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1.540 Bibliotheken, 15 Leser, 7 Gruppen, 134 Rezensionen

wölfe, liebe, grace, fantasy, sam

In deinen Augen

Maggie Stiefvater , Sandra Knuffinke , Jessika Komina
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei script5, 15.08.2012
ISBN 9783839001264
Genre: Jugendbuch

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818 Bibliotheken, 10 Leser, 9 Gruppen, 137 Rezensionen

liebe, inzest, geschwister, familie, jugendbuch

Forbidden

Tabitha Suzuma , ,
Fester Einband: 445 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2011
ISBN 9783789147449
Genre: Jugendbuch

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1.098 Bibliotheken, 13 Leser, 12 Gruppen, 183 Rezensionen

märchen, liebe, mord, drogen, anna

Der Märchenerzähler

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 446 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2011
ISBN 9783789142895
Genre: Jugendbuch

Rezension:

»Junge Frau«, sagte ein älterer Herr, der gerade mit seiner Frau am Arm die Cafétreppe hinuntergekommen war, »junge Frau, darf ich Ihnen mein Taschentuch geben? Sie weinen ja.«
»Oh«, sagte Anna. »Tatsächlich. Sehen Sie, und ich dachte, ich lache. So kann man sich täuschen.«
– Seite 126 –

Rezension
Die 17jährige Anna lebt in ihrer eigenen Welt. Wohl behütet aufgewachsen kennt sie keine Sorgen. Auch das anstehende Abitur beunruhigt sie nicht. Anna ist eine Musterschülerin. Eine Mustertochter. Weil sie nicht jede Woche in einen anderen Jungen verliebt ist, wird sie von ihrer besten Freundin stets »mein Kind« genannt. Alles in Annas Leben ist absolut harmlos. Fragt man Anna allerdings, was sie bedrückt, so antwortet sie schlicht mit »die Welt«. (Pathetisch? Ach.)
Es ist daher kein Wunder, dass Anna irgendwann ein Auge auf Abel wirft. Abel, der von allen nur »der Kurzwarenhändler« genannt wird, weil er auf dem Pausenhof Drogen verkauft. Obwohl er Anna immer wieder zurückweist, verliebt sich das Mädchen in ihn, denn Abel ist mehr als der bedrohliche Typ, mit dem niemand etwas zu tun haben möchte. (Natürlich. Wer ist nicht mehr als das, was andere zu sehen meinen?) Er ist ein Geschichtenerzähler. Und ein Junge, der alles tun würde, um seine kleine Schwester zu beschützen…

Zunächst das Positive: Das Cover ist wunderschön und nicht nur auf dem Schutzumschlag abgebildet, sondern auch direkt auf den Einband gedruckt. Das hat man selten und es gefällt.
Ebenso wie der Schreibstil der Autorin, denn der hat ohne Zweifel Wiedererkennungswert. Antonia Michaelis schreibt melodisch, fast schon poetisch. Ein bisschen erinnert der Stil an Christoph Marzi ohne krude Metaphern und abgehackte Sätze.
Für das Märchen, das sie Abel erzählen lässt, hat sie damit den perfekten Ton getroffen. In den realen Parts wirkt ihre Sprache allerdings manches Mal aufgesetzt. Die Dialoge sind für die Bühne geschrieben, nicht für das Leben und der Reiz eigener Wortkreationen wie Winterstiefelspuren geht mit der Zeit verloren. Vor allem, wenn sie sich wiederholen. (Februargebüsch, Februarlicht, Februarwind…)
Trotzdem, erzählen kann Antonia Michaelis. Das zeigt auch der Handlungsverlauf, in dem sie Wahrheit und Fiktion geschickt miteinander verwebt und den Leser bis zum Schluss darüber im Unklaren lässt, wer wirklich für die Morde, die nach und nach geschehen, verantwortlich ist. Klar, eine Vermutung hatte ich und am Ende lag ich damit auch richtig, aber trotzdem hat es die Autorin immer wieder geschafft, mich zu verunsichern und meinen Verdacht ins Wanken zu bringen.

Warum dann also die schlechte Bewertung? Weil ich mich zu keiner Zeit mit den Figuren identifizieren konnte. So dramatisch ihr Schicksal ist, von der ersten bis zur letzten Seite sah ich sie (wie im Übrigen auch die Nebenfiguren) mit einer gewissen Distanz, konnte viele Handlungen nicht nachvollziehen, nicht begreifen. Bei dem Versuch, gesellschaftskritisch zu sein und scheinbar nach dem Motto Schlimmer geht immer die schrecklichste aller Realitäten abzubilden, ist Antonia Michaelis irgendwann sämtliches Feingefühl abhanden gekommen und sie hat dabei zwei theatralische und im Fall von Anna so unglaublich rückgratlose Charaktere geschaffen, dass es mich beim Lesen grauste. Was sollte die Szene im Bootshaus? Für die Geschichte war sie – wie auch Abels Einkommensquelle neben der Dealerei – keineswegs vonnöten. Es wäre auch so schon alles schlimm genug gewesen.
Warum die Autorin ihren jungen Leserinnen eine solche »Heldin« vorsetzt, ein Mädchen, das unter Realitätsverlust leidet, sich komplett aufgibt und sich bis zum Ende keinen Millimeter in Richtung Leben bewegt, ist mir ein Rätsel. Liebt wirklich nur, wer alles (alles !!) verzeihen kann? Nichts hat sie gelernt. Gar nichts. Das mag realistisch sein, aber so etwas möchte ich in einem Jugendroman nicht lesen. Vor allem nicht, wenn ein Nebenstrang im Vergleich so dermaßen unrealistisch und gefällig gelöst wird wie hier. Das passt dann einfach nicht zusammen.

FAZIT: Ein spannendes, sprachlich ausgefeiltes Buch, in dem jedoch leider mit fragwürdigen Mitteln gearbeitet wird, um die Kernaussage zu untermauern. Auf jeden Fall nicht die herzzerreissende Liebesgeschichte als die es verkauft wird, sondern vielmehr ein Buch über Menschen mit Problemen, die leider nicht gelöst werden können.

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100 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 13 Rezensionen

tod, schwester, mädchen, verlust, familie

Mathilda Savitch

Victor Lodato
Fester Einband: 299 Seiten
Erschienen bei C. H. Beck, 01.08.2009
ISBN 9783406590740
Genre: Romane

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

familie, schwangerschaft, verantwortung, nette, kirschernte

Süss wie Schattenmorellen

Claudia Schreiber
Fester Einband: 285 Seiten
Erschienen bei Kein & Aber, 01.02.2011
ISBN 9783036956008
Genre: Romane

Rezension:

»Schade, dass IKEA keine Särge hat und Aldi entsprechende Hemden dazu.«
- Seite 81 -

Die 14jährige Annie lebt mit ihrer (vor allem in Liebesdingen) glücklosen Mutter Nette und dem kauzigen Opa auf einer Schattenmorellenplantage. In der Schule ist sie eine Außenseiterin, weil sie – statt zu chatten oder Musik zu hören oder was man sonst so als Heranwachsende macht – lieber durch die Kirschbäume strolcht und die Vögel vertreibt. Einen eigenen Computer oder einen iPod hat Annie auch gar nicht. Dazu fehlt das Geld, denn die Mutter hat nicht nur mit den Männern Pech, sondern auch mit ihren Kirschen.
Als der Opa sich eine blutjunge Gespielin aus dem Internet auf den Hof holt und dort mit ihr seinen zweiten Frühling erlebt, hat Nette endgültig die Nase voll und nimmt sich eine Auszeit. Kurz darauf packt auch der Opa seine Koffer, um mit seiner Ninotschka ans Meer zu fahren. Und plötzlich ist Annie alleine – mit der anstehenden Kirschernte und der 16jährigen Paula, die eines Tages hochschwanger für Annies Tür steht…

Das Setting (Frau/Mädchen allein auf einem Bauernhof) erinnert bewusst an Emmas Glück, einem früheren Roman der Autorin. Doch während es hier um das Ende des Lebens ging, dreht sich in Süß wie Schattenmorellen nun alles um dessen Anfang. Im Zentrum stehen Annie und deren Reife zur Frau, die leider schneller vonstatten geht als man es einem Kind eigentlich wünscht. Viel zu sehr lasten die Unzufriedenheit und das Unvermögen der Erwachsenen auf ihren jungen Schultern, doch Annie ist stark, gewitzt und strahlt trotz allem eine unbändige Lebensfreude aus. Sie ist ein Charakter, den man so schnell nicht wieder vergisst, jemand, der sich einprägt.
Aber auch die anderen, teils sehr skurrilen Figuren sind Claudia Schreiber vortrefflich gelungen. Die überforderte Mutter, der schräge Opa (von dem im Übrigen das obige Zitat stammt) – sie und auch die anderen Nebenfiguren werden dem Leser mit wenigen Worten greifbar gemacht. Sie sind überzeichnet und doch lebensnah.

Insgesamt ist die Geschichte keine, die so oder ähnlich tagtäglich passiert. Trotzdem steckt sehr viel Wahres und Weises in Claudia Schreibers Worten. Kaum vorstellbar eigentlich, dass sie für das, was sie da alles erzählt, mit gerade einmal 285 Seiten (gebunden in Handtaschengröße!) auskommt. Aber egal wie ernst es auch wird, nie drückt die Geschichte zu sehr auf den Magen. Dafür sorgt der teils recht derbe Humor der Autorin, die hier einen perfekten Balanceakt zwischen Schwere und Leichtigkeit schafft.
Ihr Erzählstil ist herzlich und schnodderig zugleich, ehrlich und absolut unkitschig.

FAZIT: Ein außergewöhnliches, originelles Buch. Hatte mich Emmas Glück vor 4 Jahren noch nicht restlos überzeugen können, die bittersüßen Kirschen haben es definitiv geschafft!

