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Die geheime Akte des Cassiodor

Elisabeth Schinagl
Flexibler Einband: 284 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 28.02.2018
ISBN 9783746036922
Genre: Historische Romane

Rezension:

Die geheime Akte des Cassiodor ist ein bezauberndes Buch. Es geht in ihm neben der Darstellung der Ereignisse, die einen neue Epoche aufziehen ließen auch um den Versuch, Bücher zu sammeln, um Wissen zu retten. Für mich aber hat es noch eine weitere, persönliche Aussage. Um die darzustellen, muss ich aber ein wenig ausholen. Keine Angst, wir werden zu dem alten Mann am Meer und seinen Büchern wieder zurückkehren.


Der von mir sehr verehrte und viel zu früh verstorbene Autor Jerry Pratchett erfand den L-Space, den L-Raum, manchmal auch B-Raum übersetzt. Es ist jene multiversale und polydimensionale Bibliothek, die immer dann entstehen muss, wenn man nur genug Buchwissen ansammelt.

Die Gleichung dazu ist einfach: In Büchern wird Wissen versammelt. Wissen ist Macht und Macht kann etwas bewegen. Anders ausgedrückt: Da Wissen Macht ist, ist es eine Form der Energie. Energie, das lehrt aber Albert Einsteins Relativitätstheorie, ist nur eine andere Form der Materie.

Allein das erklärt schon einiges: Darum sind die Bücherkisten beim Umzug so schwer. Zum Gewicht des Papiers addiert sich das Gewicht des Wissens und wer je ein durchgebogenes Bücherbord sah, betrachtet es nun vielleicht mit anderen Augen. Dies ist ein erstes Anzeichen für eine Krümmung des Raumes in noch ganz anderer Art.

In Bibliotheken, wo viele Bücher zusammenkommen, wird die versammelte Masse so groß, dass sie bei Erreichen der kritischen Masse sogar die Raumzeit krümmt. Anders als bei Schwarzen Löchern entsteht hier aber kein alles verschlingender Abgrund für jegliche Materie. Hier entsteht der L-Raum, eine unendliche Bibliothek, die wie mit Wurmlöchern alle anderen Bibliotheken erreichen kann. So findet man hier alle Bücher. Alle Bücher, die es gibt, alle, die es je gab und auch alle, die es geben könnte. Der L-Raum ist wunderbar, gewaltig und – leider auch sehr gefährlich. Nur wahre Bibliothekare können sich hier hineinwagen und dürfen hoffen, sich nicht rettungslos zu verirren. So sind unsere Erkenntnisse vom L-Raum leider bruchstückhaft. Doch wir können aber auf ihn schließen durch Bücher, die von Büchern erzählen, die sie erwähnen, sie zitieren, ihre Ideen weiter tragen und durch die vielen kleinen, versteckten Bezüge in ihnen. Sie zeigen, dass es geheime Zusammenhänge zwischen den Werken geben muss, die weit tiefer liegen als die jeweiligen Geschichten.

Am „Namen der Rose“ kann man es besonders gut zeigen. Kann es nur Zufall sein und erzählerische Anspielung, dass der Held dieser Geschichte so auffallend dem großen Detektiv Sherlock Holmes ähnelt? Hieße er anders, könnte man das meinen. Aber der Name William von Baskerville lässt das doch sehr unwahrscheinlich erscheinen. Der Ort Baskerville ist untrennbar mit einem der größten Fälle von Holmes verbunden und er löste genau diesen Fall unmittelbar vor seinem Verschwinden in der Schweiz. Baumann und Sahini wiesen in dem bemerkenswerten Aufsatz „Zitatenzauber“ auf viele faszinierende Ähnlichkeiten hin. (Weinheim 1986). Man kann aber noch weiter gehen. In der Biografie des großen Detektivs gibt es eine unaufgeklärte Lücke. Im Mai 1891 stürzte er ja vermeintlich in die Reichbachfälle. Bei seinem Wiederauftreten im April 1894, veröffentlicht in „die Wiederkehr des Sherlock Holmes“ 1901 erklärt er zwar, er habe noch einige Fälle im Ausland bearbeitet, aber eine Erklärung für solch eine lange Absenz liefert es nicht. und schon gar nicht für das Fehlen des plötzlichen Auftauchens eines genialen, bislang unbekannten Detektivs im Ausland. Man mag ja eine Decke über einen Elefanten werfen, unübersehbar bleibt er dennoch und die Form ist unverkennbar. Dass dass Holmes aufgehört hätte, kriminalistisch zu arbeiten, ist ja kaum anzunehmen. Wo also ist dieses brüske Kriminalgenie, dass jenseits von England in diesen drei Jahren wirkte? Man findet es nicht.


