Leserpreis 2018

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Zara Nesbit. Blutrabe: Mord, Magie und Mystery

Ily Romansky
E-Buch Text: 315 Seiten
Erschienen bei null, 01.08.2018
ISBN B07F6DZTJH
Genre: Sonstiges

Rezension:


„Neugier ist gefährlich für jene, die nicht damit umgehen können, was sie finden. Schon manch einem Blutraben ist seine Mahlzeit nicht bekommen.“

(Ily Romansky, Blutrabe, Ebook S. 45)
Darum geht's

Ein abgelegenes Dorf in Warwickshire. Der Fluch einer Hexe. Eine junge Gouvernante im Kampf gegen dunkle Mächte.
England, 1557. Magie ist aus ihrem tausendjährigen Schlaf erwacht. Ungehindert fließt sie über das Land. Wer ihr begegnet, findet den Tod, oder schlimmer, wird selbst zu einem Magus – gejagt von der Inquisition.
Zara Nesbit, eine unerfahrene Gouvernante, wird in das einsame Dörfchen Blackby geschickt, um die Tochter des Barons Wycliff vor Magie zu beschützen. Schnell stellt sie jedoch fest, dass dunkle Mächte bereits im alten Gemäuer lauern. Als auch noch eine junge Magd unter mysteriösen Umständen stirbt und der Verdacht auf Zaras Schützling fällt, muss sie selbst den Mörder finden, bevor es zu spät ist. Denn der Fluch der Hexe ist noch nicht gebrochen – und der Blutrabe kreist weiter hungrig über ihren Köpfen.

Das Buch

In ihrem Romandebüt entführt Ily Romanski ihre Leser ins England der Regierung Queen Marys. Eine Zeit, die von konfessionellen Gegensätzen geprägt ist und in der die Königin mit unerbittlicher Hand die letzten Keime des Protestantismus auszumerzen versucht. Zugleich ist es aber auch eine Zeit, in der Menschen in der Angst vor etwas leben, das ihren Alltag viel stärker und unmittelbarer beeinflusst als das Königshaus: Magie.

„Es gab keinen Ort (...), der frei von Magie geblieben war. Überall trat sie aus dem Boden und floss in unsichtbaren Flüssen über das Land und wo sie ein geeignetes Opfer fand, riss sie Tier und Mensch gleichermaßen in ihren Bann.“ 

(Ily Romansky, Blutrabe, EBook S.17)

Ily Romanski verwebt die phantastischen Elemente ihrer Erzählung so nahtlos mit dem gut recherchierten historischen Hintergrund, dass ich ihr jedes einzelne Wort davon abgekauft habe. Sie schafft eine gelungene Illusion und kreiert zudem eine Atmosphäre, die an Schauererzählung der alten Schule a la Poe und Lovecraft erinnert.

Der Schreibstil der Autorin ist ein Genuss. Er ist angenehm altertümlich, manchmal etwas sperrig, passt aber wunderbar zu der Art von Schauer- und Mysterygeschichte, die sie erzählt. Mehr noch verblüfft sie mich immer wieder mit intelligenten Assoziationen und Beschreibungen, die den Figuren noch mehr leben einhauchen.

„Die Hebamme fixierte sie mit einem so aufrichtigen Blick, dass Zara tatsächlich über den Mann nachdachte, vor dem sie floh. Sein Name war Tod und nein, sie mochte ihn nicht.“


(Ily Romansky, Blutrabe, EBook, S. 10)

Neben der dichten, stimmungsvollen Atmosphäre, die schon nach wenigen Sätzen entsteht, hat mich von Beginn an auch die starke Zeichnung der Figuren in den Bann geschlagen. Es braucht nur wenige Sätze, um ein ganzes Leben zu skizzieren. Eine Kostprobe gefällig? Dann kann ich euch den Blog der Autorin ans Herz legen. Dort findet ihr das erste Kapitel als Leseprobe.

Im Mittelpunkt des Romans steht Zara Nesbit, eine junge Gouvernante, die eine neue Anstellung ins vermeintlich idyllische Blackby verschlägt. Sie ist eine starke, gebildete Protagonistin mit einem Hang zur Neugierde, der sie gern mal in Konflikt zu den Herren der Geschichte bringt. Zara hat ihren eigenen Kopf, ist dabei ihrer Zeit jedoch nicht voraus. Auch die anderen Charaktere sind gut ausgearbeitet und lebendig. Zwar bedient sich die Autorin einiger Stereotype, bricht diese aber klug auf und hält ihnen den Spiegel vor. Kurz nach ihrer Ankunft in Blackby ereignet sich ein mysteriöser Mord - klar, dass Zaras Neugierde sie zu eigenen Ermittlungen antreibt.

„Entmutigung beschlich Zara wie die Nacht das Land. (...) Sie hatte York verlassen, um der Magie zu entkommen und war ihr geradewegs in die Arme gelaufen.“

(Ily Romansky, Blutrabe, EBook S.27)

Doch es bleibt nicht bei einem Mord. Seltsame Dinge geschehen in Blackby, die Bedrohung durch die Magie - und den Mörder - sorgt für konstante Spannung. Angst, Wahn und falsche Anschuldigungen greifen um sich, bis niemand mehr sicher zu sein scheint. Und welches bedrohliche Geheimnis hütet Zara? Die Figuren und ihre Motive sind allesamt undurchschaubar, an jeder Ecke gibt es falsche Fährten, die den Leser in diesem Verwirrspiel in die Irre führen. Das ist unterhaltsam und spannend geschildert, allerdings waren manche Plottwists so sprunghaft, dass ich Mühe hatte, ihnen zu folgen.

Blutrabe macht einen tollen Gesamteindruck. Von Beginn an konnte ich in der Geschichte und der wundervollen Atmosphäre versinken. Ich bin wirklich begeistert. Wer klassische Schauermärchen und Mysterygeschichten mag, der wird an diesem Roman seine Freude haben. Zara, das Setting und die Geschichte an sich bergen großes Potential für weitere Abenteuer. Eine Fortsetzung ist sehnlichst erwünscht.

Fazit

Mord, Magie und Mystery - Zara Nesbit. Blutrabe hält, was der Untertitel verspricht. Stark gezeichnete Figuren, ein spannender Plot, ein überzeugendes Setting und eine Atmosphäre, die an klassische Schauergeschichten erinnert, sorgen für gute Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite. Ein empfehlenswerter Roman, der Lust macht auf mehr.

Vielen Dank an Ily Romansky die mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. :)

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Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte

Bernhard Hennen
Flexibler Einband: 576 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 29.12.2017
ISBN 9783596297269
Genre: Fantasy

Rezension:


„Und so ersann die Silberne Prinzessin ihr letztes Geschenk: die Mären. Geschichten von einer Welt voller Magie, voll dunkler Gestalten und strahlender Helden, von selbstloser Liebe und nie verlöschendem Zorn.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte S.273)
Darum geht's

Der Beginn eines neuen magischen Zeitalters – die neue Bestseller-Serie von Deutschlands Fantasy-Autor Nr. 1: Bernhard Hennen!

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.
Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.
Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird ...

(Quelle: Fischer Tor)

Das Buch

Bernhard Hennen ist für mich ein unvergleichlicher Geschichtenerzähler. Es gibt wohl kaum einen Autor, dessen Erzählungen ich so begierig aufsauge wie die seinen. Nicht umsonst zählt sein Roman Die Elfen zu meinen allerliebsten *** Herzensbüchern ***. Dementsprechend neugierig war ich, als angekündigt wurde, dass er nicht nur von Heyne zu Fischer Tor wechselt, sondern auch den Elfen den Rücken kehrt, um seine Leser in eine völlig neue Welt zu entführen. Dementsprechend habe ich mir auch die limitierte, signierte Ausgabe mit dem wunderschönen blauen Schnitt besorgt, die sich in meinem Regal wirklich toll macht. :) Dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen.

„Er hatte die Mär vom Krähenmann erzählt. Eine wunderbare Geschichte darüber, wie am Ende stets die Gerechtigkeit über das Dunkel in der Welt obsiegte.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S.7)

Die ersten gut 80 Seiten nehmen sich Zeit für ein bisschen Vorgeschichte - und ein wichtiges Kapitel der Familiengeschichte des jugendlichen Protagonisten Milan Tormeno, die 53 Jahre vor der eigentlichen Handlung spielt. Vieles daran hat mir so gar nicht gefallen, mich sogar in eine echte Lesekrise gestürzt. Sollte Der Verfluchte tatsächlich der erste Roman aus Hennens Feder sein, den ich nicht gut finde?

Gestört hat mich vor allem, dass sich der Autor Motive bedient, die er schon in seinen anderen Romanen (hier vor allem der Elfenritter) benutzt hat. Zwar in einen anderen Kontext eingebettet, aber dennoch las es sich ... aufgewärmt. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber gegen Ende der Vorgeschichte hat sie mich doch packen können - und daran ist eine kongeniale Anspielung auf Edgar Allan Poe nicht ganz unschuldig.

„Gradlinig und wagemutig, so waren die Helden in Mären. Und so musste auch er sein.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S. 530)

Die Erzählung, die sich danach entfaltet, hat meine kühnsten Erwartungen noch um Längen übertroffen. Ausgangspunkt ist ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt zwischen Milan und seinem Vater, dem er ins Amt des Erzpriesters nachfolgen soll. Das Verhältnis der beiden ist vor allem durch Strenge auf Seiten Nandus‘ und eine trotzige, ablehnende Haltung Milans gegenüber den Wünschen seines Vaters geprägt. Hennen gewinnt dem altbekannten Motiv kaum Neues ab, macht aber die Beweggründe beider Figuren nachvollziehbar.

Milan will sich unbedingt von seinem Vater emanzipieren und dem starren Korsett der hohen Erwartungen, die dieser an ihn stellt, entfliehen. Dabei geht er so weit, seinem Vater einen Streich zu spielen - mit ungeahnten Folgen.

„Dieses Streben nach Vollkommenheit war der Fluch, der auf Milans Leben lastete. (…) So sehr er sich auch anstrengte, immer fand Nandus etwas an ihm auszusetzen.“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S. 81)

Unglaublich geschickt webt Hennen nach und nach immer mehr magische Elemente in den Plot ein. Mit großer Freude am Fabulieren spinnt er bezaubernde und zugleich erschreckende Mären, die dem Roman ein besonderes Flair verleihen. Da gibt es die weiße Königin oder den Krähenmann, der nachts durch die Gassen streift und Kinder raubt. Nach und nach stellt sich heraus, das hinter einiger dieser Geschichten, viel mehr steckt. Denn in Azuhr bricht ein Zeitalter an, in dem Märengestalten wieder lebendig werden.

Die Welt von Azuhr verbindet italienische und asiatische Elemente, ist komplex aufgebaut und detailliert ausgearbeitet. Mehrere Parteien kämpfen um die Macht - und ehe Milan sich versieht, findet er sich mitten in den verworrenen Machtkämpfen wieder und muss sich entscheiden, auf wessen Seite er sich stellt.

Neben Milan begleiten wir allerdings auch noch einige andere Figuren. Jede von ihnen hat eine eigene, unverwechselbare Erzählstimme. Da ist unter anderem Nok, die geheimnisvolle Konkubine, die voller (fernöstlicher) Weisheit steckt. Aber auch Felicia, die Diebin, die mehr ist, als sie zu sein vorgibt.

„'Warum folgen wir dem Jungen überhaupt?'
'Weil er ein Tormeno ist. Er wird mächtig werden. Jetzt kann ich Einfluss auf ihn nehmen. Das wird die Zukunft verändern.'“

(Bernhard Hennen, Der Verfluchte, S. 133)

Sie alle sind authentisch und facettenreich. Hennen braucht gar nicht viele Worte, um sie in meiner Vorstellung lebendig werden zu lassen. Einige sind sympathisch, andere gewollt abstoßend, doch sie alle tragen dazu bei, dass sich eine temporeiche, fesselnde Geschichte entspinnt - die nicht alle überleben. (Natürlich stirbt eine meiner Lieblingsfiguren, aber es besteht Hoffnung, dass sie irgendwie zurückkehren wird.)

Freunde epischer High-Fantasy werden mit Der Verfluchte voll auf ihre Kosten kommen - aber auch jeder, der Geschichten und vor allem Märchen liebt. Die Mischung aus Magie, Intrigen und packenden Kampfszenen versteht gleichermaßen zu fesseln und zu unterhalten. Ein sehr lesenswerter Roman, der für meinen Geschmack viel zu schnell vorbei war. Zum Glück erscheint die Fortsetzung schon im Herbst 2018.

Fazit

Bis auf den langatmig geratenen Beginn schafft Bernhard Hennen mit Der Verfluchte einen Roman, der mich auf ganzer Linie überzeugen und begeistern konnte. Eine Geschichte über die Macht der Worte - und der Mären - voller Magie und Intrigen, grandios erzählt und mit toll ausgearbeiteten Figuren. Eine klare Empfehlung.

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Meeresgold

Erikson Katelyn
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Eisermann Verlag, 03.08.2018
ISBN 9783961730346
Genre: Fantasy

Rezension:


„Der Duft von Meerwasser stieg mir in die Nase. Warmer Atem strich über meinen Nacken (...). Zitternd schloss ich meine Augen und wusste, dass es vorbei war. Mein Leben war zu Ende, noch ehe es richtig beginnen konnte.“ 

(Katelyn Erikson, Meeresgold, Ebook S.16)

Piraten, der Ozean, Abenteuer und Romantik - all das sind die Zutaten, aus denen Katelyn Erikson ihren Roman Meeresgold. Das Versprechen der See strickt.

Darum geht's

Heiraten, Kinder kriegen und die brave Gattin spielen – unter der strengen Hand ihrer Eltern hat Lucia es nicht leicht. Gefangen in den Zwängen der Gesellschaft soll sie einen Mann heiraten, den sie noch nie gesehen hat. Als mitten in der Zeremonie Piraten die Hochzeit überfallen, findet die junge Braut sich im Auge des Sturmes wieder.

Entführt von den Feinden ihres Vaters steht Lucia nur der Sohn des Käptn’s zur Seite. Benjamin soll ihr Leben schützen, während er zwischen blutigen Kämpfen und der tosenden See seine eigenen Pläne verfolgt. Allerdings hat er nicht damit gerechnet, dass der Schlüssel zu seiner Rache sein Herz im Sturm erobert …

(Quelle: Eisermann Verlag)

Das Buch

Wenn ich Katelyn Eriksons Schreibstil beschreiben sollte, dann würde ich ihn am ehesten als locker, gefällig und humorvoll beschreiben. Genau richtig also für eine Abenteuerromanze, wie sie sie in Meeresgold erzählt.

