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Das Haus des Hexenmeisters

Nicole Grom
Flexibler Einband: 152 Seiten
Erschienen bei Nova MD, 15.08.2018
ISBN 9783961114955
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Endlich Halloween! Doch Sarah versteht die Welt nicht mehr. Sie wollte die Nacht der Nächte mit ihren Freunden an der High-School feiern stattdessen kurvt sie mit ihrer nervigen Familie an der Küste von Massachusetts entlang. Nahe der Stadt Salem beginnt es in Strömen zu regnen. Das Navigationsgerät fällt aus. Die Straße endet im Nirgendwo.
Nach Mitternacht erreichen Sarah und ihre Familie eine Ansiedlung. Als sie vier Galgen auf einer Anhöhe entdecken, halten sie es für einen Halloween-Scherz. Wie altertümlich die Bewohner gekleidet sind und wie seltsam sie sprechen! Die Kulisse scheint perfekt.
Als Sarah und ihre Familie begreifen, dass es gar keine Kulisse gibt, ist es bereits zu spät.
Der Schrecken nimmt seinen Lauf ...

Eine packende Horrorstory vor dem Hintergrund der Hexenprozesse von Salem!... (Klappentext)

⚝⚝⚝⚝⚝

"Du weißt, dass an Halloween die Grenzen zwischen dieser Welt und der Welt der Toten verschwimmen.
Die Tore zum Jenseits sind nicht so fest verschlossen wie an den anderen Tagen des Jahres.
Nein.
Sie stehen weit offen."
(S. 21)

Hier wird aus der Sicht von Sarah erzählt, welche ziemlich angefressen ist, da sie die Halloween-Party in ihrer Schule verpasst. Das alles nur weil ihr Vater einen alten Freund am Hintern der Welt besuchen möchte, nämlich in der Gegend um Salem.
Man sitzt hier mit ihr in einem klapprigen Subaru, gemeinsam mit ihrem fluchenden Vater, der den Wagen durch dichten Regen kutschiert, ihrem Bruder Rob, der in sein Ballerspiel auf seinem Handy vertieft ist und ihrer Mutter, welche ihr historisches Wissen rund um Salem zum besten gibt.
Zuerst taucht der Leser in die spannende und grausige Geschichte der Hexenprozesse von Salem ein und wie es in dieser Gegend zu diesem historisch fürchterlichen Ereignis gekommen ist und kommen konnte. Doch dann wird diese Geschichte plötzlich Wirklichkeit und sie stecken in dieser historischen Begebenheit mitten drin - mitten in den Hexenprozessen von Salem.

Wer die Geschichte von den Hexenprozessen kennt, weiß was sich damals Fürchterliches zugetragen hat. Was all die Frauen und auch Kinder, welche als Hexen und Teufelsanbeter beschuldigt wurden, an Folter durchmachen mussten, um schlußendlich auf grausame Weise den Tod zu finden.
Mit diesem historischen Hintergrund kreierte Nicole Grom einen schaurigen Jugendroman, welcher einen kleinen Einblick in die Geschichte dieser Hexenprozesse gewährt. Dies gestaltet sich überaus spannend und vor allem unheimlich. Man stelle sich vor plötzlich im späten 17. Jahrhundert zu landen, als Hexe angeklagt zu werden, wobei die Menschen dort viel gruseliger und teuflischer sind als man selbst. Ja, da kann einem schon die Gänsehaut rauf und runter laufen.

"Hysterie brach aus.
In dieser Atmosphäre der Angst konnte jeder einen anderen Menschen grundlos bezichtigen.
Töchter klagten ihre Mütter an, Männer ihre Frauen, Brüder ihre Schwestern und umgekehrt."
(S. 39)

Der Schreibstil ist einfach gehalten und flüssig, während der Erzählstil fesselnd ist und einen das Buch in einem Rutsch lesen lässt.
Leider fehlte mir aber das gewisse Etwas was die Atmosphäre und die Liebe zum Detail betrifft. Hierbei hätte ich mir, gerade bei einem Schauerroman, mehr gewünscht.
Es waren diesbezüglich wunderschöne Ansätze und Passagen vorhanden und ich hatte das Gefühl, dass die Autorin diesbezüglich durchaus noch einiges mehr in petto gehabt hätte, jedoch aus irgendeinem Grund ausgebremst wurde. Ein paar Seiten mehr hätten der Geschichte also durchaus gut getan.

"In diesem Moment trat der Mond hinter den Wolken hervor.
Ein fahler Leib, der sich aus schwarzen Leichentüchern schälte.
Er beleuchtete die Umgebung so, dass die Dinge wieder Gestalt annahmen.
Sie befanden sich nun unterhalt einer Anhöhe.
Und auf dem Gipfel dieser Anhöhe standen vier Galgen."
(S. 51)

Fazit:
Trotz der kleinen oben genannten Kritik hält man mit diesem Buch einen schaurigen Jugendroman in den Händen, in dem sich das Unheimliche von Seite zu Seite steigert und ich es dadurch in einem Rutsch regelrecht inhaliert habe. Es ist auf jeden Fall ein fantastischer und gruseliger Jugendroman mit interessantem und schaurigem Setting. Genau das Richtige für die dunkle Zeit des Jahres.
Ich hoffe die Autorin hat irgendwann die Möglichkeit sich schriftstellerisch so richtig zu entfalten, denn schreiben kann sie und das wie der Teufel.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe, Buch-Trailer und Autoren-Info)

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Tags: ab 12j., deutsche autoren, jugendroman, schauerroman, selfpublisher   (5)
 

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74 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

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Sandman - Präludien & Notturni

Neil Gaiman , Mike Dringenberg , Sam Kieth ,
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Panini, 18.04.2007
ISBN 9783866073555
Genre: Comics

Rezension:

PRÄLUDIEN & NOTTURNI erzählt vom Herrscher jenes Reiches, in dem wir ein Drittel unseres Lebens verbringen. Alles beginnt im Jahre 1916, als der englische Magier Roderick Burgess den Versuch unternimmt, den Tod in persona, Death, zu fangen, aber stattdessen deren kleinen Bruder Dream erwischt. Beide gehören zu den Ewigen, unsterblichen Wesen, die vom Universum selbst geschaffen und mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut wurden. Aber auch gottgleiche Geschöpfe machen Fehler und büßen dafür.... (Klappentext)

♜♜♜♜♜

"Eingesperrt in einen Glaskäfig dreimal zwanzig Jahre plus zehn. Ein Menschenleben.
Für unsereiner läuft die Zeit nicht schneller als für euch, und im Gefängnis kriecht sie wie eine Schnecke...
Ich war...ich bin der HERR dieses Reichs der Träume und Albträume."

Der Dunkelmagier Roderick Burgess möchte den Tod höchstpersönlich beschwören und unterwerfen, um über Leben und Tod zu herrschen. Stattdessen erwischt er Morpheus, den Gott der Träume, hier "Dream" genannt.
Die Gefangenschaft von Dream hat weitreichende Folgen - eine mysteriöse Schlafkrankheit legt sich über die DC-Welt. Manche schlafen für immer und erwachen nie wieder, manche erwachen und schlafen nie wieder und andere befinden sich in einem Wachkoma.
Nicht nur, dass im DC-Universum und im Arkham Asylum manche dem Wahnsinn verfallen (noch mehr als sonst schon), selbst das gesamte Traumland und die Welt der Götter sind aus den Fugen geraten.
Als Dream nach 70 Jahren frei kommt, muss er erstmal wieder alle in Ordnung bringen und dafür wiederum auf die Suche nach seinen gestohlenen Werkzeugen gehen.
Und so wandelt man mit Dream durch das Reich der Träume, besucht in der Hölle Lucifer Morningstar und Arkham Asylum, um am Ende dem Tod zu begegnen und keine Angst mehr vor ihr zu haben.

Neil Gailman bedient sich dabei eines klaren Schreibstils mit teils melancholisch-poetischen Zügen. Wenn auch die Erzählung manchmal etwas stockend und abgehackt wirkt, so ist die Story äußerst spannend zu verfolgen.

"Ich bin immer ein Einzelgänger gewesen,
aber hier, am nächtlichen Ufer der Träume,
überflutet die Einsamkeit mich in Wellen,
umrandet und unterspült meinen Geist."

Die düstere Atmosphäre ist allgegenwärtig und wird durch die Illustrationen stimmungsvoll in Szene gesetzt. Dabei sollte man sich definitiv Zeit nehmen diese zu betrachten. Nicht nur, um der Story zu folgen und sie auf sich wirken zu lassen, sondern auch aufgrund der ein oder anderen versteckten Details.
Zudem finde ich, dass die Charaktere nicht nur vielschichtig, sondern auch graphisch gut gezeichnet sind. Vor allem der Gothic-Style von "Dream" und "Death" gefällt mir gut, da es treffender nicht sein könnte.

Hier begegnen dem Leser nicht nur mythologische Figuren, sondern auch Figuren aus dem DC-Universum und viele andere mystische Wesen und skurrile Charaktere.

"Lausche der Angst einer Welt in der böse Dinge aus dunklen Ecken kriechen.
Lausche einer Welt voller Schmerzen.
Horch: Du kannst sie hören."

Die Story ist in  acht Kapitel unterteilt und jedes wird durch eine hervorragende Zeichnung von Dave McKean eingeleitet (von ihm wurden auch die Cover illustriert). Über diese sollte man ebenfalls nicht einfach drüber blättern. Er kombiniert verschiedene Stile und Techniken und fügt diese in einem tollen Bild zusammen. Wenn man diese betrachtet hat man das Gefühl eine abgefahrene psychedelische Erfahrung zu machen.

Diese Ausgabe beinhaltet ein Vorwort von Karen Berger und ein Nachwort von Neil Gaiman über die Entstehung der Sandman-Reihe.

Fazit:
Neil Gaiman ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und auch bei Comics ist dies erkennbar und ein Genuß.
Dies ist der hervorragende Auftakt der Sandman-Reihe, der ich von der ersten Seite an verfallen bin. Diesen ersten Teil habe ich auf Deutsch gelesen, alle weiteren Teile werden von mir jedoch auf Englisch gelesen werden, um in den sprachlichen Vollgenuß zu kommen.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren- und Illustratoren-Info)

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Tags: britische autoren, comic, neil gaiman, sandman-reihe, vertigo-verlag   (5)
 

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97 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 22 Rezensionen

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Irre Seelen

Graham Masterton
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 01.11.2012
ISBN 9783865521644
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die alte aufgegebene Irrenanstalt im Wald ist nicht verlassen. Oh nein. In den Wänden wimmelt es vor ... vor Wahnsinn? Jack Reed stößt im Wald von Wisconsin auf ein verlassenes Gebäude, das einst eine bekannte Heilanstalt war. Vor fast 60 Jahren wurde sie aus düsteren Gründen aufgegeben. Jack will das alte Haus sanieren, um dort ein Ferienhotel zu eröffnen. Doch es beherbergt gefährliche Geheimnisse: 135 geisteskranke Patienten verschwanden mithilfe von Druiden-Magie »in die Wände« - und dort leben sie noch immer. Nun hält sie nichts mehr auf ... Angeführt von dem bösartigen Quintus kidnappen sie Jacks kleinen Sohn und fordern die Rückkehr des Priesters, der sie damals einfing ...(Klappentext)

⚝⚝⚝⚝⚝

"Was Jack ganz besonders faszinierte, war das nicht näher bestimmbare Gefühl, gezielt hierher gelockt worden zu sein.
Als ob es sein Leben lang vorbestimmt war,
dass er das Haus genau an diesem Nachmittag und genau zu dieser Stunde finden würde.
Als ob es auf ihn gewartet hätte."
(S. 17)

Jack Reed stößt, mehr oder weniger, zufällig auf ein uraltes Anwesen mitten im Wald. Es zieht ihn geradezu magisch an und scheint sich in seine Gedanken zu schleichen, denn er will es unbedingt! Sein plötzlicher Traum - ein Ferienhaus für gut betuchte Gäste daraus zu machen, denn es scheint wie dafür geschaffen zu sein....trotzdem es total marode ist, fast auseinanderfällt und ihn darin eine unheimliche Atmosphäre empfängt.
Er ist bereit dafür seinen Job und seine Familie aufs Spiel zu setzten - für diesen Traum der, wie er denkt, schon immer in ihm schlummert. Der Kauf wird in die Wege geleitet, alles scheint wie am Schnürchen zu klappen, bis sein Sohn in diesem Haus spurlos und von einen Moment auf den anderen verschwindet.
Danach beginnt das Grauen, denn dies war einmal eine Irrenanstalt und 135 irre Seelen sind darin gefangen und der Pfand ist Jacks Sohn.

"Sie hatten schon fast das Tor erreicht, als er die grau-weiße Gestalt des kleinen Mädchens noch einmal sah.
Sie stand genau zwischen den Bäumen und hatte einen Arm erhoben, um ihm zu winken.
Komisch war nur, dass ihr Gesicht von einer Kapuze verborgen war, als ob es falsch herum am Kopf saß.
Entweder das - oder sie HATTE überhaupt kein Gesicht."
(S. 72)

Ich kannte bisher nur die Thriller-Reihe von Graham Masterton und dies ist mein erster seiner Horror-Romane. Das er schreiben kann  war mir also bereits klar, doch hier schien er in seinem Element zu sein. Düstere und unheimliche Atmosphäre von Anfang an, welche sich von Seite zu Seite steigert und zusätzlich den ein oder anderen Schock- und/oder Gruselmoment beinhaltet. Für Gänsehaut wird hier also gesorgt und das bereits von der ersten Seite an.

Der Plot ist durchdacht und kann mit überraschenden Wendungen aufwarten.
Was ich persönlich an Mastertons Stories jedoch genial finde ist das Verweben von Realität und alter Mythen. Meist stützt er sich dabei auf nordische Mythologie und so auch hier.
Druidenmagie, Steinkreise und Ley-Linien - dieses uralte Wissen und diese Legenden werden gekonnt vom Autor in die Storie eingebracht und er schafft es diese, selbst in der modernen Welt, als logisch erscheinen zu lassen. Zusätzlich erschafft er auch Neues, wie z.B. die Wandläufer. Für Zartbesaitete ist dieser Horror-Roman nur bedingt z u empfehlen, da es hier doch stellenweise sehr blutig und brutal zugeht.

"Die erbarmungslosen Hände schleiften ihn durch die komplette Kellerwand, zerfetzten seine Strickjacke,
kratzten das fette, weiße, hervortretende Fleisch seines Bauches auf,
zerrissen seine Cordhose
und verschmierten die Kalksteinmauer mit einer anderthalb Meter dicken Blutspur."
(S. 148)

Zum Ende hin sacken Handlung und Spannung etwas ab, nehmen aber noch rechtzeitig wieder an Fahrt auf und ist daher zu verschmerzen.
Was mich persönlich störte, waren die Charaktere. Diese sind zwar gut gezeichnet und vielschichtig, agieren und reagieren jedoch des Öfteren mehr als nur unglaubwürdig. Ungläubiges Kopfschütteln und genervtes Augenrollen sind also ebenso inkludiert wie die Gänsehaut.

Fazit:
Im Großen und Ganzen bin ich von diesem Buch begeistert. Masterton hat einen unglaublich packenden Schreib- und Erzählstil und auch das typisch beklemmende Gefühl der Angst setzt beim Lesen ein. Wenn sich die Figuren, allen voran der Protagonist, nicht des Öfteren völlig unauthentisch verhalten würden, wäre es ein absolut perfekter Horror-Roman.
Es war mit Sicherheit nicht mein letzter Masterton, habe ich doch auch noch "Die Opferung" und "Grauer Teufel" auf meinem SuB liegen.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Autoren-Info und Leseprobe)

  (9)
Tags: britische autoren, festa verlag, graham masterton, horror   (4)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Das Highlander-Kochbuch

Fiona Bondzio , Fiona Bondzio
Buch: 128 Seiten
Erschienen bei Verlag FELIX AG, 03.05.2011
ISBN 9783867380447
Genre: Sachbücher

Rezension:

Das Highlander Kochbuch bietet einen faszinierenden Einblick in die traditionelle Küche der schottischen Highlander und ihrer gälischen Kultur.
Schottland, auf drei Seiten umgeben vom Atlantischen Ozean und der Nordsee, war und ist bis heute reich an hoch geschätzten Spezialitäten. In diesem Buch finden Sie sowohl eine Auswahl an ursprünglichen und rustikalen Rezepten von den Feuerstellen der Schäfer, Fischer und Kleinbauern als auch von den weltbürgerlichen Tafeln der Clanchefs. Darüber hinaus bietet dieses Buch interessante Einblicke in die damaligen Tisch- und Tafelsitten und viele Informationen rund um die historischen Küchen und Utensilien....(Klappentext)

🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿

"Das unwirtliche Land, die stürmischen Meere und das harte Klima bedeuteten,
dass die meisten Highlander ein unerbittliches Leben führten.
Dem zum Trotz hatten sie zu jeder Jahreszeit ein Essen, das nahrhaft war:
eine herzhafte Brühe, ohne die keine Highland-Küche vorstellbar wäre."
(S. 8)

Mit diesem Buch erhält man nicht nur traditionelle schottische Rezepte, sondern auch interessante Informationen über die Geschichte der Highlands - Infos über das tägliche Leben der Highlander, die Wohnstätte und somit auch über die Küche, vor allem welchen Stellenwert bestimmte Lebensmittel hatten und wie diese den Weg in die schottische Küche fanden. Angefangen von Fleisch und Geflügel, über Kräuter und Gewürze, bis hin zu Honig und Zucker.

Diesen Teil des Buches habe ich ebenso mit Genuß gelesen, wie auch die darauf folgenden Rezepte, da dies einen kleinen unverklärten Einblick in die Küchen-Geschichte Schottlands gewährt.

Die Rezepte sind zwar sehr fleisch- und fischhaltig und werden von Suppen und Eintöpfen dominiert, sind jedoch trotzdem äußerst vielfältig.
Zudem sind einige Rezepte zum Haltbarmachen von Fleisch und Fisch enthalten. Auch das traditionelle Haggis-Rezept ist vorhanden und ebenso ein Ersatzrezept, wofür man keine vorgekochten Innereien benötigt. Auch ein Rezept für Bere Bannocks (flaches Brot), welches zu fast jeder Suppe und jedem Eintopf gereicht wird, für schottisches Shortbread, Getränke und Saucen findet man hier.

