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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

paris, französische polizei

Kommando Abstellgleis

Sophie Hénaff , Katrin Segerer , Hemma Michel
Audio CD: 1 Seiten
Erschienen bei Audio Media Verlag, 13.03.2017
ISBN 9783956391521
Genre: Krimi und Thriller

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

chiemsee, caroline lenz, alleinerziehend, küsse, neuanfang

Apfelstrudelküsse

Caroline Lenz
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 10.03.2017
ISBN 9783548288352
Genre: Liebesromane

Rezension:

Da mich die Autorin mit ihrem einfühlsamen, locker, leichten Schreibstil schon ganz wunderbar unterhalten hat, war ich sehr gespannt auf „Apelstrudelküsse“, dem Roman mit dem sie den Leser an den Chiemsee entführt.

Katharina hat von Hamburg und ihrer Stelle als Assistenzärztin die Nase gestrichen voll und hofft darauf mit beschaulichem Landleben und einer aussichtsreichen Stelle an der Kinderklinik ihrem Leben neuen Wind zu verleihen. Wenig begeistert von Landluft statt Großstadtfeeling ist natürlich ihre pubertierende Tochter Nina, was das Einleben etwas schwieriger gestaltet als erhofft. Auch ihre neue Stelle ist alles andere als der Traumjob, den sie sich vorgestellt hat. Wird sich mit Raumspray, Gute-Laune –Tee, Edelsteinwasser und Meditation etwas an dem schlechten Klima ändern lassen?

Man darf hier eine alleinerziehende Mama mit ihren Problemen mit der pubertierenden Tochter, die einen immer schwierigen Neuanfang startet begleiten. Fürs Herz gibt es eine Romanze, der nicht nur ein Stein im Wege liegt. Dazu gehört auch der Klinikalltag, der nicht nur von Zickenkrieg und fiesem Wettstreben um die Oberarztstelle gekennzeichnet ist, sondern auch interessante Fälle und Sorgen einer Klinik wegen finanzieller Schwierigkeiten zum Thema hat. Hier hat die Autorin wirklich toll recherchiert, fachlich kompetent, aber auch für den Laien zu verstehen, bekommt man einen tollen Einblick.

Der Sprachstil ist locker, leicht und man fliegt regelrecht durch die kurzweilige Geschichte. Die Autorin beschreibt wirklich sehr eindrucksvoll, wie wohl hätte ich mich doch in dem toll renovierten Bootshaus gefühlt oder hätte liebend gerne eine Mittagspause mit Blick auf den Chiemsee verbracht. Sie nimmt den Leser auch emotional mit und man hat Mitleid mit kleinen Patienten, eine Wut auf miese Kollegen und darf sich natürlich auch Schmetterlingen und Eifersucht hingeben. Es darf auch geschmunzelt werden, wenn ich z.B. nur daran denke, dass die Landfrauen nicht nur Strohbasteln im Angebot haben, muss ich jetzt noch grinsen.

Die Charaktere sind toll gezeichnet. Man kann sich gut in Katharina einfühlen und auch wenn ich nicht mit allen ihren Charaktereigenschaften identifizieren konnte, habe ich mit ihr gelitten und gefiebert. Wegen ihrer Differenzen mit Nina konnte ich oft schmunzeln, musste aber auch ganz schön schlucken, auch wenn ich das Mädchen gut verstehen konnte. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass diese sich doch relativ gut einlebt, der Pferdeliebe und einem netten Nachbarjungen Frederik sei Dank. Bei ihren Kollegen sind mir vor allem die gummibärchensüchtige Lena, die Katharina mit guten Tipps zur Freundin wird und der akribische Schorsch, der mich nicht nur einmal zum herzlich Lachen gebracht hat, so richtig ans Herz gewachsen. Sehr gut gefallen hat mir auch Felix, der Kliniklehrer, der mit seiner natürlichen Art und als lebenspraktisch trotz Pädagoge nicht nur bei mir so richtig punkten konnte. Für andere Kollegen treffen es die Kosenamen „Maserati-Lackaffe“, „Henriquarte- Bärtchen“ und „Style Marion“ ganz gut. Besonders herzig sind Katharinas Vermieter Gerta und Toni Wagner, mit denen sie einen richtig guten Fang gemacht hat. Die beiden verwöhnen nicht nur mit kulinarischen Köstlichkeiten und stehen mit Rat und Tat zur Seite, sondern  werden auch zu guten Beratern und einem Opa und Oma Ersatz für Nina.

Das Regionalkolorit ist toll eingefangen. Ruhiges, beschauliches Leben auf dem Land samt Landfrauentreff, Tieren und viel Ruhe, aber auch der Dorftratsch bleiben in Seebruck nicht aus. Toll wird auch die Landschaft beschrieben, Chiemsee ist komme! Richtig gut hat mir auch gefallen, dass hier relativ viel in Dialekt geplaudert werden darf.

Alles in allem bekommt man hier einen herrlich leichten Roman, der für kurzweilige Unterhaltung sorgt und erfolgreich an den herrlichen Chiemsee entführt. Vier Sterne plus und eine Leseempfehlung für alle die auf Liegestuhl oder Sofa gemütlich entspannen wollen.

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18 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

mörderjagd, serie, inselblick, krimi, christiane franke

Mörderjagd mit Inselblick

Christiane Franke , Cornelia Kuhnert
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.04.2017
ISBN 9783499290619
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich bin seit Anfang an großer Fan von diesem kultigen ostfriesischen Ermittlertrio. Ich habe mich daher riesig auf den vierten Fall für Rudi, Rosa und Henner gefreut und hatte mit „Mörderjagd mit Inselblick“ wieder einmal super gute Unterhaltung und einen spaßig, spannenden Kurzurlaub an der Nordsee.

Meta Hinrichs hat als Vorsitzende des Lesezirkels das Event schlechthin auf die Beine gestellt. „Ostfriesische Autorentage“, ganz klar dass sie alle Hände voll zu tun hat und die freiwilligen Helfer dünn gesiedelt sind. Nicht so Rosa, die sich natürlich liebend gerne nützlich macht. Begrüßungspakete übergeben, die Autoren zu ihren, überall in der Region verstreuten, Lesungen kutschieren, da ist sie in ihrem Element. Nicht zu vergessen ist auch ihre Hoffnung, den Literaturagenten Robert Goldbach von ihrem Roman zu begeistern. Doch kaum hat sie ihm davon berichtet, bricht der auch schon zusammen und stirbt vor ihren Augen. Angelblich ein Herzinfarkt! Kommt Rosa das schon komisch vor, ist für sie spätestens nachdem der Bestsellerautor Alexander Paulssen ebenfalls in ihrer Gegenwart zusammenklappt und wenig später im Krankenhaus stirbt, ganz klar, dass das kein Zufall sein kann. Schon ist ihr Ermittlerinstinkt geschürt und nach dem dritten Leichenfund muss sie sogar darum bangen, dass der allseits unbeliebte Kommissar Schneppel mit seinen Schnellschüssen sie nicht in Gewahrsam nimmt. Langsam kommen auch Dorfpolizist und Postbote Henner in die Gänge.

Der Krimi ist spannend von Anfang an. Man wird schnell Zeuge von Streitgesprächen, bei denen die eifersüchtige Literaturkritikerin Gesche Autor Paulssen eine Szene macht, weil er sie durch eine jünger Geliebte ersetzt hat. Eine Diskussionsrunde, bei der diese Kritikerin und auch der Literaturagent Goldbach regionale Schriftsteller übelst beleidigen und niedermachen, zeigt schnell, dass beide sich nicht nur Freunde machen. Wenig später fallen die beiden Herren um und sind tot. Wer da noch an Zufall glaubt, ist selbst schuld. Man darf hier nicht nur wegen einer ausgetricksten Mordmethode grübeln, sondern auch zahlreiche Verdächtige werden präsentiert. Eine ausgewechselte Liebhaberin, eine enttäuschte Ehefrau, Missgunst unter den Autoren, Demütigungen, die unter die Gürtellinie gehen, hier hätten viele ein Motiv einmal gründlich unter den Autoren aufzuräumen. Auch wenn sich dann für mich doch nach und nach schon abgezeichnet hat, wer am ehesten infrage kommt, waren die Ermittlungen spannend bis zum Ende.

Zur Mördersuche bekommt man ganz viel spaßige Unterhaltung. Henner kann sich sogar fernab auf der Insel nicht vor seinen zwei Verehrerinnen retten und ist reiflich genervt, was nicht nur für Zickenkrieg, sondern auch für jede Menge Grinser sorgt. Kommissar Schneppel lässt wie gewohnt andere die Arbeit machen, während er mit den Befragungen von den hübschen Damen beschäftigt ist und sich dabei keine Peinlichkeit erspart. Kein Wunder, dass seine Ehefrau seine Hemden nicht mehr bügelt. Da hilft auch nicht, wenn er am Ende die Lorbeeren um den Ermittlungserfolg an sich reißt. Immer wieder ein Erlebnis ist auch der Elführtje, bei dem auf amüsante Weise der ganze Dorftratsch auf den Tisch kommt und das Leben in dem kleinen Örtchen gut eingefangen wird.

Für mich war es ja ein Wiedersehen mit alten, liebgewonnenen Bekannten. Rudi, Rosa und Henner sind mir längst ans Herz gewachsen. Henner darf sich dieses Mal bei den Ermittlungen etwas raus nehmen, er muss sich schließlich um Liebesdinge kümmern. Rudi ist aber klar wie immer froh um Rosas tatkräftige Unterstützung. Auch die Nebendarsteller sind toll gezeichnet, bei der eifersüchtigen, italienischen Ehefrau angefangen, die ihrem Gatten eine Szene macht, die sich gewaschen hat, über Möchtegern Autor Ottwin Otten mit seinem Atemlos Trauma, bis hin zu Ludwig, dem Reporter der Mitmachzeitung, der sich mit seinen Berichten wie immer mal wieder recht weit aus dem Fenster lehnt.

Henner weilt zur Kur auf Norderney und sein Schwärmen für die Insel ist richtig ansteckend. Tolle Beschreibungen und Informationen machen richtig Lust auf Urlaub dort, oder auch in Neuharlingersiel, wo die Vorbereitungen für das Hafenfest, das sicher einen Besuch wert ist, in vollem Gang sind. Frisch gepulte Krabben, leckeren Heringssalat oder Plattfisch machen einem den Mund wässrig. Ganz klar fehlt auch die ganz typische Teezeremonie Elführtje samt Kluntjes und Sahne nicht.  Immer wieder ein Erlebnis ist auch ein Besuch auf dem Steffens Hof bei Henners Großfamilie, da dürfen Muddern und Vaddern frei Schnautze in Dialekt plaudern.

Im Anhang gibt es ein Personenverzeichnis und natürlich auch einige Rezepte direkt aus dem leckeren Programm, mit dem Henners Muddern die Großfamilie immer so gut versorgt.

Der Schreibstil der Autorinnen liest sich locker, leicht und man fliegt, leider viel zu schnell, durch die Seiten. Liebenswerte Protagonisten, witzige, spritzige, teils auch spitze Dialoge, immer wieder auch ein bisschen Dialekt und vor allem eine gehörige Portion Spannung machen diesen Ostfriesenkrimi, der sich auch wirklich so nennen darf, zum großen Vergnügen, das auf jeden Fall 5 Sterne von mir bekommt.

