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magie, fantasy, essenzstab, andreas suchanek, urban fantasy

Das Erbe der Macht - Essenzstab

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 28.10.2016
ISBN 9783958342255
Genre: Fantasy

Rezension:

Essenzstab ist der zweite Band von Andreas Suchaneks Urban-Fantasy-Reihe Das Erbe der Macht, die momentan 11 Bände umfasst (Stand: November 2017) und von der jeden Monat eine weitere Episode in der Greenligth Press erscheint - zunächst als E-Book, nach drei Monaten auch als Hardcover-Sammelband, der jeweils drei Episoden enthält. 


Vor der eigentlichen Erzählung findet sich eine Zusammenfassung der vorherigen Ereignisse, die weder zu ausführlich, noch zu knapp ausfällt. Zudem werden noch einmal die wichtigsten Charakteristika des Settings und wie Magie funktioniert, vorgestellt. So können sich auch Neueinsteiger im Kosmos von Das Erbe der Macht zurechtfinden.


Wie schon der erste Band beginnt auch Essenzstab mit einem Prolog, in dessen Fokus der Stabmacher steht. Dieser spannende, geheimnisvolle Charakter bringt eine ganz andere Atmosphäre mit sich, etwas, das mich mehr fesseln konnte als die gesamte erste Episode der Serie.


Diesmal stehen Alex und Jen stärker im Fokus der Erzählung. Beide Charaktere gewinnen dadurch an Tiefe, dass man einen kurzen Einblick in ihre Vergangenheit erhält, der verständlich macht, warum sie sich so verhalten, wie sie es tun. Bei Aurafeuer habe ich bemängelt, dass mir die Charaktere seltsam fern geblieben sind. Bei Alex und Jen habe ich immer noch nicht das Gefühl, dass das besser geworden ist. Mit ihnen werde ich einfach nicht richtig warm.


Da Alex‘ Ausbildung beginnt, muss er den Stabmacher aufsuchen, um einen eigenen Essenzstab zu bekommen - doch dort angekommen, müssen sich Jen und Alex bereits einer Falle der Schattenfrau erwehren. Beim Stabmacher kommt es zudem zu einer Szene - Alex wählt seinen Stab bzw. andersherum - die mich stark an Harry Potter erinnert hat (ein Vergleich, den Band I noch selbstironisch vorweggenommen hat).


Während Jen und Alex unterwegs sind, tut sich auch im Castillo beim Rest des Teams so einiges. Auch die Persönlichkeiten der anderen Lichtkämpfer bekommen mehr Raum - sie sind allesamt „Typen“, unverwechselbar. Die Dynamik innerhalb der Gruppe ist zudem mit einer gehörigen Prise Humor gewürzt.


Eingebettet in den zweiten der parallelen Handlungsstränge ist auch ein Rückblick auf die Vorgeschichte der Auseinandersetzung zwischen Licht- und Schattenkämpfern. Ich liebe es ja immer ganz besonders, so etwas zu lesen - zudem hat der Autor diese Aspekte in eine Reihe toller Kapitel gepackt, die nach und nach auch mehr über die Unsterblichen verraten. Ich bin schon gespannt, welche historischen Persönlichkeiten noch eine Rolle in Das Erbe der Macht spielen werden.


Auch das Böse, insbesondere die Schattenfrau - schläft nicht und setzte alles daran, ihre finsteren Pläne zu verwirklichen. Dabei ist die Bedrohung näher, als es die Protagonisten vermuten.


Die Ereignisse überschlagen sich. Beide Handlungsstränge, sowohl der rund um Jen und Alex, als auch der im Castillo - steuern auf Cliffhanger zu, die es nahezu unmöglich machen, nicht auch noch den nächsten Band lesen zu wollen. :)


Fazit

Essenzstab ist eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger sogar noch übertreffen kann. Temporeich und spannend macht diese Episode definitiv Lust auf mehr, weil sie - natürlich - im spannendsten Moment endet.

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horror, halloween, schreibmeer, anthologie, zombies

Gruselmeer: schaurig schöne Kurzgeschichten

Tinka Beere , Myna Kaltschnee , Sabi Lianne , Florian Waldner
E-Buch Text
Erschienen bei Independently published, 17.10.2017
ISBN B076JJP34G
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Beim Anblick des Hauses (...) bekam er eine Gänsehaut. (...) Vielleich lag es (...) an den seltsamen Dingen, die gestern Abend nach seiner Ankunft in dem Haus passiert waren.“


(Sabi Lianne, Das Amulett von Whitby)


Klappentext

Wenn die Abende dunkel werden und die Nächte kalt, ist die Zeit der Geister und Nachtmahre gekommen. Genau richtig, um sich mit einem guten Buch in finstere Welten entführen zu lassen. Mit unseren schaurig-schönen Geschichten taucht ihr mit uns ins Gruselmeer ein.

(Quelle: Schreibmeer)


Die Anthologie

Wie der Titel vermuten lässt, steht die gesamte Anthologie im Zeichen des Gruseligen und Schaurigen - der perfekte Lesestoff also für die dunkle Jahreszeit. Die neun Autoren interpretieren das Thema auf vielfältige Weise, wobei einige Erzählungen nur wenige Seiten umfassen, und andere durchaus länger sind. Alle sind mit viel Herzblut geschrieben, weshalb ich euch die einzelnen Geschichten gern kurz und knapp vorstellen möchte.


Anki M.: Klänge aus der Anderswelt
Die Kurzgeschichte besticht durch eine wundervoll poetisch-mystische Atmosphäre. Geschickt webt die Autorin ein Lied in ihre Erzählung ein, entführt ihre Leser gemeinsam mit der jungen Aislinn durch den nächtlichen Wald. Eine Geschichte von Sehnsucht, Trost und der Suche nach dem wahren eigenen Ich. Kein Horror im klassischen Sinne, aber dennoch hatte ich eine Gänsehaut, weil mich die Geschichte so berührt hat.


Myna Kaltschnee: Die Brandruine
Drei Jugendliche wagen sich nachts in ein heruntergebranntes Haus - und erleben dort wahres Grauen. Klingt nach einer Figurenkonstellation und einer Ausgangssituation, wie sie oft in Horrorfilmen vorkommt. Tatsächlich entwickelt sich die Geschichte zu einem Splatter. Das ist leider nicht so mein Geschmack, aber handwerklich dennoch gut gemacht. Myna Kaltschnee hat vor allem einen unglaublich bildhaften Schreibstil, der mich beim Lesen mitten in die Brandruine entführt hat.


Sabi Lianne: Das Amulett von Whitby
Ein Held wider Willen. Ein altes Artefakt. Und ein Geist, der keine Ruhe findet - das alles in einem englischen Küstenstädtchen. Sabi Lianne kreiert schon zu Beginn eine Atmosphäre und ein Setting, die an klassische Schauergeschichten erinnern. Ihr Schreibstil ist flüssig und sehr gefällig. Besonders hat mir gefallen, dass der Charakter des Protagonisten für eine Kurzgeschichte ungewöhnlich gut ausgearbeitet wird. Er ist tief und authentisch - und unglaublich sympathisch. Leider ist das Ende der Geschichte so gestaltet, dass ein Großteil der tollen Atmosphäre verloren geht.


Florian Waldner: Das Haus in Athens
Hochstapler bekommen es mit einem waschechten Spuk zu tun - eine geniale Geschichte, die definitiv zu den Highlights der Anthologie zählt. Die beiden Protagonisten haben mich wirklich um ihren Finger gewickelt - gern würde ich mehr von ihnen lesen. :) Auch sprachlich kann Das Haus in Athens überzeugen: Der Schreibstil ist locker, bildhaft und schafft eine beklemmende Atmosphäre. Ein bisschen habe ich mich (wohlig) gegruselt.


Katrin Scheiding: Am Salzmarkt
Die große stärker dieser Geschichte liegt in ihrer wundervollen Protagonistin Henriette, die eigensinnig, selbstbewusst und scharfzüngig ist - und sich herrliche Wortgefechte mit dem Historiker Justus liefert, der einfach so in ihrem Archiv auftaucht. Gemeinsam kommen beide im Brandenburg des 19. Jahrhunderts einem alten Geheimnis auf die Spur, dass all die seltsamen Begebenheiten im Haus am Salzmarkt erklärt. Trotz kleinerer Schwäche eine unterhaltsame Erzählung. Wirklich toll geschrieben.


