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153 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 40 Rezensionen

london, historischer roman, historisches london, londo, geheimnis

Das Haus in der Nebelgasse

Susanne Goga
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.01.2017
ISBN 9783453358850
Genre: Historische Romane

Rezension:

Mich hat das Cover angezogen und der Klappentext neugierig gemacht – ich liebe historische Romane, erst recht, wenn sie in London spielen und geheimnisvoll klingen. Und meine Erwartungen wurden auch nicht enttäuscht – ich fühlte mich sehr gut unterhalten und bin in das historische London abgetaucht.

Schon den Einstieg fand ich sehr gelungen – das Buch beginnt mit einem Text aus dem Jahre 1665, der sehr geheimnisvoll wirkt und viele Fragen offen lässt – dann springt man ins Jahr 1900 und lernt Matilda Gray kennen, eine junge Lehrerin, die für die damalige Zeit sehr modern lebt und sich nur wenig um Konventionen schert. Als Lehrerin soll sie eigentlich junge Frauen auf das Leben als Hausfrau vorbereiten, viel lieber aber lehrt sie sie Dinge über das Leben – als dann plötzlich eine Schülerin nicht mehr aus den Ferien zurückkommt und sie auch noch eine verschlüsselte Botschaft von ihr erhält, ist Matildas Neugierde geweckt, und sie macht sich auf die Suche nach Laura.

Das Buch konnte mich wirklich von Anfang an fesseln und die Spannung im Laufe der Geschichte sogar noch steigern. Wie bei einer Schnitzeljagd kommt Matilda dem Geheimnis um Laura immer näher, immer wieder gibt es neue Hinweise, denen Matilda nachgehen kann. An der einen oder anderen Stelle war dann auch der Zufall behilflich, das aber konnte ich gut verschmerzen und hat das Lesevergnügen auch nicht getrübt.

Matilda ist eine sehr sympathische Protagonistin, die ich gleich zu Beginn in mein Herz geschlossen habe. Nicht nur, weil sie so unkonventionell wirkt, sondern weil sie einfach pfiffig ist und Dinge nicht einfach hinnimmt. Aber auch die anderen Charaktere fand ich gelungen – vor allem Matildas Vermieterin Mrs. Westlake fand ich klasse. Sie ist Autorin und hat mit Anekdoten rund um ihre Romanheldin der ganzen Geschichte noch eine gewisse Leichtigkeit gegeben – ich zumindest musste bei Passagen, in denen Mrs. Westlake auftauchte, immer wieder schmunzeln, weil sie so liebenswert und lebendig erscheint. Gemocht habe ich auch den Historiker Stephen Fleming, den Matilda bei ihren Recherchen kennenlernt und der sie mit Rat und Tat unterstützt. Er hat das Herz am rechten Fleck und ist sehr hilfsbereit – auch wenn mich eine seiner Entscheidungen am Ende des Buches etwas zwiegespalten zurückgelassen hat.

Gefallen haben mir vor allem die Beschreibungen des historischen Londons, die so lebendig waren, dass ich alles genau vor Augen hatte. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und die Stadt zum Leben erweckt – nicht nur, was die Straßen und Gassen betrifft, sondern auch das Leben zur damaligen Zeit; lebendig und sehr authentisch hat die Autorin hier alles beschrieben – Angst vor langweiligen Schilderungen muss man wirklich nicht haben. Überhaupt ist der Schreibstil sehr leicht zu lesen, weil er eher einfach gehalten ist mit vielen Dialogen, die das Ganze nochmal mehr lebendig werden lassen. Mir persönlich war er zu modern und hat mir beim Lesen kein „historisches Gefühl“ beschert – rein vom Schreibstil hatte ich leider nicht das Gefühl, mich im Jahre 1900 zu befinden, sondern irgendwann in der Gegenwart – das fand ich ein wenig schade. Trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter, gerade auch, wenn man sich mal an das Genre „historischer Roman“ wagen möchte.

Mein Fazit
Ein durchweg spannender historischer Roman, in dem die sympathische Protagonistin ein Geheimnis lüftet und den Leser mitnimmt auf eine Schnitzeljagd durch das historische London. Durch den lebendigen Schreibstil sind die Seiten rasch dahingeflogen, außerdem habe ich die sympathischen Charaktere bei ihrer Suche gerne begleitet. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen und empfehle es gerne weiter, vor allem auch an Leser, die sich mal an das Genre „historischer Roman“ wagen wollen.

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42 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

silvia stolzenburg, brutal, historischer roman, mor, folter

Das Ende des Teufelsfürsten

Silvia Stolzenburg
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 30.11.2016
ISBN 9783956690655
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dies ist der dritte Band der Teufelsfürst-Trilogie, einer Reihe über Vlad Draculea, und es ist sicher hilfreich, die beiden Vorgängerbände auch gelesen zu haben – ich habe es nicht getan und bin trotzdem wunderbar in die Geschichte reingekommen und habe sie sehr genossen.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Floarea, ein junges Mädchen, dessen Familie durch Vlad Draculea grausam ermordet worden ist und das seitdem bei ihrer Tante lebt. Durch glückliche Umstände wird Floarea Vorleserin am Hof der Königin und ihr Leben scheint sich zu beruhigen – bis sie erfährt, dass Vlad Draculea am Leben ist und sie ihre Rachegedanken nicht mehr loslassen.

Obwohl ich die Vorgängerbände nicht kannte, bin ich wirklich sehr gut in die Geschichte reingekommen und habe auch zwischendrin nie das Gefühl gehabt, irgendetwas nicht einordnen zu können, was vielleicht in den Vorbänden passiert ist. Dafür hat die Autorin einfach zu gut Vergangenes wieder aufgegriffen und erläutert, ohne dass es dabei aber zu langatmigen Schilderungen gekommen wäre. Überhaupt ist mir der angenehm zu lesende und sehr lebendige Schreibstil positiv aufgefallen – es gibt viele Dialoge, so dass man sich als Leser richtig in die Geschichte aufgenommen fühlt, dazu natürlich auch Beschreibungen der damaligen Umstände, die aber nie langweilig wurden – und insgesamt ist der Schreibstil einfach wunderbar flüssig und angenehm zu lesen.

Die meisten Charaktere sind auch schon in den Vorbänden aufgetreten, so dass sie hier nur noch grob vorgestellt wurden, trotzdem aber waren sie fein gezeichnet und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet. Gerade Floarea konnte ich gar nicht anders, als sie sofort ins Herz schließen mit ihrer liebenswerten und besorgten Art. Ihr ist böse mitgespielt worden - wobei in diesem Band nur wenig darauf eingegangen wird, was genau passierte – so dass sie mir sehr leid getan hat, aber ihren Mut wiederum habe ich bewundert, so dass ich sie bei ihren Racheplänen gerne begleitet habe. Aber auch Vlad Draculea hat mich als Figur sehr begeistert, weil er so ambivalent dargestellt wird und er viele verschiedene Facetten bietet, das hat ihn als Charakter sehr interessant gemacht – jetzt bin ich richtig neugierig auf die beiden Vorbände, die ich unbedingt noch lesen möchte.

Die Geschichte hat mich von Anfang an gefesselt und wurde von Seite zu Seite spannender. Das lag auch an den verschiedenen Handlungssträngen, die erst parallel laufen und erst gegen Ende dann zu einem Strang werden. Die Spannungskurve steigt stetig, und gerade im letzten Drittel ist es mir schwer gefallen, das Buch zur Seite zu legen. Nur das Ende hat mich ein wenig enttäuscht, da lag aber einfach an den falschen Erwartungen von mir, wie sich nach Lesen des aufschlussreichen Nachwortes herausstellte. Insgesamt hat mich das Buch aber gut unterhaltern und ich gebe ihm 4 von 5 Sternen.

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109 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

nachkriegszeit, 2. weltkrieg, hamburg, krimi, historischer roman

Trümmerkind

Mechtild Borrmann
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426281376
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mechtild Borrmann ist einer meiner Lieblingsautorinnen, und auch mit ihrem neuen Buch hat sie mich nicht enttäuscht. Wieder ist es zunächst eine eher ruhige Geschichte, die mich aber doch von Anfang an fesseln konnte und dann im letzten Drittel spannend wird wie ein Krimi.

Das Buch hat drei Erzählstränge, die zunächst nebeneinanderherlaufen, dann aber ineinandergreifen und am Schluss einen dicken Strang ergeben.

Das Buch beginnt in der Nachkriegszeit, als Frauen und Kinder sich irgendwie durchs Leben geschlagen haben. So auch Agnes Dietz mit ihren Kindern, die regelmäßig die Trümmer nach Brauchbarem durchsuchen, was sich entweder essen oder verbrennen lässt oder was man auf dem Schwarzmarkt eintauschen kann. Ein weiterer Erzählstrang spielt im Jahr 1945 in der Uckermark, hier ist es die Familie Anquist, die sich durchs Leben beißt und kämpft. Der dritte Erzählstrang spielt in den 90er Jahren. Hier macht sich die Lehrerin Anna auf die Suche nach ihren Wurzeln – doch ihre Mutter will einfach nichts preisgeben und scheint irgendwas zu verbergen. Ein Besuch auf einem alten Gutshof bringt dann ganz neue Aspekte ans Tageslicht.

Die einzelnen Geschichten beginnen zunächst alle sehr ruhig, und trotzdem war ich von Anfang an gefesselt, einfach weil die Geschichten so eindringlich erzählt werden, dass ich immer wissen wollte, wie es weitergeht. Zunächst scheinen die drei Erzählstränge nichts miteinander zu tun zu haben, doch nach und nach verweben sie miteinander und fügen sich schließlich zusammen. Doch während es am Anfang sehr ruhig zugeht, ist das letzte Drittel sehr spannend und schon fast einem Krimi gleich – und es gelingt der Autorin, tatsächlich alle Fragen zu lösen und ein großes Ganzes entstehen zu lassen, in dem keine Fragen offenbleiben oder irgendetwas ungereimt bleibt.

Das Buch hat gar nicht so viele Seiten und trotzdem sind die Charaktere wieder sehr gut gelungen und sehr fein gezeichnet. Zwar sind nicht alle gleich sympathisch, dafür aber konnte ich mich in jeden hineinversetzen, einfach weil man sie nach und nach kennenlernt mit all ihren Ecken und Kanten – so konnte ich manch eher verwerfliche Tat durchaus nachvollziehen, wenn auch nicht gutheißen.

Auch in diesem Buch wird wieder deutlich, wie viel die Frauen und Kinder in der Nachkriegszeit geleistet haben – sie haben sich nicht zurückgezogen und gewartet, sondern haben angepackt und organisiert, sie waren trotz aller widriger Umstände kraftvoll und haben nicht aufgegeben. Vielleicht waren sie nicht immer optimistisch, aber dennoch haben sie zugepackt und sich nicht unterkriegen lassen – ich finde das bewundernswert und bin immer wieder beeindruckt von solcher Schaffenskraft.

Die Autorin hat einen Schreibstil, der mich auch dieses Mal wieder überzeugt hat – sie erzählt schnörkellos und atmosphärisch dicht, die Schilderungen gerade auch zur Nachkriegszeit waren sehr überzeugend, ich zumindest hatte viele Bilder im Kopf und fühlte mich in diese kraftzehrende Zeit hineinversetzt. Die eindringlichen Schilderungen haben mich wirklich sehr berührt, die Sprache ist kraftvoll und direkt und dabei aber angenehm und flüssig zu lesen.

Ein fesselndes Buch, das trotz der schwierigen Themen gut unterhält und Mut macht – ich gebe 4 von 5 Sternen und kann es jedem empfehlen, der sich gerne mit dieser Zeitepoche beschäftigt.

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

historischer roman, italien, 2016, roman, deutschland

Das Mädchen aus Apulien

Iny Lorentz
Fester Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Knaur, 04.10.2016
ISBN 9783426663820
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe schon viele Romane von Iny Lorentz gelesen und viele der Romane auch gemocht - man muss nur mit den richtigen Erwartungen an die Lektüre herangehen. Ich mag die Bücher gerne für zwischendurch, sie bieten schöne Unterhaltung ohne sehr anspruchsvoll zu sein - und so habe ich auch bei diesem Wälzer empfunden.

