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9 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Sag mir wo die Träume sind

Victoria Suffrage
Flexibler Einband: 132 Seiten
Erschienen bei TWENTYSIX, 06.11.2017
ISBN 9783740733957
Genre: Biografien

Rezension:

„Meuchel hat gesagt, wenn wir in Rente sind, dann beginnt das große Abenteuer. Wollte er holen, Für uns holen. Und was war das Ende vom Lied? Nach einer Woche Rente macht er sich vom Acker. Das kann er ja kaum gemeint haben.“

Fassungslos, traurig und wütend steht Rieke täglich Stunden an Meuchels Grab. Wie soll es nur weiter gehen ohne ihn an ihrer Seite? Eine große, wenn auch äußerst schrille und penetrante Hilfe ist ihre beste Freundin Bella, die natürlich wissen will, um welches Abenteuer es sich denn überhaupt gehandelt hat? Nie gefragt, blind darauf verlassen, dass Meuchel das Beste will, muss Rieke zugeben, dass sie keinen blassen Schimmer hat. Aber es wäre nicht Bella, wenn sie Rieke nicht dazu nötigen könnte, auf Meuchels Laptop nach Spuren zu suchen die etwas von diesem Geheimnis preisgeben und die beiden werden fündig! Ein harter Porno, Bella in der Hauptrolle, das setzt erst einmal beide außer Gefecht. Ein Verlagsvertrag bringt Bella jedoch schnell wieder auf die Füße und damit begeben sich die beiden Freundinnen auf ein Abenteuer. Ob Meuchel das gemeint haben kann, habe ich ihn wirklich so gar nicht gekannt? Sind nur zwei der unzähligen Fragen, die sich in Gedankenspiralen in Riekes Kopf drehen. Würde das nicht schon genügen, schwirren auch noch acht Maulwürfe in ihrer Wahrnehmung herum. Hat man denn nie Ruhe und will man die überhaupt?

 „Gott schütze meine Schlagfertigkeit, auch wenn sie im Rollator hinter mir herläuft.“. Ich liebe den spritzigen, fluffigen Sprachstil der Autorin, der das Lesen all ihrer Kurzgeschichten einfach nur zum Vergnügen macht, auch wenn es sich immer um ein berührend, trauriges Thema handelt. Ich hatte riesen Spaß mit Riekes genervt, bitterbösen Sprüchen, die sie Bella, die sich als gute Freundin, auch zum Glück, nicht abwimmeln lässt, entgegenwirft , die ihr aber im gleichen Moment auch wieder leidtun. Auch die acht Maulwürfe, die sich in ihre Gedanken graben und da alte Erinnerungen an die Zeit, in der es noch Träume gab, ans Tageslicht zerren, haben mich ganz oft mit ihren Sprüchen zum schallend lauten Lachen gebracht. „Was hast du gegen guten Sex? Ist doch auch ein Abenteuer. Wir Maulis verstehen und da blind.“  kann da „der adipöse Maulwurf. Der könnte einen guten Braten abgeben, aber niemals meinen Psychiater.“, schon mal sagen. Jetzt „lache ich schon zum zweiten Mal seit Meuchel tot ist. Sofort fühle ich mich wieder schuldig.“ Trotz aller Leichtigkeit durch die viele Situationskomik und den spritzigen Schreibstil, fehlt dieser Kurzgeschichte die Ernsthaftigkeit kein bisschen. Riekes Trauer, die sich mit Wut, Hoffnungs- und Orientierungslosigkeit abwechselt mehr als gelungen deutlich. Trotz der relativ wenigen Seiten haben die Charaktere und die Story Tiefe, welche sie aus der Masse heraushebt.  
Ich konnte mich unheimlich gut in Rieke hineinversetzen, ich litt mit ihr, ich war mit ihr von Bella genervt, obwohl es so gut tut, nicht allein zu sein. Ich konnte mir ihre roten Backen, wenn sie nur an den Porno dachte, so richtig gut ausmalen, könnte da nicht einfach Doink, statt harter Worte stehen? Bella ist eine schrille Erscheinung, die ihr Herz aber am genau rechten Platz hat. Rieke kann, schrille Stimme und penetrante Art hin oder her, wirklich froh sein, dass sie Bella hat.

Es ist schwer hier noch mehr positiv zu erwähnen, obwohl es davon noch einiges gäbe. Aber, das würde zu viel von der wirklich spritzig, amüsanten und äußerst bewegenden Geschichte spoilern und viel von dem Lesevergnügen rauben, was ich auf keinen Fall tun möchte. Tolle Botschaften verstecken sich hier, die es selbst zu finden gilt und einmal angefangen, kann man das Buch sowieso nicht mehr aus der Hand legen und hat sie als Leser selbst gefunden. Absolute Lese-Empfehlung und begeisterte fünf Sterne von mir.

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34 Bibliotheken, 8 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

popcorn, filme, programmkino, glück, liebe

Glück schmeckt nach Popcorn

Marie Adams
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 20.11.2017
ISBN 9783734104947
Genre: Liebesromane

Rezension:

„Einen Mensch zu lieben, heißt, ihn so zu sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ Dostojewski. Gibt es denn solche Liebe im wahren Leben überhaupt oder sind Happy Ends nur für die Leinwand reserviert?

Wie „den Deckel einer Schatztruhe“ öffnen, ist es für Martha, wenn sie die Glastür zu ihrem kleinen renommierten Programmkino aufschließt. Das Kino ist ihr Leben, ihr Rettungsanker, ganz besonders wenn es rund um diese Insel im Moment sehr düster aussieht. Aber sie weiß es ja schon lange, Happy Ends gibt´s im wahren Leben einfach nicht. Vom Freund auf miese Art und Weise verlassen und jetzt zieht auch noch ihre Mitarbeiterin und beste Freundin Susanna weg, gut geht anders. Dass sich dann Susannas Nachfolger, der junge Filmstudent Erik, auch noch als Gute Laune Paket entpuppt, das kann einen schon Mal in den Wahnsinn treiben. Wird es Sonnenschein Erik gelingen Martha doch noch zu beweisen, dass sich nicht nur auf der Leinwand alles zum Guten wenden kann, oder wird sie ihrem Motto treu bleiben, Verliebtsein wird völlig überbewertet, ich werde das mit Verstand angehen?

Als Leser darf man Martha eine Weile in ihrem Leben begleiten. Man muss Susanna wehmütig ziehen lassen, man begleitet sie bei der Arbeit im Kino, muss sich mit ihr mit Erik zusammenraufen, darf sich mit Stefan treffen und so einiges mehr, wie z.B. eine kleine Babymaus retten. Wie soll mein Leben weitergehen, was soll und kann ich erwarten bzw. mit was will ich mich  zufrieden geben, sind die Fragen, die es dabei zu klären gilt.

Die Autorin beschreibt sehr bildlich und ich konnte mir das kleine renommierte Programmkino super gut vorstellen. Der elegante, schnörkellose Stil der 50er Jahre, das muss ein ganz besonderer Ort sein, kein Vergleich zu großen, anonymen Multiplexkinos. Richtig gut hat mir auch ein Ausflug in einen geheimen Garten gefallen, aber ich will gar nicht zu viel verraten. Der lockere, spritzige, aber auch gefühlvolle Schreibstil liest sich toll und die Seiten sind fast schon zu schnell geflogen. Ich konnte viel schmunzeln, dafür haben schon die zahlreichen Kabbeleeien zwischen Martha und Erik gesorgt.

„Martha war wie ein Dampfkessel. Sie war immer so diszipliniert, aber von Zeit zu Zeit kocht der Kessel über, und sie reagierte völlig über.“ Ich denke diese Beschreibung trifft Martha recht exakt. Mir war sie von Anfang an super sympathisch und ich konnte mich richtig gut in sie hinein
versetzen, auch wenn ihr Verhalten klar nicht immer perfekt ist, aber bei wem ist es das schon? Vom Ex schwanger verlassen, danach eine Fehlgeburt, das muss mürbe machen. Wenn dann noch die beste und leider auch einzige Freundin der Liebe wegen von Köln nach Hamburg zieht, da sieht die Welt erst einmal ganz schön dunkel aus. Nicht mehr verletzen lassen, eine harte Schale aufbauen, einfach alles alleine stemmen wollen und sich in Arbeit stürzen, ist Marthas Motto. Im Kino zur Hand geht ihr Erik Sonntag und sein Name scheint Programm zu sein. Mit seinem „Teflongemüt“, das irgendwie alle verletzenden Worte ab kann, ist für ihn wohl jeden Tag Sonntag, zumindest strahlt er das aus. Seine stets gute Laune zieht Martha zwar magisch an, treibt sie aber gleichzeitig auch in den Wahnsinn. Umgarnt wird sie auch von Filmkritiker Stefan. Der reservierte Typ, der an kaum einem Film ein gutes Haar lässt, Bücher wie Martha im Regal nach dem ABC ordnet und mit dem man „das Leben genießen, ohne sich Illusionen hinzugeben“ kann, wurde mir im Verlauf der Geschichte immer unsympathischer. Er ist aber gelungen gezeichnet wie im Übrigen auch die anderen Nebendarsteller. Besonders süß empfand ich Max, den kleinen Nachbarjungen mit seiner Maus, aber auch Mathilda, die Nichte von Erik, die versucht ihren Onkel zu trösten. Ein richtiges Biest ist hingegen seine Schwester Dorothea, aber die hat wohl auch mit sich selbst zu kämpfen.

Alles in allem eine richtig schöne Gute Laune Geschichte, die mich berührt hat, mich schmunzeln lies und wirklich tolle Lesestunden bei
gemütlichen Sofaabenden beschert hat. Wenn man ein Buch mit einem Hach, schön war´s und einem Lächeln im Gesicht zuklappen kann, dann passt es doch einfach, 5 Sterne gibt´s von mir.

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26 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

norderney, geocaching, ein wochenende ende oltober, hochzeitscache, internetbekanntschaft

Inselcocktail

Anja Eichbaum
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.07.2017
ISBN 9783839221099
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Johannes dwsw, den Traummann aus dem Internet schlechthin, endlich kennenlernen, das ist das Ziel von Merle, Julianne, Dörthe und Constance. Vier Dates auf Norderney, vier Damen die einer glücklichen Zukunft mit einem tollen Mann an ihrer Seite entgegenfiebern, reisen an. Gemeinsam mit ihnen kommen auch Daniela, die hier ihren regelmäßigen Urlaub macht, und Ruth, die Kriminalerin, die für Vorträge auf die Insel reist. All diese Frauen erleben ein Wochenende, das durch einen schweren Herbststurm ein ganz besonderes, unheimliches Setting bekommt, da hätte es der Leiche, die man am Strand findet, gar nicht mehr bedurft. Abgeschnitten vom Festland versucht Inselpolizist Martin Ziegler, gemeinsam mit Ruth und Daniela als provisorische Helfer, den Todesfall aufzuklären.

Der sehr bildreiche Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht. Ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Es wird ausführlich beschrieben und man hat als Leser fast das Gefühl als Beobachter mit auf der Insel zu sein. Die gut 406 Seiten fliegen durch die flüssige Erzählart zum Glück auch dahin, denn das Ausführliche hat bei mir die Spannung doch immer wieder erheblich ausgebremst. Nebensächlichkeiten hätten mir lediglich erwähnt durchaus genügt. Gelungen fand ich, dass die Täterperspektive immer wieder zwischengeschoben wird. „Duweißtschonwer“ darf immer wieder seine Gedanken zum Besten geben und hat mir damit einige Gänsehautmomente beschert. Anhaltend spannend empfand ich dann aber eigentlich nur das Finale, was ich ein bisschen schade fand.

„Inselcocktail“ ist wirklich ein Buch, das einen gekonnt auf Norderney entführt. Die Atmosphäre der Insel ist perfekt eingefangen, ich hatte das Gefühl mit den Damen in der Milchbar zu sitzen, durch die Dünen zu wandern und den aufziehenden Orkan konnte ich fast selbst fühlen. Auch die Ruhe, die Gelassenheit, dass ein Gang rausgenommen wird, wenn man dort ankommt, ist beim Lesen zu spüren. Richtig gemütlich stelle ich es mir auch in der kleinen, vom Baumboom bisher zum Glück verschonten, Pension bei Frau Dirksen vor. Ihre traditionelle ostfriesisch-schottische Teezeremonie mit Kluntjes, Sahne und dem kräftigen Schluck aus dem „Giftschrank“ gehört wohl für einen Urlaub dort auch einfach dazu.

Die Charaktere sind authentisch und detailreich dargestellt. Die psychische Labilität, die Wünsche und Sehnsüchte der vier Frauen, die hier auf ihren Traummann warten, werden realitätsnah eingefangen. Leichtestes Opfer ist sicher Merle. „Aussehen und Auftreten sind schon fast eine Beleidigung für andere Menschen. Eigentlich sollte man mir dankbar sein.“, dankbar für einen Mord ganz klar nicht, aber ziemlich schräg muss sie schon sein. Lippenstift im halben Gesicht verschmiert, den Traummann beim Universum bestellt und ohne Horoskop geht bei ihr gar nichts. Julianne, ist mehr als nah am Wasser gebaut und unter den Frauen die labilste. Dörthe muss ihr fehlendes Selbstbewusstsein mit einer unfreundlich, herablassenden Art kompensieren. Einigermaßen sympathisch war mir eigentlich nur Constance, die stets Verstand und Gefühl miteinander kämpfen. Inselpolizist Martin Ziegler bekommt bei seinen Ermittlungen Unterstützung von Ruth und Beihilfe gibt es zudem von Daniela und Frank, auch Miss Marple und Mister Stringer, genannt. Die Truppe arbeitet gut und harmonisch zusammen und hat mir so gut gefallen.

Alles in allem ein gelungener Ausflug auf Norderney, Menschen beobachten, Charaktere analysieren und ganz nebenbei ein bisschen Miss Marple spielen, kann man mit Sicherheit. Ein etwas strafferer Plot und dadurch ein bisschen mehr Spannung, wäre mir ganz lieb gewesen.

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

kinderbuch, ratte prinz, annette pau, ratte prinz im weihnachtsbaum, illustrationen

Ratte Prinz im Weihnachtsbaum

Annette Paul
E-Buch Text: 59 Seiten
Erschienen bei null, 10.11.2013
ISBN B00GLDXJVM
Genre: Sonstiges

Rezension:

Hektik, Hektik und noch mal Hektik. Prinz, die kleine sprechende Ratte, lebt freiwillig bei Rapunzel und ihrer Familie. Die Kleine hat ihr schließlich das Leben gerettet und eigentlich ist es dort auch ganz gemütlich. Für Futter muss man sich auch nicht viel anstrengen. Aber im Moment ist es furchtbar anstrengend dort. Alle haben Hektik, stundenlang wird laut musiziert, gebastelt, gebacken und alle haben ständig etwas zu tun! Bei uns Ratten gibt es ja kein Weihnachten, aber irgendwie muss das Ganze damit zu tun haben.

Die kleinen und großen Leser dürfen Ratte Prinz und die Großfamilie der sechsjährigen Rapunzel in der Vorweihnachtszeit begleiten. Nikolausstiefel, Adventbasteln, Plätzchen backen, Geschenke finden oder Weihnachtsbaum schmücken gehören hier ganz klar dazu. Ab und an darf man auch schmunzeln, wenn z.B. Prinz unter Rapunzels Pulli, damit ihn niemand entdeckt, mit den Waffeln bröselt. Ein paar mehr solcher Szenen hätten mir gut gefallen.

Beim Plätzchen-Backen muss man darauf achten, dass man den Herd nicht vergisst, von brennenden Kerze muss man die Pfoten und klar auch die Hände lassen, diese Botschaften sind mit Sicherheit gelungen eingebaut. Gut gefällt mir auch der Zusammenhalt der Familie, alle beteiligen sich an der Hausarbeit, die Geschwister helfen zusammen, das ist schön mitzuerleben.

