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302 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

thriller, tiere, simon beckett, familie, mobbing

Tiere

Simon Beckett , Andree Hesse
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Rowohlt TB., 01.05.2013
ISBN 9783499250194
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

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Heute möchte ich ein Buch rezensieren, bei dem ich absolut hin und her gerissen zwar. Es fällt mir auch immer noch schwer ein endgültiges Urteil abzugeben - und als ich mir die Rezensionen auf Amazon ansah, stellte ich fest: puh, du bist wohl nicht die einzige, der es so geht. Die Bewertungen reichen von "absoluter Käse" bis zu "Werk des Jahrhunderts" (gefühlt). Also...Zeit für eine Rezension.


Tiere ist einer der Thriller, den Simon Beckett bereits in den 90er Jahren geschrieben hat, der aber erst in den 2000er-Jahren veröffentlicht wurde. Mit der Reihe um Hunter hat "Tiere" daher nichts gemeinsam - weder von der Handlung noch dem Schreibstil her. Bevor ihr dieses Buch kauft, müsst ihr euch darüber im Klaren sein, dass man hier einen ganz anderen Beckett kennenlernt.
Simon Beckett schreibt schon im Vorwort, dass "Tiere" sein bisher bösester Roman ist - und damit hat er ja soohhoo Recht. In jeder Hinsicht. Aber dazu kommen wir später noch. Wer sich die Freude nicht verderben lassen will, sollte vor dem Lesen vielleicht jetzt mit der Rezension aufhören - ich denke sonst wird schon zuviel vorweg genommen.

Erstmal lernen wir Nigel kennen. Nigel wohnt in einem Pub, den früher seine Eltern betrieben haben und der nun stillgelegt ist. Er arbeitet außerdem in einer Arbeitsagentur als eine Art "Mädchen für alles" (seine Hauptaufgabe ist Kopieren und Kaffee kochen) und hat dort zwei Kolleginnen - Karen und Cheryl, zumindest Karen nimmt ihn gerne auf den Arm. Nigel erscheint mir persönlich als geistig nicht so ganz auf der Höhe, also "ein wenig zurückgeblieben", wenn man es böse ausdrücken möchte. Das, was Nigel aber wirklich besonders macht, sind vermutlich seine "Mitbewohner", die er im Keller gefangen hält - wie Tiere. Soweit zum Status Quo der Geschichte.

Beckett erwähnt im Vorwort auch, dass er einen Charakter entwickeln wollte, der beim Leser sowohl Sympathie als auch Antipathie auslöst - das ist ihm auch absolut gelungen. Ich hätte Nigel gemocht, wären da nicht seine "Mitbewohner" gewesen. Nigel ist zwar natürlich etwas retardiert, allerdings auch recht goldig, wenn er beispielsweise Angst davor hat Nachts von einem Verrückten gefangen zu werden (was in Anbetracht seiner "Mitbewohner" auch nochmal einen ironischen Touch hat). Insgesamt wäre Nigel für sich genommen sicherlich nicht die unsympathische Figur für einen Thriller. Auf der anderen Seite quält Nigel, den man ansonsten nett finden könnte, Menschen und hält sie gegen ihren Willen gefangen. Trotzdem ging es mir so, dass ich Nigel nicht verabscheuen konnte da es so wirkte, als ob ihm überhaupt nicht klar ist, dass das was er macht falsch, völlig falsch sogar, ist. Es wirkte in Nigels Leben so normal - für ihn ist es eben richtig. Er tut nichts, was er selbst als böse empfindet. Beckett hat somit eine sehr spannende Figur entwickelt.

Was mir persönlich nun etwas fehlte war der "Drive" der Geschichte. Ich hatte die ganze Zeit über das Gefühl ich lese mehr oder weniger eine Art Momentaufnahme oder Milieusstudie, nicht aber einen "richtigen" Thriller. An Handlung passiert für mich nämlich nicht so wahnsinnig viel, die Handlung wir eben kaum voran getrieben. Wir beobachten vielmehr einen kurzen Augenblick in Nigels Leben. Ich muss nun aber - um dem Buch gerecht zu werden - sagen, dass ich das Buch trotzdem wahnsinnig gerne und auch schnell gelesen habe. Es war keine Schundliteratur, bei der man sich zum Weiterlesen regelrecht zwingen muss. Ganz und gar nicht. Es war ziemlich spannend Nigel und seine Lebenswelt kennenzulernen.
Allerdings ging es mir so, dass ich mich am Ende des Buches gefragt habe: "Ja und jetzt?". Ich habe mich minimal verarscht gefühlt, muss ich sagen :D. Ich hasse Enden dieser Art einfach, auch wenn das mit Sicherheit Geschmacksfrage ist. Ich hätte mir mehr Handlung, mehr Fortschritt und ein anderes Ende gewünscht - ich denke das ist auch der Punkt, der die Leser des Buches polarisiert. Für einen Thriller im eigentlichen Sinne halte ich dieses Buch NICHT. Momentaufnahme trifft es für mich eher.

Ich habe mich übrigens ein wenig vor mir selbst erschrocken, weil ich an manchen Stellen laut lachen musste obwohl es eigentlich keine besonders witzigen Szenen waren. Einige Dinge waren einfach so derartig makaber - da musste ich lachen. Glücklicherweise habe ich schon von anderen gehört, dass es ihnen auch so ergangen ist. Daher hoffe ich einfach mal, dass ich nicht psychopathisch oder sonst wie gestört bin. Ich glaube dieser Effekt war von Beckett aber auch gewollt.

Der Schreibstil entspricht der eines Grundschülers. Das mag jetzt erstmal negativ klingen - ist es in meinen Augen aber nicht. Es passt einfach zu Nigel, der ja auch hintendran mit der Entwicklung ist. Eine hoch gegriffene Sprache hätte absolut nicht zu diesem Buch gepasst und dem Buch viel Charme und Glaubhaftigkeit genommen.

Insgesamt ist Tiere kein uninteressantes Buch - aber eben auch kein Thriller. Daher vergebe ich moderate 3 Herzchen.

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36 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

biographie, autobiographie, schicksal, biografie, insolvenz

Mit dem Gesicht zur Sonne

Yvonne Holthaus
Fester Einband: 324 Seiten
Erschienen bei tredition, 15.05.2013
ISBN 9783849501648
Genre: Sachbücher

Rezension:

Auf Lovelybooks durfte ich bei einer ganz besonderen Lesereunde dabei sein. Es ging um die Biographie "Mit dem Gesicht zur Sonne" von Yvonne Holthausen. Zwar ist sie erst 38 Jahre alt, dennoch hat sie in ihrem Leben mehr erlebt als manch anderer mit 90 Jahren - daher lohnt sich diese Biographie wirklich, auch wenn es natürlich erstmal komisch anmutet in diesem Alter schon eine Biographie zu verfassen. Nun geht's los.


 Bei autobiographischen Büchern tue ich persönlich mich mit einer Wertung immer etwas schwerer - man will ja schließlich niemandem zu nahe treten. Ich finde es auch blöd bei autobiographischen Büchern über die Spannung der Geschichte zu urteilen, da es ja nun mal Geschichten sind, die "das Leben geschrieben hat". Bei "Mit dem Gesicht zur Sonne" tue ich es dennoch einfach mal ganz dreist :D. Es war nämlich hochgradig spannend und ich habe es keine Sekunde bereut, dieses Buch gelesen zu haben. Ich habe das Buch auch innerhalb von einem Wochenende verschlungen - das spricht ja schon für sich.


Erst einmal möchte ich zum Schreibstil sagen, dass ich ihn mehr als gelungen finde. Während man liest, hat man den Eindruck Yvonne Holthausen sitzt mit einem Kaffee gegenüber und erzählt ihre Lebensgeschichte. Manchmal vergisst man glatt, dass man immer noch ein Buch liest. Gleichzeitig ist die Sprache aber nicht zu umgangssprachlich sondern durchaus gewählt - ein gutes Gefühl für Sprache ist bei der Autorin also durchaus vorhanden. Diesen Stil fand ich für ein Buch, mit dem sie ihre private Geschichte erzählt, einfach perfekt gelungen.


Die Handlung des Buches hat mich oft traurig gemacht beziehungsweise bedrückt es mich einfach, was einem einzigen Menschen im Leben an unschönen Dingen widerfahren kann. Es ist ja schon krass, dass es manche Menschen so über Gebühr erwischt im Leben. Und doch hat mich das Buch insgesamt mit einem guten Gefühl zurückgelassen - neben menschlichen Abgründen kommen in diesem Buch nämlich auch großer Kampfgeist und Mut zutage. Und das Zitat "Kein Schicksal im Leben kann so schlimm sein, als dass man sich selbst und seine Träume aufgibt." ist durchaus treffend. Ich denke das ist die Quintessenz, die sich aus diesem Buch ziehen lässt. Es lohnt sich zu kämpfen - denn am Ende wartet meistens auch etwas Gutes. Trotzdem habe ich großen Respekt vor der Autorin und bin mir nicht so sicher, ob ich selber so hätte handeln können wie sie es konnte.


Ich bin froh, dass ich bei dieser Leserunde dabei sein durfte und kann das Buch nur jedem ans Herz legen - es lohnt sich wirklich :).

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44 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

anwalt, trauer, scheidung, gericht, kurzgeschichten;

Und konnten es einfach nicht fassen

Sabine Thomas.
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 13.09.2013
ISBN 9783550080371
Genre: Romane

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591 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

fantasy, liebe, hamburg, nachtmahr, scherbenmond

Scherbenmond

Bettina Belitz
Flexibler Einband: 688 Seiten
Erschienen bei script5, 18.03.2013
ISBN 9783839001516
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Schon vor einigen Wochen habe ich den zweiten Teil der Trilogie um Ellie und Colin ausgelesen - heute komme ich nun endlich zur Rezension, die ich natürlich unbedingt noch abfassen wollte. Mittlerweile bin ich schon fast fertig mit Dornenkuss - dem dritten Teil - und werde diesen Teil dann hoffentlich zeitnah auch noch rezensieren. Dann habe ich die Trilogie tatsächlich endlich beendet - juhu!


 Die Reise mit Ellie geht weiter -. diesmal in Hamburg. Der Anschluss an den ersten Band gelingt sehr gut und nahtlos. Bei mir lagen doch einige Wochen zwischen Band 1 und Band 2 aber ich kam trotzdem sofort und gut in die Geschichte hinein. Sofort fühlt man sich wieder "mittendrin" im Geschehen. Wir lernen in diesem Teil drei neue Personen kennen: Ellies Bruder Paul, die Journalistin Gianna und Francois - einen Freund von Paul. Ellies Vater hingegen bleibt verschwunden. Das ist auch der Grund, der sie zu Paul führt.

Ich war ganz glücklich darüber, dass auch Tillmann wieder mit von der Partie ist - er ist und bleibt doch einer meiner Lieblinge in der Splitterherz-Trilogie.


In diesem Buch "passiert" an Handlung (für mein Empfinden) deutlich weniger als im ersten Teil. Die Handlung treibt eher langsam voran und wirkt für mich manchmal schon fast zäh. Allerdings hat die Autorin einen Fokus auf die Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen untereinander gelegt - das ist schlicht und ergreifend eins: verdammt interessant. Daher ist es für mich in Ordnung, dass die tatsächliche Handlung dafür etwas langsamer vonstatten geht. Ich liebe Bücher, die sehr tief in die Charakterentwicklungen einsteigen. Man lernt von jedem der Protagonisten gefühlte 47329292 unterschiedliche Facetten kennen und das finde ich absolut genial. Man hat das Gefühl Ellie und die anderen so zu kennen, als würde es sie wirklich geben - irgendwann fühlt man sich extrem vertraut mit den Charakteren. Das gelingt doch eher wenigen Autoren - Bettina Belitz hat dafür aber definitiv ein großes Talent.


Wie ihr bestimmt schon herauslesen könnt, fand ich das Buch grundsätzlich sehr gut und spannend zu lesen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich die "äußeren Ereignisse" nur mäßig spannend und nicht unbedingt atemberaubend fand. Es war zwar keine Qual die Ereignisse zu verfolgen - das wäre übertrieben ausgedrückt - aber so spannend, dass die Luft wegbleibt, war es halt auch nicht. Vor allem unter dem großen Finale hätte ich mir dann doch irgendwie mehr vorgestellt. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass ich das Ende sehr sehr gut durchdacht und sehr clever fand. Ich denke die meisten Leser hätten einen anderen Ausgang erwartet - auch hier muss ich Bettina Belitz wieder großen Respekt zollen. Cleverness ist aber manchmal leider ungleich Spannung.


Was mich auch in diesem Buch irgendwie wieder störte war, dass sich die Mahre als Gefahr kaum ernst nehmen konnte - vermutlich resultiert mein Problem mit der Spannung auch daraus. Ich kann hier leider nicht allzu detailliert etwas sagen um nicht zu spoilern - aber wer das Buch gelesen hat, weiß ja wer der Böse in der Geschichte ist. Und ich konnte ihn wirklich, wirklich und beim allerbesten Willen nicht ernst nehmen. Ich fand ihn eher lustig. Ich finde, hier ist die Autorin mit ihrem Humor manchmal über das Ziel hinausgeschossen und hat der Geschichte einiges an Spannung genommen. Das finde ich sehr schade - ich hätte es besser gefunden, wenn die Mahre wirklich als Gefahr und nicht als Witz dargestellt werden.


Insgesamt legt Bettina Belitz auch in diesem Teil wieder sehr viel Humor an den Tag, was mir (abgesehen von den genannten Problemen mit den Mahren) auch wirklich gut gefällt. Ellies bissiger Humor ist einfach grandios und bringt mich, wie schon im ersten Teil, immer wieder zum Lachen. In dieser Hinsicht kann man das Buch nur lieben.


Ellie ist nach wie vor ein anstrengender, nicht aber ein unsympathischer, Charakter. Mit ihr erlebt auch der Leser emotionale Höhen und Tiefen. Manchmal will man sie knutschen - manchmal aber auch einfach nur schütteln. Mehr als einmal war ich geneigt meine Augen zu verdrehen. Alles in allem komme ich aber gut mit Ellie zurecht - ich habe aber schon von diversen Leuten gehört, die eine regelrechte Antipathie für Ellie entwickelt haben :D. Colin hingegen geht mir ziemlich auf die Nüsse mit seiner Geheimniskrämerei - auch wenn er es natürlich gut mit Ellie meint. Mich nervt an Colin aber einfach der Edward-Faktor. Die Liebesgeschichte ist halt wirklich ein Edward/Bella-Ding nur ohne Vampire. Daher ist mir auch Colin zu klischeehaft und ich bin deutlich genervt von ihm. Tillmann hingegen finde ich grandios - ohne Ellie in diesem Sinne zu lieben, setzt er sich nach Kräften für sie ein. Tillmann hat für mich den liebenswertesten Charakter in der Geschichte - ich mag seine solidarische, direkte und offene Art total gerne. Auch Gianna hat sich in mein Herz gekämpft. Ich halte sie zwar für einen Menschen, der zur absoluten Hysterie neigt - dennoch fand ich sie größtenteils super sympathisch und unterhaltsam. Übrigens: auch Lars fand ich irgendwie ganz witzig - ich sag bloß: Stürmchen. Vermutlich teilt diese Sicht nicht jeder, ich fand ihn aber irgendwie bombe :D.


Insgesamt schwächelt dieser Teil für mich manchmal im Bezug auf den Spannungsbogen - daher ziehe ich auch ein Herzchen ab. Wer aber Lust hat, Charaktere intensiv kennenzulernen ist mit dieser Trilogie definitiv sehr gut bedient.

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95 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

krimi, philosophie, thriller, mädchen, mord

Die Eistoten

Christian Buder
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 19.08.2013
ISBN 9783746629957
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Die Eistoten" habe ich im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen und hier kommt nun meine Meinung zu diesem Thriller, der übrigens perfekt in die Jahreszeit passt (na ja, fast, der Schnee fehlt halt noch). Ich glaube es gibt kaum etwas besseres als um diese Jahreszeit mit so einem (guten) Buch im gemütlichen Bett zu liegen. Aber jetzt geht's los...

Unsere Protagonistin Alice - ein 11jähriges Mädchen - lebt irgendwo im nirgendwo (okay, der Ort heißt Hintereck) im Allgäu. Hintereck ist ein fiktiver Ort - allerdings werden Sonthofen und Hindelang als größere Orte in der Umgebung genannt. In Hintereck leben nur wenige Menschen und jeder kennt jeden (so, wie es am Kaff eben ist). Alice ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Mädchen. Nicht nur, dass ihre Mutter vor vier Jahren unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen ist, nein - Alice hält öfters mal einen Plausch mit dem verstorbenen Philosophen Wittgenstein. Auch Aristoteles ist ihr schon über den Weg gelaufen. Alice glaubt nicht daran, dass der Tod ihrer Mutter ein Unfall war. Als sie und ihr Freund Tom dann eine Mädchenleiche finden, nimmt sie die Ermittlungen auf.

Grundsätzlich hat mich das Buch echt gepackt. Ich habe es an einem Wochenende gelesen - das spricht ja quasi für sich. Das Buch ist ein klassischer Page-Turner. Man will immer wissen wie es weitergeht (und wer nun eigentlich der Irre ist). Solche Bücher lassen mein Herz ja grundsätzlich höher schlagen.