Diesmal entführt uns das Autorenpaar nach Italien, ins 13. Jahrhundert – hier begleitet man die junge Pandolfina auf ihrem Weg. Nachdem ihr Vater, ein apulischer Graf, gestorben ist, wird die eigentlich ihr zustehende Burg gewaltsam eingenommen, und Pandolfina soll gegen ihren Willen verheiratet werden. Doch sie kann fliehen und schwört auf Rache.

Man sollte keinen tiefschürfenden Historienroman erwarten, auch gibt es nur wenige historische Persönlichkeiten, die in dieser Geschichte auftauchen, dafür aber ist die Geschichte unterhaltsam und schenkt schöne Lesestunden. An vielen Stellen mag sie vorhersehbar sein und die Charaktere wirken etwas klischeehaft, trotzdem hat das Lesen Spaß gemacht, und ich fühlte mich gut unterhalten.

Pandolfina habe ich von Anfang an ins Herz geschlossen. Sie ist ein sehr gutmütiger Mensch, der sich für die Menschen, die sie liebt, auch einsetzt – nur wenn jemand sie sehr verletzt hat, dann kann sie das nicht vergessen und dann kann dann auch nachtragend sein - und so lässt sie zum Beispiel auch nicht von ihren Rachegedanken ab. Für eine junge Frau ihrer Zeit ist sie sehr gebildet und mischt sich auch schon mal gerne in politisches Geschehen ein – das vor allem aber im letzten Drittel der Geschichte, als sie schon herangewachsen ist und viele gute, aber auch schlechte Erfahrungen machen musste. Insgesamt wirkt ihre Figur etwas klischeehaft, trotzdem war sie mir sympathisch und ich habe sie gerne begleitet. Auch die anderen Figuren wirken leider etwas stereotyp – die Guten sind gut und die Bösen sind böse. Das finde ich ein bisschen schade und hier hätte ich mir auch ein wenig mehr und tiefgehendere Charakterzeichnung gewünscht. So waren die Handlungen der Figuren und damit auch die Geschichte doch sehr vorhersehbar.

Während es zunächst etwas behäbig vorangeht im Buch, ändert sich das ab der Hälfte – die Spannung steigt an und fällt dann auch erst mit dem alles auflösenden Finale ab. Gerade die zweite Hälfte hat mir viel besser gefallen, nachdem es in der ersten doch etwas ruhiger zuging. Dass vieles dann in der zweiten Hälfte vorhersehbar war – egal, ob es um Kämpfe, Burgen oder auch die Liebe geht, konnte ich gut verschmerzen, weil ich einfach Spaß beim Lesen hatte, wer aber lieber unerwartete Wendungen und Überraschungen mag, der könnte etwas enttäuscht werden.

Der Schreibstil ist sehr einfach und an manchen Stellen vielleicht auch etwas zu modern für einen historischen Roman, dafür aber ist er angenehm leicht zu lesen, weil er lebendig und sehr farbenfroh ist – Angst vor langatmigen Beschreibungen muss man auf jeden Fall nicht haben, die gibt es nicht, vielmehr ist alles so beschrieben, dass man es sich vorstellen kann, es aber nie ausschweifend wird.

Ich habe mich in der Geschichte gut gefühlt, hatte schöne Lesestunden und gebe daher 3,5 von 5 Sternen.

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(42)

70 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

bipolare störung, gavin extence, libellen im kopf, roman, psychiatrie

Libellen im Kopf

Gavin Extence , Alexandra Ernst
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Limes, 14.11.2016
ISBN 9783809026341
Genre: Romane

Rezension:

Mich hat ja schon das Debut von Gavin Extence sehr begeistert, daher war ich sehr neugierig auf sein neues Buch – und wurde auch nicht enttäuscht. Beginnt das Buch sehr skurril, entwickelt es sich zu einer interessanten Geschichte über eine an einer bipolaren Störung erkrankten Protagonistin.

Sie ist es auch, die ihre Geschichte erzählt – in Ich-Form nimmt Abby den Leser mit auf eine Achterbahnfahrt ihrer Gefühle. Nachdem sie ihren Nachbarn tot in seiner Wohnung auffindet, gerät ihr eigenes Leben aus den Fugen. Hat sie sich bisher ganz gut ihrem Alltag als Journalistin stellen können, rutscht sie fortan langsam mehr und mehr in eine manische Phase – und nur mühsam kann ihr Lebensgefährte Beck sie hierin erreichen und ihr helfen.

Mich hat diese Geschichte sehr beeindruckt. Durch die Ich-Perspektive habe ich mich sehr gut in Abby hineinversetzen können und auch wenn einige ihre Handlungen und Gedanken alles andere als normal sind, habe ich doch mit ihr gefühlt. Ich fand es sehr interessant, Abby in ihrer manischen Phase zu begleiten, dann aber auch ihren Absturz mitzuerleben und ihr langsames Wiedereintreffen in der Normalität. Dabei haben mich vor allem ihre Gefühle sehr beeindruckt – denn aus Sicht des Betroffenen stellt sich so eine manische Phase doch noch mal ganz anders dar als aus Sicht eines Außenstehenden. Abbys innere Qual, die Manie aufzugeben, sich der Normalität und vielleicht auch Langeweile zu stellen, zu unterscheiden, was ist noch normal und was ist schon Ausdruck der Krankheit, was ist Spaß am Leben und was ist Manie – alles das war für mich sehr interessant zu verfolgen und hat mir die Krankheit der bipolaren Störung sehr nahe gebracht.

Dabei ist das Buch jetzt keine trockene Abhandlung über diese Erkrankung, sondern eine spannende Charakterzeichnung – ich zumindest konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen, so gefesselt war ich von der Geschichte. Ich wollte unbedingt wissen was mit Abby weiter geschieht, wie sie sich mit der Krankheit und ihrem Leben arrangiert. Dabei hat mir vor allem gut gefallen, dass die Geschichte so realitätsnah war, dass ich sie mir genau so auch im realen Leben vorstellen konnte und nichts irgendwie zu konstruiert oder abgehoben wirkte.

Abbys Charakter ist sehr fein gezeichnet und ich habe mich gut in sie hineinversetzen können. Zwar hätte ich nicht immer gehandelt wie sie, aber sie hat mich tatsächlich an die Hand genommen und mich in ihre Gedankenwelt entführt. Aber auch andere Charaktere haben mir sehr gut gefallen – wie zum Beispiel Abbys Lebensgefährte Beck, der so authentisch rüberkommt mit seiner Hilflosigkeit im Umgang mit der Erkrankung und seiner tiefen Liebe zu seiner Lebensgefährtin.

Der Schreibstil ist locker und umgangssprachlich und machte es mir nochmal leichter, mich in die Geschichte hineinzufühlen. Das Buch hat sich sehr flüssig lesen lassen, und so sind die Seiten rasch dahingeflogen.

Lediglich der Zusammenhang zwischen dem Anfang des Buches und Abbys neuer Bekanntschaft war mir ein wenig zu weit hergeholt, das hätte aus meiner Sicht nicht sein müssen, denn gebraucht hätte die Geschichte das nicht. Dafür finde ich den Titel sehr gut gewählt und „Libellen im Kopf“ gefällt mir viel besser als der Originaltitel „The Mirror World of Melody Black“. Insgesamt hat mir das Buch wirklich sehr gut gefallen und ich gebe gerne gute 4 von 5 Sternen.

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5 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

ungarn, familie, 2. weltkrieg, auschwitz, kämpfen

Der Junge, der nicht hassen wollte

Shlomo Graber
Flexibler Einband
Erschienen bei Riverfield Verlag, 01.12.2016
ISBN 9783952464052
Genre: Biografien

Rezension:

Ich habe schon einige Bücher über den Holocaust gelesen und gerade biographische Geschichten haben mich immer sehr beeindruckt - daher war ich sehr gespannt auf diese wahre Geschichte von Shlomo Graber.

Und wie der Titel schon verrät, ist Shlomo Graber ein außergewöhnlicher Mensch. Wächst er zunächst behütet und umsorgt im Kreise seiner liebevollen Familie auf und kann auf eine glückliche Kindheit zurückblicken, wird Shlomo mit 14 Jahren von den Nazis deportiert und seine glückliche Kindheit nimmt ein jähes Ende.

Was Shlomo Graber danach erlebt ist grauenhaft, und nur seinem unglaublichen Lebenswillen ist zu verdanken, dass er die folgenden Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern überlebt. Man merkt beim Lesen, dass die Erinnerungen furchtbar sind – manches lässt er weg, weil es einfach zu schrecklich war, anderes erzählt er episodenhaft, wie Blitzlichter, die in seinem Kopf auftauchen. Überleben konnte er nur durch seinen unerschütterlichen Glauben an sich selbst und seine Nächstenliebe, die er auch in dieser schrecklichen Zeit niemals verloren hat.

In der ersten Hälfte des Buches erinnert sich Shlomo Graber an seine Kindheit, an seinen weisen Großvater und seine liebevolle Mutter und Geschwister – zu seinem Vater hatte er da noch gar nicht so eine enge Bindung. Man merkt beim erzählen, wie glücklich seine Kindheit war und wie stark sie ihn geprägt hat. Und daraus zieht er seine Kraft für die furchtbaren Jahre in Gefangenschaft, an die er sich in der zweiten Hälfte des Buches erinnert. Nach 4 qualvollen Jahren wird er befreit – und hier endet dann auch das Buch. Gerne hätte ich noch mehr erfahren, vor allem über die Zeit nach der Befreiung, denn auch diese stelle ich mir mit dem Durchgemachten im Gepäck nicht leicht vor.

Die Sprache ist sehr einfach und schlicht, wirkt oft ein wenig distanziert, die Eindringlichkeit des Erlebten geht dadurch aber natürlich nicht verloren. Ganz im Gegenteil – gerade am Ende wird noch mal deutlich, was für ein großes Herz Shlomo Graber in sich trägt, was für eine Kraft und Nächstenliebe er trotz dieser schlimmen Zeit für sich behalten konnte.

Sterne werde ich für dieses Buch nicht vergeben, denn es steht mir nicht zu, Erlebtes anderer zu bewerten. Wer sich aber für den Holocaust interessiert, dem kann ich einen Blick in diese wahre Geschichte empfehlen; vielleicht nur sollte man vorher eine Leseprobe lesen, um zu schauen, ob einem der Schreibstil liegt – ich kann mir vorstellen, dass er manchem zu distanziert und einfach ist; wenn er aber gefällt, dann empfehle ich dieses Buch uneingeschränkt.

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59 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

jazz, chicago, musik, roaring twenties, liebe

Die Musik der verlorenen Kinder

Mary Morris , Gabriele Weber-Jaric
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 05.12.2016
ISBN 9783746632728
Genre: Historische Romane

Rezension:

Cover und Titel haben mich neugierig sehr neugierig gemacht auf das Buch, der Klappentext versprach mir dann eine interessante Geschichte angesiedelt in Chicago, in den 20er Jahren.

Und zu Anfang hat mich das Buch auch sehr fasziniert – die Autorin hat mich eingesogen in diese andere Zeit und sie mich beim Lesen spüren lassen. Sie schreibt voller Atmosphäre, lässt die Zeit aufleben, so dass ich beim Lesen viele Bilder im Kopf, vor allem aber auch Melodien im Ohr hatte. Voller Lebendigkeit und Begeisterung beschreibt sie historisch wahres und frei erdachtes, es gibt fiktive Figuren genauso wie gelebte Persönlichkeiten, und es war schön, immer wieder auf Bekannte oder Bekanntes zu stoßen – der Flair Chicagos ist einfach spürbar, die Geschichte voller Musik.

Vermisst habe ich in diesem Buch aber leider die Geschichte selber, einen roten Faden, wohin sie führen soll. Der Klappentext hat mich denken lassen, dass der junge Benny Lehrmann, dem die Musik weit mehr am Herzen liegt als die langweilige Tätigkeit in der Fabrik seines Vaters, und die junge von Schicksalsschlägen geplagte Pearl im Mittelpunkt stehen, doch sie scheinen nur am Rande zu laufen, während es tatsächlich die Musik ist, die den Mittelpunkt der Geschichte bildet.