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10 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

konstan, philosophisch, 201, torso, mord

Die dunkle Seite des Sees

Tina Schlegel
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 18.04.2017
ISBN 9783740800789
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der letzte Fall hat einige Opfer gefordert und hängt dem ganzen Polizeiapparat in Konstanz noch nach, ganz besonders aber Kommissar Sito, der dabei psychisch seine Grenzen überschritten hat. Eine zusätzliche Magenkrebs Erkrankung ist inzwischen glücklicherweise erfolgreich behandelt und er kann aus dem Krankenhaus entlassen werden. Aber ist er auch schon fit für die Ermittlungsarbeit, hat er den Kopf schon frei genug? Zuhause sitzen, ohne richtige Aufgabe, bringt ihn nur unnötig ins Grübeln und daher steht er schon wenig später zum Dienst in seinem Büro. Wie wenn der Frauenkopf auf ihn gewartet hätte, taucht dieser auch schon auf. Nach dem Fund des nicht dazu passenden restlichen Körpers ist die Gefahr groß, dass hier ein Serientäter am Werk ist. Eine SOKO sucht verzweifelt nach Hinweisen und Sito findet sich immer mehr in den Fängen des alten Falles wieder. Wird es trotzdem gelingen diesen komplexen Fall zu lösen?

Es geht sofort spannend und ergreifend los. Die einzelnen Perspektiven überschlagen sich nahezu mit Ereignissen. Es gibt einen Mann, der eine Frau noch ein letztes Mal lieben muss, bevor sie der Tod erwartet. Dann geschieht ein Unfall, bei dem eine Mutter mit Kind tödlich verunglückt. Sito mit seinen psychischen Problemen wird frisch aus der Klinik entlassen, interne Ermittlungen und psychologische Gutachten drohen, ist er überhaupt einsatzfähig? Der Täter mordet, ist fasziniert vom Töten. In der Uni Bibliothek brennt es und ein Mann kommt ums Leben. Schließlich der Fund des ersten Frauenkopfes, wenig später der Torso, allerdings der einer anderen Frau. Ein Kind wird entführt, kehrt zwei Tage später nahezu unversehrt zurück und trägt eine Botschaft. Wie passt das alles zusammen, wird Sito dem Fall gewachsen sein und wie kann man den scheinbaren Serientäter stoppen? Ein Wettlauf gegen die eigene Psyche und die Zeit beginnt, der den Leser nicht mehr aus den Fängen lässt. Auch wenn sich der Täter schon vorzeitig abzeichnet, muss man unbedingt weiter lesen, weitere Frauen sind noch in Gefahr und schließlich geht es um die Ergreifung des Mörders.

"Die dunkle Seite des Sees" ist der zweite Band um Kommissar Sito. Für mich war es der erste und ich empfehle sehr mit dem ersten Teil zu beginnen. Die ersten gut 50 Seiten habe ich mehrfach überlegt, ob ich nicht zuerst doch den ersten Band kaufen und lesen soll. Zahlreiche Namen, schnelle Wechsel der Perspektive und vor allem die ganzen Nachwehen aus dem letzten Fall, die hier alle Protagonisten so sehr beschäftigen und die ich nicht kannte, haben mir den Einstieg wirklich schwer gemacht. Allerdings spätestens nach dem ersten Leichenfund hatte ich die nötigsten Zusammenhänge im Kopf und der Krimi, den ich schon fast als Psychothriller bezeichnen würde, hat mich völlig in den Bann gezogen.

Der Schreibstil der Autorin ist knapp, schnörkellos, was mir grundsätzlich immer gut gefällt. Sie arbeitet mit zahlreichen Perspektivwechseln, die für extreme Spannung sorgen und einmal eingelesen, sind die die Seiten nur so dahin geflogen. Man merkt an zahlreichen Zitaten deutlich, dass Tina Schlegel gut recherchiert hat und sehr belesen ist. Auch philosophisch angehauchte Dialoge hat sie in petto.

Die Protagonisten haben sind fast alle nicht geradlinig und unproblematisch. Einer der Hauptakteure ist sicher Sito. Ihn plagen Alpträume wegen der Erlebnisse im letzten Fall, der Tod seiner Frau belastet ihn, er ist sich unsicher, was seine Beziehung zur wesentlich jüngeren Miriam betrifft, er hat Probleme sich mit seinen Ängsten jemandem offen anzuvertrauen. All das hemmt den bisher so erfolgreichen Kommissar und bremst ihn immer wieder aus. Leider lässt er Psychologe und Profiler Roman Enzig, der ihm nicht nur Kollege, sondern auch wirklich guter Freund ist, zu wenig an sich heran. Enzig war mir sehr sympathisch. Auch er hat seine Probleme, vor allem in Liebesdingen. Mit ihm darf man sich freuen, muss aber auch richtig leiden, denn der neue Fall fordert seine Grenzen über die Maßen. Äußerst interessant und psychologisch ausgefeilt ist der Mörder gezeichnet, hier hat mich die Autorin richtiggehend begeistert. Auch alle anderen Mitspieler sind differenziert dargestellt und geschickt zusammengestellt.

Die Stimmung am Bodensee und in und um Konstanz wird toll eingefangen. Die Hitze, die über dem See liegt, die sich auftürmenden Gewitterwolken, die sich wieder nicht entladen und für Abkühlung sorgen, ein langer heißer Jahrhundertsommer all das fühlt man beim Lesen fast selbst. Außerdem darf man durch Konstanz mit seinen beliebten Plätzen und Sehenswürdigkeiten bummeln oder auch am Rheinufer entlang joggen gehen. Dialekt gibt es keinen, aber da mich der Plot so gefesselt hat, fand ich das auch nicht weiter schlimm.

Alles in allem verdient dieser psychologisch ausgefeilte, höchst spannende „Krimi“ trotz meiner doch nicht ganz unerheblichen Startschwierigkeiten noch 5 Sterne, da mich die Autorin wirklich gefangen genommen und begeistert hat.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

hund

Gib dem Menschen einen Hund ...

Petra Kania
Flexibler Einband: 28 Seiten
Erschienen bei Papierfresserchens MTM-Verlag, 31.03.2017
ISBN 9783861966838
Genre: Romane

Rezension:

Mein Cocker Spaniel ist auch mein bester Freund und ich könnte mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen. Ich habe mich deshalb sehr über dieses Büchlein, bei dem mir schon ein scheinbar ebenso lebenslustiger Cocker vom Cover entgegen strahlt, gefreut.

Man bekommt als Leser auf übersichtlichen 28 Seiten fünf verschiedene Texte geboten. Es beginnt mit „Picassso erzählt“, einer Geschichte aus Hundeperspektive. Er hatte es im Leben nicht einfach und ist dabei zweimal im Tierheim gelandet. Nicht nur sein Los, sondern auch das Los der anderen, von dem er erzählt,  hat mich sehr betroffen gemacht, allen voran das von Pitbull Matacho, der als Kampfhund herhalten musste. Er „Ist schon eine arme Socke, denn das Blutrünstige sitzt wie eintätowiert in ihm.“ Dieser Erzählung schließt sich das Gedicht „Dankesworte an meinen Hund“ an, bevor es mit dem Erfahrungsbericht „Mach schön Gassi“ weiter geht. In einer Art Tagebuch, das Protokoll führt, geht es hier um das Problem mit dem Sauberwerden und der Wahl des richtigen Tierarztes. Man erkennt sich als Hundehalter wieder, aber die anderen Abschnitte haben mir besser gefallen. Super auf den Punkt gebracht hat die Autorin, meiner Meinung nach, in der Satire „Der Wunschhund“, warum für manche ein Plüschtier die bessere Alternative ist. Den Abschluss bildet die Kurzgeschichte bzw. eine Art innerer Monolog mit dem Titel „Gute Reise, mein Freund“. Hunde können leider nur einen Abschnitt des Lebens begleiten und deshalb gehört auch Abschiednehmen dazu, was hier von der Autorin sehr einfühlsam verarbeitet wird.

Es ist zu spüren, dass Petra Kania schon immer Hunde begleitet haben und auch, dass die Fellnasen ihr viel bedeuten. Die Liebe zu ihren treuen Wegbegleitern wird sehr deutlich.

Es handelt sich um ein broschiertes Buch mit übersichtlichen 28 Seiten, die schnell gelesen sind. Wie schon das fast komplett schwarz-weiße Cover vermuten lässt, sind auch die vier ganzseitigen und die vier kleineren Bilder im Innern nicht farbig. Nichts desto trotz treffen sind den Hundefreund im Herzen und sind sicher liebevoll ausgewählt.

Ich habe das Buch als Geschenk erhalten, ob ich allerdings in der Buchhandlung diesen Preis dafür ausgegeben hätte, wage ich schwer zu bezweifeln. Dazu müsste das Layout für mich ansprechender gestaltet sein. Hier können mich zahlreiche andere erhältliche Geschenkbüchlein, die sich als Mitbringsel eignen und teilweise schon zu einem günstigeren Preis erhältlich sind, mehr überzeugen.  Die empfohlene Altersangabe 12-15 passt in meinen Augen auch nicht wirklich, ich denke eher, dass eher Erwachsene ihre Freude haben werden.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Der Duft von Liebe und Limonen

Elisabetta Flumeri , Gabriella Giacometti , Verena von Koskull
Fester Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 11.04.2017
ISBN 9783352008955
Genre: Liebesromane

Rezension:

Erst kürzlich hat mich das Autorenduo mit „Die Zutaten der Liebe“, wirklich sehr gut unterhalten und gelungen in die Toscana entführt, deshalb war ich sehr gespannt auf diesen Ausflug nach Capri.

Melania ist geht gerade mit einigen Kindern aus dem Heim ihrer Freundin Viola, ihrer Leidenschaft  Kuchen zu backen nach, als sie einen Anruf von ihrem Verleger erhält. Er bewilligt zwar nicht ihr erträumtes Buchpojekt, macht ihr aber das Angebot auf Capri für den renommierten Koch Fabrizio Greco dessen Biografie zu schreiben. Ihr Blog Cake Garden hat Fabrizio wohl auf sie aufmerksam gemacht und der medienscheue „König des erotischen Essens“ hat beschlossen, sie schreibt für ihn als Ghostwriterin, oder es gibt überhaupt keine Autobiografie. Mel ergreift die Chance und findet sich schon bald im traumhaften Capri wieder. Aber nicht nur die Insel mit all ihrer Schönheit fasziniert sie, sondern auch Fabrizio und dessen Kochkreationen nehmen Mel gefangen, sogar viel mehr als ihr lieb ist.

„Die Liebe ist eine wunderschöne Blume, die am Abgrund wächst. Man muss nur den Mut haben, sie zu pflücken.“, werden die beiden den Mut aufbringen? Mel will professionell bleiben, was heißt, sie darf ihn nicht zu nahe an sich heran lassen. Fabrizio möchte, dass sie das Begehren selbst erlebt um sich besser in ihn hineindenken zu können. Das sind die Ausgangsbedingungen für ein spannendes Hin und Her, das durch Geheimnisse in beider Vergangenheit noch eine weitere Ebene bekommt. Sex oder Liebe, was schenkt die wahren Emotionen?