Was mir, unter anderem, extrem gut gefallen hat, war die Atmosphäre, die das Buch erzeugt hat. Ich kann gar nicht genau benennen was am Schreibstil so besonders war - aber er war besonders ;). Ich kann mir dieses kleine Dorf voller Ignoranten, die ihre Augen nicht aufmachen wollen, richtig gut vorstellen. Und Alice als intelligentes und sensibles Mädchen mittendrin. Ich fürchte, dass es sowas auch wirklich in der Realität geben könnte. Der Winter und Weihnachten waren in dem Buch so gut beschrieben, dass ich mich glatt zwei Monate in der Zukunft gefühlt habe und es mir sogar genehmigt habe, jetzt schon ein paar Lebkuchen zu naschen. Ich muss euch aber warnen: die Weihnachtsstimmung ist in dem Buch eher düster, man merkt von Anfang an: "etwas stimmt nicht". Éin fröhliches Weihnachtsmärchen ist es also nicht.

Ich konnte Alice als Hauptperson unglaublich gut leiden. Wenn ich irgendwann mal ein Kind haben sollte, soll es bitte ganz genau so sein. Alice hat etwas im Kopf, Alice nimmt Dinge wahr, die andere nicht wahrnehmen können oder wollen. Und vor allem gibt Alice nie auf. Selbst als ihr Vater sie für verrückt erklärt und einweisen lassen will, hält Alice an ihrer Meinung bezüglich dem Tod der Mutter fest. Noch dazu finde ich sie für ihre 11 Jahre wahnsinnig mutig - ich glaube an der Stelle mit der Leiter vor dem Fenster wäre ich als kleines Mädchen heulend zu meinem Vater gelaufen. Ich denke, dass Alice durch den Tod ihrer Mutter auch etwas "frühreifer" und erwachsener ist als andere Kinder. Zumal sie ja nie an einen Unfall geglaubt hat. Daher finde ich ihr eher ernstes und wenig kindliches Verhalten auch logisch und glaubwürdig.

In der Hinsicht auf die kindlichen Charakterzüge unterscheidet Alice sich ja auch grundlegend von Tom. Ich bin der Meinung, dass er sich zu Anfang auf Alices "Ermittlungen" eingelassen hat, weil es für ihn ein Spiel und Abenteuer war - er hätte in seinem kindlichen Denken einfach nicht damit gerechnet, dass es wirklich ernst werden kann. Ansonsten fand ich Tom sehr "süß" in seinen Versuchen Alice zu unterstützen.

Was für mich ein kleiner Minuspunkt bei "Die Eistoten" war: ich fand den Teil mit Wittgenstein, dem toten Philosophen, und auch dem Clown irgendwie völlig überflüssig. Er hat für mich nur wenig in die Geschichte gepasst. Ich weiß nicht ob ich es vielleicht auch einfach nur nicht überrissen oder in den falschen Hals gekriegt habe...aber für mich wirkte dieser Part sehr hingeklatscht und "hauptsache in der Geschichte". Ich hätte mir doch noch eine tiefergehende Aufklärung, vor allem bezüglich des Clowns, gewünscht. Dieser war für mich noch um einiges sinnloser als Wittgenstein. Bei den Auftritten von Wittgenstein waren die Gespräche dann doch durchaus interessant und haben dem Buch noch mal eine ganz andere Note verliehen. Ich mag es nur nicht so gerne, wenn Bücher so zusammengestöpselt wirken. Das Buch hätte, in meinen Augen, als Thriller auch hervorragend ohne diesen Firlefanz funktioniert. Vielleicht ist das aber auch Geschmackssache...wenigstens ist das Buch dann doch weniger in den Fantasy-Bereich abgedriftet, als man es vom Klappentext her vielleicht vermuten könnte. Ihr müsst also gar keine Befürchtungen haben...das Genre "Thriller" trägt das Buch am Ende dann schon berechtigterweise.

Richtig toll fand ich hingegen wieder das Ende. Damit hätte ich so nicht gerechnet, auch wenn meine Spekulationen schon in die richtige Richtung gingen. Dennoch hatte ich nie daran gedacht, dass es so gewesen sein könnte. Dafür gibt es einen großen Daumen hoch - ich hasse es nämlich wenn wirklich der der Mörder ist, den ich im Verdacht hatte und auch sonst alles so war, wie ich es vermutet habe. Das war hier nicht so - das Ende gibt darüber hinaus doch Stoff noch zum Nachdenken.

Eine klitzekleine Sache habe ich am Ende nicht so ganz geschnallt - die kann ich hier aber nicht erwähnen, sonst würde ich zuviel verraten :D.

Insgesamt ein toller Thriller, der sich zu lesen lohnt. Laut dem Interview mit dem Autor am Ende des Buches, dürfen wir uns ja auch noch auf mehr Abenteuer mit Alice freuen. Ich bin gespannt und werde Alices Entwicklung in jedem Fall verfolgen.

 

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

sexueller missbrauch, missbrauch, tabletten, dunkle wel, freund

Die Goldatmerin

Susanne Markgraf
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Verlagshaus el Gato, 15.07.2013
ISBN 9783943596380
Genre: Fantasy

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

politik, politiker, demokratie, gesellschaft, engagement

Republik der Sündenböcke

Torsten Schubert
Flexibler Einband: 207 Seiten
Erschienen bei Driediger, E, 12.08.2013
ISBN 9783932130304
Genre: Sachbücher

Rezension:

Am Sonntag ist es soweit - Deutschland wählt. Ich bin schon sehr gespannt auf das Ergebnis und hatte kurz vor den Wahlen noch die Möglichkeit an einer Leserunde bei Lovelybooks mit politischem Bezug teilzunehmen. Auch wenn ihr es vor den Wahlen wohl nicht mehr schaffen werden, ist das Buch ja vielleicht trotzdem etwas für euch. Los geht's.


Wir begeben uns mit dem Autor, Torsten Schubert, auf eine kleine Reise durch Deutschland. Für sein Buch hat er sich mit den verschiedensten Menschen unterhalten, die in irgendeiner Form mit Politik zu tun haben - vom Abiturienten bis zum Abgeordneten. Schon die Auswahl seiner Gesprächspartner erweist sich als äußerst interessant. Ich fand es sehr positiv, dass Herr Schubert mit einer buntgemischten Kundschaft über Politik und Politikverdrossenheit gesprochen hat - und sich keinesfalls auf Berufspolitiker beschränkt hat.

Zu Wort kamen beispielsweise auch, die bereits benannten, Abiturienten, die gerade die Politik für sich entdeckt haben und einer Partei beigetreten sind. Heutzutage ja nicht unbedingt selbstverständlich für junge Leute - umso interessanter das Gespräch. Außerdem zum Zug kam ein Mitarbeiter der Bahnhofsmission einer großen Stadt - für mich, als alter Pädagoge, natürlich einer der spannendsten Gesprächspartner - sicherlich aber auch für andere sehr interessant. Es gab noch viele weitere, spannende Menschen, die in diesem Buch ihren Auftritt hatten - aber das findet ihr am besten selbst heraus indem ihr euch das Buch zu Gemüte führt. Nach der Wahl ist schließlich vor der Wahl.


Die Auswahl der Gesprächspartner hat mir auch deswegen gut gefallen, weil viele "kleine" Leute zu Wort kamen, keinesfalls nur die "großen" Politiker. Es sind Menschen wie du und ich mit denen der Autor über das Thema Politikverdrossenheit gesprochen hat. Es ist sehr erfrischend wenn aus "Politikern" im Rahmen eines solchen Buches "ganz normale Menschen" werden.


Ich persönlich habe um ehrlich zu sein nicht direkt neues Wissen gezogen - allerdings war es doch sehr interessant sich die verschiedenen Meinungen durchzulesen. Ich denke das Buch dient weniger der direkten Wissensvermittlung sondern vielmehr einer Art "politischen Bestandsaufnahme" - das ist für mich aber auch völlig in Ordnung, schließlich handelt es sich nicht um ein Schulbuch. Man sollte es nur wissen bevor man es kauft, damit man nicht mit der falschen Erwartung an das Buch herangeht. Um alles nachvollziehen zu können, was die Leute in diesem Buch so erzählen, sollte man schon grobes Grundwissen über Politik mitbringen. Man sollte beispielsweise zumindest grob über die unterschiedlichen großen Parteien bescheid wissen. Ein absoluter Politik-Crack muss man in meinen Augen aber nicht sein um das Buch zu verstehen (bin ich selbst ja auch nicht :D).


Wichtig zu sagen ist noch, dass die Sprache sehr locker und leicht zu lesen ist. Man muss also keine Angst vor komplizierten Abhandlungen in Beamten-Deutsch haben. So ist "Republik der Sündenböcke" nicht gestaltet. Sowohl der Fließtext als auch die Aussagen der verschiedenen Menschen sind so herunter gebrochen und aufgedröselt, dass es wirklich jeder verstehen kann. Wie schon gesagt: man muss nicht Politik studieren um das Buch nachvollziehen zu können. Es ist ja auch kein Fachbuch in dem Sinne sondern ein Buch für das breitere Publikum. Das gefällt mir gut - ich zumindest empfinde es ja auch als Intention des Buches auch diejenigen zu erreichen, die sich wenig bis gar nicht für Politik interessieren.


Insgesamt ist es ein gut gelungenes Buch um ein Bild über die breit gestreuten Meinungen zum Thema "Ist Deutschland unpolitisch?". Mein abschließendes Fazit: Jedes Land hat die Politiker, die es verdient.


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98 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

iran, liebe, familie, sehnsucht, revolution im iran

Ein Teelöffel Land und Meer

Dina Nayeri , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 09.07.2013
ISBN 9783866480131
Genre: Romane

Rezension:

Ich als quasi "Halbinder" liebe ja fremde Kulturen, die sich ganz grundlegend von der deutschen Kultur unterscheiden. Deswegen habe ich mich auch sehr gefreut, dass ich bei der Leserunde zu "Ein Teelöffel Land und Meer" von Lovelybooks mitlesen durfte. Heute kommt nun (endlich hust) meine werte Meinung zu dem Buch...auf los geht's los.

Frau Nayerei entführt uns in diesem wunderbaren Roman in eine andere Welt - nämlich in den Iran. Die Geschichte beginnt kurz nach der Revolution und wir begleiten die Protagonistin Saba dann bis in das Erwachsenenalter hinein - alleine das verleiht dem Buch einen besonderen Touch. Ich liebe Bücher, die nicht nur eine Art Momentaufnahme sondern quasi ein Lebenslauf sind. Dazu gehört "Ein Teelöffel Land und Meer" ganz eindeutig.

Mir gefällt das Buch nicht nur auf Grund seiner Charaktere sondern auch auf Grund des durchdachten Aufbaus. Ein charakteristisches Merkmal von "Ein Teelöffel Land und Meer" sind die "Geschichten in der Geschichte". Den ganzen Roman über erzählt Saba immer wieder Geschichten, in denen sie sich das Leben ihrer verschwundenen Schwester Mahtab vorstellt. Auf mich wirkte es so, als ob Saba in diesen "Geschichten in der Geschichte" all ihre eigenen Wünsche und Träume umsetzt - ich denke diese Geschichten zeigen uns, wie Saba selbst unheimlich gerne leben würde. Gleichzeitig nimmt man durch Sabas Geschichten aber (meiner bescheidenen Meinung nach) auch wahr, wie verzerrt das Bild vom westlichen Leben in Ländern wie dem Iran ist. Saba glaubt, dass das Leben in Amerika perfekt und frei von ernstzunehmenden Problemen ist. Das ist ja schon irgendwie auch eine Wunschvorstellung.

Das Buch wirft den Leser hin und her. Mal glaubt man, Mahtab und die Mutter der Zwillinge lebt wirklich noch irgendwo. An anderen Stellen denkt man die beiden sind tot, so wie es im Dorf erzählt wird. Ich weiß nicht wie es anderen Lesern ging, aber ich war bis zum Ende niemals ganz schlüssig oder gar sicher was wirklich mit Mahtab und der Mutter geschehen ist. Was geschehen ist, verrate ich hier natürlich nicht - ich will ja keinem die Spannung vorwegnehmen.

Mir hat es gut gefallen durch dieses Buch in eine ganz andere Kultur schnuppern zu können. Natürlich ersetzt es keinesfalls eine eigene Reise in den Iran aber ich zumindest konnte doch einige Dinge über die iranische Kultur dazulernen und habe mich sogar über das Buch hinausgehend genauer über einige angesprochene Themen informiert (z.B. die Revolution an sich). Ich find es sehr beeindruckend, spannend und manchmal auch deprimierend in diesem Buch das Heranwachsen in einem Land wie dem Iran "mitzuerleben". Es hat mich traurig gemacht wie sehr Saba durch die Gesellschaft eingeengt wird bzw. sich einengen lässt und gegen ihre eigentliche Überzeugung handeln muss - da kann man schon sehr glücklich sein, in einem freien Land aufgewachsen zu sein. Die Lektüre von dem Buch lohnte sich für mich schon alleine dafür - die Geschichte um Mahtab fand ich insgesamt "nicht mal so wichtig" (auch wenn das irgendwie blöd ausgedrückt ist). In dem Buch geht es im Endeffekt auch um Themen, die jeden Teenager auf der Welt betreffen. Freundschaft, Liebe, Vernunft, Erwachsenwerden.

Saba als Protagonistin war sehr angenehm in ihrem Wesen - ich mochte sie gerne. Saba hat, in meinen Augen, ein ruhiges, kluges und nachdenkliches Wesen, kann in entsprechenden Momenten aber auch mal "aufdrehen". Solche Charaktere gefallen mir ja total gut (möglicherweise weil ich selbst so bin :D). Weder ist sie todeslangweilig-fad, noch nervig-überdreht. Eine gelungene Mischung.

Ich gestehe, dass ich mit Reza nicht warm geworden bin. Ich konnte ihn einfach nicht leiden. Tut mir leid, Herr Reza. Lediglich bei der Hinrichtugsszene wurde er mir etwas sympathischer, da er versucht hat Ponneh und Saba zu schützen. Da war er dann doch mal zu etwas zu gebrauchen.

Sabas beste Freundin Ponneh gefiel mir eigentlich ganz gut, auch wenn ich sie weniger toll fand als Saba. Ich mochte ihre Entwicklung von einem relativ staatstreuen Mädchen hin zum Revoluzzer. Allerdings fand ich sie manchmal ziemlich unvernünftig, was mich dann wieder rum ein wenig genervt hat.

Toll fand ich auch den Part der Khanom Basir. Nicht unbedingt im Sinne von "charakterlich toll" aber ich fand es gut, auch mal Einblick in die Denkweise einer sehr, sehr traditionellen Iranerin zu bekommen. Ich denke es hilft zu verstehen, warum einige Dinge laufen wie sie laufen. Außerdem steht Khanom Basir natürlich in einem krassen Gegensatz zu Saba und Ponneh, was dem Buch zusätzliche Würze verleiht.

Erwähnt werden sollte vielleicht noch, dass man sich an den Schreibstil erstmal gewöhnen muss. Ich habe einige Zeit gebraucht um in einen guten Lesefluss zu kommen. Das ist aber nicht einmal negativ auszulegen - die Sprache ist nämlich wunderschön und facettenreich gewählt. Sie ist vom Niveau her einfach nur höher als die Sprache, die man aus der Unterhaltungsliteratur so kennt. Das kann, meiner Meinung nach, aber niemals ein Kritikpunkt an einem Buch sein. Ist man einmal im Schreibstil "angekommen", liest sich die Geschichte auch recht flüssig.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen - vor allem für diejenien, die sich für das Leben in einer Kultur mit anderen Werten und Normen interessieren.

 

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101 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 7 Rezensionen

elektrizität, usa, lincoln rhyme, new york, thriller

Opferlämmer

Jeffery Deaver , Thomas Haufschild
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.08.2012
ISBN 9783442374687
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach einer (zugegebenermaßen seeeehr langen) berufsbedingten Pause (ich habe eine Zulassung für Psychologie als Doppelbachelor yipieyeah und ein paar Wochen in einer Inobhutnahmestelle hospitiert) habe ich jetzt endlich wieder Zeit zum LESEN und REZENSIEREN gefunden. Heute geht es daher mal wieder weiter und zwar mit "Opferlämmer" von Jeffery Deaver.


New York wird von einem Attentat erschüttert. Ein Unbekannter manipuliert das Stromnetzwerk der Mega-City und sorgt für eine Stromentladung in einem Kraftwerk im Zentrum von NYC. Ein Mensch kommt bei der Entladung zu Tode - viele weitere werden verletzt. Doch das war noch lange nicht alles. Immer schneller schlägt der Täter zu und immer mehr Opfer sind zu beklagen. Stets nutzt der Killer eine allgegenwärtige Waffe: Strom. Schnell haben die Ermittler Rhyme und Sachs einen Verdacht - Ökoterrorismus erscheint ihnen plausibel. Kurz darauf ermitteln sie auch einen Verdächtigen - es handelt es sich um einen Angestellten des Stromversorgers, der infolge seiner Tätigkeit an Leukämie erkrankt ist und nun offenbar Rache geschworen hat...


Jefferey Deaver gehört nach seinem (meiner bescheidenen Meinung nach) Meisterwerk "Die Tränen des Teufels" zu meinen absoluten Lieblings-Thrillerautoren. Ich lese nicht gerade viele Thriller aber seine lese ich normalerweise immer gerne - ehrlich gesagt verschlinge ich sie regelrecht. Umso trauriger, dass ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich von diesem Buch unglaublich enttäuscht war. Die Gründe dafür sind vielfältig und vielleicht hat es auch "einfach nicht so zu mir gepasst".


