelt eine unglaubliche Energie – das hat mich schon sehr beeindruckt.

Dass es in diesem Buch um Menschenhandel geht, ahnt man als Leser schon sehr früh – letztlich aber ist dies nur der Hintergrund für die spannende Verfolgungsjagd. Viel erfährt der Leser nicht über die genauen Umstände, dabei hätten mich diese doch sehr interessiert. Der Fokus liegt aber eindeutig auf der Verfolgung – das sollte man vielleicht wissen, um nicht mit falschen Erwartungen an das Buch heranzugehen.

Mich hat Charlotte Link mit diesem Spannungsroman gut unterhalten – für zwischendurch ist das Buch genau das Richtige, ich gebe ihm 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Fesselnd von Anfang an, kann die Autorin die Spannung auch über das ganze Buch hinweg halten – dabei steht eine mörderische Verfolgungsjagd im Vordergrund. Was diese auslöst, erfährt man erst im Laufe der Geschichte, wenn die unterschiedlichen Erzählstränge nach und nach zusammenlaufen. Auch wenn ich nicht alle Charaktere in ihren Handlungen verstehen konnte und sie mir auch nicht unbedingt sympathisch waren, habe ich doch mit gefiebert und das Buch innerhalb weniger Tage durchgelesen – dazu hat sicherlich auch der eingängige Schreibstil beigetragen. Einziges Manko – man erfährt nur wenig über die eigentlichen Hintergründe, dabei hätte das Thema „Menschenhandel“ da einiges an Potential gehabt. Trotzdem wurde ich gut unterhalten und gebe daher 4 von 5 Sternen.

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62 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

spannung, thriller, michel bussi, spannend, frankreich

Das verlorene Kind

Michel Bussi , Barbara Reitz , Eliane Hagedorn
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 15.08.2016
ISBN 9783352008863
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bisher haben mich die Bücher von Michel Bussi immer überzeugen können, bei diesem bin ich leider enttäuscht – zwar liest sich die Geschichte wieder flott und flüssig, der Plot aber ist doch sehr konstruiert und konnte mich deshalb einfach nicht begeistern.

Den Einstieg fand ich noch gelungen, konnte er mich doch direkt in die Geschichte saugen und fesseln – nichts schien irgendwie zusammenzupassen und ich war neugierig, wie sich diese Geschichte entwickeln wird. Doch leider konnte mich der Autor dann erst mal weiter nicht fesseln – die erste Hälfte fand ich dann doch etwas langatmig, auch wenn ich die Einschübe, wie ein kindliches Gedächtnis funktioniert, wie man es konditionieren und beeinflussen kann, sehr interessant fand. Die Polizei scheint wenig interessiert an dem Fall des kleinen Malone, der behauptet, seine Mutter sei nicht seine leibliche Mutter – da hilft es auch nicht, dass der Schulpsychologie immer wieder auf diverse Widrigkeiten hinweist. Ein anderer Fall ist dringlicher, doch dieser konnte mich leider nicht packen. Erst als dann Schreckliches geschieht, kommt Schwung in die Geschichte und die Polizei greift endlich ein. Es wird spannend, die Geschehnisse erscheinen immer weniger erklärlich und natürlich war ich neugierig, wie der Autor das am Ende tatsächlich alles auflösen will, so dass es glaubhaft ist und mich als Leser überrascht. Es gibt immer wieder Wendungen und falsche Fährten, mir aber kam das Ganze immer unlogischer vor, und ich wollte das Szenario, dass sich bei mir im Kopf zusammensetzte, einfach nicht wahrhaben. Und am Ende habe ich dann leider auch Recht behalten – die Geschichte ist so konstruiert und wenig glaubhaft, dass ich mich schon sehr geärgert habe – und einige kleine Logikfehler haben das ganze natürlich noch verstärkt.

Dabei liest sich das Buch flüssig und schnell weg - ich mag den Schreibstil des Autors sehr, einfach weil er so vielfältig ist und je nach Szenerie mal kurz und prägnant die Dinge auf den Punkt bringt, mal aber auch etwas ausführlicher auf Sachen eingeht, sie beschreibt und so Bilder zumindest in meinem Kopf erzeugt.

Die Charaktere sind zum Teil sehr gut gestaltet, zum Teil aber auch sehr flach und eindimensional. Den kleinen 4jährigen Malone habe ich natürlich sehr ins Herz geschossen, auch wenn er für sein Alter viel zu reif wirkte, auch den Schulpsychologen Vasile mochte ich sehr, wie er sich nicht hat abwimmeln lassen und den Dingen selbst auf den Grund ging, als die Polizei ihm nicht helfen wollte. Eher flach fand ich dagegen „die Bösen“, ohne näher auf sie eingehen zu wollen – irgendwie hatten sie keine Geschichte, keine Vergangenheit, so dass sie mit ihren Taten mir völlig unverständlich blieben. Auch die Commandante Augresse hat mir leider nicht gefallen – ihre Ignoranz Vasile gegenüber, ihre privaten Probleme, die auch in den Fall einfließen, und das Gefühl, dass die Polizei leider immer einen Schritt zu langsam ist – das hat sie mir einfach nicht sympathisch werden lassen.

Insgesamt kann ich dem Buch leider nur 3 Sterne geben, einfach weil die ganze Geschichte völlig unglaubwürdig ist und konstruiert wirkt. Dennoch aber werde ich den Autor weiter im Auge behalten, da ich andere Bücher von ihm klasse fand und sein Schreibstil mich tatsächlich begeistert.

Mein Fazit
Leider ein sehr konstruierter Plot, der mich überhaupt nicht überzeugen konnte und den ich sehr unglaubwürdig fand – dazu konnte mich die erste Hälfte des Buches gar nicht fesseln, erst in der zweiten wurde es dann spannender. Auch die Charaktere waren nicht alle überzeugend, dafür aber der Schreibstill, der einiges wieder wett machen konnte. Insgesamt kann ich leider nur 3 von 5 Sternen vergeben

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62 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

heilerin, teufel, hexe, mittelalter, könig

Die Schattenschrift

Dana Carpenter , Beate Brammertz
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Heyne, 08.08.2016
ISBN 9783453317277
Genre: Fantasy

Rezension:

Leider waren meine Erwartungen an diese Geschichte ganz andere und wurden nur in Teilen erfüllt, deshalb bin ich unentschlossen, wie ich das Buch bewerten soll. Einiges hat mir sehr gut gefallen, anderes dagegen leider gar nicht.

