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Power Women - Geniale Ideen mutiger Frauen

Andreas Jäger
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 18.06.2018
ISBN 9783845828626
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Frauen und Männer sind gleichberechtigt, das ist in unserem deutschen Grundrecht verankert, in der Realität sieht es jedoch oft noch ganz anders aus. Frauen werden bei Jobs benachteiligt, Vorurteile, eine Frau kann das nicht so gut, hört man noch oft, von Ländern, in denen die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden, ganz zu schweigen. Aber zum Glück gibt und gab es schon immer solche Frauen, die sich weigern, Männern den Lauf der Geschichte zu überlassen. 25 Geschichten von Frauen, die alle auf ihre eigene Weise die Welt verändert haben, beweisen hier, dass das vermeintlich schwache Geschlecht sehr wohl seinen Mann stehen kann.


„Du siehst, das Buch ist einfach fabelhaft. Aber es gibt etwas, das ist noch fabelhafter. DU“, mit diesen Worten endet die Einleitung. Dieses Buch erzählt nicht nur in wundervoll illustrierter Form die Geschichten von 25 Frauen, die allesamt ebenfalls fabelhaft zu bezeichnen sind, die für ihre Überzeugung, dass Männer Frauen ebenbürtig sind, eingetreten sind, und Großartiges geleistet haben, sondern es versucht auch jungen Mädchen unter den Lesern den Rücken zu stärken und sie davon zu überzeugen, dass auch in ihnen ganz viel Power steckt.  


Besonders gut gefällt mir die bunte Vielfalt der ausgewählten Porträts. Manche haben vor  zig Jahrhunderten gelebt, so wie Kleopatra  etwa 69 v. Chr. – 30 v. Chr., manche sind vor nicht allzu langer Zeit gestorben, wie Wangari Muta Maathai, die als »Mutter der Bäume<< bekannt im Alter von 71 im Jahr 2011 gestorben ist. Andere leben sogar noch, wie Michelle Obama oder Malala Yousafzai. Im Übrigen befindet sich am Ende eine Zeitleiste, die die Frauen einordnet, was für das Geschichtsverständnis sicher nie verkehrt ist. Aber nicht nur die enorme Zeitspanne, die die Auswahl exemplarisch abdeckt, sondern auch die breite Vielfalt ist meinem Erachten nach wirklich gelungen. Manche sind berühmt, wie Marie Curie, andere sollten berühmter sein, weil sie es mehr als verdient hätten. Auch ich als Erwachse konnte hier noch auf unbekannte Gesichter, auf Frauen, deren Leistung mich beeindruckt hat, treffen. So hatte ich z. B. noch nie etwas von Murashi Shihibu, der ersten Romanautorin gehört. Sie hat von 973 bis 1025 in Japan gelebt und ihr „Geschichten vom Prinzen Genji“ sind heute noch in deutscher Übersetzung erhältlich. Toll finde ich auch die Vielfalt an Berufen und Leidenschaften, der hier vorgestellten Damen, bei Königin angefangen, über Schach- und Fußballspielerinnen, Wissenschaftlerinnen oder Krankenpflegerinnen, bis hin zur ehemaligen Sklavin, die sich so sehr für die rechte Schwarzer eingesetzt hat.


Jedes Porträt beginnt mit einem Bild und einigen Sätzen, warum diese Frau so bedeutend war, meist wird auch erwähnt zu welcher Zeit sie gelebt hat. Dann gibt es eine Art Steckbrief, der den vollständigen Namen, die Lebensdaten, die Nationalität und den Beruf angibt. Der darauffolgende Text verrät die jeweilige Lebensgeschichte. Klar, wer tiefer einsteigen will, muss sicher weiter recherchieren, einen tollen Über- und Einblick erhält man aber auf diese Art und Weise auf jeden Fall. Im Anschluss findet man dann noch eine Frage-Antwort-Rubrik, in der man erfährt, wie Frauen wohl auf Probleme von Mädchen von heute reagiert hätten. Hier werden Themen wie Mobbing, Vorsicht im Umgang mit sozialen Medien, Lampenfieber bei Vorträgen, Selbstzweifel,  aber auch übermäßig strenge Eltern oder die Trennung derer angesprochen und zweifelsohne der eine oder andere guten Tipp gegeben. Mit Bildern und einem Zitat endet der entsprechende Abschnitt.


Der Sprachstil ist leicht verständlich, der Altersgruppe angemessen. Schwierige Begriffe werden meist in Klammern gleich im Text erklärt, was ich mir für das empfohlene Lesealter allerdings von noch dem einen oder anderen mehr erwartet hätte. Ich bin mir nicht sicher, ob Zehn- bis Zwölfjährigen Wörter wie „Geschlechterklischees“, „kultiviert“, „ausgebootet“ oder „Barkasse“ geläufig sind. Gut gefällt mir aber auch, dass die Leser immer wieder persönlich angesprochen werden, „Hier findest du“, „blättere um“ usw., das holt die Kids ins Boot.


Erwähnen möchte ich ganz unbedingt auch noch die gelungene Illustration. Zitate, Namen und Überschriften in geschwungenen, bunten Buchstaben, das spricht schon auf den ersten Blick an. Zudem bekommt man keine Fotos, sondern Gemälde der Frauen, die deren Besonderheit gekonnt zum Ausdruck bringen und sicher so nicht von der Stange sind. Hier hat das Team aus acht Illustratoren und Illustratorinnen mit ganz viel Herzblut gearbeitet, das ist auf jeder Seite zu erkennen.


Mädels finden zudem am Ende noch einen Fragebogen, mithilfe dessen sie herausfinden können, welcher von fünf fantastischen Frauen sie am meisten ähneln. Den hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber die in dem empfohlen Lesealter hat bestimmt der eine oder andere Spaß daran.


Insgesamt hat mir „Power Women“ wirklich gut gefallen und fünf Sterne sind auf jeden Fall dafür noch drin.


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Hopfenkiller

Andreas Schröfl
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 11.04.2018
ISBN 9783839222188
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Hopfenkiller" ist der vierte Band aus der Sanktus-Reihe von Andreas Schröfl und die Reihe ist für mich der absolute Kult, größter Fan gar kein Ausdruck. Eh klar, dass das ein absolutes Lesemuss ist, das man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen kann.


Eigentlich hat der Sanktus ja nach den dramatischen Ereignissen im letzten Band beschlossen und auch der Kathi fest versprochen, sich ausschließlich nur noch um die Familie, er ist ja jetzt stolzer Papa vom Stammhalter, und ums Bierbrauen zu kümmern. Aber wie es halt so ist, da sagt man einmal Nein, wenn man um Hilfe gebeten wird, fällt eh scho schwer, auch noch für ein zweites Mal reicht´s aber, wenn dann von allen Fronten geschossen wird und auch noch Kommissar Bichlmaier auf die Kathi einredet und sie überzeugt, kannst halt nichts machen. Zudem geht es ja auch um die Ehre und das Reinheitsgebot seines geliebten Hopfengetränkes, um Morde an nicht nur einem Brauereibesitzer und da auch die Craftbier Szene, zu der er seit neuestem ja selbst zählt, in Gefahr ist, geht ohne Sanktus einfach nix.


Über den Fall verrat ich gar nicht so viel, gibt´s ja den Klappentext. Nur so viel, der Schröfl Andi hat sich wieder einen Krimi einfallen lassen, der mit so vielen falschen Fährten, so viel Finten ausgestattet ist, dass man allerhöchstens die eine oder andere Richtung erahnen kann, aber ganz sicher nicht die Auflösung vorab durchschauen kann. Zahlreiche verschiedene Handlungsstränge halten das Leserhirn hier von Anfang bis zum rasanten Ende hin am Knobeln. Wer jetzt also wissen will, von wem sich der Sanktus eine Beule und eine geplatzte Lippe holt, warum er den Hochseilakrobat bieten muss, er in eine „Schicki-Micki Zwickmühle gerät, zwischendrin „Weicheianwandlungen“ bekommt oder warum es bei der Kathi irgendwann mal nur auf „Krawall gebürstet“ war no gar nix, und vieles mehr, der  muss selber lesen.


Sanktus ist Kult, und auch die Schreibe des Autors ist individuell, originell und absolut gut. Andreas Schröfel präsentiert einen Erzähler, der den Leser immer wieder anspricht, „verstehst mi“, und ihn somit mit ins Boot holt, Weigern gar nicht möglich. Auch die unvollständigen, abgehackten Sätze, wenn es sich um Sanktus dreht, passen einfach nicht nur perfekt zu dessen Person, sondern sind ein absolut gelungenes Alleinstellungsmerkmal. Ich kannte den Schreibstil bereits, habe mich ja auch deswegen auf die Fortsetzung gefreut, und die Seiten sind wie immer nur so dahin geflogen, leider viel zu schnell. Die Wortwechsel, Dialoge und hervorragende Situationskomik, „Komödienstadel“ Anfängerveranstaltung“, sind ein echtes „Schmankerl“ und ich hatte nicht selten Lachtränen in den Augen.


Die Charaktere sind liebevoll, detailliert und einfallsreich gezeichnet und ich habe mich über ein Wiedersehen mit den alten Bekannten ganz narrisch gefreut. Die Truppe um Sanktus ist einfach zu gut. Klasse sind die ganzen Ermittlungshelfer, bei den Brauereikameraden angefangen, über Lena, die mit einem Bein ihre Frau mehr als gut steht, bis hin zu Dr. Drengler, den preußischen Steuerberater, der sich immer dazwischen drängt. Sanktus selbst ist natürlich mein Highlight, wie es sich für einen echten Fan gehört, eh klar. Man kann ihn eigentlich gar nicht beschreiben, den MUSS man einfach selbst erleben. Er liebt seine  sympathische, liebenswürdige Kathi und auch ihr Töchterchen Martina, so wie wenn sie wie Stammhalter Schorschi, seine eigene wäre, über alles und das ist gut so. Der kleine Racker übt sich schon im Bayrisch und es ist fast schon raus, wer zukünftig im Hause Sanktjohanser den Ton angibt, ich sag nur „ I mog a Ketchap“. Klar ist der fränkische Hiwi mit seiner Eifersucht, weil alle den Sanktus als Ermittler wollen, deppert. Mit seinen Aktionen hat er zwar beim Sanktus für Ärger gesorgt, aber für den Leser ganz viel Komik geboten, weshalb ich ihn von den Nebendarstellern stellvertretend für all die anderen Originale erwähnen möchte.


Damit es auch für Unwissende keine Sprachprobleme gibt, ist ab diesem Band ein Wörterbuch Bayrisch-Hochdeutsch mit dabei.  Denn Dialektfreunde kommen hier wie immer in einen regelrechten Lesegenuss. Neben Münchnerisch ist noch so allerhand geboten. Demuth, der depperte fränkische Kriminal Hiwi, will ihm mit Hilfe der „modernen Kriminaldechnik“ und Abdrücken vom „Abend der Dad“ überführen. Der Berliner Gast bestellt „jebackene Kuheuter“, Hanspeter, der Brauerkollege plappert auf Schwäbisch dazwischen und bei Italiener Giovanni gilt, „Agente Speciale isse immer im Dienste“. Besonders gefreut habe ich mich wie immer über den indischen Koch Bhupinder aus der Stammkneipe „Neue Kirche“, „ Indian beer, Sanktus. Local brand. Seit drei Jahren abgelaufen. Hab ick gestern durch Sufall im Keller gefunden Hab ick mir gedachte, Vintage ist so modern sur Seit.“. Er sorgt nicht nur mit seiner Sprache, sondern auch mit der einen oder anderen Aktion wie immer für ganz viel Spaß


Der Autor kommt aus dem schönen München und er liebt seine Stadt, das ist auf jeder Seite zu merken. Da wird ein Unterschlupf auf dem Viktualienmarkt gesucht, in der „Schmalznudel“ Frühstück geholt,  Weißwürscht gibt´s im „Weiße Bräuhaus“ und am Odeonsplatz wird 500 Jahre Reinheitsgebot gefeiert. Das Lokalkolorit zeichnet sich daher nicht nur durch den Dialekt aus.


Alles in allem auf jeden Fall wieder fünf Sterne plus für diese gelungene Fortsetzung, Kennern der Reihe muss ich ja eh nichts erzählen und jeder Neueinsteiger wird bestimmt auch sofort infiziert vom Sanktus Virus, daher unbedingt lesen.


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eithne shortall, liebe in reihe 27

Liebe in Reihe 27

Eithne Shortall , Janine Malz
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Diana, 11.06.2018
ISBN 9783453359802
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Arbeit am Check in der Aer Lingus war für Cora eigentlich nur eine Notlösung, sollte Zeit überbrücken, und ihr die Möglichkeit geben, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, denn das war mehr oder weniger ein Trümmerhaufen. Als sie ihre große Liebe in Berlin so bitter enttäuscht hat, hat sie alle Zelte dort abgebrochen und ist fluchtartig zurück nach London gezogen. Ein Job musste her. Ihr Traum war es immer Menschen zu helfen und seit sie gemeinsam mit ihrer Freundin, der Flugbegleiterin Nancy, das Reihe 27 Projekt, das aus Singles über den Wolken Pärchen machen soll, und dies auch tut, gestartet hat, gefällt ihr ihre Arbeit ganz ausgezeichnet. Wozu eigenes Liebesglück, das womöglich nur zeitlich begrenzt ist und dann wieder verletzt, wenn man doch fast täglich Miss Amour spielen darf!


Als Leser begleitet man Cora bei ihrer Arbeit am Check in und brütet zuhause mit ihr über ihren Statistiken zu erfolgreichen Liebesprojekten der Lüfte. Man darf aber auch mit in den Flieger und die von ihr ausgewählten Pärchen beim Flug beobachten, bekommt sie vorgestellt und darf erleben, ob es funkt oder nicht. Hier ist der Leser klar im Vorteil, Cora muss sich das ja von Nancy aus zweiter Hand erzählen lassen. Zudem gibt es auf dem Flughafen jede Menge zu erleben, bei den Filmaufnahmen angefangen, die sich um den dicken Ray tummeln, weil er die nächste Abnehmshow gewinnen will, bis hin zu Joan, die ihren Göttergatten liebt, aber Cora mit seinen Eskapaden bestens unterhält. Dann gibt es natürlich auch für Cora einen heiß gehandelten Verehrer. Wird Charlie vom Sicherheitsdienst oder ein anderer ihren Panzer knacken können. Da wird hier natürlich nicht zu viel verraten. Ein trauriger Handlungsstrang rankt sich noch um ihre Familie, denn sie muss schmerzhaft miterleben, wie ihre Mutter immer weiter abbaut.


Der locker, spritzige Sprachstil liest sich nicht nur geläufig, sondern man darf auch immer wieder schmunzeln, was mir gut gefallen hat. Besonders ihre Kollegin Joan, deren Ehemann die Tauben so wichtig sind, die ihr die Wäscheleine verschmutzen, hat mir viel zum Lachen geboten. Ein wenig Probleme hatte ich mit den doch zahlreichen Namen, weil man wirklich viele Fluggäste aus Reihe 27 mit ihrem Macken und Ansichten vorgestellt bekommt. Gerade zu Beginn, wusste ich ja noch nicht, ob sie wichtig sind für den weiteren Verlauf oder nicht. Manche, wie Ingrid oder Aideen trifft man immer wieder, da sie Vielflieger sind, andere streifen die Geschichte aber nur. Hier bekommt man also ganz viele, teilweise rührende, Liebesgeschichten in einer großen verpackt. Aber mehr noch als die Liebesgeschichten hat mich die Sache mit Coras Mutter berührt. Von einer liebevollen Mama, die einem immer Stütze gewesen ist, wegen Alzheimer langsam Abschied nehmen zu müssen, das ist so grausam. Hier hat die Autorin wirklich ganz viel Gefühl hineingepackt und den Verlauf der schlimmen Krankheit auch hervorragend gezeichnet.


Cora war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist eher Einzelgängerin, findet andere Menschen anstrengend, aber sie hat ein großes Herz und wie es den Menschen um sie herum geht, ist ihr sehr wichtig. Da mein Papa auch unter Alzheimer litt, konnte ich mich so gut in sie hineindenken und ganz oft ist es mir ähnlich, wie ihr ergangen. Sie sucht sich eine Ersatzbeschäftigung, die sie völlig einnimmt, so muss sie sich nicht aktiv mit ihrer Realität, die dank gebrochenem Herz und ihrer Mama so schmerzlich ist, auseinandersetzen. Gut gefallen hat mir auch ihre Freundin Nancy, die sehr unter der Erwartungshaltung ihrer Mutter zu leiden hat, und Kollegin Joan war sicher mein Highlight in Sachen Humor. Unter den Fluggästen haben mich vor allem die beiden Frührentner mit ihrem erfolgreichen Date gerührt und klar Arzt Aideen, der auf den ersten Blick den arroganten Kotzbrocken gibt, ist auf jeden Fall genaueres Hinsehen wert. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass am Ende auch noch Coras WG Mitbewohnerin Mary den passenden Deckel gefunden hat. Hoffentlich muss sie die Zutaten die in den Topf dürfen jetzt nicht mehr grammgenau abwiegen.


Alles in allem eine nette, humorvolle Liebesgeschichte, die ans Herz geht und nicht dem Standartschema folgt und damit auf jeden Fall schon eine Empfehlung wert ist. Nach ein paar Anlaufschwierigkeiten konnte mich die Autorin immer mehr packen, beim Zuklappen war ich eigentlich schon in fünf Sterne Stimmung, insgesamt gesehen jedoch nicht ganz, aber sehr gute vier sind es auf jeden Fall.

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Ich dachte, älter werden dauert länger

Heike Abidi , Lucinde Hutzenlaub
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Penguin, 11.06.2018
ISBN 9783328102694
Genre: Humor

Rezension:

Ich bin zwar erst 41 und habe bisher auch trotz der ersten Falten noch keinerlei Probleme mit dem Älterwerden, dazu bin ich generell wohl auch einfach zu wenig eitel, aber weil mich Heike Abidi mit ihrem spritzigen Schreibstil bisher immer ganz wunderbar unterhalten hat, dachte ich mir, dass ich mir ja einmal anschauen kann, was wohl mit 50 so auf mich zukommen kann.


