AnTheias Bibliothek

30 Bücher, 30 Rezensionen

Zu AnTheias Profil
Filtern nach
30 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

38 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

autismus, pflegeeltern, babypuppe, familie, autist

Ginny Moon hat einen Plan

Benjamin Ludwig , Edith Beleites
Fester Einband: 380 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 11.09.2017
ISBN 9783959670999
Genre: Romane

Rezension:

Ginny Moon ist ein ganz besonderes Mädchen, denn sie ist Autistin und sieht die Welt in ihren eigenen Farben. Alles muss für sie nach Regeln erfolgen, sonst gerät ihre Welt aus den Fugen. Seit sie 9 Jahre alt ist, lebt sie bei verschiedenen Adoptiveltern. Ihre jetzigen Adoptiveltern scheinen ein echter Glücksgriff zu sein, doch als diese ein eigenes Baby bekommen, verändert sich das Verhältnis zu ihrer Adoptivtochter. Ginny's Welt gerät unfreiwillig in Schieflage: ihr leiblicher Vater taucht eines Tages auf und Ginny selbst will unbedingt ihre leibliche Mutter finden und nimmt dafür sogar eine Entführung in Kauf.

Mit "Ginny Moon hat einen Plan" hat Benjamin Ludwig sein Debüt geliefert und gleichzeitig einen wirklichen Glücksgriff gemacht. Denn aus meiner Sicht ist ihm hier wirklich ein sehr authentischer und auch einfühlsamer Roman über das Leben der 14-jährigen autistischen Ginny gelungen. Ginny ist ein ganz besonderer Mensch und das wird bereits auf den ersten Seiten dieses 380 Seiten starken Buchs sehr deutlich. Anfangs fiel es mir etwas schwer mich in die Schreibweise hinein zu finden. Aber der Roman wurde bewusst aus der Perspektive einer Autistin geschrieben und das macht ihn für mich sehr authentisch und daher in manchen Punkten vielleicht auch schwer begreifbar. Als Hauptcharakter war mir Ginny von Anfang an sehr sympathisch, wenn auch in ihren Gedankengängen etwas gewöhnungsbedürftig. Man versteht anfangs nicht, warum sie unbedingt zu ihrer leiblichen Mutter, die sie vernachlässigt und misshandelt hat, zurückkehren will. Doch dann versteht man zunehmend, dass Ginny auf ihre Art sehr einfühlsam ist und es ihr nur schwer fällt, ihre Umgebung das begreiflich zu machen. Insofern ist der Roman auch gleichzeitig eine Geschichte, die berührt und gleichzeitig aufrütteln möchte. Aber auch verzweifelt werden lässt, aufgrund der Bemühungen von Ginny ihrer Adoptivfamilie zu "entkommen". Mich als Leser hat sie zum Nachdenken gebracht, wie wir als Gesellschaft selbst mit Behinderten umgehen und hat mir zumindest ansatzweise zu verstehen gegeben, wie Autisten die Welt um sich herum wahrnehmen. Ein Fazit: Eine absolut lesenswerte Geschichte einer Autistin. Und ohne Zweifel ein sehr einfühlsamer und gleichzeitiger aufrüttelnder Roman, der ohne gehobenen moralischen Zeigefinger auskommt.

  (0)
Tags: benjaminludwi, callmeabookaholic, ginnymoonhateinenplan   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

56 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

roman, familie, kinder, anne b. ragde, anne b. ragd

Sonntags in Trondheim

Anne B. Ragde , Gabriele Haefs
Flexibler Einband
Erschienen bei btb, 14.08.2017
ISBN 9783442757374
Genre: Romane

Rezension:

Norwegens bekannteste Familie ist zurück: Die Neshovs. Nach der Erfolgstrilogie von Anne B. Radge "Das Lügenhaus" folgt nun die unerwartete Fortsetzung. Die Familie hat sich mittlerweile auseinander gelebt, nachdem vor Jahren die Erbin des Hofes Torunn die Familie Hals über Kopf verließ, um mit einem Schlittenhunde-Züchter glücklich zu werden. Opa Neshov lebt in einem Altersheim, fühlt sich dort pudelwohl und will unter keinen Umständen auf den Hof zurückkehren. Sein Sohn Margido besucht ihn ab und zu, führt aber ansonsten ein wenig spektakuläres Leben als Einzelgänger und Bestattungsunternehmer. Sein Bruder Erlend lebt inzwischen in Kopenhagen und hat mit seinem Lebensgefährten inzwischen eine Patchwork-Familie mit 3 Kindern gegründet. Viel Spektakuläres hat das Leben der Neshovs nicht zu bieten, bis Torunn eines Tages den Wert von Familie wiederentdeckt und auf den Hof als Erbin zurückkehrt.

Die Serie "Das Lügenhaus" ist eine von Norwegens Bestellerserien gewesen. Und so war ich persönlich sehr neugierig auf den vierten Teil der Erfolgsgeschichte. Das Cover versprach schon eine humorvolle und unterhaltsame Geschichte, obwohl der Titel "Sonntags in Trondheim" sich mir nicht auf Anhieb erschloss. Die Klappengestaltung, besonders die Kurzbiografien der Familienmitglieder und der Stammbaum, waren für mich als "Späteinsteiger" sehr hilfreich. Denn so haben sich die Familienverhältnisse für mich gut erschlossen und die Hintergründe wurden nachvollziehbar. Wie bei vielen Serien muss man durchaus die Trilogie gelesen haben, um so manche Handlung und auch das Gesagte zu verstehen. Das erleichterte nicht immer sofort den Lesefluss, obwohl ich das Buch sprachlich, erzählerisch sehr gut und locker geschrieben finde. Alle Charaktere fand ich auf Anhieb sympathisch. Torunn als Hauptfigur sticht sofort heraus und macht in ihrer Entwicklung die größten Sprünge, von einer mittlerweile frustrierten Frau in den 40igern, die in ihrer Beziehung zu einem Schlittenhundezüchter zunehmend von einer jungen Frau ersetzt wird. Bis hin zu einer selbstbewussten Frau, die ihr Leben in die Hand nimmt und sich ihrer Vergangenheit, sowie ihrer familiären Pflicht, den Hof der Neshovs zu übernehmen, stellt. Dahingegen wirken die Handlungsstränge von Margido und seinem Bruder Erlend komplett gegensätzlich. Erlend führt ein turbolentes Leben als Familienvater, der große Angst vor der Verantwortung hat und der erst lernt, den Wert von Familie wirklich zu schätzen. Und Margido, der in einem eintönigen Leben gefangene Bestattungsunternehmer, dem aber Verantwortung und Familie über alles geht. Im Kern geht es um den Wert von Familie und die Verantwortung füreinander. Obwohl wunderbar geschrieben, kann das Buch mich nicht wirklich überzeugen und bleibt für mich über weite Strecken eher "blass". Die Handlungen laufen überwiegend nebeneinander her und weisen nicht wirklich Highlights oder besondere Spannungsmomente auf. So ist es für eingefleischte "Lügenhaus"-Fans ein schönes Wiedersehen mit Norwegens sonderbarster Familie. Für mich war es eher ein unterhaltsamer, aber dennoch meist farbloser Familienroman.
Mein Fazit: Gut geschriebene, unterhaltsame Familiengeschichte, mit wenig Highlights.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(32)

34 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

ukraine, familiengeschichte, ddr, familiensuche, familie

Slawa und seine Frauen

Felix Stephan
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Droemer, 01.09.2017
ISBN 9783426277164
Genre: Biografien

Rezension:

Felix Stephan berichtet in diesem autobiographischen Debütroman über die Geschichte seiner eigenen Familie(zusammenführung). Seine Großmutter hat als junge Frau in Leningrad studiert und sich dort in den Ukrainer Slawa Fahlbusch verliebt. Die Liebesgeschichte hatte kein Happy-End. Aber Felix Großmutter bekam eine Tochter, die ohne ihren Vater in der ehemaligen DDR aufwächst und erst als Jugendliche erfährt, wer ihr Vater ist. Mit 51 unternimmt sie mit ihrem Sohn Felix eine Reise in die Ukraine, um die Familie ihres Vaters kennen zu lernen, der inzwischen verstorben ist. Es wird eine interessante Begegnung verschiedener Kultur(kreise) und auch eine Reise in die Vergangenheit, bei der der Autor erfährt, wer sein Großvater war, aber auch dass seine Familie alles daran setzt, Slawa nur im besten Licht erscheinen zu lassen.
Was in der Leseprobe wie ein echt interessanter, humorvoller Roman erschien, konnte leider weder meinen Geschmack treffen, noch hat es meine Erwartungen erfüllt. Der Autor hat einen sehr guten sprachlichen Stil. Die Covergestaltung hätte mich neugierig gemacht und auf eine sehr humoristische Verarbeitung der DDR- bzw. Ostblock-Vergangenheit der Familie des Autors hoffen lassen. Die Gegensätzlichkeit beider "Kulturkreise" gelingt dem Autor schon ziemlich gut. Aber leider gelingt es ihm nicht, aus der doch sehr interessanten Familienkonstellation - Vater ist ukrainischer Jude, seine Familie lebt noch in der Ukraine und der Halbbruder der Mutter lebt in Israel - einen wirklich spannenden Familienroman zu machen. Die Geschichte "dümpelt" über weite Strecken nur so dahin, als Felix, seine Freundin aus Paris und seine Mutter, mehrmals die Familie in der Ukraine besuchen und so immer tiefer in die Geschichte um Slawa eintauchen. Slawa selbst bleibt für mich sehr unpersönlich und taucht nur in den Erzählungen von überlebenden Bekannten und Familienangehörigen auf. Der Autor lässt sogar durchblicken, dass er das Gefühl hat, seinen Großvater nie ganz greifen zu können, da nie klar war, ob die Bekannten Slawa so schildern, wie er wirklich war oder wie er von seinen überlebenen Nachkommen gern wahrgenommen werden möchte. Und so bleibt für mich die klare Frage, was der Autor hier mal abgesehen von der ungewöhnlichen Geschichte einer Familienzusammenführung wirklich erzählen möchte.

