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12 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Tod und Amore (emons: Sehnsuchts Orte)

Andrea Süssenbacher
E-Buch Text: 272 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 23.02.2017
ISBN 9783960411864
Genre: Sonstiges

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14 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

penny pepper, italien, luxurioso, strand, hotel

Penny Pepper 5 - Spione am Strand

Ulrike Rylance , Lisa Hänsch
Fester Einband: 152 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 09.06.2017
ISBN 9783423761703
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ich bin ein riesiger Fan der Autorin, und ein mindestens ebensolcher von ihrer Penny Pepper Reihe und ich habe mich deshalb riesig auf das neue Abenteuer gefreut. Ich bin absolut begeistert, meiner Meinung nach zählt dieser Band zu den Highlights der Reihe, wobei ja alle Titel schon so für sich eines waren.

Bella Italia, Penny und ihre Mädels kommen! Pennys Familie hat beschlossen, die großen Ferien mit Campingurlaub im italienischen Fiorente zu verbringen und das Beste daran ist, dass auch Ida mitkommen darf. Für Marie und Flora macht der Vulkanausbruch aus einem „äksotischen“ Island-  schnell ebenfalls einen coolen Italienurlaub. Wenn die beiden mit Maries reichen Eltern auch im Nobelhotel Luxorio absteigen, so doch wenigstens in Fiorente und damit ist die ganze Detektivinnentruppe vollzählig. Ganz klar, sind die beiden Spürhunde Dschastin und Neuzugang Malie mit dabei! Die vollzählige Mannschaft ist auch dringend erforderlich, denn schließlich muss das Verbrechen in Italien ausgemerzt werden und der erste Fall lässt auch nicht lange auf sich warten. Im Hotel verschwinden innerhalb einer Woche auf mysteriöse Weise 92 Handtücher und Bademäntel, wer könnte dahinter stecken? Die Blutbach-Tochter, die hier einen Ferienjob hat, wohl eher nicht, aber vielleicht der trinkgeldgierige Kellner Avanti -Luigi, der Türsteher Alfonso, der schon Geld in seiner Hosentasche verschwinden hat lassen, oder doch die unterbezahlte Rezeptionistin mit der merkwürdigen Frisur?

Der spritzige Schreibstil liest sich locker, leicht und wenn es durch die grandiosen Illustrationen auf den Seiten nicht so viel zum Entdecken, genauer unter die Lupe nehmen und Verweilen gäbe, würde man nur so durch das leider viel zu kurze Buch fliegen. Die Reihe könnte mir nie genug Seiten haben,  weil mir das Gesamtpaket einfach so gut gefällt, dass ich endlos weiterlesen könnte. Auch dieses Mal konstruiert die Autorin wieder einen spannenden Fall, einige Verdächtige zum Knobeln und Undercover Einsätze als Zimmermädchen inbegriffen, der so richtig an die Geschichte fesselt. Einmal angefangen, will man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Man begleitet die Mädels bei ihren Ermittlungen, nebenbei genießt man aber auch den Italienurlaub und vor allem darf man ganz viel schmunzeln. Sei es, wenn die beiden Hunde wie wild am Strand durch die Leute rennen, Pennys Papa versucht das Zelt aufzubauen, oder Zimmerservice und Saubermachen eine ganz neue Bedeutung bekommen. Natürlich fehlt auch das Diktiergerät, ein Highlight der Reihe, mit seinen genialen Auftritten nicht. Da wird dieses Mal „Susi du Ratte“ aus „Scusi - un latte“ oder aus „muss das sein“ wird ein „Küss das Schwein“.  

Die Charaktere sind mir ja schon längst ans Herz gewachsen. Die pfiffige Penny, die dauerhungrige Ida, die wohlhabende, aber absolut nicht eingebildete Marie und Flora, die immer klügere Schlüsse zieht, sind inzwischen so ein richtig eingeschworenes Team. Besonders amüsiert habe ich mich dieses Mal auch über Pennys Papa, der mit seinen Dosenravioli, Tütensuppen und sonstigen Kochkünsten am Campingkocher oft einsam auf verlorenem Posten steht.

Dafür, dass es auch bei kleinen Lesern keine Verständnisschwierigkeiten gibt, dienen wie immer die Worterklärungen für Begriffe wie, „Antiquitäten“, „Profit“ oder ganz italienisch „Grissini“. Diese sind allesamt kein trockenes Lexikonwissen, sondern amüsant verfasst. Bei „die schlanke Linie“, die das „Gegenteil von der fetten Linie…“, oder den „Kalorien“, hat die Autorin vielleicht auch an Spaß für die erwachsenen Vorleser gedacht.

Penny, Ida, Marie und Flora sind Detektivinnen durch und durch und perfektionieren ihr Vorgehen immer mehr. Auch die kleinen Leser können von Band zu Band von deren Wissen profitieren. Man kann hier nicht nur die Ermittlungen verfolgen und sich so einige Ticks abschauen, sondern es gibt auch wieder zwei Doppelseiten, durch schwarzen Hintergrund und weiße Schrift besonders hervorgehoben, die erklären „Wie du geschickt Fangfragen stellst“ und „Wie du dich am besten versteckst und wie besser nicht.“

Der sonnengelbe Penny Band nimmt einen so richtig mit in den Sommerurlaub. Das beginnt schon mit der Anreise, Gepäck bis unters Dach und Gequengel im Auto inklusive. Strandbesuche, Sandburgen bauen, im Pool schwimmen, leckeres italienisches Eis essen, Fiorente besichtigen, sich im Luxorio an den reich gedeckten Tisch setzen und bedienen lassen, gehören ebenso dazu wie Dosenravioi auf dem Campingplatz. Sommer- und Italienfeeling ist auf jeden Fall reichlich vorhanden, da kann man sich als Leser perfekt in den Urlaub träumen,

Habe ich einen Hund als Weihnachtsgeschenk im letzten Teil noch etwas skeptisch gesehen, freue ich mich jetzt natürlich, dass Malie nach einem guten halben Jahr, Weihnachten bis Sommerferien, immer noch der Traumhund ist und jetzt auch mit in den Urlaub darf, aber  ich habe von der Autorin auch nichts anderes erwartet. Als Hundefan konnte mich natürlich auch begeistern, wie Malie und Dschastin, z.B. gemeinsam am Strand tollen oder den Boden von den Schnitzeln befreien, die Avanti Luigi vor Schreck aus der Hand gefallen sind.

Die 152 Seiten Text verteilen sich auf zehn übersichtliche Kapitel, die durch zahlreiche Illustrationen auch ungeübte Leser nicht überfordern. Die Geschichte eignet sich aber auch ganz hervorragend zum Vorlesen und bietet Kleinen durch die gelungenen Illustrationen ganz viel zum Schauen und Staunen.

Lisa Hänsch und Ulrike Rylance sind längst ein eingespieltes Team, das gemeinsam mit viel Herzblut ein perfektes Gesamtpaket nach dem andern abliefert. Schon der erste Blick aufs Cover, macht mit Eis in der Waffel, Sandburgen, Muscheln, Mama Mia und Co so richtig Lust auf Urlaub und das neue Abenteuer. Der Comic Roman, kann wie immer mit jeder Menge Abwechslung punkten. Hier gibt es tolle, witzige und passende Schwarzweiß-Zeichnungen, die perfekt zur Geschichte passen und Wichtiges gekonnt visualisieren, eine Übersichtskarte auf den hinteren Umschlagseiten, Notizzettel, Infokästen, Listen und vieles mehr, sodass es einem wirklich auf jeder Doppelseite ein anderes gelungenes Outfit des Textes entgegen schaut, was selbst den größten Lesemuffel einfach ans Buch locken muss.

Alles in allem bin ich völlig begeistert vom fünften Fall für Penny und ihre Mädels - ein absolutes Lese-Muss! Von mir gibt es daher eine ganz klare Leseempfehlung und fünf Sterne plus für den sonnengelben Sommerband.

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3 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

serienmord, smartphone, krimi

E-Death: App ins Verderben

C. A. Raaven
Flexibler Einband: 326 Seiten
Erschienen bei MVB, 09.05.2017
ISBN 9783000564222
Genre: Sonstiges

Rezension:

Tagtäglich geben viele Menschen über soziale Medien fast ihr komplettes Leben preis. Wo und was kaufe ich ein, wo befinde ich mich im Moment und wie geht es mir, sind nur wenige Details, die mehr als leicht herausgefunden werden können und dieses Wissen kann und wird missbraucht. Die Meldungen in den Medien bestätigen dies, leider viel zu oft. Gerade deshalb hat mich die Beschreibung sehr angesprochen und ich war sehr gespannt, wie der Autor dieses Thema in seinem Krimi umsetzt.

Kriminaloberkommissar Marc Förster ist alleinerziehender Vater und Technik ist absolut nicht sein Ding. Ganz im Gegensatz zu seiner sechzehnjährigen Tochter Lina, die sich riesig über ihr neues Smartphone freut. Alle ihre Freunde haben diese neue Gesundheitapp, die einem den voraussichtlichen Todestag ermitteln kann, endlich kann sie auch mitreden und ganz nebenbei etwas für ihre Gesundheit tun.  Auch in der Arbeit lässt Marc die Technik nicht aus den Fängen, denn die einzige Gemeinsamkeit beim Mord an einer gertenschlanken Stripperin, einer übergewichtigen Kassiererin und einem Bodybuilder, die zweifelsfrei dem gleichen Täter zum Opfer gefallen sind, ist, dass einzig deren Handy fehlt. Wird es weitere Opfer geben, oder können die Ermittler den Täter rechtzeitig stoppen?

Der Autor arbeitet mit zwei, sich stets abwechselnden Erzählsträngen. Völlig in Bann gezogen hat er mich mit dem kursiv gedruckten aus Tätersicht. In Rückblenden wird hier von der schrecklichen Kindheit und weiteren Entwicklung berichtet, bis hin zum Ende im Jetzt. Die Geschichte liest sich wie ein Psychothriller und ist nichts für schwache Nerven. Ich war nicht nur einmal ganz furchtbar entsetzt, wenn z.B. Leichen im Häcksler landen, ich habe mich geekelt, wenn von Erbrechen nach Alkoholeinflößen die Rede war, oder ich war schockiert welche Desensibilisierungsmaßnahmen sich der Vater ausgedacht hat, um sich seinen perfekten Mörder zu züchten. Die Entwicklung konnte ich gut nachvollziehen, was ein Töten natürlich auf keinen Fall rechtfertigen soll. Einzig und allein, das Motiv des Vaters, warum er dies getan hat, war nicht ganz so einleuchtend für mich. Aber gut, handeln Psychopaten mit Sinn, wohl eher nicht.

Nicht ganz so begeistern konnte Chris Raaven mich allerdings mit seinen Ermittlungen im Jetzt, die so nebenher laufen, für mich auch oft im Hintergrund zu Privatem standen. Hier hatte ich oft Probleme den Entwicklungen richtig zu folgen, oder vielmehr den Sinn hinter ihnen bzw. deren Anlass dazu zu erkennen. An der Stelle hätte ich mir einige Erklärungen mehr gewünscht, dafür vielleicht etwas weniger von der auf mich teenagermäßigen Liebelei zwischen Marc und seiner Kollegin Nora, die mich auch nicht so begeistern konnte. Ich mag es realitätsnah, hier konnte ich mir einiges nicht vorstellen.

Marc ist ein netter Kerl, der vor allem den perfekten alleinerziehenden Papa abgibt. Der liebevolle Umgang zwischen ihm und seiner Tochter Lina hat mir super gut gefallen. Allerdings wirkte er auf mich für seine gut vierzig Jahre recht unbeholfen. Mit seinen Kollegen hat er ein entspanntes Verhältnis und besonders die neue Kollegin Nora scheint es ihm angetan zu haben. Gut gezeichnet ist der Täter.  

Alles in allem ein vielversprechendes Krimidebüt, das mir gezeigt hat, dass der Autor schreiben kann. Die Täterperspektive war für mich eindeutig in Richtung 5 Sterne. Wenn auch für mein Empfinden im Gesamtpaket noch nicht alles rund ist, bin ich gespannt auf seine nächsten Fälle.

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trennung, humor, berg, ehepaar, liebe

Ich schenk dir die Hölle auf Erden

Ellen Berg
E-Buch Text: 336 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 14.06.2017
ISBN 9783841213068
Genre: Humor

Rezension:

Ich liebe ihre herrlich lockeren, spritzigen Romane und wieder einmal hat die Autorin bewiesen, wo Ellen Berg drauf steht, ist garantiert Gute Laune und eine klasse Geschichte drin!

"Schon mehr Ehen sind schief gelaufen, weil man sich nicht auf die Teilnehmerzahl einigen konnte." Ganz so sieht es wohl auch für Carina aus. Ihr ist nach „Ich atme, ob man das Leben nennen kann, weiß ich nicht!“, als sie hinter Jonas Affäre kommt. Ist die Ehe am Ende, "Briefmarke auf den Ar... und tschüss", oder gibt es noch eine Chance? Erst einmal sieht es gar nicht danach aus und gemeinsam mit ihren Freundinnen, die ihr schneller noch als sie überlegen kann, zur Trennung raten, werden auch schon die ersten Rachepläne geschmiedet. Scheinbar ist die Ehe nicht nur eingeschlafen, sondern Jonas hat sich in zehn Jahren auch zum hinterhältigen Ego entwickelt. Dafür müssen er und seine neue Geliebte doch verdient büßen.

Als Leser muss man hier miterleben, wie hinterhältig Jonas sein kann. Dafür darf man an konspirativen Treffen teilnehmen, in denen Rachepläne geschmiedet werden, die das frisch verliebte Glück von Jonas und Chantal in Unordnung bringen. Man darf sich mit Leni und Carina ins Fitnessstudio plagen, aber hier nicht nur vom Laufband plumpsen, sondern auch den attraktiven Fitnesstrainer Tom kennen lernen. Man erlebt, wie ein gemeinsames Teamwork Carinas Selbstbewusstsein wieder Stück für Stück auf die Beine hilft. Und neben Ausflügen, getinkerten Klamotten und unzähligen Käffchen gibt es noch einiges mehr, über dem die Frage schwebt, wohin die Zukunft führt.

Der Schreibstil von Ellen Berg ist locker, spritzig und ihr gelingt es wie immer schon auf der ersten Seite, dass ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht lese. Ich frage mich ganz oft, woher sie all die klasse Sprüche nimmt. „Auf der Skala von eins bis bescheuert - wie zehn bist du?“ oder „von deiner schlechten Laune können zehn Teenager drei Jahre lang pubertieren“, sind nur zwei Beispiele dafür. Aber man darf hier nicht nur viel grinsen, lachen und sich diebisch freuen, die Geschichte hat mich stellenweise auch richtig gerührt, ganz besonders wenn ihre Tochter Melli ihr so aufmunternd zur Seite steht. Ganz klar war es auch spannend, welche Beziehungen ergeben sich?  Leni, Wanda da sind noch einige zu haben, und natürlich steht auch die Frage im Raum, wie es mit Carina, Jonas und den Kids weiter geht. Gelernt habe ich nebenbei auch noch so einiges, denn so nervig Sybille manchmal auch sein konnte, einige ihrer Daten haben mich so richtig überrascht. So hätte ich z.B. nie gedacht, dass 35% der Männer Lehrerinnen besonders attraktiv finden.

Die Charaktere sind herrlich ausgewählt und zusammengestellt. Carina, deren Selbstbewusstsein mehr als am Boden ist, war mir von Anfang an super sympathisch und ich konnte mich so richtig gut in sie hinein fühlen. Sie kann sich glücklich schätzen, dass sie solch tollen Kinder und Freunde hat. Die neunjährige Melli darf man dabei auf keinen Fall unterschätzen. Carina bekommt von ihr nicht nur wertvolle Tipps, sondern auch stets tröstende Worte, wie z.B. „schmeckt lecker das knusprige Rührei“, wenn Mama mit Tränen in den Augen übersehen hat, dass die Eierschale mit dabei war. Auch der sechsjährige Benni ist ein süßer Knirps, den man einfach nur knuddeln könnte. Ist die beste Freundin Leni? Ich hatte das Gefühl, sie unterstützt Carina am meisten, und dass zwischen den beiden das meiste Vertrauen herrschte. Mein Highlight, weil sie mich so oft zum Lachen gebracht hat, war Wanda. Sie, ganz Yoga und Tantra verfallen, ist nie um einen klasse Spruch verlegen. Etwas zurückhaltender ist Betty, die Karrierefrau und Sibylle, die das „Prachtstübchen mit dem intelligenten Innenausbau" hat, kann vor allem mit wissenschaftlichen Erkenntnissen punkten, bzw. gehörig nerven. Unterstützung erhalten sie auch von Eddy, dem Inhaber des Bioladens. Die Gegenseite ist mit dem hinterhältigen Ehemann Jonas und, der von Familienleben schnell genervten Glitzerdame, Chantal ebenfalls großartig gezeichnet. Gelungen fand ich auch die kleine Nebenrolle der Nachbarin Frau Lohnstein. Ihr entgeht nichts.