Zur Zeit des Reichenbachereignisses aber arbeitete H.G. Wells an seinem Buch „die Zeitmaschine“, das er 1895 veröffentlichte. Nehmen einmal an, dass der große Detektiv diesen Apparat noch vor der Veröffentlichung – vielleicht während einer Testfahrt – nutzte, um ein Ausland ganz anderer Art, nämlich das Mittelalter als sicheren Zufluchtsort vor der Rache von Moriartys Spießgesellen aufzusuchen. Er wäre rechtzeitig noch vor der Buchveröffentlichung zurückgekehrt. Was wäre Holmes wohl geworden? Ist es so unwahrscheinlich, dass er als Inquisitor weiterhin kriminalistisch arbeitete? Insbesondere, wenn es ihm dabei tatsächlich um die objektive Wahrheitsfindung ging? Ist der Bettelorden der Franziskaner nicht am ehesten geeignet, diesen Asketen aufzunehmen? Nahm er Adson von Melk als Adlatus an, um dessen Vater einen Gefallen zu tun, oder spielt eine gewisse Gewohnheit an den Klang des Namens des Helfers und Gefährtens mit hinein, wenn er ihn mit „mein lieber Adson“ ansprach?

Das Buch von Umberto Eco endet und spurlos verschwindet diese markante Gestalt wieder aus dem Blickfeld. Nicht in der Geschichte – nur in dieser einen – hat William von Baskerville seine Spuren hinterlassen. Holmes aber taucht 1894 unversehrt wieder in der Geschichte „Das leere Haus“ auf, um da seinem Doktor Watson einen schrecklichen Schock zu versetzen.

Dies sind die wunderbaren Bezüge, die Bücher durch den L-Raum verbindet, die sie über ihre eigene Geschichte hinaus so viel schöner, tiefer, reicher und lesenswerter machen. So wie dieses Büchlein über einen alten Mann, der mit ein paar Mönchen versucht, das Wissen einer untergehenden Epoche aus dem Sturm der Zeit zu retten, in dem er eine umfassende Bibliothek anlegt.

Es ist Elisabeth Schinagl gelungen ein zauberhaftes Büchlein zu schreiben, das alle Hoffnung auf saftige, lebendige und prall-bunte Darstellung historischer Ereignisse konsequent enttäuscht, um den Blick statt dessen auf etwas ganz anderes zu lenken: Darauf, wie sich die Welt und vor allem die Geisteswelt binnen weniger Generationen radikal ändert. Wo es einst die Beschreibung der Welt mit der Lupe des wissenschaftlichen Beobachters ging, geht es zwei Generationen später nur noch um den Blick auf die Welt durch die eschatologische Brille. Kontemplation und Hingabe an Gott wird das oberstes Prinzip und Wissenschaft weitgehend obsolet. Die Autorin machte es – wohl instinktiv den Gesetzen des L-Raumes folgend – deutlich, indem sie zwei Bücher gegenüberstellt: Der Physiologus einerseits und die „Materia Medica“ des Pedanios Dioscurides auf der anderen Seite.