Im Mittelpunkt steht Maus, ein junges Mädchen, das ihre Herkunft nicht kennt und in einem Kloster aufwächst und dort die Kunst des Heilens erlernt. Was nur wenige wissen, dass sie auch über besondere Gaben verfügt – und je älter Maus wird, desto mehr machen ihr diese Angst. Nachdem sie König Ottokar von Böhmen das Leben gerettet hat, nimmt er sie mit an den Hof nach Prag, doch auch hier sind Maus nicht alle wohlgesonnen, die Menschen haben Angst vor ihren Kräften und wollen wissen, wer sie ist – Engel oder Hexe.

Der Einstieg in die Geschichte ist toll – man lernt Maus noch als junges Mädchen kennen und wird Zeuge ihrer Heilkunst. Ich war von der Geschichte völlig gebannt und konnte kaum aufhören zu lesen, so sehr war ich eingesogen in diese andere Welt. Schon früh wird klar, dass Maus über besondere Kräfte verfügt – und damit konnte ich auch leben. Obwohl ich das Genre Fantasy in Büchern nicht mag, finde ich Mystik und Magie in Romanen nicht weiter schlimm; und so haben mich die unerklärlichen Heilkünste von Maus auch nicht gestört. Dann aber nimmt die Geschichte eine Wendung ein, die mir leider nicht gefallen hat – es bleibt nicht bei Magie, sondern es kommen böse Mächte hinzu, die bekämpft werden wollen. Und das ist dann auch der Schwerpunkt der ganzen folgenden Geschichte. Auch wenn die eigentlichen Kampfszenen mit diesen bösen Gestalten nur selten auftauchten, hat mir dieser Plot einfach nicht gefallen.

Es gibt einige Wendungen und Überraschungen, mit denen ich nicht gerechnet habe, manche haben mir gut gefallen, aber einige waren leider nicht sehr gut ausgearbeitet, und auch am Ende blieben einige Fragen offen. Gerade in der zweiten Hälfte gibt es einige Zeitsprünge, die ich nicht so gelungen fand – da hätte ich mir gewünscht, dass diese Zeiten nicht übersprungen werden, sondern ich Teil davon gewesen wäre. Das Ende hat mich dann kalt erwischt – niemals hätte ich damit gerechnet, und leider hat mir auch diese Idee nicht gefallen – doch mehr will ich dazu nicht verraten, und ich kann auch nur davor warnen, die letzten Seiten zuerst zu lesen.

Obwohl es aus meiner Sicht doch einige Kritikpunkte gibt, habe ich das Buch gerne gelesen und konnte mich dem Sog der Geschichte kaum entziehen. Das liegt aber vor allem an dem beeindruckenden Schreibstil, der eine tolle, wenn auch düstere und eher melancholische Atmosphäre schafft – mit Worten weiß die Autorin umzugehen. Er ist gut und flüssig lesbar, an manchen Stellen schon fast poetisch, es gibt Beschreibungen da, wo sie von Nöten sind, aber nie so ausführlich, dass ich es als langatmig empfunden hätte. Was mir ein wenig gefehlt hat, ist das Gefühl des 13. Jahrhunderts, in dem das Buch ja spielt – dafür war die Sprache zu modern. Trotzdem aber haben die Worte bei mir eine ganze besondere Stimmung erzeugt.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, allen voran natürlich Maus, die ich gleich zu Beginn in mein Herz geschlossen habe. Meine Einstellung zu ihr ändert sich zwar im Laufe der Geschichte, weil Maus von einer Angst gefangen genommen wird, die sie in ihrem Handeln oft lenkt und einschränkt, trotzdem habe ich mit ihr gefiebert und gelitten. Aber auch König Ottokar, seine rechte Hand Vok, Maus‘ Ziehvater Pater Lucas und Oberin Kazi waren gut gezeichnet – sie hatten eigene Geschichten, Ecken und Kanten und wirkten dadurch sehr lebendig.

Ich bin hin und her gerissen bei diesem Buch, und trotz meiner Kritikpunkte habe ich es doch gerne gelesen. Es hat auf mich einen ganz eigenartigen Sog ausgeübt, der durch Spannung alleine nicht zu erklären ist, vielmehr durch den einnehmenden Schreibstil und die gelungenen Charaktere – wer gerne Fantasygeschichten liest, dem wird das Buch sicherlich besser gefallen als mir, da ich mich aber trotzdem gut unterhalten fühlte, gebe ich 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Man sollte wissen, dass in diesem Buch nicht nur ein wenig Magie eine Rolle spielt, sondern böse Mächte bekämpft werden wollen und so doch eine gehörige Portion Fantasy vertreten ist – wenn man sich darauf einlässt, dann kann das Buch zu einem echten Highlight werden. Mir haben vor allem der Schreibstil und die dichte Atmosphäre sehr gut gefallen, auch die Charaktere sind sehr gelungen – neben dem doch gehörigen Fantasy-Anteil haben mir die diversen Zeitsprünge nicht gefallen, die ich lieber miterlebt hätte, als dass einfach über sie hinweg gegangen wird. Ich bin hin und her gerissen, wie ich das Buch bewerten soll – entscheide mich letztlich aber für 3,5 von 5 Sternen.

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43 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

nürnberg, historischer roman, silvia stolzenburg, mord, abtreibung

Die Salbenmacherin und der Bettelknabe

Silvia Stolzenburg
Fester Einband: 406 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 03.08.2016
ISBN 9783839219102
Genre: Historische Romane

Rezension:

Es war mein erstes Buch von Silvia Stolzenburg, aber sicherlich nicht mein letztes - denn sie hat mich mit diesem zweiten Band um die Salbenmacherin Olivera sehr begeistern können.

Schon der Einstieg in die Geschichte ist spannend, denn man wird im Prolog Zeuge, wie ein kleiner Junge auf der Flucht geschnappt und hingerichtet wird. Doch auch danach bleibt es spannend, denn die Autorin schafft es, den Leser ins historische Nürnberg zu entführen und die Geschichte um Olivera und den Bettelknaben Jona sehr lebendig zu erzählen.

Zunächst gibt es zwei Erzählstränge, die dann aber im Lauf des Buches ineinandergreifen. In dem einen geht es um die Salbenmacherin Olivera, die mit ihrem Liebsten in Nürnberg ein neues Leben beginnt. Olivera hat sich bereits einen guten Ruf als Salbenmacherin gemacht, ihr Liebster Götz wartet jedoch noch auf seine Ernennung zum Apotheker. In dem anderen Erzählstrang steht der Bettlerjunge Jona im Mittelpunkt, der sich als Dieb mehr recht als schlecht durchschlägt. In Nürnberg bekommt er ein verlockendes Angebot - doch dieses erweist sich bald als böse Falle.