„Unzählige Geheimnisse aus alter Zeit warteten darauf, von ihr entdeckt und zum Leben erweckt zu werden.“ “

(Katrin Scheiding, Am Salzmarkt)

 

Madita Sternberg: Der Ring des Raxoth
Joan reist nach Salem, um das Erbe ihres Großvaters abzuholen - einen Ring, an dem nicht nur sie interessiert zu sein scheint. Der Schreibstil der Autorin ist packend. Ihr gelingt es, eine stimmige Atmosphäre entstehen zu lassen, denn dem Ring haftet etwas Unheimliches an. Allerdings entwickelt sich die Geschichte in eine Richtung, die ich so nicht erwartet habe. Viel unnötige Effekthascherei. Dennoch hatte ich beim Lesen das Gefühl, den Anfang eines Romans vor mir zu haben.


Marija Kraujas: Carnivorenexpress
Ein Mädchen begegnet in der Transsibirischen Eisenbahn ihrem schlimmsten Albtraum. Nach einem wirklich starken Auftakt verliert sich die Handlung in Ungereimtheiten und lässt mich ratlos und mit vielen Fragen zurück. Schade.


Katherina Ushachov: Ein Traum
Stell dir vor, du siehst in jedem deiner Träume ein und dasselbe Gesicht - doch kannst es dir nach dem Aufwachen nicht in Erinnerung rufen.
Ein Traum ist eine wahnsinnig tolle Kurzgeschichte. Ich habe mich auf Anhieb in die poetische Sprache, die surrealen Traumbilder und diese Stimmung, die ich kaum in Worte kleiden kann, verliebt. Berührend und unaufdringlich erzählt - mit einem Ende, mit dem ich definitiv nicht gerechnet habe.


Jill Noll: Die steinerne Frau
Ein vielversprechender Anfang, aber dann ... Die Geschichte will zu viel, schwankt zwischen Gesellschaftskritik und Rachestory, aufgeladen mit religiösen Motiven. Sie möchte zum Nachdenken anregen, doch greift zu viele Aspekte auf einmal auf.
Sprachlich habe ich mich mit der Kurzgeschichte auch schwer getan: Für meinen Geschmack gab es zu viele Wiederholungen von Worten oder ganzen (Halb-)Sätzen. Die Handlung plätschert so dahin, vermutlich auch deshalb, weil mir die Protagonistin und ihre Motive seltsam fern geblieben sind.
Die steinerne Frau hebt sich deutlich von den anderen Geschichten der Anthologie ab - mit einer Gruselgeschichte hat sie allerdings nichts zu tun und passt in meinen Augen nicht in diesen Sammelband.


Gesamtfazit

Gruselmeer hat mich wirklich positiv überrascht. Ich hätte anfangs nicht vermutet, dass die gesammelten Geschichten so gut sind. :) Natürlich haben nicht alle Texte meinen Geschmack getroffen, aber das erwarte ich von einer Anthologie auch nicht. Drei waren dabei, die nicht so mein Fall waren - von denen zwei sprachlich und handwerklich nichtsdestotrotz sehr gelungen sind. Einige der Autoren sind auch deutlich von H. P. Lovecraft beeinflusst.


Vielleicht habt ihr es meinen Kurzkritiken schon angemerkt: Es gibt einige Erzählungen, die mich wirklich begeistern konnten. Dazu zählen auf jeden Fall Florian Waldners Das Haus in Athens, Das Amulett von Whitby aus der Feder von Sabi Lianne sowie Ein Traum von Katherina Ushachov.


Fazit:

Die Anthologie Gruselmeer bietet abwechslungsreiche, kurzweilige Unterhaltung. Auch wenn nicht alle Geschichten schaurig sind, können die meisten dennoch durch ihre erzählerische Qualität überzeugen.


Vielen Dank an das Schreibmeer, dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte! :)

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magie, aurafeuer, fantasy, das erbe der macht, urban fantasy

Das Erbe der Macht - Aurafeuer

Andreas Suchanek
E-Buch Text
Erschienen bei Greenlight Press, 30.09.2016
ISBN 9783958342170
Genre: Fantasy

Rezension:

„Und während pures Feuer durch seine Adern floss, erwachte tief in seinem Innern das Erbe der Macht.“





Klappentext

Die Welt, wie du sie kennst, ist eine Lüge!
Seit über einem Jahrhundert verbirgt der Wall die magische Gesellschaft vor Menschenaugen, garantiert Friede und Gleichheit zwischen Menschen und Magiern. Doch in den Schatten tobt ein Krieg um die Vorherrschaft. Jennifer Danvers ist eine Lichtkämpferin. Als ihr Freund und Kampfgefährte stirbt, erwacht mit Alexander Kent ein neuer Erbe der Macht, der von ihr in die Welt der Magie eingeführt werden muss.
Keiner von beiden ahnt, dass das Gleichgewicht der Kräfte außer Kontrolle geraten ist. Das Böse holt zum großen Schlag aus, um den Wall endgültig zu zerschmettern.
Machtvolle Zauber, gefährliche Artefakte, uralte Katakomben und geheime Archive. Die Lichtkämpfer und der Rat des Lichts – Johanna von Orleans, Leonardo da Vinci, und weitere Größen der Menschheitsgeschichte – stellen sich gegen das Böse.




Das Buch

Aurafeuer ist der Auftakt zu Andreas Suchaneks Urban-Fantasy-Reihe Das Erbe der Macht, die momentan 9 Bände umfasst (Stand: November 2017) und von der jeden Monat eine weitere Episode in der Greenligth Press erscheint - zunächst als E-Book, nach drei Monaten auch als Hardcover-Sammelband, der jeweils drei Episoden enthält.


Im Kern geht es in Das Erbe der Macht um die schon Jahrhunderte währende Auseinandersetzung von Licht- und Schattenkämpfern - und in deren Folge um nichts Geringeres als um das Fortbestehen der nichtmagischen Welt. Im Prolog erleben wir live mit, wie das Erbe der Macht in einem neuen Auserwählten erwacht: In Alexander Kent, der nicht so recht weiß, wie ihm geschieht, als ihm die Lichtkämpferin Jennifer „Jen“ Danvers eröffnet, dass sich sein Leben nun von Grund auf ändern wird.


Gemeinsam mit Alex lernt der Leser die Welt - oder besser gesagt: Den Kosmos der Serie kennen, denn der Autor verwendet so viel Mühe darauf, ein in sich stimmiges Setting zu kreieren, dass man vor der Komplexität der magischen Welt und ihrer Regeln nur den Hut ziehen kann. Magier und Nichtmagier (die „Nimags“) leben in einer Art Parallelgesellschaft, zumindest hat es der Kampf gegen die Schattenkämpfer irgendwann nötig gemacht, die Erinnerungen der Nimags an jegliche Art der Magie zu löschen.


Auch wie Magie in der Welt der Serie funktioniert, ist interessant: Es gibt Auren und Sigile. Erinnerungen an Zauber und Weiteres, die man erbt, wenn man neu erweckt wird, die jedoch verblassen, wenn man sie nicht durch Studien vertieft. Spezialgebiete der Magie, Essenzstäbe (aka. Zauberstäbe), Portale, magische Artefakte und und und. Das alles ist zweifellos faszinierend, allerdings habe ich mich mit dem Einstieg in die Geschichte schwer getan. Insbesondere das erste Drittel des Buches dient der Einführung in die Welt. Viele Informationen werden jedoch wenig elegant in die Erzählung eingeflochten, so dass die Handlung noch nicht richtig in Fahrt kommt.


Aurafeuer wird nicht nur aus der Sicht von Alex und Jen erzählt, sondern auch andere Lichtkämpfer kommen zu Wort. Obwohl Jens Team eine coole Truppe ist, sind mir die Protagonisten seltsam fern geblieben. Oft agieren sie gewollt lässig oder sarkastisch, schießen meiner Meinung nach aber über das Ziel hinaus. Der einzige, der so etwas wie Sympathie in mir wecken konnte, ist der Unsterbliche Leonardo Da Vinci - denn genau, wie es der Klappentext verspricht, offenbart der Autor Erkenntnisse über den Lauf der Geschichte, die so in keinem Geschichtsbuch stehen.


Für mich als historisch Interessierte ist das ein großer Pluspunkt von Das Erbe der Macht: Die Einbettung und Umdeutung historischer Ereignisse oder Persönlichkeiten im Kontext des Kampfes zwischen Licht- und Schattenkämpfern - der wahrlich weltgeschichtliche Ausmaße hat.