"Die Highlander würzten ihre Gerichte nicht sehr stark, da der Gebrauch von Gewürzen ein Luxus war.
Die wenigen Gewürze, die sie hatten, lieferten deshalb eine feine Verbesserung der Gerichte
ohne den eigentlichen Geschmack zu verändern oder die Hauptzutaten zu überdecken."
(S. 26)

Dies ist der Grund (siehe obiges Zitat), weshalb die Gerichte für unseren verwöhnten Gaumen doch sehr fad schmecken. Ich habe bereits ein paar Gerichte nachgekocht und musste mit diversen Gewürzen ordentlich nachhelfen. Ansonsten sind die Gerichte einfach und traditionell. Manche Zutaten, vor allem was Fisch betrifft, jedoch nicht immer leicht aufzutreiben. Wenn man aber begeisterter Hobbykoch ist, weiß man diese gut zu ersetzen.
Aufgrund dieser beiden Gründe ist dieses Buch eher nicht für Kochanfänger geeignet.

Der Schreibstil ist einfach und flüssig und somit sind auch die Rezepte leicht verständlich und ebenso leicht nachzukochen. Die meisten Rezepte werden von Bildern begleitet, wobei diese doch etwas düster ausfallen und nicht immer meinen Geschmack treffen.

Fazit:
Wenn ich auch alle ausprobierten Gerichte kräftig nachwürzen musste und die Bilder nicht immer meinen Geschmack trafen, so bin ich doch von diesem Kochbuch begeistert. Die Rezepte sind wirklich traditionell und lassen den Leser dadurch nicht nur mittels interessanter Informationen in die Küchengeschichte der Highlander eintauchen.

© Pink Anemone (inkl. Bilder und 2 ausprobierten Rezepten)

  (6)
Tags: kochbuch, schottische autoren, schottland, united kingdom   (4)
 

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96 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Die Wahrheit über das Lügen

Benedict Wells
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 29.08.2018
ISBN 9783257070309
Genre: Romane

Rezension:

Dies ist eines jener Bücher, welches man zurückgezogen bei einer Tasse Tee genießt und nach jeder Story kurz inne hält, um sie nochmals in Gedanken zu genießen.

Gegenüber sogenannten Hype-Büchern bin ich immer etwas skeptisch.

da sie einem wirklich überall begegnen und man das Gefühl hat, man müsse sie kaufen damit das endlich ein Ende nimmt..  da ich dieser Lobhudelei meist nicht im geringsten zustimmen kann, und und dieser Punkt betrifft ausschließlich dieses Buch, bzw. dessen Autor; wie kann ein solcher Jungspung ein Buch nach dem anderen raushauen, wobei jedes in den Himmel gelobt wird und auf den Bestsellerlisten landet? Woher will dieser junge Mann all diese Erfahrungen für tiefsinnige und ergreifende Geschichten haben? Ist das alles nur Fangirl-Gehabe jüngerer Leserinnen, dieses Groupie-Ding wie bei Boybands, nur eben für bibliophile Mädels?

Als ich schließlich bei einer Buchbloggerin entdeckte, die in dieser Hinsicht meine Skepsis teilt, auf dieses Buch stieß und eine ebenso jubelnde Rezension las, wurde ich neugierig. Sollte ich es doch wieder einmal mit einem Hype-Buch versuchen?

Da ich mir ja prinzipiell gerne meine eigene Meinung bilde und auch vor Verrissen von Hype-Büchern nicht zurückschrecke, wurde ein Rezensionsexemplar geordert. An dieser Stelle einen großen Dank an den Diogenes-Verlag, welcher mich zum ersten Mal in meinem experimentellen Lesen unterstützt.

Nun wollen wir uns aber endlich dem Buch widmen...

✽✽✽✽✽✽✽✽✽✽

Das Leben und die Zeit

Es geht um alles oder nichts in diesen Geschichten. Sie handeln vom Unglück, frei zu sein, und von einer Frau, die vor eine existenzielle Entscheidung gestellt wird. Von einem Ort, an dem keiner freiwillig ist und der dennoch zur Heimat wird. Von einem erfolglosen Drehbuchautor der Gegenwart, der in das New Hollywood des Jahres 1973 katapultiert wird und nun vier Jahre Zeit hat, die berühmteste Filmidee des 20. Jahrhunderts zu stehlen. Und nicht zuletzt eine Erzählung aus dem Universum von ›Vom Ende der Einsamkeit‹, die Licht auf ein dunkles Familiengeheimnis wirft. Zehn höchst unterschiedliche Geschichten aus einer Welt, in der Lügen, Träume und Wahrheit ineinanderfließen. Mal berührend, mal komisch, überraschend und oft unvergesslich....(Klappentext)


✽✽✽✽✽

"Dies waren die goldenen Jahre,
als Vater, als Mann und im Beruf,
und er genoss seine Freiheit als Wanderer zwischen diesen Welten,
die er für seine größte Leistung hielt."
(S. 21)

"Die Wahrheit über das Lügen" ist eine Ansammlung von Kurzgeschichten. Kurzgeschichten können einerseits schnell nach hinten losgehen, aber auch Einblicke in die schriftstellerischen Fähigkeiten eines Autors gewähren - in seine Experimentierfreude und sein Facettenreichtum.
Aufgrund meiner grundlegenden Skepsis gegenüber des Autors, sowie gegenüber Kurzgeschichten allgemein (diese verflüchtigt sich derzeit aber zunehmend), hatte der Autor bei mir einen großen Berg zu erklimmen. Ich wurde jedoch in beiderlei Hinsicht positiv überrascht und kann nun diese Lobhudelei zu seinen Werken und vor allem zu der vorliegenden Kurzgeschichten-Sammlung verstehen und auch unterschreiben.

In diesen 10 Kurzgeschichten eröffnet sich eine Tiefsinnigkeit, wunderschöne Anekdoten und ergreifende Schicksale.
In diesen Geschichten steigt man auf einen Berg, verbringt seine Kindheit in einem Internat, in einer alten Bibliothek unter sprechenden Büchern, lauscht einer alten traurigen Dame und reist in die Vergangenheit, um Star Wars zu erschaffen.
Jede einzelne Geschichte ist wundervoll zu lesen, traurig und schön zugleich und jede einzelne schafft es das kleine Rädchen im Kopf anzuschmeißen, welches einem zum Nachdenken anregt - über das Leben, die Freude, das Glück und sich selbst. Jede Geschichte ist aber auch anders und doch haben sie vor allem ein Thema gemein - die Zeit. Die Zeit, welche nie genutzt wurde, die man nicht zu schätzen wusste, die einem davon läuft und die Zeit an die man sich gerne erinnert.

"Wir hatten uns vier Jahre lang beinahe jeden Tag gesehen, jede Nacht,
wir kannten einander besser als jeden sonst und hatten uns geschworen, für immer Freunde zu bleiben.
Doch wir sahen uns nie wieder."
(S. 42)

Nur eine Geschichte habe ich nicht gelesen und zwar "Die Entstehung der Angst". Diese richtet sich an diejenigen Leser, welche den Roman "Vom Ende der Zeit" schon gelesen haben. Diese Kurzgeschichte war ursprünglich ein Teil davon, welcher jedoch nicht mit in den Roman aufgenommen wurde. Sie ist also ein ganz besonderer Leckerbissen für Fans von Benedict Wells. Ich hingegen heben mir diese Geschichte auf, bis ich auch den Roman gelesen habe.

Der Schreibstil ist flüssig und klar und der Erzählstil sowohl ruhig, als auch packend.
Bezüglich der Charaktere schafft es der Autor hervorragend sich in diese hinein zu versetzen, ihre Gefühle und Gedanken zu transportieren und somit bleibt einem gar nichts anderes übrig als jede einzelne Figur ins Herz zu schließen. Trotzdem ich in diesen Anthologien nicht viel an Experimentierfreude und Facettenreichtum des Autors erkennen konnte, so konnten mich diese Geschichten wunderbar unterhalten und zum Nachdenken anregen.

"Sie dachte an ihren verstorbenen Mann.
Wenn ihre Erinnerung ein Kino war, dann waren die Jahre mit ihm ein Klassiker, der noch immer jeden Abend lief.
Vielleicht war er nicht mehr ganz so spannend, weil sie jeden Satz aus der Handlung mitsprechen konnte,
und vielleicht war auch das Bild inzwischen etwas unscharf geworden und die Tonspur verwaschen,
aber das machte nichts."
(S. 92)

Fazit:
Dies ist eines jener Bücher, welches man zurückgezogen in seiner Leseecke bei einer Tasse Tee genießt und nach jeder Geschichte kurz inne hält, um sie nochmal in Gedanken zu genießen und wirken zu lassen. Davon gibt es nicht viele und daher habe ich dieses Buch umso mehr genossen und es ist eines der wenigen Bücher, welches eine Geschichte enthält, die selbst mich zu Tränen gerührt hat.
Der Autor konnte mich auf jeden Fall überraschen und von sich überzeugen.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe, Autoren-Info und Youtube-Link zum Film-Trailer "Becks letzter Sommer)

  (7)
Tags: benedict wells, deutsche autoren, diogenes verlag, roman-anthologie   (4)
 

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128 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 16 Rezensionen

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Bienensterben

Lisa O'Donnell , Stefanie Jacobs
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 05.11.2014
ISBN 9783832162924
Genre: Romane

Rezension:

Heiligabend in Glasgow: die fünfzehnjährige Marnie und ihre kleine Schwester Nelly haben gerade ihre toten Eltern im Garten vergraben. Niemand sonst weiß, dass sie da liegen und wie sie dahin gekommen sind. Und die Geschwister werden es niemandem sagen. Irgendwie müssen sie jetzt allein über die Runden kommen, doch allzu viel Geld verdient Marnie als Gelegenheits-Dealerin nicht. So ist es ihnen ganz recht, als ihr alter Nachbar Lennie, den fälschlicherweise alle für einen Perversling halten, sich plötzlich für sie interessiert. Lennie merkt bald, dass die Mädchen seine Hilfe brauchen. Er nimmt sich ihrer an und gibt ihnen so etwas wie ein Zuhause. Als die Leute jedoch beginnen, Fragen zu stellen, zeigen sich erste Risse in Marnies und Nellys Lügengebäude, und es kommen erschütternde Details aus ihrem Familienleben zum Vorschein, was ihre Lage nur noch komplizierter macht....(Klappentext)

❁❁❁❁❁

"..., um sie richtig zu begraben, und weil Gene am meisten stank,
haben wir beschlossen, ihn zuerst zu beerdigen und Izzy in den Kohlekasten zu quetschen;
klar würde sie verwesen, aber so kamen wir an sie ran
und konnten zur Not Desinfektionsmittel drüberschütten."
(S. 21)

Gleich zu Beginn sollte erwähnt werden, dass dieser Roman nicht ohne Trigger-Warnung auskommt und dieses Buch daher nicht für jeden geeignet sein könnte.
Trigger: Pädophilie, sexueller und psychischer Mißbrauch von Minderjährigen

Man liest aus drei Perspektiven.
Allen voran Marnie - 15 Jahre, Drogendealerin mit einem äußerst derben Wortschatz, nach außen hin stark und kühl, im Inneren jedoch immer noch ein bisschen Kind.

Nelly - 12 Jahre und die Schwester von Marnie; ein geigespielendes Genie und redet als wäre sie aus dem frühen 19. Jahrhundert entsprungen. Sie zerbricht sich über manche Dinge wochenlang den Kopf.
Beide hatten bisher alles andere als eine leichte Kindheit - aufgewachsen im Glasgower Ghetto, Eltern alkohol- und drogenabhängig, liebevoller Umgang Fehlanzeige. Innerhalb von zwei Tagen sterben ihre Eltern, aber nachtrauern tun die beiden Mädchen den beiden nicht wirklich. Sie beschließen die Leichen im Garten zu verbuddeln, denn in ein Heim wollen sie beide nicht. Doch rasch wächst ihnen alles über den Kopf und da tritt Lennie auf den Plan.

Lennie - ein alter Nachbar, schwul und fälschlich wegen Pädophilie im Strafregister von Sexualstraftätern aufgeführt. Dadurch wird er von allen in der Nachbarschaft geächtet. Jedoch betrauert er den Tod seines Lebensgefährten und hätte einfach nur gerne jemanden zu reden. Die Mädchen tun ihm leid und so hat er ein Auge auf sie und nimmt sich ihrer schließlich an.

"Klar haben wir Angst, weil, irgendwann wird er ja wissen wollen, wo sie ist. Jetzt glaubt er, sie sind irgendwo im Grünen. Sind sie ja auch, nur nicht so, wie er denkt." (S. 187)

Der Schreib- und Erzählstil der Autorin ist einfach nur unglaublich und niemals hätte ich gedacht, dass dies ein Debüt ist.
Je nach Perspektive ändern sich Ton und Jargon. Es wird hauptsächlich aus Marnies Sicht erzählt - hier ist die Sprache eher derb und manchmal erschreckend kühl und emotionslos. Wenn man bedenkt, was die Mädchen schon alles durchmachen mussten, in gewisser Weise verständlich.
Nelly kommt meist nur kurz zu Wort, aber diese wenigen Zeilen haben es oft mächtig in sich. Beide Perspektiven ermöglichen somit auf sehr eindringliche Weise einen Blick in zwei kaputte Kinderseelen. Lennies Perspektive zeigt hingegen Besonnenheit, Reife und viel Trauer.
Daher ist dieser Roman auch vom psychologischen Standpunkt aus betrachtet interessant und packend, denn zwischen all den coolen und derben Sprüchen, zwischen all den verschiedenen Gedankengängen, verbirgt sich so einiges. Wenn man die Augen beim Lesen öffnet, kann man nämlich ganz tief in die Herzen und Seelen der Protagonisten sehen.

Obwohl die Story bedrückend,morbide und auch zeitweise verstörend ist, wird diese durch herrlich schwarzen Humor und abstrus witzige Ereignisse und/oder Handlungen aufgelockert. In einem Moment war ich schockiert, im nächsten musste ich schmunzeln. Vor allem Marnie hat einen herrlich schwarzen Humor, der vor Sarkasmus nur so trieft.
Es ist aber auch traurig und herzzerreißend zu lesen, was die Mädchen und auch Lennie schon alles durchmachen mussten und sie dadurch zu dem wurden was sie sind - kaputte Kinderseelen und ein trauernder, einsamer alter Mann.

Und doch enthält dieser Roman so viel mehr als gut gezeichnete Charaktere, tollen Schreib- und Erzählstil und packende Story. Denn trotz dieses schwarzen Humors, der oft derben Ausdrucksweise und bedrückenden Thematik, liest man immer wieder wunderschöne Passagen voller Tiefe und Weisheit, welche einen kurz inne halten lassen.

"Ich bin froh, dass die Mädchen einander haben, denn sonst ist es eine einsame Reise,
und deshalb lasse ich ihnen ihre Geheimnisse und das, was sie miteinander teilen.
Es verbindet sie, so bleiben sie stark. Und darauf kommt es an,
stark zu bleiben, es bindet einen an das Leben und zwingt einen zum Weitergehen,
selbst wenn es nur mit einem Hund ist."
(S. 71)

Fazit:
Für mich persönlich war dieser Roman DAS Lesehighlight im Genre Roman.
Obwohl es nicht unbedingt leichte Kost war, übte die Story einen unvergleichbaren Sog auf mich aus und schickte mich durch ein Wechselbad der Gefühle. Die Geschichte ist nämlich bedrückend, traurig, verstörend, aber auch herzzerreißend und witzig.
Ein Buch über Mut, Zusammenhalt und Loyalität und eine Story die einem lange im Gedächtnis bleibt.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren-Info)

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Blutschwur der Donauleichen

Werner Skibar , Zoë Angel , Charly Blood , Werner Skibar
Fester Einband: 220 Seiten
Erschienen bei MYMorawa, 24.05.2018
ISBN 9783990707753
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Wien 1984. Das Grauen geht um. Ein verstümmelter Leichnam wird beim Donaukanal aufgefunden. Wasserleichen überfallen die U-Bahn. Kinder verschwinden im Prater. In der Kanalisation lauert der Wahnsinn.
In einer unwiderstehlichen Melange aus klassischem Gruselkrimi, Urban Fantasy, Wiener Milieu- und Detektiv-Geschichten berichten die MORBUS-Romane über die mysteriösen – von alten Sagen und Legenden inspirierten – Fälle einer traditionsreichen Wiener Geheimorganisation, eines Privatdetektivs und eines Gruftie-Girls.
Literarischer Austro-Pop der ganz besonderen Art!
Dieses Buch enthält die ersten beiden Bände der Romanserie, sowie weitere Geschichten aus der Welt von MORBUS...(Klappentext)

☠☠☠☠☠

In diesem Buch werden gleich zwei Novellen auf die Grusel-Fans losgelassen und zwar der 1. und 2. Teil der Morbus-Reihe.

Blutschwur der Donauleichen

"Ihre Hand steckte inmitten eines aufgerissenen Körpers.
Der Leichnam gab ein schmatzendes Geräusch von sich, als sie die Finger daraus zurückzog.
Überall waren Blut, Fleisch und Hautstückchen verteilt.
Jetzt erst füllten sich ihre Lungen wieder mit Luft.
Und dann schrie sie. Sie schrie wie noch nie in ihrem Leben..."
(S. 31)

Hier treffen die Protagonisten das erste Mal aufeinander.

Bernd Waidmann - ehemaliger Polizist und nun Privatdetektiv, der meist von Frauen aufgesucht wird, um deren untreuen Männern auf die Schliche zu kommen. Er ist ein ruhiger Typ mit guter Menschenkenntnis, dem nicht so schnell aus der Bahn wirft und der einen guten Kaffee gerne mit einer Marlboro genießt.

Petra - ein 17-jähriges Mädel, welches ein dunkles Erbe in sich trägt - sie kann die Emotionen ihrer Mitmenschen erkennen und fühlen. Ihr ist das eher lästig und um für sich zu bleiben, hat sie sich der Gothic-Szene angeschlossen. Solchen Leuten gehen "Normalos" nämlich eher aus dem Weg und sie muss sich nicht mit deren Gefühlen rumschlagen. Sie besitzt einen schwarzen und sarkastischen Humor, eine große Klappe und eine gesunde Portion Neugierde. Doch seit kurzem plagen sie auch Visionen - blutig und brutal.

Es tauchen auch viele weitere Figuren auf, welche im Verlauf der Reihe immer wichtigere Rollen einnehmen.

In dieser Story ist Waidmann wieder einmal auf der Suche nach einem untreuen Ehemann. Dieser wird jedoch tot und regelrecht zerfleischt am Donaukanal von Petra und ihrer Gothic-Gruppe gefunden. Durch einen geheimnisvollen Informanten namens Harry, folgt Waidmann einer Spur die zu Petra führt und daher trifft er im selben Moment wie Petra auf den Toten.
Die beiden tun sich zusammen und versuchen diesen äußerst mysteriösen Mord aufzuklären. Hier geht einiges nicht mit rechten Dingen zu - die Wiener Sagengestalten sind nämlich alles andere als Mythen und sie lernen ein geheimnisvolles und unheimliches Wien kennen.