Der Sprachstil ist leicht verständlich, kurze Sätze und grammatikalisch ist hier jemand am Schreiben, der weiß was er tut. Allerdings empfand ich persönlich einige kleine Details, etwas zu gehoben. „Solopartien“ statt einfach Solos einüben oder „fertigen ihre Sachen“ bzw. „kann ich mich nützlich erweisen“ z.B., aber gut erzählt wird die Geschichte auch von Ratte Prinz. Da sie aus einer königlichen Familie stammt und nicht nur in Menschsprache reden kann, sondern auch bei Mathehausaufgaben oder Vokabeln abfragen helfen kann, passt das schon zu ihm.
Mutter  Nachtigall, weil Sängerin, Papa Picasso, weil Maler, Brüder mit Namen wie Zorro und Winnetou oder Schwestern die Rosenrot und Schneeweißchen heißen. Klar diese Namen kennt vielleicht das eine oder andere Kind, zu Rapunzel, der sechsjährigen, die neben Ratte Prinz die Hauptrolle spielt, weil sie ihm das Leben gerettet hat, passt diese Auswahl sicher auch sehr gut. Für mich war es ein bisschen befremdlich, aber Kinder stören sich vermutlich gar nicht daran.

Ich habe nur die ebook Ausgabe und kann daher nicht bewerten, wie das Layout im gedruckten Buch ist. Gut gefällt mir, dass es bunte Bilder gibt, was ja nicht immer ganz so einfach ist. Wegen mir hätten es gerne ein paar mehr sein können, ein bisschen größer wäre vielleicht auch das eine oder andere Detail noch besser erkennbar gewesen.

Alles in allem eine nette, tierische Weihnachtsgeschichte, die sich bestimmt gut zum Vor und Selbstlesen in der Vorweihnachtszeit eignet und von mir noch vier Sterne bekommt.

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39 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

heilkraft, obst, gemüse, naturheilkunde, heilzubereitungen

Heilkraft von Obst und Gemüse

Ursel Bühring , Bernadette Bächle-Helde
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 05.10.2017
ISBN 9783800108947
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich versuche mich relativ gesund zu ernähren, saisonal und regional einzukaufen und war deshalb super gespannt auf dieses Buch, denn von Heilobst oder Heilgemüse hatte ich bisher noch nie etwas gehört. Ich bin absolut begeistert. Dieser breit gefächerte Ratgeber ist auf jeden Fall eine lohnende Investition, die ich nur empfehlen kann.

„Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat darin zu wohnen“. Nach diesem Zitat von Terresa von Avilla und einleitenden Worten der beiden Autorinnen geht es mit dem ersten Kapitel „Einfach gesund essen“ los. Moderne Ernährungstrends werden hier kritisch unter die Lupe genommen, Wechselwirkungen von Lebensmittel mit Medikamenten vorgestellt, von denen ich bisher noch nichts wusste, und Tipps gegeben, wie man teures, weit gereistes Superfood durch heimische Produkte ersetzen kann. Eine klare Botschaft hin zu regional und saisonal, was mir sehr gut gefällt. Das zweite Kapitel „Organe unterstützen“ widmet sich in unterschiedlich langen Absätzen speziellen Organen. Augen-, Nerven-, Magen-Darm gesund essen sind einige Beispiele hierfür. Da mich besonders Magen-Darm gesund sehr interessiert hat, hätte das für mich noch ausführlicher sein können. Allerdings gibt es Tipps zum Weiterlesen und alles kann in einem solchen Übersichtswerk wohl auch nicht bis ins Detail erörtert werden. Auf sich anschließenden gut 150 Seiten findet man dann „Obst und Gemüse von A bis Z“. Schon alleine die Sortierung nach dem ABC finde ich sehr gelungen, entfällt so doch das lästige Nachschlagen in einem Register, das aber natürlich auch hier im Serviceteil, der den Abschluss bildet, zu finden ist. Man will ja vielleicht auch nach anderen Schlagworten suchen. Der Schreibstil ist leicht verständlich, auch bei medizinischen Grundlagen, ganz besonders für den Laien doch wichtig.

Alle Sorten werden mit zahlreichen Bildern einige Seiten gewidmet. Es gibt immer jeweils einen kurzen Abschnitt zu „Die Pflanze“ mit botanischem Grundwissen, zu „Das ist drin“, der über die Inhaltsstoffe, wie Vitamine, Spurenelemente und Co informiert und je einen zu „Einkaufen und Lagern“ sowie zu „Zubereiten“ mit zahlreichen grundlegenden Tipps. In einem ausführlicheren, optisch ansprechenden, gegliederten Text wird anschließend die Wirkung der Sorte erklärt. Je nach Gemüse oder Frucht natürlich individuell und für mich ausführlich genug. Im Anschluss findet man auf ein, bis zwei Doppelseiten noch Rezepte.

Alle Rezepte haben das dicke Plus, dass sie wirklich einfach und ohne großen Aufwand zuzubereiten sind. Das sage sogar ich als Laie. Geling-Garantie ist hier also gegeben. Einfach, meist auch schnell gemacht, so etwas nehme ich nach dem Ausprobieren auch mit in den Alltag mit. Einige leckere Aufstriche, Pflaumensenf, Winter Lauchsuppe, Bohnen mit Tomaten, Grünkohlchips, rotes Linsen Dahl oder Erdbeer Brotaufstrich sowie das Kürbisblech, sind nur einige wenige Beispiele, die es bei mir in Zukunft auf jeden Fall weiterhin geben. Als zusätzliches großes Plus empfinde ich, dass auch alle Zutaten in einem durchschnittlich sortierten Vorratsschrank zu finden sind und nicht erst enorme Einkaufslisten geschrieben werden müssen, bevor es los gehen kann. Kalorien bzw. Nährwertangaben gibt es ebenso wenig wie ungefähre Zubereitungszeiten, was ich aber nicht vermisst habe.

Die Auswahl und Zusammenstellung der Rezepte finde ich sehr gelungen, hier wird jeder fündig. Getränke wie Smoothies, Likör und Tees, der Apfeltee, den ich eigentlich nur durch Zufall ausprobiert habe, ist im Übrigen sehr zu empfehlen, zahlreiche Salate und kalte Küche, aber auch warme Gerichte sind hier vertreten. Zudem wird hier nicht nur zum Essen geboten, sondern es finden sich auch zahlreiche Hausmittelchen bei Erkrankungen, wie z.B. Kürbis Hustensirup oder Narbenbalsam. Anleitungen für Kosmetikprodukte, wie Masken, Gesichtslotionen, Haargel oder Hautöl vervollständigen das breit gefächerte Angebot.  

Optisch ist das Buch für mich ebenfalls ein richtiges Highlight. Die Bilder haben alle hochwertige Qualität und man würde am liebsten auf die Seiten greifen, so echt und einladend wird hier abgebildet. Der Text ist ebenfalls ansprechend, Absätze, Überschriften, Schattenbilder, hier macht allein schon das Blättern im Buch Spaß.

Alles in allem bin ich wirklich absolut begeistert und kann „Heilkraft von Obst und Gemüse“ wirklich nur wärmstens empfehlen. Völlig begeisterte fünf Sterne.

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6 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Frag mich morgen nochmal

Annabell Schilling
E-Buch Text
Erschienen bei neobooks, 23.10.2017
ISBN 9783742771810
Genre: Sonstiges

Rezension:

Entweder habe ich zu viel getrunken, bin verrückt geworden oder zum Hochzeitsglauben meiner Mutter konvertiert, sind die Gedanken, die Ella an einem Samstagvormittag im August durch den Kopf gehen.

Ihre Mutter hat Ella schon als Kind liebend gerne in weiße Rüschenkleider gesteckt. Heute ist wieder so weit, nur dass Ella, inzwischen dreißig, jetzt gestylt in einem Brautkleid im Nebenraum der Kirche sitzt. Warum hat sie sich nur darauf eingelassen? Mona hat sie überredet, nur zum Spaß, beim Plan ihrer Mutter mitmachen, der Sekt, naja, in Anbetracht der Tatsache, dass zweihundert geladene Gäste auf eine kirchliche Trauung und ein Hochzeitsfest warten, kann einem der Spaß schon vergehen. Da hilft auch eine dritte Flasche Prickelwasser nichts, wenn der Bräutigam fehlt, oder hat den ihre Mutter etwas auch organisiert?

Als Leser darf man Ella an ihrem Chaostag begleiten, erfährt aber auch wie es zu dem unglaublichen Szenario überhaupt kommen konnte. In Rückblenden, die im Jahr 2011 mit ihrem Umzug nach Hamburg, 500km fern ab von Mama, beginnen, lernt man Ella und auch Mona, ihre neue Freundin nach und nach kennen. Man begleitet die beiden Mädls in ihre Lieblingskneipe Viper und hat mit Barkeeper Bobby und Inhaber Viper viel Spaß. Einzig Ellas Dates wollen einfach nicht klappen, warum nur? Mehr will ich hier jetzt gar nicht verraten,…

Der lockere Schreibstil der Autorin liest sich leicht und die kurzen Kapitel fliegen nur so dahin. Sie spielt mit zwei Erzählsträngen, was mir gut gefallen hat. Einmal im Jetzt, dem Hochzeitstag im August 2016 und dieser Bericht wird durch Rückblenden, die im Jahr 2011 beginnen und im Jetzt enden, unterbrochen. Das macht die Geschichte spannend. Klar man will wissen, wie das Chaos in der Kirche weitergeht, aber eben auch, wie es überhaupt dazu kommen konnte. Ergänzt wird das Ganze im Anschluss durch eine weitere Perspektive, die von der Zeit danach erzählt. Gut gefällt mir, dass ich immer wieder schmunzeln konnte. Wenn ich mir nur vorstelle, wie Ella sich die Wandfarbe vom Körper schrubbt, weil sie im Bikini ihre neue Wohnung gestrichen hat, weil sie dachte von der Haut geht´s besser weg, als von den Klamotten, dann muss ich noch jetzt schmunzeln. Spitze Dialoge und originelle Vergleiche wie „die Stirn so sehr zu runzeln, dass das Perfekte MakeUp sich beinahe freiwillig aus dem Gesicht verzieht“ oder „los zu strahlen wie ein Baustellenstrahler“ machen das Lesen zum kurzweiligen Vergnügen.

Ellijonora, kurz Ella war mir von Anfang an sympathisch. Ich konnte mich gut in sie hinein denken und habe mit ihr gefühlt. Um ihre Mutter ist sich nicht zu beneiden. Diese hört nie zu, schnöde Krankenschwerster ist für das Töchterchen nicht zufriedenstellend und scheinbar will sie nichts sehnlicher, als Ella unter die Haube zu bringen. Dass Ella mit 24 Jahren die Notbremse zieht und knapp 500 km weit weg nach Hamburg zieht, wunderte mich nicht nur ein bisschen. Zur guten Freundin wird ihr in Hamburg Mona, die man ebenfalls mögen muss. Richtig viel Spaß hatte ich auch mit Barkeeper Alexander alias Bobby und auch Viper, der Besitzer der Kneipe hat so richtig Charme.

Alles in allem eine nette Geschichte für zwischendurch, für einen entspannten Leseabend auf dem Sofa, bei dem man schmunzeln und ein
bisschen was fürs Herz haben möchte. Klar, eine hochtrabende, absolut realitätsnahe Story darf man sich nicht erwarten, aber das sollte ja schon bei der Beschreibung klar sein. Absolut sehr gut vier Sterne,die Autorin hat auf jeden Fall sehr viel Potential und wird auf meinem Radar bleiben.

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Käsekuchen mit Sauerkraut

Barbara Wentzel , Miriam Collée , Elke Schützhold
Audio CD
Erschienen bei Audio Media Verlag, 02.10.2017
ISBN 9783956392665
Genre: Klassiker

Rezension:

Da ich viele Jahre gemeinsam mit meiner Mutter meinen Vater Zuhause gepflegt habe und es auch in meinem Bekanntenkreis einen ähnlichen Schlaganfall, wie ihn Hendrik erlitten hat, gibt, war ich super gespannt auf diese Geschichte.

Alles eitel Sonnenschein, Barbara und Hendrik verdienen beide gut, haben drei tolle Kinder und jede Menge richtig gute Freunde. Aber es darf einem im Leben einfach nicht zu gut gehen. Kurz vor seinem 56. Geburtstag erleidet Hendrik unter der Dusche einen Schlaganfall. Trotz sofortiger medizinischer Versorgung, eigentlich ja das Wichtigste in dem Moment, scheint Hendrik kein Glück zu haben. Zahlreiche Komplikationen und das Anschwellen des Gehirns machen das Öffnen der Schädeldecke und damit zahlreiche OPs erforderlich. „Ischämie im MCA-Gebiet“ lautet die Diagnose und Hendrik ist nicht nur halbseitig gelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen, sondern hat auch die Kontrolle über seine Gefühle verloren. Empathie und Realitätssinn sind seitdem mehr als dehnbare Begriffe und stellen die Menschen in seiner Umgebung auf eine harte Belastungsprobe.

Als Leser erfährt man zunächst gemeinsam mit Barbara zahlreiche medizinische Details, die interessant sind, wegen mir aber nicht ganz so ausführlich sein hätten müssen. Man hofft mit ihr bei jeder OP, regelt mit ihr die Betreuung im Krankenhaus, die Hendrik psychischen Halt bietet, bereitet die Pflege Zuhause vor, muss sich mit ihr durch die Untiefen des deutschen Pflegesystems kämpfen und über polnischen Betreuungspersonen ärgern und wundern, darf aber auch an ihren froh sein. Man leidet mit ihr, wenn Hendrik ihr Kosewörter wie Miststück an den Kopf wirft, teilt mit ihr die Sorgen um ihre Kinder, die ebenfalls unter der Situation leiden, muss die Finanzen im Überblick haben, weil nicht nur die Pflegeversicherung nur einen Bruchteil der Kosten übernimmt, sondern auch Hendrik ungeahnte Investitionen tätigen will. Tragikomische Momente, Hoffen, Bangen, sich Ärgern, ans Ende der Kräfte gelangen, aber auch neue schöpfen, gehören hier dazu.

Ich ziehe meinen Hut vor Barbara, die, trotzdem sie aus finanziellen Gründen weiterhin einem Full Time Job nachgehen muss, die Pflege ihres Ehemanns Hendrik so wuppt, zudem da die Ehe schon vor dem Schlaganfall nicht mehr ganz so gut gelaufen ist. Ein richtiges Glück haben Barbara und Hendrik sicher, weil sie so viele Freunde haben, die den Titel nicht nur leichtfertig, sondern auch verdient tragen. Im Krankenhaus anfangs eine fast Rundum die Uhr Bespaßung für Hendrik, auf die kann nicht jeder bauen, meist dünnen die Freunde recht schnell aus, wenn jemand krank ist. Aber trotz diesen und zahlreichen Pflegekräften, die sie unterstützen, liegt die Hauptbürde auf ihren Schultern. Respekt, dass sie Hendrik so einen möglichst lebenswerten Alltag, fern ab vom Pflegeheim ermöglicht

Ich weiß, wie sehr die Pflege eines geliebten Menschen einen aufreiben kann und das wird hier wirklich äußerst authentisch zum Ausdruck gebracht. Nächte ohne Schlaf, bitterböse Worte, die verletzen, auch wenn der Verstand eigentlich wissen muss, dass der Kranke ja gar nichts dafür kann, es gar nicht so meint, dann dazu noch die ganzen Barrieren, die einem die Bürokratie und das Pflegesystem vor die Füße wirft, das macht mürbe. Ich habe richtig mitgefühlt und mich für Barbara gefreut, als sie endlich beginnt, auch für sich Auszeiten zu nehmen und mehr nach sich zu schauen.  