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408 Bibliotheken, 3 Leser, 10 Gruppen, 71 Rezensionen

feen, märchen, ash, liebe, aschenputtel

Ash

Malinda Lo , Karin Dufner
Fester Einband: 268 Seiten
Erschienen bei Droemer Knaur, 28.10.2010
ISBN 9783426283448
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die junge Ash hat den plötzlichen Tod ihrer Mutter noch nicht verwunden, als ihr Vater erneut heiratet und kurz darauf ebenfalls stirbt. Zu allem Übel hat er ihrer Stiefmutter einen Haufen Schulden hinterlassen, die Ash nun abarbeiten muss. Das behauptet zumindest die Stiefmutter. Und so wird aus Ash - der einst behüteten Tochter eines Kaufmanns und einer Kräuterfrau - eine Dienstmagd, während ihre beiden Stiefschwestern die schönsten und teuersten Kleider tragen, um sich möglichst bald einen passenden Bräutigam angeln zu können.

Das kommt Euch bekannt vor? Kein Wunder. Ashs Name erinnert schließlich nicht zufällig an Aschenputtel. Ihre Geschichte ist ganz bewusst an das Märchen angelehnt. Auch der weitere Verlauf der Handlung (Besuche am Grab der Mutter, der rauschende Ball im Schloss inklusive Tanz mit dem Königssohn) orientiert sich stark an der Vorlage der Gebrüder Grimm. Mit dem Unterschied, dass Ash ihr Glück nicht in den Armen eines Prinzen findet, sondern in denen einer Frau. Hinzu kommen die fantastischen Elemente, die Malinda Lo in ihre Version des Märchens eingebaut hat.

So flüchtet sich Ash in ihrer Verzweiflung immer wieder in Aberglaube und Fabelgeschichten, die ihre Mutter, die noch fest an Feen glaubte, ihr als Kind erzählte. Auf einem ihrer Streifzüge durch den Wald trifft Ash dann tatsächlich auf einen Feenmann, den mysteriösen Sidhean. Obwohl er sich weigert, sie ins Feenreich zu überführen und so von ihrer trostlosen, irdischen Existenz zu erlösen, freunden sich die beiden an. Als Ash die königliche Hofjägerin Kaisa kennen lernt und Sidheans magische Hilfe in Anspruch nimmt, um Kaisa auf eine Jagd begleiten zu können, muss sie jedoch erfahren, wie gefährlich es ist, mit einem Feenmann Geschäfte zu machen…

Die Idee, das Märchen einmal neu zu erzählen und aus dem armen Aschenputtel eine starke junge Frau zu machen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt statt auf ihren Prinzen zu warten, hat definitiv ihren Reiz. Problematisch ist allerdings, dass den allermeisten Lesern die Handlung in den Grundzügen bekannt ist und so zieht sich gerade der Anfang ziemlich in die Länge, weil man ja genau weiß, dass zunächst einmal beide Elternteile sterben müssen, bevor es mehr oder weniger losgehen kann. Interessanter wird die Geschichte mit dem Auftreten von Kaisa im zweiten Teil, wirkliche Spannung kommt aber auch hier nicht auf. Ständig werden kurze Feensagen eingeschoben, die Ash liest oder erzählt bekommt. Diese zeugen zwar von der Fantasie der Autorin und sind durchaus nett zu lesen, gleichzeitig bremsen sie den Leser aber auch immer wieder aus.

Lange Zeit ist darüber hinaus unklar, welche Rolle Sidhean und die Feen eigentlich spielen. Dass Sidhean und Ash sich anfreunden, wird zwar erzählt, so richtig mitverfolgen darf man ihre Annäherung allerdings nicht. Ohnehin bleibt über die gesamten 268 Seiten stets eine gewisse Distanz zwischen dem Leser und den Figuren bestehen. Ich kann mir aber vorstellen, dass Malinda Lo dies beabsichtigt hat, da Märchenfiguren ja auch eher schablonenhaft angelegt sind, sodass ich ihr die etwas blassen Figuren nicht so recht übel nehmen mag, zumal sie nicht nur eine wunderbar düstere, märchenhafte Atmosphäre schafft, sondern auch die Liebesgeschichte zwischen Ash und Kaisa sehr feinfühlig und in absolut richtigem Maß erzählt. Am Ende griffen dann auch die beiden Handlungsstränge besser ineinander als ich anfangs erwartet hatte, sodass ich in diesem Punkt wieder versöhnt war, wenngleich ich mir eine etwas weniger simple Auflösung gewünscht hätte.

FAZIT: Malinda Los Debüt lediglich als »Märchen vom lesbischen Aschenputtel« zu bezeichnen, wird der Geschichte keinesfalls gerecht. Trotzdem fehlen insgesamt betrachtet einfach ein paar Höhen und Tiefen.

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170 Bibliotheken, 2 Leser, 5 Gruppen, 23 Rezensionen

australien, liebe, london, hannah, sträflinge

Scatterheart

Lili Wilkinson
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Coppenrath-Verlag GmbH & Co. KG, 01.01.2009
ISBN 9783815795118
Genre: Jugendbuch

Rezension:

London 1814: Als ihr Vater mitten in der Nacht ein paar Sachen zusammenpackt, ihr noch schnell ein Geschenk in die Hand drückt und sie dann alleine in ihrem großen Haus zurücklässt, glaubt Hannah noch an eine Geschäftsreise. Doch schon bald muss sie erfahren, dass ihr Vater nicht der geschätzte Gentleman ist, für den sie ihn gehalten hat, sondern ein Lügner und Betrüger, der seine Tochter auf der Flucht vor dem Galgen einfach im Stich lässt. Hannah möchte das nicht wahrhaben und lehnt – als Tochter eines vermeintlichen Ehrenmanns – den Heiratsantrag ihres Hauslehrers Thomas Behr ab.
Nun ist das 14jährige Mädchen völlig auf sich allein gestellt und gerät bei dem Versuch, einen Teil ihres Schmucks zu Geld zu machen, in die Fänge der Justiz, die sie für ein Verbrechen beschuldigt, das sie nicht begangen hat. Unschuldig und hilflos wird sie zunächst ins Gefängnis gesteckt und später zu sieben Jahren Strafarbeit in einer australischen Kolonie verurteilt. Es folgt eine monatelange Seereise, die Hannah und ihre Mitreisenden an ihre Grenzen bringt…

Gleich vorneweg: Der kurze Klappentext, das verträumte lila-glitzernde Cover und die Einschübe des Märchens vom Mädchen Scatterheart vor den einzelnen Kapiteln wecken leider völlig falsche Erwartungen. Wer eine London-Story à la Charles Dickens erwartet, wird – wie ich – zunächst einmal enttäuscht sein und sich wundern, warum der Großteil des Buches auf dem Schiff Richtung Australien spielt. Da ist das Cover der im Januar 2o11 erscheinenden Taschenbuchausgabe deutlich passender gewählt.
Hat man sich aber erstmal damit abgefunden, dass man vielmehr eine »Rosamunde Pilcher für Jugendliche« in den Händen hält, bekommt man eine tragische (Liebes)Geschichte geboten, die durch ihre historische Authentizität besticht. Hier hat die Autoren ganze Arbeit geleistet und offenbar gründlich recherchiert.
Im Vordergrund stehen die Behandlung von Frauen und deren Stellung in der damaligen Gesellschaft sowie die Unterschiede zwischen den Klassen. Dabei mutet Lili Wilkinson ihren Lesern so einiges zu, sodass ich das Buch – auch aufgrund der teils vulgären Ausdrücke – nicht für allzu junge Mädchen empfehlen würde. Das Schicksal der Gefangenen ist geprägt von Gewalt, Leid und Unterdrückung und so manches Mal möchte man aufschreien ob so viel Ungerechtigkeit und Grauen. Es überrascht nicht, dass nicht jeder das Ziel der Reise miterleben darf.

Während die äußeren Umstände sehr glaubwürdig und bildhaft dargestellt sind, kränkelt die Figurenzeichnung allerdings ein wenig. Hannahs Charakter ist über die gesamten knapp 450 Seiten nur schwer greifbar. Die längste Zeit ist das Mädchen unsagbar naiv und auch wenn sie in den Monaten auf See an Reife gewinnt, bleibt ein fader Beigeschmack, da man ihr das verzogene Gör zu Beginn irgendwie nicht richtig abnehmen konnte. Der abgelehnte Heiratsantrag wirkt aufgesetzt, ist scheinbar einzig dazu da, die Liebesgeschichte in Gang zu bringen, die – auch das ist leider zu bemängeln - insgesamt etwas gekünstelt rüberkommt.
Wird die Zeit auf dem Schiff noch sehr ausführlich beschrieben, geht es an Land dann ziemlich schnell. Fast schon zu schnell, denn bevor man sich versieht, steuert man auf ein Ende zu, das nur einem übermäßig großen Zufall zu verdanken ist und daher ebenfalls nicht ganz überzeugt.

FAZIT: Im Hinblick auf die historische Darstellung erschütternd und beeindruckend zugleich, aber alles in allem dann leider doch nur Mittelmaß.

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

geheimnis, tagebuch, irland, liebe, hörbuch

Ich schreib dir morgen wieder

Cecelia Ahern
Audio CD: 5 Seiten
Erschienen bei Argon Verlag, 01.06.2010
ISBN 9783839810330
Genre: Romane

Rezension:

Die 16jährige Tamara führt als verwöhnte Tochter reicher Eltern ein sorgloses Leben – bis zu dem Tag, an dem ihr Vater Selbstmord begeht, weil er das gesamte Familienvermögen verloren hat. Plötzlich heißt es Abschied nehmen von der riesigen Villa in der Nähe von Dublin, von Jacuzzis und ausschweifenden Beachparties mit ihren Freunden.
Tamara und ihre Mutter müssen ihr altes Leben komplett zurücklassen und ziehen zu Verwandten in ein abgelegenes kleines Dorf. Während sich ihre Mutter dort immer mehr in sich zurückzieht und kaum noch ansprechbar ist, macht sich Tamara auf, ihre neue Umgebung zu erkunden.
Eines Tages findet sie auf ihren Ausflügen ins nahegelegene Schloss ein leeres Buch, das sie als Tagebuch verwenden will. Doch als sie ihren ersten Eintrag verfassen möchte, muss sie feststellen, dass auf den Seiten schon etwas steht: Ihr Tagebucheintrag von morgen.