☠☠☠

Im Prater tanzt der Sensemann

"Spielen! Das Angebot zauberte ein Leuchten in seine Pupillen.
Ja, er wollte mit der Puppe und dem Kasperl spielen.
Er wusste nur nicht, dass er damit in sein Verderben lief.
So wie viele Kinder zuvor im Wiener Prater..."
(S. 95)

Hier geht man wieder auf Verbrecherjagd, aber wie wir inzwischen wissen, werden keine normalen Kriminellen, sondern übernatürliche Wesen gejagt. Die Wiener Sagen und Mythen beinhalten nämlich mehr Wahres als einem lieb ist. Schon immer sind Kinder auf unerklärliche Weise im Wiener Prater verschwunden und niemals wieder aufgetaucht. Falls doch, dann völlig verstört und traumatisiert. Entführung vermuten die Meisten, doch dahinter steckt etwas gänzlich anderes - etwas Böses, welches Kinder zum Fressen gern hat.

Während Waidmann plötzlich, wie vom Erdboden verschluckt, nicht mehr auffindbar ist, lernt Petra eine Geheimorganisation mit dem Namen BASILISK kennen. Diese besteht aus einer Gruppe von Menschen und Wesen, welche Städte und Regionen gegen Angriffe aus anderen Dimensionen, vor Dämonen, wahnsinnigen Okkultisten und allgemein vor dem Bösen beschützen - dem wahren Bösen und somit auch vor dem Prater-Monster.

☠☠☠

In der MORBUS-Reihe lernt man ein dunkles Wien voller Gefahren und mystischen Wesen kennen, die nicht immer Gutes im Sinn haben, sondern nach Blut gieren, sich auf brutalste Weise an den Menschen rächen und versuchen in unsere Welt zu gelangen. Man begibt sich in dunkle Gassen und in den Wiener Würstel-Prater, entdeckt ein geheimnisvolles Café voller unheimlicher Gestalten und tritt ein in die Welt der Sagen und Mythen.

Der Schreibstil ist flüssig und die Erzählweise absolut packend. Dabei bedienen sich die Autoren bei den Dialogen des Wiener Dialekts und auch der typisch schwarze und oftmals morbide österreichische Humor kommt hier nicht zu kurz. Für Nicht-Österreicher gibt es übrigens am Ende des Buches einen Glossar.

"Der ältere der beiden meinte zum diensthabenden Polizisten:
>>I glaub, mit an Plastiksackl tun ma uns leichter. Wie sollen ma denn alle Teile von dem einpacken?
Die Hälfte von seinen Innereien hängt ja noch an der Gruseltussi"<<"
(S. 33)

Die Charaktere sind äußerst gut gezeichnet und man begegnet einer Palette an unterschiedlichen Figuren. Darunter skurrile Charaktere, wie auch solche mit starker unheimlicher Aura.
Doch die Story, welche 1984 angesiedelt ist, besticht nicht nur durch Humor, sondern auch durch Spannung und einen ausgefeilten Plot, welcher die österreichischen Mythen, Legenden und deren Gestalten auferstehen lässt. Diese sind alles andere als wundervolle Märchen, sondern schaurig und vor allem blutig.

Hier erwartet einen aber nicht nur klassischer Grusel, der sich auf Wiener Sagen stützt, sondern auch gleichzeitig märchenhafte Urban-Fantasy und spannender Mystery-Thriller.
Die unheimliche Atmosphäre ist dabei durchgehend vorhanden und es kommt häufig zu überraschenden Wendungen. Dabei lernt man nicht nur die Sagen kennen, sondern auch Wien und dessen Geschichte - natürlich den düsteren Teil davon.
So mancher Wiener und Wien-Kenner wird also in einen ganz besonderen Lesegenuß kommen.

"Die Blutgasse in Wien war ein Ort voller Legenden.
Es heißt, dass 1312 die Templer im angrenzenden Fähnrichshof erschlagen worden seien und dass der Name der Gasse daher rühre,
dass ganze Bäche des roten Lebenssaftes geflossen seien."
(S. 47)

Im Anschluß erwarten einem noch paar besondere Schmankerln, wie zwei Kurzgeschichten in denen man die Geschichte des geheimnisvollen Cafés und die Wiener Kanalisation kennenlernt, zwei uralte Fälle der Geheimorganisation BASILISK und Information zu Autoren und Illustratoren. Vereinzelt sind nämlich auch äußerst stimmungsvolle Zeichnungen vorhanden, von denen ich mir viel mehr gewünscht hätte.

Fazit:
Dieses Buch war ein absolut großartiges Leseerlebnis. Ich musste oft lauthals lachen, im nächsten Moment verspürte ich eine wohlige Gänsehaut im Nacken, verfolgte gespannt und fingernägelkauend eine blutige Story und tauchte gleichzeitig in eine märchenhafte Fantasy voller Sagengestalten ein, um auf jeder Seite durch eine Wendung aufs Neue überrascht zu werden.
Ich könnte mir in den Hintern beißen, diese Autoren nicht schon viel früher entdeckt zu haben. Nun erwarte ich mit Freude die nächsten Teile der MORBS-Reihe und hoffe sie möge niemals enden.

© Pink Anemone

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Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel: Erzählungen

Erik R. Andara
Flexibler Einband: 126 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 10.02.2018
ISBN 9781985218079
Genre: Sonstiges

Rezension:

Drei Geschichten über die dunklen Abgründe, die uns unvermutet hinter den Fassaden erwarten können, derer wir uns zu sicher wähnen, und die sich so selbstsicher Realität schimpfen. Das Debut des Nighttrain-Imprints (Whitetrain-Verlag) setzt mit Erik Andara einen Fuß in die Nachtlande der Weird Fiction...(Klappentext)

☬☬☬☬☬

"Ich erwache in einem Zimmer, das ich nie wieder sehen wollte.
In einer Wohnung, die mir mit all ihren Regeln und Verboten schon früh zur Hölle geworden ist."
(S. 7 - Raumflucht)

Dieses Buch beinhaltet drei Novellen:

"Raumflucht"
Eben erst erwacht, versucht ein Mann den brutalen Besuch seines Nachbarn zu überleben und sich dabei nicht selbst zu verlieren...(Klappentext)

"Am Fuß des Leuchtturms ist es dunkel"
Ein anderer junger Mann lebt bereits seit Jahren eingeschlossen in seinem Zimmer, nur um sich eines Tages über das Social Network mit seinen schlimmsten Ängsten konfrontiert zu sehen – ein Rachegeist sucht ihn heim...(Klappentext)

"Nachtzug nach Carcosa"
Im Copy-Shop findet ein Mitarbeiter einen Kettenbrief, der den Tod für seine ohnedies bereits zerrüttete Beziehung bedeuten kann. Der König in Gelb trägt höchstpersönlich Sorge dafür...(Klappentext)


☬☬☬

Drei Geschichten aus Wien und drei Geschichten, in denen nichts ist, wie es scheint.
Alle Stories beginnen völlig harmlos, doch mit jeder Seite steigert sich das Grauen bis es sich zu einem wahren Horrortrip entwickelt und völlig irre endet. Dabei wird man als Leser in dieses Grauen hinab gezogen und völlig darin gefesselt. Bei jeder Story war ich froh, als sie zu Ende war und das ist keineswegs negative Kritik - im Gegenteil! Viel mehr schafft es der Autor die Gefühle und Emotionen der jeweiligen Protagonisten auf den Leser zu übertragen, sodass man, wie die Charaktere selbst auch, aus diesem Alptraum erwachen möchte.

Dies erfolgt in einem flüssigen und packenden Schreib- und Erzählstil, welcher zugleich auch literarische Züge aufweist.
Zudem wird die Atmosphäre gekonnt eingefangen und diese ist durchgehend düster und beklemmend - umhüllt einen regelrecht und zieht einen mit sich in den Abgrund.

"Genug von der Schuld. Genug von der Erlösung. Genug vom rechten Weg.
Wenn es nach ihm ging, waren alle seine Wege gegangen.
Er war in der Endstation eingelaufen."
(S 31 - Am Fuss des Leuchtturms ist es dunkel)

Wie die großen Schriftsteller H.P. Lovecraft, E.A. Poe oder Stephen King, lässt Erik R. Andara die Grenzen zwischen Wahn und Realität verschwimmen. Bei einer Story hat man sogar das Gefühl mit dem Protagonisten in ein irres und unheimliches Paralleluniversum katapultiert zu werden.

"Über der Tür hing eine Karte des U-Bahn-Netzes.
Irgendetwas daran wirkte bereits auf den ersten Blick genauso falsch, wie der Rest der U-Bahn-Garnitur selbst,
die ihn nun ratternd durch die Nacht trug."
(S 92 - Nachtzug nach Carcosa)

Die Novellen haben alle ein offenes und auch unklares Ende. Normalerweise bin ich kein Freund von Kurzgeschichten und schon gar nicht von unklaren Enden. Doch hier würde nichts anderes passen, denn genau dies ist der Grund, welcher das Grauen zum Schluß hin noch viel grauenvoller, bzw. unheimlicher erscheinen lässt.

Fazit:
Die Stories sind allesamt seltsam, verrückt, düster, beklemmend und fern des Mainstreams. Weird Fiction at its best oder einfach gesagt - absolut geiler Scheiß (die ersten Worte, die mir dazu einfielen).
Liebhaber dieses Sub-Genres werden begeistert sein.

© Pink Anemone

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Der Roman des Freiherrn von Vieren

Adelbert von Chamisso , Friedrich de la Motte Fouqué , E.T.A. Hoffmann , Karl Wilhelm Salice-Contessa
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.08.2018
ISBN 9783423281577
Genre: Romane

Rezension:

Vier Romantiker planen, gemeinsam einen Roman zu schreiben: Hoffmann, Chamisso, Salice-Contessa, Fouqué. Eine Handlungsskizze ist schnell entworfen, ein Anfang schnell geschrieben, aus dem sich alles Weitere – wie man annimmt: zwingend – ergeben wird. Doch dann erschlägt der zweite Autor die wichtigste Figur des ersten, der dritte Autor schickt die Nebenfiguren nach Polen und der vierte lässt vollkommen unmotiviert eine wahnsinnige Hexe mit einem weissagenden Raben auftreten. Ein heilloses literarisches Durcheinander, genial verplant, hochamüsant!...(Klappentext)

♜♜♜♜♜

"Es war im Juni im Jahre Eintausendachthundertundzwölf, sonntags gegen Abend,
als Georg Haberland, der Maler,
auf seiner Reise nach Italien müde und durstig vor dem Wirtshause zum Goldenen Bock anlangte."
(S. 7 -Anfang)

Dieser Roman ist ein wahres Schmankerl unter den Klassikern. Hier haben sich nämlich gleich vier namhafte Schriftsteller ans Werk gemacht: Adelbert von Chamisso ("Peter Schlemihls wundersame Geschichte"), Friedrich de la Motte Fouqué ("Undine"), Karl Wilhelm Salice-Contessa ("Meister Dietrich") und E.T.A Hoffmann ("Die Elixiere des Teufels"). Gemeinsam gehörten sie den, von E.T.A Hoffmann gegründeten, literarischen Freundeskreis "Serapionsbrüder" an. 1815 beschlossen sie gemeinsam einen Roman zu schreiben. Jeder von ihnen sollte ein paar Kapitel schreiben und so die Handlung vorantreiben.
Die Herren gerieten sich jedoch in die Haare, da jeder seine eigene Vorstellung vom Handlungsverlauf hatte. Dies lässt zumindest der Kommentar von Hoffmann vermuten, welcher dies auf "Eigensinn der Beteiligten" zurückführte.
Hier lesen wir nun das, durch Markus Bernauer (Berliner Literaturwissenschaftler), editierte unvollendete Werk.

"Der Roman des Freiherrn von Vieren" ist eine Mischung aus einem typischen Roman aus der Zeit der Romantik und eines beginnenden Krimis - beginnend aufgrund dessen, da dieses experimentelle Werk eben nie vollendet wurde.

Der Maler Georg Haberland ist auf der Suche nach der Liebe, nach seiner idealen Weggefährtin, die er auch schnell in Natalie findet. Doch ständig wird er mit einem Doppelgänger verwechselt und es ist nicht nur einer, sondern es sind derlei gleich zwei, die ihm bis aufs Haar gleichen und sogar die selbe Handschrift wie er führten. Natalie hatte auch noch mit einem der beiden schlechte Erfahrungen und ist deshalb in tiefer Trauer. Georg kann diese Verwechslung zudem nicht aufklären, da sein Pass und andere Dokumente auf unerklärliche Weise verschwunden sind und außerdem scheinen auch beide Doppelgänger ein Auge auf Natalie geworfen zu haben.
Dann geschieht auch noch ein Mord. Ein Motiv scheint nur einer der Doppelgänger gehabt zu haben, beschuldigt wird jedoch Georg.
Anfangs ist Georg über diese ständigen Verwechslungen überrascht, im weiteren Verlauf beginnt er jedoch an seiner eigenen Identität zu zweifeln. Ist dies gar eine Verschwörung, welche bis zum Fürstenhof reicht, oder ist er dabei seinen Verstand zu verlieren?

"George andererseits schwankte schwindelnd am Rande des Wahnsinns, dessen er gezüchtigt war.
Er wusste bald nicht mehr, ob er der Maler George Haberland,
der wahnsinnig gewordene verbrecherische Prinz aus dem Trauerspiel, von den Furien verfolgt,
oder Deodatus Schwendy sei."
(S. 29)

Die alte Schreibweise wurde größtenteils beibehalten und nur sehr behutsam modernisiert. Daher kommen einem des Öfteren fremd klingende Wörter unter. Doch genau diese Schreibweise und der detailreiche Erzählstil faszinieren mich an Literatur-Klassikern. Dies intensiviert bei mir die Bilder im Kopf, welche durch die Geschichte entstehen und lässt mich vollends in die damalige Zeit eintauchen.

Man merkt schon an den verschiedenen Kapitel die Unterschiede der jeweiligen Schriftsteller und deren unterschiedlicher Vorstellungen wie sich der Roman entwickeln soll. Während Salice-Contessa eher ein Familiendrama heraufbeschwören möchte, ist Fouqué wohl der Meinung gewesen, zwei Doppelgänger wären genug und schickt daher einen von ihnen mit einer Schauspieltruppe nach Polen. Chamisso hingegen wollte wohl Blut sehen und lässt eine Schlüsselfigur ermorden und E.T.A. Hoffmann, welcher sein Kapitel dann völlig zurückgezogen hat, will auch noch Übernatürliches einbringen. Kein Wunder kamen die vier Herren auf keinen grünen Zweig und sich schließlich in die Wolle, sodass der Roman nie vollendet wurde.

Leider, denn ich habe mich wirklich köstlich amüsiert und es war überaus spannend dieser Story zu folgen, da man nie wusste was einem im nächsten Kapitel erwartet und wohin das Ganze führen wird. Überraschende Wendungen wohin man nur blickt und welche die Neugierde des Lesers schüren.
Diese vier literarischen Zechbrüder hätten sich ruhig etwas zusammenreißen und jeder etwas weniger stur sein können, dann wäre dieser Roman eine wahre literarische Augenweide geworden.

Doch der Leser muss nicht verzagen, denn Salice-Contessa und E.T.A. Hoffmann haben daraus ihre eigenen Werke geschneidert und genau diese beiden sind ebenfalls in diesem Buch vorhanden.

Ein kleiner Lese-Tipp meinerseits: Das 5. Kapitel des experimentellen Romans wurde von E.T.A. Hoffmann zurückgezogen und ist daher im Roman selbst nicht vorhanden. Daraus kreierte er den Anfang seiner Novelle "Die Doppeltgänger". Daher einfach nach dem 4. Kapitel, das 1. Kapitel von Hoffmanns Novelle lesen und danach mit dem 6. Kapitel fortfahren.

Das Bild der Mutter

"Von dem alten Diener, der ihm beim Abendessen aufwartete,
erfuhr er indes ungefragt, dass die Kranke ohne Zweifel einen Knaben gemeint habe,
der einst bei Tagesanbruch auf der Türschwelle des Schlosses gefunden,
mit den Kindern des Hauses auferzogen worden und endlich in einem Alter von 6 Jahren auf eine unbegreifliche Weise plötzlich verschwunden sei,
und den die Gräfin sehr geliebt habe."
(S. 71 - Das Bild der Mutter)

Dies ist das von Salice-Contessa von vornherein geplante Familiendrama. Hier kommt zwar kein Doppelgänger vor, jedoch beinhaltet es düstere Geheimnisse, überaus witzige Passagen und auch dem Protagonisten Georg Haberland und so mancher Nebenfigur ist er dabei treu geblieben.

Der Doppeltgänger

In Hoffmanns Werk gibt es ebenfalls ein Familiendrama, jedoch mit Doppelgänger. Hier wird entführt, geschossen, gelogen und gestorben und der Humor kommt hierbei ebenso wenig zu kurz.
Auch er lässt die Protagonisten und einige Nebenfiguren aus dem ursprünglichen Roman auftreten. Bei E.T.A. Hoffmann erhält man aber auch Einblicke in die Sicht beider Doppelgänger und es kommt immerzu zu überraschenden Wendungen.

"Er eilte zurück zum Wagen, aber erstarrt vor Entsetzen blieb er eingewurzelt stehen,
als er eine männliche Figur erblickte, die mit seiner Stimme sprach:
>>Die Gefahr ist vorüber!<<, und dann einstieg.
Nachstürzen wollte Deodatus dem schnell fortrollenden Wagen,
als ihn ein Schuss aus dem Gebüsch zu Boden warf."
(S. 136 - Die Doppeltgänger)

Dieses Buch enthält einige Abbildungen und im Anschluß an diese drei Novellen sind auch noch Anmerkungen bezüglich der Kapitelaufteilung, sowie zu den darin vorkommenden Fremdwörter.
Das Nachwort sollte man sich ebenfalls unbedingt zu Gemüte führen. Hier erhält man Einblick in die Entstehung der unvollendeten Novelle, des engen Freundschaftsbundes "Serapions Brüder" und auch in die einzelnen Werke von Salice-Contessa und E.T.A. Hoffmann, welche aus dem Romanprojekt entstanden.