Im Castillo, dem Hauptquartier der Lichtkämpfer, werden diese in den Tricks und Feinheiten der Magie unterrichtet. Ein urbanes Fantasysetting, in dem Jugendliche die Kunst der Zauberei erlernen, evoziert früher oder später immer den Vergleich zur Genregröße Harry Potter - den Suchaneks Figuren in Aurafeuer selbstbewusst und selbstironisch vorwegnehmen.


„‚Echt jetzt? Das hier ist Hogwarts?‘
(...)
‚Wenn ich das noch ein einziges Mal höre, lösche ich jede Erinnerung an diese Buchreihe.‘

(Andreas Suchanek, Aurafeuer, S. 31 E-Book))


Nein, Das Erbe der Macht ist wirklich nicht wie Harry Potter - und versucht auch gar nicht so zu sein, sondern ist herrlich eigenständig. :) Ab diesem Punkt konnte mich die Erzählung wirklich packen.


Natürlich schmieden auch die Schattenkämpfer fleißig Intrigen - und eine alte Feindin des Guten, die Schattenfrau, die Jen und ihren Freunden immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Dem Autor gelingt es so, Aurafeuer in eine ganz andere Richtung zu lenken. Auf wenigen Seiten wird viel Handlung geboten, ein Spannungsbogen, der zum Ende hin immer stärker anzieht - und neugierig auf den zweiten Band der Reihe macht.




Fazit

Mit Aurafeuer entführt uns Andreas Suchanek in den faszinierenden, gut durchdachten Kosmos der Das Erbe der Macht-Reihe. Ein solider Auftakt, der Luft nach oben lässt, aber dennoch neugierig auf die Fortsetzung macht.

 


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dark fantasy, thriller, dark-fantasy, opfermond, fesselnd

Opfermond - Ein Fantasy-Thriller

Elea Brandt
Flexibler Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Mantikore-Verlag, 16.10.2017
ISBN 9783945493366
Genre: Fantasy

Rezension:

„Der Tod war ein ständiger Begleiter im Sha-Quai. Er lauerte in schimmligen Brot, in eitrigen Ausschlägen und in beißendem Hunger. Manchmal kam er schleichend, manchmal unvorhergesehen.“



(Elea Brandt, Opfermond, S.8)


Klappentext

In der Stadt des Blutigen Gottes herrscht das Recht des Stärkeren. Als der Assassine Varek angeheuert wird, einen Mord aufzuklären, klingt das nach einer willkommenen Abwechslung von seinem verhassten Tagewerk. Doch die einzige Zeugin, das Freudenmädchen Idra, weiß mehr, als sie preisgeben will. Um an ihre Informationen zu gelangen, geht Varek ein Bündnis mit ihr ein, das ihn schmerzhaft an bessere Zeiten erinnert. Die Spur des goldenen Skarabäus führt ihn schließlich zu einem grausamen Kult, der mehr als nur ein  Blutopfer verlangt … (Quelle: Mantikore-Verlag)


D as Buch

Opfermond ist ein vielschichtiger Roman, der mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Elea Brandt entführt ihre Leser in ihrem Debütroman in ein orientalisches Setting: In Ghor-el-Chras gibt es nur einen einzigen Gott, Chras, den Blutigen. Die Stadt ist in mehrere Bezirke unterteilt, die den verschiedenen Gesellschaftsschichten zugeordnet sind. Ein überwiegender Teil der Geschichte spielt im Armenviertel, dem Sha-Quai.


„Man musste hart werden, wenn man im Sha-Quai überleben wollte.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.29)

 

Ungeschönt und in teils drastischen Worten zeichnet die Autorin ein beklemmendes Bild von Elend, Not, Armut und Betrug, die das Leben der Bewohner dieses Viertels prägen – und ihren Charakter. Auch die Hure Idra, eine der Protagonistinnen, schimpft das Sha-Quai ihr Zuhause. Idra hat früh gelernt, sich durchzuschlagen und zu sehen, wo sie bleibt.


„[Idra] trug ihren Kopf aufrecht und sie konnte sich immer noch in die Augen sehen, ohne vor Scham im Boden zu versinken. In diesem Loch eine echt große Leistung.“

(Elea Brandt, Opfermond, S.30)


Durch Zufall wird sie Zeugin eines Mordes, dessen Tragweite sie sich erst bewusst wird, als immer mehr Menschen in ihrer Umgebung an einer seltsamen Krankheit sterben. Idra ist eine Heldin wider Willen. Das einzige, das sie anfangs interessiert, ist ihr eigenes Überleben. Dies ändert sich erst, als Varek in ihr Leben tritt. Dieser soll den mysteriösen Mord an einem Alchemisten klären – und kommt dabei bald einem grausamen Kult auf die Spur, der seiner Göttin im Untergrund mehr als nur Blutopfer darbringt.


Beide Protagonisten – Varek und Idra – sind vielschichtig und tief. Desillusioniert von den Grausamkeiten des Lebens sind sie rau, hart und ruppig geworden. Allen voran Varek, der als Unbestechlicher Morde im Auftrag der Priesterschaft des Blutigen Gottes verübt, wirkt auf den ersten Blick abgebrüht, vermisst jedoch sein altes Leben und wird von seinem Gewissen geplagt.


Alle Figuren, denen Varek im Laufe seiner Ermittlungen begegnet, oder mit denen Idra Kontakt hat, scheinen etwas zu verbergen zu haben. Sie sind allesamt grau. Genau wie Varek weiß man als Leser nicht, ob man dem Glauben schenken kann, was sie berichten. Die vielen orientalisch angehauchten Namen haben es mir anfangs schwer gemacht, die einzelnen Charaktere auseinanderzuhalten. Mit steigender Seitenzahl gelingt das immer besser.


Der Thrillerplot ist geschickt und komplex angelegt. Die Figuren sind eng miteinander verflochten, so dass es scheint, dass jeder jeden kennt oder auf irgendeine Weise miteinander zu tun hat. Elea Brandt streut nur vereinzelte, dezente Hinweise und überlässt es dem Leser, seine eigenen Schlüsse zu ziehen.


Varek stößt bei seinen Ermittlungen auf einen alten Kult. Die Legende der Käferkönigin, die in den dunklen Gängen unter der Stadt lauert, verleiht Opfermond Züge eines Mysterythrillers. Einige Szenen sind ganz schön gruselig. Morde, Sex und … Riten des Kultes werden explizit dargestellt – definitiv nichts für schwache Nerven (oder Mägen). Sprachlich passen die Beschreibungen aber immer zur Lebenswelt des Sha-Quai und zu den Figuren, wodurch der Roman an Authentizität gewinnt. Es wird geflucht, gemordet, Intrigen und Ränke geschmiedet.


Aber auch die kritische Sicht auf die Gesellschaft kommt nicht zu kurz: So geht es unter anderem auch um die Rolle der Frau, die weder im Sha-Quai, noch in den höher gestellten Familien wirklich frei sein kann.


Hinzu kommt eine fiebrige Atmosphäre, das Gefühl, dass da etwas Bedrohliches unter der Oberfläche der Stadt, aber auch hinter jedem einzelnen Menschen, lauert und nur darauf wartet, hervorzubrechen. Im Laufe der Handlung wird die Atmosphäre immer düsterer, packender, bis sich Opfermond zu einem fulminanten Finale steigert, das alle zuvor geschürten Erwartungen sogar noch übertreffen kann.


Fazit

Opfermond ist ein verschlungener Fantasy-Thriller, der überraschende Wendungen nimmt und sein Tempo steigert. Packend und atmosphärisch dicht erzählt, mit grandios gezeichneten Figuren, deren Abgebrühtheit und Tiefe überzeugen können.

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Tags: dark fantasy, mantikore-verlag, opfermond, orientalisch, thriller   (5)
 

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verlag ohneohren, urban fantasy, herbst

Die Blätter des Herbstbringers

Fabienne Siegmund
Flexibler Einband: 250 Seiten
Erschienen bei OHNEOHREN , 13.03.2017
ISBN 9783903006713
Genre: Fantasy

Rezension:

„Sie hatte ihn geschaffen. Hatte ihm sein Kleid aus Herbst genäht und die Nebel in seinen Augen mit Schmerzen genährt. Ihr Schmerz war zu seinem geworden.“

(Fabienne Siegmund, Die Blätter des Herbstbringers, S.61) 

Klappentext

Es war Herbst, als es geschah. Jene bittersüße Jahreszeit, in der der Sommer seinen Abschied nimmt, um im Winter sein Ende zu finden.