Der Schreibstil liest sich locker leicht und man fliegt fast durch die Seiten, die ideale Geschichte um abzuschalten und sich nach Capri zu träumen. Gut haben mir die kursiven Einschübe von Mels Gedanken gefallen. Da kann schon einmal ein ironisches „Ein Musterbeispiel an Bescheidenheit“, ein verärgertes „Soll ich die Geschichte eines Gigolos schreiben?“ oder ein sich selbst in die Schranken verweisendes „Schluss jetzt Mel“ kommen. Man kann sich so richtig gut in Mel hinein versetzen. Man darf dabei ganz oft schmunzeln, muss aber stellenweise auch mitleiden. Zum richtig Lachen und Schmunzeln sind die zahlreichen Zankereien zwischen Rosa und Zia Maria, den beiden Tanten ihres Vermieters. Dem Autorenteam gelingt es toll Atmosphäre aufzubauen. Sowohl der Flair der Insel, als auch das Knistern der Luft vor Leidenschaft wird gut eingefangen. Für Fabrizio ist Sex wichtig, weil er ihm angeblich Emotionen schenkt. Allzu ausufernd sind die Schilderungen aber zum Glück nicht, so war es für mich noch im Rahmen für einen Liebesroman, mit erotischer Literatur habe ich es nämlich nicht. Braucht man ein Happy End bei einem Liebesroman, für mich nicht zwingend und ich weiß nicht, ob mir die Geschichte nicht ohne vielleicht sogar noch besser gefallen hätte.

Mel war mir von Anfang an sympathisch. Die liebenswerte junge Frau hat ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen, ist freundlich und zuvorkommend, hat aber auch ihren Stolz, lässt sich die Butter nicht vom Brot nehmen und auch von Fabrizio nicht einfach um den kleinen Finger wickeln. Dass diesem eine Frau nicht sofort zu Füßen liegt, ist er nicht gewohnt. „Schlechter Charakter, reizbar, empfindlich, zu sehr von sich eingenommen, nicht sonderlich kritikfähig“, so lautet Mels Einschätzung, die man als Leser zumindest anfangs sicher teilen kann. Sehr gut hat mir der Familienanschluss gefallen, den Mel mit ihrem kleinen Appartement bei Antonio gefunden hat. Denn die d`Acenzos nehmen sie wie eine Tochter auf und Mel fühlt sich zum ersten Mal so richtig als Teil eines harmonischen Familienlebens, trotz oder gerade wegen der amüsanten Reibereien zwischen den Tanten Rosa und Zia Maria. Die beiden sind herzallerliebst, versorgen Mel dabei fast schon um die Wette mit einer Fülle an kulinarischen Köstlichkeiten und haben trotz ihres Alters noch Humor. Richtig ans Herz gewachsen ist mir auch der liebenswerte Nando, Fabrizios Onkel, der ihm nicht nur seinem Neffen eine Hilfe ist, sondern auch zum guten Freund für Mel wird.

„Essen ist nicht nur Ernährung, es ist Leidenschaft. Erst muss es dein Auge verführen, dann deinen Gaumen.“, „Es ist ein Vorspiel für die Liebe.“. Dies ist Fabrizios Einschätzung und diese wird hier immer wieder mehr als deutlich. So darf man als Leser z.B. nicht nur von seinem ersten selbst kreierten Dessert, dem „Red Passion Becher“ aus Kirschen, Erdbeeren, Johannisbeeren, Sahne, Chilli und Schokolade bei der Beschreibung „Ein Nachtisch, der dich erst entspannt, dann verführt und schließlich verbrennt.“ träumen, sondern bekommt im Anhang auch noch das Rezept, sowie zahlreiche weitere, dazu geliefert. Essen nimmt hier einen großen Raum ein und ich habe mit einem reichlich wässrigen Mund gelesen, bei all den verlockenden Gaumenfreuden.

Das Buch ist mehr als eine Hommage an Capri. Hier sind die Leidenschaft und die Begeisterung für diese Insel regelrecht zu spüren und der Funke springt beim Lesen auch über. Die Magie der Orte, „Schattierungen des Grüns, das leuchtende Lila der Bougainvilleen, das durchdringende Blau des Meeres“ ich hatte es direkt vor meinen Augen. Viele der Schauplätze und ganz besonders die Orchideenwiese im Schmetterlingsgarten nahe des Monte Solaro muss ich wohl ganz unbedingt einmal mit eigenen Augen sehen, so atemberaubend toll wird alles beschrieben. Hier muss man ins Träumen kommen.

Alles in allem eine spritzige Sommerliebesgeschichte voller Leidenschaft, zahlreicher kulinarischer Gaumenfreuden und grandiosem Capri Flair, die die Sehnsucht nach Urlaub und gutem Essen weckt. Eine Spur besser hat mir noch der Vorgänger gefallen. Natürlich handelt es sich um leichte Unterhaltung, aber das sollte bei der Buchbeschreibung ja schon klar sein, und deshalb bekommt die Geschichte von mir noch 5 Sterne.

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39 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

psychothriller, thriller, wahn, sabine trinkaus, stalking

Seelenfeindin

Sabine Trinkaus
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Emons Verlag, 23.03.2017
ISBN 9783740800833
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sabine Trinkaus hat mich schon mit ihren Krimis mehr als fesselnd unterhalten und deshalb war ich sehr gespannt auf ihren ersten Thriller, geht noch mehr Psychothrill? Ja es geht!  „Seelenfeindin“ ist ein regelrechter Pageturner, der mich völlig in den Bann gezogen und mich stets im Ungewissen gehalten hat.

Nadja Schönberg hat sich in Hamburg einen Namen als erfolgreiche Psychiaterin gemacht, bis sie der Selbstmord einer Patientin, trotzdem sie keine Schuld trifft, als „Todes-Ärztin“ abstempelt. Mit einem Umzug aufs Land und einer neuen Stelle, die ihr ihr ehemaliger Studienkollege Johannes, Chefarzt der noblen, privaten Elbmarsch-Klinik, angeboten hat, will sie mit ihrer Vergangenheit abschließen. Dies scheint auch zu glücken, denn sie steht kurz vor der Beförderung zur leitenden Oberärztin. Doch als sich die bekannte Fernsehmoderatorin Konstanze Friedrich bei ihr in Behandlung begibt, ist nichts mehr wie es scheint und Nadja wird von ihrem komplizierten Fall regelrecht aufgesogen. Holt sie die Vergangenheit ein? Konstanze fühlt sich von ihrem Exfreund Klaus bedroht, scheint unter Verfolgungswahn zu leiden, wirkt aber psychisch völlig gesund. Wahn oder Wirklichkeit?

Es geht sofort mit einer schockierenden Szene los. Konstanzes Hund Foxi wird vor ihren Augen von einem Mann brutal abgeschlachtet und ausgeweidet. Ihre Freundin Regine, die sie zur Hilfe ruft, findet jedoch keine Spuren, Foxi ist spurlos verschwunden. Hat Konstanze sich das Ganze eingebildet, ist sie verrückt, irre geworden, oder spielt ihr Exfreund ein so ausgeklügeltes Spiel um sie zu zerstören? Telefonterror, Drohbriefe, ist das alles nur eingebildet, schafft sie sich ihre ganz eigene Wahrheit? Nach Aussage von Klaus ja. Auch die Polizei konnte ihm keinerlei Stalking nachweisen. „Zwei Geschichten, die sich genau da überschnitten, wo sie nachprüfbar waren.“  Nicht nur Nadja auch der Leser bekommt ständig zwei Versionen, die ungeheuerlich und glaubhaft zugleich sind, geboten. Ich wusste irgendwann überhaupt nicht mehr wem kann ich glauben, nicht einmal mehr Nadja selbst. Was ist Wahn, was ist Wirklichkeit, was ist gesundes Misstrauen, was ist völlig übertrieben?

Als Leser darf man Nadjas Therapiesitzungen mit Konstanze verfolgen, ist bei Treffen mit deren Exfreund Klaus dabei, holt mit ihr bei der Polizei Nachforschungen ein und beobachtet auch die Besuche von Regine, und dem gehörig Druck machenden Agenten Koch in der Klinik. Zudem lebt man gemeinsam mit Nadja ihr Leben, bei dem es Ärger mit dem Vorgesetzten Johannes gibt, der ihr den Fall immer weniger zutraut. Auch ein aufdringlicher Nachbar sowie Geschenke mit fadem Beigeschmack in Garten und vor der Tür gehören dazu. Seltsame Mails erreichen sie, die Vergangenheit scheint sie wieder einzuholen.

Der Schreibstil ist prägnant und aussagekräftig. Ich habe mich sofort mit dem Buch wohl gefühlt. Der Autorin gelingt es perfekt Atmosphäre zu erschaffen. Sie lässt den Leser wirklich miterleben was es heißt, zwischen Wirklichkeit und Wahn nicht mehr unterscheiden zu können. Man bekommt abwechselnd die Version von Konstanze und weiterer Involvierter präsentiert, zusätzlich in kursiver Schrift Beobachtungen, die mich vor mehr als ein Fragezeichen gestellt haben. Sabine Trinkaus lässt den Leser im Ungewissen, was einen unglaublichen Reiz ausmacht. Sehr gut gefallen mir auch die zahlreichen ausdrucksstarken Sprachbilder die sie verwendet, wie z.B. „Eine kleine schmutzige Lache von Versagensangst, in der ich zu zerfließen drohe.“ oder „ Es war auf ungesunde Art wohltuend, sich in den vertrauten Schmerz fallen zu lassen wie in ein giftig stinkendes Federbett“, die die Verfassung mehr als deutlich machen oder auch mit einem „Nichts für ungut, Sie sehen aus wie Buttermilch mit Spucke.“, für ein Grinsen sorgen.

Die Charaktere sind hervorragend gezeichnet. Nadja hat ihr Päckchen aus der Vergangenheit zu tragen. Der Selbstmord der Patientin belastet sie, auch wenn sie rechtlich keine Schuld trifft. Sie darf auf keinen Fall wieder versagen und je verzwickter der Fall wird, desto größer wird die Angst. Ihre Panikattacken, die sie im Griff zu haben glaubte, leben wieder auf. Wie lange wird sie ihren Raptus noch unter Kontrolle bringen können? Ihre Beziehung zu ihrer großen Liebe Thomas ist in die Brüche gegangen, ihr Verhältnis mit dem verheiraten Johannes ist mehr als wackelig. Diverse Wunden, die sie zu versorgen hätte. Konstanze ist eine Karrierefrau, die als Schauspielerin ihre Rolle überzeugend spielen kann. Einmal kalt, abweisend, einmal hilfsbedürftig und verzweifelt, was ist echt? Spielt sie auch in der Klinik, bei ihren Sitzungen mit Nadja? Muss man sie bemitleiden, kann man ihr trauen, ich war ständig hin und her geworfen. Ebenso bei ihrem Exfreund Klaus, der seine Opferrolle mehr als überzeugend spielt, in Konstanzes Version jedoch völlig besessen ist. Auch die Nebendarsteller sind äußerst geheimnisvoll. Ist der hilfsbereite, aber extrem aufdringliche Nachbar Dirk auf der Suche nach Kontakt, oder steckt mehr dahinter? Regine, ist sie wirklich eine sehr gute Freundin, die das Beste will, oder nimmt sie im ganzen Szenario vielleicht doch eine ganz andere Rolle ein? Ist Konstanzes Agent Koch wirklich nur auf Profit bedacht, will sie wieder einsatzfähig sehen und alles vor der Öffentlichkeit verbergen, oder hat er sie eigentlich sowieso auf der Abschussliste?

Alles in allem ist es Sabine Trinkaus hier wirklich gelungen einen Thriller zu schreiben, der den Namen Psychothriller verdient, und der mich von Anfang bis Ende gefesselt und mehr als spannend unterhalten  hat. Völlig begeisterte 5 Sterne für diesen Pageturner.