Fazit:
Wenn auch unvollendet ist dies ein wahres Schmankerl unter den vielen Literatur-Klassikern. Es ist spannend und mit äußerst vielen überraschenden Wendungen. Da auch die beiden Novellen von Salice-Contessa und E.T.A. Hoffmann vorhanden sind, hat man zumindest zwei mögliche Enden. Ich habe mich bei allen drei Novellen köstlich amüsiert und daher ist dies definitiv ein Highlight unter meinen diesjährigen Klassikern.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren-Info)

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Tags: dtv-verlag, e.t.a. hoffmann, literatur des 19. jahrhundert, literaturklassiker   (4)
 

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Die Wiedererweckten des Herbert West

Tim Curran
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Luzifer-Verlag, 30.04.2018
ISBN 9783958353305
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

In H.P. Lovecrafts Kurzgeschichte »Reanimator – Der Wiedererwecker« lernen wir Herbert West kennen – einen ebenso genialen wie irregeleiteten Forscher, der davon überzeugt ist, dass der menschliche Körper nichts weiter als eine organische Maschine sei, die man selbst nach dem Tod wieder »neu starten« könne. Als Sanitäter begibt sich West unter anderem an die Flandern-Front des Ersten Weltkrieges, denn dort gibt es genug menschliches Material für seine Experimente … Tim Currans Hommage »Die Wiedererweckten des Herbert West« lässt uns tiefer in dieses dunkle Kapitel eintauchen. Wir erfahren von geheimen Laboren, Legionen wandelnder Toter und grausamen Experimenten, einer Monstrosität, die sich von den Toten ernährt, und einem unvorstellbaren Wesen jenseits von Leben und Tod, welches sich im Schutze der Nacht auf die Suche nach seinem wahnsinnigen Schöpfer begibt...(Klappentext)

♣════◕◕ • •**• • ◕◕════♣

"Obwohl er ein außerordentlicher, ja nahezu übernatürlich begabter Chirurg war,
ein biomedizinischer Fachmann und ein Wunderkind der Wissenschaft,
galt Wests Besessenheit von jeher nicht den Lebenden, sondern den Toten:
der Wiederherstellung von abgestorbenem Gewebe, genauer gesagt der Reanimation menschlicher Gebeine."
(S. 9)

Zombieapokalypse m al anders, denn hier ist kein Virus der Grund, weshalb sich die Toten erheben und geifernd durch die Gegend torkeln, sondern die wahnsinnigen Experimente eines Doktors. Sein Name - Herbert West.
Liebhaber von H.P. Lovecraft-Romanen hatten mit ihm eventuell schon durch die Novelle "Reanimator - Der Wiedererwecker" das Vergnügen. Tim Curran spinnt die Sache weiter, bzw. lässt er sie wieder auferstehen - wie Herbert West die Toten.

Wir schreiben das Jahr 1815 und der Erste Weltkrieg ist im vollem Gange. Mit Creel, einem amerikanischen Journalisten und Kriegsberichterstatter begeben wir uns nach Flandern. Er hat sich dem 12. Bataillon der Briten angeschlossen, um hautnah über den Krieg zu berichten.
Durch ihn gelangen wir auf die blutigen Schlachtfelder und lernen wahre Grausamkeit kennen - zerfetzte und verstümmelte Leichen egal wohin das Auge reicht, Giftgasangriffe und deren Auswirkungen und Ratten, die selbst vor den Lebenden nicht Halt machen. Immer mehr wird er in den Strudel des Krieges und der einhergehenden Grausamkeiten und Schrecken hinab gerissen und doch ist dies nicht mal annähernd das Erschreckendste, denn - die Toten erheben sich.

Man liest hauptsächlich aus Creels Sicht, jedoch wird diese vereinzelt durch Gedanken eines Kriegsarztes unterbrochen, der lange unbekannt und ohne Namen bleibt. Dieser arbeitet, mehr oder weniger freiwillig, mit Dr. West zusammen. Man erhält dadurch Einblick in das provisorische Kriegslabor des Doktors und dort geschieht Unaussprechliches. Er züchtet in Frankenstein-Manier Wesen aus Leichenteilen und in einem riesigen Bottich scheint das Böse selbst vor sich hinzuköcheln.

Lange Zeit hat man eher das Gefühl ein Kriegstagebuch zu lesen, da der Autor sich hauptsächlich auf die Grausamkeiten des Krieges konzentriert. Dies jedoch in sehr atmosphärischer und eindringlicher Weise.
Er lässt Bilder im Kopf entstehen, die einem an den Schrecken des Ersten Weltkrieges teilhaben lassen und man spürt regelrecht wie sich das Kriegstrauma in den Soldaten entwickelt und sie verändert und hört die Granaten neben sich einschlagen. Die Atmosphäre wurde also hervorragend eingefangen, ist durchgehend düster und wird zunehmend unheimlicher.
Auch bezüglich des Schreibstils bin ich begeistert. Dieser ist flüssig und äußerst bildhaft, trägt aber auch durchaus lyrische Züge, welche man sich nur zu gerne voller Genuß auf der Zunge zergehen lässt.


"Dann kehrte Stille über der gesamten Ödnis ein - erwartungsvolle Stille;
unförmige Schemen schwebten suchend umher, wisperten einsam und keuchten gepresst wie von Erde beschwert.
Hier nämlich herrschte ewige Geisterstunde,
und das grinsende Klüngel der Grabschatten zog wie der Wind im Oktober durch einen düsteren Kirchhof,
ihr Atem ein Seufzen wie aus verregneten Grüften."
(S 106)

Trotz dieser vielen positiven Aspekte, wartete ich doch voller Ungeduld, dass endlich mal etwas passiert und damit meine ich keinen Bombenhagel oder andere Schrecken des Krieges. Ich wartete auf die Zombies, die Monster, die Wiedererweckten. Diesbezüglich muss man sich bis zur Mitte des Buches nämlich gedulden.
Bis dahin gibt es nur lose Andeutungen, ein Verdacht, dass dort draußen auf dem Schlachtfeld etwas lauert und eben die wenigen Einblicke in die Sicht des unbekannten Arztes.
Ab der Mitte des Buches nimmt dann der Horror Einzug - langsam und bedächtig, sich mit jeder lesenden Seite steigernd, um schließlich mit einer Flut an missgestalteten Toten zu enden.

"Jetzt bemerkte er es, hörte sie ganz deutlich: Essgeräusche.
Zähne, die in Fleisch bissen und über Knochen schabten;
zu laut für Ratten. Das es Hunde waren, glaubte er nicht.
Fremde Wesen dort draußen, die Nahrung gefunden hatten,
Völlerei betrieben, unsäglichen Hunger stillten."
(S. 81)

Das Ende selbst mag für manche unbefriedigend erscheinen, ist es doch ein typisches Lovecraft-Ende. Es handelt sich also um ein mehr oder weniger offenes, unklares Ende, welches gewisse Zweifel bezüglich der wahren Gründe hinterlässt, sowie ein Gefühl, dass der Horror und Grusel noch nicht ausgestanden ist.

Fazit:
Mich konnte der Autor vor allem durch seinen atmosphärischen und äußerst plastischen Schreibstil von sich überzeugen, welcher trotz der Thematik vereinzelt lyrische Züge enthält. Hier hält man sozusagen einen modernisierten Lovecraft in den Händen.
Auch wenn es mir etwas zu lange dauerte bis die Wiedererweckten auftauchten, so bin ich, als Lovecraft-Fan, von dieser Story begeistert.
Das war definitiv nicht mein letzter Curran.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren-Info)

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Tags: horror, luzifer verlag, schottische autoren, tim curran   (4)
 

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Kurzer Abstecher

Irvine Welsh , Stephan Glietsch
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.09.2017
ISBN 9783453271180
Genre: Romane

Rezension:

Jim Francis hat endlich seinen Frieden gefunden. Zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern führt er ein beschauliches Leben unter der Sonne Kaliforniens. Nichts mehr deutet darauf hin, dass er einst ein berüchtigter Straftäter war. Doch dann wird sein Sohn aus erster Ehe ermordet. Um der Beerdigung beizuwohnen, reist Jim noch einmal in die Stadt, die er nie wieder betreten wollte. Und auf Edinburghs Straßen flüstern die Leute: Franco Begbie ist zurück ...(Klappentext)

■♤■♤■♤■♤■♤■♤■♤

"Wenn der Zorn ihn übermannt, kann er sein früheres Selbst noch spüren.
Doch in Kalifornien gibt es bei seiner Lebensführung nur wenig,
was ihn so in Rage zu bringen vermag, dass er diesen Punkt erreicht.
Allerdings liegt zwischen ihm und Kalifornien augenblicklich ein ganzer Ozean."
(S. 113)

Wer "Trainspotting" kennt, kennt auch Begbie, wer "Trainspotting" nicht kennt, wird ihn kennenlernen. Diesen Roman kann man also ohne weiteres ohne Vorkenntnisse lesen.

Begbie, bzw. Jim Francis, hat sich vom Gangsterleben völlig zurückgezogen und hat sich im sonnigen Kalifornien ein normales Leben aufgebaut - eine hübsche Frau, zwei entzückende Töchter, Haus am Meer und er ist nun ein gefragter Künstler. Doch einmal Gangster, immer Gangster?
Das man ihm nicht blöd zu kommen braucht und er mit allen Wassern gewaschen ist, wird schon auf den ersten Seiten klar. Wenn es dabei auch noch um seine Familie geht, kennt er nichts und fährt schon mal schärfere Geschütze auf. Als er erfährt, dass sein Sohn tot ist und er dazu erstmal nichts näheres erfährt, ist für ihn klar, dass er wieder in das verhasste Edinburgh zurück muss. Er will nicht nur die Beerdigung besuchen, sondern erfahren was genau vorgefallen ist.
Er bemüht sich nicht in alte Gangstergewohnheiten zu verfallen und die Kontrolle über seine Aggressionen und Emotionen zu behalten, versucht sich wirklich dort in nichts hineinziehen zu lassen. Doch kaum in Edinburgh scheint sich diese dunkle Atmosphäre wieder in ihm einzunisten und er wird immer mehr zu dem Mann, der er früher war - zu Begbie.
Und wir, die Begbie kennen, wissen was das bedeutet, denn - einmal Gangster, immer Gangster...oder?

Welsh hat eine ganz eigene Dialogführung, was anfangs eventuell etwas gewöhnungsbedürftig sein mag, an die man sich jedoch sehr rasch gewöhnt.

"-Ich habe doch was angestellt, gesteht er und beobachtet, wie ihre Gesichtszüge entgleiten.
-Nicht mit den beiden Kerlen. Aber mit ihrem Auto."
(S. 16)

Diesem Stil ist er treu geblieben, ansonsten merkt man, dass "Kurzer Abstecher" ein späteres Werk von Welsh ist. Dieser Roman ist zwar durchaus mit blutigen und gewalttätigen Szenen gespickt und auch die vulgäre und derbe Sprache, welche das Milieu der Edinburgher Gangsterszene hervorragend einfängt, ist vorhanden, trotzdem ist es einer der ruhigeren und vor allem tiefsinnigeren Romane von Welsh.

Das große Thema hier ist, ob man immer das bleibt was man ist und was die Umgebung aus einem gemacht hat, oder ob man sich grundlegend ändern und zu einem völlig anderen Menschen werden kann. Kann man die Einflüsse, welche einem als Kind prägten und einem zu dem gemacht hat was man ist völlig vergessen und verdrängen, oder...einmal Gangster, immer Gangster?
Die Story wird zwischendurch immer wieder durch Rückblenden in die Kindheit von Begbie unterbrochen. So erfährt man wie er zu dem Menschen wurde, der er jetzt ist. Im Grunde konnte aus ihm überhaupt nichts anderes als ein Gangster werden. Schon früh lernte er die Sprache der Straße und der Gewalt kennen, waren doch alle männlichen Familienmitglieder der Begbies schottische Kleinmafiosi.
Dadurch erhält man Einblick auf die prägenden Einflüsse Begbies, seine oft falschen Entscheidungen und auch in seinen Charakter. Dadurch erhält diese Thematik ungewöhnlich Tiefe.

Nur wenige Autoren schaffen es Tiefsinnigkeit in einen fesselnden Roman voll derber Sprüche und blutiger Gewalt zu packen, doch Irvine Welsh ist einer von ihnen. Ein Grund, weshalb er zu einem meiner Lieblingsautoren gehört.

"Die meisten von ihnen haben eine gewisse Ahnung davon, dass die klügsten Menschen diejenigen sind,
die sich selbst als ewige Schüler begreifen,
die niemals damit aufhören zu lernen und sich angesichts der ständig wechselnden Möglichkeiten und Bedrohungen des Lebens immer wieder neu ausrichten."
(S. 101)

Fazit:
Steht Irvine Welsh drauf, ist Irvine Welsh drin und somit war ich auch von diesem Roman restlos begeistert, wenn er auch etwas "ruhiger" ist als "Trainspotting", "Porno" und vor allem als "Drecksau".
Für all diejenigen, welche mal etwas neues bezüglich Genre probieren wollen und vor Gewalt und derben Sprüchen nicht zurückschrecken, kann ich Irvine Welsh sehr empfehlen.

© Pink Anemone (mit Bilder, Leseprobe, Autoren-Info und Trailer zu "Drecksau")

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Tags: heyne hardcore verlag, irvine welsh, schottische autoren, united kingdom   (4)
 

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Rachewinter

Andreas Gruber
Flexibler Einband: 592 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 17.09.2018
ISBN 9783442486557
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mehrere Männer im besten Alter, erfolgreich und vermögend, werden grausam ermordet – und obwohl sie in verschiedenen Städten lebten, haben sich alle kurz vor ihrem Tod mit einer geheimnisvollen dunkelhaarigen Frau getroffen. Doch diese bleibt ein Phantom. Das müssen auch Kommissar Walter Pulaski in Leipzig und Anwältin Evelyn Meyers in Wien feststellen, die beide in die Fälle verwickelt werden. Anders als die Polizei lassen sie sich jedoch nicht entmutigen, erst recht nicht, als sie erkennen, dass sie die Mordserie nur gemeinsam lösen können. Allerdings ist der Täter raffinierter, als sie denken – und spielt auch mit ihnen sein gefährliches Spiel ...(Klappentext)

✧∭✧∭✧∰✧∭✧∭✧

"Der Mann lief durch den Raum und presste sich eine Hand auf den Hals.
Aus der Halsschlagader spritzte Blut wie aus einem Überdruckventil.
Quer durch den Raum. Ans Fenster, an die Tapete und auf das Sofa."
(S. 13)

Pulaski and Meyers are back again und auch diesmal wieder mit einem sehr ausgeklügelten und spannenden Fall, der die Grenze zwischen Deutschland und Österreich überwindet und die beiden gemeinsam ermitteln lässt.

Dies ist der 3. Teil der Polaski-Meyers-Reihe, kann jedoch ohne weiteres eigenständig gelesen werden. Ich kann die beiden ersten Teile "Rachesommer" und "Racheherbst" jedoch wärmstens empfehlen, um in den gesamten Lesegenuß zu kommen.

✧∰✧

Wien:
Da will man nichts ahnend während seiner Dachdeckerarbeit ein korpulierendes Pärchen filmen und auf einmal hat man ein grausames Mord-Video auf dem Handy. Wenigstens ist dadurch der Täter schnell ausgeforscht..sollte man meinen. Dieser steht plötzlich auf der Matte der Strafverteidigerin Evelyn Meyers und beteuert seine Unschuld. Ausgerechnet er ist auch noch der Sohn eines großen Casino-Moguls und Ostrovsky, einst Meyers Mentor und ein wahrer Pitbull im Gericht, der Oberstaatsanwalt. Für ihn ist die Sache klar - er bringt den schwulen Sohn des Moguls hinter Gitter, koste es was es wolle.
Der Vater des jungen Mannes denkt aber nicht daran das schwarze Schaf der Familie rauszuboxen, sondern möchte ihm ebenfalls im Gefängnis sitzen sehen. Die Polizei ermittelt verdächtig schlampig und dann plötzlich wird Meyers klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht und ihr Mandant alles andere als ehrlich zu ihr war.
Nun verbeißt sie sich erst recht in diesen Fall.

Leibzig:
Auch hier wird ein Firmenmogul tot aufgefunden und alle sind sich einig - es war ein unglücklicher Unfall der die Schere ins Hirn dieses Mannes trieb. Einzig Polaski, Ermittler beim Kriminaldauerdienst, teilt nicht deren Meinung.
Auch hier ermittelt die Polizei äußerst schleissig und der Fall wird überraschend schnell zu den Akten gelegt. Aber wenn Polaskis Spürnase erstmal Ungereimtheiten und Verdächtiges wittert, ist er nicht mehr davon abzubringen. Außerdem ist die Tochter dieses Firmenmoguls auch noch die beste Freundin seiner 17-jährigen Tochter und diese hat nicht nur den Sturkopf ihres Vaters geerbet, sondern auch die Spürnase und Verbissenheit. Ein Grund mehr diesem Fall mehr Beachtung zu schenken...und dann geschicht noch ein Mord.

✧∰✧

">>Niemand hat bisher die Spuren vom Tatort mit der DNA von Michael Kotten abgeglichen<<, überlegte sie laut.
Und das, obwohl das bei Mord innerhalb nur weniger Stunden erledigt war.
Irgendwie stimmt das ganze Bild nicht!"
(S. 79)

Wie immer scheinen diese Fälle in Wien und Leibzig absolut nichts miteinander zu tun zu haben. Erst im späteren Verlauf sind Parallelen erkennbar, bis dahin dauert es etwas, was sich jedoch alles andere als langweilig gestaltet.

Bei Andreas Gruber ist ab der ersten Seite unglaubliches Tempo vorhanden, welches auch konstant bestehen bleibt. Der unglaublich flüssige und packende Schreibstil des Autors lässt einen durch das Buch fliegen und Zeit und Raum vergessen.
Auch die Charaktere sind ausgefeilt und sind ebenfalls für allerhand Überraschungen gut. Ich liebe ja den zynischen und brummigen Pulaski, der einen Batzen Sarkasmus und trockenen Humor besitzt. Dies äußert sich vor allem in den Dialogen, welche einen nicht selten schmunzeln lassen. Hier kommt also auch der Humor nicht zu kurz.

">>Der Tote wird vom Bestatter abtransportiert, nicht von mir.<<
>>Doch nicht im auffälligen Leichenwagen?<<
>>Nein, natürlich nicht<<, knurrte Pulaski.
>>Der Wagen hat eine rosa Schleife und ein großes buntes Schild an der Seite:
WILLKOMMEN IM LEIBZIGER AUTOREST MOTEL - HIER LIEGEN SIE RICHTIG.<<
(S. 25)

Der Plot ist äußerst ausgefeilt und beinhaltet mehrere unvorhersehbare Wendungen, die mich von Anfang bis Ende miträtslen ließen.
Kurz gesagt - hier stimmt einfach alles und dadurch klebt man regelrecht an den Buchseiten....bis man zum Ende gelangt.

Bei Andreas Gruber weiß man meist schon aber der Mitte wer der Täter ist. Einzig das Motiv bleibt unklar und der Autor schüttelt gegen Ende noch eine verdammt überraschende Wendung aus dem Ärmel, welche einem den Atem anhalten lässt. Diese fehlte hier leider gänzlich und auch das Motiv war in gewisser Weise von Anfang an klar und äußerst banal.
Ich hatte das unbestimmte Gefühl, als hätte der Autor selbst keinen Plan wohin er jetzt will, selbst kein stimmiges Ende in Sicht und dann den Thriller einfach schnell zu Ende brachte.

