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potsdam, garnisonkirche, blog, literaturkritiker, krimi

Der Fall Garnisonkirche

Christine Anlauff
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei be.bra, 26.02.2015
ISBN 9783898095372
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Wer sich beim Lesen des Titels „Der Fall Garnisonkirche“ die Mühe macht, das kleine Wörtchen „der“ zwischen Fall und Garnisonkirche zu schieben, ist zwar der Lösung des Falls noch kein Stück näher, aber zumindest dem Rätsel um den eigenwilligen Titel. Es geht tatsächlich um den Fall der Garnisonkirche in Potsdam, genauer gesagt, um ihren zweiten Fall im Jahr 2016. Der erste geht auf das Jahr 1968 und, glaubt man Christine Anlauff, die dynami(t)schen Fähigkeiten des einstmaligen Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht zurück. Seit dem grummelt es in der Stadt. Während die einen, die durch die Sprengung gerissene Wunde schließen wollen, tun die anderen alles, um einen Wiederaufbau zu verhindern. Folgerichtig kulminiert die Auseinandersetzung im Jahr 2016, als sich der barocke Turm Meter für Meter wieder gen Himmel streckt. Rums. Da liegt der Fall Garnisonkirche. Und da in einem guten Krimi nicht nur der Staatsschutz, sondern auch die Mordkommission ermittelt, eine Leiche unter dem Geröll der gesprengten Turmruine. Insofern erweist sich der Titel dieses spannungsgeladenen Krimis dann doch als richtig.

Just am Vorabend der Nacht, in der die Garnisonkirche zum zweiten Mal fällt, stößt der Literaturkritiker Just Verloren (Beobachter in der dritten Reihe mit Tendenz zum Kirchengegner) in einem Tage zuvor anonym eingesandten Buchmanuskript auf die minutiöse Schilderung der Sprengung. Mit einem Unterschied – ohne Leiche unter dem Schutt. Christine Anlauffs liebenswürdig schrulliger Protagonist Just Verloren (Kommissar Liebermann aus ihrer ersten Krimireihe lässt grüßen) gerät in ein fein gesponnenes Netz aus heißen Spuren und falschen Fährten, die einen tiefen Einblick in die Potsdamer Milieus der Garnisonkirchengegner und -befürworter geben. Als die Polizei die Bedeutung des Manuskriptes nicht erkennt und bei ihrer routinegeprägten Arbeit auf der Stelle tritt, entschließt sich Just Verloren (nicht ganz uneigennützig) auf eigene Faust zu ermitteln. Auch er fällt, pardon verfällt und zwar Magda, einer wesentlich jüngeren aufregend temperametvollen Frau, gerät am Ende in Lebensgefahr und … da der Leser/die Leserin  den jähen, fast atemberaubenden Wendungen und dem bisweilen schwarzhumorigen Anlauffschen Stil erliegt, wird er/sie mit einem überraschenden Finale belohnt. Das Buch ist für Garnisonkirchenbefürworter, -gegner und Beobachter in der dritten Reihe mit und ohne Tendenz gleichermaßen geeignet, wie für alle anderen Krimifans auch.

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Tags: garnisonkirche, potsdam   (2)
 

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krimi, katzen, obdachloser, katze, mord

Schnurr mir das Lied vom Tod

Christine Anlauff
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.01.2014
ISBN 9783492302432
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In diesem Krimi schnurren Katzen, anders als es der verkaufsfördernde Titel vermuten lässt, nur äußerst selten. Die acht mitwirkenden Vierbeiner sind weit mehr mit der Jagd nach dem Täter als auf Mäuse befasst. Dennoch oder gerade deshalb kommen Katzenfreunde wie Krimiliebhaber auf ihre Kosten, wenn Christine Anlauff den pelzigen Mitbewohnern ihres Potsdamer Viertels Leben einhaucht. Menschliches Leben – wie könnte es anders sein.
Obwohl die zwei- und vierbeinigen Protagonisten konsequent getrennt agieren, versteht es die Autorin wahrhaft meisterlich, Mensch und Katze - jeder aus seiner Perspektive - sich auf sprachlicher Augenhöhe begegnen zu lassen. Kommissar Liebermann mag Katzen nicht und der ermittelnde Kater Serrano mag sich über den empathielos wirkenden Leiter der Mordkommission nur wundern.
Genau darin besteht die Finesse dieses Krimis. Während die tierischen und menschlichen Ermittler (fast) nicht voneinander wissen, teilt der Leser deren Kenntnisstand – ist also beiden stets ein Stück voraus. Anders als bei Nichtkatzenkrimis – resultiert ein zweiter Spannungsbogen. Liebermann kann den Mord nur aufklären, wenn es Serrano gelingt, ihm das Ermittlungsergebnis der Katzen verständlich zu machen. Und erst dann, wird auch der Leser erfahren können, wer der Täter ist.
Bis es soweit ist, verwöhnt Christine Anlauf mit literarischer Erzählkunst, wenn sie neben den beiden fein gezeichneten Hauptdarstellern, ein filigranes Netz von privaten, dienstlichen sowie historischen und sozialen Handlungsfäden knüpft, die nie im leeren Raum enden, sondern stets sorgsam wieder zusammengeführt werden. So spielen Friedrich II. und Helmut Kohl eine Rolle und ein DDR-Kinderheim könnte Ansatzpunkte für die Herkunft des Toten, einem stadtbekannten Obdachlosen, geben. Und Schließlich ist Liebermanns und Serranos Viertel im Wandel, was zu Konflikten führt und zur Spannung beiträgt. Lebenskunde und Regionalkolorit sind in diesem Buch inklusive.
Nichts, was einen guten Krimi ausmacht, fehlt: eine rätselhafte Leiche, eine übersichtliche Zahl Verdächtiger und Fährten, eine sich reibende Mordkommission nebst Spurensicherung und einer urkomischen Gerichtsmedizinerin namens Dr. Gerlach. Am Ende wartet eine überraschende Lösung des Falls.
Dr. Gerlach verachtet Liebermann, was der genauso wenig bemerkt, wie die Zuneigung, die ihm ein anderer Mensch entgegenbringt. Mit seiner eigenen hochschwangeren Freundin weiß er ob ihres Zustandes gerade so viel anzufangen, dass der Leser sich fragt, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Und diesen Kommissar soll man mögen? Kein Problem - mit dem superben Anlauffschen Humor, der das Buch warmherzig durchzieht, schließt nach der Lektüre sogar der eingefleischte Hundefreund Katzen in sein Herz.
„Schnurr mir das Lied vom Tod“ ist der dritte Band, in dem das sympathische Ermittlerduo auf sechs Beinen unterwegs ist. Man muss die ersten beiden Bücher nicht gelesen haben, um die in sich abgeschlossene Handlung zu verstehen – aber eines hat man danach gewiss – Lust, sich auch die verpassten Geschichten zu holen.

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