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napoleon, literarische quellen, ephemeriden, scipio africanus, demetrios

Alexander der Große

Alexander Demandt
Fester Einband: 654 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 22.10.2009
ISBN 9783406590856
Genre: Sachbücher

Rezension:

Bevor ich mit Euch, werten Lesern, über dieses Buch plaudere, solltet Ihr evtl. wissen, dass ich das Buch nicht vollständig gelesen habe. Das hat 2 Gründe. Erstens hat dieses Buch von Alexander (!) Demandt "Alexander der Grosse. Leben und Legende" (2009) satte 483 Seiten Fließtext, mit Anmerkungen, Zeittafel, Karten, Stammbäumen, sonstigen Verzeichnissen, Bibliographie und Register sogar 655 Seiten. Zweitens wollte ich von vorneherein lediglich über Rezeption und Quellenlage Alexanders lesen, da ich für die Person Alexanders des Großen bereits andere Bücher gelesen habe. Doch eines will ich Euch, werten Lesern, von vorneherein sagen. Dieses Buch hier ist mit bisher das sympathischste.

Denn mal abgesehen davon, dass die Darstellung der Quellenlage ("Die Quellen", S. 1-32) gut strukturiert und die Erforschung der Alexanderrezeption ("Alexander im Spiegel der Nachwelt", S. 405-455) sehr nachvollziehbar dargelegt ist, schimmert der Autor Alexander Demandt mit einer sehr positiven und einnehmenden Art durch. Damit schafft der Autor die schwierige Brücke zwischen seriöser Wissenschaftlichkeit und gut lesbarerer Literatur.

Beide Kapitel, die ich gelesen habe, sind international angelegt, bearbeiten also intensiv Quellen und Perspektiven, die den lateinischen Westen hinaus gehen.
Da mir das Wenige so gut gefiel, habe ich noch das Fazit des Buches ("Alexander der Große?", S. 457-483) gelesen, in dem Demandt scheinbar alle bisherigen Themen und Einzelaspekte zusammenfasst und Alexander somit unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet und bewertet (?). Dazu gehören Alexanders Politik, Alexanders Entdeckungen, Alexanders Persönlichkeit als Mensch und mehr.

Besonders positiv an dieser Biographie ist mir die alte römische Verhaltensorientierung der "variatio" aufgefallen, nach der römische Literaten nicht einfach ihr Thema abarbeiten sollten. Stattdessen sollten sie mit Exkursen (zB Geographie, Ethnologie, Anekdoten, etc.) Freude auf seiten des Lesers hervorrufen. Ähnliches macht Demandt auch, wenn er zB am Ende des Buches die Aporie des Historikers thematisiert, einerseits einen Mörder und (nach heutigen Maßstäben) Verbrecher als "Groß" zu bezeichnen und andererseits doch etwas Achtung vor dieser Person zu haben, da Gewalttaten in allen Zeiten durchaus üblich gewesen waren (und zT noch sind !), was jedem Historiker mehr als bewusst ist.



Das Thema "Alexander der Große" hatte mich bisher noch nie wirklich interessiert, obwohl Euch das etwas paradox anmuten könnte, wenn Ihr mal in meine Bücherlisten reinschaut (viel mit Antike und so). Doch ganz besonders dieses Buch hat es mir angetan und sollte sich nochmal die Zeit und Gelegenheit bieten, werde ich es nachholen, es in seiner Gesamtheit zu lesen. Denn in einem Punkt zweifle ich nicht: dass es sich lohnen würde.



Bisher ist mir Alexander Demandt schonmal positiv aufgefallen. Evtl. habt Ihr das Buch in meiner Liste schon gesehen: "Das Attentat in der Geschichte" (hg. von A. Demandt). Auf diesen Namen werde ich in Zukunft auch vermehrt achten. :)

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achaian league, euphrat, aitoli, halikarnassos, demetrios

Alexander the Great Failure: The Collapse of the Macedonian Empire (Hambledon Continuum) by John D Grainger (2009-08-11)


Flexibler Einband
Erschienen bei null, 01.01.1656
ISBN B01A0C3R0W
Genre: Sonstiges

Rezension:

Der Titel in der Bibliothek hatte es mir sofort angetan: "Alexander the Great Failure. The Collapse of the Macedonian Empire" (2007) von John Grainger.

Ihr kennt diesen Mann bestimmt: nicht den Autor, nein, sondern Alexander den Großen. "der Große" ist ein Namenszusatz, der stets von großen Taten und großem Erfolg zeugt. Doch der Autor dieses Buches macht daraus einen unerwarteten Gegensatz. Denn indem er den Zusatz zu "der große Fehlschlag" erweitert, baut er sofort einen Kontrast auf und verrät uns direkt seine These, die sich durch das gesamte Buch zieht: Alexander war ein Fehlschlag für Makedonien und die ganze damals bekannte Welt.

Auf knapp 240 Seiten reinterpriert Grainger nun die makedonische und alexandrinische Geschichte, während er jedoch nicht mit Alexander beginnt und auch nicht mit ihm endet. Grainger erweitert die Perspektive sogar noch mehr als es Johannes Engels in seinem Buch "Philipp II. und Alexander der Große" tut. Denn Grainger beginnt mit der Darstellung des Landes Makedonien in seiner Konstitution zwischen 370 und 359. Makedonien war ein gescheiterter Staat: geschüttelt von inneren Krisen und bedroht von äußeren Gefahren.

Erst Philip II. (Alexanders Vater) konnte in vielen Kriegen und durch jahrelange Diplomatie mit vielen politischen Heiraten (ja, das ist kein Formulierungsfehler: Philipp II. hatte ca./min. 7 Frauen, von denen einige gleichzeitig seine Ehefrauen waren) das makedonische Reich festigen, stabilisieren und erweitern (S. 23-67).

Und erst jetzt auf Seite 67 des Buches erhält Alexander eine wirkliche Einführung und wird zum Handlungsträger, als er Philipps Nachfolger wird. Hier auf Seite 67 beginnt nicht mal ein neues Kapitel, was entweder ein Seitenhieb gegen Alexander sein soll oder auch zeigt, dass der Fokus von Grainger tatsächlich mehr auf strukturellen Prozessen, denn auf Alexander liegt. Erstere These wäre zwar amüsant, ich tendiere jedoch eher zur zweiten. Immerhin bekommt Alexander einen eigenen Absatz zugewiesen, wobei er jedoch noch nichtmal namentlich genannt, sondern umschrieben wird mit "a 20-year-old boy". Das alles heißt, dass Alexander hier in einen sehr großen Kontext gestellt wird. Die Seiten des Buches, die sich ausschließlich auf seine eigene Person und seine eigenen Regierungsjahre beziehen, sind sogar recht wenige: S. 67-92, bei 193 Seiten reinem Fließtext !

Auf Seite 67 wird Philipp II. ermordet, heißt im Jahr 336. In diesem Jahr war ein Feldzug gegen das Perserreich geplant, doch Alexander übernahm nicht nur die Position seines Vaters, sondern führte auch diesen Perserfeldzug durch, wenn auch mit 2jähriger Verspätung. Denn mit dem Tod Philipps gab es in den Machtbereichen Makedoniens mehrere Unruhen, Revolten und Separationsbewegungen, wie eigentlich immer, wenn ein Hegemon stirbt oder gestorben wird. Viele haben wohl auch Alexander wegen seiner Jugendlichkeit unterschätzt. Denn diese 2 Jahre bis zum Perserfeldzug verbringt er nicht in Muße, sondern benötigt sie, um die makedonischen Einflusssphären zu restabilisieren. Unerwarteterweise hielt Philipps Konstruktion also nach seinem Tod (vor Philipp war nach jedem Herrschertod Chaos ausgebrochen) stand. Mit Flexibilität, einer rasenden Geschwindigkeit und dem gut ausgebildeten Heer unterdrückt Alexander all die Unruheherde und erhält sich seine Machtstellung. Nur an der Stadt Theben, eine der größten und einflussreichsten in Griechenland, statuiert er ein Exempel: er macht es dem Erdboden gleich, was andere Separationsbewegungen gewissermaßen abschreckt. In diesen ersten beiden Jahren seiner Herschaft zeigte Alexander direkt seine militärische Kompetenz und seine charismatische Ausstrahlung.

334 bricht er dann nach Kleinasien (gegen die Perser) auf. Zwar lässt er seine Besitzungen militärisch gesichert, doch politisch labil zurück. Denn die höchst sensible Frage der Nachfolge im Falle seines Todes lässt er völlig unberücksichtigt (entgegen dem eventuellen Ratschlag seiner Generäle; die Überlieferung ist hier recht unklar). Doch Grainger kommentiert das damit, dass Alexander ohnehin nie besonders große Sorgen für Makedonien zeigte. Daher sei es nicht verwunderlich, wenn er sich nicht um eine Nachfolgeregelung bemüht (S. 70). Noch im selben Jahr (334) beginnt Alexander mit der "Befreiung" ganz Kleinasiens von "der persischen Unterjochung". So lautet zumindest die propagandistische Legitimation Alexanders für seinen Feldzug.
Grainger zeichnet in ausführlichen Darstellungen den gewaltigen und gewaltig erfolgreichen Feldzug Alexanders nun in einem eigenen Kapitel nach ("6. The great campaign, 334-325 BC", S. 75-85). Der Fokus liegt auch hier wieder weniger auf der Person Alexanders als vielmehr auf der Ereignisgeschichte der Unternehmung.

Dabei schreibt er über alles ziemlich ereignishistorisch (die Erfolge in Kleinasien zählen nicht dazu, da diese Territorien geographisch und kulturell zu Griechenland zählen und Grainger sie somit bereits im vorigen Kapitel behandelte ["5. The conquest of Greece, 340-334 BC", S. 59-73]): Garnisonslegung in "befreite" (ihr erinnert euch: evtl. Propaganda) Städte; Einsetzung von Verwaltern; die Seegefechte gegen Memnon (Admiral des pers. Großkönigs Dareios); Heereszüge; militärische Manöver; Eroberung und Belagerung der phönizischen Städte (Tyros; Gaza); Verhandlungen mit Dareois; Sicherung und Aufenthalt in Ägypten.

Diese etwas langatmige Aufzählung will ich kurz (gleich gehts weiter. Versprochen !) unterbrechen, da Grainger hier die Administrationseinrichtungen Alexanders kommentiert. Denn sie funktionierten einfach nicht. Dass ich Euch, werten Lesern, hier diesen Kommentar Graingers mitanführe, scheint mir deswegen wichtig zu sein, weil Grainger solche Einzelfälle in die Gesamtinterpretetation Alexanders einfließen lässt: Politisch sei Alexander nämlich recht inkompetent gewesen. Dazu will ich später noch ausführlicher schreiben.

Unruhen im Heimtland Makedonien, die vom Regent Antipater unterdrückt werden; (die ereignishist. Liste geht übrigens weiter ;D); Schlachtensiege (zB die berühmte Schlacht bei Gaugamela); Aufenthalt in der pers. Hauptstadt Persepolis; die versehentliche Teilniederbrennung des Palastes bei einer Party; der Feldzug ins pers. Hinterland (Sogdien; Baktrien); Hinrichtung des Philotas (er war evtl. in eine Oppositionsverschwörung gegen Alexander verwickelt; Alexander lies hier auch gleich Philotas' Vater umbringen, der Alexanders Verwaltungstätigkeiten stellvertretend in Medien nachging); Hinrichtung des Kallisthenes (der berühmte Streit um die Orientalisierung der Politik Alexanders und um die Proskynese); die gescheiterte Expedition nach Indien.



Bereits vor der Schilderung der Indienexpedition wagt Grainger eine weitere Bewertung Alexanders. Dieser komme nämlich aus dem kleinen Makedonien mit seiner super ausgebildeten Armee und seiner überlegenen Kriegstaktik und gewinnt einfach alles. Er wagt die These, dass Alexander schlichtweg siegestrunken wird. Er verliert allmählich den Realitätsbezug ("escapism". S. 83), verwaltet seine bisherigen Eroberungen nicht, sondern zieht stattdessen immer mehr Garnisonen aus Makedonien ab, wodurch Makedonien immer wehrloser wird. Alexander hört also zum Schaden aller einfach nicht mit seinen Eroberungen auf und wird sogar für antike Verhältnisse grenzüberschreitend. Er vermag es zwar noch, seine Truppen mit Charisma an sich zu fesseln und zu motivieren, doch machen sich starke Brüche bemerkbar. zB entstehen Gegenpositionen oder Oppositionen innerhalb seines Generalstabs (zB die beiden bereits erwähnten Philotas und Kallisthenes), sogar die Truppen meutern schließlich in Indien und zwingen Alexander zur Aufgabe seines rücksichts- und vernunftslosen Eroberungswahns. Folgerichtig nennt Grainger das makedonische Heer unter Alexander dann auch "[t]he exuberant Macedonian invaders" (S. 81; auf Dt. etwa "die unbändigen makedonischen Invasoren"). Die menschlichen Verluste waren gewaltig und Alexander ließ seine Eroberungen destabilisiert zurück, ohne eine gescheite Verwaltung einzurichten. Ganz in diesem Sinne sieht Grainger Alexanders Indienfeldzug auch als völlig realitätsfern an. Der ganze Indienzug war eine reine Katastrophe mit Zerstörung und zahllosen Toten, ausgelöst durch Alexanders Eigensinn. Doch es wird noch schlimmer. Den Rückzug aus Indien habe Alexander so gestaltet, als wolle er sich an seinen Truppen rächen. Denn er wählt nicht denselben Weg zurück, sondern durchquert mit ihnen die gedrosische Wüste, wo seine Soldaten, die ohnehin bereits nur noch wenige waren, nochmal in Scharen sterben: Hunger, Durst, Hitze und Sturzfluten.
Seinem bisherigen Verhalten und seiner bisherigen Politik entsprechend, waren seine bisherigen Eroberungen dann auch politisch und administrativ noch unsicherer geworden, als er zurück ins persische Herzland kam. Viele werden auch gedacht haben, dass Alexander umgekommen sei (immerhin hatte er nach der Eroberung des Kernlandes weitere 5 Jahre für fortgesetzte Feldzüge genutzt). Als Alexander zurückkehrte, gab es eine Welle der Bestrafungen, ob sie nun gerechtfertigt waren oder nicht: Anklagen, Enthebungen, Hinrichtungen, Exekutionen, Dezimierungen (S. 87-89). Für Grainer handelte Alexander also nicht nur grob fahrlässig und unverantwortlich, sondern hat auch noch jegliche persische Staatsstruktur nicht verstanden und vertraute auch noch niemandem, obwohl es in Persien nötig war, Macht zu delegieren. So zogen in das persische Reich mit der Unkenntnis der Makedonen unter Alexander viele negative Veränderungen mit ein: Separationsbestrebungen, Unverständnis, Rechtsunsicherheit, Korruption, Machtmissbrauch und Missverständnisse (das steht hier nicht bei Grainger, aber ich meine mich an eine Stelle bei Plutarch zu erinnern, in der Alexander das pers. Zeremoniell des "Ersatzkönigs" missversteht und denjenigen zu Tode foltern lässt !).
Sogar in Alexanders Kernland Griechenland und Makedonien scheint er sich nun mehr Feinde zu machen, indem er dort Vefügungen erlässt, die auf Widerstand stoßen. Er will sich nämlich dort als Gott verehren lassen (für die Perser ist das mehr oder weniger Tradition, doch für Griechen und Makedonen ist das ein Unding !) und befiehlt, dass jede Stadt ihre Exilianten wiederaufnehmen soll (das würde innenpolitische Kriesenherde und evtl. sogar bürgerkriegsähnliche Zustände herauf beschwören).
Und inmitten all dieser Probleme, die einer Lösung bedürft hätten, plante Alexander schon wieder einen Feldzug. Diesmal sollte es nach Arabien gehen. Doch während der Vorbereitungen zu diesem Feldzug stirbt Alexander schließlich (im Jahr 323). Die Ursache ist wohl ein Fieber, das wahrscheinlich wegen seiner zu exzessiven Trinksucht spontan und unverhältnismäßig stark ausbrach. Natürlich gab es auch Theorien über Verschwörungen und Mord, doch stehen diese Theorien auf wackeligen Beinen.
Besonders diesen letzten Plan zu einem erneuten Feldzug sieht Grainger als Flucht vor der realen Problemen und charaktersiert Alexander als älter gewordenen Jugendlichen ohne Sinn für das Notwendige ("In many ways he was a perpetual adolescent", S. 92; auf Dt. etwa "in vielfältiger Weise war er ein ewiger Jugendlicher").


Den kompletten Rest des Buches weist Grainger der Nachgeschichte Alexanders zu: den Diadochen (S. 92-184). Die Diadochen kämpften nach dem Tod Alexanders gegen- und miteinander um die Vorherrschaft im gewaltigen "Reich" und wollten jeweils die Oberherrschaft an sich reißen. Doch da dies nicht mehr zur Person Alexanders gehört, werde ich darüber nicht mehr schreiben. Denn dieses Buch las ich eben mit dem fokussierten Blick auf Alexander.


Die Perspektive auf Alexander, die Grainger hier dem Leser eröffnet, ist sehr interessant und lohnt einer Überlegung. Engels hatte Alexander auch in einen größeren Kontext gestellt, nämlich in eine Reihe mit seinem Vater und den Einzelentwicklungen der griechischen Poleis. Diesen Weg wählt in ähnlicher Hinsicht auch Grainger, wählt jedoch einen ganz anderen Kontext. Er nimmt Makedonien als Reich und macht es zum Rahmen seiner gesamten Untersuchung. Denn erst durch die mühevolle Arbeit Philipp des II. wurde Makedonien nach jahrelanger Stagnation und Bedeutungslosigkeit wieder stabilisert. Alexander scherte sich dann jedoch nur noch um sich und seinen Ruhm und blieb Makedonien fern. Dementsprechend hat sich Alexander auch nicht um die höchst sensible und wichtige Frage der Thronfolge gekümmert. Die Folge waren erbitterte Kriege nach seinem Tod. Alexander habe also das, was sein Vater aufgebaut hat, unbeachtet gelassen (später wurde das geschwächte Makedonien von Galatern überrannt) und zusätzlich auch noch für das, was er selbst aufgebaut hat, keine Verantwortung übernommen. Denn Macht wollte er nicht wirklich delegieren, bestrafte Abfallerscheinungen aber drastisch und zuweilen unverhältnismäßig hart (dazu "Conclusion", S. 189-193).



Grainger schreibt mit einem sehr lockeren Stil und belegt (dem Wissenschaftlichkeitsanspruch folgend) seine Aussagen mit Quellen und anderer Literatur. Und auch wenn die Reinterpretation der gesamten Zeitgeschichte, die sich weit über das bloße Leben Alexanders hinaus ausdehnt (seht Euch dazu nur nochmal die Seitenverhältnisse an, die ich oben angeschnitten habe !), wertvoll und sehr ergiebig ist, ist das Buch doch evtl. zu eriegnishistorisch geworden. Zur Ereignishistorie würde ich sonst eher zu anderen Büchern greifen, doch trotzdem arbeitet sich der Autor intensiv an seiner These ab und legt ein fundiertes und gutes Buch ab. Denn in der Regel wird Alexander auf seine militärischen Leistungen reduziert. und diese sind (wer würde es leugnen ?) wirklich beeindruckend ! Alexander wurde und wird oft als Held und Weltenentdecker gesehen, gelobt und gefeiert. Doch Grainger erweitert unseren Blick und bezieht Punkte mit ein, die unumgänglich sind, wenn Alexander wirklich angemessen bewertet werden soll: Politik, Verwaltung, Menschlichkeit, Opferposition, Vorgeschichte und die nachträglichen Ereignisse. Und in diesen Bereichen hat Alexander insgesamt versagt.



Diese ganze These hat was. Doch sie hat auch schwerwiegende Schwachpunkte. Denn während die alexanderfreundliche Interpretation viele negative Aspekte ausklammert, bewertet Grainger Alexander mit Maßstäben, die unserer Zeit, aber nicht Alexanders Zeit entsprechen. Das wiederum heißt, dass Grainger die positivistische Sicht einfach umdreht und keine wissenschaftlich objektive (!) Haltung einnimmt, die versucht Alexander ohne übertreibende Moralisierung deskriptiv darzustellen (wie es zB Alexander Demandt in seiner monumentalen Alexanderbiographie zu tun versucht). Denn das Fazit zu Alexander fällt hier bei Grainger fast schon vernichtend aus. Er bewegt sich also in der üblichen Forschungstradition, dass jede Generation, jeder Kulturkreis, jede Nation und vielleicht auch jeder Forscher "seinen" Alexander sieht und für sich bewertet (und instrumentalisiert ?). Denn während Grainger Alexander tadelt, anklagt, angreift und auseinandernimmt, lobt er eine (zB ?) andere Person: Antipater, Alexanders Stellvertreter in Makedonien.

Wir als Leser müssen unbedingt darauf achten, nicht einfach Graingers negative Bewertung zu übernehmen, die vielleicht aus heutiger Sicht berechtigt sein mag, sondern im Hinterkopf zu behalten, dass wir es hier mit einer anderen Zeit, einer anderen Kultur und einer anderen Gedankenwelt zu tun haben.