„Wer fragt schon danach was ich will? Mein Spiegel nicht, meine Waage nicht, meine Wahrnehmung nicht, niemand.“


Das ist sicher eine ebenso unerschütterliche Tatsache, wie die, dass wir alle das Älterwerden nicht aufhalten können und genau mit dem Thema haben sich die beiden Autorinnen auseinandergesetzt, Lucinde Hutzenlaub, die den runden Geburtstag noch vor sich hat, ist diejenige, die sich unter keinen Umständen damit abfinden will, die händeringend versucht, alles Menschenmögliche zu unternehmen, dem Alterungsprozess die Stirn zu bieten. Heike Abidi hat die magische Grenze des halben Jahrhunderts, so es denn eine gibt, bereits überschritten und sieht das Thema um einiges gelassener, war aber bestimmt auch schon früher eher der Typ es entspannter anzugehen.


Als Leser bekommt man nach einem Vorwort, bei dem sich beide Autorinnen vorstellen, eine Art Briefwechsel zwischen den beiden geboten. Lucinde (beide bevorzugen laut Buch das Du) spricht ein Thema an, Heike geht im sich anschließenden Abschnitt darauf ein, erzählt von ihrer Einstellung und ihren Erfahrungen dazu und kommt dabei noch auf die eine oder andere Idee, die Lucinde dann im darauffolgenden Beitrag aufgreifen kann und so weiter. Dass sich die beiden Autorinnen abwechseln, die Themen so von verschiedenen Sichtweisen beleuchten, hat mir gut gefallen.


Die Beiträge sind in die drei Kapitel gegliedert. Es geht los mit „Wie es sich anfühlt. Bestandsaufnahme. Was bin ich und wenn ja, warum?“, hier berichten die beiden Damen von ihren Problemen, ihren Sorgen und den Erscheinungen, die die Jahre mit sich gebracht haben, und suchen vielfach auch eine Erklärung dafür. Warum kommen mir Tränen schneller, was sehen Männer im Spiegel und was die Frauen, welches Bild zeigen die Medien, warum sind Frauen Ü50 da so rar? Hier finden sich auch ausführliche Auflistungen von teilweise romantischen Filmen mit besonderen in die Jahre gekommener Schauspielerinnen, oder solche von bewundernswerten Frauen, die man sicher zum Vorbild nehmen könnte. Ich schaue äußerst selten Filme, Auflistungen bieten eher wenig Raum für Humor, deshalb hätten mir diese etwas knapper genügt.


So ging es mir auch im zweiten Kapitel, „Die Sache mit der Optik, Wer schön sein will, muss reiben: Beauty im Selbstversuch“, das am wenigsten für die Lachmuskulatur geboten hat, immer wieder. Die beiden haben so einiges, was der Markt für die Erhaltung der Jugendlichkeit anbietet, ausprobiert, bei Botox angefangen, über Wimpernfärben bis hin zu Blutegelbehandlung gegen Krampfadern, hier sind ihre Erfahrungsberichte und Meinungen dazu. Auch die eine oder andere Übersicht zu Angebot, Wirkung und einer circa Preisangabe, Make Up Artikel, die Frauen mit auf eine einsame Insel nehmen würden und einiges mehr gesellt sich dazu. Wer sich im Überblick informieren will, einen ersten Einblick in die Möglichkeiten haben möchte, sich für Make Up und Co interessiert, wird hier sicher den einen oder anderen Tipp für sich finden. Wieder deutlich humorvoller und kurzweiliger geht im letzten Kapitel, „Und was machen wir nun? Spaß mit Sachen: Einfach was Neues Probieren.“, zu. Hier plaudern die Autorinnen mit ganz viel Selbstironie und jeder Menge Humor z.B. über ihre Suche nach der perfekten Sportart, verpatzte Hochzeitstage, Bemühungen mithilfe eines neuen gemeinsamen Hobbys die Ehe wiederzubeleben, Mädelsausflüge in die Erotikboutique und einiges mehr, was mir gut gefallen hat. Auch hier fehlen Aufstellungen nicht. So gibt es z.B. auch eine Anti Buquet List, die zwar sehr individuell, sicher aber als Anregung dienen kann, oder eine Top Ten Liste der Seniorenspams.


Ich bin es gewohnt, dass mir Heike Abidi viel Anreiz für meine Lachmuskulatur bietet und das habe ich mir hier auch erhofft. Klar gibt es wirklich einiges davon und auch ihre Autorenpartnerin hat jede Menge Humor. Denke ich nur jetzt noch an den Blick Lucindes bei der Yoga Figur Herabschauender Hund in ihr Oberteil „Aufrecht ist alles an Ort und Stelle, aber verkehrt herum? Das ist gewiss ein Übersetzungsfehler aus dem Indischen. Herabhängende Haut muss es heißen. Ich weiß es genau.“, oder an Heikes Urteil über Zumba „…während man rumzappelt, wie eine teutonische Hupfdohle beim Karneval do Brasil und dabei schwitzt wie ein Schwein soll man Spaß haben“ kann ich jetzt noch vor mich hin grinsen. Enge Jeans, was soll´s, „Sitzen wird sowieso überbewertet“, „Elegant ist anders. Nein ich bin auf keinen Fall die, die aus der Torte hüpft.“, oder „Ich habe sportlich gesehen das erste halbe Jahrhundert den Körper geschont. Warum Ausdauer und Bewegung trainieren, wenn man sowieso noch ausdauernd und beweglich ist. Das wäre ja geradezu Verschwendung.“ Sprüche und Kommentare wie diese, haben für Spaß gesorgt, ganz genau wie ich mir das auch erhofft, aber eben abschnittsweise leider auch etwas vermisst habe.


Gut gefallen hat mir die Ehrlichkeit der beiden Autorinnen. Die meisten Menschen kehren doch ihre Sonnenseiten heraus, klar alles ohne Nachhelfen faltenfrei, nein Kalorien zähle ich nicht, ich esse nur nicht,… Wer stellt sein Licht schon gern unter den Scheffel, redet über Tabuthemen, die eigentlich gar keine sein müssten? Die beiden tun das hier. Ja faltenfrei dank Botox, Permanent Make Up, warum nicht, das spart mir Zeit und Nerven, Probleme mit Füßen und Krampfadern, ja die haben wir auch, und auch wenn´s peinlich war, so eine Aufklärung darüber was der Sexmarkt so an Tools hergibt war doch auch interessant.


„Das Herz bekommt keine Falten“ mit diesem Satz, der mir so besonders gut gefallen hat, möchte ich enden. Ich hätte vielleicht noch ein paar Jährchen waren sollen, dann wäre ich mit Sicherheit die bessere Zielgruppe für dieses Buch hier gewesen. Wobei vielleicht bleibe ich ja vom Koller auch ganz verschont, Heike Abidi hat mir ja auch die Hoffnung, dass die senile Bettflucht auf jeden Fall bald kommt, auch genommen. Aber als Geschenkidee für Freundinnen, die sich mit dem Altern schwerer tun wie ich, und allen Leserinnen, denen es ebenfalls so geht, kann ich es auf jeden Fall eine Empfehlung aussprechen. Noch vier Sterne von mir.


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17 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Solothurn spielt mit dem Feuer

Christof Gasser
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 24.05.2018
ISBN 9783740803056
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Schon im Prolog gibt es den ersten Toten, wer wird hier aus Wut von jemandem, der genau weiß was er tut, erschossen? Während Dominik Dornach und sein Team sich in Solothurn mit dem Kinderskelett, das auf der auf der Burgruine Balm, gefunden wird, auseinander setzen müssen, ist Jana Cranach dabei, wie ein Schlag gegen eine Terrorzelle in Genf misslingt. Täter entkommen. Verlagern sie sich womöglich direkt in die schöne Barockstadt im Aarautal, und machen damit Janas Aufenthalt dort zum Arbeitsurlaub? Stehen die Geflohenen mit der Hamadala Schweiz in Zusammenhang, denen auch der neue, dortige Iman Idris Hamsa aller Wahrscheinlichkeit nach angehört? Und was hat der Bombenanschlag auf das Büro des Oberrichters, der gerade ein umstrittenes Urteil gesprochen hat, bei dem Hamsas Ehefrau Verteidigerin war, auf sich? Eine Tat der Extremisten? Aber wie passt dann die Entführung seines Sohnes dazu, das passt doch nicht ins Schema der islamistischen Terroristen, oder doch?


Der Krimi ist sehr vielschichtig und anfangs musste ich, wie immer bei Christoff Grasser, meine grauen Zellen ganz schön anstrengen, um einen Überblick über die Fülle an Charakteren und deren Namen zu behalten, die eingeführt werden. Ein Krimi zum Abschalten ist das nicht, aber das will ich ja auch nicht, zudem hat sich das dann auch recht schnell gelegt, und ich war nur noch am Rätseln. Schnell ist klar, es gibt einen Handlungsstrang um einen Mord aus Rache an einem serbischen Kriegsverbrecher. Es gibt ein Kinderskelett, das plötzlich auftaucht und deutlich macht, dass bei dem als gelöst geglaubten Bubenfressermord, etwas ganz und gar nicht passt, und die Ermittler daher auf Trab hält. Zudem gibt es eine Briefbombe, die im Büro von Oberrichter Scheurer einschlägt und sein Sohn wird entführt. Nicht zu vergessen ist auch die Bedrohung durch islamischen Terror, die wie ein Damoklesschwert über der Handlung hängt und nicht nur Ermittlungen, sondern auch Privates prägt.


Wie immer ist auch ein kleiner Einblick ins Private dabei, der der Spannung nichts nimmt, aber alle Handelnden menschlich macht und damit die Story bereichert. Klar, dass sich z.B. die impulsive Pia wieder, teilweise kopflos wie immer, in die Ermittlungen einmischt und auch die Beziehungsfrage Dornach, Jana, Angela samt der Vergangenheit der beiden Damen spielt eine Rolle.


Der Autor besticht mit seinem einnehmenden, fesselnden Sprachstil. Die schnellen, gekonnten Perspektivwechsel verleihen der Story derart viel Fahrt, dass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte und mich im Rekordtempo durch die Seiten lesen musste. Der Autor hat mir bis zur letzten Seite durch zahlreiche Wendungen und neue Erkenntnisse Hochspannung geboten. Auch wenn diese an erster Stelle steht, darf man durchaus immer wieder schmunzeln. So kann schon sein, dass Rafik Dornach den guten Speck wegfuttert. Spritzige, schlagfertige Dialoge machen das Lesen ebenfalls zum Vergnügen, da kann auf die Frage „Du hattest eine Waffe bei dir?“ schon mal ein, „Denkst du ich gehe ohne Zähne zum Steakessen?“ als Antwort kommen. Gut haben mir auch Vergleiche der Art „Umgehe mich und meine Anweisungen weiterhin, und ich mache die dermassen die Hölle heiss, dass sich das Innere des Vesuv für dich anfühlen wird wie Ferien im Winter am Nordkap!“, die die Lage mehr als deutlich machen, gefallen.


Zentraler Ermittler ist  sicherlich der sympathische Hauptmann Dominik Dornach. Er ist nicht nur attraktiver Frauenschwarm, sondern auch die Art Chef, die man sich wünscht. Mit seiner menschlichen Art wittert er Stimmungen und schafft ein tolles Klima in der Truppe. Nicht so gut einschätzen kann er allerdings die Gefühle der Damenwelt, die um ihn buhlt. Staatsanwältin Angela Casagrande steckt meiner Meinung nach in einer tiefen Lebenskrise, die ihr dieses Mal ein wenig die Sinne für die Arbeit vernebelt, Töchterchen Pia ist wie immer so empathisch und impulsiv, dass die Dornach wieder jede Menge Nerven und Ärger kostet. Sie vergöttert Jana Cranch, die Frau die sich beim BKA dem Terror widmet, und auch mir gefällt sie, mit bzw. trotz dem schweren Päckchen aus der Vergangenheit, so richtig gut. Unter den Nebendarstellern fand ich Rene Howald, den Vater der des Kinderskeletts äußerst undurchsichtig, Casagrandes Exfreund Franco besonders hinterhältig und schmierig und überrascht hat mich am meisten Oberrichter Scheurer, aber auch alle anderen, und derer sind es einige, sind gelungen gezeichnet.


„Wie bei den Christen ist Allah ein Gott voller Liebe und Barmherzigkeit. Die Leute gegen die wir kämpfen, haben nichts mit seiner Lehre zu tun.“ Christoff Grasser hat bisher noch immer ein aktuelles, brisantes Thema aufgegriffen, dieses Mal ist es der Islamische Terror. Er lässt seine Protagonisten deutliche Kritik äußern, lässt sie interessante Informationen geben und Theorien entwickeln und trifft es damit wirklich perfekt. Gut gefällt mir, dass auch klar deutlich wird, „Ich will nur sicherstellen, dass wir uns auf unseren eigentlichen Feinde konzentrieren. Das sind nicht einfach alle, die einen Hidschab, Tschador oder eine Burka tragen und in Arabisch beten.“


Rosshuftsteak oder Cordon-bleu mit Greyezer, Köstlichkeiten beim Märtefescht, da würde mir die Auswahl schwer fallen, alles macht mir den Mund wässrig. Das Lokalkolorit ist bei dem Schweizer Autor wie immer auch perfekt getroffen. Da ermittelt man nicht nur in Solothurn und Umgebung, sondern es gibt auch die typischen Begriffe wie „Serviertochter“, „parkieren“ sowie „Gipfeli“ und „Weggli“ zum „Rapport“,


Alles in allem wieder ein höchst komplexer Krimi, der die grauen Zellen anstrengt, den Zeitgeist trifft, perfekt unterhält und sich von Anfang an mit jeder Seite mehr zum regelrechten Pageturner entwickelt.


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19 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

Gruppentherapie

Friedrich Kalpenstein
Flexibler Einband: 318 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 12.06.2018
ISBN 9782919800377
Genre: Humor

Rezension:

Schließlich ist Geld nicht das Wichtigste im Leben.“

Die geniale Herbert Reihe, seine schrulligen Rentner auf Wellnessurlaub, der Zweizeiler, bisher hat mich noch keines von Friedrich Kalpensteins Büchern enttäuscht, sondern ganz im Gegenteil, der Autor ist für mich Garant für witzige, gelungene Unterhaltung und jeder neue Roman ist für mich sowieso Pflichtlektüre. Auf Gruppentherapie habe ich mich schon besonders gefreut, haben mir doch seine Mallelieder, die von ihm komponiert und eingesungen, als Download erhältlich sind, damit man sich beim Lesen die Stimmung dazu holen kann, schon vorab richtig Lust darauf gemacht.


„Ich fliege jedes Jahr auf Malle, mit dem Gerd, dem Kalle, denn da trinken wir zusammen und die Leber steht in Flammen“…


Keine Angst, das ist nur ein schräger Text mit dem Sascha Klein, Bens Kumpel mit dem Tonstudio, in dieser Geschichte zwischendurch immer wieder für jede Menge Spaß sorgt. Dass Benny Biber besser selbst textet ist spätestens nach dem missglückten Anlauf als Seppl aus Monaco klar, inzwischen rockt Ben Valdern in seiner John Travolta Verkleidung den angesagtesten Partytempel der Insel. Allerdings ist das nur ein zweites Standbein, denn es gibt ja auch noch seinen Job als Architekt bei Zöllner & Zöllner, dem führenden Münchner Architekturbüro. 

„Seine Verkleidung hatte auch den Vorteil, dass er sich darin wie ein anderer Mensch fühlte.“ Ja zwei Menschen ticken in ihm. Er jattet zwischen Highsociety, klassischem Musikabend, Geld regiert die Welt, Clarissa, der eiskalten, besitzergreifenden und materialistischen Ehefrau in spe und Schlagerträllern, Döner, Bier und Eva, der unkomplizierten Barfrau, bei der man sich gehen lassen kann, hin und her. 


Als Leser ist man mit Ben unterwegs, darf sich mit ihm im Universum als Partyheld feiern lassen, darf sich mit Eva vergnügen und klar ab und an muss man auch für neue Lieder sorgen. Zweimal die Woche abends mit dem Flieger hin und an am nächsten Morgen wieder zurück, das macht Stress, nicht nur der Flug und der mangelnde Schlaf. Es gilt nämlich in München auch ein super Einkaufscenter-Projekt zu planen, Clarissa, die Tochter des Chefs mit Ausreden hinzuhalten, weil die natürlich nichts von dem zweiten Standbein erfahren darf, sich mit ihr auf Empfängen zu tummeln und die eine oder andere heiße Nacht zu verbringen, denn „Langweiler heißt dein Virus. Aber ich kann dir nur sagen: Dir entgeht was!“, Migräne und Grippe zählen bei ihr nicht. Warum es dann irgendwann für Ben heißt als „befände ich mich in einer Gruft, in der alle Intrigen und Niederträchtigkeiten der letzten Jahrzehnte … begraben waren.“ und für welches Leben er sich entscheidet, das wird hier natürlich nicht verraten.


Der spritzige Sprachstil des Autors macht das Lesen zum großen Vergnügen und die Seiten fliegen wie immer, viel zu schnell dahin. Auf Malle und in München sprudelt nur so an Situationskomik, wenn ich nur alleine an den perfekt ausgerüsteten Sascha bei Recherchen oder das große Vergnügen, wenn Clarissas Vater mit seiner Geige loslegt, denke, kann ich jetzt noch lachen. Toll doch auch, wenn man im Flieger den Junggesellen erkennt, der einem im Dirndl schon mal einen Döner an den Kopf geworfen hat. „Spielst du eigentlich Tamburin? - Aber nur, wenn ich auf Ibiza mit einem Joint im Mundwinkel angezwitschert ums…“ Clarissas Schwester Tina ist nicht auf den Mund gefallen und gemeinsam mit den unzähligen guten Sprüchen von Sascha und seinen Liedtexten gibt es hier mehr als genug zu lachen. Es wird aber auch tief in der Gefühlekiste gegraben, ich habe so gehofft, dass er sich richtig entscheidet, und nicht gilt, „Und die Liebe? Die ist vielleicht wirklich nur eine Erfindung irgendwelcher Fantasten, die sich in irgendwelche Traumwelten flüchten, nur um der Realität nicht in die Augen sehen zu müssen.“ Ein gutes Stück Spannung, schließlich geht es darum zu erfahren, welches Lied Clarissa und ihr Vater spielen, kommt zum perfekt geschnürten Gesamtpaket noch dazu.


