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singen, ehe der Himmel fällt

Angelika Zöllner , Anton G. Leitner Verlag
Flexibler Einband
Erschienen bei Druckerei & Verlag Steinmeier, 02.12.2016
ISBN 9783943599510
Genre: Sonstiges

Rezension:

„singen, ehe der Himmel fällt“


Als das Fernsehen seinen Höhepunkt feierte, war Lyrik out. Es war neuer und bequemer, Bilder an sich vorbeiziehen, anstatt sie im Kopf entstehen zu lassen. Doch seit sich die Fernsehbilder und -stimmen als kommerziell und schematisch entlarven, steigt das Bedürfnis nach authentischen Stimmen und Bildern, die tatsächlich etwas zu erzählen haben. Angelika Zöllner ist so eine authentische Stimme, die etwas zu sagen weiß. Die Fotografin und Lyrikerin versteht es, die Dramen des Lebens in soziales Engagement und Kunst zu kanalisieren.


Im Gedichtband „singen, ehe der Himmel fällt“ lotet Angelika Zöllner Nähe und Ferne zwischen Menschen aus. Und zwar nicht nur zwischen Liebenden und sich Entliebenden, sondern auch die Nähe und Ferne zu Menschen fremder Kulturkreise, die dem lyrischen Ich als Flüchtlinge begegnen oder denen das Ich als Tourist begegnet, oder zu Menschen unterschiedlicher Seelenzustände, wie zu Verwirrten, Verfolgten oder zum „Penner“. Diese Fremdlinge werden nicht nur vom Passanten neugierig beäugt, sondern angesprochen und befragt. Das macht aus ihnen Nahestehende, und immer stellt sich etwas Besonderes heraus: Der eine Penner stickt, der andere macht Urlaub in der Bundesbahn, der dritte hortet mehr Freiheit, als wir Beobachter besitzen. Die Autorin erfragt das Individuelle in den Menschengruppen.


Das klingt nach einer Dichterin, die mit der Zeit geht. In anderen Gedichten gibt sie sich als eine, die aus der Zeit fällt. Das tut sie bedacht, um erstens von einer höheren menschlichen Warte aus über ihre Zeit(-zeugenschaft) zu berichten und um zweitens zu mahnen, das Menschsein überhaupt erst einmal zu erreichen, statt in naturferner Hetze und Alltäglichkeit unmenschlich zu werden. Beispielhaft hierfür steht „SO NETT SEPTEMBRIG“. Der Titel ist pure Ironie und hält nicht, was er verspricht. Vielmehr leiten die gehäuften Enjambements von einer Katastrophe zur nächsten, um in der Schlüsselstrophe zu münden: „wenn wir uns weiter schöpfung einverleiben/und aus den bäumen unsere lieder schneiden/so stürzt der himmel unserer kinder nieder“. Die Variation des Titelverses des Buches deutet auf eine der zentralen Aussagen des Bandes: Wir dürfen unsere Kultur nicht länger aus der Natur herausschneiden, andernfalls zerstören wir sie, vielmehr sind wir gehalten, sie im Einklang mit unserer menschlichen Natur und unserer natürlichen Umgebung zu gestalten.

Die Autorin scheint sich mindestens sprachlich bereits auf einem guten Weg zu diesem Ziel zu befinden, so lassen sich ihre Wortverbindungen jedenfalls interpretieren, die das Menschliche und das Natürliche aufs Engste zusammensetzen wie in „baumsprache“ und „herzringen“ im Gedicht „BEZIEHUNGS-SEPTEMBER“.

Diese Funktion der Wortverbindungen wird im Gedicht WINKEL/HAUPTSTRASSE (Sommer und Herbst) noch einmal gesteigert, bis komplexe Bilder entstehen: „festgestandnes haus“, „kinderkirschbaum“, „nie mehr nachgeschmeckten julifrüchten“, jahrhundertkühl der winzerlebenswein“, „der liebgegossene oleander“, „dem schweren leidensbündelkleid“, „auf der wartebank“.


Angelika Zöllner ist eine, die den Blick für Mensch und Natur gleichermaßen hat und, wie die deutschen Romantiker zu sagen pflegten, die Chiffreschrift der Natur zu entziffern vermag. Wenn sie die Natur wieder als Ausdruck der Seele entdeckt, wirkt das keineswegs altmodisch oder gecovert, denn die „tiefgefrorenen gesichter“ bewegen sich stets in einer aktuellen Gesellschaft. Selbst wenn es sich um ein Wandererlied wie WINTERS ENDE handelt, spüren wir den aktuellen Zeitbezug in den Details: „wenn die winterhaare den rucksack entlangwachsen/ist es zeit zu gehen“.