Obwohl die Autorin sich viel Zeit gelassen hat, die verschiedenen Figuren einzuführen, sind sie mir leider immer fremd geblieben und keinen von ihnen habe ich wirklich ins Herz geschlossen – das ist erstaunlich, da alles, was in diesem Buch irgendwie mit Musik zu tun hat, sehr intensiv und eindringlich beschrieben ist und mich sehr berührt hat; die Figuren aber konnten mich leider nicht mitreißen, weil sie irgendwie immer am Rande zu stehen schienen. Da ich leider nicht mit ihnen gefiebert habe, hat sich dann auch der Lesesog bei mir verloren – zwar habe ich immer die wunderbare Atmosphäre gespürt, das Vibrieren der Musik, die nur wenig vorhandene Handlung aber konnte mich leider nicht fesseln oder mitreißen. Mich stört sonst nicht, wenn Geschichten ruhig sind, aber ich möchte einen roten Faden fühlen, wohin die Reise geht – und diesen habe ich hier leider nie packen können.

Als Filmvorlage ist dieses Buch bestens geeignet, weil es schon beim Lesen viele Bilder im Kopf entstehen lässt, die Geschichte selber konnte mich leider nicht fesseln. Wer sich also an dieser besonderen Stimmung der 20er Jahre in Amerika erfreuen kann, einen atmosphärisch dichten Schreibstil mag und sich darein fallen lassen kann, und wem die Handlung einer Geschichte nicht so wichtig ist, dem empfehle ich dieses Buch gerne – mich hat es nur in Teilen überzeugt, daher gebe ich 3,5 von 5 Sternen.

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37 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

blumen, liebe, neuanfang, vergissmeinnicht war gestern, neues leben

Vergissmeinnicht war gestern

Ilke S. Prick
Flexibler Einband: 257 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783458361886
Genre: Liebesromane

Rezension:

Ich war sehr neugierig auf dieses Buch, zu dem ich aus einem Bauchgefühl heraus gegriffen habe. Und ich wurde beim Lesen auch nicht enttäuscht – ich mochte diese Verbindung zu den Pflanzen und Blumen und habe mich in der Geschichte richtig wohl gefühlt.

Die Idee des Buches ist sicherlich nicht neu – Marieke trennt sich nach vielen Jahren einer mehr oder weniger glücklichen Beziehung von ihrem Freund, der mehr Gefallen an einer Jüngeren gefunden hat, und versucht nun, ihr Leben neu in den Griff zu kriegen. Anfangs fällt ihr das nicht leicht und sie hadert sehr mit sich und ihrem Alter, doch nach und nach kann sie sich wieder an den schönen Dingen des Lebens erfreuen und wird so auch wieder interessant für das andere Geschlecht.

Ich mochte Marieke – und gerade am Anfang konnte ich mich gut in sie und ihre Gefühle hineinversetzen. Marieke fühlt sich leer, ausgestoßen und abgeschrieben – dass sich das noch mal ändert, kann sie kaum glauben. Und doch wagt sie sich Schritt für Schritt wieder ins Leben zurück, die neue Umgebung und die neuen Nachbarn tun das Ihre dazu. Dass Blumen und Pflanzen eine wichtige Rolle spielen, kann man bei dem Titel des Buches schon vermuten – dass die Kapitel, die eine angenehme Länge hatte, dann auch noch Namen verschiedener Blumen trugen, fand ich eine schöne Ergänzung.

Gerade zu Beginn geht es eher um düstere und melancholische Gefühle, trotzdem ist sie Atmosphäre im Buch nicht traurig, sondern sehr positiv und erfrischend. Das ist dem lebendigen Schreibstil zu verdanken, der beschwingt und optimistisch wirkt und der Geschichte so die Schärfe nimmt. Und obwohl Mariekes erste Gehversuche nach der Trennung nicht immer glatt verlaufen, sind ihre Schritte doch nach vorne gerichtet und zeigen, dass sie auf dem richtigen Weg ist. Ich mochte diese freundliche Art sehr, in der die Geschichte erzählt wird, denn sie macht ein gutes Gefühl und vor allem Mut, auch in schlechten Zeiten nicht aufzugeben.

Die Charaktere sind an der einen oder anderen Stelle etwas klischeehaft geraten, das aber konnte ich der Autorin verzeihen, weil sie allemal sympathisch waren und ich mich als Teil der Menschen fühlte, die Marieke von nun an begleiteten. Es geht turbulent zu bei ihr und ihren neuen Freunden und einige Überraschungen gerade im letzten Drittel haben die Geschichte sehr abwechslungsreich gemacht. Am Ende fügt sich natürlich alles so zusammen, wie ich es die ganze Zeit schon vermutet hatte – das aber ist dem Genre geschuldet, und alles andere hätte mich gewundert und enttäuscht.

Mein Fazit
Obwohl das Thema nicht neu ist, habe ich mich bei Marieke und ihren neuen Freunden sehr wohl gefühlt – trotz des ernsten Themas ist die Stimmung im Buch eher locker und freundlich, die Charaktere sind sympathisch, der Schreibstil lebendig und das Ende zwar vorhersehbar, aber zum Genre passend. Ich habe das Buch mit einem Lächeln im Gesicht zugeschlagen und fühlte mich gut unterhalten. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.

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72 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

paris, liebe, malerei, kunst, botanik

Rendezvous im Café de Flore

Caroline Bernard
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632711
Genre: Liebesromane

Rezension:

Es war das wunderschöne Cover, das mich sofort angezogen hat, der Klappentext hat mich dann neugierig gemacht auf diese in Paris spielende Geschichte auf zwei Zeitebenen – und meine Erwartungen wurden erfüllt, von Anfang an bin ich vollends in die Geschichte abgetaucht.

Es gibt zwei Handlungsstränge, die sich immer wieder abwechseln und auch zu zwei unterschiedlichen Zeiten spielen: in den 30er Jahren erfüllt sich die junge Vianne einen Lebenstraum und geht nach Paris, um Botanikerin zu werden. Sie taucht ein in das schillernde Leben der Stadt und scheint mit dem Maler David ihr Glück gefunden zu haben, als etwas Tragisches passiert und sich alles ändert. In der Gegenwart ist Marlene die Protagonistin, die mit ihrem Mann eine Reise in die Stadt der Liebenden macht, um ihre Ehe wieder in Gang zu bringen – in einem Museum entdeckt sie ein Bild, das eine Frau zeigt, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Marlene lässt das Bild nicht mehr los und versucht herauszufinden, wer die Frau auf dem Bild ist – derweil bekommt ihre Ehe immer größere Risse.

Ich habe beide Erzählstränge sehr gerne gemocht, was vor allem der Atmosphäre zu verdanken ist, die die Autorin geschaffen hat – ich habe mich als Leser nach Paris versetzt gefühlt und bin wahlweise mit Vianne oder Marlene durch die Straßen gebummelt, habe viele Eindrücke eingesammelt und die Stadt durch deren Augen betrachtet. Schön war auch, die Stadt zu den unterschiedlichen Zeiten zu erleben – in den 30er Jahren war es das Bohème-Leben, in der Gegenwart der besondere Flair, der der Stadt immer noch anhaftet. Aber es war auch spannend, die beiden Protagonistinnen zu begleiten, die ganz unterschiedliche Wege gehen, deren Wege dann aber doch zusammenlaufen. Während Vianne sich in Paris ein neues Leben aufbaut, in das Leben der französischen Avantgarde eintaucht, das Ziel, Botanikerin zu werden, nie aus den Augen verliert, bis der Krieg ausbricht und sie eine Entscheidung treffen muss, nimmt sich Marlene erst mal nur eine Auszeit in Paris, schwelgt in Erinnerungen an ihre Pariser-Studienjahre und überdenkt ihr eigenes Leben – die Suche nach der unbekannten Frau auf dem Bild hilft ihr dabei herauszufinden, was sie eigentlich will in ihrem Leben.

Etwas lieber habe ich Vianne begleitet, was aber einfach der Zeit geschuldet ist, die ich sehr mag. Vianne ist eine starke Persönlichkeit, die sich gegen die Konventionen stellt, das macht, was sie möchte und dabei ihr Ziel nicht aus den Augen verliert. Marlene in der Gegenwart ist da ein wenig anders – sie wirkt zunächst unentschlossener und längst nicht so stark, erst im Laufe der Geschichte entwickelt sie sich weiter und wagt sich an Dinge heran, hört auf ihren Bauch und geht ihren eigenen Weg.

Lange Zeit laufen beide Erzählstränge parallel und man kann nur ahnen, wie sie zusammenhängen, nach und nach aber werden sie immer mehr ineinander verwoben, bis sie dann am Ende zusammenlaufen und ein großes Ganzes ergeben. Fragen bleiben keine offen und mit einem guten Gefühl im Bauch, habe ich das Buch am Ende zugeschlagen.

Ich mochte besonders den Schreibstil der Autorin, der eine unglaubliche Stimmung beim Lesen schafft und die wundervolle Atmosphäre Paris‘ einzufangen weiß. Er ist locker und leicht, liest sich sehr flüssig und gibt der Geschichte eine angenehme Beschwingtheit – und trotzdem passt er auch zu ernsteren Passagen, die sich gerade am Ende des Buches ergeben. Ich habe mich bei der Lektüre sehr wohl gefühlt und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine wundervolle Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt und den Leser nach Paris entführt, ihn dort eintauchen lässt in die ganz besondere Atmosphäre der Stadt. Im Mittelpunkt stehen zwei starke Protagonistinnen, die – so unterschiedlich sie sind – beide ihren Weg gehen; am Anfang scheinen die Geschichten parallel zu laufen, nach und nach aber verweben sich beide Handlungsstränge und ergeben am Ende ein großes Ganzes. Der lockere Schreibstil lässt die Seiten rasch dahinfliegen und schenkt wunderbare Lesestunden – ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen und freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

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44 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

krimi, mord, soziopath, spannung, psychologie

Evil Games – Wer ist ohne Schuld?

Angela Marsons , Elvira Willems
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.09.2016
ISBN 9783492060394
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den ersten Band um die Ermittlerin Kim Stone fand ich schon sehr gut, den zweiten Band fand ich sogar noch etwas besser. Und eins vorweg – man kann dieses Buch auch lesen, wenn man den ersten Band nicht kennt, denn der Fall ist in sich abgeschlossen und die Charaktere werden so eingeführt, dass man keine Vorkenntnisse braucht.

Es war vor allem der Plot, der mich sehr neugierig gemacht hat. Es gibt mehrere Morde, die nicht zusammenzuhängen scheinen, doch immer wieder taucht bei den Ermittlungen eine Psychiaterin auf, die mehr mit den Morden zu tun hat, als sie Kim Stone glauben lassen will.

Wie auch schon Band 1 konnte mich auch dieses Buch von der ersten Seite an fesseln. Die Autorin versteht es, die einmal erzeigte Spannung zu halten und immer wieder auch anzufachen, weil Neues geschieht oder sich Wendungen ergeben, mit denen man als Leser nicht rechnet. Auch die kurzen Kapitel und die Erzählweise erhöhen nochmal die Spannung – ich zumindest konnte das Buch nur schlecht beiseitelegen, weil ich immer wissen wollte, wie es weitergeht und was es mit den Morden denn nun auf sich hat.

Das Buch ist aus wechselnden Perspektiven erzählt – mal ist es ein allwissender Erzähler, der von den Geschehnissen berichtet, dann gibt es die Sichtweise von Kim Stone, die man bei ihren oft sehr eigenwilligen Ermittlungen begleitet, und es gibt die Sichtweise der Psychiaterin Dr. Alexandra Thorne. Durch diese wechselnden Perspektiven kann man sich sehr gut in die jeweiligen Figuren hineinversetzen und bekommt nochmal mehr Einblicke in spezielle Situationen.

Gefallen haben mir vor allem die Eindrücke aus der Welt der Psychotherapie. Wie Alexandra Stone die Gespräche mit ihren Klienten führt, wie sie sie durch die Therapie begleitet und dabei Methoden anwendet, die einen an Manipulation denken lassen, hat mich einerseits fasziniert, andererseits aber auch schockiert. Mit diesem Buch im Hinterkopf, sehr ich die Welt der Psychotherapie nun mit anderen Augen und bin da deutlich voreingenommener als vor der Lektüre. Tiefe Einblicke in die Psyche gibt es auch bei der Ermittlerin Kim Stone – sie hat Schreckliches in ihrer Kindheit erlebt und hat an vielem noch zu knabbern; deshalb ist sie jetzt so wie sie ist. Auf den ersten Blick erscheint sie kalt, abgebrüht, zynisch und sehr zurückgezogen, auf den zweiten Blick aber erkennt man ihren weichen Kern. Diesmal war mir Kim Stone sympathischer als im Vorgängerband, einfach weil sie auch mal ihre Schwächen zugestehen konnte und sie dadurch sehr authentisch und menschlich wirkte. Auch die anderen Figuren sind sehr gut gezeichnet, vor allem hat mir wieder die Psychiaterin gefallen, deren Figur sehr gut ausgearbeitet ist und viel Einblicke in ihre Psyche gewährt. Aber auch Kims Kollegen habe ich ins Herz geschlossen, weil sie so glaubwürdig und echt wirken, so wie Menschen, die einem wirklich begegnen könnten.