Ben führt zwei Leben, weil er sich nicht zwischen Architektur und kräftezehrender Künstlerkarriere, die so schnell zu Ende sein kann, entscheiden kann. Dafür hatte ich vollstes Verständnis. Seine Doppelbeziehung hinsichtlich der Damenwelt hat ihn allerdings nicht unbedingt zu meinem Traummann gemacht, muss er aber auch nicht sein. Die eiskalte Clarissa war mir von Anfang an unsympathisch. Hübsch, reich und die Tochter vom Chef, na die stupst man nicht von der Bettkante, Männerdenke halt. Als Frau konnte ich nicht so ganz verstehen, warum er sich nicht von ihr losreißt, denn „Wahrscheinlich hätte die sich als Kind selbst zur Adoption freigegeben, wenn ihr Vater nicht ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen wäre.“ „Eva war jedenfalls anders. Sie strahlte eine Wärme aus, wie er sie bei Clarissa noch nicht erlebt hatte.“, die mochte ich so gern und was hätte ich mir gewünscht, dass er sich mehr auf sie konzentriert. Super gut gefallen haben mir Tina, Clarissas Schwester mit der vorlauten Klappe und auch Sascha, der Ben stets die Stange hält, auch wenn er ihn schon mal unüberlegt in Schwierigkeiten bringt. Die beiden sind wie alle anderen Nebendarsteller toll gezeichnet.

 

„Sänger auf Mallorca zu sein, war knallharte Arbeit. Und die wurde Nacht für Nacht neu bewertet. Keine Vorschusslorbeeren, kein Bekanntheitsbonus.“ Ben genießt die Begeisterung der Massen, lässt sich feiern, hat Erfolg und dass ihm das gefällt, ist mehr als verständlich. Der Autor vergisst aber zum Glück auch nicht zu betonen, dass dies keineswegs selbstverständlich ist. So schaffen es manche eben nur, wenn es „vor und nach dem Auftritt ein wenig schneite“ und manche müssen sich sehr unter Wert verkaufen für ein wenig von dem guten Gefühl auf Zeit.


Alles in allem wieder ein witzig, spritzig und perfekt unterhaltender Roman aus der Feder von Friedrich Kalpenstein, der seine fünf Sterne mehr als wohlverdient bekommt.


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gedanken, glück, leben, momente, prioritäten, vergebung

Das Leben ist zu kurz für später

Alexandra Reinwarth
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei mvg, 14.05.2018
ISBN 9783868829167
Genre: Sachbücher

Rezension:

Wie oft ist aus dem Poesiealbum Spruch „Carpe Diem“ aus Kindertagen ein Frohsein, wenn man das „Leben einigermaßen hinbekommt, wenn man sich über die kleinen Dinge erfreuen kann.“ Ja so ist es auch bei mir, der Alltag läuft und ich bin grundsätzlich eigentlich ganz zufrieden mit meinem Leben, doch ab und an auch sehr in meinem Hamsterrad gefangen, Freunde, der Genuss kommt aus Pflichtgefühl oft zu kurz und deshalb war ich sehr gespannt auf das Experiment der Autorin.


Diese hat sich nämlich nach einer erneuten Krebsdiagnose einer Bekannten ein fiktives Sterbedatum gesetzt. Was wäre, wenn ich nur noch ein Jahr zu leben hätte? Und genau von diesen Erfahrungen berichtet sie in ihrem Ratgeber, der mich zweigespalten zurücklässt.


Wirklich gut gefallen hat mir, ihr absolut locker, spritziger Schreibstil, sodass sich das Ganze wie ein Roman liest, der einfach auch nur amüsant unterhält. Ich konnte über so manche Szene schmunzeln, habe bei Wortschöpfungen oder dem einen oder anderen pointierten Spruch mit einem Grinsen gelesen. Man muss sich auf gar keinen Fall durch die Seiten kämpfen, auch wenn der Inhalt vielleicht nicht ganz so überzeugt, wie es bei mir der Fall war.


„Wie, Wo mit Wem und von Was… will ich leben.“, sind laut Autorin die vier Säulen des Daseins, die man überprüfen, seinem Herzen folgen und auch umgestalten muss. Man sollte sich nicht mit kleinen Dingen ablenken, weil einem der Mut für das Große fehlt. Ein Beruf, in dem ich totunglücklich bin, käme für mich auch nie infrage, klar da lieber weniger verdienen. Aber das hört sich alles toll an, ist meiner Meinung aber auch leichter gesagt als getan und ich bin der Meinung, dass vieles bei ihrem Experiment nur geklappt hat, weil ihr Umfeld stimmt. Denn, „Als ich Anne erkläre, dass ich sie möglichst oft sehen will, weil ich in meiner imaginären Welt nächsten Februar hops gehe, entgegnet sie trocken: Ja aber ich doch nicht! Und schmeißt mich raus.“, ist der einzige Satz in diesem Buch, der ihren Plänen und Ideen deutliche Grenzen von außen zeigt. Sie kann es sich leisten weniger zu arbeiten, um mehr Zeit mit ihrem Kind zu verbringen, sie hat eine Familie und Freunde, die sie unterstützen, wenn es darum geht den Traum vom eigenen Bed and Breakfast zu verwirklichen, sie hat einen Mann, der sich nach fünfzehn Jahren gemeinsamer Hütte auf zwei Wohnungen einlässt, klar ist das erfrischend für die Beziehung, sie träumt von einem teuren Ring, erkennt dann, dass den zu kaufen nicht wirklich glücklich macht, verzichtet und bekommt ihn von ihren Freunden geschenkt. Wer hat schon solche, die einem zudem nicht krumm nehmen, wenn man ihnen Sätze „Was bist du eigentlich für ein gefühlskalter Arsch!“ vor den Latz knallt.


Die Autorin relativiert zwar immer wieder, zumindest versuchen muss man es und man kann auch scheitern,  und warnt auch „Es reicht nicht, sich gegen etwas zu entscheiden, das man nicht will. Man muss sich für etwas entscheiden, was das Herz will!“, aber grundsätzlich läuft für sie alles so glatt, dass man hier auf keinen Fall ein Ideal oder eine Anleitung finden kann, die man auf sich als Leser einfach übertragen kann.


Ich habe in den vergangenen Jahren Freunde bereits aussortiert, lebe in einer Wohnung, in der ich mich rundherum wohlfühle, habe einen Job, zu dem ich mich nur gelegentlich Montagmorgens einmal schleppen muss, grundsätzlich aber gerne gehe. Ich hatte mir erhofft auch kleine Dinge zu finden, die ich einfach in meinen Alltag einbeziehen kann, denn ich teile ihre Meinung, man darf auf keinen Fall bei allem was Großes und Tolles zu planen vergessen, den Augenblick zu genießen. Bei kleinen alltagspraktischen Tipps bin ich eher weniger fündig geworden, auch wenn ich einige Gedanken sehr inspirierend fand. „Alles bewusster und nicht mit Gedanken bei anderen Dingen zu erledigen“, ist sicher ein solcher, um den ich mich auf jeden Fall in nächster Zeit, bevor mich der Alltag wieder überrollt, halten möchte. Auch wenn mir etwas am Herzen liegt, dies sofort aussprechen, Gefühle offen legen, keine unsichtbare Wand bauen, klar das nehme ich mir allerdings schon lange vor, bisher klappt das eher mäßig. Auch bei „Vielleicht sagt er Ja, vielleicht sagt er Nein - Schmerz oder Glück, das ist das Risiko, das ist Leben! Es ist doch bessere beides zu fühlen statt vorsichtshalber lauwarm auf halb acht herumzueiern.“, ist mir durchaus bewusst, dass sie so recht hat, aber mehr Mut zu haben, nicht von Versagensängsten gehindert zu werden, ist auch einfacher gesagt, als getan, aber vielleicht hilft ja der Gedanke nur noch wenige Tage oder Wochen leben zu dürfen wirklich, ich werde es testen.


„Wir wissen natürlich, dass wir irgendwann in die Grube fahren, wie sind ja nicht bescheuert – aber im Alltag wird dieses Wissen im Hirn ganz hinten aufbewahrt, wo man es, wenn nötig zwar findet, aber wo man eben auch nicht permanent darüber stolpert. Und dann benehmen wir uns weiterhin so, als wären wir unsterblich.“ Ob man sich unbedingt eine selbst entworfene Sterbeanzeige aufhängen muss, bleibt wohl jedem selbst überlassen. Aber der Gedanke daran, dass einen das Zeitliche segnen wird, hilft dabei ein paar Dinge geradezurücken, darin stimme ich der Autorin zweifelsohne zu und ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, mir dies in Zukunft auf jeden Fall viel öfters vor Augen zu halten, ganz besonders, wenn ich mich über etwas ärgere oder aufrege. Wenn ich damit den einen oder anderen Nerv sparen kann, hat sich die unterhaltsame Lektüre ja auch auf jeden Fall gelohnt und ich vergebe noch vier Sterne für einen vergnüglichen Ratgeber, der das Rad allerdings auch nicht neu erfindet.


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Das Glück ist ein flüchtiger Vogel (Familie Pauly-Saga, Band 1)

Anne Stern
Flexibler Einband: 247 Seiten
Erschienen bei Independently published, 04.05.2018
ISBN 9781980919421
Genre: Sonstiges

Rezension:

 „Ich wünschte nur ich wäre keine Frau. Wir sind wie Vögel in einem Käfig. Ja meiner ist goldener, man streut mir jeden Tag feinstes Futter hinein, aber ich sehe die Welt nur durch diese glitzernden Gitterstäbe.“ Margarete lebt in der Villa am Wannsee, vor allem wenn man das krisengeschüttelte Berlin der Weimarer Republik im Auge hat, eigentlich ganz vorzüglich. Eine gute Ausbildung, Wohlstand und Luxus sind im Überfluss vorhanden und trotzdem fühlt sich die junge Pianistin inzwischen der Berliner Bohème, die sich bei Empfängen die Klinke in die Hand gibt, nicht wohl in ihrer Haut. Sie will mehr vom Leben, will Achtung und vor allem geht ihr dieser unbekannte Arbeiter mit dem attraktiven Lachen, der ihr bei ihrem verbotenen nächtlichen Ausflug in die angesagte Kneipe „Mulacke“ über den Weg gelaufen ist, nicht mehr aus dem Kopf.


Als Leser begleitet man Margarete Pauly, zeigt sich auf Empfängen, testet den einen oder anderen Mann, gibt Konzerte und schließlich tingelt man mit ihr auch zwischen privilegiertem Leben und dem „Scheunenviertel“, dem jüdischen Armenghetto, aus dem Eli stammt, hin und her. Sie muss sich entscheiden, denn: „Mir musste nichts vormachen Püppchen. Du hast dir doch nich vorjestellt mit so einem dat janze Leben deine Frühstückseier zu löffeln, hab ick recht?“ sind Käthes Worte, als sie von Margaretes Verlobung mit dem reichlich reservierten Jakob Löw erfährt. Sein Vermögen soll die Privatbank ihres Vaters retten, der sich verkalkuliert hat. Wird die Liebe oder die Vernunft siegen?

„Kann es sein, dass ich nur dieses armselige Körperchen bin, voller blauer Flecke und zerkratzt wegen der Bettwanzen und Flöhe, die uns die Nächte zur Hölle machten?“ Für Spannung und große Betroffenheit sorgen zudem kursive Einschübe, die von den schrecklichen Zuständen in einem Kinderheim in Reinberg aus dem Jahr 1939 berichten. Ein misshandeltes Mädchen auf der Suche nach ihren Wurzeln, nach ihrer Identität.  

 

Ich musste mich zuerst etwas an den sehr ausladenden Schreibstil gewöhnen. Ich war hin- und hergerissen. Einerseits fand ich die zahlreichen Bilder und sorgfältigen, detailgetreuen Beschreibungen großartig, weil sie mich direkt in die Szenen versetzten. Ich konnte mir alles ganz genau ausmalen, war so wirklich mittendrin im Berlin der Zwanziger Jahre, anderseits aber musste ich mich sehr konzentrieren, dass ich die Handlung, die fast im Hintergrund läuft, nicht verpasse. Aber dran gewöhnt, damit Frieden geschlossen, dass es sich hier mehr um eine grandiose Gesellschaftsstudie der Zeit handelt und der Tatsache, dass es auch weniger ausladend wurde, hat mich die Geschichte wirklich gefesselt und ich hatte tolle Unterhaltung. Gut gefallen hat mir auch, dass ich ab und an schmunzeln durfte. „Hielt er das für eine akzeptable Kussgtechnik?“ kann einer Margarete schon mal nach einem misslungenen Schmatzer durch den Kopf gehen oder der eine oder andere Herr verspürt "keinen Wunsch von so einer Vogelscheuche den Hintern blutig schlagen zu lassen".


Margarete konnte bei mir nicht die größten Sympathien ergattern, was mir allerdings mein Lesevergnügen nicht getrübt hat. Sie ist authentisch gezeichnet und das ist das Wichtigste. Sie ist verwöhnt, stellt Ansprüche und tut Dinge, die ich ihr im Heute sicher sehr ankreiden würde. Um den Finger gewickelt hat mich auf jeden Fall der smarte, liebenswürdige Eli, und dass Margarete ihm nicht widerstehen konnte, ist mehr als verständlich. Die Liebesgeschichte handelt von den beiden, aber auch alle anderen Nebendarsteller sind gelungen gezeichnet, bei Margaretes Mutter angefangen, die gerne die Augen vor der Realität verschließt, über das „wandelnde Brechmittel“ Benjamin Levy, dem das Schicksal zum Glück die Grenzen zeigt, bis hin zu Pförtner Friedrich, der in der Sing Akademie nach dem Rechten schaut. Erwähnen, weil er meine Wut so geschürt hat und ich oft entsetzt war bei Worten wie „Eine Stute ist nur so gut, wie ihre Zuchtlinie“, „sie muss zugeritten werden“, muss ich noch Margaretes Vater.



Hier wird das Berlin der Zeit mit all seinen Facetten, bei der Hinterhofkneipe angefangen, die für alle Gesellschaftsschichten offen steht und Platz für käufliche Liebe bietet, angefangen, über Straßenzüge, die für die Ärmsten der Armen reserviert sind, bis hin zu den Empfängen der Berliner Bohème, bei denen Geld keine Rolle spielt, oder dem Cafe Josty, dem Literaturtreffpunkt, in dem es ums Gesehen-werden geht, dargestellt. Diese Vielfalt hat mir sehr gut gefallen. „Die alte jüdische Tradition war weiß Gott nicht vereinbar mit weiblicher Emanzipation. In einer Ehe gab es unumstößliche Regeln, die dafür sorgten, dass kein Chaos ausbrach.“ Auch äußerst gelungen, werden die verschiedenen Rollenbilder der Frau aus der Zeit gezeichnet. So sind die genügsame Ehefrauen, die in ihrer Rolle aufgehen oder die sie zumindest leben, aber auch diejenige, die von Freiheit träumen, vertreten. Auch wenn in der Villa am Wannsee noch relativ wenig von Antisemitismus zu spüren ist, ist sich Margarete ihrer Wurzeln bewusst und auch das schreckliche Los der jüdischen Bevölkerung wird im Scheunenviertel ganz besonders grausam deutlich. Die Autorin versetzt wirklich mehr als gelungen in Zeit und Ort. 


Alles in allem ein wirklich toller Ausflug ins Berlin der Zwanziger Jahre, der aber wegen dem für mich im Lesefluss etwas holprigen Beginn, keine ganzen fünf Sterne mehr von bekommt, 4,5 wären ideal. Aber vielleicht sind die bei der Fortsetzung, die ich jetzt schon sehnsüchtig erwarte, ja schon drin.

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42 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

band 2, fortstzung, paris, raisin

Mein wundervoller Antikladen im Schatten des Eiffelturms

Rebecca Raisin , Annette Hahn
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 18.05.2018
ISBN 9783352009112
Genre: Romane

Rezension:

Anouk hat sich in Paris als Antiquitätenhändlerin einen Namen gemacht und auch wenn sie Reiseführer vielleicht verspotten, sie verkauft nicht an jeden. „Einem Stück Vergangenheit eine passende Zukunft bescheren“ das ist ihre oberste Maxime und Käufer müssen ihrer ausgewählten Stücke würdig sein. Neue Kunden brauchen eine Empfehlung. Nicht ganz so vorsichtig war sie bei der Wahl ihres letzten Freundes, der sie bitter ausgenommen und hintergangen hat. Seitdem hat sie den Männern abgeschworen, schließlich muss sie ja auch ihr Geschäft erst wieder aus der finanziellen Schieflage holen. Doch dann läuft ihre der smarte Amerikaner Tristan mit seiner einnehmenden Art über den Weg und plötzlich gilt: „Es war als würde in seiner Gegenwart jeder vernünftige Gedanke aus meinem Gehirn getilgt und mein Mund von ganz allein sprechen.“ Wenn er nur nicht stets zur falschen Zeit am falschen Ort sein würde, wenn die Zweifel nicht so groß wären,… Wird im Paris, der Stadt der Liebe, diese auch siegen können?


Als Leser begleitet man Anouk in ihrem Leben. Man besucht Versteigerungen, begleitet sie bei Verkäufen, muss sich über Exfreund Joshua ärgern, der ihr immer noch keine Gelegenheit auslässt ein Bein zu legen. Man darf Tristan kennenlernen, sich fast in ihn verlieben, muss dann aber zweifeln. Man darf mit, wenn es gilt, mit dickem Nachtsichtgerät vor Augen und Kamera an der Stirn, den mysteriösen Postkartenräuber bzw. Tristan, wie Anouk befürchtet, zu überführen und man darf an ihrem Familienleben teilhaben. Ihre Mutter quartiert sich ein, denn „Ich habe nicht jeden Cent für eure Ausbildung gespart, damit ihr euch am Ende nicht richtig ausdrücken könnt. >Richtig verlassen< – als ob es ein falsch verlassen gäbe.“, sie braucht eine Auszeit von Anouks Vater. Auch ihre Schwester Lilou hat beschlossen Miete zu sparen und macht sich samt Freund in ihrer Wohnung breit.