Im Fokus des Romans steht die Ich-Erzählerin Lucia. Sie ist die Tochter eines einflussreichen Gouverneurs, doch ihr Leben ist nicht so paradiesisch, wie es auf den ersten Blick anmuten mag. Zu ihren Eltern pflegt sie ein schwieriges, unterkühltes Verhältnis, fühlt sich von ihren Erwartungen unter Druck gesetzte und in einen goldenen Käfig gesperrt. Da kommt es ihr eigentlich gar nicht so ungelegen, dass sie ausgerechnet am Tag ihrer arrangierten Hochzeit von Piraten entführt wird.

„Es war ihnen schwer gefallen, einen Mann zu finden, der auf eine Mitgift verzichtete und stattdessen gewillt war, eine angemessene Brautgabe für mich zu leisten. Alles andere hatte keine Relevanz, schließlich wollte der hohe Lebensstandard meiner Eltern bezahlt werden.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.5)

Unter ihnen ist auch Ben, der Sohn des Kapitäns und weiterer Perspektivträger. Dass er dazu verdonnert wird, auf Lucia aufzupassen, schmeckt ihm ganz und gar nicht. Mit ihm stellt die Autorin ein Love Interest vor, bei dem schmachtende Leserinnen garantiert sind. Daher braucht es gar nicht viele Seiten bis klar wird: Zwischen Ben und Lucia wird es ordentlich funken.

Und das tut es auch - aber nicht nur im romantischen Sinne. Mit der Zeit an Deck entwickelt sich Lucia mehr und mehr zu einer toughen, selbstbewussten Frau. Zu einer Piratin, die auch unter der Crew Anerkennung findet - und Ben Paroli bietet. Wie es sich für eine gute Romanze gehört, brauchen Ben und Lucia ewig bis sie sich eingestehen können, dass sie für den anderen mehr empfinden als gut für sie und ihnen lieb ist. Es knistert und funkt. Man hasst sich, zankt sich und kommt sich näher. Das alles schildert die Autorin zwar charmant, aber das ein oder andere Geplänkel wirkt dann doch etwas bemüht.

„Ich bin ein Pirat, ein Freibeuter. Mein Herz gehört der See und nicht irgendeinem dahergelaufenen Weib.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.70)

Bemüht wirken auch die Versuche, Lucias Lage vor allem am Anfang als besonders bedrohlich darzustellen. Erikson greift dabei auf einige altgediente Motive zurück, die man typischerweise mir Piraten verbindet. Da ist die Möglichkeit einer drohenden Vergewaltigung, die nahezu in jedem Kapitel angeschnitten wird und irgendwann ihren Schrecken verliert. Da sind die saufenden, raufenden, stinkenden und hurenden Piraten, die Lucia als bloßes Objekt ihrer Begierden betrachten. Außer Ben und seine Männer natürlich. Denn Ben ist es auch, der Lucia wie ein Held in strahlender Rüstung zu Hilfe eilt. Und das nicht nur einmal. Für meinen Geschmack auch etwas zu oft.

„Schwäche war mein Grab, Selbstmitleid der Untergang.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, EBook S.43)

Die Charaktere bleiben - einschließlich Lucia - blass und agieren entweder schablonenhaft oder überzogen. Dennoch gelingt es dem Roman, einen Sog zu entwickeln, der mich nicht mehr losgelassen hat. Das Hin und Her der Gefühle und die Geschichte drumherum sind durchaus spannend, wenn auch absolut vorhersehbar. Die ein oder andere Kampfszene sorgt für Nervenkitzel.

Neben der Vorhersehbarkeit der Handlung gibt es für mich noch zwei weitere handwerkliche Schnitzer, die den Gesamteindruck des Romans für mich deutlich getrübt haben. Nicht nur, dass Motive  wiederholt werden, auch Begriffe oder ganze Sätze werden wiederholt. (Dabei sollte es auffallen, wenn binnen fünf Zeilen mindestens genau so oft das Wort „reißen“, „Arme“ und „Rücken“ wiederholt wird.) Ziemlich ermüdend.  Zudem scheint die Autorin den Wunsch verspürt zu haben, die Rauheit der Piraten an einigen Stellen durch besonders derbe Formulierungen und zu charakterisieren. Diese heben sich leider negativ ab, da sie absolut unpassend und gewollt scheinen.

„So ungern ich es auch zugab, so sehr sich dieses Verhalten auch nicht schickte, ich genoss es. Tatsächlich stellte dieses Neue und Unsittliche eine interessante Erfahrung dar.“

(Katelyn Erikson, Meeresgold, E-Book, S. 67)

Zum anderen nutzt die Autorin Begriffe, die aus der Zeit fallen. Vor allem im ersten Kapitel verwendet Erikson viel Mühe darauf, mittels Details und Wortwahl eine stimmige Atmosphäre zu kreieren, die den Geist der Zeit der Piraten wunderbar einfängt. Wenn dann Gefühle plötzlich „Achterbahn fahren“ oder jemand „trainiert“ ist, dann zerstört das die historische Illusion - und die Atmosphäre.

Für Atmosphäre sorgen jedoch die detailverliebten Zeichnungen, die in unregelmäßigen Abständen Szenen aus dem Roman in Bildern bannen. Und das so stimmungsvoll, dass das Herz jedes Bibliophilen höherschlägt. Stimmungsvoll ist auch die finale Szene des Romans. Ihre Magie und Poesie hätte ich mir für den ganzen Roman gewünscht.

Fazit

Meeresgold. Versprechen der See ist eine historische Abenteurromanze, die das Genre nicht neu erfindet. Ein blasses Heldenpaar zwischen dem die Chemie stimmt inmitten eines vorhersehbaren, oft uninspirierten Plots, der mit gängigen Piratenklischees gespickt ist. Dennoch unterhaltsam geschrieben.

 Vielen Dank an den Eisermann Verlag, der mir dieses Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt und mir die Teilnahme an der Leserunde auf Lovelybooks 

ermöglicht hat. :)


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Sand & Wind: Die Legende der Roten Wüste

Elea Brandt
E-Buch Text: 480 Seiten
Erschienen bei Verlag ohneohren, 24.06.2018
ISBN 9783903006430
Genre: Sonstiges

Rezension:


„Mein Vater sagt immer, die Wüste ist wie eine ylasische Frau. Wunderschön, aber sie bringt dich um, wenn du nicht mit ihr umzugehen weißt.“

(Elea Brandt, Sand & Wind, Ebook S.168)

 

Darum geht's

Tief in der Wüste regt sich uralte Magie. Mit dem roten Sand fegt sie durch die Gassen der Stadt Zarbahan und enthüllt ein lange gehütetes Geheimnis.

Während der vorlaute Gauner Quiro seinen Lebensunterhalt mit Taschenspielertricks verdient, versucht der junge Schah Elis, den brüchigen Frieden im Land zu bewahren. Eines Tages begegnen die beiden einander – und die Ereignisse überschlagen sich. Elis verschwindet unter mysteriösen Umständen und Quiro findet sich mitten in den Ränkespielen der Mächtigen wieder, wo ihn jeder Fehler den Kopf kosten kann. Denn dunkle Kräfte ruhen im Wüstensand – und nur Quiro kann sie aufhalten.

Das Buch

Sand & Wind ist der erste Band der auf zwei Bände angelegten Legende der roten Wüste. Wie ich es von Elea Brandt gewohnt bin, braucht sie auch in ihrem mittlerweile dritten Roman nicht viele Worte, um mich nach Zarbahan und in den Palast des Schahs zu entführen. Gibt es einen besseren Beweis dafür, dass sie eine unglaublich talentierte Geschichtenerzählerin ist? Ihr Stil ist locker und gefällig, witzig und mit Vergleichen und Metaphern gespickt, die nur innerhalb der Romanwelt funktionieren. Dabei beweist sie auch ein feines Gespür für das Tempo ihrer Erzählung. Dadurch entsteht eine Atmosphäre, die die flirrende Hitze des Wüstensands, Gerüche und Farben einfängt und zu einem bezaubernden orientalischen Flair verwebt.


„Was gäbe sie darum, jetzt draußen vor den Mauern der Stadt durch den roten Sand reiten zu können? Zuzusehen, wie der Wind verschlungene Muster auf die Dünen zeichnete und wie die Sonne glühend rot hinter den Bergen im Westen verschwand?“

(Elea Brandt, Sand & Wind, EBook S.22)


Unser erster ‚Reiseführer‘, der uns durch die Gassen Zarbahans begleitet, ist Quiro, seines Zeichens ein Dieb und Taugenichts - und mir auf Anhieb sympathisch. Er ist ein charmantes Schlitzohr, nimmt kein Blatt vor den Mund und hat in Farzam und Barush zwei so treue Freunde gefunden, wie man sie sich nur wünschen kann. Die Dynamik innerhalb der Dreiergruppe, ihre kleinen Reibereien und Sticheleien haben mich oft schmunzeln lassen.


„Quiro schluckte. Es gab schon einen Grund, warum er nur ein räudiger Gauner geworden war - Denken war scheinbar nicht seine Stärke.“

(Elea Brandt, Sand & Wind, EBook S.181)


Dann ist da noch Elis, dessen Leben nicht verschiedener von dem Quiros sein könnte. Seit einem Jahr lenkt er als Schah die Geschicke Zarbahans - und weiß seinen Onkel Izafar als zuverlässigen Berater an seiner Seite. Die Fußstapfen, in die er zu treten hat, scheinen ihm an manchen Tagen zu groß. Vor allem deshalb, weil das Friedensabkommen zwischen Zarbahan und Ylas noch immer fragil ist.

Deshalb soll er Arazin, die Prinzessin von Ylas heiraten. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie von all den interessanten Figuren mein Liebling ist.

„Sie war wirklich schön, seine Verlobte. Keine sanfte, zarbahanische Schönheit, aber geschmeidig, herb und wild, wie eine Gepardin, deren Krallen man lieber nicht zu nahe kam.“

(Elea Brandt, Sand & Wind, EBook S.44)


Die stolze, unbeugsame Wüstenprinzessin steckt jeden ihrer männlichen Romankollegen locker in die Tasche. :) Wunderbar treten hier auch die Unterschiede zwischen Zarbahan und Ylas zutage, zeigen das gewohnt detailreiche Setting, in dem Magie eine große Rolle spielt.

Alle Figuren sind beeindruckend authentisch, mit Eigenheiten, die sie unverwechselbar machen, und Zielen, die sie um jeden Preis erreichen wollen. Auch wenn Sand & Wind insgesamt eher einen lockeren Ton anschlägt, ein Abenteuerroman ist, der mit einem großen Augenzwinkern erzählt wird, bleibt dennoch Raum für ernste Themen, die unaufdringlich und mit Fingerspitzengefühl in die Erzählung eingebettet werden.

Trotz all des Lobes gibt es dennoch einige kleinere Kritikpunkte. Der Plot von Sand & Wind bedient sich eines Motivs mit einer langen literarischen Tradition. (Um euch nicht zu spoilern, bleibe ich an dieser Stelle bewusst wage.) Ein Motiv, das eigentlich gar nicht meins ist, weil es schon so ausgelutscht ist. Aber Elea Brandt gelingt es, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und Umwege einzuschlagen, die überraschen und/oder amüsieren. Anfangs sind einige Aspekte der Handlung leider vorhersehbar, aber der Unterhaltungswert des Romans entschädigt mehr als genug dafür. Hinzu kommt noch ein packendes Finale, das Raum für Spekulationen lässt, wie es im nächsten Band weitergehen könnte.

Fazit

Flirrende Wüstenhitze, orientalisches Flair und ein augenzwinkernd erzähltes Fantasyabenteuer. Sand & Wind ist ein Roman, der gute Laune macht, mit gut ausgearbeiteten, sympathischen Figuren begeistert und mit einem detailreichen, durchdachten Setting überzeugt. Eine klare Empfehlung.

Vielen Dank an Elea Brandt und den Verlag ohneohren, die mir den Roman als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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Frost & Payne - Die mechanischen Kinder 1: Die Jagd beginnt

Luzia Pfyl
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Greenlight Press, 22.05.2017
ISBN 9783958342415
Genre: Science-Fiction

Rezension:  
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brivido libro, deutsche fantasy, deutschland, fantasy, heilkräfte, jörg benne, jugendbuch, jugend fantasy, koios praesens verlag, magie, nuareth, paladine, parallelwelt, reihe, urban fantasy

Das Schicksal der Paladine - Verschollen

Jörg Benne
Flexibler Einband
Erschienen bei Koios Verlag in Praesens , 03.09.2012
ISBN 9783902837011
Genre: Fantasy

Rezension:

„Mit noch immer klopfendem Herzen lehnte Tristan sich gegen den Fels und sah kopfschüttelnd über die Schulter zurück. Gerade hatte er mit einem zweiköpfigen Drachen gesprochen (...). Er konnte es immer noch nicht fassen.“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paldine - Verschollen, E-Book S. 22)


Verschollen ist der Auftakt der Paladin-Trilogie, die zum ersten Mal 2012 im Koios Verlag erschien. 2016 wurde die Reihe im Prometheus Verlag veröffentlicht, bis sie nun schließlich ein neues Zuhause im Papierverzierer Verlag gefunden hat.


Im Roman begleiten wir Tristan, der sich auf die gefährliche Reise in die Welt von Nuareth begibt, um seinen Vater und die verschollenen Paladine zu finden und so seiner älteren Schwester zu helfen, die im Koma liegt. Die Ausgangssituation - Junge begibt sich in Fantasywelt, um seine kranke Schwester zu retten - hat mich auf anhieb an Märchenmond von Wolfgang und Heike Hohlbein erinnert, aber das ist auch die einzige Ähnlichkeit zwischen beiden Geschichten. Eines vorweg: Auch wenn das erste Zitat und das Cover etwas anderes vermuten lassen, spielen Drachen kaum eine Rolle.


Tristan ist - wie es für Jugendbücher üblich ist - erst 16, erscheint aber gerade zu Beginn des Romans deutlich jünger. Er ist oft unreif und reagiert impulsiv, aber das kann man einem Jungen in der Pubertät wirklich nicht zum Vorwurf machen. :) Vielleicht liegt es auch daran, dass er seinen Vater so gut wie nie zu Gesicht bekommt.


„Er stierte auf den Linoleumboden und erinnerte sich an all die Enttäuschungen, die er mit seinem Vater schon erlebt hatte. Verdammte Bohrinsel! Warum konnte sein Vater nicht irgendwo im Büro arbeiten wie andere auch?“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine - Verschollen, E-Book, S.7)


Sein Verhältnis zu seinem Vater ist nicht das beste. Tristan fühlt sich von Darius vernachlässigt, wünscht sich mehr Aufmerksamkeit - und mehr gemeinsame Zeit. Doch schon im ersten Kapitel erfährt er, dass die Geschichte mit dem Job auf der Bohrinsel nur verschleiern sollte, was sein Vater tatsächlich macht.