Das wäre schon schön genug. Und ein trefflicher Grund das Buch zu lesen. Doch ich erkenne noch mehr in dem Buch, einen weiteren wunderbaren Bezug, einen neuen Tunnel im L-Raum. Es geht mir da vor allem um das Ende des Buches. Das große Werk des Cassiodor, seine Arche für Bücher, wird nach seinem Tode bedroht und seine wenigen Mitarbeiter retten die kostbare Bibliothek. Sie können sie in ein neues Kloster bei Bobbio retten.. Doch auch dort bleiben sie nicht lange. Zu unruhig schlagen die Wogen der Zeit auch an diesen Berg. Die Bücher werden auf Eselsrücken weiter in den Norden gebracht, in ein abgelegenes Kloster.

In welches Kloster? Das Buch schweigt sich aus. Doch ich erlaube mir eine kühne Schlussfolgerung: Es mag vielleicht noch ein Zwischenschritt und die eine oder andere kleine Wendung fehlen, vielleicht mussten die Bücher noch ein letztes Mal für wenige Kilometer umziehen, doch ist es keineswegs auszuschließen, dass diese Bücher endlich auf dem Berg in Sicherheit gebracht wurden, wo sie die Grundlage der Sammlung und großartigen Bibliothek wurden, die William von Baskerville und Adson von Melk durchsuchen, als sie das Rätsel im „Namen der Rose“ lösen. Die Gesetze des L-Raums und des geheimnisvollen Elements des Narrativiums machen es sogar mehr als wahrscheinlich, dass „der Name der Rose“ ohne „die Geheimakte des Cassiodor“ kaum denkbar ist.

So schließt sich mit diesem Buch der Kreis … und zugleich spannt es einen neuen wunderbaren Bogen von der Spätantike über das Mittelalter und die Kaiserzeit bis heute. Was mehr kann man wohl von einem Buch verlangen? Nur noch mehr solch wunderbare Bücher, um sie danebenzustellen!

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frankreich, geheimnis, historischer roman, mayer, rose von anglâme, spannung, temple, verschwörung

Die Rose von Angelâme

Carmen Mayer
Flexibler Einband: 600 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 24.11.2011
ISBN 9783943121025
Genre: Historische Romane

Rezension:

Carmen Mayers Roman die Rose von Anglâme vereint auf charmante Weise einen spannenden Krimi mit den Genres des rätselhaften Mysteryromans und dem packenden Historienroman aus der Zeit der Tempelritter.

In drei großen Handlungssträngen lernt der Leser ein großes Geheimnis kennen, das in urchristlicher Zeit wurzelt und seinen langen Schatten bis in die Gegenwart wirft. Simon, ein scharfsichtiger und hartnäckiger Versicherungsmanager wird durch eine Überprüfung eines Versicherungsfalles auf zuerst einen, bald aber zwei rätselhafte Morde aufmerksam und beginnt zu ermitteln. Immer sonderbarer und rätselhafter wird der Fall, in dem ein altes Gemälde und ein Schmuckstück der Schlüssel zu sein scheinen. Just als der Leser dies erkennt, wird er ins Mittelalter katapultiert, genauer nach Frankreich ins 14. Jahrhundert.

Hier nun erfährt der Leser die Geschichte von Bild und Schmuckstück und taucht in einen tollen Strudel aus Intrige und Geheimnis. Es tanzt ein schöner Reigen von Helden und Schurken und bald breitet sich vor dem Leser ein großer Prospekt weitreichender Pläne und Kabalen aus. Dieser Teil ist in meinen Augen der schönste des Buches. Der Tanz der vielen - einander oft auch widerstrebenden - Charaktere in ihren vielfältigen Beziehungen ist komplex, immer neu spannend und lässt einen das Buch nur ungern aus der Hand legen. Besonders die weibliche Hauptfigur, Rose, die unverschuldet in tödliche Gefahr gerät, lässt den Leser mitfiebern.