Eigentlich ist »Ich schreib dir morgen wieder« ein typisches Cecelia-Ahern-Buch. Und eigentlich auch wieder nicht. Einerseits erhält man – wie gewohnt – eine rührende Geschichte mit einem Hauch Übersinnlichen, dessen Ursache nicht aufgeklärt wird, und eine schöne Botschaft am Ende über den Wert des Lebens. Wie immer also. Anderseits hat es die irische Bestsellerautorin diesmal aber erstaunlich spannend gemacht und am Ende fast einen Krimi geschrieben; zumindest aber eine Familientragödie, die man so nicht erwartet hätte.
Der Anfang jedoch zieht sich. Bis das mysteriöse Tagebuch auftaucht, dauert es eine ganze Weile. Letztlich spielt es aber ohnehin nur eine Nebenrolle. Vielmehr steht Tamaras Entwicklung im Vordergrund, deren Charakter auch als einziger wirklich ausgearbeitet ist. In flapsigem, vorlauten Ton erzählt sie ihre Geschichte und erkennt dabei auch selbst, dass sie in ihrem früheren Leben kein besonders netter Mensch war - eine Einsicht, die schnell kommt, sie aber dennoch nicht immer klug und nett agieren lässt, was sie durchaus glaubwürdig und menschlich macht. Ebenso wie die Tatsache, dass sie nach außen hin stets sehr tough wirkt und ihre wahren Gefühle nur dem Tagebuch anvertraut. Hier muss man als Leser/Hörer manchmal wirklich schlucken.

Neben dem Aus-dem-Snob-wird-ein-liebes-Mädchen-Aspekt und zwischen der einen oder anderen kleinen Liebelei kommt mit der Zeit aber auch der Krimipart ins Rollen. Nur dass Tamara - abgelenkt von ihrer Trauer und den beiden schmucken Jungs aus dem Dorf - lange Zeit bloß mit sich selbst beschäftigt ist und der Leser dank geschickt gestreuter Hinweise lange vor ihr ahnt, dass irgendetwas mit ihrer Familie nicht stimmt – wie sich in einem spannenden und dramatischen Showdown dann auch zeigt. In diesem Punkt hat mich Cecelia Ahern völlig überrascht (positiv!), auch wenn die Auflösung letztendlich etwas übertrieben und wenig realistisch scheint.
Aber so sind ihre Bücher nun mal: Irgendwie gekünstelt süß und mehr oder weniger erfolgreich bemüht, nicht oberflächlich zu sein, aber insgesamt trotzdem wunderbar unterhaltsam und einfach schön.
»Irgendwie gekünstelt süß« trifft im Übrigen auch auf die Vortragsweise der Sprecherin Josefine Preuß zu. Während mich die aufgesetzte Lieblichkeit am Anfang allerdings noch störte, konnte ich mir am Ende keine andere Stimme für Tamara vorstellen.

FAZIT: Ein schönes modernes Märchen, das trotz der Kritikpunkte gut gefällt.

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114 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 30 Rezensionen

zwillinge, psychodrama, hamburg, tod, selbstmord

Allerliebste Schwester

Wiebke Lorenz
Fester Einband: 237 Seiten
Erschienen bei Blessing, Karl, 15.03.2010
ISBN 9783896674104
Genre: Romane

Rezension:

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Zwillingsschwester Marlene beschließt Eva, das Leben ihrer Schwester für diese weiterzuleben und schlüpft kurzerhand einfach in Marlenes Rolle: Sie übernimmt Marlenes Job in einer kleinen Buchhandlung. Und heiratet Marlenes Mann Tobias!
Nach anfänglichem Entsetzen haben sich drei Jahre später alle mit der neuen Situation abgefunden und Eva und Tobias scheinen glücklich. Doch dann verliert Eva ihr Kind und plötzlich bricht alles um sie herum zusammen…

Mit »Allerliebste Schwester« hat Wiebke Lorenz, die als Teil des Autorenduos Anne Hertz eigentlich für ihre romantischen Komödien bekannt ist, ein Psychodrama geschrieben, das den Leser gnadenlos hineinzieht in einen Strudel aus verstörenden Emotionen und menschlicher Abgründe.
So abwegig die Ausgangssituation auf den ersten Blick auch anmutet, mit jeder weiteren Seite erfährt man mehr über Evas Charakter und ihre Beweggründe. Auch wenn man ihr Handeln vielleicht nicht befürwortet, so kann man doch nachvollziehen, was sie zu dieser Heirat veranlasste.
Mit ihrer Hauptfigur ist der Autorin ein Glanzstück an Charakterzeichnung gelungen. Man spürt förmlich, wie zerrissen Eva ist. Mal ist sie die starke Frau, die sich nimmt, was sie will. Mal ist sie völlig am Boden. Rückblenden in eine Kindheit voller Ungerechtigkeit und Gewalt beleuchten nicht nur das Verhältnis zu ihrer Schwester, sondern tragen noch zu der ohnehin sehr beklemmenden Atmosphäre der Geschichte bei, die mich beim Lesen hin und wieder zu Pausen zwang. So eindringlich erzählt die Autorin und lässt ihre Leser mit Eva leiden - und fürchten, worauf sie da so zielstrebig zusteuert.

Leider ist es Wiebke Lorenz aber nicht gelungen, das hohe Niveau bis zum Ende zu halten. Das letzte Drittel enttäuscht durch eine abrupte Verlangsamung des Erzähltempos, die fast schon wie ein Bruch in der Geschichte wirkt. Zudem ist das Ende in einem Punkt nur wenig überraschend und riecht in einem anderen viel zu sehr nach Hollywood, was so gar nicht zu der ansonsten großartigen Geschichte passt.
Darüber hinaus habe ich mich besonders zum Schluss hin an den Gesprächen Evas mit Marlene gestört, denn während diese zunächst noch als Wahnvorstellungen interpretiert werden können, enthalten sie mit der Zeit immer mehr Informationen, über die eigentlich nur Marlene selbst verfügen kann. Das kann man zwar als dichterische Freiheit abtun, aber ich persönlich habe mich leider sehr daran gestört.

FAZIT: Eine Frau auf der Suche nach ihrer Identität. Über 2/3 hinweg nahezu brillant, am Ende leider enttäuschend.

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277 Bibliotheken, 7 Leser, 5 Gruppen, 43 Rezensionen

london, shopping, überraschungsparty, minnie, shopaholic

Mini Shopaholic

Sophie Kinsella , Jörn Ingwersen
Flexibler Einband: 463 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 19.10.2010
ISBN 9783442546466
Genre: Liebesromane

Rezension:

»Mini Shopaholic« ist bereits der 6. Teil der Reihe um Chaosqueen Becky (Bloomwood) Brandon und obwohl sie mittlerweile Mutter ist, dreht sich in ihrem Leben nach wie vor alles um eines: Shopping. Eventuelle Befürchtungen, Becky würde ab sofort nur noch Windeln kaufen, sind demnach völlig unbegründet.
Eine wirkliche Hauptrolle spielt Minnie, die 2jährige Tochter der Brandons aber ohnehin nicht. Vielmehr muss sie als Entschuldigung für exzessives Shopping herhalten und beweist mit ihrem ständigen Gequengel (»MEINS!!«), wie sehr sie nach ihrer Mutter kommt - die selbst allerdings niemals einsehen würde, dass ihr Töchterlein ganz schön verwöhnt ist.
Da kann nur noch Nanny Sue aus dem Fernsehen helfen. Das findet zumindest Luke, der aufgrund der schlechten Wirtschaftslage beruflich noch mehr unter Stress steht als sonst und darüber hinaus auch noch ein Shoppingverbot verhängt. Das trifft Becky natürlich hart, zumal ihr Arzt »Sleepshopping« auch nicht als anerkannte Krankheit verstehen mag. Eins will sie sich - trotz Finanzkrise - aber nicht nehmen lassen: Eine riesige Geburtstagsparty für ihren Liebsten zu organisieren. Unnötig zu sagen, dass sie dabei gewohnt zielstrebig auf ein einziges Fiasko zusteuert. Sie stößt nicht nur ihren Freunden und ihrer Familie vor den Kopf, sondern verstrickt sich auch in ein ziemlich heikles Netz aus kleinen Schwindeleien und größeren Lügen (schließlich soll die Party UNBEDINGT geheim bleiben).

Aber so anstrengend und unverbesserlich Becky auch ist, ich mag sie. Auch wenn sie andere Menschen mit ihrem Verhalten manchmal verletzt und man hin und wieder nur noch mit dem Kopf schütteln kann… Eigentlich hat sie ein gutes Herz und einfach nur einen etwas anderen, unschuldig-naiven Blick auf die Dinge, was letztlich ja auch den Reiz des Ganzen ausmacht.
Und ob man es glaubt oder nicht - in gewisser Hinsicht entwickelt sich Becky sogar ein ganz kleines bisschen weiter. Natürlich ist ihr Charakter immer noch überzeichnet und nicht alle Punkte in der Geschichte sind realistisch, aber dafür gibt es etliche urkomische Szenen - ob nun auf der Suche nach einer Nanny, beim Hauskauf, beim Tauschen von Klamotten, Trips in den Pound-Shop oder Besuchen im Einkaufscenter, die regelmäßig mit einem Hausverbot enden.
Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit sämtlichen lieb gewonnenen Nebenfiguren wie Suzie und Tarquin und natürlich Beckys Familie und Nachbarn, die alle ihren Auftritt haben und für weitere Lacher sorgen.
Ob sich das Konzept also irgendwann abgenutzt hat? Nicht, solange Sophie Kinsella daran schreibt. Auch wenn das Prinzip immer dasselbe ist - sie hat einfach ein großartiges Händchen für Situationskomik und vor allem eine unerschöpfliche Fantasie wenn es darum geht, ihre Heldin charmant von einem Debakel ins nächste stolpern zu lassen.

FAZIT: Nach zwei etwas schwächeren Teilen wieder ein richtiger Kracher. Sophie Kinsella trägt den Titel »Königin der romantischen Komödien« völlig zu Recht. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die nach dieser Überraschung am Ende ganz bestimmt schon in Planung ist.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

sachbuch wissenschaft & technik, alltagsphänomene, sachbuch hörbuch

Ach so!