Die starken, klaren Bilder und die Witz evozierenden Stilmittel werden auch dem enttäuschten Fernsehzuschauer den Umstieg auf das lyrische Medium erleichtern und ihn zum Schmunzeln, Mitfreuen und Mitleiden verführen.



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Ameisen in der Stadt

Friedrich Grotjahn
Flexibler Einband
Erschienen bei Projekt, 31.10.2016
ISBN 9783897334090
Genre: Romane

Rezension:

Philosophen, Schauspieler und auch Schriftsteller zählen zu jener Spezies, deren beruflicher Erfolg sich im Alter noch steigern lässt. Gut beobachten lässt sich dieses Phänomen bei Friedrich Grotjahns neuem Roman „Ameisen in der Stadt“. Jedes Mal, wenn der Autor einen neuen Roman vorlegt, könnte man meinen, das sei nun der literarische Höhepunkt seiner schriftstellerischen Laufbahn. Dann schreibt er wieder einen, und dieser ist noch besser als der letzte.

Mit dem aktuellen Roman hat Friedrich Grotjahn eine Fabel vorgelegt und somit ein altes Genre durch neuen Stil wiederbelebt. In „Ameisen in der Stadt“ geht es um Ameisen, die, wenn sie sich gut organisieren und strategisch handeln, ein übermächtiges System boykottieren können. Unabdingbar für den Erfolg ihrer Aktion ist die Kommunikation über die eigene Art hinaus. Kleine gelbe und große schwarze Ameisen müssen zusammenarbeiten, denn jede Kultur und jede physische Eigenschaft bringt einen Vorteil im gemeinsamen Handeln mit sich. Was könnten Menschen für sich und ihre Gesellschaft erreichen, wenn sie nicht gegen, sondern miteinander tätig würden!

Im Falle der Romanhandlung ist der Mensch allerdings der gemeinsame Feind der Ameisen. Der wird entweder getötet oder gleichgeschaltet, nämlich in eine Ameise verwandelt. Welchem Zweck das dient? Das formuliert ein Wissenschaftler bei einem Vortrag an der VHS sehr schön, kurz bevor er von Ameisen überrannt, gebissen und in eine Ameise verwandelt wird: „Heute müsse mit dem Begriff „Verameisung“ die Gefahr einer Herrschaft der Ameisen über die Menschen, beziehungsweise einer Verdrängung der Menschen durch die Ameisen umschrieben werden.“

Ameise Samantha, Führerin mehrerer Völker, erklärt das jedoch so: „Heute gehört uns dieses Land und morgen die ganze Welt.“

Das klingt nun alles sehr ernst. Friedrich Grotjahns Erzählstil ist es aber nicht. Er klingt fröhlich und witzig, fast fühlt man sich von einem Märchenonkel eingelullt, wenn da nicht die Ironie wäre: „Seit 1914 befand Karl Stiefel (Vater der Hauptfigur, Anm. A. L.) sich in einem Schützengraben an der Somme. Als international ausgerichteter Sozialdemokrat verteidigte er dort sein deutsches Vaterland gegen ebenfalls international ausgerichtete Sozialisten, die dort ihr französisches Vaterland verteidigten.“

So beginnt die Geschichte des Ameisenzüchters und SS-Offiziers Karl Stiefel junior. Was der zu Lebzeiten tut, zeigt Wirkung in unserer aktuellen Gegenwart.

Diese Gegenwartserzählung, in der die Ameisen in der soundsovielten gezüchteten Generation aktiv auf den Plan treten, kreuzt wie eine Ameisenstraße immer wieder die vergangene Lebensgeschichte des Karl Stiefel. Dieser SS-Mann ist ebenso ambivalent wie seine Ameisen. Denn einerseits ist er ein Befehlsempfänger und -ausführer, der tut, was für ihn persönlich das Beste ist, auch wenn er dafür über Leichen gehen muss. Andererseits ist er fähig zu lieben und zu bereuen. Ebenso zwiespältig sind seine Ameisen: Einerseits schalten sie gleich und verameisen Menschen, andererseits kommt man als Leser nicht umhin, sich an ihrem Querulantentum zu erfreuen, mit dem sie Werk und System der arroganten Menschen durcheinanderbringen. Grotjahn kitzelt also ordentlich unser Empfinden und unseren Intellelekt zugleich.

Der witzig-ironische Stil des Autors findet seine Entsprechung im Buchcover: eine Ameisenstraße wandert über eine Naziflagge hinweg.

Wer auf humorvolle und intelligente Weise unterhalten werden möchte, sollte zu diesem Buch greifen.


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Stern über Europa

Anja Liedtke
Fester Einband: 251 Seiten
Erschienen bei assoverlag, 01.11.2012
ISBN 9783938834657
Genre: Romane

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