Aber das, was Graingers Buch wirklich etwas seiner Lesewürdigkeit beraubt  (auch wenn er hier ein detailreiches, gut lesbares und bereicherndes Buch abliefert), ist die Schwerpunktsetzung, die einfach am Titel und am Vorhaben ("Introduction", S. xvii-xix) vorbeigeht. Das Scheitern der Person Alexanders in Bezug auf fast alles führt er zwar an, aber oftmals (bes. bei der Nachgeschichte Makedonien und bei den Opferrollen) zu oberflächlich oder einfach unplausibel. zB ist die Invasion der Galater nach Makedonien wohl eher weniger Alexanders direkte Schuld. Denn zu dem Zeitpunkt hat Makedonien etwa 40 Jahre innere Zerrütung hinter sich. Vieles was Grainger in dem Abschnitt zu Alexander als Ursachen für Alexanders Scheitern anführt, ist etwas zu kurz geraten. Und dass der Abschnitt zu Alexander (vergleicht nochmal den Titel des Buches: "Alexander the great failure" !) so kurz geraten ist, spricht gegen das Buch, denn damit sind auch die Argumentationsgänge zu kurz geraten.


Wie üblich, will ich mit Euch, werte Leser, noch meine Sekundärliteratur teilen, die mir geholfen hat, das Buch besser zu verstehen. Diesmal ist es lediglich eine:
Rezension von Heckel, W., in: Bryn Mawr Classical Review 2008.09.30 (http://bmcr.brynmawr.edu/2008/2008-09-30.html).
Heckel zerreißt das Buch sogar noch mehr als ich. Seine Rezension beendet er witzigerweise mit "It can be summed up in one word: failure." Seine Rezension hat leider etwas zu viele Zitate, ist aber lesenwert.

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alexander der große, johannes engels, geschichte, befreiungskrieg, geschichte kompakt

Philipp II und Alexander der Grosse

Johannes Engels
Flexibler Einband: 126 Seiten
Erschienen bei WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), 25.11.2011
ISBN 9783534245901
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wir befinden uns im Jahr 336 vor unserer Zeitrechnung. Philipp ist ermordert worden. Er ist jedoch nicht irgendwer, nein, sondern der 2. seines Namens und der König von Makedonien. Aus labilen Anfängen hat er seinem Land eine aussichtsreiche Grundlage aus Sicherheit und Macht verschafft, das Alexander III. nun übernimmt.

Doch halt. Bevor wir medias in res gehen, noch kurz die ganzen Formalia. Ja, ich weiß, etwas nervig. Aber das sollte schon sein, denke ich. Kennt ihr die Bücherreihe bereits ? Orange-gelber Softcover-Einband mit dunkelblauem Titel. Dazu den Reihentitel "GESCHICHTE KOMPAKT". Ich lese sie auch ganz gerne: die Einführungsreihe des WBG. Sie gibt Bücher zu allen möglichen Themen der Geschichte heraus. Diesen Band "Philipp II. und Alexander der Große" (2012²) hat Johannes Engels verfasst, der sich hier an ein altes, heiß umstrittenes, sehr zeitgebundenes, ideologisch aufgeladenes und äußerst umfangreiches Thema herangewagt hat. Das Thema ist Alexander der Große. Nun entspricht diese Angabe von mir nicht so ganz dem Buchtitel, doch das hat schon seinen Sinn. Denn in seiner Einleitung erklärt Engels recht plausibel, dass Alexanders Erfolge sehr stark auf den Erfolgen und Vorbereitungen seines Vaters (und das ist eben Philipp II.) beruhen (S. 5). Zusätzlich führte Alexander "lediglich" den bereits beschlossenen Kriegszug seines Vaters aus. Denn dieser hatte bereits alles in die Wege geleitet (S. 39).

Somit macht Engels gleichzeitige Behandlung der beiden Personen, Vater und Sohn, durchaus Sinn, auch wenn es dann doch auch andere Beifügungen in diesem Buch gibt, die sich mir nur sehr rudimentär erklären. Doch dazu will ich euch erst später mehr sagen. Zunächst will ich ein wenig mit dem Buch mitgehen. Von den 126 Seiten des Buches sind die ersten 69 Seiten den Quellen (S. 8-19), der Person Philipps mitsamt dem Königreich Makedonien (S. 20-41) und Alexander (S. 42-69) gewidmet. Die Darstellungen sind chronologisch und sind auf die Ereignisgeschichte ausgerichtet.


Ähnlich wie bei den Monographien von Alexander Demandt und John Grainger habe ich auch dieses Buch recht selektiv gelesen, denn meine Lektürefokus lag hauptsächlich auf Alexander dem Großen. Dementsprechend werde ich auch hauptsächlich über die Teile des Buches sprechen, die sich direkt auf Alexander den Großen beziehen. Das Kapitel, dass sich speziell auf Alexander bezieht, ist "IV. Alexander III. der Große, Makedonien, Griechenland und der Verlauf des Alexanderzuges (336-323 v- Chr.)", S. 42-69.

Die Darstellung von Alexander beginnt der Kapitelüberschrift entsprechend (Alexander ist nicht alleiniges Hauptthema) mit einem lediglich kurzen Abriss der persönlichen Vorgeschichte zun de Feldzügen nach Kleinasien und in den weiteren Osten. Engels beschränkt sich hier auf lediglich 3 Aspekte: körperliche und geistige Erziehung, erste Stadtgründungen unter seinem Vater Philipp und die Thronfolgewirren mit der rigorosen Positionsfestigung Alexanders (S. 44-45). Der 3. Punkt leitet zum nächsten Kapitel, in dem Engels die systematische Bekämpfung der Unruhen ud drohenden Revolten durch Alexander nachzeichnet, über. Alexander habe direkt die Balkanregionen und die Gebiete im südlich gelegenen Griechenland für sich und seine Herrscherposition, die auf andere einen labilen Eindruck machte, erneut gefestigt. Als Alexander in die Balkanregionen einmarschierte, habe er bereits die dortige Grenze der bekannten und zivilisierten Welt überschritten: die Donau. Denn Alexander habe hier, von seinem pothos (eine Art innerer und grenzenloser Antrieb) getrieben, nicht nur eine Machtdemonstration präsentieren wollen, sondern sei auch seinem internen Verlangen nach Entdeckungen nachgegangen. Dieses Verhalten beeinflusste Alexander auch in späteren Feldzügen (S. 45-47). Den "Befreiungskrieg" (oder eher "Beutezug"), den er 330 in Kleinasien (damals griechisch bewohnt und von den Perser an das eigene Reich angeschlossen) begann, führte er mit besonderer Schnelligkeit aus und ließ ihn von zahlreichen Propagandamitteln begleiten. So beschrieb einerseits Kallisthenes, der offizielle Hofhistoriker Alexanders, von Anfang an mit umfangreichsten Lobesworten den ganzen Feldzug, und andererseits vollführte Alexander mehrere symbolische Handlungen durch, wie bspw. den Speerwurf auf die Küste Asien als "speergewonnenes Land" (ein wichtiges Propagandamittel wurde später natürlich dann auch die Münze).
4 Jahre später (330) beendete Alexander den panhellenischen Rachfeldzug gegen das Perserreich: er hatte mehrere Schlachten überraschend gewonnen (Granikos, Issos, Gaugamela), hatte Städte belagert und erobert (Tyros, Gaza), hatte Ägypten besucht, wo er zum Pharao ausgerufen worden war, hatte Städte gegründet (Alexandreia !), hatte die persischen Reichsmetropolen besetzt (Babylon, Susa, Persepolis, Ekbatana) und hatte in einer symbolischen Geste die Palastanlagen in Persepolis niedergebrannt. Ab hier griff Alexanders Propaganda der griechischen Rache und Befreiung von der Perserherrschaft nicht mehr und es beginnen seine eigenen persönlichen Feldzüge.
Alexander leitet nun seine Feldzüge ins persische Hinterland weiter, wo er die nächsten 5 Jahre zubringt ("3. Der Alexanderzug von 330 bis zu Alexanders Rückkehr aus Indien", S. 56-63). In sehr verlustreichen Eroberungszügen unterwirft er Gebiete wie Baktrien und Sogdien. Dabei gerät er jedoch immer wieder in Konflikt mit seinen Generälen: der General Philotas soll wohl in Opposition zu Alexander gstanden haben, da Alexander immer mehr persische Praktiken und Verhaltensweisen an den Tag legte. Alexander ließ ihn hinrichten. Ein weiterer Punkt war die heftige Auseinandersetzung um die persische Proskynese, bei der der Untergebene vor dem Herrscher eine besonders unterwürfige Begrüßung vollführen musste. Das war für die Makedonen, die stets eng verbunden mit ihrem Herrscher waren, undenkbar. Alexander ließ hier seinen widerspenstigen Hofhistoriker (ihn habe ich bereits erwähnt) Kallisthenes töten. Doch der wohl berühmteste Fall war wohl die Sache mit Kleitos. Der Offizier Kleitos und Alexander gerieten 328 in völlig betrunkenem Zustand bei einem Trinkgelage aneinander, da Kleitos dem Alexander wohl Übermut und Realitätsferne vorwarf. In blinder Wut und alkoholisiertem Zorn tötete Alexander seinen Offizier "versehentlich". Alexander habe sich danach sogar selbst umbringen wollen (stimmt hier die Zeit-/Modusbildung ? :D). Der Höhepunkt dieser Widersprüchlichkeiten war im Indienfeldzug erreicht. Für Alexander war der Zug erfolgreich, da er die alten Helden der mythischen griechischen Vergangenheit (zB Herakles) übertrumpfen konnte. Doch allgemein betrachtet war der Indienfeldzug alles andere als ein Erfolg. Die Eroberungen konnten nicht gehalten werden und die Verluste an Menschen und Material war unverhältnismäßig hoch (vergleicht hierzu mal das Fazit des Indienfeldzug bei Grainger. Er sieht das noch viel drastischer).
Alexander wollte weiter nach Indien vordringen, doch dann meuterten seine Soldaten. Alexander musste nachgeben und zog sich mit seinen Truppen in einem (vielleicht als Strafe für seine meuternden Soldaten) Todesmarsch durch die gedrosische Wüste nach Karmanien zurück.
Auch in seinen letzten Regierungs- und Lebensjahren hielt sich Alexander nur noch in Persien auf. Nach seiner Rückkehr musste er die persischen Satrapien teilweise wieder neu unterwerfen und begann anschließend mit nicht gerade umfassenden Verwaltungsarbeit (er plante bereits den nächsten Feldzug nach Arabien, um evtl. der Administration zu entkommen). In dem Verbanntedekret destabilisiert er vielleicht bewusst, um sich eine weitere Klientel (der ehemaligen Verbannten) zu verschaffen. Denn mit diesem Dekret muss jede Stadt ihre Verbannten wieder aufnehmen. Bzgl. seines Verwaltungsstabs und seines Heeres in Persien betreibt er eine langsame, aber sichere "Entmakedonisierung": Soldaten schickt er nach Griechenland zurück und nimmt immer mehr Perser in seine Regierung mit auf. Zusätzlich lässt er auch noch die Masenhochzeit von Susa arrangieren, um evtl. eine erweiterte Reichsaristokratie zu schaffen, doch die meisten Ehen hatten keinen Bestand.

323 stirbt Alexander (wahrscheinlich nicht durch einen Giftmord, sondern) an einer kurzen und heftigen Krankheit. Nach seinem Tod begannen die sprichwörtlichen Leichenspiele um seine Person in Form von jahrelangen blutigen Diadochenkriegen.



Was jetzt auf den nächsten Seiten folgt (S. 70-118) hat sich mir nicht ganz erschlossen. Was nun nämlich folgt sind geographisch und thematische Abhandlungen zu Einzelbereichen der Zeitgeschichte zu Philipp und Alexander: Athen (S. 70-82), Sparta (S. 83-94), Theben (S. 95-104), Kleinasien (S. 105-110) und Wirtschafts- und Sozialgeschichte (S. 111-118). Das widerspricht mMn dem Buchtitel, wird jedoch aus der Einleitung eher ersichtlich, wo er eben nicht beginnt, von den beiden titelgebenden Personen zu sprechen, sondern von der politischen Lage in Griechenland. Die Einzeldarstellungen sind ziemlich zielorientiert und beziehen sich zum Ende hin jeweils mehr oder weniger stark auf Alexander und Philipp, doch gibt es zu diesem Thema eine eigene WBG-Darstellung: "Athen und Sparta" von Raimund Schulz. Wie gesagt, machen diese Einzelansichten schon irgendwie Sinn, doch fehlt mir stattdessen evtl. anderes: eine "Bewertung"/"Interpretation"/ein "Kommentar" (was auch immer) zu den beiden Personen oder eine Rezeptionsgeschichte. Und die ist auf jeden Fall äußerst umfassend (bereits in der Antike selbst !). Da eine grobe Richtung zu zeigen, wäre bestimmt sehr hilfreich und interessant gewesen.

Das Buch thematisiert also weniger Philipp II. und Alexander den Großen als Personen (vgl. Titel), sondern vielmehr diese gesamte griechische Epoche Griechenlands bis zum Tod Alexanders 323 (vgl. S. 1). Deher auch die intensiven Thematisierungen der einzelnen Städte und Faktoren, die sich in der 2. Hälfte des Buches befinden. Wer hier eine Abhandlung über Alexander den Großen erwartet, bekommt somit zu dieser Person eher ereignishistorische Aspekte zu lesen, die sich nämlich in das Gesamtthema einbetten sollen.
Alles in allem muss ich natürlich trotzdem sagen, dass die ereignishistorische Darstellung fundiert, gut lesbar und hilfreich ist.



Natürlich fehlen nicht die recht umfangreiche Bibliographie und das Register, die für diese Reihe typisch sind.

Wäre zu diesem Thema allerdings wohl eher nicht meine 1. Wahl.


Seht euch auch uU noch die Rezensionen an, die ich mir ebenfalls zu diesem Buch angesehen habe.
1. Rezension von Sabine Müller, in: H-Soz-Kult, vom 04.07.2006 (http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-7881).
2. Rezension von Gerhard Wirth, in: HZ 283 (2006), S. 715-6.

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Tags: achaia, achaimeniden, agis, agisaufstand, ägypten, alexander der große, alexander iii, alexanderzug, alexandreia, amphipolis, antike, antipater, arkadien, arrian, asien, athen, attentat, babylon, balkan, befreiungskrieg, boiotischer bund, byzanz, chaironeia, dareios, delphi, demokratie, demosthenes, dritter heiliger krieg, einführung, ereignisgeschichte, eubolos, europa, gaugamela, gaza, geschichte, geschichte kompakt, gordischer knoten, gottkönig, griechenland, hegemon, hegemonie, hellas, hellenismus, hephaistion, herakles, hyspereides, indien, indus, issos, johannes engels, kallisthenes, klassik, kleinasien, koinon, könig, königsfrieden, korinth, lakedaimonion politeia, lamischer krieg, makedonien, molosser, olympias, panhellenismus, parmenion, pella, peloponnesischer bund, persepolis, perserreich, phalanx, philipp ii, philipp ii. und alexander der große, philokratesfrieden, polis, polisstaatenwelt, quellen, quellenkunde, rachekrieg, satrap, sozialgeschichte, sparta, theben, thessalien, thrakien, thronfolge, wbg, wirtschaftsgeschichte, xenophon, zweiter attischer seebund   (88)
 

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tristien, poesie, iason, ovid, rom

P. Ovidius Naso: Tristia

Georg Luck
Fester Einband
Erschienen bei Universitätsverlag Winter GmbH Heidelberg
ISBN 9783825311780
Genre: Sachbücher

Rezension:

Liebende ertragen Strapazen wie Soldaten oder hämmern in Verzweiflung auf die Türen ihrer Angebetenen ein. Männer sollen sich ihre Herzdame erobern und Frauen sollen sich sich (vom Richtigen) aufreißen lassen. So kennen wir Publius Ovidius Naso. Humorvoll, locker, bildhaft, redegewandt und manchmal etwas obszön. Doch hier in dem Werk "Tristia" (etwa 8-12 n.Z.) tritt uns ein anderer Ovid entgegen. Denn im Jahre 8 wurde Ovid nach Tomis, einer Stadt (?) am Schwarzen Meer, relegiert, heißt verbannt. Und das hat ihn innerlich und äußerlich scheinbar zerbrochen.

Denn 8 n. Z. wurde Ovid aus unbekannten Gründen aus Rom verbannt. Evtl. weil Ovid ein Werk geschrieben hat, dass junge Männer und Frauen zu sexueller Freizügigkeit aufrief (Ars Amatoria), evtl. weil Ovid von einer Affäre Iulias (Enkelin des Kaisers Augustus) mitbekommen hat, evtl. wissen wir es einfach nicht mehr. Denn sogar Ovid selbst spricht hier in seinen Tristia sehr wirr und widersprüchlich über die Verbannungsursache. Eins seiner Themen ist nämlich die immer wiederkehrende Klage über seinen Fehler und Irrtum ("error et carmen", ein beliebtes Zitat. Oft benutzt). Doch variiert die Konstellation. Mal macht er ganz klar seine Kunst (= Liebeskunst = Ars Amatoria) dafür verantwortlich, an anderen Stellen sagt er, dass definitiv noch was dahinter lag. Doch scheint er auch zu wissen, dass es für ihn kein Zurück mehr gibt. Trotzdem versucht er in anderen Briefen den Kaiser zu erweichen. Heute wissen wir, dass es nicht geklappt hat. Briefe übrigens ? Ja, Briefe. Die Tristia sind in 5 Büchern sortierte poetische Kunstbriefe mit verschiedenen Themen mit jeweils etwa 10 Briefen pro Buch. Nur das 2. Buch ist ein einzelner Brief, der eine Art Rechtfertigung oder Verteidigung ist. Andere immer wieder auftauchende Themen sind Ovids in Rom zurück gebliebene Frau. Diese solle sich nämlich nicht schämen, einen Verbannten zum Mann zu haben, und die er liebt und auf deren Treue er baut. Doch weiß er (um zu sich selbst ehrlich zu sein) gar nicht, was in Rom geschieht. Trotzdem versucht er es sich vorzustellen und lässt vor seinem geistigen Auge (heißt in einem der Briefe) auch mal einen Triumph zu Ehren Augustus' ablaufen. Andererseits personifiziert er auch mal einige seiner Briefe und schickt sie nach Rom, um wenigstens durch sie in Rom präsent sein zu können.

Doch ein anderes Thema scheint sich durch alle 5 Bücher durchzuziehen: das Jammern und Klagen über das eigene schlimme Schicksal. Fast alle Freunde haben ihn verlassen, der Treue seiner Frau kann er sich nicht ganz sicher sein, die Reise war furchtbar, der Verbannungsort ist schlimmer als der Tod und er verliert allmählich den Bezug zur römischen Sprache und Kultur.

Natürlich ist nicht GANZ klar, ob das alles biographisch zu verstehen ist (ihr kennt ja bestimmt noch aus dem Deutsch-Unterricht, dass das lyrische Ich nicht immer mit dem Autor gleichsetzbar ist: eine leidige Frage <.<) oder ob vieles stilisiert ist. Vieles wird gewiss übertrieben sein.


Trotzdem finde ich (nun mein Fazit) die 5 Bücher irgendwie... faszinierend. Sie haben was. Methodisch erinnert es mich etwas an Ciceros Gespräche in Tusculum. Beide versuchen in diesem jeweiligen Werk eine schlimme Situation zu verarbeiten. Nur geht Ovid nicht philosophisch vor, sondern wühlt sich in Selbstmitleid. Oft baut er mythische Elemente ein, wie dass es ihm noch schlimmer als Odysseus ergeht, weil Odysseus nicht den höchsten Gott gegen sich hatte (im Gegensatz zu Ovid), wenigstens ein paar Götter auf seiner Seite wusste (im Gegensatz zu Ovid) und irgendwann glücklich nach hause zurück kehrt (im Gegensatz zu Ovid). Altbekannte Vergleiche baut er sprachlich interessant ein (die Verbannung schlug wie ein Blitz auf ihn ein) und zeichnet ein bemerkenswertes Bild seines eigenen Verfalls (zB emotional und sprachlich).


Wirklich interessant.

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Tags: ars amatoria, augustus, brief, briefliteratur, carmen et error, elegie, elegisches distichon, emotion, exil, freundschaft, gedicht, geten, homer, iason, iulia, julia, kaiserzeit, kolchis, kunstbriefe, medea, mythologie, odysseus, ovid, poesie, reise, relegation, rom, sarmaten, schicksal, schicksalsschlag, schwarzes meer, skythen, sturm, tod, tomis, topos, trauer, tristia, tristien, unwetter, verbannung, verzweiflung   (42)
 

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ecchi, chauvinismus, emanzipation, ritter, tränen

Lost paradise, Tome 1 :

Toru Naomura
Flexibler Einband
Erschienen bei Editions Ki-oon, 08.03.2012
ISBN 9782355923654
Genre: Sonstiges

Rezension:

Es ist eine Geschichte, die jeder kennt. Eine einfache Geschichte, in der der Ritter der Gerechtigkeit seine Prinzessin vor dem bösen Lord retten will.
Mit etwa einer solchen Einleitung beginnt jeder Band dieses Comics. Doch ich muss leicht relativieren: es ist keine Geschichte, die jeder kennt. Es geht um Ritter, um Prinzessinnen und um böse Lords, doch ist diese Einteilung in Gut und Böse gar nicht so einfach.