  (1)
Tags: felixstephan   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

22 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

ermittler, kriminalroman, norwegen, bernhard stäbe, callmeabookaholic

Kein guter Ort

Bernhard Stäber
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe Ag, 15.08.2017
ISBN 9783741300431
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Arne Eriksen arbeitet als Psychiater in einer Klinik in Südnorwegen. Im verlassenden Hotel in der Rabenschlucht wurden vor Jahren zwei Morde begangen, die niemals aufgeklärt wurden. Seitdem steht das Hotel leer, die Bewohner der Gegend meiden es, weil es dort angeblich spuken soll. Arne, der nach seinem letzten Fall in die Region Telemark gezogen ist, wird eher durch Zufall auf die Geschehnisse von damals aufmerksam. Eines Tages steht seine Freundin Kari, Polizistin aus Bergen, vor der Tür und bittet ihn sich der drogenabhängigen Tochter ihres Chefs, Janne, anzunehmen. Diese ist sofort fasziniert von den damaligen Ereignissen und behauptet sogar, nach einem Kurzbesuch im Hotel, von einem Unbekannten angegriffen worden zu sein. Was geschah damals wirklich? Kommt der Täter aus der Gegend? Arne macht sich auf die Suche nach der Wahrheit und gerät selbst in Lebensgefahr.

"Kein guter Ort" ist der mittlerweile dritte Fall von Arne Eriksen, den der Wahlnorweger Bernhard Stäber veröffentlicht hat. Obwohl ich selbst noch keinen der vorherigen Krimis gelesen habe, kam ich dennoch sehr gut ohne Vorkenntnisse in die Geschichte hinein. Arne Eriksen ist mir als Hauptfigur sehr sympathisch. Er ist kein Kriminalkomissar und gerät eher unbeabsichtigt in die Ermittlungen, zumal er selbst eine gewisse Neugierde bei der Lösung von ungelösten Fällen entwickelt. Eine Eigenschaft, die ihn hin und wieder in Lebensgefahr bringt. Weil er einige Zeit mit den Samen verbracht hat, kam er auch in Berührung mit bewusstseinserweiternden Drogen, die er einsetzt, um sich quasi in die Atmosphäre eines Tatortes "hineinzuversetzen". Das klingt etwas skuril in meinen Ohren, gibt der ganzen Handlung aber einen gewissen mystischen Zug, der auch durch die ganze Atmosphäre des Hotels und der Rabenschlucht noch unterstützt wird. Überhaupt finde ich den Ort Rabenschlucht faszinierend. Diese Faszination hat sich beim Lesen in mir geradezu aufgebaut, was ich dem spannenden Erzählstil des Autors zuschreibe. Das gibt der ganzen Handlung genau die Spannung, die mich als Leser mitreißt. Die drogenabhängige Tochter des Polizeichefs, Janne, kommt dagegen etwas "zickig" und nervig daher. Zwar verändert sich sich zunehmend positiv, aber ihre unüberlegten Handlungen lösen auch eine ganze Reihe von fatalen Ereignissen aus. Dennoch spricht für sie, dass sie sehr offen ist und sich auch mit einem Syrer anfreundet, was in der doch sehr ausländerfeindlichen Atmoshpähre des Ortes eine Ausnahme ist. Insgesamt wirkt sie aber eher verantwortungslos auf mich und kann bei mir nur wenig Sympathien auslösen. Sicherlich gewollt vom Autor, bei mir wirkt das leider eher störend. Insgesamt konnte mich der Kriminalroman begeistern. Er ist sehr atmosphärisch geschrieben. Der Schreibstil des Autoris ist locker und leicht. Die Handlung und die Geschichte um die mysteriösen Todesfälle sind sehr spannend erzählt und überraschen auch durch eine unerwartete Wendung.
Mein Fazit: Atmosphärischer, hervoragend erzählter Thriller mit mystischen Elemenenten aus Südnorwegen. Genau das richtige für die Herbstsaison und die längeren Abende.

  (0)
Tags: arneerikse, callmeabookaholic, keinguterort   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(65)

71 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 63 Rezensionen

rosenheim, fußball, krimi, bayern, mord

Wildfutter

Alma Bayer
Flexibler Einband: 300 Seiten
Erschienen bei btb, 14.08.2017
ISBN 9783442715312
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Vitus Pangratz, pensionierter Kriminalkommissar, genießt seinen Ruhestand und sein neues Hobby: Er geht gern im Wildpark Blindham auf die Pirsch, um dort Wildschweine in freier Natur zu fotografieren. Doch eines nachts entdeckt er mitten im Gehege die angenagte Hand eines schon seit längerer Zeit vermissten Jugendfußballtrainers Marius Wild, genannt "der Tiger". Da die örtliche Polizei aus seiner Sicht vollkommen unfähig zu sein scheint, fängt Vitus selbst an, Nachforschungen zu machen. Unterstützt wird er dabei von seiner Tochter Jo (Johanna) Coleman, die als engagierte, aufstrebende Lokalreporterin, auf der Suche nach einer sensationellen Story ist. Dabei geraten beide in ein Netz von Lügen, kuriosen Affären und schon bald auf die Fährte des Mörders...
Wildfutter ist eine Kriminalgeschichte aus Rosenheim, die mit viel bayerischem Lokalkolorit daherkommt. Man spürt richtig die bayerische Urgemütlichkeit. Vitus und Jo haben mir als Hauptfiguren sehr gut gefallen. Der früh verwitwete, etwas unkonventionell ermittelnde Kommissar und seine frisch geschiedene 37-jährige Tochter sind ein tolles Gespann, die mir auf Anhieb sehr sympathisch waren. Die Vater-Tochter-Beziehung gehört zu den Hauptträgern dieses Kriminalromans, weil beide sich bei der Verbrecherjagd gegenseitig unterstützen und ihre eigenen Recherchen im Umfeld des Opfers Marius Wild unternehmen. Beide stürzen sich dabei auf ihre Weise in ein Liebesabenteuer: Jo mit einem verheirateten Mann und Vitus entdeckt den zweiten Liebesfrühling, nachdem er über viele Jahrzehnte als Wittwer alleine gelebt hatte. Grundsätzlich fand ich, dass sich die Autorin für meinen Geschmack etwas zu sehr auf die beiden Liebesabenteuer fokussiert hat. Dadurch verlor die Handlung leider etwas an Spannung. Denn man wird durchaus als Leser etwas in die Irre geführt. Glaubt man gleich zu Beginn den Täter scheinbar zu kennen, wird man bald eines Besseren belehrt und fiebert bis zum Schluss weiter. Allerdings hat mir der ganze Handlungsstrang mit den Liebesabenteuern dabei das Lesen etwas schwer gemacht und konnte mich nicht restlos begeistern. Gut recherchiert hingegen, empfand ich die Hintergründe zur Jugendfußball-Arbeit in der bayerischen Provinz und der Traum eines jeden ehrgeizigen Vaters, dass sein Sohn einmal von den Scouts des FC-Bayern Münchens entdeckt wird und dadurch finanziell einer rosigen Zukunft entgegen blickt. Dabei spart die Autorin nicht an Kritik an der Jugendarbeit, am Ehrgeiz mancher Familien, die die Kindheit ihrer Kinder opfern und sich deswegen manchmal auch verschulden, aber auch nicht an der Arbeit so manchem Sport-Elite-Internat.
Mein Fazit: "Wildfutter" ist ein bodenständiger Krimi mit bayerischem Lokalkolorit, der sich bei der Tätersuche in den verschiedenen Handlungssträngen etwas verliert.

  (1)
Tags: almabayer, callmeabookaholoc, wildfutter   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

lesbisch, trauer, ariellev, jüdin, ariel levy

Gegen alle Regeln

Ariel Levy , Maria Hochsieder-Belschner
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Knaur, 21.08.2017
ISBN 9783426214305
Genre: Biografien

Rezension:

Ariel Levy hat alles, was man sich nur wünschen kann. Sie ist eine äußerst erfolgreiche New Yorker Journalistin, die für außergewöhnliche recherchierte Geschichten durch die Welt reist. Sie ist emanzipiert, hat eine liebevolle Partnerin und wünscht sich nichts sehnlicher als ein Kind. Als dieser Traum endlich wahr wird, geschieht das Unfassbare. Als sie für eine Reportage nach Ulan Bator reist, verliert sie ihren Sohn, den sie im 5. Monat schwanger nach starken Schmerzen im Badezimmer zur Welt bringt. Dieses Ereignis hinterlässt tiefe schmerzliche Spuren im Leben von Ariel. Sie muss erkennen, dass ihre heile Welt nicht exisitiert und eine Rückkehr in das normale Frauenleben schier unmöglich scheint.

Mit diesem autobiographischen Roman verarbeitet Ariel Levy ihr eigenes zutiefst schmerzliches Trauma: den Verlust ihres ungeborenen Sohnes. Ich lese nur selten autobiographische Geschichten. Aber dieser Roman hat mich persönlich durch seine emotionale und schonungslos ehrliche Sprache berührt, ja sogar aufgewühlt. Es ist ein sehr ruhiges Buch, das durch seine klare Sprache überzeugt. Ariel berichtet über ihr Kindheit und ihr Verhältnis zu ihren Eltern. Erzählt von ihrer Liebe zu Frauen, ihre Affären, Krankheiten und ihre unglückliche Beziehung zu Lucy, einer erfolgreichen Geschäftsfrau, die sich durch ihren Alkohol-Missbrauch zunehmend Ariel entfremdet. Ariel klagt nicht an, sie verarbeitet. Man spürt auf vielen Seiten die tiefe Hoffnungslosigkeit und auch den tiefen Schmerz, gleichzeitig aber auch die Hoffnung gepaart mit Mut. Ariel hat mir persönlich viel Respekt abgewonnen, da sie trotz allem noch Stärke ausstrahlt und natürlich ihre eigene Geschichte hier für alle offen legt. Sie spart nicht an vielen Denkanstößen, und lädt dadurch zum Nachdenken ein. Sie führt uns als Leser durch ein Tal der Tränen. Manch einer wird die Geschichte vielleicht ein wenig zu emotional, vielleicht teilweise als kitschig und klischeehaft betrachten. Für mich ist es eine offene und zu Herzen gehende Geschichte, die bewegt und klare Wort für eine schonungslose Wahrheit findet.

  (0)
Tags: ariellev   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(49)

56 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 48 Rezensionen

drogen, krimi, gewalt, altglück, dunkels gesetz

Dunkels Gesetz

Sven Heuchert
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 14.07.2017
ISBN 9783550081781
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Exsöldner Richard Dunkel beginnt als Security einer Chemiefirma in der tiefsten deutschen Provinz nahe der belgischen Grenze ein neues Leben. Hier in Altglück träumen die Menschen vom sozialen Aufstieg, aber die Hoffnungslosigkeit beherrscht den Alltag. Für Achim, den örtlichen Tankstellenbesitzer erscheint der Einstieg in den Drogenhandel geradezu als rettender Grashalm. Und so lässt er sich mit dem örtlichen Drogenboss Falco ein, um seiner Geliebten und deren jugendliche Tochter Marie ein besseres Leben zu bieten. Richard Dunkel platzt per Zufall in den ersten Drogendeal von Achim und ahnt nicht, welche tödliche Spirale er dabei in Gang gesetzt hat...

