Antek

Anteks Bibliothek

929 Bücher, 852 Rezensionen

Zu Anteks Profil
Filtern nach
930 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(7)

16 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

krimi, 2016, regionalkrimi, fortsetzung, humor

Kräuterrosi und ihr Bumshüttensepp

Doris Fürk-Hochradl
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783954519866
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich hatte schon mit „Kräuterrosi, ledig, sucht, …“ so eine Fetzengaudi, dass ich mich riesig auf ihren zweiten Fall gefreut habe. Die Autorin hat mich nicht enttäuscht, ihr ist ein wirklich überzeugender zweiter Teil ihrer liebenswerten Kräuterhexe mit Detektivsinn gelungen.

Rosis neuer Lebenspartner, der ehemalige Bordellbetreiber Bumshüttensepp, soll groß im Fernsehen heraus kommen. „Pimp my Puff“, das neue Format, das noch am Bildschirm gefehlt hat, soll er machen, aber das ist nichts für Rosi. Die beschließt stattdessen ein paar ruhige Tage bei ihrer Freundin Klara im Kloster zu verbringen. Doch aus ruhig wird natürlich nichts, denn kaum angekommen, liegt auch schon eine bestialisch zugerichtete Frauenleiche direkt vor der Kirche. Wer hat Pflegerin Milena so übel zugerichtet, ihr eine Babypuppe auf den Bauch gelegt und an den Pilgerbrunnen „Kindsmörderin“ und „Hure“ gepinselt. Ganz klar, dass Rosi jetzt keine Ruhe mehr gibt, bis die Wahrheit ans Licht gezerrt ist, denn schließlich gilt bei ihr: „ Gut, dass ihr mich habt. (…) Ich Rosi dreiundsechzig, mit angeborener Schnüffelnase und erworbenem Helfersyndrom gebe nicht auf.“

Im zweiten Fall hat der Krimi an sich mehr Gewicht gewonnen und die Autorin gibt einem wirklich genug zum Grübeln und Kombinieren. Wer könnte der Täter sein, Boris, der Pater, bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob das noch Religion, oder schon Sekte ist, was er veranstaltet, jemand, der keine ehemaligen Prostituierten im Ort haben wollte oder gar eine durchgeknallte Heimbewohnerin, die mit Wahnvorstellungen überall den Belzebub Kindermörderinnen holen sieht? Je tiefer Rosi ihre Schnüffelnase steckt, desto mehr überraschende Puzzleteilchen kommen hinzu und ich hatte zwar irgendwann einen Verdacht, lag auch mit einem kleinen Teil meiner Vermutungen richtig, aber die Autorin, hat mich trotz allem mit ihrem Finale noch einmal so richtig überrascht.

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die Seiten geflogen. Man darf herrlich viel schmunzeln, sei es durch witzige Szenen oder durch schlagfertige und gelungene Dialoge. Da kann von Rosi schon mal kommen „In meinem Alter darf man einfach nur zum Spaß“ oder ein aufbrausender Reporter bekommt den Namen „Humpelmann“ verpasst. Die Autorin beschreibt super anschaulich und so konnte ich mir von übel zugerichtete Leiche, über ein abgefahrenes Engelszimmer, bis hin dazu, wie ihr Sepp unter der Dusche sein Medley trällert, alles wirklich bildlich vorstellen. Gut gefallen mir auch ihre zahlreichen tollen Vergleiche, da ist schon einmal etwas „bitter wie Lebertran“, eine Meinung „so viel wert, wie der Dünnschiss meiner Kuh“ oder Klara hat den „Teint eines halben rohen Palatschinkens“. Gut gelingt Doris Fürk-Hochradl auch Emotionen aufzubauen und den Leser durch Sympathien und Antipathien gekonnt an der Nase herum zu führen.

Wirklich grandios gezeichnet ist, wie sich die Atmosphäre im sonst so beschaulichem Wallfahrtsort Maria Schmolln immer mehr aufheizt. Alle Kirchenleute werden über einen Kamm geschoren und es wird wild geschimpft und gehetzt. Autos werden beschmiert, fremde Leute verjagt und der Tratsch schlägt derartige Wellen, sodass sogar die Fernsehteams anrollen, weil sie sich die große Story wittern.

Rosi ist mir ja im letzten Teil schon so richtig ans Herz gewachsen und für mich war es wie ein Wiedersehen mit alten, lieb gewonnen Bekannten. Rosi hat kein bisschen von Humor oder Neugierde eingebüßt und ich hatte wieder einen riesen Spaß mit ihr. Ihr Bumshüttensepp und sie, da haben sich zwei gesucht und gefunden, die besser nicht zusammen passen könnten. Es ist nicht nur ihre Liebe zu spüren, sondern die beiden ticken auch in vielem ganz ähnlich. Mit von der Partie ist natürlich auch wieder ihr Schwiegersohn in spe, Kurt, der von der Dorfpolizei inzwischen zur Kripo aufgestiegen ist. Ohne ihn könnte sich Rosi sicher nicht so viele Alleingänge erlauben, schließlich ist sie fest davon überzeugt, dass er sie nicht einkasteln wird, auch wenn sie nicht immer den ganz legalen Weg geht. Auch die Nebendarsteller sind gelungen und originell, bei der herrischen Mutter Oberin Crescentia angefangen, über Rosis Freundin Gitti, die leider oft redet, bevor sie den Kopf einschaltet, bis hin zu Sohnemann Raphael, der die Ermittlungen natürlich auch wieder mit Internetrecherchen unterstützen muss. Erwähnen muss ich auch Traudi, weil die gute Frau mich mit ihren Vorurteilen und ihrem bösen Gerede fast an die Zimmerdecke gebracht hat.

Wie schon im ersten Teil, tragen die Kapitel Überschriften, die schon zu Beginn neugierig machen. Glücklicherweise ebenfalls erhalten geblieben sind die vorangestellten Hausmitteltipps zu allerlei Leiden, schließlich heißt sie ja auch nicht umsonst Kräuterrosi. Ich habe nach dem Lesen auf jeden Fall die leise Hoffnung, dass mir ihre Tipps zur Rauchentwöhnung helfen könnten.  Da Rosi ja in Maria Schmolln weilt, kommen bis auf zwei Neugierige samt einem Minischwein mit Verstopfung leider dieses Mal keine Patienten zu ihr, vielleicht dafür nächstes Mal wieder mehr.

Alles in allem ein Krimi, der mit sympathischen, originellen Charakteren, einem spannenden Fall und ganz viel Humor punkten kann und deshalb von mir auf jeden Fall 5 Sterne bekommt.

  (18)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

24 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

freundinnen, krimi, linda cuir, booksnacks, angst

Die letzten Sekunden

Linda Cuir
E-Buch Text: 12 Seiten
Erschienen bei booksnacks.de, 04.10.2016
ISBN 9783960871088
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Gerade zu einer kleinen Kaffeepause schätze ich diese Booksnacks immer mehr und bin von der Idee an sich wirklich richtig begeistert. Linda Cuir hat mich kürzlich schon mit „Langsam, ganz langsam“, einem anderen Booksnack aus ihrer Feder, grandios gut unterhalten und deshalb habe ich mich sehr auf ihren neuen Kurzkrimi gefreut.

In "Die letzten Sekunden" treibt ein Frauenmörder in einer Kleinstadt sein Unwesen. Sarah ist mit ihren Freundinnen zu einem gemeinsamen Abend verabredet und will sich eilig auf den Weg machen. Alf, ihr Ehemann, der sich wegen des Frauenmörders sorgt, will sie eigentlich begleiten. Doch es bleibt beim Wollen, da just in dem Moment sein Lieblingsfußballverein ein Tor landet und er sich nicht vom Fernseher lösen kann. Früher hätte er sie sofort begleitet, wird er sie je wieder begleiten können?

Der Sprachstil liest sich auch bei diesem Booksnack super locker, leicht und die kurze Lektüre ist im Nu verschlungen. Der Autorin hat es geschafft die Bedrohung durch den Frauenmörder und die Angst vor ihm nachts alleine auf dunkler, nebliger Straße darzustellen, sodass ich mich so richtig in die Situation hinein versetzen konnte.

Alles in allem hatte ich spannende Krimiunterhaltung, die mir stellenweise Gänsehaut bereitete und ich habe gefesselt gelesen. Ganz so sehr überzeugen, wie bei „Langsam, ganz langsam“ konnte mich die Autorin aber nicht, weil mich das Ende nicht hundertprozentig überzeugt hat.

  (36)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

15 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

bayern, hamburg, serienmörder, bad berging, kopflose leichen

Der Henker von Bad Berging

Katja Hirschel
Flexibler Einband: 452 Seiten
Erschienen bei Acabus Verlag, 04.10.2016
ISBN 9783862824373
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist nach „Der Semmelkönig“, bereits der zweite Krimi aus Bayern von Autorin Katja Hirschel. Für mich war es der erste und da ich Dialekt liebe, den man hier reichlich findet, hatte ich viel Lesespaß.

Jens Kessler, der sich in den USA als erfolgreicher Profiler einen Namen gemacht hat, wird in Hamburg zu einem grausamen Leichenfund gerufen. Gemeinsam mit seiner Kollegin Rita Hubschmied steht er vor einem abgetrennten Kopf, dem die Augen ausgestochen wurden. Sofort erinnern sich beide an den Princetown Mörder, der aber vor Jahren erfolgreich verhaftet wurde und sicher einsitzt. Ist die Vorgehensweise zufällig dieselbe, oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter? An einen Zufall will aber niemand mehr glauben, als in München am Bismark-Denkmal ein ebensolcher abgetrennter Kopf auftaucht, hier ist eindeutig ein Serienkiller unterwegs. Hamburg, München, was hat das mit dem fiktiven Ort Bad Berging zu tun? Hat der Täter etwa den riesigen Forst in dem bayrischen Örtchen zum Entsorgen der übrigen Leichenteile für sich entdeckt? So bleibt Kommissar Maus und seiner Truppe vor Ort nichts anderes übrig, statt vermisster Haustiere, plötzlich einen Mörder zu suchen. Wäre das nicht schon genug, bekommen sie auch noch Unterstützung von Kessler und seinem Team. Das bedeutet Nordisches High-Tech- Profiling versus echt bayrische, traditionelle Polizeiarbeit, die knapp 500 Seiten bedarf, bis man sagen kann “Des Schlimmst´homma hinta uns!“

Der Krimi geht sofort mit dem wirklich ganz grausigen Leichenfund extrem spannend los und ich war sofort am Rätseln. In Bad Berging geht es derweil gelassen und ruhig zu, das zeigt die Autorin auch mehr als deutlich. Da läuft das Leben nach seinem eigenen Takt und zahlreiche Szenen erzählen davon. Ganz klar, dass dazu die spannende Tätersuche immer wieder etwas in den Hintergrund rückt. Damit diese aber nicht auf Eis liegt und das Tempo wieder so richtig angeheizt wird, verwendet Katja Hirschel zahlreiche Perspektivwechsel, was mir grundsätzlich sehr gut gefällt. Hier musste ich mich beim Lesen aber schon extrem konzentrieren, sonst hätte ich den Überblick sicher verloren. Was aber weniger an einem höchst komplexen Fall liegt, sondern daran, dass es zu den teilweise nur wenige Zeilen langen wechselnden Szenen auch für mich viele Charaktere gibt. Hier wäre mir bei beidem etwas weniger sehr lieb gewesen. Das Finale ist rasant und birgt einige Überraschungen.  

Der Schreibstil der Autorin liest sich an sich locker, leicht und richtig begeistert bin ich davon, dass man viel lachen kann.

Ich liebe Dialekt und das zeichnet diesen Krimi für mich aus. Die Autorin lässt ihre Charaktere gern in O-Ton zu Wort kommen. Sogar im Englischkurs, darf ein Teilnehmer noch „I am on se Liste“ zur Völkerverständigung beitragen. Ich habe teilweise wirklich Tränen gelacht. Auch die Probleme, die sich nicht nur aus dem Zusammentreffen  von kühler Art aus dem Norden und den gemütlichen Bayern zwangsläufig ergeben, sondern auch die eine oder andere sprachliche Barriere fand ich einfach nur köstlich. Dass es für den Leser keinerlei solche Verständnisprobleme gibt, dafür sorgt die Autorin mit Fußnoten, die alle Passagen ins Hochdeutsche übersetzen. Ich hätte die allermeisten nicht gebraucht, toll fand ich aber, dass sie direkt am Seitenende zu finden sind und man deshalb bei Bedarf nicht ständig blättern muss.

Ganz am Ende findet man einen Spickzettel, der einem mit den diversen Personen hilft. Gerade ich als Neueinsteiger, der zusätzlich noch mit einem äußerst schlechten Namensgedächtnis ausgestattet ist, war darum sehr froh.

Richtig witzig fand ich Kommissar Maus, von dem ich gerne noch ein bisschen mehr gelesen hätte. Aber er gehört zur Stammbesetzung und sicher bringt er mich mit dem ersten Teil und den noch  folgenden, die ich bestimmt lesen werde, noch weiter zum Lachen. Sehr sympathisch fand ich aus seinem Team Steffi Vogler. Die alleinerziehende Mama mit ihren Sorgen ist richtig authentisch dargestellt. Jens Kessler ist ein schwieriger Charakter, mit dem eine Zusammenarbeit sicher nicht einfach ist. Seine herrische, barsche Art konnte ich immer mehr nachvollziehen, aber längst nicht gutheißen. Aber Rita Hubschmied, die mit ihrem Vorpreschen natürlich gar nicht in Kesslers Konzept passt, lässt sich nicht entmutigen. Mehr als zahlreiche Nebendarsteller sind liebevoll und originell dargestellt, bei Hübner, dem Nachbarn von Kommissar Maus angefangen, über Kathy, die begehrte Englischlehrerin, bis hin zu den einzelnen Minirollen, wie die der hysterischen Hundehalterin, die ihren Chihuahua vermisst. Die Autorin muss so ein solcher Tierfreund wie ich sein, und ich habe mich sehr über die diversen tierischen Mitspieler gefreut.  

Alles in allem ein  Krimi, der sich für mich durch seine zahlreichen Passagen in Dialekt auszeichnet, sich ab und an etwas auf Kosten der Spannung anderen Dingen zuwendet und mit knapp 500 Seiten daher auch Durchhaltevermögen verlangt. Aber für alle Liebhaber von Mundart, die gerne lachen, ist „Der Henker von Bad Berging“ sicher eine Empfehlung wert und bekommt von mir deshalb noch vier Sterne.

  (33)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(6)

9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Der Minutenschläfer

Sue Schwerin von Krosigk ,
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei be.bra, 05.09.2016
ISBN 9783898095440
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der ewig klamme Hartung Siegward Graf von Quermaten zu Oytinghausen, von allen Hasi genannt, ist für Immobiliengeschäfte viel zu ehrlich. Welch ein Glück, dass sich jetzt ein neuer Job für ihn auftut. Er darf über den Sommer eine Villa voller Kunstschätze hüten. Blöd nur, dass er bei einem Radunfall genau in jenes Gebüsch vor einem Haus fliegt, in dem wenig später ein Matisse-Gemälde geraubt und dabei die Tochter des Eigentümers ermordet wird. Klar, dass er dadurch schon ins Visier der Kriminalpolizei gerückt ist. Er hat doch bestimmt die Villa ausgespäht. Jetzt wird natürlich mehr als argwöhnisch beobachtet, was der abgebrannte Adelige in einer Villa voller potentiellem Diebesgut zu suchen hat. Und hier gibt es nicht nur für Hasi und die Ermittler, sondern auch für den Leser jede Menge Überraschungen.

Im Krimi herrscht eine gewisse Grundspannung und langweilig wird es mit Sicherheit nicht. Je näher man den Tätern kommt, desto mehr hofft man, dass diese ihre gefährlichen Pläne aufgeben werden. Hasi sitzt zunehmend auf heißen Kohlen und der Leser mit ihm. Etwas Besonderes ist sicher das Motiv und die Geschichte darum, und das zeichnet diesen Krimi aus. Die relativ kurzen Abschnitte mit den häufigen Szenenwechseln, die sowohl aus Hasis, als auch aus Kommissarin Lydia Klimms Sicht berichten, und zudem auch immer wieder den Fokus auf die Täter richten, verleihen dem Krimi zusätzlich Fahrt.

Esoterik Nerds kreuzen Hasis Weg und mit Paralleluniversen und Orakeln kann ich eigentlich nicht besonders viel anfangen. Da aber auch Hasi dem Ganzen recht skeptisch gegenüber steht und dies daher entsprechend kommentiert, habe ich mich sogar mit diesen Szenen gut unterhalten gefühlt.