Das Buch hat zwar über 500 Seiten aber es passiert irgendwie kaum etwas. Was ich normalerweise an Deaver-Büchern sehr mag ist, dass man kaum dazu kommt einmal Luft zu holen während dem Umblättern. Die Geschichten rasen voran, packen den Leser und man kann keine Sekunde mehr aufhören zu lesen. Hier war das leider gar nicht der Fall. Gut, ab und zu passiert mal ein mehr oder weniger großer Anschlag durch den irren Killer aber das war's dann auch. Ich fand weder die Anschläge an sich spannend dargestellt noch die Ermittlungssequenzen dazwischen. Ich habe mir wirklich über 500 Seiten hinweg einen abgegähnt. Es war todeslangweilig. Es würde mich wirklich interessieren ob es anderen auch so ging - aber ich konnte mit der Story an sich überhaupt nichts anfangen und finde, man hätte aus der Grundidee (Elektrizität als Waffe) soviel mehr herausholen können. Man hätte viel mehr spannungsgeladene Effekte erzeugen können und auch noch viel tiefer und intensiver auf die politische Ebene der Thematik eingehen können. Für mich kam die Geschichte unheimlich platt daher.


Dazu kommt, dass ich die Charaktere sowas von öde und flach fand. Ich mag es allgemein ja eher nicht so wenn Drölfmilliarden Charaktere in eine Geschichte eingeführt werden aber keiner davon so richtig. Deaver hat es in diesem Thriller aber auf die Spitze getrieben. Alle naselang schneien neue Ermittler, Opfer, Täter, wasauchimmer in die Geschichte hinein und man denkt sich dauernd: "Häää? Wer war das jetzt schon wieder? Und was hat er nochmal mit der Geschichte zu tun?". Intensivere Bekanntschaft macht man leider mit keinem der Charaktere und das obwohl doch gerade auch die Beziehung von Rhyme und Sachs oder Rhyme und dem Uhrmacher soviel mehr Potential bietet. Ich kann daher auch gar nicht viel zu den einzelnen Charakteren schreiben, da keiner von ihnen für mich die Bezeichnung "Charakter" verdient hat. Die Protagonisten waren eher schierer Mittel zum Zweck um die Handlung voranzutreiben.

Ich persönlich habe "Der Uhrmacher" auch gelesen und kannte die Charaktere daher schon etwas besser und hatte so noch etwas mehr Freude an der Geschichte. Für denjenigen, der dieses Buch nicht gelesen hat, bleibt hingegen in meinen Augen alles sowas von flach und eindimensional - richtig scheußlich und das kannte ich so bisher von Deaver auch noch nicht.


Gegen Ende des Buches schwankte ich zwischen "Ich lach mich weg" und "Sag mal...willst du mich eigentlich verarschen?". Deaver steht zwar seit jeher für relativ komplizierte Handlungen mit vielen Twists - aber auch was das anbelangt ist der Gute bei "Opferlämmer" eindeutig über das Ziel hinausgeschossen. Wenn sich eine Geschichte zighundertmal dreht, fühle ich mich am Ende einfach nur verarscht. Außerdem war mir diese Geschichte viel zu gewollt konstruiert und die Naivität, die Rhyme bezüglich des Uhrmachers an den Tag gelegt hat, passt eigentlich so gar nicht zu ihm (wenn man bedenkt welche tricky moments er sonst so erkennt).


Ihr merkt meiner Rezension wahrscheinlich an, dass ich absolut - und zwar wirklich absolut - unzufrieden mit diesem Werk bin. Ich muss natürlich auch zugeben, dass ich schon viel von Deaver gelesen habe und meine Messlatte entsprechend hoch ist. Deaver hat schon mehr als einmal bewiesen, dass er definitiv schreiben kann - wer nur "Opferlämmer" gelesen hat, sollte dringend zu einem der zahlreichen anderen Werke greifen. Hier stellt Deaver sein Talent um einiges offensichtlicher unter Beweis.


"Opferlämmer" würde ich leider noch nicht einmal meinen Feinden zu Weihnachten schenken wollen.


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87 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 28 Rezensionen

mongolei, reise, china, russland, baby

Mut für zwei

Julia Malchow
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei MALIK, 01.09.2013
ISBN 9783890294261
Genre: Biografien

Rezension:

Wir bleiben mal wieder interkulturell...heute geht es weiter mit einer Rezension zu "Mut für zwei" von Julia Malchow. Mich packt mal wieder das absolute Fernweh, wenn ich dieses Buch in den Händen halte - da würde man am liebsten wieder ins Flugzeug und weg. Wie schön, dass meine nächste Reise nach Shanghai schon bevorsteht :).


Dieses Buch wollte ich wahnsinnig gerne lesen, da ich ja selber total gerne reise. Spätestens seit Indien bin ich dem Backpacken total verfallen und kann es kaum erwarten bis es endlich zum Backpacken nach China geht. "Mut für zwei" fand ich besonders interessant, da die Autorin Julia Malchow nicht "einfach nur" aus Reisen gegangen sondern auch ihren kleinen Sohn mitgenommen hat. Backpacken - das machen viele, ist ja heutzutage kaum noch etwas besonderes. Backpacken mit Kind hingegen ist ungewöhnlich - ich jedenfalls habe in Indien allerhöchstens mal Pauschalurlauber in Goa mit ein, zwei Kinderlein getroffen. Das war's dann aber auch. Daher war ich ziemlich neugierig auf diesen Reisebericht.


Normalerweise lese ich keine derartigen Bücher - daher ist diese Rezension auch etwas jungfräulich und ich hoffe mal, der Aufbau der Rezension wird für euch trotzdem einigermaßen übersichtlich.


Ich fand es total spannend den Reisebericht zu lesen - schon alleine weil ich (leider) noch nie über Moskau und St. Petersburg hinaus geschafft habe. Natürlich kann ein Buch keine eigene Reiseerfahrung ersetzen - aber dennoch schnuppert man ja ein wenig "russische" Luft. Besonders toll fand ich auch die Fotos im Buch - ich finde es ja schon spannend, wenn die Dinge die man gelesen hat auch ein "echtes" Gesicht bekommen. Ist manchmal ganz witzig wie weit die Realität dann doch von der eigenen Fantasie entfernt ist. Ich habe die Bilder auch erst am Ende angesehen - würde ich euch auch empfehlen :).


Von der Motivation der Reise her war ich auch angetan und ich fand es toll, dass die Autorin uns an ihrer Gedankenwelt teilhaben lässt, die ja doch teilweise auch recht privat ist. Ich finde es erfrischend zu sehen, dass es Menschen gibt, die sich weigern in der "ollen Tretmühle" zu laufen, ihr Leben reflektieren und versuchen ihr persönliches Glück zu finden, auch wenn es vielleicht nicht unbedingt gesellschaftskonform ist. Ich teile nicht unbedingt alle Gedanken der Autorin zu 100% - aber das muss man ja auch nicht, darum einem Menschen ein Lebensmodell aufzudrücken geht es der Autorin ja gerade nicht. Auch wenn ich selber teilweise andere Ansichten zum Leben habe, war es super spannend zu lesen wie eine andere Person dazu denkt. Alleine dafür hat es sich, für mich, gelohnt dieses Buch zu lesen.


Ein klitzekleines bisschen schade fand ich, dass die Zeit in China vergleichsweise wenig Platz im Buch eingenommen hat - ich hätte irgendwie gerne noch mehr von Peking gelesen, auch wenn das Buch dann vielleicht ein paar Seiten mehr gehabt hätte. Das ist aber sicherlich auch persönliche Geschmackssache und wenn es nichts spannendes mehr zu erzählen gab, ist es ja auch okay. Es fiel mir eben nur auf, dass dieser Teil doch recht kurz geraten ist. Ein wirklicher Punkteabzug ist es für mich dann aber doch nicht. Es kann ja nicht jeder Autor meinem persönlichen Wunschdenken genügen :D.


Zu den Charakteren lässt sich bei diesem Buch natürlich nicht soviel sagen, da es sich ja um reale Menschen handelt und ich es doch etwas anmaßend fände, deren Charakter hier anhand eines Buches zu beurteilen. Ich kann aber sagen, dass die Autorin in ihrer Reiselust und ihren Gedanken absolut sympathisch war (und das sage ich nicht nur weil mir das Buch zum rezensieren zur Verfügung gestellt wurde :D). Mir hat es Spaß gemacht die Autorin durch das Buch auf ihrer Reise zu begleiten und ich fand den Humor, den sie im Buch immer wieder eingebracht hat, sehr angenehm. Manchmal musste ich wirklich laut über einige Formulierungen lachen.


Vom Schreibstil her handelt es sich nicht um einen besonders anspruchsvollen Schreibstil, als niveaulos kann man ihn aber bei Leibe auch nicht bezeichnen. Es ist eben eine ganz normale Art von einer Reise zu erzählen - sehr angenehm und einfach zu lesen, man kommt recht schnell in den Lesefluss und so im Endeffekt auch zügig durch das Buch.


Insgesamt glaube ich, dass dieses Buch vielen Lesern als Inspiration und/oder Gedankenanstoß für das eigene Leben dienen kann. Vor allem die letzten Seiten und die Begegnung am Münchener Flughafen fand ich persönlich nochmal sehr, sehr schön zum Lesen und um eigene Ansichten/Handlungen neu zu überdenken. Nicht zuletzt macht es einfach wahnsinnige Lust auf's Reisen. Wie schon gesagt: am liebsten würde ich mich gerade ins Flugzeug setzen und irgendwo hinfliegen. Vielleicht traut sich durch "Mut für zwei" ja nun auch der ein oder andere mal die Sachen zu packen und in die Ferne zu ziehen, der sich bisher noch nicht getraut hat.


Übrigens hat die Autorin auch einen Blog (www.juliamalchow.de). Dort könnt ihr ihre neuesten Reiseabenteuer ein wenig verfolgen. Viel Spaß dabei :).


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serienkiller, kleinstadt. bestattungsinstitut, monster, dämonen, englisch

I am Not a Serial Killer

Dan Wells
Flexibler Einband: 281 Seiten
Erschienen bei Headline Publishing Group, 27.02.2009
ISBN 9780755348817
Genre: Fantasy

Rezension:

Am Wochenende war bombastisches Wetter - was liegt da näher als sich mit einem guten Buch an den See zu legen und die Seele baumeln zu lassen? Also hab auch ich mich aufgemacht. Meine Wahl fiel auf "Ich bin kein Serienkiller" - der Auftakt einer Trilogie von Dan Wells.


In diesem Buch treffen wir John. John ist ein 15jähriger Highschool-Schüler, der in diverser Hinsicht etwas anders ist als andere Jungs. Zunächst einmal ist er der Sohn einer Bestattungsunternehmerin - in dieser Funktion hilft er von klein auf bei der Präparierung von Leichen mit. Und noch etwas kennzeichnet John: sein Faible für Serienmörder. Nicht nur, dass sein Name John Wayne Cleaver ist (man ist dazu geneigt an John Wayne Gacy zu denken und übersetzt doch mal den Nachnamen...)...nein, er ist auch noch der Sohn von Sam. So ist John ein sehr eigenartiger Junge. Aber er ist nicht der einzige eigenartige Menschen in Clayton County. Ein brutaler Serienmörder zieht das Interesse der Bevölkerung und somit natürlich auch von John auf sich...

Mich hat das Buch von der ersten Seite an gepackt. Ich empfinde es zwar eher als "seichten Auftakt" zur restlichen Trilogie, das heißt aber nicht dass ich es nicht fesselnd fand. Ich habe es ja auch an einem einzigen Tag gelesen. Ich konnte einfach gar nicht mehr aufhören. Da ist natürlich einerseits John dessen Entwicklung ich unglaublich spannend finde. Im Endeffekt sagt uns Dan Wells damit (glaube ich jedenfalls): Mörder waren auch irgendwann mal normale Menschen wie du und ich. Ich habe noch nie ein vergleichbares Buch gelesen. Die meisten Bücher zeigen höchstens Sequenzen aus der Sicht des Mörders und erklären bei der Auflösung warum es so kam. Man ist aber selten "direkt" dabei und kann beobachten wie aus dem Menschen ein Mörder wird. Auf der anderen Seite steht natürlich auch die klassische Jagd nach dem Bösewicht, die den Leser in Atem hält. Nur das in diesem Buch die Grenze zwischen Gut und Böse schnell verschwimmt...

Das Buch enthält leichte Fantasy-Elemente, wobei ich das Wort Fantasy irgendwie als unangemessen empfinde. Es hüpfen keine Zwerge und Elfen durch die Geschichte ;). Es ist eher ein bisschen die Art von Fantasy, die auch bei Stephen King öfters anzutreffen ist. Ich denke wer Stephen King - Grusel mag ist mit diesem Buch ganz gut bedient. Auch allgemein musste ich immer ein wenig an den Stil von Stephen King denken - King schreibt ja auch oft darüber, was in kleinen beschaulichen Städtchen und hinter geschlossenen Türen so abgeht. Keinesfalls würde ich "Ich bin kein Serienkiller" als King-Abklatscht bezeichnen. Es hat schon seinen eigenen Stil, erinnert eben nur ein wenig an King.

Ich finde John als Charakter sowas von fesselnd - im Grunde ist er ja auch der einzige Charakter der Geschichte mit echtem Tiefgang. Daher muss er als Charakter natürlich auch vielfältig sein um den Leser bei der Stange zu halten. Und das ist er. Ich mag ihn als Menschen wahnsinnig gerne und finde ihn als eine Art "Forschungsgegenstand" interessant. Man merkt, dass Dan Wells sich intensiv mit Kriminalistik und Psychologie beschäftigt und die Geschichte nicht einfach stumpf runtergeschrieben hat. Die sanfte Entwicklung von John hin zu dem was er ist, ist unglaublich gut nachgezeichnet. Faszierend ist ja auch, dass John trotz allem ein Smypathieträger ist. Ich vermute zumindest, dass der Großteil der Leser John gerne mögen wird. Und das unterstreicht ja wieder die Aussage: Mörder sind Menschen, keine Aussätzigen.

Der Nachbar Mr. Crowley hat mir auch gefallen. Wir erfahren zwar kaum etwas über seinen Charakter aber gerade das macht es ja aus. Er ist so unscheinbar wie ein Nachbar nur sein kann. Wer von euch hat sich nach der Lektüre nicht die Frage gestellt, was die eigenen Nachbarn vielleicht verbergen?

Was mir insgesamt auch gut gefiel ist die Konstellation von Johns Familie - auch wenn man über die einzelnen Mitglieder (abgesehen von John) nur recht wenig erfährt. Es ist für mich eine Familie, die sich eigentlich lieben will aber es steht eben doch etwas dazwischen. Vielleicht hat die Mutter auch ein schlechtes Gewissen wegen Sam. Jedenfalls ist es eine spannende Familie...denn auch hier kann man keine klare zwischen "Mag ich/Mag ich nicht" ziehen. Wie bei John auch.

Zum Schreibstil kann ich eigentlich nichts besonderes anmerken. Der Stil war gekonnt und angenehm zu lesen - aber kein besonders eigener Stil oder so. Ich würde es eher als "Standard-Programm" bezeichnen. Das finde ich aber nicht so schlimm - gerade in diesem Buch hätte ein extravaganter Schreibstil für mich nicht so gut gepasst. Es geht ja gerade darum, dass ja eigentlich alles normal ist.Auf den ersten Blick.



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418 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 93 Rezensionen

liebe, jugendbuch, farben, sommer, synästhesie

Der Geschmack von Sommerregen

Julie Leuze
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei INK, 11.07.2013
ISBN 9783863960629
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich durfte an der Leserunde zu "Der Geschmack von Sommerregen" auf Lovelybooks teilnehmen - vorab: lieben Dank dafür! Ich habe mich sehr über das Buch gefreut.

Bevor es mit der eigentlich Rezension losgeht, muss ich gestehen wie toll ich das Cover finde. Es ziert jetzt aktuell mein Bücherregal :). Es ist ein klitzekleines bisschen kitschig aber nicht allzu schlimm. Ich liebe das Cover einfach :).




Sophie ist ein Landei aus dem Bilderbuch. Sie lebt in dem kleinen Örtchen Walding, nahe bei München aber leider nicht an das S-Bahnnetz angeschlossen und somit von der Großstadt abgeschottet. Eines Tages taucht Mattis in der verschlafenen Ortschaft auf und bringt das Leben von Sophie kräftig durcheinander...eigentlich könnte Sophie glücklich sein - wenn da nicht dieses Geheimnis um ihre Farben wäre...




So...ich bin mir bei diesem Buch recht unschlüssig. Ich habe es zwar im Grunde gerne gelesen - es war keine der Lektüren, die man gerne gegen die Wand klatschen würde - aber etwas total herausragendes war es für mich leider nicht.


Es geht erstmal mit der ganz, ganz typischen (und für mich persönlichen platten und ausgelutschten Lovestory los): Mattis (der natürlich sensationell heiß ist) erweckt das Interesse aller Dorfmädels. Obwohl er jede der Schönheiten haben könnte, entscheidet er sich (natürlich) für die mittelmäßig hübsche, ruhige und eher unbeliebte Sophie. Selbstverständlich ist Mattis anders als andere hübsche Jungs. Er steht nicht auf Partys, nicht auf die Schulschönheit Vivien, nicht auf Alkohol und ist auch sonst ziemlich intellektuell. Für mich ist diese Art von Liebesgeschichte grundsätzlich sowas von abgenudelt...ich habe es wirklich satt. Dazu kommt, dass ich diese hier etwas sehr kitschig fand. Kitschiger als Twilight, jawohl.