Die Ermittlungen sind zu keinem Zeitpunkt langweilig, was sicherlich an der etwas unkonventionellen Arbeitsweise Kim Stones und ihres Teams liegt. Man sollte also nicht denken, dass in diesem Buch langweilige Ermittlungsarbeit beschrieben wird – klassische Ermittlungsarbeit gibt es nur selten und wird eher nebenher gemacht. Im Mittelpunkt stehen tatsächlich Kim Stone und ihr Ehrgeiz, den Grund für die unterschiedlichen Morde herauszufinden – und das auf eher unkonventionelle Weise. Bis zum Schluss steigt dann kontinuierlich die Spannung, und das Ende ist dann sehr schlüssig und hat mich ohne Fragen zurückgelassen.

Ich gebe dem Buch gute 4 von 5 Sternen und bin schon auf den nächsten Fall von Kim Stone sehr gespannt!

Mein Fazit
Fesselnd und spannend von der ersten Seite an, konnte ich das Buch nur schlecht aus der Hand legen. Mich hat vor allem der Plot sehr angesprochen, weil es einfach sehr interessant ist, wie menschliches Verhalten beeinflusst werden kann. Die Figuren sind sehr gut gezeichnet, der Schreibstil ist mit seinen kurzen und prägnanten Sätzen eingängig und durch die vielen kurzen Kapitel liest sich das Buch sehr schnell. Ich gebe diesem Buch gute 4 von 5 Sternen und freue mich schon auf den nächsten Fall!

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

marco polo, historischer roman, oliver plaschka, bis ans ende der wel, historische reis

Marco Polo: Bis ans Ende der Welt

Oliver Plaschka
Fester Einband: 864 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.11.2016
ISBN 9783426281383
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich lese gerne dicke historische Schmöker, in die man abtauchen kann und sich so in andere Zeiten und Welten versetzt. Und genau so war es auf bei diesem knapp 900 Seiten starken Wälzer: Die Geschichte um Marco Polo, seine Reisen und Abenteuer haben mich von der ersten Seite an gefesselt!

Sehr gut gefallen hat mir die Art der Erzählung – es gibt nämlich zwei Erzählstränge, die parallel laufen und die mich beide wirklich fesseln konnten. Der eine spielt im Jahr 1298, als Marco Polo während einer Seeschlacht gefangen genommen und anschließend in den Kerker geworfen wird. Dort lernt er den Schriftsteller Rusticello kennen, der in der Nachbarszelle sitzt. Ihm erzählt er seine Lebensgeschichte, und das ist dann der zweite Erzählstrang, der im Jahre 1264 beginnt und sich bis ins Jahr 1298 spinnt.

Ich mochte beide Handlungsstränge sehr gerne und habe mich in beiden sehr wohl gefühlt. Gerade die Gespräche im Kerker fand ich besonders ansprechend, weil ich den Wortwitz zwischen Polo und Rusticello sehr mochte. Aber auch das Leben Marco Polos, bis er schließlich in den Kerker geworfen wird, war interessant. Man merkt, dass der Autor sehr gut recherchiert hat, dabei bleibt die Romanbiographie aber spannend und unterhaltsam, da sie durch die vielen Erlebnisse und Begegnungen Marco Polos eher an einen Abenteuerroman denn an eine Biographie erinnert. Und diese Abenteuergeschichte würde ich tatsächlich jedem empfehlen – egal, ob jung oder alt, Mann oder Frau – hier wird jeder auf seine Kosten kommen, weil einfach so vieles geboten wird: es geht um Liebe und Freundschaft, um Intrigen und Kampf, um Politik und um die Querelen der damaligen Zeit.

Die Geschichte baut sich langsam auf und trotz auch immer wieder auftretender eher ruhiger Passagen, bleibt die Spannung doch vorhanden. Auch die Charaktere werden langsam eingeführt – da war ich bei den für mich nicht sehr eingängig klingenden Namen aus fernen Landen auch dankbar drum, denn so konnte ich mich langsam an sie gewöhnen. Die Figuren sind sehr gut gestaltet und ausgearbeitet, jeder hat eine eigene Geschichte, die man nach und nach erfährt. Dabei gibt es auch die eine oder andere Überraschung, die ich zumindest so gar nicht gedacht hätte, die aber dennoch glaubhaft waren. Marco Polo habe ich von Anfang an in mein Herz geschlossen, gerade weil man ihn in seiner Jugend kennenlernt und seinen Weg gemeinsam mit seinem Onkel und Vater in die fernen Landen dann begleitet. Mal ist Marco witzig, dann wieder vorlaut, immer wieder auch ernst und respektvoll – gerade aber seine schelmische Art, die vor allem in seinen Gesprächen mit dem Zellennachbarn zutage kommt, mochte ich sehr. Rusticello ist die andere Figur, die mir sehr gut gefallen hat – er war so umsorgend und hatte sein Herz einfach am rechten Fleck, da konnte ich gar nicht anders, als ihn in meines zu schließen.

Auch die Geschichte selber bot überraschende Wendungen. Immer wieder gab es Ereignisse, die ich niemals geahnt hätte, die die Geschichte auch spannend gehalten haben und sie niemals haben langweilig werden lassen. Gerade das Ende hat mich dann völlig überrumpelt – niemals habe ich damit gerechnet, und mir hat diese Interpretation sehr gut gefallen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und entführt schon nach wenigen Seiten in eine andere Welt und Zeit. Er ist sehr lebendig durch viele Dialoge, beschreibend dort, wo es notwendig ist, um sich alles vorzustellen, wird dabei aber nie langatmig oder gar langweilig. Mich hat er mitgerissen und begeistert, so dass ich das Buch zügig gelesen habe und mir die vielen Seiten keine Angst einflößten.

Mein Fazit
Eine wunderbare Romanbiographie über Marco Polo, die aber eher an einen spannenden Abenteuerroman erinnert. Die sehr gut ausgearbeiteten Charaktere, die nach und nach eingeführt werden, der flüssig zu lesende Schreibstil und die vielen überraschenden Wendungen haben das Buch für mich zu einem Leseerlebnis werden lassen. Ich empfehle das Buch allen historisch Interessierten, egal ob Jung oder Alt, männlich oder weiblich, denn da wird jedem etwas geboten. Ich gebe 4 von 5 Sternen und werde mich nach weiteren Büchern des Autors umschauen.

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

london, droemer knraur verlag, unschuldiger, 18. jahrhundert, galgen

Der Galgenvogel

Antonia Hodgson , Katharina Volk , Sonja Rebernik-Heidegger
Fester Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Knaur, 02.11.2016
ISBN 9783426653463
Genre: Historische Romane

Rezension:

Dies ist bereits das zweite Buch, in dem der Ich-Erzähler Tom Hawkins im Mittelpunkt steht. Doch auch wenn man den ersten Band „Das Teufelsloch“ nicht kennt, kann man sich hier ins historische London, ins Jahr 1728, entführen lassen, ohne dass einem Informationen aus dem ersten Band fehlen. Während der erste Band vorwiegend im berüchtigten Gefängnis “The Marshalsea“ spielt, soll Tom Hawkins diesmal einen Mord aufklären und gerät dabei zwischen verschiedene Fronten.

Auch wenn mich der Mordfall selber jetzt nicht so sehr fesseln konnte, hat die Autorin es aber geschafft, mich in eine andere Zeit zu entführen. Lebendig und voller Begeisterung beschreibt sie das Leben zur damaligen Zeit, so lebendig, dass ich nicht nur die Gassen genau vor Augen hatte, sondern auch die Kutschen um die Ecken fahren hören konnte, den Unrat auf den Straßen riechen und die lebendige, aber auch gefährliche Atmosphäre spüren konnte. Man merkt einfach die Begeisterung der Autorin beim schreiben, und das hat für mich sehr viel wett gemacht. Dabei ist der Schreibstil sehr authentisch, er passt zum 18. Jahrhundert, fängt einfach wunderbar die Atmosphäre ein und lässt sich dabei sehr gut lesen. Die Kriminalgeschichte selber konnte mich leider nicht so sehr fesseln – ich fand es zwar interessant zu verfolgen, wie Tom Hawkins zwischen verschiedenen Fronten hin und her jongliert, oft aber hatte ich leider auch das Gefühl, dass es nicht so recht weitergeht und die „Ermittlungen“ – sofern man sie denn so nennen kann - auf der Stelle stehen bleiben. Es ist nicht so, dass nichts passiert, trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, ich drehe mich mit Hawkins im Kreis – vielleicht lag es aber auch daran, dass ich viele Handlungen von ihm einfach nicht nachvollziehen konnte.

Gefallen hat mir, dass die Geschichte in eine Rahmenhandlung eingebettet ist und diese auch zwischendurch immer wieder aufgegriffen wird. Man begleitet einen zum Tode verurteilten auf seinem Weg zum Galgen – sehr eindrucksvoll und sehr gut recherchiert wird dieser Gang beschrieben, so dass ich auch hier alles genau vor Augen hatte.

Das Ende hat mich dann sehr überrascht – nicht nur lag ich ganz falsch mit meinen Vermutungen bezüglich des Mörders, auch der Schluss hat mich dann kalt erwischt und völlig unerwartet getroffen.
Weil ich die Atmosphäre, die beim Lesen entstanden ist, ganz wundervoll fand und die Geschichte sehr lebendig erzählt wird, gebe ich – obwohl ich den „Kriminalfall“ nicht so überzeugend fand - 3,5 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Dies ist bereits der zweite Band um den Lebenskünstler Tom Hawkins, ein Buch, das man aber getrost auch ohne den ersten sehr gut lesen kann. Gelungen sind der Schreibstil und die Atmosphäre, die den Leser ins historische London entführt und so wirklich alle Sinne anspricht. Der Kriminalfall selber hat mich leider nicht ganz so fesseln können. Ich gebe daher dem Buch 3,5 von 5 Sternen, empfehle das Buch aber dennoch, weil es sehr abenteuerlich und authentisch ist und so schöne Lesestunden schenken kann.

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27 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

marita spang, mittelalter, historischer roman, loretta, die frauenburg

Die Frauenburg

Marita Spang
E-Buch Text
Erschienen bei Knaur eBook, 02.12.2016
ISBN 9783426441206
Genre: Historische Romane

Rezension:

Auch mit ihrem neuen Buch hat Marita Spang wieder ein fesselndes Werk geschaffen, in das man ein- und abtauchen kann und das einem die damalige Zeit spannend und packend nahebringt.

Diesmal geht es in das 14. Jahrhundert, in die Grafschaft Sponheim. Erzählt wird die Geschichte von Gräfin Loretta von Starkenburg-Sponheim, einer Frau, die auch tatsächlich gelebt hat und in deren Leben es einige Höhen und Tiefen gegeben hat. Nach dem frühen Tod ihres Ehemannes übernimmt Loretta die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn – doch als Frau hat sie nicht nur gegen die damals üblichen Vorurteile zu kämpfen, sondern muss sich auch ihren Gefühlen stellen, denn Loretta verliebt sich in einen Kirchenmann.

Wieder einmal hat die Autorin mich schon nach wenigen Seiten fesseln können – und das liegt für mich vor allem an dem lebendigen und packenden Schreibstil, der sich gut lesen und die Seiten rasch dahinfliegen lässt. Wer denkt, eine langatmige Romanbiographie in der Hand zu halten, irrt sich gewaltig – die Geschichte Lorettas wird wirklich lebendig, und ich als Leserin habe mich als Teil dieser Geschichte gefühlt. Sehr bildgewaltig und farbenkräftig sind die Beschreibungen der verschiedenen Szenerien, egal ob es um das Leben auf der Burg geht, um die umgebenden Landschaften oder die Menschen und deren Alltag.