Dies ist mein erster Roman der Autorin und wird sicher nicht mein letzter bleiben, auch wenn ich vielleicht inhaltlich nicht mit allen Wendungen gegen Ende hin hundertprozentig glücklich war. Ihr locker, lässiger Schreibstil liest sich wirklich ganz wundervoll und die Seiten sind nur so geflogen. Ihre spritzigen Formulierungen, die spitzen Dialoge, der Witz und der Esprit, den sie den Charakteren verleiht, haben mich wirklich begeistert. Ich konnte unheimlich viel schmunzeln, was immer willkommen ist und auch andere Emotionen wie Wut und Mitleid haben nicht gefehlt.


Anouk, mit ihrer Verliebtheit in die Vergangenheit, mit ihrer Leidenschaft mit der sie ihren Beruf ausübt, war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist super gutmütig, wird daher auch leicht ausgenutzt und kann wohl nicht so wirklich unterscheiden, wer es gut und wer es schlecht mit ihr meint. Durchsetzen ist ein Fremdwort für sie. Auch wenn ich sie ab und an schütteln hätte wollen, hatte ich sie richtig gerne. Schütteln, das hätte wohl auch ihre Schwester Lilou das eine oder andere Mal gerne gemacht. Sie hat mir besonders gut gefallen, weil sie die Dinge ohne Blatt vor dem Mund und mit spitzer Zunge ausspricht und ihr nicht nur den Tipp „Reizwäsche entfusseln“ mit auf den Weg gibt. Ihrer Spritzigkeit steht auch die Mitte 70 Dame Madame Dupont nicht nach, ebenfalls ein großer Gewinn für die Geschichte, denn, „Wenn Sex den Menschen jung hielt, so hatte das bei Madame mit Sicherheit funktioniert, aber es schien ihr Moralsystem auch kräftig durcheinander gebracht zu haben.“ Tristan ist sicher ein sehr attraktiver Mann, der mich bestimmt auch mehr als schnell um den Finger gewickelt hätte. Wer hätte nicht gerne einen, der stets weiß was man braucht und zudem noch so göttlich kocht. Aber auch die anderen Nebendarsteller sind gelungen gezeichnet, bei ihrer Mama angefangen, die wenn Tristan zum ersten Mal in der Tür steht laut, „Ma Cherie! Du hast einen Verehrer? Na endlich!“ verkündet und inmitten Pariser Köchen auflebt, bis hin zum stolzen Papa, der lieber die Hütte anzündet, anstatt sich zu entschuldigen.


„Das Leben ist so kurz. Deshalb schlafen wir Franzosen gern aus, nehmen eine lange Mittagspause, trinken Wein zu den meisten Mahlzeiten – das tägliche Leben sollte nicht gehetzt und unter Druck ablaufen, es sollte genossen und gefeiert werden, jede einzelne Minute.“ Auch wenn Anouk viel arbeitet, ist die Liebe zum Genuss stets zu erkennen, einen guten Kaffee mit Petit Fours den „essbaren Kunstwerken“ aus Jean-Claudes Confiserie, Wein und Champagner zu Zwiebelsuppe oder Käsecreme, oder ein besonderes Eis in einer tollen Passage, geschlemmt wird hier genug. Auch die bunten Streifzüge durch Paris, der Blick auf den Eifelturm und all der Flair, der zu dieser Stadt gehört, wird wirklich toll transportiert.


Alles in allem hatte ich wirklich tolle Unterhaltung und auch wenn die Geschichte für mich gegen Ende hin ein paar Seiten Durchhänger hatte, vergebe ich wegen spritzigem, mitreißenden Schreibstil, toller Atmosphäre und vielem Schmunzeln beim Lesen noch fünf Sterne für diesen Roman zum vergnügt wegträumen.


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77 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

diagnose krebs, insel spiekeroog, journalistin, julie peters, kleine buchhandlung, mein wunderbarer buchladen am inselweg, ornithologe, peters, traumata, vater und tochter

Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg

Julie Peters
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.05.2018
ISBN 9783746634135
Genre: Liebesromane

Rezension:

Die Tickets nach Boston sind gebucht und der Tag des Abschieds in der Redaktion des Hamburger Magazins „Komet“ ist gekommen. Doch bevor Frieke sich mit ihrem Freund Harald in den USA niederlassen und mit einer Agentur selbstständig machen kann, soll sie für ihren Chef Florian einen letzten Auftrag übernehmen. In drei Tagen maximal erledigt, soll sie Ornithologe Bengt Gerjets, der ohne Internet und Telefon auf Spiekeroog in einem Bauwagen haust und die Brandseeschwalbenkolonie erforscht, interviewen. Twitterqueen Frieke trifft auf den technophoben Vogelkundler, sie ist einfach die Richtige dafür. Oder hat Florian, der ihr auch guter Freund ist, einen Hintergedanken? Hat der Auftrag etwa etwas mit dem Leserbrief zu tun, der davon berichtet, dass sich ihr leiblicher Vater auf der Insel aufhält. Den will sie doch nach über dreißig Jahren, in denen er sich nicht um sie gekümmert hat, überhaupt nicht kennenlernen! Trotzdem macht sie sich auf nach Spiekeroog für einen letzten Artikel in „Frieke-Prosa.


Als Leser darf man mit Frieke auf die Reise gehen, Nordseefeeling erleben und Gefallen an der schönen, beschaulichen ostfriesischen Insel gewinnen. Man erfährt warum Ebba, die Buchfee, nach einem kurzen Blick auf sie meint „Es ist gut, dass Sie hier sind. Weil sie hierher gehören. In die kleine Inselbuchhandlung.“ Man muss sich mit Frieke darüber klar werden, ob das mit Harald und vor allem in Boston überhaupt eine Zukunft hat. Man darf natürlich auch mit, wenn  ein „schickes Weibchen aus der Großstadt“, versucht einen knauzigen Vogelkundler zu interviewen, der dies aber nur unter der Bedingung: kein Smartphone, keine Digitalkamera und kein Computer, erlaubt und daher alles andere als einfach macht. Es gilt zudem zu erfahren, was aus der zufälligen kurzen Begegnung mit ihrem leiblichen Vater, bei der es nicht zu mehr als „Du bist Frieke“ – „Und du Ole“, reicht, wird.


Ich liebe die Nordsee, ich liebe Bücher und Lesen, ich brauche ab und an auch mal eine Auszeit von Smartphone und Co und so hat die Autorin mit ihrer Geschichte in mir, schon vom Inhalt her, genau den richtigen Leser gefunden. Aber auch ihr lockerer, flüssige Schreibstil hat dazu beigetragen, dass ich mich  so richtig auf die Insel wegträumen konnte. Ich habe gebibbert, dass sich Frieke und ihr leiblicher Vater noch aussöhnen, bevor ihn der Krebs zerfrisst, ich habe gehofft, dass sie sich von Roman trennt, dass sie ihrem Herz und ihrer Leidenschaft nachgibt und dort glücklich wird. Sehr gut hat mir gefallen, dass ich auch immer wieder schmunzeln durfte. So kann auf die Bedingung keinen Computer zum Tippen des Artikels schon von Rieke kommen, „Wie soll ich denn sonst schreiben? Mit dem Füller auf handgeschröpften Blütenpapier mit Wasserzeichen?“ Gut gefallen haben mir auch amüsante und zum Inselfeelig passende Umschreibungen wie, „Okay, der vernünftige Teil von ihm, der teil, der dafür sorgte sollte, dass er sich nicht länger um Kopf und Kragen redete, hatte eindeutig gerade Urlaub auf dem Festland.“


Frieke war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist eine Kämpferin, gibt nicht vorschnell auf und das hat mir imponiert. Ich konnte mich super gut in sie hinein fühlen, auch wenn ich keine Twitterqueen bin. Wobei ihre Smartphone Sucht ja auch einen Grund hat. Ein einnehmendes Wesen hat sicher der Ornithologe Bengt und ich könnte mir vorstellen, dass er mich mit seinem besonders leckeren Kaffee und seiner Art auch sehr gereizt hätte. Mein Mitleid hat der schwer kranke Ole Hansen erregt. Auch die Nebendarsteller sind gut gezeichnet, bei Ebba angefangen, die wie Frieke die besondere Büchergabe hat, bis hin zu Emma, der Freundin, auf die man rund um die Uhr zählen kann. 


Julie Peters arbeitete einige Jahre als Buchhändlerin, das wäre auch immer ein alternativer Traumberuf für mich gewesen. Ihre Leidenschaft fürs Lesen, für Bücher ist im Roman deutlich zu erkennen und wäre ich nicht schon ein Büchernarr hätte sie mich zweifelsohne angesteckt. Auch ihre Belesenheit hat mir gut gefallen.


Ich habe mich in der langsamen, unaufgeregten Geschichte richtig entspannen und wohlfühlen können. Ich hatte fast den Eindruck, dass die Autorin mit ihrem Erzähltempo die Ruhe und Gelassenheit der autofreien Insel eingefangen hat. Salzwiesen, Strand, salzige Luft und natürlich auch Scholle auf dem Teller sind ebenfalls zu finden. „Alle Geheimdienste der Welt waren nichts gegen die eingeschworene Dorfgemeinschaft, die alles teilte“, auch der Inseltratsch fehlt nicht und so habe ich den Roman als perfekten Spiekeroog Ausflug empfunden.

 

Alles in allem eine toller Inselroman, der mit sympathischen, einnehmenden Charakteren, eine Geschichte um Liebe, Familiensinn und die Liebe zu Büchern erzählt und mich wirklich sehr gut unterhalten hat.

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

dt autor, familie, familiengeheimnis, farben, frankreich, geheimnis, gemälde, gregg, italien, jule jensen, kunst, künstlerin, liebe, malerei, sommer

Der Sommer der blauen Nächte

Stefanie Gregg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 18.05.2018
ISBN 9783746634111
Genre: Romane

Rezension:

Stefanie Gregg hat mich mit „Mein schlimmster schönster Sommer“ wirklich begeistert, deshalb war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman. Allerdings konnte sie mich mit ihren blauen Nächten nicht wirklich gefangen nehmen. Möglicherweise waren meine Erwartungen zu groß, oder ich einfach nicht die perfekte Zielgruppe.


„Ja, das war Marie. Diese Intensität. Wenn sie einen wahrnahm, dann so ganz. So absolut und ohne jede Ablenkung. Das war das Besondere an ihr, und das hatte Jule auch geliebt. Wenn Marie einen ansah, fühlte man sich wahrgenommen, akzeptiert, geschätzt.“ Obwohl die Künstlermama oft in Träumen gefangen war, alles um sich herum vergaß, auch die Familie, wenn sie für sie da war, dann so ganz. Jule hat ihre Mutter vergöttert, die Liebe ihrer Eltern war perfekt für sie. Nun muss Jule nicht nur ihre Mutter zu Grabe tragen, sondern auch erkennen, dass sie jahrelang in einer Wunschvorstellung gelebt hat. Ihre Mutter ist ihr plötzlich ganz fremd und was hat es mit den Bildern des fremden Mannes in ihrem Schatzkästchen auf sich? Sie muss dem Geheimnis auf die Spur kommen und deshalb beschließt Jule an die Orte zu reisen, an denen ihre Mutter glücklich war und auch so oft alleine gemalt hat. Welches Leben wollte Marie nicht mit ihrer Familie teilen?


Als Leser muss man mit Jule deren Mutter Marie zu Grabe tragen und wird dann im Nachlass fündig. Der Job gekündigt, ein überraschendes Erbe und so sind Zeit und Geld vorhanden, dass sich Jule auf die Reise machen kann um die Welt ihrer Mutter zu erkunden. Man darf mit nach Italien, trifft auf Menschen, die alle von Marie schwärmen. Langsam wird auch ihr Geheimnis gelüftet. Man muss viel mit Jule hadern, ihre Wut ertragen. Zwischendurch gibt es auch immer wieder Treffen mit dem attraktiven Ben, den Jule in einer Bar aufgegabelt hat, und bevor die Geschichte dann in München endet, darf man auch noch nach Frankreich reisen.


„Am Anfang der Welt fielen unzählige Kugeln auf die Erde. Doch dort zersprangen sie in zwei Hälften. Jede dieser Halbkugeln sucht nun sein Gegenstück. In dir habe ich meine Kugelhälfte gefunden.“ Es sind durchaus schöne, besondere Sätze und Wendungen zu finden. Der lockere Sprachstil der Autorin liest sich auch flüssig, leicht, eigentlich die besten Voraussetzungen zum Versinken und Abschalten, zum einfach wegträumen. Im Prolog und im zweiten Teil gibt es zusätzlich immer wieder Einschübe, die aus der Sicht von Marie berichten und davon erzählen, wie sie ihren Romeo kennen- und lieben gelernt hat, und wie sie mit dieser Liebe gelebt hat. Hier finden sich viele poetische Wendungen, Gedankengänge, künstlerisch geprägt, die zeigen, dass die Autorin schreiben kann.


Mein größtes Problem war wohl einfach, dass ich mich mit Jule so gar nicht identifizieren konnte. Ich habe ihr Dilemma nicht verstanden. Für mich hat eine Mutter auch ein Recht auf Gefühle. Warum sich Jule so betrogen fühlt, dass sie gar niemandem vertrauen kann, leuchtete mir schlicht nicht ein und ich konnte mich daher auch nicht in sie hinein fühlen. Eine Mutter, die sich in einen anderen Mann verliebt, trotzdem aber bei der Familie bleibt, für diese auf die absolute Liebe verzichtet, kann man so jemanden einen Vorwurf machen? Ich nicht. Ben ein toller Mann, der sich sogar ins Auto setzt, nach Italien braust, weil sie auf ihren AB spricht, dass es ihr nicht gut geht. Worin sie mögliche Unzuverlässigkeit gesehen hat, war mir ebenfalls ein Rätsel. Weil er sie barfuß über eine Weise gehen hat lassen? Jules Unzufriedenheit ist mir beim Lesen immer mehr aufgestoßen, auch die weiteren Wendungen konnten mich dann leider nicht mehr begeistern, ich habe sie eher als oberflächlich und aufgesetzt empfunden. Eine Therapeutin, die sich von einer siebzehnjährigen Patientin, die spontan mit nach Frankreich reisen darf, sagen lassen muss, was zählt im Leben, das hat mein schlechtes Bild von Jule eher noch verstärkt und war für mich auch zu weit hergeholt, was nur ein Beispiel dafür ist.


Regionalkolorit aber ist zweifelsohne vorhanden. „Nirgendwo hatte sie wundervollerer Farbtöne gesehen als bei diesen bunten Häusern hier, die wie Spielzeughäuser eng aneinander gebaut ihre Farbpracht darboten: gelbe Häuser, ockerrote, leicht rosafarbende, orangene und verstreut ein paar himmelblaue. Als ob die Stadt einer wunderschönen Kinderzeichnung nachgebaut worden wäre.“ Wie eine Malerin zeichnet die Autorin wundervolle Bilder, die den Leser vor Ort versetzen. Ich hatte das Gefühl nicht nur „Sie steckte die Nase in die Luft, und sog den Duft von lauter Sonne, Meer und Salzluft ein. Wie wundervoll.“, sondern auch ich. Auch die Köstlichkeiten der italienischen Küche fehlen nicht, im italienischen Mamarola hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Im verregneten Frankreich, in dem der dritte Teil spielt, eher weniger.


Lobend erwähnen möchte ich noch das Layout. Die angenehm große Schrift, macht ein entspanntes Lesen abends auf dem Sofa möglich. Gut gefallen haben mir auch die zahlreichen kleinen Seesterne, Muscheln oder auch Möwen, kleine Vignetten, die sich nicht nur zu Kapitelbeginn auf den Seiten tummeln.


Alles in allem ein Roman, der mich leider nicht gefangen nehmen konnte, dem ich eigentlich drei Sterne geben würde, der aber aufgrund der tollen Wendungen, Sprachbilder, dem angenehmen Sprachstil und dem gelungene Italienaufenthalt noch vier bekommt.

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29 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

ausreißer, deutsch, deutscher, italien, jugend, karl, meer, muttertochterkonflikt, mutter-tochter-konflikt, probleme & krankheiten, psychischekrankheiten, psychische krankheiten, roadtrip, road trip, roman

Blanca

Mercedes Lauenstein
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.05.2018
ISBN 9783351037017
Genre: Romane

Rezension:

„Bevor wir irgendwo verschwanden kam immer der Traum. Sie träumte, dass jemand oder etwas ihr befahl zu gehen. Und zwar sofort.“ Blancas Mutter hält es kaum länger als Tage oder Wochen am selben Ort aus und so bedeutet Leben für die beiden „tagaus hin und her zu rasen, ohne jemals wirklich anzukommen“. Davon hat die Fünfzehnjährige die Nase voll und nach einem furchtbaren Streit mit ihrer Mutter, packt sie ihre Tasche, nimmt sich Geld und macht sich auf den Weg. Einen Sommer vor Jahren war sie glücklich, hatte mit ihrer Mutter, Karl und seinem Sohn Toni fast so etwas wie eine Familie, träumte schon vom gemeinsamen Türschild. Von der Sehnsucht nach dem Gefühl von Heimat, von Geborgenheit, das sie damals auf der italienischen Insel, verspürt hat, getrieben, geht es in Richtung Süden.