Ranga Yogeshwar , Ranga Yogeshwar
Audio CD
Erschienen bei Roof Music, 03.11.2010
ISBN 9783941168503
Genre: Sachbücher

Rezension:

Als Kind lehrte einen die Sesamstraße, dass man manchmal Fragen stellen muss, um die tausend schönen Sachen, die es überall zu sehen gibt, auch zu verstehen. In fortgeschrittenerem Alter vergisst man das allerdings leider häufig und manchmal ist es einem vielleicht auch peinlich, eine Frage zu stellen, weil man Angst hat, sich bloßzustellen. Dabei ist es enorm wichtig, Fragen zu stellen.
Hierzu möchte Ranga Yogeshwar, Moderator und Wissenschaftsjournalist, seine Leser/Hörer motivieren. In »Ach so!« gibt er deswegen erneut Antworten auf eine ganze Reihe von Fragen, die ihn u.a. als Leserbrief erreichten.

Die behandelten Themen sind - wie schon in seinem ersten (Hör)Buch »Sonst noch Fragen?« - breit gefächert: Biologie, Physik, Psychologie… Alles, was in unserem Alltag eine Rolle spielt, wird unter die Lupe genommen. Ob es nun um die Frage geht, ob es im Weltraum laut ist, ob Mehl explodieren kann, warum der Apfel vom Baum fällt oder was Vorurteile bewirken - all diese Phänomene erklärt Ranga Yogeshwar leicht verständlich und amüsant und lässt hier und da auch persönliche Informationen einfließen.
Nach einer etwas komplizierteren Erklärung, in dem vielleicht doch mal ein Wort vorkommt, das man nicht kennt (oder an das man sich dunkel aus dem Biounterricht erinnert), folgt ein simpleres Thema, sodass nie Gefahr droht, dass der Kopf zu sehr rauchen könnte.

Dass manche Antworten relativ oberflächlich bleiben, liegt daran, dass jeder Frage nur wenige Minuten gewidmet werden. Den einen oder anderen mag das stören, für mich jedoch passt es ins Konzept. Immerhin ist es Ranga Yogeshwars erklärtes Ziel, »ein Fenster aufzumachen für eine Kultur des Fragens«. Interessierte Leser/Hörer sind also angehalten, auf Grundlage des (Hör)Buchs weiter nachzuforschen, wenn ihnen die gebotenen Antworten nicht ausreichen.

Ranga Yogeshwars Vortrag ist ruhig, seine Stimme angenehm. Trotzdem sollte man den Griff zum Hörbuch überdenken, da dies gekürzt ist und einige Kapitel fehlen. Daher auch nicht die volle Punktzahl.

FAZIT: Wissen macht Spaß! Vor allem, wenn es so sympathisch vermittelt wird.

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95 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 13 Rezensionen

historisch, jugendbuch, jane eagland, england, verrat

Mein Herz so wild

Jane Eagland , Ingrid Weixelbaumer
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.12.2010
ISBN 9783423248396
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Andere auf Geisteskrankheit hinweisende Faktoren, die mir von Außenstehenden mitgeteilt wurden: Exzessives Bücherlesen und Studieren, welches zu einer Schwächung des Geistes führt. Das Verlangen, Männer nachzuäffen, besessen vom Ehrgeiz, eine Ärztin zu werden. (Seite 3o7)

Rezension

England um 187o: Die 17jährige Louisa Cosgrove wird von zu Hause fortgeschickt, um fortan bei einer anderen Familie zu leben. Dort kommt sie jedoch nie an. Stattdessen liefert man sie in eine Irrenanstalt ein, in der man ihr weismachen möchte, dass sie in Wirklichkeit eine junge Frau namens Lucy Childs sei.
Zunächst glaubt Louisa noch an eine Verwechslung, aber jeder Versuch, den Irrtum aufzuklären, wird nur als weiteres Indiz für ihren kranken Geisteszustand gewertet…

Während dem Leser recht schnell klar ist, dass es sich hier um ein Komplott gegen Louisa handeln muss, reagiert Louisa selbst zu Beginn noch ziemlich unaufgeregt auf ihre missliche Lage und macht damit einen naiven und reservierten ersten Eindruck, der – lernt man sie im Laufe der Zeit besser kennen – eigentlich gar nicht zu ihr passt.
Regelmäßige Rückblenden im ersten Teil des Buches nehmen uns mit in Louisas Kindheit, wir lernen ihre strenge Mutter, den eifersüchtigen Bruder und ihren unkonventionellen Vater (einen Arzt) kennen. Louisa war schon immer ein aufgewecktes, intelligentes Mädchen, das Fragen stellt und ihrem Vater nacheifert. Sie träumt schon früh von einem Medizinstudium, liest alles, was sie in die Finger bekommt und macht kleinere Experimente.
Aber je älter sie wird desto deutlicher macht man ihr klar, dass sich ein solches Verhalten für eine Frau einfach nicht schickt. Hinzu kommt, dass Louisa Gefühle für ihre Cousine entwickelt und sich weigert, eine Ehe einzugehen, weil sie mehr von ihrem Leben erwartet und selbst über ihr Schicksal entscheiden möchte. Eine Einstellung, die damals schlichtweg undenkbar war.

Sätze wie der oben zitierte haben mich - ebenso wie die erniedrigende Behandlung der Patienten in der Irrenanstalt – sprachlos und wütend gemacht, zumal es damals wohl tatsächlich passierte, dass ungemütliche Personen, die sich den gesellschaftlichen Konventionen nicht anpassten, abgeschoben wurden. Besonders mit diesem Wissen im Hinterkopf hat mich Louisas Geschichte sehr bewegt und auch wenn ich ihr Handeln zu Beginn nicht immer nachvollziehen konnte, habe ich sie als starke und sympathische Figur empfunden. Ihr Leidensweg ist gut durchdacht, die Auflösung zufrieden stellend.
Sprachlich ist die Geschichte eher einfach gehalten, kurze Sätze und eine schnörkellose Erzählung erlauben ein zügiges Lesetempo.

Die Einbindung des Themas der gleichgeschlechtlichen Liebe schien mir auf den ersten Blick zu viel des Guten, hätten Louisas Wissensdurst und ihre ablehnende Haltung doch genügt um deutlich zu machen, dass sie aus dem gesellschaftlichen Rahmen fällt. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte war dann allerdings so zart und glaubwürdig erzählt, dass ich mir einen anderen Verlauf gar nicht hätte vorstellen wollen. Ich kann nur hoffen, dass sich potentielle Leser nicht davon abschrecken lassen, denn es ist einfach eine rührende und schöne Liebesgeschichte, bei der nicht das Geschlecht der Figuren, sondern die Liebe an sich im Vordergrund stehen sollte.

FAZIT: Ein gut erzählter, bewegender historischer Jugendroman, der interessante Themen aufgreift. Jane Eagland werde ich ab sofort im Auge behalten.

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798 Bibliotheken, 6 Leser, 5 Gruppen, 88 Rezensionen

kinder, scheidung, mütter, humor, liebe

Die Mütter-Mafia

Kerstin Gier
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Lübbe, 22.03.2005
ISBN 9783404152964
Genre: Liebesromane

Rezension:

Damit hätte Constanze nun wirklich nicht gerechnet. Von einem Tag auf den anderen erklärt ihr Ehemann Lorenz, ein erfolgreicher Staatsanwalt, dass er die Scheidung will und die junge Mutter ist gezwungen, mit ihren beiden Kindern in das alte Haus ihrer verstorbenen (Ex)Schwiegermutter zu ziehen. Ein schreckliches Haus, das ausnahmslos aus Mahagoni zu bestehen scheint. In einer Siedlung, in der offenbar nur perfekte Familien wohnen.
Die chaotische Constanze und ihre Kinder, die pubertierende Nelly und der kleine Julius mit dem empfindlichen Magen, fallen da ganz schön aus dem Rahmen, zumal sie sich ihre direkten Nachbarn schon vor dem Umzug in die Insektensiedlung zu Feinden gemacht haben. Und dann ist da auch noch die Mütter-Society, ein Netzwerk »fröhlicher, aufgeschlossener und toleranter Frauen, die sich liebevoll gegenseitig unterstützen«, die aber längst nicht jede in ihren illustren Kreis aufnehmen. Constanze, deren Selbstbewusstsein gerade ziemlich angeknackst ist, möchte unbedingt dazugehören, um zu beweisen, dass auch sie eine gute Mutter ist. Fragt sich nur, was genau eine gute Mutter wirklich ausmacht…

In »Die Mütter-Mafia«, dem ersten Teil der Reihe um Constanze und Co., bekommen alle versnobten Supermamis, die denken, sie wären etwas Besseres, weil sie ihre Kinder jeden Tag zu einem anderen Kurs kutschieren, ordentlich ihr Fett weg. Auch wenn sie vielleicht etwas überspitzt dargestellt werden, man kennt sie doch, diese überengagierten Frauen, die anderen Müttern das Gefühl geben, etwas falsch zu machen, weil sie ihre Kinder nicht so früh wie möglich zur musikalischen Frühförderung/zum Sprachkurs/zum Ballett usw. angemeldet haben.

Constanze ist eine erfrischend natürliche, wenn auch am Anfang noch etwas naive Frau Anfang 30, die ihre Umwelt bisweilen recht bissig, aber eben auch ziemlich treffend beschreibt. Sie spricht aus, was andere nur denken. Etwa, dass es sehr wohl Kinder gibt, die einem bereits vom Zeitpunkt ihrer Geburt an unsympathisch sein können. Punkt. Da gibt es nichts zu rütteln. Auch wenn ich selbst ja auch beigebracht bekommen habe, dass man so etwas eigentlich nicht sagen darf.

Es war aber nicht nur der amüsante Erzählton, der mich öfters laut lachen ließ, sondern auch die unzähligen komischen Situationen, in die Constanze gerät; allem voran natürlich das »Vorstellungsgespräch« bei den Elitemuttis, das - wie zu erwarten - ganz schrecklich aus dem Ruder läuft. Was habe ich gelacht!
Ebenso wie über die Sache mit dem Jaguarmann, der dafür sorgt, dass neben dem Humor auch die Liebe nicht zu kurz kommt. Als zum Ende hin gezeigt wird, dass das Streben nach der perfekten Selbstdarstellung dazu führen kann, dass man die wirklich wichtigen Dinge leicht übersieht und andere darunter zu leiden haben, wird es sogar noch richtig dramatisch und spannend. Leider hätte ich mir in dieser einen Situation (die ich hier natürlich nicht verraten werde!) aber eine etwas weniger filmreife Lösung gewünscht. Daher der eine Stern weniger.