Loretta ist eine sehr interessante Figur, und dass sie tatsächlich gelebt hat, macht das Ganze nur noch spannender. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und historisch Wahres wunderbar mit Fiktivem verknüpft. Loretta ist eine sehr starke Frau, die sich in der damals von Männern regierten Welt zu behaupten weiß. Manches Geschick musste sie mühsam erlernen, schließlich aber entwickelt sie sich zu einer diplomatischen Frau, die hart durchgreift, wo es notwendig ist, aber dennoch das Herz am rechten Fleck trägt. Gerade, dass Loretta auch Schwächen hat, macht sie einfach sympathisch, aber gerade auch in Herzensdingen hätte ich sie manches Mal schütteln können.

Auch die anderen Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Interessant ist vor allem auch die Figur von Balduin von Luxemburg, der eine breite Facette von Eigenschaften zu bieten hat. Mal ist er charmant und sympathisch, dann wieder kalt und herzlos – mal konnte ich ihn gut verstehen, dann wieder gar nicht, letztlich aber hat mich aber vor allem sein Verhalten Loretta gegenüber sehr wütend gemacht. Denn sie ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich habe mit ihr bei einigen Tiefschlägen sehr gelitten, ihre Höhen dann aber auch gefeiert. In sie konnte ich mich gut hineinversetzen, weil mal als Leser Teil ihrer Gedankengänge ist und sie so natürlich viel besser verstehen kann.

Die Geschichte um Loretta war wirklich interessant und hat mich von Anfang an gepackt – zwar war die Spannung nicht konstant hoch und im Mittelteil gab es doch mal Kapitel, die nicht ganz so zu fesseln vermochten, trotzdem aber war ich tief versunken im Buch und wollte daher auch unbedingt wissen, wie es weitergeht. Mir hat auch dieses Buch von Marita Spang wieder sehr gut gefallen, ich gebe 4 von 5 Sternen und freue mich auf weitere historische Romane aus ihrer Feder.

Mein Fazit
Eine fesselnde Romanbiographie um die historische Persönlichkeit Loretta von Starkenburg-Sponheim, einer Gräfin, die sich in einer von Männern dominierten Welt zu behaupten weiß. Die Geschichte ist gut recherchiert, die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und der lebendige Schreibstil lässt die Seiten rasch dahinfliegen – ich bin vollends eingetaucht in die Geschichte und gebe 4 von 5 Sternen.

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

palka, roman

Das Geheimnis der Pianistin

Kurt Palka , Stefanie Karg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 11.11.2016
ISBN 9783404174584
Genre: Romane

Rezension:

Mich hat der Klappentext angesprochen, das Cover hat das übrige beigetrage, dass ich dieses Buch lesen wollte - und schon nach wenigen Seiten war mir klar, dass das Buch genau in meine Lesestimmung passt.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Zeitebenen, die aber gar nicht so weit auseinander liegen – einmal kommt Hélène in den 30er Jahren in das kleine Örtchen Saint Homais in Kanada, um sich dort ein neues Leben auszubauen, dann gibt es einen Erzählstrang ca. 20 Jahre zuvor, in dem man Einblicke in Hélènes früheres Leben erhält. Schade war ein wenig, dass diese Rückblenden nicht gekennzeichnet waren und man immer erst beim Lesen merkte, dass man sich in der Vergangenheit befand – das war an der einen oder anderen Stelle leider etwas verwirrend. Trotzdem haben mir beide Erzählstränge gut gefallen, weil sie nach und nach miteinander verwoben werden und die Fäden dann ganz am Schluss richtig zusammenlaufen, so dass keine Fragen offen bleiben. Der Titel sagt es ja schon, dass Hélène ein Geheimnis mit sich trägt, was es genau ist, erfährt man nach und nach – für mich hat dies die Spannung sehr erhöht: Man merkt, dass etwas im Verborgenen liegt, kann es aber nicht fassen und so konnte ich das Buch schlecht beiseitelegen, weil ich ja wissen wollte, was es mit diesem Geheimnis auf sich hat.

Schon den Einstieg fand ich toll – das war vor allem der dichten Atmosphäre zu verdanken, in die ich sofort eintauchen konnte und in der ich dann auch gefangen war. Dazu hat auch der Schreibstil beigetragen, der sehr eindringlich und packend ist, geheimnisvoll und mit viel Liebe zum Detail. Langweilig ist es trotz vieler Beschreibungen nie geworden – da gibt es Schilderungen verschiedener Landschaften, Alltagsszenerien und auch viele Einzelheiten rund um das Thema Klavier und Musik. Für mich war da einiges neu und daher sehr interessant.

Hélène als Protagonistin hat mir sehr gut gefallen, auch wenn es in ihrer Figur nur wenig Entwicklung gegeben hat. Dafür aber merkt man sehr genau, was das Geheimnis mit ihr gemacht hat – war sie in der Vergangenheit eine lebendige und aufgeweckte junge Frau, hat sie das Geheimnis zu einer stillen und zurückgezogenen Dame gemacht, die immer ein wenig geheimnisvoll wirkt und mit ihrer Klugheit besticht. Auch andere Figuren – und hier möchte ich vor allem die Bewohner des Örtchens Saint Homais erwähnen – sind gut gezeichnet, liebevoll ausgearbeitet, es sind Figuren mit Ecken und Kanten, die sehr authentisch gewirkt haben.

Zwar hat mich das Buch von Anfang bis Ende fesseln können, dennoch aber hat mir das erste Drittel am besten gefallen. Danach hat die Intensität irgendwie nachgelassen. Das schreibe ich den vielen Themen zu, die der Autor in die Geschichte gepackt hat und die mir bei der Dünne des Buches dann leider zu viele gewesen sind. Es geht nicht nur um das Geheimnis und um den Klavierbau, es wird auch viel über den Krieg geschrieben, über die Möglichkeiten, in der schwierigen Zeit zu Geld zu kommen, oft dann auch über nicht ganz legalen Wegen, es geht um Handel und Schmuggel, um Liebe und Betrug, um Wahrheit und Lüge. Einiges wird nur angerissen, anderes auch ausführlicher betrachtet – mir waren das zu viele Themen, deshalb ziehe ich einen Stern ab und gebe 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Mich haben vor allem die dichte Atmosphäre und die geheimnisvolle Protagonistin überzeugt und das Buch zu einem Lesegenuss werden lassen. Von Anfang an war ich in der Geschichte gefangen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen – weil es mich einfach gepackt hat und ich wissen wollte, was denn nun das Geheimnis eigentlich ist. Einen Stern ziehe ich lediglich ab, weil mir im letzten Drittel zu viele Themen angerissen wurden, trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter und gebe 4 von 5 Sternen.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Die Tänzerin von Auschwitz

Paul Glaser , Eva Schweikart , Barbara Heller
Flexibler Einband: 286 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632483
Genre: Biografien

Rezension:

Mich hat dieser Erfahrungsbericht sehr aufgewühlt und das, obwohl ich schon vieles aus dieser Zeit gelesen habe. Er ist tragisch, sehr offen und ehrlich und gibt dem Leser auch noch Einblicke in die Zeit nach der Befreiung – und das hat mir – zumindest was die Niederlande angeht – nochmal ganz neue Aspekte und Informationen geliefert.

Das Buch wird aus zweierlei Sicht erzählt – einmal aus Sicht des Autors Paul Glaser, der mehr zufällig anfängt, in seiner Familiengeschichte zu stöbern und den man bei seinen Recherchen begleitet. Die andere Sicht ist die seiner Tante Roosje, die aus ihrem Leben erzählt, wie sie eine Tanzschule eröffnet, wie es zunehmend schwieriger wird als Jüdin in den Niederlanden, was sie dann in Auschwitz erlebt und wie sie schließlich befreit wird und dann ein neues Leben in Schweden beginnt.

Das Buch liest sich sehr flüssig, sicherlich auch der eingehenden und einfachen Sprache wegen, die aber authentisch klingt und den Leser mitten ins Geschehen entführt. Mich hat aber vor allem die Geschichte Roosjes sehr gefesselt. Sie beschreibt ihre verschiedenen Etappen sehr lebhaft und lebendig und bewahrt sich trotz aller schrecklicher Erlebnisse immer noch ihren Optimismus. Wahrscheinlich hat dieser ihr auch das Leben gerettet, denn ein „ich kann nicht mehr“ gab es für Roosje nicht, egal, was passierte, hat sie für sich immer nach Lösungen gesucht – und auch gefunden, egal wie widrig die Umstände auch waren. Mich hat diese Willenskraft und Stärke sehr beeindruckt, mir nochmal aufgezeigt, was Menschen aushalten können, aber auch, was sie am Leben hält.

Interessant waren aber auch die Erfahrungen, die Paul Glaser im Rahmen seiner Recherchen macht. Zunächst stößt er auf ein großes Schweigen, kaum einer weiß genaueres oder die, die etwas wissen, wollen nicht reden. Es ist schon interessant, wie unterschiedlich Menschen mit dem Thema Holocaust umgehen – die einen verschweigen und wollen gar nichts mehr davon hören, die anderen wollen genau das nicht – schweigen, sondern gegen das Vergessen reden. Bemerkenswert finde ich auch, was diese Erfahrung dann mit einer Familie machen kann – wie sie das Zusammenleben beeinflusst und auch den Umgang mit anderen schwierigen Themen – wird eher geredet oder doch eher geschwiegen.

Mich hat dieses Buch sehr beeindruckt – nicht der schrecklichen Erlebnisse wegen, die Roosje zur Zeit des Holocaust durchmachte (und auch später noch, als sie wirklich unangenehme Erfahrungen mit ihrem Geburtsland machte), sondern vor allem wegen ihrer Stärke und ihrem Optimismus, den sie ausgestrahlt und nie verloren hat. Ich finde es faszinierend, wie Menschen sich in Ausnahmesituationen verhalten und was sie am Leben erhält – Roosje ist da ein tolles Beispiel, eine starke Frau, die sich nicht hat unterkriegen lassen und so auch das schlimmste Kapitel deutscher Geschichte überlebte.

Mein Fazit
Ein beeindruckender Erfahrungsbericht einer jungen Holländerin, die sicher vor allem durch ihre Stärke und ihren Optimismus den Holocaust überlebte. Obwohl Schreckliches beschrieben wird, sprüht das Buch doch voller Optimismus, eine Einstellung, die der Protagonistin Roosje das Leben rettete und mich sehr fasziniert hat. Wer sich für diese Zeit interessiert, dem kann ich diese Biographie sehr ans Herz legen – sie rückt noch mal andere Gesichtspunkte in den Vordergrund, und ich bin sehr froh, sie gelesen zu haben.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

thriller, thomas vaucher, verfolgung, die akte harlekin, bremen

Die Akte Harlekin

Thomas Vaucher
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Riverfield Verlag, 17.08.2016
ISBN 9783952464007
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Den Einstieg in die Geschichte fand ich sehr gelungen, denn im Prolog wird man Zeuge eines Mordes - und man sollte nicht zu zart besaitet sein, denn der Serienkiller geht mit seinen Opfern nicht gerade zimperlich um.

Doch nach dem Prolog flacht die Spannung leider erst mal ab. Man lernt den Privatdetektiv Richard Winter kennen, den die Polizei als externen Ermittler für die Ermittlungen engagiert. Mittlerweile gibt es nicht nur ein Mordopfer, sondern schon drei und dazu noch einige Suizide der Angehörigen, die plötzlich von Geistern heimgesucht werden. Da Winter ein Experte für Okkultes ist, scheint er natürlich genau der richtige zu sein. Und mit seinen Ermittlungen wird es auch wieder spannend – zumal Winter bald selbst ins Visier des Mörders gerät. Diese Spannung wird dann auch bis zum Schluss gehalten – ich zumindest war wirklich gepackt von der Geschichte.

Wer denn nun eigentlich der Mörder ist, habe ich zu keinem Zeitpunkt wirklich geahnt – ich habe da in eine ganz andere Richtung gedacht und war am Ende auch wirklich erstaunt. Die Auflösung war in sich schlüssig, auch wenn rückblickend vieles konstruiert erschien und gerade das Motiv des Mörders wenig glaubhaft wirkte. Ebenfalls nicht gefallen hat mir der ausgeprägte mysteriöse Touch im Buch – wer das mag, der wird hier voll auf seine Kosten kommen, meins war es leider nicht. Mir hat am Ende da einfach eine plausible Lösung gefehlt. Trotzdem war ich gefesselt von dem Fall, weil es einfach spannend war, und ich habe das Buch nur schlecht aus der Hand legen können.