Der Schreibstil ist einfach herrlich. Der Krimi liest sich herrlich locker, leicht und ich bin regelrecht durch die Seiten gelogen. Ich habe mich prächtig über den leicht gestelzten Sprachstil, wenn es um Hasi ging, amüsiert. So kann es schon „ an den Rändern etwas unscharf sein“, wenn einer ein paar Kilos zugelegt hat. „Logisprobleme“ sind bei ihm Dauerthema und abgewetzte Stellen an seiner gebrauchten Kleidung motzt er so auf,  dass die „Kalamität“ nicht weiter auffällt. Aber auch die Szenen sind einfach herrlich und sprudeln nur so vor Situationskomik. So muss sich Hasi z.B. beim Gruppentreffen der von Kiki verordneten Stresstherapie, auf der Flucht vor Biggi zwischen die Frau mit Tinnitus und die stachelige Managerin quetschen, nur um dann feststellen zu können, dass die andren noch abgedrehter sind als er. Richtig begeistert bin ich von den originellen Vergleichen. So bekommt er z.B. einen Apfelkuchen serviert, der „schmeckte, als hätte man ihn aus einem zweitausend Jahre verschlossenen Pharaonengrab geborgen“.  Auch die Spitznamen, die verwendet werden, sind witzig, bei Hasi angefangen, über Tante Pudel, bis hin zu Brezel. Mir ist an keiner Stelle aufgefallen, dass es sich um ein Autorenpaar handelt, hier ist perfekt zusammengearbeitet worden. Es wird auch alles sehr anschaulich erzählt, sodass ich stets das Gefühl hatte, der Krimi läuft wie ein Film in meinem Kopf ab.

Hasi ist der Hit. Der finanziell etwas angeschlagene Ewigstudent, dem jetzt die Finanzgeber ausgegangen sind, muss sich von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob durchhangeln und ernährt sich hauptsächlich von Büffets, zu denen er eingeladen wird. Er kann mit seiner Abstammung und mit seinen guten Manieren punkten, meist auch mit seinem Second Hand Luxusoutfit, dem er alle Pflege zukommen lässt. Der originell schräge, aber super ehrliche Charakter ist mir beim Lesen so richtig ans Herz gewachsen. Auch die Kommissarin Lydia Klamm ist so ein Unikum. Ich konnte sie mir so gut vorstellen, wie sie mit ihren 62 Jahren im unkaputtbaren Cabrio, dem Erbe ihres verstorbenen Mannes, um den sie noch schwer trauert, mittags ins Büro fährt und bevor sie loslegt, erst einmal die Nackte unter dem „abstrakten Verkehrsunfall“, wie man das Gemälde ihres Künstlergatten auch betiteln könnte, sucht. Ich habe mich auch prächtig über ihre Gedanken zu Hasi amüsiert, von homosexuell über Hochstapler bis hin zu psychisch labil, ist da alles mit dabei. Die Nebendarsteller sind ebenfalls grandios gezeichnet. So ist mir z.B. die taffe Retterin Feli z.B. ebenfalls richtig ans Herz gewachsen und Tante Kiki hat mir mehr als gut gefallen. Über seinen ehemaligen Schulkameraden Thomas konnte ich mich so richtig aufregen und der gehemnisvolle Hartmann ist mehr als authentisch dargestellt.

Sehr gut gefällt mir, dass man sofort merkt, dass der Krimi in Berlin spielt. So geht es z.B. ins Kesselhaus, die Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg, es wird am Grunewaldsee vorbei geradelt oder die Villa, die Hasi hüten soll, steht in Zehlendorf.

Alles in allem ein Krimi, der auf humorvolle Art mit sehr originellen, äußerst liebenswerten Charakteren wirklich sehr gut unterhält und von mir auf jeden Fall noch 5 Sterne erhält. Ich würde mich sehr freuen, wenn es ein Wiederlesen mit Hasi, Lydia Klimm und allen anderen geben würde.

  (27)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

22 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

2016, ilona mayer-zach, advent, garage, sprichwörtliche leiche im keller

Schöne Bescherung für Helene

Ilona Mayer-Zach
Flexibler Einband: 242 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.10.2016
ISBN 9783839219034
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Eine Leiche für Helene“ war für mich ein Wohlfühlkimi mit einer sehr sympathischen Hobbyermittlerin und ich habe mich sehr gefreut, dass die Autorin Helene auch im vorweihnachtlichen Graz wieder einen neuen Fall zu lösen gibt.

Helene freut sich schon wahnsinnig auf Weihnachten, endlich wird sie ihre Familie wieder um sich versammeln können. Ehemann Thomas weilt schon seit einem halben Jahr im Senegal, Tochter Valerie in Island und Sohn Patrick steckt in den letzten Zügen seines Studiums. Doch weder aus besinnlicher Adventszeit, noch aus einem harmonischen Weihnachten im Kreise ihrer Lieben wird etwas. Eine ganz besondere Homepage, eine eingemauerte Leiche und ein charmanter Nachbar, der ihr den Kopf verdreht, haben andere Pläne für Helene.

Der Krimi beginnt mit einem fesselnden Prolog eigentlich sofort richtig spannend, wobei diese Spannung dann erst einmal wieder etwas abflacht, zumindest, bis dann die schlechten Fahrkünste ihrer Freundin Theresa die beiden direkt zur Leiche führen. Ab diesem Zeitpunkt kann man zunehmend auf Tätersuche gehen, wofür die Autorin mehrere Optionen bereit hält. Man muss sich sicher nicht vor Hochspannung die Fingernägel abknabbern, aber ich habe mich auf jeder Seite wirklich gut unterhalten gefühlt.

Neben der Lösung des Falls geht es natürlich auch um Helene. Wie lebt sie in Graz als Single, warum fällt das familiäre Weihnachten ins Wasser? Vor allem gilt es auch zu erkunden, ob „Casanova ein Lercherlschas gegen diesen Mann“ ist, oder nicht. Richtig witzig ist auch ihr Homepage Auftrag, den Bernd Koller für ihre  „k und k Agentur für Dienstleistungen aller Art“ an Land gezogen hat.

Der Schreibstil liest sich einfach locker, leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Ich konnte immer wieder schmunzeln. Die Erkenntnis, dass es heißt, „der Computer und wer versteht schon Männer“ ist längst nicht die einzige Szene, die mich grinsen ließ. Witzige Sprüche, biestige Schwiegermütter und vieles mehr sorgen hier für gute Laune. Die Autorin beschreibt sehr anschaulich und ich hatte das Gefühl live mit Helene on Tour zu sein. Auch Gefühle, wie Helenes Enttäuschung, ihre Schmetterlinge im Bauch oder ihre Unsicherheit konnte ich richtig mitleben.

Die Charaktere sind gelungen ausgewählt und Helene war mir ja schon im ersten Teil äußerst sympathisch. Sie achtet auf ihr Äußeres und macht sicher nicht zuletzt dank des „blauen Blasers, der eine schlankere Taille schummelt, als es die Vanillekipferln zulassen“ mit ihren 50 plus eine gute Figur. Nachdem die Kinder flügge wurden und Mann Thomas am anderen Ende der Welt sitzt, kommt sie mit ihrer vielen Freizeit nicht wirklich gut zurecht. Sie kann nicht nein sagen und deshalb manövriert sie sich in manch heikle Situationen. Ihren geheimnisvollen Nachbarn Emil Kisch fand wohl nicht nur ich sehr sympathisch, Helene ging es ebenso. Auch die Nebendarsteller fand ich gut gezeichnet. Theresa verlangt z.B. viel von ihrer Freundin, wenn auch auf Druck deren Mutter. Schwiegermutter Elsa sorgt schon mit einem einzigen Anruf für Wut im Bauch und das Schicksal von Frau Teichmann hat mich schwer gerührt.

Der Krimi passt einfach perfekt in die Vorweihnachtszeit. Helene schlendert nicht nur einmal über den Weihnachtsmarkt und ich hatte den Geruch der Honigwachskerzen, der Leckereien und den von Punsch regelrecht in der Nase. Helene backt und verbringt die Feiertage, sodass man beim Lesen richtig in Weihnachtsstimmung kommt. Toll finde ich auch den kleinen Einblick in Weihnachten in Island und im Senegal.

Ein Highlight ist das Lokalkolorit. Dass die Autorin Graz liebt, ist mehr als deutlich zu spüren. So weiß ich jetzt nicht nur, wo halb Graz seine ersten Tanzschritte gelernt hat, sondern auch, dass ich bei einem Besuch ganz unbedingt in der Hofbäckerei „Sissibusserln“ besorgen muss. Klasse wäre sicher auch eine Weinstaube von Helenes Lieblingsstandlerin am Bauernmarkt. „Na Servas“ auf gut Wienerisch kann schon mal von Helene kommen und auch der eine oder andere Nebendarsteller kommt in Dialekt zu Wort.

Alles in allem ein wirklich unterhaltsamer Cosykrimi, der zeigt, dass auch in Frauen plus 50 noch jede Menge Power steckt, perfekt zum Abschalten dient und deshalb auch noch 5 Sterne erhält.

  (17)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(11)

18 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

märchen, gedichte, geschichten, kinderbuc, schiefe märchen

Schiefe Märchen und Schräge Geschichten

Paul Maar , Pana Dalianis
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Oetinger, 26.09.2016
ISBN 9783789104442
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Ich habe das Sams schon in meiner Schulzeit geliebt und liebe es immer noch. Herrlich schief, schräg und einfach nur zum Schmunzeln, dafür ist Paul Maar ein Garant. „Schiefe Märchen und schräge Geschichten“ ist ein großartiger Sammelband an verrückten Geschichten, die vor Kreativität, Fantasie und Sprachkunst nur so strotzen.

Auf 176 Seiten findet man hier 18 verschieden lange Geschichten, die eine breite Vielfalt aufweisen. So findet man z.B. auf zwei Doppelseiten, eine „Zungenbrecher- Geschichte“, auf einer anderen Doppelseite versammelt der Autor mit „Und du bist raus!“ sechs verschiedene, völlig auf modern getrimmte Abzählreime. Man findet Gedichte, die mit den Namen und Themen bekannter Märchen kreativ spielen. Aber es gibt auch einige längere Geschichten. Man hat hier also die breite Auswahl.

Für mich war wirklich jede Seite eine wahre Fundgrube und mir hat das Buch von Anfang bis Ende richtig gut gefallen. Mein Favorit ist aber sicher die etwas längere Geschichte „Die Vase, die sprach“. Hier sorgt „Nitalla“ die „Blase“, die einmal einer „Sauberin“ gehört hat, völlig ohne „Zauderstab, dass Herr Jakobi Schwein hat und nicht mehr so allein sein muss. Gefreut habe ich mich, dass ich dank „Frau Holle“ mit jetzt 39 Jahren endlich weiß, was die gute Frau macht, wenn es nicht gerade schneit. Auch „Der gestiefelte Skater“, der den gestiefelten Kater auf neu trimmt, hat mir besonders gut gefallen, vor allem auch die Botschaft, die mitschwingt. Bleib dir selbst treu und verbiege dich nicht für andere. Ich könnte noch ewig weitermachen, denn es waren wirklich alle Geschichten auf ihre ganz eigene Weise toll.

Der Schreibstil des Autors liest sich einfach herrlich. Man muss sich hier wirklich selbst ausbremsen, dass man nicht sofort alles verschlingt, denn das würde dem tollen Buch gar nicht gerecht werden. Er spielt derart erfinderisch mit Sprache, dass ich nur begeistert sein kann. So findet man hier z.B.  Reime wie „der Sturm, der Sturm, der himmlische Wurm“, bei „Coolen Jungs aus ihren heißen Öfen“, haben die Öfen nicht nur eine Bedeutung und die Namen, die er seinen Figuren gibt, sind ebenfalls mehr als einfallsreich. Mein Favorit hierbei ist sicher „Minimilian“. Aber Paul Maar strotzt nicht nur an ungeheurer Kreativität, was sein Spiel mit Sprache angeht, auch die Ideen für seine Geschichten an sich sind einfach nur erfinderisch und originell. Eisbären im Kühlschrank, Heinzelmännchen im Shoppingwahn, ein Föhn, der zum Telefon mutiert, oder ein ehemaliger Kuhstall als „Schmollhäuschen“ umfunktioniert, hier findet man nicht nur eine schräge Idee.

Das Buch liefert zahlreiche Anregungen für Kinder, selbst kreativ mit Sprache umzugehen. Abzählreime für Spiele gibt es in Hülle und Fülle. Sicher sind auch die altbekannten toll gewesen und sollten daher nicht vergessen werden, aber ein bisschen frischer Wind ist einfach klasse. „Schneewittchen und die sieben Rapunzeln“ eignet sich z.B. hervorragend zum Märchentitel suchen lassen. In  „Rumpelgerumpel“ wimmelt es nur so vor „Rumpel-Wörtern“. Hier lassen sich vielleicht noch weitere finden bzw. das Spiel lässt sich mit anderen Wörtern weiterspinnen. Für Buchstabendreherwörter findet man in „Die Vase, die sprach“ zahlreiche Ideen, die jede Menge Lust und Laune machen.

Auch von der Illustration bin ich wirklich begeistert. Die Art zu Zeichnen, die auf dem Cover angedeutet wird, setzt sich auch im Innern fort. Es gibt bunte Figuren mit großen Köpfen und schiefen Proportionen. Aber nichts würde auch besser zu den schrägen Geschichten passen, als diese Art zu malen. Trotz aller „Einfachheit“ liefern die Illustrationen jede Menge Details, die zum Betrachten einladen, karierte Hausschlappen, kleine Igel- und Vögelchen, ein Schmetterling da, ein Knochen hier oder eine gepunktete Kaffeekanne auf dem Tablett, machen das Buch zu einem perfekten Gesamtpaket.

Alles in allem eine tolle Fundgrube nicht nur an modernen Märchen, sondern vielem mehr, die eigentlich in keinem Kinderzimmer, sowohl zum Vorlesen, als auch zum Selberlesen, fehlen sollte.

  (19)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(21)

37 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

stuttgart, stammheim, 201, drogenmilieu, silvia stolzenburg

Tödliche Verdächtigungen

Silvia Stolzenburg
Buch: 272 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783956690693
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach "Tödliche Jagd" und "Die Fliege", ist dies bereits der dritte Fall für das Stuttgarter-Ermittlerduo Anna Benz und Markus Hauer. Ich war so gespannt auf den, hoffentlich nicht wirklich letzten Teil der Reihe, und wurde nicht enttäuscht.

Es knüpft direkt am letzten Teil, in dem Anna endlich Kontakt zu ihrem leiblichen Vater Roland aufgenommen hat, an. Die zarten Bande zwischen Vater und Tochter, die am Entstehen sind, werden aber sofort auf eine harte Probe gestellt, als Anna mitten in der Nacht einen aufgeregten Anruf von ihm erhält. Er hat seine Assistentin Marilene tot in seiner Villa aufgefunden. Als Anna bei ihrem Vater eintrifft, herrscht Chaos in Roland Kirchbergers Kopf. Er kann sich an nichts erinnern und alles spricht für ihn als Täter. Voller Selbstzweifel bittet er Anna, die sich zwar nicht vorstellen kann, dass er der Mörder sein soll, aber auch leise Zweifel hegt, um Hilfe. Sie beschließt das Verwandtschaftsverhältnis zu verschweigen um das Rätsel lösen zu können. Die geht natürlich nicht lange gut und sie wird doch vom Fall abgezogen. Dies ist für Anna allerdings kein Grund sich zurückzulehnen, schließlich muss sie ihren Vater aus dem Untersuchungsgefängnis in Stadelheim holen und will auch endlich Sicherheit. Ihre Privatermittlungen bringen allerdings nicht nur sie so richtig in Gefahr.

Es handelt sich um den dritten Teil der Reihe, den man sicherlich auch ohne Vorkenntnisse lesen kann. Will man sich aber auch in Anna besser hineinversetzen können, ist es auf jeden Fall ratsam ihre Geschichte zu kennen. Ist es doch hinter dem Hintergrund zerrütteter Familienverhältnisse, die ihr Vertrauen geraubt haben, noch einmal ganz anders zu bewerten, dass die neue Vaterfigur, die ihr endlich Sicherheit geben könnte, vielleicht auch eine große Enttäuschung sein könnte. Ihre Zweifel, ihre Gedanken und ihre Hoffnungen sind wirklich grandios gezeichnet. Ebenso die Selbstzweifel Rolands, der sich wegen seinem Gedächtnisverlust, den er schon öfters erlebt hat, wenn er seine Medikamente in kreativen Schaffensperioden abgesetzt hat, zermürbt.