Ein solches Schicksal ist furchtbar, ganz klar, da gibt es nichts zu diskutieren, und ich konnte hier sehr gut nachfühlen. Aber die Geschichte deprimiert nicht nur und macht betroffen, sondern es gab auch zahlreiche Szenen, bei denen ich herzhaft schmunzeln musste. Das konnte ich mir einfach auch nicht verkneifen, wie z.B. bei Hendriks Begeisterung über die Hündin Lotte, die er gerne bereitwillig und am liebsten sogar vertraglich gegen seine Frau, das elende Miststück, eintauscht oder er sich bei der Weihnachtsmesse über die trockenen Hostien beschwert und wenigstens gerne Philadelphia Frischkäse vom Pfarrer dazu haben wollen würde.

Richtig gut hat mir auch gefallen, dass die Geschichte, die Barbara erzählt, immer wieder durch Originaläußerungen von Hendrik in Form von Monologen, manchmal wütend, manchmal nachdenklich, dass man betroffen innehält, manchmal auch so fern ab der Realität, dass man schmunzeln muss, ergänzt wird.

Hätte Barbara Wentzel ihre Geschichte selbst erzählt, ich denke es hätte kaum einfühlsamer und emotionaler geschehen können, wie es bei Elke Schützhold hier geschieht. Die Sprecherin scheint geradezu in der Protagonistin zu stecken und ihr Schicksal zu teilen. Höhen, Tiefen, Wut und alle anderen Emotionen kommen wirklich äußerst gelungen zum Ausdruck. Ihre für mich angenehme Stimme trug zudem dazu bei, dass ich mir „Käsekuchen mit Sauerkraut“ sehr gerne angehört habe.

Alles in allem ein schockierend, rührend und ehrlicher Bericht einer unglaublich starken Frau. Da hier eine wahre Geschichte erzählt wird, wünsche ich der Familie weiterhin einen solch tollen Zusammenhalt und ganz viel Kraft.

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20 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

schloßruine, aussteigen, stadt, landleben, abenteuer

Mops, Ente und ich

Bianca Burow
Fester Einband: 228 Seiten
Erschienen bei Pug&Duck Verlag, 11.10.2017
ISBN 9783981868227
Genre: Romane

Rezension:

Sophie, Max und ihre dreijährige Lilly wohnen in einer Altbauwohnung inmitten der Stadt. Alle ihre Bekannten suchen sich nach und nach ein Eigenheim und nicht nur deshalb regt sich dieser Wunsch bei der jungen Familie verständlicherweise ebenfalls. Auch wenn Sophie anfangs ein klein wenig neidisch auf Freunde ist, die ihr trautes Heim bereits ihr eigen nennen können, ist ihr und auch Max von Anfang an klar, ein schnieckes Reihenhaus mit Handtuchgarten und totalem Eingebundensein in der tollen Wohnsiedlung, wo ein Haus dem anderen gleicht, kommt für sie nicht infrage. Die beiden träumen ganz klar von Landleben, unbeschwertem Aufwachsen von Lilly und individuellem Lebensstil. Wie individuell der werden wird, haben die beiden wohl noch nicht so genau abgesehen, als sie mehr zur Ablenkung, weil Sophie die Kündigung erhalten hat, ein Gebot für eine Schlossruine abgeben. 50.000 Euro soll die zerfallene Hütte mit „durchsichtigem Dach“ kosten. Die beiden bieten ein Drittel davon und bekommen glatt den Zuschlag.

Als Leser darf man die kleine Familie bei ihrem Projekt Ruine ein gutes Jahr lang begleiten. Geländebesichtigung, Schrottbeseitigung im Garten, neues Anpflanzen, gegen Unkraut und Schnecken kämpfen, sprich zum „Gartenputtel“ mutieren ist hier inbegriffen. Ein Mamutprojekt gilt es zu stemmen. Mit dem Codewort „Ümu“ was so viel wie Überraschungsmüllhalde bedeutet, werden ihre ersten Wochenendaufenthalte dort getarnt. Sicher haben die beiden inzwischen ebenfalls erkannt, dass jeder gesunde Menschenverstand von diesem Projekt abraten müsste. Nach und nach werden Eltern und auch Freunde eingeweiht, die beiden bekommen Besuch von Nachbarn, die sich das brachliegende Gelände die letzten Jahre zu eigen gemacht haben, auch von einer ganzen Reisegruppe, die sich auf die Besichtigung von Ruinen spezialisiert hat. Ein jeder hat natürlich Ratschläge für die beiden parat, ob sie wollen oder nicht. Der Traum vom Landleben, zumindest wenn man sich den im verfallenen Schlösschen Silberdingen verwirklichen will, hat so einige Tücken, was die beiden hier erkennen müssen.

Der lockere Schreibstil der Autorin liest sich angenehm flüssig. Gut gefällt mir, dass ich immer wieder schmunzeln konnte, weil zahlreiche Szenen gelungene Situationskomik bieten. Da kann schon mal der Nachbar vorbeikommen und den beiden beinahe Vegetariern für Mops Brutus mit den Worten „Das war die Lunge vom ollen Hammel“ vor die Füße knallen, bei einer Halloweenparty von Freunden im schiecken Reihenhaus die Design Tapete optisch aufgebessert werden, oder passieren, dass Brutus sich die Handtasche einer Besucherin zum Anpinkeln aussucht. Sophie berichtet aus ihrer Perspektive, was sie einem noch näher bringt und ihre Gedanken, Ängste und auch Freuden besser miterleben lässt.

Sophie war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist eine auf Harmonie und Idylle bedachte Frau, nimmt viel in Kauf und hat ihren eigenen Kopf. Genau auf einer Wellenlänge lag ich mit ihr schon zu Beginn, als sie ihre Meinung zu den Reihenhäusern kundtut. Max, der Projektmanager in einem Architekturbüro ist, hat wohl ein klein bisschen den Blick für die Realität verloren. Gut gefällt mir, dass die beiden trotz Meinungsverschiedenheiten keinen Streit anzetteln, Landleben erdet wohl einfach doch. Witzig fand ich auch Töchterchen Lilly mit ihrer Ehrlichkeit und Mops Brutus, beide haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.

Ich weiß nicht so recht wie ich diesen Roman einordnen soll. Unser Traum vom Landleben, ein Erfahrungsbericht von zwei Großstädtern, die mit der Realität konfrontiert werden? Teilweise wusste ich nicht so recht wohin die Geschichte mit mir will. Man begleitet die beiden ein gutes Jahr, räumt mit ihnen den Garten und macht erste gute und schlechte Erfahrungen mit Landleben. An den Hausbau geht es im nächsten Teil, da gibt es dann vielleicht die Frage wuppen die beiden das als Ziel, auf die die Geschichte hinausläuft.

Richtig gut haben mir die witzigen Schwarz Weiß Zeichnungen gefallen. In einer Art Comicstil, wird da schon mal eine Schnecke an der Leine Gassi geführt, Brutus beim Geschäftchen porträtiert oder ein Schmetterling flattert durch die Lüfte.

Alles in allem hatte ich locker, leichte Unterhaltung, nette Lektüre für einen gemütlichen Abend auf dem Sofa, die auf jeden Fall vier Sterne redlich verdient.

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59 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

organspende, emma heatherington, liebe, wunschliste, leben

Zehn Wünsche bis zum Horizont

Emma Heatherington , Claudia Geng
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 13.11.2017
ISBN 9783959671514
Genre: Liebesromane

Rezension:

Nur ein paar Monate nach ihrer Hochzeit wird die 33-jährige Maggie von ihrem Ehemann Jeff für eine andere Frau verlassen. Maggie fällt in ein tiefes Loch, Alkohol wird ihr bester Freund, im Job ist sie alles andere als leistungsfähig, wie soll es nur weiter gehen? Seit siebzehn Jahren schlägt in ihr das Herz von Lucy, die ihr Leben lassen musste und als Organspenderin Maggies dadurch gerettet hat. Wie ein Wink vom Schicksal erscheint es, als genau an diesem Tiefpunkt Simon, Lucys Bruder, mit einer alten Keksdose voller Erinnerungen in ihr Leben platzt. Kann die Erfüllung von Lucys Träumen ihrem Leben neuen Schwung verleihen und sie so noch einmal retten?


Als Leser lernt man erst einmal Maggie in ihrer Welt kennen, darf sich dann mit ihr mit Simon, Lucys Bruder, treffen und erfährt so gemeinsam mit ihr von Lucys Träumen und Plänen. Bis es mit der Erfüllung der Träume los geht, vergehen erst einmal zahlreiche Seiten, was ich so nicht erwartet habe, was mich aber auch nicht gestört hat. Dann darf man mit Maggie auf Reisen gehen, mit ihr die zehn Punkte der Liste erfüllen, wobei es Rückschläge, viele Höhen aber auch Tiefen gibt. Emotional sehr gerührt hat mich dann das Ende.


Der lockere, angenehme Schreibstil der Autorin liest sich leicht und die Seiten fliegen nur so dahin. Zum Glück, denn einige Stellen haben sich für mich fast ein bisschen gezogen, ganz besonders, wenn Maggie sich wieder dem Alkohol zuwendet und auch ungerecht werden kann. Der überwiegende Teil hat mich aber wirklich ergreifend unterhalten. Maggie berichtet in der Ich- Perspektive, was sie dem Leser nah sein lässt. Allerdings bekommt man so auch alle bösen Gedanken mit, mit denen ich nicht immer ganz glücklich war. Richtig berührt haben mich die zwischengeschobenen Tagebucheinträge von Lucy. Rührend, süß ihre teilweise kindliche Betrachtungsweise und die Begründung ihrer Wünsche mit so vielen Botschaften für ein besseres Leben, dies macht den Roman zu etwas Besonderem, ebenso wie die Briefe, die Maggie an Lucy und damit dem Leser schreibt. Sonst hätte die Geschichte vielleicht stellenweise etwas vor sich hin geplätschert.


Ich hatte ganz klar Mitleid mit Maggie. Auf ein Spenderherz angewiesen, vom Ehemann verlassen, wegen einer anderen, das wünscht man niemandem. Sie badet sich teilweise verständlich in Selbstmitleid, versucht mit Alkohol ihre Probleme zu ertränken. Dies konnte ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, manchmal wurde es mir aber fast zu vie. Stellenweise habe ich sie als ungerecht und dreist empfunden, was sie mir nicht unbedingt sympathischer gemacht hat. Allerdings macht sie am Ende noch eine tolle Entwicklung durch, über die ich mich richtig freue. Simon, den Bruder von Lucy, mochte ich von Anfang an, er hätte durchaus noch mehr Rolle spielen dürfen. Auch wenn es ihm klar vorrangig um das Ziel, dass Lucys Träume verwirklicht werden, ging, ist er absolut gefühlvoll und ein richtig liebenswerter Kerl. Mehr als froh kann Maggie auch um ihre Freundin Flo sein, die ihr immer zur Seite steht. Über deren kleinen Sohn Billie habe ich mich zudem öfters amüsiert. Aber auch alle anderen Nebendarsteller sind interessant gezeichnet, bei Maggies Eltern angefangen, bei denen man regelrecht die Sorgen und den Herzschmerz fühlen kann, wenn es Maggie nicht gut geht, bis hin zu Gerard, den französischen Künstler, der auf den ersten Blick, wie ein richtiger Eigenbrötler erscheint. Viele sind super nett, viele andere sollen wohl anfangs unsympathischer erscheinen als sie sind.


Alles in allem hatte ich mit diesem berührenden Roman tolle Unterhaltung. Während der Geschichte dachte ich immer das wird ein vier Sterne Buch, da mich das Ende aber emotional wirklich gefangen genommen hat, tendiere ich beim Zuklappen zu fünf. 4, 5Sterne wären einfach ideal

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29 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

drama, misshandlung, frau sein, mangelerscheinunge, realistisch und authentisch erzählt

Albtraum

Margarete van Marvik
Flexibler Einband: 220 Seiten
Erschienen bei Re Di Roma-Verlag, 23.10.2015
ISBN 9783868708707
Genre: Romane

Rezension:

„Weil ich zu dem Zeitpunkt noch nicht genau gewusst habe, wie ich sie beseitigen soll. Egal was ich getan habe, die wollte nicht sterben.“, ist die Antwort von Anna, Franziskas Mutter, auf die Frage, warum sie deren Geburt nicht gemeldet hat. Unvorstellbare Worte aus dem Mund einer Mutter genauso unvorstellbar grausam wie Franziskas Schicksal.

Von der Mutter nicht geliebt, misshandelt und mit Hunden und Katzen in den Anbau gesperrt, anschließend Kinderheim, dann auf die Straße geflüchtet, knapp einem Mord entgangen, mehr schlecht wie recht eine brutale Vergewaltigung überlebt und dann noch das Kind eines Mörders und Vergewaltigers im Bauch. Wie viel Leid kann ein Mensch allein ertragen? Franziska musste dies und „Alptraum“ ist der schonungslos offene Bericht davon.

Die Geschichte beginnt kurz vor Franziskas achtzehntem Geburtstag. Sie freut sich so sehr, endlich volljährig, will sie ihre Geburtsurkunde und einen Pass beantragen, endlich eine eigene Identität finden. Kurz vorher ist sie aus einem Heim für schwer erziehbare Jugendliche ausgerissen, dann nach Bruchsal getrampt und dort in einer Obdachlosenunterkunft untergeschlüpft. Genau dort beginnt dieser Roman. Dort wird sie unbeabsichtigt Zeugin eines Mordes, will helfen, wird selbst angegriffen und dann vom Mörder gejagt. Sie flüchtet und kommt dann bei einer älteren Frau namens Ruth unter. Dort erfährt man als Leser über Erinnerungen und Erzählungen von der schrecklichen Kindheit. Lebensbedingungen, bei denen man sich als Leser fragt, wie kann man so etwas überleben, im Stall auf einer Matratze, gefüttert mit Speiseresten, fern ab von Menschen, Liebe und Wärme. Hofft man dann mit Franziska, dass sie bei Ruth ein schützendes Nest gefunden hat, irrt man sich. Ruth deckt ihren Sohn, den Mörder und gibt ihm damit unbeabsichtigt eine Gelegenheit dazu Franziska brutal vergewaltigen zu können. Nach einem Krankenhausaufenthalt findet Franziska eine Stütze bei Schwester Gertrud, die sie wirklich toll unterstützt. Warum die aber so dringend darauf besteht, dass Franziska das Kind eines Mörders und Vergewaltigers selbst aufzieht und nicht zur Adoption frei zu geben soll, ist für mich nicht schlüssig. Soll noch ein unerwünschtes Kind bei einer gefühlskalten Mutter leben, oder bekommt Franziska ihr Leben für das Kind in den Griff? Leider endet die Geschichte an der Stelle, da hätte ich gerne noch mehr erfahren.

Der Sprachstil liest sich leicht und flüssig. Die augenfreundliche, relativ große Schrift macht das Lesen zudem angenehm. Als Leser darf man sicher nicht zu zart besaitet sein, schonungslos offen werden Misshandlungen, Vergewaltigung und weiteres Leiden dargestellt. Emotional sicher ergreifend, allerdings habe  ich die Geschichte als sehr distanziert beschrieben empfunden. Vielleicht von der Autorin beabsichtigt, um das Leid für den Leser erträglicher zu machen. Mir persönlich wäre aber ein klein bisschen mehr Nähe lieber gewesen. So hatte ich mehr das Gefühl einen Bericht eines Mitarbeiters vom Jugendamt, oder den einer Sozialarbeiterin zu lesen.

Alles in allem ein schockierender Bericht, der eine aufwühlende Lebensgeschichte erzählt, die jeden vorstellbaren Alptraum noch übersteigt und sicher bei mir noch eine Weile nachklingen wird.

