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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

williams

Träume wie Sand und Meer

Beatriz Williams , Anja Hackländer
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 22.08.2016
ISBN 9783764505660
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte, die Beatriz Williams erzählt, ist nicht neu. Christina und Frank, jung, schön und ehrgeizig, gehen eine Vernunftehe ein. Der charismatische Frank will Mitte der 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts als Politiker Karriere machen, die brave Christina, „Tiny“, träumt davon, an seiner Seite ins Weiße Haus einzuziehen.


Mondäne Kulisse ihrer zugegeben recht halbherzigen Bemühungen als politisches Traumpaar ist die amerikanisches Ostküste. Die beiden pendeln im Cadillac zwischen Boston und der Sommerresidenz an der Cape Cod und haben sich außer Floskeln nicht viel zu sagen.

Denn die gemeinsame Mission des jungen Paars hat von Anfang an eine Menge Fragezeichen. Tiny versucht vergeblich, die Erinnerungen an Franks Cousin Cap zu verdrängen, mit dem sie vor ihrer Ehe eine kurze, heftige Affäre verband, und Frank wirkt ständig überfordert und abgelenkt. Auch er hat ein „Geheimnis“ - der eine oder andere ahnt sicher schon, was es sein könnte.

Ja, und dann wären da noch der Clans der Hardcastles und Schuylers. Hier zieht Beatriz Williams alle Register:  Nicht fehlen dürfen in der Reihe der Familienmitglieder: die Old Lady Granny Hardcastle (was uns nicht umbringt, macht uns stärker), der skrupelose Schwiegervater (mit Geld kann man alles kaufen), die frustrierte Mutter (mit einem Drink und einem Liebhaber kann man fast alles ertragen), die unangepasste jüngere Schwester sowie - wenig originell -  der boshafte Psychiater. Es scheint kein Klischée zu geben, das dieser Roman auslässt. Geschenkt.

Ärgerlich sind der schwülstige Ton und die sprachlichen Ausrutscher, Beispiele: „sündige Handtasche“, „salzgeschwängerte Luft“ und „Silberbesteck, das kostspielig klimpert“. 

Vielleicht ist die Tiny-Frank-Geschichte auch nur Nebensache. Und es geht eigentlich um Tinys große Liebe, den Major und Vietnamkämpfer Caspian Harrison und seine Geschichte. 

Beatriz Williams widmet Männern wie Cap diesen Roman, wenn sie schreibt „All denjenigen, die versehrt aus dem Krieg zurückkehren und für die Menschen, die Sie lieben“. Klingt wie die Story hinter der Story. Aber warum so kompliziert?

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71 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

bretagne, mord, krimi, georges dupin, serie

Bretonische Flut

Jean-Luc Bannalec
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 28.06.2016
ISBN 9783462049374
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Um es vorweg zu nehmen: Kommissar Dupins fünfter Fall wird sicher ein Bestseller. Denn der Stil, in dem Jean-Luc Bannalec ganz unangestrengt Reportage und Kriminalfall vereint, bedient viele Lesebedürfnisse in einem Buch. Die perfekte Sommerlektüre?

Für mich ist es der dritte Dupin-Fall und meine Begeisterung hält sich diesmal in Grenzen. Zu wenig Krimi, zu viel Reiseführer, für meinen Geschmack.

Nichts gegen die Bretagne. Eine wunderschöne Landschaft, widerspenstig und geheimnisvoll wie ihre Bewohner, dazu jede Menge Legenden und Heldensagen. In jedem noch so kleinen Restaurant an der bretonischen Küste scheint ein begnadeter Koch zu arbeiten. Ein Sehnsuchtsort, mehr als eine Reise wert.

Im Ermittler-Team sind inzwischen viele alte Bekannte und es ist immer wieder schön, ihnen bei der Arbeit zuzusehen. Dem aus Paris zugezogenen Dupin mit seinem untrüglichen Instinkt. Auch in diesem Fall zelebriert er seine Alltagsrituale, den starken Cafe zum Wachwerden, das leckere Menü zum Entschleunigen. Doch wenn es sein muss, dann stürzt sich der Genussmensch auch mal Hals über Kopf in die bretonischen Fluten. 

 An seiner Seite die beiden Assistenten, der ruppige Kadeg und der leutselige Riwal, sowie die allgegenwärtige Sekretärin Nolwenn. Symphatisch, aber nicht dröge, denn in der Ermittlungsarbeit sind die Polizisten ungemein effektiv. Sie lösen den Fall in gerade einmal zwei Tagen.

Der Kriminalfall selbst ergab allerdings für mich nicht wirklich Sinn. Kurz nacheinander werden zwei Frauen mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden, eine Fischerin und eine Meeresforscherin, es folgt ein dritter Mord an einem emeritierten Professor. In der Folge erfährt man viel über Fangquoten und illegale Fischereimethoden. 

Die Suche nach dem Mörder kreist um die Häfen am Cap Sizun und den Parc d’ Iroise - und birgt am Ende eine Überraschung.  Doch die Morde passen nicht zum Täter. Geständnis und überzeugendes Motiv bleibt der Krimi schuldig - darüber kann auch eine wahnwitzige Verfolgungsjagd nicht hinwegtrösten. Klar, Habgier geht natürlich irgendwie immer, am Ende löst sich dann auch das Objekt der Begierde in Nebel auf. Mich hat’s nicht überzeugt.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

feinschmecker, katalanie, perez, vermeille, frankreich

Tödlicher Tramontane

Yann Sola
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 12.05.2016
ISBN 9783462048681
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Zwischen Perpignan und Figueres, von Meer und den Pyrenäen eingeschlossen, liegt der kleine Ort Banyuls-s-Mer an der Cote Vermeille. Hier betriebt der großherzige und liebenswerte Perez ein winziges Restaurant.

Sehnsüchtig schaue ich auf die Landkarte im Einband und würde mich am liebsten sofort an diesen Ort beamen. Ich lese die ersten Seiten und das Experiment ist geglückt.

Ich lasse ich mich von dem Restaurantbetreiber und Gourmet Perez an die Hand nehmen und werde zu einem Teil dieses Dorfes. Wie überall, gibt es auch hier Licht und Schatten, die feinen Unterschiede im sozialen Gefüge, Machtgier, Skrupellosigkeit, Freundschaft und tiefe Verbundenheit.

Einfach eine Scheibe Schinken essen, dazu ein Glas Wein und ein paar Oliven. Wenn man Perez dabei zusieht, und dazu gibt es reichlich Gelegenheit, dann ist das so wohltuend, ich vergesse ganz, dass ich einen Krimi lese. Genau, der Fall:

In den schlittert der Hobbyermittler Perez eher so rein. Andererseits passt es nur zu gut und ich ahne, dass ihm das öfter passiert. Er, der es mit dem Gesetz nicht so ernst nimmt, hat einen großen Gerechtigkeitssinn. Offiziell ein Einzelgänger kämpft er, wenn seine Freunde in Gefahr sind. Also ruht Perez nicht eher, bis er hinter das Geheimnis der Yacht-Explosion kommt und seine rebellische Freundin Marianne wieder wohlbehalten nach Banyuls-s-Mer zurückgekehrt.

„Tödlicher Tramatone“ ist eine Geschichte von gierigen Investoren und skrupelosen Handlangern. Am Ende gewinnen zwar die anderen, die Sturköpfe und Idealisten, und die Welt ist für einen Moment wieder in Ordnung. Aber eine pure Idylle war sie eigentlich nie.

Ein bisschen wehmütig lege ich das Buch aus der Hand. Jetzt heißt es warten auf den nächsten Sommer. Hoffentlich liegt dann ein neuer Perez-Krimi in meinem Handgepäck.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Der Commissaire kocht

Julie Masson , any.way , Barbara Hanke , Cordula Schmidt
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.04.2016
ISBN 9783499271649
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Julie Masson hat in diesem Frühling ihren dritten Krimi mit Commissaire Lefevre in der Rolle des stets leicht genervten Ermittlers vorgelegt. Schauplatz des Verbrechens ist wieder der kleine Ort Lit-et-Mix an der französischen Atlantikküste. Und einmal mehr wird man auf den Fall eingestimmt durch ein Gedicht von Baudelaire, sehr schön.


Bei einer Restauranteröffnung stirbt einer der geladenen VIPs, der Gourmet-Kritiker Raul Da Silva, als er die Vorspeise probiert. Vergiftet war nur seine auf einem besonderen Teller servierte Portion. Und so wird schnell klar, dass es der Mörder auf ihn ganz speziell abgesehen hat. 

Der arrogante Alpha-Mann hatte viele Feinde, was zunächst allerdings niemand zugeben möchte. Auch die Restaurantbesitzerin Colette Viard, die dank Da Silvas eine TV-Kochshow und damit das nötige Geld für die Restauranteröffnung gewonnen hat, tut sich schwer. So stochern Lefevre und seine Kollegen Dubertrand und Chevalier lange im Dunkeln. 