Es geht sofort mit dem schrecklichen Leichenfund los und man wird als Leser von Beginn an regelrecht in das Geschehen gezogen. Der Fall ist komplex gestrickt und die Spannung erhöht sich von Kapitel zu Kapitel, bevor es dann zu einem mehr als fesselnden Finale kommt. Ich konnte das Buch irgendwann wirklich gar nicht mehr aus der Hand legen. Ganz lange hat mich die Frage nach dem Motiv am Mord von Marilene am Rätselraten gehalten.  

Der Schreibstil liest sich locker, flüssig und ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. Die Autorin beschreibt derart anschaulich, dass man das Gefühl hat live mit vor Ort zu sein. Es gelingt ihr auch fantastisch Gefühle darzustellen, sodass ich mich nicht nur gut in die Köpfe der Charaktere denken, sondern regelrecht mitfühlen kann.

Anna Benz hat sich in den drei Bänden sehr zu ihrem Positiven verändert und dieses Mal hat sie eine absolut authentische und sympathische Rolle gespielt. Anna ist eine Topermittlerin, die sich nicht nur auf ihr Bauchgefühl verlassen kann, sondern der auch bei den Ermittlungsmethoden niemand etwas vormacht. Es muss nur dafür gesorgt sein, dass sie stets etwas zu Essen zwischen den Zähnen hat, denn hungrig geht bei ihr gar nichts. Froh sein kann sie um Markus, ihren engsten Kollegen und sicher auch guten Freund. Gefreut habe ich mich auch über ein Wiedersehen mit Bea, der rastalockigen Gerichtsmedizinerin, die mit Markus verbandelt, ebenfalls aber auch Annas beste Freundin, auf die sie sich perfekt verlassen kann, ist. Richtig gut gefallen hat mir auch Roland, Annas Künstlerpapa, dessen Rolle mehr als überzeugend echt dargestellt ist. Aber auch alle anderen kleinen Rollen sind perfekt besetzt, bei Nang, der thailändischen Prostituierten, um die ich mir richtige Sorgen machen musste, angefangen, bis hin zu Jens, Annas Lebensgefährten, der sich nicht nur Sorgen um sie macht, sondern sie auch bei ihren Ermittlungen tatkräftig unterstützt.

Super gut gefällt mir an der ganzen Reihe, dass die Ermittlungen so authentisch dargestellt werden. Da rücken erst einmal der KDD und die Tatortgruppe an, es werden ausführlich Spuren gesammelt, bevor irgendjemand an den Tatort darf und auch dann muss volle Schutzkleidung angelegt werden. Eine Verhandlungsgruppe wird bei einem SEK Einsatz mitgeschickt oder eine Ringfahndung wird so eingeleitet, wie es in der Realität üblich ist und eben nicht so einfach und salopp, wie man es im Krimi normalerweise findet. Grandios recherchiert hat die Autorin auch die Unterbringung im Untersuchungsgefängnis Stadelheim, bei der Einlieferung angefangen, über Essens- oder Arbeitsregelungen, bis hin zur Atmosphäre wird hier wirklich fundiert und großartig beschrieben.

Sehr positiv empfand ich auch die angenehme Schriftgröße.

Alles in allem ein toller dritter und sehr persönlicher Fall für Anna Benz, der auf jeden Fall großartige Krimiunterhaltung bringt und daher von mir 5 Sterne erhält.

  (17)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(25)

27 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

krimi, maple peaks, mords-team, fast ertrunken, andreas suchanek

Ein MORDs-Team - Band 14: Verloren und Vergessen (All-Age Krimi)

Andreas Suchanek
E-Buch Text: 122 Seiten
Erschienen bei Greenlight Press, 09.11.2016
ISBN 9783958342279
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dies ist bereits der 14. Teil aus der Reihe "Ein MORDs-Team“ und gleichzeitig der zweite des zweiten Zyklus, bei dem es, neben dem Netz um die Dynastien und den Grafen, um die Vergangenheit von Corey und Wendy Parker geht.

Um mehr darüber herauszufinden führt der Weg das Team in den Nachbarort Maple Peaks. Sie erhoffen sich dort über Miranda, einer Studienkollegin von Sonja, weitere Informationen zu erhalten. Ganz klar, dass dies nicht unbemerkt bleibt und verhindert werden muss und so ist schon vorprogrammiert, dass sich vor dem Team Hindernisse auftun und es wieder einmal ganz schön gefährlich wird. Danielle sitzt währenddessen im Schweizer Internat fest und an einen Ausbruch ist gar nicht zu denken, oder doch? Als große Überraschung gibt es auch noch einen völlig neuen Bürgermeisterkandidaten, mit dem wohl niemand gerechnet hat.

Der Schreibstil liest sich wie immer locker, leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Hier passt die Mischung einfach nur perfekt. Es gibt Action, denn gefährlich wird es bei den Ermittlungen immer, wobei mir hier ein wenig weniger auch gereicht hätte. Irgendwie scheinen alle, aber Mason im ganz Besonderen, die Gefahr magisch anzuziehen. Dieses Mal wird es unter anderem auf einem stillgelegten Bahnhof, einem wahren Lost Place, unheimlich und lebensbedrohlich. Aber nicht nur actiongeladene Szenen fesseln, sondern auch die Fragen, die sich bei Lesen am laufenden Band auftun, lassen einen diesen Krimi, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen. Ganz besonders gut gefällt mir aber eben auch, dass es immer etwas zu schmunzeln gibt. Witzige Szenen, so muss Mason, der Klippenjunge, zum Pflichtbesuch beim Psychiater oder Cat muss Sonjas Tochter „mit dem Bedürfnis an fremdes Eigentum zu gelangen“, spielen und spritzige Sprüche wie z.B. Cats „Potato, potato, Privatbesitz ist fließend“, wenn sie Mason mal schnell das Skateboard abnimmt, oder ein cooles „Iss gefälligst weniger“ wenn dem dauerhungrigen Mason der Boden unter den Füßen wegbricht von Olivia, machen das Lesen wie immer zum Vergnügen. Der Autor beschreibt auch so anschaulich, dass man das Gefühl hat mit dabei zu sein, schwer beeindruckt hat mich hier der Bahnhof und auch die „nette Hütte“ der Parkers.

Mir ist das ganze Team ja schon längst ans Herz gewachsen. In jedem Band verändert sich ja immer ein wenig, wie die Rollen verteilt sind. Dieses Mal habe ich mich riesig über Cats Auftritte gefreut, ist mir Masons Freundin im letzten Band doch schon abgegangen. Mit Danielle musste ich leiden, denn das Internat, wenn man es überhaupt so bezeichnen kann, ist mehr als der pure Horror. Masons Mama hat mich mit ihrer Idee, wie sie seine psychischen Probleme in den Griff bekommen will, begeistert und mit einer weiteren Neuigkeit sehr verblüfft. Gut hat mir auch der neue, aber sofort sympathische Tony gefallen, mit dem es bestimmt auch noch das eine oder andere Geheimnis zu lüften gilt.

Alles in allem wieder ein fesselnder Teil, der tolle Unterhaltung geboten, auch ohne die übelst gemeinen Cliffhanger am Ende schon wieder gespannt auf den nächsten gemacht hat und trotz viel Action für mich noch 5 Sterne verdient hat.

  (21)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(10)

13 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

juden, kriegsverbrechen, bauer, elsa, unimog

Langsam, ganz langsam (Kurzgeschichte, Krimi) (Die 'booksnacks' Kurzgeschichten Reihe)

Linda Cuir
E-Buch Text: 12 Seiten
Erschienen bei booksnacks.de, 04.11.2016
ISBN 9783960871071
Genre: Sonstiges

Rezension:

„Hermann hinkte hinüber in den Schuppen und strich mit dem Finger über die Schnittkante der Axt –scharf genug. Er musste es tun, er hatte es ihr versprochen.“ Mit diesen beklemmenden Worten, die sofort neugierig darauf machen, was Hermann denn tun muss, startet dieser Booksnack, der mich wunderbar unterhalten hat. Ich habe von Anfang an gebannt gelesen, war schockiert, von dem was man nach und nach erfährt, war gespannt, wie, wann und ob überhaupt ein Verbrechen geschieht und das Ende hat mich wirklich berührt. Mehr kann man meiner Meinung nach in 12 Seiten Kurzkrimi nicht packen. Gut hat mir auch die ungemütliche, schaurige Atmosphäre gefallen, da pfeift Wind durch die Ritzen, der Sturm fegt den Schnee ins Dorf oder man befindet sich im dunklen Schuppen.

Der Sprachstil liest sich super locker, leicht und die kurze Lektüre ist im Nu verschlungen. Der Autorin gelingt es Stimmungen und Gefühle zu erzeugen, sowie einen passenden Krimirahmen zu schaffen. Gut gemacht ist meiner Meinung nach auch, dass der Titel immer wieder gelungen im Text wiederkehrt. Rache verjährt nicht, das Gedenken aufrecht erhalten. Zu viel will ich nicht verraten, aber auch das hat mir wirklich gut gefallen. Das wird bestimmt nicht mein letzter Booksnack von Linda Cuir bleiben.

Alles in allem hat mir „Langsam, ganz langsam“ wirklich sehr gut gefallen und ich hatte bei meiner gemütlichen Tasse Cappuccino klasse Krimiunterhaltung. Gerade zu einer kleinen Kaffeepause schätze ich diese Booksnacks immer mehr und bin daher auch von der Idee an sich begeistert.

  (19)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(34)

41 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

humor, liebe, liebeskummer, beziehungsprobleme, freunde

Die Netten schlafen allein

Steffen Weinert
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 25.11.2016
ISBN 9783499272646
Genre: Humor

Rezension:

"Emil ist so eine Art sprechende Bedienungsanleitung. Der sagt dir dann schon was zu tun ist!"

Das Cover ist ein richtiger Eyecatcher und hier wird nicht nur witzig verpackt, sondern die Geschichte ist auch so ein richtiger Gute Laune Roman. Abschalten und durch das Buch kichern, das ist hier angesagt, genau das Richtige fürs trübe Herbstwetter im Moment.  

Inga endlich schwanger, oder was hat sie ihm so dringend zu berichten? Weit gefehlt, Christoph ist wenig später Single, sang und klanglos durch Hannes, den Eishockeyspieler ersetzt. Was hat er nur schon wieder falsch gemacht? Er kann zuhören, ist Nichtraucher, treu und zudem kinderlieb, was er täglich als Erzieher in der Kita Kunterbunt unter Beweis stellt, und trotzdem will es mit der Frauenwelt einfach nicht klappen? Welch ein Glück, dass es Emil, Christophs elfjährigen Nachbarsjungen gibt, der dank seines Vaters Kursen bestens Bescheid weiß, wie man Frauen den Kopf verdreht. Der aufgeweckte Junge hat seine Chance gewittert, mit einem Crashkurs zum Sonderangebotspreis in die Fußstapfen seines Erzeugers zu treten! Ob das Aussicht auf Erfolg haben kann?

Der Schreibstil des Autors liest sich locker, leicht und man fliegt mit einem Dauergrinsen durch die extrem kurzweiligen knapp 240 Seiten. Klar ist einiges etwas überzeichnet, aber das darf es in einem solchen Roman, der zur witzigen Unterhaltung gedacht ist, ruhig auch sein. Es wimmelt nur so an spritzigen Szenen und Situationskomik. So muss sich Christoph einem Crash Kurs, in Sachen Frauenwelt unterziehen. Los geht es mit einem Einstufungstest und nebst Peacoaching, muss er schon mal zur Seife greifen, um sich den Mund auszuwaschen. In seiner Kita muss er sich mit Mamas herumschlagen, die, wäre Veganismus eine Religion, die heilige Inquisition wären, und mit solchen, die meinen, mit ihrem aggressiven Sohn kommt sonst jeder klar. Er muss in Truhen ganz fürchterliche Entdeckungen machen, die ihm sogar „Popo-Aua“ bereiten und vieles mehr. Aber er muss auch überlegen, was er eigentlich wirklich will vom Leben im Allgemeinen und von den Frauen ganz im Speziellen. Auch um Emils Erzeuger gilt es sich zu kümmern. Für Abwechslung ist auf jeden Fall gesorgt.

Den aufgeweckten Emil, der sich ganz klar nicht wie ein typischer Elfjähriger verhält, fand ich total klasse und er ist mir im Laufe der Geschichte so richtig ans Herz gewachsen. Er ist super dargestellt und kann sowohl mit seiner großspurigen Art sowie super Sprüchen, als auch mit seiner Verletzlichkeit und Unsicherheit so richtig punkten. Christoph habe ich eigentlich auch wirklich gern gemocht, bis auf seinen Ausrutscher nach zu viel Absinth vielleicht. Richtig gut hat mir sein Kumpel Zwenn gefallen. Mit ihm kann Christoph seinen Liebeskummer entweder ausschweigen oder mit Bier raus schwemmen. Juli, Emils Mama, kann zwar ganz schön peinlich sein, aber sie muss man trotzdem einfach mögen.  Klasse fand ich auch Jan Frederik, den Knirps aus der der KITA, der gute Freunde nur mit kleinen Autos bewirft, auch wenn er Christoph sicher viele Nerven gekostet hat. Aufregen konnte ich mich über Emils Erzeuger Till, weil er so eine Nullnummer in Sachen Papa ist, aber so einen braucht eine solche Geschichte auch.

Alles in allem herrlich locker, leichte Unterhaltung mit Lachgarantie, die mir viel Spaß gemacht hat und deshalb auch in dieser Rubrik auf jeden Fall noch 5 Sterne verdient hat.

  (21)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

19 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

würzburg, tanzschule, krimi, franken, mord

Mainschatten

Anja Mäderer
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 22.09.2016
ISBN 9783954519774
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Anja Mäderer hat mich bereits mit Mainleid richtig gut unterhalten und ich habe mich deshalb sehr auf Kommissarin Nadja Gontscharowas zweiten Fall gefreut und wurde nicht enttäuscht.

Staatsanwalt Mancini scheint ein besonderes Interesse an dem tödlichen Unfall des jungen Tanzlehrers Sebastian Dreher zu haben und tatsächlich hat er den richtigen Riecher. Der Treppensturz und der sich anschließende Tod durch Unterzuckerung war tatsächlich Mord. Da der Tote im Keller der verschlossenen, renommiertesten  Würzburger Tanzschule gefunden wurde, kommen eigentlich nur eine begrenzte Anzahl an Tätern in Betracht. Wer hatte einen Schlüssel und vor allem ein Motiv den jungen Tanzlehrer sterben zu lassen? Mancini besteht darauf, dass Nadja undercover in der Tanzschule ermitteln soll, getarnt als Tanzschülerin, die dringend einen Intensivkurs braucht.

Der Krimi ist spannend von Anfang an, es beginnt schon mit einem kurzen eindringlichen Bericht einer Frau, die scheinbar Probleme damit hat, unter Menschen zu gehen. Was hat sie mit dem toten Tanzlehrer zu tun? Dann gilt es das Rätsel um den Täter zu lösen. Zehn Schlüsselbesitzer, ein recht übersichtlicher Täterkreis, wenig Spannung? Weit gefehlt, die Autorin legt gekonnt so viele falsche Fährten, lässt ihre Protagonisten und Verdächtigen eigentümliches Verhalten an den Tag legen, sodass man ständig am Rätseln ist. Auch für Nadja scheint es gefährlich zu werden. Hat man dann einen Verdacht, dann kommt ein zweiter Todesfall hinzu, der dann noch einmal alle Theorien über den Haufen wirft. Bis kurz vor knapp ist es ihr noch gelungen mich an der Nase herumzuführen. So muss ein Krimi sein, ganz ohne Blutvergießen fesselnd von Anfang bis Ende.

Ganz nebenbei bekommt man auch einen kleinen Einblick ins Privatleben, der sich aber nie in den Vordergrund drängt. Nadja und Männer, kein ganz einfaches Thema und Peter muss seine Paparolle noch ein bisschen üben, besonders wenn es darum geht, den Nachwuchs ins Bett zu verfrachten. Außerdem muss geklärt werden, warum er Nadja so vehement beschützen will. Auch über Staatsanwalt Mancini erfährt man einiges, was ihn nicht mehr ganz so unsympathisch erscheinen lässt.