Blätter in Herbstfarben sind es, die das Leben von Ari Mikalainen bestimmen. Sie gleiten in seinen Gedanken zu Boden, hüllen Tage und Nächte in ein düsteres Kleid. Aris eigener Sommer vergeht schon in Kindertagen, als seine beste Freundin Mira und er Zeugen eines grausamen Verbrechens werden.
Am Ende dieses Sommers steht ein geheimnisvoller Mann, der die Nächte durchstreift, auf der Suche nach Geschehnissen, die sonst von Dunkelheit verborgen bleiben. „Herbstbringer“ nennen die Zeitungen das Phantom, das der Polizei Verbrecher auf dem Silbertablett liefert und kleine Blätter an den Tatorten zurücklässt.
Sind es nur zwei Geschichten eines einzigen Herbstes oder gibt es eine Verbindung zwischen Ari und dem geheimnisvollen Fremden? (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Als ich auf der Phantastika in Oberhausen Fabienne Siegmunds Lesung aus Die Blätter des Herbstbringers lauschen durfte, habe ich mich Hals über Kopf in die Stimmung des Romans und den ganz besonderes Schreibstil der Autorin verliebt. Ich kann euch verraten, dass auch der Rest des Romans die Erwartungen, die die kurze Kostprobe geweckt hat, sogar noch übertreffen kann.

Im Fokus des Romans steht Ari Mikalainen, dessen Welt zerbricht, als er erst sieben Jahre alt ist und gemeinsam mit seiner besten Freundin Mira einen grausamen Mord beobachtet. Um diesen geht es im Prolog des Romans, der aus der Sicht des Siebenjährigen berichtet – und das so einfühlsam und empathisch, dass es mich zu Tränen gerührt hat.

Ari ist ein tiefer, vielschichtiger Protagonist. Was er als Kind erlebt hat, prägt ihn noch heute. Er ist sehr melancholisch und davon überzeugt, dass niemand in seiner Gesellschaft fröhlich sein könne. Das belastet vor allem sein Verhältnis zu Mira, mit der er noch immer befreundet ist. Mira ist der Mittelpunkt von Aris Welt. Er will sie glücklich sehen, in ihrer Nähe sein – doch weiß auch, dass er sie an das Verbrechen erinnert, das sie als Kinder mitansehen mussten.

Die Beziehung der beiden ist so zart und zerbrechlich wie Schmetterlingsflügel. Wie Ari um sein Glück kämpft und doch immer glaubt, nicht glücklich werden zu können – oder zu dürfen -, seine innere Zerrissenheit und wie sich das traumatische Erlebnis aus seiner Kindheit noch immer auf ihn auswirkt – all das hat Fabienne Siegmund mit Fingerspitzengefühl zu einem authentischen Charakter verwoben. Sie gibt seinen Gefühlen Raum und kleidet sie in Worte, die seine Empfindungen auch zu meinen gemacht haben.

Neben Ari spielt auch der Herbstbringer eine große Rolle. Er ist eine Art Phantom, ein Gentleman, der nachts durch die Straßen streift und Verbrechen verhindert. Man könnte sagen, dass er eine Art Superheld ist – zumindest ein Beschützer der Schwachen, der nur eines will: Gerechtigkeit. Die Zeitungen reißen sich darum, das Geheimnis zu lüften, wer sich hinter dem weiß geschminkten Gesicht verbirgt – und auch die Polizei beginnt zu ermitteln.

Die Romanhandlung hat mir sehr gut gefallen – insbesondere die Auftritte des Herbstbringers, der seine Maske auch vor den Lesern nicht fallen lässt. Was Die Blätter des Herbstbringers in meinen Augen aber besonders auszeichnet und zu einem großen Lesevergnügen macht, ist der Schreibstil der Autorin. Die Sprache ist wundervoll poetisch, melancholisch und schwer, zugleich aber auch leicht und zerbrechlich. Fabienne Siegmund ist eine Wortpoetin: Sie malt Bilder und Gefühle mit Worten, die verzaubern und etwas tief in mir berührt haben. So tief, dass ich oft die Tränen wegblinzeln musste, um weiterlesen zu können.

Eines weiß ich jetzt schon: Dies wird mit Sicherheit nicht der letzte Roman von Fabienne Siegmund sein, den ich lesen werde. 

Fazit: Poetisch, melancholisch, berührend. Die Blätter des Herbstbringers ist ein Roman, der die Stimmung des Herbstes auf Papier bannt: mal zart wie ein Lufthauch, dann mitreißend wie ein Sturmwind. Ein sehr gelungener Roman, der definitiv zu den besten gehört, die ich in diesem Jahr gelesen habe.

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Tags: herbst, urban fantasy, verlag ohneohren   (3)
 

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elfen, fantasy, high fantasy, legende, aeswyn

Der Weg nach Aeswyn

Norman Doderer
Flexibler Einband: 276 Seiten
Erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, 14.06.2015
ISBN 9781514351758
Genre: Fantasy

Rezension:

„Sie kommen zurück. Es hat bereits begonnen. Schwarze Wolken ziehen von Osten her auf und werden Tyr erneut in Dunkelheit hüllen“

(Norman Doderer, der Weg nach Aeswyn, S.26 E-Book )

Klappentext
Tyr, das einst große und stolze Reich der Elfen, ist nach einem schrecklichen Krieg in drei Königreiche zerfallen und seither durch Mauern getrennt. Getrieben von Misstrauen und Argwohn haben die Könige von Mag Môr, Tawhar und Aeswyn jegliche Beziehungen zueinander abgebrochen. Doch ein alter gemeinsamer Feind wirft abermals seine dunklen Schatten gen Tyr..
Aladriel, der junge Prinz Tawhars, macht sich gegen den Willen seines Vaters auf, um in Aeswyn um Beistand zu bitten. Wird es dem jungen Waldelfen gelingen, das Reich gegen diese Bedrohung erneut zu einen? Oder besiegeln unüberwindbare Differenzen zwischen den drei Elfenvölkern ihr gemeinsames Schicksal? Eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse beginnt … (Quelle: Talawah Verlag)


Das Buch
Ich liebe High Fantasy. Egal ob Elfen, Zwerge oder Trolle: Von solchen Romanen kann ich nur schwer die Finger lassen. Kein Wunder also, dass mich der Klappentext von Die Legende von Tyr – der Weg nach Aeswyn sofort zum Kauf verführt hat.


Obwohl es sich um den Auftakt einer Reihe handelt, gelingt es Norman Doderer, den Leser behutsam in den Kosmos seiner Erzählung einzuführen. Der Weltenbau ist – ebenso wie die Geschichte des Elfenreiches – stimmig und gut durchdacht: Die drei Königreiche Mag Môr, Tawahr und Aeswyn unterscheiden sich ebenso wie die Bräuche und Lebensweise der verschiedenen Elfenvölker. Doch eines ist ihnen trotz ihrer tiefwurzelnden Feindschaft gemein: Sie alle werden durch eine alte Gefahr bedroht, die längst besiegt schien.


Für Aladriel, den Prinzen der Waldelfen, steht außer Frage, dass das Reich nur durch eine Allianz von Tawahr und Aeswyn geschützt werden kann – und so begibt er sich mit seinem Freund Lorin und seinem Wolfsgefährten auf den langen und beschwerlichen Weg nach Aeswyn.


Eine alte, fast vergessene Bedrohung, die verzweifelte Suche nach Hilfe und eine Reise – das alles sind Zutaten, die viele High Fantasy-Romane beinhalten. Insbesondere die lange Reise eröffnet dem Leser die Möglichkeit, tiefer in die Welt der Erzählung einzutauchen – so auch hier. Der Autor nutzt nahezu jede sich bietende Gelegenheit, neue Details und Charakteristika der Romanwelt vorzustellen. Besonders die Erklärungen über Religion und Gesellschaftsordnung haben es mir angetan. Solche Exkurse sind faszinierend und tragen dazu bei, dass die Welt plastisch und authentisch wirkt, sie geraten allerdings oft etwas ausufernd und scheinen manchmal fehl am Platze.


Die Charaktere sind gut gezeichnet. Besonders Aladriels Begleiter Lorin hat es mir angetan. Er ist sarkastisch, nimmt kein Blatt vor den Mund und erinnert seinen Freund immer wieder daran, dass es manchmal besser ist, erst nachzudenken und dann zu handeln.