Den zweiten Krimi („Ein Commissaire geht baden“) hatte ich vor einem Jahr ziemlich gelobt. Er hatte Tempo und war witzig. Daran kann die Neuerscheinung leider nicht anschließen. Die Betonung auf Lefevres Auftreten, seinen Standesdünkel und seine ach so prickelnde Beziehung zur deutschen Freundin Sophie, das alles hat mich mächtig gelangweilt. 

Auch die Ermittlung schleppt sich so dahin. Mehr Krimi-Stimmung entsteht auch nicht durch die ausschweifenden Szenen in der Pathologie. Für den ganzen Aufwand (Portugiesische Galeere, hochgiftig, vorher nie gehört, sehr interessant) war das Motiv dann ... naja, recht konventionell.

Während mich die Haupthandlung (wer hat Da Silva denn nun getötet) und Lefevres Privatleben nicht wirklich packen konnten, fand ich eine Nebenhandlung viel spannender. Der alte Verleger Cuillére verschwindet plötzlich, nachdem er sich im Alleingang zu einer gefährlichen Transaktion entschlossen hat. 

Da spürte ich beim Lesen dieses typische Unwohlsein, wenn eine gute Geschichte erzählt wird, den starken Antrieb des alten Mannes, der ihn die vielen Stufen des Leuchtturms hinaufsteigen ließ, seinen Leichtsinn, und die Angst der Tochter. Julie Masson kann sich gute Geschichten ausdenken, aber der „Der Comissaire kocht" würde ich nicht unbedingt für den Reisekoffer empfehlen, die beiden Vorgänger sind einfach besser.

Das Cover erinnerte mich sehr stark an „Bretonische Verhältnisse“ des sehr erfolgreichen Krimi-Autors Jean-Luc Bannalec. Gab es denn kein Foto der Portugiesischen Galeere?

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134 Bibliotheken, 6 Leser, 1 Gruppe, 51 Rezensionen

briefe, liebe, spanien, freundschaft, poesie

Der schönste Grund, Briefe zu schreiben

Ángeles Doñate , Anja Rüdiger
Fester Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Thiele & Brandstätter Verlag , 27.02.2016
ISBN 9783851793413
Genre: Romane

Rezension:

Porvenir, ein kleiner Ort in den spanischen Bergen. Sara, der einzigen Briefträgerin, einer alleinerziehenden Mutter, droht die Versetzung ins trubelige Madrid. Arbeitslos ist sie quasi schon, da die Bewohnerinnen und Bewohner von Porvenir aufgehört haben, Briefe zu schreiben. Soweit die realistische Ausgangslage in dem Roman von Ángeles Donate. 


Was dann geschieht mutet an wie ein Traum. Saras gute, alte Freunding Rosa beschließt, eine Briefkette anzustoßen (man kennt das aus Kindertagen), um den Postverkehr wiederzubeleben. Sie selbst macht den Anfang mit einer Lebensbeichte, die sie an ihre Jugendfreundin adressiert. 


Ganze acht Briefe kommen am Ende zusammen - dann ruht die Briefkette. Die Menschen, die sich an ihr beteiligt haben, sind nun aber auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden. Zwei verlieben sich einander, eine dritte findet ebenfalls einen neuen Mann, eine Reihe von Freundschaften werden geschlossen oder vertieft.


Freundschaft und Liebe - das sind die Themen dieses Buches. Die scheinbar nebensächlichen Dinge, die den Unterschied machen. Mit Bedauern habe ich festgestellt: Es geht nicht um diesen Aha-Effekt, den ich im ersten Teil des Buches empfunden habe, als sich mit jedem Brief eine neue Protagonistin dazugesellte. Das wäre ein anderer Roman geworden, den ich auch ganz gern gelesen hätte. 


Doch Ángeles Donate setzt nicht so sehr auf soziologische Studien, sondern schreibt fürs Gemüt. Gespickt mit Briefzitaten berühmter Leute und gekrönt von einem Lesezirkel der Briefeschreiberinnen, der sich mit dem Briefeschreiben befasst, hat dieser Roman auch etwas Schulmeisterliches. 


„Ja, ich habe es verstanden.“, möchte man irgendwann gegen Ende ausrufen. Es ist gut, wenn sich Menschen umeinander kümmern, sich von ihren Sorgen erzählen können und füreinander da sind. Mitunter sind Briefe dafür eine Möglichkeit. 


Ich habe mich zwischendurch gefragt, ob dieses Buch als Film funktionieren würde. Als romantische Komödie, vielleicht. Doch selbst dann fehlt mir die Dramatik, für jedes Problem gibt es ziemlich schnell eine Lösung. 


Sollte ich meine Lektüre auf den Punkt bringen, dann fühlte sie sich an wie die tröstenden Worte einer guten Freundin: Man hört irgendwie den Zweckoptimismus, aber sie kommen von Herzen.

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110 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 57 Rezensionen

weingut, spanien, frauen, familie, mord

Die Frauen von La Principal

Lluís Llach , Petra Zickmann
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.03.2016
ISBN 9783458176725
Genre: Romane

Rezension:

Mit seinem berühmten Lied „L’Estaca“ hat Lluis Llach 1968 das Selbstbewusstsein der Katalanen im Kampf gegen die Franco-Diktatur bestärkt. 

Nun hat er knapp 50 später mit seinem Roman „Les dones de la Principal“ („Die Frauen von La Principal“, ins Deutsche übersetzt von Petra Zickmann) wieder ein identitätsstiftendes Werk verfasst, das es im Übrigen nicht nur auf der katalanischen, sondern auch der spanischen Bestsellerliste geschafft hat. Llach ist ohne Zweifel ein Künstler, der mühelos die Genres wechseln kann, und immer scheint ihm etwas Besonderes zu gelingen.

„Die Frauen von La Principal“ ist eine Familiensaga. Im Mittelpunkt stehen die drei Marias: Großmutter, Mutter und Tochter. Es sind ungewöhnlich selbstbewusste, geschäftstüchtige Frauen, die mit Standesbewusstsein und Mut ein kleines Weingut im katalanischen Hinterland durch die Zeiten retten – und die bei der Wahl des Lebenspartners stets ihrem Herzen folgen.

Während die Regenschaft der ersten Maria noch von unumstößlichen Standesunterschieden getragen wird, arrangiert sich Maria Magy mit den unberechenbaren neuen Machthabern unter Franco. Ihre Tochter Maria Costa, ganz die emanzipierte Frau der Nach-68er-Bewegung, kann weder der Großmutter noch der Mutter viel abgewinnen. Bis sie die beiden durch die Memoiren ihres Vaters auf andere Weise kennenlernt.

Geschickt sind in diesem Roman altertümlich anmutende Legenden und Familiengeschichte mit einer Mordermittlung verwoben, die sich als roter Faden durch das Buch zieht und 1940 spielt. Komissar Recader rollt die Ermittlungen in einem Mordfall wieder auf, dem vier Jahre zuvor ein ehemaliger Vorarbeiter zum Opfer gefallen war. Bei seinen Ermittlungen erhält der Agatha-Christie-Fan Unterstützung von ehrwürdiger Seite. Doch er lässt sich nicht beirren und bringt den Fall zu einem unerwarteten Ende.

Lluis Llach hat diesmal eine Hymne auf die emanzipierten Frauen geschrieben. Es ist ein warmherziges, freizügiges Buch, in dem es viel um Befreiung von überkommenen Anschauungen geht. Aber es wäre ein anderes – vielleicht eher kitschiges Buch geworden –  wäre es nicht auch von Wut getragen, Wut gegen die kirchliche Doppelmoral, die die Macht besaß, das Leben von Frauen und Männern zu zerstören.

Mein Fazit: Der spanische Bestseller „Die Frau von La Principal“ ist ein tiefgründiges und wunderbar leicht geschriebenes Buch – wirklich lesenswert.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Winterdreieck

Julia Deck , Antje Peter
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 29.01.2016
ISBN 9783803132765
Genre: Romane

Rezension:

In dem jüngsten Roman von Julia Deck „Winterdreieck“ steht eine junge Frau vor dem Nichts. Ohne Job, ohne Geld und demnächst ohne Wohnung. Sie flüchtet sich in eine neue Identität, gibt sich als Schriftstellerin aus und nimmt den Namen Bérénice an, den sie aus einem Film kennt. 


Die attraktive Hochstaplerin findet in einem einsamen Schiffsinspekteur einen gutgläubigen Verehrer. Doch bald beschleichen den Mann Zweifel und er möchte seine Begleiterin wieder abschütteln. Auf wen hat er sich da eingelassen? 