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13 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

theo, junge, pubertät, glücklich, reich

Wie ich plötzlich reich wurde und dachte, alles wird cool

Stephanie Polák
Fester Einband: 184 Seiten
Erschienen bei Südpol, 28.08.2017
ISBN 9783943086478
Genre: Jugendbuch

Rezension:

 „Eine große gelbe und danach noch eine verschnörkelte weiße mit dem Namen Schminktisch!“ ist Theos Antwort auf Tante Brittas Frage „Was für eine Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“. Kann es noch schlimmer kommen? Sie und seine Mutter haben ohne ihn zu fragen beschlossen aus der Hälfte seines Zimmers ein Kosmetikstudio zu machen. Abgetrennt mit einem gelben Vorhang eine Palme dazu, wollen sie ihm das auch noch als Karibikflair verkaufen! Der Tag ist ganz im Eimer, als er auch noch entdecken muss, dass seine heimliche, große Liebe Kim mit Danny knutscht. Klar, der Obercoole wohnt in einer Villa und kann ihr so einiges bieten. Wenn er doch auch nur so reich wäre, dann wäre alles gut. Kaum gewünscht, ist die Chance auch schon zum Greifen nah. Tante Britta wird bei der TV- Show „Spiel dich reich“ genommen, wird sie die 500.000 Euro gewinnen können?

Als Leser darf man Theo begleiten, sich mit Luca treffen und mit zur Schule gehen. Man wird Zeuge wie er für Kim schwärmt und sie zu umgarnen versucht. Ganz klar ist man mit ihm, seiner Mom und auch Tante Britta aufgeregt vor der großen Fernsehshow, darf mit zu den Aufzeichnungen und …. da will ich jetzt mal nicht zu viel verraten. Liebe, Freundschaft und was wirklich zählt im Leben, das alles ist hier spaßig verpackt und will ganz unbedingt gelesen werden.

Der Vater hat sich vom Acker gemacht, die Mutter muss schuften, damit sie finanziell über die Runden kommen und große Sprünge sind nicht drin. Ein bisschen kann ich schon nachvollziehen, dass sowohl Theo als auch seine Mama von einem besseren Leben mit mehr Geld träumen, sich die Luxuswelt so toll vorstellen. Gut gefällt mir, dass hier ganz deutlich wird, dass eine tolle Villa, ein Gärtner und der viele Luxus gute Freunde auf keinen Fall ersetzen kann und oft weniger viel mehr sein kann. Diese Botschaft gefällt mir sehr gut, denn genau so denke ich auch.

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und ist so spritzig, dass er die jugendlichen Leser auf jeden Fall ansprechen muss. Die Geschichte bietet eine Fülle an Situationskomik, die einen viel schmunzeln lässt. Da versucht Mom schon mal den gelben Trennvorhang für Theo blau zu färben und dann wird ein Poppelgrün draus, die Kamera schwenkt ausgerechnet dann auf ihn, wenn Theo ein Schnipsel am Hirn klebt, oder Kandidat Ha-Jü bietet ein Bild für Götter bei der Fernsehshow. Gut gefallen haben mir auch Theos witzige Kommentare wie „Und wie soll das dann ablaufen? Wie soll ich hier meine Hausaufgaben machen, wenn du einen Meter neben mir alten Frauen die Hornhaut vom Fuß hobelst?“, dich mich oft zum Grinsen gebracht haben. Gelungen sind ebenfalls die zahlreichen originellen Vergleiche. Da wird schon einmal die Gesichtsfarbe so knallrot, „Da wäre jede Gewächshaustomate neidisch drauf.“ Aber die Geschichte ist nicht nur witzig, es gibt auch unheimlich viele berührende Momente. So wird ganz klar deutlich, wie sehr er seine Mama schätzt, auch wenn man das natürlich in seinem Alter nicht zugeben kann.

Ich konnte mich super gut in Theo hinein versetzen, konnte seinen Wunsch reich zu sein, seine Hoffnungen, dass dann alles besser sein muss, nachvollziehen. Er ist ein authentischer Teenie, den man mögen muss. Meine persönliche Lieblingsfigur aber war Luca, Theos bester Freund. „Luca liebt es seit Neuestem, den Italiener raushängen zu lassen. Er denkt wohl, das kommt bei  Mädchen besonders gut an.“, mir hat er auf jeden Fall ganz „Fantastico“ gefallen, vor allem weil er Theo auch immer wieder ein bisschen erdet. Kim fand ich von Anfang an wenig sympathisch, aber wo die Liebe hinfällt, mein Favorit für ihn war da schon eher Anti, Lucas Schwester. Super witzig fand ich Hans-Jürgen, einen weiteren Kandidaten bei „Spiel dich reich“. Über ihn und seine Mutter habe ich Tränen gelacht beim Lesen. Aber auch alle Nebendarsteller sind gelungen dargestellt, bei Theos Mama angefangen, die sich manchmal ein „Aber Schnuckelchen“ nicht verkneifen kann und um ihre Sorgen als Alleinerziehende nicht zu beneiden ist, über Tante Britta, die sich natürlich für „Gunnar Hauch“ ganz besonders aufbrezelt,  bis hin zu Frau Bertani, die echte italienische Mamma.

Alles in allem habe ich dieses tolle Jugendbuch wirklich verschlungen. Eine geniale Geschichte, schöne Botschaften, liebenswerte Mitspieler und ein spritziger Schreibstil machen das Lesen zum Vergnügen, begeisterte fünf Sterne.

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8 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

ddr, intershop, ausreise, hexeneis, deutsch

Inhalt: Äußerst bedenklich

Johanna Marie Jakob
Flexibler Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Verlag Tasten & Typen, 03.11.2017
ISBN 9783945605264
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin selbst im Westen Deutschlands aufgewachsen, immer an Geschichte interessiert und was macht Vergangenes lebendiger als Alltagserzählungen? Deshalb war ich sehr gespannt auf diese Sammlung, die möglichst viele Menschen aus den letzten Jahren Ostdeutschlands berichten lässt.

Nach einer einleitenden Geschichte, die den Titel erklärt, geht es mit dem ersten Teil los. Sechzehn kurze Erzählungen berichten von der Zeit vor der Wende. Für mich war es super interessant zu lesen, wie Arzneimittel z.B. in Haribo-Päckchen oder Würste in einem Kalten Hund geschmuggelt werden. Auch die Verkäuferinnen, die von Konsum, aber auch aus dem gehobenen Intershop berichten, haben mich spannend und aufschlussreich unterhalten. Gerührt war ich, wenn die Kinder sich so über Geschenke wie Haribo, richtige Schokolade oder auch ein Päckchen Capri Sonne freuen konnten. Als ich gelesen habe, dass ein Tintenkiller, der sich bei uns in jedem Mäppchen gefunden hat, als „kapitalistisches Betrugsgerät“ bezeichnet wurde, habe ich zudem nicht schlecht gestaunt. In einem zweiten Teil werden in neun weiteren Erzählungen Alltagserlebnisse aus der Zeit nach der Wende geboten. Die langen Staus an der Grenze will ich mir gar nicht ausmalen und den Tankwart, der da an einem Tag so viel arbeiten musste, wie sonst im ganzen Monat zusammen nicht, weil alle zusätzlich Kanister füllen, damit sie mit ihren Trabbis und Wartburgs, die Mischungen benötigen, möglichst weit kommen, habe ich nicht beneidet. Richtig gefreut habe ich mich aber, als ich die Euphorie, mit der die Ostbürger hier im Westen begrüßt wurden, gelesen habe. Den Abschluss bildet ein interessantes Glossar, das Ostbegriffe wie „blaue Fliesen“ als Deckname für Westmark oder „Bückware“, für die Dinge, die man selten und deshalb nur unter der Ladentheke bekam, erklärt.

Einige Geschichten bekommt man aus der Perspektive der Familie der kleinen Eva. Deren Großeltern haben sich aufs Schmuggeln spezialisiert, ihr Onkel ist nach Bottrop geflüchtet. Aber auch der Blickwinkel vieler anderer wird beleuchtet, beim Zöllner angefangen, für den es das „Salz in der Suppe ist“, wenn er jemanden beim Schmuggeln erwischt, über den Nachbar und Elektriker, der sich mit dem Nach- und Einbau von ZDF Konvertern ein besseres Leben machen kann, bis hin zum Pfarrer, der natürlich bedauert, dass nach der Öffnung der Grenzen seine Kirche „leer bleibt, wie das Grab Christi nach der Auferstehung“. Mir hat die Zusammenstellung gut gefallen, abwechslungsreich kann man sich als Leser so einen relativ breit gefächerten Eindruck machen. Durch die Geschichten wird man von einem kleinen, zotteligen Hund begleitet, der in vielen eine kleine Nebenrolle spielen darf. Meiner Meinung nach eine gelungene Idee.

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und man kann sicher immer wieder zwischendurch zum Buch greifen um die eine oder andere Erinnerung aufleben zu lassen. Ich habe aber alle durchwegs kurzen Geschichten an einem Stück verschlungen.

Alles in allem eine bunte und gelungene Sammlung kurzer Geschichten aus der jüngeren Geschichte, die authentisch und ohne Sentimentalität von den letzten Jahren der DDR, vor und nach der Wende, erzählt und noch fünf Sterne verdient.

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10 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

signor rinaldi kratzt die kurve, roman, lorenzo licalzi

Signor Rinaldi kratzt die Kurve: Roman

Lorenzo Licalzi
E-Buch Text: 304 Seiten
Erschienen bei Eisele eBooks, 22.09.2017
ISBN 9783961615032
Genre: Sonstiges

Rezension:

Die Geschichte beginnt im September 2008, am 80. Geburtstag von Pietro Rinaldi, um sieben Uhr abends. Der Autor, der vor zwanzig Jahren seinen letzten Roman veröffentlicht hat, brütet gerade über seinem Abschiedsbrief. Er hat seinen Tod für den nächsten Tag geplant, weil er das Leben so satt hat wie seine Penne all arrabbiata, die er jeden Mittag zubereitet. Brütet? Ja, es soll nämlich kein schnöder, langweiliger Brief, wie man ihn kennt, sondern es soll vielmehr ein Abschiedsgeschenk an seine Leser werden. Abwägen welche Todesart die beste sein könnte, Überlegungen, dass es verdammt mies für ihn mit seiner Flugangst wäre, wenn er als Pilot wiedergeboren werden würde, sind hier inklusive. Trotz der makaberen Situation, muss man grinsen, wenn man liest, wie er sich am nächsten Tag bewusst noch einmal rasiert und in den Anzug zwängt, weil es ihn beschämen würde, wenn ihn tot noch einmal jemand nackt sehen würde. Welch ein Glück, dass nach den ersten Schlückchen Sekt und Schlaftabletten seine Tochter klingelt, denn deren Schwiegermutter macht ihm erst einmal einen Strich durch seine Terminplanung. Die ist ihm nämlich blöderweise mit dem Sterben einen Tag zuvor gekommen, und da es jetzt für Tochter Roberta und den Schwiegersohn, den alten Laberer, in Paris erst einmal einiges zu klären gibt, soll Pietro ein paar Tage auf seinen Enkel Diego und dessen riesige Flohkutsche Sid aufpassen. Pietro ist wenig erfreut, lässt sich aber schließlich doch dazu breitschlagen. Aufgeschoben ist schließlich nicht aufgehoben.


Als Leser darf man hier Pietro und seinen Enkel Diego auf einem Roadtrip von Genua nach Rom begleiten, denn das Aufpassen für drei Tage entpuppt sich zu einem längerfristigen Auftrag. Da Diegos schönste Kindheitserinnerungen die Fahrten mit Pietros Cabrio, dem antiken Citroén DS 21 Pallas, der Glücksmaschine, die den Namen Göttin trägt, waren, wird damit auf Reisen gegangen. Es gilt sich kennenzulernen, schließlich hatte Pietro seit dem Tod seiner Frau Sara vor sieben Jahren so gut wie keinen Kontakt zu seinem Enkel.  Entscheidungen für die Zukunft müssen getroffen werden und außerdem ergeben sich viele Gelegenheiten alte Erinnerungen aufleben zu lassen. Ich habe gerührt, gebannt und mit einem lachenden Auge gelesen. Ganz besonders war ich natürlich auf den Ausgang des Roadtrips gespannt. Eine Art Nachwort von Diego macht die Geschichte am Ende so richtig rund, auch wenn nicht alles Happy End ist.


Der lockere, witzige, oft spitze Schreibstil des Autors liest sich einfach toll. Ich habe stellenweise Tränen gelacht, wenn Pietro mit seinen bösen Kommentaren a la „Nehmens Sie´s mir nicht übel, aber dieser Wunsch geht mir am Arsch vorbei.“, „…geht mir auf den Sack“ nicht hinter dem Berg hält, oder auf die Frage was er zur Gleichberechtigung  zwischen Frauen und Männern meine, ein "Es ist nicht so, dass mir dazu nicht einfiele, es geht mir nur einfach am Arsch vorbei.", erwidert. Die Geschichte sprudelt auch geradezu vor Situationskomik, so wird Zeugen Jehovas schon mal mit ihrem Chef gedroht oder dem Neufundländer Sid auf dem Rücksitz im Cabrio ein Schal umgebunden und Pietros nahezu heilige Vintage Brille von Vuranet aufgesetzt und  „sicherheitshalber mit einem Gummiband an seinem Quadratschädel“ befestigt. Aber auch wenn man zu Beginn fast nicht aus dem Lachen kommt, zeigt der Roman noch eine ganz andere Seite. Ich war teilweise wirklich mehr als betroffen und gerührt. So kann von einem Pietro durchaus einmal kommen „Doch der Schmerz drang in mich ein wie ein Unwetter, bei dem man eine wenig regenfeste Windjacke trägt, zwei Tropfen hält sie noch ab, aber wenn dann der Himmel seine Pforten öffnet, könnte man genauso gut keine Jacke tragen. Und ich stand direkt unter einem Wolkenbruch.“ um ganz deutlich zu machen, wie es in seiner Gefühlswelt aussieht.


„Für ihn gab es nur Trottel und fast nur jämmerliche Leute. Aber die wenigen, die er schätzte, die schloss er wirklich ins Herz.“ Ich denke das trifft Pietro Rinaldi ziemlich genau. Ich habe den alten Grantler von Anfang so richtig gern gehabt. Hinter seinen sarkastischen Sprüchen und seinen spitzen Bemerkungen steckt nämlich ganz viel Gefühl, was man im Verlauf der Geschichte an einigen Beispielen erfahren darf. Den genügsamen Diego, der verständlicherweise erst nach und nach aus sich herausgehen kann, habe ich ebenfalls sofort in mein Herz geschlossen. Ich habe mich regelrecht mit ihm gefreut, wenn er z.B. beim Angeln mit seinem Opa und Cesare wahrliche Erfolgs- und Glücksmomente hat. Gerade auch Cesare, ein alter Freund, der so viel Feingefühl und beste Antennen für seinen Gegenüber hat, hat mir super gut gefallen. Aber auch die anderen Nebendarsteller sind gelungen gezeichnet, beim Tramper Luigi angefangen bis hin zu Marcello, dem Onkel von Diego. Richtig gut hat mir auch der riesen Hund Sid gefallen. Er hat mich nicht nur viel zum Schmunzeln,gebracht, sondern auch tief berührt.


Von Genua nach Rom geht´s über die Via Aurelia, toller Ausblick, Meeresrauschen, ganz klar, das ist bei der Reise mit dabei. Ab und an auch einmal ein paar Wörter Italienisch, wenn auch nicht übermäßig viel und kulinarisch werden die beiden mit traditionellen Gerichten vor allem von Teresa, Cesares Frau, verwöhnt. Da wäre ich liebend gerne mit am Tisch gesessen.  