Mit dem Privatdetektiv Richard Winter hatte ich leider so meine Probleme – der dem Alkohol verfallene Ermittler, der am Hungertuch nagt und den keiner engagieren will, war mir einfach zu stereotyp gezeichnet, eigentlich war seine Figur sogar überzeichnet. So möchte ich ihn einfach nicht und das hart sich auch während seiner Ermittlungen nicht geändert, ich fand ihn leider einfach nur unsympathisch. Die anderen Figuren sind nicht so stereotyp geraten, dafür aber eher flach in ihrer Gestaltung. Neben der Richard zur Seite gestellten Polizistin Catherine Weiß, die eng mit ihm zusammenarbeitet und die man nach und nach kennenlernt, gibt es zwar noch andere Figuren, die aber eher Nebenrollen einzunehmen scheinen.

Sehr gelungen fand ich aber die vielen Wendungen und Überraschungen – so bin ich wirklich die ganze Zeit auf dem Holzweg gewesen. Am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse und Catherine wird eine ganz besondere Rolle zuteil – das hat mich wirklich sehr erstaunt, weil ich mit einer anderen Lösung gerechnet hatte.

Der Schreibstil ist umgangssprachlich und sehr einfach, manchmal wirkte er auf mich ein wenig hölzern - trotzdem hat er sich gut lesen lassen und die Seiten sind rasch dahingeflogen. Es gibt wenig Beschreibungen, die ich aber auch nicht vermisst habe, dafür reichlich Dialoge, die manchmal etwas gestelzt wirkten, das ganze aber sehr lebendig gemacht haben.

Mich hat das Buch trotz meiner Kritikpunkte gut unterhalten, am meisten gestört haben mich der eher unsympathische Ermittler und der doch große mystischen Part – ich gebe 3,5 von 5 Sternen und behalte den Autor weiter im Auge.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Tell

Thomas Vaucher
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Stämpfli Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783727279003
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich war sehr neugierig auf diese Interpretation über die Legende Wilhelm Tells, weil mich die Leseprobe sofort gefesselt hat – und auch das Cover finde ich sehr ansprechend, vielleicht auch, weil es die klassische Art von Covern historischer Romane etwas verlässt.

Und ich wurde beim Lesen auch nicht enttäuscht – der Autor hat es geschafft, mich von der ersten Seite an zu fesseln. Die Geschichte Wilhelm Tells – von Kindheit an bis zum legendären Apfelschuss – ist eingebettet in eine kleine Rahmengeschichte, die das Ganze nochmal spannender gemacht hat. Zwar wird das Leben Wilhelm Tells langsam erzählt, das aber hat die Spannung überhaupt nicht gemindert. Sie ist die ganze Zeit vorhanden, steigt stetig an und entlädt sich dann am Schluss in einem tollen Finale. Ich war wirklich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, obwohl es auch ruhigere Passagen gab im Buch - einfach weil ich immerzu wissen wollte, wie es denn nun weitergeht.

Das hat sicherlich auch mit dem angenehmen und sehr eingängigen Schreibstil zu tun. Er lässt sich flüssig lesen und hat bei mir ein historisches Gefühl geschaffen, so dass ich mich beim Lesen tatsächlich in eine andere Zeit versetzt gefühlt habe. Durch die vielen Beschreibungen, die aber nie zu lang oder ausführlich waren, konnte ich mir alles genau vorstellen und die Geschichte spielte sich vor meinen Augen wie ein Film ab.

Mir hat die Erzählung um Wilhelm Tell noch mal ganz neue Einblicke in die Vergangenheit gestattet – nicht nur, weil ich bisher noch nichts historisches gelesen habe, das in der Schweiz spielt, sondern auch, weil mir die Einblicke in das Söldnerleben sehr gut gefallen haben. Ich hatte da keine konkreten Vorstellungen, umso interessanter war es für mich, nun Neues über das Leben, die Hintergründe und auch die Motivationen eines Söldners zu erfahren.

Die Charaktere sind alle sehr gut gestaltet – und tatsächlich hat nicht nur der Protagonist Wilhelm viel Tiefe, sondern auch die Nebencharaktere sind alles andere als flach gezeichnet. Dafür hat sich der Autor viel Zeit genommen, so dass mir viele der ganz unterschiedlichen Figuren sehr ans Herz gewachsen sind. Es gibt nicht einfach nur „gut“ oder „böse“, jeder hat ganz unterschiedliche Facetten und jeder hat auch eine eigene Geschichte, die erklärt, warum er so geworden ist, wie er nun mal ist. Interessant sind dabei auch die Namen, die die Söldner tragen – selten ist es einfach nur der richtige Name, vielmehr nennen sie sich nach Anekdoten ihres Lebens; und als Leser wundert man sich über Namen wie „Strubbler“, „Bluttrinker“, „Einohr“, „Schlitzer“, „Zwiebelarsch“ – doch im Laufe des Buches werden alle Namen erklärt und damit dann auch verständlich.

Gefallen hat mir auch der sehr ausführliche Anhang – hier kann man nicht nur nachschlagen, wo sich mancher Ort befindet und welche Figuren überhaupt mitspielen, es gibt zudem noch ein Glossar, in dem einige Worte erklärt werden, die heutzutage nicht mehr so geläufig sind. Auch die auf den Innenseiten abgedruckte Karte mochte ich sehr, denn so konnte ich manche Reise einfach besser einordnen.

Dass mich das blutrote Cover sehr angesprochen hat, habe ich ja schon erwähnt, genauso wie die gesamte Gestaltung des Buches mit seinem Anhang und den abgedruckten Karten. Ungewöhnlich fand ich dagegen das Format des Buches: es ist deutlich größer als herkömmliche Hardcover und zu meinem Leidwesen leider mit sehr kleiner Schrift gedruckt. Auch der Preis des Buches ist ungewöhnlich hoch – aber vielleicht wird sich der ja noch unserem Buchpreismarkt anpassen.

Mein Fazit
Eine spannende und packende Geschichte, die sich um das Leben Wilhelm Tells dreht und mir ganz neue Einblicke gegeben hat. Die tolle Charakterzeichnung, der fesselnde und eingängige Schreibstil sowie die an Spannung stetig zunehmende Geschichte haben das Buch für mich zu einem Lesevergnügen werden lassen. Auf jeden Fall werde ich nach weiteren historischen Werken des Autors Ausschau halten – diesem hier gebe ich sehr gute 4 von 5 Sternen.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

glück, doppelgänger, sammlung, antiquitäten, trostloses leben

Das Bild aus meinem Traum

Antoine Laurain , Sina de Malafosse
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783455650457
Genre: Romane

Rezension:

Ich schiebe diese Rezension jetzt schon länger vor mir her, weil ich immer noch über das Buch nachdenke und es mich einfach nicht loslassen will – beim Lesen selber hat es gar nicht diese große Faszination auf mich gehabt, aber dafür hallt es um so länger nach.

Wieder hat sich der Autor eine ganz besondere Geschichte ausgedacht. Der Anwalt Pierre-François Chaumont liebt es, Dinge zu sammeln, seine Frau hat für diese Leidenschaft dagegen wenig Verständnis. Als er ein altes Portrait ersteigert, auf dem er sich selbst erkennt, macht er sich auf die Suche, woher das Bild stammt.

Die Geschichte ist wieder mit einer wunderbaren Sprache erzählt, eine Sprache, in die ich sofort versinken kann und in der ich mich unglaublich wohl fühle. Dabei sollte man jetzt keine Angst vor blumigen oder ausschweifenden Beschreibungen haben, nein, die Sprache ist einfach poetisch und trifft mit jedem Wort genau das Wesentliche – und oft auch mitten ins Herz. Dazu hat natürlich auch die Geschichte beigetragen, die – obwohl von der Stimmung her eher melancholisch und traurig – doch Mut macht, neue Wege einzuschlagen, Eingefahrenes zu verlassen und so dem Leben neue Chancen einzuräumen. Eine schöne Botschaft, die mir gut gefällt.

Beim Lesen habe ich zwar den Zauber der Sprache gefühlt, den Zauber den Geschichte aber erst nach einigen Tagen, in denen ich noch viel über die Geschichte nachgedacht habe, weil sie mir nicht aus dem Kopf gehen wollte. Sie hat einfach etwas Magisches, etwas Unwirkliches – und trotzdem ist sie auch wieder sehr real und hat bei mir ein Gefühl ausgelöst, auch mal Dinge anzugehen und sie nicht vor sich her zu schieben.

Die Figur des Pierre-François Chaumonts ist außergewöhnlich, dabei aber sehr gut gezeichnet – und obwohl sie so außergewöhnlich ist und die Geschichte manchmal wie ein Traum erscheint, ist sie doch sehr authentisch. Ich habe mit Pierre-François Chaumont gelitten, seine Leidenschaft gespürt und bin daher auch gerne mit ihm auf diese ungewöhnliche Suche eingegangen. Andere Charaktere waren nicht ganz so filigran ausgearbeitet, ließen sogar ein paar Klischees erkennen, das aber hat mir gar nichts ausgemacht, weil sie so sehr gut in die Geschichte passten.

Wie schon die anderen Bücher Antoine Laurains, hat mir auch dieses wieder sehr gut gefallen. Eine Geschichte, die bei mir zwar erst auf den zweiten Blick ihren wahren Charme entwickelt hat, die mich dann aber vollends gepackt hat – ich gebe gerne 4 von 5 Sternen.

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73 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

alzheimer, kreuzfahrt, familie, krankheit, venedig

Tage zwischen Ebbe und Flut

Carin Müller
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.09.2016
ISBN 9783426519738
Genre: Romane

Rezension:

Eine wundervolle Geschichte voller Emotionen, die zum Nachdenken genauso anregt wie zum Schmunzeln oder Weinen – man sollte nur in der richtigen Lesestimmung sein, dann kann es wirklich überzeugen.

Mittelpunkt der Geschichte ist der 70-jährige Felix, der mit Ehefrau Ellen, Tochter Judith und Enkelin Fabienne eine Kreuzfahrt antritt – doch wer jetzt denkt, ein Idyll anzutreffen, täuscht sich, denn nicht nur ist Felix an der Alzheimer-Demenz erkrankt und wirft damit den einen oder anderen Plan schnell mal über Bord, ist seine Familie auch alles andere als einfach – so braucht es seine Zeit, bis jeder seinen Platz findet, auf dem Schiff, in der Familie und auch in seinem eigenen Leben.

Die Autorin hat sich ein schweres Thema für ihren Roman ausgesucht, trotzdem ist die Geschichte eine locker-leichte, bei der zwar zwischendurch immer mal wieder die ernsten Töne durchblicken und den Leser zum Nachdenken anregen, die aber auch voller Humor steckt und mich so auf eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen hat. Ich habe viel geschmunzelt, aber auch viel nachgedacht – vor allem aber sind die Probleme, die sich durch die Alzheimer-Erkrankung eines Familienmitglieds ergeben können, sehr deutlich geworden. Auch wenn manche Situation eher zum Schmunzeln einlädt, waren andere doch oft auch ernst und zeigten, wie viel Gefühl und Einfühlungsvermögen notwendig sind im Zusammenleben mit einem Demenzkranken.

Die Figuren waren alle sehr gut gezeichnet und jeder wirkte wie aus dem Leben gegriffen. Felix habe ich natürlich sofort ins Herz geschlossen – obwohl er manchmal hilflos wirkt, hat er doch seinen eigenen Kopf und vor allem das Herz am rechten Fleck – schlimm waren nur die Situationen, wenn er sich seiner Krankheit bewusst wird, da hatte ich dann auch schon mal Tränen in den Augen. Seine Ehefrau Ellen wirkt leider etwas herrisch, im Laufe der Geschichte aber lernt man sie näher kennen und dann auch ihren weichen Kern – das Zusammenleben mit ihrem Mann fordert sie sehr und diese Dominanz ist einfach ihre Art, mit der Situation umzugehen. Tochter Judith dagegen muss erst lernen, wie schwer genau dieses Zusammenleben sein kann – sonst sich eher der Karriere widmend, weiß sie in manchen Situationen nicht, mit der Familie umzugehen. Gefallen an ihr hat mir aber, dass sie sich entwickelt und bald auch erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist. Enkelin Fabienne bringt in die Geschichte noch mal jugendlichen Schwung, weil ihre Probleme einfach andere sind und sie sich wie ein typischer Teenager verhält – auch wenn sie das natürlich nicht hören mag.