Wir befinden uns in einer Eliteschule, die durch ihre Insellage weitestgehend isoliert ist. Unsere Protagonistin Sora Himoto kommt gerade neu als Transferschülerin auf die Schule. Sie hat einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und will jeden vor dem Übel beschützen. Und dann kommt sie ausgerechnet zur Schule Iwahijiri, wo als Pilotprojekt das Spiel "Exaclan" gespielt wird.Naja, eigentlich ist das viel ernster als ein Spiel sein kann. Denn das Spiel setzt Mädchen zu den Objekten der Jungs herab und zwingt die Jungs sich in ständiger Konkurrenz zueinander einen Harem aus erbeuteten Mädchen aufzubauen. Die Mädchen anderer können sie jedoch nicht einfach durch Höflichkeiten den Mädchen gegenüber erlangen (was Mädchen woll ist völlig egal), sondern indem sie sich gegenseitig bekämpfen. Die Waffen erhalten sie durch die Objekt-Mädchen. Je mehr Mädchen, desto mehr Waffen also.

Mit dieser Grundidee hat Toru Naomura in diesem Comic "Shitsurakuen" (2009-2011; übers. evtl. "Paradise Lost") mMn ein sehr gutes und interessantes Fundament zu einer potentialreichen Geschichte gelegt. Denn in diese patriarchalische, Mädchen als Objekte behandelnde und gewaltreiche Welt tritt Sora als gerechtigkeitsempfindliches Mädchen - und will natürlich alle Prinzessinnen (= Mädchen) beschützen. Damit schafft sie sich viele Feinde (männl. und weibl.), da Frauen eigentlich keine Besitzer sein können. Also kämpft sie fortan gegen die bösen Männer. Nur sind auch die Männer die Opfer des systems, da es ihnen sozial gesehen nicht erlaubt ist, dem Leistungsdruck nachzugeben, Schwäche zu zeigen und mit den Mädchen zu sympathisieren. Beiden ist als ihre Rolle aufgezwängt. Und manche beiderlei Geschlechts tragen besonders schwer daran, das wird nach und nach klar. Doch als positiver Effekt ist die Enthüllung der Opferrolle (auch !) der Männer recht weit  zum Ende hin verlagert. Sora schreitet nämlich mit gutem Beispiel voran und versucht alle (!) zu schützen. Und sie hat damit Erfolg: alle werden entlastet und befreit.



Das Happy End kommt leider etwas zu abrupt und zu sorgenfrei. Vieles bleibt mir zu unerklärt, zB: Rolle der Erwachsenen, Folgen für die Schulgemeinschaft, Erklärung der intesiven Hinwendungen von Yuki und Koharu an (ihre) die früheren maskulinen Machos und Gewalttätigen; Schein nach außerhalb der Schule; Homosexualität von Mitarai.


Die Schuldfrage bleibt in angenehmer Überraschung ebenfalls offen. Zwar entpuppt sich der eigentlich Böse als Guter und Soras erste und liebste Prinzessin als Strippenzieherin, doch ist auch diese im Comic getrieben von ihrem Umfeld und unglücklichen Ereignissen.


Die Personen sind angenehm gezeichnet und in ihren Charakteren oft plausibel. Oft haben sie auch Zeit angemessen vorgestellt zu werden und sich ggf. zu entwickeln. Der Handlungsrahmen der Rittergeschichte ist sehr angenehm.



Die Zeichnungen sind sorgfältig, differenziert und haben meistens mehr als nur Köpfe dargestellt (was zB bei Arina Tanemura oft die Auseinanderhaltungen erschwert), auch wenn das überfreundliche und liebevolle Lächeln von Sora echt creepy wirkt. Stark geprägt ist der Comic ganz offensichtlich von Ecchi und subtiler Erotik. Dazu müsst ihr euch eigentlich bloß die Covers ansehen. ;D
Jungs tragen ein schickes Outfit im Look des einsetzenden 20. Jahrhunderts (denke ich), Frauen jedoch hohe Strümpfe, kurze Röcke und kurvenbetonende Blusen und Jacken. Yuki rennt zB mehrere Kapitel lang (nur) mit einem Nachthemd bekleidet in der Weltgeschichte herum und scheut sich auch nicht davor ihren ohnehin schon tiefen Ausschnitt noch weiter auseinanderzuziehen. Explizit wird es (abgesehen von den wenigen sehr leidenschaftlichen Küssen zwischen Sora und Tsuki) nicht.




Echt lesenswert, auch wenn es nicht wenige Makel aufweist.



Schade, dass es den Comic noch nicht in unseren üblichen Sprachen zu geben scheint und dass vom Autor mutmaßlich sonst nichts weiter bekannt ist.

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Tags: chauvinismus, dame, ecchi, emanzipation, erotik, frauenfrage, freundschaft, gesellschaft, gesellschaftskritik, gut und böse, liebe, manga, objekt, paradise lost, patriarchat, prinzessin, ritter, romantik, schwäche, shitsurakuen, toru naomura, tränen   (22)
 

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manga, japan, anime, noki ya, dystopie

Darker than Black

Nokiya , Bones , Tensai Okamura , Nokiya Okamura
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 10.10.2008
ISBN 9783866076761
Genre: Comics

Rezension:

Beim Lesen merkte ich, dass etwas nicht stimmt. Doch erst nachdem ich die 2 Bände "Darker than Black" (2007) von Noki Ya und Tensai Okamura gelesen hatte und Wikipedia zu Rate zog, merkte ich, dass dies nicht die Originalhandlung war. Eigentlich ist "Darker than Black" ein Anime. Vor vielen Jahren habe ich ihn mal gesehen und er hatte bei mir einen recht guten Eindruck hinterlassen (auch wenn Detailerinnerungen sonst leider fort sind). Dieser Comic ist jedoch leider nur eine Adaption.
Und leider keine besonders gute. Ich kann es zwar nicht mehr mit der Zeichentrickserie vergleichen, weil es zu kange her ist, doch ist dieser Comic auch an sich nicht so pralle. Unsere Protagonistin ist das Mädchen Kana, dessen Vater (vermeintlich) bei einem Mordanschlag zu Tode kam udn deren Mutter dadurch verrückt wurde. Sie entdeckt, dass ihr Vater gar nicht starb, sondern selbst das Massaker angerichtet und es selbst vertuscht hatte. Als Kana dies herausfindet, gerät sie immer mehr in einen untergründigen blutigen Kampf zwischen mehreren Parteien in der Stadt (Tokyo ?): Wiegenlied, MI6 und das Syndikat.
Es gibt keine wirkliche Storyline, die Personen sind schwer zu verstehen, die Zeichnungen sind etwas verworren und wir erfahren auch generell etwas wenig: über die Menschen, die Zeit, den Ereigniskontext, die Organisationen/Gruppierungen und generell die "Contractors". Das sind Menschen, die im Tausch gegen ihre Emotionen besonders Kräfte erhalten.



Muss wohl nochmal den Anime schauen.

  (13)
Tags: anime, darker than black, dystopie, japan, manga, noki ya, tensai okamura, übermenschlich   (8)
 

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cicero, freundschaft, dialog, rom, antike

Laelius

Marcus Tullius Cicero
Flexibler Einband: 87 Seiten
Erschienen bei Reclam, 01.01.1970
ISBN 9783150008683
Genre: Sachbücher

Rezension:

Heuchelei zerstört Freundschaften. Freunde sollten gegenseitige Ehrlichkeit ertragen können, auch wenn es wehtut. Das sind Kernaussagen, die aus einem modernen Ratgeber stammen könnten, nur stimmt das nicht ganz. Das meint nämlich schon Cicero in seinem Mini-Buch "Laelius: Über die Freundschaft" (etwa 44 v. Chr.).
Nur dass Cicero damit keinen Ratgeber schrieb, sondern einen philosophischen Traktat. Nicht zufällig adressiert Cicero dieses Buch an Pomponius Atticus, seinen besten und treusten Freund. Das Buch ist jedoch nicht eine wissenschaftliche Arbeit, sondern hat das Format eines Dialoges. Unser Cicero hat nämlich nach der kurzen Einleitung (ua Widmung und Themenvorstellung) ein fiktives Szenario aufgebaut, in dem ein Gespräch im Jahr 129 stattfindet. In diesem Jahr war Scipio der Jüngere verstorben und dessen bester Freund Laelius versucht nun die Trauer zu überwinden, indem er gedanklich die Freundschaft der beiden am Leben hält. Das Freundespaar Scipio - Laelius war wohl schon in der Antike ein typisches Beispiel für eine tiefe und treue Freundschaft, sodass Cicero hier eine Parallele aufbaut zur Freundschaft zwischen ihm selbst und Atticus. Dieses Gespräch hat die Form eines heraklidischen Dialoges, was nichts anderes bedeutet, als dass Laelius einen langen Monolog führt und die beiden Gesprächspartner nur mal 2-3 Sätze einwerfen, die Laelius zum Weiterreden auffordern. :D
Thematisch greift Laelius (= Cicero. Ich spreche ab jetzt von Laelius, weil er im Buch der Wortführer ist.) viele Aspekte zur Freundschaft auf, zB ob die Freundschaft in ihrem Wesen ganz natürlich aus dem Drang zur freundlichen Geselligkeit oder (unbewusst ?) aus dem Wunsch nach Vorteilen für sich selbst ensteht. Laelius sieht die Freundschaft als naturgegeben an und sieht die Vorteile, die aus einer Freundschaft erwachsen, als FOLGE, nicht als Ursache an. Dennoch müssten wir selektiv in unserer Freundeswahl sein, da nicht auszuschließen ist, dass uns jemand ausnutzen will oder uns generell nicht gut tut. Daher kann wirkliche (!) Freundschaft nur zwischen guten Menschen bestehen. Wer also richtigerweise die Freundschaft als Selbstzweck ansieht und feste Freundschaften aufbauen will, sollte erst an seinem Charakter arbeiten, um selbst ein potenzieller guter Freund zu sein. Daher haben auch Heuchelei oder Notlügen in einer Freundschaft nichts zu suchen. Denn sie täuschen dem Freund nur falsche Umstände vor, damit wir selbst eine evtl. unangenehme Wahrheit nicht aussprechen müssen. Hier bringt er den signifikanten Ausspruch "Das ist keine Freundschaft, wenn der eine die Wahrheit nicht hören will [und] der andere zur Lüge bereit ist."


Ihr seht es schon, werte Leser. Das klingt alles recht modern. oô Und es kommt noch besser: er beruft sich oftmals auf griechische Vorgänger, die sich auch schon mit der Freundschaft auseinandersetzten, heißt: das Thema ist in dieser Form noch viel älter. Irgendwie beruhigend zu wissen, dass die Menschen schon immer mit solchen Problemen zu kämpfen hatten: "Wie sage ich xy jetzt, dass seine neue Frisur sch** aussieht ?" Ciceros Antwort: Einfach frei heraus ! :D Naja gut, sowas wird er jetzt wohl eher nicht im Kopf gehabt haben. Aber trotzdem !

Manchmal werden seine Ausführung jedoch auch befremdlich, zB wenn er das Staatswohl in JEDEM Fall über das freundschaftliche Wohl setzt, oder wenn er der Meinung ist, dass Freunde nur Seelenverwandte sein können. Auch sein letzter Abschnitt ist ein wenig seltsam. Hier setzt er die "virtus" als absolutes Fundament der Freundschaft vor. "virtus" bezeichnet evtl. einen Begriff, der die unterschiedlichsten Einstellungen und Haltungen eines Menschen meint, die ihn zu einem guten Menschen machen, wie zB Treue, Tapferkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, etc. Der Begriff ist für uns heute (immerhin 2000 Jahre später) nur noch schwer zu verstehen. Das hört sich für mich so an, als würde eine Freundschaft stets aus dem Individuum selbst entstehen. Vielleicht übergeht er mir hier etwas zu stark die Wechselseitigkeit von Freundschaften.



Meine Ausgabe ist mal wieder die vom Reclam Verlag. Der Anmerker und Übersetzer ist Robert Feger (1970). Mit den Anmerkungen hat er wirklich eine gute Arbeit geleistet. Das kleine Buch hat knapp 90 Seiten, von denen ziemlich genau die Hälfte Anmerkungen und ein Nachwort sind (abgesehen von 3 Seiten Literaturliste). Die Anmerkungen sind äußerst ausführlich und hilfreich, das Nachwort ist wirklich gelungen und hat gute Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten: Autor, Zeitgeschichte, Zeitgeschichte des Buchgeschehens, alle Werke des Autors, Inhalt des vorliegenden Buches, die Rezeption in den weiteren ~2000 Jahren und der "Lesenswürdigkeit" (das nenn ich mal so) des Buches.
Das einzige und leider schwerwiegende Problem ist die Schreibweise von Robert Feger. Die Übersetzung könnte definitiv lesbarer sein. Reclam hat den Anspruch für diejenigen zu schreiben, die die jeweiligen Bücher in der Originalsprache nicht lesen können (?) (hier Latein). Deswegen ist es nicht die oberste Priorität die Sprache und den Stil Ciceros nachzuahmen, aber genau das scheint hier passiert zu sein (?). Der Lesefluss wird oft von seltsamen Wortwahlen, Wendungen oder Formulierungen unterbrochen. Dieser doch ziemlich unflüssige Schreibstil setzt sich dann allerdings auch ins Nachwort über.



Prinzipiell bin ich allerdings doch beeindruckt von der Gesamtkonzeption des Buches. Damit meine ich also sowohl Ciceros philosophischen Traktat selbst, aber auch Robert Fegers anmerkenden Rahmen.

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Tags: antike, atticus, cicero, de amicitia, dialog, fiktiv, freundschaft, gracchus, laelius, marcus tullius cicero, philosophi, robert feger, rom, scaevola, scipio, tod, trost, über die freundschaft   (18)
 

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biographie, cicero, quästor, moralphilosophie, iden des märz

Cicero

Manfred Fuhrmann
Flexibler Einband: 346 Seiten
Erschienen bei Patmos, 15.06.2005
ISBN 9783491691322
Genre: Biografien

Rezension:

Cicero gehört bestimmt mit Caesar, Pompeius und Alexander zu denjenigen Gestalten der Antike, die jede Generation für sich neuentdecken und neuinterpretieren muss. Ist er ein nerviger und vergangenheitsidealistischer gescheiterter Republikaner oder ein geistiges Fundament unseres heutigen Europa ? Oder gar beides ?

In dieser Biographie "Cicero und die römische Republik" (meine Ausgabe: 2. Auflage von 1994) versucht Manfred Fuhrmann (auch/besonders ?) dem fachfernen Interessenten, Cicero näherzubringen. Dieses Buch ist hier eventuell als Gipfel einer langjährigen Beschäftigung Fuhrmanns mit Cicero anzusehen. Immerhin ist Fuhrmann besonders durch seine umfassende Übersetzungstätigkeit zum (oratorischen) Werk Ciceros bekannt und geschätzt. Auch für mich waren die Übersetzungen und Kurzeinleitungen/-kommentare immer eine große Hilfe.

Cicero behandelt er hier in diesem Buch besonders kontextlastig. Das heißt, anhand von Cicero beschreibt er auch die römische Umstände sehr intensiv mit: zeitgenössische Ereignisgeschichte, Einführung in die Philosophie, Korrespondenzen, Ämterlaufbahn, Provinzialadministration, Rechtsprechung, Elitengeschichte, ideele Grundlagen, etc. Auch die Perspektive, aus der Fuhrmann heraus Cicero betrachtet, ist wohl die näherungsweise richtigste. Der Buchtitel weist daraufhin, dass Cicero eng verknüpft ist mit dem politischen Geschehen in der und um die Römische(n) Republik. Und tatsächlich zeigen Ciceros Reden und Briefe tatsächlich, dass er sich selbst auch diesem Lebensinhalt gewidmet hat. So zeigt denn auch Fuhrmann Bewertung von Ciceros Schriftstellerei, dass sie erst entstehen konnte, als Cicero sein Potenzial nicht mehr in politische Betätigung kanalisieren konnte (die in den Rezensionen viel zitierte Stelle S. 114f.).

Die Lebensbeschreibung ist streng chronologisch ausgerichtet (nicht thematisch wie Kienasts Cato-Biographie aufgrund der dürftigen Quellen) und wir begleiten Cicero von der Geburt in Arpinum 106 bis zu seinem Tod auf der Flucht in den Osten 43. Dabei erhalten wir auch einen einzigartigen Einblick in die Gedankenwelt dieses Mannes, da von sonst keiner Person der Antike so viel (persönliches) überliefert ist. Folgerichtig arbeitet Fuhrmann auch viel mit diesen Quellen.



Evtl. orientiert sich Fuhrmann dabei ein wenig zu stark an Ciceros Eigenbild. Die Übertreibung Ciceros bzgl. der Catilina-Affäre ist evtl. etwas unterschätzt, Cicero als Staatsmann evtl. etwas überschätzt. Wir müssen wohl nicht direkt dem harten und polemischen Urteil Mommsens folgen (ein »Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht«, ein »Menschen mit schwach überfirnißter Oberflächlichkeit«, von »gräßlicher Gedankenöde«), doch ist Ciceros Scheitern zwischen Optimaten und Popularen doch etwas schwerwiegender als es bei Fuhrmann rüberkommt.


Alles in allem aber auf jeden Fall ein sehr lesenswertes Buch, das in 18 überwiegend kurzen Kapiteln, Ciceros Leben mit deutschen Übersetzungen der lat. Cicero-Quellen untermauert darstellt. Fuhrmann Sprache ist hierbei überraschend angenehm und unaufdringlich. Das Buch lässt sich (beinahe) wie ein netter Roman lesen. Dabei ist jedoch die Episode der Bürgerkriege zwischen Caesarianern und Republikanern und dann der angedeutete zwischen Antonius und Octavian verwirrend und seltsam aufgezogen. Antonius' Politik scheint seltsam ziellos und Octavian scheint seltsam passiv bis tatenlos.
In die philosophischen und staatstheoretischen Schriften führt Fuhrmann sehr knapp und pointiert ein, ohne den Lesefluss zu unterbrechen. Leider kommen Kontext und Erklärung bei einigen Reden (zB de imperio Pompei) mMn deutlich zu kurz.
Störend empfand ich die Art der deutschen Quellenzitate und Zitatsangaben.

Beigefügt ist noch ein Stammbaum der Tullii Cicerones (der leider recht unnötig ist, da -wie Fuhrmann selbst 308 erwähnt- Cicero der einzige wirklich bekannte Vertreter dieser gens ist. Anders zB im julisch-claudischen Kaiserhaus, wo der Überblick ohne -manchmal aber auch trotzdem- Stammbaum schnell verloren geht), ein knappes Literaturverzeichnis, ein Register und 2 Karten, von denen besonders die 2. für Ciceros Kilikienaufenthalt sehr hilfreich ist.


Fuhrmann bleibt auch das ganze Buch über seinem Ausgangsanspruch treu, das Buch für fachfremde Interessenten les- und verstehbar zu machen. Er scheint dabei auch Erfolg gehabt zu haben, da das Buch bereits in 5. Auflage zu sein scheint, wenn ich das auf Wikipedia richtig gesehen habe.




Für diese "Rezension" (das soll zumindest eine sein. Ob sie es ist, entscheidet ihr ;D) habe ich noch in einige mehr oder weniger wissenschaftliche Rezensionen reingesehen. Ich nehme sie hier in eine kurze Literaturliste mit auf:

Graffenried, in: SZG 43 (1993), S. 617.
Radke, in: Gymnasium 97 (1990), S. 568-570. (er behandelt hier noch zusätzlich die Arbeiten Habichts und Narduccis zu Cicero)
Girardet, in: HZ 252 (1991), S. 135-6.
Habicht, in: Gnomon 63 (1991), S. 269-70.
Kytzler, in: Rhetorik 10 (1991), S. 153-4.

Falls ihr die Möglichkeit habt, in diese Zeitschriften reinzuschauen, lest zusätzlich die dortigen Rezensionen. ;)

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Tags: ädil, altertum, antike, antonius, augustus, biographie, bürgerkrieg, caesar, de re publica, diktator, geschichte, iden des märz, imperator, konsul, manfred fuhrmann, moralphilosophie, nobilität, octavianus, orator, philologie, philosophie, pompeius, prätor, quästor, reden, rhetorik, römische republik, senat, standesethos, verres   (30)
 

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64 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

manga, lynn okamoto, mystery, splatter, psychodrama

Elfen Lied 01

Lynn Okamoto
Flexibler Einband: 383 Seiten
Erschienen bei TOKYOPOP, 06.03.2009
ISBN 9783867196543
Genre: Comics

Rezension:

"Akira" hat uns hier im Westen in den 80ern und 90ern gezeigt, dass Comics nicht nur Kinderlektüre oder harmlose Unterhaltungsliteratur sind. Und Elfen Lied bestätigt das nochmal ganz nachdrücklich. Der Comic ist tiefsinnig, menschlich verworren, widersprüchlich, erotisch und äußerst brutal. Dass Hirnfetzen aus einem zerplatzten Kopf spritzen oder diverse Darmwindungen aus einem auseinandergerissenen Körper herausquirlen, ist alles andere als unüblich in diesem Comic. Es ist wirklich übertrieben, aber unterstreicht, wie ich finde, den Inhalt. Denn während äußerlich Menschen zerteilt, Arme abgeschnitten, Beine aus dem Rumpf gezogen, Köpfe ausgerissen werden, dreht sich Elfen Lied hintergründig um die Grausamkeit der Menschen auf dieser Welt.