FAZIT: Eine tolle Komödie, fast schon eine Satire - auch für Leserinnen, die (wie ich) selbst noch keine Kinder haben. Ich freu mich schon auf meinen zweiten Besuch in der Insektensiedlung.

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272 Bibliotheken, 4 Leser, 4 Gruppen, 36 Rezensionen

märchen, fantasy, hamburg, grimm, mythen

Grimm

Christoph Marzi
Fester Einband: 559 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 15.11.2010
ISBN 9783453266612
Genre: Fantasy

Rezension:

Es war einmal eine Zeit, da gehörte Christoph Marzi zu meinen Lieblingsautoren. Weil er so fantasievolle Geschichten schrieb und mich mit seinem eigenwilligen, poetischen Stil von der ersten bis zur letzten Seite verzauberte. Wie gesagt, das war einmal.
Heute kann ich mit Beschreibungen wie »ein schneller Schmerz aus Zähnen im Eis« oder Vergleichen wie »wie wütende Eiskristalle im sterbenden Schnee« nicht mehr viel anfangen. Wallendes Greisenhaar, ein junger Mann, der »mit beschwingtem Schritt aus einem Raum latschte« oder ein Boot, »das einzige […], das verlassen auf dem tiefgrauen Wasser schaukelte und einsam, ziellos und verlassen wirkte«… Es mag Absicht gewesen sein, aber mich haben diese Stilblüten reichlich irritiert.

Auch die Charaktere – so schön ihre Namen auch klingen – blieben mir fremd. Zu Beginn war mir Vesper mit ihrer rebellischen Art und der frechen Schnauze zwar durchaus sympathisch. Doch dann tauchte Leander auf und knackte ihre harte Schale mit albernen Sprüchen und einer unzähmbaren Lockentolle.
Und so richtig und wichtig es auch ist, dass man sein Lachen nicht verliert – in manchen Situationen (Tod der Eltern, Bedrohung der Menschheit etc.) ist ständiges Kichern vielleicht nicht ganz die angemessene Reaktion. Mal abgesehen davon, dass jede noch so wilde Verfolgungsjagd an Spannung verliert, wenn die beteiligten Figuren währenddessen ständig Smalltalk betreiben.

Doch es ist nicht alles schlecht in »Grimm«, nein. Es gibt viele (teils recht originelle) Anspielungen auf bekannte Märchen und Mythen, kleine, bezaubernde Geschichten in der Geschichte… Nur die Geschichte selbst ist eben etwas flach, die Idee hinter der Rebellion der Märchenfiguren gut, die Auflösung allerdings zu knapp und das Ende höchst unnötig hochdramatisch. Das ganze Konstrukt wirkte auf mich halbfertig, zu wenig durchdacht.
Erstaunlich auch, dass Christoph Marzi sich nicht an seine eigenen, eigentlich ganz einfachen Regeln hält. Denn, wie hieß es noch in seinem Erstlingswerk? »Die Hölle ist die Wiederholung.« Warum lässt der Autor seine Leser dann aber erneut auf verängstigte Kinderscharen und Spiegelscherben treffen, die wir aus der Uralten Metropole doch bereits kennen?
Große Schrift, kurze, abgehackte Sätze und Absätze, die manchmal nur aus einem einzigen Wort bestehen, bekräftigen den Eindruck, dass hier eine Geschichte, die durchaus ausbaufähig gewesen wäre, künstlich aufgebauscht wurde.

FAZIT: Ein Mädchen, das anders ist. Ein Junge, der sich verliebt. Ein undurchsichtiger Mentor. Eine geheime Gesellschaft. Früher die Zutaten für mein literarisches Leibgericht, an dem ich mich mittlerweile leider satt gegessen habe.
Nach »Somnia« und »Lyra« nunmehr der dritte enttäuschende Marzi und damit mein vorerst letzter.

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727 Bibliotheken, 14 Leser, 14 Gruppen, 101 Rezensionen

london, jack the ripper, zeitreise, zeitreisen, liebe

Die Landkarte der Zeit

Félix J. Palma , Willi Zurbrüggen
Fester Einband: 716 Seiten
Erschienen bei Kindler, 17.09.2010
ISBN 9783463405773
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wir befinden uns im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Gerade ist der neueste Roman »Die Zeitmaschine« von H.G. Wells erschienen, der die Menschen vor die Frage stellt: Sind Zeitreisen wirklich möglich? Schließlich ist der technische Fortschritt unaufhaltsam und dem Unternehmen Zeitreise Murray scheint tatsächlich der Durchbruch gelungen zu sein…

Vor diesem Hintergrund erzählt der spanische Autor Félix J. Palma eine Abenteuergeschichte, wie es sie leider viel zu selten gibt. Genauer gesagt erzählt er eigentlich drei Geschichten: Der wohlhabende Fabrikantensohn Andrew trauert um seine heimliche Geliebte Mary Kelley. Die Prostituierte wurde von keinem Geringerem als Jack the Ripper brutal ermordert. Acht Jahre nach ihrem Tod reist er in die Vergangenheit, um die Tat zu verhindern.
Die junge und rebellische Claire wehrt sich gegen die Zwänge der strengen viktorianischen Gesellschaft und plant eine Flucht in die Zukunft. Im Jahr 2ooo verliebt sie sich in Hauptmann Derek Shackleton, den Retter der Menschheit, der ihr später in ihrer eigenen Zeit zufällig über den Weg laufen soll.
In der dritten und letzten Geschichte jagt Scotland-Yard-Inspektor Garrett einen Mörder, der seine Opfer mit einer Waffe tötet, die 1896 noch gar nicht erfunden war. In der Annahme, dass der Täter aus der Zukunft kommen muss, reist er ins Jahr 2ooo, um ihn festzunehmen, bevor er die Morde begehen kann.

Müsste ich »Die Landkarte der Zeit« mit einem Wort beschreiben, so würde ich sagen: Überraschend. Der Roman entwickelte sich in eine ganz andere Richtung als ich vermutet hatte. Ohnehin ist es schwer, ihn in ein Genre einzuordnen. Krimi? Science-Fiction? Liebesgeschichte oder historischer Roman? »Die Landkarte der Zeit« bietet von allem etwas.
Es gibt immer wieder unvorhersehbare Wendungen. Vor allem aber wäre ich nie und nimmer auf die Idee gekommen, dass Dreh- und Angelpunkt der Erzählung H.G. Wells sein wird. Er ist die Schlüsselfigur, die die Geschichten zusammenhält. Haben die anderen Charaktere ihr persönliches Abenteuer erlebt, lässt man sie zurück und begegnet ihnen im weiteren Verlauf des Romans nur noch selten. Sie sind zwar einigermaßen stark gezeichnet, bleiben aber deutlich hinter Wells zurück, der – ausgestattet mit positiven wie negativen Eigenschaften – die rundeste Figur in der Geschichte darstellt.

Sprachlich ist der Roman eher anspruchsvoll mit vielen Ausschmückungen und Schachtelsätzen, aber durchaus ein Genuss und auch trotz Anpassung an die damalige Zeit gut lesbar. Ein bisschen erinnert Palmas Stil an Carlos Ruiz Zafón. Er hat Charme und Witz und zeichnet ein farbenprächtiges Bild des historischen Londons. Indem er Personen und Ereignisse der Zeitgeschichte in die fiktive Handlung einbaut, schafft er eine dichte Atmosphäre und macht dem Leser eine zusätzliche Freude, etwa wenn er ihn u.a. auf Bram Stoker treffen lässt.

Am meisten besticht der Roman für mich allerdings durch seinen ungewöhnlichen, allwissenden Erzähler, dem man völlig ausgeliefert ist und mehr als einmal auf den Leim geht. Gleich zu Beginn spricht er den Leser an und macht ihm klar, dass er derjenige ist, der die Geschichte erzählt und dass er sie so erzählt, wie er es für das Beste hält. So kann es passieren, dass man eine Szene plötzlich verlässt, um den Figuren ihre Privatsphäre zu lassen, dieselbe Szene später aber detailliert beschrieben bekommt, weil die Vorgänge aufgrund der Geschehnisse in der Zwischenzeit doch von Bedeutung geworden sind.
In manchen Momenten hatte ich das Gefühl, ich würde einen Film sehen und der Erzähler würde unerwartet auf Standbild schalten. Die Szene friert ein und wechselt, es geht an anderer Stelle weiter bis die Kamera wieder zurückschwenkt und die Bilder sich wieder bewegen. Diese Kniffe empfand ich als außergewöhnlich und erfrischend.

Weniger gut fand ich allerdings, dass manche Nebenstränge etwas zu weitschweifig erzählt werden und die Handlung dadurch stellenweise zu langsam vorangetrieben wird. Außerdem hätte ich mir – auch wenn am Ende alle Fäden zusammengeführt werden und sich der Kreis schließt – einen insgesamt stärkeren Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen und eine weniger komplizierte Auflösung gewünscht. Ich muss nämlich gestehen, dass ich mit den ganzen Parallelwelten irgendwann nicht mehr so ganz mitkam und vereinzelte Passage mehrfach lesen musste.

FAZIT: Ein gekonntes und hoch komplexes Spiel auf mehreren Ebenen mit dem Paradox der Zeit, dessen Auflösung und Ende leider etwas verworren ist. Daher nicht ganz die volle Punktzahl, obwohl der Roman definitiv Lust auf mehr Geschichten aus der Feder von Félix J. Palma macht.

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7.173 Bibliotheken, 77 Leser, 27 Gruppen, 441 Rezensionen

liebe, zeitreise, zeitreisen, london, fantasy

Smaragdgrün

Kerstin Gier
Fester Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Arena, 08.12.2010
ISBN 9783401063485
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Vor wenigen Tagen war es endlich so weit: »Smaragdgrün«, der dritte und damit leider letzte Teil der Edelstein-Trilogie kam in die Buchläden. Und gleich vorweg: Das lange Warten hat sich gelohnt. Auch wenn die wenigen Stunden, in denen man in das Buch abtauchen kann, natürlich wieder viel zu schnell vorbei sind.