Es ist vor allem der Schreibstil, der mich so begeistert hat. Er hat bei mir nicht nur ein historisches Gefühl beim Lesen geschaffen, sondern mich richtig in die Geschichte hineingezogen. Er ist sehr lebendig und gut lesbar, passt dennoch aber zum 15. Jahrhundert, in dem die Geschichte spielt. Er ist bildreich, so dass ich alle Szenerien genau vor Augen hatte, und trotz der Beschreibungen wird es nie langweilig oder langatmig. Ganz im Gegenteil - ist der Prolog schon spannend, schafft es die Autorin, diese Spannung das ganze hindurch zu halten, bis es am Schluss ein großes Finale gibt, das alle Fäden zusammenführt und alle noch offenen Fragen klärt.

Auch der Plot selber hat mir gut gefallen - er war gut durchdacht, bot einige Wendungen und Überraschungen, und am Ende wird doch alles logisch und plausibel aufgelöst.

Die Charaktere sind alle sehr liebevoll gestaltet - nicht nur die Protagonistin Olivera, die ich aber sofort in mein Herz geschlossen habe. Sie ist für die damalige Zeit eine sehr selbstbewusste Frau, die zuzupacken weiß, aber auch Gefahren einschätzen kann - und die gab es seinerzeit ja nun reichlich. Dabei trägt sie ihr Herz am rechten Fleck und lässt sich so schnell nicht aus der Fassung bringen. Bei Jona hat es etwas gebraucht, bis ich auch ihn mochte, wirkt er doch zunächst hinterlistig und undankbar - aber im Laufe der Geschichte lernt man auch ihn besser kennen, und es zeigt sich sein wahrer Charakter. Auch die Nebenfiguren sind gut gezeichnet, und genau wie die Hauptfiguren machen auch sie zum Teil sehr interessante Entwicklungen durch.

Gerade für Einsteiger ins historische Genre finde ich diesen Roman bestens geeignet, da er von Anfang an zu fesseln weiß, gut lesbar ist und eine spannende Geschichte bietet. Es gibt Intrigen und Neid, Liebe und Freundschaft und vor allem ein tolles Mittelalter-Feeling. Auch wenn dieser Band der zweite Teil einer Reihe ist, kann man ihn gut ohne Kenntnis des ersten lesen. Silvia Stolzenburg erklärt notwendige Details aus dem ersten Band, die locker in die Geschichte eingestreut sind.

Ich habe mich von dieser Buch wirklich sehr gut unterhalten gefühlt und gebe gerne 4 von 5 Sternen. Einen Stern ziehe ich ab, weil ich mir auch mal ein paar ruhigere Passagen gewünscht hätte, in denen nochmal mehr in die Tiefe gegangen wird und man mehr in den damaligen Alltag abtauchen kann.

Mein Fazit
Gerade für Einsteiger in das historische Genre finde ich diesen Roman sehr gut geeignet - er hat einen angenehmen und zur Zeit passenden Schreibstil, fesselt von der ersten Seite an, bietet einen interessanten Plot mit Überraschungen und Wendungen und Charaktere, mit denen man fiebert. Ich gebe diesem Buch 4 von 5 Sternen und freue mich auf weitere Bücher aus der Feder von Silvia Stolzenburg.

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76 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 52 Rezensionen

cornwall, dana paul, liebe, ein zimmer über dem meer, cornwell

Ein Zimmer über dem Meer

Dana Paul
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783548613246
Genre: Liebesromane

Rezension:

Als bekennender Fan von Corina Bomann war natürlich klar, dass ich auch das neue Buch von ihr lesen wollte, das sie als Dana Paul veröffentlicht – und mit den richtigen Erwartungen hat mir auch diese Geschichte wirklich gut gefallen.

Die Autorin entführt den Leser nach Cornwall – und sie hat die Stimmung und Atmosphäre dieses Landstrichs auch wunderbar einfangen können. Man begleitet die 25jährige Kim, die nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Freundes selbst die Lust am Leben verloren hat und sich von den Klippen stürzen will – doch sie wird gerettet und lernt nach und nach das Leben von einer ganz anderen Seite kennen. Es gibt zudem noch einen zweiten Erzählstrang in Form eines Tagebuches, in diesem geht es um die stumme Leandra, die Anfang des 19. Jahrhunderts verheiratet wurde, in ihrer Ehe aber nur geduldet ist – auch sie ist unglücklich und sucht nach Auswegen.

Wie so oft bei Büchern, die auf zwei Zeitebenen spielen, hat mir auch diesmal der Erzählstrang der Vergangenheit viel besser gefallen. Leandra ist eine sympathische Frau, die ich einfach sofort ins Herz geschossen habe, die trotz aller Widrigkeiten nicht aufgibt und für sich einen Weg sucht. Ich habe diesen Tagebucheinträgen immer schon entgegengefiebert, weil ich wissen wollte, wie es mit Leandra weitergeht – aber auch, weil ich die Stimmung in diesem Abschnitt sehr mochte, auch wenn sie eher düster und bedrückend war.

Den Erzählstrang der Gegenwart fand ich leider etwas vorhersehbar – meine Lesefreude hat das aber nicht getrübt. Ich hatte schon vermutet, dass hier auch eine Liebesgeschichte eingeflochten sein wird, von daher wurde ich nicht enttäuscht, als sich da tatsächlich etwas anbahnte. Kim als Protagonistin mochte ich sehr gerne, ihre Gefühle nach dem plötzlichen Tod ihres Freundes fand ich gut und vor allem glaubhaft dargestellt. Aber auch andere Figuren waren mir sympathisch - Janet, die Kim vor dem Sturz von den Klippen rettet, ist eine praktische und lebenserfahrene ältere Frau, die mit Menschen umzugehen weiß. Ihren Enkel Dan fand ich dagegen etwas überzeichnet und leider auch unglaubwürdig, trotzdem mochte ich auch ihn. Überhaupt gibt es in diesem Erzählstrang viel Gefühl und Emotion, und auch wenn die Stimmung eher traurig-melancholisch, habe ich mich wohl gefühlt in der Geschichte – bis hin zum Ende, das – so traurig es doch war - mich doch zufrieden zurückgelassen hat.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm. Er lässt sich flüssig und leicht lesen, schafft es aber vor allem, Stimmungen und Emotionen einzufangen. So hatte ich die ganze Landschaft mit all seinen Klippen und Felsen, mit der See und dem Strand und auch mit Wind und Wetter stets vor Augen, aber auch die Verzweiflung und Trauer Kims konnte ich beim Lesen spüren. Zu keinem Zeitpunkt aber waren die Beschreibungen langweilig, sie waren einfach eingestreut und haben eine unglaubliche Atmosphäre erzeugt.

Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen, einen Stern ziehe ich nur ab wegen der Vorhersehbarkeit und der doch etwas überzogen gezeichneten Figur Dans. Wer aber eine gefühlvolle Geschichte vor den Kulissen Cornwalls lesen möchte, dem kann ich dieses Buch mit gutem Gewissen empfehlen.