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20 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

kater, mops, entführung, detektive, urlaub

Kalle und Kasimir - Flitterwochen im Pfötchenhotel

Mirjam Müntefering
E-Buch Text
Erschienen bei beHEARTBEAT by Bastei Entertainment, 01.02.2017
ISBN 9783732528363
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich liebe die tierisch genialen Krimis aus Miriam Münteferings Feder, habe mich wahnsinnig auf die Flitterwochen von Mads und Linna gefreut und den Ausflug ins Pfötchenhotel darf man sich wirklich auf gar keinen Fall entgehen lassen.

Dieses Mal beginnt es mit dem Hochzeitstag. Kaum hat Mops Kalle die Bettdecke als Brautkleid enttarnt und bei Linna ist die „Zuckerbrezelfrisur“ samt „Gesichtsbemalung“ fertig, kann es auch schon los gehen ins „Trau dich Zimmer“. Kalle darf natürlich nicht fehlen, schließlich muss er ja Mads die Ringe für seine Linna überbringen. Nach einer gelungenen Feier, geht es auch schon ab Richtung Österreich. Die Hochzeitssweet im Luxushotel, das extra „Katzenbespaßer“ und „Hundestitter“ anbietet, ist natürlich „schickobello“, doch leider werden in dem Hotel fellige Vierbeiner entführt um von den exquisiten, gut betuchten Gästen Lösegeld zu erpressen. Ganz klar ein neuer Fall für Kalle und Kasimir, das eingeübte Ermittlerduo. Überraschende Erkenntnisse und noch zusätzliche Diebstähle halten die beiden gehörig auf Trab.

Wie immer gibt es bei Kalle und Kasimir eine gelungen, bunte Mischung. Allen voran natürlich Tierisches, bei dem sich jeder Tierbesitzer mit ganz großer Sicherheit wieder finden wird. Schon alleine deshalb ist es jedes Mal ein riesen Spaß die Fälle dieser Reihe zu lesen. Kasimir, der so stolze Kater, der ja nie Gefühle zeigen will, wird hier auf eine harte Probe gestellt  Kalle, der laut Kasimir „ausschließlich futtergesteuert“ ist, muss natürlich wieder oft abwägen, Lachshäppchen oder Observieren und  Ermitteln, darf aber auch beweisen, dass er inzwischen auch schon gelernt hat. Grandios gezeichnet werden auch die zahlreichen Szenen bei der tierischen Betreuung, bei der die anwesenden Fellnasen kurzerhand zu Hilfsermittlern ernannt werden. Man könnte fast meinen, die Autorin lässt die Tiere selbst schreiben. Ganz genau so stelle ich mir zumindest die Gedanken meines Hundes auch immer vor. Ich denke jeder, nicht nur Tierfreund, sondern Leser ganz allgemein, kann sich einfach nicht dagegen wehren, Kater und Mops, samt allen anderen, liebzugewinnen.

Fürs Herz ist man in den Flitterwochen mit dabei und Mads geizt nicht mit Komplimenten, die sich die Vierbeiner natürlich auch gerne abschauen. Ob die Worte, die Linna glücklich machen, im Tierreich auch so gut ankommen, wird natürlich nicht verraten.

Außerdem bekommt man natürlich auch einen Kriminalfall an sich, bei dem es nicht nur einen „fetten Fisch“ zu angeln gibt. Klar, es handelt sich hier ja schließlich um tierische Detektive. Als Leser ist man live bei den tierischen Ermittlungstouren mit dabei und bekommt so natürlich mit, was andere Zweibeiner nicht sehen können. Man kann rätseln und kombinieren und dieses Mal hat die Autorin für so manche Überraschung gesorgt, mit der ich so gar nicht gerechnet habe. Spannung und Wendungen bis zum Ende sind geboten, langweilig wird es garantiert nicht. Toll ist auch, dass Tiere und Menschen nur wie im echten Leben kommunizieren können, sprich da müssen Kalle und Kasimir besonders findig sein, wenn sie Mads und die anderen auf die richtige Fährte führen wollen.

Der Schreibstil der Autorin liest sich einfach nur herrlich unbeschwert, so richtig zum leider viel zu schnell durch die Seiten zu fliegen. Ich habe mit einem steten Dauergrinsen im Gesicht gelesen, das nur durch laute Lacher unterbrochen wurde.  Herrlich sind Kalles Probleme mit den Fremdwörtern, bei denen er ganz eigene Kreationen findet. Zu meinen Highlights in diesem Band gehören sicher „sushipekt“ anstelle von suspekt, oder auch statt seriösem Hotelchef „poröser Österreicher“. Die zahlreichen witzigen Szenen und herrlichen tierischen Dialoge tun ihr Übriges dazu dass hier unheimlich viel geschmunzelt werden darf.  Die einzelnen Kapitel werden wie immer abwechselnd von Kalle und von Kasimir berichtet.

Ich bin vom ersten Fall an dabei und mir ist die Truppe ja schon längst ans Herz gewachsen. Allen voran natürlich Mops Kalle, die etwas besser beliebte Knutschkugel. Dass bei ihm bei Wurstzipfel mit brauner Soße, nix mehr geht, ist schon klar. „Ich sach ma so“, Kasimir könnte mit seinem "ausschließlich futtergesteuert" echt recht haben! Aber er hat auch den „gestreckten Mopsgalopp“ in petto, wenn es darauf ankommt. Mit seiner Herzensdame Amanda das „immer unheimlich scharfe Rasseweib mit den Augenbrauen und Pfoten in derselben Farbe wie Karamellpudding“, hat er dieses Mal nur ein kurzes Date, schließlich geht es ja auf Reisen. Kater Kasimir, den ich inzwischen mindestens genauso gerne mag, kombiniert wie immer gut und erklärt Kalle die Welt und das mit den Fremdwörtern. Aber dieses Mal darf man den Chefermittler auch von einer etwas anderen Seite kennenlernen, was mir super gut gefallen hat. Für Mads und Linna darf man sich so richtig freuen, klar frisch verheiratet und dass ich sie mehr als sympathisch finde, ist ja selbstverständlich, schließlich könnten es Kalle und Kasimir nirgends auf der Welt besser haben als bei den Zweien. Richtig gut gefallen haben mir die tierischen Hilfsermittler aus der Tierbetreuung, bei Chihuahua Schuschu angefangen, die entdecken darf, wie toll selber Laufen ist, über die schielende Katzendame Stanzerl, bis hin zur mehr als stolzen Main Coon Penelope, der eine bedeutende Rolle eingeräumt wird.

Alles in allem ein tierisches Lesevergnügen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite mehr als gelungen, herzerfrischend, witzig und spannend unterhalten hat. Völlig begeisterte 5 Sterne für diesen grandimopsigen Fall.

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

freisal, mord, berlin, kommissar, bernhard mannhardt

Mordsalibi

Bernd Mannhardt
Audio CD
Erschienen bei HÖRMAL!, 28.03.2017
ISBN B06XPKXXV3
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ich bin ein großer Fan von Autor Bernd Mannhardt und ganz besonders auch von seiner Krimireihe um den knauzigen Kommissar Hajo Freisal. Ich warte schon jetzt sehnsüchtig auf den dritten Teil, der im Herbst endlich erscheinen wird, daher kam mir dieses Hörbuch zum Überbrücken der Wartezeit mehr als gelegen.

Mit dem Gedanken „Muss abspecken“ stellt sich der knauzige Kommissar Hajo Freisal vor. Ihn bringen nicht nur die überflüssigen Pfunde, die den Dienstwagen beim Einsteigen schon mal in die Knie zwingen, und die 37,7° Grad, die in Berlin aktuell herrschen, ins Schwitzen. Nein auch eine Mordserie an jungen Frauen und dazu ein Tatverdächtiger, den er gern überführen würde, der aber scheinbar ein gutes Alibi hat, bringen ihn zum Kochen. „Eigentlich besaß Freisal Humor und verfügte über Herz mit Schnauze, aber im Moment tendierten Frohsinn und Mutterwitz gegen null.“ Dies ist ganz schlecht, vor allem auch für seine junge Kollegin Yasemine Gutzeit. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Fall gelöst wird, bevor die gute Laune gänzlich abhandenkommt.

Als Hörer bekommt man in dreißig Minuten einen kniffeligen Fall geboten, darf sich von Freisals Einfällen überraschen lassen und erhält zusätzlich noch einen kleinen Crashkurs in Sachen Rilke-Lyrik.

Mir sind Hajo Freisal und Yasemine Gutzeit schon längst ans Herz gewachsen und hier bekommt man eine kleine Kostprobe der beiden und von ihrer Zusammenarbeit. Sie sind ein perfektes Team. Hier ergänzen sich Erfahrung und frischer Wind und menschlich passt es bei den beiden einfach super. Beide gehen respektvoll miteinander um, aber die eine oder andere Spitze fehlt auch nicht. So kann Yasemine schon mal sagen, dass Schwarz eine suboptimale Hemdfarbe bei der Hitze sei.

Eine feine Prise Berliner Lokalkolorit ist in der Kurzgeschichte ebenfalls zu finden, schließlich mordet der Täter im Tegeler See und legt seine Opfer auch in dieser Gegend ab.

Das Duo Autor Bernd Mannhard und Sprecher Matthias Ernst Holzmann hat mich schon bei „Der Nylonstrumpfmaschinenenführer“ überzeugt. Der Sprecher hat eine für mich sehr angenehme Stimme, der ich gerne lausche. Die sonore Stimmlage passt hervorragend zum beleibten, gestandenen Kommissar. Aber auch für Yasmine und die anderen Mitspieler findet er entsprechende Variationen. Ganz nett fand ich auch die musikalischen Einspielungen, die wohl die Spannung noch zusätzlich untermalen sollen.

Selbst nachlesen kann man im Übrigen diesen Krimi bei den  „Mordfidelen Geschichten für quietschvergnügte Leser“, die man im Taschenbuch mit dem Titel „Du kommst mir gerade richtig!", findet.

Sicher ist das Hörbuch allen zu empfehlen, die Hajo Freisal kennen und lieben lernen wollen. Man schafft sich so optimale Startbedingungen um ohne weitere Vorkenntnisse der ersten Fälle in die Reihe einzusteigen. Für Fans von Hajo und Yasemine ist es ohnehin Pflicht und für alle anderen ist es auf jeden Fall kurzweilige Unterhaltung, die mit einem ausgetüfftelten Kurzkrimi und einem hervorragenden Sprecher aufwarten kann.

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83 Bibliotheken, 22 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

essen, kellnern, sein leben leben, kellner, new york

Sweetbitter

Stephanie Danler , Sabine Kray
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783351036720
Genre: Romane

Rezension:

Tess will dem monotonen Kleinstadtleben entkommen, endlich zu leben beginnen und denkt, dass sie das in New York kann. Mit 146 € auf dem Konto und ohne richtigen Plan macht sie sich auf den Weg. Durch Kontakte einer unliebsamen alten Dame, die Stammgast in dem Cafe war, in dem sie kellnerte,  hat sie schon ein Zimmer in Brooklyn.  Kellnern war nicht ihr eigentliches Ziel, aber das schnelle, gute Geld lockt sie und ihr neuer Mitbewohner lotst sie in dieses ganz besondere, noble New Yorker Restaurant. Allerdings muss Tess hier schnell erkennen, dass sie vom Kellnern, trotz ihrem Job im Cafe nicht den Hauch einer Ahnung hat. Mühsam heißt es zu allererst den Horror der Einarbeitung überstehen, bevor sie als Hilfskellnerin starten darf. Durch Simone lernt sie nach und nach die Geheimnisse von Genuss und vor allem Wein kennen. Tess ist fasziniert von dieser ganz eigenen Welt, aber mehr noch von Barmann Jake.