Alles in allem ein spritziger Roman, der von Familienleben, Trennungen, Kindern und Freundschaften auf äußerst humorvolle Weise mitten aus dem Leben erzählt und dabei wunderbar unterhält. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Ellen Berg.

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18 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

krimi, asperger syndrom, frankfurt-krimi, mord, gregor mandelbaum

Frankfurter Blutspur

Dieter Aurass
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.07.2017
ISBN 9783839220962
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich war dermaßen begeistert von „Frankfurter Kaddisch“, dem Krimidebüt von Dieter Ausrass, dass ich auf den zweiten Fall für seinen außergewöhnlichen Ermittler Gregor Mandelbaum richtig hin gefiebert habe. Meine enorm hohe Erwartungshaltung konnte der zweite Fall, der meiner Meinung nach dem ersten nicht ganz ebenbürtig ist, nicht ganz erfüllen, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau.

Acht Grad minus, Schneefall und eine nackte Frau, der die Zehen abgetrennt wurden, stolpert ihrem Tod entgegen. Bis die Leiche gefunden wird und Gregor, Sonja, die Gerichtsmedizinerin, und das restliche Team am Tatort auftauchen, ist die Leiche längst tiefgefroren. Wer hat hier bei der Bardame und Stripperin so brutal zugeschlagen? Als schon am nächsten Tag die zweite, genauso verstümmelte Leiche gefunden wird, ist klar, dass hier ein Serienkiller am Werk ist und die Zeit rennt. Wird es das Team verhindern können, dass weitere unschuldige Opfer so leiden und sterben müssen oder können sie den Mörder rechtzeitig stellen?

Es geht sofort mit einem schockierenden Prolog los, der einen betroffen macht und emotional gefangen nimmt. Wer kann so brutal sein, welch unvorstellbaren Qualen müssen das gewesen sein? Die Ermittlungen beginnen aufgrund schlechter Beweislage etwas schleppend, trotzdem kann man als Leser von Anfang an rätseln und Vermutungen anstellen. Rückblenden aus Tätersicht auf dessen Kindheit und seine weitere Entwicklung, die schockieren und die Opferperspektive, die emotional gefangen nimmt und einen fast selbst Schmerzen empfinden lässt, halten die Spannung hoch. Ich hatte meinen Täterverdacht schon relativ früh, nichtsdestotrotz hat mich der Autor mit zahlreichen weiteren unerwarteten Entwicklungen bis zum Ende fesselnd und spannend unterhalten.

Im ersten Teil hat die kleine Liebelei zwischen, dem an Asperger-Syndrom leidenden, Gregor und der Gerichtsmedizinerin Sonja, aufgrund der herrlichen Dialoge und außergewöhnlichen Beziehung für mich einen Extrapunkt ausgemacht. Hier rutschen die beiden zugunsten von Jenny und Irina eher in den Hintergrund, was ich etwas schade empfand. Deren durchaus authentisch und gelungen dargestellte lesbische Beziehung, die vorbildlich mit Vorurteilen aufräumt, nimmt einigen Raum in der Geschichte ein, stellenweise für mich schon etwas zu viel.

Der Sprachstil liest sich locker, leicht, ist aber an keiner Stelle als flach zu bezeichnen. Der Autor vermag es ebenso durch gewählte Ausdrucksweise den IQ einzelner Charaktere zu betonen, als auch den Leser mit flapsigen Kommentaren zum Schmunzeln zu bringen. Außerdem kann der Krimi mit Situationskomik aufwarten. So darf man z.B. Gregor, dem der Sinn von Lügen nicht einleuchtet, nicht danach fragen, wie sein gestriger Abend war, wenn einen die Antwort „der Sex mit Sonja war sehr erquickend“, dann aus der Bahn wirft.

Der Autor gewährt den Charakteren, die alle grandios gezeichnet sind, relativ großen Raum. Gregor hat inzwischen durch Sonja viel hinzugelernt, was zwischenmenschliche Beziehungen anbelangt. Mutti, die sich immer um eine gute Atmosphäre bemüht, aber auch nicht davor zurück schreckt Tacheles zu reden, Jenny, die engagierte Junge, die sich liebestechnisch allerdings erst orientieren muss, Schmuddel, der Computerfreak und Alsmann, der schon von der Rente träumt, sind mittlerweile das perfekte Team um Gregor. Der humorvolle und freundschaftliche Umgangston, der eingezogen ist, macht das Arbeiten mit Sicherheit auch angenehm. Unterstützung bekommen sie von Irina, die perfekt ins Team passt, und Grothebaum, einem Stinkstiefel, wie er im Buche steht, damit man als Leser auch jemanden hat über den man sich aufregen kann.

Gut hat mir gefallen, dass hier äußerst realitätsnah ermittelt wird. Obduktionen, Teambesprechungen, Tatortsicherungen, Ermittlungsmethoden, all das wird detailliert dargestellt und man bekommt einen tollen Einblick, hier plaudert der Autor schließlich aus dem Nähkästchen.

Auch wenn der erste Fall sicher etwas vielschichtiger angelegt und nicht nur deshalb für mich ein Lesehighlight war, konnte mich „Frankfurter Blutspur“ mehr als gelungen unterhalten, weshalb ich als Fan der Reihe 4,5 zu 5 Sternen aufrunde.  Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Fall für Gregor und Sonja.

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13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

krimi, bern, schweiz, reihe, aargau

Aargau-Fieber

Ina Haller
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 29.06.2017
ISBN 9783740800581
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ina Haller hat mir mit ihrer emotionalen, spontanen und hilfsbereiten Hobby-Ermittlerin Andrina schon mehrfach locker, leichte Krimiunterhaltung geboten und deshalb habe ich mich riesig auf den neuen Fall gefreut.

Andrina sollte eigentlich auf Wolke sieben schweben. Zwar klappt es mit dem Nachwuchs immer noch nicht, aber die ersten Hochzeitspläne werden schon geschmiedet. Diese sind allerdings schnell vergessen, als ihre Schwester Seraina plötzlich zusammenbricht und wenig später im Krankenhaus um ihr Leben kämpft. Emotionalen Halt würde man Andrina eigentlich von ihrem Marco wünschen, doch die Beziehung bekommt mehr als einen Knacks, als sie Partei für den mysteriösen Bruder Enrico, der aus dem Nichts auftaucht, ergreift. Will dieser tatsächlich nur Familienanschluss oder hat er etwas mit den Morden in dem Pharmaunternehmen, in dem er arbeitet, zu tun, so wie Marco annimmt? Hängen die Erkrankungen, die mit denselben Symptomen wie bei Seraina schon erste Menschenleben kosten, am Ende auch damit zusammen?

Der Krimi beginnt mit einem spannenden Prolog, der sofort neugierig macht. Durch das Auftauchen von Marcos bisher völlig unbekannten, „angeblichen“ Bruders, kann man auch sofort rätseln. Die mysteriöse Erkrankung Serainas nimmt einen emotional gefangen und mit den ersten beiden Toten bei Jura Med, bei der Stiefbruder Enrico für die Qualitätssicherung zuständig ist, beginnt eine spannende Suche nach Tätern und Motiven. Für mich war lange nicht klar, wer der Drahtzieher hinter den Morden sein kann und vor allem war das Motiv für mich völlig undurchschaubar. Hier konnte erst das Finale Licht ins Dunkel bringen. Andrina macht sich gemeinsam mit dem Haupttatverdächtigen Enrico auf die Flucht. Sie werden nicht nur von der Polizei, sondern auch von anderer Seite gejagt, was zu Verfolgungsjagden führt, die nicht nur einmal nur mit ganz viel Glück gut für die beiden ausgehen.

Andrina war schon immer emotional, hat sich auf die Seite vermeintlicher Täter gestellt, weil sie vom Guten im Menschen überzeugt ist und das tut sie wieder. Nicht immer konnte ich ihr Handeln und ihre Gefühle dieses Mal so richtig nachvollziehen, aber in einer solchen Extremsituation hat sie wohl auch noch nie gesteckt. Ihr Lebensgefährte Kriminalkommissar Marco Feller war ja noch nie von ihren eigenmächtigen Touren begeistert, aber hier reagiert er noch um einiges heftiger und verhält sich meiner Meinung nach nicht nur einmal völlig daneben. Statt Hochzeit planen ist bei ihnen Funkstille angesagt. „Bei einer Eiszeit sind die Temperaturen tropisch im Vergleich zu dem, was bei uns herrscht.“, das trifft es wohl mehr als genau. Enrico, der aus der Versenkung aufgetauchte Bruder, war mir anfangs sehr mysteriös, richtig sympathisch konnte er mir auch im Verlauf der Geschichte nicht mehr werden, aber man muss ja auch nicht alle mögen.

Ich mag Regionalkolorit und bisher hat mit Ina Haller immer einen tollen kleinen Kurztrip im Aargau bereitet. Auch dieses Mal erfährt man viel zu Sehenswürdigkeiten dort und in der Umgebung. Allerdings konnte ich die Beschreibungen nicht ganz so genießen wie sonst, da sie bei mir immer von der Frage überlagert wurden, hat man auf der Flucht und Tätersuche denn wirklich Zeit, Muse und Lust auf Sehenswürdigkeiten und die Schönheit der Landschaft.

Alles in allem ein Krimi, der mit einem locker, leichten Sprachstil unterhält und wenn man bereit ist, bei Glaubwürdigkeit ab und an ein Auge zuzudrücken, bekommt man mit Sicherheit einen spannenden Fall geboten, bei dem man viel rätseln  und mitfiebern kann. Noch vier Sterne für Aargau-Fieber gibt es deshalb von mir als Fan der Reihe.

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25 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

paris, kriminalroman, brücken von paris, obdachlose, deutsch

Ponts de Paris

Mara Ferr
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 07.10.2014
ISBN 9783954514380
Genre: Sonstiges

Rezension:

Mara Ferr hat mich bereits mit „41 Rue Loubert“ mit einem eher außergewöhnlichen Krimi völlig in den Bann gezogen und das ist ihr auch mit „Ponts de Paris“ wieder gelungen. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Alle Daumen hoch für dieses perfekte Gesamtpaket und völlig begeisterte 5 Sterne!

Pater Francois, der es mit dem Zölibat nicht so genau nimmt, vermittelt Marie immer wieder Hilfsarbeiten, die sie bereitwillig annimmt. Sie ist sich dafür nie zu schade, auch nicht zum Müll sammeln, würde man sie nur anstellen, was aber mit 60 Lenzen aussichtslos ist. Mit Zuversicht begibt sie sich deshalb zur Kreuzung Cours Albert, wo sie laut dem Pater von einem Chauffeur abgeholt werden soll. Schnell aber muss Marie erkennen, dass es sich hier nicht um einen gelegenen Aushilfsjob handelt, sondern dass ihr gar keine andere Alternative bleibt, als diese zwar fürstlich bezahlte, aber grauenvolle Arbeit anzunehmen. Der Geschäftsmann Monsieur Mondieu möchte sie als Hausdame für sein Sado Maso Bordell haben. Weder Reichtum noch seine ihr angedrohte Gewalt könnten sie locken, doch wenn sie ablehnt, sterben ihr Sohn und dessen Familie, was er ihr mehr als eindringlich klar macht. Wird es doch einen Ausweg für Marie geben? Wird sie die Arbeit überhaupt überleben?

Als Leser begleitet man Marie in ihrem Leben. Zieht mit ihr von Brücke zu Brücke, arbeitet jeden zweiten Donnerstag. Unterstützung bekommt man dabei von Claude und Lilille, den beiden Stimmen in ihrem Kopf. Sie helfen ihr dabei die Arbeit richtig und einigermaßen erträglich zu machen. Als Leser kann man sich ebenfalls gemeinsam mit ihr auf die Suche nach einem Ausweg machen, was mehr als spannend dargestellt wird. Das Finale hat mich bewegt und ist für diesen Krimi wohl mehr als perfekt gewählt.

Der Sprachstil hat mich von Anfang an gefangen genommen und ich bin fast durch die kurzen, übersichtlichen Kapitel geflogen. Der Autorin gelingt es ganz wunderbar beim Leser Emotionen zu erzeugen. So war ich z.B. stellenweise mehr als betroffen, wenn ich vom Elend Maries oder einzelner Angestellter gelesen habe, immer wieder richtig schockiert, wenn ich von den Abartigkeiten der Kunden, die Mondieu bereitwillig bedient, erfahren habe, oder habe so richtig mit Marie gefiebert. Die Beschreibungen sind bildreich und äußerst anschaulich, ich hatte fast einen Film im Kopf laufen. Sprachbilder wie „Zornesadern schlängelten sich wie dunkelviolette Regenwürmer den Hals des Jungen entlang“, machen es dem Leser wirklich leicht mit auf die Reise zu gehen. So konnte ich mir z.B. ihr gigantisches Arbeitszimmer, das mit Sicherheit von einem sündhaft teuren Designer eingerichtet wurde, dem aber jegliche Gemütlichkeit fehlte, ebenso gut vorstellen, wie ihre Nachtlager unter den Brücken. Claude und Lilille, die meines Erachtens nach Maries Strategie sind um nicht vor die Hunde zu gehen, „reden“ mit ihr, dadurch erhält man Einblick in ihre Gedankenwelt, eine perfekte Methode, die die Autorin hier gewählt hat.

Die Charaktere sind einfach nur großartig gezeichnet. Marie, völlig unverschuldet in dieser Lage, war mir von Anfang an super sympathisch und ich habe richtig mit ihr gefühlt. Sie verdient all meinen Respekt, denn wann immer möglich bewahrt sie sich ihre Würde. So kann durchaus aus ihrem Mund kommen, es heißt „Sie stinken“ und nicht „du stinkst“. Außerdem lässt sie sich weder durch Reichtum noch durch Gewalt beugen, nur die Angst um ihren Sohn und dessen Familie können ihr das Rückgrat brechen. Genau das weiß Monsieur Mondieu, der sein Geschäft „ Sadomaso für superreiche Perverse“ mehr als perfekt organisiert hat. Absolute Verschwiegenheit, Kontaktsperre zwischen allen Beteiligten garantiert absolute Verschwiegenheit und seine Mitarbeiter hat er allesamt ebenso wie Marie in der Hand. So sehr mich sein ausgeklügeltes System beeindruckt hat, so sehr haben mich seine Art Geschäft und seine Art abgestoßen. Er betrachtet seine Mitarbeiter als Abschaum und seine verletzenden Worte haben mich schockiert. Sein „Selbstbild entsprach dem eines Gottes“ und „bestand aus Selbstherrlichkeit gepaart mit unerträglicher Arroganz“, diese Beschreibung trifft es wohl mehr als genau, vielleicht auch deshalb sein Name? Auch die kleinen Nebenrollen sind perfekt besetzt, bei der singenden Reinigungsfrau Maya angefangen, über Aza, die Cafewirtin, die Marie genau analysiert, bis hin zur unbekannten Frau, die sich so über das Lächeln freut, das Marie ihr schenkt, und die ihr alle auf ihre Art behilflich sind.

Der Titel lautet „Ponts de Paris“ und das zu Recht. Marie hat sich einen strikten Tagesablauf geschaffen um nicht unterzugehen und so zieht sie nach einem festgelegten Plan täglich zu nächsten der insgesamt 36 Brücken von Paris, stets im Wechsel. Als Leser bekommt man daher Paris rund um seine Brücken beschreiben, eine sicher nicht alltägliche Perspektive und nicht nur deshalb absolut gelungen. Mir hat der Parisausflug so richtig gut gefallen.

Richtig interessant fand ich auch den kleinen Einblick in das beschwerliche Leben eines Obdachlosen. Auch wenn Marie vielleicht, dadurch, dass sie weder zu Alkohol noch Drogen greift, sich durch alte Zeitungen Gehirnfutter besorgt, einen durchorganisierten Tagesablauf geschaffen hat und damit „besser“ lebt als manch andere,  haben mich die Schilderungen mehr als betroffen gemacht. Waschen in öffentlichen WC-Anlagen, keine medizinische Versorgung oder Hunger und Durst, was Ekel vor Müll komplett ausschaltet, sind nur einige Beispiele. „Das Leben auf der Straße zwang sie jeden Tag wieder aufs Neue ihre Menschenwürde am Eingang der Suppenküche gemeinsam mit den Essensbons abzugeben.“ Dies wird hier eindringlich dargestellt.