Sven Heuchert's Roman wurde als moderner Roman angekündigt, der mit tiefschwarzer Sprache und realistischem Blick daherkommt. Tatsächlich spürt man als Leser von der ersten Seite dieses recht kurzweiligen Romans die Tristesse und Hoffnungslosigkeit der Handelnden und der Gegend um Altglück. Der einzige Ausweg der handelnden Personen scheint der Drogenhandel, die Prostitution oder der Alkohol zu sein. Keine der Figuren bekommt positive Züge, noch strahlen diese Gelassenheit oder Optimismus aus. Insofern ist Heuchert hier ein wirklich düsterer, schwarzer Roman gelungen, den ich eher in Richtung gesellschaftkritischer Satire anordnen würde, als in das Genre Kriminalroman. Es kommt zwar ein ungeklärter Mordfall vor, jedoch rückt dieser weitgehend in den Hintergrund. Vielmehr konzentriert sich die Handlung über weite Strecken auf das Drogengeschäft von Achim, dem Tankstellenbesitzer und Dunkel, der sich unfreiwillig in diesem Spinnennetz von Gewalt und Drogen wiederfindet und Achims Lebensgefährtin persönlich gefährlich nahe kommt. Die Sprache ist sehr realistisch, die Dialoge oft derb und vulgär. Die Motive der handelnden Personen sind aufgrund der generellen Tristesse der Gegend gut nachvollziehbar und wirken sehr glaubwürdig. Allerdings sind manche Handlungsstränge nicht zu Ende gedacht und wirken teilweise wie lose Enden, die auch zum Ende hin nicht zusammengeführt werden. So bleibt der Leser mit so manchen Fragen am Ende "sitzen". Aber die damit verbundene Ausweglosigkeit macht aus meiner Sicht gerade den Charme dieser Geschichte aus. Die Covergestaltung wirkt im Gegensatz zum Inhalt fast schon zu brav, obwohl mir prinzipiell das Motiv recht gut gefällt. Ingesamt bin ich kein Fans pechschwarzer Unterhaltungsliteratur. Da mir aber der konsequente Schreibstil und der Gesamtkontext der Handlung gut gefällt, kann ich den Roman für alle Fans dieses Genres nur empfehlen.

  (1)
Tags: svenheuchert   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

106 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 68 Rezensionen

freundschaft, hautfarbe, rassismus, london, großbritannien

Swing Time

Zadie Smith , Tanja Handels
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462049473
Genre: Romane

Rezension:

Zadie Smith erzählt die Geschichte einer Frauenfreundschaft, die sich von den 80igern von Londoner Sozialwohnungen, über New York bis Afrika erstreckt und fast 30 Jahre umfasst. Erzählt wird aus der Perspektive einer namenlosen "Ich"-Erzählerin, die ihre Beziehung zur gleichaltrigen Tracey zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschreibt. Beide Mädchen haben eine dunkelhäutige Mutter und einen weißen Vater. Sie lernen sich als Kinder auf einer Ballettschule kennen und träumen davon, einmal die Sozialwohnungen hinter sich zu lassen und ein besseres Leben zu führen. Ihre Freundschaft ist von Anfang an facettenreich und nicht konfliktfrei. Tracey ist ehrgeizig, dominant und frühreif, schafft mit Bravour die Ballett- und Stepschule. Während für "Ich" der Traum von einer Bühnenkarriere ein Traum bleibt und sie später studiert. Die Wege beider trennen sich. "Ich" lernt später die erfolgreiche Pop-Sängerin Aimee kennen und jettet über mehrere Jahre mit ihr als Assistentin um die Welt bis nach Afrika, wo Aimee in Gambia ein Schulprojekt als weiße Retterin der Schwarzen realisieren will. Während all der Jahre versucht "Ich" den Kontakt mit Tracey nicht abbrechen zu lassen, sucht gedanklich oder persönlich ihre Nähe, indem sie z.B. ein Bühnenshow mit Tracey besucht... bis sich schließlich der Kreis zum Prolog schließt.

Zadie Smith ist das Portrait einer ungewöhnlichen Frauenfreundschaft gelungen, die trotz ihrer Ähnlichkeiten nicht unterschiedlicher laufen kann. Es geht um Liebe, Hass, Neid, aber auch um das Gewinnen und Verlieren. Smith ist dabei aus meiner Sicht eine sehr komplexe Geschichte gelungen, die mit unterschiedlichen Themen spielt. Dabei geht sie nicht chronologisch vor, sondern betrachtet immer aus der "Ich"-Perspektive bestimmte Stationen und Momente, wie durch eine Lupe, um die Freundschaft und die Entwicklung beider Charaktere zu beleuchten. Auffallend dabei ist, dass "Ich" als Hauptprotagonistin immer namenlos bleibt. Sie führt regelrecht ein Schattendasein. Sie wird für den Leser zum Kanal, um auf die Beziehung zu Tracey und auf Ihr Umfeld zu blicken. Stark fand ich auch die "Mutter-Tochter"-Beziehung, die sehr deutlich während der Geschichte zum Tragen kommt. "Ich" leidet unter der Dominanz ihrer Mutter, für die Schule und Bildung der Schlüssel zum Erfolg sind, während Tracey alle Freiheiten einer künstlerichen Laufbahn hat. Damit schneidet Smith ein Thema an, was nahezu berührt und zum Nachdenken einlädt. Man spürt förmlich, wie die Freundschaft zu Tracey für "Ich" zum Ankerpunkt wird. Jahrelang sucht sie nach einer Identität (stylistisch sehr gut durch das namenlose Ich gelöst), nach einem zu Hause und nach einer Zugehörigkeit. Das wird besonders deutlich, als sie nach Afrika - quasi zu ihren Wurzeln - kommt und sich dort dennoch wie ein Fremdkörper fühlt. Ich muss sagen, dass es mir die Geschichte zu Beginn schwer gemacht hat, hineinzufinden und auch zu mögen. Die Geschichte ist großartig durchdacht und hat sehr viel Tiefgang. Aber es fehlte mir durch die häufigen Wechsel zwischen der Kindheit und der älteren "Ich" der richtige Rhythmus, den ich aber ab Mitte des Buches sehr gut fand. Zadie Smith hat eine wunderbare Sprache und einen feinsinnigen Schreibstil. Durch die ungewöhnliche Perspektive wird man selbst als Leser zum Betrachter und das genau macht die Stärke dieses Buches aus.

Mein Fazit: Feinfühlige Geschichte einer Frauenfreundschaft über das Gewinnen und Verlieren, die beeindruckt.

  (2)
Tags: swingtime, zadiesmith   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(83)

93 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 83 Rezensionen

hugenotten, frankreich, cevennen, krimi, südfrankreich

In tiefen Schluchten

Anne Chaplet
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462050424
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Tori Godon, 42, lebt als ehemalige Anwältin und Witwe in einem wunderschönen, alten, geschichtsträchtigen Haus in Bellewille. Die wilde Landschaft am Fuß der Cevennen ist ein geschichtsträchtiger Ort, gilt es doch nicht nur als Herz des französischen Widerstands während des zweiten Weltkrieges, sondern hier verschanzten sich auch die Hugenotten und kämpften gegen die katholische Übermacht des Sonnenkönigs. Belleville ist selbst ein Ort voller Geheimnisse. Tori stößt bei ihren Recherchen auf eine finstere Vergangenheit, die so mancher Dorfbewohner lieber verheimlichen will. Als ein holländischer Höhlenforscher verschwindet und der alte Didier Thibon bei einem mysteriösen Unfall ums Leben kommt, ahnt Tori, dass es jemanden gibt, der das Geheimnis unbedingt bewahren will.

Ich bin ein großer Fan von französischen Krimis, da ich die Ausflüge in die tollen Landschaften liebe und dabei gleich auch ein wenig über die Eigenheiten von Land und Kultur erlebe. Daher war ich sehr gespannt auf diese neue Landschaft im Süden von Frankreich. Ich wurde nicht enttäuscht. Denn der Autorin gelingt es mit ihren sehr bildhaften Beschreibungen von Umgebung und vom Dorf Belleville, dass ich mir den kleinen Ort sehr gut vorstellen und mit Tori durch die wilde Karstlandschaft regelrecht mitwandern konnte. Auch das Haus "Maison Sarasine", in dem Tori lebt, ist ein architektonisch sehr interessantes Gebäude, das mit seinen Gewölben, Fresken und geheimnisvollen Verstecken geradezu zum Eintauchen und Rätsel raten einlädt. Allerdings ist das nicht der klassische Krimi, den ich erwartet hatte. Die Charaktere sind zwar gut angelegt, aber bleiben oft farblos. Tori wirkt auf mich oft zu schwach und zu naiv und ist in ihrer Art nicht wirklich eine überzeugende Protagonistin. Die Geschichte plätschert eine ganze Weile vor sich hin, bevor der erste Tote überhaupt erstmal vorkommt. Wer eine temporeiche Kriminalgeschichte sucht, wird hier nicht fündig. Denn lange wird von Toris Freundschaft zu der Hündin des Nachbarn, Julie, berichtet und von Tori's eigenen Recherche zur langen Geschichte ihres Hauses, bei dem sie den deutschen Restaurator Jan näher kommt. Auch die Suche nach dem verschwundenen Holländer entwickelt sich nur sehr langsam. Zum Ende hin flacht die Geschichte leider sehr stark ab. Es gibt fast keinen Spannungsbogen und auch nicht wirklich einen echten "Gegner", der Tori bei ihren Recherchen herausfordert oder bedroht. Überhaupt bleiben viele Fragen zum Ende hin offen. Das tragische Geheimnis des Dorfes wird zwar gelüftet, aber die Auflösung wirkte auf mich eher schnell und knapp erzählt. Bleibt zu hoffen, dass eine Fortsetzung hier viele Fäden aufgreift oder ein neuer Fall mit mehr Spannung erzählt wird.

Mein Fazit: Eine schön erzählte Kriminalgeschichte mit einer sehr interessanten kulturell-geschichtlichen Landschaft, aber mit vielen Höhen und Tiefen.