Der Sprachstil der Autorin liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die Seiten geflogen. Der Autorin gelingt es Gefühle darzustellen, sodass diese unter die Haut gehen. Die Unsicherheit der Frau in den kursiven Abschnitten oder die Trauer von Sebastians Vater ist mehr als deutlich zu spüren. Ab und an darf man auch schmunzeln, was mir ebenfalls sehr gut gefällt. So war z.B. bei Rebekkas Eheversprechen in guten und in schlechten Zeiten die Eiszeit an Peters Füßen nie Bestandteil.

Nadja ist eine natürliche Frau, die Lippenstift und Concealer ebenfalls wie ich nur alle paar Jahre einmal braucht, was sie mir sehr sympathisch macht. Sie ist menschlich, hat auch ihre Problemchen und ist eine wirklich gute Ermittlerin. Toll ist auch das lockere Verhältnis zu den Kollegen, allen voran zu Peter, der gleichzeitig auch ein guter Freund ist. Süß finde ich auch die gute Seele im Büro, Gretchen Morungen, die die Lage im Griff hat und immer für das leibliche Wohl sorgt. Richtig gefreut habe ich mich auch über ein Wiedersehen mit Rechtsmediziner Prof. Lars Nauke, dem Mann mit der notorisch guten Laune, die sogar auf den Leser überspringt. Tierische Besetzung gibt es in Form eines Hundes, wobei Hund?, der sich in der Tanzschule tummelt und über den nicht nur ich mich gefreut habe.

Sehr gut hat mir auch gefallen, dass ab und an jemand in Dialekt zu Wort kommen darf, so ist z.B.  Benedikt Dreher ein „ächder Frange“. Aber keine Angst, da Nadja auch Verständnisprobleme hat, bekommt man eine Erklärung mitgeliefert. Gut gefällt mir auch, dass ich noch etwas lernen konnte. Petersilie und Mittelalter hätte ich z.B. vorher nie in Zusammenhang gebracht.

Alles in allem ein spannender Krimi, der mit sympathischen Ermittlern, einem gut durchdachten Fall und einen tollen Schreibstil überzeugen kann und daher von mir eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne bekommt.

  (16)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(16)

24 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

penny pepper, kinderkrimi, advent, ulrike rylance, lisa hänsch

Penny Pepper - Tatort Winterwald

Ulrike Rylance , Lisa Hänsch
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 14.10.2016
ISBN 9783423761628
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Noch nie hat mich die Autorin mit einem ihrer Bücher nicht hervorragend unterhalten und so ist auch „Penny Pepper: TATORT Winterwald“ wieder ein richtiges Highlight. Absolutes Muss für jeden in der Vorweihnachtszeit.

Weihnachten ohne Baum ist wie...na ja jedenfalls nicht wie Weihnachten und ganz genau um Weihnachtsbäume dreht sich in Penny Peppers viertem Fall. In der ganzen Stadt gibt es keinen Tannenbaum mehr zu kaufen und diejenigen, die bereits einen haben, werden sogar schon beklaut. Ganz klarer Fall für Penny und ihre Mädels, dass sie Weihnachten retten und dieses Rätsel knacken müssen. Da heißt es wieder einmal: Augen wie Ohren offen und nach Motiv sowie Täter Ausschau halten!

Der Schreibstil ist locker, leicht und wenn die tollen Illustrationen nicht so zum Verweilen und Entdecken einladen würden, dann würde man nur so durch das Buch fliegen. Ulrike Rylance konstruiert einen derart spannenden Fall, der mögliche Täter zur Auswahl lässt, gekonnt falsche Finten legt und stellenweise sogar ganz schön gefährlich und schaurig wird, dass man das Buch einfach von Anfang bis Ende gefesselt lesen muss. Man ist bei den Ermittlungen live mit dabei  und kann viel mitraten. Ich war mir bis kurz vor knapp auch nicht sicher, wer denn nun der Schurke ist. Dass aus dem Adventskalender die Schokolade verschwindet, muss ganz nebenbei im Übrigen auch noch aufgeklärt werden, was ebenfalls Spannung erzeugt. Neben den ganzen Ermittlungen darf man sich aber auch durch das Buch schmunzeln. Sei es, wenn das Diktiergerät mal wieder alles falsch versteht und z.B. aus „frohe Feiertage“, eine „große Geierplage“ macht oder es vor humorvollen Szenen nur so wimmelt. So kennt bestimmt jeder das sofortige Recyceln von Plätzchen, die „ups zerbrochen“ sind, neu sind sicher Omas, die Weihnachtsbäume stricken.

Penny, Flora, Ida und Marie sind Detektivinnen durch und durch und mit den diversen Tipps, die man jedes Mal bekommt, ist es der kleine Leser bestimmt auch bald. In diesem Band geht es darum, wie man jemanden unauffällig verfolgt, wie man ein Täterprofil erstellt, wie man undercover ermitteln kann, wie man Fallen stellt und wie und warum man mit Good Cop & Bad Cop zur Wahrheit kommt. Ganz klar, dass dabei auch schwierige Begriffe wie Profiler, undercover oder Good Cop & Bad Cop erklärt werden, damit es zu keinen Verständnisschwierigkeiten kommen kann. Bei den witzigen Erklärungen habe sogar ich als Erwachsene noch etwas gelernt, denn von einer Bibliophobie, der Angst vor Büchern, oder von einer Chrometophobie, der vor Geld, habe ich bisher noch nichts gehört. Jetzt bin ich froh, dass ich nicht darunter leide.

Ich liebe Penny Pepper und das kecke Mädel ist mir so richtig ans Herz gewachsen. Sie ist aufgeweckt, hat gute Ideen und man muss sie einfach mögen. Richtig toll finde ich, dass die Bande mit Flora, Ida und Marie einfach nur perfekt harmoniert. Alle arbeiten Hand in Hand, sie können sich aufeinander verlassen und jeder kann etwas zur Lösung des Falls beitragen. Da ist jeder wichtig, sogar Hündchen Dschastin, der die Vier immer begleitet. Gefreut habe ich mich natürlich auch wieder über die Nebenrolle von Pennys Oma. Die herzensgute und witzige Frau hat ein Einsehen mit Penny und füllt auf jeden Fall den Adventskalender „besser“ als Pennys Mama, die Zahnärztin, die schon mal Zahnpasta hinter ein Türchen steckt.

Weihnachtsstimmung wird hier so richtig aufgebracht. Schon das rot-grüne Cover passt perfekt zu Weihnachten, die Illustrationen von Plätzchen, Weihnachtsbäumen, Geschenken, Nikoläusen und vielem mehr, die die Geschichte schmücken, tun ihr übriges dazu. Außerdem darf man sich als Leser nicht nur mit auf die Suche nach Weihnachtsbäumen machen, sondern auch noch den Countdown bis zum Fest mitzählen und die Türchen am Adventskalender öffnen. Ganz klar, dass auch der Duft von frisch gebackenen Plätzchen weht und Weihnachtslieder erklingen.

Die 144 Seiten Text verteilen sich auf neun übersichtliche Kapitel, die durch zahlreiche Illustrationen auch ungeübte Leser nicht überfordern. Die Geschichte eignet sich aber auch ganz hervorragend zum Vorlesen und bietet Kleinen durch die gelungenen Illustrationen ganz viel Gesprächsanlass.

Lisa Hänsch macht die tolle Geschichte zum perfekten Rundumpaket. Wie alle von ihr illustrierten Bücher, die ich kenne, sprudelt einem das Herzblut, mit dem sie stets bei der Arbeit ist, regelrecht entgegen. Weihnachtliche  und winterliche Motive in allen Variationen kringeln sich um Kapitelnummern und mischen sich unter die Geschichte. Man bekommt hier aber nicht nur tolle, witzige und passende Schwarzweiß-Zeichnungen, sondern im Gesamten einen Comicroman, der mit ganz viel Abwechslung punkten kann. Wird es gefährlich, dann ist z.B. die Seite schwarz und die Schrift weiß, was alles noch gruseliger macht. Man findet Bilder, karierte Notizzettel, Infokästen, Listen und vieles mehr, sodass es einem wirklich auf jeder Doppelseite ein anderes gelungenes Outfit des Textes entgegen schaut.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich, weil ich mit Weihnachtsgeschenken, wie Penny eines bekommt generell nicht glücklich bin. Da ich allerdings weiß, wie Penny ist, geht das für mich in Ordnung.

Dies ist bereits der vierte Fall für Penny Pepper und ihre Detektivbande. Wer sie einmal kennengelernt hat, muss alle lesen, denn es geht eindeutig Suchtpotential von dieser genialen Reihe aus. Wer aber von Penny noch nie etwas gehört hat und ein Buch für die Vorweihnachtszeit sucht, MUSS hier zugreifen. Man wird auch ohne Vorwissen jede Menge Spaß haben und man kann die anderen Bände in Ruhe auch danach noch lesen. Also los geht´s mit dem Vierten, der jetzt eben zur Jahreszeit ganz hervorragend passt!

  (19)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Hass verjährt nicht

Günter von Lonski
Flexibler Einband
Erschienen bei CW Niemeyer, 02.09.2016
ISBN 9783827194435
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Günter von Lonski hat mir bereits mehrfach wunderbare Unterhaltung geboten und deshalb war ich sehr gespannt auf seine Hannover-Krimis mit Marike Kalenberger. Dies ist bereits der 6. Fall für die Ermittlerin, für mich war es der erste, wird aber mit Sicherheit nicht der letzte bleiben.

Weiterhin „Funghi Heil“, das ist dem Pilzsammler wohl erst einmal gehörig vergangen, nachdem er die Leiche am Hochsitz entdeckt hat. Warum hatte der Immobilienberater und Finanzinvestor Harald Perkhuhn ausgerechnet hier einen Herzinfarkt und was hat es mit den seltsamen Bissspuren auf sich? Jetzt ist Kalenbergers und Obanczeks ganzer Spürsinn gefragt um diesen kniffeligen Fall zu lösen.

Ich musste mich erst ein wenig an den Schreibstil gewöhnen. Ich hatte das Gefühl zwischen den Dialogen eher distanzierte Regieanweisungen für die Szenen zu erhalten, als eine Erzählung zu lesen, das kannte ich bisher so intensiv nicht. Allerdings hat sich das relativ schnell gelegt und dann sind die Seiten nur so an mir vorbei geflogen. Ich konnte unheimlich viel schmunzeln, sei es über schräge Nebendarsteller oder über Kalenbergers und Obanczeks Dialoge. Kalenberger hat z.B. ihre ganz eigene logische Erklärung, warum sie während der Arbeit zum Friseur muss und er nicht, und gibt ihm auch gern Tipps,  wie z.B. dass er heiraten soll, damit er weiß woher seine schlechte Laune kommt.

Der Krimi ist spannend von Anfang an, denn es geht sofort mit dem Leichenfund los. Dem Leser ist klar, dass es sich nicht um einen „normalen“ Herzinfarkt handeln kann, und man ist von Anfang an auf der Suche nach einem Motiv und einem möglichen Täter. Eine Lebensgefährtin, die den Toten keck betrügt, eine Liebhaberin, die schwanger ist, ein Oldtimerhändler, der krumme Geschäfte mit Perkhuhn gemacht und Leute beauftragt hat, die ihn einschüchtern sollen, eine Biogasanlage, mit der er sich Feinde gemacht hat, wer kommt infrage und vor allem was hat es mit den Briefen aus dem Jahr 1945 auf sich, die von der  Vertreibung aus Ostpreußen und der Ansiedelung in Ronnenberg berichten? Man ist als Leser bei den Ermittlungen live mit dabei und bekommt immer mehr Stoff zum Grübeln. Ich war bis zuletzt am Raten und die finale Auflösung war mehr als raffiniert und überraschend. So muss spannungsgeladener Krimi für mich sein, der zwar mehr als einen Toten liefert, aber dennoch ganz ohne Blutvergießen auskommt.

Marike Kalenberger war mir von Anfang an super sympathisch und ich konnte mich stets gut in sie hineindenken. Auch ich weiß doch meist erst nach dem ersten Kaffee, was es Neues gibt. Sie hat mich zum Schmunzeln gebracht, ganz besonders, wenn sie mal wieder ihren Nagellack auspackt, während Obanczek die Akten vorlesen muss. Stellenweise hatte ich Mitleid mit ihr, denn privat hat sie ihr Glück noch nicht gefunden und hat daran zu knabbern. Sehr imponiert hat mir ihr Einsatz für Obanczeks private Probleme. Urs Obanczek ist mehr für Kalenberger als nur Arbeitskollege, „Aber rein platonisch ihm fehlt irgendwie der Kuschelfaktor“, behauptet sie zumindest. Bei den beiden herrscht perfektes Teamwork, sie können sich blind aufeinander verlassen und Obanczek tut für ein Bounty oder zur Not auch einen Müsliriegel fast alles für sie. Das lockere Verhältnis der beiden fand ich richtig klasse. Auch die Nebendarsteller sind alle originell ausgewählt und toll dargestellt. Viel schmunzeln konnte ich über Polizeiobermeister Martin Matthes, der nur zu gern mit seinen Zitaten um sich wirft. „Tuchmantel“ zu Tannenberg, wie Obanczek, den mysteriösen Verehrer von Kalenberger nennt, hat mich mit seinem sensiblen Jack Russel nicht nur zum Schmunzeln gebracht, sondern auch ganz schön überrascht. Mein Highlight unter den Nebendarstellern ist aber Pierre, der eifersüchtige, aber auch nicht so treue Lebenspartner eines Oldtimerhändlers. Über ihn habe ich Tränen gelacht.

Richtig begeistert bin ich davon, wie es dem Autor gelingt seinen Krimi mit dem Flüchtlingsthema zu verweben. Günther von Lonski zeichnet durch Rückblenden ein Bild von Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg. Wie ging es den Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, wie wurden sie aufgenommen, wie haben die Anwohner, die gezwungen wurden aufzunehmen, reagiert? Was wurde aus den damals Vertriebenen, gab es auch da Gewinner, wer hat alles profitiert? Gelungen sind auch die zahlreichen Parallelen zur derzeitigen Situation, die der Autor deutlich, aber urteilsfrei aufzeigt. Richtig begeistert war ich auch von seinem Epilog zum Thema, der nicht nur daran erinnert, dass Deutschland nicht zum ersten Mal vor der schwierigen Aufgabe der Integration von Flüchtlingen steht, sondern auch sehr nachdrücklich gegenseitigen Respekt fordert und sich gegen jegliche Form von Diskriminierung und Ausgrenzung ausspricht.

Trotz meiner kleinen Anlaufschwierigkeiten hat „Hass verjährt nicht“ für mich auf jeden Fall noch 5 Sterne verdient, denn der spannende Krimi, der mit äußerst sympathischen Ermittlern aufwarten kann,  erinnert und regt zusätzlich zum Nachdenken über ein brandaktuelles Thema nach.

  (20)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

apfelwein, frankfurt, wiesen, becker, warenkunde

Todesrauscher

Uli Aechtner
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 17.03.2016
ISBN 9783954517893
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

„Wer nix uff´s Stöffche hält, der daut aam laad! Nix uff dare Welt mecht aam so Fraad“ mit diesem tollen Zitat beginnt die Autorin ihre wirklich gelungene Hommage uff´s Stöffche.

Es geht mit einem Prolog los, der einen schaudern lässt. Wie grausam muss es sein, wenn du auf diese Weise ertrinkst? Kurz danach wird der verkaterte Hauptkommissar Christian Bär auch schon in die Apfelweinkelterei gerufen, in der der Geselle Clemens Winkler im Mosttank ertrunken ist. Unfall oder gar Selbstmord? Fremdverschulden kommt für Bär auf keinen Fall infrage. Ganz anders sieht dies Roberta Henning, die forsche Journalistin, die zufällig auch vor Ort ist. Wittert sie die große Story? Bär weiß es nicht, auf jeden Fall liefert sie ihm die wildesten, aber klugen Theorien und hat sich scheinbar in den Fall verbissen. Abwimmeln ist leider auch keine Option, denn die dralle Rothaarige würde dem Single mit Liebeskummer schon sehr gut gefallen. Noch bevor sich aber mehr zwischen den beiden ergeben kann, geschieht der nächste Apfelweinmord und für Roberta wird es ganz schön gefährlich. Brisante und verzwickte Ermittlungen stehen jetzt erst einmal an.