Als Leser begleitet man Blanca auf ihrem Weg, der nicht direkt zum Ziel führt, sondern sie über Florenz und Rom und dann entlang der Küste tingeln lässt. Man fährt mit ihr als blinder Passagier Zug, kauft neue Kleidung, eine neue Tasche, versucht altes gegen neues Leben zu tauschen. Trifft auf unzählige verschiedene Menschen, bei der Bettlerin angefangen, die ihr die Pizza aus der Hand klaut, über ehemalige Schulkameraden, die sie tatsächlich an sie erinnern und ihr damit ein wohliges Gefühl bescheren, bis hin zu wohlhabenden Villenbesitzern, die sie den Wind vom reichen Leben schnuppern lassen. Man leidet mit ihr unglaublichen Hunger, schlägt sich durch die Gassen, leidet Schmerzen, erinnert sich an Demütigungen durch ihre Mutter und an Episoden aus ihrem verkorksten Leben und liest gebannt, schockiert und vor allem stets in der Hoffnung, dass es für das Mädchen gut ausgeht. Die Frage findet das Mädchen am Ende der Geschichte ihre „Heimat“ von der sie träumt, haben mich richtiggehend an das Buch gefesselt.  

 „Für mich war immer alles neu. Nur eines war ich gewohnt. Das Nie-Ankommen, das Nie-Dazugehören.“ Ich bin ein Mensch, der in seiner Umgebung verwurzelt ist, dem das eigene Zuhause sehr wichtig ist, und deshalb habe ich bei diesem Roman so richtig mit Blanca gelitten. Ich konnte mehr als gut nachvollziehen, dass bei ihr ständig gilt, „Ich sehnte mich nach der Ordnung, die in dem Leben dieser Familien herrschte.“. Eine Mutter, die ihr ständig nur Vorwürfe macht und sie kritisiert, wie armselig muss dieses Leben sein. „Herrlich. Ein richtiges spießiges Zuhause. (…) Du kommst nach deiner Großmutter, Blanca. Du musst wirklich aufhören, deine innere Ordnung von der äußeren abhängig zu machen.“, wenn sich Blanca darum bemüht, ein bisschen heimelige Stimmung zu schaffen.  Stellenweise stand mir beim Lesen ungläubig der Mund offen, wie kann eine Mutter nur so sein. Aber nicht nur das, die sie überlässt Blanca mehr oder weniger sich selbst, lässt sie in jungen Jahren Alkohol trinken, nimmt sie mit zu Drogenpartys und vieles mehr. Besonders geschockt war ich auch von Sätzen wie „Wer so undankbar ist wie du, hat es nicht verdient, geboren zu werden. Durchgefüttert. Hätte ich doch nur auf meine Mutter gehört und dich abgetrieben.“, das hat mir selbst in der Seele wehgetan. Die Autorin hat es wirklich geschafft mich mit ihrem einnehmenden Schreibstil völlig emotional gefangen zu nehmen. Sehr gut haben mir auch ihre zahlreichen besonderen Vergleiche wie „Ich bin ein Puzzlestück im Weltpuzzle, das nirgends reinpasst.“, oder „Ich fühle mich  wie eine Batterie, die endlich mal jemand an die Ladestation gesteckt hat. Wenn ich voll bin, hau ich wieder ab.“, gefallen. 

 

„Du hängst dein Herz an die falschen Dinge. Wer es sich in Erinnerungen gemütlich macht, hat eine armselige Gegenwart.“, ja diese Aussage ihrer Mutter trifft Blancas Gegenwart wohl mehr als genau, armselig. „Ich will mein Herz nicht an die falschen Dinge hängen. Aber was sind denn die richtigen?“ Sie ist auf der Suche, orientierungslos, weil ihr niemand eine Richtung gezeigt hat, die Orientierung im Leben geben kann, ich konnte ihre Wut bei Gedanken an ihre Mutter, die ihr trotz allem fehlt, nachvollziehen. Ihr fehlt das so wichtige Gefühl geliebt zu werden. „Aber sie werden mich mitleidig ansehen und denken: Schon so verwahrlost. Und hinter meinem Rücken werden sie heimlich darüber reden, wie sie mich nur wieder loswerden können. Oh Gott. Am besten ich ziehe gleich in die Mülltonne.“, ich habe so gehofft, dass sie bei Toni und Karl Unterschlupf finden und endlich ankommen wird.


Alles in allem hat mich Blancas bewegender Roadtrip auf der Suche nach einem Zuhause emotional wirklich sehr gefesselt und ich vergebe deshalb gerne fünf Sterne.

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Der Garten der Düfte

Kirsty Manning , Sonja Rebernik-Heidegger , Katja Hirsch
Audio CD
Erschienen bei Audio Media Verlag, 03.04.2018
ISBN 9783956393556
Genre: Romane

Rezension:

Pip Arnet und ihr Freund Jack erhalten als Verlobungsgeschenk von ihren Eltern einige alte Kupferkessel. Zuerst nur wenig begeistert, entdeckt sie darin jedoch ein verstecktes,  sehr altes Rezeptbüchlein einer gewissen Artemesia. Pip, die Meeresbiologin, lässt ihre Beziehungen zu anderen Wissenschaftlern spielen und schnell ist klar, dieses geheimnisvolle Büchlein stammt aus dem Mittelalter und eine Spur führt in ein französisches Kloster. Während sich Pip bisher nicht entscheiden konnte, wo ihre Prioritäten liegen, auf der Doktorarbeit, die beendet werden muss, oder ob sie doch Jack auf seinen Recherchen für das Weingut, ihre geplante, gemeinsame Zukunft, begleiten soll, scheint plötzlich alles klar. Doktorarbeit und auch die Beziehung zu Jack werden auf Eis gelegt, stattdessen macht sich auf die Suche nach dieser geheimnisvollen Artemesia, vielleicht auch auf die Suche nach ihren eigenen Wünschen und ihrem Plan vom Leben.


Die Autorin spielt mit zwei Handlungssträngen. Im Heute begleitet man Pip die Meeresbiologin, gräbt mit ihr zwischen Muscheln, hilft nebenbei in einem Restaurant aus, und findet mit ihr das Rezeptbüchlein. Man wird Zeuge ihrer Beziehungsprobleme mit Jack, steckt mit ihr in der Zwickmühle, Doktorarbeit oder gemeinsame Zukunft mit ihm, und begleitet sie schließlich auf ihrer Reise nach Frankreich. Hier wird Leckeres gekocht, nach dem Sinn im Leben und auch nach Artemesia gesucht. 500 Jahre zurück in der Geschichte lernt man Artemesia kennen. Man erfährt, dass sie unter der Obhut eines Abtes aufgewachsen, der sie nicht nur lesen und schreiben, sondern auch die Kräuterkunde gelehrt hat, und sie sich zur Köchin am Hof hochgearbeitet hat. Man leidet mit ihr nach dessen Tod unter der Willkür des neuen Abtes und einziger Hoffnungsschimmer scheint der junge Gewürzhändler Andreas zu sein. Man erlebt, wie sich die beiden ineinander verlieben und sich Briefe  schreiben. Den Hof regiert ein weltlicher Herrscher und für dessen Hochzeit plant man gemeinsame mit Artemisia ein opulentes Hochzeitsmahl mit mittelalterlichem Prunk. Wird es auch für sie eine glückliche Zukunft mit Ehe geben?


Von Anfang an mehr in den Bann gezogen hat mich Artemesia und ihr Los. Man erhält einen tollen Einblick in das Leben im Mittelalter und ihr Los unter dem neuen Abt ist mehr als grausam. Ich habe regelrecht mit ihr gelitten, hätte diesem hinterhältigen Abt Roald Gift geben können und habe so mit ihr gehofft, dass Andreas sie mit einer Ehe aus dessen Fängen befreien kann. Hier haben mich die Protagonisten, die Geschichte und auch die Gefühle wirklich mitgehen lassen und ich habe mich beim Hören regelrecht auf diese Abschnitte gefreut. Pip die Meeresbiologin ist mir im Gegensatz dazu eher fremd geblieben. Sie kann sich nicht entscheiden, weiß nicht was sie will, irrt für mich ein wenig orientierungslos zwischen den Küchen und den verschiedenen Lebensentwürfen hin und her. Ihre Geschichte habe ich eher weniger emotional verfolgt, vielleicht auch weil die eine oder andere ihrer Entscheidungen nicht so für mich infrage gekommen wäre.


Die kulinarischen Köstlichkeiten, die Artemesia für die Hochzeit zubereitet und plant, haben sich alle nach wahren Kunstwerken angehört und sie lässt den Hörer auch an ihrem Wissen über Kräuter, Gewürze und Lebensmittel teilhaben. Auch Pip, die ihre Reise ja auch mit einer Anstellung in einem Sternerestaurant finanziert, kocht mit Leidenschaft so manche Gaumenfreude. Ein Roman für alle Sinne, bei dem man das so außerordentlich betonen müsste, so habe ich das Hören aber eher weniger empfunden, aber das Hörbuch ist auch gekürzt, das mag im Roman ausgeprägter sein. Wirklich toll sind aber die Landschaftsbilder, die gezeichnet werden, hier geht man mit auf die Reise.


Wirklich überzeugt hat mich Katja Hirsch als Sprecherin. Sie hat der Geschichte nicht nur unheimlich viel Gefühl verliehen, sondern ich habe ihrer eher tiefen Stimme unheimlich gerne zugehört. Für sie müsste es eigentlich 5 Sterne geben, da aber Pips Teile der Geschichte mich trotz des wirklich mehr als gelungenen Vortrags nicht wirklich mitreißen konnten, genügt es für mich insgesamt gesehen dafür nicht ganz.


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19 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 9 Rezensionen

1942, arisierung, arisierungspolitik, augenarzt, beförderung, bericht, bilder, biografie, briefe, charkow, ek i, grausamkeiten, heimatpäckchen, historisch, zweiter weltkrieg

Wofür es lohnte, das Leben zu wagen

Christian Hardinghaus , Hans Machemer
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Europa Verlag, 02.03.2018
ISBN 9783958901209
Genre: Biografien

Rezension:

Den Soldaten die Würde zurückgeben, das ist Hans Machemers Wunsch. Deshalb hat er sich nach langem Abwägen dazu entschieden, dass die Feldpost seines Vaters veröffentlicht werden soll und dieses Projekt gemeinsam mit dem Historiker Christian Hardinghaus perfekt umgesetzt. Die beiden haben eine gelungene Auswahl getroffen, die ein sehr umfassendes Bild vom Soldaten, aber auch Menschen Helmut Machemer, vom Leben, Kämpfen und Sterben einfacher Soldaten, auf deutscher, wie auf gegnerischer Seite, und von einer verbrecherischen Führung zeichnet, und somit ein bedeutendes, einzigartiges und grandioses Zeitdokument geschaffen.


Ein singuläres Kriegsschicksal kann hier dem historischen Urteil über die deutsche Wehrmacht entgegentreten und führt damit zweifelsohne zur These der Kollektivschuld. Kann man pauschal als Mörder verurteilen, darf man manche als Helden feiern, wie beurteilt man mit dem heutigen Wissen, wie hätte das Urteil zu der Zeit ausgesehen, hier kann man sich aktiv mit Geschichte auseinandersetzen und dies hilft zu einem schmerzlichen und demütigen Verständnis für die Kriegsgeneration, was ich einfach nur einzigartig finde und weshalb ich so begeistert von diesem Buch bin.


Als Leser erhält man nach einem kurzen Vorwort der beiden Herausgeber die Feldpostbriefe in Originalabschrift. Sie erstrecken sich über den Zeitraum vom Oktober 1941 bis Juni 1942, sind chronologisch geordnet und in vier Kapitel unterteilt. Beginnend mit dem „Vormarsch“, über „Stellungskrieg und Rückzug“ bzw. „Drei Monate Kampf um ein Dorf“ bis hin zu „Ahnungen“. Das fünfte Kapitel „Heldentod“ enthält noch zusätzliche Briefe, Beileidsschreiben bzw. Todesanzeigen. Nach einem Nachwort des Sohnes sind im Anhang ebenfalls noch Karten, Originaltexte, Dokumente wie Wehrpass oder Bilder von Originalbriefen zu finden. Ein Register fehlt selbstverständlich auch nicht.


All die Briefe sind jeweils mit Datum überschrieben und haben eine Überschrift, die auf den Inhalt schließen lässt. Begriffe aus dem Militärjargon und bedeutende historische Ereignisse werden mithilfe von Fußnoten auf der jeweiligen Seite erklärt, was auch einem Laien das Lesen einfach macht. Helmut Machemer hat glücklicherweise viel fotografiert und auch gefilmt und so wird der Schriftwechsel mit grandiosen Bildern von Originalaufnahmen ergänzt, was die geschilderten Erlebnisse noch erfahrbarer macht. Auch hier haben die beiden Herausgeber eine perfekte Zusammenstellung getroffen. Unbedingt erwähnen muss man sicher auch die zusätzliche DVD von Filmaufnahmen, die enthalten ist.


„Das Vaterland verlangt wahrlich viel von mir. Hier liege ich nun einmal wieder in der vordersten Linie, das darf man wohl sagen, Strapazen, Hunger und Kälte ertragend, die Gefahren, welche uns hier umdrohen, auf mich nehmend für meine Heimat und mein Volk. Und werde gleichzeitig von dieser Heimat verfolgt und gedemütigt.“


Der Rassenwahn und die Nürnberger Gesetze veranlassen den jungen Augenarzt Helmut Machemer, der eigentlich vom Frontdienst freigesellt wäre, sich freiwillig zu melden. Seine Ehefrau Erna wird plötzlich als Halbjüdin und seine drei kleinen Söhne als Vierteljuden eingestuft. Frau und Familie verlassen kommt für ihn auf keinen Fall infrage und da er dadurch nicht nur berufliche Einschränkungen, sondern vor allem auch große Sorge um die Zukunft seiner Kinder hatte, bleibt für ihn keine andere Alternative. Als »arischer Reichsbürger« kann er durch besondere Tapferkeitsauszeichnungen an der Front die »Arisierung« seiner Familie erhoffen und genau diese will er erreichen. Durch seine Tapferkeit an vorderster Front erhält Dr. Helmut Machemer nach langem Hin und Her und unzähligen Bemühungen das ersehnte EK I, wenige Tage bevor ihn am 18. Mai 1942 eine tödliche Granate traf. Sein oberstes Ziel, die Anerkennung seiner Familie, hat er damit erreicht. für mich beim Lesen ein kleiner Trost für seinen sinnlosen Tod.


Ich entleihe mir die Worte seiner Ehefrau Erna, „Der Inhalt überzeugt ohne große Worte, das hast Du ja selbst empfunden. Neben der sachlichen Schilderung wirkt erlösend menschliches Gefühl, Erleben, ja etwas Alltägliches zum Ausgleich, auch Landschaftschilderung.“ Helmuts Stil verändert sich im Laufe des Krieges immer wieder und man kann dies sicher mit der gerade vorherrschenden Situation begründen. Einmal finden sich distanzierte Berichte über einzelne Angriffe, das Schildern der vorherrschenden Lage, über Massen an toten Soldaten, über glückliche und unglückliche Zufälle. Dazwischen gibt es fast wissenschaftlich detailgetreue Beschreibungen der Unterkünfte samt der tierischen Bewohner, dem stets präsentem Ungeziefer, der Kälte und dem fehlenden Nachschub, dem Los der Gegner oder auch reflektierte Berichte zur Einschätzung der Lage, zu Propagandatruppen, zum „Bolschewismus, für den es nichts bedeutet, den russischen Menschen zu opfern, um sich selbst zu erhalten.“ Aber auch ganz viel Menschliches ist vorhanden. So erzählt er z.B. von der Trauer um den Truppenhund, vom „Gefühl im Herzen, das am besten durch das Soldatenlied bezeichnet wird, „Es ist so schön ein Soldat zu sein“ und am kürzesten und prägnantesten durch das Soldatenwort „Schei..“ zum Ausdruck kommt.“, von Soldaten, die verwundete Kameraden bei Kälte und Schnee über 25 km auf einem Schlitten zu einem Chirurgen ziehen, um danach den gleichen Weg wieder zurück zu gehen, um ihren Mann an der Front zu stehen, oder auch von einem Gespräch mit einem jungen Assistenzarzt, der mit seinen Nerven am Ende ist. Berichte über Weihnachten im Schützengraben und den Gedanken, die in die Heimat wandern, Erziehungstipps für die Jungen an Erna, die Freude, wenn Post aus der Heimat kam, oder auch Gedanken wie „Furchtlos bin ich auch. Aber ich bin Soldat aus Pflichtgefühl, und jeden Augenblick würde ich gerne die Pistole tauschen mit dem chirurgischen Messer eines Arztes“ bzw. „Ja Unterarzt, Oberarzt, Leutnant und Gefreite! All das sind wir, nur das eine nicht: Mensch“, sind ebenso enthalten. Dies sind nur einige Beispiele, die die grandiose Vielfalt zeigen sollen. 


 „Ausgezeichnet ist Deine Art, an das Erlebte heranzuführen – nicht allein in der chronologischen Folge, auch die Wahl des Präsens trägt bei alles lebendig darzustellen. Auch Dein Wortschatz ist reich und abwechslungsvoll, jedenfalls meistens.“ Auch hier bediene ich mich der Beurteilung durch seine Ehefrau, der ich mich vollumfänglich anschließen möchte. Die Briefe lesen sich nach anfänglicher distanzierter und wissenschaftlicher Berichterstattung fast so geläufig wie ein Roman. Es ist zweifelsohne zu erkennen, dass Helmut Machemer zunehmend nicht nur Fakten sammeln, sondern diese auch mit gutem Stil präsentieren möchte, was das Lesen eben nicht nur zum erschreckenden Stück Zeitgeschichte, sondern auch zur guten Unterhaltung, die durchaus auch Raum für positive Gefühle lässt, macht.


Diese persönlichen Berichte an Familie und Freunde sind subjektiv und schildern das Geschehen so, wie es der Einzelne oder seine Kompanie gerade erlebt. Das machte es für mich einerseits so bewegend und schockierend, andererseits aber auch so spannend zu jeder Zeit. Eben noch Helmuts Einschätzung zur aktuellen Lage, dass man also den Russen haushoch überlegen ist, dass der Krieg bald zu Ende ist, fast so etwas wie Euphorie, dann aber schon bald kommt der erste Winter und damit die Wende. Mehr und mehr Soldaten zweifeln an einem schnellen Sieg, dann an überhaupt einem Sieg, dann am Sinn des Ganzen. Und das nicht zu Unrecht, denn den hat kein Krieg der Welt.