  (1)
Tags: annechaplet, intiefenschluchten   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

48 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

liebe, kurzgeschichten, valeriaparella, erzählungen, liebewirdüberschätzt

Liebe wird überschätzt

Valeria Parrella , Annette Kopetzki
Fester Einband
Erschienen bei Hanser, Carl, 24.07.2017
ISBN 9783446256507
Genre: Romane

Rezension:

Liebe hat viele Fassetten. Und so vielschichtig wie die Liebe präsentiert sich dieses Buch von Valeria Parrella, in dem die Autorin in acht unterschiedlichen Erzählungen und Kurzgeschichten über die Liebe zu den eigenen Kindern, körperliche Liebe, zum Leben und zu Gott feinfühlig, laut, aber auch leise berichtet. Da ist die Liebe einer verheirateten Frau zu einem anderen Mann, deren Lebenslüge erst zusammenbricht, als dieser unerwartet stirbt und die eigene Tochter der verblüfften Eltern im Sommerurlaub deren Verlogenheit vorwirft. Da ist die Nonne, die ihre Liebe zu Gott aufgibt, um einem verlassenen Neugeborenen Mutter zu sein. Da ist die an Krebs schwer erkrankte Tochter, die ihren Eltern in der ihr verbliebenen Zeit den Sinn des Lebens näher bringt. Aber auch die Geschichte zweier Eltern, die die Liebe zu ihrem behinderten Sohn jeder auf seine Weise erlebt und interpretiert. Diese Geschichten sind mir persönlich am stärksten in Erinnerung gebliebe und haben mich sehr bewegt. Ich lese persönlich selten Kurzgeschichten oder Erzählungen. Aber ich war sehr neugierig auf die Autorin, da sie wohl in Italien schon den bekannten und gefeierten Autorinnen zählt. Das Cover ist wunderbar gestaltet und nimmt das Thema in seiner Vielschichtigkeit bereits eindringlich vorweg. Jede Geschichte ist anders erzählt und unterschiedlich lang und intensiv, manche leicht philosophisch angehaucht. Am stärksten bewegt hat mich allerdings die Sprache der Autorin. Die Geschichten sind nicht aufdringlich und hart. Sie sind sehr feinfühlig und sensibel erzählt. Viele Worte klingen wie Poesie. Überhaupt hat man manchmal das Gefühl die Erzählungen klingen so ganz anders als die meiste Gegenwartsliteratur. Hier schreibt wirklich eine Autorin, die von Sprache und die Art Geschichten zu vermitteln etwas versteht. Ich würde sogar behaupten, dass man nach so mancher Geschichte wirklich kurz innehält und über das Geschriebene reflektiert. Manche sind allerdings auch auf den ersten Blick nicht vollkommen erfassbar, was aber von der Autorin sicherlich auch so gewollt ist. Liebe ist nun mal nichts, was man leichtfertig abtut, manches tut weh, manches kompliziert, vieles wird erst begriffen, wenn es schon längst verloren ist. Genau ist der Sinn, den die Autorin vermitteln möchte. Daher zählt für mich dieses Werk schon jetzt zu den kleinen Schätzen in meinem Bücherregal. Fazit: Wunderbar feinfühlig erzählte Geschichten über die Liebe und ihre Fasetten. Bewegend, tiefsinnig und nichts für leichte Literaturliebhaber.

  (0)
Tags: liebewirdüberschätzt, valeriaparella   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(116)

136 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 94 Rezensionen

krimi, mord, gina, münchen, dühnfort

Sieh nichts Böses

Inge Löhnig
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Ullstein eBooks, 16.06.2017
ISBN 9783843715362
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach den Flitterwochen kehren Kommissar Tino Dühnfort und seine Frau Gina nach Hause zurück. Schon wird Dühnfort an den Fundort einer Leiche im Wald nahe München gerufen. Dort wurde die Leiche einer jungen Frau gefunden, die vor zwei Jahren spurlos verschwand und die niemand zu vermissen scheint. Am Fundort wird ein mysteriöses Bronzeäffchen gefunden, das der Täter hinterlassen hat. Dühnfort beginnt zu ermitteln und gerät schon bald in einen spannenden und verwickelten Fall, bei dem man nie so ganz weiß, wer was zu verbergen scheint. Denn nicht nur die Eltern der getöteten jungen Frau hatten ein zerworfenes Verhältnis mit ihr, die Spuren führen auch zu einer Schuldnerberatung und einem Mitarbeiter, der schon einmal in den Fokus von Mordermittlungen geraten ist. Während dessen droht im privaten Umfeld von Dühnfort und seiner Frau ein privater Schicksalsschlag, der eine schwere Entscheidung von beiden fordert.

Spannend aufgebaut, mit vielen falschen Fährten, vielschichtigen Charakteren, und einer gut recherchierten, durchdachten Krimigeschichte hat mich dieser 8. Krimi der Autorin Inge Löhnig vollkommen überzeugt. Da es mein erster Krimi war, war ich sehr neugierig auf den Schreibstil und die Krimireihe der Autorin um den Münchner Kommissar Dühnfort. Enttäuscht wurde ich nicht. Ich konnte mich sehr gut und ohne Vorkenntnisse in die Handlung einfinden. Erzählt wird die Geschichte eines Familiendramas, das eine dramatische Wendung genommen hat. Überhaupt steht die gesamte Geschichte im Zeichen von Familientragödien, von Liebe, Hass, Gewalt und Eifersucht. Löhnig gelingt es den Leser auf eine interessante Art und Weise zu fesseln und bis zur Auflösung nicht mehr los zu lassen. Ich konnte mich unheimlich gut mit den Charakteren identifizieren. Alle Motive der handelnden Personen waren für mich nachvollziehbar und glaubhaft, die Abgründe familiärer Verhältnisse sind sehr anschaulich und erschütternd beschrieben. Selbst der Täter erhält am Ende, trotz seiner Grausamkeiten, beinahe "menschliche" Züge und wird zum Opfer. Ohne Zweifel gerät man am Ende dieses Buches ins Grübeln - mir ging es jedenfalls so. Denn hier wird sehr deutlich, dass selbst der schönste Schein, den manche Familien ausstrahlen, alles andere als schön ist. Für mich war das ein wirklich gut geschriebener und packender Krimi mit einem kleinen moralischen Zeigefinger. Ich werde mir bestimmt noch weitere Bücher der Autorin vornehmen.

  (1)
Tags: ingelöhnig   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(64)

69 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 61 Rezensionen

golfplatz, mord, golf, abgeschlagen, katrin schön

Abgeschlagen

Katrin Schön
E-Buch Text
Erschienen bei Midnight, 05.06.2017
ISBN 9783958191167
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Miss Marple im Taschenbuch-Format: Eigentlich wollte Lissi einen wunderbar romantischen Abend bei einem Abendessen im Restaurant des lokalen Golfclubs mit „ihrem“ Kriminalkommissar Sebastian Loch verbringen. Doch alles kommt anders, als erwartet. Erst beobachten beide einen Streit zwischen zwei Golfern, dann wird einer der beiden Streithähne kurze Zeit später in der Umkleidekabine erschlagen aufgefunden. Die Tatwaffe weist auf einen Täter aus dem Golfclub hin. Und Lissi ist unerwartet mitten drin im Geschehen und den Ermittlungen. Obwohl sie Zeugin ist, macht sie sich selbst auf die Suche und begibt sich, wie es nicht anders zu erwarten war, in Gefahr.

Mit „Abgeschlagen“ legt die Autorin Katrin Schön den mittlerweile den dritten Roman um die hessische Gasthofbesitzerin Lissi Sommer vor, der klar ins Genre der Cosy-Crime Geschichten gehört. Für mich persönlich kein Nachteil wartet doch der Roman mit einem gemütlichen Erzählstil, charmanten, stark überzeichneten Charakteren, einer meist eindimensionalen Handlung, und einer großen Portion Lokalkolorit auf. Besonders gut gefallen, hat mir der Charakter der Lissi Sommer. Es ist zwar mein erster Roman dieser Autorin, aber Lissi ist mir persönlich auf Anhieb sympathisch und mit ihrer hemdsärmeligen, unkomplizierten Art Fälle zu lösen, erinnert sie mich schon etwas an Miss Marple. Wenn auch um viele Jahre jünger. Weniger gut gefiel mir der Charakter des Privatdetektivs Georg Schneider, der in seiner unbeholfenen, leicht trotteligen Art sicher den einen oder anderen zum Schmunzeln bringt, mich aber eher irritiert hat. Punkt Abzug gibt es leider auch für mich bei den Dialogen, die manchmal humorvoll, doch oftmals eher hölzern daherkommen und nicht wirklich Charme oder Witz versprühen. Im Großen und Ganzen gehört für mich der Krimi zu den leichten Sommerlektüren und ist für jeden geeignet, der sich abseits von psychotisch-blutigen Thrillern, unterhaltsamer, schlichter Krimiliteratur widmen möchte.

  (2)
Tags: abgeschlagen   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(3)

10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

piha beach, krimi, rettungsschwimmer, neuseeland

Schwarzer Sand

K. C. Crowe
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2017
ISBN 9783548613666
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(70)

114 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 67 Rezensionen

krimi, norwegen, oslo, serienmor, brutal

Teufelskälte

Gard Sveen , Günther Frauenlob
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783471351499
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit „Teufelskälte“ liefert der norwegische Autor Gard Sveen den zweiten Psycho-Krimi um den Osloer Kommissar Tommy Bergmann ab – einen verstörenden, aus meiner Sicht extrem gut erzählten Psycho-Thriller, der sich zu einem Page-Turner mit Potenzial entpuppt.

Als eine junge Prostituierte auf brutale Weise misshandelt und ermordet wird, fühlt sich Tommy Bergmann auf eine unangenehme Weise an einen alten Fall aus seinen Anfängen bei der norwegischen Polizei erinnert. Damals wurde die junge 15-Jährige Kristiane grausam ermordert und wie Abfall weggeworfen. Ein Fall, der Tommy auch persönlich extrem berührt hat. Kristianes Mörder, Anders Rask, wurde gefasst und in einen psychiatrischen Hochsicherheitstrakt eingesperrt. Die Parallelen zum damaligen Fall erscheinen zu offensichtlich. Gibt es einen Nachahmungstäter, ist alles nur Zufall oder wurde damals der wahre Täter nicht geschnappt? Zusammen mit seiner jungen Kollegin Susanne Bech, einer alleinerziehenden Mutter, beginnt Tommy den Fall neu aufzurollen. Die Zeit drängt: Denn Anders Rask bestreitet, den Mord an Kristiane begangen zu haben - und der Fall soll neu aufgerollt werden. Als Anders aus dem Gefängnis entkommt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit...