Ich hatte anfangs leichte Startprobleme, was daran lag, dass ich das Verhältnis zwischen Bär und Roberta etwas befremdlich empfunden habe. Da begegnen sich zwei Menschen, die sich scheinbar recht schnell vertraut sind, sich aber auch ständig ankeifen und etwas eigenartig benehmen. Einiges davon hat sich im Verlauf des Krimis selbst erklärt. Aber die Ermittlungen haben sich dann in den Vordergrund gedrängt und Bär hält den Kontakt zu ihr sehr auf Schmalspur. Ab diesem Zeitpunkt war ich glücklich mit diesem Krimi. Es wurde von Seite zu Seite spannender. Wobei es das für mich von Anfang an war, weil sich einfach unendlich viele Fragen aufgetan haben. Aber es wurde immer verzwickter, je mehr Roberta bei ihren eigenen Recherchen und Bär bei seinen offiziellen Ermittlungen ans Tageslicht zerrten. Zahlreiche seltsame Verstrickungen und falsche Fährten haben mich bis zum wirklich großartigen Finale, das mit gelungenen Überraschungen punkten kann, im Unsicheren gelassen. Die Spannung enorm angefacht haben auch die kursiv gedruckten Abschnitte, bei denen der Täter zu Wort kommt.

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Gut hat mir gefallen, dass alles so beschrieben wird, dass ich stets ein deutliches Bild der Örtlichkeiten im Kopf hatte und mich auch in Gefühle gut hineindenken konnte. Immer wieder darf man auch mal schmunzeln, da denke ich nur mal an den wirklich originellen Schneemann. Das fand ich ebenfalls sehr gut.

Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mit Bär warm geworden bin. Er hat noch an seiner Trennung zu knabbern und das mag mit ein Grund sein, warum nicht alles bei ihm so ganz optimal läuft. Er ist auf jeden Fall kein einfach gestrickter Charaktere und auch Roberta nicht. Die propere Journalistin sehnt sich auch nach einem Mann und so weit ist es mit ihrem Selbstbewusstsein nicht her. Sie stellt sich immer wieder selbst infrage, was mir aber gut gefallen hat. Bärs Chef Heinz Becker ist ein wandelndes Lexikon. Von ihm erfährt man nicht nur einiges über Apfelwein, ich habe mich auch immer wieder über ihn amüsiert. Sehr gut hat mir Bärs kleine Nichte Amelie gefallen. Die hält ihren Onkel auf Trab und ist nicht auf den Mund gefallen, was mich nicht nur einmal schmunzeln lies.

Ich trinke ganz selten Alkohol, aber dieses Buch hat mir so richtig Lust auf leckeren Apfelwein gemacht. Liebend gerne hätte ich doch auch einen sortenreinen, besonders einen Boskop, den ich als Apfel liebe, gekostet. Bisher war es für mich schlicht Most, da gab es einen aus Äpfeln und einen aus Birnen, aber weit gefehlt. Richtig interessant fand ich auch die zahlreichen Informationen rund um das Getränk, bei Geschichte angefangen, über Bräuche und Legenden, bis hin zum Erkältungstipp. Das Buch ist eine richtige Hommage an „Most“, alte Apfelsorten und Streuobstwiesen.

Alles in allem reicht es wegen meiner Anlaufschwierigkeiten nicht mehr ganz für 5 Sterne.  Todesrauscher ist aber ganz knapp dran, denn zugeklappt habe ich das Buch mit dem Gedanken, welch tolles Krimikonstrukt und mit der Freude darüber, wie viel Interessantes ich ganz nebenbei über Apfelwein gelernt habe. Da mir auch Bär und Roberta immer sympathischer geworden sind, hoffe ich auf eine rasche Fortsetzung für die beiden.

  (39)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(18)

29 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

kiel, historischer krimi, mord, brunsbüttel, baustelle

Tod am Nord-Ostseekanal

Anja Marschall
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 22.09.2016
ISBN 9783954519781
Genre: Historische Romane

Rezension:

Anja Marschall hat mir mit ihren Krimis um die witzige Lizzy bereits vergnügliche und spannende Lesestunden bereitet. Weil mir ihr Schreibstil so zusagt, war ich sehr gespannt auf ihre historische Krimireihe. Dies ist bereits der zweite Fall für Hauke Sötje, für mich war es der erste, wird aber mit Sicherheit nicht der letzte bleiben. Der erste Fall „Fortunas Schatten“, der im Dryas Verlag erschienen ist, ist schon bestellt und ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung.

Es geht schon mit einem fesselnden Prolog los, in dem man Zeuge wird, wie ein lebloser Mann von einer Karre in eine Schleusenkammer gekippt wird. Hauke Sötje arbeitet derweil als Hilfssergeant in Kiel und beobachtet dabei ein Attentat bei einem Aufstand der Arbeiter. Er hängt sich dem Mörder an die Fersen. Liebend gerne hätte er sich weiter auf die Suche nach dem Rothaarigen gemacht, aber sein Chef, Polizeidirektor Bahnsen, beordert ihn nach Kiel, wo inzwischen der Tote in der Schleusenkammer gefunden wurde. Hauke soll dort alles als Unfall herunterspielen und außerdem ist er somit hier aus dem Weg, wenn in Sachen Aufstand weiter ermittelt wird. Da Hauke unbedingt Kommissar werden will und sich den Befehlen beugen muss, macht er sich schweren Herzens auf den Weg nach Brunsbüttel an das andere Ende des prestigeträchtigsten Bauprojekts der Welt, die Baustelle des Nord- Ostsee-Kanals. Dass es sich nicht um einen Unfall handeln kann, ist bald klar. Aber was steckt hinter dem Mord?

Anja Marschall kann Krimi und zwar ganz egal ob vergnüglich, oder historisch. Einmal angefangen, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Sie hat mich von der ersten Seite an gefesselt Ich habe mir beim Lesen das Hirn zermartert, wie alles zusammenhängen, wer als Mörder infrage kommen und was hinter all den Vorkommnissen stecken könnte. Es gibt zahlreiche undurchsichtige Personen, bei Bauunternehmer Jennings angefangen, der scheinbar etwas zu vertuschen hat, über dessen intrigante Tochter, bis hin zum cleveren Attentäter aus Kiel. Aber nicht nur das, es werden auch gekonnt diverse Fährten gelegt. Eine enttäuschte zukünftige Ehefrau, schlecht behandelte Arbeiter, enteignete Anwohner oder Saboteure der Baustelle unter den Sozialisten, wer kommt als Mörder infrage? Knobeln und Vermuten bis zum Ende ist angesagt. Die kurzen Kapitel verschaffen zusätzlich enorme Fahrt und man fliegt durch die Seiten.

Der Schreibstil der Autorin liest sich einfach herrlich, wenn sie hier auch ganz klar eine andere Tonart anschlagen muss. Detaillierte Beschreibungen haben die Geschehnisse in meinem Kopfkino wie einen Film ablaufen lassen. Die gigantische Baustelle, die noble Villa der Jennings, genauso wie den Dreck auf der Baustelle und die schäbigen Baracken der Arbeiter, ich habe das Gefühl, ich habe alles mit eigenen Augen gesehen. Auch die Emotionen sind grandios beschrieben, bei Haukes Grübeleien und Ängsten angefangen, bis hin zu Karls Bewunderung für ihn. Die Geschichte lebt richtig.

Hauke ist ein erfolgreicher Ermittler, der schon einige Erfolge aufzuweisen hat. Dass er nicht bereit ist, blinden Gehorsam zu leisten, macht ihn besonders bei seinen Vorgesetzten nicht sehr beliebt. Ihm liegt sehr daran, die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen und er stellt sich dabei auch gegen die Obrigkeit. Als Unfall vertuschen gibt es bei ihm nicht, nicht einmal, wenn für ihn dadurch alles viel besser wäre. Dafür ziehe ich meinen Hut vor ihm. Beeindruckt hat mich auch sein Wissen, vor allem in Bezug auf Leichenschauen. Aber auch alle anderen Darsteller sind toll gewählt und beschrieben. Damit man als Leser eine Wut haben kann, gibt es einen Kriminalrat Behnsen, dem man Gift geben könnte, einen Unternehmer Jennings, der über Menschenleben geht, oder seine mehr als egoistische Tochter, die der Schwester das Leben schwer macht. Richtig toll fand ich z.B. auch Karl, seinen cleveren Helfer bei den Ermittlungen vor Ort, auf den Hauke sich stets verlassen konnte. Richtig amüsant waren Haukes Vermieterin Frau Bender, die auf jeden Fall etwas bei mir gut hat, oder auch Professor Heller, der sich auf Kosten seiner Studenten schon einmal einen Spaß erlaubt.

Schon das perfekt auf alt gemachte Cover, das eine wunderbare Hafenansicht auf zerknittertem Pergament zeigt, und die historischen Karten, wenn man einen Blick ins Buch wirft, zeigen, dass es sich um einen historischen Krimi handelt. Aber die auch die Autorin versetzt einen mehr als gekonnt ins Jahr 1894. Es fahren nicht nur Pferdeomnibusse durchs Land, es gebührt sich nicht für eine verheiratete Frau zu arbeiten oder die Kriminalpolizei steckt in ihren Anfängen, auch die Hatz auf die Sozialisten, das Leid der Arbeiter, die eigentlich nur ihren gerechten Lohn für ihre Arbeit wollen, ist perfekt eingefangen. Richtig gut haben mir auch die Originalauszüge aus der Kieler Zeitung und der Kanalpost des Jahres 1894 gefallen. Von Zahnbehandlungen bis hin zu Unglücken an der Prestigebaustelle erfährt man hier viel Interessantes vom Alltagsleben der Menschen.

Ich bin eigentlich kein typischer Leser von historischen Romanen, aber Anja Marschall hat hier brillant recherchiert, verwebt reale historische Ereignisse so gelungen mit einem extrem spannenden Kriminalfall und schickt dazu noch einen super sympathischen Ermittler ins Rennen, sodass man gar nichts anderes als begeistert sein kann.

  (42)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

34 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

hochzeit, chaos, andrea sawatzki, seid, familie

Ihr seid natürlich eingeladen

Andrea Sawatzki
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.10.2016
ISBN 9783492060561
Genre: Romane

Rezension:

Dies war mein erster Roman um die leidgeprüfte Heldin Gundula und ich bin so begeistert, dass mich kein bisschen verwundert, dass Andrea Sawatzki mit den ersten beiden Abenteuern um die Familie Bundschuh Bestseller vorgelegt hat. Ich habe bisher eindeutig etwas verpasst.

Es geht schon zu gut los. Gundula bekommt von ihrem 19-jährigen Sohnemann, der in den USA studiert, einen Anruf. „Es wird ein Mädchen“ mit diesen Worten eröffnet er ihr die Überraschung. Er will seine Freundin Candy, die er bisher tunlichst verschwiegen hat, nicht nur heiraten, sondern er wird auch noch Vater. Ich habe schon Tränen gelacht, als Gundula das eine oder andere Vorurteil durch den Kopf geht und sie die restlichen Klischees mit der Verwandtschaft durchgeht, die sie nun telefonisch verständigen muss, da bei Bundschuhs Zuhause gefeiert werden soll. Wie Familie Bundschuh mit den nächsten Überraschungen, die sie noch erwarten, den „wirklichen Ausländern“ als Brauteltern und den ganzen Vorbereitungen zu kämpfen haben, das erfährt man hier.   

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die Seiten geflogen. Ich habe mich richtiggehend durch das Buch gekichert, stellenweise habe ich lauthals gelacht und immer wieder hatte ich sogar Lachtränen in den Augen. Man bekommt hier wirklich ein super Lachmuskeltraining, das einfach gute Laune macht. Eine verrückte und abgedrehte Szene reiht sich an die nächste und ich hatte wirklich tolle Unterhaltung. Allerdings musste ich das Buch im letzten Drittel auch immer wieder aus der Hand legen, weil mir es sonst zu viel an überzeichneten Szenen, die aber zweifelsohne auch zu einer solchen Art Roman gehören, gewesen wäre. Mit kleinen Lesepausen hatte ich aber wieder einen riesen Spaß.

Einfach toll fand ich, dass auch richtig schöne Gespräche und gute Gedanken zwischen den ganzen Pannen zu finden sind. Wie viel Verständnis und Aufmerksamkeit brauchen Kinder, wie wichtig ist eine Familie und kann man der Routine entkommen, die sich so oft ungewohnt einschleicht? Auch das Thema Alzheimer kommt zur Sprache.

Die Familienmitglieder sind einfach nur originell und stellenweise hatte ich das Gefühl, einer ist noch schräger wie der andere. Gundula, die zwar ab und an auch einmal einen Brüller loswerden muss, hat eine Engelsgeduld, für die ich sie tatsächlich bewundere. Ihr Ehemann Gerald erfüllt jedes Klischee eines typischen Finanzbeamten, der sich gekonnt von der Arbeit drücken will. Sohnemann Mats hat einen Hang zur Dramaturgie und bringt damit Gundula nicht nur einmal fast an den Rand des Wahnsinns. Wobei sie auch Situationen, wie missglückte Smoothieversuche, die die Küche vollständig schmücken, beeindruckend ruhig hinnehmen kann. Köstlich amüsiert habe ich mich über ihre Mutter Ilse. Sie hat derart scharfe Sprüche auf Lager hat. Sie kann schon einmal die ungeliebte Schwiegertochter Rose als „unansehnlichen dicken Rohrkrepierer“ oder eine „beinamputierte Elefantenkuh“ bezeichnen. Ein kleiner Hypochonder und völlig selbst überlebensunfähig scheint Gundulas Bruder Hadi zu sein. Auch Susanne, die Schwiegermutter, die sich jedem männlichen Wesen an den Hals wirft hat, so einiges auf Lager. Wenn ich nur an ihre Tipps für Crushed Ice denke, kann ich noch jetzt Tränen lachen. Ganz klar, dass auch die Brauteltern nicht von schlechten Eltern sind, was die Macken betrifft.

Alles in allem ein wirklich gelungener Gute Laune Roman und ich werde mit Sicherheit auch noch weitere Bundschuh Romane lesen.

  (40)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

35 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 17 Rezensionen

tauchunfall, ulm, nervige mutter, krimi, ulmer weihnachtsmarkt

Alles schläft, einer wacht!

Katrin Rodeit
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.10.2016
ISBN 9783839219188
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der vierte Ulm-Krimi aus der Feder von Katrin Rodeit. Auch dieses Mal hat sie nicht nur für Privatdetektivin Jule Flemming einen mehr als kniffeligen Fall gewoben, sondern mich auch darum herum grandios gut unterhalten.

Jürgen Kohler hat seine Frau bei einem Tauchunfall verloren. Da keine Leiche gefunden werden konnte, ist er aber immer noch auf der Suche. Wieder einmal meint er seine Frau erkannt zu haben. Bei der Polizei braucht er nicht mehr anzufragen, viel zu oft schon hat er sich geirrt, und deshalb wendet er sich an Jule. Die kann einfach nicht nein sagen, auch wenn sie keine Hoffnung hat und dem Mann eine Therapie sicher viel besser helfen könnte. Sie beschließt daher nach der Frau vom Ulmer Weihnachtsmarkt zu suchen, damit sie ihm beweisen kann, dass es sich eben nicht um seine verstorbene Frau handelte.  

Wie gewohnt spielt die Autorin mehr als gekonnt mit verschiedenen Handlungssträngen. Jule muss sich auf die Suche nach Frau Kohler machen, bzw. erst einmal nach der Putzfrau, die Frau Kohler sein soll. Hier berichtet sie aus der Ich Pespektive. Dann gibt es einen ER, der eine Frau ermordet haben muss und dann gibt es zusätzlich eine SIE, die sich ähnlich wie eine Obdachlose, rund um Ulm herum schleicht. Durch Gespräche erfährt man auch noch von Kommissar Mark, der einen Fall um eine tote Frau zu bearbeiten hat. Jule hat ein großes Problem damit Gefühle zuzulassen, und deshalb wird es auch dieses Mal wieder gefühlstechnisch spannend, was die Frage nach einer Beziehung bei ihr betrifft, Mark, Andreas, oder doch gar keiner? Man bekommt zu den Ermittlungen also auch noch eine romantische, aber niemals kitschige Liebesgeschichte geboten. Nicht vergessen werden darf natürlich auch das Schlendern über den Ulmer Weihnachtsmarkt.

Der Krimi ist spannend von Anfang an. Katrin Rodeit legt falsche Fährten, lockt den Leser gekonnt in die Irre und bietet unheimlich viel Stoff um zu spekulieren. Ich liebe es, wenn ich beim Lesen meine eigenen Theorien aufstellen kann und das konnte ich hier wirklich zur Genüge.