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15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

nizza, krimi, robert de paca, entführung, spionage

Das Nizza-Netz

Robert de Paca
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 24.05.2017
ISBN 9783740800468
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der Autor hat mir schon „In den Straßen von Nizza“ bewiesen, dass er den Leser geschickt an die Coté d Azur entführen kann und mit eher unkonventionellen, unblutigen Ermittlungen spannend und informativ unterhalten kann. Auch im zweiten Fall für Nicholas ist dies Robert De Paca wunderbar gelungen.

Es geht sofort mit der Entführung einer Frau los und damit unmittelbar in medias res.  Nicholas betrifft aber erst einmal die Entführung bzw. das mysteriöse Verschwinden seines Musikerfreundes Tom. Wenig später steht Nicholas Vater Viktor, zu dem er seit seiner Kindheit keinen Kontakt mehr hatte, mitten im Garten. Den, wie aus der Versenkung aufgetauchten ehemaligen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter, hat die Aufgabe seinen Nachfolger unauffällig zu überprüfen in die Gegend geführt. Viktor will sich aber nicht in erster Linie aufopferungsvoll um seinen wieder entdeckten Sohn kümmern, sondern er ist indirekt nicht ganz unschuldig an der Entführung Toms. Deshalb will er natürlich versuchen gemeinsam mit Nicholas dessen Freund zu befreien, aber nicht nur das, denn es gilt noch mehr Geheimnissen auf die Spur zu gehen und das Rätsel um die entführte Senatorin vom Prolog ist nur eines davon.  

Der Sprachstil liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch die übersichtlich, recht kurz gehaltenen Kapitel, die mit Perspektivwechsel aufwarten können. So erhält man z.B. auch immer wieder einen Blick auf den entführten Tom in seinem Kellergewölbe. Der Krimi ist eher unblutig, kommt sogar gänzlich ohne Mord aus, hat mich dennoch spannend unterhalten, auch wenn man sich vielleicht nicht vor Hochspannung die Fingernägel abkauen muss. Durch die Mitwirkung Viktors, den ehemaligen Agenten und dadurch dass der Fall rund um ein geheimes Informationssystem aus dessen Zeit aufgebaut ist, sind die Ermittlungen verzwickt und unkonventionell gestaltet. Aber gerade durch das Plaudern aus den „Nähkästchen“ der Geheimdienste und der Tontechnik, wodurch ich einiges Interessante gelernt habe, konnte der  Krimi bei mir richtig punkten. So weiß ich jetzt z.B. wie so manche Stars ihre Radiointerviews vor Auftritten managen. Richtig gut gefallen hat mir auch, dass man viel grinsen und schmunzeln kann. So kann von schon mal von einer „herrschsüchtigen Gewitterziege“ die Rede sein, oder Nathalie kann mit den Worten „Oh Mann, hör sich einer Monsieur GPS an! Muss beim Rückwärtsfahren die Musik leiser drehen, damit er besser sehen kann, wo er hinfährt, macht sich dann aber über weibliche Navigationsdefizite lustig.“ kontern, wenn sich Nicholas über das weibliche Links und Rechts auslässt.

Nicholas und Nathalie kannte und mochte ich ja bereits aus dem ersten Fall. Auch hier haben sie mir wieder gut gefallen, besonders ihr liebe- und respektvolles Umgehen miteinander. Mittlerweile leben die beiden zusammen, Nachwuchs hat sich ebenfalls schon angekündigt. Daher hält sich Nathalie eher zurück, kümmert sich aber z.B. perfekt um Gabriela, die Freundin von Tom, dem verschwundenen Gitarristen. Viktor der aus der Versenkung aufgetaucht ist, macht mit Sicherheit als Vater keine gute Figur, hat mich aber oft mittels seiner durchdachten Taktik zum Schmunzeln gebracht. Antipathien ziehen hier vor allem die ebenfalls gelungen dargestellten involvierten Politiker auf sich, bei denen Täuschen, Tarnen und Schmieren an der Tagesordnung steht.

Wie schon im ersten Teil hat mir das perfekt in den Krimi eingebundene Lokalkolorit imponiert. Ganz nebenbei während den Ermittlungen bekommt man wunderbare, anschauliche Beschreibungen der mediterranen Kulisse in und rund um Nizza. Gut haben mir auch so kleine Informationen gefallen, die man sonst nicht erfährt, wie z.B. die Teufelslegenden um das Felsendorf Coaraze, das wegen der vielen skurrilen Sonnenuhren sicher auch einen Besuch wert ist.

Ganz so viel Zeit seiner Leidenschaft fürs Kochen wie im ersten bleibt Nicholas im zweiten Fall nicht. Nichtsdestotrotz wird ganz klar wieder äußerst lecker und regional gegessen.  Im Anhang befindet sich zudem eine Auswahl an Rezepten. Hier möchte ich vor allem auch den Verweis auf die Homepage, wo man zusätzlich Schritt für Schritt Anleitungen und Bilder bekommt, lobend erwähnen. Im Übrigen lohnt sich ein Blick auf diese auf jeden Fall.

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151 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

toskana, young adult, italien, tagebuch, liebe

Love & Gelato

Jenna Evans Welch , Henriette Zeltner
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 12.06.2017
ISBN 9783959670913
Genre: Romane

Rezension:

Für mich war auf den ersten Blick nicht erkenntlich, dass es sich hier eigentlich um ein Jugendbuch handelt, auf das „ya!“(Young adult) hatte ich nicht geachtet und daher war es für mich zu Beginn ein wenig überraschend, als ich erfahren habe, dass Lina erst 16 Jahre alt ist. Aber da ich auch gerne Jugendbücher lese, vor allem wenn sie Tiefgang haben, konnte mich „Love & Gelato“ in den Bann ziehen und so richtig überzeugen.

Für Lina ist eine Welt zusammen gebrochen, sie fühlt sich „wie ein leckgeschlagenes Schiff, in das Wasser eindringt“,  denn nur kurz nach der Krebsdiagnose ist die Zeit für ihre Mutter auch schon abgelaufen. Ihre Oma, die selbst ins betreute Wohnen möchte, will dass sie zu ihrem Vater, der in der Nähe von Florenz lebt, geht und auch ihrer Mutter hat sie am Sterbebett versprochen, Howard zumindest eine Chance zu geben. Warum hat ihre Mutter nie etwas von Howard berichtet, auch vor ihrem Tod nur einige witzige gemeinsame Erlebnisse erwähnt, warum hat er sich jahrelang nicht bei ihr gemeldet? Das sind die Gedanken, die der tieftraurigen Lina auf ihrem Weg zu Howard durch den Kopf gehen. Ihre Unsicherheit und ihr Unbehagen werden noch verstärkt als sie ankommt und es von nun ab heißt auf einem Friedhof zu wohnen. Nicht einmal die Koffer auspacken, am besten im nächsten Flieger wieder zurück! Als sie dann aber nach und nach die Schönheit Italiens und ganz besonders von Florenz entdeckt, den guten Geschmack von italienischem Essen einmal getestet hat und vor allem aber das alte Tagebuch ihrer Mutter in die Hände bekommt, ändert sich alles für sie.

Als Leser darf man Lina begleiten, mit ihr ankommen, sich langsam und schwer einleben, Rem, den Nachbarsjungen und guten Freund kennen lernen, mit ihnen Zeit verbringen, Florenz erkunden, auf den Spuren ihrer Mutter wandern, das gute italienische Essen genießen und auch die Rätsel, die das Tagebuch aufgibt mit ihr lösen. Die Geschichte erzählt eine mitreißende, bewegende Suche nach Wurzeln, nach Familie und Liebe vor traumhaft schöner Kulisse.

Der Sprachstil liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch die Geschichte - perfekt für ein Jugendbuch, aber keineswegs zu flach. Vielfältige, gelungene Sprachbilder machen es dem Leser leicht sich in die Gefühle und Situationen hinein zu versetzen. Die Autorin nimmt einen mit auf der Achterbahnfahrt der Gefühle, die über Unsicherheit, Trauer, Unglauben, Wut, Liebe und Zuneigung führt und die Lina hier bewältigen muss. Man darf aber auch oft schmunzeln und der Genuss italienischer Köstlichkeiten kommt auch nicht zu kurz.

Das Tagebuch ihrer Mutter bekommt man hier abschnittsweise in der Geschichte dargeboten, was mir gut gefallen hat. Das macht neugierig, aber hauptsächlich merkt man auch, wie sehr das Lesen Lina belastet. "Seit ich angefangen habe, das Tagebuch zu lesen, frage ich mich, ob ich sie überhaupt richtig gekannt habe.“ Ihr muss es den Boden unter den Füßen weg ziehen und der war nach dem Tod der Mutter ja sowieso schon mehr als wackelig. Das Layout des Tagebuches finde ich zusätzlich richtig ansprechend. Verschiedenen Schriftarten und Großbuchstaben, die betonen, machen das Ganze lebendig.

Die Charaktere sind authentisch und gelungen gezeichnet. Lina ist angesichts ihres Schicksals mehr als tapfer zu bezeichnen. Sie ist ein liebenswertes, natürliches Mädchen, das man auf keinen Fall nur wegen ihrem harten Schicksal mögen muss. Richtig gut gefallen hat mit auch Ren, wie sie den Nachbarsjungen Lorenzo nennt. Er ist ein Jugendlicher, mit dem man durch dick und dünn gehen kann, der so viel Verantwortung übernimmt und ihm gleich am ersten Tag zu begegnen, war mit Sicherheit, das Beste, was Lina passieren konnte. Richtig mein Herz erobert hat aber Howard. Er ist derart bemüht, möchte Lina alles recht machen, ihn muss man einfach mögen. Die Worte „ Wir sind vielleicht keine normale Familie, aber wenn du einverstanden bist, dann wäre ich gerne deine Familie.“ sind nur ein kleines Beispiel für seine umsichtige, liebevolle Art.

Kein Wunder, dass Lina zum ersten Mal in ihrem Leben das Wort „prächtig“ benötigt, als sie den „Duomo“ von Florenz sieht. Die Ausflüge nach Florenz sind toll beschreiben und ich hatte fast das Gefühl mit dabei zu sein. Man erfährt viele Geschichten über verschiedene Sehenswürdigkeiten, wie z.B. den Porcellino Brunnen und Linas Eindrücke werden durch die ihrer Mutter, die im Tagebuch festgehalten sind, prima ergänzt.

Richtig toll ist, dass Lina endlich mal wieder ein Teenager ist, der normal isst und das sogar noch liebend gerne und viel. Nicht nur einmal war mir der Mund wässrig, als ich von Pizza und Pasta und den leckersten Eissorten überhaupt gelesen habe. Kein Wunder, dass Lina so begeistert ist, dass sie denkt „ihr Mund ist gerade explodiert“.  Das hat sie auf jeden Fall auch mit Howard gemein, denn ihm kann mitten in der Nacht auch noch einfallen Blaubeermuffins für sie zu backen.

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28 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

liebe macchiato, liebe, roman, eva nordmann, kaffee

Liebe Macchiato

Eva Nordmann
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Montlake Romance, 09.05.2017
ISBN 9781542095594
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich bin ein Kaffeejunkie und gute Kaffeebohnen und Genuss ist mir dabei auch extrem wichtig. Aber nicht nur deshalb hat mich Eva Nordmann mit ihrer gefühlvollen Geschichte von Anfang an gefangen genommen. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Freya hat in Lorenzo nicht nur einen Chef gefunden, sondern vielmehr, den besten Barista Mentor, jemanden mit dem sie ihre Leidenschaft für Kaffeegenuss teilen kann und sogar eine Art Vater. Dass sie sich daher im „Tranquillo“, ebenso wie die Kunden richtig wohl fühlt, ist klar. Umso mehr trifft es sie als Lorenzo sie und seinen Sohn Tranillo vor vollendete Tatsachen stellt. Das Cafe, von dem Freya immer dachte es sei ihrer beider Lebenstraum, ist verkauft und dazu noch an eine internationale Kette.

Als Leser erfährt man hier, dass Kaffee Kochen eine wahre Leidenschaft sein kann. Darf bei der Zubereitung zahlreicher Kaffeekreationen, die mir mit Sicherheit alle besonders gemundet hätten, mit dabei sein, schließlich soll ja für die Meisterschaft geübt sein. Man begleitet Freya bei ihrer Arbeit, zuerst im „Tranquillo“, dem Cafe´ mit Atmosphäre, dann im „San Cafe“, in dem das richtige Knöpfchen und schnell sein alles ist. Man erlebt wie ihr Eric, der Chef mehr als geschickt den Kopf verdreht und wie sich die Liebelei weiter entwickelt, fürs Herz bekommt man aber etwas anderes geboten und damit, dass man auch bewegend Abschied nehmen muss, hat mich die Autorin mit am meisten getroffen.

Der Sprachstil der Autorin liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die angenehm kurzen Kapitel, bei denen immer noch eines geht, geflogen. Sie hat mich durch ihre gefühlvolle Art zu beschreiben regelrecht gefangen genommen. Die tolle Atmosphäre im Café, die liebevolle Art von Lorenzo, die viele bewegenden Momente später, ich habe nicht nur gelesen, ich habe richtig mitgefühlt. Sprachbilder wie „Als hätte man eine Operation am offenen Herzen durchgeführt, es für nicht mehr kräftig genug empfunden und kompromisslos durch ein neues mechanisches ersetzt.“, oder „ich fühle mich wie im Schnellkochtopf mit defektem Sicherheitsventil“, machen es dem Leser leicht sich in die Situation zu versetzen und die Gefühle hautnah mitzuerleben. Man darf aber auch ganz viel schmunzeln, so kann von Freya schon mal der spitze Kommentar, „in einer Farbe die mich an Durchfall erinnert.“ über die Lippen kommen oder eine Spuckfontäne landet auf der Theke, wenn der Espresso nicht mundet.

Freya, die ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen hat, war mir von Anfang an super sympathisch. Sie hat sich durchkämpfen müssen, hat ihren eigenen Kopf, verfolgt ihrer Ziele mutig, manchmal auch gewagt und ihr Herz hat sie auf jeden Fall genau am richtigen Fleck. Sie genießt den Familienanschluss bei Lorenzo, bei dem man auch ohne Worte spüren kann, wie viel ihm seine Freya, sein „Cucolo“, wie er sie liebevoll nennt, bedeutet. Tassilo, sein Sohn, hat leider nichts für Kaffee übrig, dafür kümmert er sich aufopfernd als alleinerziehender Papa um den süßen Valentino. Den kleinen Knirps hätte ich beim Lesen einfach nur knuddeln können. Eric war mir eindeutig zu viel vom Luxus verwöhnt, aber gut, Liebe macht bekanntlich blind. Toll fand ich auch so liebevoll besetzte kleine Nebenrollen, wie z.B. den Obdachlosen Ove, der seinen Kaffee bei Freya mit Blumen bezahlen kann.

Alles in allem hat mir Liebe Macchiato wirklich super gut gefallen. Eine berührende Geschichte, die mich mitten ins Herz getroffen hat, ohne je kitschig zu wirken und deshalb von mir 5 Sterne bekommt.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

rock am ring, kurzkrimi, junggesellenabschied, billy idol, zwillinge

Mord am Ring

Mona Frick
E-Buch Text
Erschienen bei Independently Published, 01.06.2017
ISBN B072LW8GZX
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der fünfte Fall für Schäfer und da hier schon leise Stimmen in seinem Ohr von Ruhestand tuscheln, hoffe ich dass es bis dahin noch ganz lange ist. Denn ich hatte mit dem neuen Kurzkrimi „Mord am Ring“, wieder einmal witzige, spannende Unterhaltung mit ganz viel Schwäbisch, von der ich gerne noch mehr hätte.  

Bald ist es soweit, der Klingelton von Schäfers Handy kündigt die Hochzeit mit Maria sogar schon an. Deshalb haben die Kollegen zusammengelegt und ihm Eintrittskarten für das „Amazing Rock Festival“ am Hockenheimring besorgt. Er soll einen unvergesslichen Junggesellenabschied feiern und Horst Bromstätter darf ihn begleiten. Gut gemeint, wussten sie ja nicht, dass ihm das laute Geplärr alles andere als gut gefällt. Aber dank Bromstetter, der ja bekanntlich die Leichen magnetisch anzieht, wird es für Schäfer doch noch zu einem unvergesslichen Erlebnis, das ihm ganz gut gefällt.