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59 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 27 Rezensionen

psychiatrie, österreich, innsbruck, sanatorium, barbara dribbusch

Schattwald

Barbara Dribbusch
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492307895
Genre: Romane

Rezension:

„Schattwald“ ist eine spannende Geschichte mit vielen Geheimnissen, die auf zwei Zeitebenen spielt und die mir schöne Lesestunden geschenkt hat.

Annes Großmutter Charlotte ist gestorben, in ihrem Nachlass findet Anne die Tagebücher ihrer Großmutter. In ihnen beschreibt Charlotte von ihrer Zeit in Schattwald, einem Nervensanatorium in der 1940er Jahren. Anne wusste nicht, dass ihre Großmutter dort eingeliefert war, noch weniger ahnt sie jedoch, dass die Geschichte von Schattwald bis in die heutige Zeit hineingereicht.

Wer denkt, durch dieses Buch Einblicke in die Psychiatrien der Nazizeit zu erhalten, der wird enttäuscht sein – denn darum geht es in dieser Geschichte gar nicht. Vielmehr ist es eine spannende Geschichte mit vielen Geheimnissen, die von den 1940er Jahren bis in die Gegenwart reichen und die in zwei Zeitebenen erzählt wird.

In der Gegenwart ist Anne die Protagonistin, eine sympathische Mittvierzigerin, die durch die Tagebücher ganz neue Seiten ihrer Großmutter kennenlernt. Selbst von ihrem Mann gerade verlassen, nimmt Anne die Reise zum Haus Charlottes auch als Auszeit von ihrem eigenen Leben – doch es geht turbulent zu in Innsbruck: sie lernt interessante Männer kennen, neugierige Nachbarinnen und alle scheinen Interesse an Charlottes Tagebüchern zu haben. Ich mochte Anne gleich von Anfang an, weil sie unglaublich echt und glaubhaft auf mich wirkte und sie mir mit ihren Ecken und Kanten einfach sympathisch war.

Mit Charlotte reist der Leser ins Jahr 1943, wo sie als junge Frau nach dem Tod ihres Bruders in das Nervensanatorium Schattwald gebracht wird. Doch nichts erinnert an die berüchtigten Psychiatrien, obwohl es schillernde Figuren gibt und sich einiges Merkwürdige zuträgt. Auch Charlotte, Annes Großmutter war mir gleich sympathisch mit ihrer wachsamen und zupackenden Art, und ich habe mit ihr gefiebert, das Rätsel um Schattwald zu lösen.

Die Handlungsstränge der Gegenwart und des Jahres 1943 wechseln sich immer ab. Während die Handlung in beiden Erzählsträngen zunächst eher langsam und leise voranschreitet und die Spannung eher subtil ist, ändert sich das aber im Verlauf des Buches: Es gibt immer wieder neue Geheimnisse, Fragen werden in den Raum gestellt und zunächst nicht beantwortet, so dass die Spannung steigt und ich immer weiterlesen wollte, um zu wissen, was passiert. Das Ende hätte ich so nicht erwartet, aber es werden alle Fragen geklärt und es ist schlüssig und glaubhaft.

Dass die Seiten so dahingeflogen sind, liegt auch an dem leichten und sehr flüssig zu lesenden Schreibstil, der die geheimnisvolle und manchmal mystische Stimmung gut einfangen konnte. Dass das Buch im Winter spielt, hat mich nicht gestört, wer aber im Sommer nichts mit Schneemassen und Skifahren lesen möchte, der sollte die Lektüre eher in die Wintermonate verlegen. Was mir gefehlt hat, ist ein wenig mehr Tiefgang – denn den hätte ich bei dem Thema erwartet. Leider aber ist die Geschichte doch sehr oberflächlich und der Schwerpunkt liegt mehr auf leichter Unterhaltung und den zu lösenden Geheimnissen – schöne Lesestunden hatte ich, so dass ich dem Buch knappe 4 von 5 Sternen vergebe.

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49 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

freibeuter, pirat, francis drake, england, historischer roman

Der Pirat

Mac P. Lorne
Flexibler Einband
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.07.2016
ISBN 9783426517482
Genre: Historische Romane

Rezension:

Auch wenn man historische Romanen sonst eher scheut, sollte man sich diesen unbedingt mal anschauen – er entführt in eine andere Zeit und lässt Sir Francis Drake lebendig werden, ein Buch wie ein spannender Piratenfilm. Ich zumindest bin begeistert und kann es auf jeden Fall empfehlen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Abenteurer und Pirat Sir Francis Drake, der nicht nur die Welt als Erster umsegelte und bekannt war für seine erfolgreichen Plünderungen, sondern auch das politische Geschehen im England des 16. Jahrhunderts maßgeblich mit beeinflusste.

Man sollte jetzt nicht denken, eine langweilige Romanbiographie zu lesen, ganz im Gegenteil – das Buch ist spannend und fesselnd von der ersten Seite an und konnte mich wirklich bis zum Schluss begeistern. Beim Lesen ist Francis Drake zum Leben erwacht, ich zumindest habe ihn nach und nach in mein Herz geschlossen und mit ihm gefiebert und gelitten.

Dabei bietet das Buch sicherlich für jeden Leser etwas: Es gibt politische Querelen mit Intrigen und Spionage, den unterschwelligen Krieg zwischen Spanien und England, Abenteuer auf hoher See, spannende Seeschlachten, Degenduelle und Meutereien und auch die eine oder andere Liebesszene. Und immer wieder tauchen Personen auf, deren Namen man schon gehört hat – und hier ist es dem Autor wirklich sehr gut gelungen, Wahrheit und Fiktion miteinander zu verknüpfen – beim Lesen hatte ich den Eindruck, dass es genau so damals hätte tatsächlich gewesen sein können. Dabei merkt man auf jeder Seite, wie gut der Autor recherchiert hat – nicht nur was die politischen Akteure der damaligen Zeit angeht, sondern auch bei vielen Details aus Nautik und Kanonenkunde.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet – sie werden beim Lesen lebendig und sind glaubhaft und authentisch dargestellt. Hier hat keiner nur gute oder nur schlechte Seiten – es gibt nicht nur die Guten und die Bösen, nein – jeder hat verschiedene Facetten und so wirken die Figuren sehr menschlich. Ich konnte gar nicht anders, als Francis Drake ins Herz zu schließen, ich mochte seine draufgängerische und selbstbewusste Art, habe aber vor allem seine vorausschauende und überlegte Art zu handeln sehr geschätzt – und manchmal wirkt auch der große Francis Drake sehr klein und verletzlich, und das hat ihn mir so sympathisch gemacht. Aber auch die anderen Figuren sind in ihrer Gestaltung sehr gelungen, da gibt es keine Stereotypen, alle sind gut gezeichnet mit eigener Vergangenheit und eigenem Hintergrund - für mich ist so ein Stück englischer Geschichte lebendig geworden.