Die Autorin gliedert ihren Roman in vier Abschnitte, entsprechend der vier Jahreszeiten. Tess landet im Sommer in New York und der erste Teil handelt hauptsächlich von ihrer Einarbeitung, zu heiße Teller, zerbrochene Gläser, verbrannte Hände, Schnittwunden, ständige Angst etwas falsch zu machen, sich nicht trauen aufzuschauen, sich einsam fühlen, Alpträume vom Kommandoton der Küche ist hier alles inklusive. Aber auch die ersten Austern kosten, die harte Welt der Angestellten, mitsamt jeder Menge Alkohol, Drogen und Sex kennenlernen, stehen auf dem Programm.  „Irgendwann pegelte ich mich ein, mir war nichts mehr peinlich“, das kann Tess nach dem Herbst behaupten. War sie mit mittendrin, oder doch ganz am Rande angekommen? Die Frage kann sie wohl nicht beantworten, aber eines weiß sie genau, sie ist von Jake besessen. Nach weiterem Lernen ist sie am Ende des Winters so weit, dass sie der Chef zur Kellnerin befördern würde und sie beantwortet die Frage, ob sie glücklich ist, zumindest damit, dass sie zufrieden sei. Ihren Platz im Leben hat sie nicht gefunden, aber  „In gewissen Lebensphasen ist es gut, nicht zu wissen wohin es geht. Man sollte sich erlauben einfach zu leben, ohne eine genaue Ahnung davon zu haben, was man tut.“ Den Abschluss bildet der Frühling, in dem Tess ein ganz klein wenig hinter die harte Fassade von Simone und Jake blicken darf und sich am Ende die Frage stellen muss, wohin ihr Weg sie führen soll.

Der Schreibstil der Autorin ist klar, schnörkellos und liest sich flüssig. Allerdings hat er mich eher auf Distanz gehalten. Es ist mir schwer gefallen mich in die Geschichte einzufühlen und in die Köpfe der Protagonisten zu denken, am leichtesten ist es mir vielleicht noch bei Simone gefallen. Die Schilderungen von derbem Umgangston mit den dazugehörigen Ausdrücken haben mich stellenweise schockiert, teilweise auch etwas abgestoßen.

Gut hat mir der Einblick in das System gehobene Gastronomie gefallen. Welche Aufgaben haben Geschäftsführer, Manager, etablierte Kellner, Kellner und Hilfskellner. Welch harter Knochenjob ist es wirklich, was steckt hinter den lächelnden zuvorkommenden Fassaden. Ist es eine wirkliche Familie unter den Angestellten, ist es eher oberflächliche Zweckgemeinschaft? Hier kann die Autorin mit ihren eigenen Erfahrungen als Kellnerin in New York auf jeden Fall richtig gut punkten.

Dass Stephanie Danler sich mit Wein, mit Genuss und mit gutem Essen auskennt, ist deutlich zu spüren. Man kann als Leser, so wie Tess von Simone, unheimlich viel über Weine, deren Herkunft und ihr Aroma lernen. Man darf zwischendurch detaillierte Beschreibungen von Geschmackserlebnissen lesen und hat dadurch das Aroma fast selbst auf der Zunge. Echtes Essen „zählt zu den Dingen, die dich, selbst an diesem heruntergekommenen, unglücklichen Ort, rundum glücklich machen können.“ Diese Botschaft wird klar übermittelt. Aber ich habe Sweetbitter nicht als großen Roman über den Genuss von Gaumenfreuden empfunden, dafür nehmen die kulinarischen Genüsse für mich einen zu kleinen Raum in der Handlung ein. Hier hatte ich mir etwas mehr erhofft.

Das Leben der Angestellten ist hart, lange Schichten, den ganzen Tag wohlhabende Leute bedient, sie angelächelt, eine Fassade aufrecht erhalten. Vielleicht muss man um hier um nicht unter zu gehen, nach Feierabend einen heben, der vulgären, ordinären Sprache freien Lauf lassen, Drogen konsumieren und sich gegenseitig ankeifen bzw. niedermachen. Mag sein, dass das dazugehört.  Dass sicher nicht alles eitel Sonnenschein ist, war mir klar. Ganz so verrucht und derb hätte ich es mir aber nicht erwartet und damit hatte ich schon stellenweise etwas zu kämpfen, weil dies einfach nicht mein Stil von Lektüre ist.

Schwer fiel mir auch Tess Obsession für Jake nachvollziehen zu können. Ist das Liebe, ist es nur Sex, was ist Liebe überhaupt? Er erniedrigt sie, er ist gemein, er fasst sie hart an, ist es das was sie fasziniert, oder sind es vielmehr naive Hoffnungen? Weite Teile der Erzählung handeln davon, wie sich das für mich etwas befremdliche Verhältnis zwischen den beiden entwickelt. Allerdings muss ich zugeben, dass ich zunehmend gespannt war, ob es eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben wird.

Spannend und äußerst interessant fand ich auch das Verhältnis von Tess und Simone beschrieben. Diese nimmt sich ihrer an, hilft ihr zur guten Kellnerin zu werden, weiht sie in die Geheimnisse ein. Sie wird für Tess zu einer Art Vorbild, sie wird zu der „Erwachsenen“, die sie sein will. Aber ist Simone überhaupt so stark, ist sie glücklich und kann sie überhaupt so etwas wie eine Freundin sein? Sie wird  wirklich toll dargestellt.

Alles in allem konnte mich die Geschichte nicht hundertprozentig gefangen nehmen, auch nicht richtig begeistern oder gar von Gaumengenüssen träumen lassen. Dennoch hat sie mir einen guten Einblick geboten und mir dadurch interessante Unterhaltung geboten, die noch 4 Sterne verdient.

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

fortsetzung, band 2

Sylter Intrigen: Kriminalroman (Kari Blom ermittelt undercover 2)

Ben Kryst Tomasson
E-Buch Text: 368 Seiten
Erschienen bei Aufbau Digital, 11.04.2017
ISBN 9783841213051
Genre: Sonstiges

Rezension:

Dies ist bereits der zweite Fall in dem die Kriminalkommissarin Karolina Dahl als Undercover Ermittlerin auf Sylt ermittelt. Für mich war es der erste, aber ich war sofort mitten im Geschehen und Ben Kryst Tomasson hat mich mit seinem Krimi von Anfang an wirklich begeistert.

Als Kari Blom soll sie undercover auf Sylt ermitteln. Wie schon ein Jahr vorher ist sie die angebliche Schriftstellerin auf Recherchereise. Um sich finanziell über Wasser zu halten, als Schriftsteller nicht so leicht, nimmt sie den Job bei „Delikatessen-Freund“ an. Genau in diesem High Society Supermarkt scheint Kreditkartenbetrug im großen Stile zu laufen. Welcher der Angestellten hat hier seine Finger im Spiel? Für Kari Blom ist schon am ersten Tag klar, der widerwärtige Marktleiter muss es gewesen sein. Doch dieser wird wenig später ermordet am Strand gefunden und der Betrug läuft munter weiter. Damit ist sie nicht nur weiter auf der Suche nach dem Kreditkartenbetrüger, sondern wird auch noch in die Mordermittlungen mit hineingezogen. Hat beides etwas mit einander zu tun und was hat es mit dem Etikettenschwindel auf sich, der auch noch dazu kommt?

Kreditkartenbetrug, eine begrenzte Anzahl an Angestellten, die als Täter infrage kommen, eigentlich sollte der Fall schnell gelöst sein, aber durch den Mord am Marktleiter wird es schnell verzwickt, wie hängt alles zusammen? Etikettenschummel, Mord, Kreditkartenbetrug und dazu eine Ehefrau mit Boutique in finanzieller Schieflage, eine Angestellte, die vom reichen Ehemann träumt, eine andere, die die Familie über Wasser halten muss, ein Security Mann, der in eine Frau mit hohen Ansprüchen beeindrucken will, ein Koch, der von der eigenen TangoTanzschule in Argentinien träumt und nicht nur der Frau des Chefs den Kopf verdreht, das ist hier der Stoff, der den Krimi richtig spannend macht. Man darf als Leser alle kennenlernen, selbst Vermutungen anstellen, sowohl Kari undercover als auch Jonas und Hannah, die Sylter Kollegen, bei den Ermittlungen begleiten und ist dadurch bestens informiert und ständig am Rätseln und Kombinieren. Nicht nur Kari war überrascht von so einigen Wendungen, mir ging es nicht anders.

Der locker, leichte Schreibstil hat mich von Anfang an begeistert und ich habe die Seiten nur so verschlungen. Man darf als Leser immer wieder schmunzeln und man bekommt auch einen kleinen, jedoch niemals Spannung raubenden, Einblick ins Privatleben, was mir gut gefallen hat. Besonders bei Jonas Vossen, oder noch besser bei seinem liebenswerten Vater wäre ich auch gerne Zuhause. Sehr gut hat mir auch der gelungen dargestellte Einblick in den Einzelhandel und die Highsociety gefallen. Es gibt z.B. Frust an der Kasse und Missgunst unter den Angestellten, die allesamt von einer besseren Welt träumen, kombiniert mit betuchten angeblichen Feinschmeckern, die Kaviar nicht von gefärbten und mit Geschmacksstoffen von Fischöl versetzten Gelatinekügelchen unterscheiden können, natürlich bei Delikatessen Freund  mit einem dicken Geldbeutel glauben etwas Besseres zu sein, aber genauso drängeln, wie alle anderen auch.

Kari Blom war mir von Anfang an sympathisch. Sie macht ihren Job gut, auch wenn ihre Gefühle für Alexander Freund die Ermittlungen nicht einfacher machen. Ihr Sylter Kollege Jonas Voss, der nichts von ihren Undercoverermittlungen weiß, Kari aber mehr als gerne mag, ist ein äußerst liebenswerter Zeitgenosse. Er kümmert sich als alleinerziehender Papa rührend um seine zwei Kinder Jasper und Finja, was wohl nicht nur mich, sondern auch seine Kollegin Hannah beeindruckt. Auch die Supermarktangestellten sind toll dargestellt, beim mobbenden, widerwärtigen Marktleiter Elmar Bruns angefangen, über die übergewichtige Tanja, die darunter heftig leiden muss oder den charmanten Inhaber Alexander Freund, bis hin zu Marvin, der mich mit seiner unbeholfenen Art ganz besonders gerührt hat. Klasse fand ich auch die Damen von der Häkelmafia, die mich oft zum Schmunzeln gebracht und auch Kari wertvolle Dienste erwiesen haben.

Für mich war der Krimi ein richtiger, kleiner Ausflug nach Sylt. Gemeinsam mit Kari durch die saftig grüne Heide mit den Erikapflanzen, deren violette Blüten von innen strahlen, joggen, sich die steife Brise durch die Haare wehen lassen, Kegelrobben oder Vögel, die im Watt nach Würmern picken, beobachten, all das darf man hier. Aber auch die Probleme der Einheimischen, die sich ein Leben dort kaum noch leisten können, die schrumpfende Infrastruktur und die Maßnahmen, die den Abtrag der Insel verhindern sollen, werden angesprochen, was ich richtig gut finde. Natürlich wird auch fangfrischer Fisch serviert und als Leser muss man sich zumindest nicht befürchten, dass „die Mundschleimhäute aufgrund der gesalzenen Preise schlagartig austrocknen“, sondern bekommt ganz im Gegenteil einen wässrigen Mund.