Persönlich empfand ich diesen Thriller als wirklich gut durchdacht, psychologisch ausgereift mit einer vielschichtigen, für den Leser leicht undurchsichtigen Geschichte. Bis zum Schluss rätselt man wirklich, wer der Täter ist - umso überraschender ist das Ende, was sich als ein wahrer Cliffhanger erweist. Insgesamt ist der Roman sehr düster gehalten, was sich auch durch das Setting mitten im Winter von Oslo, durch die Covergestaltung und nicht zuletzt in den Charakteren widerspiegelt. Schon auf den ersten Seiten, als der Leser vom Mordfall Kristiane erfährt, entsteht eine geradezu beklemmende Atmosphäre. Die Morde werden nicht im Detail beschrieben. Es bleibt dem Leser überlassen, sich vorzustellen, welche Grausamkeiten die Opfer erdulden mussten. Aber das genau zeichnet diesen psychologisch feinsinnigen Erzählstil, den ich sehr gut fand, aus. Fast alle Hauptcharaktere, wie Tommy und Susanne, werden in ihren Handlungsmotiven geradezu seziert. So erfährt der Leser, dass Tommy aus einem schwierigen familiären Umfeld stammt und zu Gewaltausbrüchen gegenüber seiner Partnerin neigt. Dass er selbst ins Zielfeld des Mörders aufgrund dieser Vergangenheit gerät, macht die Geschichte aus meiner Sicht faszinierend. Man ist sich niemals ganz sicher, ob Tommy den Täter bereits kennt. Und dieses Katz und Maus Spiel zieht sich bis zum Ende durch. Susanne hingegen ist eine junge, alleinerziehende Mutter, die an sich als Mutter und als Polizistin zweifelt, aber dennoch versucht den Fall durch eigenitiative Ermittlerarbeit zu lösen. Gard Sveen ist es gelungen, den Leser auf eine atmoshphärische Reise in den norwegischen Winter mitzunehmen. Dieser Thriller erweist sich als ein wahrer Page-Turner, der düster beginnt, bald rasant an Fahrt aufnimmt, ein Kaleidoskop unterschiedlicher Motive und möglicher Verdächtiger ausbreitet - und den Leser dadurch nicht so schnell loslässt. Mich hat der Autor jedenfalls überzeugt, die Fortsetzung zu lesen.

  (2)
Tags: gardsveen, teufelskälte   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(66)

80 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

hummerfang, hummer, insel, familiengeschichte, fischerei

Die Hummerkönige

Alexi Zentner , Werner Löcher-Lawrence
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei btb, 09.05.2017
ISBN 9783442715442
Genre: Romane

Rezension:

Die Kings sind seit 300 Jahren auf Loosewood Island zu Hause, einer einsamen Insel vor der Küste von Maine, wo das Meer rau und stürmisch und das Leben hart und voller Entbehrungen ist. Sie sind erfolgreiche Hummerfischer und in der kleinen Gemeinde geben Sie den Ton an. Der erste Kings, Brumfitt, kam einst auf die Insel und war ein begabter Maler, dessen Schatten noch bis in die Gegenwart seiner Nachkommen reicht. Er soll der Legende nach eine Frau aus dem Meer, eine „Selkie“, geheiratet haben. Dies brachte zwar den Reichtum der Meere, aber fordert auch ihren Tribut: jede Generation verliert einen Sohn an das Meer. Cordelia ist die älteste Tochter von Woody Kings und spürt schon sehr früh, dass sie die Erbin ihres Vaters ist und als Hummerfischerin geboren wurde. Doch als Tochter und Frau muss sie sich den Respekt ihres Vaters und auch ihr Erbe gegenüber einer von Männern dominierten Welt hart erkämpfen und verteidigen. …

Was die Bewertung dieser Geschichte betrifft, schwanke ich stark zwischen Begeisterung und Ablehnung, da mich der Roman teilweise doch etwas gelangweilt hat und auch auf lange Strecken dahinplätschert, auf der anderen Seite jedoch auch einen gewissen Charme versprüht. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Cordelia Kings, erst als Kleinkind und Teenager und später als erwachsene Frau, die ihren Platz in der Hummerfischerei erkämpft und verteidigt. Was am Anfang noch sehr romantisch – geradezu verzaubernd - wirkt, weicht aber später zunehmend einer immer härter werdenden Realität, als der Leser mehr über die Hummerfischerei und den täglichen Überlebenskampf auf dem Wasser gegen das Wetter und gegen Wettbewerber aus anderen Fischfanggebieten der Küste erfährt. Hier zählt oftmals das Faustrecht bzw. das Recht des Stärkeren und man begreift sehr schnell, dass der kindliche Blick von Cordelia auf ihren vergötterten Vater schnell revidiert werden muss. Denn Woody Kings ist ein zwar liebevoller Vater, aber dennoch auch ein harter Geschäftsmann, der sein Fanggebiet gegen jeden, notfalls mit Waffengewalt, einem Hammer oder mit Fäusten verteidigt. Da wird teilweise nicht an Brutalität gespart und auch Cordelia muss sich diesem Umstand am eigenen Leib stellen. Dennoch geht es weniger um den Vater-Tochter-Konflikt, als um die Entwicklung von Cordelia zu einer starken Frau, die als Hummerfischerin ihren „Mann“ steht, sich mehr und mehr emanzipiert und als Familienoberhaupt – auch mit Waffengewalt – durchsetzen kann.

Was für mich eher störend wirkt, ist zum einen die immer wieder eingebauten Beschreibungen von Gemälden des ersten Brumfitt Kings aus der Sicht von Cordelia, die als dramaturgische Elemente dienen, für mich als Leser aber keinen Mehrwert haben. Zum anderen die Verknüpfung von Legende und Gegenwart. Denn der Leser trifft immer wieder auf den Fluch der Kings, wonach in jeder Generation ein Sohn dem Meer zum Opfer fällt und dass der erste Kings mit einem sagenhaften Wesen des Meeres verheiratet war. Durch diese in die Geschichte verwobenen Mythen verliert die Geschichte für mich teilweise doch ein wenig an Realität und Glaubwürdigkeit. Auch die romantische Liebesgeschichte zwischen Cordelia und ihrem verheirateten Steuermann Kenny hat für mich stellenweise etwas Störendes.

Dennoch punktet die Geschichte durch einen für mich sehr authentischen Blick auf die Lebensumstände der Hummerfischer vor der Nordostküste der USA. Man spürt sehr häufig die spezielle Atmosphäre der Insel und der zwischenmenschlichen Beziehungen, die beispielhaft für die Region gelten. Auf der anderen Seite ist es auch eine interessante Familiengeschichte, die mit ihren Charakteren (Cordelia, ihre Schwestern und ihr Vater) berührt, diese auch kritisch hinterfragt und dadurch auch gleichzeitig authentisch werden lässt. Ob man nun die speziellen Methoden von Woody mit seinen Konkurrenten als sympathisch und richtig empfindet oder nicht, bleibt jedem Leser/jeder Leserin selbst überlassen. Letztlich ist es auch ein gesellschaftliches Portrait und da dürfen Figuren auch mal atypisch handeln.

Mein Fazit: Ein ruhiger, unaufgeregter Familienroman mit Flair, der erst spät an Spannung gewinnt. Wer sich für ein gesellschaftskritisches Portrait der Hummerfischer vor der Nordostküste der USA interessiert, liegt hiermit richtig.

  (3)
Tags: hummerkönige   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(67)

75 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 64 Rezensionen

toskana, krimi, italien, todsünden, mord

Die Morde von Morcone

Stefan Ulrich
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2017
ISBN 9783548289243
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Rechtsanwalt Robert Lichtenwald flieht in die beschauliche Toskana, um hier ein Jahr Auszeit zu haben und Abstand zu seiner gescheiterten Ehe zu finden. Doch die Idylle trügt, als kurz nach seiner Ankunft ein schrecklicher Mord geschieht. Als es nicht bei dieser Leiche bleibt, sondern ein offenbar Wahnsinniger mehrere Morde nacheinander verübt, die alle nach Ritualmorden aussehen, nimmt Robert Lichtenwald die Fährte auf. Zusammen mit der gewitzten Lokalreporterin Giada Bianchi versuchen beide das Geheimnis hinter den Morden zu lüften. Bald befinden Sie sich selbst im Visier des Täters, der ein fanatisches Ziel verfolgt.

Der Toskana-Krimi von Stefan Ulrich ist der Debüt-Krimi des Autors. Stilsicher und überzeugend entführt der Autor sein Leser in die beschaulich trügerische Landschaft der Toskana, die Maremma, die der Autor offenbar selbst schon erlebt hat. Als Leser taucht man von Anfang an ein in diese spannende Welt eines kleinen beschaulichen Städtchens. Darüber hinaus beschreibt der Autor mit seinen Protagonisten sehr charakterstarke Persönlichkeiten, die mich durchweg überzeugen konnten. Der Krimi ist von Anfang an fesselnd und durch die Ritualmorde auch nie ganz vorhersehbar. Es gibt immer wieder überraschende Drehungen und Wendungen und irgendwann auch einen spürbaren Wettlauf mit der Zeit. Der Täter ist bis zum Schluss ein Geheimnis und die Enthüllung ist durchaus überraschend. Die Sprache und auch Dialoge sind teilweise sehr wortgewandt und humorvoll. Für mich persönlich ist der Krimi ein wirklich gelungenes Werk und ich bin gespannt auf weitere Krimis von Stefan Ulrich aus der beschaulichen Toskana. Daumen hoch für alle Liebhaber Italien-liebenden Krimifans.


  (2)
Tags: krimi+toskana, mordevonmorcon, stefanulrich   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

68 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 58 Rezensionen

familie, geheimnisse, ex-mann, famili, lügen

Kleine Lügen erhalten die Familie

Katia Weber
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 16.06.2017
ISBN 9783548288901
Genre: Romane

Rezension:

Franzi führt ein fast perfektes Leben. Sie hat einen tollen Job als Krankenschwester und drei perfekte Kinder. Aber es ist eben nur fast perfekt. Denn sie lebt inzwischen getrennt von ihrem Ex-Mann Mischa, der nach fast 20-jähriger Beziehung sie und die Familie verlässt. Und so muss nicht nur Franzi mit der neuen Situation zurechtkommen, sondern auch mit drei heranwachsenden Kindern und Jugendlichen. Zu ihrem Pech können weder sie noch Mischa voneinander lassen und führen nebenher eine Affäre - miteinander. Als wenn das nichts wäre, versucht sich ihre Mutter Brunhilde in die neue Situation tatkräftig einzuschalten. Doch Franzi ahnt nichts von Brunhildes Geheimnis: Denn die war in ihrer Jugend in Berlin eine gesuchte Einbrecherin, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Heinz, der Franzis leiblicher Vater ist, reiche Villen ausgeraubt hat. Als Franzi zur Familie Ruthemann auf Gut Hämmerling gerufen wird, um dort der bettlägerischen Hausherrin zu helfen, kommt Franzi der Wahrheit näher, als sie ahnt.