Zwei „Tribute-to-Billy-Idol Bands“ waren im Rennen als Vorgruppen der Rocklegende auftreten zu dürfen. Knapp hat sich Andi Geistlingers Band den Auftritt unter den Nagel gerissen, sein eineiiger Zwillingsbruder Markus hatte wieder einmal das Nachsehen. Als natürlich Bromstetter, völlig von Andis Tourbus angezogen, an dessen Leiche läuft, gilt erst einmal zu klären, ob hier wirklich Andi oder gar sein Bruder liegt. Ganz anders als bei Ermittlungen üblich, muss Schäfer gar nicht lange nach Verdächtigen suchen, denn plötzlich gibt es mehr als genug Leute, die den Mord zugeben wollen. Doch wer war es wirklich? Da bedarf es geschickter Verhörmethoden.

Der Fall ist dieses Mal durch das Rätsel um die eineiigen Zwillinge und die zahlreichen Täter, die es gewesen sein wollen, richtig spannend gestrickt, was mir gut gefallen hat. Zwar bekommt man keine hochkomplexen, äußerst kompetenten Ermittlungen geboten, aber für Schäfers Cosy Krimis, zudem auf den nur etwa 60 Seiten, durchaus gelungen. Ein wenig schade fand ich, dass Schäfers junger Kollege Florian, den ich auch sehr mag, sich schon mehr als nur ein bisschen dümmlich angestellt hat, aber gut, seine Stunde wird schon auch noch kommen, denke ich.

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch diesen Kurzkrimi. Man darf viel schmunzeln, was mir natürlich gut gefällt. Dafür sorgt schon alleine Bromstetter, der hier wieder einmal eine größere Rolle einnehmen darf, hurra.

Schäfer ist ein schwäbisches Unikat und sein Gegrantel zu Beginn, weil er auf solch ein lautes Rockfestival und dort auch noch zelten muss, ist mehr als groß. Wenig beeindruckt zeigt sich davon Horst Bromstetter, den ich inzwischen mindestens genauso witzig und originell wie Schäfer finde. Er ist der absolute Billy Idol Fan, freut sich wie narrisch auf das Erlebnis und lässt sich daher seine Laune auch nicht verderben.  Nach griesgrämigen Kommentaren wie „tanzt herum wie ein riesiges Rumpelstilzchen“ oder „Wer hat dich denn gegen einen verrückten Teenager ausgetauscht?“, gibt aber auch Schäfer irgendwann nach und ihm kommt ein „Also gut, schauet wir mal, ob wir dene junge Leut´zeigen könnet, wie man feiert.“ über die Lippen. Ganz aus dem Häuschen ist Schäfer dann aber erst, als sich für ihn die Chance ergibt, sein Junggesellendasein mit einer Mordermittlung, statt mit Krachmusik und Tanz zu verabschieden. Da ist er ganz in seinem Element.

Wie immer gibt es ganz viel Dialekt, was ich an dieser Reihe ganz besonders liebe. „Was isch denn jetzt schon wieder? Erscht willscht auf die Bühne, dann muscht aufs Klo, und jetzt isch wieder was anders!“ Auch die letzte ihm aufgebrummte Hochdeutschfortbildung hat zum Glück keine Früchte getragen.

Positiv erwähnen möchte ich dieses Mal auch noch das Cover. Es bietet durch die Gummienten inzwischen einen tollen Wiedererkennungswert und mit dem Rockoutfit ist es für mich ein richtiger Hingucker.

Alles in allem hat mich „Mord am Ring“ wirklich gut unterhalten und verdient daher auch noch 5 Sterne.

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7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

märchen, abenteuer, liebe, könig, chihuahua

Die Saga der wahrhaften Märchen: Die wahrhafte Prinzessin auf der Erbse

Pia Kovarik
E-Buch Text
Erschienen bei Pia Kovarik, 25.05.2017
ISBN B072FS1WW8
Genre: Sonstiges

Rezension:

Erst neulich habe ich in Pia Kovariks erstem neu interpretierten Märchen auf amüsante Weise erfahren, was geschieht, wenn die Prinzessin statt auf den Frosch auf den Hund kommt, und war deshalb sehr gespannt, wie es denn in Wahrheit bei der Prinzessin von der Erbse so abging.

Erst einmal ist ja ganz klar, dass es in Wahrheit „keine Prinzessin aus dem Menschenreich, sondern eine wahrhafte Königstochter des mächtigsten Chihuahua-Königs aller Zeiten aus dem sagenumwobenen Land der Azteken“ ist. Diese bereitet mit ihrem Wissensdrang ihrem Vater allerdings reichlich Kopfzerbrechen. Denn dass dieser Lilly mit einem „tugendhaften Mann verheiraten“ will und schon auf „Enkelhunde“ hofft, interessiert die Dame wenig. Sie will lieber die Welt erkunden. Da er ihr nichts abschlagen kann, lässt er sie in Begleitung seines treusten Hauptmanns und dem Versprechen „nur bei befreundeten Königs- und Grafenhunden zu übernachten“, schweren Herzens ziehen. Auf ihrer Reise nach und durch Europa macht Lilly nicht nur Bekanntschaft mit „kleinen grünen Kügelchen“, die ekelhaft schmecken, ihr blaue Flecken bereiten und den Schlaf rauben, sondern auch mit dem attraktiven, aber auch oberflächlich, arroganten Cavalier Kings Charles Spaniel Charly. Nun gilt es für sie herauszufinden, ob sie sich in den richtigen Prinzen verliebt hat.

Wer das Original Märchen kennt, merkt schnell, dass hier nicht nur Menschen durch Hunde ersetzt werden, sondern, dass die Autorin hier aus der Idee mit der Erbse unter der Matratze eine doch völlig neue, kreative Geschichte gebastelt hat. Mir hat es auch dieses Mal gut gefallen und besonders das Ende hat mir ein zufriedenes Grinsen auf dem Gesicht bereitet.

Alle ausschließlich tierischen Charaktere sind nett dargestellt, auch wenn sie mir nicht ganz so sympathisch waren wie beim neu aufgelegten Froschkönig. Die Prinzessin erschien mir ein bisschen eingebildet, aber gut, vielleicht wird man als Königstochter schon so erzogen. So kann zu Besuch bei sympathischen Gastgebern schon mal kommen „portugiesische Wasserhunde, welche Lilly durch ihr zottiges Fell etwas ungepflegt, fand.“ Auch scheint sie völlig blind zu sein für die Zuneigung des Hauptmanns. Liegt es daran, dass dieser sie zwar seit Kindertagen auf Händen trägt und mehr als mutig ist, aber leider nur ein einfacher Soldat ist? Mir war er auf jeden Fall tausendmal sympathischer als Prinz Charly, der ihr nicht nur einmal barsch den Marsch bläst. Aber Liebe macht ja bekanntlich blind.

Der Sprachstil liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch die wenigen Seiten der Kurzgeschichte. Dieses Mal gibt es keine solch witzigen Kommentare aus Menschensicht in Klammern, die mir eigentlich bei der ersten super gut gefallen haben, vielleicht weil es ja auch „nur“ Hunde als Darsteller gibt. Aber man darf trotzdem schmunzeln. So kann es schon mal heißen, “Bäh…, die schmecken wie Medizin“ wenn die Prinzessin die störenden „kleinen grünen Kügelchen im Festessen“ testet.

Alles in allem hatte ich wirklich wieder kurzweilige, humorvolle Unterhaltung, die jeden Hundefreund amüsieren muss, wobei mich die „Die wahrhafte Geschichte des Froschkönigs“ durch eine Prise mehr Sprachwitz und witzige Szenen, noch mehr überzeugt hat und es daher hier nicht ganz für 5 Sterne reicht. Ich freue mich aber auf jeden Fall schon jetzt auf das nächste neu aufgelegte Märchen der Autorin.

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

italien, rom, kurz-krimi, eine italienische bekanntschaft

Eine italienische Bekanntschaft

Bernd Mannhardt
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei HÖRMAL!, 19.05.2017
ISBN B072J2RMRK
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Duo Autor Bernd Mannhard und Sprecher Matthias Ernst Holzmann hat mich schon bei „Der Nylonstrumpfmaschinenenführer“ und „Mordsalibi“ überzeugt. Deshalb habe ich mich über das neue Hörbuch sehr gefreut und wurde wieder einmal nicht enttäuscht.

Die Geschichte beginnt mit Nadja, die sich in der Galleria Alberto Sordi in Rom mit Plateau Sandalen, die, mit Swarovski Kristallen besetzt, für schlappe 1200€ zu haben sind, und Riemchensandalen für 800€ für einen erfolgreichen Geschäftsabschluss belohnt. Ganz in Gedanken stößt sie mit dem charmanten Claudio, der weiß wie man Frauen verzaubert, zusammen. Witz, Charme, nobler Zwirn und Schmuck gepaart mit Augen, die wie Sterne funkeln, haben es Nadja schnell angetan und nach einem gemeinsamen Espresso ist sie mehr als gerne bereit mit ihm einen kleinen Ausflug zur Insel Caprera zu unternehmen. Auf eine 25m Luxusjacht lässt es sich nämlich gut aushalten und schließlich muss sie doch laut Claudio die Blaue Grotte ganz unbedingt gesehen haben. Warum dies für sie zu einem ganz besonderen Erlebnis werden wird, erfährt man hier.

Die Charaktere sind toll dargestellt. Nadja hat sich mit ihren sehr teuren Individualreisen, weil der besonderen Art, bei Insidern einen Namen gemacht und lebt finanziell äußerst gut. Dank ihres Geschäftspartners, der „Fachmann für Operative“ ist und über „kreative Kontakte, die den Agenturbetrieb am Laufen halten“, verfügt, hat sie auch für Ehemänner, bei denen „mopsfidel, keine Krankheit, keine Zipperlein“ gilt eine sauberes Angebot zur Hand. Claudio ist ein attraktiver Mann, der jegliches Klischee eines italienischen Charmeurs bedient und noch dazu über genügend Geld verfügt um der verwöhnten Damenwelt, den Luxus zu bieten von dem sie träumt.

Der Autor entführt mit seiner Kurzgeschichte perfekt nach Bella Italia. Shopping und Espresso in Rom, Espresso mit einem wahren Italiener, Mittelmeer und eine feine Brise auf der Yacht, so wird Urlaubsfeeling geschaffen, das einen vor Ort versetzt.

Ganz klar fehlen der Geschichte auch nicht der vom Autor gewohnte Sprachwitz und die großartigen Formulierungen, die einen schmunzeln lassen. Außerdem konnte er mich richtig überraschen, was mir super gut gefallen hat.

Matthias Ernst Holzmann als Sprecher hat eine für mich sehr angenehme Stimme, der ich gerne lausche. Ihm gelingt es die Emotionen und Stimmungen geschickt einzufangen und er hat auch für die unterschiedlichen Personen eine passende Stimmlage in petto. Gut gefällt mir auch die musikalische Untermalung. Mit Einspielungen wird vor allem das Italienambiente verstärkt, aber auch die Dramatik und Spannung gegen Ende hin gesteigert.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

hamburg, japan, japanischer kommissar, internet-firmen, kindesmisshandlung

Inspektor Takeda und der leise Tod

Henrik Siebold
E-Buch Text: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 17.05.2017
ISBN 9783841213075
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der zweite Fall für Claudia Harms und Ken Takeda, den japanischen Kollegen, der aufgrund eines Austauschprogrammes zwischen Tokio und Hamburg seit zwei Monaten in Deutschland ermittelt. Für mich war es der erste, ich hatte keinerlei Verständnisprobleme und es wird mit Sicherheit nicht mein letzter bleiben.

Welche Macht haben Drogen, insbesondere Crystal Meth über einen Menschen? Im Drogenrausch wurde der kleine Pascal, von dessen abgerutschter, süchtigen Mutter bzw. deren Lebensgefährten aus dem Hochhaus geworfen. Ein erster Mord, der die beiden eigentlich nicht dünnhäutigen Ermittler an die emotionalen Grenzen bringt, scheint schnell geklärt zu sein. Aber die zweite Leiche lässt nicht lange auf sich warten. Mit „Verletzungen, die für dreimal Sterben reichen“ wird, der in der IT Branche mehr als erfolgreiche, skrupellose und schwerreiche Unternehmer, Markus Sassnitz gefunden. Das andere Ende der Gesellschaft, aber die gleichen Drogen, oder steckt etwas ganz anderes hinter diesem scheinbaren Unfall mit Fahrerflucht?

Tief betroffen vom grausamen Mord an Pascal bekommt man komplizierte Ermittlungen geboten. Drogengeschäfte, eifersüchtige Frauen, hintergangene Geschäftspartner, Unternehmer, denen durch Sassnitz die Pleite droht, Verdächtige gibt es mehr als genug. Die Ermittlungen führen erst mit reichlichen Umwegen, über zusätzliche Erfolge für die Drogenfahndung und zahlreiche Überraschungen und Wendungen, die bis zum Finale reichen, zu einer Auflösung. Man kann hier unheimlich viel kombinieren und rätseln, was mir sehr gut gefallen hat. Man ist als Leser bei Takedas Ermittlungen und auch bei Claudias mit dabei, die oft auch getrennte Wege gehen. Ausführliche Teambesprechungen, die zwar tollen Einblick in die komplexe Arbeit bei der Aufklärung eines Mordes geben, führen teilweise aber auch zu Wiederholungen, die mir beinahe etwas viel wurden. Neue Erkenntnisse, strafferes Vorgehen und Spannung bis zum Schluss rechtfertigen die 5 Sterne im Gesamtfazit aber auf jeden Fall für mich.

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und man kann regelrecht durch die angenehm, relativ kurzen Kapitel fliegen. Der Autor beschreibt äußerst anschaulich und man kann sich alles im Kopf ausmalen. Er versteht es auch beim Leser Emotionen zu erzeugen, so war ich z.B. mehr als betroffen, sprachlos und schockiert als ich die Szene um den kleinen, toten Pascal, dessen Mutter und deren Lebensgefährten gelesen habe. Aber zum Ausgleich darf man hier auch ganz viel schmunzeln. So bekommt Claudia schon mal einen Whiskey mit den Worten „Müssen sie probieren, schmeckt wie eine eingelegte Moorleiche. Aber mit ein bisschen Training…“ angeboten, oder sie macht sich folgende Gedanken um den werten Kollegen Takeda, „Aber vielleicht legten Japaner ja gar keinen Wert auf Sex? Obwohl, dafür gab es zu viele von ihnen. … . Vielleicht vermehrten sie sich ja per Zellteilung?“.

Claudia Harms war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist auch durch ihre Arbeit bei der Kriminalpolizei zum „Beziehungslegastheniker“ mutiert. Ihre ganze Liebe und Fürsorge bekommen dafür ihre Pflanzen ab, die auch das Dienstzimmer in einen wahren Dschungel verwandeln. Sie ist ehrgeizig und lässt sich auch von Obrigkeiten nicht einschüchtern, sehr zum Zorn des Leiters der Mordkommission Holger Sauter. Mit Takeda bildet sie ein super Team. Er hält ihr Temperament in Grenzen, wenn es dem bedarf, und unterstützt sie wann immer es geht. Arbeiten die beiden nur gut zusammen, oder könnte sich mehr entwickeln, ist eine Frage, die immer wieder auftaucht. Takeda hat mir von Anfang super gut gefallen und hat sich, trotz nicht ganz korrektem Verhalten während der Ermittlungen bezüglich einer Verdächtigen, auf jeden Fall auf die Liste meiner Lieblingsermittler katapultiert. Er leidet noch unter der Trennung von seiner Ehefrau, spielt leidenschaftlich gerne Tenorsaxophon, liebt Jazz und kommt leider auch nicht ohne seine „Mild Seven“ aus. Auch die Nebendarsteller und Verdächtigen sind toll gezeichnet. Schwer betroffen gemacht haben mich Melanie Rüthers, die Mutter des kleinen Pascals und ihr Lebensgefährte Marco Niemann. Ich war schockiert, was Crystal Meth aus Menschen machen kann.  Erwähnen möchte ich auch noch den Gerichtsmediziner Professor Terzian, der nicht nur eine Koryphäe ist, sondern auch nicht mit witzigen Sprüchen geizt, wie z.B. „Ich kann das mit dem Ersticken auch wieder aus den Akten nehmen, wenn Ihnen das die Arbeit erleichtert.“

Großartig finde ich, dass man durch Ken Takedo, mit dem man Tag und Nacht verbringen darf, einen tollen Einblick in japanische Denkweisen und Lebensart bekommt. Man ist bei traditionellen Teezeremonien dabei, analysiert gemeinsam mit ihm Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Japanern und Deutschen und lernt sogar einige japanische Wörter und Buchstaben, was mir super gut gefallen hat.