Lasst mich das als Überleitung nehmen, euch den Inhalt ein wenig näher zu bringen. Vielleicht kennt ihr das ja auch schon. In der Schule wart ihr bes. klein ? Oder etwas schwerer von Begriff ? Wart ihr vielleicht nicht sonderlich hübsch, also eine Mauerblume ? Oder kennt ihr jemanden, der in irgendeiner Form anders war als die meisten ? Kinder können echt grausam zu solchen innerlich oder optisch Anderen sein. Und hier beginnt Elfen Lied. Denn es gibt hier eine Art neuen Menschentypus, eine neue Rasse evtl. Diese sind zwar anthropomorph, haben allerdings Hörner und noch weitere Hände außer die üblichen 2, die jedoch unsichtbar, länger und viel stärker sind. Außerdem haben diese "Menschen" (fast ausschließlich Mädchen/Frauen) eine gespaltene Persönlichkeit. Einerseits wollen sie ganz normal unter den Menschen leben, lieben und akzeptiert werden. Andererseits wollen sie die gesamte Menschheit ausrotten und sich eine eigene Welt nur für Diclonii (so heißen diese "neuen Menschen") schaffen - ohne Menschen. Die Diclonii schwanken stets zwischen diesen beiden Extrema. Manche finden unter den Menschen Freunde oder einen Halt und sind gut, andere, die wegen ihrer optischen Unterschiede gemobbt, gefürchtet, gehasst und gefoltert (!) werden, werden brutal und töten alle Menschen, die sie finden können.




Die Protagonistin dieser 12 Bände "Elfen Lied" von Lynn Okamoto (2002-5) ist eine dieser Diclonii, die mehrere Namen hat. Das ist immer abhängig davon, mit wem sie spricht und welche Persönlichkeit in dem Moment aktiv ist, denn sie hat wegen einer traumatischen Kopfverletzung bei einer Fluchtaktion aus einer Diclonii-Forschungsanstalt sogar noch eine dritte Persönlichkeit: Kaede, Nyuu und Lucy sind ihre 3 Namen.
In Rückblicken wird gezeigt, dass Lucy als netter Diclonius versuchte, sich unter den Menschen einzufinden. In langen, mehreren, spannenden und furchtbar traurigen Einzelereignissen, die wir als Leser immer nur nach und nach erfahren, wurde ihre anfangs hoffnungsvolle Einstellung immer wieder von Menschen enttäuscht. So hat ihre Persönlichkeit, die alle Menschen ausrotten will, immer mehr Überhand genommen. Der erste Band setzt aber erst viel später an. Nämlich als Lucy (in ihrer mitterweile ja grausamen Person) aus einer dicloniiverachtenden Forschungsanstalt flieht und dabei eben durch einen fast tödlichen Kopfschuss noch eine dritte Persönlichkeit erhält: Nyuu. Sie konnte vorher noch gerade so fliehen und wird bewusstlos an einem Strand von dem anderen Protagonisten des Comics gefunden: Kouta.
Was später erst klar wird, ist die unfassbare Schicksalshaftigkeit dieser Begegnung. Diese beiden kennen sich: sie waren in ihrer Kindheit sehr gut befreundet, doch in einem grausamen Moment hat Lucy Koutas Familie umgebracht. Doch hier am Strand nach all diesen Jahren lernen sich Kouta und Nyuu (neue Persönlichkeit !) völlig neu kennen. Denn Kouta hatte damals durch das Zusehen beim brutalen Mord (ihr erinnert euch an meine Bemerkung zu den fliegenden und zerfetzten Körperteilen ?) ebenfalls ein Trauma erlitten und die Erinnerung an Lucy verdrängt. Die beiden lernen sich also direkt nochmal kennen und freunden sich wieder an.



Mal abgesehen von dieser Ungewissheit, wann sich diese Unkenntnis auflöst, gibt es auch noch andere Parteien, die sich ständig einmischen: Forschungsinstitute, Mörder, Vergewaltiger und mehr. Die haben alle ein reges Interesse an Lucy, da sie der einzige gebärfähige Diclonius ist. So endet mit dem Moment der unerkannten Wiederbegegnung am Strand (Nyuu - Kouta) das Schwanken zwischen Menscheliebe und Menschenhass in Lucy nicht, sondern gerät zu neuen Höhen.


Und auch als sich beide endlich wiedererkennen, ist das wieder ein Anlass, dass sich die grausame Persönlichkeit ausbrechen kann. Denn Kouta bricht in Hassgefühlen ihr gegenüber aus und Lucy gerät in kummervolle Verzweiflung.




Genug, genug. Ich hab schon viel zu viel zum Inhalt des Comics geschrieben. Aber um ehrlich zu sein, bin ich eben etwas geflasht. Falls ihr mal in meine sonstigen Comic-Kommentare reingelesen habt, habt ihr evtl. bemerkt, dass ich oft die Zusammenhangslosigkeit von Folgeereignissen zu früheren Ereignissen kritisiere (Fairy Tail zB). Hier ist das glücklichweise nur in Grenzen gegeben. Oft treten völlig neue Personen auf, wenn die Handlung vorangetrieben werden soll, doch sie werden (leider dann doch nachträglich) relativ gut eingeführt (die Spionin, der Mariko-Klon-Trainer zB).


Relativ gut umgesetzt ist auch der Timeskip, der sonst bei den meisten Comics verhunzt wird.
 



Die letzten beiden Bände habe ich heute morgen erst gelesen. Die thematische Grundstruktur, die ich oben angesprochen habe, ist nicht únglaublich tiefgründig. Das Thema der Selbstkritik an der Menschheit, die Intergrationsproblematik von (scheinbaren) Sonderlingen und die potenzielle Grausamkeit der Menschen bleibt sehr rudimentär. Wie ihr an meinen 5 vergebenen Sternen aber seht, ist das nicht sehr tragisch. Denn diese Themen bleiben hintergründig doch irgendwie omnipräsent, auch wenn zB das Menschenbild hier doch etwas stark negativ ist. Dafür hat das Buch andere Stärken: recht gut gezeichnete, plausible Personen; sehr komplexe Beziehungsverhältnisse (denkt an die mehreren Persönlichkeiten !); und eine wahnsinnige Dramatik der Handlung.



Das Ende ist so unfassbar traurig und ich bin damit so unfassbar befriedigt. Ich hab echtes Stechen im Magen, wo ich jetzt wieder daran denke.




Zum Zeichenstil
Die Zeichungen sind angenehm flüssig und von Anfang an relativ feststehend. Nippel sind auch mal ausgezeichnet, sexangehauchte Szenen mit nett gezeichneten Atmosphären unterstützt. Was mich etwas stört sind einerseits die Ähnlichekeiten der Charaktere später. Kurama/der Professor, den Mariko an der Brücke killt; Nana/Nyuu/Yuka. Das ist hin und wieder unnötig verwirrend. Da fehlen zeichnerische Identifikationsaspekte. Andererseits die Versuche zum epischen Zeichnen. Manchmal gibt es Momente oder Aussagen, die Okamoto (der Zeichner ;D) besonders hervorheben will (zB die Abschiedserkenntnis Koutas am Ende), wo er die Charaktere dann besonders schauen lässt und das Bild mit durchsichter Schrift und eine Art schriftlichem Glitzer malt. Diese Szenen sind meist etwas peinlich.




Noch einige Worte zur Zeichentrickumsetzung:
Am Anfang beim Ausbruch aus dem Gefängnis wird Lucys Grausamkeit hier unnötigerweise noch stärker hervorgehoben, indem die Zeichner sie die Menschen noch schneller und grausamer umbringen lässt. Im Comic geht das alles nicht so extrem vor sich. Irgendwie zwigt sich schon hieran, wo der Schwerpunkt der Serie ist: optische Schocker. Jedenfalls hatte ich das Gefühl.
Immerhin endet die Serie auch etwa bei der Hälfte der 12 Bände mit dem Kampf an der Brücke zwischen Mariko und Lucy. Doch der Comic geht hier erst richtig los ! Der Serie fehlt dadurch einfach zu viel. Der Zeichentrick ist zwar noch immer nett, aber es fehlt schlichtweg viel zu viel. Rückblicke, Erklärungen, personelle Verknüpfungen, so viel fehlt.
Das ist sogar schlimmer als bei GTO.



Interessanterweise wurde in der Serie sogar eine ganze Person rausgelassen, nämlich die Nebenperson Nozomi, die dem Comic erst den Namen gibt, das sie als Sängerin das Lied "Elfen Lied" von Eduard Mörike (echtes Lied, schaut auf YT nach !) übt und es sogar Nyuu beibringt, die dieses Lied am Ende singt, kurz bevor sie stirbt.

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Tags: amok, ausgrenze, ausgrenzung, blut, blutrünstig, böse, boshaftigkeit, drama, emotionen, erkenntnis, evolutio, foltern, freundschaf, gefühl, gliedmaßen, hass, integratio, integrieren, japan, lieb, lynn okamoto, mang, massaker, menschen, menschheit, mobbe, mord, nicht jugendfrei, psychodrama, schocker, sentimental, sondierung, splatter, thriller, traum, verzweiflung   (36)
 

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kinderbuch, zauberer, silvester, fantasy, rabe

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch

Michael Ende
Flexibler Einband: 235 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 16.10.2008
ISBN 9783551358301
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Der Einband ist dreckig, die Seiten sind zerknittert, die Ecken zerknickt und die Farbe blättert ab. Ihr glaubt, es geht schon los ? Nein, das war nur meine Buchbeschreibung. >.< Ich hatte es mir mal auf dem Flohmarkt gekauft, glaube ich. Oder über Ebay. Da sah das Buch schon so aus. Das hat mich aber noch nie gestört, denn (das gilt mMn auch für Bücher !) auf die inneren Werte kommt es an. Und bisher habe ich mit Michael Ende nur gute Erfahrungen gemacht (Die unendliche Geschichte, Momo. Ich glaube zu diesen beiden Büchern habe ich hier auch mal was geschrieben. Schleichwerbung, YEAH ! :D). Zweifelsohne kann ich dieses Buch auch in die Reihe der positiven Erfahrungen einreihen.


Hier in diesem sehr kurzen Buch (das auch mal schnell an einem einzelnen Nachmittag runtergelesen ist) versuchen sich zwei tollpatschige, aber herzensgute Tiere gegen 2 urböse Menschen zur Wehr zu setzen und deren Realisierung von saumäßig bösen Absichten zu verhindern: Michael Endes "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" (1998).


Die Welt geht immer mehr vor die Hunde: Flüsse werden giftig, Bäume sterben ab, Tiere sterben, etc. Die Tiere berufen eine Versammlung ein und wollen herausfinden, wer dahinter steckt. Denn eines ist ihnen klar: das sind alles keine Zufälle ! Und die Menschen checken gar nichts. Also verteilen die Tiere überall als Haustiere getarnt ihre Spione und versuchen dem Übertäter auf die Schliche zu kommen. Doch solltet ihr jetzt besser nicht an Spione im Stile James Bonds denken: unsere protagonistischen "Superspione" sind erstens eine dicke, faule und etwas schwer von Begriff seiende Katze, die sich für von ritterlichem Geblüt hält und zweitens ein rustikaler, von Federausfall und Reissmatismus geplagter Rabe. Sie kommen einem Zauberer und einer Finanzverwalterin (?) auf die Schliche, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. Nur leider konnten sie den Pakt für dieses Jahr (die Welt auf unterschiedlichste Arten zu peinigen) bis zum letzten Tag 7 Stunden vor Neujahr nicht einhalten und der offizielle Pfänder des Teufels droht, die beiden in persona zu pfänden. Also tun sich die beiden Rivalen (Zauberer und Finanzverwalterin) zusammen und brauen einen satanarch... etc. Wunschpunsch. Unsere beiden tierischen Spione wollen das allerdings verhindern.




Die Kapitel sind sortiert und tituliert nach den Uhrzeiten von 17 Uhr an bis 24 Uhr des letzten Tages des Jahres. Es ist quasi ein Countdown. Das ist sehr nett gemacht. Zum Ende will ich euch eines ganz offen sagen: wie es ausgeht, ist vom ersten Moment an klar. Wendungen und Einzelaspekte lassen sich auch ganz offenkundig vorhersehen. Der Spannungsbogen ist nur mäßig spannend. Doch ist das mMn nicht ganz so schlimm, da es das Buch darauf auch nicht so ganz abgesehen hat (vgl. dagegen bspw. Momo ! Dort ist es anders. ;D). Das Buch punktet stattdessen mit lockerer Kurzweil und mit angenehmen Charakterzeichnungen. Unserer beiden Tiere sind echt nett gezeichnet in ihren Charakterzügen.
Einige Handlungsstränge regen auch bewusst zum Nachdenken an: "Menscherei", der Hinweis, dass Menschen sowieso nichts mitbekommen und deswegen die Tiere selbst die Welt retten müssen, sind so 2 Beispiele.




Alles in allem ein durchaus angenehmes und schön lesbares (Kinder !?)Buch mit gut gelungenen Wortspielereien.

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Tags: belletristik, böse, fantasy, gut, kinderbuc, michael end, moral, natur, roma, silvester, tiere, umwelt, wunschpunsc, zauberei   (14)
 

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rosemarie wilcken, frauenwahlrecht, fraue, melanie huml, gesellschaf

Damenwahl

Alice Schwarzer , Tissy Bruns , Chantal Louis , Alice Schwarzer
Flexibler Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 15.01.2009
ISBN 9783462040685
Genre: Sachbücher

Rezension:

18 Frauen. Und sie alle haben es in die Politik geschafft. Das Buch "Damenwahl. Vom Kampf um das Frauenwahlrecht bis zur ersten Kanzlerin" (2009) von der bekannten Feministin Alice Schwarzer (als Herausgeber) stellt uns 18 Frauen in Kurzkapiteln vor, die es in die hohe Politik geschafft haben. In 2 längeren Abschlusskapitel präsentieren uns die Autorinnen dann die Geschichte des Frauenwahlrechts und den Gender Gap.



Viel zu oberflächlich. Das Buch ist definitiv viel zu oberflächlich. Die Vorstellungen der Frauen sind biographische Präsentationen in knapper Form und lösen sich leider nie von einer zielführenden Einseitigkeit. Ein kritisches Wort wird man nicht finden, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass Politiker wie Ursula von der Leyen, Hannelore Kraft, Andrea Nahles und Angela Merkel völlig unumstritten sind. Besonders zur letzteren Person könnte bestimmt viel kritisches Gesagt werden (auch schon im Jahr 2009). Nur ist das wohl schwer, wenn Angela Merkel selbst ein Geleitwort für das Buch aufsetzt (Fragen nach dem Muster "Sind sie da richtig ?" "Sorgen sie wirklich für das Bürgerwohl ?" bzgl. der betreffenden Frauen werden erst gar nicht gestellt).
Die tendenziöse Ausrichtung wird darüber hinaus jedoch auch in den letzten beiden Kapitel überdeutlich. zB wird an einer Stelle der Ausspruch erwähnt, "Die Frauen haben Hitler an die Macht gewählt." doch stimme dieser Satz natürlich nicht (S.214). Woher der Satz stamme und mit welcher Begründung er aufgekommen sei, bleibt ebenso im Dunkeln wie die Gegenargumentation schwammig ist. Es wird auch viel mit Konjunktiven gearbeitet, wofür dieses eine Beispiel reichen soll: "Dürften nur Frauen an die Urnen, würden alle rechtsradikalen Parteien in Deutschland an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern." (S. 218) Ich weiß ja echt nicht, was ich von diesem Satz halten soll. ^^
Männer sind somit eher schlechte Menschen (?) und folgerichtig sei auch der Gendergap (unterschiedliches Wahlverhalten bei Männern und Frauen) 1972 auf einem "Tiefstand" gewesen (S. 216 f.). Klingt ein wenig so, als wäre das schlecht, wenn Frauen und Männer gleich wählen, denn 1972 haben Frauen und Männer gleich gewählt. Dabei bin ich von der Existenz des Gendergaps noch gar nicht so überzeugt, auch wenn er laut der Autorin definitiv "schon lange Realität" (S. 221) sei. Vergleicht dazu doch mal die Rezension von "Lulu" zu dem Buch auf Amazon.



Naja, das Buch ist schon etwas ein Reinfall. Zu undifferenziert und einseitig. Ich will jetzt nicht soweit gehen und es als feministisches Manifest einer machtpolitischen Geschlechtsideologie aufzufassen (auch wenn hier der "Mann" definitiv schlechter dargestellt wird) oder es als Propaganda mit scheinwissenschaftlichen Zahlspielereien abzutun, das ginge echt zu weit.
Doch zum Vorbild sollen sich andere Autoren von Büchern dieses Themas dieses Buch bitte nicht nehmen. Nicht mal eine Literaturliste oder etwas Ähnliches gibt es. Das wirkt alles ein wenig femipopulistisch. =) Falls es dieses Wort "femipopulistisch" überhaupt gibt. Das kam mir eben in den Sinn. Hoffe, ihr, werte Leser, wisst, was ich damit meine. :)

Als ich begonnen hatte, diesen Kommentar zu dem Buch zu schreiben, wollte ich als Überschrift echt noch "Sind Frauen die besseren Menschen ?" nehmen. Aber das wäre echt etwas zu polemisch gewesen, oder was meint ihr ? :)



Übrigens durfte das Binnen-I natürlich nicht fehlen. ;D

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Tags: andrea nahles, angela merkel, annette schava, bärbel höh, binnen-, brigitte zypries, bundesta, cdu, chantal louis, christina thobe, damenwahl, diegrünen, einseitig, feminismus, fra, fraue, frauenwahlrecht, gender gap, geschlecht, gesellschaf, hannelore kraf, heidemarie wieczorek-zeu, hildegard hamm-brücher, ideologie, kanzleri, ^katja kipping, kritiklos, mann, melanie huml, petra pa, petra rot, politik, populismus, propaganda, reichsta, renate künas, revolution, rosemarie wilcken, schwarzer, silvana koch-mehri, spd, tissy bruns, ulla schmidt, ursula männle, ursula von der leye, wahlrecht, weimarer republik, weltkrie   (48)
 

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postapokalyptisch, japan, manga, abenteuer, dystopie

Gigantomachie

Kentaro Miura , Kentaro Miura
Flexibler Einband: 204 Seiten
Erschienen bei Panini, 09.03.2015
ISBN 9783957982759
Genre: Comics

Rezension:

Frust ! Ja, Frust. Eigentlich wollte ich Berserk lesen. "Berserk" (1989 - ?) ist ein unvollendeter und schon lange andauernder Comic von Kentaro Miura. Den habe ich vor vielen, vielen Jahren schon 2mal auf den jeweilig aktuellen Stand gelesen und bis zum Winter 14/15 dann wieder vergessen. In dieser Zeit hatte ich mich dann erinnert: "da war doch noch so ein alter Comic, dan ich schon 2mal lesen wollte, aber abbrechen musste, wiel er unfertig war. Wie hieß der noch gleich ??" Berserk heißt er. Was ich dann NOCH EIN 3TES MAL schmerzlich erfahren musste: er ist immer noch nicht fertig. >.< Er ist sogar PAUSIERT. Aber das habe ich natürlich erst erfahren, als ich mit dem Lesen wieder an der neuen aktuellen Stelle angelangt war. >.< Ihr kennt es: das frustet !
Und aus Frust habe ich dann wie wild nach "Berserk" und dem Autor "Kentaro Miura" gegoogelt, um herauszufinden, wieso es nicht weitergeht. Das einzige, was ich herausfinden konnte war: es geht nunmal vorerst nicht weiter. Verdammt ! Dabei ist momentan der Cliffhanger ECHT gut. Vielleicht weiß Kentaro Miura da erstmal keinen Weg raus. ^^

Naja. Jedenfalls quatsche ich gerade etwas zu viel. Bin wohl etwas leutselig heute und noch zu wenig unter Menschen gekommen. Ewig lange Rede, kurzer Sinn: per Zufall stieß ich auf einen brandneuen Oneshot vom selben Autor: "Gigantomachie" (2015 - er soll gefälligst an Berserk weiterzeichnen ! :D).