Mit Aladriel, dem Perspektivträger, habe ich mich etwas schwerer getan. Ohne Frage ist er sympathisch und folgt seinen Idealen. Aber in manchen Situationen kommt er auf seltsame Ideen, die er erst nach Lorins Mahnung verwirft und dann erst seine vorherige Entscheidung überdenkt. Mich hat es gerade zu Anfang ungemein gestört, dass Aladriel das Denken Lorin zu überlassen scheint. Viele Konflikte zwischen den beiden entwickeln sich sprunghaft oder Interessantes wird nur angedeutet. So hat Lorin zum Beispiel dem alten Glauben abgeschworen, dies wird jedoch nicht weiter thematisiert und bleibt auch im weiteren Verlauf der Handlung ohne Konsequenzen.


Natürlich werden die beiden auf ihrer Reise verfolgt, müssen sich gegen die Witterung, ein Gebirge und zahllose wilde Tiere behaupten. Einige dieser Szenen wirken wie Lückenfüller und bringen den Plot kaum voran. Wieder andere Szenen – insbesondere die Kampfszenen, wenn Aladriel gegen andere Elfen antritt – konnten mich packen. Das waren die Momente, in denen ich wirklich mit dem Elfen mitgefiebert habe.


Sprachlich stechen einige Bilder und Vergleiche wirklich heraus, weil sie farbig und neu sind. Sehr oft werden allerdings auch ganze Formulierungen wiederholt und ich hatte das Gefühl, dass sich Dinge gedoppelt haben.


Während manche Passagen der Reise nur so dahinplätschern, endet der Roman jedoch mit einem wahren Paukenschlag – und einem Cliffhanger, der mich neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.


Fazit
Die Legende von Tyr – Der Weg nach Aeswyn ist ein solider Auftaktroman. Obwohl sich das Buch eher wie ein Prolog liest, liegt seine Stärke dennoch in der sehr gut ausgearbeiteten Welt, die mich komplett überzeugt hat.

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steampunk

Tante Hetty

Angela Stoll
E-Buch Text: 102 Seiten
Erschienen bei Verlag OHNEOHREN, 19.06.2017
ISBN 9783903006881
Genre: Science-Fiction

Rezension:

„Was sollte nur aus ihm werden, mutterlos und ohne Vater? Nun hatte er nur noch diese Tante, die ihm ziemliche Angst einjagte.“

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.8)

Klappentext
Rauch aus den Schornsteinen der Eisenhütten verfinstern die Stadt. Ebenfalls düster sieht es für einen ihrer Bewohner aus. Rupert ist zehn Jahre alt und allein. Als unehelich geborenes Kind vertraut er auf die Fürsorge von Tante Hetty, einer Frau, die seiner kürzlich verstorbenen Mutter sehr nahestand. Ihm bleibt keine Zeit zum Trauern, denn die Tante entpuppt sich als perfide Betrügerin.

Als der verlassene Junge einsam durch die Straßen stolpert und einer Geisterfrau begegnet, eröffnen sich für Rupert neue Welten: die Bedrohung durch mechanische Wächter, der Ruß der Stadt und die Obhut einer starken Frau. All dies vermischt sich mit dem allgegenwärtigen Geschmack von Tantes Hettys Ingwerbonbons – und dem einer Intrige. (Quelle: Verlag ohneohren)

Das Buch
Die Zahnräder auf dem Cover verraten es schon: Tante Hetty ist ein Steampunk-Kurzroman. Wer nichts mit dem Begriff Steampunk anfangen kann, den kann ich beruhigen: Die Elemente sind sparsam eingesetzt und tragen dazu bei, die besondere Atmosphäre des Romans zu vertiefen.

Schon auf den ersten Seiten konnte Tante Hetty mich für sich gewinnen – das liegt nicht allein an ihrem einnehmenden Wesen, vielmehr an der Erzählstimme. Mit unvergleichlichem Charme, süffisanten, bitterbösen und amüsanten Kommentaren hat mich die Erzählung langsam in ihre Welt eintauchen lassen, beinahe als lausche man einem Geschichtenerzähler.

Im Zentrum des Romans steht der Zehnjährige Rupert, der sich nach dem Tod seiner Mutter in Tante Hettys Obhut befindet. Das währt allerdings nur so lange, bis Ruperts Mutter unter der Erde ist und die vermeintliche Hetty sich mit den Ersparnissen der Toten über alle Berge machen kann.

Der Junge hat Glück im Unglück, denn Bella, eine junge Lady, die das Sonnenlicht aufgrund einer Krankheit meiden muss, findet ihn. Auf ihrem Anwesen in der Stadt nimmt sie sich der Kinder an, die keinen Platz in der Gesellschaft haben, weil sie äußerlich anders sind. Dieser Aspekt der Geschichte hat mich ein bisschen an Ransom Riggs Insel der besonderen Kinder erinnert, obwohl die Kinder in Tante Hetty nichts mit dem Übernatürlichen am Hut haben.

Angela Stoll beweist ein Händchen für ihre Figuren. Die Charaktere sind allesamt unverwechselbar und gut ausgearbeitet. Sie alle sind skurril bis kauzig – und Kochen ihr eigenes Süppchen. Am meisten hat mich Tante Hetty fasziniert. Sie ist eine Frau, die genau weiß, was sie will und wie sie es bekommt, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Ingwer und Intrigen, die im Untertitel erwähnt werden. Munter wechselt sie ihre Tarnidentitäten, ist gierig, gerissen und skrupellos.


„Liebe gab es nicht. Das war nur eine Lüge, mit der den Dummen das Geld aus der Tasche gezogen wurde.“ 

(Angela Stoll, Tante Hetty, S.48)

Hetty geht über Leichen – am liebsten über die ihrer betagten, gut betuchten und plötzlich verstorbenen Gatten, denn sie ist hinter Geld her wie der Teufel hinter der armen Seele. Es macht großen Spaß, von solch einer Figur zu lesen – ihre Selbstgefälligkeit ist einfach herrlich. 

Rupert verbringt einige glückliche Jahre auf dem Anwesen – doch dann droht eine neue Intrige Tante Hettys Bellas Lebenstraum zu zerstören. Die Kinder wollen das um alles in der Welt verhindern und versuchen, Tante Hetty auf eigene Faust das Handwerk zu legen. Im weiteren Verlauf der Handlung stellt sich heraus, dass alles und jeder in dieser Geschichte irgendwie miteinander verbunden sind.

Wenn der Roman ein Manko hat, dann seine Kürze. Ich hätte gern noch mehr Zeit auf Bellas Anwesen verbracht und in der wundervollen Sprache geschwelgt. Für eine Bus-/Zugfahrt ist das Buch aber perfekt.

Fazit
Mit einer unterhaltsamen, spannenden Erzählung voller skurriler Charaktere, einer ungleich charmanten Erzählstimme und einer Tante Hetty, die ihresgleichen sucht, bietet der Roman ein kurzes, aber großes Lesevergnügen. Perfekt geeignet für den kleinen Lesehunger zwischendurch – und macht Lust auf kandierten Ingwer.^^

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Tags: steampunk   (1)
 

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255 Bibliotheken, 4 Leser, 2 Gruppen, 100 Rezensionen

drachenreiter, drachen, cornelia funke, greif, fantasy

Drachenreiter - Die Feder eines Greifs

Cornelia Funke , Cornelia Funke
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Dressler, 26.09.2016
ISBN 9783791500119
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Klappentext
Der Drachenreiter kehrt zurück!

In der Abgeschiedenheit Norwegens erreicht Ben eine schreckliche Nachricht: Die letzten drei Pegasusfohlen werden vermutlich nie schlüpfen und mit ihnen werden die geflügelten Pferde für alle Zeit aus dieser Welt verschwinden. Um sie zu retten, machen sich Ben und Barnabas mit einem äußerst ungewöhnlichen Expeditionsteam auf den weiten Weg nach Indonesien, um dort eins der gefährlichsten Fabelwesen der Welt zu finden. Denn nur die Sonnenfeder eines Greifs kann die Fohlen noch vor dem Tode bewahren. Doch Greife hassen Pferde, und das Wesen, das sie als ihren ärgsten Feind betrachten, ist Bens bester Freund – ein Drache. (Quelle: Dressler Verlag)

Die Erzählung setzt zwei Jahre nach den Ereignissen aus Drachenreiter ein, doch um seine Freude an Die Feder eines Greifs zu haben, muss man den ersten Band nicht gelesen haben. Mittlerweile wurde Ben von den Wiesengrunds adoptiert, die in Norwegen eine Schutzstation für Fabelwesen aufgebaut haben. Ein im wahrsten Sinne des Wortes magischer Ort, der ebenso wie seine – teils skurrilen, aber in allen Fällen liebenswerten – Bewohner, die mit viel Phantasie und Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden.