Der Schreibstil ist locker und leicht, sehr lebendig und lässt mich als Leser eintauchen in die wundervolle Geschichte. Und die entführt nicht nur in eine turbulente Familie, sondern nimmt auch mit auf eine wundervolle Schiffsreise rund um den italienischen Stiefel und schafft so auch ein gewisses Urlaubsfeeling. Die Seiten fliegen rasch dahin und die Geschichte ist sehr kurzweilig, dennoch ist das Buch keins für zwischendurch, weil es noch lange nachhallt und zum Nachdenken anregt. Einziges Manko – und da kann das Buch nichts für – ich war leider nicht in der richtigen Lesestimmung; sonst hätte es volle 5 Sterne gegeben. Trotzdem würde ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, weil es einfach eine tolle Geschichte ist, die emotional berührt, dabei voller Humor steckt und Lesefreude schenkt.

Mein Fazit
Trotz des ernsten Themas ist das Buch voller Humor und lädt zum Lachen, aber auch zum Nachdenken und Weinen ein. Die Schiffsreise der Familie Kaufmann, bei der im Mittelpunkt der demenzkranke Felix steht, entwickelt sich für jeden einzelnen zu einer Reise zu sich selbst – und trotz vieler lustiger Szenen bietet die Geschichte auch viele ernste Themen, die nachdenklich machen. Liebenswerte Charaktere und ein lockerer, sehr lebendiger Schreibstil haben mir schöne Lesestunden geschenkt. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

freundschaft, krieg, schützengraben, 1. weltkrieg, historisches

Die Stunde des Schmetterlings

Pieter Webeling , Christiane Burkhardt
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Blessing, 26.09.2016
ISBN 9783896675682
Genre: Romane

Rezension:

Man sollte natürlich gerne Bücher lesen, die zur Zeit des ersten Weltkrieges spielen und in denen nichts beschönigt wird, dann aber kann ich dieses in Abschnitten an Remarques Klassiker „Im Westen nichts Neues“ erinnerndes Buch sehr empfehlen: eine eindringliche und berührende Geschichte über Schuld, Verrat und Illusion, aber auch über die Kraft der Liebe und der Freundschaft.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen, die aber sehr nah beieinander liegen. Julius Reinhardt ist im Jahr 1915 auf Heimaturlaub und möchte seinem Leben ein Ende setzen – zu groß ist das Gefühl der Schuld und des Verlustes – doch ein Priester hält ihn davon ab und lässt ihn seine Geschichte erzählen. Diese beginnt ein paar Jahre vor Kriegsbeginn mit einer innigen Freundschaft vierer ganz unterschiedlicher Jungen.

Pieter Webeling lässt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen – zunächst wir man rein geschmissen in die bedrückende Szenerie in den Ruinen einer Kirche, in der Julius sich das Leben nehmen will, einmal „gerettet“ jedoch, begleitet man Julius zurück in seine Kindheit und Jugend, als alles noch ganz normal erschien, bis der Ausbruch des Krieges dann alles veränderte.

Langsam werden die vier unterschiedlichen Freunde vorgestellt, so dass man sich jeden sehr gut vorstellen kann und auch das interessante Geflecht, das die vier miteinander verbindet. Alle vier melden sich als Soldaten, denken, damit dem Einerlei des Alltags entfliehen zu können – und werden bald desillusioniert. Jeder geht in dieser schweren Zeit einen eigenen Weg und doch sind sie untrennbar miteinander verknüpft.

Julius erzählt dabei seine Geschichte und man erlebt dabei als Leser hautnah, was ihn in der Zeit des Krieges berührt und geängstigt hat, was er verloren, aber auch gefunden hat – und nicht immer sind seine Erlebnisse leicht zu ertragen.

Der geduldige und sehr inspirierende Zuhörer Julius‘ Geschichte ist ein alter Mann, der Priester eines nahezu völlig zerstörten französischen Dorfes – er hat eine ganz eigene Philosophie des Lebens, die den Titel des Romans erklärt, und die er wunderbar mit seinem Glauben verknüpft, das aber ganz unaufdringlich, so dass ich mich nicht genötigt oder in eine Ecke gedrängt fühlte.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, mal sehr schlicht mit einfachen, aber sehr treffenden Worten, dann aber wieder auch poetisch und an manchen Stellen auch etwas blumig – immer aber schafft er eine melancholische und bedrückende Stimmung, die mich völlig eingenommen hat, und die einfach anschaulich die Atmosphäre der jeweiligen Szenerien widerspiegelt.

An manchen Stellen lässt der Autor sich vielleicht etwas viel Zeit, die Geschichte zu erzählen, zumindest habe ich es beim Lesen so empfunden – nach Zuschlagen des Buches aber scheint kein Satz mehr überflüssig und alles wirkt in sich rund und schlüssig.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt und wer sich für das Thema interessiert, dem kann ich es sehr ans Herz legen. Ich gebe ihm gute 4 von 5 Sternen.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Das Weihnachtsdorf

Petra Durst-Benning
E-Buch Text: 208 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 26.09.2016
ISBN 9783641200008
Genre: Romane

Rezension:

Der erste Band der Maierhofen-Reihe hatte mir ja sehr gut gefallen, nun war ich sehr gespannt, was an Weihnachten in dem kleinen Dörfchen mit seinen liebenswerten Bewohnern passieren wird.

Es war sehr schön, die altbekannten Charaktere, die mir sehr ans Herz gewachsen waren, wiederzutreffen – und deshalb würde ich auch raten, dieses Buch erst nach dem ersten zu lesen, um einfach diese Verbundenheit mit den Figuren zu spüren. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mittendrin im beschaulichen Maierhofen, das sich aber durch den Enthusiasmus seiner Bewohner und durch deren behutsame und liebevolle Art zu einem ganz besonderen Städtchen gemausert hat. Nach und nach tauchen wieder alle bekannten Gesichter aus dem ersten Band auf, man erfährt, was seit dem Genießerfest im Sommer geschehen ist und nimmt einfach Teil am Leben der Bewohner.

Dabei hat aber trotz aller Freude jeder auch sein Päckchen zu tragen, der eine ein größeres, der andere ein kleineres. Und jeder hat eigene Vorstellungen, wie er das Weihnachtsfest feiern möchte. Nach einigen trubeligen Erlebnissen kommt am Ende dann alles ganz anders - als Leser ahnt man das natürlich, trotzdem habe ich mich beim Lesen sehr wohl gefühlt und war zu keinem Zeitpunkt etwa gelangweilt. Ich habe mich gerne von der vorweihnachtlichen Atmosphäre anstecken lassen und habe ebenso wie die ganzen Charaktere die Vorfreude auf das Fest gespürt – ein Buch, das also wunderbar auf das Weihnachtsfest einstimmt.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, beschwingt und fluffig – und schafft eine schöne Stimmung, die trotz aller Turbulenzen dann auch noch festlich wird. Schade nur, dass das Buch nur sehr dünn ist – für mich hätte die Geschichte gut noch ein paar mehr Seiten vertragen, dann hätte ich einfach länger in Maierhofen verweilen können und noch besser abtauchen können bei den mit ans Herz gewachsenen Figuren.

Der wirklich ausführliche Anhang mit Rezepten zur Adventzeit, Deko- und Feiertipps rundet die ganze Geschichte dann nochmal ab und hat mich das Buch mit einem warmen Gefühl im Bauch zu schlagen lassen. Insgesamt gebe ich 4 von 5 Sternen und freue mich schon auf den nächsten Band aus der Maierhofen-Reihe.

Mein Fazit
Ein Buch, das wunderbar auf Weihnachten einstimmt und sehr gut in die Adventszeit passt – schön war es, die liebgewonnen Charaktere aus Band 1 wiederzutreffen und ihre turbulente Vorweihnachtszeit mitzuerleben. Schade nur, dass das Buch so kurz ist – gerne wäre ich noch länger in Maierhofen geblieben. Ich gebe 4 von 5 Sternen und freue mich auf den nächsten Band!

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209 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 83 Rezensionen

heiligendamm, barbarazweig, liebe, ostsee, weihnachten

Winterblüte

Corina Bomann
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 14.10.2016
ISBN 9783471351420
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich habe schon einige Bücher von Corina Bomann gelesen - daher war ich natürlich neugierig auf ihr neues Buch – diesmal ist es keine Geschichte auf zwei Zeitebenen, sondern eher eine ruhige, aber berührende Liebesgeschichte.

Sie spielt im Dezember des Jahres 1902, in Heiligendamm, dem eleganten Ostseebad. Während Johanna sich zum Weihnachtsfest für einen Verehrer entscheiden soll, den sie heiraten soll, obwohl ihr Herz doch einem ganz anderen Mann gehört, der aber für die Eltern nicht in Frage kommt, findet ihr Bruder am Strand am junge Frau, die nach einem Unfall aber ihr Gedächtnis verloren hat - einzig an den Brauch des Barbarazweigs kann sie sich noch erinnern.

Corina Bomann versteht es, den Leser direkt in die Geschichte hineinzuziehen, die dann auch einen ganz eigenen Sog entwickelt. Dabei hilft natürlich auch der angenehme Schreibstil, der sich nicht nur gut lesen lässt, sondern auch die Stimmung des Buches, die eher gediegen und bedrückend, am Ende dann aber auch feierlich wird, einzufangen. Dabei bleibt die Geschichte insgesamt sehr ruhig und war mir an einigen Stellen auch etwas zu langatmig, weil sie sich im Kreis zu drehen schien – bei Johanna dreht sich alles immer wieder um die Wahl ihres Verlobten, bei Barbara um ihre Erinnerungen. Dazu kam, dass die Geschichte sehr vorhersehbar war und das Ende eigentlich klar ist - dadurch ging leider die Spannung dann auch verloren. Trotzdem habe ich die Atmosphäre gemocht, die tatsächlich an die Vorweihnachtszeit erinnert.

Die Charaktere sind gut gestaltet, auch wenn das eine oder andere Klischee bedient wurde – es gibt die etwas naive Protagonistin, den freundlichen und sehr zugewandten Bruder, die an Konventionen haftende Mutter, den zurückhaltenden Vater und die geheimnisvolle Fremde. Gemocht habe ich Johanna und auch Barbara trotzdem und sie beide auf ihrer Suche auch gerne begleitet. Am Ende klären sich dann alle Fragen und die Fäden laufen zusammen – und auch wenn alles etwas vorhersehbar war und sich dann schließlich zum Guten wendet, schlägt man das Buch mit einem wohligen Gefühl im Bauch zu.

Mir hat trotzdem die Spannung gefehlt und über die eine oder andere Überraschung hätte ich mich sehr gefreut, so war es eine schöne, aber leider auch nicht lange nachhaltende Lektüre. Ich gebe 3 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Eine schöne, wenn auch sehr vorhersehbare Geschichte, die wunderbar in die Adventszeit passt – mir hat leider die Spannung etwas gefehlt, dafür aber besticht das Buch durch eine schöne Atmosphäre und eine wundervolle Sprache. Die sympathischen Charaktere habe ich gerne begleitet und am Ende fügt sich alles zusammen, so dass keine Fragen zurückbleiben. Ich gebe dem Buch 3 von 5 Sternen.

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(49)

104 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

luxusliner, historischer roman, familien-saga, ira, familie

Im Schatten unserer Wünsche

Jeffrey Archer , Martin Ruf
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419919
Genre: Historische Romane

Rezension:

Voller Vorfreude habe ich auf die Fortsetzung der Clifton-Saga gewartet und fand diesen Band auch wieder packend und fesselnd – doch auch wenn ich mich gut unterhalten fühlte, habe ich doch Kritikpunkte an der Umsetzung.