Ich liebe Hamburg, Claudia Harms liebt die Stadt, und der Autor meiner Meinung nach auch, denn das ist regelrecht zu spüren. Bei den Ermittlungen kommt man kreuz und quer Elbtunnel, barfuß spazieren am Elbstrand, Blick auf die HafenCity, Nienstedten, Elbvororte, Hamburgs edler Westen oder auch die Reeperbahn ist hier alles inklusive. Da Takeda wissbegierig ist und jede Information regelrecht aufsaugt, erfährt man hier z.B. auch etwas über die Geschichte und Entwicklung des Schanzenviertel, oder man lernt, dass der „Galeo Strich“, alles andere als eine sündige Meile ist.

Alles in allem hat mich dieser Hamburger Krimi mit dem besonderen japanischen Ermittler, seiner sympathischen Kollegin, dem Sprachwitz und dem verzwickten Fall wirklich super gut unterhalten.

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90 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

mord, krebs, thriller, krankheit, psychothriller

AMNESIA - Ich muss mich erinnern

Jutta Maria Herrmann
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2017
ISBN 9783426519974
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jutta Maria Hermann hat mich mit ihren Thrillern bisher immer fesselnd, atmosphärisch gelungen unterhalten und ich habe mich deshalb sehr auf ihr neuestes Werk gefreut. Amnesia erzählt eine Mördersuche aus völlig anderer Perspektive, ein Psychothriller alles erster Güte.

Ein Zettelchen mit den Worten „Leb wohl“ und der Wohnungsschlüssel werfen Helen völlig aus der Bahn. Sie ist an unheilbarem Lungenkrebs erkrankt, die Ärzte geben ihr noch maximal ein Jahr, und Sven war ihr einziger Halt im Leben. Er hat es wohl nicht mehr mit ihr ausgehalten. Eine halbe Bromazepan später, fasst sie den Entschluss ihre Mutter und Schwester Kirstin, die einzigen Verwandten, die sie noch hat, nach langen vier Jahren wieder einmal zu besuchen. Die Hoffnung auf Aussöhnung, ihnen von der Krebserkrankung erzählen zu können  und vielleicht die letzten Monate doch nicht völlig allein verbringen zu müssen, gibt ihr wieder etwas Aufwind. Doch auf was hat sie gehofft? Die Mutter empfängt sie mit den kalten Worten, „Was machst du denn hier?“. Schwester Kirstin empfängt sie zwar herzlicher, ist aber inzwischen mit Leon verheiratet, dem Mann, den Helen seit der Geschichte mit Gela, ihrer Jugendfreundin, hasst und der jetzt ganz offenbar seine Frau misshandelt. Da bleibt kein Platz für ihre Krankheit, ein Halt ist nicht zu finden. Aber auch diese Enttäuschung lässt sich mit Pillen zumindest vorübergehend übertünchen. Allerdings bedeutet dies auch Nebenwirkungen in Kauf nehmen müssen. Immer größere Erinnerungslücken treten auf, die zum massiven Problem werden, als zwei Menschen den Tod finden. „Man könnte fast meine es liegt an dir, seit du da bist geschehen die furchtbarsten Dinge!“

Wirre Gedanken, Gedächtnislücken, Schuldzuweisungen, Beweise, die für Helen als Täter sprechen, dies zumindest nahe legen - wie erklärt sich schon ein blutiges Messer, wie ein iPhone eines Toten in ihrer Umhängetasche? Was kann man glauben, was ist Wahnvorstellung, was real erlebt, was nur geträumt? Diese Atmosphäre des Nichtwissens, der Unsicherheit, hat mich beim Lesen fast verrückt gemacht. Theorien, schön und gut, aber wie weit kann man der objektiven Erzählung eine krebskranken Patientin im Nebel von Beruhigungsmitteln schon trauen? Ich war gefesselt von Anfang bis Ende und konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Ein dramatisches, außergewöhnliches, aber durchaus gelungenes Finale musste hier für „Erlösung“ sorgen.

Der Schreibstil der Autorin hat mich von Anfang an gefangen genommen. Jutta Maria Hermann schreibt dermaßen atmosphärisch, mitreißend, dass man sich dem Sog der Geschichte gar nicht mehr entziehen kann. Es wird aus der Perspektive der krebskranken Helen erzählt, deren Leben seit der Krebsdiagnose und auch durch die sich ständig steigernde Beruhigungsmitteldosis von immer stärker werdenden Wahnvorstellungen, Panikattacken, Traumwelten und Gedächtnislücken geprägt ist. Die Phasen, die sie völlig aus der Welt reißen, sind so eindrücklich, treffend beschrieben, dass man fast das Gefühl hat, die Panikattacke selbst zu erleben. Ich konnte mich absolut in die Todesangst, die Zweifel und die Enttäuschungen hinein fühlen, ich habe die Geschichte fast selbst als Helen erlebt. Wobei dies natürlich anmaßend ist, denn die Todesdiagnose nicht selbst erhalten, kann man das wohl nie behaupten.

Die Charaktere sind mehr als gelungen beschrieben. Durch die Erzählperspektive ist man direkt an Helen dran. Sie ist eine eigentlich starke Frau. Klar, das muss man wohl sein, wenn man mit einer solchen Diagnose weiter lebt. Aber sie kann die Fassade nur mit Beruhigungsmitteln aufrecht erhalten. Sie findet bei ihrer Familie nicht den nötigen Rückhalt, nicht die erhoffte Hilfe, was mir in der Seele weh getan hat. Ganz im Gegenteil, die kalte Atmosphäre, die Toten, all das verschlechtert ihren Zustand zusehends und sie versucht dies mit einer höheren Dosis in den Griff zu bekommen, mit fatalen Auswirkungen. „Meine Mutter läuft gefühlsmäßig da untertourig, etwas flapsig ausgedrückt.“, mit diesen Worten beschreibt Helen ihre Mutter. Ich würde sie als eiskalt, herrisch und auf ihren Vorteil bedacht bezeichnen. Dass sie denkt, sie sei anderen „in intellektueller Hinsicht um Zehnerpotenzen überlegen.“ ist mehr als deutlich zu spüren. Ich musste nicht nur einmal bei ihren Äußerungen schlucken, wie groß muss die Enttäuschung für eine Tochter bei einer solchen Mutter sein? Etwas herzlicher scheint ihre Schwester Kirstin zu sein. Allerdings macht es den Anschein, dass die dominante Mutter und der selbstverliebte Ehemann ihr Leben völlig bestimmen. Verschließt Kirstin die Augen, wenn blaue Flecken und Beulen vom letzten Streit mit Leon zeugen? Was findet sie an diesem Mann? Sehr leid hat mir Gela, die Freundin aus Jugendtagen getan. Sie ist mit den Ereignissen damals wohl nie zurechtgekommen und ist völlig in einer alkoholgetränkten Welt versunken. Ihr Bruder Martin war mir sympathisch, auch wenn Helen ihm vielleicht in einer Kurzschlussreaktion „Gutmensch“ abwertend an den Kopf wirft.

Alles in allem bin ich begeistert von diesem grandiosen Psychothriller aus Jutta Maria Hermanns Feder. Sie hat mir wieder einmal bewiesen, dass sie völlig Zurecht zu meinen Topautoren gehört.

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245 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 77 Rezensionen

liebe, freundschaft, ruth hogan, verlorene dinge, down-syndrom

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge

Ruth Hogan , Marion Balkenhol
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 19.05.2017
ISBN 9783471351475
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin eigentlich ein Leser, der es nah an der Realität braucht, um Lesegenuss zu haben. Aber diese Geschichte, die durchaus auch magische, eher unwahrscheinliche Begebenheiten in sich birgt, hat mich dermaßen gefangen genommen und so sehr berührt, dass ich einfach nur überwältigt und völlig begeistert bin.

„Vielleicht dachte ich, wenn ich jeden verlorenen Gegenstand rettete, den ich fand, würde jemand das Einzige auf der ganzen Welt retten, an dem mir wirklich etwas lag, und ich würde es eines Tages zurückbekommen, um mein gebrochenes Versprechen doch noch einzulösen." Dies sind Anthony Peardews Worte, mit denen er seiner Assistentin Laura in einem Abschiedsbrief erklärt, warum er seit über 40 Jahren Verlorenes aufgesammelt und zu Hause fein säuberlich aufbewahrt hat. Sie soll nun sein Erbe übernehmen und seine Arbeit weiter führen. Keine leichte Herausforderung, derer sich Laura stellen muss.

Die Autorin spielt mit zwei verschiedenen Handlungssträngen. Im Jetzt lernt man Laura kennen, wie sie die Stelle bei Anthony Peardews annimmt, er schließlich stirbt und ihr in einem Abschiedsbrief seine Lebensaufgabe übergibt. Bei der Erfüllung derer, die Laura Sinn im Leben geben soll, ist sie zum Glück nicht alleine auf sich gestellt. Sie bekommt Hilfe durch ihre neue Freundin Sunshine, die in der Nachbarschaft wohnt und auch durch Freddy, den Gärtner.  Man erfährt als Leser dabei auch von einzelnen Gegenständen und den Kurzgeschichten, die Autor Anthony zu jeder einzelnen geschrieben hat.

Der zweite Strang erzählt von Eunice und beginnt 40 Jahre früher im Jahr 1974. Dies war das Jahr in dem sie ihre Stelle bei Verleger Bomber angenommen, aber auch das Jahr in dem Anthony Peardew seine große Liebe Henriette und auch sein Wichtigstes verloren hat und das nun bei Eunice aufgehoben ist. Man lernt sie, Bomber und auch seine Familie kennen. Man kann sich über die schriftstellerischen Versuche seiner furchtbaren Schwester amüsieren und muss aber auch miterleben, wie brutal Demenz sein kann.

Die Autorin hat mich von Anfang an mit ihrer Geschichte regelrecht in Bann gezogen. Der Schreibstil liest sich locker, unbeschwert und man fliegt fast durch die kurzen Kapitel. Sprachgewaltige Wortbilder wie z.B. „Dessen Demenz ihn seeuntauglich machte. Eine einst majestätische Galeere, deren Segel verschlissen und zerrissen waren, konnte nicht mehr alleine auf Kurs bleiben, sondern war auf Gedeih und Verderb jeder Sturmbö ausgesetzt.“, haben mich beeindruckt. Man darf oft schmunzeln, was der teilweise traurigen Geschichte sehr gut tut und mir prima gefallen hat. Da kann es schon mal heißen, dass „Portia eine absolute Verschwendung aus heißer Luft und Pumps ist.“ oder Laura entgegnet wilden Gerüchten, warum Anthony ihr wohl das Padua vermacht hat, schlagfertig die Worte „Fellatio, jeden Freitag“.

Ruth Hogan hat mich auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle genommen. Ich habe z.B. furchtbar mit Bomber gelitten, als seinen Vater Godfrey die Demenz immer mehr einnimmt. Eindrucksvoller hätte man das wohl nicht darstellen können. In dieser tollen Geschichte liest man von Schicksalen, die tief betroffen machen, man erfährt wie groß Liebe sein kann und man darf sogar ein bisschen Schmetterlinge im Bauch fühlen, allerdings alles andere als kitschig. Sehr berührt hat mich auch Sunshine, durch die das Thema Downerkrankung umsichtig und humorvoll aufgegriffen wird.

Begeistert bin ich auch von den Kurzgeschichten um die verloren Gegenstände, die durch kursive Schrift gekennzeichnet, integriert sind. Auf so wenigen Zeilen so viel Atmosphäre zu schaffen, zeigt mir, dass Ruth Hogan ihr Handwerk wirklich versteht.

Die Charaktere sind großartig gezeichnet. Laura hat sich auf den falschen Mann eingelassen und für ihn so gut wie alles aufgegeben, weshalb sie „zu einem notorischen Feigling mutiert, der nicht kletterte, weil er Angst hatte zu fallen“.  Sie ist eine tolle Frau, die sich instinktiv um andere kümmern muss, um einen Lebenssinn zu sehen. Deshalb war das Padua „ihre emotionale und körperliche Festung und Anthony ihr strahlender Ritter“. Der zurückhaltende Gärtner Freddy, hat nicht nur Laura, sondern auch mir gut gefallen.  Mitten in mein Herz getroffen hat es Sunshine. „Ich heiße Sunshine und ich kann deine neue Freundin sein“, „Ich bin neunzehn und ich habe Daunendrom“, sind Sätze von ihr. Sie ist auf ihre ehrliche, einfache Art einfach nur toll. Trotz ihrer Behinderung behält sie manchmal sogar den besseren Durchblick und man täte gut daran ihr besser zuzuhören. Richtig gerührt hat mich auch Bombers Papa Godfrey. Mit seiner witzigen Art hat er mich von Anfang an gewonnen. Es hat mir in der Seele weh getan zu lesen, wie sehr ihn die Demenz hinwegrafft.

Alles in allem bin ich nur begeistert von dieser schönen, vielschichtigen und herzergreifenden Geschichte. Ein Buch, dass mit Sicherheit zu meinen Lesehighlights des Jahres gehört und dem ich nur fünf Sterne plus vergeben kann.

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51 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

schicksal, sizilien, italie, piniensommer, stefanie gerstenberger

Piniensommer

Stefanie Gerstenberger
Fester Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Diana, 22.05.2017
ISBN 9783453291614
Genre: Romane

Rezension:

„Piniensommer“ ist bereits der zweite Roman, der sich um Stella und Nicola und deren Familien dreht, für mich war es der erste. Ich war ohne Vorkenntnisse sofort in der bewegend, ergreifenden Familiengeschichte gefangen.

Nicola und Stella sind längst verlobt, aber da seine Mutter, die von dieser Bindung überhaupt nicht begeistert ist, eine Hochzeit erst nach Studienende zulassen will, müssen sie sich heimlich treffen. Von Freund Matteo oder Cousin Loló die ersten Meter zur Tarnung begleitet, schleichen sie sich oft davon und träumen von ihrem späteren gemeinsamen Leben. Zusammen aber dürfen sie sie jeden Tag nach Palermo pendeln um Architektur zu studieren, was Stella weit ernster angeht als Nico, dem Tauchen viel, viel mehr bedeutet. Man begleitet die beiden erst einmal in ihrem jugendlichen Alter bis es heißt, „Dies ist ein besonderer Tag. Ich habe ihn heute Morgen im Kalender angekreuzt“, …

Als Leser genießt man mit den Nico und Stella eine tolle Zeit, die von ganz viel Liebe gezeichnet ist. Man muss mit ihr und Nicos Mutter Flora oft um ihn bangen, denn seine Apnoetauchgänge enden nicht nur einmal in der Unterdruckkammer im Krankenhaus. Gefährlich wird es auch mit seinem verbotenen Radiosender L´Onda Blue, den er mit dem alten Sender seines Vaters errichtet hat, und mit dem er die Missetaten des Bürgermeisters und der Mafia anprangert. Man erfährt von finanziellen Problemen des Marchese und den Länderverkäufen, lässt sich der Markgraf doch zu leicht übers Ohr hauen und Stellas Versuchen hier etwas zu retten. Auch die nicht ganz leichten familiären Entwicklungen sind Thema. Man muss mit Angehörigen tiefe Trauer beim Verlust eines Menschen durchleben, darf sich aber nach Bangen auch am Aufwachsen der kleinen Tosca freuen und ist dabei wie der große Wunschtraum Nicos seinem verstorbenen Vater eine Grabkapelle zu errichten, trotz aller Steine die im Weg liegen, in Erfüllung gehen kann. Ich habe große Teile gefesselt gelesen, in der Mitte hatte ich allerdings einen kleinen Durchhänger und ich hätte mir ein etwas zügigeres Fortschreiten der Geschichte gewünscht.