Doch so einfach ist das nicht. Mademoiselle Bérénice reist mit ihm quer durch Frankreich, von Le Havre über Saint-Nazaire und Marseille nach Paris und wieder zurück. Sehr stimmungsvoll sind die Hafenstädte beschrieben, eingefangen in ihrer Tristesse, wecken sie doch - die wie alle Orte am Meer - eine unbestimmte Sehnsucht. 

Julia Decks Roman lebt von seiner skurilen, abgründigen Hauptfigur. Auf den ersten Blick ein schutzbedürftiges Frauchen trägt sie eine unheimliche Wut mit sich herum. Sie ist eine Verweigerin, die sich nicht in die Arbeitswelt einfügen kann, die bei dem kleinsten Konflikt explodiert, handgreiflich wird, Szenen macht. Eine Lügnerin, die keinen Finger krumm machen, aber auf nichts verzichten will. Sehr subtil baut Julia Deck die Spannung auf und man fragt sich, wie soll das enden?

Wird es auch diesmal ein Kriminalroman? So wie in "Viviane Élisabeth Fauville“, Julia Decks erstem im Wagenbach Verlag 2013 erschienen Roman, in dem eine verzweifelte Mörderin Amok läuft. Das bleibt bis zum Schluss offen und soll auch jetzt nicht verraten werden. Am Ende ist die Geschichte jedenfalls rund.

Julia Deck hat eine unverwechselbare Art zu schreiben, die Figuren sind immer ein bisschen verschlossen und gehetzt, dies und jenes muss man sich zusammenreimen. Aber es macht auch Spaß, den Escapaden der Mademoiselle zu folgen, … einfach mal alles hinschmeißen, eine andere / ein anderer sein, nicht mehr FUNKTIONIEREN. Mal einen Schritt beiseite treten. 

„Winterdreieck" ist ein kleiner, kluger Roman, der sich noch aus einem anderen Grund wirklich zu lesen lohnt. Er ist so wunderbar filmisch erzählt. 

P.S. Ja, und der "geliehene" Name Bérenice Beaurivage stammt aus einem Film des großen französischen Regisseurs Eric Rohmer, der unter anderem einen Zyklus "Erzählungen der vier Jahreszeiten" gedreht hat. Für die Lektüre von "Winterdreieck" ist die Information vielleicht nicht so entscheidend, aber gut zu wissen, es könnte vielleicht noch wichtig werden.

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51 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

tod, liebe, sex, trauer, cadaqués

Auch das wird vergehen

Milena Busquets , Svenja Becker
Fester Einband: 170 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 08.02.2016
ISBN 9783518425275
Genre: Romane

Rezension:

Die 40jährige Blanca will ihren Sommerurlaub wie jedes Jahr in dem Ferienhäuschen ihrer Mutter im schönen Cadaqués verbringen. Lange Tage am Strand, Ausflüge mit dem Boot aufs Meer, ausgiebige Feste – 

Sorglose, ungezwungene Tage an der Costa Brava, so hat Blanca diesen Ort ihrer Kindheit in Erinnerung. Ihre beiden Söhne, deren Väter und einige enge Freunde werden wieder mit von der Partie sein.

Doch diesmal ist es anders. Kurz zuvor ist Blancas Mutter nach langer Krankheit verstorben und auf dem Friedhof in der Nähe des Ferienhauses begraben worden. Der Aufenthalt ist von Blancas Trauer überschattet. Aus ihrer Kinderrolle herauskatapultiert, fühlt sie sich, wie so viele ihrer Generation, zwar um einiges gealtert, aber nicht erwachsen genug, um festen Grund unter den Füßen zu spüren.

Bisher schien alles wie ein Spiel, ein sich Ausleben und Ausprobieren. Finanziell war Blanca abgesichert. Nach jeder missglückten Beziehung bot sich ein neuer Mann an. Und auch in diesem Urlaub flirtet sich Blanca von einer Episode zur nächsten. Die Freunde umsorgen sie, sind verständnisvoll und fürsorglich, aber niemand dringt zu ihr vor.

Auf Blancas Gefühle, ihre innere Zerrissenheit war ich gespannt, welche Antwort, welche Erkenntnis wird sie in diesem locker und ein bisschen kitschig geschriebenen Roman doch noch zum Vorschein bringen?  Doch Blanca gibt nicht viel von sich Preis, oft wechselt sie abrupt das Thema, verliert sich in Floskeln und Allgemeinplätzen.

Ich würde dieses Leben mit Alkohol, Drogen, Parties und wechselnden Partnern trotz der traumhaften Kulisse auch nicht als mondän oder elegant bezeichnen (wie es der Klappentext suggeriert), eher ein bisschen oberflächlich und versnobt. Die Wirtschaftskrise findet mit keiner Silbe Erwähnung. Erst als Blancas Freundin Elisa ihr in einer Eifersuchtsszene gegen Ende des Romans mangelnden Realitätsbezug vorwirft, hätte die Geschichte für meinen Geschmack richtig interessant werden können.

Ich hatte mir sehr viel mehr von diesem Buch erhofft. Vielleicht hätte mich der Titel misstrauisch machen sollen. „Auch das wird vergehen“. Für mich leider eine Enttäuschung, verglichen mit dem – um viele Seiten längeren – Roman von Joyce Carol Oates zum selben Thema und mit dem klaren Bekenntnis „Du fehlst“.


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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Nada

Carmen Laforet , Edith Grossman , Mario Vargas Llosa
Fester Einband: 244 Seiten
Erschienen bei Random House Inc, 06.02.2007
ISBN 0679643451
Genre: Romane

Rezension:

„Nada“ von Carmen Laforet nimmt einen mit auf eine Zeitreise. Barcelona 1944. Andrea reist zu ihrer Familie. Sie möchte studieren, die Großstadt und ihre Freiheit genießen. Doch in der Wohnung ihrer Großmutter ist es eng, zwei Onkel, der eine mit Frau und Kind, sowie eine Tante und das Dienstmädchen teilen sich die Wohnung mit der Großmutter.

Andrea darf auf der Couch schlafen, aus der Dusche fließt nur kaltes Wasser, in den Zimmern stapeln sich die Möbel. Es gibt kaum etwas zu essen. Der Hunger macht die Familienmitglieder mürbe. Sie sind miteinander zerstritten, lautes Gezeter und Handgreiflichkeiten sind an der Tagesordnung. Man fürchtet in jedem Moment ein Unglück und versteht, dass diese einst wohl situierte Familie um das nackte Überleben kämpft.

 Der Hunger ist nur die erste und naheliegende Erklärung, warum die Menschen schier durchdrehen. Auch wenn Laforet den spanischen Bürgerkrieg nur in Andeutungen erwähnt, liegt er wie ein dunkler Schleier über der Stadt.

 Andrea flieht geradezu an die Universität. Hier macht sie die Bekanntschaft von Gleichaltrigen, Kinder aus begüterten Häusern, einige Künstler, allen gemeinsam ist ihre Sorglosigkeit. Ihnen versucht Andrea nachzueifern, spart sich den letzten Bissen vom Mund, um sich ein, zwei Tage gönnerhaft zu geben. Das kann nicht lange gut gehn, Angela wird immer dünner, auch dünnhäutiger. Bald gebärdet sie sich wie ihre Familie in der Calle de Aribau.

Als die beiden Welten, die sie so penibel trennen will, plötzlich in Kontakt geraten, weil ihre Freundin Ena Interesse an ihrem Onkel findet, ist die Spannung dieses Romas kaum noch zu ertragen.

Düster und verstörend, dann wieder mit sehr poetischen Bildern und einem riesigen Lebenshunger hat Carmen Laforet ein Lebensgefühl eingefangen, das offensichtlich ihr Lebensgefühl war, denn sie kam selbst Anfang der 40iger nach Barcelona.

Eine schwierige Lektüre, ein Buch, das einem „nachgeht“ und - ein Gewinn. 


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65 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 40 Rezensionen

paris, ballett, oper, krimi, mord

Der tödliche Tanz des Monsieur Bernard

Marie Pellissier
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Diana, 09.11.2015
ISBN 9783453357686
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Hobby-Ermittlerin Lucie Ferreira löst ihren zweiten Fall. Wieder ist das Opfer ein Bewohner des noblen Wohnhauses an der Place des Vosges 3, in dem Lucie seit 40 Jahren als Hausmeisterin arbeitet. Einen Tag nach seinem großen Galaabend stirbt der charismatische Ballettdirektor Guillaume Bernard. Er stürzt die große Treppe der Pariser Oper hinunter. Lucie glaubt nicht an einen Unfall und alarmiert ihren alten Rivalen, Commissar Legrand.

Dieser hatte schon in Marie Pellisiers erstem Krimi „Die tödliche Tugend der Madame Blandel“ die Rolle des glücklosen Wichtigtuers. An der Pariser Oper verrennt er sich nun hoffnungslos. Bis über beide Ohren vernarrt in die Choreographin Amadine Blandel dienen seine Ermittlungen eigentlich nur als Vorwand (und komödiantische Vorlage). Dem kann Lucie nicht tatenlos zusehen und recherchiert auf eigene Faust.