Der andere Teil der Geschichte - der, der sich um Farben dreht - hat mich schon eher interessiert, wenn auch nicht vom Hocker gehauen. Ich fand es sehr spannend zu entdecken was denn jetzt genau hinter Sophies Farben steckt und warum die Familie so ein Drama darum veranstaltet. Aber auch hier konnte mich die Geschichte leider nicht übertrieben vom Hocker hauen. Es war nett zu lesen, ja, aber ich war nicht atemlos vor Spannung und dachte mir bei der Auflösung nur: "Das hätte man ja wohl schon früher klären können". Irgendwie konnte ich das ganze Trara nicht unbedingt nachvollziehen.




Sophie gefiel mir als Charakter ganz gut. Ich fand sie mit ihren supersweet 16 ganz knuffig und bin mal wieder zu dem Schluss gekommen, dass ich auch gerne nochmal 16 wäre. Ich mochte, dass sie keine Mrs. Perfect war sondern in ihrem Leben schon Fehler gemacht hat, aus denen sie aber auch gelernt hat. Ihre grenzenlose Schwärmerei für Mattis fand ich auch sehr süß. Mit ihr als Protagonistin konnte man es in jedem Fall ganz gut aushalten. Einzig das RIESEN Tamtam um die Farben hat mich etwas genervt. Dieses "Mattis kennt mich ja eigentlich gar nicht...mimimi" - Getue fand ich restlos übertrieben.




Lena fand ich ebenfalls super. Ich habe Lena als jemanden empfunden, der gerne mal mit dem Kopf durch die Wand will, das Herz im Endeffekt aber doch am richtigen Fleck hat. Sie braucht zwar ab und zu ihre paar Minuten um sich wieder zu kriegen, aber gerade das ist in dem Alter ja auch ganz typisch. Ich musste sehr schmunzeln. Mit 16 waren sicherlich viele von uns ganz ähnlich wie Lena.




Mattis fand ich einfach mal wieder vieeeeel zu platt und einfältig, zu sehr im Klischee. Zur Zeit sind Typen, die ja ach so sensibel und feinfühlig sind, ja total im Trend. Leider wurde man auch in diesem Buch nicht vor diesem Kaliber verschont. Ich finde Charaktere wie Mattis einfach nur nervig und wünsche mir mal wieder mehr arschige Kerle in Büchern :P. Mattis hat eben alles was Frau sich so wünscht: Aussehen, Intelligenz, Herz. Einen Fehler konnte ich bei Mattis kaum finden und genau das nervt mich.




Der Schreibstil war dafür wieder überzeugend. Das Buch hat mich manchmal total zum Lachen gebracht (zum Beispiel als Sophie sich an ihrem Leberkäsestückchen verschluckt). Mir gefällt es ja eh immer gut, wenn der Schreibstil Anlass zum Schmunzeln bietet. Noch wichtiger finde ich das in Jugendbüchern. Die Kapitel sind meistens auch relativ kurz und knackig, man kommt recht schnell durch das Buch durch.


Grandios ist natürlich auch der Umgang mit Farben in diesem Buch. Ich fand es sehr spannend wie die Autorin Farben, Emotionen und Sprache in einem Buch vereint hat. Dafür gibt es einen dicken Daumen hoch. In Sachen Schreibstil hat mich die Autorin definitiv überzeugt. 




Alles in allem ist das Buch für mich leider nur sehr mittelmäßig. Die Geschichte war im groben doch sehr vorhersehbar  (wenn wir ehrlich sind, weiß man doch schon auf den ersten 50 Seiten wie es enden wird) und konnte bei mir wenig Spannung erzeugen. Die Farben waren zwar eine interessante, nicht aber fesselnde, Idee. Allerdings hat die Geschichte um die Farben die miese Lovestory zumindest ein bisschen wettgemacht.

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181 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 38 Rezensionen

mord, tübingen, nashville, thriller, liebe

Nashville oder Das Wolfsspiel

Antonia Michaelis , Kathrin Schüler
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 01.01.2013
ISBN 9783789142758
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich durfte bei der neuen Veröffentlich von Antonia Michaelis ja vorab mitlesen und wollte euch heute, pünktlich zur offiziellen Veröffentlichung, meine Gedanken zu dem Buch mitteilen. Ich habe mich sehr gefreut bei dieser Leserunde dabei sein zu dürfen und hoffe, ihr habt genau soviel Spaß mit der frischgedruckten Lektüre wie ich.


Svenja ist frischgebackene Studentin. Als solche will sie das, was die meisten Erstis wollen: raus von zu Hause! Svenja zieht daher in eine kleine, schäbige Studentenbude in Tübingen um ihr Traumstudium Medizin beginnen zu können. Schnell entdeckt sie ihren "Mitbewohner" - einen kleinen, vielleicht neunjährigen, stummen Jungen. Nach dem Aufdruck seines T-Shirts nennt sie den Jungen Nashville. Obwohl sie gerade einmal 18 Jahre alt ist, beschließt sie Nashville bei sich wohnen zu lassen und sich um ihn zu kümmern. Keiner scheint ihn zu vermissen.

Dann geschehen plötzlich grausame Morde an Obdachlosen in Tübingen und Svenja fragt sich, was Nashville - der regelmäßig nachts verschwindet und mit seltsamen Dingen zurückkommt - mit den Geschehnissen zu tun hat...


Ich bin bei diesem Buch total hin- und hergerissen. Ich muss sagen, dass mir das Lesen zu jeder Zeit Spaß gemacht hat und ich mich immer gefreut habe, wenn ich Zeit gefunden habe um weiterzulesen. Es war nie so, dass ich mich förmlich zwingen musste das Buch weiterzulesen. Auf der anderen Seite gab es aber viele Dinge, die mir aufgestoßen haben. Es ist ein bisschen seltsam weil es viele Dinge gab, die mich gestört haben und ich das Buch trotzdem sehr gerne gelesen habe (und auch definitiv empfehlen kann).


Was hat mich gestört?

Da ist erstmal diese Geschichte um Nashville. Svenja, ein 18jähriges Mädchen, findet einen wildfremden und offenbar zutiefst verstörten Jungen. Was tut sie? Nein, sie sucht keine Hilfe sondern behält den Jungen einfach so und das über lange Zeit. Das alleine finde ich schon etwas unglaubwürdig, könnte es aber noch hinnehmen. Dazu kommt im Laufe der Geschichte aber, dass sie allen möglichen Leuten (inklusive ihren Eltern) von dem Jungen erzählt - keiner dieser Leute meldet die Geschichte der Polizei oder macht die Geschichte auch nur zum Dorfklatsch. Das ist für mich ziemlich hanebüchen. Tübingen ist eine Kleinstadt. Stelle ich mir das Szenario um dieses Kind in der Realität vor, bin ich mir sicher dass innerhalb kürzester Zeit jeder von der Existenz des Jungen wüsste und genauso schnell stünden irgendwelche Behörden vor der Türe um den Jungen einzukassieren. Das fand ich grenzenlos unglaubwürdig. Noch absurder wird es natürlich in Anbetracht dessen, dass seltsame Dinge um Nashville herum geschehen und dennoch behält Svenja ihn. Fehler in der Logik gab es für mich auch noch andere...zum Beispiel wie zur Hölle Nashville stehenderweise in einem Küchenschrank auf dem Kopf stehen kann...das passt ja einfach von der Länge her nicht.


Was mich auch irgendwie gestört hat war das Ende. Ich möchte nicht allzu viel dazu sagen um euch die Freude am Lesen nicht zu nehmen. Mein Fall war es jedenfalls nicht - ich mag diese Art von Enden nicht und insgesamt war es mir auch zu unspektakulär. Ich hatte das Gefühl das Buch arbeitet die ganze Zeit auf den Höhepunkt hin und dann zischt der Höhepunkt mit einem kleinen Puff an mir vorbei. So wie das Finale von Harry Potter im Film. Ich war nicht sehr glücklich damit und hätte mir irgendwie mehr erhofft.


Was hat mir gefallen?

Grandios war auf jeden Fall der Schreibstil. Ich glaube, dass die Bücher von Antonia Michaelis Jugendbücher sein sollen - dafür finde ich die Sprache relativ gehoben aber noch absolut im grünen Bereich. Die Autorin kann, meiner Meinung nach, wirklich wahnsinnig gut mit Sprache umgehen und es ist eine Freude das Buch zu lesen. Sie trifft in den richtigen Momenten die richtige Worte, erzeugt die richtigen Bilder. Das gefiel mir wirklich gut. Teilweise wird ihr Schreibstil sogar ziemlich philosophisch - vor allem die Stellen mit dem Jungen zwischen den Zeilen gefielen mir in dieser Hinsicht immer wieder ausgesprochen gut. Dafür kann man nur 1000mal einen Daumen hoch geben :).


Antonia Michaelis überzeugt mich außerdem immer wieder in der Art und Weise Charaktere zu erschaffen. Das Buch hat recht viele, verschiedene Figuren und doch wirkt keine davon blass - das gelingt nicht unbedingt vielen Autoren so wie ihr. Ich fand die Figuren in diesem Buch wahnsinnig gut ausgearbeitet, spannend und vielschichtig. So wie ich es bei Lovelybooks wahrgenommen habe, war die Verwirrung wer wie wo drinsteckt recht hoch, auch wenn es eine Person gab, die recht weit oben auf der Liste der Verdächtigen landete. Insgesamt sind die Figuren mehr grau als schwarz-und-weiß und das gefällt mir gut - weil echte Menschen auch so sind.


Ich hatte auch meine wahre Freude an der Beschreibung des Studentenalltags - diese kleine Milieustudie gefiel mir gut und nun weiß ich auch, dass sich in Tübingen tatsächlich die Statue einer Vagina befindet. Man lernt nie aus.


Svenja war eine klasse Protagonistin. Ich mochte sie vom ersten Kapitel an gerne. Sie hat ihre Fehler aber das ist gut so. Von Zeit zu Zeit ging sie mir durch ihre naive und irgendwie kindliche Art auf die Nerven (wie sie z.B. von Familie, Amt, Soziales geredet hat...da dachte ich mir nur: "Um Gottes Willen). Das konnte ich ihr aber verzeihen und insgesamt kam ich gut mit ihr als Hauptperson aus. Sie ist nicht die klassische Medizin-Streberin aber auch nicht total neben der Spur, versucht eben alles irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Ihre Art alles hinkriegen zu wollen mochte ich.


Friedel und der komplette Rest der Studenten war mir oft suspekt im Sinne von: Haben sie etwas mit den Morden zu tun? Als Charaktere mochte ich sie aber grundsätzlich alle gerne. Jeder ein Spinner für sich, jeder hat seine eigenen Macken aber alle sind gleichzeitig auch so lustig, solidarisch und sympathisch. Komisch fand ich, dass sie zwischenzeitlich komplett verschwunden waren und sich auch nicht bei Svenja gemeldet haben als wäre es in der heutigen Zeit mit Facebook und Co. ein riesen Problem...aber na ja, gut.


Auch Nashville ist ein rundum gelungener Charakter. Man ist bei ihm hin- und hergerissen zwischen "mag ich" und "iiiirgendwie creepy". Es ist erstaunlich wie unterschiedlich die Gefühle sind, die die Autorin mit diesem Charakter erzeugt. Stellenweise habe ich mir gewünscht, Svenja möge ihn doch ENDLICH abgeben und an anderen Stellen wiederrum habe ich gehofft, dass sie es nicht tut.


Insgesamt haben sich alle Charaktere wirklich lebensecht angefühlt. So als würde die Autorin einfach über ein paar Kommilitonen schreiben, die am Nachbartisch in der Mensa sitzen könnten. Ich glaube die Entwicklung von Charakteren ist wirklich die Stärke der Autorin. Klischeehafte Figuren kamen hier überhaupt nicht vor und dafür bin ich doch sehr dankbar.


Auch was den Schreibstil anbelangt konnte mich Antonia Michaelis überzeugen. Man kann das Buch zwar total leicht lesen, trotzdem ist es an vielen Stellen fast schon poetisch. An anderen Stellen ist es wahnsinnig witzig. Dann wieder todestraurig. Die Autorin weiß wie man mit Sprache umgeht - das ist ein großer Pluspunkt von "Nashville".

Lediglich am Ende war ich sehr enttäuscht. Ich verstehe zwar, warum der Sprachstil sich verändert (wenn ihr es aufmerksam lest, werdet ihr es auch verstehen) allerdings verändert sich der Schreibstil in meinen Augen zu früh und das Ende wirkte für mich insgesamt total hingerotzt, runtergeschrieben und lieblos. Nicht nur inhaltlich, auch sprachlich.


Die Sache mit dem Ende ist wirklich schade. Mir hat es etwas die Lesefreude genommen - es ist ja schon ärgerlich wenn man sich durch zig-Seiten arbeitet und das Finale dann so mau ausfällt. Insgesamt gibt es daher von mir auch nur eine mittelmäßige Bewertung.


Vielen Dank nochmal an den Oetinger-Verlag für das Leseexemplar! Die Lektüre hat trotz allem großen Spaß gemacht.


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22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

krimi, lübeck, radfahrer, brüllbeton, bauunternehmer

Brüllbeton

Dieter Bührig
Flexibler Einband: 218 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 01.07.2013
ISBN 9783839214183
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auf Lovelybooks durfte ich an einer Leserunde zu dem Krimi "Brüllbeton" teilnehmen. Ich habe das Buch bereits am Wochenende ausgelesen und wollte ich meine Meinung dazu natürlich nicht vorenthalten. Wichtige Themen in dem Buch sind Doping und Musik - eine interessante Kombination, findet ihr nicht?

Bei Asphaltierungsarbeiten auf der Autobahn taucht eine Frauenleiche auf. Schnell wird klar: sie war ein menschlicher Drogenkurier, starb an einem gescheiterten Transport und wurde anschließend von den Drogenkurieren "ausgenommen" und im frischen Asphalt abgelegt. Für den Kriminalbeamten Kroll beginnt damit die Ermittlung. Er erhält bei diesem Unterfangen Unterstützung von seinen Kollegen bei der Polizei und der Schwester der toten Kurierin. Der Inhaber der Betonierungsfirma - "Beton Müller" macht sich durch sein nervöses Verhalten schnell verdächtig.
Die Drogenkurierin bleibt nicht die einzige Tote und so hat Kroll es schnell mit einem anderen Kaliber zu tun...

Mich hat dieses Buch vor allem wegen der Doping-Thematik interessiert. Ist ja nach wie vor ein großes Thema bei sportlichen Veranstaltungen aller Art. Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut hier mitlesen zu dürfen. Damit wären wir auch gleich bei einem Pluspunkt von "Brüllbeton": das Buch ist thematisch sehr gut recherchiert und man (beziehungsweise ich jedenfalls) gelangt durchaus zu neuen Erkenntnissen und Wissen über die Thematik. Allgemein hat der Autor bei den "Wissensgebieten" seine Hausaufgaben gemacht - so lernt man zum Beispiel auch, wie eine Straße asphaltiert wird und wie Musik produziert wird. Bücher mit ganz alltagspraktischem Wissen gefallen mir immer recht gut. Ich mag es, wenn ich mich nach der Lektüre eines Buches schlauer fühlen kann :D.

Ein, für mich, großes Manko in diesem Buch war die Darstellung der Polizeiarbeit. Die halte ich für alles andere als realitätsnah. Erstens ist dieses "Einzelgänger-Ermittlertum, eventuell noch mit 1,2 Handlangern" ja nicht mehr wirklich gängig und ich fand es auch sehr komisch, dass die Schwester der Verstorbenen SO eng in die Ermittlungen einbezogen wurde. Erstens glaube ich, dass sowas in der Realität niemals stattfinden würde (Ermittlung ist Aufgabe der Polizei, nicht der Angehörigen...Datenschutz...) und zweitens würde die Polizei Zivilbürger niemals in eine solche Gefahr bringen wie hier ja geschehen. Dieser Aspekt des Buches war für mich also wirklich nicht glaubwürdig, was ich gerade in einem Krimi schade finde. Ein gewisser Realitätsbezug ist mir bei diesem Genre schon wichtig.

Bis zum Schluss war sehr verwirrend wer nun für welche Tat zu verantworten ist - da wäre ich persönlich jetzt so nicht drauf gekommen und hatte etwas andere Vermutungen. Das spricht aber definitiv für das Buch - nichts ist schlimmer als nach der ersten Seite schon zu wissen, wer der Bösewicht ist. Ich muss aber gestehen, dass mich das Buch weniger gepackt hat als andere Bücher aus diesem Genre, so leid es mir tut. Ein Pageturner war es für mich eher nicht.

Kroll als Hauptfigur mochte ich ganz gerne. Er ist ein bisschen verschroben und schrullig aber auf seine Art dann doch ganz sympathisch - manchmal habe ich aber den Eindruck, "der verschrobene Ermittler" ist mittlerweile genauso ein Stereotyp wie "der Edward" in Vampirromanen. Aber gut...fand ich nicht schlimm, ich kam mit Kroll als Hauptfigur aus.

Ansonsten gab es viele andere Figuren - für meinen Geschmack für die doch eher geringe Seitenzahl vielleicht sogar zu viele. Das Verwirrspiel wird dadurch natürlich größer - die Charaktere bleiben dadurch aber notwendigerweise auch etwas flacher als sie es wären, hätte man sich auf weniger Charaktere beschränkt. Ich hätte z.B. Amelie gerne besser kennengelernt um sie besser zu verstehen. Mir blieb sie leider viel zu blass und das obwohl sie doch wichtig ist für die Handlung.