„Eins musst du wissen, Junge. Dein Vater ist ein guter Mensch. Er hilft anderen in ... sehr weit weg jedenfalls. Und wenn er nicht nach Hause kommt, dann muss es etwas sehr Wichtiges sein, was ihn davon abhält.“ 

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine - Verschollen, E-Book, S. 8)


Jörg Benne hält sich nicht mit langen Erklärungen auf, sondern wirft Tristan und seine Leser unmittelbar ins Geschehen. Rasch geht es nach Nuareth, in eine Parallelwelt, die der Menschenwelt sehr ähnlich ist, aber auch von vielen fremdartigen Geschöpfen bevölkert wird. Dort ist Tristan ebenso wie sein Vater ein Paladin, jemand, der unter anderem über magische Fähigkeiten verfügt. Doch der Frieden auf der Insel Nasgareth ist bedroht. Rasch wird klar: Wenn tatsächlich alle Paladine verschollen sind, muss das Ausmaß der Gefahr sehr groß sein. So beginnt für Tristan ein Wettlauf mit der Zeit, seinen Vater und die anderen rechtzeitig aufzuspüren, bevor es zu spät ist, seiner Schwester zu helfen.


Gemeinsam mit Tristan erkunden wir die Insel Nasgareth, einen Teil von Nuareth, der Welt, in der Jörg Benne die Handlung all seiner Romane ansiedelt. Nach und nach lernen wir mehr über die Paladine, ihre Magie, aber auch über die verschiedenen Wesen, die Nuareth bevölkern, ihre Gepflogenheiten und ihre Kultur. Dem Autor ist es gelungen, meinen Entdeckergeist nicht nur zu wecken, sondern so zu befeuern, dass ich immer mehr von Nuareth wollte. Mehr Orte entdecken, mehr über die Vergangenheit dieser faszinierenden Welt lernen. Für mich ist der bis ins letzte Detail ausgearbeitete, stimmige und zutiefst beeindruckende Weltenbau die größte Stärke des Romans. Da verzeihe ich auch längere Monologpassagen, in denen Tristan in bester Erklärbärmanier in den Kosmos Nuarehts eingeführt wird. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Erkundung der Welt mehr an den Roman gefesselt hat als die Geschichte an sich.


Die Handlung ist spannend, variiert einige klassische Motive phantastischer Jugendliteratur und gewinnt gegen Ende nochmal deutlich an Fahrt. Im Gegensatz zu einigen Nebenfiguren, die mir wirklich ans Herz gewachsen sind, habe ich mich mit Tristan leider über weite Strecken schwer getan. Er ist neu in Nuareth, muss noch lernen, mit seinen Kräften umzugehen. Deshalb sind es meistens die anderen Charaktere, die ihm sagen, was er tun soll. Dennoch entwickelt er sich im Laufe des Romans weiter, reift deutlich.


„Wenn man bedenkt, dass du vor ein paar Wochen noch ein normaler Schüler warst, der in einem weichen Bett zu schlafen gewohnt war (...) und dessen größter Feind bislang sein Physiklehrer war: alle Achtung.“

(Jörg Benne, Das Schicksal der Paladine - Verschollen, E-Book, S.224)


Auch wenn es sich bei Verschollen um den Auftakt einer Trilogie handelt, ist der Roman rund und könnte für sich allein stehen. Trotz einiger kleinerer Schwächen glaube ich, dass mir das Buch noch besser gefiele, wenn ich um die 14 Jahre alt wäre und noch nicht so viele Romane gelesen hätte, die in eine ähnliche Richtung gehen. Dennoch wird dies nicht mein letzter Ausflug nach Nuareth gewesen sein. Der zweite Band erscheint bereits im Mai 2018.


Fazit

Mit Das Schicksal der Paladine - Verschollen legt Jörg Benne einen gelungenen Trilogieauftakt vor, der vor allem durch den gut ausgearbeiteten, detailverliebten Weltenbau zu beeindrucken und zu überzeugen weiß. Perfekt für jugendliche und jung gebliebene Entdecker.

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Die silberne Königin

Katharina Seck
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404208623
Genre: Fantasy

Rezension:

Geschichten konnten einen direkt ins Herz treffen, selbst wenn man nicht wusste, wie viel Wirklichkeit tatsächlich in ihnen steckte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.13) Das Buch

Schon der Prolog bildet einen Einstieg in die Geschichte, den man nur als magisch bezeichnen kann. Madame Weltfremd hat in ihre Chocolaterie - das Schokoladengold - zu einer Geschichtennacht geladen. Was sie zu erzählen hat, ist wahrlich märchenhaft - und verhängnisvoll. Denn etwas Dunkles, Bedrohliches lauert außerhalb der wohligen Wärme innerhalb des Ladens. Etwas, das Geschichten zu erzählen zu einem gefährlichen Unterfangen macht.


„Beinahe kam es Emma vor, als würde das Vortragen des Märchens der Madame Schmerzen verursachen, seelisch wie körperlich. Dabei war es doch nur eine Geschichte.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.92)


In Die silberne Königin betreten wir eine Welt ganz aus Schnee und Eis. Frost, ein nie enden wollender Winter setzen dem Land und seinen Bewohnern zu. Und über all das wacht das Eisschloss, sitz der gefürchteten Herrscherfamilie. Eine kaum greifbare Bedrohung geht von diesem Ort und seinen Bewohner aus, den die Städter meiden.


Wir begleiten die 24-jährige Emma, die unermüdlich in den Silberminen arbeitet. Das Schokoladengold ist ein Sehnsuchtsort für sie, ein Traum, den sie gern leben würde - doch der ihr unerreichbar scheint. Zu ihrem Vater pflegt sie ein schwieriges Verhältnis. Sie kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, auch wenn er sie oft von sich stößt.


Emma wirkt den ganzen Roman über zart und irgendwie zerbrechlich. Doch tief in ihrem Innern trägt sie auch eine unglaubliche Stärke, die es ihr nicht erlaubt, sich oder ihre Hoffnung aufzugeben. Katharina Seck zeichnet ihren Charakter fein. Diese Mischung aus Stärke und Verletzlichkeit hat mich wirklich beeindruckt, auch wenn ich eine Weile gebraucht habe, um richtig warm mit Emma zu werden.


Als Emma schließlich eine Anstellung in Madame Weltfremds Schokoladengold erhält, konnte mich der Roman vollends in seinen Bann ziehen. Denn nach der Arbeit beginnt die Madame Emma und Ophelia ein ganz besonderes Märchen zu erzählen.


„Ihr müsst gut zuhören. Bei Geschichten weiß man nie, ob sie einem im Leben nicht noch einmal helfen können.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 60)


Die Rede ist vom Märchen von der titelgebenden silbernen Königin, das passagenweise in die Erzählung eingeflochten wird. Das Reich der silbernen Königin ist in großer Gefahr: Der Frostprinz erobert ein Herrschaftsgebiet nach dem anderen, lässt es in ewigem Winter versinken. Gemeinsam mit dem Kristallmädchen macht sich die silberne Königin auf die beschwerliche Reise, den Frostprinzen aufzuhalten.


Diese Erzählung innerhalb der Erzählung hat mich wirklich verzaubert. Die Einfälle, die Welt und nicht zuletzt die Figuren. Vor allem die silberne Königin ist märchentypisch naiv, gutmütig und im besten Sinne des Wortes weltfremd.


Nach und nach entdeckt Emma immer mehr Prallelen zwischen der Geschichte der Madame und ihrem eigenen Leben - und schließlich treibt sie die Erzählung direkt in die Arme des Königs.


„Der Eiskönig, wie ihn manche nannten. Der unsichtbare König, wie ihn andere nannten. Er war irgendwie ... beides.“ 

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S.118)


Als Emma in seine Fänge gerät, bliebt ihr nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu erzählen. Und es ist das Märchen von der silbernen Königin, das über ihre Schicksal entscheidet. Casper, der junge, grausame König ist ein faszinierender Charakter. Dunkel und frostig, kälter als das Eis, aus dem sein Palast besteht. Grausam und abweisend - mit einem Herz aus Eis.


„Vielleicht ist ein Eisherz nicht so schlimm, wenn man nichts anderes kennt. Vielleicht ist der König schon so auf die Welt gekommen.“

(Katharina Seck, Die silberne Königin, S. 112)


Was mich neben der wundervollen Geschichte und dem Märchen um die silberne Königin am meisten begeistern konnte, war Katharina Secks unvergleichliche Art zu schreiben. Ihre Formulierungen sind geschliffen. Sie funkeln und blitzen wie Eiskristalle, doch sind zugleich so scharf, dass sie tief ins Herz dringen. Dem allem liegt eine bittersüße Note von Melancholie zu Grunde, die ebenso auf der Zunge zerschmilzt wie Madame Weltfremds Schokoladenkreationen.


Fazit

Die silberne Königin ist eine poetische Erzählung über Liebe, Verlust und die Macht des Geschichtenerzählens. Bezaubernd melancholisch. Fragil, doch zugleich stark und mitreißend. Eine klare Empfehlung.

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Im Bann der zertanzten Schuhe

Janna Ruth
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Nova MD, 23.06.2017
ISBN 9783961114672
Genre: Fantasy

Rezension:

„Klar, du bist nur ein Prinz und eine Hexe hat dich verflucht. Und nun fesselt dich ein Turntable an einen Luxusschuppen. (...) Ich habe wirklich keine Ahnung, warum du mir solche Märchen auftischst.“


(Janna Ruth, Im Bann der zertanzten Schuhe, Ebook S.32)

Das Buch

Im Bann der zertanzten Schuhe ist ein Roman aus der Märchenspinnerei, einer Gruppe von Autorinnen, die sich zusammengetan und im vergangenen Jahr damit begonnen haben, nahezu monatlich eine neue Märchenadaption zu veröffentlichen. Vorlage für Janna Ruths Erzählung ist das Märchen von den zertanzten Schuhen, das ich bislang noch nicht kannte. 


Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht zweier Protagonisten erzählt. Da ist zum einen Sophie, eine leidenschaftliche Balletttänzerin, die ihren Traum von der großen Bühne nach einem schweren Schicksalsschlag an den Nagel gehängt hat. Tanzen, sich völlig der Musik hinzugeben, ist ihre Leidenschaft - und ihr gehören auch die titelgebenden zertanzten Schuhe, zu denen sie eine ganz besondere Verbindung hat.


Zum anderen begleiten wir auch Jonas, einen ehemaligen Soldaten, dem nach seinem Einsatz in Afghanistan eine posttraumatische Belastungsstörung schwer zu schaffen macht. Da Sophie jede Nacht verschwindet, ist ihr Vater in großer Sorge. Deshalb beauftragt er Jonas damit, herauszufinden, wo sich seine Tochter nachts herumtreibt.


Und dem Ort, dessen besonderen Zauber Sophie erlegen ist, konnte auch ich mich nicht entziehen.


„‚Was ist das für ein Club?‘ (...)

‚Oh, der schönste Ort auf Erden, reicher als jede Schatzkammer und voller Freuden.‘ Sehnsüchtig sah der Mann zu dem Club, bevor er ihm den Blick wieder zuwandte. ‚Und der kälteste.‘“


(Janna Ruth, Im Bann der zertanzten Schuhe, EBook S.10)

Die Rede ist vom DeModie, einem ganz besonderen und wahrhaft märchenhaften Club. In schwelgerischen Bildern gelingt es Janna Ruth, das DeModie vor meinem inneren Auge lebendig werden zu lassen. Die Beschreibungen und die ganz besondere Atmosphäre, die dort herrscht, hat mich von der ersten Silbe an in ihren Bann geschlagen. Doch im Laufe der Erzählung wandelt sich der Eindruck, den das DeModie erweckt. Die Atmosphäre wird düsterer, bedrohlicher. Nach und nach beginnt der Club eine beinahe schon morbide Faszination auszustrahlen.


Dort begegnet Sophie einem waschechten verwunschenen Prinzen. Einem Prince Charming, wie er im Buche steht: Attraktiv und galant, der nur Augen für sie zu haben scheint.


„Ihre Liebe war das, wovon sie schon immer geträumt hatte: Die einzig wahre, für die es sich lohnte, alle Strapazen auf sich zu nehmen.“


(Janna Ruth, Im Bann der zertanzten Schuhe, EBook S.84)

Sophie ist völlig hingerissen von ihrem Prinzen, mit dem sie die Nächte durchtanzt. Manchmal hätte ich sie gern packen und schütteln wollen, denn sie treibt nicht nur sich durch ihre Blindheit und Naivität bis zum Äußersten, sondern bemerkt nicht einmal, wie sehr sie die Menschen um sich herum mit ihrem Verhalten verletzt. Auch Jonas.


Einfühlsam und beklemmend zugleich schildert Janna Ruth, wie Jonas mit seiner Krankheit zu kämpfen hat und mit allem, was er aus dem Kriegseinsatz wieder mitbrachte. In diesen Szenen, den schrecklichen Visionen, den Erinnerungen, die ihn nicht mehr loslassen wollen, gewinnt der Roman eine Tiefe, mit der ich nicht gerechnet habe. Anfangs habe ich mir von dieser Märchenadaption nette Unterhaltung versprochen, etwas, das beim Lesen ein gutes Gefühl macht. Doch Im Bann der zertanzten Schuhe ist so viel mehr als nur eine nette Geschichte.


Die Figuren - allen voran Jonas - überzeugen durch ihre authentische Zeichnung. Ich war nicht die ganze Zeit über ein Fan von Sophie, habe aber immer darum gebangt, dass es wenigstens für Jonas gut ausgeht.


Auch sprachlich konnte mich der Roman auf ganzer Linie überzeugen. Die Autorin schreibt so schwärmerisch, so flüssig ... vor allem die Beschreibungen der Klänge und Melodien sind so unglaublich gelungen, dass ich mich oft gefühlt habe, als spiele die Musik zwischen den Zeilen.


„Die Klänge waren nahezu ätherisch, aber jeder Ton schlug eine andere Saite in ihm an und brachte seine Nerven zum Vibrieren. Der Bass dröhnte in seinem Magen und er konnte sich kaum des Drangs erwehren mitzuwippen.“


(Janna Ruth, Im Bann der zertanzten Schuhe, EBook S.23)

Der Roman konnte mich wirklich begeistern. Er ist defintiv eine Empfehlung für Janna ruht und die Märchenspinnerei - und völlig zurecht auf der Longlist des Seraph, des Phantastikpreises der Leipziger Buchmesse, der in diesem Jahr zum ersten Mal auch in der Kategorie Bester Independent-Titel vergeben wird.