Alles in allem ein Krimi, der mich von Anfang bis Ende fesselnd unterhalten hat, der mit sympathischen Charakteren aufwarten kann und ein Lokalkolorit zum in den Urlaub träumen zu bieten hat.

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

tragödie, liebe, familiengeheimnisse, meer

Zeit der Seesterne

Frieda Lamberti
E-Buch Text
Erschienen bei Montlake Romance, 11.04.2017
ISBN 9781477828212
Genre: Sonstiges

Rezension:

Ich bin nicht der typische Leser von Liebesgeschichten, aber Frieda Lamberti hat mich mit ihrem tollen, knackigen, alles andere als schnülzigen Schreibstil und ihren Geschichten, die mit zahlreichen unvorhersehbaren Wendungen aufwarten können, sodass auch Spannung geboten ist, schon immer toll unterhalten. Deshalb war ich sehr neugierig auf den Auftakt zu ihrer neuen Reihe.

Die achtundzwanzigjährige, ehrgeizige Architektin Olivia lebt für ihren Beruf. Sie teilt sich mit ihrer Freundin Selma eine tolle  Wohnung in Hamburg. Die Wochenenden verbringt sie mit und bei ihrem derzeitigen Freund Tim. Damit ist sie mehr als zufrieden und Liv möchte an der Situation auch nichts ändern, eine festere Bindung kommt für sie nicht infrage. Als sie, ausgerechnet vor einem von Tim geplanten Überraschungswochenende, einen kostbaren Ring bei ihm findet, befürchtet sie Schlimmstes. Er wird ihr doch wohl keinen Antrag machen wollen! Wie kann sie ihm nur vorher schon deutlich machen, dass Heiraten für sie gar keine Option ist? Doch das wird ihr kleinstes Problem sein, das dieser Kurzurlaub bereiten wird. Völlig unerwartete Ereignisse kommen auf sie und alle anderen Beteiligten zu. Ob das Erlebnisse sein werden die Liv und auch, Trude, die gerade ihre Haus an der Ostsee räumt, sich selbst wie immer für den Sommer in den Keller verzieht und alles für die angekündigten Gäste vorbereitet, am liebsten vergessen werden, das muss sich nun zeigen. Aufregende Tage stehen bevor.

Frieda Lamberti hat mich wie gewohnt mit ihrem locker, leichten Schreibstil von der ersten Seite ab gefangen genommen. Sie kombiniert liebenswerte sowie schwierige Charaktere, die jeweils kapitelweise abwechselnd aus ihrer Perspektive berichten dürfen. So bekommt man die Geschichte aus Sicht aller Beteiligten geboten und kann sich noch besser in die einzelnen Personen hineindenken, besser verstehen, warum sie wohl so handeln. Die Geschichte war spannend von Anfang an. Wird er einen Antrag stellen, was wird auf Liv zukommen, ich darf und will ja nicht zu viel verraten. Ständig neue Entwicklungen und Wendungen um nicht nur ein Familiengeheimnis machen das Buch zum Rätselraten. Und ganz klar lässt die Autorin den Leser auch erst ganz zum Schluss wissen, wer Olivias Herz erobern wird. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle von Wut, über Mitleid und Verständnis, bis hin zu Schmetterlingen im Bauch ist hier alles dabei.

Die Charaktere sind toll dargestellt. Olivia war mir von Anfang an super sympathisch. Liv liebt wie ich keine Überraschungen und krank Zuhause geht nur wenn der Chef einen heimschickt. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben, will ihr liebgewordenes Gewohntes nicht aufgeben und muss sich hier Dingen stellen, die ich meinem größten Feind nicht wünsche. Ihr Freund Tim war mir von Anfang an unsympathisch und mein Eindruck hat mich nicht getrogen. Ganz falsch hätte ich aber seine Mutter nach den ersten Begegnungen eingeschätzt. Hier musste ich meine Meinung gründlich revidieren, die arrogante Bissgurke kann auch anders. „Gute Seele“ der Geschichte ist Trude, die viel mehr als nur Vermieterin ist. Die aufgeweckte, fitte Siebzigjährige Dame hat das Herz am rechten Fleck, ist mehr als hilfsbereit, hält aber mit ihrer Meinung auch nicht hinter dem Berg. Marius, der humorvolle Enkel, den ich auch richtig gerne mochte, kann sich glücklich schätzen, sie zur Oma zu haben. Ganz so einfach hat es Liv nämlich nicht und hier muss man sich als Leser viele Gedanken zu Schuld vergeben und zum Warum machen. Bei Selma bin ich mir nicht so sicher, ob sie den Namen Freundin verdient, toll ist aber auch auf jeden Fall Livs Chef Ben.  

Sehr gut hat mir auch das Ostseefeeling gefallen. Ein gigantisches Ferienhaus direkt am Strand mit herrlichem Ausblick, der Salzgeruch in der Luft, Strandspaziergänge und Seesterne sammeln, hier kann man sich direkt in den Urlaub träumen.

Alles in allem hat mich Frieda Lamberti wieder einmal wirklich mitreißend, spannend unterhalten. Ein sehr gelungener Auftakt zu einer neuen Reihe und ich freue mich schon jetzt auf die nächsten  Ereignisse in Trudes tollem Ferienhaus an der Ostsee.

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14 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

marokko, sphinx, marrakesch, diebstahl, kommissar schäfer

Die Sphinx von Marrakesch

Mona Frick
E-Buch Text
Erschienen bei Independently Published, 29.03.2017
ISBN B06XXX5259
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als ich die passende Badeente auf dem Cover entdeckt habe, war für mich alles klar. Hurra, das schwäbische Original Schäfer ermittelt wieder.

Dieses Mal verschlägt es ihn doch glatt nach Marrakesch, die neue Partnerstadt von Stuttgart-Untertürkheim. Ein Jahr vor der Pensionierung soll Schäfer, dessen Englisch sich in etwa so anhört,  „Erscht ei wörk, dänn ei maik Pause!“, und der Schwaben bisher nur für den Tegernsee verlassen hat, im Ausland beim Aufbau einer Polizeistation helfen. Nein sagen kann und will er nicht und so sitzt er wenig später im selben Flieger wie Erna Bromstätter mit ihren Freundinnen vom Kegelclub vierblättriges Kleeblatt. Das Kleeblatt bleibt aber nicht lange vierblättrig, denn bei einem Marktbesuch wird Liesel, die älteste im Viererteam, festgenommen. Sie soll angeblich einen wertvollen Ring, der zusammen mit der Sphinx von Marrakesch verschwunden ist, in ihrem Besitz haben. Wer hat ihr den Ring zugesteckt? Wo ist die Sphinx? Und vor allem wie bekommt man Liesel wieder aus dem Gefängnis? Hier hat Schäfer und sein junger marokkanischer Polizist, dem er unter die Arme greifen soll, einiges zu tun. Schon bald wird klar, dass es um viel mehr als um Diebstahl geht …

„Machet Se sich ned lächerlich! Eine Touristin, knapp achtzig, kommt exschtra nach Marroko um Hehler Ware zu verkaufen!“ Auch wenn das „völlig hirnrissig isch“, ist der Fall verzwickt und hat Fäden gesponnen, die es aufzuklären und –decken gilt. Man kann rätseln, man darf sich über korrupte Polizisten ärgern und man darf hoffen, dass sich die ehrlichen durchsetzen können. Wie die Fäden dann aber zusammengelaufen sind, war mir nicht immer ganz so einsichtig. Mit den Kegeldamen darf man obendrein die Stadt erkunden und der Humor kommt auch nicht zu kurz.

Der Schreibstil der Autorin liest sich locker, leicht und man fliegt regelrecht durch die kurzweilige Geschichte. Man kann diesen Kurzkrimi ideal zum Abschalten und Schmunzeln lesen. Gut haben mir die kurzen Kapitel gefallen und dass sie mit einer Überschrift, die neugierig macht und einem arabischen Sprichwort bzw. Weisheit, beginnen. Ganz klar gefällt mir auch der schwäbische Dialekt, deswegen mag ich ja die Reihe auch so gern.

Die Charaktere sind liebevoll erschaffen, allen voran natürlich Schäfer, mit seinem schwäbischen Dialekt, der gern mal grantelt, aber den auch so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Erna Bromstetter kannte ich ja schon aus dem letzten Fall und ganz klar, dass sich ihr daheimgebliebener Ehemann Horst, Sorgen macht. Und nicht um sein Essen, denn dafür hat Erna natürlich für jeden Tag vorgekocht und eingefroren. Sehr sympathisch war mir auch Abu Rasul, der marokkanische Reiseleiter, dem die Familie über alles geht und der wohl schon oft zurück stecken musste.

In Schäfers viertem Fall verschlägt es den schwäbischen Polizisten nach Marrakesch und das wird beim Lesen auch richtig schön deutlich. Man darf mit den Kegeldamen die rote Stadt, die so heißt, weil die Stadtmauer rot ist, erkunden und z.B. den Menara Garten besuchen, ein Geheimtipp unter den Einheimischen. Ihr Reiseleiter Abu Rasul erzählt einiges über Bräuche, Sitten und Regeln und gewährt auch einen Einblick in die ärmlichen Wohnverhältnisse. Ganz klar ist auch Kaffeesatzlesen, frisch gepressten Orangensaft und typische Gerichte genießen mit dabei, ebenso wie Feilschen auf dem Souk.

Alles in allem ein gelungener vierter Fall für Schäfer, der mich wirklich gut unterhalten hat. Ganz reicht es bei mir aber dieses Mal nicht mehr für fünf Sterne für diesen Cosy-Krimi aus Mona Fricks Feder.



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28 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

münchen, krimi, jack the ripper, sanktus, 2017

Schlachtsaison

Andreas Schröfl
Flexibler Einband
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 08.02.2017
ISBN 9783839220504
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Sanktus ist ein uriges Münchner Original und Autor Andreas Schröfel gehört zu meinen absoluten Highlights am Regionalkrimimarkt. "Schlachtsaison" ist der dritte Band der Sanktus-Reihe, auf den ich mich wie narrisch gefreut habe und was soll ich sagen? Sakrisch guat völlige Untertreibung, gar kein Ausdruck!

Jack the Ripper schlägt im schönen München zu, oder wie? Ganz so sieht´s zur Faschingszeit aus. Mehrere Frauen sterben auf brutalste Weise. Der Täter nimmt sich wohl die „Kanonischen Fünf“, die grausamsten Morde des Rippers, zum Vorbild. Sanktus wird Vater, hat seiner Kathi fest versprochen nicht mehr zu ermitteln, aber was bleibt übrig, wenn Schwester Anna weinend angerennt kommt, weil sich der München Ripper ausgerechnet deren Freundin Susi zum nächsten Opfer auserkoren hat? Auftrag von der Anna praktisch erteilt, keine Ausflucht möglich, und schon gar nicht, wenn seinem Spezl Bichä, Kommissar Bichelmeier, ein bisschen Hilfe eigentlich auch ganz recht wäre.