Alles in allem eine sehr  berührende Geschichte, die einen aber auch ganz laut lachen lässt und mit besonderen Charakteren, die man trotz, oder gerade wegen ihrer Macken, einfach gern haben muss, nach Italien entführt.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

Der Prinz aus dem Paradies

Hera Lind
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diana, 13.11.2017
ISBN 9783453359277
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rosemaries Sohn Mario arbeitet in einem Reisebüro und als sie ihm entnervt sagt, dass sie dringend eine Auszeit, möglichst weit weg von hier, braucht, macht er kurzen Prozess und bucht für sie als Geburtstagsgeschenk eine Sri Lanka Reise. Sie ist wenig erfreut, so weit weg wollte sie ja gar nicht, mal abgesehen davon wo ist das denn überhaupt? Reichlich schlecht gelaunt und voller Zweifel macht sie sich trotzdem auf. Wie befürchtet findet sie auch zuerst wenig Gefallen an der tollen Insel, erst als den scheuen Kellner entdeckt, mit ihm sehsüchtige Blicke austauscht und sich schließlich sogar mit ihm treffen kann, scheint sich der Urlaub doch noch als ein glücklicher Wink des Schicksals zu entpuppen.

Ohne jeglichen sexuellen Kontakt, bittet Kansun sie am letzten Abend um Hilfe. Er möchte in Deutschland arbeiten, um seine Familie finanziell unterstützen zu können. Schmetterlinge im Bauch, die Hoffnung auf mehr oder doch nur gute Absichten, einem armen Singalesen ein besseres Leben ermöglichen zu können? Ich vermag es nicht zu beurteilen, vielleicht von allem ein bisschen, auf jeden Fall verspricht sie ihm, ihn nach Deutschland zu holen. Ein Jahr und viele Behördengänge später sowie um einige tausend Mark leichter kann sie ihn endlich in München am Flughafen abholen. Kansun umgarnt sie sofort und um Rosemarie ist es geschehen. Es scheint geradezu so zu sein, als hätte ihr irgendjemand einen Schalter im Gehirn umgelegt, der sie nicht mehr denken lässt. Nach gut vier Wochen der Hochzeitsantrag, schließlich ist das Visum befristet. Kansun anfangs liebevoll und fürsorglich wird immer anspruchsvoller, eine Winterjacke für 586 Mark, weitere 500 Mark für Geschenke für seine Nichten und Neffen in Sri Lanka und so weiter. Es gelingt ihm immer besser seinen Willen durchzusetzen, indem er ihr Schuldgefühle einredet. Die geplante Hochzeit in Deutschland klappt nicht, weil angelblich Papiere fehlen, Abmachungen zur Heirat in Sri Lanka werden nicht eingehalten und Rosemarie wacht und wacht nicht auf, nicht einmal als sie einen Anruf von einer anderen Urlauberin bekommt, der Kansun wohl auch die Ehe versprochen hat. Selbst dann überwiegt bei ihr noch die Liebe. Ich habe lange gelesen mit der Hoffnung, jetzt endlich muss sie ihn doch einmal vor die Tür setzen, wurde beim Lesen teilweise richtig ärgerlich über sie und auch Kansun und konnte immer weniger verstehen. Zu wissen, wie die Geschichte endet war dann irgendwann mein einziger Antrieb weiter zu lesen. Leider konnte mich auch das Finale nicht überzeugen.

Klar hört man das immer wieder, das Urlauberinnen auf solche jungen Männer hereinfallen und dass es sich hier um eine wahre Geschichte handelt macht das Ganze noch unfassbarer für mich. Eine Wertung der Geschichte fällt mir deshalb auch schwer, weil ich nicht über fremde Menschen urteilen möchte und kann, was hier auch keinesfalls stattfinden soll.

Mein großes Problem war wohl, dass Rosemarie war von Anfang an nicht sympathisch war. Schon im Flieger dachte ich, oh das ist eine Besserwisserin, denkt, weil sie Psychologie studiert hat, über Menschenkenntnis zu verfügen und ist eine Frau, di völlig Fremden sofort ihre Lebensgeschichte erzählt. Mich hat nicht gewundert, dass das junge Pärchen neben ihr sich bald die Kopfhörer aufgesetzt hat. Klar Liebe macht blind, ein Stück weit kann ich auch verstehen, dass sie die Aufmerksamkeit und Kansuns Schwärmen eingelullt haben. Sie ist ein Gutmensch, der Hilfegen ist ihr sicher eigen. Allerdings ist mir absolut unverständlich, wie lange man so naiv sein und sich auch so viel bieten lassen kann. Auch Kansun wurde mir zunehmend unsympathischer, und an ihrer Stelle hätte ich ihn längst vor die Tür gesetzt. Die Nebendarsteller sind gut gezeichnet, bei Rosemaries knapp neunzigjährigem Vater angefangen, über den ich viel schmunzeln konnte, über ihre Schwester, die mit ihrer abschätzigen Art sehr gut das Gerede der Leute demonstriert, bis hin zu Kansuns Vater, der ebenfalls weiß, wie er sie unter Druck setzen kann.
Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und die Seiten fliegen zum Glück nur so dahin. Ihr gelingt es gut, Kansuns Taktik, sich Rosemaries Vertrauen zu ergaunern darzustellen, auch deren Gefühle, ihre Enttäuschungen und Hoffnungen sind gut getroffen.

Ich träume noch jetzt von meiner Sri Lanka Rundreise vor Jahren und deshalb hat mich die Buchbeschreibung sofort angesprochen. Leider wurden meine Erwartungen noch einmal per Kopfkino auf die tolle Insel reisen zu dürfen enttäuscht. Der Strand, weil kein toller Sandstrand, ist nichts, der „Pool pippiwarm“, beeindruckende Sehenswürdigkeiten werden nur gestreift, meist überwiegt die miese Laune weil die Ausflüge anstrengend sind. Aber nicht nur diese, sondern auch die Einstellungen und die Religion der Einheimischen werden von ihr oder Urlaubsbegleitung Eberhard madig geredet. Sicher sollte es dem Leser ein Grinsen entlocken, wenn Marlene sich vermeintlich aus Versehen mit dem Hintern und sehr zum Ärger der Aufseher auf Buddhas Tischplatte setzt, oder sie sich mit dem Wasser, das das Toilettenpapier ersetzt, versucht die Haare zu waschen, ich konnte darüber allerdings nicht schmunzeln.

Alles in allem konnte mich der Roman leider nicht begeistern, ein Tatsachenroman, der schwer zu glauben ist. Sicher gut ist, dass vielleicht die eine oder andere Touristin gewarnt werden könnte, wobei das ja immer nur den anderen passiert, so dachte Rosemarie ja auch.

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20 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

Das Mädchen und die Fremde

Sofie Sarenbrant , Hanna Granz
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 06.11.2017
ISBN 9783352009006
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der zweite Teil der neuen schwedischen Krimireihe um Kriminalkommissarin Emma Sköld, für mich war es der erste und wird mit Sicherheit nicht der letzte bleiben. Ich habe gebannt gelesen.

Emma Sköld erwacht auf der Intensivstation, kann sich nicht bewegen, kann sich nicht erinnern, nur langsam kommt sie zu sich. Szenenwechsel, Hillevi ist mit einem kleinen Mädchen bei der musikalischen Früherziehung und Ines sagt zum ersten Mal Mama zu ihr. Warum ist Hillevi so unsicher, warum dürfte sie eigentlich gar nicht hier sein? Wenig später ist klar, Hillevi ist die Exfreundin von Emmas Lebensgefährten Kristoffer, hat vor zwei Jahren bei ihrem Unfall ihre eigene Tochter verloren und kümmert sich seit dem Reitunfall vor fünf Monaten liebevoll um Ines um Kristoffer zu entlasten, soll die Wohnung aber nicht verlassen, damit niemand davon erfährt. Alle freuen sich, dass Emma endlich erwacht, nur Hillevi nicht! War es wirklich ein Reitunfall, oder hat Emma mit ihrem komischen Gefühl recht?

Sofie Sarenbrandt arbeitet mit verschiedenen Perspektiven, was den Krimi richtig spannend macht. Ich habe wirklich gebannt gelesen. Was hat die psychisch mehr als labile Hillevi vor? Sie kümmert sich liebevoll um Ines, wünscht sich eine heile Familie mit Kristoffer, ist todunglücklich als Emma aus dem Koma erwacht, muss auch dort im Wald gewesen sein, wo sich der Reitunfall ereignet hat, und treibt sich jetzt als Putzfrau im Krankenhaus herum, ist Emma in Gefahr? Die kurzen Kapitel aus ihrer Perspektive, die den Hauptteil der Spannung ausmachen, wechseln sich ab mit denen rund um Emma. Ihr Kollege Nyhlen ist der einzige, der ihr glaubt, dass es kein Unfall gewesen sein könnte und stellt Nachforschungen an. Auch der ungeklärte Mord an ihrem Kollegen, der Emma immer noch beschäftigt, wird wiederbelebt. Die mehr oder weniger offiziellen Ermittlungen spielen allerdings nur eine kleine Nebenrolle. Kristoffer macht sich Sorgen, die sich richtig auf den Leser übertragen. War es ein Fehler Hillevis Hilfe anzunehmen, ja mehr noch, sich wieder auf sie einzulassen? Eingebettet ist das Ganze im Alltag der Situation. Emma macht es schwer zu schaffen, bewegungslos dazuliegen und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, bei Eltern, ihrer Schwester und Kristoffer liegen nach fünf Monaten Bangen, in denen sie im Koma gelegen ist, die Nerven blank, auch das wird hervorragend dargestellt. Auch wenn ich schon seit Beginn ein seltsames Gefühl hatte, gibt es im Übrigen zum Finale noch eine kleine Überraschung.

Der lockere Schreibstil der Autorin liest sich leicht und die relativ kurzen Kapitel erzeugen so richtig Fahrt. Ein paar wenige Stellen hören sich etwas holprig an, was aber sicher an der Übersetzung liegt. Die Autorin versteht es die Psyche der Darsteller hervorragend darzustellen. Die Familie leidet, Emma tut sich selbst leid, das ist deutlich zu spüren und nimmt einen emotional richtig mit ins Boot. Auch Kristoffers Schuldgefühle oder Hillevis Unsicherheit, das Hadern zwischen Verzweiflung und Hoffnung, ihre teils wirren Absichten sind grandios gezeichnet. Ab und an darf man auch mal schmunzeln, was mir gut gefallen hat. Ich denke da nur an Nyhlen, der für Emma sogar auf´s Pferd steigt, was er sicher so schnell nicht wieder vergessen wird.

Toll ist, dass die Autorin mit einer relativ übersichtlichen Personenzahl auskommt. Endlich einmal wieder ein Buch, bei dem ich mir keine Namensliste anlegen musste. Emma hat mir von Anfang an mit ihrer Lage furchtbar leid getan und ist mir richtig ans Herz gewachsen. Sie leidet und badet sich meist verständlicherweise in Selbstmitleid. Ihr ist es peinlich auf Hilfe angewiesen zu sein, ganz genau so würde es mir an ihrer Stelle auch gehen. Dankbar kann sie um ihre Schwester Josefine, die sich trotz Scheidung und dreier kleiner Kinder toll um Emma kümmert, sein. Interessant dargestellt ist Emmas Vater Evert, der ehemalige Landeskriminalkommissar. Er hat mich v.a. dadurch beeindruckt, dass er die Größe hat, sich für Fehler zu entschuldigen. Auch Kristoffer und seine Verfassung konnte ich zu gut verstehen, allerdings hätte er viel früher reden müssen und Emmas Kollege Nyhlen war mir von Anfang an mehr als nur sympathisch. Fasziniert war ich aber von der Darstellung Hillevis. Nach dem Tod ihrer eigenen Tochter in psychiatrischer Behandlung, ist sie so labil, so unberechenbar genau richtig für einen Psychothriller.

Alles in allem kommt „Das Mädchen und die Fremde“ ohne große Aktion aus, sieht man vom Finale ab. Es ist ein eher leiser Triller, der auch das Familienleben in einer solchen Situation beleuchtet und mit Charakterdarstellungen unheimlich fesselt. Absolute Leseempfehlung.

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63 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 36 Rezensionen

humor, roman, liebe, social media, berg

Manche mögen's steil

Ellen Berg
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 06.11.2017
ISBN 9783746633527
Genre: Humor

Rezension:

Ellen Berg ist für mich ein Garant für witzige, kurzweilige Unterhaltung und auch ihr neuestes Werk hat mich viel schmunzeln und grinsen lassen, auch wenn „Manche mögen´s steil“ es nicht unter meine Favoriten aus ihrer Feder geschafft hat.

Vicky ist Leiterin und einzige Frau im sechsköpfigen Softwareentwickler Team. Der absolute Workaholic ist Einzelkämpfer, analoge Beziehungen sind ihr ein Greul, nur digital fühlt sie sich sicher und wohl. Freundschaften gibt es bei ihr sowieso nur über Facebook und Co. Auf ihrem Gebiet kann ihr niemand etwas vormachen, sie ist sogar für die Beförderung zum Head of IT vorgesehen. Doch dann lädt der Personalchef zur Klettertour in den Alpen ein! Ganz klar, ohne sie. Aber als ihr Cat, dessen Sekretärin und einzige Vertraute, klarmacht, dass neben ihr auch Kai Wanner und Konstantin Lenzendorf für die Chefposten infrage kommen und dieses Teamtraining in den Alpen testen soll, wer die soziale Kompetenz, die Führungsqualitäten, und die Fähigkeit kreative Lösungen zu entwickeln auch unter Stress hat, bleibt ihr nichts anderes übrig, als doch mitzumachen. Schließlich will sie den Posten bekommen.

Als Leser darf man mit Vicky ins Büro, muss sich gegen blöde Sprüche ihrer Kollegen wehren und darf dann ganz klar mit auf die Klettertour. Blasen, umgeknickte Knöchel und Hüttenessen mit Schweinshaxe und Co für die Vegetarierin sind hier inklusive. Außerdem erlebt man, wie Vicky unter Smartphoneentzug, völlig netzlos so eine Art Höhenkoller bekommt und plötzlich zwei Männer um sie buhlen oder doch nicht? Mit dem attraktiven Bergführer Joe liegt sie sich ja eher in den Haaren, aber mit Konstantin könnte durchaus aus einem Konkurrenten um den Chefsessel ein Grund werden, sich doch mal auf ein analoges Liebesabenteuer einzulassen. Nach dem Kletterwochenende geht´s dann auch im Alltag noch ein bisschen weiter. Welcher Mann wird ihr Herz gewinnen? Flüchtet sie sofort wieder in die digitale Welt, denn mit ihren Messenger Freunden Manuel, Robin oder Viktor läuft sie wenigstens nicht Gefahr einen körperlichen Schaden wie einen Knutschfleck zu kassieren? Diese Fragen und letztendlich auch wer den Job bekommt, muss schließlich geklärt werden.

„Viele Freunde auf Facebook zu haben, ist so wie reich sein bei Monopoly“. Gut gefällt mir die Botschaft, dass das Leben nicht auf Instagram, Facebook und Co spielt, sondern analog und dass eine Handy Auszeit ab und an ganz wichtig ist. „Wenn du an dir zweifelst, haben schlechte Menschen gute Arbeit geleistet.“ und „Deine Ängste sind wie Diebe. Sie stehlen dir alles, deinen Mut, deine Tatkraft und sogar die Lust am Leben.“ sind zwei der zahlreichen Weisheiten, die Joe Vicky mit auf den Weg gibt und die mir besonders gut gefallen haben.

Der pointiert, spritzige Schreibstil der Autorin liest sich wie immer locker, leicht und die Kapitel fliegen nur so dahin. „Die Sachen sind so einmalig, sogar mein Essen kommt hoch um sie zu sehen.“, witzige Sprüche der Art und spitze Kommentare wie „Hast du vergessen die Betriebskosten für dein Gehirn zu zahlen?“, machen das Lesen zum Lachmuskeltraining. Witzige Szenen, wie z.B. die Shopping Tour im Outdoor Paradies bevor es los geht und auch zahlreiche Vergleiche wie „gefühlt wie mit einem offenen Cabrio durch die Waschanlage gefahren“, lassen einen oft grinsen und schmunzeln. Allerdings geht es hier auch recht viel um Gefühle, nicht Vickys Spezialgebiet. Mir war die ganze Geschichte dieses Mal leider etwas zu vorhersehbar und das Hin und Her zwischen den beiden Kerlen, bei denen man schnell durchschaut, wer es ernst meint, konnte mich unterhalten, aber nicht begeistern.