Auf Ben und seine Freunde wartet diesmal eine gefährliche Mission: Damit die letzten drei Pegasusfohlen schlüpfen können, müssen sie die Feder eines Greifs besorgen, die diesen nur aufgrund besonderer Tapferkeit wächst – und ihnen bliebt dafür nicht viel Zeit. Als wäre das nicht schon dramatisch genug, sind Drachen und Greife Erzfeinde. Weil Ben Lung nicht in Gefahr bringen will, belügt er seinen Freund über das Ziel ihrer Reise.

Ben und sein kunterbunter, manchmal leicht chaotischer Expeditionstrupp erleben im Urwald Indonesiens viele Abenteuer. Sie begegnen einer Reihe faszinierender Fabelwesen und anderen Tieren, deren Charaktere allesamt rund und plastisch ausgearbeitet sind. Am beeindruckendsten waren für mich die Darstellung und Charakterisierung der Greife und ihrer Lebenswelt.

Natürlich darf auch das Stammpersonal aus dem ersten Band nicht fehlen. Eine echte Überraschung war für mich Fliegenbein, der letzte Homunkulus. Sein Charakter ist so vielschichtig und tief und mit seinen teils hochphilosophischen Gedanken hat er sich zu meinem heimlichen Helden gemausert.

Allerdings ist es schade, dass Lung und Ben gut die Hälfte des Romans getrennt sind – worunter beide leiden. Funke gelingt es aber gerade durch diese räumliche Trennung, das Besondere ihrer Freundschaft einzufangen, das man kaum in Worte fassen kann.

Wenn man eines sagen kann, dann, dass es der Autorin nicht an Kreativität mangelt. Wie schon im Vorgänger hat sie den Text selbst liebevoll illustriert. Noch dazu beginnt jedes Kapitel mit einem kurzen, aber passenden Zitat – von Puh der Bär über die Frau des Zeitreisenden und Unten am Fluss sind viele Klassiker der Literatur vertreten.

Die Geschichte ist tempo- und wendungsreich, sprüht vor Ideen und Einfallsreichtum und findet die perfekte Balance zwischen Witz und Ernst. Arten-, Umwelt- und Naturschutz werden thematisiert . Manchmal mit etwas zu stark erhobenem Zeigefinger, doch die Botschaft ist klar: Die Welt ist voller Wunder, die wir achten und bewahren sollten, statt sie rücksichtslos zu zerstören.

Insgesamt hat mir die Fortsetzung zu Drachenreiter gut gefallen. Sie ist kurzweilig zu lesen, spannend, amüsant und unterhaltsam. Die Erzählung hat mich so tief in ihre faszinierende Welt abtauchen lassen, dass ich es schade fand, dass das Buch schon vorbei war – auch wenn der letzte Satz förmlich nach einer Fortsetzung schreit.

Fazit
Auch wer Drachenreiter nicht kennt, sollte dieses Buch lesen – oder am besten beide. Ein wunderbares Jugendbuch.

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Tags: drachen, drachenreiter, jugendbuch   (3)
 

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drachen, fantasy, cornelia funke, kinderbuch, drache

Drachenreiter

Cornelia Funke , Cornelia Funke
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.01.2014
ISBN 9783841502643
Genre: Kinderbuch

Rezension:



„Der Drache träumte von den Bergen, von Steinzwergen, die seinen Schwanz hinaufkletterten, und von dem schmutzigen Kanal, der durch die große Menschenstadt floss."

(Cornelia Funke, Drachenreiter, 2. Auflage 2002, S.111)

Wenn es ein Buch gibt, das mich zu einem Bücherjunkie und einer Leseratte gemacht hat, dann ist es wohl Cornelia Funkes Drachenreiter, das mir schon als Grundschülerin in die Hände fiel. Der Roman ist mittlerweile nicht nur in einem neuen Gewand erschienen, sondern hat im vergangenen Jahr mit Die Feder eines Greifs auch eine lang ersehnte Fortsetzung bekommen.

Klappentext
Eine abenteuerliche Reise liegt vor Lung, dem silbernen Drachen, und seinen Begleitern, dem Koboldmädchen Schwefelfell und dem Waisenjungen Ben. Sie sind auf der Suche nach einem sicheren Ort für Lungs Artgenossen, für die es in der Menschenwelt keinen Platz mehr zu geben scheint. Lung setzt seine ganze Hoffnung auf den sagenumwobenen "Saum des Himmels". Dort, irgendwo zwischen den Gipfeln des Himalaya versteckt, soll die ursprüngliche Heimat der Drachen liegen. Noch ahnen die drei jedoch nicht, dass es etwas viel Bedrohlicheres als die Menschen gibt - Nesselbrand den Goldenen, das gefährlichste Drachen jagende Ungeheuer, das die Welt je gesehen hat. Und er ist ihnen auch schon auf der Spur ... (Quelle: Dressler Verlag)

Um das Überleben seiner Art zu sichern und eine neue Heimat zu finden, macht sich der Silberdrache Lung auf den weiten und beschwerlichen Weg von Schottland bis in zum Himalaya, auf der Suche nach dem "Saum des Himmels". Dabei ist er zum Glück nicht auf sich allein gestellt: Schwefelfell, ein Koboldmädchen, das Pilze liebt, schnell Heimweh bekommt und ab und an ungeniert schimpft und flucht, ist seine treue Begleiterin. Bei einem Zwischenstopp in Deutschland begegnen die beiden dem Waisenjungen Ben - und beschließen, ihn mit auf ihre Reise zu nehmen.

Wie das ungleiche Trio erste zarte Bande der Freundschaft knüpft, beschreibt Cornelia Funke herzerwärmend und bezaubern. Die Autorin entführt uns in eine Welt, in der Fabelwesen und Menschen nebeneinander wohnen, in der Zauber in jedem Winkel zu finden ist - solange man mit offenen Augen und ganz bewusst durch die Welt geht. Das Setting des Romans mutet oft märchenhaft an, die Geschichte wurde von Funke selbst liebevoll illustriert.

Auf der Reise zum "Saum des Himmels" müssen Lung, Ben und Schwefelfell einige Abenteuer bestehen, treffen andere Geschöpfe und Menschen, denen das Wohl der Fabelwesen am Herzen liegt und die sich für ihren Schutz einsetzen. Doch nicht jede Begegnung auf ihrem Weg gestaltet sich friedlich, denn nicht jeder ist dem Silberdrachen wohlgesonnen.

Drachenreiter ist ein Buch, das einen schmunzeln lässt, das aber auch zum Nachdenken darüber anregt, wie wir Menschen mit der Welt und den Geschöpfen, mit denen wir uns die Erde teilen, umgehen. In der Geschichte steckt auch Vieles, das Erwachsene anspricht: Die zeitlosen Werte von Freundschaft, Mut, Zusammenhalt und Toleranz.

Fazit
Drachenreiter ist ein gelungenes Jugend-/Kinderbuch, das ich jedem - egal welchen Alters - wärmstens ans Herz legen kann. Wer seinen Träumen silberne Drachenschwingen verleihen möchte, der sollte diesen Roman unbedingt lesen.

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Tags: drachen, fabelwesen, freundschaft, jugendbuch   (4)
 

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sommer, 5 diamanten, liebesroman, romance, rezensio

50 Tage: Der Sommer meines Lebens

Maya Shepherd
Flexibler Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Sternensand Verlag, 30.06.2017
ISBN 9783906829432
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Mit dir ist jeder Tag wie ein Kapitel in einem Buch, das noch lange nicht vorbei ist. (...) Es ist die Geschichte des besten Sommers meines Lebens."

(Maya Shepherd, 50 Tage - der Sommer meines Lebens, S. 115)

Die Route 66. Grenzenlose Freiheit. Der Duft von Abenteuer. Und ein Roadtrip, der nicht nur ein Leben verändert. Das alles steckt in 50 Tage - Der Sommer meines Lebens - und noch viel mehr.


Klappentext
Der Sommer 1965 ist der letzte vor Jades 18. Geburtstag. Die Beatles regieren die Charts, Blue Jeans erobern den Modehimmel und Jade erwischt ihren Freund dabei, wie er ihre beste Freundin Katie küsst. Ihre Welt zerspringt in tausend Teile und der Sommer scheint ins Wasser zu fallen. Jades Eltern haben überhaupt kein Verständnis für den Liebeskummer ihrer Tochter und bestehen darauf, dass sie trotz allem gemeinsam mit Katie in das bereits gebuchte Feriencamp fährt. Doch Jade schmiedet eigene Pläne. Sie lässt sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip ein, um vor ihren Problemen davonzulaufen. Nicht ahnend, dass die große Liebe bereits an der nächsten Kreuzung auf sie wartet. Ein Sommer voller Träume, Hoffnungen und Herzklopfen entlang der Route 66 beginnt, bis sich ihr das Schicksal mit aller Macht in den Weg stellt ...  (Quelle: Sternensand Verlag)

Schon im Prolog spürt man diese ganz besondere Atmosphäre, die dem legendären Highway der Route 66 zu eigen ist, diesem Sehnsuchtsort, der für viele der Inbegriff grenzenloser Freiheit ist.