Fazit:
So sehr ich diesen Thriller innerhalb von paar Stunden verschlang und mich von Seite zu Seite mit Wendungen überraschen konnte, so enttäuscht war ich vom Ende und der "Auflösung".
Ich bin ein absoluter Gruber-Fan, vor allem aufgrund seines packenden und mitreißenden Schreibstils, der meine Nase regelrecht im Buch kleben lässt und eben auch aufgrund des BUMMS am Ende, der nochmal alles rumreißt. Doch gerade bei Letzterem hat er diesmal gemurkst.
Herr Gruber, das können Sie definitiv besser.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Autoren-Info und Leseprobe)

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Tags: andreas gruber, goldmann-verlag, österreichische autoren, pulaski-reihe, thriller-reihe   (5)
 

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250 Bibliotheken, 5 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

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Kill Your Friends

John Niven , Stephan Glietsch , Tim Jürgens
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Heyne, 04.02.2008
ISBN 9783453675445
Genre: Romane

Rezension:

FSK 16 J.

Wer nichts von derben Kraftausdrücken hält, bzw. nichts für Romane mit solchen übrig hat, sollte jetzt gehen, wer die entschärfte Rezension lesen möchte, der möge auf Amazon ausweichen...falls sie dort überhaupt freigegeben wird. Alle anderen .... Herzlich Willkommen zu meiner zweiten FSK 16 J. -Rezension.

¸♬·¯·♩¸¸♪·¯·♫¸¸¸¸♬·¯·♩¸¸♪·¯·♫¸¸


Erfolg um jeden Preis. Steven Stelfox ist A&R-Manager in einer großen Plattenfirma, immer auf der Suche nach dem nächsten Hit, immer am oberen Level. Doch als die Erfolge ausbleiben, greift er zu radikalen Mitteln. Plötzlich verwandeln sich die guten Freunde in Todfeinde. In einer Welt, in der sich die Protagonisten krampfhaft über Sex, Drugs & Rock ’n’ Roll definieren, gerät sein Leben zunehmend außer Kontrolle. Die Folgen sind verheerend...(Klappentext)


Triggerwarnung für diesen Roman: Rassismus, Sexismus, physische und vor allem sexualisierte Gewalt

"Das ist MEIN Job:
Ich höre mir Musik an - Sänger, Bands, Songwriter - und entscheide, welche eine reelle Chance auf kommerziellen Erfolg haben.
Dann kümmere ich mich darum, dass ihre Musik angemessen aufgenommen wird, und wir, die Plattenfirma,
verkaufen sie schließlich an euch, die Öffentlichkeit.
Klingt ganz einfach in deinen Ohren? Fick dich ins Knie - du würdest es keine zehn Minuten überleben."
(S. 18)

Steven Stelfox - 27 Jahre, erfolgreich, gut aussehend und ein aufgeblasenes Arschloch. Er ist arrogant, sexistisch, rassistisch und ein Egomane durch und durch. Steve Stelfox ist also alles andere als ein Sympathieträger und man kann ihn schon ab der ersten Seite nicht leiden.

Durch diesen koksziehenden Vollidioten erhält man Einblick in seine Welt - in die Welt der Musikindustrie und die ist alles andere als ein Ponyhof. Diese besteht nämlich aus Intrigen, Machtgeilheit und noch mehr solcher Typen wie Steven. Eigenleben vor Fremdleben ist hier die Devise und Steven nimmt das nur allzu wörtlich. Muss er ja irgendwie, um seinen Lebensstandard weiterhin hoch zu halten - um sich weiterhin teure Klamotten, Koks und Nutten leisten zu können.
Als sein Arsch auf Grundeis geht, genügt es nicht mehr anderen bloß ans Bein zu pissen und deren Karrieren zu zerstören, um weiters einer der Alpha-Gorillas im Musik-Business zu sein. Steven muss zu drastischeren Mitteln greifen, denn - Eigenleben vor Fremdleben.

Man begleitet Steven ein Jahr lang und somit 12 Monate. Jedes Monat wird durch damalige News aus der Musikbranche eingeleitet und jedes Kapitel durch ein Zitat eines Produzenten oder Sänger, wie z.B.: Simon Cowell, Don Simpson, etc.

Bis es zu einem Mord kommt, dauert es jedoch etwas. Bis dahin plaudert Steve über die Musikindustrie und wie sie wirklich ist, was sich jedoch alles andere als langweilig gestaltet.
Man besucht mit ihm Events, Puffs und Geschäftsessen, ballert sich die Birne mit teuren Alkoholika, Koks und sonstigen Drogen und Pillen zu und lernt dabei all die anderen Loser und Arschlöcher kennen. Hierbei wird geflucht was das Zeug hält. Dann ,wie aus dem NIchts und völlig unerwartet, quasi aus einer Laune heraus, geschieht es - der erste Mord. Einfach so und nahezu emotionslos, als wäre dieses Geschehen eine Nebensächlichkeit. Dies ist wohl das schockierender, als die ganze sexistische und abwertende Flucherei. Hier erkennt man dann erst mit was für einem Typ Mensch man es wirklich zu tun hat. Er ist nämlich nicht nur ein Arschloch, sondern ein berechnendes und gefühlskaltes Oberarschloch.

Ihr mögt nun womöglich das Gefühl haben ich würde diesen Typen abgrundtief hassen..nun ja..nein. Das zwischen mir und diesem abgewichsten Arsch,der auf alles schimpft und scheißt, ist es sowas wie eine Hass-Liebe. Vielleicht seid Ihr auch der Meinung, dass meine Wortwahl derb und proletarisch ist. Nun, dann braucht Ihr hier überhaupt nicht mehr weiterlesen oder auf andere Rezensionen umschwenken, denn dann ist dieser Roman definitiv nichts für Euch. Wenn dem also so sein sollte, dann - Weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. Für sensible Gemüter ist dieser Roman nämlich definitiv NICHTS.

"Während [das] Atmen von einem lauten, mühsamen Schnorcheln zu einem rasselnden Wispern wird und schließlich ganz aufhört,
sehe ich Clips der Cardigans, Radiohead, Texas und die neue Blur-Single.
Zufrieden, dass er tot ist, hole ich meinen Schwanz raus und pisse ihn voll."
(S. 113)

Der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere sind durchwegs gut gezeichnet, wenn man auch fast niemanden leiden kann, da ja auch Steve niemanden leiden kann.
Hier richtet sich der Protagonist an den Leser und erzählt seine Geschichte, mit seinen Ansichten und das in einem ziemlich tiefen Jargon - rassistisch, sexistisch, derb...so wie Steven eben ist. Dagegen sind meine Worte nahezu als niedlich zu bezeichnen. Dabei wird der Leser auch direkt angesprochen und man hat das Gefühl Steven gegenüber zu sitzen - mit einem teuren Whisky in der Hand und vor einem eine Line Koks auf dem Tisch. Man ist hier mitten drin, statt nur dabei. Manchmal wurde aber selbst mir das Gefluche und Geschimpfe zu viel, bzw. begann es mich zeitweise zu langweilen, da ich immerzu darauf hoffte, dass Steve wieder mal durchdreht. Was er dann auch tut...wieder völlig unerwartet und wie aus dem Nichts.
Die Atmosphäre der 90er wird gekonnt eingefangen und wiedergegeben, sei es durch diverse Sprüche, wie z.B. "Coolio", oder durch damals angesagte Bands und Songs. Das erhöht natürlich den Lesegenuß, vor allem wenn man in dieser Zeit selbst durch die Clubs zog, wie ich.

"Sein Nachname enthält einen Bindestrich, scheiße,
und trotzdem redet er immer wieder wie ein mit Schuhcreme geschwärzter Dick Van Dyke -
die gedehnten Vokale, die verschluckten Konsonanten -,
weil er irgendwann mit fünfzehn mal eine HipHop-Platte gehört und beschlossen hat, die Dachpappen wären cool."
(S. 45)

Eine Freundin sagte mir, dass die Story sehr an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert und dem muss ich zustimmen. Der Schreibstil von Niven mach das Buch dennoch speziell - ein Niven eben und daher "American Psycho" zwar ähnlich, aber trotzdem ganz anders.

Fazit:
Ich bin ein absoluter Fan von John Niven und dieses Buch zu lesen hat mir richtig Spaß gemacht.
Es ist verstörend, abartig, morbid, ein durchaus obszöner Roman voller Gewalt. Gleichzeitig hat mich die Story gefesselt und ich musste an mehreren Passagen sogar lauthals lachen. Dieses Gefühl von heiß-kalt, dem Wechsel zwischen ekelhaft und zum Schreien komisch, muss ein Autor erstmal bringen.
Irgendwie ist dies eine spezielle Art gewisser schottischer Autoren. Irvine Welsh gehört z.B. auch zu dieser äußerst seltenen Autoren-Spezies.
Ich für meinen Teil freue mich jetzt schon, im Jänner wieder mit dem Wichser Steve abzuhängen. Da erscheint nämlich der 2. Teil "Kill 'em All".

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe, Trailer Film zum Buch und Autoren-Info).

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Tags: heyne hardcore, john niven, schottische autoren   (3)
 

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Das Monster von Dschibuti

Christophe Bec , Eric Henninot
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2013
ISBN 9783868691023
Genre: Comics

Rezension:

Mit dem 3. Band der Carthago-Reihe wechselt der Illustrator. War es zuvor der Franzose Eric Henninot, ist es nun der slowenische Comic-Autor und -Zeichner Milan Jovanovic. Manche Leser sind von dessen Zeichnungen enttäuscht, ich hingegen finde diese sogar besser. Der Zeichenstil bleibt gleich und manche erkennen eventuell überhaupt keinen Unterschied.
Die Illustrationen sind weiterhin im Old-School-Style und ebenso atmosphärisch wie zuvor. Jovanovic beherrscht, meiner Meinung nach, das Spiel zwischen Licht und Schatten besser und manche Zeichnungen wirken fast wie gemalt. Dies ist nicht nur bezüglich der Unterwasserwelt wesentlich stimmungsvoller.

">>Ausgehend von der Datierung der Anlage befand sich die Menschheit noch in der Altsteinzeit.
Es ist höchst unwahrscheinlich, dass sie in der Lage war, derartige Gebäude zu errichten, die an Pyramiden erinnern.
Wir haben also eine unbekannte Zivilisation vor uns.
Doch die erstaunlichste Entdeckung machte ich nach der eingehenden Prüfung unserer Daten:
Diese Stadt kam nie mit Luft in Berührung.<<"
(S. 7)

Auch im 3. Teil der Carthago-Reihe sind die prähistorischen und ganz und gar nicht ausgestorbenen Lebewesen Thema und somit natürlich auch Megalodon. Dieses wird hier zusätzlich durch die Entdeckung einer prähistorischen Unterwasserstadt bereichert.
Die kleine Lou, Kims Tochter, scheint der Schlüssel zu sein und auch bezüglich des Firmenpräsidenten von Carthago gibt es eine Überraschung.

Dieser Teil besticht weniger durch Action, jedoch durch einige überraschende Wendungen. Zusammenhänge werden erkennbar, das große Ganze aber immer noch inicht ersichtlich. Es ist also immer noch spannend dieser Reihe zu folgen.

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Tags: carthago-reihe, comic-horror, splitter-verlag, tier horror   (4)
 

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

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Die Challenger-Tiefe

Christophe Bec , Eric Henninot
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2010
ISBN 9783868691016
Genre: Comics

Rezension:

Dieser Teil knüpft direkt an den 1. Teil an und es wird bereits zu Beginn klar, dass Megalodon und Kronosaurus nicht die einzigen Lebewesen sind, welche anscheinend alles andere als ausgestorben oder Hirngespinste sind.

Wie auch im 1. Teil "Die Lagune auf Fortuna" begleiten wir wieder Kim, die Ozeanologin, erhalten Einblick in die Machenschaften von Carthago und des Österreichers Mr. Feiersinger. Hier auch wieder mit Blick in die Vergangenheiten so mancher Figuren.

Manches wird hier aufgeklärt, wie z.B. die Besonderheit von Lou, Kims Tochter, doch vieles bleibt weiterhin im Unklaren.
Die Spannung wird hier konstant durchgezogen und es sind auch einige Action-Szenen vorhanden. Das lässt mich mit Freude zum 3. Teil "Das Monster von Dschibuti" blicken.

">>Um auf den Punkt zu kommen...die Lagune Fortuna ist keine isolierte Oase für prähistorische Fossile.
Alle diese Fakten weisen darauf hin, dass der Megalodon niemals ausgestorben ist.
Es hat ihn immer gegeben.<<"
(S. 46)

© Pink Anemone




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Tags: comic-horror, französische autoren, splitter-verlag, tier horror   (4)
 

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

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Carthago. Band 1

Christophe Bec , Eric Henninot
Fester Einband: 56 Seiten
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.02.2010
ISBN 9783868691009
Genre: Comics

Rezension:

"Seit Urzeiten fasziniert die Menschen das, was in den Tiefen der Ozeane liegt...
Das Meer ist groß, viel zu groß für uns kleine Menschen.
Selbst wenn ihm einer sein ganzes Leben weiht, wird er nur einen winzigen Bruchteil davon zu sehen bekommen.
Und wie im oberirdischen Dschungel sind die existierenden Lebensformen noch überraschender als die kühnsten Fantasien von Science Fiction-Autoren.."
(S. 29)

Dieser Comic verläuft in mehreren Handlungssträngen, inklusive Rückblenden in die Vergangenheit.
Es beginnt im Jahr 1993 im südlichen Pazifik, auf einer Bohrinsel des Konzerns "Carthago". Während einer Bohrung wird eine Unterwasserhöhle geöffnet und dadurch prähistorische Meeresbewohner befreit. Allen voran Megalodon, der Vorfahre des Weißen Hais und dieser ist mächtig hungrig. Um die Bohrungen jedoch nicht zu gefährden, wird die Entdeckung, inklusive der Opfer, vertuscht und geheim gehalten.

In der Gegenwart treffen wir auf Kim Melville, eine Ozeanologin. Sie wird von einer Gruppe namens "Adome" angeheuert. "Adome" sind dem Konzern Carthago und der Vertuschungsaktion auf die Schliche gekommen und nun soll Kim mit einem Team Megalodon finden. Mit von der Partie sind ihr Freund Martin und ihre Tochter Lou. Lou ist irgendwie anders - sie benötigt mit ihren 10-12 Jahren keinerlei Taucherausrüstung, um in die Tiefe hinab zu tauchen.

Und dann hätten wir noch den Österreicher Mr. Feiersinger, auch "Der hundertjährige Karpate" genannt. Niemand weiß wie alt er wirklich ist und er frönt einer ganz besonderen Leidenschaft - dem Sammeln von prähistorischen Lebewesen. Natürlich hat auch er erfahren, dass sich Megalodon nun in den Meeren herumtreibt und diesen möchte er haben...um jeden Preis.

Es tauchen noch mehr Handlungsstränge und Zwischensequenzen aus der Vergangenheit auf, die vermuten lassen, dass Megalodon nicht erst seit dem Vorfall im Jahr 1993 sein Unwesen in den Meeren treibt.
Die Jagd ist eröffnet....auf allen Seiten.

">>Wahrscheinlich ist das Sedna, die sich an den Menschen rächt.
Manchmal drückt sie ihre Abneigung gegen uns in schweren Stürmen aus.<<
>>Das kenne ich, macht meine Frau zu Hause genauso.<<"
(S. 46)

Da dieser Comic gerade einmal 56 Seiten hat, wäre jedes Wort zur Handlung zu viel.

Hier erwartet einem auf jeden Fall eine spannende Story mit witzigen und auch derben Sprüchen. In Szene gesetzt wird diese von Zeichnungen im Old-School-Style, welche die Atmosphäre gekonnt einfangen und hervorragend zu diesem Comic passen. Manchmal benötigt es keinerlei Dialoge da die Bilder ganz für sich alleine sprechen.

Der 1. Teil endet natürlich mit einem unglaublichen Clilffhanger und ließ mich sofort zum 2. Teil "Die Challenger Tiefe" greifen.

Pink Anemone (Vorstellung der Teile 1 - 3 dieser Reihe, inklusive Bilder und Autoren-/Illustratoren-Vorstellung)

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Tags: comic-horror, französische autoren, slowenische autoren, splitter-verlag, tier horror   (5)
 

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Der Horror der frühen Medizin

Lindsey Fitzharris , Volker Oldenburg
Flexibler Einband: 276 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 09.07.2018
ISBN 9783518468869
Genre: Sachbücher

Rezension:

Grausig sind die Anfänge der Medizin: Leichenraub, blutige Operationen wie Kirmesspektakel, Arsen, Quecksilber, Heroin als verschriebene Heilmittel. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das Unwissen der Ärzte sagenhaft, wie sie praktizieren, ein einziger Albtraum. Bis ein junger Student aus London mit seinen Entdeckungen alles verändert … Lindsey Fitzharris erzählt vom Leben dieses Mannes und vom Horror, den ein einfacher Arztbesuch damals bedeutete – schaurig, unterhaltsam, erhellend....(Klappentext)

✚✚✚✚✚

"Alles war infrage gestellt, alles war unerklärt,
alles war zweifelhaft, nur die große Anzahl der toten war eine unzweifelhafte Wirklichkeit."
(Ignaz Semmelweis / S. 119)

Der Titel des Buches könnte treffender nicht sein, denn es liest sich wie ein Roman im Sub-Genre Medizin-Horror.
Leider war dies damals traurige Wirklichkeit - traurig vor allem für den Patienten, denn der Tod war ihm im Krankenhaus so gut wie sicher. Und doch wurde die Medizin durch ein paar Ärzte voran getrieben.
Durch Ärzte die sich über Konventionen und andere Ärzte hinwegsetzten, Ärzte die nicht nur abhackten und rumschnippelten, sondern sich wirklich dafür interessierten ihren Patienten zu helfen, Ärzte wie Ignaz Semmelweis, Alexander Flemming, Robert Koch und eben auch Joseph Lister, den wir hier begleiten werden.

Lister war nicht nur Arzt, sondern auch durch und durch Forscher und Wissenschaftler. Ihn begleitet man durch das kranke und tödliche viktorianische London.
Doch auch andere Ärzte begegnen uns und auch an deren Leben und Geschichten darf man teilnehmen.
Wie z. B. Robert Liston, dessen rohe Gewalt und Schnelligkeit schon vor der Erfindung der Äther-Anästhesie, sein Markenzeichen war. Diese Schnelligkeit war zwar vor allem bei Amputationen ein Segen, jedoch war er hierbei hin und wieder zu enthusiastisch. Zum Beispiel schnitt er dabei einem Patienten auch gleich noch den Hoden mit ab oder er hatte mit dem Messer so einen Zahn drauf, sodass er seinem Assistenten auch gleich drei Finger abtrennte.
Oder Berkley Moynihan, der sich erinnerte, dass er und seine Kollegen in einem Kittel operierten, der vor lauter Blut und Dreck schon von alleine in der Ecke gestanden hätte. Dieser war übrigens auch der erste Chirurg der Gummihandschuhe verwendete.