Vicky hat mir gut gefallen. der Workaholic ist klar überzeichnet, „Ihre Seele hatte sie irgendwo außer Sichtweite geparkt, da, wo sie nicht störte“, Küsschen nur übers Smartphone und völlig unfähig in der analogen Welt Kontakte zu knüpfen, aber genau das fand ich gelungen. Zeigt es dich zu deutlich, was ich mir so oft denke, ohne Handy geht scheinbar gar nichts mehr. Joe, der Bergsteiger in der Krachledernen und mit dem Holzfällerhemd hat mir von Anfang an besser gefallen, als der Anzugschnösel Konstantin, aber klar zu Vickys steriler Lebenswelt passt ein solcher natürlich viel besser. Kai Wanner, der anfangs mit fiesen Sprüchen nicht hinter dem Berg hält, hat im Verlauf der Geschichte noch eine andere Seite gezeigt und ich fand ihn am Ende sogar richtig nett. Gelungen fand ich auch, dass Vickys Mama, die in der Altersresidenz fristet, auch mitspielen darf und Cat hat bewiesen, dass sie eine richtige Freundin für sie ist.

Alles in allem ein Roman, der locker, leicht und witzig, aber sicher nicht das Beste von Ellen Berg, auch wenn es rauf auf den Berg geht.

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13 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

yoga, mord, teil 2 der reihe, 2017, belfrey

Das bisschen Mord

Michelle Kelly , Ulrike Seeberger
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 06.11.2017
ISBN 9783746633770
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der zweite Fall, den Keeley in Zusammenarbeit mit ihrem jetzt Freund Constable Ben Taylor löst. Für mich war es der erste, aber ich habe mich ohne Probleme sofort wohl gefühlt in ihrem tollen Yoga-Café in Belfrey und wurde wirklich gut unterhalten.

Der attraktive Fitnesslehrer Duane ist Stammgast in Keeleys Yoga Cafe und sucht, wie schon die ganze letzte Zeit, Trost bei ihr. Seine Freundin Raquel hat ihn für den einflussreichen Bürgermeister verlassen, was ihm schwer zusetzt. Als die beiden vor dem Cafe lautstark streiten und laut „Du bist nichts als ein verzogenes Balg. Ein Miststück das aufs Geld aus ist!“ zu hören ist, sind natürlich alle Ohren in dem kleinen Örtchen gespitzt, haben das doch alle in Belfrey sowieso vermutet. Kein Wunder also, dass nach dem Streit alle Raquel für die Mörderin halten, als der Bürgermeister wenig später erstochen aufgefunden wird. Keeley glaubt nicht daran, dass es Raquel war und die Verdächtigungen tun ihr leid, auch wenn sie eigentlich ihre Rivalin seit Schulzeiten ist. Als Raquel sie um Hilfe bittet, kann Keeley einfach nicht nein sagen, auch wenn es Ben mit Sicherheit nicht gefallen wird, wenn sie sich in die Ermittlungen einmischt.

Der Schreibstil liest sich locker leicht und ich hatte entspannende Lesestunden mit diesem Wohlfühlkrimi. Es wird ermittelt, ganz klar, es gibt auch einige Verdächtige zum Rätseln. Für mich war aber schon relativ früh absehbar, wer wohl als Täter infrage kommt. Auch wenn sich der Krimi trotz einer weiteren Leiche nicht vor Spannung überschlagen hat, habe ich Keeley super gerne bei ihren Nachforschungen begleitet und mich nicht im Geringsten gelangweilt.

Keeley ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen. Ungerechtigkeit ist ihr zuwider, sie hat für alle ein offenes Ohr und Hilfsbereitschaft wird ebenfalls ganz groß bei ihr geschrieben. Man muss sie einfach mögen. Mich wundert nicht, dass ihr Ben verfallen ist. Die beiden sind wirklich ein super Pärchen, auch wenn sie wegen ihrer Neugierde, seiner Sorgen und beider großem Stolz hier eine große Bewährungsprobe, bei der ich so richtig mitgefiebert habe, zu meistern haben. Fast weh haben mir die abschätzigen Worte ihrer Mutter Darla getan, die keine Gelegenheit auslässt Keeley das Selbstvertrauen zu nehmen. Zum Glück zeigt Darla, Jack sei Dank, im Verlauf ihres Besuchs auch noch andere Seiten und lässt durchscheinen, dass sie doch heimlich stolz auf ihr Töchterchen ist. Raquel ist eine richtige Bissgurke, aber auch sie hat hinter ihrer Fassade einiges versteckt. Die Nebendarsteller sind ebenfalls gut getroffen, bei Diana Glover, die mir wegen ihrem herrschsüchtigen Ehemann mehr als leid getan hat angefangen, bis hin zur arroganten Künstlerin Suzy, die doch glatt die Dreistigkeit besitzt, Keeley zu bitten ihr Cafe für die Ausstellung ihrer Kunstwerke violett zu streichen, weil das als Hintergrund besser passen würde.

Ganz besonders mit Norma und Maggie, den beiden größten Tratschtanten, denen doch glatt ein „Es ist wirklich schrecklich, wie viel manche tratschen!“ über die Lippen geht, ist die Atmosphäre in einem solchen kleinen Örtchen gelungen eingefangen. Inzwischen der Cottages im Ort und ganz besonders in Keeleys gemütlichem Yoga Cafe habe ich mich richtig wohl gefühlt.

Erwähnenswert sind sicher auch die fünf ausführlichen Anleitungen zu Yoga Übungen, die sich zwischen den Kapiteln verstecken. Ausführlich mit Anleitung und Wirkung beschrieben, werde ich vielleicht sogar die eine oder andere ausprobieren, Keeley hat mir richtig Lust gemacht. Ob ich den Kochlöffel für eines der Rezepte, die sich im Anhang befinden, schwingen werde, weiß ich nicht, aber lecker sind bestimmt alle.

Alles in allem ein locker, leichter Krimi, die entspannte Unterhaltung liefert und für einen gemütlichen Sofaabend gerade recht kommt. Für mich auf jeden Fall noch 5 Sterne wert.

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31 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

türkei, liebesroman, verlust, sehnsucht, hannover

Die Farben im Spiegel

Deniz Selek
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 01.08.2017
ISBN 9783426305751
Genre: Liebesromane

Rezension:

Deniz Selek hat mich schon mit einigen Romanen ganz wunderbar unterhalten und deshalb war ich sehr gespannt auf ihr „Die Farben im Spiegel“, von dem sie selbst behauptet, dass es ein Herzensbuch sei.

„Trau dich zu lieben, dann liebst du auch dich selbst“, wenn das so einfach wäre! Für Alev ist es das auf jeden Fall nicht. Sie und der zwei Jahre ältere Koray, wachsen fast Tür an Tür in Istanbul auf. Beide verbindet zunächst, dass sie beide eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater haben, seit Sandkastenzeiten dann auch eine tiefe Freundschaft. Freundschaft oder Liebe, was ist es wirklich, gibt es Liebe die immer besteht, egal wie das Leben verläuft? Wie geht es weiter, als Koray mit seinen Eltern nach Hamburg zieht und sie mit ihren nach Hannover?

Eine ganz besondere Sandkastenliebe und wie sie sich entwickelt, das ist sicher der Dreh- und Angelpunkt um den sich der Roman rankt. Alev und Koray verbindet ein ganz besonderes Band. Einerseits so fest, dass es über Entfernungen und das das ganze Leben lang hält, andererseits aber so porös, das ganz besonders Alev Angst haben muss, dass es nicht genügt. Sie, die aus einer Durchschnittsfamilie stammt, kann doch einem Koray, bei dem Luxus und Geld völlig selbstverständlich dazu gehören nicht das Wasser reichen. Ist es Liebe, oder eher das Gefühl der tiefen Verbundenheit? Dass die beiden Großmütter versuchen zu verkuppeln, lässt die Unsicherheit noch wachsen. Um diese ganz besondere Liebesgeschichte gibt es einige Nebenschauplätze, die Antwort auf zahlreiche Fragen geben. Wie ergeht es ihrer deutschen Mutter mit einem türkischen Mann im fremden Land, wie verkraftet Alev, dass sie als Kind von Istanbul nach Hannover verpflanzt wird oder wie ist es, wenn man das Selbstbewusstsein verliert und sich schrecklich fremd fühlt? Man erfährt als Leser auch, wie sich Alevs Leben weiter entwickelt, welche Schwierigkeiten sie in Beziehungen hat und wie die Verantwortung für Kinder zu haben Entscheidungen beeinflusst.

Der lockere Sprachstil der Autorin liest sich einfach wunderbar, sodass man regelrecht durch die Geschichte fliegen kann. Sie beschreibt super anschaulich, sodass man per Kopfkino mit auf die Reise gehen kann. Ich hatte stets das Gefühl mitten im Geschehen dabei zu sein. Auch Gefühle stellt sie grandios dar und das nicht nur bei Hauptpersonen, sondern auch alle anderen Mitspieler erhalten Tiefe, haben ihre Probleme, was mir sehr gut gefallen hat.  Richtig froh bin ich, dass sie intime Szenen nur gekonnt andeutet, man spürt das Prickeln, die Gefühle aber eben nicht mehr.

Die Charaktere sind alle grandios gezeichnet und kein einziger bleibt blass. Ganz besonders mitgefühlt habe ich mit Alevs Mutter Marlene, die in der Türkei mehr als unglücklich ist, diese Gefühle aber ebenso wie Alev lange Zeit versucht zu unterdrücken. Auch ihren Vater konnte ich verstehen und es ist ihm sogar gelungen mich trotz seiner Zankereien mit Alev zu rühren. Ich konnte mich in Alev hineindenken, ihr Verhalten jedoch nicht immer gutheißen. Stellenweise hätte ich sie am liebsten geschüttelt und ihr gesagt, so geht es nicht. Koray und sie verbindet ein besonderes Band und das ist stets zu spüren, schade, dass Alev ihre Gefühle versucht zu bekämpfen. Auch die anderen  sind alle toll dargestellt, beim introvertierten, hochbegabten Dalan angefangen, der mir richtig ans Herz gewachsen ist, über die beiden kuppelnden Großmütter, über die ich mich sehr amüsiert habe, bis hin zu Laurenz, mit dem sie einen großen Teil ihres Lebens verbringt.

Ich liebe die Romane der Deutschtürkin Deniz Selek auch, weil man so tollen Einblick in türkische Traditionen bekommt. Wie sieht das Familienleben aus, welche Bräuche gibt es oder welche Regeln gelten, so etwas interessiert mich sehr. Alev und Koray wachsen beide in Istanbul auf. Ich konnte das Leben auf den Märkten, die Atmosphäre in der Stadt richtig gehend selbst miterleben. Man darf auch mit nach Bodrum reisen, Meer und Sonne genießen. Ein kleines bisschen Werbung macht sie sogar auch für Thailand, denn die Reise dorthin muss wirklich ganz grandios gewesen sein. Hannover, Berlin und Hamburg sind die Orte, in denen die Geschichte in Deutschland spielt.

„Auch wenn jetzt nicht die richtige Zeit für uns ist, auch wenn sie es nie sein wird, aber erst recht, wenn deine und meine Zeit noch kommt, sollst du es wissen, Alev. Ich liebe dich.“  Dieses Zitat macht meiner Meinung nach schon deutlich, dass dies alles andere als eine Liebesgeschichte von der Stange ist. Auch wenn ich mit Alevs Entscheidungen oft nicht glücklich war, ein Gesamtpaket das auf jeden Fall noch fünf Sterne verdient.

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

rohkost, kochbuch, superfood, rezepte, superfoods

Raw Superfoods

Petra Denk
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei Löwenzahn Verlag, 12.09.2017
ISBN 9783706626293
Genre: Sachbücher

Rezension:

Ich esse viel Gemüse und Obst und versuche mich möglichst gesund zu ernähren. Ich habe mir von „RAW“ Abwechslung in meinen Salatalltag erhofft und diese sicher auch erhalten.

Als Leser bekommt man in einem ersten Abschnitt alles Wissenswerte zur Ernährung mit Rohkost, erfährt warum uns Superfoods aufgrund ihrer Inhaltsstoffe und Wirkung so gut tun und erhält einen Überblick über die Top 25 der heimischen davon. Man bekommt auch zehn Tipps wie sich Rohkost in den Alltag einbauen lässt und die wichtigsten Techniken, wie Keimen oder Dörren in anschaulichen Schritt-für-Schritt Anleitungen erklärt. Damit werden die Grundlagen wirklich gut vermittelt und ich habe interessiert gelesen.

Ich hatte mich bisher nicht mit Rohkostküche beschäftigt und daher auch gar nicht überlegt, dass auch Milch und Milchprodukte vom Ernährungsplan gestrichen sind. Klar, die Milch wird vor der Verarbeitung erhitzt. Für mich persönlich kommt eine vegane Lebensweise aber nicht infrage, dafür esse ich Käse, Quark und Co einfach viel zu gern und ab und an ein Stück Fleisch aus artgerechter Haltung mag ich einfach auch. Deshalb stellte sich erst einmal ein klein wenig Ernüchterung bei mir ein, wofür aber weder die Autorin, noch das Buch etwas kann.

Den Basics schließen sich sechs Kapitel an. Bei Frühstücksideen angefangen, über Salate, Vorspeisen und Snacks bzw. Suppen geht es weiter mit Hauptgerichten und nach Desserts und Kuchen endet der Rezeptteil mit Getränken. Alle Rezepte werden mit tollen, farbenfrohen und appetitlichen Fotos präsentiert, die einem schon beim Anblick den Mund wässrig und so richtig Lust zum Ausprobieren machen. Da merkt man deutlich, dass die Autorin eine Ausbildung in Food Fotografie besitzt. Optisch ist das Buch auf jeden Fall super aufgemacht.

Die Rezepte sind allesamt ausführlich und verständlich mit Schritt für Schritt Anleitungen beschrieben, sodass ein Nachmachen nicht schwer fällt und die Geling- Garantie auch bei Ungeübteren sicher gegeben ist. Es gibt relativ einfach, schnell zubereitete Speisen, einige Grundrezepte, die sich leicht abwandeln lassen, aber ein Großteil erfordert schon auch ein wenig mehr Zeit bei der Herstellung.

Ich habe einige Gerichte ausprobiert und war, mit ein wenig Nachwürzen, was ich aber bei so gut wie jedem Rezept muss und was mich auch nicht stört, von den allermeisten begeistert. Aufstriche, Eisvariationen, Gemüsespaghetti, Joghurt-, Käse- und Milchalternativen konnten mich durchaus überzeugen und werden mit Sicherheit meinen Speiseplan auch in Zukunft bereichern. Nicht ganz so mein Ding sind generell Suppen. Rohkostküche erlaubt auf 45 Grad zu erhitzen. Lauwarme Suppen konnten mich deshalb überhaupt nicht überzeugen. Für mich muss es entweder warm oder kalt sein, aber das bleibt einem beim Zubereiten ja selbst überlassen, ob man auf das Erhitzen verzichtet und einfach kalt genießt. Ebenfalls eine kleine Enttäuschung war die Variation für Schokofrüchte, was aber wohl an meiner Erwartungshaltung beim Namen des Gerichts gelegen haben mag.

Gut gefällt mir bei den Rezepten, dass immer auch Tipps zur Haltbarkeit und zu Variationen gegeben werden. Eine Kalorienangabe gibt es nicht und auch eine Zubereitungszeit wird nicht angegeben.

Nicht ausprobiert habe ich den Teil der Rezepte, der bei der Zubereitung Dörren voraussetzt. Ich besitze kein Dörrgerät und die Alternative im Backofen zu dörren, verbraucht in meinen Augen eindeutig zu viel Energie. Ich bin nicht bereit den Elektroherd über Stunden, teilweise bis zu zwölf, einzuschalten.