Dieses Mal haut der Autor dem Leser die Leichen schon zu Beginn richtig um die Ohren. Informationen zu Jack the Ripper, die Whitechapelmorde aus früheren Zeiten, Zeitungsberichte zu den getöteten Frauen, es geht sofort in die Vollen und damit fesselnd los. Spannung wird hier ganz groß geschrieben. Ermittlungen, Täter- und Opferperspektive, hier ist alles dabei. Zahlreiche Verdächtige, spannende Verflechtungen der einzelnen, weitere tote Frauen und diverse falsche Fährten halten den Leser konstant am Rätseln und Kombinieren. Irgendwann hatte ich einen Verdacht, war sogar so gut wie sicher, dass ich ganz genau richtig liege. Aber es wäre wohl kein Krimi aus Andreas Schröfls Feder, wenn man nicht, ebenso wie Sanktus selbst, kurz vor dem Finale nochmal sagen muss, "Scheiß doch die Wand an! Ich kenn mich nimmer aus.“ Geschickt an der Nase herumgeführt, gar kein Ausdruck!

Man darf Sanktus bei seinen Ermittlungen in München begleiten, aber es gibt auch ein bisschen Privatleben, natürlich nur die absoluten Highlights, die der Spannung keinerlei Abbruch tun. Sanktus, Bierbrauer, Ex-Polizist und Schankkellner ist derzeit als Stadtführer in München unterwegs. Ganz großes Kino, wenn er seine Führungen der Gruppe anpasst. Da kann schon einmal kochen, kalt abschrecken und dann die Rübe gründlich waschen geboten sein, wenn man die Engel danach nicht die Schubert Messe singen hört, dann hat man etwas falsch gemacht! Super mitzuerleben ist natürlich auch wie sein Alphatier Ego ein bisschen bröckelt, Geburtsvorbereitungskurs, Kinderwagenkauf,… Nicht ganz so einfach für ihn, aber für den Leser ein riesen Vergnügen, „Vogelscheuchensyndrom“, „Zahnarzt-Grinsen“ und „Schwangeren-Versteher“, alles inbegriffen. Ja und eh klar, zur Faschingszeit darf auch so ein Faschingsball nicht fehlen, Sie werden Träne lachen.

Sanktus ist ein Original, und auch die Schreibe des Autors ist individuell und originell. Es gibt einen Erzähler, der den Leser immer wieder anspricht, „verstehst mi“, und ihn somit mit ins Boot holt. Ein bisschen speziell sind die unvollständigen, abgehackten Sätze, wenn es sich um Sanktus  dreht, aber die passen einfach nur perfekt zu ihm. Ich kannte den Schreibstil bereits, habe mich ja auch deswegen auf die Fortsetzung gefreut, und die Seiten sind nur so dahin geflogen, leider viel zu schnell. Die Wortwechsel und Dialoge sind ein echtes „Schmankerl“ und ich hatte nicht selten Lachtränen in den Augen.

Die Charaktere sind liebevoll, detailliert und einfallsreich gezeichnet. Sanktus ist natürlich mein Highlight, den kann man eigentlich gar nicht beschreiben, den MUSS man einfach selbst erleben. Mit der sympathischen, liebenswürdigen Kathi als Freundin hat er auf jeden Fall einen ganz besonders guten Fang gemacht, ihre Tochter Martina inbegriffen. Klasse sind die ganzen Ermittlungshelfer, bei den Brauereikameraden angefangen bis hin zu Dr. Drengler. Hier ist einer origineller als der andere. Richtig undurchsichtig, aber auch brutal und schmierig kann der Autor aber auch, was man an den von ihm erdachten Verdächtigen sieht.

Dialektfreunde kommen hier in einen regelrechten Lesegenuss. Neben Münchnerisch ist noch so allerhand geboten. Demuth, der fränkische Kriminalassistent schwafelt von  "Barallelen" zu den "Ribber-Daden". Hanspeter, der Brauerkollege Hanspeter aus Schwaben warnt „ned uf oi Theorie feschlega“, da kann Italiener Giovanni nur noch fragen „Ufo i lega?“ um dann später zu sagen „Ja, klingte komisch, isse aber so!“. Eine sächsische Bedienung und ein Wiener Arzt dürfen auch mittun, und ganz klar ist die „Neue Kirche“ immer noch die Stammkneipe, in der der indische Koch Bhupinder Sanktus mit „Mackt nicks“ aufmuntern kann. Dr. Engler, der Drengler, böse Stimmen behaupten der „Meditier-Preiß“, mischt sich natürlich auch wieder in die Ermittlungen ein.

Es wird quer durch München ermittelt und Sanktus macht dabei wirklich Werbung für die schöne Stadt. Bavaria Filmstudios in Grünwald oder Viktualienmarkt sind nur zwei Schauplätze, die ich wiedererkannt habe. Tipps für die besten Eisdielen fehlen ebenfalls nicht.

Alles in allem alle vorhandenen Daumen und großen Zehen (bei Sanktus dürfen die auch nicht fehlen) ganz weit hoch für den dritten Sanktus Fall, aber Vorsicht, eindeutige Suchtgefahr. Ich hoffe der Autor sorgt ganz schnell für Nachschub, völlig begeisterte 5 Sterne plus!

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18 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

berlin, krimi, immunität, botschaft, teufelsberg

Hyänengesang

Rainer Wittkamp
E-Buch Text: 256 Seiten
Erschienen bei Grafit Verlag, 11.04.2017
ISBN 9783894257217
Genre: Sonstiges

Rezension:

Das Leben könnte so schön sein, morgen in den Flieger steigen und sechs Wochen mit der Familie Ghana erkunden. Doch für Kriminalkommissar Martin Nettelbeck könnte das nur so schön sein, denn er muss seine Familie erst einmal alleine voraus schicken. In einem Hotel wurde das tote Callgirl Violetta gefunden und ein osmanischer Militärattaché wird verdächtigt. Da Nettelbeck über gute Kontakte zur Botschaft verfügt, muss er den Fall übernehmen. Was aber haben Roman Weiden, der seine besten Jahre als Schlager Star längst hinter sich hat und auf die Restschuldbefreiung seiner Privatinsolvenz wartet, und Maximilian Hollweg, der skrupellose Investmentberater, mit dem Fall zu tun, wenn doch der Täter eigentlich so gut wie fest steht?

Es geht sofort fesselnd los. Auch wenn man eigentlich ja so gut wie sicher weiß, wer die tote Violetta auf dem Gewissen hat, will man hier als Leser ganz unbedingt haben, dass dieser brutale, überhebliche Militärattaché zur Rechenschaft gezogen wird. Bis ganz zuletzt habe ich darauf hin gefiebert. Zudem gilt es von Anfang an das Rätsel um Weiden und Hollweg zu lösen. Die Fäden werden immer deutlicher und ein regelrechtes Wettlaufen mit der Zeit beginnt. Der Fall wird immer noch spannender und ich konnte, einmal angefangen, das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die kurzen, knackigen Kapitel mit den geschickten und häufigen Perspektivwechseln schaffen zusätzlich unheimlich viel Fahrt.

Dass man durch den Krimi fliegen kann, dafür sorgt ebenfalls der Schreibstil, der sich locker, leicht liest. Sehr gut gefallen mir die feine Prise Humor und auch die Spur Ironie, die mich oft zum Schmunzeln gebracht haben. So hat Kriminalrätin Jutta Koschke mit ihrer Liebe zu Frischpräparaten wieder für einige Grinser gesorgt, 25 Stück im Büro, sind scheinbar noch nicht genug. Auch das Texten von „Curry-Love“ als neuen Schlager Hit, ist nicht nur amüsant, sondern wohl auch ein Wink mit dem Zaunpfahl dafür, was der Autor von diesem Musikstil hält. Dass sein Herz für Jazz schlägt, ist im Übrigen nicht zu übersehen und Jazzfreunde werden hier sicher glücklich sein, denn es werden viele Künstler und Songs genannt. Für mich war es einfach okay, eine Leidenschaft von Nettelbeck, warum nicht. Der Autor schafft unheimlich Atmosphäre, so wurde meine Wut auf die Immunität von Botschaftern und diejenigen, die diese auch noch so schamlos ausnutzen, immer noch größer auf meinem Sofa. Die arroganten Typen wie Hollweg, Weiden, und Zakri haben mich immer mehr angewidert. Mich als Leser emotional mit zu nehmen ist Rainer Wittkamp auf jeden Fall gelungen. Nicht ganz so glücklich war ich mit der in meinen Augen recht ausführlichen Anleitung zum Rohbombenbau, das wäre mir angedeutet erheblich lieber gewesen.

Nettelbeck und sein Team kannte ich ja bereits und ich habe mich daher sehr über ein Wiedersehen gefreut. Die Charaktere, die für diesen Fall neu geschaffen wurden, sind grandios gezeichnet, beim brutalen, überheblichen Militärattaché Zakri angefangen, über den arroganten, menschenverachtenden Kotzbrocken Maximilian Hollweg, bis hin zu Roman Weiden, der mit seiner gescheiterten Existenz nicht fertig wird und sich zum Widerling entwickelt. Sehr leid hat mir Zeudi Tanga, das Kindermädchen aus Eritrea getan und super sympathisch fand ich Jens Todsen, der als persönlicher Assistent von Hollweg die Hölle auf Erden hat.

Dass der Fall in Berlin spielt ist ebenfalls zu erkennen, so bekommt man z.B. Interessantes zum Teufelsberg und seiner Geschichte geboten, oder auch zum Dong Zuan Center, in dem 250 Händler überwiegend aus dem Vietnam ihre Waren anbieten.

Der Autor hat sich hier an ein Thema gewagt, das mich sehr beschäftigt hat. Braucht man diese politische Immunität für besondere  Personengruppen, wie hier in diesem Fall die diplomatische Immunität für Botschafter, wirklich? Meiner Meinung nach ein Gesetz, das dringend der Überprüfung und der Einschränkung bedarf.

Alles in allem hat mich Rainer Wittkamp mit „Hyänengesang“ grandios gut unterhalten und ich freue mich schon jetzt auf Nettelbecks nächsten Fall.

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38 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

mord, autorin, krimi, lesereise, eifel

Lesereise in den Tod

Jürgen Schmidt
Flexibler Einband: 200 Seiten
Erschienen bei edition oberkassel, 19.01.2017
ISBN 9783958130807
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der eitlen, von sich eingenommen, jungen Autorin Mona ist jedes Mittel recht, um sich und ihre Bücher bekannt zu machen. Eine beachtliche Blogger- und Fancommunity pflegt sie eifrig, aber den Durchbruch erhofft sie sich von ihrer Lesereise. Selbst finanziert und organisiert, meist auch auf ein Honorar verzichtend, will sie sich mit ihrem aktuellen Buch „Passwort Hurensohn“ durch Lesungen  einen Namen machen. Allerdings wird dieser Plan jäh beendet, denn ihr Auftritt in einer kleinen Bücherei in Bad Münstereifel am Aschermittwoch wird ihr letzter. Nach einem anschließenden Restaurantbesuch muss sie ihrem Mörder begegnet sein, denn am nächsten Morgen wird sie erstochen aus der Erft geborgen. Die Polizei fischt im Trüben, Haupttatverdächtiger ist allerdings Monas Bruder Frank. Der besorgte Vater Herbert Töpfer engagiert Privatdetektiv Andreas Mücke. Dieser soll den wahren Täter ausfindig machen und damit nicht nur den Mord aufklären, sondern vor allem auch Sohn Frank von dem Verdacht befreien. Mücke, für den dies der erste große Fall werden könnte, legt sich mächtig ins Zeug.