Zugegeben, Lucies Besuch der Oper und ihr Einsatz als Putzkraft just am Tag des Unfalls, das ist schon etwas konstruiert. So begann der Krimi für mich auch etwas schwerfällig und ich hatte schon Langeweile befürchtet, habe mich dann aber über die restlichen 300 Seiten sehr gut unterhalten gefühlt und das Buch kaum noch zur Seite gelegt.

Marie Pellissier setzt mit fortschreitender Handlung voll auf Übertreibung, etwa wenn sie den Liebeswahn des Kommissars oder den detektivischen Eifer Lucies schildert. Das ist lustig, aber es wird zum Glück nicht flach. Es funktioniert meines Erachtens auch deshalb, weil die Autorin die Theateratmosphäre wirklich anschaulich beschreibt, bis hin zum künstlerischen Anspruch der Tänzerinnen und Tänzer.

Mit einem Augenzwinkern erzählt, kann dieses Buch durchaus mit anderen Frankreich-Krimis mithalten. Während ich nach dem ersten Fall noch unentschlossen war, bin ich mir jetzt eigentlich ziemlich sicher, dass es einen weiteren Fall geben wird. Ich bin dabei.

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65 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 13 Rezensionen

island, krimi, französische revolution, kommissar adamsberg, paris

Das barmherzige Fallbeil

Fred Vargas ,
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Limes, 26.10.2015
ISBN 9783809026594
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein Krimi, zwei Tatorte. Die beiden Fälle trennen Tausende Kilometer und 10 Jahre. Hängen sie wirklich zusammen? Genau darüber streiten sich die Ermittler in der Brigade Criminelle im neuen Krimi von Fred Vargas „Das barmherzige Fallbeil“.

Und als wäre das nicht schon kompliziert genug, haben es Komissar Jean-Baptiste Adamsberg und seine Mannschaft mit einer Mordserie zu tun, die sie in die Zeit der Französischen Revolution zurückversetzt. Doch danach sieht es zunächst nicht aus.

Das erste Opfer ist die pensionierte Mathematiklehrerin Alice Gauthier, eine alte Dame, die sich mit ihrem Rollator zum nächstgelegenen Briefkasten müht, um eine Beichte auf den Weg zu bringen. Kurz darauf ertrinkt sie in ihrer Badewanne. Es hätte Selbstmord sein können, wäre da nicht diese Zeichnung, mit einiger Anstrengung als eine Guillotine zu entschlüsseln, das „Bekennerschreiben“ ihres Mörders.

Es folgen kurz darauf drei weitere Todesfälle. Eines der Opfer ist Henri Masfauré, an dessen Sohn Amédee der mysteriöse Brief adressiert war. Henri war Schatzmeister in der (streng geheimen) „Gesellschaft zum Studium der Schriften Maximilien Robespierres“, in der sich Woche für Woche Historiker, Ärzte, Lehrerinnen treffen, um den Reden des Revolutionsführers zu lauschen, gekleidet in Gehrock und Spitzenjabot. 

Doch Fred Vargas verknotet die Geschichte einmal mehr. Ihr Kommissar Adamsberg spricht von einem Algenknäuel, das kaum zu entwirren ist. Denn da gibt es schließlich noch eine mysteriöse Expedition, die 10 Jahre zurückliegt. Eine Reisegruppe hatte sich auf einer isländischen Insel im Nebel verirrt, unter ihnen Alice Gauthier und Henri Masfauré. Zwei Menschen kamen dabei auf ungeklärte Weise ums Leben, so auch die Mutter von Amédee. Welches Geheimnis konnte die alte Lehrerin nicht mit in den Tod nehmen, was musste sie Amédee so dringend anvertrauen?

Mit Logik kommt man da nicht weiter, beschließt Adamsberg und folgt seinem Instinkt. Auf die Unterstützung seines treuen Kollegen Danglard kann er diesmal nicht zählen. Aber dafür hat er den isländischen Nebelgeist Afturganga an seiner Seite, „der keinen im Stich lässt, den er gerufen hat…“

Klingt wie ein Märchen für Erwachsene? Vielleicht würde die eine oder andere Episode dieses Krimis bei einem anderen Autor tatsächlich „spinnert“ wirken, aber nicht so bei Fred Vargas. Es ist dieser unverwechselbare Vargas-Sound, dem ich mich einmal mehr nicht entziehen konnte.

Die Selbstverständlichkeit, mit der sie Unerklärliches und Skuriles einbaut, wie sie die kleinen Marotten und Skurilitäten jeder Figur ausschmückt. Und gleichzeitig überzeugen mich ihre Exkurse in die Geschichte (keiner hat mir Robespierre bisher so gut erklärt). Obwohl ich die Kombination von historischem Thema und Legende schwierig finde. Überzeugt hat mich letztlich - wieder einmal - der Ermittler Adamsberg. 


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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Traum des Richters

Carlos Gamerro , Tobias Wildner
Fester Einband
Erschienen bei Septime Verlag, 25.09.2015
ISBN 9783902711410
Genre: Romane

Rezension:

Carlo Gamerros Roman spielt im 19. Jahrhundert, in einem kleinen Ort in Argentinien. Malihuel ist eigentlich nur eine winzige Ansammlung von Hütten in der Pampa, angesiedelt um ein ehemaliges Fort, das von ausgemusterten Soldaten und deren Familien bewohnt wird. Der frühere Miltiärkommandant Urbano Pedernera ist dort inzwischen Richter und hat als solcher weiterhin die Befehlsgewalt.

Diesem Richter geraten Traum und Wirklichkeit durcheinander. Kaum ist Pedernera eingeschlafen, sieht er, wie mal der eine Bewohner, dann ein anderer das Gesetz übertritt, mal ist es eine Sachbeschädigung, dann eine Schmuggelgeschichte. Und kaum aufgewacht, waltet er seines Amtes und verhängt die entsprechenden Strafen. Das ist grotesk, schlimmer noch: Von den Untergebenen traut sich niemand, dem Richter zu widersprechen. Das In-Die-Welt-Träumen breitet sich aus. Und so nimmt jeder, was er nachts durchlebt, irgendwann für bare Münze und diverse Gerüchte machen zusätzlich die Runde. Doch als der Richter den Gaucho Musurana erschießen lässt, kippt die Handlung. Auch Rosendo Villalba entkommt nur knapp dem Tod und beschließt zu fliehen.

Nach einem tagelangen Ritt durch die Pampa (sehr schön beschrieben) findet er ausgerechnet Zuflucht an einem noch ungemütlicheren Ort, einem Zeltlager am Rande der Wüste, in dem er auf fast verhungerte Gestalten trifft. Hier hält Rosendo es eine Zeit lang aus, bevor er beschließt, in sein altes Leben zurückzukehren.

Im dritten Teil verliert sich seine Spur, man kann aber davon ausgehen, dass der Plan, mit dem der Richter Urbano Pederna am Ende bezwungen wird, von Rosendo stammt. Er schlägt den Richter mit seinen eigenen Waffen.

Meine Meinung zu dem Buch ist zweigeteilt: Gut gefallen hat mir das skurile erste Kapitel und die Flucht Villalbas. Mit dem zweiten Kapitel hatte ich große Probleme, und habe dann auch nicht wieder in den Roman hineingefunden. Mein Hauptkritikpunkt: die Sprache. Über weite Strecken zu derb, zu brutal, zu gewollt. Die vielgerühmte Komik des Autors trat da für mich in den Hintergrund.

Der Roman von Carlo Gamerro ist im österreichischen SEPTIME-Verlag erschienen, der Autor zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern Argentiniens.

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

schach, krimi, gemälde, historisch, mord

Das Geheimnis der schwarzen Dame

Arturo Perez-Reverte , Arturo Pérez-Reverte
Flexibler Einband: 364 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.05.2002
ISBN 9783548601977
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der im Milieu der Kunstliebhaber angesiedelte Krimi von Arturo Pérez-Reverte beginnt mit einem 500 Jahre alten Verbrechen. Während ihrer Arbeit an einem alten flämischen Meisterwerk entdeckt die Restauratorin Julia eine geheimnisvolle Inschrift des Malers. Offensichtlich wusste dieser, wer den auf dem Bild abgebildeten Ritter ermorden ließ.

Wem war Roger de Arras damals im Weg? Eine Frage, mit der sich Julia zunächst an ihren ehemaligen Geliebten, den Kunsthistoriker Alváro, wendet. Nachdem dieser angedeutet hat, dass sich auch andere für den „Fall“ interessieren, wird er ermordet. Julia verstärkt daraufhin ihre Nachforschungen. Gemeinsam mit ihrem Ziehvater, dem Kunstsammler Cesar, und dem versierten Schachspieler Munoz versucht die junge Frau, die auf dem Bild dargestellte Schachpartie zu entschlüsseln.