Zum Inhalt möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, um denjenigen, die die ersten beiden Bände noch vor sich haben, nichts vorwegzunehmen. Nur so viel: Es beginnt dramatisch mit einem gebrochenen Herzen und geht auch höchst dramatisch weiter.
Die Handlung, die über die gesamte Trilogie an nur wenigen Tagen spielt, knüpft – wie auch schon bei »Saphirblau« – direkt an den Vorgänger an, kurze Rückblicke erleichtern den Wiedereinstieg in die Geschichte. Für alle Fälle gibt es am Ende auch wieder ein Personenverzeichnis, welches man aber definitiv erst anschließend zurate ziehen sollte.

Ich muss gestehen, dass ich vorab etwas skeptisch war, ob Kerstin Gier es schaffen würde, sämtliche Stränge zufrieden stellend aufzudröseln, denn mit der Zeit wurde es doch ziemlich kompliziert: Lucy, Paul und die Chronographen, der Graf von Saint Germain, Blutkreise und dunkle Prophezeiungen, Gideons seltsames Verhalten, die Wächter und die Frage, wem man denn nun trauen kann… Mal abgesehen vom Zeitreiseparadox generell.
Alles in allem aber kann ich aus vollster Überzeugung sagen: Ja, sie hat es geschafft. Alle Fragen sind geklärt und ich konnte das Buch nach der letzten Seite mit einem wohligen Seufzer zuschlagen. Ob letzten Endes wirklich alles bis ins kleinste Detail logisch war, vermag ich zwar nicht zu sagen. Aber ehrlich? Das ist mir in dem Fall auch herzlich egal, denn ich war so verzaubert von Gwennys und Gideons Abenteuern und habe dermaßen mit ihnen mitgefiebert, dass ich gar nicht auf die Idee gekommen bin, nachzugrübeln, ob sich vielleicht irgendwo ein Logikfehler verstecken könnte.

Auch wenn die Geschichte nun erzählt ist, es fällt schwer, sich von all den wunderbaren Charakteren zu verabschieden. Sie sind alle so liebenswert, schrullig und einzigartig – ob nun Zitronendropstante Maddy, der vorlaute Wasserspeierdämon Xemerius oder James, der blasierte Geist, der meint, er sei nur in einem Fiebertraum gefangen… Allesamt sind sie mir ans Herz gewachsen und obwohl ich locker 1o Jahre über der Zielgruppe liegen dürfte, konnte ich mich wieder spielend leicht in die jugendlichen Hauptfiguren mit all ihren Freuden und Sorgen hineinversetzen; allen voran natürlich in Gwendolyn, die ihre Geschichte auf ihre ganz eigene, allerliebste und amüsante Art erzählt und die ich um ihre treue und verrückte Freundin Leslie fast schon ein bisschen beneide.
Und obwohl sich manche meiner Vermutungen bestätigt haben, ist es Kerstin Gier dennoch gelungen, mich zu überraschen und sie hat mir mit einer ganz bestimmten Szene, die in der Danksagung auch erwähnt wird, weshalb man diese auf keinen Fall vorher lesen sollte, sogar einen ordentlichen Schrecken eingejagt.

FAZIT: Um es mit den Worten von Xemerius zu sagen: Alter Falter! Eine emotionsgeladene, spannende und einfach wahnsinnig süße Geschichte, die schon alleine wegen der tollen Aufmachung in das Bücherregal eines jeden Marzipanherzen-Mädchens gehört.

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529 Bibliotheken, 3 Leser, 7 Gruppen, 83 Rezensionen

berlin, thriller, serienmörder, krimi, engel

Die Reinheit des Todes

Vincent Kliesch
Flexibler Einband: 317 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Taschenbuch Verlag, 10.05.2010
ISBN 9783442374922
Genre: Krimi und Thriller

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(68)

103 Bibliotheken, 2 Leser, 5 Gruppen, 16 Rezensionen

berlin, gewalt, jugend, neukölln, jugendkriminalität

Das Ende der Geduld

Kirsten Heisig
Flexibler Einband: 205 Seiten
Erschienen bei Verlag Herder, 22.07.2010
ISBN 9783451302046
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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(154)

356 Bibliotheken, 2 Leser, 6 Gruppen, 17 Rezensionen

toskana, krimi, italien, thriller, betrug

Die Totengräberin

Sabine Thiesler
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.07.2010
ISBN 9783453434684
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Bereits in früher Kindheit hat Magda gelernt: Wenn einer den anderen betrügt, ist das Leben zu Ende. Deshalb muss ihr Gatte Johannes, der seit wenigen Monaten eine Affäre mit Carolina hat, sterben. Und so endet der - zumindest aus seiner Sicht - als Versöhnungsurlaub geplante Aufenthalt in ihrem Ferienhaus in der Toskana für Johannes im Gemüsebeet. Nach den ersten 50 Seiten liegt er mausetot unter einem hübschen kleinen Olivenbaum begraben.
Bis dahin – und nur so viel hatte der Klappentext ja auch über die Handlung verraten – war ich der festen Überzeugung, einen gut geschriebenen, spannenden Thriller in den Händen zu halten. Zügig zu lesen, mit interessanter Ausgangslage und durch gelegentliche Einschübe italienischer Sätze mit einem Hauch südländischen Flairs.

Ich hatte mich getäuscht. Zwar blieb der Schreibstil durchweg angenehm und auch vor unnötigen Längen blieb ich verschont, jedoch konnte die weitere Geschichte leider nicht halten, was der starke Anfang versprach.
Vielmehr bot sich mir letztlich eine eindimensionale Kriminalgeschichte, die einzig durch ihre unglaublich unglaubwürdigen Charaktere überraschen konnte; angefangen bei der Hauptfigur, die im einen Moment völlig kaltblütig den Mord an ihrem Mann zu vertuschen versucht, indem sie ihn als vermisst meldet und fälsche Fährten legt, und im nächsten Augenblick selbst eine verzweifelte Suchaktion startet.
Denkt man am Anfang noch, dass sie ihre Rolle als besorgte Ehefrau erstaunlich gut spielt, wundert man sich nach und nach über immer mehr Ungereimtheiten - bis man erfährt, dass Magda einfach ganz plötzlich von einer Seite zur nächsten eine schwere Geisteskrankheit entwickelt hat, die sie glauben lässt, Johannes wäre tatsächlich spurlos verschwunden.
Wenige Rückblenden in Magdas Vergangenheit sollen hierfür zwar eine Erklärung liefern, bieten aber kaum eine Grundlage. Ebenso wenig wie das Drama um ihren Sohn, das auf wenigen Seiten abgehandelt wird und höchst unrealistisch wirkt.

Doch Magda ist nicht die einzige Person, deren Verhalten nicht nachvollziehbar ist. Es fängt schon bei ihrer Chefin in der Apotheke an und zieht sich bis hin zu ihrem Schwager, der seit fast 20 Jahren in sie verliebt ist und auf die Tatsache, dass seine Traumfrau ihn plötzlich mit ihrer großen Liebe verwechselt, alles andere als normal reagiert. Er spielt das Spiel nämlich einfach mit. Nutzt seine Chance. Vermisster Bruder hin oder her. Aber Menschenleben sind sämtlichen Figuren in diesem Roman ohnehin nichts wert.
Die Polizeiarbeit ist - auch für italienische Verhältnisse - gänzlich unrealistisch beschrieben und der mit dem Fall beauftragte Commissario ist in seiner Unfähigkeit so überzeichnet, dass er fast schon lächerlich wirkt. Der plötzlich auftretende Erpresser wird zwar ausführlich als ganz schön Fieser vorgestellt, treibt den Puls aber auch eher dadurch in die Höhe, dass man sich über ihn ärgert. Schließlich sollte er doch eigentlich für ein bisschen Spannung sorgen. Dass er wie alle anderen nur falsche Vermutungen anstellt, während der Leser die Lösung schon längst kennt, macht die Sache auch nicht besser.

FAZIT: Es bleiben ein süffiger Erzählstil und eine interessante Idee, die vermuten lassen, dass die Autorin es eigentlich besser kann - insgesamt aber nicht genug für ein gutes Buch.

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 8 Rezensionen

pinguine, gott, kinderbuch, freundschaft, arche

An der Arche um Acht

Ulrich Hub , Jörg Mühle
Fester Einband: 62 Seiten
Erschienen bei Sauerländer, 15.06.2007
ISBN 9783794161096
Genre: Kinderbuch

Rezension:

In einer Gegend, die nur aus Schnee und Eis besteht, gleicht im Leben der drei Pinguine ein Tag dem anderen. Als sich jedoch ganz überraschend ein gelber Schmetterling in die Einöde verirrt, den der kleinste der Pinguine unbedingt abmurksen möchte, entbrennt eine heftige Diskussion zwischen den drei Freunden über die Existenz Gottes.
Während die beiden größeren Pinguine Gott als allmächtigen Schöpfer verstehen, der sich eine Menge Regeln ausgedacht hat, die man besser befolgt, stört sich der kleine Pinguin ganz unfromm an Gottes Unsichtbarkeit, die für ihn ein klarer Nachteil ist. Da sich das Trio einfach nicht einigen kann, gipfelt der Streit darin, dass der kleine Pinguin die beiden anderen wutentbrannt zurücklässt.