Man wohnt Amputationen, Ausschabungen und diversen äußerst ungewöhnlichen Behandlungsmethoden bei, die einem den Ekel ins Gesicht treiben. Und natürlich behandelt man auch Gangrän, Erysipel und Sepsis, welche Lister besonders interessierten.

"Die Frau drohte an der Flüssigkeit in ihrer Lunge zu ersticken.
Erichsen griff zu einer ungewöhnlichen Maßnahme:
Er drückte den Mund auf die offene Wunde und saugte Blut und Schleim aus den Atemwegen.
Dreimal musste er ausspucken, dann beschleunigte sich der Puls der Patientin wieder,...."
(S. 81)

Dies war der Ausgangspunkt seiner Forschungen über die Wundheilung und die Auswirkungen von Infektionen auf Körpergewebe und somit der erste Schritt in die Richtung der Wundhygiene. Hierbei kreuzen natürlich auch Ärzte wie Ignaz Semmelweis und Louis Pasteur unseren Weg.

Dies alles erfolgt in einem flüssigen und klaren Schreibstil und der Erzählstil ist äußerst plastisch. Für schwache Nerven und sensible Mägen ist dieses geschichtliche Sachbuch der Medizin also definitiv nichts. Ich bin mir jedoch sicher, dass hauptsächlich Personen, welche im medizinischen Bereich tätig sind und Personen, welche ein allgemeines Interesse an Medizin und Geschichte haben, zu diesem Buch greifen. Und ich gehe davon aus, dass diese Personen keineswegs zimperlich sind.

Jedes Kapitel wird mit einem Zitat eines Forschers, Wissenschaftlers oder Arztes eingeleitet und schon befindet man sich mitten in der Geschichte.

So sehr ich das viktorianische Zeitalter bewundere, bin ich doch froh in der heutigen Zeit zu leben. Doch so schockierend es sich auch liest, so faszinierend und interessant ist es, in die damalige Zeit einzutauchen und damit die ersten Schritte in die Richtung der heutigen Medizin zu verfolgen.

"Das begeisterte Publikum sah gebannt zu, wie der Anatom die aufgeblähten Bäuche verwesender Leichname aufschnitt,
aus denen Blut und stinkender Eiter quoll.
Manchmal wurde das makabre Schauspiel von lieblicher Flötenmusik begleitet."
(S. 10)

Dieses Buch besticht jedoch nicht nur durch interessante Fakten zur Geschichte der Medizin, sondern vor allem auch durch das Cover, wobei auch die Rückseite des Covers nicht zu verachten ist.
Die Verarbeitung zeugt zusätzlich von guter Qualität...sonst hätte das Buch den Urlaub mit Strand, Meerwasser und Wind sicher nicht so gut überstehen können.

Fazit:
Ich bin von diesem Sachbuch über die Medizin und dessen Geschichte absolut begeistert und könnte es immer und immer wieder lesen. Es ist informativ wie ein Sachbuch, spannend wie ein Thriller und schaurig wie ein Horror.
All diese Hürden, Fehler und auch Grausamkeiten, führten dazu, dass sich die Medizin weiterentwickelte.
Mein Respekt und auch Dank gehört all den Ärzten von damals, die den Mut hatten sich gegen Kollegen, Konventionen und Aberglauben zu stellen, um ihr eigenes Ding durchzuziehen. Damals erforderte dies nämlich Mut und vor allem auch Bereitschaft eventuell mit seiner eigenen Forschung unterzugehen.
Dies ist mein absolutes Lesehighlight, welches ich jedem der sich für Geschichte und Medizin interessiert, ans Herz legen möchte - Ihr werdet es lieben.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Infos zu Joseph Lister, Leseprobe und Autoren-Info)

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Tags: geschichte, lesehighlight, lindsey fitzharris, medizin, medizingeschichte, sachbuch, suhrkamp verlag   (7)
 

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64 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 37 Rezensionen

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Jane Austen - Jagd auf das verschollene Manuskript

Kathleen Flynn , Sabine Schilasky
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 02.05.2018
ISBN 9783959671880
Genre: Romane

Rezension:

September 1815: Rachel und Liam, zwei Zeitreisende, landen auf einem Feld im ländlichen England. Sie tarnen sich als reiche Unternehmer, kommen aber in Wirklichkeit aus einer technologisch fortgeschrittenen Zukunft. Denn Rachel und Liam haben eine kühne Mission: Sie wollen Jane Austen treffen, sich mit ihr anfreunden und ihr verschollenes Manuskript retten – indem sie es stehlen! Über Austens Lieblingsbruder Henry infiltrieren sie Janes Umfeld und kommen der berühmten Autorin nahe. Doch je tiefer die Freundschaft wird, desto schwerer fällt es Rachel, sich auf ihren Auftrag zu konzentrieren.... (Klappentext)


❉❉❉❉❉

"Wir hatten über alten Karten, Gemälden und Kupferstichen gebrütet,
detailierte Luftaufnahmen in 3-D hatten die großen Leinwände im Institut beleuchtet.
Doch nichts davon hätte mich hierauf vorbereiten können:
den Geruch von Kohlrauch und Vegetation, das Knarzen der Kutsche,
die Hufschläge der Pferde im Takt meines Herzens, wie eine Energie,
als wäre London ein fremder Planet, dessen Schwerkraftfeld mich einsaugte."
(S. 19)

Rachel, ausgebildete Ärztin, und LIam, Schauspieler der in Oxford studierte, kommen aus einer nicht näher benannten fernen Zukunft.
Sie gehören einem ganz speziellen Wissenschaftsteam an - dem "Jane Austen-Projektteam". Ihre Aufgabe ist ein verschollenes Manuskript von Jane Austen zu finden und auch zu stehlen, um es für die Nachwelt zu sichern.
Bei dem Manuskript handelt es sich um den Roman "Die Watsons", welchen Jane Austen bereits in ihrer frühen Schaffensperiode begann, jedoch nie vollendete. Des Weiteren sollen die beiden herausfinden woran Jane Austen starb. Dafür müssen sie in das England von 1815 reisen und wurden dementsprechend ausgebildet, um in dieser Epoche nicht aufzufallen.
Bei dieser Zeitreise sollen sie die Zukunft so wenig wie möglich verändern und daher in keinster Weise Einfluß auf die Geschehnisse ausüben. Leichter gesagt als getan, denn mit jeder neuen Bekanntschaft und jeder noch so kleinen Tat, scheint genau das zu passieren.

Gegenüber Zeitreise-Romanen bin ich immer etwas skeptisch, da es sich jedoch hier um Jane Austen und deren unvollendeten Roman "Die Watsons" handelt, musste ich diesen Roman einfach lesen.

"Ich bestaunte die Atmosphäre des Jahrs 1815, feucht und dicht gepackt mit Gerüchen, für die ich gar keine Worte hatte.
Mich erinnerte es an die Glasgewölbe im Brooklyn Botanic Garden, wohin wir früher Schulausflüge unternommen hatten.
>>Einst, Kinder, war die ganze Welt wie dies hier.<<"
(S. 9)

Es wird aus Rachels Sicht erzählt und man erhält nur wenig Informationen bezüglich der hochtechnologischen Zukunft und wenn dann nur bruchstückhaft.
Man hält sich ausschließlich im England des frühen 19. Jahrhunderts auf und das ist auch der Grund, weshalb mich dieser Zeitreise-Roman begeistern konnte. Dadurch erhält man Einblick in die äußerst komplizierte Etikette und das damalige Frauenbild, besucht Teegesellschaften und Dinners, wird vollkommen in die Atmosphäre des damaligen Londons gezogen und das Wichtigste - man trifft auf Jane Austen und ihre Familie.
Da Rachel aus der Zukunft kommt, erkennt man durch sie die gravierenden Unterschiede zwischen damals und heute, z.B. wie schwer es Frauen hatten, auf welche Annehmlichkeiten und Freiheiten sie verzichten mussten und wie anstrengend es damals war, selbst wenn man nicht zum gemeinen Fußvolk gehörte. Die Atmosphäre wurde also gekonnt eingefangen.

Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und authentisch. Vor allem Jane Austen hat die Autorin, meiner Meinung nach, hervorragend getroffen. Spitzzüngig, direkt und mit herrlich trockenen Humor ausgestattet. So begegnet uns Jane Austen und genau so habe ich sie mir immer wieder beim Lesen ihrer Romane oder einer ihrer Biografien vorgestellt.

"Sie blickte zu mir - ein Augenverdrehen, ein sarkastischer Zucker der Mundwinkel-, nur für einen Augenblick, doch es genügte.
Um als Frau hier zu überleben und nicht den Verstand zu verlieren, brauchte man ein waches Gespür für Lächerlichkeit;
das hatte sie schon als sehr junges Mädchen begriffen.
Sie war mir weit voraus; andererseits:
War sie das nicht allen?"
(S. 180)

Aufgrund dieser Atmosphäre und der gelungenen Charakterzeichnungen ist die Story interessant und fesselnd zu lesen. Auch Romantik ist vorhanden, jedoch keineswegs übertrieben, schnulzig und schon gar nicht billig, sodass es mich hier nicht gestört hat. Wo Jane Austen drauf steht, ist eben auch Romantik drin.

So far, so good...und dann kam das Ende. Ein Ende was ich so gar nicht gebraucht hätte und mich daher etwas enttäuscht zurück ließ.
Hier ist nämlich nicht mehr Jane Austen das Thema, sondern diese ferne Zukunft, wo es dann doch zu nicht nachvollziehbaren und somit unglaubwürdigen Passagen kommt. Fehler die nur zu oft in Zeitreise-Romanen vorkommen und das Lesevergnügen trüben. Und habe ich schon erwähnt das Jane Austen nicht mehr vorkam?

Fazit:
Im Großen und Ganzen fand ich diesen Roman durchaus gelungen und die Ausarbeitung von Jane Austen einfach wundervoll.
Als Jane Austen-Liebhaber/in kann man sich dieses Buch also durchaus gönnen, um in das fiktive Leben der Schriftstellerin einzutauchen. Das Ende ist eben wieder eine andere Geschichte, ist jedoch zu verschmerzen.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren-Info)

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Tags: harper collins verlag, historischer roman, jane austen, zeitreiseroman   (4)
 

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How To Be a Victorian by Goodman, Ruth (2014) Paperback


Flexibler Einband
Erschienen bei null
ISBN B00LI5IMRE
Genre: Sonstiges

Rezension:

We know what life was like for Victoria and Albert. But what was it like for a commoner like you or me? How did it feel to cook with coal and wash with tea leaves? Drink beer for breakfast and clean your teeth with cuttlefish? Dress in whalebone and feed opium to the baby? Surviving everyday life came down to the gritty details, the small necessities and tricks of living.
Drawing on Ruth's unique first-hand experience, gained from living on a Victorian farm for a year, this book will teach you everything you need to know about 19th century living...(Klappentext)

♛♛♛♛♛

Wer sich für das Viktorianische Zeitalter interessiert, kommt an Ruth Goodman, der Autorin dieses Buches, nicht vorbei.
Die Britin ist freiberufliche Historikerin und auf das oben genannte Zeitalter spezialisiert. Ich habe schon einige BBC-Dokumentationen zu diesem Thema gesehen, die meisten von und mit Ruth Goodman und auch auf YouTube tummelt sich die Dame. Sie hat auf einer Viktorianischen Farm gelebt, ohne Annehmlichkeiten des heutigen Zeitalters, hat gekocht, genäht und sich in enge Korsetts gezwängt und dies nicht nur für eine Woche, sondern für ein ganzes Jahr.

Genauso fesselnd und faszinierend wie diese Dokumentationen, liest sich dieses Buch, in dem man in alle Aspekte dieser Epoche Einblick erhält - in Tagesablauf, Kleidung, Arbeit, Essen, etc., und das nicht nur der gut betuchten Gesellschaft, sondern ebenso der hart arbeitenden und ärmlichen Bevölkerung - vom Tagesanbruch an, bis hin zur Schlafenszeit.

Dieses Buch verdient eine ausführliche Vorstellung, also Ladies, schnallt Eure Korsetts fester, Gentlemen, richtet Eure Bowlers, denn hier taucht man in das wahre viktorianische Zeitalter ein.

"As the 1850s slipped into the 1860s, the pressure to show oneself possessed of a small waist continued to build.
The old home-made corsets began to dwindle away as more people turned to professionally made equivalents that could enable them to attain a more fashinoable shape.
This was the age of the corset horror story."
(S. 67)

♛♛♛

Kapiteleinteilung

1) Getting Up
Der Tag beginnt und man erwacht im viktorianischen Zeitalter.
Man erhält Einblick in die Morgenroutine der verschiedenen Gesellschaftsschichten, in die Benutzung verschiedener Alltagsgegenstände, in Hygiene und dem Wissensstand bezüglich dieser in der damaligen Zeit und sogar in die Damenhygiene für die gewissen Tage.

2) Getting Dressed
Kleider machen Leute und in diesem Fall die viktorianischen Männer, Frauen und Kinder, die Armen und die Reichen.
Von der Unterwäsche angefangen, über die unzähligen Schichten, Dresscodes, die Kleidungspflege, bis hin zu Hüten, Schuhen und die rasch wechselnde Mode.
Habt IHr z.B. gewusst, dass auch Männer Korsetts trugen als die schmale Taille auch für die Männer angesagt war?

3) A Trip to the Privy
Auch der morgendliche Gang zur Toilette wird nicht vergessen.
Über die verschiedenen Arten von Toiletten, die Jakesmen und den großen Gestank von 1858, etc.

4) Personal Grooming
Hier wird gecremt, geschminkt, gefärbt, frisiert und Bleaching war auch damals schon der letzte Schrei. Bart- und Frisurentrends, welche im Laufe dieses Zeitalters sehr rasch wechselten, werden hier ebenfalls thematisiert und noch vieles mehr.
Wenn man damals als Lady gelten wollte, mussten sogar die Fingernägel ein ganz bestimmtes Aussehen haben (inkl. des weißen Halbmondes).

"Bonnets were so last year; hats were hot!"
(S. 114)

5) Morning Exercice
Die Lieglingssportarten der Viktorianer, wobei natürlich ein massiver Unterschied zwischen der Sportarten von Männer und Frauen bestand.

6) Breakfast
Wer wann was wo frühstückte, wie es sich für Mann, Frau, Ober-, Mittel- und Unter-Schicht gestaltete, sowohl in Nord-, als auch in Süd-England, Anfang, mitte und Ende dieser Aera. Hier gab es reichlich Unterschiede.
Man erfährt auch interessante Fakten über die Handhabung eines Kohleofens, aber auch über die große Hungersnot in Irland in den 1840ern und die Entstehung der Suppenküchen.

7) The Main Business of the Day
Hier erhält man Einblick in die hart arbeitende Bevölkerungsschicht.
Vom Weg in die Arbeit, die öffentlichen Transportmittel, über die Gefahr am Arbeitsplatz, Kinderarbeit und allgemein über das neblige London.

8) Back at the House
Von Nachttöpfen, Babypflege und Kinderkleidung. Ja, selbst für Babys gab es bezüglich der Kleidung einen Dresscode.
Hier werden auch wieder die Unterschiede zwischen der gut situierten und ärmlichen Bevölkerung thematisiert und so mancher Glaube bezüglich der Babypflege stellt einem die Nackenhaare auf.

"With no time [...] and few resources, they resorted to laying a piece of oilcloth in a cradle
next to a handful straw or another easily disposable absorbent.
The bare-bottomed baby was then laid straight into the cradle."
(S. 215)

9) The Midday Meal
Was kam bei den Viktorianern auf den Mittagstisch, falls überhaupt etwas auf den Tisch kam und was aßen die Arbeiter in der Mittagspause?

10) The Day's Work Resumes
Hier wird Wäsche gewaschen, was dazumal fast eine eigene Wissenschaft war. Man erhält Einblick in die häusliche Krankenpflege und somit erfährt man auch vieles über die gefährlichen Krankheiten, wie z.B. Cholera. Auch die damals so verbreitete "weibliche Hysterie" ist ein Thema.

11) Meanwhile, for the Young, There was School
Während die Männer in Fabriken und die Frauen zu Hause schufteten, mussten die Kinder die Schulbank drücken..zumindest manche.
Wie sah so ein Unterricht aus, wer durfte unterrichten, wie entwickelte sich das Schulsystem im 19. Jahrhundert und was hatte die Menstruation mit der Schulbildung zu tun?
Dies und noch viel mehr erfährt man in diesem Kapitel.

12) A Few Snatched Hours of Leisure
Mit dem Industriezeitalter kam auch für viele Arbeiter die Freizeit.
Hier liest man wie Männer und Frauen diese gestalteten - Sportarten, Picknicks, Kinderspiele und wie Frauen es schafften in voller Montur baden zu gehen, etc.

13) The Evening Meal
In diesem Kapitel bewegt man sich vom Anfang bis zum Ende des viktorianischen Zeitalters. Dabei erhält man Einblick in die Kochtöpfe der verschiedenen Gesellschaftsschichten und sieht daran wie groß die Unterschiede und Möglichkeiten waren.
Ernährungslehre und Diäten waren auch damals schon en vogue.

14) A Bath before Bed
Damit sind nicht nur hygienische Bäder nach der Arbeit gemeint, sondern vor allem Gesundheitsbäder. Diesbezüglich waren die Viktorianer äußerst erfindungsreich - Hauptsache es war teuer.
Die Hydrotherapie nahm hier ihren Anfang.

15) Behind the Bedroom Door
Hier wird es schlüpfrig.
Thematisiert werden die Sexualität von Männern und Frauen, Masturbation, Homosexualität, Verhütungsmittel, Prostitution, Moral und sexuelles Verlangen und so mancher irre Aberglaube.
Das es Frauen schwer hatten war mir bekannt, doch auch die Männer hatten es damals nicht immer ganz leicht.

"A long interval between the wedding day and the first pregnancy
was therefore interpreted as the result of too much sex in the first,
passionate phase of marriage,
which overstretched the man's ability to produce high-quality sperm."
(S. 409)

In diesen Kapiteln erhält man des Öfteren Einblick in verschiedene Rezepte, inklusive Zusammenstellung und die Autorin berichtet von ihren Erlebnissen und Erfahrungen in all diesen verschiedenen Bereichen.

Dies alles erfolgt in einem flüssigen Schreibstil und einer fesselnden Erzählweise, bei der die Autorin auch ihren Humor einfließen lässt.