Entlang dieser Straße führt auch der Weg der Ich-Erzählern Jade, die uns mitnimmt auf eine Reise, die nicht nur ihr Leben für immer verändern wird. Per Anhalter geht es für sie quer durch die USA, zu den Amish, auf eine Farm, ins schillernde Las Vegas - das alles gepaart mit einem wahnsinnig charmanten Sixties-Flair.

Die besondere Stimmung des Romans hat mich sofort für sich gewonnen. Auch wenn der Prolog andeutet, wie Jades und Jasons Reise enden wird, ist der Roman bittersüß, federleicht, sehnsüchtig, manchmal melancholisch und zugleich lebensbejahend.

In einem lockerleichten, amüsanten, aber auch ernsten Ton versteht die Autorin es, Jades Geschichte zu erzählen. Jade ist eine sympathische Protagonistin und ich muss gestehen, dass ich mich in vielerlei Hinsicht in ihr wiedererkannt habe.

Zwischen Jason und ihr stimmt die Chemie, auch wenn es am Anfang Reibereien gibt (aber gerade das macht die Liebe doch so spannend, oder?). Auf den ersten Blick ist der Typ mit dem schwarzen Mustang Cabrio ein Bad Boy, ein waschechter Draufgänger, doch er hat einen nicht minder weichen Kern.

Maya Shepherd gelingt es, Jades Gefühle nachvollziehbar und nachempfindbar zu machen. Man lacht, bangt und weint mit ihr. Liebe, Angst, Verletztheit, Unsicherheit, Zweifel - die ganze Bandbreite menschlicher Empfindungen steckt in Der Sommer meines Lebens. Manchmal hätte es für meinen Geschmack aber ruhig etwas weniger kitschig und tränenreich sein dürfen, obwohl eine Sommerlektüre an einigen Stellen gern auch mal seicht(er) sein darf. ^^

Der Sommer meines Lebens ist ein Roman über das Erwachsenwerden. Darüber mutig zu sein und darüber, aus seinen starren Vorstellungen auszubrechen und etwas Neues zu wagen. Maya Shepherd wirft zwischen den Zeilen Fragen auf, die sich wohl jeder von uns stellt: Habe ich den richtigen Weg eingeschlagen? Was bedeutet Glück für mich? Und was will ich wirklich? Der Roman hat etwas Besonderes geschafft: Beim Lesen habe ich auch viel über mich gelernt.

Fazit
Der Sommer meines Lebens ist eine angenehme Sommerlektüre. Flirrend wie die Sommerhitze, belebend wie warmer Sommerregen. Manchmal driftet die Geschichte in seichte Gewässer ab, aber der unbeschwerte Schreibstil der Autorin und die sympathischen Charaktere machen das locker wett. Sehr lesenswert.

In diesem Sinne: Seid mutig und packt das Leben mit beiden Händen! :)

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Tags: jugendbuch, romance, sommer, sternensand verlag   (4)
 

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rheinbach, mittelalter, hexenverfolgung, hexen, historischer roman

Der Hexenschöffe

Petra Schier , ,
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2014
ISBN 9783499268007
Genre: Historische Romane

Rezension:

„Niemals durfte ein solches Unrecht sich wiederholen. (…)Getrauert und bedauert hatte er lange genug. Nun war es an der Zeit zu handeln.“

(Petra Schier, Der Hexenschöffe, S. 11)

Mit Der Hexenschöffe wagt sich Petra Schier an ein düsteres Kapitel der Geschichte: Die Hexenverfolgungen. Ein Thema, das nichts für Zartbesaitete ist – und das die Autorin mit sehr viel Fingerspitzengefühl anfasst, ohne es zu beschönigen.


Klappentext
Eine wahre Geschichte aus dunkler Zeit
Anno 1636 ist ganz Deutschland vom Hexenwahn ergriffen. Schon einige Jahre zuvor traf es auch das beschauliche Rheinbach – eine Zeit, an die sich keiner gern erinnert. Und nun hat der Kurfürst den Hexencommissarius erneut in die Stadt beordert.
Hermann Löher, Kaufmann und jüngster Schöffe am Rheinbacher Gericht, hat Angst um Frau und Kinder. Sein Weib Kunigunde gehört zur «versengten Art»: Angehörige ihrer Familie wurden damals dem Feuer überantwortet. Löher glaubt nicht an Hexerei und an die Schuld derer, die vor Jahren den Flammen zum Opfer fielen. Eine gefährliche Einstellung in diesen Zeiten.
Als die Verhaftungswelle auch auf Freunde übergreift, schweigt der Schöffe nicht länger. Und schon bald beginnt für ihn und seine Frau ein Kampf gegen Mächte, die weit schlimmer sind als das, was man den Hexen vorwirft … (Quelle: Rowohlt Verlag)

Der Rheinbacher Kaufmann Hermann Löher steht im Zentrum des Romans. Er ist nicht nur Augenzeuge der Hexenprozesse, sondern ebenso der Verfasser einer 600-seitigen Klageschrift – der Hochnötigen Unterthanigen Wemütigen Klage der Frommen Unschültigen. Diese Abhandlung hat Petra Schier nicht nur als Quelle herangezogen, sondern zitiert zu Beginn jedes Kapitels aus ihr, wodurch der Roman viel authentischer wirkt.

Für das Gefühl der historischen Authentizität sorgt auch der Schreibstil der Autorin. Die Sprache ist altertümlich eingefärbt, aber leicht zu verstehen – ein echter Genuss, der zu einer Reise in die Vergangenheit einlädt.

Die Charaktere sind vielschichtig und dreidimensional – auch Nebencharaktere sind gut ausgearbeitete. Die Bandbreite an Regungen, die sie hervorrufen, reicht von liebenswert bis abstoßend.
Hermann ist ein Mann mit Idealen, der damit hadert, dass er als Schöffe am Gericht alle verhängten Urteile mittragen muss. Er möchte dem Hexenkommissar Einhalt gebieten, doch fürchtete zugleich um das Wohl seiner Familie. Dennoch widersetzt er sich dem Hexenkommissar so weit es ihm möglich ist.
Letzterer ist ein faszinierender Charakter: machtgierig und ohne Gewissen, der rhetorisch so versiert ist, dass er jedem das Wort im Munde herumdreht.

Neben Hermann steht aber auch die Generation seiner Kinder im Fokus der Erzählung, die trotz der lodernden Scheiterhaufen und des Misstrauens, das unter den Rheinbachern um sich greift, versuchen, ihr persönliches Glück zu finden und ihren eigenen Weg zu gehen.

Der Roman verlangt dem Leser einiges ab – und vermutlich auch seiner Autorin, denn einige Szenen gehen bis an die Grenzen des Erträglichen. Gewalt. Demütigung. Unsittliche Übergriffe. Die Verhörmethoden der Hexenkommissare in der Peinkammer. All dies beschreibt Schier ungeschönt, intensiv und schwer zu ertragen – vor allem wenn man bedenkt, dass so etwas (oder Ähnliches) tatsächlich geschehen ist und heute noch immer so geschieht.

Ein weiterer Pluspunkt und ein echter Gewinn ist das Zusatzmaterial u.a. ein historisches Nachwort und eine Erklärung zum Rheinbacher Brauchtum. Darüber hinaus gewährt Petra Schier auf ihrem Blog weitere Einblicke in die umfangreiche Recherche und Entstehung des Romans (und entfallene Kapitel). Ein Blick lohnt sich!

Fazit
Der Hexenschöffe ist ein packender historischer Roman, hervorragend recherchiert, spannend und authentisch. Auch wenn manche Szenen nicht leicht zu lesen oder zu verdauen sind, kann ich den Roman nur jedem empfehlen. Denn nach der letzten Seite bleibt der Eindruck zurück, mehr als einen Roman gelesen zu haben. Der Hexenschöffe ist ein Plädoyer dafür, seine Stimme zu erheben, selbst wenn es aussichtslos erscheinen mag – und seine Menschlichkeit nicht zu vergessen.