Die Entdeckung der Inschrift lässt sich nicht lange verheimlichen, steigert den Wert des alten Gemäldes beträchtlich und weckt Begehrlichkeiten. Richtig gefährlich wird es für die kleine Detektivtruppe, als ein weiterer Schachspieler in das Geschehen eingreift und sie zwingt, die „flämische“ Partie fortzusetzen.

Zunächst sieht es so aus, als wolle diese Person verhindern, dass der Mörder von Roger de Arras gefunden wird. Doch welchen Sinn sollte das haben? Lange Zeit tappte ich im Dunkeln, wohin mich dieser Krimi führt. Akribisch und von Zeichnungen begleitet, wie man sie aus Schachlehrbüchern kennt, schraubt Pérez-Reverte die Handlung voran. Team Weiß mit Julia, Munoz und dem guten alten Cesar gegen Team Schwarz, die oder den großen Unbekannten.

Wer sich nicht so sehr für Schach interessiert, wird vielleicht den einen oder anderen Absatz überspringen. Nach 400 Seiten wartet die Lösung mit viel Freudscher Interpretation. Für meinen Geschmack leider eher eine akribisch inszenierte Knobelaufgabe als ein historischer Krimi.


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So fängt das Schlimme an

Javier Marías ,
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 24.09.2015
ISBN 9783100024299
Genre: Romane

Rezension:

Die Ereignisse, die Juan de Vere - inzwischen selbst Ehemann und Familienvater - schildert, liegen weit zurück. Fünf Jahre nach dem Tod Francos trat er als 23jähriger seine erste Anstellung an, als Privatsekretär des erfolgreichen Filmemachers Eduardo Muriel an. Juan darf dessen Bibliothek sortieren und einige Drehbücher übersetzen. 
Sein Chef wird für den jungen Juan zu einem väterlichen Freund, den er bewundert und zu beeindrucken sucht.Schnell gehen Juans Sympathien auch auf Muriels Frau und die gesamte Familie über. Ihm entgeht nicht, mit welcher Verachtung der sonst so distinguierte Muriel seine Ehefrau straft. Sie steigern Juans Mitgefühl für Beátriz und verleiten ihn dazu, übermäßig viel Anteil an ihrem Privatleben zu nehmen. Kurz, er spioniert ihr hinterher.  
Und das bleibt nicht Juans einzige Mission. Als Muriel ihn auffordert, einen Freund des Hauses, der Kinderarzt Dr. van Vechten, auszuspionieren, kann Juan ihm die Bitte nicht abschlagen. Mit großem Eifer will er den Gerüchten auf den Grund gehen, die einen Schatten auf van Vechtens lupenreine Weste werfen. Im Laufe des Romans gerät er so immer tiefer in Ereignisse, die in die Zeit des spanischen Dikatur zurückreichen. 
Für mich ist „So fängt das Schlimme an“ (ein Shakespeare-Zitat, wie sollte es bei Marías anders sein), das bisher politischste Buch des Autors, das ich gelesen habe. Wenn die Schuldigen nach einer Diktatur nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil man den gerade gewonnenen gesellschaftlichen Frieden nicht gefährden will, wenn sich Täter neue Biografien erfinden und niemand sie an ihre Machenschaften erinnert, was wird dann aus den Opfern und ihrem Leid? 
Doch „So fängt das Schlimme an“ ist auch das Buch eines Kinoliebhabers mit zig Verweisen auf längst vergessene Schauspieler der 50er und 60 Jahre, auf alte Kinoschinken und Klassiker, die der Filmmensch Muriel in und auswendig kennt und die der Autor Javier Marías in seiner Figur zu neuem Leben erweckt. 
Ein emotionales Buch voller Ironie und Feinsinn, in das ein wunderbarer Autor sein ganzes Können und seine Überzeugung gelegt hat. Unbedingt lesen!

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Thallium

Javier Sebastián , ,
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Wagenbach, K, 18.08.2015
ISBN 9783803132727
Genre: Romane

Rezension:

In „Thallium“ erzählt Javier Sebastián eine zutiefst tragische Geschichte. Der Roman beginnt laut und explosiv am Parc de la Ciutadella in Barcelona und endet still und voller Trauer an einer Landstraße in der Nähe des kastilischen Örtchens Soria. Dazwischen liegen gerade mal 24 Stunden, aber sie bringen das Leben von Fátima Moreo komplett ins Wanken.

Die Handlung setzt ein, als die Journalistin im Auto auf ihre Tochter Eva wartet. Ein aufgebrachter alter Mann – Gil Escolano – stürzt auf den Wagen zu und zerschlägt die Windschutzscheibe mit einer Boulekugel. Was hat den Rentner so in Rage gebracht? Völlig verängstigt flüchten Mutter und Tochter zum Busbahnhof und in den nächsten Bus nach Soria, wo Fátimas Mutter lebt. Es beginnt eine nervenaufreibende Verfolgungsjagd, denn Gils langjähriger Weggefährte Salinas folgt Fátima und Eva in dem demolierten Auto.

Nach und nach, in geschickt eingeflochtenen Zeitblenden, wird klar, dass Fátima die beiden alten Männer kennt. Ihr Vater hatte sich kurz vor seinem Tod mit Salinas verabredet. Als Fátima auf seinem Computer eine E-Mail von Salinas entdeckt, beginnt sie ihre Nachforschungen.

Gil Escolano, Ramón Salinas und Fátimas Vater Gerardo Moreo, ehemals hochrangige Militärs, verbindet ein Geheimnis. Es geht um Thallium, ein schwer nachweisbares Gift, dass die französische und spanische Armee ab Ende der 60iger in Afrika eingesetzt hat. Ob alle drei alten Männer die gleiche Schuld trifft, bleibt lange unklar.

Scheinbar unberührt von den Machenschaften ihres Mannes hat sich Fátimas Mutter Carmen in den 60iger Jahren eine eigene Existenz aufgebaut und züchtet seitdem Trüffeln. Doch auch wenn Carmen anfangs noch leugnet, einen Salinas zu kennen. Die Ereignisse werfen am Ende auch ein anderes Licht auf ihre Vergangenheit.

Auf nicht mal 190 Seiten erzählt Javier Sebastián eine überschaubare Dreiecksgeschichte, aber gleichzeitig schafft er eine ganz große Erzählung von Liebe und Schuld. Ich habe lange keinen Roman gelesen, der für mich so „rund“ war. Anspruchsvoll in der Wahl des Themas und gleichzeitig stilsicher umgesetzt und ausgesprochen spannungsreich erzählt. Ein Buch, das ich ohne Wenn und Aber empfehlen kann.


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162 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 44 Rezensionen

frankreich, roter schal, selbstmord, krimi, roman

Die Frau mit dem roten Schal

Michel Bussi ,
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 21.08.2015
ISBN 9783352006760
Genre: Romane

Rezension:

Der Krankenpfleger und Marathonläufer Jamal will ein paar Tage in Yport verbringen. Bei seinem morgendlichen Training begegnet er auf der Klippe einer schönen, verzweifelten Frau. Vergeblich versucht Jamal sie davon abzuhalten, sich in den Tod zu stürzen. Dessen ungeachtet steht er kurze Zeit später selbst unter Mordverdacht, und auch zwei weitere ungeklärte Todesfälle werden ihm zur Last gelegt.

Die ganze Welt scheint sich gegen Jamal verschworen zu haben. Das kennt er gut, denn das Glück hat es ihm auch in der Vergangenheit nicht leicht gemacht. Umso größer sind die Sympathien, die ich ihm von Anfang an entgegenbringe. Und auch im Roman läuft es etwas besser. Jamal verliebt sich in die Wissenschaftlerin Mona. Sie zumindest scheint ihm zu glauben. Aber wer hat ein Interesse daran, dem Hobbysportler drei Morde anzuhängen?

Michel Bussis Hauptfigur ist der klassische Pechvogel, einer, der immer das Gute will und dann zusehen muss, wie das Gegenteil eintritt. Von aller Welt für einen Serienkiller gehalten, begibt sich Jamal selbst auf Spurensuche. Es beginnt eine wilde Jagd gegen die Zeit, die ein Unbekannter durch mysteriöse Hinweise zu lenken versucht. Und auch Kommissar Pinoz scheint immer eine Spur voraus zu sein.

Morgane Avril – Myrtille Camus – Océane Avril, das sind die klangvollen Namen der Opfer, die bald nicht nur Jamal zur Verzweiflung treiben. Und um noch eins dranzusetzen, tauchen – etwas zeitversetzt –  drei weitere Skelette in einer Felsspalte auf. Und was hat das alles mit dem Gefangenendilemma zu tun, einer Zahlenfolge, die Kommissar Pinoz für den Schlüssel hält?