Mit "Kleine Lügen erhalten die Familie" ist der Autorin eine turbolente, aber auch unterhaltsame, erfrischend lockere Familienkomödie gelungen, die für jeden Leser, der ein Herz für Familiengeschichten hat, etwas dabei hat. Im Kern dreht es sich um die großen und kleinen Lügen des Lebens und ihre Auswirkungen auf ganze Generationen einer Familie. Denn so ziemlich jeder der handelnden Personen trägt eine Lüge mit sich herum. Franzi als Hauptfigur ist eine sympathische, liebenswerte Hausfrau und berufstätige Mutter, die glaubwürdig die alltäglichen Herausforderungen in der Familie meistert und mit der man sich sehr gut identifizieren kann. Natürlich ist sie fast schon ein wenig zu perfekt, denn eine solche Trennung und dazu noch mit drei Kindern wäre wahrscheinlich auch für die "Otto-Normal-Hausfrau-und Mutter" etwas, das sie an die Belastungsgrenze bringen müsste. Aber das will das Buch auf keinen Fall vermitteln. Im Gegenteil, es geht eher um die zweite Chance im Leben, um das Suchen und Finden, um Vertrauen, Enttäuschung und Versöhnung. Und so plätschert die Handlung nur so dahin, was zum einen am Schreibstil liegt und zum anderen an den vielen Handlungssträngen und Personen, die die Geschichte bereichern und es nicht zu einer langweiligen Geschichte werden lassen. Denn natürlich fiebert man mit, wenn es darum geht, wer Franzis Vater ist, ob sie es herausfindet und was es mit diesem mysteriösen, gestohlenen Gemälde auf sich hat, für das sich plötzlich mehrere Leute interessieren. Gerade die Vergangenheit von Brunhilde ist ein sehr spannend erzählter Handlungsstrang, wohingegen der Haushund der Familie "Werner" durch seine Ausflüge als Drogendealer eher zur Belustigung beiträgt. Den Schluss der Handlung hätte ich mir persönlich doch noch etwas anders gewünscht, aber jeder soll sich hier selbst ein Bild machen. Obwohl ich jetzt persönlich kein großer Fan von dieser Art von Unterhaltungsliteratur bin, fühlte ich mich immer gut unterhalten und kann den Roman nur weiterempfehlen.

Mein Fazit: Ein Familienroman mit Herz. Ein unterhaltsames Lesevergnügen über die großen und kleinen Lügen, die bekanntlich nur kurze Beine haben.

  (2)
Tags: kleineluegenerhaltendiefamilie   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(58)

68 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 54 Rezensionen

stockholm, liebe, oper, schweden, eifersucht

Mittsommerleuchten

Åsa Hellberg , Katrin Frey
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.05.2017
ISBN 9783548613420
Genre: Romane

Rezension:

Gloria steht mit ihren 53 Jahren in der Mitte ihres Lebens. Sie ist eine gefeierte Opernsängerin und hat so manches Abenteuer mit Männern erlebt. Als Höhepunkt ihrer Karriere soll sie in der neuen Inszenierung der Stockholmer Oper die Carmen singen und spielen. Was sie nicht ahnt ist, dass zwei ihrer ehemaligen, abgelegten Liebhaber die beiden männlichen Hauptrollen spielen sollen. Gloria wird schon sehr bald mit ihren Gefühlen konfrontiert und muss sich zwischen dem attraktiven Engländer Dominik und dem draufgängerischen Franzosen Sebastian entscheiden. Als sie sich fast sicher ist, wird sie auf einmal von einem Unbekannten bedroht... Ihre Schwester Agnes hingegen hat als erfolgreiche Pilotin fast alles, was man sich wünschen kann. Nur eben kein erfülltes Eheleben. So stehen sie und ihr Mann Stephan vor dem Ende ihrer fast 30-jährigen Beziehung. Agnes sehnt sich nach einem Neuanfang, aber weiß im Grunde nicht, was sie wirklich will. Bis Stephan eines Tages schwer erkrankt...

Ich bin persönlich bei skandinavischen Autoren dem Krimi-Genre eher verfallen, so dass dieser Roman von Asa Hellberg gleichzeitig der erste Roman der Autorin für mich ist. Ich muss sagen, das mir die Geschichte überraschend gut gefallen hat. Das Cover ist wirklich wunderbar gestaltet und ein echter Blickfank, bei dem man gleich das wohlig warme Gefühl von Sommer und Leichtigkeit bekommt. Nicht zuletzt hat mir die Geschichte gefallen aufgrund der beiden starken und selbstbewussten Frauen, die in der Mitte ihres Lebens stehen, sich selbst aber noch lang nicht als alt betrachten. Es ist auch die wunderbar erzählte Geschichte von zwei Frauen, die mit viel Gefühl, Herzschmerz, Drama und einer Spur Spannung daherkommt. Das ganze ist gewürzt mit einer Prise Stockholmer Atmosphäre, die man durchgängig beim Lesen spürt. Der Ausflug in die Welt der Stockholmer Oper ist spannend und aufschlussreich zugleich. Man spürt sehr gut, wie sich die Autorin in die Materie hineingearbeitet hat, um so dem Leser einen spannenden Einblick hinter die Kulissen von Glanz und Glamour zu geben. Der betont lockere Schreibstil und der häufige Wechsel zwischen den beiden Handlungssträngen von Gloria und Agnes tragen dazu bei, dass einem die Geschichte sehr kurzweilig vorkommt und man sich richtig schön von der Geschichte verzaubern lässt. Beide Charaktere wirken auf mich sehr glaubhaft, authentisch und gerade Gloria ist mit ihrem lockeren Lebenswandel mit einer gesunden Prise Humor ausgestattet. Man muss sie einfach mögen. Obwohl ich gewöhnlich diese Art von Literatur nicht lese, kann ich die zauberhafte Lektüre durchaus empfehlen... genau das Richtige für wunderbar laue Mittsommerabende.

  (2)
Tags: asahellberg, mittsommerleuchte   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

53 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 45 Rezensionen

geheimnis, panama, freundschaft, eliteuniversitäten, amakunasaga

Das Panama-Erbe

Susanne Aernecke
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag , 28.04.2017
ISBN 9783958900530
Genre: Romane

Rezension:

Sina ist Alleinerbin eines riesigen Bankenimperiums von Panama und hat alles, was man sich nur wünschen kann. Sie studiert in Harvard, ist jung und erfolgreich und hat mit Felipe einen ebenso vermögenden Verlobten. Gemeinsam wollen sie die Welt zum Guten verändern. Aber sie hat auch ein trauriges Geheimnis. Als Kind wird sie Zeuge des tragischen Unfalltods ihrer Eltern, die auf La Palma eine Forschungsstation betrieben hatten. Als sie sich plötzlich wieder an die tragischen Ereignisse erinnert, gerät Sina in eine Art Amnäsie. Auf einer Ausstellung begegnet sie dem jungen Umweltaktivisten Neri, der auch ein Mitglied der Kuna ist, jenen Ureinwohnern, die in Panama noch heute leben. Kurz entschlossen lässt sie ihr aktuelles Leben hinter sich und beginnt Neri in Panama bei den Kunas zu suchen. Sie ahnt, dass sie beide etwas verbindet und das ihr helfen wird, wieder zu sich selbst zu finden: Das größte Geheinmnis des Kuna-Stammes, das Heilmittel Amakuna. Gemeinsam beginnen sie das korrupte Bankenimperium ihres Großvaters zu bekämpfen, wohlwissend, dass sie sich dadurch viele Feinde machen und versuchen das Geheimnis um den rätselhaften Unfalltod ihrer Eltern zu lüften...
Tamanca ist einer junger Arzt in Spanien des 16. Jahrhunderts. Als Sohn einer Ureinwohnerin von La Palma und einem Spanier findet er spirituellen Zugang zu den Geheimnissen der Ureinwohner der Kanaren, die ihm ihren größten Schatz, Amakuna anvertrauen. Mit seinem Vater bricht er in die neue Welt Westindiens auf und begegnet dort den Konquistadoren, die versuchen die Ureinwohner zu unterdrücken und die neu gewonnenen Territorien mit Gewalt und dem Wunsch nach Gold zu verändern. Tamanca verliebt sich in die junge Kuna Itapiu und lässt bald sein bisheriges Leben hinter sich. Beide versuchen sie das Geheimnis von Amakuna vor der Gier der Konquistadoren zu beschützen...

"Das Panama Erbe" ist der zweite Teil von Susanne Aerneckes Amakuna-Sage. Ich hatte schon viel positives über den ersten Roman gehört, ihn selbst aber noch nicht gelesen. Daher war ich sehr neugierig auf diesen Roman und war positiv überrascht, dass man den ersten Teil nicht gelesen haben muss, um der Handlung gut zu folgen. Im Kern geht es um das sagenumwobene Heilmittel Amakuna, das einst den Weg von La Palma nach Panama gefunden haben soll. Dieses gilt es zu beschützen, bis eine Generation von Menschen existiert, die sich würdig erweist, Amakuna im Guten zu nutzen. Bis dahin muss je ein Paar dieses Geheimnis bewahren und an die Folgegeneration weitergeben. Ich muss sagen, mir gefiel der Gedanke hinter der Geschichte ganz gut, obwohl natürlich die Existenz dieses Wundermittels ins Reich der Fiktion gehört. Dennoch verleiht es der sehr komplexen Geschichte die nötige Spannung. Der Leser taucht sehr schnell in die Welt von Sina ein, begleitet sie in ihrem Kampf gegen die korrupte Welt ihres Großvaters und spürt auch ihren Wunsch die Wahrheit über den Tod ihrer Eltern herauszufinden. Sina war mir als Heldin sehr sympathisch. Sie ist ein Charakter, der mit sich kämpft, voller Zweifel ist bis sie mit Neri zusammen ihren Weg voller Überzeugung geht. Der Leser wechselt dabei zwischen zwei unterschiedlichen Erzählebenen. Auf der einen verfolgen wir Sina und auf der zweiten reist der Leser in die Vergangenheit, ins 15. Jahrhundert zur Zeit der Konquistadoren, die die neue Welt auf der Suche nach Gold verändern sollten. Hier begegnet der Leser dem jungen Tamanca, der ebenfalls ein sympathischer Held mit vielen Selbstzweifeln ist, der eigentlich Gutes tun will, aber an der grausamen Realität zu scheitern droht. Beide Erzählstränge waren sehr unterschiedlich, aber in ihrer Handlungstiefe spannend zugleich. Beide sind auch durch das Heilmittel Amakuna miteinander verbunden und es klingt auch an, dass die beiden Helden jeweils in die Vergangenheit bzw. Zukunft, d.h. in die Welt des jeweils anderen, blicken können. Die Autorin beweist mit ihrem Roman ein uns andere Mal eine gute Recherche und hervorragendes Hintergrundwissen zur gesellschaftlich-sozialen Situation in Mittelamerika, Panama, den dort noch heute lebenden Ureinwohnern, den Kunas und den historischen Fakten um die Eroberung Mittelamerikas, die sie geschickt zu diesem gelungenen Abenteuerroman verbindet.
Mein Fazit: Ein unterhaltsamer, lesenswerter Abenteuerroman mit fiktionalen, historischen Elementen, der eine gelungene Fortsetzung der Amakuna-Saga ist.