Fazit

Im Bann der zertanzten Schuhe ist eine zauberhafte moderne Märchenadaption. Eine Geschichte über die Liebe zur Musik und zum Tanzen, die nicht nur zum Träumen einlädt, sondern auch mit viel Tiefe und Fingerspitzengefühl überraschen kann.

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Unter einem Banner

Elea Brandt
Flexibler Einband: 442 Seiten
Erschienen bei Dead Soft Verlag, 02.02.2018
ISBN 9783960891772
Genre: Fantasy

Rezension:

Mit Unter einem Banner habe ich mich literarisch auf einen Ausflug in für mich eher unbekannte Gefilde eingelassen. Der Klappentext deutete es bereits an: Reykan, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, fühlt sich zu Männern hingezogen. Bislang habe ich eher selten Romane mit homosexuellen Protagonisten gelesen. Aber im Grunde genommen sollte die sexuelle Orientierung eines Charakters eine untergeordnete Rolle spielen, viel wichtiger ist wie er selbst und seine Gesellschaft damit umgehen - und wie sie die Geschichte beeinflusst, die er zu erzählen hat.


Und Reykans Geschichte ist eine packende. Eine Geschichte voller Verrat, widerstreitender Gefühle, Gewissensbisse, traumatischer Erinnerungen - und der Frage, wie weit seine Loyalität als Soldat seiner Majestät reicht.


Reykan ist ein Bastard, dem es gelungen ist, sich im Heer bis zum Hauptmann hochzuarbeiten. Als seine Heimat Serin mit Skarat im Krieg liegt, muss er tatenlos mit zusehen, wie sein König gute Männer aus falschem Stolz in den Tod schickt. Reykan hat viel durchgemacht - und viel verloren. Was er auf dem Schlachtfeld erlebt hat, verfolgt ihn bis in seine Träume, lässt ihn nicht mehr los. Dennoch binden ihn sein Schwur und sein Pflichtgefühl an den serinischem König, dem er trotz allem loyal ergeben ist.


„Er ertrug es nicht, die Schreie der Sterbenden zu hören, sobald er die Augen schloss. Die Bilder aus Notia hatten sich tief in seinen Verstand gebrannt.“


(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.38)

Von Beginn an war mir Reykan sympathisch. Er ist ein Protagonist mit Prinzipien, mit Ehrgefühl und ja, man kann ihn getrost als ritterlich bezeichnen. Er ringt mit den Schrecken der Vergangenheit, mit seinem Verlust. Obwohl er den Glauben an das, was er tut, längst verloren hat, kann er sich nur schwer dazu durchringen, dem Leben als Soldat den Rücken zu kehren.


Doch als der König einem Komplott zum Opfer fällt, nimmt er Reykan noch im Sterben den Schwur ab, seinen Sohn zu beschützen. Ein Soldat, der nicht mehr kämpfen will, als Leibwächter für einen verzogenen Kronprinzen? Das klingt nicht nur nach einer explosiven Mischung, das ist sie auch. Prinz Benrik entspricht nämlich so gar nicht den Vorstellungen, die Reykan sich von einem künftigen König macht. Er ist verzogen, ein Lebemann, der Genuss und Ausschweifung über die Pflicht stellt. Im Gegensatz zu Reykan, der unnötiges Gerede vermeiden will, lebt Benrik hingegen seine Homosexualität offen aus - was nicht bei allen Untertanen auf Toleranz stößt.


Schon von ihrer ersten Begegnung an ist klar: Hier prallen zwei starke, starrköpfige Charaktere aufeinander. Und dann ist es ausgerechnet an Reykan, den verwöhnten Benrik in Sicherheit zu bringen.


„Das würden die längsten zwei Wochen seines Lebens werden, so viel stand jetzt schon fest. Und er hoffte inständig, dass er den Prinzen nicht irgendwann aus einer Laune heraus erschlagen würde.“


(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.97)

Beiden gelingt es zunächst nur schwer, sich mit einander zu arrangieren. Prinz und Leibwächter geraten oft aneinander - und ihre oft unheimlichen witzigen Wortgefechte haben mich das ein oder andere mal zum Schmunzeln gebracht. Doch je länger ihre Reise dauert, umso mehr raufen sie sich zusammen - und Reykan erhascht allmählich einen Blick hinter die Fassade des verzogenen Prinzleins.


Zwischen Reykan und Benrik gibt es von Beginn an diese ganz besondere Dynamik. Ein Knistern, dass zwischen Ablehnung und Faszination schwankt. Ein Zögern, sich die eigenen Gefühle einzugestehen. Beide - aber auch sämtliche Nebenfiguren - sind plastisch gezeichnet und allesamt außergewöhnlich. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, direkt ins Leben der Figuren zu springen, und nicht, dass sie erst während des Lesens lebendig werden.


Auch die Handlung konnte mich absolut überzeugen. Reykan, der Benrik vor den Attentätern in Sicherheit bringen muss. Die Gefahren, die auf ihrer Reise lauern. Die Suche nach Verbündeten, damit Benrik seinen Thron zurückgewinnen kann - und nicht zuletzt die Entwicklung ihrer Beziehung, die mit der Zeit immer enger, immer vertrauter wird.


„Die grauen Augen des Prinzen fesselten ihn und das Feuer, das darin loderte, raubte ihm schier den Atem. Wie wildes Sturmmeer, dessen Sog ihn nicht mehr losließ.“


(Elea Brandt, Unter einem Banner, EBook S.153)

Eine Prise Erotik kommt dabei ebenso wenig zu kurz wie packende Kampfszenen. Unter einem Banner spielt in einem mittelalterlichen Low Fantasy Setting. Der Weltenbau, der geschickt in die Erzählung eingeflochten wird, ist komplex und scheint bis ins Detail durchdacht. Dadurch werden die Geschichte und die Figuren noch lebendiger. Hinzu kommt noch Elea Brandts fesselnder Schreibstil, die grandiosen Dialoge und stimmungsvollen Beschreibungen. Die Autorin braucht nicht viele Worte, um mich so tief in den Roman versinken zu lassen, dass ich alles andere um mich herum ausgeblendet habe.


Fazit

Unter einem Banner trumpft mit einem Heldenpaar auf, dessen Charme man sich einfach nicht entziehen kann. Große Intrigen, unzählige Gefahren und packende Kampfszenen. Wer militärische Low Fantasy mag und obendrein gern erlebt, wie sich Charaktere und ihre Beziehung weiterentwickeln, dem kann ich diesen Roman nur ans Herz legen.

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Auf düsteren Wegen

Anton Vogel , Anke Elsner , Christine Jurasek , Bernd Schmitt
Buch: 324 Seiten
Erschienen bei Burgenwelt Verlag, 01.12.2017
ISBN 9783943531787
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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865 Bibliotheken, 22 Leser, 3 Gruppen, 180 Rezensionen

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Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken

John Green , Sophie Zeitz
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Hanser, Carl, 10.11.2017
ISBN 9783446259034
Genre: Jugendbuch

Rezension:



Klappentext

Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht. 


Das Buch

Aza leidet bereits seit ihrer Kindheit an Zwangsstörungen. Manchmal hat sie gute Tage, gute Wochen, in denen sie unbehelligt von diesen fiesen Gedanken leben kann, die ihr die Kontrolle über ihr eigenes Handeln zu rauben scheinen. Sie ist zwar in Behandlung, doch ihre Therapie hat wechselnden Erfolg, denn eine Frage beschäftigt Aza wie keine andere: Die Frage danach, wer sie eigentlich ist. Die Frage danach, was das eigene „Ich“ ausmacht.


Drastisch und eindringlich schildert John Green, wie stark die Krankheit Azas Leben beeinflusst. Wir erleben unmittelbar aus ihrer Perspektive mit, was mit einem Menschen geschehen kann, wenn seine Gedanken – egal wie irrational sie auch sein mögen – die Kontrolle über sein Handeln gewinnen. Wenn sie seine Entscheidungen, sein Leben einschränken. Wie diese Erkrankung Lebenszeit und Lebensqualität stiehlt – und wie kräftezehrend und schwierig es ist, gegen sie anzukämpfen. Dem Autor gelingt es, eben diese Situationen einfühlsam zu schildern. Durch die Ich-Perspektive hat der Leser unmittelbar Anteil an Azas innerem Kampf, dem Ringen um Kontrolle – und dem Moment, in dem sie in den Strudel ihrer Gedanken gerät, dem sie nicht mehr entkommen kann.


Daneben kommt auch zur Geltung, wie Aza auf Außenstehende wirkt, sowohl auf solche, die von ihrer Zwangsstörung wissen, als auch auf die anderen, die sie für „normal“ halten. Die Situation ist für alle schwierig, stellt auch ihre Beziehung zu ihrer besten Freundin Daisy auf eine harte Probe. Es braucht viel Verständnis und Geduld.


John Green hat mal wieder das Wunder vollbracht, seine Charaktere so lebendig zu gestalten, dass ich oft das Gefühl hatte, dass sie gleich aus dem Roman heraus treten und fern ab der Seiten zum Leben erwachen. Auch ihr Verhältnis untereinander lotet er aus, gibt besonders auch Azas Gefühlen Raum, sich zu entfalten. Zwischen ihr und einem Jungen entsteht eine zarte Romanze – doch auch hier steht dem Mädchen seine Krankheit im Weg.


Das Buch liest sich flüssig und steckt voller Lebensweisheit. Meiner Meinung nach passt der englische Titel Turtles all the Way down viel besser als der deutsche. Die Schildkröten sind zwar nur im übertragenen Sinn gemeint – treffen aber den Kern des Romans. 


Azas Geschichte hat mich wirklich berührt. Vor allem im letzten Viertel des Romans habe ich das ein oder andere Tränchen vergossen. Das Ende … war einfach perfekt. Ungeschönt und realistisch. Ein wirklich großartiger Jugendroman.


Fazit

Mit viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen webt John Green ein schwieriges Thema zu einem unterhaltsamen, berührenden Jugendroman. Authentische Figuren, ein wundervoller Schreibstil und feine Beobachtungen über das Leben an sich – ich kann das Buch nur empfehlen.  

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316 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 159 Rezensionen

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Das Erbe der Macht - Essenzstab

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 28.10.2016
ISBN 9783958342255
Genre: Fantasy

Rezension:

Essenzstab ist der zweite Band von Andreas Suchaneks Urban-Fantasy-Reihe Das Erbe der Macht, die momentan 11 Bände umfasst (Stand: November 2017) und von der jeden Monat eine weitere Episode in der Greenligth Press erscheint - zunächst als E-Book, nach drei Monaten auch als Hardcover-Sammelband, der jeweils drei Episoden enthält. 


Vor der eigentlichen Erzählung findet sich eine Zusammenfassung der vorherigen Ereignisse, die weder zu ausführlich, noch zu knapp ausfällt. Zudem werden noch einmal die wichtigsten Charakteristika des Settings und wie Magie funktioniert, vorgestellt. So können sich auch Neueinsteiger im Kosmos von Das Erbe der Macht zurechtfinden.


Wie schon der erste Band beginnt auch Essenzstab mit einem Prolog, in dessen Fokus der Stabmacher steht. Dieser spannende, geheimnisvolle Charakter bringt eine ganz andere Atmosphäre mit sich, etwas, das mich mehr fesseln konnte als die gesamte erste Episode der Serie.


Diesmal stehen Alex und Jen stärker im Fokus der Erzählung. Beide Charaktere gewinnen dadurch an Tiefe, dass man einen kurzen Einblick in ihre Vergangenheit erhält, der verständlich macht, warum sie sich so verhalten, wie sie es tun. Bei Aurafeuer habe ich bemängelt, dass mir die Charaktere seltsam fern geblieben sind. Bei Alex und Jen habe ich immer noch nicht das Gefühl, dass das besser geworden ist. Mit ihnen werde ich einfach nicht richtig warm.


Da Alex‘ Ausbildung beginnt, muss er den Stabmacher aufsuchen, um einen eigenen Essenzstab zu bekommen - doch dort angekommen, müssen sich Jen und Alex bereits einer Falle der Schattenfrau erwehren. Beim Stabmacher kommt es zudem zu einer Szene - Alex wählt seinen Stab bzw. andersherum - die mich stark an Harry Potter erinnert hat (ein Vergleich, den Band I noch selbstironisch vorweggenommen hat).


Während Jen und Alex unterwegs sind, tut sich auch im Castillo beim Rest des Teams so einiges. Auch die Persönlichkeiten der anderen Lichtkämpfer bekommen mehr Raum - sie sind allesamt „Typen“, unverwechselbar. Die Dynamik innerhalb der Gruppe ist zudem mit einer gehörigen Prise Humor gewürzt.


Eingebettet in den zweiten der parallelen Handlungsstränge ist auch ein Rückblick auf die Vorgeschichte der Auseinandersetzung zwischen Licht- und Schattenkämpfern. Ich liebe es ja immer ganz besonders, so etwas zu lesen - zudem hat der Autor diese Aspekte in eine Reihe toller Kapitel gepackt, die nach und nach auch mehr über die Unsterblichen verraten. Ich bin schon gespannt, welche historischen Persönlichkeiten noch eine Rolle in Das Erbe der Macht spielen werden.


Auch das Böse, insbesondere die Schattenfrau - schläft nicht und setzte alles daran, ihre finsteren Pläne zu verwirklichen. Dabei ist die Bedrohung näher, als es die Protagonisten vermuten.


Die Ereignisse überschlagen sich. Beide Handlungsstränge, sowohl der rund um Jen und Alex, als auch der im Castillo - steuern auf Cliffhanger zu, die es nahezu unmöglich machen, nicht auch noch den nächsten Band lesen zu wollen. :)


Fazit

Essenzstab ist eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger sogar noch übertreffen kann. Temporeich und spannend macht diese Episode definitiv Lust auf mehr, weil sie - natürlich - im spannendsten Moment endet.

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14 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

amulett, anderswelt, anthologie, geister, gruselige kurzgeschichten, gruselmeer, halloween, horror, kurzgeschichte, kurzgeschichten, reise, ruine, traum, zombies, zug

Gruselmeer: schaurig schöne Kurzgeschichten

Tinka Beere , Myna Kaltschnee , Sabi Lianne , Florian Waldner
E-Buch Text
Erschienen bei Independently published, 17.10.2017
ISBN B076JJP34G
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Beim Anblick des Hauses (...) bekam er eine Gänsehaut. (...) Vielleich lag es (...) an den seltsamen Dingen, die gestern Abend nach seiner Ankunft in dem Haus passiert waren.“


(Sabi Lianne, Das Amulett von Whitby)


Klappentext

Wenn die Abende dunkel werden und die Nächte kalt, ist die Zeit der Geister und Nachtmahre gekommen. Genau richtig, um sich mit einem guten Buch in finstere Welten entführen zu lassen. Mit unseren schaurig-schönen Geschichten taucht ihr mit uns ins Gruselmeer ein.