Gigantomachie hat mit Berserk inhaltlich nichts zu tun. Hier ist die Welt (teilweise und rudimentär) technologisiert; unmenschliche Lebewesen sind von Anfang an viel stärker in die phantastische Welt integriert; der Protagonist ist gesprächig und friedliebend/pazifistisch (!). Besonders die Protagonistencharakteristika wird Berserk-Lesern auffallen. Denn Guts (der Protagonist von Berserk) ist in vielerlei Hinsicht das diametrale Gegenteil. Delos (der Protagonist hier in "Gigantomachie") ist GESPRÄCHIG und PAZIFISTISCH. Nach den umfassenden und detailierten Vergewaltigungs- und Gewaltorgien von Berserk ist das eine 180° Wendung.
Doch halt ! Die Unterschiede überwiegen nicht. Es gibt tatsächlich auch umfassende Ähnlichkeiten, wenn nicht sogar Gemeinsamkeiten. Die Welt in Gigantomachie ist ebenfalls eine postapokalyptische Dystopie. Der Protagonist ist wieder ein Kämpfer, der zweite Nebenprotagonist ist wieder eine Frau, die zwischen den Extremen der souveränen Selbstgewalt und der Hilfsbedürftigkeit pendelt. Die größten Gemeinsamkeiten liegen jedoch im stilistischen und rahmengebenden Bereich: 1. die Zeichnungen sind wieder einzigartig . Mehr sage ich zu den Zeichnungen nicht. Das muss man gesehen haben. 2. Die Ereignisse sind wieder auf das Epische in seiner grandiosen Absolutheit angesetzt - und das wieder mit grandiosem Erfolg. Epische Gesichtsausdrücke, epische Bewegungen, epische Sprüche, mal ganz zu schweigen von epischen Landschaftszeichnungen, Kämpfen und bewegenden Momenten.
Hier erkennt man seinen Kentaro Miura. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, allein wegen der Zeichungen und angelegten (und erfolgreichen !) Epicness sein Fangirl zu werden. Ehrlich. :x


Doch nun endlich medias in res !
Die Welt, die wir in diesem Kurzcomic kennenlernen, ist eher eine Art Wüste, wobei aber klar wird, dass das eher die Peripherie einer größeren und fruchtbaren Welt ist. Delos reißt umher, um Frieden zu stiften und zu halten. Denn die Welt scheint im Begriff beherrscht zu werden von den sog. Hyuu (Menschen) und hier in die Wüste haben sich Halbmenschen (halb Menschen und haln Insekten/Scarabei) zurückgezogen, um dem Zugriff der Menschen zu entkommen und fristen ein Leben in tiefem Menschenhass. Mit seiner sehr speziellen Kampfart (Wrestling) kann Delos beweisen, dass er alles in Kauf nimmt, um seinen Gegner nicht zu töten, sondern nur auszuknocken (Kontrast zu Berserk genau hier ! Ihr wisst, was ich meine. :D). Die Menschen greifen unerwartet an, um die Scarabeimenschen zu vertreiben/unterwerfen/auszurotten (?) und Delos beweist wiederum seinen guten Willen und sein besonders ehrgeizigen Ziel: denn er ist in der Lage sich mit Prome (die Begleiterin von ihm) in einen Titanen zu verwandeln und den Titanen der Menschen zu vernichten. Die Scarabeimenschen wollen die Menschen massakrieren, doch Delos hindert sie daran. Als gerechter und guter Held zieht er dann in Frieden und Freundschaft von dannen.


Hört sich inhaltlich ein wenig platt an ? Ja, stimmt. Doch ist diese Wild Wild West Cowboy Adaption eine sehr gut gelungene Reinterpretation des Autors, der dieser Handlung mit seinem Stil, seinem Witz, seinen Zeichnungen (etc.) eine solche Lebendigkeit und Besonderheit einhaucht, dass es mich vollends überzeugt.




Evtl. geht auch diese Geschichte weiter. Am Ende gab es noch den ein oder anderen unerklärlichen Cliffhanger. Bin mal gespannt.

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Tags: abenteuer, berserk, comic, dystopie, frieden, japan, kentaro miura, manga, postapokalyptisch, shonen   (10)
 

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jojos bizarre adventure, zeichenstil, 115 bände, manga, großbritannien

Jojo's Bizarre Adventure Part 1 Phantom Blood 1 by Horihiko Araki (2015-02-26)


Fester Einband
Erschienen bei null, 01.01.1800
ISBN B017MYFR0E
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dieser Comic ist echt seltsam. Ich kam auf ihn durch Online-Statistiken und dieser ist einer der am längsten laufenden Comics aus Japan, die es gibt. Also dachte ich mir, ich lese da mal rein. Tatsächlich läuft er bereits seit 1986 (!) und umfasst bisher (!) 115 Bände. Diese Unternehmung ist wahrlich ansehnlich.

Angeleitet wird dieser Comic mit mehreren Zeitsprüngen: Zunächst befinden wir uns weit vor Christi Geburt. Denn mit den Azteken wird etwas in die Welt gelassen, das wohl unsere Handlung dominieren wird. Nämlich eine Maske. Eine ziemlich hässliche Maske, muss ich allerdings dazu sagen. Doch halt ! Man sollte etwas nicht nach dem Äußeren beurteilen (auch wenn das jetzt bzgl. einer MASKE doch etwas paradox klingt). Naja, jedenfalls hat diese Maske die geheime Kraft, dem Träger, mit dem sie sich verbindet, unglaubliche Kräfte zu verleihen. Doch da dazu das Blut einer Jungfrau geopfert werden muss (wer hätte das gedacht ? ;D), gerät die Maske wieder in Vergessenheit und scheint wohl knapp 2000 Jahre in Vergessenheit zu geraten. Denn wir machen mit der Geschichte einen Zeitsprung ins Großbritannien der 1880er. Die Maske ist vergessen, befindet sich jedoch im Haus unseres Protagonisten Jojo, ist jedoch nur noch ein antikes Schmuckstück (ein hässliches ! Ihr erinnert euch ?).
Der Fokus liegt nun auf Jojo und einem anderen Jungen. Die sich hassen, warum auch immer. Der fremde Junge macht unserem Jojo das Leben zur Hölle: er küsst Jojos Mädchen, vergrault dessen Freunde, verbrennt dessen Hund und so weiter. Das übliche, was jeder normale Mensch macht, wenn man jemanden nicht sonderlich mag. oô

Jedenfalls habe ich den Comic wieder abgebrochen aus diversen Gründen. Er ist jetzt nicht grundsätzlich schlecht, aber mich stört einfach echt viel. Unbegründete Aktionen, Emotionen/Reaktionen, die unplausibel sind und ganz besonders der Zeichenstil, mit dem ich nichts anzufangen weiß (vgl. zB dazu "DNA²" oder "Darf ein Mädchen sexy Manga zeichnen ?"). Mag sein, dass die beiden Handlungsstränge (Junge und Maske) noch auf eine interessante Art zusammentreffen, doch werde ich mit dem Comic nicht warm. Vielleicht muss man dem Comic eine länger andauernde Chance geben und sich auf ihn einlassen (es kommen ja noch ein paar Teile - 114 bisher), doch einnehmend von der ersten Seite an (vgl. zB "Fullmetal Alchemist", "X", "One Piece" oder "Berserk") ist er definitiv nicht.



Evtl. gebe ich diesem Comic "JoJo's Bizarre Adventure" (seit 1986) von Hirohiko Araki irgendwann nochmal eine Chance, dann werde ich diesen Kommentar natürlich revidieren. Doch dieser erste Versuch war nichts.

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Tags: 115 bände, großbritannien, hirohiko araki, jojos bizarre adventure, manga, skurri, verdammt viele teile, zeichenstil   (8)
 

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verra, hiromu arakawa, götter, sterne, jushin enb

Hero Tales: Vol 1 (Hero Tales (Yen Press))

Huang Jin Zhou
Flexibler Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Yen Press, 05.11.2009
ISBN 9780759531161
Genre: Sonstiges

Rezension:

Entscheiden wir unser Schicksal selbst ? Oder bemessen die Götter es für uns ? Soll die Welt um uns herum noch weiter verfallen ? Doch wie kann etwas gegen den Verfall unternommen werden ? Und vor allem wer soll die Person sein, die den Verfall aufhält ?

Ich denke, das sind so in etwa in die übergeordneten Handlungselemente dieses Comics, den ich euch heute vorstellen will, werte Leser: "Hero Tales" (2006-10) heißt er und ist von Huang Jin Zhou. Dieser Name scheint ein Kollektiv zu sein. Eine der Beteiligten ist Hiromu Arakawa. Die kennt ihr !! Denke ich zumindest. :D Ich habe hier bereits über einen Comic von ihr geschrieben: "Fullmetal Alchemist". Ob ihr nun in meinen Kommentar zu FMA reingelesen habt oder nicht, ich will nochmal mein Fazit dazu wiederholen: FMA ist brilliant. Daher habe ich hier nun auch "Hero Tales" gelesen, da dieselbe Autorin und so, ihr versteht. JEDENFALLS. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich nur 2 Sterne vergeben habe. Denn "Hero Tales" hat mich zwar von den Socken gehauen, aber nicht durch seine Brillianz, oder durch seine Genialität oder sonstwas, sondern eher durch seine späktakuläre Unspäktakularität. Ja, echt. Das heißt, ich müsste eigentlich 2,5 Sterne vergeben, doch da mMn auch viel Potenzial verschenkt wurde, habe ich nach unten abgerundet.
Der Comic ist nämlich in seiner Anlage interessant, keine Frage. Das übergeordnete Thema hat Potenzial zu Tiefgründigkeit und wir bewegen uns meistens auf der Ebene von determinierten Menschen, die zwischen freier Selbstentscheidung und Schicksal schwanken und dem chinesischen Kaiserreich ihren Stempel aufdrücken wollen. Jeder will es verändern. Zwei wollen es verbessern, der erste indem er es reformiert, der zweite, indem er alle Menschen darin umbringt (dann herrscht ja ewiger Frieden, WTF :D). Ein dritter will einfach nur Krieg, damit er sich von den Blutströmen erregen lassen kann (das passendere Wort wäre eigentlich "aufgeilen" gewesen, aber ich wollte nicht vulgär sein). Die Hauptantagonisten sind der Hagun (der, der das Reich reformieren/revolutionieren will oder wird) und der kaiserliche General, der eine Militärdiktatur anstrebt. Es gibt Seitenwechsel, Intrigen, Verrat und Mord. Liebe, Freundschaft, unbekannte Verwandschaft und Tränen. Aussöhnung und Hass.

Doch bei alldem bleibt die Handlung etwas zu simpel, die Charaktere ähnlich charakterisiert und etwas unlogisch. Andere werden zu Protagonisten stilisiert, sind es aber nicht (weil fehlende Charakterisierung, fehlende Einleitung, etc.). Auch die tieferen Themen muss man schon lesen WOLLEN.


Es eignet sich nicht mal wirklich zum netten Zeitvertreib, auch wenn der Zeichenstil an sich echt nett ist. Lediglich der Haarschnitt von Hagun ist definitiv augenkrebsverursachend.



Einfach alles erinnert dabei an FMA, doch konnte das den Comic nicht retten.


Der Autorin werde ich natürlich (!) trotzdem noch eine Chance geben. :) Dafür war FMA einfach viel zu gut.

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Tags: aristokratie, dekadenz, determinismus, freundschaf, fullmetal alchemis, götter, hero tales, hina, hiromu arakawa, huang jin zho, jushin enb, kaiserreich, schicksa, sterne, verra   (15)
 

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manga, erotik manga, erotik, japa, voyeurismus

Girls In My Glasses 1

Yuki Azuma ,
Flexibler Einband: 196 Seiten
Erschienen bei Panini, 17.03.2014
ISBN 9783862019328
Genre: Comics

Rezension:

In 9 kurzen Kapiteln zeichnet und schreibt Yuki Azuma in ihrem kurzen Comic "Mousou Megane" (auf Engl. evtl. "Girls in my Glasses"; 2010 ?) über jeweils einen Jungen oder Mann, der das Glück hat für einen kurzen Moment die verschiedenen Kleiderlagen eines Mädchen zu durchblicken
Die KOnstellation ist meistens sehr ähnlich: ein Junge oder ein Mann ist heimlich in eine Frau oder ein Mädchen verliebt, kommt ihr auch aus mangelndem Selbstvertrauen nicht näher. In einem kurzen Moment sie dann nur dieses (!) Mädchen durch ihre Brille (die männl. Protagonisten sind allesamt Brillenträger) in ihrer Unterwäsche sehen. Nach einigen Augenblícken dann vollends nackt. Am Ende des jeweiligen Kapitels sind die beiden sich dann sehr nahe gekommen, zT auch mit Verabredung, andernteils nur mit körperlicher Berührung und die Wirkung der Brille verschwindet wieder.



Die Zeichnungen gefallen mir echt gut. Nur leider ist der Comic einfach lame und simpel.

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Tags: brille, ecch, erotik, girls in my glasses, intim, japa, manga, mousou megane, nackt, pervers, pubertär, scham, schönheit, unterwäsche, voyeur, voyeurismus, yuki azuma   (17)
 

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romantik, wahnsinn, sandmann, nathanael, klassiker

Der Sandmann

E. T. A. Hoffmann , Joseph Kiermeier-Debre
Flexibler Einband: 96 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.04.2010
ISBN 9783423026840
Genre: Klassiker

Rezension:

Der schwer einschätzbare Nathanael weiß nicht weiter. Von Anfang an hat er ein schlechtes Gefühl. Denn ihm ist eventuell Coppelius begegnet ! In einem Brief an seinen guten Freund Lothar (der Bruder seiner Geliebten) schreibt er von seinem schlechten Vorahnung und seiner Kindheitserfahrung mit Coppelius. Dieser war ein Arbeitskollege seines Vaters bei alchimistischen Experimenten, bei denen sein Vater auf eine schlimme Art ums Leben kam. In seiner kindlichen Vorstellung verband er dann den optisch gruselig wirkenden Copelius mit dem Sandmann. Doch vom Sandmann hatte Nathanael bereits ein sehr brutales Bild durch die obskuren Erzählungen seines grausamen Kindermädchens. Dieses bösartige Bild des Coppelius verfolgt Nathanael nun sein ganzes (kurzes) Leben.
Denn E.T.A. Hoffmann zeichnet in in seinem Werk "Der Sandmann" (Erstveröffentlichung: 1816; meine Ausgabe 2008: Reclam) ein sehr verworrenes und mehrschichtiges Bild seines Protagonisten Nathanaels. Durch seine traumatischen Erlebnisse der Kindheit (Erzählungen über den Sandmann; Tod des Vaters; Coppelius; Verderbung von üblichen Kindheitserlebnissen; Bedrohung seiner Augen). Ist er stark geprägt und verlagerte seine Wahrnehmung stark auf sich selbst. Aufrecht gehalten wird er durch seine Mutter, seine Geliebte Clara und seinen besten Freund (+ Claras Bruder) Lothar, die er noch aus Kindertagen kennt. Doch in seinem Narzissmus und seiner Prägung scheint er die Realität nicht mehr vollständig wahrnehmen zu können. So wird er nach vielen Jahren als Student durch mehrere Ereignisse stark aufgewühlt: er begegnet einem Piemonteser namens Coppola, der in gewisser Weise Coppelius ähnelt. Und er verliebt sich in eine automatisierte Puppe. Durch seinen entfalteten Narzissmus bezeichnet er die aufgeklärte und bodenständige Clara, die ihm mit Rationalität und Liebe bei allen Problemen beistehen will, als leblosen Automat, der sie gegenüber seinem literarischen Schaffen kritisch ist. Und gleichzeitig verliebt er sich paradoxerweise innig in die Puppe. Durch diese Ereignisse und einem scheinbaren (?) Wiedererkennen des Coppelius wird er vollends Wahnsinnig und bringt sich um.


Sehr dramatisch. Und sehr irritierend. Doch die Irritation passt ! Wunderbar gibt sie Nathanaels Wahrnehmung wieder. Denn als Leser ist es echt schwer, vieles klar zu bestimmen. Ist Coppola = Coppelius ? Ist Olimpia eine reale Frau (ihre Enttarnung als Puppe bleibt lange verborgen und Nathanael noch länger als uns !) ? etc.
Auch die Reflexion auf den kleinbürgerlichen Kontext ist interessant: die Beiseienden erkennen auch in der Puppe nur schwerlich die Puppe, da sie so gut die Rollenanforderungen der idealen Frau wiedergibt (!). Oder der Vergleichder Ereignisse mit einer Allergorie durch einen Literaturwissenschaftler zeigt ganz gut die Schwerfälligkeit, Neues zu erkennen und zu akzeptieren.




Doch alles in allem in das Buch eher irritierend, denn anspruchsvoll; eher drastisch, denn dramatisch. Ich finde es recht langweilig und die auftretenden Motive (Wahnsinn/Gesundheit; Vorstellung/Realität; Puppenmotiv; Augenmotiv; Aufklärung; Frau im Bürgertum; Feuer als Veränderungsmotiv; etc.) recht platt und stellenweise unausgefeilt.




ABER: der textkritische Apparat, die KOmmentare und das Nachwort (eher eine Gesamtinterpretation und KOntextualisierung) sind sehr gut gelungen.

Meine Ausgabe: Drux, R. (Hg.): E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann, Stuttgart 2008 (Jahr ? Das Impressum ist hier mMn etwas irritierend). Reclam-Ausgabe.

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Tags: auge, der sandmann, eta hoffmann, interpretation, klassiker, nathanael, reclam, sandmann, schule, verrückt, wahnsinn   (11)
 

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55 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 3 Rezensionen

attack on titan, manga, action, hajime isayama, armin

Attack on Titan, Band 1

Hajime Isayama ,
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 18.03.2014
ISBN 9783551742339
Genre: Comics

Rezension:

Schnell, unvorhersehbar, actionreich und blutig.

Was soll ich mehr sagen ?! Das beschreibt Shingeki no Kyojin schon ganz gut. Dennoch: folgt mir in die spoilerreichen Details !

Ich will eine versuchte Rezension schreiben bis zu dem Punkt, wo ich momentan bin (die Reihe ist nicht beendet) und wo die Reihe tatsächlich auch eben steht (Kapitel 75 nämlich).
Mit Shingeki no Kyojin (oft auch "Attack on Titan") hat Hajime Isayama vom Jahre 2012 an (Erscheinung des 1. Bandes) eine echt schockierende Welt geschaffen. Zugleich ist sie aber auch packend und einfach nur cool.


Die Menschheit ist beinahe ausgerottet. 100 Jahre vor Storybeginn erschienen mit einem Mal unglaublich einfache, unerklärbare und starke Wesen: die Titanen. Sie in der Regel nackt, männlich, dämlich grinsend, dämlich an sich, 4-15 Meter groß - und hungrig. Und zwar sind sie hungrig auf Menschen. Mit einem Schlag wurde so beinahe die gesamte Menschheit ausgerottet und vermochte es nur gerade so, sich hinter einer dreifachen Mauer zu verschanzen. Dort überlebten die Übriggebliebenen etwa 100 Jahre unter einer sich manifestierenden Monarchie.
Hier setzt die Handlung ein. Denn im 100. Jahr geschieht das unerwartete: eine intelligenter Riesentitan (+50 Meter !) erscheint, tritt das Tor ein und lässt die anderen Titanen in die Stadt ! Der noch junge Eren Jäger (es herrscht großer Streit um die Schreibweise seines Nachnamens. Seht euch dazu nurmal die Diskussionsseite des englischsprachigen Wikipedias an <.<) muss dabei zusehen, wie seiner Mutter vor seinen Augen das Rückgrat brutal gebrochen, bevor sie auch noch gnadenlos in Stücke gerissen aufgefressen wird. Die erste und äußerste der 3 Mauern ("Mauer Maria") fällt und ein großer Teil der (sowieso nur noch wenigen !) Menschen stirbt. Der Rest zieht sich hinter das kleinere Territorium hinter der zweiten Mauer ("Mauer Rose") zurück. Ziemlich blutig, denkt ihr ? Ist es zwar, aber das ist lediglich der Auftakt einer wahren Blutserie. Eren schwört Rache an allen Titanen und verfolgt von da an das Ziel, alle Titanen umzubringen. Er schließt sich nach 5 Jahren (noch immer hasserfüllt) der Aufklärungstruppe an, die eine der 3 militärischen Mächte innerhalb der Mauern ist und zu Erkundungs- und Forschungszwecken oft Expeditionen außerhalb der Mauern unternimmt. Doch plötzlich erscheint der Riesentitan (eben nach diesen 5 Jahren) ein weiteres Mal, um auch die zweite Mauer (ihr erinnert euch: "Mauer Rose") zu zerstören. Eine Schlacht entbrennt. Evtl. wohl eher ein Gemetzel, denn wir als Leser merken erst hier so richtig, wie hilflos die Menschen gegen die Titanen trotz ihrer neuentwickelten Waffen sind. Zahllose zu diesem Zeitpunkt altbekannte oder kennengelernte Charktere werden von den nackten Wesen brutalst hingeschlachtet, zerrissen, verstümmelt, verschlungen, zerstampft, zerquetscht, enthauptet, zerteilt, zum Platzen gebracht oder sonstwas. Die Kreativität des Autors ist hier recht groß.
Doch die Menschheit kann zurückschlagen und die Mauer verschließen, als bekannt wird, dass die Grenze zwischen den (anthropomorphen) Titanen und den Menschen gar nicht so groß ist. Denn Eren Jäger kann sich überraschenderweise zu einem Titanen verwandeln !