Der Schreibstil liest sich äußerst angenehm. Der Autorin gelingt es durch anschauliche Beschreibungen im Kopf des Lesers einen Film entstehen zu lassen. Ich hatte z.B. die tolle Unterwasserwelt, oder auch das baufällige Zimmerchen mit dem Riss in der Decke im Ostflügel, in dem sich die beiden heimlich getroffen haben, regelrecht vor Augen. Auch Gefühle werden ergreifend dargestellt. Nicht nur die abgrundtiefe Liebe zwischen Nico und Stella, sondern auch die große Trauer, die einen fast in den Abgrund reißt, wenn man einen geliebten Menschen verliert, ist mehr als deutlich spürbar. Gut gefallen haben mir auch Vergleiche, wie „Ich Idiot habe wirklich daran geglaubt, alleine gegen diese Leute kämpfen zu können. Das ist so wie wenn sich einer mit einem Zinkeimer an den Strand stellt und damit das Mittelmeer ausschöpfen will.“ Gedanken, Erinnerungen oder auch Zwiegespräche mit Verstorbenen sind kursiv gedruckt, was das Lesen erleichtert.

Die Autorin versetzt gekonnt in die damalige Zeit. Sex und sogar einsame Treffen ohne Anstandswauwau waren trotz Verlobung vor der Ehe damals, ebenso wie ein lediges Kind schwer verpönt. Kondome sind in Mode gekommen, allerdings glaubte man, bzw. zumindest die beiden, noch diese mehrmals benutzen zu können. Die medizinischen Entwicklungen waren längst noch nicht so weit und so wurden von abergläubischen Menschen tatsächlich noch Würmer beschworen oder Probleme bei einer Geburt bedeuteten oft den Tod für Kind und Mutter. Der Roman erstreckt sich über einige Jahre und gut gefällt mir, dass man besonders bei Zeitsprüngen von längerer Dauer immer wieder drei, vier Eckdaten genannt bekommt wie z.B. „Herbst 1971 John Lennon sang Imagine im Radio, die USA zogen 177.000 Soldaten aus dem Vietnam ab,…“

Nicos Vater war sein großes Vorbild und er hat sich in den Kopf gesetzt gegen die Bestechlichkeit und den Einfluss der Mafia anzukämpfen. Auch die politische Situation, die für viele den Tod brachte und den Bürgern das Leben schwer machte, wird durch den Radiosender und das Errichten der Grabstätte gelungen thematisiert.

Auf wenigen, ersten Seiten hätte ich mir gewünscht, dass ich den ersten Teil gelesen hätte, dann wären meinem Namensgedächtnis nicht so viele neue Protagonisten und besonders bei Stella ja schwierige Familienverhältnisse entgegen gesprungen. Allerdings zeichnet die Autorin die einzelnen Darsteller so gelungen, dass sich meine Anlaufschwierigkeiten äußerst schnell gelegt haben. Die zielstrebige Stella, die sich ihre Position im Leben wohl hart erkämpfen musste, war mir von Anfang an sympathisch. Ihre Familie bedeutet ihr viel und sie gibt alles dafür diese zusammenzuhalten und die finanziellen Probleme zu regeln. Sie ist sowohl in der Schule als auch beim Studium ehrgeizig und fleißig, ganz im Gegensatz zu ihrem Verlobten Nico. Statt Bücher wälzen und lernen ist bei ihm eher Apnoetauchen angesagt. Er kann wohl auch diese Leidenschaft trotz seiner tiefen Liebe zu Stella und deren großen Sorgen nicht aufhören. Er ist idealistisch, hat aber Ziele was mir gut gefallen hat. Aus Stellas Familie ist mir vor allem ihre Tante Assunta, bei der sie wohl auch aufgewachsen ist, mit ihrer liebevollen Art und Cousin Loló, der mit seiner süßen, nuschelnden Stimme stets für sie wie ein Bruder war, ans Herz gewachsen. Richtig begeistert hat mich auch Matteo, der Sohn des Apothekers, der allen ein guter Freund war und auf den man sich wohl blind verlassen kann. Bei den Nebenrollen möchte ich den liebenswürdigen Professor Volpe, der Stella anbietet „Du darfst jederzeit in mein ufficio kommen“ erwähnen. Auch Carlos Larocca, der Sohn des Barons, der Stellas Familie aus den Finanznöten hilft,  ist mir mit seiner vornehm, zurückhaltenden Art äußerst positiv aufgefallen.

Alles in allem erzählt Stefanie Gerstenberg in Piniensommer ein ergreifendes Stück Familiengeschichte, die ins Sizilien der 60er und 70er Jahre entführt und gelungen unterhält.

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

kleptomanie, theaterstück, politiker, denksucht, poeten poss

Herr Schreiber blockiert: Eine Poeten-Posse

Bernd Mannhardt
E-Buch Text
Erschienen bei BookRix, 19.04.2017
ISBN 9783743808645
Genre: Romane

Rezension:

Bernd Mannhard gehört längst zu meinen Lieblingsautoren, weil ich seine Art von Humor liebe und ich bisher oft nicht gewöhnlich, aber immer großartig unterhalten wurde. Ich habe mich daher riesig darüber gefreut, dass  „Herr Schreiber blockiert", der satirische Monolog, der unverkennbar für die Bühne geschrieben wurde und vor vielen Jahren auch aufgeführt wurde, aktualisiert nun als (Rollen-) Text in einem knapp 60-seitigen Büchlein für mich als Leser erhältlich ist.

Der Monolog beginnt mit Überlegungen bezüglich der Abstammung des Menschen. Zu Studienzwecken besucht der Poet seit drei Jahren jeden zweiten Samstag „Rudolf nebst Katherina, seiner Frau und Siegfried, seinen Sohn. … genügsame Zeitgenossen: bescheidende Behausung, schlichtes Mobiliar – aber Vollpension.“ Eine Stunde harrt er dabei vor dem Paviangehege aus. Hat dies Einfluss auf sein Denkvermögen genommen, oder doch eher die Vollräusche, die jedes Mal Gehirnzellen kosten, die man „Bei Lichte betrachtet, Opfergaben“ bezeichnen könnte? Vielleicht mögen seine gedanklichen Auswüchse aber auch daran liegen, dass er „erst dann zur Höchstform auflaufe, wenn mir die Sonne so richtig auf den Schädel brettert und infolgedessen mein Hirn zu brodeln beginnt.“, wie der Poet selbst behauptet. Auf der Bühne scheint diese ja bekanntlich nicht, weshalb er ein Loblied auf seine geschiedene Frau Renate, die sein „kreatives Haben mit dem Soll“ seines „Bankkonto in Verrechnung bringt“, die Vorteile eines Anrufbeantworters oder eines ordentlichen Berufes wie Klempner, den Nutzen eines Synonymwörterbuches oder auch Gedanken über Humor als unnötigen Irrweg durch sein „brain stormen“ lässt.

Personen Ortsangaben, eine Art Regieanweisungen und Beschreibungen seines Tuns, die immer wieder den Monolog unterbrechen, gibt es hier inklusive. So kann es schon einmal geschehen, dass der Wecker klingelt- Ganz klar heißt es dann bei Herrn Schreiber. „Entschuldigung, aber um diese Zeit trinke ich immer.“, aber das sei ihm erlaubt, denn schließlich gibt es ihm zufolge ja auch „keinen Poeten, der nicht zum Club der Quartalssäufer gehört.“

Ich konnte mich wie so oft bei diesem Autor durch die Seiten schmunzeln. Die Geschichte um den blockierten Schreiberling ist schrullig, sarkastisch, teilweise auch recht zynisch und wieder einmal eine geniale Idee völlig ab vom Mainstream. Ausgefallene Vergleiche wie „dagegen avanciert der Lärm einer Kreissäge zum verträumten Plätschern eines Bergbachs“ oder das „Hirn beginnt zu brodeln, wie eine frisch aus dem Ofen gezogene Lasagne.“ zeugen vom sprachlichen Ideenreichtums Bernd Mannhardts.

„Herr Schreiber blockiert“ hat mich alles in allem ganz wunderbar kurzweilig unterhalten. Ich hoffe sehr dass der Autor niemals wie sein armer Poet in einer „meditativen Schmollphase“ stecken wird, sondern sich weiter fleißig ans Schreiben macht.

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

italien, sommer, liebe, familiengeschichte, erdbeeren

Erdbeeren im Sommer

Anja Saskia Beyer
E-Buch Text: 302 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 16.05.2017
ISBN 9781542095587
Genre: Sonstiges

Rezension:

Luisa hat eben ihren ganzen Mut aufgebracht und ihrem Freund Tom einen Heiratsantrag gemacht, leider aber nicht die erhoffte Antwort bekommen. Mona hat sich jahrelang für die Familie aufgeopfert, war zufrieden damit, aber im Moment läuft es nicht rund. Zwei enttäuschte Freundinnen, was nun? Klar eine Auszeit um die Gedanken zu sortieren käme gerade recht, allerdings sind beide knapp bei Kasse. Aber man braucht nur einen guten Plan, zack das Geschäftsauto, einen roten VW- Bus, des Göttergatten geschnappt, sind die beiden schon auf dem Weg nach Süditalien. Auf dem Erdbeerhof ihrer Tante Guilia hat Luisa doch früher schon so gerne ihre Ferien verbracht. Allerdings entpuppt sich dies schnell als alles andere als Erholungsurlaub, denn auch Tante Guilia scheint der Meinung zu sein, dass ihre eine Auszeit zusteht. Erdbeerernte, Marmelade kochen, Törtchen backen, Pensionsgast Nick versorgen und gemeinsam mit Matteo das kleine mediterrane Ristorante führen, was die Tante mit ihren gut achtzig Jahren allein geschafft hat, wird doch von zwei jungen Frauen zu stemmen sein, oder? Allerdings gilt es auch noch ein lange streng gehütetes Familiengeheimnis zu lüften, von dem den beiden die Tante nichts erzählt hat.

Als Leser darf man sich gemeinsam mit den beiden Freundinnen an die Arbeit machen, die sie mit tatkräftiger Hilfe durch Matteo samt seiner Freunde und Improvisationstalent von Mona auch ganz gut gebacken bekommen. In Gefühlsdingen fährt man mit Luisa Achterbahn. Gibt es eine Zukunft mit Tom, ihrem Freund in München, und wenn ja wie? Wie lassen sich die Schmetterlinge, die im Bauch auftauchen, als Jugendliebe Matteo wieder um sie herumschwirrt, in den Griff bekommen? Oder gibt es vielleicht in Italien sogar noch einen anderen potentiellen Kandidaten, der als Kindsvater und treuer Ehemann in Betracht käme? Mit Mona wird man sich darüber klar, wohin ihr Weg sie führen soll. Für die Spannung gibt es dieses Familiengeheimnis, das sich um ein Rezeptbuch, mediterrane Ernährung und Ereignisse, die in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs ihren Lauf nahmen, rankt, von dem ich hier aber gar nichts verraten mag.

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. Sie beschreibt dermaßen anschaulich, dass man als Leser das Gefühl hat, real mit dabei zu sein. Ihr gelingt es auch Gefühle mitreißend und einfühlsam darzustellen. Ganz besonders berührt haben mich z.B. das Schicksal der Mädchen in der Vergangenheit, oder auch Monas Sorgen. Gut gefällt mir auch, dass man hin und wieder schmunzeln darf. Da kann schon einmal ein freches „Es wird Zeit, dass du dich mehr mediterran ernährst, dann funktionieren deinen Gehirnwindungen wieder richtig.“ kommen, oder „Der ist so klapprig wie ein alter Gaul, wenn da ein Wind über den Acker pustet, klappt der um.“ als Beschreibung für Erntehelfer Ernesto dienen. 

Die Halbitalienerin Luisa hat Temperament im Blut und war mir mit ihrer netten, hilfsbereiten Art sehr sympathisch. Sie hat ihr Herz am rechten Fleck. Allerdings ist es auch recht groß und deshalb schleicht sich schnell was ein. Nicht immer konnte ich den schnellen Umschwung in Liebesdingen mit tiefen Gefühlen ganz so nachvollziehen, dazu bin ich aber einfach auch nicht der Typ Mensch. Super gut hat mir Mona gefallen. Sie hat jahrelang für die Familie zurückgesteckt, kennt Luisa mehr als genau und ist eine Freundin, auf die man sich wohl in jeder Lebenslage verlassen kann. Ich habe mich so darüber gefreut, wie gut ihr die Auszeit tut. Guilia, die ja durch ihre Flucht nicht die größte Rolle einnimmt, hat mir von Anfang an gut gefallen. Die stolze Frau mit eigenem Kopf hat sich ihren Weg im Laben hart erkämpft und kann mit  Anfang Achtzig nicht nur Dank Smartphone-Kompetenz berechtigt von sich behaupten, „Ich bin im besten Alter!“. Matteo, die italienische Jugendliebe, hat Charme und eine äußerst gewinnende Art. Ich glaube er hätte mich auch galant um den Finger gewickelt, wäre nicht Luisa immer noch seine große, vielleicht auch einzige Liebe. Nick, der amerikanische Pensionsgast war mir lange fremd, sicher wegen des Geheimnisses, das er mit sich herum trägt. Rigoletta hat meine Wut geschürt, wie einige andere Darsteller der Geschichte, die in der Vergangenheit reicht, auch.

Die Erdbeertörtchen vom Cover laden einen schon richtig dazu ein zu zu beißen. Während der Geschichte hatte ich nicht nur einmal einen wässrigen Mund. Neben erdbeerigen Verführungen gibt es jede Menge mediterrane Küche, die mir mit Sicherheit ebenso gut geschmeckt hätte, wie der frische Büffelmozzarela ab Farm mit Tomaten und Basilikum, direkt vom Strauch als Wegzehrung.

Der Autorin gelingt es auf hervorragende Art nach Italien zu entführen. Für mich war das Lesen fast wie ein Kurztrip ins Cilento, dieses tolle Stück unberührte Landschaft umrahmt von Olivenhainen Barfuß im Sand am kobaltblauen Meer entlang laufen und den Duft von frischen Kräutern und Erdbeeren in der Nase sind hier inklusive.

Alles in allem konnte ich zwar nicht alle Gefühlsumschwünge von Luisa ganz so nachvollziehen, hier wäre mir eine Spur weniger lieber gewesen. Aber die Autorin hat dies durch tolle Landschaftsbeschreibungen und die Spannung um das Familiengeheimnis immer gekonnt aufgefangen, sodass ich 4,5 Sterne zu 5 aufrunde.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

humor, handy, witzig, lustig, smartphone

Mandy das Handy

Mandy , Carsten Uekötter
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426788912
Genre: Humor

Rezension:

Ich bin nicht der absolute Smartphone Junkie, der nicht einmal ohne das Ding spazieren kann, oder sich sogar bei Treffen mit Freunden auch noch damit beschäftigen muss. Aber ich habe mich mittlerweile schon auch an die eine oder andere Funktion, wie Wecker, Internetrecherche oder Navi-App gewöhnt, sodass ich es nicht mehr missen möchte. Das witzige Cover und der Untertitel haben mich deshalb auf „Mandy das Handy“ aufmerksam gemacht und da ich bei den ersten Zeilen schon herzhaft lachen konnte, gab es keinen Weg mehr daran vorbei.

Ich habe keine Ahnung, warum die „appgefahrene“ Mandy so lange das Dasein als Ausstellungsstück in einem Elektronikfachmarkt fristen musste.  Sei´s drum, sie wird auf jeden Fall als Ladenhüter im Supermarkt verramscht und genau da beginnt ihr Leben bei und mit Dominik. Sie zieht bei ihm und seiner Freundin ein, ganz klar dass sie auch mit deren Geräten sofort connectet. Als Leser darf man Mandy begleiten. Man wohnt bei Dominik, geht mit den beiden an die Arbeit, kocht mit der Schwester, unternimmt Ausflüge oder besucht die Eltern sowie Oma Knirps im Altenheim. Einige Zeit verbringt man mit Mandy auch bei Arbeitskollegen Axel. Dort lernt sie u.a. was vortanken bedeutet, dass es "Delikatessenhundefutter für Mensch und Tier" gibt, sieht aufgepumpte Typen im Fitnessstudio in real, und nicht nur einmal heißt es für sie wohl „Ich überlege, meine Hintergrundfarbe auf Fremdschäm-Rot zu ändern!“. Auch dem Handydoktor wird ein Besuch abgestattet, denn es kommt nicht nur zu witzigen Ladeproblemen oder fataler Autokorrektur.