Spätestens nach diesen dramatischen Kniffen hat Bussi alle krimibegeisterten Leser auf seiner Seite. Auch ich habe „Die Frau mit dem roten Schal“ gar nicht mehr aus der Hand legen wollen. Kaum zu glauben und unglaublich spannend.

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65 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

roman, geschichten, kurzgeschichten, liebe, venedig

Der Wörterschmuggler

Natalio Grueso ,
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 15.08.2015
ISBN 9783455600193
Genre: Romane

Rezension:

Natalio Gruesos erster Roman ist eine Liebesgeschichte. Seine Hauptfigur, Bruno Labastide, ein viel gereister Lebenskünstler, trifft in Venedig auf eine schöne Frau, eine Japanerin, um der Geschichte noch mehr Extravaganz zu verleihen. Die Erwählte ist nicht käuflich, im engeren Sinn. Doch für eine schöne Geschichte, die ihr Herz rührt, öffnet sie ihre Türen für eine Nacht.

Das ist die Rahmenhandlung, in die Natalio Grueso kurze, schön ineinander verschachtelte Erzählungen fügt, seine Schreibversuche, mit denen er die schöne Frau zu erobern sucht. So erfährt man ein bisschen etwas über Bruno, der vor vielen Jahren als Hotelboy in Paris anfing, über Stationen in Genf und Moskau von einem Wörterschmuggler berichten kann und einem Traumjäger am Atilán-See in Guatemala begegnet ist.

Frauen zu erobern, so viel wird klar, das war in all den Jahren kein Problem für Bruno. Nur die Liebe wollte sich nie dazugesellen. Ob es ihm diesmal, mit der richtigen Geschichte, gelingt?

Natalio Grueso hat für seinen Roman trotz der märchenhaften Kulisse einen bündigen, berichtenden Stil gewählt. Der Erzähler gibt sich dabei gern zu erkennen, hat eine Meinung, wertet seine Zeitgenossen, kommentiert das Weltgeschehen. Zum Glück vergisst er nie die Pointe am Schluss, mit der er der Geschichte noch einmal einen neuen Dreh gibt, wie ein Mittelstürmer seinem Ball, bevor er ihn elegant im Tor des Gegners platziert.

„Der Wörterschmuggler“ ist ein schönes Buch, beispielsweise für eine Bahnfahrt. Man fühlt sich intelligent unterhalten und läuft schon wegen der kurzen Form der einzelnen Geschichten nicht Gefahr, allzu tief abzutauchen. Diese Tiefe habe ich – zugegeben – ein bisschen vermisst. Bis zur letzten Geschichte, „Kollateralschäden“, die mir sehr nahe ging und die auch ich anderen Leser/innen ans Herz legen kann.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

jose maria heredia, dichter, kuba, exilanten, manuskript

Die Palme und der Stern

Leonardo Padura , Hans-Joachim Hartstein
Fester Einband: 360 Seiten
Erschienen bei Unionsverlag, 24.06.2015
ISBN 9783293004856
Genre: Romane

Rezension:

Eine Seelenverwandtschaft verbindet den kubanischen Schriftsteller Fernando Terry und seinen Landsmann, den Dichter José Maria Heredia. Wenn beide auch zu ganz unterschiedlichen Zeiten gelebt haben.

So zumindest sieht es Fernando, der nach 18 Jahren im amerikanischen und spanischen Exil nach Havanna zurückkehrt. Dort hatte er Ende der 70iger Jahre seinen Job an der Uni verloren, hatte sich noch ein paar Jahre als Redakteur und Hilfsarbeiter durchgeschlagen, bevor er mit einem Boot vom Hafen Mariel in Richtung USA aufbrach.

Zwei Fragen lassen ihn seitdem nicht mehr los: Welcher seiner Freunde hatte ihn damals bei der Polizei denunziert? Und was hätte er über sein großes Forschungsprojekt, den Dichter Heredia, herausfinden können, wenn er seine Recherchen nicht hätte abbrechen müssen?

Nun hat Fernando genau zwei Monate Zeit, um auf beides eine Antwort zu finden. Gemeinsam mit seinen alten Freunden macht er sich auf die Suche nach einem verschollenen Manuskript, der Lebensbeichte des Dichters.

Die Spur führt ihn zu den kubanischen Freimaurern, deren Mitglied José Maria Heredia war und die den Unabhängigkeitskampf der Insel geprägt haben. Dabei trifft er eine neue Liebe – und alte Feinde.

Wie sollte es anders sein, diese zwei Monate sind für Fernando vor allem eine Reise zu sich selbst und zu den Wurzeln eines kubanischen Lebensgefühls, das die Zeiten überdauert.

Leonardo Padura, vielen vor allem wegen seiner atmosphärischen Krimis bekannt, stellt auf 450 Seiten abwechselnd die Lebensgeschichten dreier Männer in den Mittelpunkt: des Dichters Heredia, seines Sohnes José de Jesús, der das Manuskript verwalten sollte, und Fernando Terrys.

Um José Maria Heredia, der als bedeutendster Vertreter der kubanischen Romantik gilt und mit 36 Jahren im Exil verstarb, spinnt Padura eine fiktive Geschichte, die aber die wichtigsten Lebensabschnitte des Schriftstellers übernimmt.

Es dauerte einen Moment, bis ich mich an die Dichte der Informationen und die schnellen Wechsel gewöhnt hatte. Aber dann entsteht vor dem inneren Augen ein vielschichtiger, ungemein detaillierter Roman. Es geht um Freundschaft und Verrat, Leidenschaft und Machthunger und um den großen Wunsch, das Gelebte zu Papier zu bringen.

Leonardo Paduras „Die Palme und der Stern“ ist ein spannender Roman, der die kubanische Geschichte gleich auf mehreren Zeitebenen behandelt und der sich vor allem zum Schluss spannend wie ein Krimi liest. Mir hat er Kuba definitiv näher gebracht.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Abpfiff

Dominique Manotti , Andrea Stephani
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Argument Verlag mit Ariadne, 13.04.2015
ISBN 9783867541978
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Nein. Nächte wie diese hat er in der Bretagne nie erlebt, und er würde sie schmerzlich vermissen.“ Dieses Resümee zieht Inspekteur Le Dem nach einem aufreibenden Tag in der Mordkommission des Pariser Vororts Levallois.

Im Nebenzimmer erholt sich ein drogenabhängiger Profifußballer von einer Dosis Valium, das ihm die Polizisten beim Verhör verabreicht haben, während Le Dem sich einen Whisky aus der Bar des Zeugen genehmigt.

Dominique Manotti erzählt keinen Kriminalfall in einer ansonsten doch recht beschaulichen Welt, in der man vielleicht seinen nächsten Urlaub verbringen möchte. Hier ist gar nichts intakt.

Paris 1990, auf offener Straße wird der Drogenfahnder Romero von Auftragskillern zusammen mit der jungen, drogenabhängigen Nadine Speck erschossen. Offensichtlich waren die beiden verabredet. Doch keiner seiner Kollegen weiß etwas von einer verdeckten Ermittlung.

Die Nachforschungen führen die Polizei schnell zum Fußballklub FC Lisle-sur-Seine, für den Nadines Bruder gearbeitet hat. Dort treffen sie auf Lügen, schmutzige Geheimnisse und undurchsichtige Geschäfte. Ein rauhes Pflaster. Doch wer zieht am Ende die Fäden?

Eine beunruhigende Milieustudie, in der das Recht des Stärkeren regiert, zuweilen brutal bis auf Äußerste und nur mit ganz kleinen zwischenmenschlichen Ruheinseln. Dominique Manotti erzählt sie knapp, fast protokollmäßig. Desillusioniert. Zum Ausschweifen hat sie keine Zeit.

„Abpfiff“ ist der erste Krimi der der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin und Gewerkschafterin, den ich gelesen habe. Zugegeben, mit leichter Verspätung. In Frankreich wurde sie seit ihrem Debüt 1995 mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und ist eine hoch geschätzte Vertreterin des „roman noir“. Aber es muss ja zum Glück nicht mein letzter bleiben. 

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bretagne, krimi, kelten, druiden, bretonen

Bretonischer Stolz

Jean-Luc Bannalec
Flexibler Einband: 420 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.06.2015
ISBN 9783462048131
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Mit seinem vierten Fall ist Commissaire Dupin nun wirklich angekommen – in seiner bretonischen Wahlheimat und in der Riege der unverwechselbaren, schrulligen und liebenswerten Ermittler, die man einfach ins Herz schließen muss.

Der „Austernfall“ führt Dupin in die beschaulichen Ortschaften am Flüsschen Belon und in die Hügel der Monts d’Arrée. Eine sagenumwobene Landschaft, die die Ermittlungen auf nahezu magische Art beeinflusst.