Das reicht zum Inhalt. Keine Lust mehr. Ich würde gerne mehr Bewertendes schreiben.


Ich will gerne nur ein paar (wahrscheinlich zusammenhangslose) Einzelgedanken und Eindrücke mit euch teilen.

Um Shingeki scheint ja gerade echt ein riesiger Hype zu herrschen ! Das wusste ich allerdings erst, als ich angefangen hatte. Ich kann diesen Hype jedoch mehr als verstehen. Eren Jäger als rachsüchtiger, idealistischer und blutrünstiger Badass und Mikasa als ruhiger, emotionsloser und ruchloser Schatten Erens überzeugen echt. Besonders auschlaggebend ist für den Hype (und das gewiss nicht zu Unrecht !) die unglaubliche epochale Handlungsdichte. Ich habe noch einen Comic gelesen, der so gut das Genre des filmischen Actions auf Papier gebannt hat. So simple Handlungen wie normales Gehen können schon episch in den Kontext eingebunden sein. Alles ist irgendwie aufs Epische abgestimmt. Der Feindkontakt, die Reden, das Kämpfen, das Sterben und das Töten. Den Hype kann ich echt gut verstehen.


Eins muss ich Hajim Isayama echt lassen. Seine Kreativität ist wahrlich groß. Dieses dystopische Szenario ist so schockierend wie faszinierend, so selbsterklärend wie gleichzeitig tiefgründig. Er ist echt vielseitig. Wahnsinnig cool ist die Ausrüstung der Soldaten in Shingeki no Kyojin. Weiße enganliegende Hosen, weißes enganliegendes Oberteil, mit einer hellbraunen kurzen Jacke mit langen Ärmeln. Darüber ist ein grüner Umhang mit einem Symbol, das die Zugehörigkeit zum jeweiligen Trupp erkennbar werden lässt (Aufklärung, Militärpolizei und Garnison). Auf den weißen enganliegenden Kleidungsstücken ist noch die sogenannte 3D-Ausrüstung angebracht, die aus stabilisierenden Lederriemen besteht, die sich von Kopf bis Fuß um die Körper zieht. Dazu metallene Scheiden und Schwerter, die in ihrer Form an Teppichmesser erinnern. Seht euch an Bild an, Leute, ehrlich ! Das hat echt gutes Cosplay-Potenzial.
Aber zurück zum Comic. Besonders cool gelungen ist auch der 3D-Kampfstil, der auf Wald- oder Häuserkampf spezialisiert ist und Kämpfe in der horizontalen ermöglichen.

Am Anfang erscheint der Widerspruch in der Welt Isayamas recht simpel: Mensch gegen Titan. Doch frühestens ab der Verwandlung Erens in einen Titan oder spätestens ab der Episode mit Erens Vater wird klar, dass gar nichts klar ist. Innerhalb der Stadt gibt es zahlreiche Partikularinteressen, die sich zT widersprechen und intrigieren. Selbst der große Feind "Titan" ist gar nicht mehr so klar. Eher scheint der Hobbsche Spruch zu gelten "homo homini lupus". Die Menschen sind ihre eigenen Feinde. Selbst die Titanen in ihrer Verwandelbarkeit und anthropomorphen Gestalt legen das nah.



Als noch zu Beginn so unglaublich viele Personen auf grausamste und verstörendste Art verrecken, dachte ich für einen Moment noch, ich hätte einen zweiten George Martin vor mir, der ebenfalls nicht zögert, langbekannte und liebgewonnene Personen sterben zu lassen. Immerhin wurde Eren Jäger zum Protagonisten stilisiert und kurz darauf wird sein Bein abgebissen und er slebst in Teilen gefressen. Ich war schockiert ! Und zugleich fasziniert. Die Welt von Shingeki würde einen derartigen Umgang mit Personen sehr gut erklären. Nur unrealistischerweise überleben stets unsere Protagonisten. Und eine logische Entwicklung geschieht auch nicht wirklich. Die Figuren scheinen mir etwas platt und undifferenziert. Neue Figuren werden auch hier wieder (vgl. Fairy Tails, vgl. dagegen One Piece) punktuell und mit einem nachträglichen Geschichtsabbriss in die Handlung eingeführt.

Die erwähnte Epik wird später allerdings auch etwas willkürlich. So sind die Ereignisse um Erwins Armabbriss und Reiners und Bertholds Eingeständnis vor Eren erstaunlich nebensächlich dargestellt im Kontrast zur Tragik und Bedeutung. Das Geständnis der beiden Kameraden findet sogar nur im Hintergrund eines Panels statt.


Ich finde also alles in allem, dass der Comic mit dem ersten/den ersten Bänden einen Wahnsinnsauftakt hinlegt, dann jedoch stark nachlässt. Jedoch aufgepasst ! Gerade die letzte Handlungstendenz, in der der Shiganshina Distrikt zurückerobert werden soll, wird wieder an die Handlungsart des Anfangs erinnert. Jedoch befürchte ich mit dem Affentitan doch wieder ein neues "deus ex machina"-Auftauchen (mindestens) eines neuen Charakters.


Doch ich bleibe gerne (!) dabei !

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Tags: action, attack on titan, blut, brutal, dystopi, gemetzel, hajime isayama, mang, menschheit, shingeki no kyojin, to, trauer, verzweiflung   (13)
 

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hetäre, goeth, intrige, komödie, ehebruc

Phormio

Terenz
Flexibler Einband
Erschienen bei Reclam, Ditzingen
ISBN 9783150018699
Genre: Gedichte und Drama

Rezension:

Ein leidenschaftlicher junger Mann gegen einen Zuhälter, ein geldgieriger Alter gegen einen Halunken, ein Pantoffelheld gegen eine dominante und selbstbewusste Frau. Das sind einige der Antagonismen in unserem Stück "Phormio" (Erstaufführung 161 v. Z.) von Terenz. Klingt ziemlich abgefahren ? Ist es auch.

Die beiden jungen Cousins Antipho und Phaedra verlieben sich unsterblich in 2 junge Frauen. Das klingt erstmal unspekatkulär, führt aber später zu einigen drastischen Momenten: zu einem heftigen Wortgefecht zwischen Phaedra und einem Zuhälter, zur waghalsigen Flucht Antiphos aus der Stadt, zu einer Prügelei zwischen die Vätern von Antipho und Phaedra einerseits und einem Freund von Phaedra andererseits, zur Aufdeckung eines Ehebruchs und zu noch mehr ! Aber halt. Alles der Reihe nach !
Denn Phaedra und Antipho verlieben sich nicht in irgendwelche Frauen, sondern Antipho verliebt sich in eine arme Stadtfremde und Phaedra verliebt sich in eine prostituierte (?) Sklavin. Das Problem dabei ist, dass die Väter der beiden entweder geldgierig oder standesbewusst sind und in jedem Fall eigene Pläne für ihre Söhne haben (ihr wisst ja, man wurde oft noch verheiratet und so). Tja, das bietet viel Konfliktpotenzial. Denn die beiden ziehen Phormio zu Rate ! Dieser ist ein Freund Phaedras und mit einer Scheinanklage, Drohungen, Lügen und vor allem ganz viel Witz schafft er es tatsächlich, dass Antipho sein Mädchen, das dieser natürlich INSTANT geheiratet hat, behalten darf, und dass Phaedra genug Geld von seinem mega-gierigen Onkel bekommt, um seine sklavische Geliebte freikaufen kann.


Der Autor des Stückes, Terenz, hat hier wirklich ein wundervolles Stück geschaffen, das heute zwar nicht mehr aufgeführt wird, aber auch in seiner bloßen Buchform noch amüsant und unterhaltsam ist. Er baut von Anfang an die beiden großen Konflicktpotenziale (die beiden einzelnen Liebesbeziehungen) auf und löst am Ende mit einigen Knallern und Wendungen beides gleichzeitig auf. Dabei bleiben seine Personen zwar einfach gestrikt, aber stets glaubhaft charakterisiert.



"Phormio" habe ich heute (das Buch geht tatsächlich in kürzester zeit runter) nicht zum ersten mal gelesne und er hat mich mal wieder sehr amüsiert. Terenz ist echt lesenswert, auch wenn schon weit über 2000 Jahre alt. :)


Die Ausgabe, die ich hier habe, ist die des Reclam Verlages. Übersetzer und Herausgeber ist Peter Kruschwitz, der mit der Übersetzung gute Arbeit geleistet hat und auch ein sehr gutes Nachwort anhängte. Das Nachwort umfasst nur sehr wenige Seiten, enthält aber in pointierter Form alles, was nötig ist: Einleitung zum Autor und Gesamtwerk, Inhaltsangabe, Interpretation, Rezeption, Vorläufer, etc.

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Tags: antike, apollodor, aussteuer, doppelmoral, ehebruc, epidikazomenos, eunuchus, geld, geldgier, goeth, griechenland, heira, hetäre, humor, intrige, komödie, liebe, lüge, lustspiel, menander, peter kruschwitz, phormi, reclam, scipionenkreis, sklave, teren, theater, zuhälter   (28)
 

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manga, fullmetal alchemist, alchemie, abenteuer, hiromu arakawa

Fullmetal Alchemist. Bd.1

Hiromu Arakawa , Burkhard Höfler
Flexibler Einband
Erschienen bei Panini, 13.09.2006
ISBN 9783866072497
Genre: Comics

Rezension:

Edward und Alphonse Elric.

Um diese beiden dreht sich unser heutiger Comic: "Fullmetal Alchemist" (2001-10) von Hiromu Arakawa.

Beim Versuch ihre geliebte Mutter von den Toten zurückzuholen, geht einfach alles schief. Ed(ward)s Bein wird abgerissen und Al(phonse) verliert seinen kompletten Körper. Noch in aller letzter Minute und mit hohem Blutverlust kann Ed noch Als Seele an eine Rüstung binden. Und dafür verliert er noch seinen rechten Arm, der ihm auch abgerissen wird.


Hört sich creepy an ? Oh, ja das ist es ohne jeden Zweifel. Denn wir befinden uns hier in einer völlig anderen Welt. Es gibt bereits Pistolen, Autos, Panzer und Radios, aber sonst ist die Technisierung nicht weit fortgeschritten. Denn in dieser Welt haben etwas anderes für sich entdeckt, um sich das Leben leichter zu machen: die Transmutationsalchimie. Abgesehen vom Gesetz des äquivalenten Tausches nach dem der Wert der Urpsrungsmasse dem Wert der Eregnismasse entsprechen muss, gibt es kaum Grenzen: Waffen, Reparaturen, Häuser, medizinische Versorgungen, Materialveränderungen, ja sogar Menschen können transmutiert werden. Nur ging bei unseren Gescwistern irgendwas höllisch daneben. Und an diesem Punkt setzt unsere Geschichte ein. Denn Ed und Al wollen wire Körper wiederhaben und begeben sich auf die Reise durch ihr Land Amestris, um die Alchimie zu erforschen und ihre Kenntnisse auszuweiten. So wird Ed zum Staatsalchimisten und verstrickt sich immer mehr in geheime Staatsangelegenheiten, sodass er die größte Verschwörung, die man sich vorstellen kann aufdeckt. Nicht nur, dass eine neue Evolutionsstufe des Menschen ("Homunculi") im Hintergrund die Fäden des Staates Amestris zieht, sondern sogar extra zu eigenen Zwecken den Staat vor vielen Jahren erst gegründet haben !


Die Hintergrundebenen, die sich in Fullmetal Alchemist vereinen sind so zahlreiche wie tiefgründig: Militarismus, Fundamenatlismus, Minderheitenverfolgung, Verschwörung, Moral und mehr.


Wo soll ich beginnen ? Ich weiß es nicht. Schon lange habe ich keinen so guten Comic mehr gelesen.
Die Idee ist gut, keine Frage. Doch nicht so bahnbrechend wie bei anderen Mangas. Und das ist gut so ! Denn der Fokus liegt stattdessen auf 2 anderen Ebenen des Comics: den Personen und dem Handlungsverlauf. Und beides ist der Autorin Arakawa glänzend gelungen. Die Handlung ist relativ einfach gestrickt, doch sehr aspektreich. Die Handlung bleibt stets gleich, da sich die Ziele nicht ändern, die zu Anfangs feststanden. Stattdessen gewinnt die Welt im Laufe der langen Handlung (immerhin 27 Bände) immer mehr Farbe. Früh Erlebtes wird später erklärt oder unter neuen Blickrichtungen wieder aufgegriffen. Das Auftreten neuer Personen hält sich relativ in Grenzen, damit diese mehr Spielraum zur Entfaltung und Entwicklung haben.
Die Zeichnungen sind sorgfältig, differenziert udn sehr schön ausgearbeitet.


Von Hiromu Arakawa werde ich mir auf jeden Fall noch mehr ansehen. Das ist auf jeden Fall der erste Comic von einer Frau, der in eine solche thematische Richtung geht. Liebe und Romantik zB kommen nicht wirklich vor.



Noch kurz zum Abschluss: jetzt im Anschluss merke ich, dass ich total unzufrieden mit diesem Kommentar bin. Seht mir das nach. ich werde ihn gewiss noch überarbeiten.

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Tags: a, alchemie, alchimie, amestris, automail, ed, elric, emotionen, env, evolution, fullmeta, fullmetal alchemis, geschwister, glutton, greed, hiromu arakawa, homunkuli, japan, lust, manga, militarismus, slot, transmutation, vater, verschwörun, wrat   (26)
 

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zensur, china, schleier, schenkel, milchsäcke

Der Mythos vom Zivilisationsprozeß

Hans Peter Duerr
Flexibler Einband: 669 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 15.09.1999
ISBN 9783518395363
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Arschloch", "unzivilisiert", "Brüste entblößen", "völlig unzutreffend", "primitive Horden", "noch absurder", "man müsste sich sehr wundern, daß unsere Spezies zu jener Zeit nicht ausgestorben ist". Huihuihui. Hier wird echt kein Blatt vor den Mund genommen. Die Seitenangaben zu den Zitaten sind in entsprechender Reigenfolge: 11, 11, 17, 17, 22, 23, 23. Zugegeben, das sind sehr selektive und willkürliche Zitate, doch geben sie evtl. wider, warum ich große Augen machen musste, als ich die Einleitung unter dem ebenfalls sehr bezeichnenden Titel "Paradigm Lost" las. Bis zum Ende konnte ich das Buch echt nicht einschätzen. Denn die Einleitung vermittelt etwas das Bild eines modernen Sallust, der hier empört über die Dekadenz der Moderne herzieht und bewusst den Begriff "Moderne" in Anführungszeichen setzt.
Denn mit diesem Buch "Der erotische Leib. Der Mythos vom Zivilisationsprozess" (1997) will der Autor Hans Peter Duerr eine der großen soziologischen Thesen zerschmettern. Der deutsche Soziologe Norbert Elias hat nämlich in seinem Werk "Über den Prozeß der Zivilisation" auf der Affekttheorie von Sigmund Freud aufbauend eine Theorie aufgebaut, nach der wir heute "modern" und "zivilisiert" seien, weil wir es als Kultur (?) schafften, unsere triebe zu unterdrücken (= Zivilisation). In der früheren Zeit und in "primitiven" Kulturen gebe es noch keine Triebunterdrückung. Die letzten Angaben ohne Gewähr. In diesem Thema und in dieser Diskussion bin ich erst ganz rezent reingeraten. Falls hier also jemand mehr Ahnung hat und ich Fehler eingebaut haben sollte (was durchaus passieren kann), bitte ich gerne um Korrekturen.
JEDENFALLS will Duerr nun mit diesem Buch (eigentlich eine 5teilige ReiHe von mehr als 3500 S., wenn man Wikipedia glauben darf !) dieses Theoriefundament von Norbert Elias (früher trieborientiert/unzivilisiert, heute triebunterdrückt/zivilisiert) zerschmettern, indem er aufzeigt, dass heutige "moderne" Gesellschaften durchaus in einiger Hinsicht schamlos sind und es bereits in früheren Gesellschaften Scham gab. das versucht er zu beweisen, indem er sich auf ein Thema spezialisiert und dazu zahllose Beispiele zusammenträgt: Brüste. Ja, werte Leser, ihr lest richtig. Nein, das ist kein Tippfehler und keine Autokorrektur à la T9. Es geht tatsächlich um Brüste (von Frauen). Denn Duerr zeigt, dass es schon überall sexuelle Scham bzgl. der weiblichen Brüste gab. Ergo: das Fundament der Elias' Theorie ist fort. Und diese Beweisführung vollzieht Duerr streng empirisch, denn er sammelt auf den Seiten 27-353 zahllose Beispiele dafür. Wir folgen ihm dabei, wie er von Ereignis zu Ereignis springt, wie er zwischen der Neuzeit und der Antike hin und der wechselt und wie er von Kalkutta efließend nach Japan übergeht. "folgen" ist hier etwas zu einfach ausgedrückt, denn Duerrs Materialsammlung grenzt an eine zusammenhangslose Aneinanderreihung. Diese 300 Seiten sind ein Sammelsurium an interessanten Kuriositäten, die jedoch eines gemeinsam haben: sie widerlegen tatsächlich Elias Zivilisationsthese in höchster Finesse. Das unterstützt auch noch der Fussnoten-Anhang auf den Seiten 391-582 (!) und die lange Bibliographie (S. 585-652). Beides zeigt, wie viel Arbeit und Präzisionsarbeit im Text steckt (für die, die es nicht schom beim Lesen des Textes selbst oder Fussnotenabschnitte merkten).



Das an sich empfinde ich nun jedoch nicht als das WIRKLICH Bemerkenswerte und Beeindruckende an dem Buch, sondern eher die Wut und der Frust, der da drin steckt. Die Zitate in der Einleitung meines Kommentars sidn zwar teilweise selbst Zitate innerhalb des Buches, sollen aber verdeutlichen, mit welcher Härte und Unerbittlichkeit Duerr hier schreibt. In diesem Sinne will ich auch noch kurz etwas zum Anhang (S. 354-388) sagen, in dem Duerr auf Kritik (an den ersten 3 Bänden der Reihe, nehme ich an) eingeht. Duerr setzt dem Nachwort ein Zitat von Nietzsche voran: "Und Niemand lügt soviel als der Entrüstete." Und so gehts auch weiter. Duerr unterstellt anderen, gelogen zu haben und sich einfach nur sinnlos aufzuregen. Also, da ist bestimmt was dran, aber Duerr regt sich selbst auch sehr gut auf. WIRKLICH. ICH DACHTE, ICH BIN IM FALSCHEN FILM. Er sprach sogar davon, dass er Morddrohungen erhalten habe (S. 355). WTF. Wo sind wir hier ? Duerrs Argumentationsgang hatte ich eigentlich schon nach der Einleitung verstanden und akzeptiert. Immerhin gehöre ich schon von vorneherein zu denjenigen, die der festen Überzeugung sind, dass wir heute nicht so modern sind, wie wir denken oder hoffen, und dass primitive Kulturen nicht so primitiv sind/waren, wie wir meinen oder vermuten. Ich war noch ein Anhänger einer moralischen Hierarchisierung von Kulturen, Gesellschaften oder Länder, besonders wenn es (zwangsläufig) daruf abzielt, dass "wir" "moderner"/"besser"/"fortschrittlicher" sind als "andere". Der gesamte Hauptteil ist dann eben eine akkurate Beweisführung. Das finde ich auch unsagbar wichtig, weil wir so mit empirischen Argumenten ausgestattet werden. Das wäre soweit auch OK. und das empfäne ich auch als angemessenes Ende. Doch ich bin viel faszinierter von der besagten Wut des Autors hier und von dem ganzen polemischen Kontext des Themas. So ist die Kritik eines Rezensenten sinnlos: "Oberflächlich affinen  Signifikanten werden, über alle Kultur- und Zeitgrenzen hinweg, gleiche Signifikante zugeordnet, und schon aus den erzählten Verhaltensweisen ersichtliche differences make no differences. [...] So what, Mr. Duerr?" (von Duerr selbst zitiert, S. 356, mit der bezeichnenden Kommentierung: "Oder wie es ein anderer Kritiker, der etwas dagegen zu haben scheint, daß man ihn versteht, formuliert"). Duerr selbst hält seine Wut auch hier nicht gerade zurück, bezichtigt andere (berechtigt oder nicht) der Lüge und tut deren Kritik als sinnlose Empörung ab. Dabei finde ich schon, dass er auf die Kritik seiner Argumentationsanordnung, näher eingehen dürfte. Sehr deftig reagiert er auch in einer Fussnote auf die Publizistin  (?) Katharina Rutschky. Diese habe in der Zeit gemeint, da sie wegen des Fehlens eines Penis nicht dazu in der Lage sei "phallisch zu drohen". Duerr bitet ihr da eine Alternativdrohgeste aus der Tierwelt an: "Zu diesem Zwecke bräuchte Frau Rutschky freilich gar keinen Penis. Weibliche Totenkopfaffen beispielsweise demonstrieren ihre Überlegenheit, indem sie die Schenkel spreizen und ihre erigierte Klitoris zur Schau stellen." (S. 355 mit Fn. 5 auf S. 552).
Duerr muss man seine Schlagfertigkeit wirklich lassen, doch evtl. ist der indirekte Vorschlag zur Zurschaustellung der Klitoris zu viel.