Der Schreibstil ist sehr gewinnend, weil er lebendig ist und sich sehr gut lesen lässt, trotzdem aber auch zur damaligen Zeit passt. Zu keinem Zeitpunkt hab ich mich gelangweilt, obwohl es auch viele Beschreibungen gibt, sowohl von der damaligen Lebensweise, von den unterschiedlichen Landschaften oder auch von den beteiligten Personen – lediglich einige Details aus der Schifffahrt waren mir etwas zu ausführlich dargestellt. Aber das konnte ich gut verschmerzen und es hat meinen Lesespaß in keinster Weise getrübt.

Ich habe mich in dieser Geschichte sehr wohl gefühlt, wurde bestens unterhalten und habe ganz nebenbei noch eine Menge geschichtlicher Details mitgenommen – für mich gab es nur ein wenig zu viele Fachbegriffe aus der Nautik. Trotzdem aber gebe ich gerne 4,5 von 5 Sternen und hoffe auf weitere Bücher des Autors.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

beziehung, freundschaft, roman, liebe, stellas traum

Stellas Traum

Annette Hohberg
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.05.2016
ISBN 9783426653364
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin ohne große Erwartungen an dieses Buch herangetreten – natürlich hat mich der Klappentext angesprochen, dass es mich aber so packen kann, damit hätte ich nicht gerechnet; da haben Lesestimmung und Geschichte einfach genau zusammengepasst.

Mich hat die Geschichte von der ersten Seite an gepackt – nicht weil sie so spannend ist, sondern weil sie gefühlvoll erzählt ist und mitten in mein Herz getroffen hat. Diese Freundschaft zwischen Stella, Paul und Tim ist so besonders, drei völlig verschiedene Menschen, die zusammen eins zu sein scheinen, drei Freunde fürs Leben, die sich ewige Treue schwören – bis ein unglaubliches Ereignis alles zerstört und die ehemals so verschworene Bande auseinanderreißt. Während man zunächst Stellas Weg verfolgt, erfährt man erst nach und nach, was mit den anderen beiden passiert ist. Und hier hat mich vor allem gefesselt, wie unterschiedliche Menschen mit Situationen umgehen, wie sie Schicksalsschläge verarbeiten oder aber auch an ihnen zerbrechen.

Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler erzählt, dabei steht Stella im Mittelpunkt – man begleitet sie auf ihrer Suche nach sich selbst und erlebt mit ihr die Erinnerungen der Kinder- und Jugendzeit an der Seite ihrer Freunde und ihrer geliebten Tante Elisabetta. Es ist eine Berg- und Talfahrt von Gefühlen, die man hier mit ihr durchläuft – ich habe gelächelt und geschmunzelt, habe mich gewundert und war wütend, habe geweint und geschluchzt,und obwohl am Ende nicht einfach nur alles gut ist, habe ich das Buch mit einem guten Gefühl zugeschlagen. Mir hat diese Geschichte Mut gemacht, Mut, Dinge anzugehen, den Kopf nicht in den Sand zu stecken und nicht an Geschehenem festzuhalten.

Die Charaktere sind fernab jeglicher Stereotypen und sehr gut gezeichnet. So unterschiedlich sie sind, wirken sie, wie aus dem Leben gegriffen – alle drei Freunde habe ich direkt ins Herz geschlossen obwohl ich längst nicht immer ihre Gedanken verstanden habe und mir auch viele ihre Handlungen wirklich fremd waren. Aber sie waren in sich schlüssig und sehr authentisch. Auch die Nebenfiguren konnten mich überzeugen – hier will ich nur Elisabetta und den „Chef“ nennen, zwei tiefgründige Charaktere, die man aber erst im zweiten Moment als solche erkennt.

Der Schreibstil ist wundervoll, flüssig zu lesen und schafft eine unglaubliche Stimmung und Atmosphäre – eigentlich bin ich kein Freund kurzer Sätze, hier aber konnte mich der Stil wirklich überzeugen und für sich einnehmen, prägnante und präzise Sätze, die dennoch voller Poesie stecken und mich sehr berührt haben.

Dies ist mein erstes Buch von Annette Hohberg, sicherlich aber nicht mein letztes – mit ihrer Erzählweise hat sie mich tief berührt. Diesem Buch gebe ich 4,5 von 5 Sternen und bin schon sehr gespannt auf ihre anderen Werke.

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156 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 51 Rezensionen

münchen, zwillinge, holunder, rezepte, familiengeschichte

Die Holunderschwestern

Teresa Simon
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Heyne, 13.06.2016
ISBN 9783453419230
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wer Romane mag mit verschiedenen Erzählsträngen zu unterschidlichen Zeiten mag, sollte sich diesen unbedingt mal anschauen – er ist spannend, leicht zu lesen und sehr unterhaltsam.

Es gibt zwei Handlungsstränge, einer spielt in der Gegenwart, der andere in den Jahren zwischen den Weltkriegen. In der Gegenwart ist die Restauratorin Katharina die Protagonistin, die zufällig die Tagebücher ihrer Urgroßmutter Fanny erhält und in ihnen zu stöbern beginnt. Dabei stößt sie auf einige Geheimnisse, die sie natürlich versucht zu lüften. Fanny hat in den 1920er und darauffolgenden Jahren kein leichtes Leben, immer wieder tauchen neue Hindernisse auf, und schnell zeigt sich, welche Menschen tatsächlich zu ihr stehen.

In der Vergangenheit habe ich mich richtig wohl gefühlt und mit Fanny gelitten – nicht nur, weil sie mir so sympathisch war mit ihrer liebenswerten und anpackenden Art, sondern weil ich diesen Erzählstrang einfach viel intensiver miterlebt habe und ihn authentischer fand. Hier hat die Autorin die damalige Stimmung sehr gut einfangen können und dem Leser Einblick gegeben in die schwierige Zeit zwischen den Weltkriegen – es gibt Klassenunterschiede, Aufruhr, Hass und Revolutionen; und genau mittendrin steht Fanny, die anfangs eher unbedarft wirkt, dann aber immer mehr ihre Frau zu stehen weiß. Nach und nach ergibt sich für den Leser ein Bild der damaligen Zeit, manches bleibt dabei zunächst ungeklärt und erst gegen Ende des Buches werden tatsächlich alle Geheimnisse gelüftet.