Sehr gut fand ich übrigens das Ende - die Idee, wichtige Ereignisse wie in einem Drama zu schreiben, gefällt mir wirklich richtig gut. Das habe ich so vorher noch in keinem Buch gesehen. Dadurch hatte ich das Gefühl noch viel näher am Geschehen zu sein als bei der üblichen Prosa-Schreibweise. Mir gefiel auch sehr gut, dass sich am Ende quasi der Kreis schließt ("Kann Musik töten?"). Da wird offensichtlich, dass die Handlungsstruktur gut durchdacht und geplant war. Das hat dem Buch dann zum Ende hin nochmal einen kleinen Kick gegeben.

Insgesamt war es ein ganz nettes Buch und wer eine kurzweilige Lektüre sucht, ist sicherlich richtig. Todesspannend und OH MY GOD - mäßig war es für mich leider aber nicht.

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988 Bibliotheken, 14 Leser, 2 Gruppen, 125 Rezensionen

mord, jugendbuch, tod, soul beach, strand

Soul Beach - Frostiges Paradies

Kate Harrison , Jessika Komina , Sandra Knuffinke
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Loewe, 17.06.2013
ISBN 9783785573860
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich hatte das riesige Glück bei Lovelybooks ein Exemplar von Soul Beach für eine Leserunde zu gewinnen - vielen Dank an dieser Stelle nochmal dafür! Ich habe mich sehr gefreut. Ich hatte das Buch schon länger auf meiner Wunschliste, habe es letztendlich aber nie gekauft. Umso mehr habe ich mich natürlich über meinen Gewinn gefreut und möchte das Buch heute mit euch rezensieren...auf los geht's los.


Alice' Leben gerät aus den Fugen als ihre ältere Schwester Meggie ermordet wird. Der Verdacht fällt schnell auf Meggies Freund Tim - Beweise gibt es keine. So bleibt der Mord an Meggie ungeklärt. Alice und ihre Familie leiden unter dem schweren Verlust. Vor allem Alice zieht sich vor ihren Freunden zurück. Meggie war nicht irgendwer - sie war "die Nachtigall". Sie wurde als Star einer Castingshow weltweit bekannt. Als sie stirbt nimmt die Welt Anteil an ihrem Tod. Dementsprechend pompös fällt Meggies Beerdigung aus.
Für Alice verändert sich am Tag von Meggies Beerdigung alles - denn: sie erhält eine mysteriöse E-Mail von ihrer verstorbenen Schwester. Meggie lädt schickt ihr eine Einladung zum Soul Beach...

Viel mehr möchte ich vom Inhalt gar nicht verraten - ich denke so ganz spoilerfrei wird diese Rezension leider sowieso nicht.
Ich habe dieses Buch innerhalb von 1,5 Tagen gelesen (oder besser gesagt verschlungen). Das spricht ja schon für sich. Die Geschichte ist sowas von fesselnd und spannend - man will unbedingt wissen wohin die Reise uns führt.

Da ist erst einmal die Frage: Wer hat Meggie umgebracht? Und warum? Immer wieder erhalten wir im Laufe der Lektüre Einblick in das Gedankenleben des Mörders ohne zu wissen wer er ist. Dieser Anteil erinnert ziemlich an einen Thriller und das ganze Buch über knabbert man an diesem Rätsel. Da es sich bei Soul Beach ja um eine Trilogie handelt war ich zum Schluss des Buches nicht sehr befriedigt :D. Allerdings habe ich einen klaren Verdacht, wer Meggie umgebracht hat und auch warum. Ich bin sehr gespannt ob ich damit Recht behalten werde - ich sage nur eines: ich wette, Lewis und Tim waren es nicht ;).

Dann beinhaltet Soul Beach natürlich eine fantastische Ebene indem es uns zum Soul Beach - eine Welt, die zumindest für Alice nur per Computer erreichbar ist - entführt. Ich finde die Idee, die hinter dem Soul Beach steht, wahnsinnig spannend. Im Endeffekt ist es eine Interpretation des Sterbens und eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Ich kann so gut verstehen, dass Triti auf Grund der Perfektion des Soul Beachs und wegen der Aussicht auf ein ewiges Leben in dieser durch und durch perfekten Welt unglücklich geworden ist - ich persönlich empfinde diese Vorstellung auch als absolut dystopisch. Wer will schon tagein tagaus in einer Welt leben, in der man sich um nichts sorgen muss, keine Probleme hat und einfach alles nur perfekt ist? Mir gefällt diese Auseinandersetzung damit, dass ein ewiges Paradies nicht wirklich ein Paradies ist.
Was mir am Ende der Lektüre allerdings nach wie vor ein wenig unklar war: ist das wirklich das einzige Problem mit dem Soul Beach? Und wer sind "sie", die versuchen die Bewohner von Soul Beach in Schach zu halten? WARUM die Kids am Soul Beach sind wurde für mich durch Tritis Geschichte absolut klar - es scheint eben ein Platz zwischen Leben und Tod zu sein. Was mich noch beschäftigt ist die Frage, wohin man geht wenn man den Soul Beach verlässt - ist man dann wirklich tot und wenn ja, wie sieht dieses Tot-Sein aus? Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Autorin diese Fragen auch in den nächsten zwei Bänden nicht beantwortet. Der "richtige" Tod bleibt vielleicht auch in Soul Beach ein Geheimnis, so wie im echten Leben eben auch.

Alice als Protagonistin mag ich sehr. Sie ist ein bisschen der Antiheld (na ja, nicht wirklich aber mir fiel kein gescheiteres Wort ein). Sie ist keine klischeehafte Heldin sondern hat Ecken und Kanten. Mir gefiel sie aber in ihrem Engagement für Triti - sie hat ihr genauso geholfen wie sie versucht ihrer Schwester zu helfen. Das gefiel mir gut an ihr. Ich fand ihre Art gegenüber ihrem Freund zwar ganz schön hart - glaube aber sie verstehen zu können. Sie hat ihn eben verlassen bevor sie von ihm verlassen wird. Eigenschutz. Die Geschichte mit Danny konnte ich nicht unbedingt 100% nachvollziehen (also warum sie sich ach sooooo unsterblich in ihn verliebt), finde die Geschichte an sich aber spannend und frage mich, ob sie am Ende vielleicht wirklich sterben wird um bei ihm zu sein. Denn irgendwann wird auch die Belohnung, die die beiden am Ende bekommen haben, vielleicht nicht mehr genug sein...

Auch Alice' Schwester Meggie mochte ich. Genau wie Alice hat sie Ecken und Kanten, auch wenn sie bei ihr eben woanders liegen. Ich glaube aber, dass ich Meggie mögen würde wenn sie ein realer Mensch wäre. Ich denke sie ist manchmal sehr harsch und fordernd, da sie es im Leben eben gewohnt war im Mittelpunkt zu stehen, ich glaube aber auch, dass sie Alice sehr liebt. Das erkennt man daran, dass sie Alice am Anfang vor Danny schützen möchte aber es am Ende um Alice' Willen zähneknirschend akzeptiert.

Danny war mal wieder der typischer Loverboy, den scheinbar jeder Roman braucht. Ich fand ihn weder sonderlich toll noch sonderlich spannend. Ja, er ist mal wieder hyperintelligent und totaaaal anders als die anderen - zu etwas besonderem macht ihn das aber absolut nicht denn nach diesem Schema funktioniert jeder Loverboy in einem Roman. Sie wollen sich mal wieder lieben, können es aber natürlich nicht richtig...wie tragisch (schniiiieeeeffff). Wie gesagt: an der Liebesgeschichte gefällt mir lediglich die Frage, wie weit Alice dafür gehen wird - und ich vermute, dass war auch die Intention dafür, diesen Teil in die Geschichte zu integrieren.

Vom Schreibstil her ist Soul Beach, typisch Jugendbuch, sehr leicht und flüssig zu lesen - die Kapitel sind sehr kurz, es ist also durchaus auch eine gute Einschlaflektüre :D (wenn es denn nicht so spannend wäre!). Teilweise kamen im Buch sehr schöne Vergleich und ein gekonnter Humor vor - gefiel mir gut.

Ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung denn am Ende der Lektüre sind leider kaum Fragen beantwortet :/. Es ist so wahnsinnig spannend, ein bisschen schade finde ich es schon, dass man nicht einmal die klitzekleinste Frage am Ende sicher beantworten kann. Ich habe viele Ideen aber ob es wirklich so ist, wird sich noch zeigen.

Insgesamt mag ich die Grundidee hinter dieser Geschichte total gerne und kann euch das Buch wirklich nur ans Herz legen - hier ist der Hype absolut berechtigt!

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1.033 Bibliotheken, 7 Leser, 4 Gruppen, 107 Rezensionen

fantasy, götter, liebe, jugendbuch, mythologie

Mythos Academy - Frostfluch

Jennifer Estep , Vanessa Lamatsch
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.08.2012
ISBN 9783492702485
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich habe mir nun den zweiten Teil der Gwen-Frost-Reihe zu Gemüte geführt und will euch meine Meinung natürlich nicht vorenthalten. Im Oktober erscheint ja schon der vierte Teil (wie viele gibt es eigentlich?) - bis dahin möchte ich die bereits erschienenen Teile auf jeden Fall gelesen haben. Jetzt hab ich ja schon 2/3 und bin somit auf einem sehr guten Weg. Lest diese Rezension am besten nur, wenn ihr den ersten Band schon gelesen habt. Auch ansonsten garantiere ich in dieser Rezension nicht für völlige Spoiler-Freiheit.


 In diesem Band begleiten wir Gwen und ihre Freunde zum berühmten Winterkarneval der Mythos Academy. Die Schüler verbringen ein Wochenende in Power - ein exklusives Winterparadies. Sie fahren Ski, feiern Partys, vertreiben sich die Zeit auf einem Jahrmarkt, haben Sex und genießen das Leben. Natürlich ist auch in Powder alles nur vom allerfeinsten. Nicht nur die Schüler von Mythos reisen zu diesem Event sondern auch die Schüler anderer Kriegerschulen - zum Beispiel aus New York. So kommen Jugendliche unterschiedlicher Schulen zusammen.

Schon vor der Abreise wird Gwen von einem ominösen Schnitter verfolgt, der ihr nach dem Leben zu trachten scheint - auch im Winterparadies entkommt sie ihm nicht. Wieder einmal gerät Gwen in Lebensgefahr und braucht ihre Freunde dringender als je zuvor um zu überleben.


Soweit, so gut. Mich hat dieser Band ehrlich gesagt ziemlich genervt. Schon im ersten Band wusste man ca. ab der Mitte des Buches worauf die Geschichte hinauslaufen wird - hier weiß man es noch früher, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist. Das Preston kein harmloser Schüler aus New York ist, der auf Gwen steht, wusste ich quasi schon mit seinem Erscheinen und im Laufe der nächsten Kapitel schnallt man ziemlich schnell wer er ist - ich halte mich jetzt nicht für so überaus intelligent um anzunehmen, dass nur ich es schon so früh geschnallt habe. Das verdirbt die Geschichte wirklich. Man weiß genau wer die Lawine schickt und mit ein bisschen Fantasie weiß man auch warum.

Die einzige Überraschung in diesem Buch bescherte Oliver - dafür bin ich ihm sehr denkbar, immerhin erlebte man durch Oliver dann doch nochmal einen kleinen Aha-Moment.

Die Handlungskulisse von diesem Band gefiel mir dafür ganz gut - es war eine erfrischende Abwechslung zur Mythos Academy. Ich fand auch das Zusammentreffen mit Schülern anderer Schulen spannend, hätte insgesamt aber gerne mehr über diese erfahren.


Gwen hat mich in diesem Band ziemlich genervt. Weil sie Prestons Intentionen nicht schnallt obwohl sie ja genau weiß, dass sie ein Zielobjekt für die Rache der Ashtons ist. Sie nervt mich auch weil sie Metis und Nickamedes nichts von den Bedrohungen gegen sie erzählt hat - das halte ich für total unglaubwürdig und ich konnte ihre Handlungsweise in dem Moment überhaupt nicht nachvollziehen. Wenn mich jemand so massiv bedroht halte ich es nicht für glaubwürdig, dass man sich keine Hilfe holt nur um nicht dieses Gyspsymädchen zu sein. Gwen sieht die Gefahren und rennt genau darauf zu (Stichwort: Baustelle). Sie ging mir wirklich auf die Nerven.


Logan bliebt über lange Zeit wieder der platte Charakter, der er schon im ersten Band war. Gut gefiel mir, dass man gegen Ende des Buches dann doch etwas näher an Logan als Figur herankommt und endlich mal etwas anderes als sein Sexualleben im Interesse der Handlung steht. Ich fand Logans Aktion mit Savannah zwar sehr pseudo-dramatisch - halte es aber nicht unbedingt für unrealistisch. Logan hat Potenzial und ich hoffe, dass im dritten Band noch mehr von seiner Geschichte folgt.


Oliver war mir in diesem Band mit Abstand am sympathischsten, gemeinsam mit Daphne. Diese beiden Charaktere mag ich wirklich gerne. Oliver ist so der typische Junge auf der Suche nach sich und im Kampf mit sich selbst - der Charakter hatte für mich am meisten Tiefe. Ich mochte seine Ehrlichkeit gegen Ende und seine Art mit Gwen umzugehen. Oliver gefällt mir als neuer Kumpel von Gwen sehr gut, fast besser als Logan. Ich wünsche mir für ihn, dass er im dritten Band ein bisschen Glück findet. Daphne finde ich auf ihre ganz eigene Art und Weise klasse. Sie ist ein "Mädchen-Mädchen" wie Gwen so schön feststellt aber trotzdem ein intelligentes Mädchen und eine gute Freundin - dieser Kontrast gefällt mir gut. Sie erfüllt eben gerade nicht die Klischees, die man mit einem Mädchen-Mädchen verbinden würde. Diese Mischung aus Tussi und "Kriegerin" ist klasse.


Der Schreibstil unterscheidet sich eigentlich nicht vom ersten Band - er ist recht klar strukturiert, schnell zu lesen. Die Ich-Erzählerin ist weiterhin bissig und humorvoll. Mir gefällt dieser Stil ja nach wie vor super.


Am Ende des Buches befinden sich Informationen über die Schule, Personen und andere Themen aus der Welt von Gwen. Ich fand die wirkten ziemlich hingeklatscht - die Autorin hätte sich da ein wenig mehr Mühe geben können.


Insgesamt ist Frostfluch nicht gerade mein Lieblingsteil aus dieser Reihe, sorry. Die Handlung war mir einfach viel zu offensichtlich.


www.a-bookish-kid.blogspot.de

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amoklauf, todesstrafe, basketball, schule, verlust

Und dann Totenstille

Robert Harnum , Günter Ohnemus
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 01.10.2004
ISBN 9783596805044
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Es ist schon einige Zeit her, dass ich dieses Buch gelesen habe und doch spuckt es mir immer wieder durch den Kopf - aus diesem Grund möchte ich es euch auch nicht vorenthalten und heute auf meinem Blog besprechen. Ich denke Amokläufe sind in Deutschland immer noch in vielen Köpfen fest verankert und die Medien reagieren darauf. Es gibt sicherlich mehr als ein Buch zu diesem Thema und doch fand ich nur dieses hier bisher wirklich besonders. Dazu muss man sagen, dass es in den USA spielt - das tut dem Buch aber keinen Abbruch.


Wie der Klappentext uns schon verrät gehört Philip wohl zu den Kids der Highschool, die eine weiße Kappe tragen. Philip ist beliebt und hat eigentlich alles was man als Teenager so haben möchte: Erfolg im Sport und der Schule, eine hübsche Freundin, viele Freunde, Beliebtheit. Trotzdem wird Philip eines Tages Amok laufen und mehrere Menschen töten. Am Ende erwartet ihn ein medienwirksamer Gerichtsprozess.


Das war eigentlich schon grob der Inhalt des Buches. Zu Beginn lernen wir unseren Protagonisten Philip kennen und haben ein wenig an seinem Leben teil - wir begleiten ihn beim Kiffen, beim Basketballspiel und bei Treffen mit seinen Freunden. Alles normal soweit. Allerdings wird schon im ersten Teil deutlich, dass Philips Welt für ihn belanglos und kalt erscheint. Durch einen blöden Zufall transportieren er und sein Kumpel eine Waffe in die Schule. Keiner der beiden Jungs ahnt, dass Philip diese Waffe gegen seine Mitschüler erheben wird. Im Anschluss an den Amoklauf kommt der Gerichtsprozess, den wir bis zum Urteil begleiten. Was mir an diesem Buch wahnsinnig gut gefällt: der eigentliche Amoklauf beansprucht nur eine einzige Seite im Buch. Es handelt sich also nicht um einen blutrünstigen Action-Roman, der den Voyeurismus und die Sensationsgeilheit der Menschen befriedigt. Vielmehr geht es um andere Themen, die zum Nachdenken anregen.

Auf der einen Seite empfinde ich dieses Buch als eine Auseinandersetzung mit der Waffenmentalität in den USA und zeigt auf wie schnell Waffenvernarrtheit einzelner Menschen großes Leid für viele Menschen verursachen kann. Es geht aber auch um familiäre Kälte, Abwesenheit, Ignoranz und Suche nach Sinn - ein Thema, das vermutlich viele Jugendliche (und auch Erwachsene) betrifft.