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Tags: frühe neuzeit, hexenverfolgung, historischer roman   (3)
 

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jugendbuch, dystopie, zukunft, freundschaft, fiktion

Die Wächter

John Christopher , Johannes Piron
Flexibler Einband: 186 Seiten
Erschienen bei Ravensburger Buchverlag, 01.12.2007
ISBN 9783473580279
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„There are two worlds, with a barrier between them. The barrier may not be strong in the physical sense but in people’s minds it’s enormous.“

(John Christopher, The Guardians)

Zwar ist The Guardians von John Christopher bereits 1970 erschienen, aber die Dystopie, die mit dem Guardian-Award für Jugendliteratur ausgezeichnet wurde, hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. (Anmerkung: Die Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Ausgabe)


Inhalt

England in einer fiktiven Zukunft: The Barrier – ein hoher Zaun – teilt das Land in zwei Regionen: Die Conurb für die Arbeiterklasse und die County, das ländliche England für die Oberschicht. Als Rob Randall nach dem mysteriösen Tod seines Vaters aus der Stadt flieht, wird er von einer Familie in der County „adoptiert“. Er passt sich dieser für ihn neuen Welt an, bis er eines Tages bemerkt, dass auch in der vermeintlich so idyllischen County dunkle Gefahren lauern.

Die Gesellschaft lebt in zwei verschiedenen Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: In der Conurb wird die Arbeiterklasse – ganz im Stil des Imperium Romanum – mit Brot und Spielen ruhig und zufrieden gestellt. Trotz der zahlreichen Ablenkungen, die es dort gibt (z.B. das Holovision, das unserem Fernsehen entspricht) gärt Unzufriedenheit unter der Oberfläche, die sich ab und an in Straßenschlägereien bahn bricht.

Das Leben in der County wirkt hingegen, als hätten die Uhren irgendwann während der Kolonialzeit aufgehört, sich zu drehen. Die Oberschicht lebt in prächtigen Landhäusern mit Scharen von Bediensteten, nutzt Pferdekutschen und geht elitären Vergnügungen nach, trifft sich auf Gartenpartys – Bespaßung durch das sinnbefreite Holovison gibt es für die Bewohner der County nicht.

Als Rob, der Protagonist, die Grenze überquert und von Mikes Familie aufgenommen wird, betritt er eine völlig neue Welt. Zunächst bereitet es ihm Schwierigkeiten, sich den Gepflogenheiten der County anzupassen, doch er lernt sein neues Leben rasch zu schätzen. Ganz im Gegensatz zu Mike: Er wirkt von Beginn an getrieben, auf der Suche nach dem „Mehr“, das das Leben zu bieten hat.

Dem Autor gelingt es, mit großem Einfühlungsvermögen das Innenleben seiner Charaktere zu porträtieren und die Tiefe ihrer Gedanken auszuloten. Für eine Dystopie ist es – zumindest in meinen Augen – ungewöhnlich, dass der Protagonist das bestehende System kaum hinterfragt und es eine der Nebenfiguren ist, die mit der Welt hadert. Dadurch wird auch die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe gestellt.

Der Roman ist spannend geschrieben. Der Schreibstil liest sich auch im Original angenehm und flüssig. Wer also nicht davor zurückschreckt, englische Bücher zu lesen, der sollte unbedingt zur Originalversion greifen.

In seinen Beschreibungen der Conurb und der County bleibt Christopher ausgewogen, so dass es dem Leser überlassen wird, sich gemeinsam mit Rob ein eigenes Bild von beiden Lebenswelten zu machen und sich ein Urteil zu bilden, obwohl rasch der Eindruck entsteht, dass die vermeintliche Idylle in der County trügerisch ist.

The Guardians greift zudem viele Themen auf, die gerade heute nichts von ihrer Aktualität und Brisanz eingebüßt haben: Muss man die bestehenden Verhältnisse als gegeben hinnehmen? Welcher Handlungsspielraum bleibt für jeden einzelnen in einem System, das ihm seine Postion zuweist und starren Regeln folgt?

Fazit
The Guardians ist eine lesens- und empfehlenswerte Dystopie, die – obwohl sie schon älteren Datums ist – immer noch hochaktuell ist. Ein spannendes Jugendbuch, das zum Nachdenken anregt.

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Tags: dystopie, jugendbuch   (2)
 

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harry potter, fantasy, hogwarts, theaterstück, zauberei

Harry Potter und das verwunschene Kind

J.K. Rowling , John Tiffany , Jack Thorne
Fester Einband: 300 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 24.09.2016
ISBN 9783551559159
Genre: Jugendbuch

Rezension:

„Ich bin die neue Vergangenheit.
Ich bin die neue Zukunft.
Ich bin die Antwort, auf die
diese Welt gewartet hat.“

(Harry Potter und das verwunschene Kind, S. 236)


Harry Potter. Es gibt kaum zwei Worte, die mir solch einen wohligen Schauder über den Rücken jagen wie dieser Name. Er steht für durchlesene Nächte. Kindheit. Für Figuren, mit denen man gemeinsam gewachsen und erwachsen geworden ist.

Das verwunschene Kind setzt neunzehn Jahre nach den Geschehnissen des letzten Harry Potter-Buches an und basiert auf einer Idee von Joanne K. Rowling. Im Fokus steht allerdings – anders als der Titel es vermuten lässt – kein weiteres Abenteuer von Harry, sondern sein Sohn Albus.

Das verwunschene Kind lässt sich rasch runterlesen, was vor allem daran liegt, dass es als Theaterstück natürlich vorwiegend aus Dialogen besteht. In den ersten Szenen weht einem das vertraute Flair und der besondere Zauber von Hogwarts entgegen. Es fühlt sich an wie eine Heimkehr, eine Begegnung mit alten Freunden, die man eine Weile lang aus den Augen verloren hatte, doch denen man sich noch immer verbunden fühlt. Die Regieanweisungen und kurzen Beschreibungen des Settings genügen, um das Kopfkino – auch dank der Filme – auf Hochtouren laufen zu lassen.

Albus hat es schwer, Harrys Sohn zu sein. Das Verhältnis der beiden ist schwierig, unterkühlt. Albus glaubt, es seinem Vater niemals recht machen zu können – und kommt auf die irrwitzige Idee, die Vergangenheit ändern zu wollen. Mit seinem Freund Scorpius (Malfoy wohlgemerkt^^) im Schlepptau und einem Zeitumkehrer verschlimmbessert er jedoch alles. Und mit jeder weiteren Reise in die Vergangenheit droht der dunkle Lord stärker und stärker zu werden.

Die Handlung ist insgesamt kurzweilig und unterhaltsam, sofern man über das ein oder andere Logikloch hinwegsieht und sich tatsächlich auf die Skriptform einlässt. Auf der Bühne muss das Stück wirklich atemberaubend sein – schade, dass es zurzeit nur in London läuft.

Am besten hat mir gefallen, wie die Freundschaft zwischen Albus und Scorpius dargestellt wird. Die beiden sind wirklich herzerwärmend, wobei Scorpius für mich definitiv der heimliche Held der Geschichte ist. 
Natürlich gibt es auch ein Wiedersehen mit anderen Charakteren, die man aus der Harry-Potter-Reihe kennt und lieb gewonnen hat – auch wenn sich einige von ihnen ganz schön verändert haben.

Fazit

Das verwunschene Kind wird für viele eine nostalgische Zeitreise in die eigene Kindheit sein. Obwohl das Skript nicht an die heimelige Atmosphäre der Romane herankommt, weil dazu schlichtweg die Beschreibungen fehlen, kann ich das Buch dennoch jedem Potterhead ans Herz legen.

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Martin Luther

Monika Grasl , Anton Vogel , Martin Simon , Sophia Schönhals
Flexibler Einband: 230 Seiten
Erschienen bei Burgenwelt Verlag, 15.03.2017
ISBN 9783943531657
Genre: Historische Romane

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mittelalter, fantasy, sagen, wikinger, meer

Wenn alte Wellen singen

C.M. Dyrnberg , Regine D. Ritter , Marielle Bodenheimer , Julia Annina Jorges
Flexibler Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Burgenwelt Verlag, 10.02.2016
ISBN 9783943531411
Genre: Historische Romane

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lamien, fantasy, drachen, flucht, vereigerung

Flucht in ein sicheres Leben

Anja Gust , Lila Lestrange , Anton Vogel , Tamara Schadt
Flexibler Einband: 350 Seiten
Erschienen bei Wölfchen Verlag, 15.04.2016
ISBN 9783943406610
Genre: Sonstiges

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