Der Schreibstil der Autorin liest sich herrlich, locker leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Das Buch einmal in die Hand genommen, kann man es nur schwer wieder zur Seite legen. Man darf immer wieder grinsen und schmunzeln. Ganz viel Anlass dazu bietet natürlich Jules Eso Mama, die auch dieses Mal natürlich wieder den Vogel abschießt und mit der sich Jule herrliche Wortgefechte liefert. Aber auch sonst ist Jule nicht um eine kecke Antwort verlegen, da kann schon einmal auf die Frage ob sie friert ein  „nein, was du klappern hörst, sind die Krücken meines altersschwachen Hundes“ kommen.

Jule ist mir längst ans Herz gewachsen. In diesem Teil macht sie tolle Veränderungen durch, über die ich mich so richtig für sie gefreut habe. Jule und Mark, die beiden mögen sich, sind aber wie Hund und Katz, was zu witzigen Dialogen führt. Mark meint es ernst mit Jule und ist auch laut dem Nachbarjungen Leon, meinem kleinen Helden, den ich so gerne mag, der perfekte Mann für Jule. Wenn es sein muss, macht er dafür sogar gemeinsame Sache mit Jules schräger Mama. Sehr gefreut habe ich mich auch über ein Wiedersehen mit allen aus dem Jazzkeller, ganz besonders mit Andreas und Cosima, bei denen sich bei beiden ebenfalls gewaltig etwas tut. Auch die Nebendarsteller sind einfach herrlich gezeichnet. Ganz besonders gut hat mir Frau Bender, die Pensionswirtin, die Jule zeigt was trinkfest heißt, gefallen.

Der Krimi handelt in Ulm und um Ulm herum. Das ist nicht nur an den Schauplätzen deutlich zu merken, sondern auch daran, dass ab und an eine kleine Nebenrolle in Dialekt zu Wort kommen darf. Da muss man eben mit der „Frau no g´schwend was schwätza.“

Schon das wirklich mehr als tolle Cover weckt vorweihnachtliche Gefühle und das schafft dieser Krimi noch viel mehr. Ich hatte den Duft von gebrannten Mandeln, Glühwein und Feuerwurst beim Schlendern über den Weihnachtsmarkt richtig in der Nase. Stellenweise habe ich gebibbert vor Kälte, musste Angst haben bei extrem schlechten Straßenverhältnissen und zum Schluss habe ich mich tatsächlich auf Weihnachtsbaum schmücken und Geschenke verpacken gefreut. So muss ein Vorweihnachtskrimi sein.

Jule kann, wenn es schnell gehen muss, mit Kebap, aber eigentlich ist sie Genießerin und auch eine super Köchin. Im Anhang befinden sich als Zuckerchen Rezepte, damit dem Leser nicht nur der Mund z.B. von leckerer Entenbrust wässrig gemacht wird, sondern dieser auch engagiert zum Kochlöffel greifen kann.

Alles in allem ein wirklich toller Vorweihnachtskrimi, zu dem man unbedingt greifen sollte, auch wenn man der Serie nicht sowieso schon längst verfallen ist. Ein Personenregister mit Beschreibungen und kurze Rückblenden sorgen dafür, dass es keine Verständnisschwierigkeiten geben kann.

  (28)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(8)

22 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

kleiner klugscheisse, autismus, nanny, los angeles, kultautorin

Willkommen in der unglaublichen Welt von Frank Banning

Julia Claiborne Johnson , Iris Hansen , Teja Schwaner
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.10.2016
ISBN 9783746632667
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte beginnt mit einer Szene mit Alice und Frank im Bus. Frank trägt einen Frack, weil er sich angeblich wie ein Wrack fühlt, und alle Leute starren Frank an, was ihm überhaupt nicht gefällt. Schon bei dieser ersten Szene ist klar, dass dies keine alltägliche Geschichte werden wird und dass Frank ein wirklich ganz besonders unglaublicher Junge ist.

„Sie wird sie lieben, sobald sie es gestattet. Bis es soweit ist, lassen sie sich nicht verschrecken.“ Mit diesen Worten schickt Isaac Vargas, ihr Chef, die 24-jährige Alice Whitley auf die Reise nach Bel Air. Sie soll dort der, durch einen legendären Roman weltbekanten, Autorin M.M. Banning unter die Arme greifen, bis diese ihr neues Buch geschrieben hat. Alice Aufgaben werden es sein, sich um Sohn Frank zu kümmern, die Arbeit am Roman voranzutreiben und die Seiten, die die Autorin bereits auf ihrer alten Schreibmaschine getippt hat in den Computer zu übertragen. Was sich aber eigentlich recht einfach anhört, ist wohl weit schwieriger als Alice sich je erträumen hätte lassen.

Alice beschreibt ihren Aufenthalt in Bel Air aus der Ich-Perspektive, was den Leser noch tiefer in die Geschichte versetzt. Sie beschreibt Franks Eigenheiten so wie sie auf sie wirken und man wird Zeuge, wie die beiden immer näher zusammenwachsen. Alice muss anfangs viel lernen und einfach ist eindeutig anders. Man fühlt als Leser z.B. fast den Schmerz als ihr der Klavierdeckel die Finger beinahe zerquetscht, weil sie anfangs nicht sofort überrissen hat, was die erste, der zwei wesentlichen Regeln, „nie Franks Sachen anfassen“ wirklich bedeutet. Das muss sie erst nach und nach lernen. Da es Ausnahmen gibt, denn die dreckige Wäsche darf sie im Gegensatz zu frischer aus der Wäscherei z.B. anfassen, ist dies auch gar nicht so einfach. Die zweite Regel „nie Frank anfassen“ macht ihr wohl anfangs weniger zu schaffen, zumal Frank ja ihre Hand nehmen darf, nur sie nicht seine.  Lernen muss sie auch, dass man am besten nie mit Frank ohne die Nummer der Notallambulanz griffbereit zu haben aus dem Haus geht. Ebenso muss sie sich erst einmal zur begnadeten Cineastin ausbilden lassen. Alice muss sich von ihm schocken lassen, wenn er demonstriert, dass etwas nicht nach seinem Gusto läuft. Sie begleitet ihn zur Schule, was immer ein besonders schwerer Gang ist, sie durchlebt mit ihm, in den Zeiten in denen sich Frank nicht zur „Schule expedieren“ lässt, eine regelrechte Kulturodyssee, auf der Frank mit ihr durch Museen und Ausstellungen hechtet, und vieles mehr. Alice beschreibt aber auch ihr Verhältnis zu Mimi, wenn man hier überhaupt von Verhältnis sprechen kann. Dieses gestaltet sich sicher noch schwieriger als das zu Frank, denn manchmal ist es sogar zu viel, dass Alice nur vor der verschlossenen Bürotür atmet, wenn sie ihr das Mittagessen vor die Tür stellen muss. Man lernt mit Alice auch Xander kennen. Im Verlauf der Geschichte erfährt man natürlich auch immer mehr über Frank, Mimi und den ganz speziellen Klavierlehrer.

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker leicht und ich bin fast durch die Seiten geflogen. Treffende Sprüche  wie „Ich kann mir ja mit Filzer Alice auf die Stirn schreiben“ haben mich ebenso zum Schmunzeln gebracht, wie Franks für ihn logische Antworten, die die Sache im Grunde genommen nicht besser machen, wie z.B. dass man das mitten in der Nacht bereden muss, weil er sonst seine tolle Taschenlampe nicht benutzen kann. Ich war nicht nur einmal überrascht, wenn Frank z.B. in dramatischen Szenen plötzlich komplett vom Thema abschweift und Alice Belangloses, aber dennoch Interessantes erzählt,  wie z.B. dass Kaugummi schon in der Steinzeit gekaut wurde. Es gab aber auch zahlreiche herzergreifende und berührende Momente, da ist die eine Szene, als er sich zusammengekauert vor die Bürotür legt, weil er seine Mutter so vermisst, nur eine der wenigen.  

Alice war mir von Anfang an super sympathisch. Ich konnte mich prima in sie hineinversetzen. Sie ist eine junge Frau, die das Herz am rechten Fleck hat, stets das Gute im Menschen sucht und es eigentlich auch jedem Recht machen will. Ein Wunsch, der hier auf eine harte Probe gestellt wird. Denn Frank hat seine ganz eigen Regeln und entscheidet selbst, wann er Alice an sie heranlässt und wann nicht. Dass sie ihm trotz seiner ganzen „Special Effects“ nicht böse sein konnte, kann ich nur zu gut verstehen, denn er ist zwar speziell, aber im Grunde genommen auch ein super liebenswerter Junge. „Julian Francis Banning außergewöhnlich hübsch durch ein Wurmloch im Raumzeitkontinuum in unser Jahrhundert gestolpert“, damit könnte man sicher sein Äußeres bis auf eine kurze experimentelle Phase mit T-Shirts und Jeans, der Schule wegen, zu jeder Zeit beschreiben. Er liebt es sich wie Schauspieler zu kleiden und er liebt Filmklassiker. Ein Teil seiner Besonderheiten hat er bestimmt vererbt bekommen, schließlich ist seine „Exzentrität ein genetisches Element“, ganz viel könnten aber ihren Ursprung im Verhältnis zu seiner Mutter Mimi Banning haben, denke ich zumindest. Die Dame ist äußerst launisch. Dachte ich stellenweise, oh sie mag Alice, war im nächsten Moment alles wieder ganz anders. Ob ihre Schreibblockade darin begründet ist, dass Frank sie überlastet oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen. Es hatte oft den Anschein, dass sie ihren Sohn nicht besonders mag, „Mein Leben war so viel einfacher, als Frank noch nicht da war.“ Vielleicht hatte sie in diesen Momenten aber einfach auch nur zu viel mit sich selbst und ihrem neuen Roman zu kämpfen oder hat an ihrem gewaltigen Päckchen aus der Vergangenheit zu knabbern. Ein weiterer äußerst spezieller Charakter ist sicher Xander, der Klavierlehrer, der auftaucht und verschwindet, nach welchen Grundsätzen auch immer.  „Das Tolle an Xander ist, dass man manchmal auf ihn zählen kann.“ Diese Worte aus Franks Mund treffen es wohl ganz richtig. Er gibt nicht viel von sich preis, was ihn nicht nur für Alice interessant macht.

Nicht ganz so viel anfangen konnte ich mit den zahlreichen Anspielungen auf Filmszenen und Schauspieler, da ich einfach kaum Filme ansehe. So haben mir Vergleiche zwar mit Peter Pan oder Robin Hood etwas gesagt, aber bei vielen hatte ich kein passendes Bild im Kopf. Hier werden Cineasten, so wie es auch Alice nach der Ausbildung durch Frank ist, sicher noch mehr Vergnügen haben wie ich.  

Richtig gut hat mir auch die Umschlaginnenseite der Klappbroschur gefallen, auf der man eine Zeichnung von Frank und die folgenden wichtigsten Informationen über ihn findet. Name: Julian Francis Banning, genannt Frank - Alter: 9 Jahre, fast 10 - Besondere Kennzeichen: Ist klüger als 99,7 Prozent der Bevölkerung. Darf auf keinen Fall angefasst werden. Ist stets gekleidet wie ein Gentleman. Schläft nicht. - Besondere Interessen: Filmklassiker, Hausdurchsuchungen -  Bester Freund: ein ständig verschwundener Klavierlehrer

Alles in allem hat mir das Buch, trotzdem ich kein Filmprofi bin, wirklich sehr gut gefallen und deshalb bekommt es von mir auch noch 5 Sterne. Ich hatte tolle, humorvolle und auch sehr ergreifende Unterhaltung mit Frank, dem Jungen dessen Gehirn der Ausschalter fehlt.

  (28)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(36)

41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

krimi, havel, toni sanftleben, berlin, potsdam

Kalte Havel

Tim Pieper
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 19.10.2016
ISBN 9783740800017
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

 „Dunkle Havel“ hat mich bereits begeistert und ich habe mich deshalb riesig auf den zweiten Fall für Toni Sanftleben gefreut. Einmal angefangen, konnte ich auch diesen Krimi aus Tim Piepers Feder nicht mehr aus der Hand legen.

Es geht mit einem ergreifenden Prolog los. Was muss mit diesem Jungen los sein, was hat er schwer bewaffnet vor, welche Rolle spielt sein Kumpel Alexander? Wenig später ist klar, dass Alexander der Sohn von Staatsanwältin Caren Winter und spurlos verschwunden ist, sein älterer Freund Hendrik hingegen wurde erschossen aufgefunden. Toni Sanftleben befindet sich eigentlich im unbezahlten Urlaub um sich ganz seiner Frau Sofie widmen zu können, die nach 16 Jahren mit Gedächtnislücken wieder aufgetaucht ist. Caren hat Toni sehr bei der Suche nach Sofie unterstützt und deshalb ist klar, dass er sich dem Fall annimmt, schließlich bedarf es des besten Kriminalers. Komplexe Ermittlungen und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnen, ein Täter muss gefasst werden und Alexander muss einfach überleben.

Tim Pieper schafft es von der ersten Seite an den Leser zu fesseln. Es wird mit verschiedenen Handlungssträngen gespielt, die die Spannung regelrecht anfachen. Das Hauptgewicht liegt ganz klar auf Tonis Ermittlungen, die sich mit so einigen Verdächtigen, diversen Motiven und vielen Fragezeichen abmühen müssen. Kaum gedacht, ja der muss es gewesen sein, tut sich eine neue Spur auf, die alles wieder komplett über Bord wirft. Dem Autor gelang es bis zum Ende hin mich immer wieder zu überraschen. Gebannt habe ich die kurzen Zwischenberichte aus Sicht des Täters verschlungen und auch die Rückblenden in Hendriks Leben habe ich gefesselt und teilweise wirklich schockiert gelesen. Einen zusätzlichen Spannungskick verleiht die Tatsache, dass Toni ein trockener Alkoholiker ist und das Wiederzusammenfinden mit Sofie nach 16 Jahren alles andere als einfach ist. Wird er dem Alkohol widerstehen und einen klaren Kopf für die Ermittlungen behalten können?

Der Schreibstil des Autors liest sich einfach herrlich locker, leicht. Man fliegt fast durch die Seiten. Die relativ kurzen Kapitel, das gelungene Spiel mit verschiedenen Perspektiven, Tim Pieper weiß einfach, wie er seine Leser ans Buch kettet. Er schafft es hervorragend Emotionen zu erzeugen. Von Mitleid über Wut, Bestürzung und Unverständnis bis hin zu Freude ist hier alles mit dabei. Richtig begeistert bin ich von seinen tollen Beschreibungen, die mir stets zu einem perfekten Bild in meinem Kopfkino verholfen haben. Mit Grund dafür sind sicher auch seine zahlreichen treffenden Vergleiche. „Mit seinen perlweißen Kauleisten sah er aus wie ein gealtertes Fotomodell für Zahnpasta.“, und jeder weiß ganz genau, wovon er spricht.

Ich habe im ersten Teil so mit Toni Sanftleben gelitten. Selten ist mir ein Mann begegnet, der eine Frau so abgrundtief liebt wie er seine vermisste Sofie. Endlich hat er sie gefunden, aber leicht wird es nicht, das war klar. Hier möchte ich aber gar nicht viel verraten, selber lesen ist angesagt. Er ist nicht nur privat ein toller Mann, der übrigens sportlich fit, das meiste radelt, er ist auch ein super Ermittler. Lassen sich andere gern zu vorschnellen Überlegungen hinreißen, behält er stets offen den Überblick und gemeinsam mit seinen ausgeklügelten Verhörtaktiken ist er einfach der beste Mann. Sehr habe ich mich auch über ein Wiedersehen mit Phong, dem ständig futternden Sumoringer gefreut, der nach Tonis Rückkehr schnell wieder der alte wird. Kriminalrat Schmitz hat wie im ersten Fall auch schon, keine Sympathiepunkte einstreichen können, einen vielleicht, indem er Toni als Teamleiter eingesetzt hat. Auch der vom Leben enttäuschte Hendrik, dessen Freund Alexander mit seiner Mutter Caren, oder Tonis Sohn Aroon, der flügge wird, und alle anderen Darsteller sind toll charakterisiert und gezeichnet.

Alles in allem ein überzeugender zweiter Fall für den Potsdamer Ermittler Toni Sanftleben, bei dem ich schon jetzt hoffe, dass er weiter im Dienst bleibt und noch viele Fälle lösen wird.