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und ich bin regelrecht mit einem Dauergrinsen durch die Seiten geflogen. Es gibt kaum eine Beschreibung oder Szene, bei der es nicht witzig wird, sei es wenn Dominik aus Versehen sein Schlafanzugfoto statt nur Mama Gundula, sämtlichen Kontakten schickt oder sich Mandy mit den Worten, „Stell dir mal vor, ich werde morgens eingeschaltet und denke ich wäre ein Toaster!", die Frage stellt, ob es Demenz auch bei Geräten gibt. Schlagfertige Dialoge, einfallsreiche Vergleiche und witzige Sprüche machen das Lesen zum großen Spaß, der meine Lachmuskeln direkt getroffen hat.

Mandy darf beim gemütlichen Dominik und seiner sympathischen Freundin Lisa einziehen. Richtig nett sind auch seine Öko Schwester Steffi und deren Sohn Felix, mit denen sie oft gemeinsam nach Rezeptapp kochen oder auch den Zoo besuchen. Mama Gundula braucht mit ihrem neuen Tablet ganz oft Dominiks Hilfe und hat mich sehr an meine eigene Mama erinnert. Papa Hermann hat zum Glück ein Rentnerhandy, mit dem er alleine zu Recht kommt und die beste aus der Familie ist Oma Knirps, die regelmäßig im Altersheim besucht wird. Sie plaudert gerne über Sohnemann Hermann aus dem Nähkästchen, natürlich zu dessen großer Freude.

Neben den realen Personen werden jede Menge Geräte zum Leben erweckt, die perfekt zu ihren Besitzern passen. Mein Favorit war eindeutig Toni, der Bordcomputer von Dominiks italienischem Auto. Bei ihm heißt es „Amore ist kaputt“, aber Mandy hat sich ja zum Glück in den Kopf gesetzt, ihm die große Liebe zu vermitteln. Neben "Techtel die Mechtel mit rollende Stühle!" kommt es dabei zu "das isse Peinlichkeit von Jahrzehnt". Super gut hat mir auch Emo, das Ökohandy von Schwester Steffi gefallen, sie ist dank Yoga-Übungen und daher auf völlig tiefenentspannt Stromsparmodus. Aber auch Memmo, der Axels anstrengendes Singledasein mitmachen muss, „ist zwar etwas durcheinander im Speicher, aber ein total liebes Gerät“

Unterschwellig kann man auch immer wieder einen Hauch Kritik heraushören, was mir gut gefallen hat. So wird zum Beispiel klar gesagt, wer stets die neusten und teuersten Modelle braucht und warum wohl, was hinter so manchem super Angebot mit Vertrag steckt, oder es kann schon einmal mit ironischem Unterton heißen „Klaro, bald halten die Leute einfach ihre Handys an uns dran, und fertig ist der Bezahlvorgang. Da merkt keiner mehr wie viel er wo ausgibt.“ Besonders amüsant fand ich auch den Kommentar zum Posten von Essensfotos auf sozialen Plattformen, „Ich mach ja auch keine Fotos von Steckdosen!“.

Gut gefallen mir auch die Zeichnungen, die in Schwarz Weiß, im gleichen Stil wie auf dem Cover gehaltenen sind. Sie lockern auf und ergänzen den Text perfekt, indem sie einzelne Darsteller zeigen. Zu meinen Highlights zählt bestimmt Öko Emo bei Jogaübungen, oder der fertige Memmy mit dem Untertitel „Das letzte Ladekäbelchen muss schlecht gewesen sein, was ein Trip“.

Alles in allem eine launige Geschichte, die mit einem ironischen Unterton und einem Augenzwinkern unser heutiges vom Smartphone geprägtes Leben auf die Schippe nimmt und mit sympathischen, spritzigen Charakteren punkten kann. Eine grinsende Empfehlung und fünf Sterne.

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94 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

familiengeheimnis, juist, anne barns, kuchen, freundschaft

Apfelkuchen am Meer

Anne Barns , Rainer Schöttle
Flexibler Einband: 356 Seiten
Erschienen bei MIRA Taschenbuch, 08.05.2017
ISBN 9783956497100
Genre: Romane

Rezension:

Die Autorin hat mich schon mit einigen Romanen immer wunderbar unterhalten und deshalb habe ich mich riesig auf „Apfelkuchen am Meer“ gefreut. Mit ihrer neuen Wohlfühlgeschichte, die sich nicht nur um die Apfelrosentorte, deren geheimes Rezept seit Generationen in Merles Familie weitergereicht wird, rankt, hat sie mich fesselnd nach Jurist entführt.

In München läuft es nicht ganz so rund für Merle. Die gelernte Konditorin hat ihrer Ausbildung noch ein BWL Studium aufgesetzt, weil sie ernsthaft, durchdacht die zwei Bäckereien ihres Papas übernehmen wollte. Eine Finanzplanung wäre da allerdings viel früher nötig gewesen und so sind diese noch vor Abschluss ihres Studiums bankrott. Eine Abschlussprüfung und ihre Bachelorarbeit stehen ihr noch bevor, als sie sich im Streit von ihrem Freund Frederik trennt. Umso besser, dass danach für sie sechs Wochen Jurist anstehen. Diese werden zwar kein Urlaub, aber es gibt zumindest Inselfeeling rund um ihren Job als Kellnerin im Cafe „Strandrose“, an den sie ganz zufällig gekommen ist. Laut ihrer Freundin, soll es dort doch tatsächlich ihre Apfelrosentorte, ganz nach Familienrezept, geben. Gibt es Zufälle, oder hat alles im Leben seinen Sinn?

Man darf als Leser mit Merle nach Jurist reisen, ihr bei ihrer Arbeit für das Cafe, die spontan von Kellnern zum Backen wird, über die Schulter schauen, sich mit ihr verlieben, mit ihr erfahren, was Freundschaft und Zusammenhalt heißt, und hat ganz nebenbei noch jede Menge Möglichkeiten dazu die Insel zu genießen.

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Die Geschichte ist herzergreifend, durch das Familiengeheimnis auch spannend, und daher konnte ich das Buch, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin beschreibt sehr anschaulich und ich konnte mir alle Handlungsorte richtig ausmalen. Ihr gelingt es wunderbar Gefühle beim Leser zu erzeugen, so konnte ich z.B. gerührt mit ihrem Papa fühlen, der nach der Geschäftspleite seine ganze zur Verfügung stehenden Zeit auf dem Dachboden verbringt und mitten im Sommer körbeweise von Weihnachts- zu Sommer- umbenannte Plätzchen backt. Auch an der zwar etwas vorhersehbaren, aber alles andere als schnülzigen, sondern herrlich frischen, spritzigen Liebesgeschichte darf man richtig teilnehmen. Ich konnte viel schmunzeln, z.B. wenn bei Agata Sprachprobleme zum Lacher werden oder Merle bei gewagten Wetten ihren Mut beweist, so dass es einem Lachtränen in die Augen treibt.

Die Charaktere sind toll gezeichnet und müssen einem einfach ans Herz wachsen. Merle ist eine einnehmende, junge Frau, die weiß was sie will und die, sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt, alles auch zu Ende bringt. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, wenn ihr auch in Liebesdingen eine bisschen mehr Selbstvertrauen gut tun würde. Ihre Familie, bei der ein jeder eine tolle Rolle spielt, ist ihr sehr wichtig, was mir super gut gefällt. Richtig begeistert bin ich von ihrer besten Freundin Conny, der kleinen Chaosqueen. Die Frau ist herrlich unkompliziert und man kann sich immer auf sie verlassen. Bessere Freundinnen wie die beiden, kann es wohl kaum geben. Ein super Mann ist sicher Jannes. Obwohl sich alle Frauen der Insel die Hacken für ihn wund laufen würden, hat der hilfsbereite, äußerst sympathische Mann keinen Höhenflug bekommen und der Run auf ihn ist wohl wirklich berechtigt. Auch sein witziger Bruder Ole ist mit Sicherheit nicht zu verachten. Erwähnen möchte ich auch noch Amada, das herzige polnische Zimmermädchen und Lara, die Pächterin des Cafes, die beide zu tollen neuen Freundinnen für Merle werden.

Anne Barns entführt mit ihrem Roman gelungen nach Jurist. Ich hatte schon beim Flug auf die Insel das Gefühl mit an Bord gehen zu dürfen. Die salzige, sandige Luft, die Ruhe der Insel, die Atmosphäre am Strand, mit und ohne Sandburg, ich habe alles regelrecht gespürt. Ich habe mich so richtig auf die kleine Insel, die mit Sicherheit durch Pferdekutschen und viel Ruhe für Entschleunigung sorgt, geträumt. Toll fand ich auch die Informationen, z.B. bzgl. Müllabfuhr, Schule vor Ort oder auch die Probleme der Einwohner. Auch der Tratsch auf einer solchen kleinen Insel wird auf amüsante Arte und Weise eingefangen.

Bei Merle ist die Liebe zum Backen, wohl vom Papa vererbt, nicht zu übersehen. Auf Jurist blüht sie in der Backstube so richtig auf. Das bedeutet für den Leser, dass ihm ganz oft der Mund wässrig wird, wenn wieder irgendeine neu kreierte Leckerei aus dem Ofen genommen wird. Auch Herzhaftes, wie Schmalzbrot bei der Oma fehlen nicht und hungrig sollte man besser nicht lesen. Für die so bedeutende Apfelrosentorte bekommt man als Zugabe im Anhang das Rezept geliefert.

Alles in allem eine wunderbare Geschichte zum Abtauchen und Träumen, die mit sympathischen Charakteren, einem Familiengeheimnis, das unbedingt ans Tageslicht will, Liebe und tollem Inselflair punkten kann.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

ein italienischer sommer, italien, francesca barra, familiengeschichte, rezensionsexemplar

Ein italienischer Sommer

Francesca Barra , Esther Hansen
Flexibler Einband
Erschienen bei Blanvalet, 17.04.2017
ISBN 9783734104329
Genre: Romane

Rezension:

Das Cover mit den bunten Eiskugeln und der Titel „Ein italienischer Sommer“ lassen eine leichte Liebesgeschichte vermuten, die zudem Genuss und Italiafeeling verspricht. Die findet man meiner Meinung nach hier nicht. Es handelt sich eher um einen Roman, der eine Familiengeschichte beschreibt, sich mit Zusammenhalt, Traditionen, Heimat und Liebe beschäftigt und bei dem „einfache“ traditionelle italienische Gerichte eine Rolle spielen.

Nonna Teresa, die mit ihrer Heimat so verwurzelt ist, dass sie bisher noch nicht einmal eine Reise unternommen hat, hat wohl eine Vorahnung, dass sie bald sterben wird und deshalb will sie ihr Geheimnis an ihre Enkelin Caterina weiter geben. In einen uralten Taschenkalender mit dem Logo einer Bank, soll diese alle Rezepte notieren, die der Oma am Herzen liegen. Einen Sommer lang wohnt Caterina bei ihr, notiert und lauscht den Geschichten, die ihre Nonna dazu erzählt. Einen Tag nach dem letzten Rezept macht Caterina sich, sehr zum Kummer ihrer Großmutter, auf den Weg nach Rom. Wie Kolumbus neue Welten entdecken, endlich der Enge entfliehen, das war ihr Ziel. In Rom lernt sie nicht nur die Küche aus allen möglichen Ländern oder tolle Läden, sondern auch Pietro kennen. Zwei Welten prallen aufeinander, Caterina, die außer ihrem kleinen Heimatdorf bisher nichts gesehen hat und er, der weltmännische, aus wohlhabendem Elternhaus stammende Mann, den Caterine vielleicht lieben könnte, würde sie sich neben ihm nicht so klein vorkommen. Als ihre Großmutter stirbt und sie schnell zurück muss, muss sie nicht nur Abschied von Nonna nehmen, sondern auch entscheiden, wo sie in Zukunft hingehört.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der die tiefe Verwurzelung von Teresa mit ihrer Heimat mehr als deutlich zum Ausdruck bringt. Man erfährt von den Rezepten und dem alten Taschenkalender, von dem Caterina am Ende der Geschichte sagen wird, „von diesem Moment an sah ich den alten Taschenkalender mit anderen Augen.“, und dann darf man als Leser mit Caterina nach Rom reisen. Die Kapitel erzählen jeweils abwechselnd aus Nonna Teresas und Caterinas Sicht. Neue Eindrücke aus Rom, das Kennenlernen von Piedro, die Zweifel weil sie so unterschiedlich sind, aber auch die Erinnerungen an ihre Großmutter und ihre Familie, von denen Caterina berichtet, lassen sie einen immer besser kennenlernen und ich war stellenweise wirklich gerührt von ihren Gedanken. Ebenso berührt hat mich Teresa, die von ihrer Vergangenheit, berichtet. Man erfährt, wie sie sich entgegen jeglicher Traditionen, da die Tochter eines Dienstmädchens nicht den Sohn eine Cavaliere heiraten darf, in Don Mimi verliebt hat. Von ihrer Ehe, die wohl wirklich die große Liebe schlechthin war, von der Geburt ihrer Tochter und der Enkel und ihrem dann aber traditionell geprägten Leben, das sie ihre Heimat nie verlassen hat lassen.

Der Sprachstil liest sich locker, leicht und ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. Ich konnte viel schmunzeln. Ganz besonders haben mich z.B: Nonnas Tipps für Caterina, als sie nach Rom aufbricht, amüsiert. Da kam dann schon einmal und „Im Badezimmer immer den Wasserhahn aufdrehen, wenn du auf die Toilette gehst, damit die anderen nicht mitbekommen, was du tust und du stets als wohlerzogen giltst.“ Der Autorin gelingt es trotz des eher zurückhaltenden, nüchternen Tonfalls gut Emotionen darzustellen. So konnte ich die innere Zerrissenheit Caterinas regelrecht spüren oder war stellenweise auch richtig gerührt bzw. habe mitgelitten, wenn Nonna von ihrer Tochter nicht der nötige Respekt, den sie auf jeden Fall verdient hätte, entgegen gebracht wurde. Toll haben mir auch Teresas zahlreiche Gedanken mit Lebensweisheiten gefallen, wie z.B. „Denn die Liebe ist ein furchtbarer Spürhund, der dem Geruch des Blutes und der Leidenschaft folgt. Die Liebe allein genügt, sie erfüllt dich und wenn sie dich unruhig macht, stimmt was da oben nicht.“ Wie wahr ist auch „Das Leben eines Ehepaares ist wie eine Werkstatt, in der Teile repariert, poliert, ausgetauscht und zurechtgebogen werden, aber nichts zurück gegeben oder neu angeschafft wird.“

Die Charaktere lernt man durch die Erzählung aus verschiedenen Perspektiven toll kennen und ich mochte Caterina, die man wohl als herzigen Dorftrampel, der schauen möchte, was die Welt sonst noch bereit hält, dem aber auch die Familie und die Heimat unheimlich wichtig ist, so richtig gern. Auch ihre Großmutter Nonna hat mir super gut gefallen. Sie ist eine unheimlich starke, genügsame Frau, die sich aus Liebe gerne auch hinten anstellt. Es ist schön darüber zu lesen, wie zufrieden man doch mit wenig sein kann.

Italiafeeling mit Strand, Sonne, Liegestuhl und Eis ist hier eher nicht geboten. Ein kleiner Bummel in Rom, sonst aber eher Leben in einem Stückchen Italien, das man welterfahren vielleicht als öde und verlassen beschreiben könnte, aber das meiner Meinung nach trotzdem ganz viel Flair hat.

Am Ende zahlreicher Kapitel bekommt man ein Familienrezept, wie z.B. für „Cialledda“ kalte Brotsuppe mit Tomaten, „Peperoni cruschi“ getrocknete Paprika, oder auch eine Torte aus Trockenfrüchten. Meist erzählt das folgende Kapitel eine kleine Geschichte dazu. So waren z.B. „Raviolis ceci“, Kichererbsen in Blätterteig, Don Mimis Leibgericht und wurden am Tag seiner Wahl zum Bürgermeister serviert.

Alles in allem bin ich zwar mit etwas anderen Erwartung in diese Geschichte gestartet, konnte mich dann aber schnell darauf einlassen und der Autorin allerdings gelungen, mich immer mehr in den Bann zu ziehen. Sehr gute 4 Sterne für diesen vielversprechenden Debütroman.

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20 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

glück, augenzwinkern, nzulänglichkleiten, g, lebensweisheite, zitate

Ich will so bleiben, wie ich war

Monika Bittl
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 02.05.2017
ISBN 9783426788929
Genre: Sachbücher

Rezension:

Da ich vor einigen Tagen die 40er Grenze überschritten habe, ich mich eigentlich trotz zunehmendem Alter wohl fühle , zufrieden bin und das eben auch bleiben will, hat mich der Titel richtig angesprochen. Auf keinen Fall eine alte „Zuwiderwurzen“ werden, das ist mein Ziel und mit „Glücks-Pusch-up für die Frau  ab 40“ sollte dies doch hoffentlich auch klappen. Ich kenne den Bestseller "Ich hatte mich jünger in Erinnerung" leider bisher noch nicht, hier bekommt man aber auf jeden Fall ein augenzwinkerndes, ironisches Buch über das Älterwerden, das einem dabei hilft, sich damit zu arrangieren und auf jeden Fall gute Laune sorgt.