Im nächsten Abschnitt wird das Rätsel im 19 Jahrhundert weiter entwickelt. Das Buch nimmt in diesem Abschnitt beinahe die Züge eines unterhaltsamen Liebesromans an. Fein gezeichnete Figuren werden in ihrer Gegensätzlichkeit auf einander losgelassen, was sich – vom Geheimnis ganz abgesehen – sehr vergnüglich liest. Das Buch wird auch hier nie kitschig und der Abschnitt endet allzu früh. So nimmt der Leser viel Schwung und Spannung in den letzten Teil, der den ersten Teil - die Gegenwart – fortführt und nun endlich das Rätsel komplett enthüllt.

Das Buch ist ein echter Pageturner, in den historischen Teilen sauber recherchiert und kenntnisreich, das Personal in allen Abschnitten kantig, facettenreich und in ihren Handlungen gut motiviert. Die Sprache rollt geschmeidig dahin, wird nie karg oder – was noch schlimmer wäre – schwülstig,

Die große Geschichte, das große Geheimnis des Buches, wurde zwar schon von anderen in ähnlicher Art als Roman verarbeitet, doch Carmen Maier gelingt ein sehr überzeugender Entwurf dieser Geschichte, die den anderen nicht nachsteht.

Es war eine Freude, es zu lesen,


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analyse, fantasy, harry-potter, mister potter, sekundärliteratur

Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte

Michael Maar
Fester Einband: 185 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag
ISBN 9783827004543
Genre: Sachbücher

Rezension:

Michael Maar hat mit diesem Büchlein ein kleines Bändchen kluger und dennoch leichtverständlicher Sekundärliteratur zu den Harry-Potterbüchern vorgelegt. Zwar ist das Buch etwas älter und berücksichtigt nicht die letzten Bände, dennoch lohnt es sich, denn man findet darin zu den ersten vier Bänden reichlich Stoff zum nachdenken und -prüfen.

Kühn rückt Maar zu Beginn die Jugendromane von Rawling in die Nähe eines unbestrittenen Meisters: Er stellt fest, dass Nabokov Harry Potter gemocht haben würde. Um diese These zu stützen, führt dann uns der Autor ein unterhaltsames Büchlein lang vor, wie raffiniert und durchdacht Rawling ihre so einfach wirkenden Geschichten gewebt hat.

Er weist ihr beim Plotten wiederholt einen literarischen Wronsky-Bluff nach, ein aus den Romanen augenzwinkernd entlehnter Begriff, den er auf das Plotten bezieht. Hierbei wird immer wieder eine Lesererwartung unterstützt, und gefüttert, um im letzten Moment – wie auf dem Quiddichfeld – doch noch die Kurve zu kratzen und eine ganz andere Lösung zu präsentieren, eine Lösung, die der Leser die ganze Zeit vor Augen hatte, die er aber nie als Lösung wahrnahm, weil die Spannung der Geschichte und ihn mit sich riss.

Auch die Namen werden ausführlich analysiert und entpuppen sich oft als meist wohldurchdachte, beziehungsreiche Omen.

Bemerkenswert ist die Analyse der Dementoren, die Maar sehr schlüssig als das personifizierte, zum toten Fleisch gewordene klinische Erscheinungsbild der Depression erkennt.

Interessant ist am Ende das Orakel, wenn Maar mit dem Informationsstand von Band IV versucht, auf die Ereignisse der letzten drei Bände zu schließen.

Es ist ein schlaues und leicht zu genießendes Buch. Ein Buch, das Potterfans Freude macht, aber auch allen, die wissen wollen, warum diese Bücher die Welt bewegten und eine ganze Generation prägte.

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Tags: analyse, harry-potter, sekundärliteratur   (3)
 

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Für Licht und Vollkommenheit - Mini-Buch

Alexander Bálly
Flexibler Einband: 545 Seiten
Erschienen bei AAVAA Verlag UG, 17.11.2010
ISBN 9783862540914
Genre: Krimi und Thriller

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Halbling unter Huren und Halunken

Alexander Bálly
Flexibler Einband: 535 Seiten
Erschienen bei AAVAA Verlag UG, 16.11.2010
ISBN 9783862540860
Genre: Krimi und Thriller

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