Auf der anderen Seite geht es im Anschluss an den Amoklauf um die Frage nach Schuld und Strafe. In den USA steht auf Philips Tat potentiell die Todesstrafe - sein Alter spielt dabei keine Rolle. Somit beginnt nach dem Amoklauf der Kampf um Philips Leben. Wie es ausgeht verrate ich hier natürlich nicht - ich jedenfalls war sehr berührt von diesem Teil der Geschichte. Ich bin absolut gegen die Todesstrafe und trotzdem finde ich die Frage nach Schuld, Verantwortung und Sühne wahnsinnig spannend.

Insgesamt handelt es sich um ein "cleveres Buch", nicht so sehr um einen Thriller oder sowas. Mir gefiel das sehr gut und ich empfand es als gute Abwechslung zu anderen Büchern, die ich zu diesem Thema schon gelesen habe. Die Kürze des Amoklaufs im Buch bedeutet für mich auch noch mehr als das es eben kein blutrünstiges Buch werden sollte. Ich denke der Autor versucht damit auch zu zeigen, wie schnell die Sache auch für Philip ablief und wie schnell soviel Leben für immer zerstört ist.


Die Hauptperson Philip war mir in Teilzügen sympathisch, in anderen Zügen aber auch definitiv nicht (und damit meine ich nicht die Tatsache, dass er eben Amok lief). Ganz unabhängig von der Sympathie war er aber ein wahnsinnig interessanter Charakter. Ich finde es gut, dass der Amokläufer in diesem Buch vom Klischee des "irren Außenseiters" abweicht. Philip ist auf seine Weise sicherlich auch ein Außenseiter, nach außen hin ist er aber definitiv kein Außenseiter sondern äußerst beliebt und von allen geschätzt. Das macht ihn und seine Tat für mich erst richtig interessant. Meiner Meinung nach bleibt Philip den ganzen Roman über ein kleines Mysterium für sich - ich habe Ideen warum er getan hat, was er getan hat, so ganz greifbar ist es für mich nicht. Allerdings fällt es wohl immer sehr schwer sowas zu verstehen. Ich vermute auch, dass jeder Leser ganz eigene Ideen zu Philip hat. In meinen Augen fehlt ihm jegliche Empathie und der Bezug zur Realität - das wird am Ende ganz deutlich. Ihm fehlt aber auch Glück - er ist eben nicht glücklich und zufrieden mit sich (dafür konnte ich ihn teilweise nicht so leiden denn im Grunde geht es Philip wesentlich besser als vielen anderen Kids).

Die Mutter konnte ich beim allerbesten Willen nicht mögen. Soviel emotionale Kälte wünscht man ja keinem - auch am Ende bliebt sie für mich ziemlich fadenscheinig und kalt. Vater und Onkel kamen ja nicht so oft vor. Der Onkel fällt natürlich absolut in die "Klischee-Kiste" aber ohne einen Waffennarr hätte die Geschichte ja auch nicht funktioniert. Wie verantwortungslos ich seine Attitüde finde muss ja nicht erwähnt werden.

Die Figur, die mir in menschlicher Hinsicht am besten gefallen hat, war aber Melissas Vater - auch wenn er eigentlich nur eine Randfigur war. Er war mein persönlicher Held in dieser Geschichte.


Den Schreibstil empfand ich jetzt nicht als etwas besonderes aber er lies sich gut lesen - für ein Jugendbuch absolut in Ordnung. Als der Amoklauf an sich begann war ich ein bisschen verwirrt, da er ja auch nur so kurz dauerte und ich rein intuitiv etwas anderes erwartet hatte. Ich musste das zweimal lesen bis ich geschnallt habe, dass er gerade wirklich schießt :D. Die Ich-Perspektive ist eine sehr gute Wahl - man erhält tiefe Einblicke in Philips Seelenleben und das finde ich bei diesem Buch noch viel, viel wichtiger und spannender als bei anderen Büchern. Angst vor psychologischen Fachtermini muss man auch nicht haben - wirklich jeder Laie versteht das Buch.


Ich kann das Buch auch für "jüngere Jugendliche" empfehlen - es ist wirklich nicht blutrünstig oder brutal. Am Anfang macht Philip eben was ein Teenager so macht und im zweiten Teil des Buches wird fast ausschließlich geredet. Die Seitenzahl bewegt sich auch im angemessenen Bereich. Ich finde das Buch daher schon ab 12 ganz gut geeignet.

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Tags: amoklau, jugendbuch, todesstrafe   (3)
 

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1.437 Bibliotheken, 17 Leser, 19 Gruppen, 220 Rezensionen

liebe, träume, fantasy, nachtmahr, colin

Splitterherz

Bettina Belitz
Fester Einband: 630 Seiten
Erschienen bei script5, 01.01.2010
ISBN 9783839001059
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Heute geht es um den ersten Band einer Trilogie (mal wieder eine Trilogie mööööp). Ich finde ja alleine das Cover ist schon ein Grund sich das gute Stück zu kaufen - es sieht einfach so toll im Bücherregal aus. Egal ob mit oder ohne Schutzumschlag - die Covergestaltung ist wirklich gelungen. Auch abgesehen davon ist diese Geschichte zumindest teilweise erfrischend anders - insgesamt ein nettes Buch (ja, nett ist die kleine Schwester von Scheiße, ich weiß).


Ellie zieht mit ihren Eltern von der Kölner Innenstadt nach Kaulenfeld - eine Einöde irgendwo im Westerwald. Ellie als Großstadtpflanze ist zu Beginn der Geschichte totunglücklich mit ihrer Auswanderung ins Exil. Sie sticht in der Schule als "die als der Großstadt" heraus, findet kaum Anschluss und langweilt sich auf dem platten Land zu Tode. Darüber hinaus ist es für sie gewöhnungsbedürftig in der "wilden" Natur zu leben. Genau genommen will Ellie also eigentlich nur weg aus der Einöde. Das ändert sich als sie Colin trifft. Von Anfang an ist sie begeistert von dem Sonderling und langsam entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Plötzlich kommt Ellie ihre Verbannung aufs Land gar nicht mehr so schrecklich vor. Ellie ahnt jedoch nicht in welche Gefahr ihre Beziehung zu Colin sie und ihre Familie stürzen kann.


Soviel zum Inhalt. Wesentlich mehr möchte ich eigentlich auch gar nicht verraten, damit ihr die Geschichte auch noch selber erlesen könnt. Einen Stachel kann man interessierten Leser aber gleich ziehen ohne etwas vorwegzunehmen: Colin ist kein Vampir. Was er genau ist werde ich hier aber nicht verraten ;).

Einerseits gefällt mir die Geschichte - hauptsächlich vermutlich auf Grund ihrer Charaktere - andererseits ist es trotzdem eine total ausgelutschte Grundidee, wenn wir mal ehrlich sind. Colin ist zwar kein Vampir sondern ein anderes Fantasy-Wesen aber trotzdem geht es mal wieder um einen relativ dramatischen und "deepen" Kerl der sie ja soooo liebt aber die Liebe ist gefährlich. Besonders innovativ wirkt das Ganze für mich leider nicht. Ich denke Colin ist auch nur deshalb kein Vampir damit die Geschichte nicht gar so abgenudelt daher kommt - auch wenn mir eigentlich ganz gut gefällt, was er ist. Man hätte ihn aber auch einen Vampir sein lassen können und die Grundgeschichte würde trotzdem funktionieren. Na ja...verzeihen wir das mal.


Ein Kritikpunkt, den ich immer wieder gehört habe, war die Länge des Buches. Mit über 600 Seiten ist das Buch natürlich schon ein ganz schöner Oschi. Für ein Jugendbuch wahrscheinlich tatsächlich zuviel - als Erwachsene muss ich aber schon ein bisschen schmunzeln wenn ein anderer, lese-affiner Erwachsene die Länge kritisiert. Ich finde es gar nicht schlimm, dass das Buch nicht in 300 Seiten durchprescht. Mir gefällt es sehr gut wie langsam und ruhig die Geschichte entfaltet wird. Mir gefällt es auch, dass wir Ellie und ihre Familie so gut kennenlernen - auch wenn es sicherlich nicht alle diese Details für die Geschichte gebraucht hätte. Sie lassen die Figuren aber viel lebendiger erscheinen.

Kritisiert wurde auch das Ellie zu oft schläft. Auch dem stimme ich nicht zu - ihr Schlaf hat Signalwirkung in der Geschichte und ihre Träume verraten meiner Meinung nach immer etwas über sie. Daher finde ich nicht, dass Ellie zuviel schläft. Es ist ja nicht so, dass Ellies Schlaferlebnisse platt dargestellt am Leser vorbeiziehen.


Von den Charakteren her gefiel mir Ellie zumindest im Grunde recht gut. Manchmal fand ich sie etwas naiv und treudoof und war ein wenig genervt von ihr - andererseits ist sie aber auch ein kluges und sich reflektierendes Mädchen mit viel Herz und Empathie. Manchmal konnte ich ihre Handlungen einfach nicht so gut nachvollziehen, in anderen Situationen dafür sehr (Stichwort: Ibiza). Ich finde ihre Geschichte ist natürlich gleichzeitig auch eine Art von Gesellschaftskritik an der "heutigen Jugend" (wie das klingt, haha). Im Anbetracht dessen, dass wir es mit einem Jugendbuch zu tun haben, ist Bettina Belitz hier sicherlich ein kleiner Denkanstoß ohne Moralkeule gelungen. Ich bin gespannt welche Entwicklung Ellie noch nehmen wird - ich finde sie bis zum Ende seeehr selbstmitleidig und naiv. Ich hoffe, dass sich das im Laufe des nächsten Bandes vielleicht ein wenig ändert.


Colin...ja Colin. Ich habe zwar nicht unbedingt etwas gegen ihn aber er ist einfach der typische Held einer derartigen Geschichte. Man hätte ihn auch Edward nennen können huuust. Er ist super intelligent, nicht im klassischen Sinne hübsch aber natürlich trotzdem ein Übermann, sportlich, gutherzig, mutig, tapfer, vernünftig - nur manchmal übermannen seine Gefühle ihn...äh, soll ich weitermachen? Ich meine gut, man muss ehrlicher Weise auch die Frage stellen: wie sollte eine solche Geschichte sonst funktionieren? Aber nun ja...ich fand Colin platt und als Figur einfach ausgelutscht. Für mich hebt er sich durch genau nichts von anderen Protagonisten von diesem Schlag ab. Sehr schade.


Besonders witzig fand ich Tessa. Also ernsthaft mal...unpassender ging der Name in meinen Augen nicht mehr. Für mich passt dieser Name null zur Figur und ansonsten musste ich über die "Dame" eher lachen obwohl ich mir gewünscht hätte mich bei ihrem Erscheinen gruseln zu dürfen. Ich weiß nicht ob das so gewollt ist...aber Angst vor ihr hatte ich als Leser zu keinem Zeitpunkt.


Den Vater von Ellie finde ich ganz interessant - eigentlich einer der interessantesten Charaktere. Zu Beginn des Buches hätte ich nie mit diesem Verlauf gerechnet. Mir gefällt das Aufeinandertreffen von Spießbürgertum und "dem Besonderen". Ich hoffe, dass er uns in den nächsten zwei Bänden erhalten bleibt. Die Mutter hingegen blieb für mich farblos und platt, mehr Mittel zum Zweck als Figur.


Tillman ist zwar ein Süßer, seine Notwendigkeit habe ich aber nicht zu 100% verstanden. Brauchte man ihn nur für das Ende? Ich glaube, ich habe die Figur Tillman an sich nicht unbedingt komplett verstanden. Er ist einsam, ja. Trotzdem verstehe ich nicht alle seine Handlungen. Ich würde ihn jetzt nicht unbedingt noch die ganze Trilogie über mitschleppen müssen.


Der Schreibstil ist bombe. Er ist von der Strukturierung zwar, jugendbuchtypisch, eher einfach gestrickt aber wahnsinnig humorvoll. Manchmal musste ich wirklich laut lachen. Zum größten Teil gefiel mir das wahnsinnig gut - allerdings hat er, in meinen Augen, das Finale ein bisschen verdorben. Der Schreibstil lässt halt irgendwie gar keinen Grusel zu - keine Ahnung ob das so gewollt war, gut fand ich es in dem Fall jedenfalls nicht. Gut fand ich hingegen wieder ihre Art Dinge zu beschreiben. Ich konnte mir alles genau vorstellen udn es fühlte sich für mich so an als wäre ich gerade im Westerwald und von lauter kleinen Tierchen umgeben und so. Grundsätzlich mag ich den Schreibstil von Bettina Belitz sehr gerne und fand es auch nicht sonderlich anstrengend die 600 Seiten zu lesen - ich glaube, ich saß um die 5 Tage an dem Buch. Es liest sich also wirklich flüssig weg. Manchmal muss man nur sehr gut aufpassen um mitzukriegen wann Ellie schläft und wann nicht - mir fiel das von Zeit zu Zeit erst nach dem ersten Absatz auf :D.


Die Geschichte finde ich zwar interessant aber durch die teilweise schon eher langatmige Erzählweise war es für mich kein Pageturner. Ich konnte das Buch auch gut und gerne mittendrin weglegen ohne jetzt vor lauter Spannung zu sterben. In Sachen Spannung sehe ich noch hohes Steigerungspotential - für 600 Seiten passiert in Splitterherz an konkreter Handlung erstaunlich wenig. Streckenweise ist es eher eine Art Momentaufnahme oder Milieusstudie. Ich glaube, dass ist ein bisschen wie bei Stephen King: man mag diesen ausschweifenden Erzählstil oder man mag ihn halt nicht.


Insgesamt hat das Buch für mich zwar seine Mängel - die zwei Folgeromane sind aber trotzdem schon bestellt :).

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Tags: fantasy, jugendbuch, urban fantasy   (3)
 

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88 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

krebs, tod, nana, nana - der tod trägt pink, krankheit

Nana - ...der Tod trägt Pink

Barbara Stäcker , Dorothea Seitz
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Irisiana, 25.02.2013
ISBN 9783424151961
Genre: Biografien

Rezension:

Heute hab ich mal wieder ein ganz besonderes Buch, fernab vom "Blogger-Mainstream" für euch. Ich habe es gestern zufällig beim Stöbern im Buchladen meines Vertrauens entdeckt und konnte nicht anders als es mitzunehmen. Da ich mich am 24h-Lesemarathon von Lovelybooks beteiligt habe, habe ich es direkt in einem Zug durchgelesen (okay, keine großartige Glanzleistung - das Buch hat nicht mal 200 Seiten:D ). Ich bin froh, dass ich es direkt mitgenommen und nicht auf die Wunschliste verbannt hab - dieses Buch ist wirklich etwas besonderes.


Nana ist, so wie ich, 1990 geboren und erkrankte kurz nach ihrem Abitur an Krebs. Sie litt unter dem Ewing-Sarkom, eine aggressive Form des Knochenkrebses - Heilungschancen: schlecht. Trotzdem durchläuft Nana die "Krebs-Maschinerie" mit Chemos und Bestrahlungen - in der Hoffnung wieder gesund zu werden. Leider erfolglos.Am 10. Januar 2012 stirbt sie zu Hause im Kreis ihrer Familie. Das war ein Teil von Nanas Geschichte, der in diesem Buch auch erzählt wird. Der andere Teil ist ihr "Vermächtnis": der gemeinnützige Verein Recover your smile (http://www.recoveryoursmile.org/). Nana hat während ihrer Erkrankung nämlich eine ganz eigenwillige Art der Psychotherapie gefunden. Sie hat angefangen sich, dem Krebs und Haarverlust zum Trotz, wieder zu schminken und als Frau wahrzunehmen. Unzählige Fotos sind von ihr in dieser Zeit entstanden. Nana hat es geholfen, sich wieder fraulich und attraktiv zu fühlen und dieses Gefühl wollte sie gerne auch an andere Krebspatientinnen weitergeben. So entstand dann die Idee von Recover your smile. Der Verein bietet krebskranken Frauen Schminkkurse und professionelle Fotoshootings kostenlos an - normalerweise kostet ja beides ein kleines Vermögen. Das ist die zweite Geschichte, die in diesem Buch enthalten ist.

Zunächst möchte ich sagen, dass ich solche Bücher auch immer deswegen schon zwanghaft kaufe, weil mein Exfreund (und heute ein sehr guter Freund von mir) und ich eine Krebsgeschichte zusammen ausgehalten haben - er hatte jedoch Leukämie und hat es glücklicherweise geschafft. Trotzdem interessiert mich immer, wie andere (junge) Menschen mit einer solchen Krankheit umgehen. Somit komme ich an Literatur dieser Art nur schwer vorbei. Und ich muss sagen: Nanas Buch war etwas besonderes. Im Gegensatz zu "Der Schicksal ist ein mieser Verräter" und Co. war es eben eine reale Geschichte und das merkt man auch. An vielen Stellen habe ich meinen Freund und mich und unsere Gedanken der damaligen Zeit wiedererkannt. Ich glaube dieses Buch wurde wirklich aufrichtig und ehrlich geschrieben, nichts beschönigt, verklärt oder verzerrt dargestellt. Das finde ich toll. Auch wenn es natürlich nur ein höchstsubjektiver Eindruck ist.