Bewegte, begeisterte fünf Sterne plus und eine absolute Leseempfehlung von mir


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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

familie, kinder, krebs, mut, mutter

Andrea – Briefe aus dem Himmel

Karsten Kehr
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 04.05.2018
ISBN 9783959101592
Genre: Biografien

Rezension:

Anfang Mai 2013 kommt Andreas zweites Töchterchen Mia auf die Welt. Im August erhält sie die schockierende Diagnose, Nasen-Rachen-Krebs, inoperabel, im Mai 14 finden die Ärzte Metastasen in der Lunge und geben der jungen Mutter noch ein Jahr zu leben. Mit und entgegen dieser Aussicht wächst Andrea über sich hinaus, sie möchte sich nicht einfach so damit abfinden, keine Möglichkeit auslassen und vor allem eines. „Meinen kleinen Prinzessinnen Nele und Mia eine Heimat geben, ein wohliges Nest für ihre Zukunft bauen, indem sie behütet aufwachsen werden können. Alles muss fertig sein, ehe ich nicht mehr bin.“ Andrea überlässt nichts dem Zufall, das spätere Haus, die Versorgung der Kinder, die eigene Beerdigung, sie nimmt ihre letzte Kraft zusammen um alles zu organisieren und jede Sekunde der verbleibenden Zeit so gut es geht mit ihren beiden Mädels zu nutzen. Zudem will sie mit dutzenden Briefen und einem Lied als Zeitraffer ihres viel zu kurzen Lebens, für immer bleiben.


Als Leser erhält man hier, nicht wie ein der Titel vielleicht auf den ersten Blick vermuten lassen könnte, Briefe einer sterbenden Mutter an ihre Kinder, sondern eine bunte Mischung an Episoden, die Einblick in ihr Schicksal und das ihrer Mitmenschen gibt, die mir sehr gut gefallen hat. Es handelt sich um Wissen aus den Interviews des Journalisten und seinen eigenen Empfindungen. Das Buch geht auch über Andreas Tod und Beerdigung hinaus. Erinnerungen und Szenen aus Andreas Leben, es wird von der Krankheit erzählt, ihr Papa, ihr Bruder und auch Freunde kommen zu Wort und auch ihre Töchter Nele und Mia turnen durch das Buch. Etwas zum Inhalt der Briefe, wird natürlich auch verraten, wenn auch nicht viel, es handelt sich schließlich hier um die bittere Realität und die Kinder sollen die Briefe zu festen Terminen bekommen und nicht jetzt. Verständlich, wäre ja sonst all der Sinn, den Kids Hilfe und Stütze in den entsprechenden Lebensphasengeben sein zu wollen, zunichte gemacht.


Andreas Geschichte hatte sich „in unseren Alltag, in unsere Köpfe und Herzen geschlichen.“ Der Journalist Karsten Kehr wurde durch einen Facebook Aufruf auf Andrea aufmerksam und es ist weit mehr als ein bloßes Interview und eine Geschichte entstanden. Er hat Andrea während ihres letzten Lebensjahres begleiten dürfen - bis zu ihrem Tod am 7. Mai 2017 und ist auch darüber hinaus noch mit der Familie verbunden. Ich habe beim Lesen gefühlt, wie emotional der Autor gefangen ist, wie sehr ihn Andreas Schicksal bewegt, berührt und traurig macht. Wie hilflos er sich stellenweise fühlt. Dies trägt sicher auch dazu bei, dass man auch als Leser so sehr gefangen genommen wird. Trotz all dem Optimismus, den Andrea für ihre Kinder ausstrahlt, machte mich das Lesen traurig, aber das war mir ja schon vorab bewusst. Es ist kein Roman, nicht wie im Film, das hier ist bittere Realität, diese Andrea gibt es wirklich und irgendwie fühlte ich mich ihr sehr nah, obwohl ich sie nicht kannte. Der ergreifende Schreibstil liest sich wirklich großartig.

 

Andrea gibt für ihre Kinder alles, vergisst sich selbst, mobilisiert Kräfte, wo eigentlich gar keine mehr sind. Ich ziehe meine Hut von ihr, andere wäre angesichts der aussichtslosen Lage schon längst zerbrochen. Wie sehr sie ihre Kinder liebt, ist stets zu spüren und solch eine tolle Mutter wäre jedem Kind zu wünschen. Toll finde ich auch den Rückhalt, den sie von ihrer Familie, ihrem Vater und vor allem ihrem Bruder bekommt. Auch die Tatsache, dass sie so viele Freunde hat, auf die sie bauen kann, zeigt mir, welch ein toller und wertvoller Mensch sie gewesen sein muss. Mia und vor allem die neugierige Nele beeindrucken mich ebenfalls, die beiden Mädels, die ihre Mama viel zu früh abgeben müssen.


Andreas Geschichte kann sicher selbst Betroffenen Aufmunterung und Ansporn sein, aber auch jedem gesunden Leser öffnet es die Augen. "Alles wirkt auf einmal intensiver, ich konzentriere mich auf das scheinbar Kleine", nicht nur kranke Menschen sollten das tun, aber wenn es einem gut geht, vergisst man das leider zu schnell. Unzählige Sätze und Lebensweisheiten haben mich viel zum Nachdenken angeregt was, mir gut gefallen hat. „Hilfe ist doch keine Einbahnstraße und schon gar keine Selbstverständlichkeit. Man kann sich gar nicht genug bedanken.“ Oder „Eine Freundschaft ist wie ein Netz das einen auffängt, wenn wir die Balance verlieren.“, sind nur zwei Beispiele dafür.


Lobend erwähnen möchte ich auch das Layout des Buches. Die Schrift ist angenehm und augenfreundlich groß, was für mich immer wichtiger für entspanntes Lesen wird. Gut gefallen mir auch die Kapitelüberschriften. Dabei handelt es sich um Zitate vom folgenden Kapitel, das jeweils mit einem Initial beginnt. Auch das Cover mit den Fotos der Familie finde ich schön.


Alles in allem eine sehr bewegende, emotionale und aufwühlende Geschichte einer super starken Frau, verfasst von einem Autor, für den das Ganze nicht nur ein Job ist. Fünf sehr bewegte Sterne.

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84 jahre, alpträume, alter, alte wunden, bitte einer muttter, einsamkeit, elbsandsteingebirge, enigma-variation, familie, frankfield, gamrig, goldgehuse, großeinkauf, großer blumenstrauß, guilochieren

Das stille Leben des Karl Rosenbaum

Frank Domnick
Flexibler Einband: 316 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 28.05.2018
ISBN 9783752833966
Genre: Romane

Rezension:

„Das ist Ihr Geschäft, Ihr Lebenswerk. Meine Güte, was wollen Sie denn jetzt machen? Sterben war mein erster Gedanke gewesen. Ich hatte mich aber nicht getraut es auszusprechen. Nichts. Hatte ich stattdessen erwidert. Auf mich wartet das Nichts, Clara!“. Mit diesen Worten verlässt Karl Rosenbaum sein Juweliergeschäft, als er dieses mit vierundsiebzig Jahren an seinen Gesellen und dessen Frau Clara übergibt und es nie wieder betreten will. Aus dem Sterben wird nichts, denn „Doch nichts dergleichen ließ ich zu, als wäre ich parteiisch im Disput zwischen meiner Todessehnsucht und den Reflexen der Selbsterhaltung. Bliebe noch die Variante, selbst Hand anzulegen, das Schicksal nach meinem Willen zu beugen. Aber dazu brauchte man Mut und den hatte ich nicht.“, und so gilt zehn Jahre später, dass er feststellen muss, „dass mein dummer, zäher Körper dieses nutzlose Leben weiterführen gedachte.“. Erfüllung bieten ihm seine Musik, seine Literatur und die regelmäßigen Opernbesuche. Bei einem solchen tritt Stefan Koscinski, mit dem Wunsch ihn kennen zu lernen, ihn wieder sehen zu wollen, an ihn heran.


„Wieder schaute ich auf meine Füße. Sie waren stehen geblieben, Warum? Ich hatte stets großes Vertrauen zu ihnen, weil sie so beruhigend fantasielos waren, immer nur eingespurte Wege nutzten und mich vor Überraschungen bewahrten.“. Plötzlich versagen Karl Rosenbaum seine Füße den Dienst, sein Leben soll nicht mehr den gewohnten Gang gehen. Warum er nur auf bisher nur auf dieser Spur wandelte, warum er sich selbst das Lebensglück verbietet, warum er sich als Einzelgänger durch die Welt schleppt und wie die Bekanntschaft zwischen ihm und dem so viele Jahre jüngeren Mann weiter geht, erfährt man in diesem Roman.


„Kennenlernen? Warum? Warum ziehen Sie nicht mit Ihren Kumpanen und einer Bierflasche in der Hand los und genießen das Leben?“, das ist nur eine Frage, die die Geschichte spannend macht. Warum lässt sich Stefan Koscinski nicht abwimmeln, egal wie widerwärtig und ablehnend sich Karl Rosenbaum verhält? Warum darf er sich nicht des Lebens freuen, welche Schuld, die Jahre zurück liegen muss, hat er auf sich geladen? „Ein Trottel, der glaubte, in letzter Sekunde an einem Leben teilhaben zu können, das er gar nicht verdiente.“ Welches innere Ich wird den Kampf gewinnen, werden es die Hoffnung nach Glück und Leichtigkeit, nach Lebensfreude oder die Schuldgefühle sein? Als Leser hofft man so sehr darauf, dass sich der verbitterte, lebensmüde Mann noch ändert.


Dies ist das Debüt von Franck Domnick, aber er beweist mir ganz deutlich, dass er etwas vom Formulieren und Schreiben versteht. Zudem ist er sehr belesen und kennt sich in der Opernwelt gut aus. Der Sprachstil ist keineswegs flach, ganz im Gegenteil. Wendungen wie, „Mir kam es vor, als befände ich mich in einem Testlabor für angewandte Rhetorik, ein Proband, der zum ersten Mal einer Konversation ausgesetzt war, die er nicht führen wollte.“, oder „hatte ich die Überraschungsfragen satt, die mich immer wieder auf den Prüfstand meiner zwischenmenschlichen Kompatibilität stellten.“, zeugen für mich von seinem Können. Sehr gut gefallen haben mir auch die zahlreichen sprachlichen Bilder. So ist hier im Supermarkt bei gefüllten Einkaufswägen von einem „Nahrungsmitteltsunami“ die Rede oder er stand schon mal da, wie eine „falsch plakatierte Litfaßsäule“. Durch diese vielen Bilder und die ausführlichen Beschreibungen kann man sich als Leser wirklich sehr gut in die Szenen und Gemütszustände hineindenken. So habe ich den Schmerz, als er z.B. mit dem Zeh gegen den Bettpfosten springt richtiggehend selbst gespürt, oder konnte seine innere Zerrissenheit als er seine Empfindungen an einem Gerberastrauß auslässt, mehr als deutlich erkennen. Gut hat mir gefallen, dass ich auch immer wieder schmunzeln durfte. So haben mich z.B. Karl Rosenbaums Beschreibungen seiner Mitmenschen sehr amüsiert, bei „Wie immer zierte kitschiges Gehänge ihren Hals und die Handgelenke die einem farbigen Schlachtfeld gleichkamen.“, angefangen, bis hin zu „ihr fehlte jeglicher Liebreiz“. Ein, zwei kleine Ungereimtheiten fallen bei mir nicht ins Gewicht.


Der Roman ist eine großartige Charakterstudie und Karl Rosenbaum, wie auch die anderen Mitspieler  ist grandios gezeichnet. Seine innere Zerrissenheit, ja seine Angst vor dem Leben haben mich sehr betroffen gemacht und über jeden kleinen Fortschritt, den ich meinte fühlen zu können, habe ich mich gefreut. Kommunikation ist ein Fremdwort für ihn, ich hatte fast den Eindruck, er hat verlernt mit anderen Menschen zu reden. Stefan Koscinski, seine aufdringliche Art, wäre aber auch mir, die ich nicht kontaktscheu bin, sehr unheimlich gewesen. Seine Freundlichkeit, sein Charme, seine gutmütige, hilfsbereite Art, ich weiß nicht, ob ich ihm erlaubt hätte, in mein Leben einzudringen. Unter den Nebendarstellern haben mich ganz besonders das kleine Nachbarsmädchen Maria, deren Art und Geschichte, gerührt. Über Frau Eggers, die neugierig, aufdringliche Mitbewohnerin im Block habe ich mich oft amüsiert und super gut hat mir die Wanderbekanntschaft Josephine gefallen, die Karl Rosenbaum mit ihrer offenen Art mit den richtigen Worten gegenübertritt.


Alles in allem bin ich trotz ein, zwei sehr kleinen Ungereimtheiten, die für mich nicht ins Gewicht fallen, wirklich begeistert von diesem tollen Debüt. Den Autor werde ich auf jeden Fall auf dem Radar behalten und noch fünf Sterne vergebe ich hier wirklich gerne.

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

kurzgeschichten, teilnahme leserunde

Kleine Reihe Bd. 52: Lametta für ein ganzes Jahr

Tina Schlegel
Flexibler Einband: 120 Seiten
Erschienen bei Scribo Verlag, 01.04.2018
ISBN 9783937310992
Genre: Romane

Rezension:

 „Das Leben ist wie ein riesiges Erdbeerfeld. Die ganz süßen und verführerischen Möglichkeiten liegen unter einem grünen Blätterdach verborgen, manchmal lugen sie hervor, manchmal muss man auf die Knie gehen, sich bemühen, um sie zu entdecken.“ Erdbeeren sind die Lieblingsfrüchte ihrer Tochter und zwischen zwei Geschichten um Erdbeerfelder versammeln sich hier gut 60 kleine Episoden und Gespräche zwischen der Autorin und ihrem Töchterchen, an deren Anfang meist eine ihrer Fragen steht.


Die Gespräche sind bunt gemischt. Wecker-Experimente, die beweisen, dass nur die Mama davon nachts um drei Uhr aufwacht, oder Schokohände, die man sauber bekommt, wenn man das weiße Kleid dazwischen nimmt, man darf hier immer wieder schmunzeln. Süß fand ich auch ganz besonders ihre eingebildete Horde Ameisen, die ihr nicht nur Freund, sondern auch für jede Ausrede gut sind. „Oh Mama, komm schnell, ich hab eine riesen Sauerei im Bad gemacht“ Pause „Nein eigentlich hat es die Ameise gemacht, aber das ist mir grad nicht schnell genug eingefallen.“ Manchmal darf man sich auch fremdschämen. So wird z.B. von Situationen erzählt, in denen sich die Mama sicher ein Erdloch gewünscht hat, wenn der Kindermund mal wieder peinliche Wahrheit kundtut und z.B. auf einer Vernissage „Mama, das klingt ja so, wie wenn ein Pferd wiehert.“, verkündet. „Weil das Glück nach oben steigt, das ist doch klar. Genau Hierhin. Mitten ins Herz. Wo das Glück auch hingehört.“, auch solche scheinbar einfachen Erklärungen der Kleinen sind hier zu finden, die zum Nachdenken anregen, was mir sehr gut gefallen hat. Kindliche Logik, warum heißt es nicht unterschwimmen, sondern untergehen, wenn man doch nicht über oder im Wasser gehen, sind ebenfalls Thema wie Vorurteile, Tierquälerei, Trump und vieles andere.


Es ist ein sehr persönliches Buch, ich hatte den Eindruck, dass es der Autorin hauptsächlich darum ging, dieses Projekt für ihr Töchterlein zu verwirklichen. Man merkt ganz deutlich deren herzliches, liebesvolles Verhältnis, was beim Lesen ein schönes Gefühl verursacht. Die kleine Dame weiß auch ganz genau, wie sie ihre Mama geschickt um den Finger wickeln kann, was einen oft schmunzeln lässt.


Sehr gelungen und ansprechend ist auch die Illustration. Am Ende jeder Geschichte finden sich, teils bunte, teils schwarz, graue Bildchen, die zum jeweiligen Thema passen, bei der Ameise angefangen, über einen Notenschlüssel oder ein Schaf, bis hin zum Kussmund. Jedes Gespräch beginnt mit einer neuen Seite, alle haben Raum, die Zeilen sind nicht dicht gedrängt, das Büchlein ist daher auch schön zum Anschauen und Blättern. Die unterschiedlichen Schriftfarben sind ebenfalls eine tolle Idee. In Schwarz der erzählende Part, Dunkelblau für die Tochter und Grau für die Mama, so ist stets schon auf den ersten Blick klar, wer spricht.  


Die Geschichten waren anfangs Teil einer wöchentlichen Kolumne für die Augsburger Allgemeine Zeitung und erzählen von dem Alltag und der großen weiten Welt, die Philosophie und die Politik, hier erhält man sie gesammelt in einem kleinen Geschenkbüchlein, das sich als Mitbringsel sicher gut eignet. Mütter und Omas werden sich bestimmt wieder finden, Kinderlose aber ebenfalls gute Unterhaltung haben, noch fünf Sterne gibt es dafür von mir.

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busfahrer, italien, krankheit, krebs, liebe, linienbus, meer, mut, österreich, reise, rene freund, roadtrip, road trip, schulbus, tod

Ans Meer

René Freund
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 14.05.2018
ISBN 9783552063631
Genre: Romane

Rezension:

Ist ein Gedanke, der Anton im Verlauf dieser Geschichte einmal durch den Kopf geht und für mich beim Lesen dieser melancholischen, berührenden und warmherzigen Erzählung eindeutig zutraf. Der Autor bleibt auf jeden Fall auf meinem Radar, weil ich begeistert bin.