(Quelle: Schreibmeer)


Die Anthologie

Wie der Titel vermuten lässt, steht die gesamte Anthologie im Zeichen des Gruseligen und Schaurigen - der perfekte Lesestoff also für die dunkle Jahreszeit. Die neun Autoren interpretieren das Thema auf vielfältige Weise, wobei einige Erzählungen nur wenige Seiten umfassen, und andere durchaus länger sind. Alle sind mit viel Herzblut geschrieben, weshalb ich euch die einzelnen Geschichten gern kurz und knapp vorstellen möchte.


Anki M.: Klänge aus der Anderswelt
Die Kurzgeschichte besticht durch eine wundervoll poetisch-mystische Atmosphäre. Geschickt webt die Autorin ein Lied in ihre Erzählung ein, entführt ihre Leser gemeinsam mit der jungen Aislinn durch den nächtlichen Wald. Eine Geschichte von Sehnsucht, Trost und der Suche nach dem wahren eigenen Ich. Kein Horror im klassischen Sinne, aber dennoch hatte ich eine Gänsehaut, weil mich die Geschichte so berührt hat.


Myna Kaltschnee: Die Brandruine
Drei Jugendliche wagen sich nachts in ein heruntergebranntes Haus - und erleben dort wahres Grauen. Klingt nach einer Figurenkonstellation und einer Ausgangssituation, wie sie oft in Horrorfilmen vorkommt. Tatsächlich entwickelt sich die Geschichte zu einem Splatter. Das ist leider nicht so mein Geschmack, aber handwerklich dennoch gut gemacht. Myna Kaltschnee hat vor allem einen unglaublich bildhaften Schreibstil, der mich beim Lesen mitten in die Brandruine entführt hat.


Sabi Lianne: Das Amulett von Whitby
Ein Held wider Willen. Ein altes Artefakt. Und ein Geist, der keine Ruhe findet - das alles in einem englischen Küstenstädtchen. Sabi Lianne kreiert schon zu Beginn eine Atmosphäre und ein Setting, die an klassische Schauergeschichten erinnern. Ihr Schreibstil ist flüssig und sehr gefällig. Besonders hat mir gefallen, dass der Charakter des Protagonisten für eine Kurzgeschichte ungewöhnlich gut ausgearbeitet wird. Er ist tief und authentisch - und unglaublich sympathisch. Leider ist das Ende der Geschichte so gestaltet, dass ein Großteil der tollen Atmosphäre verloren geht.


Florian Waldner: Das Haus in Athens
Hochstapler bekommen es mit einem waschechten Spuk zu tun - eine geniale Geschichte, die definitiv zu den Highlights der Anthologie zählt. Die beiden Protagonisten haben mich wirklich um ihren Finger gewickelt - gern würde ich mehr von ihnen lesen. :) Auch sprachlich kann Das Haus in Athens überzeugen: Der Schreibstil ist locker, bildhaft und schafft eine beklemmende Atmosphäre. Ein bisschen habe ich mich (wohlig) gegruselt.


Katrin Scheiding: Am Salzmarkt
Die große stärker dieser Geschichte liegt in ihrer wundervollen Protagonistin Henriette, die eigensinnig, selbstbewusst und scharfzüngig ist - und sich herrliche Wortgefechte mit dem Historiker Justus liefert, der einfach so in ihrem Archiv auftaucht. Gemeinsam kommen beide im Brandenburg des 19. Jahrhunderts einem alten Geheimnis auf die Spur, dass all die seltsamen Begebenheiten im Haus am Salzmarkt erklärt. Trotz kleinerer Schwäche eine unterhaltsame Erzählung. Wirklich toll geschrieben.


„Unzählige Geheimnisse aus alter Zeit warteten darauf, von ihr entdeckt und zum Leben erweckt zu werden.“ “

(Katrin Scheiding, Am Salzmarkt)

 

Madita Sternberg: Der Ring des Raxoth
Joan reist nach Salem, um das Erbe ihres Großvaters abzuholen - einen Ring, an dem nicht nur sie interessiert zu sein scheint. Der Schreibstil der Autorin ist packend. Ihr gelingt es, eine stimmige Atmosphäre entstehen zu lassen, denn dem Ring haftet etwas Unheimliches an. Allerdings entwickelt sich die Geschichte in eine Richtung, die ich so nicht erwartet habe. Viel unnötige Effekthascherei. Dennoch hatte ich beim Lesen das Gefühl, den Anfang eines Romans vor mir zu haben.


Marija Kraujas: Carnivorenexpress
Ein Mädchen begegnet in der Transsibirischen Eisenbahn ihrem schlimmsten Albtraum. Nach einem wirklich starken Auftakt verliert sich die Handlung in Ungereimtheiten und lässt mich ratlos und mit vielen Fragen zurück. Schade.


Katherina Ushachov: Ein Traum
Stell dir vor, du siehst in jedem deiner Träume ein und dasselbe Gesicht - doch kannst es dir nach dem Aufwachen nicht in Erinnerung rufen.
Ein Traum ist eine wahnsinnig tolle Kurzgeschichte. Ich habe mich auf Anhieb in die poetische Sprache, die surrealen Traumbilder und diese Stimmung, die ich kaum in Worte kleiden kann, verliebt. Berührend und unaufdringlich erzählt - mit einem Ende, mit dem ich definitiv nicht gerechnet habe.


Jill Noll: Die steinerne Frau
Ein vielversprechender Anfang, aber dann ... Die Geschichte will zu viel, schwankt zwischen Gesellschaftskritik und Rachestory, aufgeladen mit religiösen Motiven. Sie möchte zum Nachdenken anregen, doch greift zu viele Aspekte auf einmal auf.
Sprachlich habe ich mich mit der Kurzgeschichte auch schwer getan: Für meinen Geschmack gab es zu viele Wiederholungen von Worten oder ganzen (Halb-)Sätzen. Die Handlung plätschert so dahin, vermutlich auch deshalb, weil mir die Protagonistin und ihre Motive seltsam fern geblieben sind.
Die steinerne Frau hebt sich deutlich von den anderen Geschichten der Anthologie ab - mit einer Gruselgeschichte hat sie allerdings nichts zu tun und passt in meinen Augen nicht in diesen Sammelband.


Gesamtfazit

Gruselmeer hat mich wirklich positiv überrascht. Ich hätte anfangs nicht vermutet, dass die gesammelten Geschichten so gut sind. :) Natürlich haben nicht alle Texte meinen Geschmack getroffen, aber das erwarte ich von einer Anthologie auch nicht. Drei waren dabei, die nicht so mein Fall waren - von denen zwei sprachlich und handwerklich nichtsdestotrotz sehr gelungen sind. Einige der Autoren sind auch deutlich von H. P. Lovecraft beeinflusst.


Vielleicht habt ihr es meinen Kurzkritiken schon angemerkt: Es gibt einige Erzählungen, die mich wirklich begeistern konnten. Dazu zählen auf jeden Fall Florian Waldners Das Haus in Athens, Das Amulett von Whitby aus der Feder von Sabi Lianne sowie Ein Traum von Katherina Ushachov.


Fazit:

Die Anthologie Gruselmeer bietet abwechslungsreiche, kurzweilige Unterhaltung. Auch wenn nicht alle Geschichten schaurig sind, können die meisten dennoch durch ihre erzählerische Qualität überzeugen.


Vielen Dank an das Schreibmeer, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte! :)

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Tags: anthologie, gruselmeer, horror, kurzgeschichte, schreibmeer   (5)
 

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Das Erbe der Macht - Aurafeuer

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 30.09.2016
ISBN 9783958342170
Genre: Fantasy

Rezension:

„Und während pures Feuer durch seine Adern floss, erwachte tief in seinem Innern das Erbe der Macht.“





Klappentext

Die Welt, wie du sie kennst, ist eine Lüge!
Seit über einem Jahrhundert verbirgt der Wall die magische Gesellschaft vor Menschenaugen, garantiert Friede und Gleichheit zwischen Menschen und Magiern. Doch in den Schatten tobt ein Krieg um die Vorherrschaft. Jennifer Danvers ist eine Lichtkämpferin. Als ihr Freund und Kampfgefährte stirbt, erwacht mit Alexander Kent ein neuer Erbe der Macht, der von ihr in die Welt der Magie eingeführt werden muss.
Keiner von beiden ahnt, dass das Gleichgewicht der Kräfte außer Kontrolle geraten ist. Das Böse holt zum großen Schlag aus, um den Wall endgültig zu zerschmettern.
Machtvolle Zauber, gefährliche Artefakte, uralte Katakomben und geheime Archive. Die Lichtkämpfer und der Rat des Lichts – Johanna von Orleans, Leonardo da Vinci, und weitere Größen der Menschheitsgeschichte – stellen sich gegen das Böse.




Das Buch

Aurafeuer ist der Auftakt zu Andreas Suchaneks Urban-Fantasy-Reihe Das Erbe der Macht, die momentan 9 Bände umfasst (Stand: November 2017) und von der jeden Monat eine weitere Episode in der Greenligth Press erscheint - zunächst als E-Book, nach drei Monaten auch als Hardcover-Sammelband, der jeweils drei Episoden enthält.


Im Kern geht es in Das Erbe der Macht um die schon Jahrhunderte währende Auseinandersetzung von Licht- und Schattenkämpfern - und in deren Folge um nichts Geringeres als um das Fortbestehen der nichtmagischen Welt. Im Prolog erleben wir live mit, wie das Erbe der Macht in einem neuen Auserwählten erwacht: In Alexander Kent, der nicht so recht weiß, wie ihm geschieht, als ihm die Lichtkämpferin Jennifer „Jen“ Danvers eröffnet, dass sich sein Leben nun von Grund auf ändern wird.


Gemeinsam mit Alex lernt der Leser die Welt - oder besser gesagt: Den Kosmos der Serie kennen, denn der Autor verwendet so viel Mühe darauf, ein in sich stimmiges Setting zu kreieren, dass man vor der Komplexität der magischen Welt und ihrer Regeln nur den Hut ziehen kann. Magier und Nichtmagier (die „Nimags“) leben in einer Art Parallelgesellschaft, zumindest hat es der Kampf gegen die Schattenkämpfer irgendwann nötig gemacht, die Erinnerungen der Nimags an jegliche Art der Magie zu löschen.


Auch wie Magie in der Welt der Serie funktioniert, ist interessant: Es gibt Auren und Sigile. Erinnerungen an Zauber und Weiteres, die man erbt, wenn man neu erweckt wird, die jedoch verblassen, wenn man sie nicht durch Studien vertieft. Spezialgebiete der Magie, Essenzstäbe (aka. Zauberstäbe), Portale, magische Artefakte und und und. Das alles ist zweifellos faszinierend, allerdings habe ich mich mit dem Einstieg in die Geschichte schwer getan. Insbesondere das erste Drittel des Buches dient der Einführung in die Welt. Viele Informationen werden jedoch wenig elegant in die Erzählung eingeflochten, so dass die Handlung noch nicht richtig in Fahrt kommt.


Aurafeuer wird nicht nur aus der Sicht von Alex und Jen erzählt, sondern auch andere Lichtkämpfer kommen zu Wort. Obwohl Jens Team eine coole Truppe ist, sind mir die Protagonisten seltsam fern geblieben. Oft agieren sie gewollt lässig oder sarkastisch, schießen meiner Meinung nach aber über das Ziel hinaus. Der einzige, der so etwas wie Sympathie in mir wecken konnte, ist der Unsterbliche Leonardo Da Vinci - denn genau, wie es der Klappentext verspricht, offenbart der Autor Erkenntnisse über den Lauf der Geschichte, die so in keinem Geschichtsbuch stehen.


Für mich als historisch Interessierte ist das ein großer Pluspunkt von Das Erbe der Macht: Die Einbettung und Umdeutung historischer Ereignisse oder Persönlichkeiten im Kontext des Kampfes zwischen Licht- und Schattenkämpfern - der wahrlich weltgeschichtliche Ausmaße hat.


Im Castillo, dem Hauptquartier der Lichtkämpfer, werden diese in den Tricks und Feinheiten der Magie unterrichtet. Ein urbanes Fantasysetting, in dem Jugendliche die Kunst der Zauberei erlernen, evoziert früher oder später immer den Vergleich zur Genregröße Harry Potter - den Suchaneks Figuren in Aurafeuer selbstbewusst und selbstironisch vorwegnehmen.


„‚Echt jetzt? Das hier ist Hogwarts?‘
(...)
‚Wenn ich das noch ein einziges Mal höre, lösche ich jede Erinnerung an diese Buchreihe.‘

(Andreas Suchanek, Aurafeuer, S. 31 E-Book))


Nein, Das Erbe der Macht ist wirklich nicht wie Harry Potter - und versucht auch gar nicht so zu sein, sondern ist herrlich eigenständig. :) Ab diesem Punkt konnte mich die Erzählung wirklich packen.


Natürlich schmieden auch die Schattenkämpfer fleißig Intrigen - und eine alte Feindin des Guten, die Schattenfrau, die Jen und ihren Freunden immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Dem Autor gelingt es so, Aurafeuer in eine ganz andere Richtung zu lenken. Auf wenigen Seiten wird viel Handlung geboten, ein Spannungsbogen, der zum Ende hin immer stärker anzieht - und neugierig auf den zweiten Band der Reihe macht.




Fazit

Mit Aurafeuer entführt uns Andreas Suchanek in den faszinierenden, gut durchdachten Kosmos der Das Erbe der Macht-Reihe. Ein solider Auftakt, der Luft nach oben lässt, aber dennoch neugierig auf die Fortsetzung macht.

 


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Opfermond - Ein Fantasy-Thriller

Elea Brandt
Flexibler Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Mantikore-Verlag, 16.10.2017
ISBN 9783945493366
Genre: Fantasy

Rezension:

„Der Tod war ein ständiger Begleiter im Sha-Quai. Er lauerte in schimmligen Brot, in eitrigen Ausschlägen und in beißendem Hunger. Manchmal kam er schleichend, manchmal unvorhergesehen.“



(Elea Brandt, Opfermond, S.8)


Klappentext

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein  Blutopfer verlangt … (Quelle: Mantikore-Verlag)


D as Buch

Opfermond ist ein vielschichtiger Roman, der mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Elea Brandt entführt ihre Leser in ihrem Debütroman in ein orientalisches Setting: In Ghor-el-Chras gibt es nur einen einzigen Gott, Chras, den Blutigen. Die Stadt ist in mehrere Bezirke unterteilt, die den verschiedenen Gesellschaftsschichten zugeordnet sind. Ein überwiegender Teil der Geschichte spielt im Armenviertel, dem Sha-Quai.