Wieder macht Dupin eine ungewöhnliche Bekanntschaft. Er lernt Madame Bandol kennen, eine eigenwillige alte Dame. Sie will auf ihrem Spaziergang eine Leiche bemerkt haben. Doch als die Polizei eintrifft, ist der Mann verschwunden. Hat er den Tod nur vorgetäuscht? Und in welchem Zusammenhang steht der Mord an einem Schotten, der kurz darauf geschieht?

„Die Dinge müssen nicht das sein, was sie zu sein scheinen“. Dieses Motto zieht sich durch den Krimi wie ein roter Faden und steht für die bretonische Sicht aufs Leben.

Dass die „Alteingesessenen“ offen sind fürs Übersinnliche und für Alles und Jedes eine Legende parat haben, war Dupin dank seiner Kollegen Nolwenn und Riwal ja hinreichend bekannt. In diesem Fall färbt das auch auf die Ermittlungen ab.

Besonders hervorzuheben und eine meiner Lieblingsfiguren des Krimis: der Polizist Brioc L’Helgoualc’h, der das Fährtenlesen ebenso beherrscht wie seine keltischen Vorfahren. Aber auch ganz normale Bankangestellte laufen in diesem Fall im Druidenkostüm auf einer Lichtung herum.

Daneben haben Austern in allen Größen ihren großen Auftritt. Am Belon werden sie traditionell gezüchtet und gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Da ist es wieder, das Landeskundliche, das eben auch zu Bannalecs Krimis gehört. Über das keltische Kulturgut erfährt man viel Interessantes. Und dann – herrliche Charaktere, schöne Dialoge, eine gewisse Distanz zum Erzählten – und wohldosiert – auch Pathos.

„Bretonischer Stolz“ ist ein Krimi, den ich gar nicht wieder aus der Hand legen wollte.  Große Klasse!

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

provence, krimi, pierre durand, frankreich, jagd

Provenzalische Geheimnisse

Sophie Bonnet
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 25.05.2015
ISBN 9783764505394
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Dorfpolizist Pierre Durand kann es einfach nicht lassen. Kaum gibt es einen Toten, erwacht in ihm der Mordermittler (den er mit seinem Wechsel in die Provence ja schon vor Jahren in Paris zurücklassen wollte).

Als in einem nahe gelegenen Waldgebiet ein mysteriöser Jagdunfall geschieht, muss ihn die Schwester des Opfers demzufolge nicht lange überreden, das Geschehen näher zu untersuchen.

Marie-Laure scheint allerdings die Einzige zu sein, die um Frank Pabion trauert. Dieser wird ausgerechnet einen Tag vor Marie-Laures Hochzeit – nach dem Junggesellenabschied ihres Verlobten – erschossen. Kurzerhand lässt Marie-Laure die Trauung mit Sébastien platzen und setzt alle Hebel in Bewegung, um den Mörder aus der Deckung zu locken.

Dafür kommen einige in Frage. Franck Pabion, ein skrupelloser Geschäftsmann, hat sich viele Feinde gemacht. Tierschützer und Hobbyjäger, Waldhüter und Aktivisten füllen bald die lange Liste der Verdächtigen, die Pierre akribisch füllt, bis er dem Täter letztlich auf die Spur kommt.

Bei diesem Fall überschreitet “Pierre” (die Leser/innen sind mit ihm auf Du und Du) nicht nur seine Kompetenzen, sondern auch seinen regionalen Zuständigkeitsbereich, was ihm jede Menge Ärger einbringt. Ohnehin bereitet dem Polizisten seine Zukunftsplanung mindestens so viel Kopfzerbrechen wie der Fall.

Ein Leben mit oder ohne die charmante Köchin Charlotte? Lieber ein ruhiges Dasein als Dorfgendarm oder doch ein Wechsel auf einen besser bezahlten Posten im trubeligen Cavaillon? Zu allem Überfluss kommen die Renovierungsarbeiten an Pierres Bauernhaus auch nicht so recht in Gang.

Doch dann bieten ihm die Männer aus Sainte-Valerie ihre tatkräftige Unterstützung an und erschweren die berufliche Entscheidung einmal mehr. Rührend, wie die eingeschworene Dorfgemeinschaft Pierre allmählich doch ins Herz schließt.

Es wird wieder viel gekocht und gut gegessen. Schließlich ist Pierres Freundin Charlotte – wie die Autorin selbst – passionierte Köchin und der Polizist ein ausgewiesener Feinschmecker.

Sophie Bonnets Krimi liest sich zügig, der Plot ist gut überlegt, das Timing der Ermittlungen gelungen. Gern lässt die Autorin ihren Ermittler Pierre, den zugereisten Großstädter, wie einen Reisebuchautor durch seine Wahlheimat pilgern – immer ganz nah am perfekten Moment.

Mich macht die gewollte Mischung aus Ratgeber und Fiktion ehrlich gesagt etwas ratlos. So finden sich die Rezepte der Krimifigur Charlotte im Anhang des Buches. Und als befürchte die Autorin nach der Lektüre Ihres Buches Scharen von Krimileser/innen, die nicht nur kochen, sondern sich gleich auch auf den Weg in die Provence und nach Sainte-Valérie machen, schiebt sie den Hinweis nach, dass es sich um einen frei erfundenen Ort handelt.

So ganz aus der Luft gegriffen sind diese Befürchtungen wohl nicht. Sollen doch die Touristenzahlen steigen, wenn eine Urlaubsregion in Film oder Buch besonders schön in Szene gesetzt wird.

Vielleicht ist ja längst ein neues Genre entstanden: der kulinarische Krimi für den Reisekoffer. Dort möchte sich Sophie Bonnets Ermittler Pierre einreihen und gewiss hat er noch den einen oder anderen Fall zu lösen. Aber bitte weniger plakativ.

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Ein Commissaire geht baden

Julie Masson , , ,
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 24.04.2015
ISBN 9783499269653
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Pünktlich zur Urlaubssaison humpelt Commissaire Lefèvre durch seinen zweiten Fall.

Zur Erinnerung: Der smarte Polizist war vor einem Jahr freiwillig aus Paris nach Bordeaux gezogen, hatte sich dann aber doch recht schwer getan, als er in einem kleinen Küstenort gemeinsam mit den Dorfpolizisten Chevalier und Dubertrand den Mord an einem Eco-Aktivisten aufklären sollte.

Mit der Zeit und einigen Gläschen Pastis hatte Lefèvre dann doch seine Liebe für die Atlantikküste entdeckt und sich zum Kauf eines Feriendomizils entschlossen (ja, ja, das Leben kann so schön sein). Was den Job betrifft, hat er den Schreibtisch in Bordeaux aber gern wieder eingenommen ("Pastis für den Commissaire“).

Als sein Vorgesetzter Lefèvre nun erneut nach Lit-et-Mix beordert, um für die Sommermonate die dortige Wache zu leiten, ist der Commissaire zunächst irritiert, dabei kommt ihm das in Anbetracht von Meer, Wind und Sonne eigentlich ganz gelegen.

Leider stellte sich vor Ort heraus, dass die Bauarbeiten an seinem Sommerhäuschen ins Stocken geraten sind. Das Domizil ist zwar bewohnbar, aber nicht unfallsicher. Kaum angekommen, verletzt sich Lefevre am Fuß und ist im Folgenden auf ein paar Krücken bzw. einen Chauffeur angewiesen.

So ist er auch nicht sonderlich angetan, als ihn seine Kollegen ins nahegelegene Hossegor locken wollen. Dort beginnen gerade die Surfweltmeisterschaften, ein gesellschaftliches Ereignis, dass sich weder der betuliche Dubertrand noch sein sportbegeisterter Kollege Chevalier entgehen lassen wollen.

Gut so, denn so ist die Polizei in Gestalt der drei Gendarmen bereits vor Ort, als kurz nacheinander zwei der Profisurfer sterben. Hellwach stoppt Lefevre den übereifrigen Teamarzt, der geschwind eine natürliche Todesursache attestieren möchte…

In ihrem zweiten Krimi beweist Julie Masson Stilsicherheit. Sie stellt das Gedicht „Das Gift“ von Baudelaire voran und lotet so das Terrain aus, bevor sie sich in den nächsten Seiten auf das Wesentliche konzentriert: einen spannenden Krimi zu schreiben, der von einem modernen Gift  handelt. Masson bietet (glücklicherweise) nicht so viele Hintergrundfakten zum Thema Doping und Leistungssport, dafür jede Menge Verdächtige.

Die Autorin fädelt die Abläufe wirklich sehr geschickt ein, so dass die Ermittlungen spannend bleiben. Sie setzt auf ein starkes Motiv, skurrile Typen - wie den Gerichtsmediziner Etienne - und auf Situationskomik. Sehr schön zum Beispiel, wie der eitle Lucien Lefèvre samt Fußschiene und Krücken von dem jungen Surfer Jaques in einem Affenzahn auf dessen Lastenrad zum Einsatzort kutschiert wird.