Auf gut 250 Seiten präsentiert die Autorin eine bunte Mischung an Alltagsgeschichten, Interessantem, Tipps, und Anleitungen zum Un- und Glücklichsein, Horoskope auch für Schwarzseher, Bedienungsanleitungen für Männer und Frauen ab 50 und vieles mehr.

Ich hatte mit diesem Buch humorvolle, kurzweilige Unterhaltung. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir richtig gut und ich konnte super viel schmunzeln. Der oft ironische, teils auch sarkastische Tonfall hat meinen Sinn für Humor getroffen. Stellenweise habe ich mich richtig wiedergefunden, wenn natürlich auch nicht in dem überspitzten Maße, wie man es hier geboten bekommt. Aber Komik lebt von Übertreibung und diese wiederum von ehrlich eingestandenen Gedanken, die auch jeder "positive" Mensch hat und diese hat die Autorin äußerst geschickt aufgegriffen.

Aber es wird nicht nur für gute Laune gesorgt, sondern ich erhielt auch viele interessante, mir  bisher unbekannte Informationen, wie. z.B. dass Kinder weder glücklicher noch unglücklicher machen, was mich wirklich verblüfft hat. Neu war mir auch, dass es in Bhutan Glücksminister gibt und wie oft das Wort „Glück“ in der Bibel vorkommt, konnte ich bisher auch nur raten.

Nach dem Lesen habe ich auch eine tolle Sammlung an Sinnsprüchen und Ratschlägen, die mir gut gefallen, wie z.B. das Dostojewski Zitat "Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles." oder „Gehen sie nicht von Bosheit aus, wenn Dummheit zur Erklärung reicht.“ Ihr bayrisches Mantra, „Wenn i ned mog, mog i ned”, werde ich auf jeden Fall übernehmen, weil es mir so gut gefällt.

Toll finde ich die vielen Vorteile, die das Älterwerden mit sich bringt, die hier in den Texten auch nicht fehlen. So habe ich schon selbst entdeckt, dass man glücklicherweise mit zunehmender Lebenserfahrung immer besser aussortieren und auch loslassen kann. Dass ich Neinsagen in naher Zukunft immer besser können werde und sich mein schlechtes Gewissen ab 45 zunehmend verabschiedet, freut mich richtig. Wenn ich mir demnächst vielleicht auch keine Ausrede mehr einfallen lassen muss, warum ich mich bei nervigen Jammereien frühzeitig vom Kaffeekränzchen verabschiede, sondern den Mut aufbringe mit den Worten „ich möchte euch nicht die miese Stimmung verderben“ gehen kann, dann kann Älterwerden doch nur gut werden.

Wenn man Senioren danach befragt was sie in ihrem Leben am meisten bereuen, dann ist es sich zu viele Sorgen gemacht zu haben. Dieses Buch ist eine Aufforderung das Leben trotz Falten und Alterserscheinungen, oder gerade deswegen zu genießen. Act your life, nimm dich an, denn "Der Temperaturregler zu unserem Wohlfühllevel liegt auch in unserer eigenen Hand", diese Botschaft bringt die Autorin sehr deutlich zum Ausdruck.

Richtig gut gefällt mir auch das Layout des Buches. Toll gestaltet sind vor allem die Umschlagseiten der Klappbroschur und auch die Überschriften und Formatierungen der einzelnen Texte machen richtig Lust auf Lesen.

Alles in allem hatte ich kurzweilige, amüsante Unterhaltung, und das auch wenn ich bisher zum Glück nicht zu den Frauen gehöre, die ein Problem mit dem Älterwerden haben und die ihr Geld für teure Cremes und Schönheits OPs investieren, weil sie mit dem Blick in den Spiegel nicht zufrieden sind und die sich hier bestimmt noch viel mehr wiederfinden. Aber schon alleine wegen der vielen tollen Sprüche hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt dieses Buch zu lesen.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

ernährung, cupcake, gesund, diät, superfood

Gottes Werk und Teufels Cupcake

Belle Eriksen
Flexibler Einband: 209 Seiten
Erschienen bei Independently published, 29.03.2017
ISBN 9781521017357
Genre: Sachbücher

Rezension:

Schlank im Schlaf, die neue Blitzdiät, der neue Wundersamen, Lightprodukte, aber auch Kokosschokolade, die einen an den Strandsand in der Karibik versetzt, Fast Food Ketten,… - Alle Welt scheint sich Gedanken über und Geschäft mit Nahrungsmitteln zu machen. Für das was früher einfach nur problemloses Essen um zu Überleben war, braucht man heute fast einen Ratgeber an seiner Seite. Bücher darüber gibt es eigentlich schon mehr als genug, aber „Gottes Werk und Teufels Cupcake“ reiht sich nicht in die schnöde Reihe ein, sondern kann wirklich überzeugen.

Die Autorin beginnt mit einem Vorwort, in dem sie der Frage, seit wann die simple Nahrungsaufnahme zu einem solchen Krampf verkommen ist, nachgeht. Sicher liegt dies an der „Business und Mediengesellschaft, die auf der Klaviatur menschlicher Instinkte spielt. Dir wird wahlweise fettiges Food oder die körperliche Fettlosigkeit als Dein großer Traum, als dein nächster geiler Rausch der Glückshormone verkauft - nur wollen die Dealer dich nicht tatsächlich befriedigen. Wie uns globale Food Giganten ihre Produkte unterjubeln entspricht in etwa dem Kokain in einen Rattenkäfig zu werfen.“ Wunderbarer könnte man es wohl nicht auf den Punkt bringen.

Dem schließen sich in je einem Kapitel grundlegende Informationen über Fett, Kohlenhydrate und Eiweiß, dem „Trio infernale auf dem Teller“ an. Dann werden vergangene und aktuelle Kontroversen bzgl. „Superfood oder Superschurke“ angesprochen. Kokosöl, gesund oder doch nicht? Chia Samen, sind die teuren Luxus Samen ihr Geld wert, oder sind sie womöglich gar nicht so gesund? Im Abschnitt „Verloren im Zuckerparadies“ macht die Autorin dann darauf aufmerksam, wie sowohl Foodglobalisten als auch Diätgurus die Instinkte nutzen um ihre jeweiligen Produkte und Dogmen zu verkaufen. Sie erklärt auch leicht verständlich die evolutionspsychologischen Mechanismen, die einen zu Schokolade und sonstigen Kalorienbomben greifen lassen. So durchschaut man das Prinzip und hat zumindest selbst in der Hand bei Bedarf etwas daran zu ändern. Anschließend stellt die Autorin die bekanntesten Diätformen, eingeteilt in Gruppen, vor. Hier hat man sicher die Möglichkeit, wenn man auf der Suche ist, eine passende für sich zu finden, aber ganz wichtig ist wohl, dass man beim Lesen das einzig gültige Prinzip hinter allen Diäten kennenlernt. Toll erklärt wird auch endlich einmal, warum manche Menschen essen können, was sie wollen und trotzdem schlank bleiben. Sicher hilfreich ist auch der folgende Abschnitt über den biologischen Sinn unseres Selbstwertgefühls. Hier gibt es auch Tipps und Strategien, dieses schnell und wirksam zu verbessern. Den Abschluss bildet ein Kapitel mit leckeren und gesunden Rezepten, die zu Experimenten in der Küche anregen.

Ich beschäftige mich relativ viel mit und achte auch gesunde Ernährung. Daher war mir einiges bereits bekannt, aber ich habe auch unwahrscheinlich viel Neues, was mich teilweise auch verblüfft hat, gelernt. Welchen Einfluss hat die Lebensweise abseits der Ernährung auf das Cholesterin, welchen Unterschied gibt es dabei zwischen Männern und Frauen, wie viel Kalorien Unterschied sind es tatsächlich, bei einem durch Diät ausgebremsten Stoffwechsel, welche Versuche wurden gemacht….? Mir hat dieser Ratgeber von Anfang bis Ende gefallen, weil er einfach abwechslungsreich, umfassend und spannend, interessant ist. Ein Highlight war für mich aber sicher der Abschnitt über das natürliche Sättigungsgefühl und vor allem auch die dazu gute Nachricht, dass man das durch falsche Ernährung nicht für immer verloren haben muss.

Die Autorin hat hier gründlich recherchiert und daher ist der Text äußert fundiert, was mir super gut gefällt. Hier wird nicht nur allgemein bekanntes BlaBla zusammengefasst, wie man es ja oft findet. Das beweisen auch die 190 Fußnoten, die auf die jeweiligen Studien verweisen und mithilfe derer man sich sogar noch tiefer in die Materie einlesen könnte. Vor allem bezüglich der Kontroversen, gibt die Autorin nicht immer ein konkretes Fazit. Aber wie sollte sie auch, womöglich erscheint schon morgen eine neue Studie, die wieder ein neues Wundermittel auf den Tisch bringt oder einem seine tollen Eigenschaften abspricht. Mir hat es deshalb beim Lesen auch nicht gefehlt, ganz im Gegenteil für mich ist dies ein Zeichen seriöser Darstellung.

Wie schon der Titel vermuten lässt. fehlt es der Autorin nicht an Humor und trotzdem weite Teile des Inhalts Faktenwissen betreffen, wird es wirklich auf keiner Seite langweilig. Durch den ironisch, sarkastischen Schreibstil darf man viel grinsen und schmunzeln und die mitreißende Art der Darstellung macht einfach Spaß beim Lesen.

Alles in allem kann ich „Gottes Werk und Teufels Cupcake: Wie Du zwischen Industrieleckereien und Diät-Trends den Überblick behältst“, wirklich nur jedem ans Herz legen der sich fundiert, aber alles andere als trocken über Ernährung, Diät und Superfood informieren will.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Kurvendiskussion

Iris Nepomuck
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Geest-Verlag, 20.04.2017
ISBN 9783866856103
Genre: Romane

Rezension:

Diese und jene Wunderdiät für die Bikinifigur, Next Topmodel, Fishing for Compliments in Hochperfektion auf sozialen Internetplattformen,… -Wie schwer hat man es doch heute sich erfolgreich von diesem enormen Einfluss der Medien abzugrenzen? Einmal ehrlich, wusste der liebe Gott welches Schönheitsideal im Moment gerade vorherrscht, als er uns als Individuen auf die Welt geschickt hat? Zudem beherrscht der Leistungsgedanke zunehmend unsere Gesellschaft. Damit sind die prädestinierten Voraussetzungen für Ess-Störungen aller Art, Depressionen, Angstzustände und Kontrollzwänge gegeben.

Auch Iris Nepomuck hat ihre Erfahrungen damit gemacht und in ihrem autobiographischen Roman „Kurvendiskussion“ erzählt sie offen, ehrlich ihre ganz eigene Geschichte, hier die von Julia, die mich mehr als gefesselt hat.

Als Kind sportlich, schlank, dann ein bisschen zum Pummelchen mutiert und vom Vater, dem Workaholic, für den nur Leistung zählt, Moppelchen gerufen. Man muss um Liebe kämpfen und Anerkennung braucht Leistung, diesem Irrglauben ist Julia aufgesessen, so wurde sie geprägt. Ganz klar eine Diät muss her und nach ersten Diäterfolgen, die auch endlich die erwünschte Anerkennung gebracht haben, ist das Hungern zum Selbstläufer geworden. Erfahrungen von ihrem Klinikaufenthalt samt schwieriger Essensauswahl ohne Obst und Gemüse, heimlichem Sportprogramm oder oberflächlicher Therapiegespräche schließen sich an. Nach dem Aufenthalt ist doch zumindest die äußere Fassade mit einem annehmbaren Körpergewicht wieder hergestellt. „Endlich die Flausen aus dem Kopf“, so die Meinung der Eltern und Bekannten. Ganz klar, dass eine kontrollierte Frau nicht zugibt, wie es tatsächlich in ihr aussieht. Hier gibt es die Autorin preis, weshalb ich meinen Hut vor ihr ziehe. Partnersuche, ambulante Therapieversuche und dann irgendwann die Erkenntnis, ich belüge mich selbst und so kann es mit Jan, dem Mann, der mich heiraten und Kinder mit mir haben will, nicht weiter gehen. Es scheint ein Hebel im Kopf umgelegt worden zu sein, der den Weg aus der Sucht möglich gemacht hat. Dabei handelt es sich um einen harten und steinigen Weg, für den es leider keine Formel wie bei einer mathematischen Kurvendiskussion gibt. Julia wird schwanger und die Verantwortung für das kleine Lebewesen, das in ihrem Körper heranwächst, und welche es nun zu kontrollieren gilt, hat sicher einen Teil der Leere gefüllt, als die Sucht Stück für Stück gebröckelt ist. Die Autorin lässt einen teilhaben an ihren Sorgen, ihren Ängsten während der Schwangerschaft und auch daran, wie kontrolliert auch das Gewicht weiter werden musste.

Wie viel Kraft, Mut und auch Überwindung muss es kosten, sich so offen zu zeigen, sich dadurch verletzlich zu machen, gerade heute in unserer leistungsorientierten Gesellschaft? Ihre Geschichte preis zu geben ist eine Leistung, die ihr erst einmal jemand nach machen muss. Ganz abgesehen von ihrem Bravurstück die Krankheit aus eigener Kraft zu überwinden. Ich habe mich riesig mit ihr und für sie gefreut, dass sie es geschafft hat, sich von ihren Zwängen zu befreien. Sicher waren ihr der richtige Ehemann und auch die Verantwortung, die sie durch ihre Schwangerschaft bekommen hat, eine Stütze und Hilfe. Doch geschafft hat sie es ganz allein, dafür bekommt sie von mir größten Respekt.


Der Schreibstil fesselt einen einfach nur, einmal angefangen habe ich die Seiten nur so verschlungen. Iris Nepomuck berichtet mithilfe von Tagebucheinträgen derart offen, emotional, dass ihre Geschichte einfach gefangen nehmen muss. Man hat das Gefühl direkt in der Protagonistin zu stecken. Man kann ihre Ängste, ihre Zwänge sich selbst zu kontrollieren richtiggehend spüren. Ich konnte ihre Schuldgefühle, andere schon wieder enttäuscht zu haben, beim Lesen selbst fühlen. In ihrem angestrebten Perfektionismus, der auch mir nicht unbekannt ist, habe ich mich sehr oft wieder gefunden. Im Verlauf der Geschichte kommt auch immer mehr der Humor, der ganz sicher in der Autorin steckt, zum Tragen und so konnte ich zunehmend über ihre Äußerungen und Kommentare schmunzeln. Es ist ein tolles Leseerlebnis, wenn man deutlich spürt, wie langsam das Lebensglück zurück kommt.

Vier bis sechs Wochen Therapie und dann sind die Flausen endlich aus dem Kopf. Ganz klar, fast so schnell auskuriert wie eine Magen Darm Erkrankung, das ist leider ganz oft die Meinung der Bevölkerung und nicht selten auch die der Angehörigen. Dass es sich aber um alles andere als Flausen handelt, dass man wohl nie mehr ganz so unbeschwert leben, essen und genießen kann wie zuvor und dass der Weg aus der Sucht ein harter, langer und äußerst steiniger ist, versteht man bestimmt leichter, wenn man dieses Buch gelesen hat.

Iris Nepomuck gibt in ihrem autobiografischen Roman schonungslos ehrlich, offen ihre Geschichte preis. Nein sie ist nicht schwach, weil sie krank wurde, sie ist so stark, sie hat es geschafft sich zu befreien. Sie hat sich einen Platz im Leben gegeben, der sie, wenn auch bestimmt immer noch manchmal mit angezogener Handbremse, genießen lässt.

Gefangen in seinen Zwängen, sei es bezüglich des Essverhaltens, der Kontrolle oder auch des Perfektionismus, es ist immer schade für die verschwendete Lebensqualität. Dies zeigt diese Geschichte sehr eindrucksvoll und mitreißend. Sicher für alle eine Leseempfehlung, für Betroffene selbst eine Hilfe, für Angehörige ein Buch, das mehr Verständnis schafft und ein guter Ratgeber sein kann. Völlig begeisterte fünf Sterne für dieses tolle Buch.

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