Methodisch und fachlich ist das Thema der Zivilisationstheorie und seiner Widerlegung echt interessant. Trotzdem ist dieses Buch für mich ein etwas schockierender Einblick in die mögliche Unerbittlichkeit einer "wissenschaftlichen" Diskussion. Die Anführungszeichen habe ich deswegen gesetzt, weil die Diskussion beidseitig wirklich nicht gerade für die Diskutanten spricht. Auch wenn ich ehrlich gesagt denke, dass es beiden Seiten zu mehr Bekanntheit reichte.
Interessanter als das Buch an sich finde ich also eher den gesamten thematischen und personellen Kontext. Sehr überrascht war ich auch über einen älteren Spiegel-Artikel, in dem ersichtlich wird, dass Norbert Elias (ihr erinnert euch ? Der Urheber der Zivilisationstheorie) nach außen hin gegenüber Duerr freundlich und lobend war, aber sich hinterrücks beim Verlag Suhrkamp beschwerte, dass der Duerrs Bücher publiziere. Der Spiegel-Artikel schließt dann auch mMn sehr richtig mit "Fest steht: Im zivilisierten Verhalten, auf das sich die Menschheit laut Elias zubewegt, müssen sich die Groß-Denker noch üben."




Was ich an Sekundärquellen im Fließtext erwähnt habe und mehrere andere Kommentare aus dem Internet, die mir halfen, das Buch als ganzes und den Kontext der Debatte und der Personen zu verstehen (zumindest hoffe ich, einiges verstanden zu haben), liste ich hier mal auf:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-25327104.html
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-sachbuch-die-nackten-und-die-roten-11311343.html?printPagedArticle=true#pageIndex2
http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez
id=6243
http://www.berliner-zeitung.de/was-bisher-fehlte--ist-nun-kenntnisreich-da--hans-peter-duerr-legt-seine-dokumentation-ueber-die-weibliche-brust-vor-apfel--pfirsich-oder-melone-16437258
http://www.ultimo-muenster.de/kr-buch/b-duer.htm

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Tags: afrika, amerika, amme, antike, araber, asien, azteken, b, balinesen, brus, brüst, brustsaugen, brustschamm, bubibusen, buschleut, buse, büstenhalter, cheyenne, china, dekollet, der erotische lei, der mythos vom zivilisationsprozeß, doppelhügel, égalitéfrivolité, empirie, entblößung, enterotisierung, erotik, erotisierung, ethnologie, europa, fellachen, feminismus, flache brus, fra, frühe neuzeit, frust, genitalscham, griechen, hals, hängebrüst, hans peter duerr, hawa, ideal, indien, indonesien, japan, jungfrau, katharina rutschky, klitoris, korea, korsett, kriti, kultu, kulturgeschichte, liberté, macht, mädche, mieder, milchsäcke, mittelalter, mode, modern, monokin, morddrohung, mythos, nackt, neuzeit, norbert elia, nudismus, oben ohne, ostasien, primitiv, prostituierte, psychoanalyse, reizwirkung, religion, scham, schamgefühl, schenkel, schlammschlach, schleier, schulter, sexualität, sigmund freu, s-linie, soziologi, stillen, theorie, totenkopfaffe, transparenzkleider, über den prozeß der zivilisation, unterhemd, vergewaltigung, viktorianer, voyeurismus, vulva, wissenschaft, wonderbr, zensur, zettelkaste, zivilisation   (102)
 

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quintilian, poesie, ovid, lybien, rom

Lucans "Bellum Civile": Zwischen epischer Tradition und ästhetischer Innovation (Beitrage Zur Altertumskunde)


E-Buch Text: 240 Seiten
Erschienen bei De Gruyter, 15.07.2010
ISBN 9783110229486
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sind es nun abgehackte Glieder, die sich weiterbewegen, oder ist es eine Frauenfigur (Julia), die Emotionalität und Tradition in den "Bügerkrieg" bringt: die verschiedensten Aspekte müssen wir uns klarmachen, wenn wir Lucan lesen wollen.


11 Autoren versuchen mit 11 Kurzkapiteln in dieser Aufsatzsammlung "Lucan's >Bellum Civile<. Between Epic Tradition and Aesthetic Innovation" (2010), der von Nicola Hömke und Christiane Reitz herausgegeben wurde, unseren Blick auf das Epos von Lucan zu schärfen. Dies soll geschehen, indem sie aufzeigen, wie und wo sich Lucan zwischen literarischen Gattungstraditionen und ästhetischer Neuheit bewegt. Soviel verrät euch wohl auch bereits der Titel. ;D


Der uns bereits bekannte Frederick Ahl (ich müsste hier bereits über seine ältere und umfassende Einführung zu Lucan geschrieben haben) schreibt hier ("Quintilian and Lucan"; S. 1-15) beispielsweise über Lucans Erwähnung bei Quintilian. Dieser hat nämlich die Poesie des Lucan mit der des Kaisers Commodus verglichen. Aus der Bearbeitung dieses Themas zieht Ahl dann Schlüsse auf die kaiserkritische Konnotation des "Bürgerkriegs".

Eine weitere bekannte Persönlichkeit, die hier wiederholt zu Wort kommt, ist Claudia Wiener, die bereits in ihrem Buch "Stoische Doktrin in römischer Belletristik" über den Stoizismus bei Lucan schrieb (ich denke, über dieses Buch müsste ich hier ebenfalls einen Kommentar geschrieben haben). In ihrem lockeren und humorvollen Aufsatz "Stoische Erneuerung der epischen Tradition - Der Bürgerkrieg als Schicksal und die Entscheidungsfreiheit zum Verbrechen" (S. 155-173) argumentiert sie selbstbezeichnend als "mutig[er] und langweiliger Philologe" (S. 155) für eine stoische Lesart Lucans.

Eine Person, die auf interressante Art die Balance zwischen Tradition und Innovation herrstellt, sei Pompeius' verstorbene Frau Julia (Lisa Sannicandro: "Ut generos soceris mediae iunxere Sabinae: Die Gestelt Julias in der Pharsalia Lukans", S. 39-52). Denn Julia, die zugleich auch die Tochter Caesars war, werde von Lucan mit den Sabinerinnen verglichen, die in alter Vorzeit schon einmal einen Bürgerkrieg in Rom verhindert haben sollen. Andererseits bringe sie durch ihre Eifersucht und Vorausdeutung auf schlimme künftige Ereignisse elegische Elemente in das Epos.

Scaeva hingegen, der General Caesars, ist geprägt von einem wertenden Paradoxon. Diesem hat sich Nicola Hömke, eine der Herausgeberinnen, in einem Aufsatz gewidmet ("Bit by Bit Towards Death - Lucan's Scaeva and the Aesthetisization of Dying", S. 91-104) und zeigt an diesem auf, wie Lucan das tugendhafte Verhalten (= "virtus") mit dem rechtmäßigen Handeln (= "ius") in Gegensatz setzt. Denn zweifelsfrei verhalte sich Scaeva in der Schlacht tugendhaft, doch könne es schon allein durch die Tatsache, dass er in einem Bürgerkrieg kämpfe, nicht rechtens sein.

In einer Mittlerstellung sieht der Autor Alessandro Rolim de Moura die Reden in Lucans Werk, die einerseits in einem Dialog miteinanderstehen können, obwohl die Redenhalter überhaupt nicht in Kontakt stehen, und die andererseits eine Reaktion des Erzählers hervorrufen können ("Lucan 7: Speeches at War", S. 71-90).



Zuletzt will ich euch noch abschließend vom letzten und (auch methodisch) interessantesten Aufsatz berichten ("... und es bewegt sich doch! Der Automatismus des abgehackten Gliedes", S. 175-190). Hier stellt Martin Dinter die exzessive Darstellung von Zerhackungen bei Lucan in einen gattungshistorischen und inhaltlichen Bedeutungskontext. In einer längeren Reihe von Autoren, bei denen das Abhacken bestimmter Körperteile eine Rolle spielte, zeigt Dinter diese Erscheinungsform auf und will sie als Motiv verstanden wissen, was er mMn auch erreicht. Denn während das Abhacken von Gliedern bereits in den homerischen Epen vorkam und den Ruhm der Abhacker erhöhte und bei Ovids Philomela-Mythos eine breite Bedeutungsvielfalt erlangte, wird das Abhacken bei Lucan so symbolisch, dass nicht mehr ganz klar ist, wozu eigentlich. Oftmals wird für eine Übertreibung im Sinne eines Raradoxons plädiert, um Lucan das Paradoxe am Bürgerkrieg hervorheben zu lassen, wobei Dinter hier noch die alternative Lesung als kriegsverweigernde Dekonstruktion von Heldentum in den Raum stellt.







Besonders interessant sind alle diese Aufsätze nicht unbedingt (außer evtl. die von Dinter und Sannicandro). In der Rückschau habe ich das Gefühl, dass man bei Lucan schon sehr genau hinschauen muss, um interessante Aspekte zu finden. Vllt. habt ihr in meinen Kommentar zu Lucans "Bürgerkrieg" selbst reingelesen, dann wird euch aufgefallen sein, dass ich auch so schon nicht unbedingt sein größter Fan bin. Diese Aufsätze zeigen eine hochspezialisierte Forschung zu diesem römischen Autor, die sich (mMn !) unfassbar weit von einer allg. Lesbarkeit entfernt hat. Denn auch bzgl. des literarischen Anspruchs sticht keiner der Aufsätze wirklich heraus. Doch was ich auf keinen Fall verleugnen will, ist umfassende die Interpretationsarbeit, die detaillierte Werkkenntnis und die intertextuelle Quellenarbeit (zzgl. zB noch Quintilian, Vergil, Ovid, etc.) der Autoren.






Im Kontrast dazu habe ich noch das Buch "Ideology in Cold Blood" von Shadi Bartsch im Hinterkopf, in dem die Autorin das Problem, wie ich denke, so löste, dass eine interessante Lesart mit literarischem Anspruch und einigen modernen Zeitbezügen verband.

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Tags: abhacken, altertumskunde, antaeus, antike, appian, ästhetik, aufsatzsammlung, bellum civile, blut, bürgerkrie, caesa, cat, catull, christiane reit, cicero, claudia wiener, de bello civile, determinismus, entscheidungsfreiheit, epos, euripides, frederick ahl, gedicht, hercules, home, ilioupersis, innovation, julia, kaiserzeit, literaturwissenschaft, livius, lucan, lybien, medusa, mythologie, narrati, nichtbeschreibunge, nicola hömke, ovid, pharsalia, philologie, philomela, poesie, pompeius, quintilian, republik, rhetorik, rom, römisches reic, scaeva, schicksal, senec, sprachwissenschaf, sterben, sto, stoizismus, tod, tradition, troja, vergil, zerstückelung   (61)
 

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wdf, prooemium, gedicht, nobiles, rom

Lucan Wege der Forschung, Band CCXXXV

Werner (Hrsg.) Rutz
Fester Einband
Erschienen bei Darmstadt, WBG, 01.01.1970
ISBN B00IFRLEGO
Genre: Sonstiges

Rezension:

Vielleicht habe ihr so einen Band schonmal gesehen: WdF 235 ist das hier. Nein, "WdF" ist kein Tippfehler und soll nicht eigentlich "WTF" bedeuten. >.<
WdF (= Wege der Forschung" ist eine ewiglange Reihe an Büchern, die Aufsatzsammlungen zu einzelnen Themen enthalten. Dieser Band ist Nummer 235 (!) und ist gerade mal aus dem Jahr 1970. Die Reihe wurde noch bis in die 90er hinein herausgegeben umfasst mehr als 600 Bände, glaube ich.
Naja, ich schweife ab. Dieser Band ist, wie gesagt, Nummer 235 (1970), herausgegen von Rutz, und ist zum Thema "Lucan". Enthalten sind auf etwa 550 Seiten etwa 30 Aufsätze der unterschiedlichsten modernen Wissenschaftler.

Lucan war ein römischer Dichter, der im 1. nachchristlichen Jahrhundert unter dem Kaiser Nero lebte. Er soll ziemlich viele Werke (Gedichte, Briefe, Tragödien, etc.) verfasst haben, doch ist nur noch 1 Werk von ihm erhalten: die Pharsalia. Ein Epos über den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius (also knapp 100 Jahre vor Lucans Lebzeit).
Die Aufsätze sind thematisch recht beschränkt (hatte ich bei der lektüre das Gefühl). Ich las zwar nicht alle, doch scheinen sich die meisten auf literaturwissenschaftliche Themen zu beschränken. Der Aufsatz von Marti ("Sinn und Bedeutung der Pharsalia", S. 103-132) spricht von der Intention des Epos. Lucans Pharsalia könne ohne Seneca (d. J.; ein Verwandter Lucans) und die stoische Philosophie nicht verstanden werden. In diesem Sinne interpretiert Marti die 3 typisierten Protagonisten (Caesar, Pompeius, Cato). Ein ganzer Aufsatzabschnitt (S. 283-354; 8 Aufsätze) beziehen sich allein auf das Prooemium ("Vorwort" oder "Einleitung" vllt.). Dort wird nämlich der derzeitige Kaiser Nero überschwänglich gelobt. Tatsache scheint jedoch auch zu sein, dass Lucan an der Pisonischen Verschwörung teilgenommen hat. Diese fand GEGEN Nero statt. Hier ist also ein scheinbarer Widerspruch, der mit allerhand Erklärungen überhäuft wurde. zB soll das anfängliche Nero-Lob im Prooemium eigentlich ironisch gemeint sein, ist eine der Erklärungen. Oder es gabe WÄHREND der Zeit, in der Lucan das lange Gedicht schrieb, einen Bruch zwischen Lucan und Nero (sie kannten sich übrigens persönlich).
Nur wenige Aufsätze scheinen sich auf die Person "Lucan" zu beziehen. So zB die Aufsätze "Ein Dichter römischer Freiheit: M. Annaeus Lucans" (von Schönberger, S. 525-545) oder "Das politische Ideal Lucans" (von Pavan, S. 407-422). Doch beziehen auch diese sich zum Großteil auf die Pharsalia. Das liegt wohl hauptsächlich an der schlechten Quellenlage. Von Lucan ist viel verloren und wenig bekannt. Gelesen wurde er im Laufe der letzten 2000 Jahre wohl nicht soooo unglaublich viel (außer im MA, wegen der fehlenden Erwähnung des Götterhimmels in seiner Pharsalia. Das schien den christlichen Theologen zu gefallen).


Bes. spannend finde ich das Werk Lucans jetzt nicht (leider ist es auch noch unvollendet). Und die literaturwissenschaftlichen Thematiken, die darauf resultieren (diese machen ja eben dieses Buch hier aus) fesseln mich auch nicht sonderlich. Zeitgeschichtliche Einbindung, Personenbezüge und seine Person selbst bleiben auch recht undurchsichtig (krasser Kontrast: Cicero. Von ihm wissen wir fast schon zu viel ;D). U.a. deswegen habe ich auch (und das möchte ich betonen) bei weitem nicht alle ~30 Aufsätze des Buches gelesen.


Lucan ist nicht mein Thema.

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Tags: antike, aufsätze, bellum civile, blut, bürgerkrie, caesar, cato, eloge, fatum, fortuna, freiheit, gedicht, götter, heldentum, kaiser, kaiserzeit, kritik, latein, literaturwissenschaft, nero, nobiles, opposition, patriotismus, pharsalia, philologie, politik, pompeius, princeps, prooemium, republik, rom, senatoren, stoizismus, tod, träume, verschwörung, wdf, werner rut, widerstand, wissenschaft   (40)
 

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doktrin, enkomion, pharsalos, tacitus, arru
Rezension:

Vielleicht macht euch meine Kommentarüberschrift stutzig.

Das wäre dann auch zurecht ! Denn diese Untersuchung "Stoische Doktrin in römischer Belletristik.


Das Problem von Entscheidungsfreiheit und Determinismus in Senecas Tragödien und Lucans Pharsalia" von Claudia Wiener (2006) bezieht sich tatsächlich nicht nur auf Lucan, sondern auch auf Seneca. Dass ich nun in meiner Überschrift nur Lucans "Bürgerkrieg" erwähne hat den einfachen Grund, dass ich aus diesem Buch lediglich die Passagen über Lucan gelesen habe. Das sind ausschließlich die beiden Kapitel "Mantik im historischen Epos - Lucans Pharsalia" (S. 131-177) und "Der Kreislauf der Geschichte schließt sich: Lucans zyklisches Geschichtsbild" (S. 179-244).

Im 1. (gelesenen) Kapitel erarbeitet die Autorin Wiener jegliche mantischen Aspekte (= Wahrsagerei) im Epos Lucans: das sind Orakelbefragungen, Prodigien, Exstasen und anderes. Das 2. (gelesene) Kapitel ist dem scheinbar zyklischen Werden und Vergehen der Geschichte gewidmet, von dem Lucan überzeugt sei. In diesem Sinne sieht Lucan die Entstehung des Prinzipats als Rückfall in die Königszeit und Wiener versucht Lucan in eine zeitgenössische Diskussion um die zyklische Geschichte der frühen Kaiserzeit einzubinden.





Der Bezug zur stoischen Doktrin bleibt etwas vage, da scheinbar (?) umfassende Kenntnisse dieser philosophischen Richtungen vorausgesetzt werden. Auch in der Einleitung beschäftigt sich die Autorin vielmehr mit dem Forschungsstand und der Forschnungsrichtung.

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Tags: allegorese, arru, astrologie, beeletristik, bellum civile, bürgerkrie, cat, claudia wiener, de bello civile, determinismus, dichtung, doktrin, ekpyrosis, ekstase, enkomion, entscheidungsfreiheit, epo, etrusker, fatum, götterappara, haruspicium, kaiserzeit, königszeit, kosmos, kreislauf, laktanz, lucan, mantik, nero, orakel, petron, pharsalia, pharsalos, philosophi, prodigium, römische literatur, senec, stoa, stoizismus, superstitio, tacitus, telos, tragödie, zukunftswarnung, zyklisches geschichtsbild, zyklus   (46)
 

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poesie, pisonische verschwörung, englisc, alexander der große, rom

Lucan: An Introduction (Cornell Studies in Classical Philology ; V. 39) by Frederick Ahl (1976-04-01)

Frederick Ahl
Fester Einband
Erschienen bei Cornell Univ Pr; y First printing edition (1976-04-01), 01.01.1656
ISBN B01A66OX5U
Genre: Sonstiges

Rezension:

Falls ihr schon in andere Rezensionen von mir reingelesen habt, habt ihr evtl. schonmal vom Römer "Lucan" gehört. Er war ein römischer Dichter und evtl. ein Freund des Kaisers Nero (der, der die Stadt Rom 65 nach Christus abgebrannt haben soll). Über andere Personen wissen wir, dass Lucan echt viel geschrieben hat. zB über den Brand in Rom, Briefe, Epigramme, Bühnenstücke und viel mehr. Jedenfalls hat nur ein Werk die letzten 2000 Jahre überstanden: das Epos "der Bürgerkrieg" über den Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius.


Nun steht das Epos nicht in einem luftleeren Raum, sondern ist zahllosen Einflüssen unterworfen. Das gilt selbstverständlich auch für den Autor selbst. So hat sich beispielsweise eine riesengroße und schon ewig andauernde Diskussion darüber entwickelt, ob Lucan Stoiker ist oder nicht. Eine ähnliche Diskussion gibt es über die Frage, wie Lucan zu Nero stand: Freunde, Feinde, erst das eine, dann das andere ? Mit dem Werk sieht es nicht anders aus. Ich habe das Gefühl bei "dem Bürgerkrieg" gilt die alte Binsenweisheit, dass es so viele Meinungen wie Leser gibt. Wer ist der Protagonist des Epos von den Hauptpersonen (Caesar, Pompeius oder Cato ? Oder etwas Abstraktes wie das Ertragen des Schicksals ? Oder das Ereignis "Bürgerkrieg" ?)? Wieso sind die Hauptpersonen so dargestellt wie sie sind (Caesar als Dämon, Pompeius als Mittler, Cato als übermäßig selbstgerecht ?)? Ist das Werk so, wie wir es haben, abgeschlossen ? Oder fehlt noch das Ende (es wirkt am Ende nämlich etwas abgehackt) ? Falls ja, wo sollte das Ende liegen (nach der Schlacht von Actium 31 v. Chr. ? Catos Tod bei Utica 46 v. Chr. ? An den Iden des März ? Nach der Schlacht von Munda 45 v. Chr. ?)? Kann man die 10 Bücher des Epos als Manifest gegen die Tyrannei lesen ?


Und das war lediglich ein sehr knapper und unvollständiger Fragenkataog !