Anton hat schon als Kind davon geträumt Busfahrer zu werden und, auch wenn die Realität so gar nicht dem Traum entspricht, fährt er dennoch täglich mit dem Linienbus genau seine Strecke. Er kennt seine Fahrgäste alle mehr oder weniger und ganz besonders hat es ihm die krebskranke Carla angetan. Als diese den Wunsch äußerst, dass er sie nach Italien ans Meer fährt, weil das an diesem Tag die letzte Gelegenheit für sie sei, entgegnet Anton zuerst, „Aber das Meer liegt nicht auf meiner Linie!“. Wer wissen will, wie es aber dann dazu kommt, dass ein paar Stunden später gilt: „Tolle Reise, dachte Anton. Eigentlich wäre das der ideale Zeitpunkt, die ganze Geschichte abzubrechen: eine demente Frau an Bord, die dauernd weglaufen will; eine Schwerkranke mit einem epileptischen Anfall; ein Haufen Kinder und Jugendliche, die das alles mit ansehen müssen; und ein Fahrer, der diesem Wahnsinn nicht gewachsen ist.“, muss selber lesen! Ganz klar erfährt dabei auch wer an Bord ist, wie die Reise verläuft und was sonst es noch so alles über die Fahrgäste und das Leben an sich zu sagen gibt.


Der flüssig, warmherzige Schreibstil des Autors hat mich von Beginn der Geschichte an so richtig eingelullt und die Seiten sind leider viel zu schnell verflogen. Hier stimmt die Mischung einfach nur perfekt. Man darf schmunzeln, darf träumen und sich seinen Gefühlen hingeben. Das Lesen war für mich wie eine Achterbahnfahrt, das ganze Sammelsurium an Empfindungen ist hier vertreten. So habe ich z.B. Genugtuung verspürt, als das Bürgermeistersöhnchen stehen bleiben muss, habe über so manchen Gedanken Antons herzhaft gelacht, habe gebibbert, nicht nur dass sie ihr Ziel erreichen, war so oft tief gerührt. Dass Annika wegen ihrer krebskranken Mama so stark sein muss oder sich Eva so rührend um Frau Prenosil kümmert, sind nur zwei Beispiele dafür. Ich hatte beim Lesen das Gefühl ich bin selbst mit dabei, sitze mit im Bus, nein stellenweise fast schon so, wie wenn ich in Antons Herz sitzen dürfte. Ich konnte mir das alles so gut vorstellen, mich so in hinein denken und fühlen, das ist dem tollen beschreibenden Stil des Autors zu verdanken. Ein Roadtrip der ganz besonderen Art.


Wirklich sehr gut gefällt mir auch, dass scheinbar ganz nebenbei Alltagsthemen mit einem Wink mit dem Zaunpfahl angesprochen werden, Jugendliche mit ihren Stöpseln in den Ohren, Migranten, die besser Deutsch können, als verwöhnte Kinder Neureicher, Privatisierung von Unternehmen, die eigentlich nur weniger Lohn und mehr Arbeit bedeuten, Autos, die ohne Computerdiagnose nicht mehr repariert werden können und vieles mehr, da hat mir der Autor ganz oft aus der Seele gesprochen.


Bärli nennen ihn die Schulkids liebevoll heimlich und genau so stelle ich mir den liebenswerten, gutmütigen und herzensguten Anton vor, wie Balu den guten Bär aus dem Dschungelbuch, den ich so liebe.  Er vertritt seine Werte, tut sich schwer mit Neinsagen, und ist gemütlich. Zudem isst er gern, „Am meisten beruhigten ihn Brezeln. Brezeln, in der Mitte auseinandergeschnitten und innen dick mit Butter bestrichen, Da ging nur eine Leberkäsesemmel drüber, aber auch nicht immer.“, eigentlich der Traummann schlechthin. Unbeholfen ist er nur im Umgang mit Frauen, was aber die Geschichte mit der Liebe zu seiner Nachbarin Doris, die auch ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen hat, so liebenswert und absolut nicht kitschig macht. Diese Unbeholfenheit ist sicher seiner dominanten Mutter geschuldet, die ihn mit Telefonterror unter der Fuchtel hat. Da wundert mich der Klingeltun „Atom-Alarm“ für ihre Nummer kein wenig. Clara, deren Wunsch zum Meer zu reisen, vielleicht etwas egoistisch erscheinen mag, ist ebenfalls wie auch alle anderen Nebendarsteller toll getroffen. Beim siebzehnjährigen Ferdinand angefangen, der „Die Butterbrezen sind aus, und wenn du unterzuckerst, wirst du unleidlich.“, alles genau im Blick hat, über Frau Prenosil, die mich aufgrund ihrer Demenz so gerührt hat, bis hin zur kleinen Helene, die ihren großen Bruder ganz schön im Griff hat, sind alle trotz der relativ wenigen Seiten des Romans grandios gezeichnet.


„Gehenlassen und müssen, passt nicht zusammen.“,  „Wunder können nur passieren. Man kann sie nicht erwarten.“ oder „Mutig ist ja nicht der, der keine Angst hat, sondern der, der seine Angst überwindet. Oder zumindest versucht, sie zu überwinden.“ Das Büchlein steckt voller Lebensweisheiten, die mich bewegt und auch zum Nachdenken angeregt haben, weshalb die Geschichte bei mir ganz sicher auch noch ein Weilchen nachklingen wird. Alles in allem begeisterte fünf Sterne von mir.

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Stasiland

Anna Funder , Harald Riemann
Fester Einband: 341 Seiten
Erschienen bei EVA Europäische Verlagsanstalt, 16.03.2004
ISBN 9783434505761
Genre: Romane

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Schluss mit euren ewigen Mogelpackungen!

Peter Hahne
Fester Einband
Erschienen bei Bastei Lübbe, 23.02.2018
ISBN 9783785726211
Genre: Sachbücher

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30 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

anja marschall, historischer krimi, intrigen, kaiser, kaiser-wilhelm-kanal, kiel, krimi, krimi-reihe, mord, norddeutschland, nord-ost-see-kanal, politische verwicklungen, reihe, spannend, spion

Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal

Anja Marschall
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 15.03.2018
ISBN 9783740802967
Genre: Historische Romane

Rezension:

Anja Marschall kann Krimi, egal ob witzig oder historisch, und bereits mit „Tod am Nord-Ostseekanal“ hat sie mich auf eine gelungene Zeitreise geschickt und bestens unterhalten. Ich habe mich deshalb sehr auf den neuen Fall für ihren Kommissar Hauke Sötje gefreut und wurde nicht enttäuscht.


Schon im Prolog taucht die erste Leiche auf. Ein Matrose zieht im Kanal eine tote Frau aus dem Wasser. Wer mag das Dienstmädchen sein, das um ihren Arm vier preußische Ellen teuerster Klöppelspitze gewickelt hat? Diebstahl, Reue, Selbstmord, damit ist der Fall bei seinem Vorgesetzen schnell erklärt, der träge Gerichtsmediziner tut sein übriges dazu. Ist auf Haukes Bauchgefühl, dass hier etwas gar nicht passt, Verlass, oder ist ihm wirklich nur langweilig, wie böse Zungen vermuten? Ein Auftrag, an den ihn seine Vergangenheit bindet, führt Hauke aufs Schloss. Er soll einen Agenten beschützen, den er am liebsten tot sehen würde, daher sollten die Ermittlungen um das tote Mädchen mehr oder weniger auf Eis liegen. Hauke gerät zwischen die Fronten der Geheimdienste, wird es ihm gelingen, seinen Auftrag zu erfüllen und wo hat die Tote vom Kanal dabei noch Platz?


Als Leser begleitet Hauke bei seinen Ermittlungen um die Tote vom Kanal und seinem Auftrag am Hofe, bei denen es nicht nur einmal gefährlich für ihn wird. Seine Vergangenheit holt ihn dabei ein. Hat er den Untergang seines Schiffs Revange doch noch längst nicht verdaut, wird dies hier sogar mit entscheidend. Zudem wagen auch seine Verlobte Sophie und sein Sekretär Levi Bloch so einiges, um Licht ins Dunkel um das tote Mädchen aus dem Kanal zu bringen. Unzählige Hinweise, Querverbindungen, neue Entwicklungen und zusätzlich noch unbekannte Figuren, die Vergeltung wollen, machen diesen Krimi extrem spannend. Zahlreiche einzelne, auf den ersten Blick völlig zusammenhanglose Enden werden von der Autorin erst gegen Ende zu einem perfekten Gesamtbild zusammengefügt. Ich war lange extrem ahnungslos. Kurze Kapitel und schnelle Szenenwechsel schaffen zudem enorm Fahrt und die Seiten fliegen nur so dahin. Auch die kleine Liebelei mit Sophie samt Eifersucht, Grant und das eine oder andere Fettnäpfchen so am Rande der Ermittlungen machen richtig Spaß.


Diesem historischer Krimi merkt man die ausgiebige Recherche der Autorin an. Anja Marschall versetzt den Leser wie bei einer Zeitreise mitten in diese Epoche und alles wirkt sehr authentisch und lebensnah. Auch der geschichtspolitische Hintergrund wird so geschildert, dass man einen guten Eindruck vom Kalten Krieg, der zwischen dem deutschen Kaiser und dem Rest Europas zu schwelen beginnt, bekommt. Zudem flicht sie unheimlich viele kleine lesenswerte Details so geschickt ins Geschehen ein, dass Geschichte-Lernen richtig Spaß macht. Begeistert bin ich auch von den Auszügen aus den Kieler Nachrichten, die jedem Kapitel vorangestellt sind. Hier erfährt man auf amüsante Art und Weise, was die Menschen der Zeit bewegt und interessiert, wie z.B. was am Kaiserhof innerhalb zwei Tagen verspeist wird, welche Hüte im Trend sind oder auch welchen „schärfenden Einfluß das Telephon auf die Gehörnerven ausübe.“ Wettrüsten, Misstrauen der neuen Kriminalpolizei gegenüber, Autos mit Fehlzündungen zwischen Brauereiwagen, die von zwei Gäulen gezogen werden, man erlebt hier das Jahr 1896.


Der einnehmende flüssige Schreibstil der Autorin und ihre sehr bildhaften Beschreibungen, die ein grandioses Kopfkino entstehen lassen, verleihen diesem Krimi ganz besonderen Reiz. So hatte ich z.B.  stets das Gefühl selbst mit auf den Straßen Kiels unterwegs zu sein, konnte mich super gut in die Köpfe und Gedanken des Protagonisten hineinversetzen und hatte nicht nur einmal Angst. Ab und an darf man auch schmunzeln, was mir gut gefällt.


Die Stammbesetzung kannte ich ja schon und ich habe mich sehr über das Wiedersehen gefreut. Krimiheld Hauke ist ein intelligenter, grundehrlicher Mann, der sich weder vor der Obrigkeit verbiegt noch unterkriegen lässt und egal unter welchen Bedingungen zu seinem Wort steht. Das macht ihn für mich extrem sympathisch, auch wenn er in Bezug auf seine Verlobte Sophie kein Fettnäpfchen auslässt und damit deren Liebe und Geduld auf eine harte Probe stellt. Sie arbeitet als Lehrerin, ist ihrer Zeit voraus, passt sich aber den gesellschaftlichen Gegebenheiten an, was mir gut gefällt. Für viel Vergnügen hat natürlich auch wieder Haukes Vermieterin Frl. Bender gesorgt, die sehr um den Anstand, aber auch um Haukes Wohlergehen sorgt. Unter den Nebendarstellern möchte ich auch unbedingt noch Sekretär Levi Bloch erwähnen, der gutmütige, liebenswerte Mann ist mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen.


Lobend anführen muss ich auch unbedingt noch die Karte zu Beginn die den Nord-Ostsee Kanal in verschieden großen Ausschnitten zeigt, auf denen man entsprechende Handlungsorte auch lokalisieren kann.


Alles in allem eine spannende, völlig authentische Zeitreise, bei der es gilt mit dem sympathischen Ermittler Hauke Sönke einen höchst komplexen Fall zu lösen. Hier sind die fünf Sterne wirklich mehr als verdient.

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Muscheln, Mord und Meeresrauschen

Cornelia Kuhnert , Christiane Franke , Tetje Mierendorf
Audio CD
Erschienen bei Audio Media Verlag, 27.03.2018
ISBN 9783956393457
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich liebe die Nordsee, ich bin Fan der Reihe um das Kulttrio Henner, Rudi und Rosa und habe mich deshalb wie irre auf den fünften Fall für sie und mich gefreut. Wie immer haben mich die beiden Autorinnen mit ihren originellen Ermittlern, ganz viel Spaß sowie jeder Menge Knobeleien perfekt nach Ostfriesland entführt und ganz großartig unterhalten.


Wie gewohnt muss man nicht lange auf den ersten Toten warten, auch wenn nicht klar ist, ob der beabsichtigt war. Vielmehr sollte bei dem Brandanschlag auf den geerbten Bauernhof des Geflügelzüchters Johann Gehrken wohl eher diesem bzw. seiner Familie an den Karren gefahren werden, oder auch ein Zeichen gegen den geplanten Wellnesstempel mit Asiamassagen gesetzt werden. Dass ein polnischer Arbeiter auf der Baustelle übernachtet um sich das Geld für die Unterkunft zu sparen, war ja nicht geplant. Es gibt wieder jede Menge Rätsel für Rudi, Rosa und Henner und es heißt Ärmel hochkrempeln, Augen und Ohren aufstellen und auf in die Ermittlungen.


Der Krimi ist spannend von Anfang an, da geht es nicht erst lange um den heißen Brei. Ein Motiv hätten einige. Erbstreitigkeiten, Versicherungsbetrug, Rache, weil Versprechen nicht gehalten wurden, Eifersuchtsdramen, ein Erbschleicher als Schwiegersohn und jede Menge besorgte Bürger, die verhindern wollen, dass der Wellnesstempel ihr idyllisches Neuharlingersiel verschandelt, weiß man ja Erotikcenter, Partnerclub,… Richtig rund geht es bei den Ermittlungen dann als Investor Johann Gehrken, kurz nachdem er bei einer Versammlung laut herum getönt hat, dass er wisse, wer den Brand gelegt hat, erstochen wird und er bleibt nicht der letzte Tote, bevor das Rätsel wirklich erst ganz gegen Ende gelöst wird. Wie immer gesellen sich zu den Ermittlungen jede Mange Dorfleben, Tratsch und Klatsch und klar wird auch ein bisschen aus dem Alltag geplaudert, was stets für den humorvollen Background sorgt, sich aber keinesfalls über bzw. vor die Spannung stellt.


Die beiden Autorinnen, bei denen man an keiner Stelle merkt, dass die Geschichte nicht nur aus einer Feder stammt, ist locker, leicht und gerade als Hörbuch kann man der Geschichte daher super gut folgen. Liebenswerte Protagonisten, witzige, spritzige, teils auch spitze Dialoge, immer wieder auch ein bisschen Dialekt und vor allem eine gehörige Portion Spannung machen diesen Ostfriesenkrimi, der sich auch wirklich so nennen darf, zum großen Vergnügen,


Für mich war es ja ein Wiedersehen mit alten, liebgewonnenen Bekannten. Rudi, Rosa und Henner sind mir längst ans Herz gewachsen. Der Polizist ist wie immer froh um die Mithilfe der neugierigen Lehrerin und des Postboten, die ihm nicht nur den Dorftratsch zutragen, sondern auch sonst tatkräftig unterstützen. Auch die Nebendarsteller sind toll gezeichnet, bei Ludwig, dem Reporter der Mitmachzeitung, der natürlich wie gewohnt mit seinen Berichten ebenfalls ins Visier der Ermittler gerät, angefangen, bis hin zu Kriminalhauptkommissar Schnepel der mit Rudi ins Feld ziehen muss um den Täter zu fangen und mit seinen Schnellschusslösungen für den Fall wie immer völlig übers Ziel hinaus schießt.


Der Krimi macht so richtig Lust auf Urlaub in Neuharlingersiel, per Kopfkino ist man ja bereits vor Ort. Aber frisch gepulte Krabben, frische Muscheln und Co machen einem den Mund wässrig und die sind hier bei mir im Süden einfach nicht zu haben. Immer wieder ein Erlebnis ist auch ein Besuch auf dem Steffens Hof bei Henners Großfamilie, da dürfen Muddern und Vaddern frei Schnauze in Dialekt plaudern und man wird dort natürlich mit den leckersten Gerichten versorgt. Liebend gerne würde ich mich da auch gelegentlich mal an den Mittagstisch setzen.


Der amüsant, lockere Krimi ist ideal als Hörbuch und man kann der Geschichte entspannt folgen, man darf sich richtig schön berieseln lassen. Oliver Kalkofe, der die Reihe zu Beginn eingelesen hat, ist natürlich Kult und ich bin ein großer Fan von ihm. Allerdings denke ich, darf man ihm nicht nachweinen und ihn auch nicht als Maßstab für dieses Hörbuch nehmen. Unwissend dieser Tatsache hätte mich die Umsetzung durch Sprecher Tetja Mierendorf auf jeden Fall absolut überzeugt und ich denke er ist wirklich ein guter Ersatz um sich mit Hörgenuss nach Neuharlingersiel mitnehmen zu lassen.


Alles in allem hat der Rachefeldzug, der gehörig aus dem Ruder läuft, auf jeden Fall fünf Sterne verdient.

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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

bali, bunte hosen, exotisch, freundschaft, kaffee, yoga

Karma im Kaffee

Liz Sonntag
Flexibler Einband: 346 Seiten
Erschienen bei Edition Lux, 27.03.2018
ISBN 9783981959802
Genre: Romane

Rezension:

Wenn du drei Kilo abnimmst, heirate ich dich, bis dahin vergnüge ich mich mit meiner Schnecke und wenn die Auftragslage es hergeben würde, dann könnten Sie weiter für unser Unternehmen arbeiten. Kurz zusammengefasst, Mona steht vor den Trümmern ihrer Existenz- Beziehung zu Tom nach sieben Jahren erst einmal auf Eis gelegt, Job verloren, wie soll es weitergehen? Soll sie wirklich das Angebot ihrer Freundin Ina, die sich mit einem Schienbeinbruch ans Bett gefesselt hat, annehmen, und die Ausbildung zur Yoga Lehrerin auf Bali, alles schon bezahlt und nicht stornierbar, durchziehen? Vier Wochen Traumstrände, Urlaubslaune auf Bali hört sich ja verlockend an, aber „eine super Esoterische, die den ganzen Tag nur Yoga macht, irgendwelche Kakaorituale durchzieht, sich von ernannten Schamanen ins Nirwana atmen lässt und dafür auch noch Geld ausgibt“, so ist Mona doch eigentlich gar nicht. Aber Flucht ist erst einmal der einfachste Weg und so sitzt Mona drei Tage später im Flieger. Wird sie das straffe Programm, das morgens um sechs ohne Kaffee und Frühstück mit Meditation und Yoga beginnt, über den Tag verteilt Technik und Yogalehre an den Mann und die Frau bringt, dann mit Singen und Meditation abends endet, bevor um 22 das Licht ausgehen soll, überleben? Wie ernst muss man die vegane Lebensweise nehmen und den Verzicht auf Kaffee, Zigaretten und Alkohol konsequent einhalten, damit man die Erleuchtung findet und gutes Karma aufbauen kann, oder lassen sich ganz „unyogisch“ Schlupflöcher finden, die am Ende sogar noch Spaß machen?