Ich achte auf meine Ernährung, habe diverse Essige, Nüsse, Leinsamen, Kakao oder hochwertiges Öl sowieso in meinem Sortiment, allerdings musste ich erst einmal einen Einkaufsbummel machen. Flohsamen, Hefeflocken, Misopaste, Hanfsamen, solche Dinge gehören nicht zur Standardausstattung und deshalb muss man schon bereit sein Geld zu investieren, Arbeitsgeräte sind hier noch völlig außer Acht gelassen. Ich denke daher, wer einfach nur einmal in die Roh Kost Küche hinein schnuppern mag, könnte hier nicht ganz so glücklich werden.

Sicher ist das Buch aber für Veganer und alle die wirklich langfristig beabsichtigen, sich Raw zu ernähren eine Fundgrube, die ich weiter empfehlen kann.

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31 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 15 Rezensionen

krieg, frankreich, freundschaft, nazis, flucht

Der Pfad - Die Geschichte einer Flucht in die Freiheit

Rüdiger Bertram , Heribert Schulmeyer
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei cbj, 16.10.2017
ISBN 9783570172360
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Rüdiger Bertram hat mich mit noch keinem Kinder- oder Jugendbuch enttäuscht und auch bei „Der Pfad“, in dem er Historisches spannend, einfühlsam und mit einer feinen Prise an Humor gekonnt an die jungen Leser bringt, hat er mich wieder einmal begeistert.

Frankreich 1941: Rolfs Vater ist Journalist und hat gehörig gegen die Nazis gewettert, deshalb war die Familie gezwungen aus Deutschland zu fliehen. Während sich die Mama, mit einem Engagement als Tänzerin bereits in die USA retten konnte, hat dies beim zwölfjährigen Rolf und seinem Vater noch nicht geklappt. Im Moment sitzen die beiden in Marseille fest, weil sie keine Ausreisegenehmigung haben. Die Gestapo ist ihnen bereits auf den Fersen und deshalb eilt der Aufbruch. Ziegenhirte Manuel soll sie über die Pyrenäen nach Spanien führen, damit sie in Lissabon den Dampfer in die USA besteigen können. Ein bellender Hund könnte sie verraten, Adi soll deshalb zurück bleiben, aber was ist mit dem Versprechen seines Vaters, dass sie sich nie von den drei Dingen, der Schreibmaschine, dem Hund und ihrer Ehre trennen würden? Auf geht´s für Karl mit einem betrunkenen Hund, einem übergewichtigen Vater und einem resoluten Zigenhirten in eine ungewisse Zukunft, die über schmale, steile und beschwerliche Pfade hoffentlich in die Freiheit führen wird.

Als Leser begleitet man die Truppe über die Berge, muss Kontrollen und Patrouillen ausweichen, Angst vor der Entdeckung haben, Verluste hinnehmen und gefährliche Situationen überstehen. Man darf hoffen und bangen und auch mit ansehen, wie sich zwischen Manuel und Karl eine richtige Freundschaft entwickelt, die Höhen und Tiefen übersteht. Eine bewegende, spannende und fesselnde Zeitreise.

Ganz nebenbei erfährt man so, wie Nazis früher nach den Flüchtigen gefahndet haben, wie es Menschen auf der Flucht erging, erfährt was Hunger bedeutet und dass es auch Menschen gegeben hat, die geholfen und auch welche die gegen Hitler und seine Leute gekämpft haben. Die geschichtlichen Fakten werden gekonnt in die Story verpackt. Man merkt beim Lesen gar nicht, dass man hier Geschichte geboten bekommt. Genau so soll es sein, damit man auch die jungen Leser damit locken kann.

Sehr gelungen fand ich auch, dass den Anfang und das Ende je eine Doppelseite Comic bilden. Zu Beginn wird die Geschichte so ansprechend, kurz und knapp in den historischen Kontext eingebettet, zum Schluss bekommt man einen Ausblick, wie es nach der Flucht weiter geht.

Der Sprachstil des Autors liest sich wie immer flüssig, locker, leicht und ich bin regelrecht durch übersichtlich langen Kapitel geflogen. Alles wird so bildreich und ausführlich beschrieben, dass man das Gefühl hat, selbst mit auf der Flucht zu sein oder gar im kleinen Karl zu stecken. Es gibt zahlreiche Szenen, bei denen man vor Angst und Anspannung beim Lesen fast die Luft anhalten muss, weil es furchtbar gefährlich wird, aber auch viele, bei denen man schmunzeln darf. So kann es schon sein, dass Karl gezwungen ist, Blätter als Toilettenpapier zu benutzen, auf denen sich Ameisen tummeln oder Hund Adi sich im Suppentopf vor der Patrouille verstecken muss und tapfer erträgt, dass ihm der Hintern brennt. Amüsant fand ich auch Manuels Holperer mit der deutschen Sprache, die er sich als Fluchthelfer selbst angeeignet hat. So kann schon mal ein Wortwechsel wie „Ich bade mäßigregel. Einmal Monat“ was natürlich von Rolf mit den Worten „Man sagt regelmäßig, nicht mäßigregel. Einmal im Monat ist allerdings tatsächlich eher mäßig.“ verbessert wird, kommen. Hier wird aber kein Klamauk betrieben und die Ernsthaftigkeit und die Tragik auf keinen Fall schöngefärbt. Ich habe ergriffen gelesen, konnte die Trauer, die Angst, die Ungewissheit, aber eben auch die schönen Momente regelrecht mit erleben.

Der kleine Karl ist mir von Anfang an ans Herz gewachsen. Er durchschaut mehr als sein Vater denkt, und die beiden haben einen lockeren Umgang miteinander, der einen auch zum Schmunzeln bringt. Manuel, den man sich auf den ersten Blick nicht unbedingt als besten Freund wünscht, hat sich auf der Reise ebenfalls in mein Herz geschlichen. Die beiden Jungen können gegenseitig voneinander lernen und wachsen zu guten Freunden zusammen. Toll fand ich auch den tierischen Begleiter Adi, den Terrier. „Mach toter Hund, Adi!“ Wenn es doch bei Adolf Hitler auch so einfach gewesen wäre.

Alles in allem ein tolles Jugendbuch, das die Flucht vor den Nazis auf ergreifend, fesselnde Weise erzählt und somit Geschichte alles andere als schnöde, langweilig präsentiert. Gerade in der heutigen Zeit ist es sicher auch toll, dass Kinder und Jugendliche erfahren, was Flucht bedeuten kann und dass auch Deutsche einst auf der Flucht und die Hilfe anderer angewiesen waren. Begeisterte fünf Sterne.

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32 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

jugendbuch, roofer, risik, gefahr, frankfru

Roofer

Jutta Wilke
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 14.06.2017
ISBN 9783649615095
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Alice, von der Mutter enttäuscht, vom Stiefvater sowieso, stolpert ohne richtigen Halt durchs Leben, solange, bis Nasti neu an die Schule kommt. Die flippige, taffe Neue wird ihr zur besten Freundin und mit ihr gemeinsam scheint alles nur noch halb so schlimm zu sein. Jungs stehen bei den beiden bisher immer hintenan, doch damit ist Schluss als Nasti Trasher kennenlernt. Der Roofer, der sich auf die höchsten Gebäude und Baugerüste Frankfurts wagt, hat Nasti komplett den Kopf verdreht und ihr Herz fest im Griff. So schlittern die beiden Mädchen in die Clique, die nicht nur ihre Freundschaft auf eine harte Bewährungsprobe stellt.

„…stellt sich auf die Zehenspitzen, wirft den Kopf in den Nacken, lacht laut und springt…“ Mit diesen Worten endet der Prolog, der sofort erklärt, dass Roofer auf Hochhäuser klettern und dabei ihr Leben riskieren. Nach dem ersten Kapitel, das deutlich macht, dass ein Unglück geschehen sein muss, war ich sofort in der Geschichte gefangen. Es ist super spannend, ich musste ja nicht nur wissen, wer da zu Beginn gestürzt ist bzw. am Ende stürzen wird, sondern auch die ganzen Entwicklungen waren mehr als fesselnd. Wie weit wird Nasti gehen, wird sie bei einer Mutprobe ihre Liebe beweisen wollen, was wird aus Alice, steht sie ihrer Freundin, die sie so enttäuscht, weiter bei? Auch die Geschichte des obdachlosen Nik, hat mich sehr ergriffen und ich musste unbedingt wissen, ob es eine Zukunft für ihn und Alice geben wird.

Mädchenfreundschaften, die darunter leiden, wenn sich Beziehungen entwickeln, wie schwer es ist auf der Straße zu leben, welcher Gefahr sich Kids bei solchen Klettereien aussetzen, mögen sie noch so sehr behaupten, sie hätten alles im Griff, dass man Liebe nicht mit Mutproben beweisen kann und muss und dass Angst haben einfach manchmal dazu gehört im Leben, das sind Themen die Jutta Wilke in ihrem Roman spannend, gefühlvoll und interessant verpackt. Der Sprachstil der Autorin liest sich locker, lässig und die Kapitel sind nur so geflogen. Der größte Teil wird aus Alice Sicht erzählt, was sie mir sehr nah gebracht hat. Ich habe mit ihr gefühlt, mit ihr gezittert, auch wenn ich nicht alles gut heißen mag, was sie tut. Immer wieder gibt es auch Kapitel aus der Sicht des obdachlosen Nikolas, die mich sehr berührt und damit mindestens genauso gefesselt haben, wie der Rest der Geschichte samt dem Nervenkitzel beim Klettern.

Alice ist ein typischer Teenager, der nach der Scheidung der Eltern darunter leidet, dass sich die Mutter zum zweiten Mal den falschen Mann geangelt und daher keine Kraft für ihre Tochter hat. Nasti ist schrill, ist bunt, ist mutig, klar, das hat Alice imponiert. Ich denke auch, dass sie wirklich gute Freundinnen waren und Nasti einfach von Trasher völlig eingenommen wurde, Liebe macht blind. Trasher war mir unsympathisch, sein Konkurrenzkampf mit Adrian, wer traut sich höher rauf, hat mir von Anfang an missfallen und sein Imponiergehabe steigert sich noch. Sehr ans Herz gewachsen ist mir aber Nikolas. Er war auch meine heimliche Lieblingsfigur in der Geschichte.

Alles in allem ein fesselnder Roman, der mit einer berührend und rasanten Geschichte deutlich macht, wie schwer man es als Jugendlicher manchmal haben kann. absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.  

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 14 Rezensionen

krimi, schweiz, christof gasser, journalistin, flugzeugabsturz

Schwarzbubenland

Christof Gasser
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 12.10.2017
ISBN 9783740801786
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Christof Gasser hat mich schon mit seinen beiden Solothurn Krimis mehr als fesselnd unterhalten und deshalb war ich sehr neugierig auf Journalistin Cora Johannis, die neue Ermittlerin und ihre Geschichte und wurde mit Sicherheit nicht enttäuscht.

Im Prolog wird man Zeuge, wie einem jungen Pärchen beim Liebesspiel etwas zustößt. Was haben die beiden mit Coras Auftrag zu tun, den sie von Alt-Regierungsrat vom Staal erhält? Anonym wurde ihm das Medaillon seiner vor zwölf Jahren spurlos verschwundenen Gattin zugeschickt. Da er von den Ermittlungsbehörden, die den Fall längst eingestellt haben, enttäuscht ist, wendet er sich an die Journalistin. Tot oder lebendig, er braucht endlich Gewissheit und diese verspricht er sich von Cora, der der lukrative Auftrag finanziell mehr als gelegen kommt. Ihre Suche führt sie direkt in ein kleines Dorf im Schwarzbubenland und dort wird es mächtig gefährlich nicht nur für sie.

Der Krimi ist spannend von Anfang an. Der Prolog hat mich sofort in die Geschichte geholt und da mir Cora von Anfang an super sympathisch war, habe ich mehr als gerne mit ihr ermittelt. Vom Staal nur ein gehörnter Ehemann, der von einer Frau mit dubioser Vergangenheit verlassen wurde, oder ist an seiner Entführungstheorie etwas dran? Warum mauern die Behörden, warum warnt sie der Staatsanwalt? Soll hier eine große Schweinerei vertuscht werden, oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Warum begegnen ihr die Menschen in Gilgenberg alle so feindlich, seit sie wissen, dass sie nach Elisabeth vom Staal sucht? Was hat es mit diesem eigenartigen Schtäkkä-Köbi auf sich, dem obdachlosen Mann, der ihr vors Auto rennt? Im Laufe ihrer Ermittlungen gibt es nicht nur weitere Tote, sondern es tauchen auch immer mehr Fragen auf. Ich bin lange völlig im Dunkeln getappt und als ich dann gemeint habe,  jetzt sei der Fall gelöst, wurde noch einmal alles auf den Kopf gestellt. Ein dramatisches Finale hat mich beim Lesen stellenweise die Luft anhalten lassen.

Man erhält auch einen kleinen Einblick ins Privatleben der alleinerziehenden Cora, die besonders mit Töchterchen Mila, die den Titel „Pubertätserbse“ verdient, schwerwiegende Probleme hat. Dafür ist Sohn Julian aus dem Gröbsten heraus und steht ihr bei. Durch das Private werden nicht nur die Charaktere menschlicher, was mir sehr gut gefallen hat, sondern die Spannung wird durch Chat Protokolle von Mila mit einem Unbekannten ebenfalls mächtig angeheizt. Sie wird sich doch nicht mit einem fremden Typen treffen?

Der lockere Sprachstil liest sich mehr als flüssig. Zahlreiche Perspektivwechsel heizen der Spannung zusätzlich ein und ich bin regelrecht durch den Krimi geflogen. Szenen und Gefühle werden gut dargestellt, so konnte ich mich z.B. immer sehr gut in Cora hineinversetzen, hatte mit ihr Schuldgefühle, habe mit ihr gebibbert und mich aber auch gefreut.

Cora war mir von Anfang an sympathisch. Sie ist eine Frau, die sich im Leben durchkämpft, die Fehler eingestehen kann und der es keinesfalls an Mut mangelt. Gut hat mir auch vor allem die junge Polizistin Karin Jäggi. Sie ist die einzige der Truppe, der ich von Anfang an zu hundert Prozent vertraut habe und die Cora mehr als nur einmal gerade noch im rechten Moment zur Seite steht. Aber auch alle andreren Nebendarsteller sind toll gezeichnet, beim Charmeur Benno von Freyenfels angefangen, der Cora gehörig den Kopf verdreht, über Lara, Julians neue Freundin, mit der sich Cora erst einmal anfreunden muss, bis hin zu Elena, die mir mit ihrer Geschichte furchtbar leid getan hat.

Der Autor wählt ein fiktives Dorf als Handlungsort, das unglaublich authentisch und treffend dargestellt wird und um das sich eine spannende und dramatische Vergangenheit rankt. Umgeben ist dieses Gilgenberg vom Schwarzbubenland, über das man ganz Nebenbei einiges erfährt. Das Lokalkolorit ist wahrlich gelungen, ich hatte z.B. fast das Gefühl selbst auf dem Lehrpfad und der Schlucht im Faltenjura zu laufen und ab und an kommt auch jemand in Dialekt zu Wort, was mir gut gefallen hat.

Alles in allem hatte ich kriminell gute Unterhaltung mit „Schwarzbubenland“, begeisterte fünf Sterne.