Das Buch wurde von der Journalistin Dorothea Seitz in Zusammenarbeit mit Nanas Mutter Barbara geschrieben. Dennoch kommen immer wieder diverse Begleiter von Nana in Form von Zitaten zu Wort - ihr Freund, ihr Vater, ihre beste Freundin und andere enge Freunde der Familie. Dadurch ist das Buch wahnsinnig lebendig und zeigt so verschiedene Blickwinkel auf Nana auf. Ich denke für Leute, die noch nie mit so einem Thema konfrontiert waren, ist es auch einfach interessant zu sehen wie unterschiedlich die Menschen eine erstmal schlimme Situation wahrnehmen können. Der Schreibstil vom Buch war für mich am Anfang ein bisschen gewöhnungsbedürftig, da man eben immer schnell zwischen verschiedenen Erzählern hin- und herspringt. Ich fand das aber nicht weiter schlimm - man rutscht schnell in den Stil rein und Literatur muss ja auch nicht immer super einfach geschrieben sein.

Es hat mir aber auch großen Spaß gemacht dieses Buch zu lesen da es sehr viele Fotos von Nana enthält, die im Zuge ihrer Karriere als Model entstanden sind. Diese Fotos sind einfach nur schön - sie hatte es schon echt drauf. Erwähnen muss man auch, dass Nana sich immer selber geschminkt hat - und ich als absolut MakeUp-addicted kann da nur sagen: Respekt! Ich werde aus urheberrechtlichen Gründen keine Fotos hier einstellen, wenn ihr euch dafür interessiert findet ihr aber auf der Homepage des Vereins (http://www.recoveryoursmile.org/) zahlreiche Links und Fotos - oder ihr kauft euch einfach das Buch =). Mir gefallen ihre Fotos auch ganz unabhängig von der Geschichte dahinter total gut.

Im Endeffekt bleibt nach der Lektüre dieses Buches sehr viel Respekt für dieses Mädchen und ihre Familie - ich denke beziehungsweise weiß, dass es nicht selbstverständlich ist was Nanas Familie geleistet hat. Bei mir blieb außerdem das Gefühl von "Ich hätte sie gerne gekannt" zurück. Es ist schon erstaunlich wie sich Menschen im Zuge einer potentiell tödlichen Krankheit verändern. Diese "Sinnfindung", die in meinen Augen auch bei Nana stattgefunden hat, kann man bei sehr vielen erkrankten Menschen (aber auch deren Angehörigen) beobachten - bei uns war das damals nicht anders, auch wenn unsere Umsetzung natürlich anders aussah. Toll bei Nanas Sinnfindung finde ich, dass hoffentlich langfristig eine Menge anderer Patienten von ihren Ideen und Gedanken profitieren können.
Vor allem in dem angesprochenen Galgenhumor von Nana habe ich uns selber auch sehr stark wiedererkannt - mein Freund hat damals beispielsweise auf Grund seiner beinahe täglichen Bluttransfusionen seinen bis heute erhaltenen Spitznamen "Edward, der Vampir" erhalten. Viele Leute fanden das damals irgendwie makaber - heute weiß ich: viele Krebskranke begegnen der Krankheit so und das ist auch gut und richtig so.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch eine Bereicherung für alle Menschen, die in irgendeiner Form mit dem Thema konfrontiert sind. Über den Verein Recover your smile hinaus kann dieses Buch Betroffenen in vielerlei Hinsicht neue Gedankenanstöße geben um mit der eigenen Situation umzugehen. Auch Tod und Sterben werden in diesem Buch nicht ausgeklammert, was ich als äußerst positiv empfinde - schließlich ist es nun mal leider so, dass das Thema Sterben immer noch für viel zu viele Krebspatienten sehr real wird aber gleichzeitig ein Tabu-Thema in der Gesellschaft ist. Es fehlt an ehrlichem Austausch zu diesem Thema. Die ehrlichen Gedanken der Beteiligten zu dem Thema haben mir sehr gut gefallen - eigentlich sind diese Gedanken nicht nur für Krebsbetroffene spannend. Sterben werden wir ja alle irgendwann mal.

Nicht zuletzt war die Aufmachung von dem Buch auch total schön - die Seiten sind alle in Hochglanz (die Fotos dadurch besonders hübsch und hochwertig) und farblich sehr toll gestaltet.

Ich kann dieses Buch wirklich jedem nur ans Herz legen - ganz egal ob man selber aus irgendeinem Grund in die Thematik involviert ist oder sich einfach nur interessiert. Lesen, lesen, lesen!!!!!!!!!! :D :).

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1.004 Bibliotheken, 7 Leser, 12 Gruppen, 66 Rezensionen

drachen, fantasy, eragon, magie, zwerge

Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter

Christopher Paolini , Joannis Stefanidis (Übers.)
Fester Einband: 604 Seiten
Erschienen bei cbj, 07.09.2004
ISBN 9783570128039
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Den vierten und somit auch letzten Teil der Eragon-Reihe konnte ich leider noch nicht lesen. Problem: Es ist gefühlte Jahrzehnte her, dass ich die anderen Bände gelesen habe. Ich hatte wirklich kaum noch Erinnerung an die Handlung. Das ist leider das Problem wenn mehrere Jahre bis zur Fortsetzung vergehen. Davon habe ich mich aber nicht entmutigen lassen und die Reihe nochmal von vorne begonnen - dementsprechend geht es heute um Eragon 1.


Eragon ist ein einfacher Bauernjunge aus dem Dörfchen Carvahall - bis er eines Tages durch Zufall einen blauen Stein findet. Der Stein erscheint Eragon in seiner Beschaffenheit zwar sonderbar, allerdings beachtet er ihn nicht besonders. Er versucht lediglich monetären Nutzen daraus zu ziehen - daraus wird jedoch nichts, der Stein entpuppt sich nämlich relativ schnell als Drachenei. Eines Nachts schlüpft ein Drachenbaby aus Eragons Fund und stellt das Leben des Bauernjungen auf den Kopf und bringt das komplette Dorf in große Gefahr...


Normalerweise bin ich abgesehen von Urban Fantasy und Harry Potter kein Fantasy-Fan im Sinne von Zwerglein, Gnomen und Elfen - nur Eragon hat es in mein Herz geschafft. Möglicherweise liegt das daran, dass diese Welt unglaublich detailreich durchdacht ist. Christopher Paolini hat wirklich eine ganz eigene Welt mit einer eigenen Geschichte erschaffen und es macht Spaß für ein paar Stunden in diese Welt abzutauchen. Mir fehlt auf Grund meines Leseverhaltens leider der Vergleich zu anderen Werken aus diesem Genre - jedoch kann ich für mich sagen: Paolinis Welt überzeugt und man kann sich vollkommen darin verlieren.


Ich liebe die Figuren des ersten Bands. Da sind erstmal Eragon und Saphira. Ich mag die Bodenständigkeit dieser beiden Charaktere obwohl sie so wichtig für die Zukunft des Landes sind. Ich finde Eragon ist zwar teilweise schon ein kleiner "Bauerntrottel" - aber niemals unsympathisch, eher zum Schmunzeln und Liebhaben :D. Er ist eben noch jung und diese Eigenschaft hat der Autor ihm auch gelassen. Man merkt aber auch wie Eragon im Laufe der Geschichte wächst. Der einzige Minuspunkt: Eragon steckt die diversen Todesfälle für meinen Geschmack ganz schön locker weg und so richtig konnte ich ihm dieses Rachemotiv nie abnehmen. Eher wirkt dieser Teil der Handlung als Mittel zum Zweck um die Handlung eben in die gewünschte Richtung anzutreiben.

Brom finde ich auch genial - irgendwie stelle ich ihn mir immer vor wie Aragorn aus Herr der Ringe, ich kann mir nicht helfen. Ich finde es schade, dass er die Geschichte schon relativ früh wieder verlässt.

Ein weiterer Charakter den ich klasse finde und daher noch erwähnen möchte ist Angela mit ihrer irren Katze. Angela selbst kommt ja auch ziemlich überkandidelt rüber - allerdings hilft sie Eragon auch als er in großer Not ist und zieht mit in die Schlacht gegen die Urgals. Sie scheint also nicht nur bekloppt sondern auch mutig und treu zu sein. Schade finde ich jetzt schon, dass sie und ihre Geschichte wohl für immer ein Rätsel bleiben und auch im vierten Band lüftet Paolini das Mysterium um Angela wohl nicht wirklich. Schade.


Zum Schreibstil muss man ehrlicherweise sagen, dass man merkt das der Autor gerade einmal 15 Jahre alt war, als dieses Werk veröffentlicht wurde. Der Schreibstil verbessert sich im Lauf der Buchreihe wirklich rasant. Im ersten Band ist er leider noch ziemlich schlecht - viele Wiederholungen (Eragon ist oft "der Junge", was mich irgendwie nervt - das klingt wie ein Sachbericht), die Satzkonstruktion ist meistens eher einfach gestrickt und außergewöhnliche Adjektive oder Vergleiche sucht man auch eher vergeblich. Für mich ist das aber nur ein kleiner Wehrmutstropfen, da Paolini den Schreibstil durch seine im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Welt ausmerzen kann.


Auch wenn es sich stilistisch gesehen nicht um DIE Weltliteratur handelt, ist es Eragon in meinen Augen wert gelesen zu werden.

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1.747 Bibliotheken, 20 Leser, 7 Gruppen, 202 Rezensionen

götter, fantasy, mythologie, liebe, internat

Mythos Academy - Frostkuss

Jennifer Estep , Vanessa Lamatsch
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 12.03.2012
ISBN 9783492702492
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Los geht's heute mit Frostkuss von Jennifer Estep.

Ich bin eigentlich kein großer Fantasy-Leser - allerdings habe ich soviel Gutes über dieses Buch gehört, dass ich am Ende doch nicht widerstehen konnte. Und vorab kann ich verraten: ich habe es nicht bereut.



Gwen Frost, die Ich-Erzählerin der Geschichte, kommt mitten im Schuljahr neu an die Mythos Academy. Hier gehen (oh, Überraschung) keine 0815-Menschen zur Schule. Jeder der Schüler stammt von einem großen Kriegergeschlecht ab - so gibt es zum Beispiel Spartaner oder Amazonen aber auch unscheinbarere Gattungen wie Samurais. Jeder Schüler hat, seiner Abstammung entsprechend, ganz besondere Fähigkeiten, die ihm Macht verleihen. An der Mythos Academy lernen die Schüler ihre Macht richtig einzusetzen. Nebenbei betrinken sich die Schüler und haben ziemlich viel Sex. Auch Gwen hat eine Gabe: sie muss Personen oder Dinge nur berühren um ihre Geschichten zu erfahren - sie kann Bilder und Emotionen wahrnehmen, sobald ein Hautkontakt entsteht. Sie stammt vom Geschlecht der Gyspsys - zu gut Deutsch Zigeunerinnen ab. Auf der Mythos Academy ist sie damit eine absolute Minderheit - sie kennt keine andere Gypsy. Damit wird "das Gypsymädchen" schnell zur Außenseiterin und das Einleben in der Schule gestaltet sich für Gwen recht schwierig.

Dann geschieht eine Katastrophe: ein Mädchen wird in der Bibliothek ermordet - Gwen findet das tote Mädchen unmittelbar nach seiner Ermordung und wird selbst niedergeschlagen.

Zu Gwens Verblüffung scheint keiner um das tote Mädchen zu trauern - nicht einmal die Angehörigen. Sie ist irritiert vom Verhalten ihrer Mitmenschen und begibt sich auf die Suche nach dem Mörder...



Die Ausgangssituation der Geschichte wirkt ziemlich ausgelutscht. Man werfe einen Protagonisten in eine Welt voller verwunderlicher Menschen mit besonderen Gaben - der Protagonist soll hierbei bitte natürlich eine noch viel besonderere Begabung als seine Mitstreiter haben. Ein bisschen Außenseitertum erweckt das nötige Mitleid.

Könnte so sein...ist in diesem Buch aber absolut nicht so. Gwen ist ein recht vielschichtiger und gut ausgearbeiteter Charakter. Mit ihrer bissigen aber auch gutmütigen Art war sie mir von Anfang an sympathisch. Ich mochte auch Daphne sehr gerne, von der ich hier aber nicht zuviel erzählen möchte um nicht zuviel vom Buch zu verraten. Logan hingegen finde ich bis jetzt eher nichtssagend. Er wirkte mehr wie ein Mittel zum Zweck und war als Charakter bisher relativ platt - ich habe aber die Hoffnung, dass man in den weiteren Bänden mehr über Logan erfährt. Jasmin war mir ebenfalls zu platt. Ein ziemlicher Stereotyp.

Was mir außerdem gut gefallen hat ist, dass es in diesem Buch um weitaus mehr als ein bisschen Spartaner hier - Gyspy dort geht. Das beschäftigt sich auch mit der Mythologie unterschiedlicher Strömungen - nordische Mythologie spielt ein große Rolle im Buch. Das hat der ganzen Mordgeschichte noch etwas mehr Tiefgang verliehen.


Was mir nicht so gut gefiel war, dass ich persönlich ab der Mitte vom Buch wusste was geschehen war. Ich denke anderen Lesern ging es da genauso. Es kam am Ende zwar noch ein kleiner Twist - aber so richtig überraschend war das Ende einfach in keiner Hinsicht, wenn man ein bisschen aufgepasst hat. Ich habe das "Kracherende" ein wenig vermisst. Ich mag es lieber wenn Bücher ganz anders enden als man es erwartet hatte.

Weiterhin wiederholt die Autorin ziemlich viel - in dem Buch ist grundsätzlich alles purpurfarben und auf etwa jeder dritten Seite wird erwähnt, dass die Schüler der Mythos Academy ziemlich viel rumvögeln. Das nervt irgendwann total denn irgendwann hat man es dann ja schon verstanden.

Der Klappentext passt nicht zum Buch - schließlich kennt Gwen den Mörder gerade nicht sondern sie begibt sich im Laufe der Geschichte auf die Suche nach ihm.


Der sprachliche Stil ist eher einfach und klar - man kommt sehr gut in die Geschichte rein und das Buch lässt sich schnell weglesen.


Obwohl ich einige negative Dinge aufgeschrieben habe, mochte ich das Buch insgesamt sehr. Ich fand viel mehr die Welt interessant, in der die Geschichte spielt, anstatt das Mord-Szenario. Es hat Spaß gemacht eine Weile in Gwens Welt abzutauchen und der Autorin ist es auch gelungen, diese recht authentisch darzustellen. Deswegen hat mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen und ich werde mir die weiteren zwei bereits erschienen Teile definitiv zulegen.

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glaube, mirco, trauer, soko, kindermord

Mirco

Sandra Schlitter , Reinhard Schlitter , Christoph Fasel
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei adeo, 07.09.2012
ISBN 9783942208680
Genre: Biografien

Rezension:

Ich denke das Schicksal von Mirco ist kaum jemandem entgangen. Der 10jährige verschwand im September 2010 spurlos. Ein gutes halbes Jahr später wurde der Täter gefasst und Mircos Leiche gefunden. Es war die aufwändigste Fahndung der Polizeigeschichte Nord-Rheinwestfalens und eine der größten Suchaktion in Deutschland. Mircos Mörder wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit Sicherheitsverwahrung verurteilt - die höchstmögliche Strafe der deutschen Justiz.


Das war die Geschichte, die wir alle aus den Medien kennen. In "Mirco: Verlieren. Verzweifeln. Verzeihen." hören wir eine andere Geschichte - eine, die wir so noch nicht kennen und die manch einer vielleicht auch gar nicht so genau hören will: die Geschichte von Mircos Familie. In diesem Buch berichten uns die Eltern wie die Zeit nach Mircos Verschwinden war - und die Zeit nach der Gewissheit, dass ihr Sohn nicht mehr lebend nach Hause kommen wird. Dieses Buch ist nicht unbedingt die leichteste aller Lektüren (bezüglich der Thematik - sprachlich ist das Buch sehr leicht und flott zu lesen, auf komplizierte Schachtelsätze und ähnlichen Firlefanz wurde verzichtet) und trotzdem bin ich froh dieses Buch gelesen zu haben.


Warum? Weil in diesem Buch die Opfer zu Wort kommen. Die Berichterstattung in den Medien ist meist sehr auf den Täter und die Tat fixiert - das Opfer wird zum "Nebenprodukt" degradiert, kaum ein Journalist interessiert sich wirklich dafür, was das Opfer für ein Mensch war und welche Menschen als Angehörige zurückbleiben. Ich finde es toll und bewundernswert, dass Mircos Familie den Mut gefunden hat dieses Buch zu schreiben und zu veröffentlichen. Opfer von Gewalttaten brauchen einfach ein viel größeres (mediales) Sprachrohr als es im Moment der Fall ist. Es geht in diesem Buch zwar natürlich um Mirco - aber auch noch um weitaus mehr. Auf der einen Seite handelt es sich um eine Art Familienportrait - man erfährt einige Dinge über Mircos Geschwister aber auch über die Eltern. Auf der anderen Seite will uns die Familie in diesem Buch auch zeigen, dass und wie sie gelernt haben mit ihrem Schicksal umzugehen und damit vielleicht auch Vorbild für andere betroffene Familien sein.

Den Weg dieser Familie finde ich dabei so interessant, dass ich euch dieses Buch wirklich nur ans Herz legen kann: Mircos Familie hat den Weg über Gott und Vergebung gewählt. Ihr müsst wissen: ich selbst habe mit Gott und der Kirche absolut nichts am Hut, noch weniger wenn solche Dinge geschehen und dementsprechend fremd klang die Idee von Mircos Familie für mich zu Beginn. Es erscheint als "ganz schön krass" dem Täter zu verzeihen. Und doch gelingt es den Schlitters ihren Weg in diesem Buch nachvollziehbar zu machen - auch wenn man selbst vielleicht anders reagieren würde. Wenn man das Buch gelesen hat lernt man zu verstehen wie die Familie die Ereignisse auf ihre ganz eigene Art und Weise bewältigen konnte. Und ich habe nach dieser Lektüre eine Menge Respekt. ich glaube es erfordert menschliche Stärke zu verzeihen anstatt zu hassen. Bewundernswert finde ich auch mit welcher Selbstverständlichkeit die Familie Mitleid mit der Familie des Täters hat und sie in ihre Gebete einschließt. Sie haben damit ja absolut Recht - aus rein menschlicher Sicht fände ich es aber nicht besonders verwerflich, wenn sie keine Empathie für die Familie des Täters entwickeln könnten. Diese Familie hat den destruktiven Weg von Hass und Rache aber verlassen.