Den Erzählstrang der Gegenwart fand ich dagegen eher oberflächlich und konstruiert, hier war mir die Stimmung und Atmosphäre irgendwie zu locker und leicht, als das es zur Geschichte gepasst hätte. Die eingebaute Liebesgeschichte wirkte zudem sehr konstruiert und leider auch nicht glaubwürdig, so dass ich diesen Handlungsstrang leider nicht so gelungen fand. Dazu kommt, dass mir Katharina als Figur zu oberflächlich gestaltet war – irgendwie hatte sie keine Ecken und Kanten und mit ihr habe ich überhaupt nicht mitgefühlt. Um ehrlich zu sein, war sie mir egal und ich war froh, wenn es wieder in die Vergangenheit zu Fanny ging.

Der Schreibstil ist sehr leicht und lässt sich locker lesen, er erinnert eher an ein seichtes Sommerbuch. Die Seiten fliegen nur so dahin, weil die Geschichte durch viele Dialoge lebendig ist und zu keinem Zeitpunkt langatmige Passagen auftauchen. So bleiben leider auch Beschreibungen aus, die mir ein wenig gefehlt haben, denn leider sind beim Lesen bei mir nur wenige Bilder im Kopf entstanden.

Die Geheimnisse werden natürlich gegen Ende alle aufgelöst, wobei ich die Auflösung ein wenig vorhersehbar fand und das, was ich vermutet habe, tatsächlich auch eingetreten ist. Daher war ich am Ende auch etwas enttäuscht, sicherlich auch, weil das Buch zum Schluss doch ein wenig kitschig wirkt, da sich alle Probleme in Luft aufzulösen scheinen.

Nichtsdestotrotz habe ich die Geschichte gerne gelesen, und sie hat mich gut unterhalten – auch wenn es um ernste Themen geht, habe ich das Buch eher als leichte Unterhaltung empfunden und würde es vor allem denen empfehlen, die gerne mal in das Genre Familiengeheimnis auf zwei Zeitebenen reinschuppern wollen – ich gebe dem Buch 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Ein Buch, das den Leser in die Zeit zwischen den Weltkriegen entführt und das auf zwei Zeitebenen spielt. In der Vergangenheit habe ich mich sehr wohl gefühlt, weil sie authentisch und dicht in der Atmosphäre war, den Erzählstrang der Gegenwart fand ich dagegen sehr oberflächlich und konstruiert. Der Schreibstil ist locker und leicht, so dass die Seiten nur so dahinfliegen – insgesamt hat mich das Buch aber gut unterhalten, und ich gebe ihm 3,5 von 5 Sternen.

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34 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

liebe, ehe, robin black, beziehung, eifersucht

Porträt einer Ehe

Robin Black , Brigitte Heinrich
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Luchterhand, 24.05.2016
ISBN 9783630873220
Genre: Romane

Rezension:

Eine psychologisch ausgefeilte Charakterstudie, bei der der Titel tatsächlich Programm ist - denn im Mittelpunkt dieses beeindruckenden Buches steht ein Ehepaar mittleren Alters, das sich von den Menschen zurückgezogen hat und dennoch nciht ohne sie kann.

Zum Inhalt will ich gar nicht viel sagen, da gibt der Klappentext einen guten und ausreichenden Einblick. Mich hat vor allem die Sprachgewalt der Autorin beeindruckt – sie schafft mit ihren Worten ein solch dichte Atmosphäre, dass man meint, sie mit den Händen packen zu können. Sie ist Meisterin darin, Stimmungen und Emotionen einzufangen, jongliert mit Worten und bringt beeindruckende Metaphern und Analogien. Doch es ist nicht nur der Schreibstil, der beeindruckt, auch dass sie es trotz der sehr ruhigen Geschichte schafft, Spannung aufzubauen. Obwohl lange gar nicht viel passiert, war ich doch gefangen und eingesogen in die Geschichte, konnte das Buch nicht aus der Hand legen wegen der leisen und sehr subtilen Spannung. Erst im letzten Drittel kommt in die Handlung etwas Schwung, dennoch aber bleibt die Geschichte dabei ruhig und sehr bodenständig – und am Ende schlägt man das Buch zu mit dem Gefühl, dass sie genau so hätte auch im realen Leben passieren können.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen eindeutig die Charaktere mit ihren Gedanken und Emotionen, beeindruckend fand ich, dass die Geschichte mit gerade mal einer Handvoll an Figuren auskommt. Diese aber sind exzellent gezeichnet, mit Ecken und Kanten, wie Menschen im richtigen Leben, die Fehler machen und versuchen, aus ihnen zu lernen - das gelingt mal mehr, mal weniger. Man erlebt mit ihnen eine ganze Bandbreite von Gefühlen – Liebe, Freundschaft, Vertrauen, aber auch Betrug, Lügen und Verrat. Ich konnte mich diesem Gefühlskarussell beim Lesen kaum entziehen, so dicht und intensiv habe ich es empfunden, auch wenn ich viele Emotionen und Gedanken der Protagonistin nicht nachvollziehen konnte. Diese Intensität rührt sicherlich auch daher, dass das Buch aus Sicht von Augusta, der Ehefrau von Owen, geschrieben ist, so dass man als Leser tief in ihrer Seele, ihre Gefühle und Gedanken schaut.

Wer eine actionreiche Geschichte sucht, in der sich die Handlungen überschlagen, der wird mit diesem Buch nicht glücklich sein – wer aber eintauchen will in eine ruhige, aber dennoch spannende Geschichte, in der ein Ehepaar schon gesetzteren Alters im Mittelpunkt steht, das um die gemeinsame Zeit, um seine Ehe kämpft, dem würde ich dieses in der Atmosphäre sehr dichte und eindringliche Buch empfehlen. Ich gebe ihm 4,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine ruhige, aber dafür nicht minder spannende Geschichte, in der Gedanken und Emotionen im Mittelpunkt stehen und die mit einer guten Handvoll Charaktere auskommt. Der beeindruckende Schreibstil schafft eine intensive und dichte Atmosphäre und lässt sich trotz seiner vielen Bilder und Metaphern sehr gut lesen. Mich hat diese Geschichte total eingesogen und ich habe es genossen, in die Seele der introvertierten und sehr eigenen Protagonistin schauen zu dürfen – ich gebe dem Buch 4,5 von 5 Sternen und hoffe auf weitere Bücher von Robin Black.

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37 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

berlin, arbeitslosigkeit, klassiker, arbeit, ehe

Kleiner Mann – was nun?

Hans Fallada , Carsten Gansel
Fester Einband: 557 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.06.2016
ISBN 9783351036416
Genre: Klassiker

Rezension:

„Kleiner Mann – was nun?“ schreibt die Geschichte eines jungen Paares in den 30er Jahren in Berlin und gibt damit ein gutes Bild der damaligen Zeit ab, die geprägt war von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise. Dieses Buch ist die erstmals in Originalfassung erschienene Ausgabe, die um ein Drittel mehr an Seiten bietet als die bislang erschienenen Werke, und sicherlich wäre es interessant, beide Bücher zu lesen, um einen Vergleich ziehen zu können – andererseits ist dies aber nicht notwendig, denn der knapp 70seitige Anhang liefert hier einiges an Hintergrundinformationen, die auch genau diesen Vergleich mit aufgreifen. Doch nun erst mal zum Buch.