Fazit:
Dieses Buch ist für mich eines meiner Lesehighlights.
Ich war während des Lesens regelrecht gefesselt und wollte am liebsten nie mehr daraus auftauchen. Das passiert schon mal bei Romanen, aber eher selten bei Sachbüchern. Hier blickt man nämlich in das wirkliche Leben der Viktorianer und eben auch in sehr private und intime Bereiche.
Für jeden Interessierten der viktorianischen Epoche, ist dieses Buch ein absolutely Must-Have und Ihr werdet es nicht bereuen.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Autoren-Info und YouTube-Links)




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Tags: geschichte, geschichtsbuch, penguin uk, ruth goodman, sachbuch, viktorianisches england   (6)
 

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Das Versprechen der Jahre

Penny Vincenzi , Sonja Hauser
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 19.03.2018
ISBN 9783442486731
Genre: Historische Romane

Rezension:

London 1904: Lady Celia Lytton betört die englische Society mit ihrer Intelligenz und Schönheit zugleich. Sie ist die perfekte Gastgeberin, veröffentlicht im eigenen Verlag einen Bestseller nach dem anderen und genießt ihr junges Familienglück – ein privilegiertes Leben. Doch dramatische Ereignisse kündigen sich an, und als ihr Mann Oliver in den Krieg eingezogen wird, können die Lyttons nicht mehr die Augen vor der Realität verschließen. Die makellose Fassade bekommt erste Risse, und Celia beginnt zu verstehen, dass sie einen Preis zahlen muss, für die Entscheidungen, die sie getroffen hat, und die Geheimnisse, die sie bewahrt … (Klappentext)

❃❃❃❃❃

">>Ich hoffe, eines Tages in meinem Büro inmitten meiner Bücher, aufgefunden zu werden.<<"
(S. 24)

Der Klappentext versprach einen äußerst interessanten Roman über das damalige Verlagswesen, der Kampf der Frauen während des Ersten Weltkrieges als sie zu Hause blieben, während die Männer an der Front für das Vaterland kämpften und eventuell den Wiederaufbau danach.
Ich habe durchaus mit Romantik gerechnete, 1. da dies schon im Klappentext ersichtlich ist und 2. da kein historischer Roman ohne auskommt. Liebe und Leidenschaft, Macht und Intrigen - dies in gut recherchierte historische Romane eingebettet, kann durchaus erfrischend sein...falls dies nicht überhand nimmt.
Bevor ich zu diesen überhand nehmenden Passagen kam, musste ich aber schon mit dem Erzählstil etwas kämpfen. Dieser lässt den Leser nicht nur die Protagonistin begleiten, sondern so ziemlich jede darin vorkommenden Figur. Zudem ist er genauso schlicht und sehr einfach gehalten, wie auch der Schreibstil selbst auch.

"Celia bekam ein Gehalt von einhundert Pfund im Jahr, das sie in Gänze an Jenny weitergab.
Oliver und LM waren sich einig, dass es sich bei Celias Tätigkeit für Lyttons um ein offizielles Beschäftigungsverhältnis handeln müsse.
Die anderen Angestellten, die ihr gegenüber anfangs noch argwöhnisch waren, akzeptierten sie schnell."
(S. 37)

Der Vorteil - es lässt sich flüssig lesen und erfordert nicht viel Konzentration. Der Nachteil - es nimmt den Roman gehörig die Spannung und es plätschert eben so dahin. Man kann sich jedoch daran gewöhnen und der Roman ist somit, in gewisser Weise, die ideale Urlaubslektüre.

Bis zur Hälfte gestaltete sich der Roman auch durchaus interessant bezüglich der Einsichten in das damalige Verlagswesen, des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges und der Konsequenzen hinsichtlich des Lytton-Verlags. Man erhält Einblick wie die Frauen ihren eigenen Kampf zu Hause austragen und sie daran wachsen und dadurch selbstbewusster werden.
Mit der 2. Hälfte geht es jedoch steil bergab und aus dem historischen Roman wird eine Soap à la "Reich und Schön", inklusive Affäre und Drama. War mir die Protagonistin bis dahin zwar schon etwas suspekt, danach hätte ich sie nur noch durch das Buch schnalzen mögen.

Und damit wären wir bei den Charakteren. Diese bleiben auf gewisse Weise blass und ich konnte mich in keine der Figuren richtig hineinversetzen. Ab der 2. Hälfte hatte ich dann zumindest eine Sympathieträgerin. Das war die kleine Barty, welche als einzige eine positive Entwicklung durchmacht.
Die Protagonistin Celia Lytton hingegen wurde mir zunehmend unsympathisch. Hat sich zuvor schon alles um sie gedreht, wird es in der 2. Hälfte noch viel schlimmer und fast unmöglich sich in sie hinein zu versetzen oder ihr so etwas wie Sympathie entgegenzubringen. Diese Wandlung hatte keineswegs etwas mit Stärke, Mut, Durchsetzungsvermögen und Feminismus zu tun. Sie entwickelte sich einfach nur zu einer egoistischen Drama-Queen ohne Empathie anderen gegenüber.

----------ACHTUNG SPOILER!----------

Sex war für sie schon anfangs immer Mittel zum Zweck. Sei es, um ihren Traummann vor den Altar zu schleppen, um ihn zu manipulieren oder um sich für irgend etwas zu entschuldigen.
Als Oliver Lytton, zu diesem Zeitpunkt schon leicht traumatisiert, seinen Fronturlaub zu Hause verbringt, beschäftigt Celia allein nur der Gedanke, weshalb er kein Interesse für ihre Probleme und an ihr selbst zeigt.

"Während seines zehntägigen Aufenthaltes zu Hause stellte er Celia keine einzige Frage über Lyttons, wie sie mit ihrem eigenen schwierigen Leben zurecht komme.
Er schlief auch nicht mit ihr oder signalisierte ihr, dass er sich das wünsche.
Als er an die Front zurück musste, setzte sie sich an die Themse und fragte sich, wie eine Ehe solche Belastungen überstehen sollte."
(S. 285 /
Es ist natürlich viel schlimmer, dass er nicht mit ihr pempern will u. sich kein Stück für sie interessiert...schlimmer als das er wieder an die Front muss.)

Als Oliver schließlich aus dem Krieg zurückkehrt, mit schwerer Bauchverletzung und inzwischen schwerst traumatisiert wohlgemerkt, erklärte die Autorin wie egoistisch er nicht agiert.

"Er war dankbar, zu Hause zu sein, und freute sich darüber,
Celia und die Kinder wiederzusehen,
interessierte sich darüber hinaus jedoch nur für sich selbst und seine Genesung."
(S. 327 / Also Pfui..wie kann er nur!)

Celia hat daraufhin natürlich nichts besseres zu tun als sich, nach nur paar Wochen seiner Rückkehr, unsterblich in den erstbesten Autor zu verlieben und eine Affäre mit ihm zu beginnen.
Eh klar, wenn der Gatte mit posttraumatischer Belastungsstörung zu kämpfen hat und einem nicht mehr besteigen will, reagiert man nun mal so. Da ist ein Rasenmäher sensibler als die Protagonistin.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war der Roman für mich nahezu unlesbar.

----------SPOILER-ENDE!----------

Des Weiteren sind alle Figuren ungewöhnlich attraktiv, äußerst hübsch und höchst intelligent. "Normalos" kommen einem hier also nicht wirklich unter.

Und noch etwas habe ich hier zu beanstanden..jahaa, ich bin noch nicht fertig...und zwar: Die Beschreibung des Settings.
Bis auf die Passagen in denen der Erste Weltkrieg explizit erwähnt wird, könnte sich dieser Roman in jeder x-beliebigen Epoche befinden. Ich vermisste die historische Atmosphäre und ebenso die gut recherchierten historischen Ereignisse à la Ken Follet oder Rebecca Gablé.

Fazit:
Dieser Roman war eine große Enttäuschung für mich, habe ich mir doch, aufgrund der vielen Lobhudeleien bezüglich der Autorin und dieser Reihe, einen historischen Roman à la Ken Follett oder Rebecca Gablé erwartet. Bekommen habe ich einen Groschenroman mit unsympathischer Protagonistin und einem Setting ohne Atmosphäre.
Wer jedoch seichten Liebesschnulzen ohne Tiefgang etwas abgewinnen kann, könnte von dieser Saga durchaus begeistert sein. Ich persönlich halte mich von dieser Reihe und von Büchern dieser Autorin fern. Urlaubslektüre hin oder her.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren-Info)

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Tags: 1.weltkrieg, britische autoren, goldmann-verlag, historischer roman, leseflop   (5)
 

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Lady Almina und das wahre Downton Abbey

Gräfin von Carnarvon
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei mvg, 04.10.2013
ISBN 9783868824766
Genre: Biografien

Rezension:

Als die bürgerliche Almina im Alter von 19 Jahren den Grafen von Carnarvon, Herr von Highclere Castle, heiratet und in die Kriese des Adels aufsteigt, scheint ihr Leben perfekt. Als Erbin eines immensen Vermögens und Frau eines Adeligen feiert sie rauschende Feste und hüllt sich in teure Kleider. Doch mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs nimmt Lady Alminas Schicksal eine unerwartete Wendung und sie muss beweisen, was wirklich in ihr steckt.

Seit 2010 die erste Folge von Downton Abbey in Großbritannien ausgestrahlt wurde, ist das Kostümdrama zu einem TV-Hit geworden. Von der Kritik gefeiert und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, wurde die Serie schnell auch international zu einem Erfolg. Mithilfe von Tagebüchern, Briefen und Fotografien aus dem Archiv von Highclere Castle erzählt die aktuelle Lady von Carnarvon die faszinierende Geschichte von Lady Almina und Schloss Highclere, welches sowohl als Kulisse als auch als Inspiration für Downton Abbey dient... (Klappentext)

♛♛♛♛♛

"Dieses Buch handelt von einer außergewöhnlichen Frau namens Alina Carnarvon,
von der Familie, in die sie einheiratete, von dem Herrensitz, der ihr Zuhause wurde,
von den Menschen, die dort arbeiteten,
und nicht zuletzt von der Verwandlung des Anwesens in ein Lazarett für verwundete Soldaten in der Zeit des Ersten Weltkriegs."
(S. 9 - Vorwort)

Nahezu jeder kennt die historische Serie "Dowton Abbey", doch nur wenige wissen, dass die Serie teils auf wahren Begebenheiten beruht. Das Highclere Castle ist nicht nur der Grundstein für die Geschichten dieser TV-Serie, sondern fungierte gleichzeitig auch als Schauplatz für "Dowton Abbey".
Die wahre Geschichte von dem wahren Dowton Abbey, ergo dem Highclere Castle, und seinen Herrschaften wird in diesem Buch erzählt. Dies erfolgt von der derzeitigen Herrin, Countess of Carnarvon, höchstselbst. Diese stellt bereits im Vorwort klar, dass dieses Buch weder Biografie, noch ein Roman ist. Es ist eine Erzählung über die Geschichte dieses Hauses, welche durch Briefe, Haushalts- und Tagebücher rekonstruiert wurde.

Im Mittelpunkt steht hier Lady Almina, die uneheliche Tochter und Erbin des berühmten Bankiers Alfred de Rothschild. Sie heiratete den 5. Earl of Carnarvon, welcher für die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun, gemeinsam mit Howard Carter, bekannt war und noch immer ist. Und mit ihr beginnt die Geschichte des Highclere Castle.

♛♛♛

Kapitel:

Glanz und Gloria Willkommen im Highclere Almina, die Debütantin Ein Triumph für ihre Ladyschaft Das Leben im unteren Stockwerk Festlichkeiten Ägypten zur Zeit Edwards VII. Das Ende des Goldenen Zeitalters Der Sommer 1914 Der Ruf zu den Waffen Das verlorene Paradies Kriegshelden Ei Krankenhaus im Umbruch Tod in den Schützengräben Dunkle Zeiten Das ersehnte Ende Vom Krieg zum Frieden Zurück zu Glanz und Gloria "Wunderbare Dinge" Der Vorhang fällt Erbe Epilog Danksagung Niederschrift der Briefe Bildnachweise Bibliografie

♛♛♛


Der Anfang des Buches gestaltete sich für mich eher holprig. Hier wird nämlich, neben der Geschichte von Alminas Einzug und verschiedenen Familienverstrickungen, auch unheimlich viel aufgezählt und dabei ins Detail gegangen - welche Kleidung Almina wann trug und wie diese genau ausgesehen hat, Blumenarrangements und Menüpläne. Ich hatte das Gefühl einem monoton daher sprechenden Moderator bei einer Royalen Hochzeit zuhören zu müssen.
Erst ab dem 5. Kapitel wurde es interessanter. Hier erhält man Einblick in das Leben der Bediensteten - von der Hierarchie angefangen, bis hin zu deren Aufgaben.

"Einige der jüngeren Dienstmädchen teilten sich ein Zimmer zu zweit.
Die Schlafzimmer waren nur zum Übernachten da, denn für die Freizeit gab es einen Gesinderaum und ein gemeinschaftliches Wohnzimmer,
Privatsphäre wurde der Dienerschaft nicht zuerkannt."
(S. 59)

Der Schreibstil ist flüssig und die verschiedenen Erzählungen interessant - Erzählungen über den Tod Königin Victorias und den Wechsel in das Edwardianische Zeitalter, über die Leidenschaft des Earl of Carnarvon zu Automobilen und der Geschwindigkeit dieser, sowie dessen Autounfall von dem er sich nie ganz erholte, von den unzähligen Reisen der Carnarvons nach Ägypten und die Ausgrabungen, viele davon mit Carter und schließlich der Entdeckung des Grabes Tutanchamuns. Über das politische Engagement Alminas, bei dem sie sich für die Rechte der Armen stark machte, sowie ihr Interesse an der Krankenpflege und der Medizin im Allgemeinen. Sie wurde sogar Schirmherrin des Cold Ash Hospitals. Als der Erste Weltkrieg England erreichte, wurde Highclere Castle kurzerhand in ein modernes Lazarett verwandelt.
Hochzeiten, Festlichkeiten, Geburten und Tode - das Haus hat viel gesehen.
Dies und noch viel mehr erfährt der Leser und dabei entdeckt man einige Geschichten, welche vom Regisseur von "Downton Abbey" aufgegriffen wurden.

"Als sie am 25. Juli in London eintrafen, hatten sie eine Zeitung im Gepäck,
die von dem Ultimatum berichtete, das Österreich nach der Ermordung des Erzherzogs Serbien gestellt hatte,
Winifred schrieb an Lord Carnarvon, es sei
>>Der letzte Sonntagmorgen der alten Welt<< gewesen."
(S. 120)

Es wird auch allgemein etwas auf historische Ereignisse eingegangen, die Einfluß auf Highclere Castle hatten. Vor allem der Erste Weltkrieg nimmt viel Raum ein (ganze 8 Kapitel!), welche ich anfangs noch interessant fand, doch nach unzähligen Seiten wurde es doch sehr ermüdend. Da gibt es andere Bücher, die dies ausführlicher und wesentlich interessanter an den Leser bringen. Ich bin normalerweise absolut keine Querleserin, aber hier wird man zuweilen regelrecht dazu animiert. Die heutige Lady Carnarvon hat nämlich, wie schon anfangs erwähnt, eine Vorliebe alles mögliche aufzuzählen und zu beschreiben, sei es die Blumenarrangements, Kleidung, 10-Gänge Menüs und vor allem Personen. Wenn bei einem Ereignis 20 Personen beteiligt waren, so werden diese natürlich auch alle aufgezählt. Personen die im Grunde völlig unwichtig sind, da diese nie wieder im Buch auftauchen. Da die Carnarvons natürlich sehr viele Personen kannten (vermutlich waren das damals durchaus wichtige Personen und die Erben sind es wohl noch heute) und beliebt waren, kam dies leider nur allzu oft vor.

Die Autorin scheint durchaus viel recherchiert zu haben und fördert dadurch interessante Fakten und Begebenheiten zu Tage, leider schweift sie auch nur allzu gerne ab. Ich musste mich manchmal regelrecht dazu zwingen in diesem Buch zu lesen, da es nie lange dauerte, bis langatmige Stellen oder absatzlange Aufzählungen auftauchten.

"Im Schloss und auf dem Gut leben heute Familien, die hier schon seit Generationen ihr Zuhause haben.
Sie sind die Hüter der Geschichten ihrer Vorfahren."
(S. 274)

Fazit:
Als Dowton Abbey-Fan fand ich viele Erzählungen durchaus interessant und fesseln, doch nur allzu oft tauchen langatmige Stellen mit Abschweifungen und/oder Aufzählungen auf (Gütiger Himmel - diese Aufzählungen...arrgh!), die mein Lesevergnügen beeinträchtigten oder überhaupt in den Keller sacken ließen. Weniger ist eben oft mehr.
Trotzdem habe ich so manche Passagen genossen und habe wieder Lust bekommen "Downton Abbey" zum wiederholten Male anzusehen, nur um herauszufinden, welche Parallelen sich darin noch zu Highclere Castle verstecken.

© Pink Anemone (inkl. Bilder, Leseprobe und Autoren-Info)

  (10)
Tags: britische autoren, historisches sachbuch, mvg verlag, united kingdom   (4)
 

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The Wild Hunt: Horror

M.H. Steinmetz
E-Buch Text: 222 Seiten
Erschienen bei Papierverzierer Verlag, 28.04.2016
ISBN 9783959623193
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Serienkiller treibt in Louisiana sein Unwesen. Er überfällt Reisende und verschleppt sie in das Sumpfland des Atchafalaya Wildlife Refuge.
Als Sues Familie in die Fänge des Killers gerät, muss sie mit ansehen, wie ihre Familie brutal ermordet wird. Sie selbst kann in ihrer Not gerade noch in die Sümpfe entkommen.
Die Jagd auf den Serienkiller beginnt, dessen Morde mit einer Blutfehde zusammenhängen, die bis in die Zeit der amerikanischen Revolution zurückreicht.
Doch in den Sümpfen lauert noch etwas weitaus gefährlicheres als der Killer. Es ist kompromisslos, tödlich und absolut böse!...(Klappentext)

☠☠☠☠☠

"Leichen hatte man bisher keine gefunden, aber das viele Blut hinterließ eine eindeutige Botschaft:
Es waren Menschen gestorben. Abgeschlachtet, weil sie zur falschen Zeit auf der falschen Straße unterwegs gewesen waren."
(S. 22)

Bereits auf der ersten Seite stößt man auf den Serienkiller und es ist offensichtlich, dass er ein Psychopath der übelsten Sorte ist. Dieser tötet anscheinend aus reinem Spaß an der Freude, indem er ahnungslose Reisende von der Straße drängt, deren Leben auslöscht und anschließend die Leichen verschleppt.
Nachdem er mit seinem Pick-Up-Truck eine Familie von der Straße gedrängt hat, tötet er einen nach dem anderen. Nur die 15-jährige Sue konnte sich retten, indem sie sich in die Sümpfe flüchtete. Doch die tiefen Sümpfe sind nicht nur das Jagdrevier des Serienkillers. Neben bewaffneten Hillbillys treibt sich noch etwas anderes darin herum - groß, gefährlich und mit spitzen Reißzähnen.