Und an diesem Punkt kommt das Buch hier ins Spiel: "Lucan. An Introduction" (1976) von Frederick Ahl, der viel zu römischen und griechischen Epen und Dramen, aber auch zur römischen und griechischen Geistesgeschichte forschte (hab mal eben auf Wikipedia nachgelesen. Dort hat er einen englischen Eintrag ;D). Nicht dass der Autor Ahl alle Kontroversen, alle Unstimmigkeiten, alle fragwürdigen Themen selbst anspräche und selbst löste (einiges wird man wohl nie mehr zweifelsfrei aufklären können), aber versucht es und spricht unheimlich viel an, sodass man als Person, die Lucan liest, Dinge brücksichtigt, die man sonst nicht erahnt hätte, und sodass man vielleicht mehr versteht. Vielleicht damit man auch versteht, warum man einiges auf eine oder andere Art verstehen kann.



Folgerichtig beginnt Ahl dann auch nicht mit dem Epos "der Bürgerkrieg", sondern mit dem römischen Autor Lucan ("1. Introduction to the Poet and his Age", S. 17-61). Hier gibt uns Ahl erstmal die Gelegenheit, den Kontext zu erkennen: wer ist Lucan ? Wie steht er zur Gesellschaft und zum Herrschaftssystem seiner Zeit ? Wie sahen er und seine Mitmenschen die Welt ? Wie stand er zum Kaiser Nero ? Und inwiefern ist Lucan beeinflusst von dem ideellen Gegensatz des Republikanismus und der Alleinherrschaft (die aristokratische Republik war evtl. 27. v. Chr. untergegangen. Das Datum ist -wen wunderts ?- umstritten :D) ?

In dem interessanten und kurzen darauffolgenden Kapitel ("2. The necessary Revolution", S. 62-81) beschreibt Ahl die Neuheiten der KOnzeption des Epos von Lucan. Denn Lucan scheint hier die Partei der gescheiterten Seite (Pompeius und noch mehr Cato) zu ergreifen. Das ist ungewöhnlich und scheint auch Kritik an der jetzigen (= Lucans Zeit) Herrschaftsform zu implizieren. Tatsächlich hatte Lucan ja auch von Nero später den Selbstmordbefehl erhalten. Lucan nimmt also auch Kontroversen in sein Epos mit auf, nämlich welchen Preis (Freiheit) sie für den Frieden (unter einer Tyrannei) bezahlen mussten. So musste (?) Lucan auch den Götterkosmos, der sonst in JEDEM Epos vorkommt komplett streichen. Denn Götter stehen immer auf der Seite der Sieger, da es das Schicksal der Sieger ist zu siegen (das klingt etwas seltsam, aber die siegreiche Seite ist nach römischem Verständnis wohl auch die "richtige" Seite, sonst würde sie nicht siegen).

 Das 3. Kapitel ("3. Sangre y Arena", S. 82-115) ist 2 unterschwelligen, aber präsenten Themen gewidmet: 1. Teilaspekten wie "Afrika", das Fazit zu Curio und "Gladiatorenspiel" und 2. subtile Vergleiche  wie Curio mit Aeneas und Caesar mit Hannibal.

 Das 4. Kapitel ("4. Some Minor Characters of the Pharsalia", S. 116-149) knüpft eng an das vorige an und beschreibt alle Nebencharaktere des Epos. Ihr solltet hier noch im Hinterkopf behalten, dass nicht mal klar ist, wer oder was der Protagonist ist, deswegen ist das hier lediglich ein Hilfskonstrukt. Ich nehme an, dass Ahl deswegen die Nebencharaktere vor den "Protagonisten" behandelt.

Denn die folgenden 3 Kapitel sind jeweils über die 3 Personen geschrieben, die am häufigsten vorkommen, bzw. am sorgfältigsten ausgearbeitet sind: Pompeius ("5. Pompey", S. 150-189), Caesar ("6. Caesar", S. 190-230) und Cato ("7. Cato", S. 231-279). An Caesar will ich Euch mal ein Kapitel Ahls zu den Protagonisten vorstellen. Ahl hat Caesars Kapitel viergegliedert und somit mehrere Aspekte ausgewählt und ausgearbeitet. Der echte Caesar hat nur wenig mit dem Caesar aus Lucans Epos zu tun. Klar, Lucan wollte schon über DEN Caesar schreiben, aber die Darstellung ist wohl ziemlich realitätsfern, auch wenn die Handlungen und Ereignisse soweit passen. So ist die historische Realität der clementia (= Milde oder Schonung) von Caesar ein Problem für Lucan. Der echte Caesar hatte im echten Bürgerkrieg fast alle seine Gegner und Feinde sehr milde, schonungsvoll, ja freundlich behandelt. Sogar feindliche Befehlshaber, die er gefangen genommen hatte, behandelte er gut und ließ sie frei. Das war recht ungewöhnlich. So hat dann Lucan diese clementia Caesars hier in seinem Epos stark herabgesetzt oder mit bösen Hintergedanken assoziiert. Evtl. ist mein Englisch nicht gut genug, aber ich hatte das Gefühl, dass Ahl ebenfalls eine unnötig schlechte Meinung von Caesar hat. Ahl nennt die clementia von Caesar nämlich "wholesale purge" und "sinister". Hier bin ich mir jedoch nicht sicher.
Einen weiteren Punkt, den Ahl bzgl. Lucans Caesar noch thematisiert ist die Darstellung von Caesar als übermenschliche kosmische Kraft. Caesar ist bei Lucan beinahe größenwahnsinnig.

Die letzten 3 Kapitel behandeln noch weitere Einzelfragen, die die Eposkonzeption, den Autor Lucan und das Werk an sich betreffen.

So kommen im "Bürgerkrieg", das erwähnte ich bereits, keine Götter vor, doch stattdessen gibt es trotzdem göttliche Aspekte, wie das Schicksal und das Glück ("8. Aspects of the Divine", S. 280-305).
 
Ahl spricht auch noch über die Kontroversen, wie umfassend "der Bürgerkrieg" sein sollte, vorausgetzt, dass er unvollständig ist, und wie er eigentlich zu nennen ist ("9. The Scope and Title of the Epic", S. 306-332) und über die näheren Umstände von Lucan und und dem Publikationsverbot ("Appendix: Lucan and Nero's Ban", S. 333-353).






Schon rein quantitativ ist das Buch mega umfassend (379 Seiten), obwohl es lediglich eine Einführung ist. Doch das hat schon seinen Grund. Da von Lucan einfach so wenig überliefert ist und man so wenig über ihn weiß, ist einfach sehr viel der Spekulation überlassen. Es gibt einfach Unmengen an Unstimmigkeiten im Buch. Zusätzlich gehört natürlich noch dazu (und das trifft wohl auf die ganze römische Literatur zu), dass das Werk voll ist von Andeutungen, Vergleichen, Parallelen, Erwähnungen, Ereignissen, Personen, Erzählstrukturen, Themen, etc., die für einen Leser, der 2000 Jahre später lebt, einfach nicht mehr nachvollziehbar sind.





Das Buch hat mir durchaus geholfen, Lucan besser zu verstehen und seinem "Bürgerkrieg" mehr abzugewinnen. Dass ich nicht weiß, was ich von diesem Epos halten soll, wisst ihr vllt. aus meinem Kommentar zur dem Werk selbst.
Das Englisch ist auch sehr angenehm und lateinische Zitate sind fast immer mit einer Übersetzung angegeben.

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Tags: aeneas, alexander der große, alität, antike, bellum civile, blut, bürgerkrieg, caesar, cat, clementia, cornelia, de bello civile, einführung, englisc, epos, ericth, fortun, frederick ahl, glück, götter, grausamkeit, hannibal, homer, kaiser, latein, leopatra, lucan, marcia, ner, opposition, pharsalia, pisonische verschwörung, poesie, politik, pompeius, prinzipa, republikanismus, rom, römische kaiserzeit, römische republik, schicksal, seneca, stoizismus, tyrannei, urio, vergil, wahrsagere   (47)
 

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gedicht, georg luck, ericth, brutal, poesie

De bello civili /Der Bürgerkrieg

Lukan , Georg Luck
Flexibler Einband: 719 Seiten
Erschienen bei Reclam, Philipp, 31.03.2009
ISBN 9783150185117
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wir alle kennen es oder haben davon schon gehört: Ereignisse von einem katstrophalem Ausmaß; Ereignisse, die so heftig einschlugen, dass sie die betroffenen Regionen oder sogar ganze Teile der Welt auf Jahre, Jahrzehnte oder sogar Generationen hin prägten. Ich könnte verschiedene aktuelle Beispiele bringen und wie viele es auch sind, die ich aufzähle, die Liste wäre dennoch unvollständig. Wir als Europäer denken wohl an die 69er-Bewegung oder den Kalten Krieg. Ich könnte auch noch weiter zurückgehen. Denn als erstes denkt ihr wahrscheinlich viel eher an das Regime der Nationalsozialisten oder an den 2. Weltkrieg. Dabei liegen diese beinahe 100 Jahre in der Vergangenheit ! Für andere Weltregionen waren andere Ereignisse so bedeutend, dass sie bis in die Zeitgeschichte hineinragen: für Japan die Meiji-Restauration (mehr als 100 her), für Amerika der Amerikanische Bürgerkrieg (vor 150 Jahren) und für die lateinamerikanischen Staaten mit Sicherheit die Entkolonialisierung (sogar 200 Jahre her !).




Warum ich diese seltsame Einleitung wähle ? Weil wir es hier mit diesen Büchern mit etwas Ähnlichem zu tun haben. Wie dieses Werk heißt, ist nicht ganz klar. Evtl. heißt es "Pharsalia" (benannt nach einem Kriegsschauplatz) oder es heißt "De bello civile" (= Über den Bürgerkrieg). Geschrieben ist es auf jeden Fall von dem Dichter Marcus Annaeus Lucanus und was es ist, wissen wir auch: nämlich ein Gedicht. Ja, es ist ein Gedicht über 10 Bücher. Um genau zu sein, ist es sogar ein Epos (= Erzählung in Versform) und gehört literarisch betrachtet zB in eine Reihe mit den beiden Werken Homers (Ilias und Odyssee) und mit der "Aeneis" des Dichters Vergil. Zeitlich gehört Lucans "Pharsalia" (so will ich sie willkürlich mal nennen; geschrieben wurde sie etwa in die Jahre 60-65) in die römische Kaiserzeit. Unser Dichter hier war sogar befreundet (?) mit einem Kaiser: Nero. Vielleicht ist es euch aufgefallen, dass ich in der Kurznotiz zum Buch geschrieben habe, dass sie unvollständig ist. Das liegt daran, weil Nero dem Dichter Lucan im Jahr 65 befahl, sich umzubringen (deswegen das "?" hinter dem Wort "befreundet") und Lucan evtl. deswegen seine Pharsalia nicht beenden konnte. Was für eine Beziehung zwischen Lucan und Nero existierte, ist also nicht so einfach zu sagen. Es gibt die Vermutung, dass es zwischen beiden einen Bruch gegeben haben muss. Näher will ich darauf jedoch nicht eingehen. Näher will ich ebensowenig auf die Person Lucans eingehen (es ist ohehin nur sehr wenig über ihn bekannt geblieben).




Stattdessen will ich nun auf das Epos selbst (also die Pharsalia) eingehen. Doch vorher noch einige Worte zum herausgegebenen Buch.






Das Buch ist im Reclam-Verlag erschienen (Stuttgart 2009) und herausgegeben, sowie übersetzt vom vor 3 Jahren verstorbenen Altphilologen Georg Luck. Falls Du, werter Leser, mal in meine anderen Rezensionen reingelesen haben solltest, ist Dir vielleicht aufgefallen, dass ich schonmal über ein Buch von diesem Mann und ebenfalls zum selben Thema (Lucans Pharsalia) geschrieben habe. Tatsächlich trügt der Schein. Das erste Buch ist schon mehrere Jahre alt, dick, mit festem, grauem Einband und hat den Kommentar vor der Textedition mit Übersetzung des Gedichts. Das zweite Buch (dieses hier) ist klein, mit papiernem und orangenem Einband (typisch zweisprachige Reclamausgabe) und hat den Kommentar hinter dem Text.

Doch ich denke, diese aktuelle Reclam-Version ist eine überarbeitete Version des ersten Buches. Die beiden Kommentare ähneln sich nämlich stark. Zusätzlich ist jedoch eine werkübergreifende Kurzzusammenfassung für jedes einzelne der 10 Bücher (S. 674-684).





Hier will ich aber eigentlich auf das Epos "Pharsalia" selbst eingehen. Und das mache ich nun auch.




An diesem Punkt sollten wir uns vielleicht nochmal die Beispiele am Anfang meines Kommentars vor Augen führen. Denn Lucan schreibt hier über den Bürgerkrieg; er nennt das Buch ja auch (umstritten !) "Über DEN Bürgerkrieg". Damit ist ein Ereignis gemeint, das mehr als 100 jahre VOR Lucans Zeit geschah: der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius in den Jahren 49-45 v. Chr. Hier will ich also die Brücke schlagen zwischen meinem ersten Absatz dieses Kommentars und dem Epos "Pharsalia" von Lucan. Ich betrachte dieses Epos nämlich hauptsächlich als eine Verarbeitung dieses Ereignisses, das tatsächlich folgenschwer war für Rom, für die Römer und für viele Teile der damals bekannten Welt (warum das so ist, will ich heute nicht ausführen. Das wäre viel zu viel).
Denn Lucan schreibt nicht einfach nur ÜBER den Bürgerkrieg, sondern er setzt sich in diesem Epos auch mit viele Aspekten des Krieges, mit seinen beteiligten Personen und mit seinen Folgen auseinander.


Doch halt. Erstmal will ich über den Inhalt sprechen. Denn selbst wenn ihr mit dem Ereignis selbst vertraut seid, wovon ich nicht ausgehen kann,weil sonst überhaupt niemand diesen meinen Kommentar lesen würde, ist dieses Gedicht weder ein Tatsachenbericht, noch hält es sich streng an die ausschließliche Wahrheit. ;D

 Wie die meisten römischen literarischen Werke (bitte ohne Garantie :> ) wird auch dieses durch den Autor von mehreren Einzelpersönlichkeiten vorangetrieben. Strukturelle Veränderungen, Gruppendynamiken, kausale Zusammenhänge von Einzelereignissen und überpersonelle Prozesse sucht man hier vergebens. Unsere beiden Hauptakteure sind definitiv Caesar und Pompeius, die Lucan noch im ersten Buch ausführlich und mit Vergleichen vorstellt (Buch 1, Verse 120-157). Caesar sei wie ein gewaltiger Blitz und Pompeius wie eine beachtliche Eiche, die innen bereits morsch sei. Andere Handlungsträger dieses Epos sind noch Curio, ein General Caesars, der eine tödliche Niederlage in Afrike erfährt (Buch 4, Verse 715-798), Cato, ein stoischer Senator, der nach Pompeius' Ermordung trotz des sicheren (?) Siegs von Caesar weiterhin Widerstand leistet (Buch 9, Verse 19-949). Cato heiratet übrigens in Buch 2, Verse 326-391, seine Exfrau Marcia auf eine sehr puritanische und ärmliche Art, was Lucan in einen interessanten Kontrast stellt zum Versöhnungsgastmahl zwischen Caesar und Kleopatra in Ägypten (Buch 10, Verse 107-331), das Lucan zum Anlaß nimmt, über Dekadenz, sexuelle Begierden, Verschwendung, etc. zu sprechen. Ein weiterer Akteur ist noch Pompeius' Sohn Pompeius Sextus, der in Thessalien die groteske Wahrsagerin Erictho über den Ausgang der Schlacht befragt (vielleicht kennt Ihr sie aus Dantes Göttlicher Komödie oder aus Goethes Faust II; hier Buch 6, Verse 413-830). Es gibt noch mehr Menschen, die im Epos eine Rolle spielen, doch die genannten sind, glaube ich, diejenigen, die am häufigsten vorkommen oder scheinbar am wichtigsten für den literarischen Hergang sind.


Was ist denn nun eigentlich der Hergang ? Recht chronologisch folgen wir beim Lesen von Lucans Pharsalia den Ereignissen des Bürgerkriegs von der Überschreitung des Rubikon durch Caesar (Anfang des Bürgerkriegs) bis zum Krieg Caesars in Alexandria (nicht Ende des Bürgerkriegs; das Werk ist ja unvollendet). Dem Handlungsverlauf folgen wir von der Panik in und der Flucht der meisten Senatoren aus Rom (Buch 1; hier wird auch Curio von Caesar bestochen und kämpft seitdem für diesen) über die ersten Scharmützel und Kämpfe in Italien (Buch 2) bis zur Belagerung und Unterwerfung von Massilia (= heutiges Marseille; Buch 3). In Spanien operiert Caesar sehr erfolgreich gegen Anhänger Pompeius', während ein Anhänger Caesars (Curio !) in Afrika vernichtend geschlagen wird (Buch 4). Caesar und Pompeius treten sich daraufhin im Balkan mehrmals gegenüber und Pompeius' Heer wird bei Pharsalia (Name des Epos !) vernichtet (Bücher 5-7). Pompeius überlebt, flieht nach Ägypten, wird dort gemeuchelt (Buch 8) und Cato leistet noch mit Heeresresten in Afrika Widerstand (Buch 9). Währenddessen kommt Caesar nach Ägypten, verbündet sich mit Kleopatra und mischt die Herrschaft in Alexandria auf (Bücher 9-10).



Wie gesagt ist Lucans Pharsalia auf keinen Fall ein Bericht, ein Geschichtsbuch oder Ähnliches. Es ist ein Gedicht und somit natürlich gespickt mit poetischen und literarischen Elementen.
So stellt Lucan sehr viele Vergleiche an: Heiratsfestmahl von Cato und Marcia (Buch 2) mit dem Festmahl von Kleopatra und Caesar (Buch 10). Caesar wird mit sehr vielem verglichen: u.a. mit Alexander dem Großen (Buch 10, Vers 34); mit einem Blitz (Buch 1, Verse 151-2); mit den Göttern (Buch 5, Verse 504-702; hier legt sich Lucans Caesar mit dem Meer, dem Sturm und allen Göttern an).
 Er hat viele Personifikationen: das Glück als Fortuna (Buch 1, Vers 226); die Stadt Rom als trauernder Greis (Buch 1, Vers 186). Es gibt Visionen und Träume: Ericthos Wahrsagerei (Buch 6, Verse 413-830); Pompeius träumt von seiner verstorbenen Frau Julia, die Caesars Tochter war (Buch 3, Verse 1-35). Es gibt Abschnitte über abstrakte Themen: Personen (Caesar und Pompeius, Buch 1, Verse 120-157; Curios Persönlichkeit und seine Nachteile für Rom, Buch 4, Verse 799-824), Kriegsursachen (Buch 1, Verse 67-182), vorangegangener Bürgerkrieg (Buch 2, Verse 16-233), Dekadenz (Buch 10, Verse 146-154). Lucan macht auch Exkurse zur Geographie (zB Thessalien, Buch 6, Verse 333-412), berichtet von Mythen (Herkules' im Ringkampf gegen Antaios, Buch 4, Verse 581-660) und benutzt zahlreiche Reden (zB die Feldherrnreden in Buch 7 von Caesar, Verse 235-336, und Pompeius, Verse 337-384).








Um ehrlich zu sein, schwankt meine Meinung über dieses Epos ziemlich stark. Mein erster Eindruck war: geil. Das erste Buch war ziemlich vielversprechend. Die metaphorischen Vorstellungen von Caesar als Blitz und Pompeius als alte Eiche fand ich sehr gelungen. Auch seine literarische Analyse zu den Kriegsursachen war äußerst tiefgründig und interessant.
Mit späteren Momenten änderte sich meine Meinung zu: lame. Der geographische Exkurs zu Thessalien war etwas langatmig, die Schlachtbeschreibung von Massilia und die Darstellung der Hexe Erictho fand ich gekünselt und übertrieben gewalttätig. Erst jetzt im Nachhinein denke ich allmählich vielleicht doch wieder anders. Das Thema hat Lucan wirklich gut gewählt. Das Fehlen von göttlichen Akteuren finde ich für römische Literatur angenehm überraschend und amüsant, da dafür die Personen übermenschlich dargestellt werden.


 Alles in allem kann ich sagen, dass ich mir nicht sicher bin, wie genau ich das Gedicht einschätzen soll. Mittlerweile würde ich wahrscheinlch dazu tendieren, zu sagen, dass es zwar nicht besonders herausragend oder außergewöhnlich ästhetisch ist, doch ist es schon irgendwie lesbar. Es ist ganz nett, sodass man es mal gelesen haben kann. Doch ist es auch kein Verlust, wenn man nicht gelesen hat. Ja, es ist nicht mal ein Verlust, wenn man es nicht kennt. Das mal ganz offen am Rande.





Es einmal gelesen zu haben, fand ich ganz gut, doch ein zweites Mal wird es, denke ich, nicht geben. Da lese ich dann doch lieber wieder bei Ovid, bei Apuleius, bei Caesar oder bei Cato rein.

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Tags: antike, blut, brutal, bürgerkrie, caesa, cat, de bello civile, epos, ericth, gedicht, gemetze, georg luck, gewalt, lucan, lukan, ner, pharsalia, poesie, pompeius, reclam, rhetorik, römische kaiserzeit, römische republik, schlachten, unvollende   (25)
 
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