Ich muss gestehen, dass ich zu Anfang etwas Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen, da ich den Schreibstil Hans Falladas doch sehr eigen und ungewöhnlich finde. Ich bin über einige Formulierungen gestolpert und habe mich gefragt, ob man damals tatsächlich so geredet hat, wie hier die Dialoge angelegt sind – ich fand die Sprache ungelenk und hölzern, manchmal auch umständlich. Trotzdem wirkt der Schreibstil locker und beschwingt – eigentlich gar nicht passend zur damaligen Zeit. Und so musste ich oft schmunzeln – alleine schon bei den Kosenamen, denn Johannes nennt seine Freundin „Lämmchen“, Emma ihren Zukünftigen dagegen „Junge“. Aber einmal eingelesen, habe ich mich auch an diesen Schreibstil gewöhnt und ihn im Verlauf dann auch genießen können.

Die Geschichte selber hat mir zudem gefallen, einfach weil sie einen guten Einblick in das Berlin der 30er Jahre liefert und sie authentisch und glaubhaft wirkt. Dazu haben natürlich gerade auch die Charaktere beigetragen, die sehr gut gestaltet sind und ein Abbild der Menschen von damals mit ihren Sorgen und Ängsten, ihren Gefühlen und Gedanken darstellt. Zwar steht Johannes Pinneberg im Mittelpunkt der Geschichte, doch die eigentliche „Heldin“ ist für mich seine Frau „Lämmchen“, die mich mit ihrer herzlichen und gutmütigen, dennoch aber anpackenden Art einfach begeistert hat. Daneben wirkt Johannes, „Junge“, immer etwas rat- und hilflos – man hat den Eindruck, ohne sein Lämmchen würde er in dieser Zeit richtig untergehen. Aber trotzdem ist er in seiner unbedarften und hilflosen Art auch sympathisch, und ich habe mit den beiden in ihren Nöten richtig mitgelitten.

Auch wenn der Schreibstil eher locker und leicht, manchmal sogar beschwingt daherkommt, die Geschichte ist es nicht – sie hat mich eher traurig gemacht und zum Nachdenken angeregt. Auch das Ende, das eher offen gehalten und keinesfalls ein „Happy-end“ ist, hat mich etwas bedrückt – aber es macht die ganze Geschichte sehr authentisch. Ich habe mich beim Lesen tatsächlich in die damalige Zeit versetzt gefühlt, weil Hans Fallada nicht nur die Gefühle und Gedanken der Protagonisten gut eingefangen hat, sondern weil er mit seinen Beschreibungen und Orten, an die er den Leser entführt, ein wunderbares Bild Berlins in den 30ern gezeichnet hat.

Im Anschluss an die eigentliche Geschichte folgt der sehr ausführliche Anhang, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Er beschreibt, was seinerzeit bei Ersterscheinung alles verändert und gekürzt wurde und beleuchtet auch die Hintergründe, warum der Text mehrfach geändert bzw. angepasst wurde. Das hat die Aussage des Buches für mich noch mal mehr verändert und mich auch nach Beenden noch lange über die Geschichte und die damalige Zeit nachdenken lassen.

Mein Fazit
Hans Fallada hat mit diesem Buch ein interessantes Stück Geschichte eingefangen, nämlich die Situation des „kleinen Mannes“ im Berlin der 30er Jahre. An den eher lockeren und beschwingten Schreibstil, der so gar nicht zur Geschichte zu passen scheint, musste ich mich erst gewöhnen, dann aber hat mich die Geschichte gepackt und ich habe mit den sympathischen Protagonisten gefiebert. Die ist die erstmals in der Originalfassung erschienene Ausgabe, und der knapp 70seitige Anhang erklärt sehr gut, warum und welche Kürzungen es zuvor im Buch gegeben hat. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es im Ende offen bleibt – aber es hat sehr glaubhaft das Leben zur damaligen Zeit vermittelt. Ich gebe ihm 4 von 5 Sternen.

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149 Bibliotheken, 1 Leser, 5 Gruppen, 52 Rezensionen

eifel, pest, mittelalter, historischer roman, burg

Die Eifelgräfin

Petra Schier , ,
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2009
ISBN 9783499249563
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die Rezension zu diesem Buch fällt mir nicht so leicht, einfach weil meine Erwartungen nicht erfüllt wurden – und dies liegt leider am wirklich irreführenden Klappentext, der eine geheimnisvolle Geschichte verspricht und viel zu viel verrät. Daher warne ich davor, den Buchrückentext zu lesen und verrate nur so viel – es handelt sich aus meiner Sicht bei diesem Buch um einen historischen Liebesroman.

Dabei war der Prolog tatsächlich spannend – er spielt 200 Jahre vor der eigentlichen Geschichte und man erfährt von einem Schmuckstück, das im weiteren Teil der Geschichte noch eine Rolle spielen wird und das eine besondere Kraft zu haben scheint. Dann wird man ins Jahr 1348 versetzt und begleitet die Protagonistin Elisabeth von Küneburg beim Einzug in Burg Kempenich. Hier geht die Spannung erst einmal verloren, auch wenn ich die Geschichte nicht uninteressant fand: Man lernt die Charaktere näher kennen, lernt sehr viel über das Leben des Adels auf einer Burg, aber auch einiges über die Klassenunterschiede, denn Elisabeth erhält eine neue Magd, Luzia, die zunächst tatsächlich als Magd auftritt, im Laufe der Geschichte aber zu einer guten Freundin für Elisabeth wird. Auf so einer Burg herrscht natürlich ein Kommen und Gehen, und schon bald taucht Johann von Manten auf, dem ein zweifelhafter Ruf vorauseilt und der sich ziemlich rüpelhaft benimmt. Mehr will ich aber nicht verraten. Was dann weiter geschieht, ist an vielen Stellen zwar vorhersehbar und wenig überraschend, dennoch aber unterhaltsam – wenn man weiß, dass man einen historischen Liebesroman liest und nicht denkt, eine Abenteuergeschichte mit Geheimnissen und Intrigen in der Hand zu halten – Abenteuer und Geheimnisse gibt es zwar auch in diesem Buch, aber wirklich nur am Rande und am Ende der Geschichte.