Ich hatte sehr gehofft, dass es wieder mal mehr um Harry Clifton geht – ihn habe ich seit dem ersten Band sehr ins Herz geschlossen, doch leider hat er in den nachfolgenden Bänden zunehmend eine kleine Nebenrolle eingenommen – so auch in diesem Band. Es sind eher seine Frau Emma, die im Mittelpunkt steht, so wie das Barrington Unternehmen, dem sie als Vorstandsmitglied vorsitzt, oder die fiesen Machenschaften von Alex Fisher und der Rachefeldzug von Don Pedro Martinez. Vieles dabei ist wirklich spannend und ich habe mit Emma gefiebert, doch leider muss ich auch sagen, dass einige Stilmittel nun schon in Vorbänden genutzt wurden und so etwas „abgenutzt“ wirkten; es geht wieder um Verkäufe von Aktien, lange Verhandlungen im Vorstand, Wahlkampfgeschichten und wieder ist es Alex Fisher, der eine wichtige Rolle spielt. Es gab für mich aber auch ein Highlight, nämlich die Figur des Bankers Cedric Hardcastle. Er hat die Geschichte wirklich bereichert mit seinem Ideenreichtum und seiner Hartnäckigkeit – ich hoffe, er wird auch im nächsten Band wieder auftauchen und eine größere Rolle spielen. Die meisten anderen Figuren kennt man nun schon aus den Vorgängerbänden – Emma hat sich in diesem Band in eine tolle Richtung weiterentwickelt, bei Giles und Harry kann ich das leider nicht sagen, weil sie einfach blass geblieben sind und sie kaum in der Geschichte auftauchten. Das hat mich schon ein wenig traurig gestimmt. Denn auch bei diesen Figuren tut sich was im Leben, doch selbst Ereignisse wie eine Hochzeit oder Kinder werden nur mal nebenbei in einem Nebensatz erwähnt und es besteht die Gefahr, dass sie einfach untergehen oder überlesen werden.

Der Schreibstil ist toll, er fesselt und hat mich als Leser bei der Stange gehalten, sicherlich auch, weil er rasch und flüssig zu lesen ist. Wieder wird die Geschichte aus Sicht verschiedener Figuren erzählt, deren Name jeweils vorangestellt ist, diesmal aber ist die Geschichte linear erzählt und nicht – wie es mich vor allem im ersten Band so begeistert hat –, dass gleiche Zeitabschnitte aus Sicht verschiedener Personen betrachtet werden. Schade, denn gerade dieses Stilmittel fand ich grandios. Verzichtet hätte ich gerne auf einen erneuten Cliffhanger am Ende des Buches – wieder hat man den Eindruck, das Buch endet mitten im Kapitel, ohne Abschluss. Diesmal kann man sich aber denken, wie es ausgeht, trotzdem finde ich diese Cliffhanger überflüssig, denn Leser gewinnt man nicht durch ein offenes Ende, sondern durch eine gut erzählte Geschichte, die neugierig macht, wie es weitergeht.

Trotz meiner Kritikpunkte hat mich auch dieser vierte Band der Clifton-Saga wieder gut unterhalten. Grundsätzlich hätte ich mir einfach gewünscht, dass der Schwerpunkt mehr auf Harry liegt und es weniger um die Geschäfte und um die immer wiederkehrenden Rachefeldzüge geht, sondern mehr um die Familie. Aber vielleicht ändert sich das ja im nächsten Band – auf den warte ich auf jeden Fall schon wieder sehnsuchtsvoll. Diesem Buch gebe ich 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Auch wenn sich die Saga in eine andere Richtung entwickelt, als ich es mir gewünscht habe und es doch einige Szenen und Stilmittel gibt, die schon in den vorherigen Bänden benutzt wurden, war auch dieser Teil wieder fesselnd und sehr unterhaltsam. Man sollte die Bücher aber tatsächlich in der richtigen Reihenfolge lesen, da die einzelnen Bücher nicht in sich abgeschlossen sind und aufeinander aufbauen. Diesem Band gebe ich 4 von 5 Sternen.

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(51)

86 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

köln, familiengeheimnis, geheimnis, die kirschvilla, liebe

Die Kirschvilla

Hanna Caspian
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2016
ISBN 9783453419551
Genre: Romane

Rezension:

Ich liebe ja Romane, die auf zwei Zeitebenen spielen, daher war ich sehr neugierig auf diese Geschichte. Und auch wenn sie sehr düster ist, hat mich das Buch doch gepackt und gefesselt.

Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen – in der Gegenwart steht Isabell im Mittelpunkt, die mit ihrer Großmutter Pauline nach Köln fährt, weil diese dort eine alte Villa geerbt hat. Für Pauline ist es eine Reise zurück in die Vergangenheit, doch es ist keine schöne Reise, denn die Villa gibt einige düstere Geheimnisse preis. Der zweite Erzählstrang spielt in den 20er Jahren und erzählt vom Leben der Familie Korte in eben dieser Villa. Es ist ein Kampf ums tägliche Überleben, jeder in der Familie muss mit anpacken – doch was sich tatsächlich hinter den Toren der Kirschvilla abspielt, ahnt zunächst keiner.

Wie so oft, habe ich mich auch diesmal in dem Erzählstrang der Vergangenheit wohler gefühlt als in dem der Gegenwart. Ich muss aber zugeben, dass dieser schon sehr bedrückend und düster war – nicht so sehr der entbehrungsreichen Zeit wegen, sondern weil in der Familie Korte Dinge geschehen, die so unglaublich sind, dass sie mich sehr wütend und traurig gemacht haben. Leider gab es nur sehr wenig helle Momente in dieser Familie und die ganze Tragik zieht sich wie ein Fluch auch bis in die Gegenwart hinein. Auch wenn der Erzählstrang in der Gegenwart nicht ganz so düster war, wurde auch er überschattet von vielen schlimmen Ereignissen. Da konnte leider auch die etwas konstruiert wirkende Liebesgeschichte nicht drüber hinwegtäuschen und die Atmosphäre zum Guten verbessern – es ist einfach eine düstere Geschichte geblieben.

Während in der Vergangenheit die ganze Familie Korte im Mittelpunkt der Geschichte stand, ist es in der Gegenwart vor allem Isabell. Ich mochte sie gerne, auch wenn ich viele ihre Einstellungen nicht richtig verstanden habe und ich mich so auch schlecht in sie hineinversetzen konnte. Dennoch war sie einfach liebenswert, weil sie sich für ihre Großmutter einsetzt, sie begleitet und ihr in den Tagen, als schlimme Erinnerungen über sie hineinbrechen, beisteht. Julius, ein Mitarbeiter der Notarskanzlei, in den sich Isabell verliebt, wirkte dagegen etwas gestelzt und hölzern – er war mich nicht unsympathisch, aber er wirkte einfach nicht authentisch, so wie er sich verhalten und vor allem wie er gesprochen hat. Richtig toll gestaltet waren dagegen die Mitglieder der Familie Korte. Es passiert ja schreckliches in der Familie – was, werde ich natürlich nicht verraten – und ich konnte mir jeden einzelnen in diesem Drama genau vorstellen, habe bei fast jedem verstanden, warum er gehandelt hat, wie er es tut – und konnte mich – so verschieden die Menschen auch waren - sehr gut in sie hineinversetzen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und lässt vor allem die Zeit der 20er Jahre nochmal lebendig werden. Hanna Caspian schafft mit ihren Worten eine unglaubliche Atmosphäre, die aber leider über das ganze Buch hinweg sehr düster und melancholisch ist. Hier hätte ich mir einfach ein paar mehr „Lichtblicke“ gewünscht, ein paar schöne Momente, in denen man mal aufatmen kann und all das Schreckliche vergessen kann. Die immer wieder eingestreuten Tagebucheinträge einer der Töchter der Kortes haben die ganze Tragik noch einmal verstärkt, weil ich durch diese Einträge nochmal mehr mitgefühlt und vor allem auch mitgelitten habe. Das Geheimnis, das sich wie ein roter Faden durch beide Erzählstränge zieht, fand ich eher vorhersehbar und war mir schon sehr früh klar – dennoch aber hat mich die Geschichte gepackt und gefesselt, so dass ich das nicht als Manko angesehen habe.

Trotz der düsteren und sehr traurigen Geschichte, hat mir das Buch aber gut gefallen, so dass ich 4 von 5 Sternen vergebe.

Mein Fazit
Es ist eine sehr düstere und traurige Geschichte und die Atmosphäre ist durchweg bedrückend – das sollte man vielleicht wissen, wenn man sich auf dieses Buch einlässt, das auf zwei Zeitebenen spielt und den Leser in die entbehrungsreiche Zeit der 1920er Jahre entführt. Trotzdem hat mir die Geschichte gut gefallen, auch wenn ich mir ein paar mehr „helle“ Momente zum Aufatmen gewünscht hätte. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Charaktere sind gut gezeichnet – ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

cornwall, seniorenresidenz, krimi, reihe, mord

Gestorben wird früher

Rebecca Michéle
Flexibler Einband: 328 Seiten
Erschienen bei Dryas Verlag, 06.09.2016
ISBN 9783940258632
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist der letzte Band der Reihe um Mabel Clarence, die im Stil von Miss Marple im beschaulichen Cornwall Morde aufklärt – doch so traurig es ist, dass es wohl der letzte Band um die liebenswerte Ermittlerin ist, scheint es im nächsten Jahr eine neue Reihe zu geben, die in Mabels herrschaftlichem Herrenhaus Higher Barton angesiedelt ist – nur mit neuen Protagonisten.
Dieser Band ist in sich abgeschlossen, trotzdem würde ich empfehlen, die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, denn nur so kann man verstehen, warum man als Leser am Ende aufatmet und endlich das eintritt, was man sich schon lange gewünscht hat.

Diesmal spielt die Geschichte in St. Ives, wo in einer Seniorenresidenz eine Frau unter merkwürdigen Umständen ums Leben kommt – nur die Polizei hält den Todesfall für völlig erklärlich. Mabel Clarence kann es natürlich nicht lassen, und mietet sich in die Residenz ein – und tatsächlich bleibt es nicht bei dem einen Todesfall…

Ich mochte das Setting der Morde in dieser Seniorenresidenz, weil es einfach mal was anderes war. Ab Mitte des Buches ahnt man als Leser zwar, wer der Mörder sein könnte, das aber hat meine Lesefreude in keinster Weise getrübt. Die Charaktere sind wieder mal interessant gezeichnet – vielleicht wird das eine andere Klischee hier bedient, dennoch aber haben die eigenwilligen und kauzigen Senioren einfach wunderbar in die Geschichte gepasst. Ich zumindest musste das eine oder andere Mal richtig schmunzeln, weil sie so abstrus und schrullig waren. Mabel ist davon natürlich ausgeschlossen – sie mag ich wegen ihrer Art, nichts einfach als gegeben hinzunehmen und wegen des Drangs, den Dingen auf den Grund gehen zu müssen. Dass sie dabei an Miss Marple erinnert, ist gewollt – genauso wie der ihr stets beiseite stehende eigenbrötlerische Victor Daniels an Mr. Stringer erinnert. Die beiden sind einfach ein wunderbares Ermittlerpärchen und ihre sprachlichen Schlagabtausche habe ich wieder einmal sehr genossen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, locker und sehr lebendig durch viele Dialoge – diesmal aber habe ich die Atmosphäre Cornwalls nicht ganz so sehr gespürt wie sonst, sicherlich aber auch deshalb, weil die Geschichte in großen Teilen in der Seniorenresidenz spielt und Mabel wenig unterwegs ist. Gefesselt war ich dennoch, und langweilig ist es nie geworden, dafür passiert einfach zu viel und man wird als Leser durch einige unerwartete Wendungen überrascht.

Insgesamt gebe ich diesem Buch 4 von 5 Sternen – zwar bin ich traurig, Mabel und Victor nun verlassen zu müssen, bin aber auch schon neugierig auf die neue in Cornwall spielende Reihe!

Mein Fazit
Ein toller Abschluss der Reihe um Mabel Clarence, die als neugierige Rentnerin in Cornwall – diesmal in einer Seniorenresidenz – ermittelt. Es hat Spaß gemacht, die sympathische Protagonistin erneut zu begleiten und auch wenn man als Leser ab der Mitte des Buches ahnt, wer der Mörder ist, hat es meinem Lesespaß keinen Abbruch getan. Ich gebe diesem Band 4 von 5 Sternen und kann die Reihe als unterhaltsame Lektüre für zwischendurch nur empfehlen!

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