Mason: ein 25-jähriger Journalist  ist ebenfalls in dieser Gegend unterwegs. Er ist auf der Suche nach einer genialen Story, um auf die Titelseite zu gelangen. Und was für eine Story könnte besser dafür geeignet sein, als die eines Serienkillers der auf der Interstate 10 wütet und noch immer nicht gefasst wurde? Dafür begibt er sich in das Atchafalaya National Wildlife Refuge - ein Labyrinth aus Wäldern, Sümpfen und unzähligen nicht verzeichneten Wegen.

The Hunting Company: hier ist der Name Programm, denn es ist eine zusammengewürfelte Gruppe von ehemaligen Navy Seals. Abgebrühte Männer, bis auf die Zähne bewaffnet und bereit alles zu jagen und zu töten was Geld einbringt - wirklich ALLES. Doch diesmal sind sie auf einer ganz speziellen Jagd - einer Jagd die schon Jahrhunderte andauert und nun endlich für alle Zeiten beendet werden soll. Das Blut kocht, die Büchsen sind geladen und die Männer bereit.

"Der Geist des Krieges war erwacht.
Er hatte nur geschlummert und auf den richtigen Augenblick gewartet,
um mit seiner kompromisslosen Zerstörungswut an die Oberfläche zu brechen.
Die Hunting Company würde ihn in die Sümpfe tragen und entfesseln,
denn das war es, wofür sie lebten."
(S. 33)

Eric und Nina: die beiden sind beruflich auf dem Weg nach New Orleans und haben dafür den Weg durch die Pampa gewählt. Tja, das hätten sie wohl besser lassen sollen.
Nachdem sie ein Mädchen fast überfahren hätten und dieses nun nach Hause bringen, ist ihnen nicht klar in was für eine Gefahr sie sich damit begeben. Sie landen nämlich somit in der Höhle des Löwen aus der es kein Entkommen zu geben scheint.

Während man Sue nur anfangs und gegen Ende antrifft, begleitet man die anderen Figuren durch die Story und somit den ein oder anderen durch die wahr gewordene Hölle. Jeder dieser Handlungsstränge ist für sich spannend, interessant und endet immer wieder mit einem bombastischen Cliffhanger.

"Direkt neben ihrem strampelnden Freund kam ein zweiter Kopf nach oben,
teilte mit seinem schwarzen Schopf das Wasser,
die Augen in tödlichem Weiß,
die Haut aufgequollen und grau."
(S. 130)

Auch diesmal bin ich wieder vom Schreib- und Erzählstil des Autors begeistert.
Während so manche Dialoge, entsprechend der Charaktere, derb, großkotzig und auch manchmal gruselig sind, so ist die Settingbeschreibung atmosphärisch dicht mit nahezu literarischen Zügen und doch herrlich flüssig.
Mit diesem Thriller taucht man in ein Setting mit typischen Südstaatenflair ein. Man bewegt sich durch typisch amerikanische Kleinstadt-Kaffs, die man aus Roadmovies oder diversen Horrorfilmen kennt. Hillbillys mit ihren Gewehren und Cowboystiefeln kreuzen genauso unseren Weg, wie auch heruntergekommene Häuser mit ihren ebenso heruntergekommenen Veranden. Man spürt die schwüle und drückende Hitze der Sümpfe, die von Regengüssen unterbrochen werden.
Kopfkino erzeugen kann M.H. Steinmetz und dies macht beim Setting nicht Halt. Es geht hier nämlich keineswegs idyllisch zu, im Gegenteil. Die unheimliche und leicht gruselige Spannung durchzieht die gesamte Story und wird nur durch Blut und Gemetzel unterbrochen. Hier fliegen Gliedmaßen genauso durch die Gegend wie Gedärme und Schädel, während sich die Handlungsstränge aneinander nähern und schließlich miteinander verwoben werden.

"Die Knochen zerfielen in ihrem Fleisch zu Staub, in dem ihre Zähne wie in einem dicken Brei haltlos herumschwammen,
nur von schmerzhaft pulsierenden Nerven gehalten.
Anstatt gänzlich Form und Halt zu verlieren, erwuchs daraus etwas Neues."
(S. 196)

Am Ende nimmt die Story nochmals ordentlich an Fahrt und Spannung zu und enthält einen actiongeladenen und brutalen Showdown.
Happy End sucht man bei M.H. Steinmetz vergebens und genau das mach das Ganze um einiges authentischer und interessanter. Der Autor killt nämlich auch schon mal seine Protagonisten und ist daher immer für eine Überraschung gut. So auch in diesem Horror-Thriller.

Fazit:
"The Wild Hunt" ist ein literarischer Horror-Splatter par excellence und somit eines meiner Lesehighlights. Wer die amerikanischen Horrorfilme aus den 80ern mag, wird dieses Buch lieben. Also haltet Eure Schlüppis fest, hier wird es spannend, brutal und vor allem blutig.

© Pink Anemone

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Requiem - Der Vampirritter 1 - Auferstehung (Hardcover, Kult Editionen)


Sonstige Formate
Erschienen bei null, 01.01.2010
ISBN B004H0LPKS
Genre: Sonstiges

Rezension:

Als Heinrich im Zweiten Weltkrieg an der russischen Front fällt, glaubt er, endlich Friede zu finden. Doch er kommt auf dem albtraumhaften Planeten "Auferstehung" zu sich, wo die Zeit rückwärts läuft.
Dort wird er zu dem Vampirritter namens Requiem geschlagen. Auf der Suche nach seiner verschollenen Geliebten Rebecca gerät er in einen kosmischen Kampf zwischen verfeindeten Göttern, denn er besitzt das Schwert, das ihn entweder zum Sieg oder in die ewige Verdammnis führt...
(Klappentext)

☠☠☠☠☠

"Ich war auf dem Schlachtfeld.
Und dann stürzte ich in einen Abgrund."

Die Story beginnt auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs und mit dem Tod des Soldaten Heinrich Augsburg. Sein letzter Gedanke gilt der Geliebten, einer Jüdin, deren Abtransport durch die Gestapo er miterlebte und es nicht wagte einzugreifen. Dann erwacht Heinrich erneut - noch immer das Bild Rebeccas in der Hand - und glaubt sich in der Hölle. Eine Hölle die sich als spiegelbildliche Erde erweist, auf der die Zeit rückwärts läuft und die bevölkert ist durch Horden von Untoten. Die hier herrschende Klasse ist die der Vampirritter, der Heinrich schon bald angehört. Doch um endgültig zum Vampirritter zu werden, muss er seine Vergangenheit abstreifen - inklusive der Erinnerung an Rebecca.

Dieser Comic lebt von den Zeichnungen von Olivier Ledroit. Die Story besticht nämlich weniger durch Dialoge, als viel mehr durch die Illustrationen. Dadurch sticht dieser Comic auf jeden Fall aus der Masse heraus. Es braucht also keine ausgefeilten Dialoge und ausführlichen Eck-Infos, um eine Geschichte atmosphärisch zu erzählen - manchmal sagen Zeichnungen mehr als Worte und das ist hier der Fall.

"Wir sind zu Beginn bereits tot.
Wir können nur mit bestimmten Wafen vernichet werden.
Andernfalls werden wir zu Kindern und verschwinden eines Tages."

Die Story selbst ist ebenfalls fern von 08/15 - eine Mischung aus SciFi und Horror, Mystik und klassischen Vampirelementen. Mitten drin ein Anti-Held, hin und hergereissen zwischen Gut und Böse, Blutdurst und Erlösung.
Die Zeichnungen sind äußerst detailreich, opulent und atmosphärisch und nur zu gerne verweilt man länger auf den Seiten, um diese auf sich wirken zu lassen. Dieser Comic konnte mich also durchaus begeistern und fesseln.

Leider ist die Story nicht sehr lang, umfassst gerade einmal 47 Seiten und ist nicht in sich abgeschlossen, sondern endet mit einem riesigen Cliffhanger.

"Fortsetzung folgt"

Kaum ist man in der Geschichte angekommen und darin eingetaucht, ist sie schon wieder zu Ende. Genau hier liegt auch das große Manko, denn die einzelnen Teile dieser Reihe haben einen stolzen Preis und sind für mich persönlich zu teuer.

Fazit:
So gerne ich diese Reihe weiterverfolgen würde, werde ich es wohl bei diesem einen und somit den 1. Teil dieser Requiem-Reihe belassen. Auch wenn die Story absolut meinen Geschmack getroffen hat, ganz zu schweigen von den Zeichnungen, so ist mir der Preis für nicht einmal 50 Seiten eindeutig zu hoch.

© Pink Anemone (inkl. Bilder und Autoren-Info)

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V for Vendetta

Alan Moore , David Lloyd , Steve Whitaker
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Sos Free Stock, 07.05.2010
ISBN 140120841X
Genre: Comics

Rezension:

Set in a futurist totalitarian England, a country without freedom or faith, a mysterious man in a white porcelain mask strikes back against the oppressive overlords on behalf of the voiceless. Armed with only knives and his wits, V, as he’s called, aims to bring about change in this horrific new world. His only ally? A young woman named Evey Hammond. And she is in for much more than she ever bargained for…
A visionary graphic novel that defines sophisticated storytelling, this powerful tale detailing the loss and fight for individuality has become a cultural touchstone and an enduring allegory for current events. Master storytellers Alan Moore and David Lloyd are at the top of their craft in this terrifying portrait of totalitarianism and resistance....(Klappentext)

❃❃❃❃❃

"There aren't many cheeky, cheery charakters in 'V FOR VENDETTA' either;
and it's for people who don't switch off the news."
(David Lloydm Jan. 1990)

"V for Vendetta" ist eine Dystopie, welche im London der 1990er spielt.
Nach einem Atomkrieg herrscht in England ein totalitäres und faschistisches Regime. Propaganda und Kontrolle beherrschen die Bevölkerung. Es werden nur Bücher, Musik und Nachrichten erlaubt und gesendet, welche vom "Führer" und seinem Überwachungsstaat erlaubt werden. Die Überwachungs- und Propagandaorganisation setzt sich zusammen aus der Geheimpolizei "Finger", dem Regierungssender "Mund", der Videoüberwachung "Auge", der Lauschattacke "Ohr" und der Ermittlungsbehörde "Nase". Keine Bücher, keine Musik, keine Individualität. Jeder der anders ist und gegen die strenge Regelungen verstößt, wird "entfernt" (kommt einem doch irgendwie bekannt vor, oder?).
Doch es gibt einen, der sich gegen dieses Regime stellt und das im ganz großen Stil. "V" operiert aus dem Untergrund und trägt eine Guy Fawkes-Maske. Dieser war übrigens ein katholischer Offizier aus dem 17. Jahrhundert, der am 5. November 1605 das englische Parlament sprengen und König Jakob I. töten wollte. Grund - die Verfolgung katholisch Gläubiger durch die damaligen Machthaber. Wie dieser stellt sich auch "V" gegen das Regime und sprengt am 5. November das Parlament in die Luft. Dieser jedoch mit Erfolg, im Gegensatz zu Guy Fawkes. "V" ist geheimnisvoll, intelligent und dadurch schwer zu schnappen, denn er scheint immer einen Schritt voraus zu sein. Mit von der Partie ist ein 16-jähriges Mädchen namens Evey, welche er vor einer Vergewaltigung rettet und derer er sich annimmt. Und zusammen wollen sie dieses Regime zu Fall bringen (persönliche Inhaltsangabe).

">>Me? I'm the King of the twentieth century.
I'm the Bogeyman. The Villain....the black sheep of the family.<<"
(S. 13)

Der Comic erschien erstmals 1982 und Alan Moore zeichnet hier eine Dystopie vom Feinsten, in der die Unterdrückung von Freiheit und Individualität der gesamten Gesellschaft das zentrale Thema ist.
Während die Graphic Novel ursprünglich in Fortsetzungen und in schwarz-weiß veröffentlicht wurde, hält man hier die colorierte Gesamtausgabe  in den Händen. Diese ist in 3 Teile aufgeteilt, in denen die Pläne von "V" bezüglich der Zerstörung des Systems, sowie sein Motiv erörtert werden. Dabei wird aus mehreren Perspektiven erzählt und man erhält tiefe Einblicke in das System, sowie in die Hintergründe des geheimnisvollen Protagonisten selbst.

Es gibt hier einige Abweichungen zum Film, welche ich jedoch sogar um einiges interessanter und stimmungsvoller finde. Aufgrund dessen gestaltet sich die Story sehr spannend. Diese besticht zusätzlich durch die Liebe zum Detail und die düsteren Zeichnungen von David Lloyd einfach nur fantastisch und fangen die Atmosphäre gekonnt ein.
Die Zitate aus diversen Litereatur- und Musikklassikern runden das Werk ab und tragen zusätzlich zu der bedrückenden Stimmung bei.

"Nobody you'd have heard of a German gentleman named Dr. John Faust.
He made a deal, too."
(S. 44)

Schon vor der Story selbst erhält man Informationen von Alan Moore und David Lloyd bezüglich der Entstehung der Graphic Novel. Am Ende lässt uns Alan Moore noch einen Blick hinter die Kulissen werfen und es sind auch noch zwei Kurzgeschichten mit unserem mysteriösen "V" enthalten.

Fazit:
Eine rundum gelungene Graphic Novel die dystopischer nicht sein könnte - spannend, atmosphärisch, bedrückend und von der Thematik her aktueller denn je.
Trotzdem ich den Film kenne, und von dem ich auch weiterhin schwer begeistert bin, empfand ich die Story als spannend, da sie wesentlich mehr in die Tiefe geht.
Dies war mein erster Comic von Alan Moore und definitiv nicht mein letzter.

© Pink Anemone (inkl. Bilder und Autoren-Info)




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Pride and Prejudice

Nancy Butler , Hugo Petrus , Jane Austen , Hugo Petrus
Flexibler Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Marvel Comics, 03.05.2011
ISBN 9780785139164
Genre: Comics

Rezension:

Tailored from the adored Jane Austen classic, Marvel Comics is proud to present PRIDE AND PREJUDICE! Two-time Rita Award-Winner Nancy Butler and fan-favorite Hugo Petrus fathfully adapt the whimsical tale ofLizzy Bennet and her loveable-if-eccentric family, as they navigate through tricky British social circles. Will Lizzy's father manage to marry off his five daughters, despite his wife's incessant nagging? And will Lizzy's beautiful sister Jane marry the handsome, wealthy Mr. Bingley, or will his brooding friend Mr. Darcy stand between their happiness?... (Klappentext)

ღღღღღ

In der Einführung erklärt die Autorin, dass sie diesen Klassiker aufgrund dessen im Comic-Format adaptiert hat, da nur Jungs und Männer in Comicläden fündig werden und deswegen fast keine Mädchen diese Läden betreten. Alle Comics wären fast ausschließlich für das männliche Geschlecht geeignet.

"'Treasur Island' and 'Man in the Iron Mask' are great books, but they are boy books."

Also bei diesem Satz zog sich meine rechte Augenbraue ganz von selbst in die Höhe und in Gedanken warf ich noch ein "Das habe ich jetzt nicht wirklich gelesen" hinterher. Nancy Butler konzentrierte sich dabei zwar nur auf die Klassik-Adaptionen von Marvel, aber Mädchen, bzw. Frauen, lesen trotzdem nicht nur Comics, wenn darin eine kitschige Liebesgeschichte oder Glitter furzende Einhörner darin vorkommen. Wir Frauen lesen, welch Überraschung, ebenso "Boy Books", genauso wie auch das männliche Geschlecht gefühlsbetonte "Girl Books" lesen. Ebenso kann ich ihr nicht beipflichten, dass sich nur Jungs in Comicläden rumtreiben und schon gar nicht aus dem Grund weil in diesen nur "Boy Books" angeboten werden.
Aufgrund dieser geschlechtsspezifischen Differenzierung hatte ich von der Autorin dann natürlich eine gewisse persönliche Meinung, die ich jetzt lieber nicht näher erörtern möchte. Bevor ich mich dann dem Comic selbst widmete also paar Mal tief durchgeatmet und den etwas herben Beigeschmack verdrängt, denn als Liebhaberin der Jane Austen-Romane, habe ich mich auf diese ungewöhnliche Adaption schon sehr gefreut.

Tja, leider wurde diese Vorfreude relativ rasch im Keim erstickt, denn dieser Comic ist wirklich, wie soll ich sagen..., teeniehaft. Natürlich wurde der Klassiker drastisch gekürzt, etwas anderes habe ich mir bei 120 Seiten auch gar nicht erwartet, aber leider wurde an den falschen Stellen gekürzt, sodass der typische Flair des Jane Austen-Romans gänzlich verloren ging. Lizzy ist hier nicht die junge Frau mit frechem Mundwerk und schwarzen Humor, sondern wirkt hier eher wie eine unsympathische, arrogante Bit** (sorry für die Wortwahl, aber anders kann man sie hier nicht beschreiben). Auch die weiteren Charaktere haben nicht das, was sie im Roman von Jane Austen haben.

Es sind durchaus Zitate aus dem Roman enthalten, die Sprache selbst wurde jedoch stark modernisiert. Was mich jedoch am meisten störte (neben der Bitch Lizzy), waren die Zeichnungen. Diese erinnerten mich stark an die "Wendy"-Comics (ich glaube so hießen diese Pferde-Comics?) und konnten somit auch in der Hinsicht nicht die gewünschte Atmosphäre einfangen. Des Weiteren sahen alle Charaktere irgendwie gleich aus, wenn sie nicht unterschiedliche Frisuren gehabt hätten.
Ich hatte also permanent das Gefühl einen Teenie-Comic zu lesen und nicht die Adaption eines Klassikers aus dem frühen 19. Jahrhundert. Meine Erwartungen waren für diesen Comic mit Sicherheit viel  zu hoch geschraubt, dementsprechend tief fielen diese dann.

Die Aufmachung selbst ist durchaus hochwertig und ohne den Schutzumschlag gefällt mir dieses HC fast besser. Lederoptik mit eingestanzten Lettern in Grün-Metallic. Das hat schon was.

Fazit:
Jane Austen-Liebhaber kann ich von dieser Comic-Adaption nur abraten. Junge Mädchen/Jungs könnten diesem Comic aber durchaus etwas abgewinnen. Vor allem, wenn sie kurz in diesen Klassiker reinschnuppern wollen. Für mehr eignet sich dieser leider nicht und mehr will ich dazu auch nicht sagen.

© Pink Anemone (mit Bilder und Autoren-Info)

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