Während ich das erste und letzte Drittel des Buches wirklich unterhaltsam fand, gab es im Mittelteil leider ein paar Längen – hier ist einfach wenig passiert, die Handlung geriet ins Stocken und tapste auf der Stelle. Dass man als Leser weiß, wohin die Geschichte gehen wird, macht das natürlich nicht besser. Da ich aber Elisabeth und Luzia mochte, bin ich drangeblieben, und bald kam dann auch wieder Schwung in die Geschichte.

Die Charaktere sind gut gezeichnet, wenn auch manche etwas klischeehaft geraten sind. Sofort ins Herz geschlossen habe ich Elisabeth, weil sie trotz ihrer Kühle, die sie manchen Personen gegenüber an den Tag legte, eigentlich doch ein großes Herz hat und sich für die Ihren einsetzt. Auch Luzia, Elisabeths Magd, mochte ich gerne – auch wenn sie anfangs sehr schüchtern und unbedarft wirkte, ist sie einfach liebenswert. Schön fand ich auch die Freundschaft, die sich langsam zwischen ihr und ihrer Herrin anbahnt, wie Luzia dann immer entschlossener wird und Dinge auch mal selber angeht.

Der Schreibstil ist eher einfach und lässt sich sehr leicht lesen – daher halte ich diesen Roman auch geeignet, wenn man sich dem Genre „historischer Roman“ langsam nähern möchte. Dieses Buch ist wirklich unterhaltsam, lässt sich leicht und flüssig lesen und verwirrt nicht, da die Geschichte sehr geradlinig erzählt wird – ich fühlte mich gut unterhalten und hatte nette Lesestunden, so dass ich 3,5 von 5 Sternen vergebe.

Mein Fazit
Man sollte den Klappentext besser nicht lesen, denn er verrät viel zu viel und verspricht eine geheimnisvolle Geschichte – dabei handelt es sich bei diesem Auftakt der Kreuztrilogie eher um einen historischen Liebesroman. Ich fand ihn unterhaltsam, auch wenn es im Mittelteil einige Längen gab und die Handlung ins Stocken geraten ist – dafür aber nimmt sie am Ende noch mal richtig Fahrt auf und konnte mich dann auch fesseln. Die Charaktere haben mir gut gefallen, auch wenn manche etwas stereotyp geraten sind, der Schreibstil ist leicht und locker und lässt sich sehr flüssig lesen. Ich gebe diesem Buch 3,5 von 5 Sternen und werde die Reihe sicherlich weiter verfolgen.

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61 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

münster, krimi, band 4, thriller, frauenleiche

Denn mir entkommst du nicht

Christine Drews
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.05.2016
ISBN 9783404173556
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der vierte Fall mit den Ermittlern Charlotte Schneidmann und Peter Käfer, und ich muss sagen, dass er mir sehr gut gefallen hat. Der Kriminalfall ist in sich abgeschossen, so dass man das Buch unabhängig von den Vorgängern lesen kann, möchte man aber die Entwicklung der Ermittler verfolgen und mehr über deren Privatleben erfahren, dann empfiehlt es sich, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Der Einstieg in die Geschichte ist spannend, denn schon nach wenigen Seiten wird eine übel zugerichtete Frauenleiche gefunden. Doch Antonio Gomez erkennt die Frau, meldet den Mord anonym der Polizei und fühlt sich fortan verfolgt, denn die ermordete Frau weckt Erinnerungen an seine dunkle Vergangenheit, mit der er eigentlich glaubte, abgeschlossen zu haben.

Keine Angst, gespoilert habe ich nicht, denn all das wird schon auf den ersten 15 Seiten erzählt. Was mir besonders gefallen hat, sind die verschiedenen Erzählstränge: Man begleitet natürlich Charlotte Schneidmann und Peter Käfer bei ihren Ermittlungen, die anfangs etwas zögerlich anlaufen, weil sie nur wenig Hinweise und Indizien haben, andererseits aber gibt es auch einen Erzählstrang um Antonio, der sich verfolgt fühlt und um sein und auch das Leben seiner Familie fürchtet. Nach und nach verschmelzen dann diese Handlungsstränge und man erkennt die Zusammenhänge, wer aber der Täter ist, war auch mir als Leser lange unklar. Und als ich dann endlich eine Vermutung hatte, ist eine gefährliche Falle schon fast zugeschnappt.

Christine Drews hat die Spannung in diesem vierten Fall wirklich sehr hoch gehalten. Ich zumindest konnte das Buch kaum aus der Hand legen, wollte wissen, wie es weitergeht mit den Ermittlungen und was es mit Antonio auf sich hat. Gut fand ich zudem, dass man doch einiges aus dem Privatleben der beiden Ermittler erfährt, ohne dass es je zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde – so aber hat man Schneidmann und Käfer nochmal besser kennengelernt und weiß manche Handlung von ihnen besser einzuschätzen. Mir sind die beiden wirklich ans Herz gewachsen, denn ich finde sie sehr sympathisch und menschlich mit ihren eigenen Geschichten und Erlebnissen, um so mehr war ich am Ende geschockt – denn das Buch endet mit einfach fiesen Cliffhanger und ich hoffe doch sehr, dass die Autorin schon am nächsten Band arbeitet. Der Kriminalfall selber ist zwar abgeschlossen, dafür aber gibt es eine Sache, die in ihrem Ausgang völlig offen bleibt – aber mehr verrate ich nicht.

Der Schreibstil ist sehr leicht zu lesen und durch die konstant hohe Spannung fliegen die Seiten rasch dahin. Oft ist er eher umgangssprachlich, was das Buch aber glaubhaft und authentisch sein lässt, es gibt viele Dialoge, die das Ganze zudem noch mal lebendig machen. Neben den beiden Ermittlern, die sich wirklich innerhalb der Serie gut entwickeln, gibt es noch einige andere Charaktere, die ich auch sehr gut gezeichnet fand. Interessant fand ich vor allem die Motivation des Täters, die Einblicke in seine Psyche und Seele, und eigentlich hätte ich hier gerne noch mehr Einzelheiten und Hintergründe erfahren.

Insgesamt hat mir dieser vierte Fall sehr gut gefallen und ich bin froh, dass ich der Reihe treu geblieben bin, nachdem mich der dritte Fall ja etwas enttäuscht hatte. Ich gebe gute 4 von 5 Sternen und bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band!

Mein Fazit
Ein spannender vierter Fall mit dem Ermittlerduo Schneidmann und Käfer, der mich von Anfang an gepackt hat und der mit einer sehr interessanten Auflösung aufwartet. Toll fand ich zudem, dass es wieder mehr Einblick in das Privatleben der beiden sympathischen Ermittler gab, ohne dass dies zu sehr in den Vordergrund getreten ist. Ich fühlte mich durch das Buch sehr gut unterhalten, bin gespannt auf den nächsten Fall und gebe gute 4 von 5 Sternen.

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