Kurz darauf bekommen die beiden Großen Besuch von einer Taube, die ihnen verkündet, dass Gott genug hat von den Streitigkeiten auf Erden und daher eine Sintflut schickt, um die Welt auszulöschen und noch einmal von vorne anzufangen. Nur jeweils zwei Tiere einer Art sollen sich um Acht an der Arche Noah einfinden, um dem Tod in den Fluten zu entrinnen.
Die Pinguine willigen ein, doch was ist mit ihrem Freund? Den können sie – trotz aller Zankerei – doch nicht einfach zurücklassen.
Und so schmuggeln sie den Kleinen einfach auf die Arche und sorgen damit für einige Aufregung…

Ursprünglich handelt es sich bei der Geschichte um ein Theaterstück, das unter der Regie des Autors 2006 uraufgeführt und seitdem – ebenso wie die Hörspielfassung – mehrfach ausgezeichnet wurde.
Unbeschwert und unaufdringlich lässt Ulrich Hub seine Pinguine philosophische Fragen aufwerfen, die irgendwann wohl jedes Kind einmal stellt: Wer ist Gott? Wo ist er? Und warum kann man ihn nicht sehen?
Kindgerecht und vor allem auf höchst amüsante Weise versucht er, Antworten zu geben, ohne dabei eine bestimmte Auffassung in Stein zu meißeln, denn letztlich sind alle gebotenen Ansätze frei interpretierbar und stehen – besonders im Hinblick auf das unkonventionelle Ende – vielleicht auch nicht immer ganz im Einklang mit dem, was die Kirche predigt.

Neben dem ausgesprochen ulkigen Schreibstil voller Wortwitz und spritziger Dialoge sind es besonders die wunderbar herzigen Illustrationen von Jörg Mühle, die dieses 85 Seiten starke Büchlein zu einem süßen und intelligenten Leseerlebnis machen.
Einziger Kritikpunkt ist ein Logikfehler am Schluss, der zwar erzählerisch seine Berechtigung hat, aber letztendlich eben doch ein Fehler bleibt.

FAZIT: Eine kleine, aber feine Geschichte über Freundschaft, Glaube und Toleranz, die auch bei großen Lesern Anklang finden dürfte.

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(4.880)

7.541 Bibliotheken, 63 Leser, 34 Gruppen, 471 Rezensionen

liebe, zeitreise, zeitreisen, london, fantasy

Saphirblau

Kerstin Gier
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Arena, 01.01.2010
ISBN 9783401063478
Genre: Jugendbuch

Rezension:

So ganz glücklich ist Gwendolyn mit der Tatsache, dass sie plötzlich zu einem mysteriösen Geheimbund von Zeitreisenden gehört, immer noch nicht. Doch sie tut, was sie kann. Während ihre beste Freundin Leslie mittels (Internet)Recherche so viele nützliche Informationen wie möglich zusammenstellt, versucht sie, die Sticheleien ihrer eifersüchtigen Cousine Charlotte auszublenden und stellt sich ihren Pflichten als ‚Rubin‘ im Kreis der Zwölf. Auch wenn sie noch nicht richtig weiß, welche Rolle sie in der ganzen Sache eigentlich spielt.
Aber zum Glück ist da ja Gideon, der ihr zwar immer wieder erschreckend feindselig begegnet, aber irgendwie doch an ihr interessiert zu sein scheint. Warum sollte er sie sonst andauernd küssen wollen?

Während für den Leser unsagbar lange Monate vergangen sind, in denen er auf die Fortsetzung warten musste, ist für Gwendolyn und Gideon die Zeit stehen geblieben, denn »Saphirblau« setzt genau dort an, wo »Rubinrot« aufhörte – beim Kuss unserer beiden Hauptfiguren. Womit auch schnell klar ist, dass die Liebe und die mit ihr verbundenen Irrungen und Wirrungen entsprechend viel Platz in der Geschichte einnehmen werden.
Aber auch über die vermeintlichen Ziele der Wächter, die möglichen Umstände des Diebstahls des zweiten Chronografen und den unheimlichen Grafen von Saint Germain erfahren wir mehr. Allerdings nicht viel, denn auch am Ende diesen Bandes tappt man als Leser noch ziemlich im Dunkeln und von den Versuchen, die Zusammenhänge richtig zu deuten, schwirrt einem auch schnell mal der Kopf; wie auch vom Auftreten der vielen unterschiedlichen Personen. Hier sorgt jedoch ein angehängtes Personenverzeichnis für Abhilfe und wiederholende Ausführungen zu den Geschehnissen aus dem ersten Teil erleichtern glücklicherweise den Wiedereinstieg in die Geschichte.

Nichtsdestotrotz ist die Lektüre, wenngleich der Stil flüssig ist wie eh und je und die Seiten nur so dahin fliegen, schon ein wenig kompliziert. Und auch die Zeitreisethematik wirkt im Vergleich zum Vorgängerband wesentlich komplexer. Nicht selten fragt man sich, ob bestimmte Vorgänge überhaupt noch logisch sind. Da Zeitreisen im Grunde aber ohnehin ein Paradoxon sind, sollte man diesen Aspekt allerdings nicht allzu kritisch sehen. Denn, wie die Autorin auch selbst in einem Interview verriet, bleiben »bei allen Bemühungen, wohl immer ein paar kleine Haken« übrig.

Dank des urkomischen Humors und der liebenswerten und lebensechten Charaktere - wie etwa den sehr an einen (aus dem Verkaufsfernsehen bekannten) Modedesigner erinnernden Mr. Giordano - kann man etwaige logische Stolpersteine aber sowieso getrost übersehen. Stattdessen lacht man bei einem Auftritt Gwendolyns auf einer Soirée Tränen, fühlt ihre Schmetterlinge im Bauch und verliebt sich gefährlicherweise nicht nur in Gideon, sondern auch in Xemerius, den vorlauten Wasserspeierdämon, der Gwen neuerdings auf Schritt und Tritt begleitet.

Das Ende wird für viele Leser wahrscheinlich reichlich unbefriedigend sein, da die beiden Hauptstränge ziemlich unerwartet enden. Jedoch haben Gwendolyn und Gideon auch diesmal wieder eine Zeitreiseetappe hinter sich gebracht und ihre jeweiligen Aufgaben mehr oder weniger erfolgreich erfüllt. Aus diesem Grund kann man – im Hinblick darauf, dass es sich eben um den zweiten Teil einer Trilogie handelt – schon von einem runden Ende in Bezug auf diesen Abschnitt sprechen.
Und wer nach den knapp 4oo Seiten immer noch nicht genug hat, kann sich bis zum Erscheinen der Fortsetzung ja an dem Zahlencode versuchen, der auf der letzten Seite zu finden ist und der einen Hinweis auf die kommenden Entwicklungen geben könnte. Oder das Buch einfach immer wieder zur Hand nehmen und die wunderschöne Aufmachung bewundern, die auch diesmal wieder ein wahrer Augenschmaus ist.

FAZIT: Eine süffige und höchst amüsante Mischung aus erstem Herzklopfen, mysteriöser Fantasy und spannendem Krimi, die – wie schon der erste Teil – Jung und Alt begeistern und den September/Oktober herbeisehnen lassen wird, in dem mit »Smaragdgrün« der Abschluss der Reihe erscheinen wird.

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174 Bibliotheken, 3 Leser, 10 Gruppen, 29 Rezensionen

fantasy, hannover, zwerge, vampire, humor

Fledermausland

Oliver Dierssen
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 09.12.2009
ISBN 9783453266636
Genre: Fantasy

Rezension:

Eigentlich sollte er in Hannover studieren. Studenten mag Sebastian Schätz aber nicht. Und außerdem ist in seinem Kopf eh kein Platz mehr für etwas anderes als Kim, die Frau seiner (unerfüllten) Träume.
Infolgedessen arbeitet er als Aushilfe in einem Asiamarkt mit dubiosen Lebensmittelangeboten und lebt so vor sich hin - bis der nächtliche Überraschungsbesuch einer kleinen Fledermaus seinen sonst eher geruhsamen Alltag völlig durcheinander bringt. Lange Zeit, darüber nachzudenken, ob er vielleicht den Verstand verloren hat, bleibt Sebastian allerdings nicht, denn plötzlich wollen die skurrilsten Gestalten ihm und Kim an den Kragen…

Der Einstieg in die Geschichte ist leider wenig gelungen. Zu ausschweifend, zu belanglos, zu sprunghaft in der Satzstellung. Nach etwa 70-80 Seiten hat man allerdings das Gefühl, der Autor habe nun genug Schwung geholt und die Geschichte kommt endlich kräftig ins Rollen.
GEZ-Zwerge, Oger, leichenknabbernde Männer im Spülschrank… Wer hätte gedacht, dass Hannover ein Tummelplatz für allerhand bizarre Fabelwesen ist?
Sebastian jedenfalls nicht. Der will auch nach einem sehr realen Zusammenstoß mit einem Vampir nicht wirklich an dessen Existenz glauben und sucht nach logischen Erklärungen, was ihn – im Gegensatz zu herkömmlichen Helden, die immer wenig realistisch jede noch so wahnwitzigen Situation einfach hinnehmen – sehr menschlich und sympathisch macht.

Basti ist eben ein Antiheld. Ein liebenswerter Chaot, der so verschossen ist in seine Kim, dass er selbst im tiefsten Schlamassel nur an ihr Wohlergehen denkt. Das kann zwar hier und da ermüdend sein, ist aber immerhin konsequent. Ebenso wie sein Unvermögen, etwas auf die Reihe zu kriegen. Da kann er noch so große Töne spucken, am Ende bekommt er doch wieder nur selbst eins auf die Mütze.

Erzählt wird die Geschichte sehr umgangssprachlich, was sie auf der einen Seite entsprechend lebendig macht, andererseits aber auch ziemlich seicht. Zum Ende hin muss man aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse allerdings doch noch etwas konzentrierter lesen, um die Beweggründe der einzelnen Charaktere nachvollziehen und den spannenden, teils sehr überraschenden Wendungen folgen zu können.
Schade nur, dass der ein oder andere Faden auch nach Abschluss der knapp 450 groß bedruckten Seiten noch etwas lose in der Luft hängt. Möglicherweise Material für eine Fortsetzung?

Genügend außergewöhnliche, haarsträubende und vor allem unglaublich komische Einfalle hat der Autor jedenfalls. Das muss man ihm lassen. Selten begegnet man so unglaublich vielen verrückten Figuren, die die Lachmuskeln mal wieder so richtig ordentlich strapazieren.

FAZIT: Dranbleiben lohnt sich. Besonders auch zu empfehlen für Fans von Christopher Moore.