Als Leser reist man mit Mona nach Bali, verbringt seine Zeit mit Yoga und allem was dazu gehört, muss sich in einer bunten Gruppe zurechtfinden, darf aber auch Freunde finden, sich auch die schöne Insel ansehen und die Freundlichkeit der Leute kennenlernen. Außerdem gilt es natürlich das Gefühlschaos zu klären, Tom und der bequeme Weg zurück ins alte Leben, auf Bali mit dem attraktiven Surfer Morten oder am Ende der neuseeländische Schaffarmer und ein Leben am anderen Ende der Welt, eindeutig „Männerüberschuss“. Wo wird Mona samt neu aufgebautem Karma am Ende landen?


Der lockere, witzige Sprachstil liest sich super flüssig und die Kapitel, die nach Tagen aufgeteilt sind, lesen sich ruck zuck. Ich konnte unheimlich viel schmunzeln, dafür sorgen zahlreiche peinliche und amüsante Szenen. Da kann es schon mal passieren, dass sich jemand eine Schlammpackung im Bewässerungsgraben abholt oder ein Oberveganer im Burgerladen ertappt wird. Lässige Sprüche und zahlreiche Spitzen machen das Lesen ebenso zum großen Vergnügen. Ganz besonders viele davon legt Liz Sonntag ihrem Ingo in den Mund. So kann ihm schon mal ein Kommentar wie, „Na Süße, heute Morgen hast du ja ganz schön die Schüssel gesprengt, wa?!“ über die Lippen kommen, nachdem Mona der Durchmarsch geplagt hat. Richtig klasse fand ich auch Evi mit ihrem badischen Dialekt, der ist „au nödig gwässe. Oh pardon ich muss jo Hochdeutsch schwätze.“.  Auch die Kosenamen wie „Pipi Langstrumpf Elisabeth“, „Blümchenvorhang“ oder „Pagenköpfchen“, mit denen Mona die anderen Kursteilnehmer bei ihren ersten Eindrücken betitelt haben mich z.B. grinsen lassen.


Mona, ein bisschen chaotisch besonders in Liebesdingen, mit Fettnäpfchen- und Peinlichkeiten- Magnet, aber auch ehrgeizig, war mir von Anfang an sympathisch. Ich konnte mich gut in sie hinein denken, auch wenn ich nicht alle ihre Entscheidungen so getroffen hätte, besonders bezüglich Tom. Unter den Nebendarstellern war der homosexuelle Blogger Ingo mein Favorit. Seine Späße, seine Sprüche, die es einfach auf den Punkt bringen, und seine Bemühungen mit den tollkühnsten Verrenkungen seine Follower bei Instagram bei Laune zu halten, haben mich ganz prächtig amüsiert. Dicht gefolgt auf der Hitliste wird er von Evi, der schwäbelnden Seele von Frau, der ganz klar das Herz blutet, wenn der Strand Eintritt kostet, auf die man aber stets zählen kann, wenn es irgendwo heißt, „des isch ja saufrech“ oder jemand Trost braucht. Auch Silke „von Natur aus mit einer ordentlichen Portion Haaren auf den Zähnen ausgestattet“ hat die Clique super ergänzt und auch so eine Motztante wie Elisabeth darf in einer solchen zusammengewürfelten Gruppe einfach nicht fehlen.


Bali – Roman, so darf sich „Karma im Kaffee“ wirklich nennen. Man bekommt richtig Urlaubslaune beim Lesen und kann sich in das Land mit den freundlichen Menschen träumen. Ausflüge ins Yoga Traditional Open Air Spa, zum Wassertempel sowie nach Uluwatu, der schönsten Tempelanlage im Süden oder auch zu den Jatikwih Reisterrassen, gehören ebenso dazu wie Traumstrände zum „Surfer gucken“, Touristenzentren oder fragwürdige Traditional Art Märkte. Auch auf die ständige Gefahr vor Erdbeben, das Müllproblem oder auch die Bräuche, Mentalität und Werte der Einheimischen wird toll eingegangen.


Lust auf Yoga bekommt man hier auch, zumindest einmal reinschnuppern habe ich mir fest vorgenommen. Auch wenn der Spaß, die Liebe und das Leben an sich vielleicht fast im Vordergrund steht, wird doch deutlich, welches Potential in den Übungen und Praktiken stecken kann, wenn man sich nur darauf einlässt.


Alles in allem ein locker, witzig amüsanter Frauenroman, der mit originellen Charakteren ins traumhafte Bali entführt, einen ganz viel yogisch, bzw. unyogisch lachen lässt, und äußerst kurzweilig unterhält und deshalb von mir auch noch fünf Sterne erhält.

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31 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

2. weltkrieg, artisten, jenoff, judenverfolgung, zirkus

Töchter der Lüfte

Pam Jenoff , Gabriele Weber-Jarić
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 16.02.2018
ISBN 9783746633862
Genre: Romane

Rezension:

Eine 90jährige Dame reißt in New York aus dem Pflegeheim aus und setzt sich in den Flieger nach Paris um dort bei der Ausstellung Zweihundert Jahre der Magie des Zirkus Antworten zu finden.


Schnell ist klar, es muss sich entweder um Isa oder um Astrid handeln. Die 36-jährige Jüdin Johanna Weill, mit neuem gefälschtem Pass Astrid, will nachdem sie ihr Ehemann mit der Scheidung vor vollendete Tatsachen gestellt hat, zurück zu ihrer Familie. Doch das Winterlager des Zirkus ist leer und so findet sie Unterschlupf bei der befreundeten deutschen Zirkusfamilie Neuhoff und kann dort als Königin der Lüfte wieder glänzen. Dorthin gelangt auch die 17-jährige Isa, die sich, nachdem ungewollt schwanger von den Eltern verstoßen und dem Kind beraubt, auf einem Bahnhof in der Nähe als Putzfrau über Wasser hält. Als sie einen Waggon Säuglinge entdeckt, teilweise schon tot, der auf den Weitertransport wartet, will sie zumindest einem die Chance auf ein Leben geben. Sie flieht mit dem kleinen Theo, bis sie vor Erschöpfung in einem Wald zusammenbricht und dort von Clown Peter gefunden wird. Der gutmütige, hilfsbereite Zirkuschef Neuhoff ist sofort bereit auch ihr Unterschlupf zu geben, weniger begeistert ist Astrid. „Sie wiegt zu viel. Ich betrachte die Frau abwägend. Trotz der Bettdecke erkennt man, dass sie breite Hüften und schwere Schenkel hat. Sie wird träge sein, ihr Körper weich,…“ Isa soll in sechs Wochen am Trapez auftreten, wird es Astrid gelingen Isa zum Aufgeben zu bewegen oder werden die beiden gemeinsam schon bald durch die Lüfte fliegen?


„Trapezartisten müssen einander zu hundert Prozent vertrauen können. Wie soll ich mir dir zusammenarbeiten, wenn ich dir kein Wort glauben kann? Mit grimmiger Miene stößt sich mich von der Plattform herunter.“ Als Leser bekommt man hier eine berührende Geschichte über zwei Frauen und ihrer entstehende Freundschaft geboten. Man darf bei den Proben und später auch Auftritten am Trapez dabei sein, mit dem Zirkus auf Wanderschaft gehen und erhält Einblick in das, was Zusammenleben in einer großen Zirkusfamilie ausmacht. Auch Liebe und Verliebtsein bleibt nicht außen vor, was die Freundschaft auf eine harte Bewährungsprobe stellt.  


Ein herzzerreißender Bericht über einen Güterwagon voller Säuglinge, die ihren Familien entrissen wurden und auf dem Weg in ein Konzentrationslager ums Leben kamen und einer über den deutschen Zirkus Althoff, der während des Zweiten Weltkriegs Juden Unterschlupf gewährt hat, waren Anlass für die Autorin diesen bewegenden Roman zu schreiben. Sie hat sehr gut recherchiert, die Handlung ist nicht völlig erfunden und so ist eine absolut authentische Geschichte entstanden, die perfekt in die Zeit versetzt und berührt. Männer, die nicht zu jüdischen Frauen stehen dürfen, ledige Kinder als großer Schmach, die Verbrechen der Organisation „Lebensborn“, ausgebombte Städte, oder auch die ständig lauernde Gefahr für jüdische Menschen und solche, die sich gegen die Ungerechtigkeiten auflehnen, wird ebenso deutlich, wie die Sehnsucht der Menschen den Krieg zumindest für eine kurze Zeit auszublenden und sich von der Magie der Zirkusarena verzaubern zu lassen.


Die Autorin lässt ihre beiden Hauptfiguren, Astrid und Isa in sich abwechselnden Kapiteln aus der Ich-Perspektive erzählen, was sie einem dem Leser ganz nahe sein lässt. Man erfährt von ihren Geheimnissen, ihren Sehnsüchten und Gefühlen und ich konnte mich in beide perfekt hinein fühlen. Der lockere, flüssige Schreibstil, die kurzen Kapitel, die Szenenwechsel und die angenehm augenfreundliche Schriftgröße haben mich nur so durch die gut 430 Seiten fliegen lassen. „Ich stürzte, und nirgendwo ist eine Stange, an der ich mich festhalten kann. Ich bekomme keine Luft mehr, kann nicht einmal schreien.“ Nicht nur einmal habe ich beim Lesen ebenfalls das Gefühl gehabt, keine Luft mehr zu bekommen, sei es bei Kunststücken in der Luft, bei Kontrollen durch die Gestapo oder auch bei bewegenden Momenten wie Abschiednehmen müssen. Die Autorin versteht es Gefühle beim Leser zu erzeugen, und ich hatte das Gefühl, je mehr die beiden Frauen von sich preisgeben, desto mehr steigert sich das auch im Verlauf des Romans. Richtig gut hat mir auch gefallen, dass Pam Jenoff sehr bildlich und anschaulich formuliert, sodass man sich alles auch wirklich gut vorstellen kann, fast wie im Film.


„Sie trat nur für kurze Zeit auf, war nicht mehr als eine Fußnote in den vielen Jahrhunderten Zirkusgeschichte. Aber mir wird ihr Anblick unvergesslich bleiben.“ Isa und Astrid sind zwei Frauen, die sich eigentlich gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Beide haben ihre Familie verloren, im Zirkus eine Ersatzheimat gefunden, können am Trapez glänzen, müssen sich vor den Nazis fürchten, beweisen unglaublichen Mut und ich ziehe vor beiden meinen Hut. Während ich Isa mit ihrem Schicksal und dann der Rettung des kleinen Theo aus dem Güterwaggon von Anfang an ins Herz geschlossen habe, hat dies bei Astrid, die auf den ersten Blick so unnahbar erscheint, ein wenig gedauert. Aber nicht nur diese beiden charismatischen Frauen sind grandios gezeichnet, die Nebendarsteller sind dies ebenfalls. Eine starke Persönlichkeit ist z.B. Clown „Peter ist der Einzige von uns, der sich den Deutschen entgegenstellt, statt den Kopf einzuziehen und ihnen bei all ihren Vorgaben und Restriktionen ängstlich Folge zu leisten.“, wobei seine Persilflage der Deutschen schon sehr gewagt ist. Sehr bewegt hat mich auch der jüdische Uhrmacher Metz, für den leider irgendwann gilt „Manchmal fehlt einem die Kraft zum Weitermachen.“


Ich bin froh, dass ich zu diesem Roman an einem Wochenende gegriffen habe, denn ich konnte und wollte mich nicht mehr losreißen. Die „Töchter der Lüfte“ haben für mich auf jeden Fall fünf Sterne verdient.

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161 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 109 Rezensionen

allerheiligen, allgäu, altusried, enkelkind, jubiläumsband, kempten, kluftinger, klüpfel, kobr, krimi, lokalkrimi, regionalkrimi, reihe, totensonntag, vergangenheitsbewältigung

Kluftinger

Volker Klüpfel , Michael Kobr
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 27.04.2018
ISBN 9783550081798
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Krieg bitte einen Gockel mit doppelten Pommes. Und als Vorspeise einen Wurstsalat. Könnt ihr nicht wissen: Das Auferstehen von den Toten ist wahnsinnig anstrengend und zehrend, da braucht es nachher eine Stärkung.“ Inzwischen kann Klufti, nach dem ersten Schreck, als er beim Schaulaufen auf dem Friedhof zu Allerheiligen (s)ein frisch aufgehäufeltes Grab samt Holzkreuz mit seinem Namen entdeckt hat, schon wieder seine Scherze machen. Auch die Späße „Wir müssen dich aus der Schusslinie nehmen. Wie wäre es mit Schutzhaft?“, der Kollegen kann er noch mit einem gespielt erzürnten „Spinnst du!“ abtun. Doch, dass das alles andere als ein schlechter, makaberer Scherz war, ist spätestens klar, als noch eine Todesanzeige in der Zeitung erscheint und es sogar Sterbebildchen mit konkretem Todestag gibt. Wird am Volkstrauertag tatsächlich Kluftis letztes Stündchen schlagen, denn dass man ein Altusrieder Original nicht verpflanzt, „Dir eine neue Identität verpassen, vielleicht in…Norddeutschland.“, ist eh klar. Oder wird es ihm und seinem Team gelingen, dem Täter vorher auf die Spur kommen?


Wer Klufti kennt, weiß ja sowieso, dass die Ermittlungen zunehmend etwas in den Hintergrund rücken und so ist es auch hier. Es gibt eine sehr überschaubare Anzahl Verdächtiger und auch wenn es die eine oder andere Überraschung gibt und es sogar zeitweise ganz schön gefährlich für Klufti ausschaut, wird man sich sicher nicht vor Hochspannung die Fingernägel abkauen.


Die Reihe machen für mich aber nicht die Ermittlungen und die Krimispannung, sondern die Mitspieler und die Situationskomik aus. So darf man sich z.B. mit Klufti dutzidutzidu über seinen Enkel freuen, und erleben, dass der ihm auch beweist, dass er ihn ganz schön auf Trab halten kann. Oder man geht mit der ganzen Familie zum Autokauf, klar da gibt´s  ja auch „Wunderbaum und Parkscheibe. Also die für umsonst.“, und erfährt wie aus „Statistik! Hör doch auf, aus Japan ist noch nie was Gescheites gekommen!“ ganz schnell eine andere Meinung wird, wenn seine Schwiegertochter Yumiko neben ihm steht. Man darf sich natürlich auch über einige Szenen mit Dr. Langhammer, der jetzt auf den Hund gekommen ist, amüsieren. Klar, das generell gilt, ,„Die? So weit käm´s noch, dass mein Enkel Gesülze vom Doktor abkriegt. Das hinterlässt doch Schäden bei einem so kleinen Menschen.“, und dass es dem „Bist ein großer Dackel“ Wittgenstein bei Kluftis Brotzeiten besser gefällt, „Hast es dir halt auch nicht aussuchen können, Einstein. Komm, geh mit dem Doktor mir, sonst kriegt der noch Depressionen.“ Oder wenn ich nur an Kluftis Bemühungen um seine Erika denke, „Wär doch toll, wir essen wie früher einen Bauernschübling und vielleicht ein Wienerle…“, die sie mit „Sehr romantisch, Hat nicht der Romeo seine Julia auch mit der Aussicht auf eine Brühwurst rumgekriegt?“ kommentiert, muss ich jetzt noch laut schallend lachen.


Klufti gräbt zudem dieses Mal tief in seiner Vergangenheit und plaudert dabei so richtig aus dem Nähkästchen. Ein echter Fan kann sich natürlich auf gar keinen Fall entgehen lassen zu erfahren, wie das Original überhaupt zur Mordkommission gekommen ist, was sein erster Fall war, wie er sich sein Team zusammengesucht hat und vieles mehr. Zudem wird nur endlich das Rätsel um seinen Vornamen gelüftet, man erfährt auch, wie er zum Spitznamen „Butzele“ und seiner Erika kam und auch, mit wem sich das Original in seiner Jugend so rumgetrieben hat.


Klufti ist Kult und er natürlich ein richtiges Altusrieder Original, wobei er im Verlauf der Jahre auch schon um einiges ruhiger geworden ist. Dass man einiges aus seiner Vergangenheit erfährt, sieht wie liebevoll er mit seinem Enkel umgeht und wie sehr er seine Erika vergöttert und schätzt, macht ihn noch ein richtiges Stück sympathischer, ja man muss ihn halt einfach mögen. Sorgen bereitet dieses Mal Eugen Strobel, der entweder richtige Probleme oder einfach keine Lust mehr auf das Team hat, Roland Hefele turtelt zwischendurch mit Sandy Henske und Richard Maier, beweist, dass er ein Hund mit Diktiergerät ist und schon immer war, „Ich habe ja all ihre Aussagen hier dokumentiert. Vor allem auch die Einlassungen zur Personalführung.“. Das Team sowie alle Nebendarsteller sind wie immer einfach nur herrlich gezeichnet.


Auch wenn die eine oder andere Szene doch recht ausgedehnt wird und damit fast an die Grenze zu einer Länge gerät, hat man wirklich amüsant, kurzweilige Unterhaltung mit dem Jubiläumsband. Der locker, amüsante Schreibstil mit viel Regionalkolorit liest sich einfach vergnüglich, flüssig und die Seiten fliegen nur so dahin. Kluftinger der Zehnte, ganz klar Pflichtlektüre für alle Klufti Fans und alle, die das Original besser kennenlernen wollen, noch fünf Sterne sind da auf jeden Fall drin.

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