„Man musste hart werden, wenn man im Sha-Quai überleben wollte.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.29)

 

Ungeschönt und in teils drastischen Worten zeichnet die Autorin ein beklemmendes Bild von Elend, Not, Armut und Betrug, die das Leben der Bewohner dieses Viertels prägen – und ihren Charakter. Auch die Hure Idra, eine der Protagonistinnen, schimpft das Sha-Quai ihr Zuhause. Idra hat früh gelernt, sich durchzuschlagen und zu sehen, wo sie bleibt.


„[Idra] trug ihren Kopf aufrecht und sie konnte sich immer noch in die Augen sehen, ohne vor Scham im Boden zu versinken. In diesem Loch eine echt große Leistung.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.30)


Durch Zufall wird sie Zeugin eines Mordes, dessen Tragweite sie sich erst bewusst wird, als immer mehr Menschen in ihrer Umgebung an einer seltsamen Krankheit sterben. Idra ist eine Heldin wider Willen. Das einzige, das sie anfangs interessiert, ist ihr eigenes Überleben. Dies ändert sich erst, als Varek in ihr Leben tritt. Dieser soll den mysteriösen Mord an einem Alchemisten klären – und kommt dabei bald einem grausamen Kult auf die Spur, der seiner Göttin im Untergrund mehr als nur Blutopfer darbringt.


Beide Protagonisten – Varek und Idra – sind vielschichtig und tief. Desillusioniert von den Grausamkeiten des Lebens sind sie rau, hart und ruppig geworden. Allen voran Varek, der als Unbestechlicher Morde im Auftrag der Priesterschaft des Blutigen Gottes verübt, wirkt auf den ersten Blick abgebrüht, vermisst jedoch sein altes Leben und wird von seinem Gewissen geplagt.


Alle Figuren, denen Varek im Laufe seiner Ermittlungen begegnet, oder mit denen Idra Kontakt hat, scheinen etwas zu verbergen zu haben. Sie sind allesamt grau. Genau wie Varek weiß man als Leser nicht, ob man dem Glauben schenken kann, was sie berichten. Die vielen orientalisch angehauchten Namen haben es mir anfangs schwer gemacht, die einzelnen Charaktere auseinanderzuhalten. Mit steigender Seitenzahl gelingt das immer besser.


Der Thrillerplot ist geschickt und komplex angelegt. Die Figuren sind eng miteinander verflochten, so dass es scheint, dass jeder jeden kennt oder auf irgendeine Weise miteinander zu tun hat. Elea Brandt streut nur vereinzelte, dezente Hinweise und überlässt es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.


Varek stößt bei seinen Ermittlungen auf einen alten Kult. Die Legende der Käferkönigin, die in den dunklen Gängen unter der Stadt lauert, verleiht Opfermond Züge eines Mysterythrillers. Einige Szenen sind ganz schön gruselig. Morde, Sex und … Riten des Kultes werden explizit dargestellt – definitiv nichts für schwache Nerven (oder Mägen). Sprachlich passen die Beschreibungen aber immer zur Lebenswelt des Sha-Quai und zu den Figuren, wodurch der Roman an Authentizität gewinnt. Es wird geflucht, gemordet, Intrigen und Ränke geschmiedet.


Aber auch die kritische Sicht auf die Gesellschaft kommt nicht zu kurz: So geht es unter anderem auch um die Rolle der Frau, die weder im Sha-Quai, noch in den höher gestellten Familien wirklich frei sein kann.


Hinzu kommt eine fiebrige Atmosphäre, das Gefühl, dass da etwas Bedrohliches unter der Oberfläche der Stadt, aber auch hinter jedem einzelnen Menschen, lauert und nur darauf wartet, hervorzubrechen. Im Laufe der Handlung wird die Atmosphäre immer düsterer, packender, bis sich Opfermond zu einem fulminanten Finale steigert, das alle zuvor geschürten Erwartungen sogar noch übertreffen kann.


Fazit

Opfermond ist ein verschlungener Fantasy-Thriller, der überraschende Wendungen nimmt und sein Tempo steigert. Packend und atmosphärisch dicht erzählt, mit grandios gezeichneten Figuren, deren Abgebrühtheit und Tiefe überzeugen können.

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Tags: dark fantasy, mantikore-verlag, opfermond, orientalisch, thriller   (5)
 

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Die Blätter des Herbstbringers

Fabienne Siegmund
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei OHNEOHREN, 13.03.2017
ISBN 9783903006713
Genre: Fantasy

Rezension:

„Sie hatte ihn geschaffen. Hatte ihm sein Kleid aus Herbst genäht und die Nebel in seinen Augen mit Schmerzen genährt. Ihr Schmerz war zu seinem geworden.“

(Fabienne Siegmund, Die Blätter des Herbstbringers, S.61) 

Klappentext

Es war Herbst, als es geschah. Jene bittersüße Jahreszeit, in der der Sommer seinen Abschied nimmt, um im Winter sein Ende zu finden.

Blätter in Herbstfarben sind es, die das Leben von Ari Mikalainen bestimmen. Sie gleiten in seinen Gedanken zu Boden, hüllen Tage und Nächte in ein düsteres Kleid. Aris eigener Sommer vergeht schon in Kindertagen, als seine beste Freundin Mira und er Zeugen eines grausamen Verbrechens werden.
Am Ende dieses Sommers steht ein geheimnisvoller Mann, der die Nächte durchstreift, auf der Suche nach Geschehnissen, die sonst von Dunkelheit verborgen bleiben. „Herbstbringer“ nennen die Zeitungen das Phantom, das der Polizei Verbrecher auf dem Silbertablett liefert und kleine Blätter an den Tatorten zurücklässt.
Sind es nur zwei Geschichten eines einzigen Herbstes oder gibt es eine Verbindung zwischen Ari und dem geheimnisvollen Fremden? (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Als ich auf der Phantastika in Oberhausen Fabienne Siegmunds Lesung aus Die Blätter des Herbstbringers lauschen durfte, habe ich mich Hals über Kopf in die Stimmung des Romans und den ganz besonderes Schreibstil der Autorin verliebt. Ich kann euch verraten, dass auch der Rest des Romans die Erwartungen, die die kurze Kostprobe geweckt hat, sogar noch übertreffen kann.

Im Fokus des Romans steht Ari Mikalainen, dessen Welt zerbricht, als er erst sieben Jahre alt ist und gemeinsam mit seiner besten Freundin Mira einen grausamen Mord beobachtet. Um diesen geht es im Prolog des Romans, der aus der Sicht des Siebenjährigen berichtet – und das so einfühlsam und empathisch, dass es mich zu Tränen gerührt hat.

Ari ist ein tiefer, vielschichtiger Protagonist. Was er als Kind erlebt hat, prägt ihn noch heute. Er ist sehr melancholisch und davon überzeugt, dass niemand in seiner Gesellschaft fröhlich sein könne. Das belastet vor allem sein Verhältnis zu Mira, mit der er noch immer befreundet ist. Mira ist der Mittelpunkt von Aris Welt. Er will sie glücklich sehen, in ihrer Nähe sein – doch weiß auch, dass er sie an das Verbrechen erinnert, das sie als Kinder mitansehen mussten.

Die Beziehung der beiden ist so zart und zerbrechlich wie Schmetterlingsflügel. Wie Ari um sein Glück kämpft und doch immer glaubt, nicht glücklich werden zu können – oder zu dürfen -, seine innere Zerrissenheit und wie sich das traumatische Erlebnis aus seiner Kindheit noch immer auf ihn auswirkt – all das hat Fabienne Siegmund mit Fingerspitzengefühl zu einem authentischen Charakter verwoben. Sie gibt seinen Gefühlen Raum und kleidet sie in Worte, die seine Empfindungen auch zu meinen gemacht haben.

Neben Ari spielt auch der Herbstbringer eine große Rolle. Er ist eine Art Phantom, ein Gentleman, der nachts durch die Straßen streift und Verbrechen verhindert. Man könnte sagen, dass er eine Art Superheld ist – zumindest ein Beschützer der Schwachen, der nur eines will: Gerechtigkeit. Die Zeitungen reißen sich darum, das Geheimnis zu lüften, wer sich hinter dem weiß geschminkten Gesicht verbirgt – und auch die Polizei beginnt zu ermitteln.

Die Romanhandlung hat mir sehr gut gefallen – insbesondere die Auftritte des Herbstbringers, der seine Maske auch vor den Lesern nicht fallen lässt. Was Die Blätter des Herbstbringers in meinen Augen aber besonders auszeichnet und zu einem großen Lesevergnügen macht, ist der Schreibstil der Autorin. Die Sprache ist wundervoll poetisch, melancholisch und schwer, zugleich aber auch leicht und zerbrechlich. Fabienne Siegmund ist eine Wortpoetin: Sie malt Bilder und Gefühle mit Worten, die verzaubern und etwas tief in mir berührt haben. So tief, dass ich oft die Tränen wegblinzeln musste, um weiterlesen zu können.

Eines weiß ich jetzt schon: Dies wird mit Sicherheit nicht der letzte Roman von Fabienne Siegmund sein, den ich lesen werde. 

Fazit: Poetisch, melancholisch, berührend. Die Blätter des Herbstbringers ist ein Roman, der die Stimmung des Herbstes auf Papier bannt: mal zart wie ein Lufthauch, dann mitreißend wie ein Sturmwind. Ein sehr gelungener Roman, der definitiv zu den besten gehört, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

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Tags: herbst, urban fantasy, verlag ohneohren   (3)
 

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aeswyn, druiden, elfen, fantasy, high fantasy, high-fantasy, königreich, legende, legenden, lorin, magister, normand doderer, norman doderer, waldelfen, wölfe

Der Weg nach Aeswyn

Norman Doderer
Flexibler Einband: 276 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 14.06.2015
ISBN 9781514351758
Genre: Fantasy

Rezension:

„Sie kommen zurück. Es hat bereits begonnen. Schwarze Wolken ziehen von Osten her auf und werden Tyr erneut in Dunkelheit hüllen“

(Norman Doderer, der Weg nach Aeswyn, S.26 E-Book )

Klappentext
Tyr, das einst große und stolze Reich der Elfen, ist nach einem schrecklichen Krieg in drei Königreiche zerfallen und seither durch Mauern getrennt. Getrieben von Misstrauen und Argwohn haben die Könige von Mag Môr, Tawhar und Aeswyn jegliche Beziehungen zueinander abgebrochen. Doch ein alter gemeinsamer Feind wirft abermals seine dunklen Schatten gen Tyr..
Aladriel, der junge Prinz Tawhars, macht sich gegen den Willen seines Vaters auf, um in Aeswyn um Beistand zu bitten. Wird es dem jungen Waldelfen gelingen, das Reich gegen diese Bedrohung erneut zu einen? Oder besiegeln unüberwindbare Differenzen zwischen den drei Elfenvölkern ihr gemeinsames Schicksal? Eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse beginnt … (Quelle: Talawah Verlag)


Das Buch
Ich liebe High Fantasy. Egal ob Elfen, Zwerge oder Trolle: Von solchen Romanen kann ich nur schwer die Finger lassen. Kein Wunder also, dass mich der Klappentext von Die Legende von Tyr – der Weg nach Aeswyn sofort zum Kauf verführt hat.


Obwohl es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, gelingt es Norman Doderer, den Leser behutsam in den Kosmos seiner Erzählung einzuführen. Der Weltenbau ist – ebenso wie die Geschichte des Elfenreiches – stimmig und gut durchdacht: Die drei Königreiche Mag Môr, Tawahr und Aeswyn unterscheiden sich ebenso wie die Bräuche und Lebensweise der verschiedenen Elfenvölker. Doch eines ist ihnen trotz ihrer tiefwurzelnden Feindschaft gemein: Sie alle werden durch eine alte Gefahr bedroht, die längst besiegt schien.


Für Aladriel, den Prinzen der Waldelfen, steht außer Frage, dass das Reich nur durch eine Allianz von Tawahr und Aeswyn geschützt werden kann – und so begibt er sich mit seinem Freund Lorin und seinem Wolfsgefährten auf den langen und beschwerlichen Weg nach Aeswyn.


Eine alte, fast vergessene Bedrohung, die verzweifelte Suche nach Hilfe und eine Reise – das alles sind Zutaten, die viele High Fantasy-Romane beinhalten. Insbesondere die lange Reise eröffnet dem Leser die Möglichkeit, tiefer in die Welt der Erzählung einzutauchen – so auch hier. Der Autor nutzt nahezu jede sich bietende Gelegenheit, neue Details und Charakteristika der Romanwelt vorzustellen. Besonders die Erklärungen über Religion und Gesellschaftsordnung haben es mir angetan. Solche Exkurse sind faszinierend und tragen dazu bei, dass die Welt plastisch und authentisch wirkt, sie geraten allerdings oft etwas ausufernd und scheinen manchmal fehl am Platze.


Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Aladriels Begleiter Lorin hat es mir angetan. Er ist sarkastisch, nimmt kein Blatt vor den Mund und erinnert seinen Freund immer wieder daran, dass es manchmal besser ist, erst nachzudenken und dann zu handeln.


Mit Aladriel, dem Perspektivträger, habe ich mich etwas schwerer getan. Ohne Frage ist er sympathisch und folgt seinen Idealen. Aber in manchen Situationen kommt er auf seltsame Ideen, die er erst nach Lorins Mahnung verwirft und dann erst seine vorherige Entscheidung überdenkt. Mich hat es gerade zu Anfang ungemein gestört, dass Aladriel das Denken Lorin zu überlassen scheint. Viele Konflikte zwischen den beiden entwickeln sich sprunghaft oder Interessantes wird nur angedeutet. So hat Lorin zum Beispiel dem alten Glauben abgeschworen, dies wird jedoch nicht weiter thematisiert und bleibt auch im weiteren Verlauf der Handlung ohne Konsequenzen.


Natürlich werden die beiden auf ihrer Reise verfolgt, müssen sich gegen die Witterung, ein Gebirge und zahllose wilde Tiere behaupten. Einige dieser Szenen wirken wie Lückenfüller und bringen den Plot kaum voran. Wieder andere Szenen – insbesondere die Kampfszenen, wenn Aladriel gegen andere Elfen antritt – konnten mich packen. Das waren die Momente, in denen ich wirklich mit dem Elfen mitgefiebert habe.


Sprachlich stechen einige Bilder und Vergleiche wirklich heraus, weil sie farbig und neu sind. Sehr oft werden allerdings auch ganze Formulierungen wiederholt und ich hatte das Gefühl, dass sich Dinge gedoppelt haben.


Während manche Passagen der Reise nur so dahinplätschern, endet der Roman jedoch mit einem wahren Paukenschlag – und einem Cliffhanger, der mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.