Auch dabei lässt sich der Comissaire nicht abschütteln. Der Mann hat zwar eine Schwäche für schöne Frauen (die ihm bei seinen Ermittlungen immer wieder mal im Weg steht) und demonstriert nur zu gern seine Macht, aber als Kommissar wider Willen bleibt er auch in seinem zweiten Fall ungeschlagen. Schöner Krimi!

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spanien, gastarbeiter, 2. weltkrieg, orangen, familie

Blutorangen

Verena Boos
Fester Einband: 411 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 09.03.2015
ISBN 9783351035945
Genre: Romane

Rezension:

Die Studentin Maite würde am Anfang des Romans ihr spanisches, stockkonservatives Elternhaus, vor allem den strengen und dominanten Vater, am liebsten ganz weit hinter sich lassen. Als sie sich in Carlos verliebt und seinen spanischen Großvater Antonio kennenlernt, findet sie auch eine Ersatzfamilie. 

Doch die Geschichte ihres Vaters holt sie mit voller Wucht wieder ein und wird sie auf Jahre nicht mehr loslassen. Plötzlich steht sie "zwischen den Fronten". 

Während Maites Vater ein strammes Mitglied der Guardia Civil ist, flüchtete Antonio nach dem Bürgerkrieg über die Pyränaen zuerst nach Frankreich, wurde dort nach der Besetzung interniert, geriet in einen Transport nach Deutschland und entkam nur knapp dem Tod.

Maites Vater ist viel zu jung, um für Antonios Schicksal Verantwortung zu tragen, denkt Maite. Dann entdeckt sie bei Carlos bayerischem Teil der Familie ein Foto von Onkel Karl in Wehrmachtsuniform...

Die Opposition zum Vater bekommt plötzlich eine politische Dimension. Eine der stärksten Szenen spielt für mich an Weihnachten im Haus Munoz, als Maite nach ihren ersten Monaten in München die offene Konfrontation mit ihrem Vater sucht. 

Der Roman endet dennoch versöhnlich. Und der Schluss hält noch eine Wendung parat, die Maite einen Schlüssel liefert, woher ihr jahrelanges Unbehagen gegen das Elternhaus rührte (soll jetzt aber nicht verraten werden).

Die Handlung spielt auf mehreren Zeitebenen und ist haarklein durchgeplant. Das Figurenensemble ist breit und sehr stimmig. Jede Episode greift wie ein Zahnrad in die andere. Die geschilderten Ereignisse sind aufschlussreich und bieten zeitgeschichtlich Interessierten viele Details.

Der Text entwickelt aber kein „Eigenleben“, bei dem ich „alles stehen und liegen gelassen“ hätte, um in die Lektüre abzutauchen. 

Fazit:  Ein sehr klug geschriebenes, aber eher kühles Buch.

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liebe, madrid, literatur, julio, bonsai

Bonsai

Alejandro Zambra , Susanne Lange
Fester Einband: 90 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 07.03.2015
ISBN 9783518424803
Genre: Romane

Rezension:

Sollte ich meine Lektüre von Alejandro Zambras Roman “Bonsai” mit einer Reise vergleichen, dann würde ich sagen, es war wie eine Fahrt in einem Hochgeschwindigkeitszug. Nach knapp 90 Seiten ist das Ziel erreicht. Beim einen oder anderen Gedanken hätte ich gern länger verweilt. Vieles habe ich nur “im Vorbeiflug” wahrgenommen. Eins der Bücher, die es in sich haben, bei denen man nach dem Lesen schnell “neunmalklug” klingt. Also Vorsicht!

Sich “schlauer stellen” als man ist, dieser Versuchung können auch Julio und Emilia nicht widerstehen, als sie zum zweiten Mal miteinander ins Bett gehen. Die beiden geben damit an, Proust gelesen zu haben und hoffen, das gibt ihnen neben ihrer jugendlichen Attraktivität zusätzlich intellektuelle Reife.

Nicht nur wegen dieser gemeinsamen Lüge scheint das Paar recht gut zusammenzupassen. Dennoch gehen die beiden nach etwas mehr als einem Jahr auseinander. Emilia verschwindet zunächst aus Julios Leben, zieht dann auf einen anderen Kontinent und stirbt jung. Julio wird weitere Beziehungen eingehen, aber die Liebe zu Julia mit sich umher tragen wie eine Schablone, die er über alle folgenden Erfahrungen schiebt.

Doch besonders beschäftigt ihn eine Frage: Sie hat mit dem Gelingen einer Liebesbeziehung und dem Gedeihen einer Pflanze zu tun und wird gleich auf mehreren Ebenen verhandelt. Julio lernt einen Schriftsteller kennen, der an einer Liebesgeschichte schreibt, die Julio zum Anlass nimmt, selbst eine zu schreiben, wie uns der Autor wissen lässt.

Was hat es mit dem Bonsai auf sich? Er braucht viel Pflege, wächst sehr langsam und man muss ihm eine Form geben.

“Bonsai” ist 2015 in der Übersetzung von Susanne Lange im Suhrkamp Verlag erschienen. Von der Literaturkritik wird der 1975 geborene Alejandro Zambra als einer der wichtigsten lateinamerikanischen Autoren seiner Generation gefeiert.

“Bonsai” findet bestimmt viele begeisterte Leser/innen. Ich werde mein Exemplar nicht aus der Hand geben, weil es eins von diesen Büchern ist, die ich gerne zweimal lese.

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krimi, côte d' azur, léon duval, cannes

Intrigen an der Côte d Azur

Christine Cazon
Flexibler Einband
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 05.03.2015
ISBN 9783462047516
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Auch in seinem zweiten Fall schaut Kommissar Duval hinter die Kulissen des schönen Cannes. Doch darf sich der ehemalige Mordermittler aus Paris nicht mit dem mysteriösen Tod eines Journalisten beschäftigen, sondern muss sich um einen Hoteldiebstahl kümmern.

Vielleicht hätte ein anderer den Fall zu den Akten gelegt, aber Duval wird schnelll klar, dass der Juwelenraub zu einem großen Coup gehört. Die geschäftstüchtige Nicole Bouvard hat sich in das schmucke Hotel “Beauséjour” eingekauft und ihr scheint jeder Skandal recht zu sein, um die Inhaberin Isabelle de Breuil zu entmachten und die gut gelegene Immobilie zu modernisieren.

Madame de Breuil hofft vergeblich auf die Unterstützung ihrer Kinder. Der Sohn André hat sich mit dem Geld von Nicole Bouvard eine Galerie gekauft und die Tochter Angélique ist spurlos verschwunden.

Als kurze Zeit später ein Motorradfahrer erschossen wird, kann ihn die Polizei schnell als Hoteldieb identifizieren. Auch das Motiv liegt auf der Hand. Schwieriger wird es, seinen Auftraggebern eine Beteiligung nachzuweisen.

Doch Duval hat zweimal großes Glück: Er bekommt Unterstützung von Richter Dusselier, der sich nicht scheut, gegen einflussreiche Geschäftsleute zu ermitteln. Und der Kommissar findet bei seinen Nachforschungen im Haus des ermordeten Journalisten einen Stick mit brisantem Inhalt…

In ihrem zweiten Krimi entzaubert Christine Canon das malerische Cannes. Sie zeigt eine Stadt im Umbruch, in der eine Art Mafia ihre Machtansprüche mit allen Mitteln durchsetzen will und die Polizei dank flächendeckender Überwachung des öffentlichen Raumes zu schnellen Ermittlungsergebnissen kommt. 

Alles sehr nachvollziehbar, denn schließlich bleiben die Uhren auch an der Cote d’Azur stehen, aber ein wenig zu klischeehaft wirkte die Gegenüberstellung vom “guten alten Cannes” und den skrupellosen neuen “Immobilienhaien” dann doch.

Christine Cazon verabschiedet sich für mich von den “Urlaubs-Krimis”, die sich trotz Mord und Totschlag immer auch ein bisschen wie ein Reiseführer lesen. Schon in “Mörderische Cote d’Azur”  war ich beeindruckt, wie faktenreich sie den Filmfest-Trubel beschrieben hat.

Nun wirkt ihr Stil auf mich noch sachlicher, erinnert zuweilen an eine gründlich recherchierte Reportage. Auch der routinierten Polizeiarbeit wird viel Platz eingeräumt. Dass man von Anfang an ahnt, wer hinter den Morden steckt und Duval den Faden nur “aufdröseln” muss, verringert jedoch die Spannung.

Und Kommissar Duval? Den kann man wirklich ins Herz schließen, weil er so “normal” ist, sich hin und wieder selbst im Weg steht, sich wieder aufrappelt – und mit jedem morgendlichen Bad im Mittelmeer neue Kräfte schöpft. Um diese Kulisse kann man ihn dann wieder nur beneiden.

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