  (1)
Tags: amakunasaga, daspanamaerbe   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(41)

54 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 43 Rezensionen

fahrschule, humor, frau freitag, lustig, lehrerin

Man lernt nie aus, Frau Freitag!

Frau Freitag
Flexibler Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783548376998
Genre: Humor

Rezension:

In ihrem 5. Roman stellt sich Deutschlands wohl bekannteste bloggende Lehrerin einer neuen Herausforderung. Denn in ihrem Sabbath-Jahr will Frau Freitag unbedingt den Führerschein machen und das mit über 50. Und obwohl ihr so mancher - auch die Fahrlehrer - attestieren, dass man in diesem Alter Autofahren nicht nur langsamer, sondern auch generell schwerer erlernt, will sich Frau Freitag dennoch nicht zum hoffnungslosen Fall abstempeln lassen. Sie kämpft sich durch den erste Hilfe-Kurs, den sie voller Enthusiasmus besteht, lernt die Höhen und Tiefen - und den pädagogischen Wert - verschiedener Fahrlehrertypen kennen, wechselt zwischenzeitlich sogar die Fahrschule, bis sie endlich den Führerschein in den Händen hält...

Ich selbst habe bislang noch kein Buch von "Frau Freitag" gelesen. Also war ich sehr neugierig. Das Cover ist witzig gestaltet und ist auf alle Fälle ein Hingucker. Das Buch selbst ist mit 188 Seiten relativ zügig und schnell gelesen. Das liegt zum einem am betont locker leichten und aus der Ich-Perspektive kommentierenden Schreibstil. Und zum anderen fliegt man als Leser geradezu über die Seiten dahin. Ich hatte persönlich nicht das Gefühl, dass die Geschichte Längen hätte, aber es hatte aus meiner Perspektive auch nicht unbedingt hervorstechende Highlights/Höhepunkte. Die ganze Geschichte dreht sich nur um den Erwerb des Führerscheins und wie Frau Freitag den ganzen Prozess persönlich durchlebt und was sie dabei empfindet, nämlich mit Angst und Unsicherheit. Trotzdem zeigt sich hier viel unterhaltsame Situationskomik und eine gute Beobachtungsgabe, vor allem in der Beschreibung diverser Fahrlehrercharaktere, die ihr im Fahrschulalltag begegnen. So mancher Leser wird nicht nur sich selbst und seine Fahranfänge hier wiedererkennen, sondern auch den einen oder anderen Fahrleher. Dennoch hatte ich manchmal das Gefühl, stark überzeichneten Stereotypen zu begegnen, wie z. B. den "Mensch Mädel"-Dieter, den es so sicherlich eher seltener gibt. Nichts desto trotz ist dies ein gut erzählter, kurzweiliger Roman, der einem zum Schmunzeln bringt und vor allem beweist, dass man auch als älterer Fahrschüler nicht den Mut verlieren sollte.

  (2)
Tags: fraufreitagfahrschule   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(52)

130 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

liebe, vergangenheit, mode, kragen, roman

Aimées geheimer Wunsch

Kelly Doust , Cornelia Röser
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 11.05.2017
ISBN 9783462049879
Genre: Romane

Rezension:

Maggie arbeitet als Auktionarin in einem renommierten Londoner Auktionshaus. Eines Tages findet sie unter einigen Hinterlassenschaften einen außergewöhnlichen schönen mit Perlen bestickten Kragen. Dieser gehörte einst der jungen adligen Französin Aimée, die ihn anlässlich ihrer Hochzeit 1891 selbst angefertigt hat. Über mehrere Jahrzehnte hinweg wechselte der Kragen seine Besitzerinnen und reist von Frankreich über Shanghai nach Italien und England. Schließlich gelangt dieser in der Gegenwart in den Besitz von Maggie, die als junge, berufstätige und verheiratete Mutter mit den täglichen Alltagssorgen zu kämpfen hat. Fasziniert von der Geschichte des Kragens versucht Maggie hinter das Geheimnis seiner letzten Besitzerin zu gelangen, die auf eine tragische Familiengeschichte hinweist...

Ein bestickter Kragen ist die Hauptfigur dieser ungewöhnlichen Geschichte, die uns als Leser in Form verschiedener Episoden durch die Jahrzehnte führt. Im Zentrum jeder einzelnen Geschichte stehen verschiedene Frauencharaktere, die durch ihre persönliche Lebensgeschichte mit dem Kragen verbunden sind. Unterbrochen werden die Episoden immer wieder durch den Blick in die Gegenwart, in der Maggie versucht als Mutter, Job und Familienleben mit einem Kleinkind und einer pubertierenden Stieftochter zu bewältigen. Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, das schon durch ein wunderschön romantisch gestaltetes Cover auffällt. Allerdings hat mich die Geschichte nicht zu 100% überzeugt und auch nicht begeistert. Der Roman ist zwar wunderbar geschrieben und sehr einfühlsam. Aber er ist stellenweise auch etwas zäh, da sich durch die ständig wiederkehrenden Episoden irgendwann eine gewisse Monotonie einstellt und ich als Leser auch immer nur kurz bei den jeweiligen Figuren verweile. Dadurch kommen mir die Episoden eher als "Abstecher" vor und nicht als die tiefgründig gezeichnete Charaktergeschichten starker bzw. gescheiterter Frauen. Selbst Aimées Geschichte wird nur zu Beginn und dann nur kurz am Ende erzählt, was ich sehr schade finde. Zumal sich mir nicht ganz erschlossen hat, welchen geheimen Wunsch Aimée nun hatte. Auch die Geschichte von Maggie in der Gegenwart hat nur wenig wirkliche Spannungsmomente, sieht man mal von dem Geheimnis um Francesca und der letzten Besitzerin des Kragens sowie der Auseinandersetzung Maggie's mit ihrer Vergangenheit ab, als eine alte Freundin auftaucht. Zudem wirken die Figuren hier auf mich teilweise sehr klischeehaft und zu flach gezeichnet. Ich glaube, das die Autorin hier einiges an Potenzial einer an sich wunderbaren Idee verschenkt hat.

Mein Fazit: Ein berührender Episodenroman über Frauen, die ihr Glück im Leben suchen. Teilweise zu langatmig und mit viel verschenktem Potenzial bei Handlung und Charakteren.

  (2)
Tags: #aimeesgeheimerwunsch, #episodenroman   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(75)

88 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 65 Rezensionen

provence, krimi, rache, folter, gerichtsmediziner

Gefährlicher Lavendel

Remy Eyssen
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 07.04.2017
ISBN 9783548289069
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit "Gefährlicher Lavendel" liefert der Autor mittlerweile seinen dritten Roman aus der Provence-Krimi-Reihe um den deutschen Rechtsmediziner Dr. Leon Ritter, der in der Provence lebt, arbeitet und der lokalen Polizei bei der Lösung spannender Kriminalfälle unterstützt, ab.

Der Frühling zieht in der Provence ein und der Ort Le Lavendou bereitet sich auf den alljährlichen Blumenkorso vor. Die frühlingshafte Stimmung wird getrübt, als der angesehene Richter Lambert plötzlich unter mysteriösen Umständen verschwindet. Anfangs wird noch eine Entführung vermutet, doch als der Richter Tage später grausam gefoltert und verstümmelt wieder auftaucht, wird schnell klar, dass es sich hierbei um keinen normalen Mordfall handelt. Leon Ritter, der mit der Obduktion betraut ist, stößt schnell auf Ungereimtheiten und mischt sich in die Recherchen der Polizei ein, was nicht gerade auf Gegenliebe stößt. Doch was anfangs noch wie die Tat eines perfiden Einzeltäters aussieht, wird schnell zu einer Mordserie, als die nächste grausam zugerichtete Leiche auftaucht. Was verbindet die Opfer miteinander? Wer ist der Täter, der zu einer solchen Tat fähig ist? Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, bei dem sich Leon Ritter in seinen Recherchen in der Vergangenheit nicht nur Freunde macht.

Ich bin ein großer Fan von Krimis mit Lokalkolorit und bin auch jedes Mal gespannt, wie es dem oder der Autor/in gelingt, eine gute Kriminalgeschichte mit dem kulturellen Flair der Region und der Eigenarten der dort lebenden Menschen zu verbinden. Daher war ich sehr gespannt auf dieses Werk. Ich selbst habe noch keinen Roman aus der Reihe gelesen, was ich aber nach dieser Lektüre bestimmt noch nachholen werde. Vorkenntnisse auf Basis der zwei anderen Romane waren nicht notwendig. Man muss also nicht zwangsläufig die beiden Vorgängerromane gelesen haben, um der Entwicklung bzw. die Geschichte der Figuren folgen zu können. Ich finde, dass dem Autor hier eine wirklich gute, sich rasent schnell entwickelnde Kriminalgeschichte gelungen ist, die den Leser gleich auf den ersten Seiten gefangen nimmt und ihn auch über viele Wendungen hinweg bis zum Ende halten kann. Man fiebert förmlich mit und überlegt, wer der Täter sein könnte und wird bis zum letzten Drittel auch im Unklaren gelassen. Ich fand die Geschichte nicht einen Augenblick langweilig bzw. auch nicht zu überladen mit Figuren und Handlungssträngen. Einen kleinen Punkt muss ich abziehen, da ich finde, dass die Nebenhandlung von Leon Ritter mit der Stalkerin Natalie nicht wirklich gut zur Haupthandlung gepasst hat. Der Erzählstil hingegen ist flüssig, eingängig und passt sehr gut zum positiven Gesamteindruck. Das wunderbar gestaltete Cover tut sein übriges, um den Leser auf die Region und den Fall einzustimmen. Mit Leon Ritter und seiner Lebensgefährtin Isabelle, die bei der Polizei tätig ist, und die sich mit ihrer pubertierenden Tochter herumschlägt, haben wir zudem wunderbare und sympathische Charaktere, mit denen man sich gut identifizieren kann. Sehr gut fand ich, dass der Autor für den Roman aktuelle politische Themen (Flüchtlingskrise etc.) aufgreift und diese mit der Geschichte verwebt.