Viele Leute kritisieren die Familie für ihren Umgang mit den Ereignissen. Dem Täter zu verzeihen, ihn als Menschen zu sehen und ihn in Gebete einzuschließen "gehört sich schließlich nicht". Genau so, wie wir es Opfern von Gewaltverbrechen schwer machen ins Leben zurückzukehren - denn auch Lachen gehört sich im Anbetracht eines solchen Schicksals nicht mehr. Familie Schlitter schildert in dem Buch wie negativ ihnen die Leute teilweise begegnen nur weil sie trotzdem noch weiterleben und, auch zu Gunsten ihrer lebenden Kinder, versuchen zu einem geregelten Alltag zurückzukehren. Es ist toll, dass diese Familie den Mund aufmacht und damit wahrscheinlich für viele, viele andere Angehörige spricht.


Ich selbst habe einige Zeit in der Jugendgerichtshilfe gearbeitet - also mit Tätern - umso spannender ist es für mich nun auch mal auf "die andere Seite" zu schauen. Ich interessiere mich für Kriminologie und ähnliche Dinge, dazu gehören aber eben nicht nur die Täter sondern auch die Opfer. Ich finde es toll die Geschichte der Schlitters so zu lesen, wie die Familie sie erzählen wollte - ohne irgendwelches populistisches Boulevard-Zeitung-Blimblim. Zumindest glaube ich, dass dieses Buch die Gedanken der Familie wirklich wiederspiegelt.


Über Spannungsbogen, Charaktere und so weiter gibt es hier natürlich nichts zu schreiben - die Geschichte ist so wie sie ist und sie ist "spannend" (passender wäre das Wort interessant) so wie sie ist. Die Schlitters wählen klare aber deutliche Worte. Ein bisschen fühlt es sich so an als wäre man "live" im Geschehen - deswegen geht dieses Buch auch so unter die Haut. Es wird einfach eines klar: Wir waren eine ganz normale Familie - nicht wirklich anders als deine Familie. Und trotzdem ist uns das passiert. Als Leser wird einem durch diesen Schreibstil einfach klar, dass man selbst nicht vor solchen Katastrophen gefeilt ist - es passiert eben nicht immer nur den Anderen. Und noch eines stellen die Eltern von Mirco klar: auch die Familie des Täters war eine Familie von Nebenan, keine Ansammlung von Monstern.

Man möchte während dem Buch manchmal bitterlich weinen, manchmal lachen und manchmal empfindet man einfach nur Wärme und Empathie für diese außergewöhnliche Familie. Auch wenn es nicht mein Weg gewesen wäre (vermute ich zumindest): ich bewundere diese Menschen für ihre Stärke.


Ich bin übrigens im Zuge eines Referats in der Uni auf das Buch gestoßen (es ging um die emotionale Verarbeitung des Verlust eines Kindes). Mircos Eltern haben auch ein recht interessantes Interview bei Beckmann gegeben: http://www.youtube.com/watch?v=fpVfl0-o8cc.

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2.921 Bibliotheken, 48 Leser, 4 Gruppen, 226 Rezensionen

computerspiel, jugendbuch, thriller, sucht, erebos

Erebos

Ursula Poznanski
Flexibler Einband: 485 Seiten
Erschienen bei Loewe, 06.06.2011
ISBN 9783785573617
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Offen gestanden: ich bin mit sehr, sehr hohen Erwartungen an die Lektüre gegangen. Schließlich hört man überall - sei auf Youtube oder in diversen Blogs - wie gut dieses Buch sein soll. 2011 wurde "Erebos" mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Jetzt (mit etwas Verspätung) wollte ich das sagenumwobene Werk nun auch endlich mal lesen, zumal Frau Poznanski ja ein ziemlicher Diamant am deutschen Autorenhimmel zu sein scheint.



Gleich zu Beginn der Handlung lernen wir Nick - den Protagonisten - und einige seiner Freunde kennen: Colin, Jamie und Emily. Sie alle werden uns die ganze Geschichte über in der ein oder anderen Form begleiten. Alle vier besuchen eine Schule in London - und an dieser Schule gehen seit einiger Zeit seltsame Dinge vor sich. Eine CD macht die Runde unter den Schülern - aber niemand spricht darüber und jeder, der sie besitzt, verändert sich. Nur Nick hat noch keine CD bekommen. Er brennt sehnsüchtig darauf endlich zu wissen was sich auf der CD befindet. Nick muss nicht lange warten: auch ihm wird die CD zugesteckt - allerdings gibt es einige seltsame Regeln. Bei der ominösen CD handelt es sich um ein Computerspiel. Ein besonderes Computerspiel. Es erteilt Aufträge und lässt Fiktion mit der Realität verschmelzen. Wie alle anderen auch wird Nick süchtig nach dem Spiel. Er ist den Befehlen des Spiels hörig - auch als es ihm aufträgt, einen realen Menschen zu töten?


Keine Angst - mit dieser kurzen Inhaltsangabe habe ich nicht mehr verraten als es die Inhaltsangaben überall im Internet und im Buch selbst auch tun. Ich persönlich finde zwar, dass man fast besser daran tut wenn man zu Beginn der Lektüre keine Ahnung hat worum es geht...aber sei's drum. Die Inhaltszusammenfassung auf Amazon & Co liest vermutlich eh jeder bevor er ein Buch kauft.


Wie ich schon sagte: meine Erwartungen an Erebos waren sehr, sehr hoch - vielleicht war ich deswegen so enttäuscht (snief). Ich fand die Handlung an sich nicht so wahnsinnig spannend da man ja schon weiß, dass es darauf hinausläuft das Nick einen Menschen töten soll. Klar, es ist ganz interessant seine Entwicklung zu verfolgen und wie er langsam von dem Spiel abhängig wird. Auch für den Leser, der den groben Inhalt kennt, ergeben sich hin und wieder kleine Überraschungen - aber sensationell spannend fand ich das Buch bis zum letzten Drittel nicht wirklich. Die Sequenzen, in denen man sich im Computerspiel aufhält, waren mir teilweise einfach zu langatmig. Klar - es soll die Genialität des Spiels herausgestellt werden und wir sollen Nicks Faszination nachvollziehen können. Aber meins waren die langen Sequenzen im Spiel einfach nicht. Möglicherweise liegt das natürlich auch daran, dass Jugendliche die Zielgruppe sind (obwohl ich mich mit 22 auch noch relativ jugendlich fühle :P) und ich mich allgemein nicht sehr für Computerspiele interessiere.


Das Ende fand ich zwar überraschend aber irgendwie auch sehr an den Haaren herbeigezogen beziehungsweise bleiben bei mir einige logische Lücken zurück, bei denen ich mir denke: Nein, meiner Meinung nach funktioniert die Geschichte mit dieser Erklärung nicht.


Auf einer anderen Ebene ist Erebos jedoch spannend. Die Autorin spricht zwei Themenkomplexe an ohne dabei den Zeigefinger zu schwingen - perfekt für ihre jugendliche Zielgruppe also. Einmal geht es, denke ich, um die simple Sucht nach Computerspielen und wie gefährlich eine solche Sucht für einzelne Person werden kann (wer das Ende kennt weiß was ich meine). Ist fast vergleichbar mit der Message von "Die Welle". Auch wenn wir zum Glück noch keine Computerspiele haben, die die Realität beeinflussen, haben auch wir bereits Spiele von denen Kids abhängig werden können - ich denke Poznanski warnt ihre jugendliche Zielgruppe auch ganz subtil und leise davor sich zu sehr auf Spiele einzulassen und dabei die Realität zu vergessen. Auf der anderen Seite beschäftigt sich das Buch natürlich auch mit der Gefahr von Technik an sich - darauf möchte ich aber nicht näher eingehen um nicht zuviel zu verraten. Aber alle, die das Buch gelesen haben, werden wissen worauf ich anspiele. Die Art und Weise wie Poznanski diese Themen anspricht hat mir gut gefallen und ich denke damit kommt die Nachricht bei den jungen Lesern auch besser an als mit der stumpfen Moralkeule.


Ich fand Nick als Hauptperson etwas zu flach. Ich fand Nick nicht nett aber auch nicht nicht-nett (höhö). Das ist in meinen Augen für einen Protagonisten nicht gut. Ich mochte zwar Nicks Verwandlung in der Geschichte, so richtig in Nick einfühlen oder mich mit ihm "identifizieren" (wie man immer so schön sagt) konnte ich mich aber nicht. Jamie war mir weitaus sympathischer. Emily hingegen war mir viel zu stereotyp und auch Colin wirkte eher nur wie ein Mittel zum Zweck und nicht wie ein runder Charakter. Das fand ich ein bisschen schade.


Der Schreibstil ist klar und einfach, die Satzstrukturen sind nicht sehr kompliziert - aber ist ja auch logisch, es handelt sich schließlich um ein Jugendbuch. Es ist daher auf jeden Fall sehr gut und schnell lesbar, man findet sich zügig in den Schreibstil ein.


Insgesamt hatte ich also schon meine Probleme mit der Geschichte. Ich weiß nicht ob es daran lag, dass meine Erwartungen einfach schon so hoch waren oder daran, dass das Buch einfach wirklich nichts für mich war. Ich finde die Grundidee der Geschichte klasse, bin aber ehrlich gesagt der Meinung man hätte noch mehr daraus machen können (ja, ich weiß - das klingt ganz schön fies, auch in Anbetracht der Auszeichnung). Möglicherweise falle ich auch einfach aus der Zielgruppe raus. Ich denke aber für Jugendliche ist es trotzdem in jedem Falle eine gute Lektüre und hätte ich Kinder, würde ich es ihnen in jedem Falle zu lesen geben.

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liebe, dystopie, krankheit, zukunft, lena

Delirium

Lauren Oliver , Katharina Diestelmeier
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 26.10.2011
ISBN 9783551582324
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Seit den "Tributen von Panem" springen ja ziemlich viele Autoren auf den "Dystopie-Zug" auf. Ich habe zwar keine Ahnung was zuerst da war (Panem oder Delirium) - jedenfalls lese ich seit dem Hype auch selber viele Dystopien und kam dabei natürlich nicht an Delirium vorbei. Delirium ist der Auftakt zu einer Trilogie. Der zweite Band "Pandemonium" ist bereits auf Deutsch erschienen. Der dritte Teil "Requiem" ist bisher nur auf Englisch verfügbar - soll aber im Oktober 2013 auf Deutsch erscheinen.


Sie können Mauern bis zum Himmel bauen, und ich werde doch darüber hinwegfliegen. Sie können mich mit hunderttausend Armen festhalten, und ich werde mich doch wehren. Und es gibt viele von uns da draußen, mehr als ihr denkt. Menschen, die in einer Welt ohne Mauern leben und lieben. Menschen, die gegen Gleichgültigkeit und Zurückweisung anlieben, aller Vernunft zum Trotz und ohne Angst.


Wie die meisten Dystopien handelt auch Delirium von einem totalen Überwachungsstaat - alle Bürger sind mit einer Nummer versehen und müssen sich auch jeder Zeit ausweisen können. Im so genannten SüS können Kontrolleure alle relevanten Daten über einen Menschen abrufen. Doch nicht nur die Identität wird in "Delirium" und der Stadt Portland genau kontrolliert - auch so ziemlich alles andere kontrolliert der Stadt. Damit dies vollumfänglich möglich ist, wurde Liebe offiziell zu einer Krankheit erklärt. Die Bewohner der dystopischen Welt von Delirium unterziehen sich zum Zeitpunkt der Volljährigkeit einer OP, die sie von der Krankheit "befreit". Wenn die Krankheit früher ausbricht, werden die Kids auch früher operiert - manchmal geht das schief. Und bei manchen funktioniert es nie - so zum Beispiel bei der Mutter unserer Protagonistin Lena. Da die "geheilten" Menschen nicht mehr lieben können, teilt der Staat ihnen einen Partner zu. Zu diesem Zwecke begeben sich alle Jugendlichen zur Evaluation - dort werden sie mit Punkten bewertet und erhalten dann passende Partnervorschläge. Doch nicht alle Menschen leben in den kontrollierten Städten - in der Wildnis leben die "Invaliden". Sie sind nicht geheilt und rebellieren gegen das System. Wer sich gegen das System auflehnt, wird hart bestraft...


Soviel zum Inhalt. Ich möchte nicht zuviel erzählen, um die Spannung nicht vorweg zunehmen.

Ich mochte die Grundidee von Delirium unheimlich gerne - es ist schon spannend sich mit der Frage zu beschäftigen, wie eine Welt ohne Liebe aussehen würde. Und der Autorin ist diese Auseinandersetzung, meiner Meinung nach, sehr gut gelungen - beispielsweise die Reaktion von Lenas Schwester gegen Ende des Buches fand ich erschreckend aber auch bemitleidenswert. Es macht wütend und traurig zu gleich. An vielen Stellen des Buches kommt man an den Punkt, an dem man sich fragt ob Liebe den Menschen mehr nutzt oder schadet (mir jedenfalls ging es manchmal so). Allgemein wurde mir im Laufe des Buches bewusst wie vielfältig und mächtig der Einfluss von Liebe auf unser Leben ist (jaja, ich wusste auch vorher was Liebe ist - so dezidiert habe ich mich aber noch nicht damit beschäftigt). Und mir wurde auch klar, wie grau und trist die Welt ohne Liebe und Verbundenheit wäre. Ich möchte es nicht so sehr auf den Inhalt vom Buch beziehen - ich denke damit würde viel Spannung verloren gehen. Diejenigen, die das Buch kennen, wissen vielleicht so ungefähr was ich meine.


Ich mochte auch die Charaktere so unglaublich gerne. Da ist ja erstmal Lena, die eine gigantische Entwicklung hinlegt. Ich finde zwar, dass diese Art der Entwicklung für eine Dystopie nicht gerade innovativ ist - trotzdem gefiel sie mir wesentlich besser als andere "Dystopie-Helden". Ich mochte, dass ihre Entwicklung langsam und schleichend passiert ist, ich mochte wie sie mit Alex interagiert und mir gefiel auch ihre Art des Denkens. Sie ist eine prima Ich-Erzählerin und ich fand sie realistisch - nicht zu heldenhaft. 

Alex ist zwar auch ein ziemlich klischeehafter "Bad-Boy" aber mir gefiel die Geschichte um ihn und ich glaube, wenn es ihn wirklich gäbe, fände ich Alex ziemlich sexy (habt ihr die Filmbesetzung gesehen. DAS ist nicht sexy schnief?). Ich mochte auch, dass er nicht nur ein knallharter Typ ist sondern teilweise auch recht sensibel und verletzlich rüberkam. Natürlich entspricht Alex auch ein bisschen dem Stereotyp des Intellektuellen im Buch - die Mischung aus alledem fand ich bei Alex aber einfach nur klasse und total gut gelungen.

Hannah fand ich am Anfang fast netter als Lena. Im Laufe der Geschichte trat sie leider immer mehr zurück (im zweiten Band kommt sie gar nicht mehr vor) aber die Zeit, in der Hannah sehr präsent in der Geschichte war, gefiel mir gut. Am besten fand ich den Part als Lena, Alex und Hannah zusammen rumhingen. Ich denke Hannah war für Lenas Entwicklung unabdingbar und alleine dafür mag ich sie. Ich freue mich schon drauf, sie im dritten Band wiederzusehen.


Ich muss sagen, ich habe mich total in dieser Geschichte verloren. Die Sprache, die die Autorin benutzt ist einfach sensationell. Ich konnte mir Portland so gut vorstellen. Als sich Lena und Alex am Meer getroffen haben, hatte ich das Gefühl wirklich dort zu sein. Während dem Lesen fühlte es sich für mich so an als wäre ich wirklich in Portland und als gäbe es diese überwachte Welt wirklich. Für den Moment kann die Autorin ihre Welt einfach so glaubhaft machen und realistisch werden lassen - das ist schon faszinierend. Die Figuren sind natürlich auch allesamt wahnsinnig sympathisch und ich konnte mich gut mit ihnen identifizieren beziehungsweise die Gedanken und Handlungen nachvollziehen. Den zweiten Band habe ich übrigens innerhalb von einer Nacht gelesen.

Das Ende war zwar schon ein "joa, war klar" - Moment aber na ja...das verzeihe ich der Autorin ausnahmsweise mal.


Was ich an Delirium außerdem schätze ist, dass es meiner Meinung nach nicht nur um Überwachung und Liebe als Krankheit geht. Es geht vielmehr auch darum, wie Menschen manipuliert und hörig gemacht werden. Und auch die Frage, was Macht aus Menschen macht, wird meiner Meinung nach im Laufe der Geschichte angeschnitten. Das sind Themen, die auch in unserer realen Welt nicht egal sind.


Ich liebe dieses Buch und für mich ist es die beste Dystopie die ich bisher gelesen habe. Auch Band 2 kann sich wirklich sehen lassen - ich bin gespannt auf das Finale im Oktober.


PS: Wer hat am Ende geweint?



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