Fazit
Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn ist ein solider Auftaktroman. Obwohl sich das Buch eher wie ein Prolog liest, liegt seine Stärke dennoch in der sehr gut ausgearbeiteten Welt, die mich komplett überzeugt hat.

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steampunk

Tante Hetty

Angela Stoll
E-Buch Text: 102 Seiten
Erschienen bei Verlag OHNEOHREN, 19.06.2017
ISBN 9783903006881
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Was sollte nur aus ihm werden, mutterlos und ohne Vater? Nun hatte er nur noch diese Tante, die ihm ziemliche Angst einjagte.“

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.8)

Klappentext
Rauch aus den Schornsteinen der Eisenhütten verfinstern die Stadt. Ebenfalls düster sieht es für einen ihrer Bewohner aus. Rupert ist zehn Jahre alt und allein. Als unehelich geborenes Kind vertraut er auf die Fürsorge von Tante Hetty, einer Frau, die seiner kürzlich verstorbenen Mutter sehr nahestand. Ihm bleibt keine Zeit zum Trauern, denn die Tante entpuppt sich als perfide Betrügerin.

Als der verlassene Junge einsam durch die Straßen stolpert und einer Geisterfrau begegnet, eröffnen sich für Rupert neue Welten: die Bedrohung durch mechanische Wächter, der Ruß der Stadt und die Obhut einer starken Frau. All dies vermischt sich mit dem allgegenwärtigen Geschmack von Tantes Hettys Ingwerbonbons – und dem einer Intrige. (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Die Zahnräder auf dem Cover verraten es schon: Tante Hetty ist ein Steampunk-Kurzroman. Wer nichts mit dem Begriff Steampunk anfangen kann, den kann ich beruhigen: Die Elemente sind sparsam eingesetzt und tragen dazu bei, die besondere Atmosphäre des Romans zu vertiefen.

Schon auf den ersten Seiten konnte Tante Hetty mich für sich gewinnen – das liegt nicht allein an ihrem einnehmenden Wesen, vielmehr an der Erzählstimme. Mit unvergleichlichem Charme, süffisanten, bitterbösen und amüsanten Kommentaren hat mich die Erzählung langsam in ihre Welt eintauchen lassen, beinahe als lausche man einem Geschichtenerzähler.

Im Zentrum des Romans steht der Zehnjährige Rupert, der sich nach dem Tod seiner Mutter in Tante Hettys Obhut befindet. Das währt allerdings nur so lange, bis Ruperts Mutter unter der Erde ist und die vermeintliche Hetty sich mit den Ersparnissen der Toten über alle Berge machen kann.

Der Junge hat Glück im Unglück, denn Bella, eine junge Lady, die das Sonnenlicht aufgrund einer Krankheit meiden muss, findet ihn. Auf ihrem Anwesen in der Stadt nimmt sie sich der Kinder an, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, weil sie äußerlich anders sind. Dieser Aspekt der Geschichte hat mich ein bisschen an Ransom Riggs Insel der besonderen Kinder erinnert, obwohl die Kinder in Tante Hetty nichts mit dem Übernatürlichen am Hut haben.

Angela Stoll beweist ein Händchen für ihre Figuren. Die Charaktere sind allesamt unverwechselbar und gut ausgearbeitet. Sie alle sind skurril bis kauzig – und Kochen ihr eigenes Süppchen. Am meisten hat mich Tante Hetty fasziniert. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will und wie sie es bekommt, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Ingwer und Intrigen, die im Untertitel erwähnt werden. Munter wechselt sie ihre Tarnidentitäten, ist gierig, gerissen und skrupellos.


„Liebe gab es nicht. Das war nur eine Lüge, mit der den Dummen das Geld aus der Tasche gezogen wurde.“ 

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.48)

Hetty geht über Leichen – am liebsten über die ihrer betagten, gut betuchten und plötzlich verstorbenen Gatten, denn sie ist hinter Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Es macht großen Spaß, von solch einer Figur zu lesen – ihre Selbstgefälligkeit ist einfach herrlich. 

Rupert verbringt einige glückliche Jahre auf dem Anwesen – doch dann droht eine neue Intrige Tante Hettys Bellas Lebenstraum zu zerstören. Die Kinder wollen das um alles in der Welt verhindern und versuchen, Tante Hetty auf eigene Faust das Handwerk zu legen. Im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass alles und jeder in dieser Geschichte irgendwie miteinander verbunden sind.

Wenn der Roman ein Manko hat, dann seine Kürze. Ich hätte gern noch mehr Zeit auf Bellas Anwesen verbracht und in der wundervollen Sprache geschwelgt. Für eine Bus-/Zugfahrt ist das Buch aber perfekt.

Fazit
Mit einer unterhaltsamen, spannenden Erzählung voller skurriler Charaktere, einer ungleich charmanten Erzählstimme und einer Tante Hetty, die ihresgleichen sucht, bietet der Roman ein kurzes, aber großes Lesevergnügen. Perfekt geeignet für den kleinen Lesehunger zwischendurch – und macht Lust auf kandierten Ingwer.^^

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Drachenreiter - Die Feder eines Greifs

Cornelia Funke , Cornelia Funke
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Dressler, 26.09.2016
ISBN 9783791500119
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Klappentext
Der Drachenreiter kehrt zurück!

In der Abgeschiedenheit Norwegens erreicht Ben eine schreckliche Nachricht: Die letzten drei Pegasusfohlen werden vermutlich nie schlüpfen und mit ihnen werden die geflügelten Pferde für alle Zeit aus dieser Welt verschwinden. Um sie zu retten, machen sich Ben und Barnabas mit einem äußerst ungewöhnlichen Expeditionsteam auf den weiten Weg nach Indonesien, um dort eins der gefährlichsten Fabelwesen der Welt zu finden. Denn nur die Sonnenfeder eines Greifs kann die Fohlen noch vor dem Tode bewahren. Doch Greife hassen Pferde, und das Wesen, das sie als ihren ärgsten Feind betrachten, ist Bens bester Freund – ein Drache. (Quelle: Dressler Verlag)

Die Erzählung setzt zwei Jahre nach den Ereignissen aus Drachenreiter ein, doch um seine Freude an Die Feder eines Greifs zu haben, muss man den ersten Band nicht gelesen haben. Mittlerweile wurde Ben von den Wiesengrunds adoptiert, die in Norwegen eine Schutzstation für Fabelwesen aufgebaut haben. Ein im wahrsten Sinne des Wortes magischer Ort, der ebenso wie seine – teils skurrilen, aber in allen Fällen liebenswerten – Bewohner, die mit viel Phantasie und Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden.

Auf Ben und seine Freunde wartet diesmal eine gefährliche Mission: Damit die letzten drei Pegasusfohlen schlüpfen können, müssen sie die Feder eines Greifs besorgen, die diesen nur aufgrund besonderer Tapferkeit wächst – und ihnen bliebt dafür nicht viel Zeit. Als wäre das nicht schon dramatisch genug, sind Drachen und Greife Erzfeinde. Weil Ben Lung nicht in Gefahr bringen will, belügt er seinen Freund über das Ziel ihrer Reise.

Ben und sein kunterbunter, manchmal leicht chaotischer Expeditionstrupp erleben im Urwald Indonesiens viele Abenteuer. Sie begegnen einer Reihe faszinierender Fabelwesen und anderen Tieren, deren Charaktere allesamt rund und plastisch ausgearbeitet sind. Am beeindruckendsten waren für mich die Darstellung und Charakterisierung der Greife und ihrer Lebenswelt.

Natürlich darf auch das Stammpersonal aus dem ersten Band nicht fehlen. Eine echte Überraschung war für mich Fliegenbein, der letzte Homunkulus. Sein Charakter ist so vielschichtig und tief und mit seinen teils hochphilosophischen Gedanken hat er sich zu meinem heimlichen Helden gemausert.

Allerdings ist es schade, dass Lung und Ben gut die Hälfte des Romans getrennt sind – worunter beide leiden. Funke gelingt es aber gerade durch diese räumliche Trennung, das Besondere ihrer Freundschaft einzufangen, das man kaum in Worte fassen kann.

Wenn man eines sagen kann, dann, dass es der Autorin nicht an Kreativität mangelt. Wie schon im Vorgänger hat sie den Text selbst liebevoll illustriert. Noch dazu beginnt jedes Kapitel mit einem kurzen, aber passenden Zitat – von Puh der Bär über die Frau des Zeitreisenden und Unten am Fluss sind viele Klassiker der Literatur vertreten.

Die Geschichte ist tempo- und wendungsreich, sprüht vor Ideen und Einfallsreichtum und findet die perfekte Balance zwischen Witz und Ernst. Arten-, Umwelt- und Naturschutz werden thematisiert . Manchmal mit etwas zu stark erhobenem Zeigefinger, doch die Botschaft ist klar: Die Welt ist voller Wunder, die wir achten und bewahren sollten, statt sie rücksichtslos zu zerstören.

Insgesamt hat mir die Fortsetzung zu Drachenreiter gut gefallen. Sie ist kurzweilig zu lesen, spannend, amüsant und unterhaltsam. Die Erzählung hat mich so tief in ihre faszinierende Welt abtauchen lassen, dass ich es schade fand, dass das Buch schon vorbei war – auch wenn der letzte Satz förmlich nach einer Fortsetzung schreit.

Fazit
Auch wer Drachenreiter nicht kennt, sollte dieses Buch lesen – oder am besten beide. Ein wunderbares Jugendbuch.

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Drachenreiter

Cornelia Funke , Cornelia Funke
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.01.2014
ISBN 9783841502643
Genre: Kinderbuch

Rezension:



„Der Drache träumte von den Bergen, von Steinzwergen, die seinen Schwanz hinaufkletterten, und von dem schmutzigen Kanal, der durch die große Menschenstadt floss."

(Cornelia Funke, Drachenreiter, 2. Auflage 2002, S.111)

Wenn es ein Buch gibt, das mich zu einem Bücherjunkie und einer Leseratte gemacht hat, dann ist es wohl Cornelia Funkes Drachenreiter, das mir schon als Grundschülerin in die Hände fiel. Der Roman ist mittlerweile nicht nur in einem neuen Gewand erschienen, sondern hat im vergangenen Jahr mit Die Feder eines Greifs auch eine lang ersehnte Fortsetzung bekommen.

Klappentext
Eine abenteuerliche Reise liegt vor Lung, dem silbernen Drachen, und seinen Begleitern, dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Waisenjungen Ben. Sie sind auf der Suche nach einem sicheren Ort für Lungs Artgenossen, für die es in der Menschenwelt keinen Platz mehr zu geben scheint. Lung setzt seine ganze Hoffnung auf den sagenumwobenen "Saum des Himmels". Dort, irgendwo zwischen den Gipfeln des Himalaya versteckt, soll die ursprüngliche Heimat der Drachen liegen. Noch ahnen die drei jedoch nicht, dass es etwas viel Bedrohlicheres als die Menschen gibt - Nesselbrand den Goldenen, das gefährlichste Drachen jagende Ungeheuer, das die Welt je gesehen hat. Und er ist ihnen auch schon auf der Spur ... (Quelle: Dressler Verlag)

Um das Überleben seiner Art zu sichern und eine neue Heimat zu finden, macht sich der Silberdrache Lung auf den weiten und beschwerlichen Weg von Schottland bis in zum Himalaya, auf der Suche nach dem "Saum des Himmels". Dabei ist er zum Glück nicht auf sich allein gestellt: Schwefelfell, ein Koboldmädchen, das Pilze liebt, schnell Heimweh bekommt und ab und an ungeniert schimpft und flucht, ist seine treue Begleiterin. Bei einem Zwischenstopp in Deutschland begegnen die beiden dem Waisenjungen Ben - und beschließen, ihn mit auf ihre Reise zu nehmen.

Wie das ungleiche Trio erste zarte Bande der Freundschaft knüpft, beschreibt Cornelia Funke herzerwärmend und bezaubern. Die Autorin entführt uns in eine Welt, in der Fabelwesen und Menschen nebeneinander wohnen, in der Zauber in jedem Winkel zu finden ist - solange man mit offenen Augen und ganz bewusst durch die Welt geht. Das Setting des Romans mutet oft märchenhaft an, die Geschichte wurde von Funke selbst liebevoll illustriert.

Auf der Reise zum "Saum des Himmels" müssen Lung, Ben und Schwefelfell einige Abenteuer bestehen, treffen andere Geschöpfe und Menschen, denen das Wohl der Fabelwesen am Herzen liegt und die sich für ihren Schutz einsetzen. Doch nicht jede Begegnung auf ihrem Weg gestaltet sich friedlich, denn nicht jeder ist dem Silberdrachen wohlgesonnen.

Drachenreiter ist ein Buch, das einen schmunzeln lässt, das aber auch zum Nachdenken darüber anregt, wie wir Menschen mit der Welt und den Geschöpfen, mit denen wir uns die Erde teilen, umgehen. In der Geschichte steckt auch Vieles, das Erwachsene anspricht: Die zeitlosen Werte von Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und Toleranz.

Fazit
Drachenreiter ist ein gelungenes Jugend-/Kinderbuch, das ich jedem - egal welchen Alters - wärmstens ans Herz legen kann. Wer seinen Träumen silberne Drachenschwingen verleihen möchte, der sollte diesen Roman unbedingt lesen.

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Tags: drachen, fabelwesen, freundschaft, jugendbuch   (4)
 

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50 Tage: Der Sommer meines Lebens

Maya Shepherd
Flexibler Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Sternensand Verlag, 30.06.2017
ISBN 9783906829432
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Mit dir ist jeder Tag wie ein Kapitel in einem Buch, das noch lange nicht vorbei ist. (...) Es ist die Geschichte des besten Sommers meines Lebens."

(Maya Shepherd, 50 Tage - der Sommer meines Lebens, S. 115)

Die Route 66. Grenzenlose Freiheit. Der Duft von Abenteuer. Und ein Roadtrip, der nicht nur ein Leben verändert. Das alles steckt in 50 Tage - Der Sommer meines Lebens - und noch viel mehr.


Klappentext
Der Sommer 1965 ist der letzte vor Jades 18. Geburtstag. Die Beatles regieren die Charts, Blue Jeans erobern den Modehimmel und Jade erwischt ihren Freund dabei, wie er ihre beste Freundin Katie küsst. Ihre Welt zerspringt in tausend Teile und der Sommer scheint ins Wasser zu fallen. Jades Eltern haben überhaupt kein Verständnis für den Liebeskummer ihrer Tochter und bestehen darauf, dass sie trotz allem gemeinsam mit Katie in das bereits gebuchte Feriencamp fährt. Doch Jade schmiedet eigene Pläne. Sie lässt sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip ein, um vor ihren Problemen davonzulaufen. Nicht ahnend, dass die große Liebe bereits an der nächsten Kreuzung auf sie wartet. Ein Sommer voller Träume, Hoffnungen und Herzklopfen entlang der Route 66 beginnt, bis sich ihr das Schicksal mit aller Macht in den Weg stellt ...  (Quelle: Sternensand Verlag)

Schon im Prolog spürt man diese ganz besondere Atmosphäre, die dem legendären Highway der Route 66 zu eigen ist, diesem Sehnsuchtsort, der für viele der Inbegriff grenzenloser Freiheit ist.