Kurz: Hier ist ein aus meiner Sicht wirklich spannender Krimi gelungen, der nicht nur Lust auf eine Reise in die Provence macht, sondern wunderbar zu den anstehenden warmen (Lese-) Sommerabenden passt. Ich kann ihn auf jeden Fall weiterempfehlen.

  (4)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(43)

47 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

weltreise, honeymoon, reise, flitterwochen, abenteuer

Honeymoon XXL

Julia Richter , Stefan Richter
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 10.04.2017
ISBN 9783667109156
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wer träumt nicht davon einmal im Leben alles stehen und liegen zu lassen und mit der gewonnenen Zeit eine Weltreise zu unternehmen. Julia und Stefan Richter machen aus diesem Traum Realität, als sie sich nach ihrer Hochzeit in einen Honeymoon der besonderen Art aufmachen und dabei in 14 Monaten eine beeindruckende Strecke von 92.967 km zurücklegen. So nehmen uns beide mit auf eine außergewöhnliche Reise und berichten von den Vorbereitungen mitten im Hochzeitsstress, geben Einblicke in und Tipps über ihr Reisegepäck und lassen uns von der Mongolei über Südostasien, den Himalaya und Neuseeland, den Südpazifik bis Kanada und Alaska an ihren Erlebnissen teilhaben.

Man merkt dem Buch sofort an, dass es ein dokumentarischer Reisebericht ist, die Autoren bzw. in diesem Fall klar Julia Richter als Autorin sind keine geübten Texter. Das ist natürlich in diesem Fall überhaupt nicht gewollt und gibt dem Ganzen seine Echtheit und Authentizität, wie man es ja heutzutage von jedem Reiseblock kennt. So kommt es einem tatsächlich manchmal vor, als würde man mehr oder weniger einen Reiseblock lesen. Allerdings hätte man sich an der einen oder anderen Stelle durchaus einen Lektor gönnen können. Der Inhalt ist im Vergleich zu anderen Reiseberichten, die ich schon lesen durfte, sehr gut strukturiert. Die einzelnen Länderstationen sind durch ganzseitige tolle Fotos voneinander getrennt und man kann sich jedesmal super gut auf ein neues Land und damit eine neue Kultur einstellen. Auch die Fazits am Ende jeden Kapitels sind sehr gut gelöst, denn sie spiegeln auch nochmal den persönlichen Eindruck der Autoren wider. Top fand ich persönlich die Tipps und die FAQ-Seite, die die Autoren zeitweise eingebaut haben. So bekommt man doch noch ein paar wertvolle Hinweise, was z. B. in das Reisegepäck zu einem Abenteuerurlaub in Alaska oder im Himalaya nicht fehlen darf. Was mir persönlich allerdings zu kurz gekommen ist, waren die Fotos der Reise, die aus meiner Sicht zu einem solchen Reisebericht einfach dazu gehören. So gibt es neben einigen wirklich schönen Aufnahmen (z.B. auf den Cook Islands oder im Himalaya) auch einige Kapitel, z.B. die Mongolei oder Indonesien, die bis auf ein bis zwei Fotos komplett fotofrei bleiben. Ich tauche super gut in eine fremde Kultur ein, wenn ich neben dem Text auch noch Aufnahmen der Reise bekomme. Das hätte das Buch aus meiner Sicht sehr bereichert. Zwar verweisen die Autoren auf die Fotos auf ihrem persönlichen Blog, nur hat man nicht die Zeit parallel zum Lesen da nachzuschauen. Der Leser erhält dann leider nur seitenweise Text und die Erlebnisse der beiden Autoren. Auch beschränkt sich der Text oft nur auf deren persönliche Erlebnisse und Meinungen. Ein paar mehr Hintergrundinfos zu Land und Leuten hätten da sicherlich dem Ganzen auch gut getan. Jedoch ist das meine persönliche Meinung. Letztlich ist es der persönliche Reisebericht der beiden Autoren und ich finde es eine super Idee andere an dieser besonderen Reise teilhaben zu lassen. Jeder der gern Reiseberichte liest und dabei auch gern in fremde Länder und Kulturen eintaucht, findet hier mit Sicherheit eine gute Lektüre.

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(46)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 47 Rezensionen

australien, reisen, reise, reportage, campingbus

Der weiteste Weg

Bruno Blum
Flexibler Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 10.04.2017
ISBN 9783667109149
Genre: Sonstiges

Rezension:

"Mit dieser Reise haben wir einen unserer Träume gelebt. In jedem Menschen stecken Träume, doch viele schieben dies vor sich her, bis sie plötzlich eines Tages nicht mehr da sind." - Bruno Blum und seine Lebensgefährtin Yvonne machen sich auf ein Abenteuer der ganz besonderen Art. Zweieinhalb Jahre legen sie 90.000 Kilometer mit einem umgebauten Campingbus zurück. Ihre ereignisreiche Reise führt sie durch Russland und die Weiten Sibiriens, über Kasachstan über den Iran auf den Subkontinent Indien, bis sie über Australien, Malaysia und Japan in den Alltag und in die Schweiz zurückkehren. Ihre Reise haben sie in diesem wunderbaren Bildband festgehalten, in dem sie uns in einem dokumentarischen Erzählstil von ihren Begegnungen mit fremden Kulturen und Menschen berichten. Mich persönlich hat das Buch schwer begeistert. Das Buch ist sehr leicht und locker geschrieben und wirkt durch seinen Erzählstil sehr authentisch. Außerdem ist es durch viele Bildseiten nicht nur sehr ansprechend gestaltet, sondern auch extrem kurzweilig. Wie im Flug reist man von einem Land in das nächste und erfährt auch viel Wissenswertes über das jeweilige Land, die Kultur und deren Menschen. Für meinen Geschmack hätte es an der einen oder anderen Stelle gern noch ein paar mehr Informationen zum jeweiligen Land oder der jeweiligen Stadt geben können, aber ich denke der Autor wollte hier in erster Linie die Bilder sprechen lassen, als den Leser mit zuviel Text zu langweilen. So erscheint mir der Lesefluss an der einen oder anderen Stelle etwas zu abrupt beendet und ein neues Land schließt sich nahtlos an. Schön finde ich, dass es dennoch zahlreiche kleine Geschichten von Begegnungen gibt, die man so in der herkömmlichen Reiseliteratur nicht liest. Auch die zahlreichen Fotos der Reise geben einen tollen Einblick in atemberaubende Landschaften und faszinierenden Kulturen. Ohne Zweifel gelingt es dem Autor den Leser mit auf die Reise zu nehmen. Man spürt seinen Respekt vor der Lebensweise fremder Kulturen und gegenüber den Menschen, die ihm gastfreundlich und offen begegnen. Das Buch ist sicherlich keines, das man gelangweilt beiseite legt. Mein Fazit: Ein tolles Buch für jeden daheimgebliebenen "Couchpotatoe", der gern sein Fernweh stillen möchte.

  (1)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(68)

103 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 54 Rezensionen

portugal, krimi, algarve, mord, autismus

Lost in Fuseta

Gil Ribeiro
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 31.03.2017
ISBN 9783462048872
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sub-Inspektorin Rosado und ihr Kollege Esteves staunen nicht schlecht über den neuen Kollegen aus Deutschland, der für ein Jahr die Polizeidirektion in Faro an der Algarve verstärken soll. Denn Leander Lost ist ein durchweg merkwürdiger Zeitgenosse. Er beherrscht nicht nur nach wenigen Wochen bereits fließend Portugiesisch, nein, zu seinen besonderen Hobbys zählt das Zählen von Ecken. Was es den Ermittlern in ihrem brandaktuellen Fall aber anfangs am schwierigsten macht, ist die Tatsache, dass Leander Lost nicht lügen kann. Denn Lost ist ein Autist mit Asperger-Syndrom, der seine Kollegen im aktuellen Fall um den ermordeten Detektiv O Olho mehr als einmal durch sein bemerkenswertes fotografisches Gedächtnis überzeugt.
Ich war ehrlich gesagt, neugierig auf diesen Roman, der sich aus meiner Sicht mühelos in die Riege zahlreicher Regional-/Lokalkrimis einreiht, die wie Pilze aus dem Boden zu wachsen scheinen. Ich dachte zumindest, dass es sich hier sicherlich wieder um eine dieser leichten dahin plätschernden Exemplare handeln würde. Aber ich wurde angenehm überrascht. Denn der Krimi fällt vor allem positiv durch sein durch und durch sympathisches Ermittler-Trio auf, und auch durch den heimlichen Star des Krimis: Die Algarve. Man spürt förmlich den mediterranen Flair des kleinen Küstenortes Fuseta, den der Autor auch durch seine Reisen in und auswendig kennt und auch offensichtlich zu lieben gelernt hat. Denn diese Liebe kommt durch Ribeiros wirklichkeitsnahe Beschreibungen der Menschen, der Kultur und deren Eigenarten deutlich zum Ausdruck. Ribeiro punktet meiner Meinung nach auch durch einen lockeren Schreibstil, der mich schnell in die Geschichte reingezogen hat. Besonders aber finde ich die Idee genial mit der Figur von Leander Lost einen Autisten zur Hauptfigur und Ermittler zu machen. Lost ist kantig, aber auch ehrlich und damit sofort sympathisch. Man merkt, dass sich Ribeiro sehr tiefgründig mit dem Thema Autismus auseinandergesetzt hat. Es gelingt ihm Lost als eine Figur zu zeichnen, die trotz aller humorvollen Momente ernst genommen werden kann. In diesem ersten Roman einer hoffentlich mehrteiligen Reihe stehen die handelnden Personen und das Ermittler-Trio eindeutig im Vordergrund. Das ist meiner Meinung nach nicht kritisch, weil es der Geschichte gut tut. Allerdings leidet darunter auch etwas der eigentlichen Krimi-Plot. Die Kernidee des Krimis dreht sich um Trinkwasserverschmutzung, was an sich durchaus aktuellen Bezug hat. Trotz aller Begeisterung sind die Gegner leider auch etwas zu schwach gezeichnet und bilden nicht wirklich einen ernst zu nehmenden Gegenpol. Obwohl Ribeiro am Ende durchaus noch eine überraschende Wendung gelingt.

Mein Fazit: Trotz der kleinen Schwächen in der Handlung ist Ribeiro wirklich ein lesenswerter Auftakt zu einer spannenden Krimireihe mit einem ungewöhnlichen Ermittler gelungen. Für jeden Portugal-Fan als Leselektüre für sommerliche Stunden auf dem Balkon genau das Richtige.

  (1)
Tags: lostinfuseta   (1)
 
30 Ergebnisse

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach!

Hol dir mehr von LovelyBooks