  (39)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(12)

18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

krimi, euthanasie, tagebuch, down syndrom, 2016

Dunkle Marsch

Heike Denzau
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 22.09.2016
ISBN 9783954519705
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Dunkle Marsch" ist bereits der fünfte Fall um Kommissarin Lyn Harms und ihre Kollegen und auch diesmal hat die Autorin, Heike Denzau, einen absolut fesselnden und ergreifenden Krimi vorgelegt, bei dem auch einmal geschmunzelt werden darf. So muss Krimi für mich sein.

Es beginnt mit einem aufgebrachten Anruf von Inger Hartmann, einem Mitglied der einflussreichen Itzehoer Familie Wenckenberg, bei Journalist Gero Schlüter. Er soll sofort die Hutschachtel mit den alten Fotos von Klara Wenckenberg, über die er anlässlich deren 90. Geburtstages eine Reportage verfassen soll, zurückgeben. Durch Zufall stolpert er beim Zusammenpacken über ein kleines rotes Büchlein und in ihm reift ein Gedanke. Weniger später wird Lyn Harms aufs Gut der Wenckenbergs beordert, denn Gero ist dort vergiftet worden. Hat Gero etwas herausgefunden, was der Familie schaden könnte, musste er deshalb sterben oder galt der Mordanschlag eigentlich gar nicht ihm, sondern Amon Wenckenberg, dem Liebling von Klara, aber scheinbar bei der restlichen Familie wenig beliebten Mann? Bei ihren Ermittlungen stößt Lyn dabei auf wenig Beweise für mögliche Giftmörder, dafür bringt sie strenggehütete Geheimnisse und abscheuliche Verbrechen ans Tageslicht.

Heike Denzau arbeitet mit zwei Handlungssträngen, die sich grandios ergänzen. Aber auch ein jeder für sich alleine vermag unheimlich zu fesseln.

Ich habe gebannt in Klaras Tagebuch gelesen, das mit den Aufzeichnungen in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg beginnt und von ihr, die sich mit irgendetwas Schuld aufgeladen haben soll, und dem Schicksal ihrer behinderten Schwester Rosemarie handelt. Ein schönes Bild hierfür ist zweifellos die Vorstellung, dass jeder einzelne Stern, der am Nachthimmel zu sehen ist, für ein Kind leuchtet, das dem Wahnsinn des Naziregimes zum Opfer gefallen ist.

Ganz klar hat mich aber auch die Handlung im Jetzt mehr als nur gefesselt. Ich war ständig am Grübeln und Kombinieren. Immer mehr Antipathien innerhalb der Familie wurden deutlich. Mir hingegen war Amon Wenckenberg äußerst sympathisch, kann so jemand ein Mörder sein? Die Autorin lenkt einen gekonnt auf falsche Wege, setzt gezielt neue Hinweise, die verwirren sowie zusätzlich in die Irre führen und weiß bis zum bitteren Ende mit Überraschungen aufzuwarten, die niemand vorher erahnen kann.

Der Schreibstil der Autorin liest sich herrlich, locker, leicht und man fliegt geradezu durch die Seiten. Einmal angefangen sind die knapp 400 Seiten schnell verschlungen, denn man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Sie schafft es Emotionen zu erzeugen, die von abgrundtiefer Abscheu über tiefe Betroffenheit bis hin zu richtiger Freude reichen. Für mich war das Lesen eine regelrechte Achterbahnfahrt der Gefühle. Mir hat aber auch sehr gut gefallen, dass immer wieder kurze Abschnitte über Lyns Privatleben eingeflossen sind, die mich zwischendurch zum Schmunzeln, stellenweise sogar zum Lautlachen gebracht haben. Nur allein die Vorstellung vom Fußbad ihres Vaters oder der herrlichen Szene beim Brautkleid Kauf, lassen mich jetzt noch grinsen.

Richtig toll fand ich wie sie mit dem Thema Menschen mit Handicap umgeht. Ich war stellenweise richtig gerührt, wie liebevoll Leon, Anette oder Rosmarie, die drei mit Down Syndrom, beschreiben werden. Wie kann man solche Kinder nicht mögen, für mich unbegreiflich.  Es wäre so sehr zu wünschen, dass Inklusion nicht nur schön klingt, sondern sich in dieser Richtung endlich auch konkret etwas tut.

Die Charaktere sind grandios gezeichnet. Lyn war mir ja schon im letzten Teil super sympathisch und auch dieses Mal konnte sie wieder punkten. Sie ist nicht nur eine großartige Ermittlerin, sondern auch ein Mensch wie du und ich. Richtig toll finde ich ihre Beziehung zu Hendrik, die beiden passen und gehören einfach zusammen, herrlich einmal Ermittler ohne gescheiterte Beziehung. Aber vielleicht liegt dies auch daran, dass die beiden Kollegen sind und daher wissen, dass ein Fall den Kopf in Beschlag nimmt und es sogar passieren kann, dass man vor lauter Ermitteln das Spanferkel für den Polterabend vergisst. Auch ihre beiden tollen Mädchen Charlotte und Sophie, haben mich wieder oft zum Schmunzeln gebracht. Denn auch wenn man sie mit einem erfundenen Eis locken muss, wenn man schnell etwas von ihnen will, wissen sie stets, wann sie ihre Mama tatkräftig unterstützen müssen. Auch Familie Wenckenburg ist toll dargestellt. Am meisten imponiert hat mir hier mit Sicherheit Klara Wenckenburg, die mich zusätzlich auch sehr gerührt hat. Tolle Nebendarsteller wie Lyns origineller Vater oder Geros süßer Neffe Leon ergänzen die Besetzung optimal.

Alles in allem ein Krimi, so wie er sein muss, fesselnd, spannend, ergreifend und zwischendurch sogar zum Schmunzeln. 

  (32)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(5)

7 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

2924 Hunde und 10 Tierheime : FotobuchRoman

Manuela Dörr
Fester Einband: 242 Seiten
Erschienen bei Dörr, Manuela, 27.09.2016
ISBN 9783000540936
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin ein großer Tier- und Hundefreund und daher hat mich das Cover mit den ausgelassenen karamellfarbenen Hunden natürlich sofort angesprochen. Auf dem Klappentext war zu lesen, ...

 

 „Wie es Hunden in Tierheimen geht, wollte Manuela Dörr wissen […]. Ihre Antwort: Besser als befürchtet, meist, weil die Pfleger enorm engagierte Menschen sind.“
Tilmann Abegg in Ruhr-Nachrichten

Und genau das hat mich auch interessiert und ich habe deshalb zu diesem Buch gegriffen. „2924 Hunde und 10 Tierheime“ ist ein FotobuchRoman, der Natalies Geschichte erzählt und durch dokumentarische Fotografie ergänzt wird.

Natalie hat ihr Studium gerade eben als Jahrgangsbeste an der Uni abgeschlossen und arbeitet jetzt im angesehenen Architekturbüro Hofenkamp & Meyer an einem Museumsprojekt. Damit könnte sie sich sofort einen Namen machen und ihr Engagement ist deshalb fast grenzenlos. Ganz klar, dass sie erst einmal in ein Loch fällt, als sie der Chef ohne weiter Begründung davon abzieht und ihr aufträgt für ein Tierheimprojekt ins Ausland zu reisen um sich dort in Tierheimen Anregungen zu holen, die sie dann in ihren Entwürfen umsetzten kann. Natalie und dreckige Tiere? Zwei Welten prallen aufeinander, ganz zu schweigen von den vielen Vorurteilen, die sie über Tierheimen in Spanien, Italien, Georgien, Frankreich und Rumänien hat. Man darf Natalie als Leser auf ihrer Reise begleiten, bei der sie nicht nur insgesamt zehn Tierheime in diesen Ländern besucht, sondern sich auch selbst sehr verändert.

Die dokumentarische Fotografie, die dem Leser ein authentisches Bild vermitteln soll, hat mir auf Anhieb sehr gut gefallen. Die Fotografien in dem Buch zeigen Tier­heime, die Natalie, natürlich auch die Autorin, auf ihren Erkun­dun­gen besucht hat. Die Bilder sind weder insze­niert noch dig­i­tal nachbearbeitet, sondern einfach nur authentisch und echt. Genau das ist es, was mir daran so besonders gut gefällt. Gefälschte Bilder gibt es mehr als genug im Netz, die brauche ich nicht auch noch in einem Buch. Die Fotografien sind durchwegs von sehr guter Qualität, was auch den Preis sicher rechtfertigt.

Die Geschichte und die Bilder haben sich gelungen ergänzt und es gab gegen Ende hin wirklich nur wenige Stellen, an denen ich mir ein Bild mehr gewünscht hätte, um mir das Gelesene noch besser vorstellen zu können.

Die ausgewählten Tierheime zeigen einen gelungen Querschnitt. Bei einzelnen herrschen regelrecht paradiesische Zustände, bei einigen haben es die Tiere gut und bei anderen weniger, weil die allesamt äußerst engagierten Mitarbeiter eben mit den Voraussetzungen zurechtkommen müssen, die sie haben.

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und die Geschichte vermag zu fesseln. Man könnte durch die Geschichte fliegen, aber durch die zahlreichen Fotografien, lädt das Buch auch zum Verweilen ein. Nicht ganz so glücklich bin ich jedoch mit den letzten Kapiteln, bei denen ich zunehmend den Eindruck hatte, dass mir Informationen fehlen würden, das Kombipaket aus Roman und Fotografie ist meine Meinung nach anfangs besser gelungen. Trotz allem habe ich das Buch von Anfang bis Ende gefesselt und gerne gelesen.

Eigentlich ist mir Cover und Aufmachung eines Buches nicht ganz so wichtig, auf den Inhalt kommt es an. Aber dieses Buch ist jetzt in meinem Regal nach dem Lesen ein richtiges Highlight. Es ist nicht nur auf hochwertigem, relativ dickem Papier gedruckt, sondern es hat auch noch einen offenen Buchrücken zu bieten. Wenn man den Schutzumschlag abnimmt, kann man das Buch, das im handlichen Format daherkommt, als wahres Schmuckstück bezeichnen und ich werde es auf jeden Fall in Ehren halten.

Toll fand ich auch die Botschaft, dass auch Tiere aus anderen Ländern, obwohl man sie doch „rettet“ Geld kosten müssen. Denn will man Hunden und sich als Besitzer einen Gefallen tun, muss man sich auch an seriöse Organisationen wenden. Ich würde mir wünschen, dass alle Tierhalter sich dessen bewusst wären.

Alles in allem bekommt man hier einen authentischen, fesselnden teilweise auch schockierenden Einblick, tolle Fotografien und eine Geschichte, die ebenfalls überzeugen kann. Eigentlich hätte das Schmuckstück an Buch 5 Sterne verdient, aber dafür reicht es bei mir nicht ganz, weil ich eben mit den letzten Kapiteln nicht ganz so glücklich war. 4,5 Sterne.

  (23)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(24)

29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

wien, rassismus, mord, sexismus, flüchtlinge

Der König der Schweine

Manfred Rebhandl
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 06.10.2016
ISBN 9783709978603
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Kitty Mohr wird, sicher nicht dank ihrer Fähigkeiten, sondern höchstens aufgrund der Frauenquote, „befördert“, und gemeinsam mit einem neuen Kollegen, mit dem sie sich die Stelle teilen soll, in eine kleine Abstellkammer, die als Büro dienen soll, verdammt. Ihrem Chef Bronner ist dies mehr als Recht, hat er doch somit drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er hat Kitty von der Backe, den zugewanderten Kurden namens Ali, den „man uns von ganz oben ins Nest gelegt hat“, auch gleich durchgereicht und den lästigen Fall mit den toten Schwarzen, um den er sich sowieso nicht kümmern will, hat er auch noch los. Besser könnte es für ihn gar nicht laufen, ganz im Gegensatz zu Kitti und Ali Khan Kurtalan. Die beiden müssen nämlich nicht nur den verzwickten Fall aufklären, sondern sich auch zusammenraufen, was ungefähr so schwierig ist, wie aus einem Kilo Gyrosfleisch einen Veggieburger zu zaubern.

Manfred Muhr hat mit „Der König der Schweine“ den Auftakt zu einer neuen Krimireihe, mit einer Ermittlerin, wie es sie noch nie gegeben hat, geschaffen. Das Hauptgewicht in diesem ersten Teil liegt definitiv auf Kitty und ihr als Person, mit Sicherheit auch auf ihrem Verhältnis zu Ali. Der Fall dagegen kommt äußerst schleppend in die Gänge. Ziemlich lange weiß man nichts weiter, außer, dass es Todesopfer gegeben hat. Aber auch kein Wunder, Kitty feilt lieber Fingernägel, als zu arbeiten, das liegt ihr nicht so sehr. Eigentlich durch Zufall tun sich dann jedoch einige Spuren auf, denen sie deutlich weniger engagiert als Ali nachgeht. Als Leser hat man dann relativ schnell eine Ahnung in welche Richtung die Tätersuche gehen wird, die Auflösungen empfand ich aber dennoch spannend und interessant.

Der Schreibstil des Autors liest sich locker, leicht. Man fliegt durch die Seiten, ohne sich groß konzentrieren zu müssen. Schon aus der Beschreibung war klar, dass hier geflucht wird und man sich auf eine derbere Sprache einstellen muss und Kitty mag es wirklich äußerst barsch und beleidigend. Im Moment kann sie wohl auch gar nicht anders, alles andere würde nicht ihrem Motto „ich kann Judo, nicht Yoga“ entsprechen. Kitty berichtet aus der Ich-Perspektive und ich konnte bei zahlreichen ihrer Beschreibungen wirklich schmunzeln. So kann ihr beim Anblick eines weniger prickelnden Männerhinterns schon einmal „einer alten Elefantenkuh den Arsch abgezogen und ihm dort hingeklebt“ über die Lippen kommen. Zahlreiche Dialoge, die sie sich mit Ali geliefert hat, haben mich lachen lassen, auch wenn ich es stellenweise fies fand, dass sie ihre schlechte Laune bis ins Extrem an ihm auslässt und ihn schon auch mal aus dem Auto wirft, wenn ihr danach ist.

Nicht ganz so glücklich war ich mit ihrem Männerverschließ und der Tatsache, dass Kitty hinter jedem Mann, der ihr über den Weg gelaufen ist, einen potentiellen Sexpartner gesucht hat. Das war mir irgendwann einfach zu viel des Guten. Ein bisschen skeptisch bin ich auch, weil hier doch viel ausländerfeindliches Gedankengut zu finden ist, auch wenn damit der Gesellschaft vielleicht ein Spiegel vor Augen gehalten werden soll.

Ich habe mich bei der Beschreibung riesig auf eine Ermittlerin gefreut, die zur Abwechslung einmal nicht mit gutem Figürchen oder sportlich, fittem Lebensstil punkten und den Männern auch gehörig den Marsch blasen kann. Sie raucht wie ein kaputter Ofen, sie flucht mehr, als ich je einen anderen Menschen fluchen gehört habe. Sie jagt Männern, die ihr nicht nur als „Schwanzfotoakrobaten“ dienen, sondern auch ihren „Ghetto Boy“ im Nachtkästchen ersetzten könnten, hinterher und macht damit jedem noch so großen Weiberhelden schwer Konkurrenz. Von allem ein bisschen weniger und mir hätte Kitty bestimmt gut gefallen. So habe ich mir zunehmend schwer mit ihr getan. Musste ich anfangs nur ab und an schlucken, konnte ich sie als Ermittlerin schnell nicht mehr ernst nehmen und auch unreifes Verhalten würde man eher einem Teenager zutrauen, als einer Frau mit 40 Jahren. Richtig gut gefallen hat mir aber ihr Kollege Ali Khan Kurtalan, der viel ihrer negativen Energie abbekommt, aber scheinbar auch jede Menge aushält. Er hat Rückgrat, kann einstecken, ist belesen und so klug, dass er sich nicht mit Kitty anlegt, wenn es für ihn um nichts geht. Bezeichnend für die Zusammenarbeit der beiden ist wohl folgender seiner Sprüche. „Deine defensive Herangehensweise, was Arbeit betrifft ist okay, aber ich muss was tun!“. Ein wenig seltsam war das Verhältnis von Kitty zu ihrer „Freundin“ Susi. Das ist die mit dem Pferdebiss, die ihr zugelaufen ist und jetzt gut ist, wenn sich Kitty besser fühlen mag, weil es Susi noch schlechter getroffen hat. Zweckgemeinschaft trifft es wohl eher. Über ihre Mutter musste ich schmunzeln, was Kitty aber nicht hören dürfte.