Entlang dieser Straße führt auch der Weg der Ich-Erzählern Jade, die uns mitnimmt auf eine Reise, die nicht nur ihr Leben für immer verändern wird. Per Anhalter geht es für sie quer durch die USA, zu den Amish, auf eine Farm, ins schillernde Las Vegas - das alles gepaart mit einem wahnsinnig charmanten Sixties-Flair.

Die besondere Stimmung des Romans hat mich sofort für sich gewonnen. Auch wenn der Prolog andeutet, wie Jades und Jasons Reise enden wird, ist der Roman bittersüß, federleicht, sehnsüchtig, manchmal melancholisch und zugleich lebensbejahend.

In einem lockerleichten, amüsanten, aber auch ernsten Ton versteht die Autorin es, Jades Geschichte zu erzählen. Jade ist eine sympathische Protagonistin und ich muss gestehen, dass ich mich in vielerlei Hinsicht in ihr wiedererkannt habe.

Zwischen Jason und ihr stimmt die Chemie, auch wenn es am Anfang Reibereien gibt (aber gerade das macht die Liebe doch so spannend, oder?). Auf den ersten Blick ist der Typ mit dem schwarzen Mustang Cabrio ein Bad Boy, ein waschechter Draufgänger, doch er hat einen nicht minder weichen Kern.

Maya Shepherd gelingt es, Jades Gefühle nachvollziehbar und nachempfindbar zu machen. Man lacht, bangt und weint mit ihr. Liebe, Angst, Verletztheit, Unsicherheit, Zweifel - die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen steckt in Der Sommer meines Lebens. Manchmal hätte es für meinen Geschmack aber ruhig etwas weniger kitschig und tränenreich sein dürfen, obwohl eine Sommerlektüre an einigen Stellen gern auch mal seicht(er) sein darf. ^^

Der Sommer meines Lebens ist ein Roman über das Erwachsenwerden. Darüber mutig zu sein und darüber, aus seinen starren Vorstellungen auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Maya Shepherd wirft zwischen den Zeilen Fragen auf, die sich wohl jeder von uns stellt: Habe ich den richtigen Weg eingeschlagen? Was bedeutet Glück für mich? Und was will ich wirklich? Der Roman hat etwas Besonderes geschafft: Beim Lesen habe ich auch viel über mich gelernt.

Fazit
Der Sommer meines Lebens ist eine angenehme Sommerlektüre. Flirrend wie die Sommerhitze, belebend wie warmer Sommerregen. Manchmal driftet die Geschichte in seichte Gewässer ab, aber der unbeschwerte Schreibstil der Autorin und die sympathischen Charaktere machen das locker wett. Sehr lesenswert.

In diesem Sinne: Seid mutig und packt das Leben mit beiden Händen! :)

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Tags: jugendbuch, romance, sommer, sternensand verlag   (4)
 

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Der Hexenschöffe

Petra Schier , ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2014
ISBN 9783499268007
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Niemals durfte ein solches Unrecht sich wiederholen. (…)Getrauert und bedauert hatte er lange genug. Nun war es an der Zeit zu handeln.“

(Petra Schier, Der Hexenschöffe, S. 11)

Mit Der Hexenschöffe wagt sich Petra Schier an ein düsteres Kapitel der Geschichte: Die Hexenverfolgungen. Ein Thema, das nichts für Zartbesaitete ist – und das die Autorin mit sehr viel Fingerspitzengefühl anfasst, ohne es zu beschönigen.


Klappentext
Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit
Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert.
Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten.
Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft … (Quelle: Rowohlt Verlag)

Der Rheinbacher Kaufmann Hermann Löher steht im Zentrum des Romans. Er ist nicht nur Augenzeuge der Hexenprozesse, sondern ebenso der Verfasser einer 600-seitigen Klageschrift – der Hochnötigen Unterthanigen Wemütigen Klage der Frommen Unschültigen. Diese Abhandlung hat Petra Schier nicht nur als Quelle herangezogen, sondern zitiert zu Beginn jedes Kapitels aus ihr, wodurch der Roman viel authentischer wirkt.

Für das Gefühl der historischen Authentizität sorgt auch der Schreibstil der Autorin. Die Sprache ist altertümlich eingefärbt, aber leicht zu verstehen – ein echter Genuss, der zu einer Reise in die Vergangenheit einlädt.

Die Charaktere sind vielschichtig und dreidimensional – auch Nebencharaktere sind gut ausgearbeitete. Die Bandbreite an Regungen, die sie hervorrufen, reicht von liebenswert bis abstoßend.
Hermann ist ein Mann mit Idealen, der damit hadert, dass er als Schöffe am Gericht alle verhängten Urteile mittragen muss. Er möchte dem Hexenkommissar Einhalt gebieten, doch fürchtete zugleich um das Wohl seiner Familie. Dennoch widersetzt er sich dem Hexenkommissar so weit es ihm möglich ist.
Letzterer ist ein faszinierender Charakter: machtgierig und ohne Gewissen, der rhetorisch so versiert ist, dass er jedem das Wort im Munde herumdreht.

Neben Hermann steht aber auch die Generation seiner Kinder im Fokus der Erzählung, die trotz der lodernden Scheiterhaufen und des Misstrauens, das unter den Rheinbachern um sich greift, versuchen, ihr persönliches Glück zu finden und ihren eigenen Weg zu gehen.

Der Roman verlangt dem Leser einiges ab – und vermutlich auch seiner Autorin, denn einige Szenen gehen bis an die Grenzen des Erträglichen. Gewalt. Demütigung. Unsittliche Übergriffe. Die Verhörmethoden der Hexenkommissare in der Peinkammer. All dies beschreibt Schier ungeschönt, intensiv und schwer zu ertragen – vor allem wenn man bedenkt, dass so etwas (oder Ähnliches) tatsächlich geschehen ist und heute noch immer so geschieht.

Ein weiterer Pluspunkt und ein echter Gewinn ist das Zusatzmaterial u.a. ein historisches Nachwort und eine Erklärung zum Rheinbacher Brauchtum. Darüber hinaus gewährt Petra Schier auf ihrem Blog weitere Einblicke in die umfangreiche Recherche und Entstehung des Romans (und entfallene Kapitel). Ein Blick lohnt sich!

Fazit
Der Hexenschöffe ist ein packender historischer Roman, hervorragend recherchiert, spannend und authentisch. Auch wenn manche Szenen nicht leicht zu lesen oder zu verdauen sind, kann ich den Roman nur jedem empfehlen. Denn nach der letzten Seite bleibt der Eindruck zurück, mehr als einen Roman gelesen zu haben. Der Hexenschöffe ist ein Plädoyer dafür, seine Stimme zu erheben, selbst wenn es aussichtslos erscheinen mag – und seine Menschlichkeit nicht zu vergessen.

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Tags: frühe neuzeit, hexenverfolgung, historischer roman   (3)
 

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dystopie, freundschaft, grauenvoll, independent, jugendbuch, kinderbuch, klassengesellschaft, roman, schulbuch, schullektüre, überwachung, utopisch, zaun, zukunft, zweiteilung

Die Wächter

John Christopher , Johannes Piron
Flexibler Einband: 186 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.12.2007
ISBN 9783473580279
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„There are two worlds, with a barrier between them. The barrier may not be strong in the physical sense but in people’s minds it’s enormous.“

(John Christopher, The Guardians)

Zwar ist The Guardians von John Christopher bereits 1970 erschienen, aber die Dystopie, die mit dem Guardian-Award für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde, hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. (Anmerkung: Die Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Ausgabe)


Inhalt

England in einer fiktiven Zukunft: The Barrier – ein hoher Zaun – teilt das Land in zwei Regionen: Die Conurb für die Arbeiterklasse und die County, das ländliche England für die Oberschicht. Als Rob Randall nach dem mysteriösen Tod seines Vaters aus der Stadt flieht, wird er von einer Familie in der County „adoptiert“. Er passt sich dieser für ihn neuen Welt an, bis er eines Tages bemerkt, dass auch in der vermeintlich so idyllischen County dunkle Gefahren lauern.

Die Gesellschaft lebt in zwei verschiedenen Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: In der Conurb wird die Arbeiterklasse – ganz im Stil des Imperium Romanum – mit Brot und Spielen ruhig und zufrieden gestellt. Trotz der zahlreichen Ablenkungen, die es dort gibt (z.B. das Holovision, das unserem Fernsehen entspricht) gärt Unzufriedenheit unter der Oberfläche, die sich ab und an in Straßenschlägereien bahn bricht.

Das Leben in der County wirkt hingegen, als hätten die Uhren irgendwann während der Kolonialzeit aufgehört, sich zu drehen. Die Oberschicht lebt in prächtigen Landhäusern mit Scharen von Bediensteten, nutzt Pferdekutschen und geht elitären Vergnügungen nach, trifft sich auf Gartenpartys – Bespaßung durch das sinnbefreite Holovison gibt es für die Bewohner der County nicht.

Als Rob, der Protagonist, die Grenze überquert und von Mikes Familie aufgenommen wird, betritt er eine völlig neue Welt. Zunächst bereitet es ihm Schwierigkeiten, sich den Gepflogenheiten der County anzupassen, doch er lernt sein neues Leben rasch zu schätzen. Ganz im Gegensatz zu Mike: Er wirkt von Beginn an getrieben, auf der Suche nach dem „Mehr“, das das Leben zu bieten hat.

Dem Autor gelingt es, mit großem Einfühlungsvermögen das Innenleben seiner Charaktere zu porträtieren und die Tiefe ihrer Gedanken auszuloten. Für eine Dystopie ist es – zumindest in meinen Augen – ungewöhnlich, dass der Protagonist das bestehende System kaum hinterfragt und es eine der Nebenfiguren ist, die mit der Welt hadert. Dadurch wird auch die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt.

Der Roman ist spannend geschrieben. Der Schreibstil liest sich auch im Original angenehm und flüssig. Wer also nicht davor zurückschreckt, englische Bücher zu lesen, der sollte unbedingt zur Originalversion greifen.

In seinen Beschreibungen der Conurb und der County bleibt Christopher ausgewogen, so dass es dem Leser überlassen wird, sich gemeinsam mit Rob ein eigenes Bild von beiden Lebenswelten zu machen und sich ein Urteil zu bilden, obwohl rasch der Eindruck entsteht, dass die vermeintliche Idylle in der County trügerisch ist.

The Guardians greift zudem viele Themen auf, die gerade heute nichts von ihrer Aktualität und Brisanz eingebüßt haben: Muss man die bestehenden Verhältnisse als gegeben hinnehmen? Welcher Handlungsspielraum bleibt für jeden einzelnen in einem System, das ihm seine Postion zuweist und starren Regeln folgt?

Fazit
The Guardians ist eine lesens- und empfehlenswerte Dystopie, die – obwohl sie schon älteren Datums ist – immer noch hochaktuell ist. Ein spannendes Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt.

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Tags: dystopie, jugendbuch   (2)
 

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Harry Potter und das verwunschene Kind

Joanne K. Rowling , John Tiffany , Jack Thorne
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.09.2016
ISBN 9783551559159
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Ich bin die neue Vergangenheit.
Ich bin die neue Zukunft.
Ich bin die Antwort, auf die
diese Welt gewartet hat.“

(Harry Potter und das verwunschene Kind, S. 236)


Harry Potter. Es gibt kaum zwei Worte, die mir solch einen wohligen Schauder über den Rücken jagen wie dieser Name. Er steht für durchlesene Nächte. Kindheit. Für Figuren, mit denen man gemeinsam gewachsen und erwachsen geworden ist.

Das verwunschene Kind setzt neunzehn Jahre nach den Geschehnissen des letzten Harry Potter-Buches an und basiert auf einer Idee von Joanne K. Rowling. Im Fokus steht allerdings – anders als der Titel es vermuten lässt – kein weiteres Abenteuer von Harry, sondern sein Sohn Albus.

Das verwunschene Kind lässt sich rasch runterlesen, was vor allem daran liegt, dass es als Theaterstück natürlich vorwiegend aus Dialogen besteht. In den ersten Szenen weht einem das vertraute Flair und der besondere Zauber von Hogwarts entgegen. Es fühlt sich an wie eine Heimkehr, eine Begegnung mit alten Freunden, die man eine Weile lang aus den Augen verloren hatte, doch denen man sich noch immer verbunden fühlt. Die Regieanweisungen und kurzen Beschreibungen des Settings genügen, um das Kopfkino – auch dank der Filme – auf Hochtouren laufen zu lassen.

Albus hat es schwer, Harrys Sohn zu sein. Das Verhältnis der beiden ist schwierig, unterkühlt. Albus glaubt, es seinem Vater niemals recht machen zu können – und kommt auf die irrwitzige Idee, die Vergangenheit ändern zu wollen. Mit seinem Freund Scorpius (Malfoy wohlgemerkt^^) im Schlepptau und einem Zeitumkehrer verschlimmbessert er jedoch alles. Und mit jeder weiteren Reise in die Vergangenheit droht der dunkle Lord stärker und stärker zu werden.

Die Handlung ist insgesamt kurzweilig und unterhaltsam, sofern man über das ein oder andere Logikloch hinwegsieht und sich tatsächlich auf die Skriptform einlässt. Auf der Bühne muss das Stück wirklich atemberaubend sein – schade, dass es zurzeit nur in London läuft.

Am besten hat mir gefallen, wie die Freundschaft zwischen Albus und Scorpius dargestellt wird. Die beiden sind wirklich herzerwärmend, wobei Scorpius für mich definitiv der heimliche Held der Geschichte ist. 
Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit anderen Charakteren, die man aus der Harry-Potter-Reihe kennt und lieb gewonnen hat – auch wenn sich einige von ihnen ganz schön verändert haben.

Fazit

Das verwunschene Kind wird für viele eine nostalgische Zeitreise in die eigene Kindheit sein. Obwohl das Skript nicht an die heimelige Atmosphäre der Romane herankommt, weil dazu schlichtweg die Beschreibungen fehlen, kann ich das Buch dennoch jedem Potterhead ans Herz legen.

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Martin Luther

Monika Grasl , Anton Vogel , Martin Simon , Sophia Schönhals
Flexibler Einband: 230 Seiten
Erschienen bei Burgenwelt Verlag, 15.03.2017
ISBN 9783943531657
Genre: Historische Romane

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