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(62)

132 Bibliotheken, 2 Leser, 11 Gruppen, 23 Rezensionen

wien, vampir, vampire, hamburg, liebe

Das Herz der Nacht

Ulrike Schweikert
Fester Einband: 478 Seiten
Erschienen bei Egmont LYX, 05.10.2009
ISBN 9783802582233
Genre: Fantasy

Rezension:

Gefangen in einer lieblosen Ehe und den Konventionen des Wiener Adels, verfällt Fürstin Therese Kinsky nur zu leicht dem Charme des Grafen Báthory; weckt der geheimnisvolle und attraktive Mann doch längst vergessene Gefühle von jugendlicher Leidenschaft.
Auch Sophie, die blinde Tochter der Pianistin Karoline Wallberg findet Gefallen an András, der nach Tod riecht und nach Einbruch der Nacht bei ihrer Mutter Klavierstunden nimmt.
Was niemand weiß: András ist ein jahrhundertealter Vampir, der fernab seiner Heimat Transsylvanien eine unauffällige Existenz plant. Doch eine Mordserie, deren Opfer stets mit aufgerissenen Kehlen aufgefunden werden, macht ihm einen grausamen Strich durch die Rechnung, denn der Mörder scheint keineswegs menschlicher Natur…

In »Das Herz der Nacht« nimmt Ulrike Schweikert ihre Leser mit auf eine schaurig-schöne Reise, die im Wien des 19. Jahrhunderts beginnt und mit dem Großen Brand in Hamburg endet.
Ausgiebige Recherche und bildstarke Beschreibungen lassen sowohl die damalige Gesellschaft mit ihren prunkvollen Bällen als auch das bunte Treiben in den Straßen und Gassen der Donaumetropole lebendig werden und bieten eine gelungene Kulisse für die Geschichte um den einnehmenden Vampir, dessen menschliche Neigungen ihm zum Verhängnis werden sollen.

Neben der vortrefflichen Zeichnung der Handlungsorte und des Sittengemäldes des Hofadels, sind der Autorin ihre Figuren besonders gelungen, denn diese sind – anders als in vielen anderen Vampirromanen - nicht bloß blutleere Abziehbilder, sondern überzeugen durch ihre charakterliche Tiefe, die in ihren persönlichen Dramen wurzelt.
Besonders die scharfzüngige Fürstin Therese wächst dem Leser schnell ans Herz, indem sie mit ihrer offenherzigen Kritik an der Arroganz des Adels für Witz und Schwung sorgt. Ihr ist es nur zu gönnen, dass sie in der Gegenwart von András noch einmal richtig aufblüht.
Aber auch Karoline und Sophie nehmen den Leser sogleich für sich ein, alleine schon deshalb, weil sich durch ihr Auftreten ein Dreiecksverhältnis entspannt, das den Roman über eine einfache Liebesgeschichte hinausgehen lässt.
Und auch András ist ein interessanter Charakter, der endlich mal wieder Merkmale eines klassischen Vampirs aufweist, etwa indem er in einem Sarg schläft.

Die an das 19. Jahrhundert angepasste Sprache runden den Roman und dessen düstere Grundstimmung angenehm ab, jedoch drosseln allzu steife Formulierungen und ausschweifende Beschreibungen der Umgebung phasenweise das Lesetempo.
Allerdings nicht mehr gegen Ende des Buches, denn während die Geschichte bis zum großen Finale in Hamburg zwar nicht langweilig, aber doch eher ruhig und von unterschwelliger Spannung geprägt war, kommt plötzlich ein Zeitsprung, der sich nicht ganz so nahtlos an die vorangegangene Erzählung anfügen mag, die nunmehr etwas hektisch wirkt und in einer eher unbefriedigenden Auflösung des Rätsels gipfelt.

Nichtsdestotrotz ist »Das Herz der Nacht« allerdings ein niveauvoller Gruselroman, der Emotionen weckt und so manche angenehme Gänsehaut beschert.

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tee, wien, österreich, salzkammergut, anni bürkl

Schwarztee

Anni Bürkl
Flexibler Einband: 323 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2009
ISBN 9783839210239
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um ihr altes, von ihrer Karriere beherrschtes Leben in Wien zu vergessen, wagt Berenike Roither einen Neuanfang in Altaussee im Salzkammergut, wo sie einen kleinen, stilvollen Teesalon eröffnet, in dem es neben gutem Tee auch anspruchsvolle Literatur gibt.
Als bei einer dort veranstalteten Lesung des umstrittenen Autors Sieghard Lahn ein Journalist ermordet wird, ist es mit Berenikes – durch Tee und einen ausgeprägten Hang zur Esoterik – neu gewonnener Ruhe aber erstmal vorbei. Schließlich wurde Robert Rabenstein heimtückisch vergiftet. In ihrem Salon! So gerät Berenike nicht nur ins Visier der Polizei, sondern setzt bei ihren eigenmächtigen Ermittlungen auch ihr Leben aufs Spiel…

Anni Bürkls Erstlingswerk, dessen Kapitel allesamt nach verschiedenen Teesorten benannt sind, ist ungewöhnlich. Schon aufgrund des ganz eigenen Stils der Autorin, die häufig kurze Sätze, knackige Sätze gebraucht und an allen möglichen wie unmöglichen Stellen Anglizismen einstreut. Auf den ersten Blick wirkt das eigenartig, aber nach wenigen Seiten hat man sich bereits damit angefreundet und denkt sich So what?! Englisch und Tee, das passt doch. Und irgendwie spiegelt der etwas sperrige, aber trotzdem angenehme Stil ja auch Berenikes Charakter wider, der zu Beginn sehr schwer zu fassen ist.

Ja, Berenike glaubt an Qi und murmelt gerne mal das eine oder andere Mantra vor sich her, aber so richtig nimmt man ihr ihren Esoterikfimmel nicht ab. Viel zu sehr hat man das Gefühl, dass sie sich bloß in eine andere Existenz flüchtet, um ihre Vergangenheit komplett hinter sich zu lassen. Denn dass dort irgendetwas liegen muss, das sie belastet, wird fast schon zu offensichtlich angedeutet.
Die Auflösung allerdings entschuldigt Berenikes sprödes Auftreten, erklärt, warum es ihr beim Anblick gut aussehender Männer sehr schnell im Schoß zieht und macht sie zu einer interessanten, ganz besonderen Figur. Vertieft wird dies noch durch ihre schwierige Kindheit mit jüdischen Vorfahren und das angespannte Verhältnis zu ihren Eltern, das ebenfalls angerissen wird.

Auf gerade mal etwas über 300 Seiten hat die österreichische Autorin also einiges untergebracht, etwa auch ein Teebrevier, politische und historische Aspekte sowie ein paar weitere Leichen. Dabei geht der Kriminalfall aber fast schon etwas unter, denn auch wenn die Motive für die Morde nachvollziehbar und gut durchdacht sind, kommen die Opfer etwas unglaubwürdig ums Leben und auch die Polizei macht bei ihren Ermittlungsarbeiten keinen guten Eindruck.

Das alles ändert aber nichts daran, dass ich mich jetzt schon auf Berenikes 2. Fall freue, der im Herbst dieses Jahres unter dem Titel »Ausgetanzt« erscheinen wird.

FAZIT: Ein etwas anderer, atmosphärischer und intelligenter Krimi – nicht nur für Teeliebhaber.

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liebe, tod, familie, musik, koma

Wenn ich bleibe

Gayle Forman , Alexandra Ernst
Fester Einband: 270 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 07.01.2010
ISBN 9783764503512
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Nach New York ziehen und dort mit ihrem Cello Karriere machen oder bei der Familie und der großen Liebe in Oregon bleiben?
Eigentlich sollte dies die bisher größte Entscheidung im Leben der 17jährigen Mia werden. Doch ein schrecklicher Autounfall, bei dem ihre Eltern ums Leben kommen und sie und ihr kleiner Bruder lebensgefährlich verletzt werden, stellt das musikalische Ausnahmetalent von jetzt auf gleich vor eine ganz andere Frage: Soll sie ihrer Familie folgen oder soll sie kämpfen? Gehen oder bleiben? Leben oder sterben?

Während Mias Körper auf der Intensivstation im Koma liegt, wandert ihr Geist durch das Krankenhaus, beobachtet ihre Freunde und Verwandte und erinnert sich an entscheidende Erlebnisse ihres jungen Lebens, die dem Leser neben Mias zarter Persönlichkeit auch das innige Verhältnis zu ihren Eltern und ihrem Bruder vor Augen führen. In kurzen, aber intensiv erzählten Episoden erfährt man, wie sich Mias Liebe zu ihrem Cello und zur klassischen Musik entwickelte, wie sie ihren Freund Adam, umschwärmtes Mitglied einer aufsteigenden Punk-Band kennen lernt und wie zwischen den beiden eigentlich so unterschiedlichen Menschen dennoch eine gefestigte Beziehung entsteht.
All diese Anekdoten, die teilweise bis in Mias Kindheit zurückreichen und auch ihre beste Freundin mit einschließen, machen deutlich, wie stark das Band zu ihren Eltern war, wie unbekümmert sie aufgewachsen ist und wie anders ihr Leben nun sein könnte, obwohl es das doch gar nicht dürfte.

Dabei gelingt es der Autorin nicht nur, den Leser mit ihrer warmherzigen, offenen Schreibweise zu fesseln. Auch der Aufbau der Geschichte vermag zu überzeugen. Vergangenheit und Gegenwart greifen so geschmeidig ineinander, dass man nicht – wie so oft – das Gefühl hat, aus der Handlung herausgerissen zu werden, sondern immer tiefer in die Geschichte eintaucht und über die gesamte Erzählung hinweg immer wieder bittere Tränen vergießt.
Denn immer wenn die Entscheidung gefallen scheint, bringt eine Geste, ein Wort, ein Gedanke oder Geschehen sie wieder ins Wanken - völlig nachvollziehbar und ohne aufgesetzt oder konstruiert zu wirken, sodass bis zum Schluss doch relativ unklar ist, wie das Ende ausfallen wird.

FAZIT: Ein aufwühlendes, tieftrauriges, aber wunderschönes Buch, das zeigt, wie kostbar das Leben ist und wie schnell alles vorbei sein kann. Rührend, ohne rührselig zu sein und so glaubwürdig und mitfühlend erzählt, dass man fast schon um die Verstorbenen trauert, obwohl diese doch eigentlich nur erfunden sind.

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