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Mann, der vom Fahrrad fiel und im Paradies erwachte

Roger Pihl , Heikko Deutschmann
Audio
Erschienen bei Audio Media Verlag, 14.08.2017
ISBN 9783956392733
Genre: Romane

Rezension:

Valdemar, seit dem Unfalltod seiner Frau und seinem Kind nur noch ein halber Mensch, hat sich völlig in die Arbeit geflüchtet. Der Workaholic, der als Anteilhaber einer Computerfirma gehörig Geld scheffelt, merkt gar nicht, dass ihm nichts mehr gefällt, ja dass er ein regelrechter Griesgram geworden ist. Ein weiterer Unfall soll erneut sein Leben komplett auf den Kopf stellen. Denn als ihn ein Autofahrer vom Fahrrad holt und er ins Krankenhaus eingeliefert wird, stellt er ganz überrascht fest, wie schön es ist, einfach nichts zu tun, sich um nichts kümmern müssen und zudem umsorgt zu werden, wie schon lange nicht mehr. Ganz klar, er fühlt sich wie im Paradies, hier würde er gerne für immer bleiben. Wird die Operation seiner gebrochenen Schulter zum ersten Mal noch von den Ärzten wegen einem Notfall verschoben, lässt sich Valdemar, einmal auf die Idee gebracht, so einiges einfallen, damit dies noch recht oft geschieht. Im Krankenhaus verstecken, im Putzkämmerchen den Verwirrten spielen, nach der OP aus dem Bett fallen und sich die Schulter nochmal brechen, sich bei einem Sturz die andere Schulter verletzen oder sich mit Krankenhauskeimen infizieren, so müsste sich doch so ein Aufenthalt ausgiebig verlängern lassen, oder? Valdemar fast schon heimisch entdeckt zudem, dass der Hausmeister etwas zu verbergen hat. Noch ein Grund mehr hier zu bleiben, der Sache muss man schließlich auf den Grund gehen.

Freiwillig länger als nötig in einem Krankenhaus bleiben, für mich völlig undenkbar, aber Valdemar lebt richtig auf. Ich konnte mich bei der Geschichte wirklich darüber amüsieren, was er sich so alles einfallen lässt, damit er seinen Aufenthalt verlängern kann. Ich konnte deshalb viel schmunzeln, auch wenn ich mir nicht vorstellen kann, dass so etwas in Wirklichkeit möglich wäre. Gut hat mir auch die Entwicklung der Geschichte gefallen, von der ich an der Stelle nicht zu viel verraten möchte, aber dadurch bekommt das Ganze neben der humorvollen, noch eine berührende Komponente.

Nur für die Arbeit leben, sich unersetzlich fühlen? Dass dies sicher nicht das Ziel eines erfüllten Lebens sein kann, stellt Valdemar schnell fest, denn Kollegen oder gar Geschäftspartner werden im Krankenhaus nicht gesichtet. Nur einmal bekommt er eine Lieferung Geschäftsbriefe, die er doch abarbeiten könnte. Sicher auch eine gute Botschaft für den einen oder anderen Workaholic.

Valdemar ist, zumindest anfangs nicht unbedingt der Typ Mensch, der sympathisch erscheint. Er ist genügsam, regt sich nicht auf, nimmt die Dinge, die er nicht ändern kann, gelassen hin und ist dadurch für die Krankenschwestern eigentlich kein schwieriger, oder gar nerviger Patient. Im Verlaufe der Geschichte ist er mir tatsächlich fast ans Herz gewachsen. Neben Krankenschwestern lernt er bei seinem Aufenthalt noch gut eine Handvoll andere, ganz besondere Menschen kennen, die alle originell und individuell gezeichnet sind. Gut gefallen hat mir auch sein einziger Besucher aus Geschäftstagen, Boffer, der Mann fürs Grobe bei säumigen Kunden.

Der Sprecher bringt Valdemars Charakter, knauzig, ironisch, aber auch witzig gut zum Ausdruck. Dass Heikko Deutschmann seine Arbeit versteht merkt man, denn er hat sowohl für die unterschiedlichen Szenen und Stimmungen als auch für die einzelnen Mitspieler den passenden Tonfall in petto.

Alles in allem eine witzige, unterhaltsame Geschichte, die mir als Hörbuch wirklich gut gefallen hat. Mein Ziel, anhören, nicht viel denken müssen und amüsieren, wurde auf jeden Fall erfüllt und damit sind auch noch fünf Sterne verdient.

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Die schwarze Jagd

Bauer Dinesh
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 14.09.2017
ISBN 9783709934043
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Dies ist bereits der zweite Fall für Schorsch Wammetsberger, das urige Original, für mich war es der erste und wird mit Sicherheit nicht der letzte bleiben.

Der bayerische Dorfbulle Schorsch Wammetsberger, der mit seiner barocken, gut gepolsterten Figur über ein ausgeprägtes Sitzfleisch verfügt, möchte eigentlich nur seine Ruhe, ist er doch quasi Beamter auf Lebenszeit. Doch dieses Mal hilft alles nix, er muss ermitteln, den Mörder so schnell wie möglich finden, ist angeraten. Blöderweise ist der Tote auf der Schlipfgrub-Alm nämlich in einen Kugelhagel geraten und es könnte sein, dass sogar eine Kugel aus der Flinte von ihm oder seinen zwei Wilderer Kollegen am Tatort rumliegt, weil diese in dem Moment verbotenerweise eben dort droben auch auf ein Reh geballert haben. Ganz blöd ist zudem, dass der selbsternannte bayerische Guerilla-Führer "Che" Wildbichler, der mit seiner Truppe dort eine Gefechtsübung veranstaltet hat, ihn nicht nur gesehen, sondern sogar gefilmt hat. Eine verirrte Kugel aus deren Geschoß, oder handelt es sich um Grenzkriminalität, Schleuser, Waffenschieber unter sich, so wie die Kripo mit ihrem leitenden Kommissar Korbinian Eyrainer glaubt?

Als Leser darf hat man die Ermittlungen aller Gruppen im Blick, allesamt ganz besondere „Koryphäen ihrer Zunft“, was zu viel Situationskomik führt. Die einzelnen Szenen sind einfach herrlich beschrieben, allerdings fiel es mir dadurch auch zeitweise etwas schwerer mich auf die doch für mich zahlreichen Namen und die Krimihandlung zu konzentrieren. Ab und an hätte es mir ein wenig straffer genügt.

„Dinesh Bauer liefert einen Bayern-Krimi: sprachgewaltig, verzwickt und mit grandios-typischen Charakteren!“, mit diesen Worten wird für „Die schwarze Jagd geworben“ und diese Versprechen werden gehalten. Der Sprachstil ist sogar als absolut sprachgewaltig zu bezeichnen,  rätseln und Überraschungen bei der Aufklärung gibt es auch und die einzelnen Akteure sind mehr als nur originell gewählt und ausgezeichnet gezeichnet. Ich konnte mir alles bildlich ausmalen und hatte einen richtigen Film im Kopf laufen. Der Krimi sprudelt nur so vor Situationskomik, das schiebt der Schorsch schon mal ächzend seine 120 kg Kampfgewicht seiner Elfi zuliebe auf den Gipfel und dann wird sein einziger Antrieb, die Aussicht auf ein leckeres Picknick mit Halbfettromadur jäh enttäuscht, oder er macht den Abflug von seinem sündteuren Mountainbike, weil Sport halt einfach Mord ist. Auch die Beschreibungen und Vergleiche sind mehr als einfallsreich. Den Berg rauf hat schon mal der eine oder andere den „ungesunden Rotton einer ins siedende Wasser geworfenen Languste“ als Gesichtsfarbe, da ist etwas „leer wie die Hose eines Eunuchen“ oder es heißt, „mit der Behändigkeit einer rheumatischen Rhesusaffen wuchtete er sich aus dem Sessel“.

Schorsch ist mir richtig ans Herz gewachsen ist mit seiner Vorliebe für die gute Brotzeit und das Bier. Er ist so ein richtiger uriger Dorfbulle, der mit seinen Kollegen Xarre Gschwandtner und Ignaz Irgl nicht nur ermittelt, sondern auch zum Wildern geht. Im Wettlauf mit der Kripo, bei der ich vor allem Hartl und auch Stöcki super witzig fand, wird ermittelt. Dazu gesellen sich noch zahlreiche Nabendarsteller, die originell dargestellt sind, beim ungehobelten Fichtenfinsterling angefangen, der geräuschvoll schnieft und den Rotz die Nase hochzieht, über den 90-jährigen Alm-Öhi, der sich die Butter nicht vom Brot nehmen lässt, bis hin zu Elfi, Schorschs Gattin, deren Versuche ihn zur Diät anzuhalten bisher kläglich scheitern.

Erwähnen möchte ich auch noch die Kapitelüberschriften, allesamt aus regionalen Gerichten gebastelt, die ich so originell fand. Wenn es da zu Beginn heißt, „Presssack Melba“, kann es schon sein, dass es beim Schorsch um den Bierbauch spannt und er aussieht wie "Presssack im Schützen Ornat.“ Zudem gibt es im Anhang noch drei Rezepte für ein passendes Menü zu der Geschicht` und dankbar war ich um das Personenregister zu Beginn, das ich als Neueinsteiger schon immer wieder einmal gezückt habe beim Lesen.

Alles in allem wird hier mit Pannen ermittelt, es geht nicht nur am Stammtisch rau zur Sache, samt Fluchen und Granteln, hier sind richtige urige Originale am Werk und bieten wirklich ganz besondere Unterhaltung. Für 5 Sterne reicht es bei mir nicht ganz, aber sehr gute 4,5 sind es auf jeden Fall.

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mord, krimi, detmold, weihnachten, vergangenheit

Vier Morde und ein Weihnachtsbraten

Angelika Godau
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 11.10.2017
ISBN 9783839221181
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Angelika Godau ist mit ihrem spritzig, pointierten Schreibstil für mich ein Garant für gelungene Unterhaltung. Bereits „Granny, ein Mord und ich“ und „Granny und die Tote im Wald“ aus ihrer Feder sind für mich zudem richtige Lesehighlights und da reiht sich nun auch der dritte Teil ein.
"Ich habe eines dieser raren Exemplare Mann ergattert,…“ heißt es nun bei Sabrina. Tierarzt Karsten liebt nicht nur sie abgöttisch, sondern auch ihre beiden Kids, ein echter Glücksgriff. Aber wird er auch Verständnis dafür haben, dass sie eine zeitreisende Ur-Ur Großmutter besitzt, die unverhofft im Schlafzimmer sitzen kann? Grannys Sohn ist krank und Sabrina bleibt nichts anderes übrig, als ihn einzuweihen. Klar, so ein Schwachsinn ist schwer zu glauben, als aber wenig später Heinrich, Grannys Verlobter auftaucht und völlig verzweifelt um Hilfe bittet, weil diese entführt wurde, und sich statt Sabrina eben Karsten zeigt, ist auch er überzeugt und dadurch mit im Boot. Wird es mit Hilfe aus der Zukunft gelingen, die Verbrechen im Detmold des Jahres 1897 zu lösen?

Wie immer geht es in Detmold ungesetzlich zu und Heinrich hat zu ermitteln. Dieses Mal geht es darum, den Mann, der ein Attentat auf den Fürsten verübt hat, zu überführen. Zudem eine bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Frauenleiche und ein im Schlossgraben treibender Entführer machen das Szenario vorerst komplett. Aus Sorge um Granny wendet sich Heinrich an Sabrina, hat seine Verlobte doch schon so oft Hilfe von ihr bekommen. Als Leser erfährt man in Berichten über die Ermittlungen in der Vergangenheit, erlebt die Besuche der beiden Zeitreisenden, begleitet Sabrina im Jetzt und wird mit dieser Mischung wunderbar unterhalten. Bei mir steht hier nicht die Krimispannung, wobei man wirklich rätseln kann und auch überrascht wird mit der Auflösung am Ende, im Vordergrund, es ist einfach das tolle Gesamtambiente, das mich so begeistert.

Der pfiffige Schreibstil hat mich sofort in die Geschichte gezogen und ich war sofort wieder im Granny Fieber. Ich konnte unheimlich viel schmunzeln. Witzige Szenen, wenn Sabrinas Kids über den „Pippimann“ streiten, oder sie der Apothekerin erklärt, dass ihre Oma die Bunten mit den Noppen einfach am liebsten mag, haben mir teilweise sogar Lachtränen beschert. Spitze, pointierte Dialoge wie „Meine Verlobte hat mir schon des Öfteren erzählt, dass Sie eine, hm, deftige Ausdrucksweise pflegen, jetzt kann ich mit mir vorstellen,  sie darunter versteht.“ – „Freut mich, wenn ich Ihnen behilflich sein konnte.“, machen das Lesen ebenfalls zum großen Vergnügen. Klasse sind auch die zahlreichen Missverständnisse, die sich aufgrund der Sprachunterschiede ergeben. So kann von Granny schon mal auf das Stichwort „cool“ als Antwort „eine Kuhle habe ich nicht gesehen“ oder ein „Psyche? So was habe ich nicht!“ kommen.

Für mich war es ja ein Wiedersehen, mit alten, längst liebgewonnenen Charakteren. „Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen gerecht.“ Granny ist bibelfest, streng gläubig, ganz im Gegensatz zu Sabrina. So ist natürlich Sabrinas Verhalten auch immer wieder „despektierlich“ für sie, schließlich kann die Enkelin fluchen und „benutzt Worte, die einen Droschkenkutscher zum Erröten bringen würden“. Durch den Kontakt mit ihrer Ur-Ur-Enkelin ist Granny inzwischen für ihre Welt schon fast fortschrittlich zu bezeichnen, was gefährlich werden kann für sie. Die impulsive Sabrina hat so richtig Glück mit ihrem Konrad. Ich glaube fast, den hat sie sich selbst gebacken. Er ist super nett, witzig, nachsichtig, kann mit Sabrina, was nicht immer so einfach ist, und für ihre beiden Kids ist er mehr als nur „pädagogisch wertvoll“. Der könnte mir auch gefallen. Heinrich, den „Womanizer des 19. Jahrhunderts“, konnte ich meist gut verstehen. Er ist ein Mann seiner Zeit, der Granny über alles liebt und sie so, zumindest hinter der Haustür, mehr Rechte hat als alle anderen Frauen. Auch die Nebendarsteller sind originell gezeichnet, bei Deppes Töchterchen Fritzi angefangen, die verbotenerweise Heinrichs Schwester Karla liebt, bis hin zu Sabrinas Eltern, die extrem tierlieb sind und bei denen der arme, ehemalige Straßenhund an Weihnachten sogar frischen Braten bekommt.

„Deine Umgebung weiß nichts von der Zukunft, weiß nicht, wie Frauen in hundert Jahren reden und denken. Wenn du es also heute tust, dann ist das sehr ungewöhnlich und erregt Anstoß“. Sehr gut gefällt mir an der Reihe auch, dass man viel darüber erfährt, wie die Menschen zu Grannys Zeit gelebt haben. Da gab es noch den Kuppelei Paragraphen, Homosexualität durfte auf keinen Fall ans Tageslicht kommen, völlig andere Brautmoden und eine Frau hatte eben nichts zu sagen, nicht zu denken und durfte sich stattdessen in ein Korsett quetschen. Ein Highlight hier war sicher Grannys Berlinbesuch, Dorfpomeranze in der Großstadt.

Der dritte Zeitreisekrimi spielt in der Weihnachtszeit, was durch Weihnachtsmarktbesuche, Familienessen an Heilig Abend und Sylvesterfeiern spürbar deutlich ist. Hier gefallen mir vor allem auch die zahlreichen Seitenhiebe super gut. Nicht nur Granny ist entsetzt über das heutige Weihnachten, was oft zum Kaufmarathon ausartet oder die Tatsache, dass es ab August Schoko-Nikoläuse im Supermarkt gibt, sondern auch Sabrina und mir stößt auf, dass das mit Besinnlichkeit nur noch äußerst wenig zu tun hat.

Alles in allem hat Angelika Godau wieder einmal ein gelungenes Gesamtpakt geschnürt, das ein perfektes Lesevergnügen mit Rätseln, Lachen, etwas über vergangene Zeiten erfahren und auch den einen oder anderen Denkanstoß bietet. Mit einnehmend liebenswürdigen und originellen Charakteren bin ich nur allzu gern auf Zeitreise gegangen und ich will schwer hoffen, dass es , entgegen der Ankündigung, dass es sich um eine Trilogie handeln soll, noch unzählige weitere Fälle geben wird.

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