Alles in allem ein Krimi, von dem ich mir leider ein bisschen mehr erwartet habe, der mich aber durchaus auch grinsen lassen konnte und sich zunehmend spannend entwickelt hat.

  (38)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1)

3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Das gabs früher nicht

Bernd-Lutz Lange
Fester Einband: 349 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.10.2016
ISBN 9783351036508
Genre: Biografien

Rezension:

Der Wandel gewinnt an Fahrt. „Aber mit einer solchen Geschwindigkeit, wie in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Welt nie vorher verändert.“ Man muss sich also zweifelsohne die Frage stellen, was bringt uns dies in Wirklichkeit. Wofür braucht der Mensch einen „Wellnesswecker“? Wieso streben alle einen definierten Body an, aber sprechen ein undefinierbares Deutsch? Und wenn alle auf Stand-by sind, warum haben dann so wenige einen Standpunkt?

Was hier so pessimistisch und pauschal nach „Früher war alles besser“, klingt, ist längst nicht alles, was in diesem Buch steckt, in dem der Autor in gelungenem, äußerst kurzweiligen Erzählstil die verschiedensten Unterschiede von gestern zu heute aufzählt. Namen, Einkaufen, Ernährungsgewohnheiten, Freizeitverhalten, Religion, Sprache, Technisierung und vieles mehr hat sich einfach verändert.

Der Autor wurde 1944 in Zwickau geboren und seine Erzählungen decken daher die Generation meiner Eltern, meine eigene, ich bin 1977 im Westen zur Welt gekommen und dort aufgewachsen, und die der heutigen Jugend mit ab.

Auch meine Eltern haben mir von ihrer Kindheit in den Nachkriegsjahren erzählt, hier habe ich vieles wiedererkannt, einiges war aber auch neu für mich. Z.B. wie war ein typisches Nachkriegswohnzimmer eingerichtet, was gab es zu essen oder was wurde an zu Weihnachten verschenkt?

Ebenfalls unbekannt waren mir diverse Eigenheiten, die es eben nur in der DDR gab. Hinter dem Begriff „Erdmöbel“ haben sich z.B. Särge verborgen. Über solche kleinen, interessanten Informationen, bin ich bisher noch in keinem Geschichtsbuch gestoßen.

Ich konnte mich ebenfalls an vieles aus meiner Jugendzeit erinnern. So waren Anstandsregeln wichtig und meine Eltern legten sehr viel Wert darauf, welchen Eindruck man bei anderen hinterlässt und das hat mich geprägt. Zu meiner Jugendzeit wurde auch noch ganz selbstverständlich zu einem Schokokuss Negerkuss oder Mohrenkopf gesagt, ohne dass man sich dabei politisch unkorrekt verhielt. Da spricht er mir mit seiner Aussage „Rassismus versteckt sich nicht hinter Namen, sondern ist in den Köpfen mancher verborgen“ so richtig aus der Seele. Althergebrachte Begriffe werden durch neue Namen ersetzt, kurioserweise ohne Grund, auch dieser Gedanke ist mir schon oft durch den Kopf gegangen.  

Zunehmendes Denglish, hier gibt der Autor auf amüsante Art und Weise Denkanstöße, wer hat sich denn schon einmal überlegt, was Public Viewing im Amerikanischen eigentlich heißt? “Muss man Outdoor Jacken Indoor ausziehen?“ Er gibt Beispiele für Extremsportarten, bei denen dem Leser völlig klar ist, dass dies Sport gegen jegliche Vernunft ist. Auch beim Sinn und Nutzen von Telefonhotlines, kann man, wie bei vielem mehr,  schmunzeln.

Mit Wehmut erinnert Bernd –Lutz Lange sich an die gute alte Briefpost, die auch ich noch heute über alles liebe, ist es doch ein ganz anderes Gefühl, wenn man eine Postkarte oder einen persönlichen Brief im Postkarten findet, der vielleicht sogar noch duftet, als wenn nur das Handy schrillt, sie haben eine neue Mail. Auch entwickelten Fotos in Fotoalben, die man nicht irgendwann einfach löscht, oder der Geschmacksintensität von Gemüse früher, das noch nicht überzüchtet war, traure ich wie der Autor hinterher.

Er verschweigt aber auch nicht die guten Errungenschaften, wie z.B. dass sich heute Väter einfach besser um ihren Nachwuchs kümmern oder dass man mit dem Handy im Notfall Hilfe holen und damit Leben retten kann. Auch dass Schneemänner bauen nie aus der Mode gekommen ist, wenn der erste Schnee im Winter fällt, sind Dinge, die angemerkt werden.

Es sind aber auch provokante Sätze zu finden, wie z.B. „ Der neue Gott Google weiß, wo du bist, wo du warst, wie du denkst und was du vor hast. Dagegen war die Stasi eine Laienspielgruppe“, womit er ja aber im Grunde genommen mehr als Recht hat.

Gut gefallen haben mir auch die Zitate von Loriot, Kästner oder auch Fontane, die von der Belesenheit des Autors und seiner Ausbildung zum Buchhändler zeugen. Antiquariate, Bücher und Lesen, auch ich teile die Leidenschaft des Autors, die leider zunehmend in Vergessenheit gerät.

Alles in allem ein Buch, das über vergangene und heutige Zeiten berichtet, einen kleinen Ausblick auf die Zukunft bietet und zum Schmunzeln, Nachdenken und Innehalten einlädt - Eigentlich genau die Art an Buch, die unsere Welt, die Gefahr läuft, in der Menge an Infos zu ertrinken, braucht. Auch wenn für mich vielleicht nicht jedes, der angenehm kurzen Kapitel ein absolutes Lesehighlight war, hatte ich wirklich super Unterhaltung und kann das Buch nur weiterempfehlen.

  (40)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(48)

52 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

liebe, ehe, frieda lamberti, london, pseudonym

Alias Nora Parker

Frieda Lamberti
E-Buch Text
Erschienen bei Montlake Romance, 11.10.2016
ISBN 9781503995437
Genre: Romane

Rezension:

Frieda Lamberti hat mich bisher mit ihren Krimis und Romanen immer wunderbar unterhalten und „Alias Nora Parker“ bildet hier keine Ausnahme, ein Wohlfühlroman, der einen auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle nimmt, schmunzeln und träumen lässt.

Caroline Winter schreibt unter dem Pseudonym Nora Parker Romane, die sich gut verkaufen. Bisher ist dies ihr großes Geheimnis. Da sie viel zu wenig Selbstbewusstsein hat, spielt sie nach außen hin weiterhin die Rolle der gelangweilten Hausfrau und Mutter zweier erwachsener Kinder, die schon längst ausgezogen sind. Als ihre Agentin Judith sie zwingt sich endlich zu outen und auf Lesereise zu gehen, steht sie vor der Frage, sich der Familie und der Öffentlichkeit zu stellen, oder auf ihre Leidenschaft, das Bücher schreiben zu verzichten? Dafür hängt aber zu viel Herzblut in ihrer Schriftstellerei und sie beschließt ihre Anonymität aufzugeben, nichts ahnend, dass eventuelles Stottern bei ihrer ersten Lesung ihr allerkleinstes Problem sein wird. Die Ereignisse überschlagen sich, Intrigen werden geschürt und ungeahnte Herausforderungen sowie ein riesiges Gefühlschaos folgen.

Ich liebe den locker, lässigen Schreibstil der Autorin, der einen regelrecht durch die Seiten fliegen lässt. Sie schafft es immer mich mit zahlreichen Überraschungen und ungeahnten Wendungen ans Buch zu fesseln. So weiß man hier bis zum bitteren Ende z.B. nicht, ob es ein Happy End geben wird, oder eben nicht. Oft dachte ich auch, schlimmer kann es nicht kommen, wurde aber eines besseren belehrt. Frieda Lamberti lässt ihrer Leser richtiggehend Achterbahn der Gefühle fahren. Mir ist nicht nur einmal die Kinnlade nach unten geklappt, weil ich gar nicht fassen konnte, wie dreist man sein kann. Ich habe stellenweise so richtig mitgelitten, weil ich die tiefe Enttäuschung fast selbst spüren konnte . Ich habe Genugtuung empfunden, wenn ein schlagfertiger Konter gefolgt ist, denn ich auch gern gelandet hätte und ich habe mich stellenweise riesig gefreut. Ich liebe es zu lachen und auch dazu bekommt man hier viel Gelegenheit, sei es über ein Pärchen, das sich in schwäbischem Dialekt Liebesschwüre zuwirft, eine Szene im Freibad, die ein Teenie sein Leben lang nicht vergessen wird, oder über Amys ganz exzellentes Indisch Curry, das einen spontan zum Vegetarier werden lässt.

Ich bin kein typischer Leser von Liebesromanen, aber hier greife ich gerne zu, weil die Story kein bisschen kitschig daher kommt und bis auf ein paar kleine Details meiner Meinung nach auch real so passieren könnte, lebensnah und authentisch. Der eine oder andere Leser findet sich hier bestimmt auch wieder. Die Kinder sind aus dem Haus und stellen sich auch mal auf die Seite von Papa oder Mama, wenn es Streit gibt. Die Luft ist bei einer Ehe nach langen gemeinsamen Jahren einfach raus, Sex ist längst zur Pflichtübung geworden. Der Ehepartner flüchtet sich in die Arbeit und einer sitzt allein Zuhause. Man verliebt sich und ist betriebsblind, Seitensprung oder nicht, und wo beginnt dieser eigentlich? Freundschaft, Enttäuschungen und Vergebenkönnen sind hier bei Caroline und den Menschen in ihrer Umgebung ebenfalls Themen.

Gut gefallen hat mir auch der kleine Einblick in die Arbeit einer Schriftstellerin und die Gefahren, die auf eine solche lauern können.

Caroline Witner hat mir von Anfang an super gut gefallen. Ich konnte mich prima in sie hineinsetzten. Sie weiß zwar genau was sie will, hat jedoch kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Sie ist äußerst harmoniebedürftig, macht sich Gedanken darüber, was andere von ihr denken, und ist mir damit nicht unähnlich. Ihr Ehemann Tom hat zwei Seiten. Manchmal dachte ich, er hat sich in den langen Ehejahren einfach zu sehr an all die Bequemlichkeiten gewöhnt, mit denen Caroline ihm ein einfaches Leben ermöglicht hat, mag sie aber trotzdem. Manchmal dachte ich mir aber auch nur, oh welch ein arroganter Mistkerl, der hat sie überhaupt nicht verdient. Jasper, der ältere Sohn zeigt mehr Verständnis und war mir deshalb sympathischer wie seine Schwester Nelli, die manchmal schon Haare auf den Zähnen haben kann. Super gut hat mir Chris mit seiner Hartnäckigkeit, seiner witzigen Art und seinem steten Optimismus gefallen. Kein Wunder, dass er ein erfolgreicher Motivationstrainer ist. Toll war auch dessen Kollegin Amy, die mit dem legendären Curry, gezeichnet. Nachbarin Sarah und ihr Ehemann Rick haben ebenfalls überzeugende Rollen gespielt und demonstriert wie es auch laufen kann.

Alles in allem wieder einmal ein Roman aus Frieda Lambertis Feder, der einen einfach mitnimmt und den es sich unbedingt zu lesen lohnt.

  (39)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(14)

15 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

speyer, vergangenheit, reithalle, papstbesuch, loyalität

Speyerer Geheimnisse

Kerstin Lange
Flexibler Einband: 254 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 22.09.2016
ISBN 9783954519750
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der zweite Fall für den ehemaligen Kriminaloberrat Ferdinand Weber, der mir mit seiner warmherzigen Art äußerst sympathisch ist, und ich habe mich deshalb sehr auf "Speyerer Geheimnisse" gefreut.

Wie im realen Leben der Speyrer auch, soll auch hier im Krimi die geschichtsträchtige Reithalle im Speyerer Quartier Normand abgerissen werden. Ganz besonders vehement gegen diese Pläne setzt sich die Unternehmerin Ingeborg Schindler ein. Die von ihr gegründete Bürgerinitiative findet, trotzdem sie eine eiskalte Geschäftsfrau ist, zahlreiche Anhänger, so auch Kriminaloberrat a. D. Ferdinand Weber. Dieser schließt sich der ersten friedlichen Demonstration an und lernt dort Herrn Aust kennen. Dieser kann von Glück sagen,  denn nur wenig später entgeht er dank Webers beherztem Eingreifen einem schweren Verkehrsunfall. Aber nicht nur das gemeinsame Engagement für den Erhalt der Reithalle verbindet die beiden Männer, sondern auch die Tatsache, dass beide ominöse Postkarten erhalten haben, die an ein längst vergangenes Ereignis erinnern. Als Aust wenig später tatsächlich Opfer eines tödlichen Verkehrsunfalls wird, ist Webers Interesse mehr als geweckt. Er beginnt mit seinen Nachforschungen und gerät damit schneller in Gefahr als ihm lieb sein kann.

"Speyerer Geheimnisse"  ist ein spannender Ermittlerkrimi, der einen zwar nicht vor Hochspannung bibbern lässt, aber dennoch ans Buch fesselt. Man ist bei Webers Erkundungstouren mit dabei und erfährt auch das, was er von seinem ehemaligen Kollegen Hamacher erfährt, der aber dieses Mal nicht alles verrät und daher einige Entdeckungen auch etwas überraschend kommen. Man kann als Leser rätseln und viele Vermutungen anstellen, da geschickt mögliche Tatverdächtige präsentiert werden und falsche Spuren gelegt werden. Richtig überraschen konnte mich die Autorin mit der finalen Auflösung.

Der Schreibstil von Kerstin Lange liest sich locker, leicht und angenehm. Die relativ kurzen Kapitel finde ich gut, verschaffen sie doch zusätzlich Fahrt. Besonders gefällt mir auch der Umgangston, der bei Webers Dialogen herrscht und von Respekt und Achtung des Gegenübers geprägt ist.

Die Charaktere sind wirklich toll dargestellt. Kriminaloberrat a. D. Ferdinand Weber ist mir ja im ersten Teil schon ans Herz gewachsen, weil er so wacker gegen das Alleinsein kämpft und er mich mit seinen Gedanken an seine verstorbene Frau Louise des Öfteren richtig gerührt hat. Gut hat mir auch wieder die Freundschaft zu der jungen Buchhändlerin gefallen. Deren Verhältnis ist von gegenseitigem Respekt, aber auch von Vertrauen geprägt und ich glaube es tut nicht nur Weber, sondern auch der zurückhaltenden, aber cleveren Jeannette richtig gut. Sein ehemaliger Kollege und eigentlich auch Freund Hamacher steckt dieses Mal in einem gehörigen Gewissenskonflikt. Beförderung oder Informationen mit Weber teilen und sich dadurch den Aufstieg vielleicht vermasseln? Richtig gelungen gezeichnet ist Mechthild Krause, die schwer krebskrank tapfer ihrem Tod entgegen geht, und super sympathisch fand ich Julius Schindler, den Entrümpler ihrer Wohnung, der sich selbst treu bleibt, auch wenn er bestimmt nicht viel zu lachen hatte in seinem Leben. Antipathien zogen die prestigesüchtige und geldregierte Unternehmerin Ingeborg Schindler und auch Hamachers Chef Maulbeer auf sich. Aber auch alle anderen kleinen Nebenrollen sind toll besetzt.

Weber ist ein Genießer und so geht er im Moment seiner Leidenschaft für guten Sherry nach. Damit kann er mich nicht so locken, dafür mit leckerem Zwiebelkuchen oder Käseplatten, zusammengestellt direkt aus dem benachbarten Frankreich. Da hatte ich nicht nur einmal einen wässrigen Mund.

Speyrer werden sich in diesem Krimi regelrecht wiederfinden und wenn ich die Stadt jetzt dann unbedingt einmal besuchen muss, kenne ich mich auch schon ein wenig aus. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten werden geschickt in die Geschehnisse eingebunden und teilweise kurz beschrieben. So weiß ich jetzt z.B. sogar wie ich die berühmte Uhr am Altpörtel zu lesen habe. Der Papstbesuch im Jahr 1987, an den sich bestimmt noch viele Bewohner erinnern, ist ebenfalls ein Thema wie der Reithallenabriss, der die Bürger aktuell auch im realen Leben beschäftigt.

Alles in allem ein gelungener Regionalkrimi, der mit einem äußerst sympathischen Ermittler spannend unterhält und deshalb noch fünf Sterne bekommt.

  (22)
Tags:  
 
930 Ergebnisse