Der Krimi geht sofort spannend los und der Autor präsentiert jede Menge potentielle Verdächtige, sodass man als Leser viel rätseln und vermuten kann. War es der Bruder, der von ihr erpresst wurde, war es einer der enttäuschten Liebhaber, die sie alle nach einigen Nümmerchen abserviert hat, war es die eifersüchtige Ehefrau von Literaturforscher Jens Kulik, der Mona sehr unterstützt hat oder ganz ein anderer? Anfangs haben mich die zahlreichen Namen und verschiedenen Fährten fast ein bisschen überfordert und ich hatte ein wenig damit zu kämpfen den Überblick nicht zu verlieren. Dies mag aber auch meinem extrem schlechten Namensgedächtnis geschuldet sein. Allerdings hat sich das auch schnell gelegt und die Zusammenhänge wurden deutlicher. Gut gefallen hat mir, dass man auch die Täterperspektive geboten bekommt, was die Spannung zusätzlich anheizt. Der Krimi wurde gegen Ende hin auf jeder Seite noch spannender und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Der Schreibstil liest sich zudem locker, leicht und ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen.

Kleine Einblicke in Mückes Privatleben, die der Spannung aber keinen Abbruch tun, lassen darauf hoffen, dass eine Reihe mit dem sympathischen Ermittler angelegt ist, was mich sehr freuen würde.

Die Ermittlungen leitet hier im Großen und Ganzen Andreas Mücke, die Kripo kommt nur selten ins Spiel. Trotzdem gestalten sich die Ermittlungen glücklicherweise wirklich sehr realistisch. Steckt er seine Nase zu tief in die Geschichte, wird die sympathische, humorvolle Kommissarin Thea Oleknavicius aufmerksam und auch Mücke weiß selbst, wo seine Grenzen sind und Beweismittel lieber an die offiziellen Stelle übergeben werden sollen.

Der alles andere als überkandidelte, liebenswerte und natürliche Andreas Mücke war mir von Anfang an sympathisch. Privat läuft es nicht ganz so rund, die zweite Ehe geschieden, den Job beim Schwiegervater ebenfalls lieber aufgegeben, versucht er sich als Privatdetektiv. Dies ist sein erster großer Fall und er macht seine Sache wirklich ausgezeichnet. Richtig gut gefällt mir, dass seine beiden Ex-Frauen immer noch auf seine Hilfe zählen können und er sich auch super gut, geradezu vorbildlich, um seine Kinder Anna und Julian kümmert. Er hat nicht nur ein offenes Ohr für seine Tochter, sondern er denkt sogar beim Einkauf an Stickerpäckchen für seinen Sohn. Ich würde ihm wünschen, dass die Liebelei mit Jess zu einer dauerhaft festen und glücklichen Beziehung wird. Nicht ganz so begeistern konnte ich mich dafür, dass er schon ganz gern einmal einen über den Durst trinkt, aber er hat die Lage noch im Griff. Mücke spielt die zentrale Rolle, aber auch die Nebendarsteller sind gut gezeichnet, bei Frank Töpfer angefangen, der heftig in Verruf gerät und somit seinen Job als Lehrer wohl an den Nagel hängen muss, was mir sehr leid für ihn tut, hin bis zu Alan, einem Verflossenen von Mona, mit dem sich Mücke ganz ausgezeichnet versteht.

Sehr gut hat mir auch der Einblick in die Welt eines Autors, der sich als Selbstpublisher versucht, gefallen. Auch wenn Mona vielleicht nicht stellvertretend für alle steht, fand ich äußerst interessant, wie hier über Internetcommunitys Werbung gemacht wird. Kritische Worte gebloggt, positive forciert, Verkaufszahlen selbst in die Höhe getrieben, hier hat Mona ganz tief in die Trickkiste gegriffen. Mona hat einiges auf sich genommen und das alles nicht wegen Geld, denn davon hatte sie genug, sondern als Bestätigung für sich und ihre Schreibe.

Ein wirklich vielversprechendes Krimidebüt von Jürgen Schmidt, das meiner Meinung nach auch auf jeden Fall noch fünf Sterne verdient. Ich würde mich sehr über weitere Fälle für Mücke freuen und werde den Autor sicher auf dem Radar behalten.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

bayern, krimi, kurzkrimis, rezepte, münchen

Mordsmäßig Münchnerisch

Ingrid Werner
Flexibler Einband: 216 Seiten
Erschienen bei Hirschkäfer Verlag, 09.03.2017
ISBN 9783940839558
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krimiautorin Ingrid Werner, die mich schon mit einigen ihrer Krimis begeistert hat, hat sich hier erfolgreich an die Herausgabe eine Krimianthologie gewagt. Sie hat selbst dazu beigetragen, aber auch wirklich tolle Kurzstorys von 19 weiteren Schriftstellerkollegen und Kolleginnen versammelt, die einen direkt nach München versetzen, einem den Duft von traditioneller bayrischen Küche um die Nase wehen lassen und mörderisch gut unterhalten.

Zwanzigmal geht es hier mehr oder weniger kriminell zu. Die allermeisten Storys haben mir wirklich sehr gut gefallen, mit nur zwei konnte ich etwas weniger anfangen, insgesamt eine tolle Ausbeute bei 20 verschiedenen Titeln.

Zu meinen Highlights zählt sicher das spritzig, witzig erzählte „Vorruhestand“ von B.a. Robin. Ich konnte super viel schmunzeln und die Geschichte sprudelt nur so an originellen Wortschöpfungen, da wird Taschendiebstahl schon mal als Secondhandhandel mit Sachen zu einem Einstandspreis null verkauft und wenn das Geschäft nicht mehr so läuft, kann es heißen, „Seit Wochen führt mein rückläufiger Umsatz zu einer Gesundschrumpfung meines Anlagevermögens in Hüftgold.“ Die Autorin muss ich auf jeden Fall auf dem Radar behalten. Grandios fand ich auch „Die Venus vom Nockherberg“ von Manuela Obermeier, die ich bisher auch verpasst habe, nicht nur, aber allein schon wegen der regional typischen Schimpfwörter wie  „mopsgedackelter Spitz“, „aufgedackelte Zugraste“ oder auch „aufgstellten Mausdreck“.

Die Vielfalt ist groß, man darf als Leser ganz viel schmunzeln, darf mit auf verzwickte Ermittlungen gehen. Einmal geht es dabei sogar in eine völlig neue technische Welt. Hier hat mir der Kommentar  "Schöne neue Welt. Ich kanns kaum erwarten, bis ich morgens um sieben mit der Zahnpastatube reden kann!", besonders gut gefallen. Einige Geschichten sind dabei, die mich nachdenklich und auch ein bisschen traurig zurück gelassen haben. Manche haben mich regelrecht verblüfft, indem sie auf nur wenigen Seiten unheimlich viel Krimifeeling und Emotionen geschafft haben und bei manchen ging es auch richtig eklig zu, Gänsehautfaktor inbegriffen.  

Dies ist nicht meine erste Krimianthologie, die sich auch kulinarisch in eine bestimmte Region begibt. Ich komme nicht direkt aus München, wohne aber in der Nähe und habe mich riesig darüber gefreut so viele Schauplätze beim Lesen wiederzuerkennen. Spaziergänge mit Taschendieben in der Fußgängerzone, vorbei am Glockenspiel am Marienplatz hin zum Platzl, ein Mord am Friedensengel, die Wiesn als Ort für Finanzsünder und erbsenzählende Fahnder, Schwabing und Kunstraub oder der für München so typische Biergarten, als Treffpunkt fürs erste und  letzte Internetdate, versetzen den Leser mitten in die Stadt. Man bekommt Geheimtipps, so ist z.B. eine Fahrt mit der Tram 19 eine recht günstige Stadtrundfahrt. Lokale werden mit ihren Spezialitäten genannt. So weiß ich jetzt z.B., dass es bei Schubecks keine Schweinshaxe gibt, dafür aber in diversen anderen Wirtshäusern, aufgeschlüsselt nach bester Soße, besten Ködeln und Knusprigkeit. Interessant fand ich auch über unterirdische Flüsse im Glockenbachviertel zu erfahren, die ich bisher noch nicht kannte. Toll ist, dass auch an legendäre, lokale Persönlichkeiten wie Karl Valentin oder Ferdel Weiß gedacht wird.

Allen Krimis ist gemein, dass im Verlauf ein typisch bayrisches Gericht entweder verzehrt oder zumindest erwähnt wird. Genau dieses findet man unmittelbar im Anschluss dann als Rezept, sodass man sofort den Kochlöffel schwingen kann. Deftige Hausmannskost, wie Schweinshaxe, Traditionelles wie Saures Lüngerl, oder typisch für den Biergarten Steckelfisch und Obazta sind hier ebenso vertreten, wie auch ein Rezept für den süßen Senf, der bei einer Weißwurst, die man zuzeln muss, nicht fehlen darf. Auch die eher „Süßen“ kommen mit Topfenstrudel, Auszogne, Reiberdatschi und  Hollerkücherl sicher auf ihre Kosten. Dradiwixpfeiferl dürfen natürlich allein schon wegen dem originellen Namen nicht fehlen. Und mit Schinkennudeln ist sogar an Kochanfänger gedacht.

Folgende Autoren sind mit ihren Kurzgeschichten beteiligt: Martin Arz, Joachim Biedermann, Bettina Brömme, Angela Esser, Werner Gerl, Lisa Graf-Riemann, Ursula Hahnenberg, Thomas Kastura, Iris Leister, Beatrix Mannel, Nicole Neubauer, Ottmar Neuburger, Manuela Obermeier, Ricarda Oertel, Regina Ramstetter, Heidi Rehn, B.a. Robin, Ingeborg Struckmeyer, Ingrid Werner und Moses Wolff. Einige Autoren waren mir bereits vorab bekannt. Einige kannte ich bisher noch nicht, werde mir ihren Namen aber ganz sicher merken und nach weiteren Titeln Ausschau halten, weil mich ihr Schreibstil begeistert hat. Ein toller Nebeneffekt solcher Anthologien, meine ich.

Alles in allem hat mir „Mordsmäßig Münchnerisch“ wirklich sehr gut gefallen, weshalb es auch noch 5 Sterne verdient.

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

froschkönig, märchen, chihuahua, gebrüder grimm, könig

Die wahrhafte Geschichte des Froschkönigs

Pia Kovarik
E-Buch Text
Erschienen bei Selfpublisher, 08.04.2017
ISBN B06XXDWKGD
Genre: Kinderbuch

Rezension:

Erst neulich habe ich das witzige und wirklich tolle Kinderbuch „Hipp&Hopp retten Papa Grünsprung“ gelesen, das sich ebenfalls dem Froschkönig und der wahren Geschichte dahinter widmet. Ich war daher sehr gespannt, was ich hier geboten bekomme. Eine völlig andere Herangehensweise, sicher auch eine etwas andere Zielgruppe, aber ich bin nicht enttäuscht worden und hatte witzige Unterhaltung mit diesem modernen, kurzen „Happily After End“ Märchen.

Das Leben könnte so schön sein, denn Diego war der höchst angesehene Schlosshund. „Jeden Tag die saftigsten Knochen aus der Schlossküche, Wasser aus Kristallschüsseln, Hundemassagen ohne Ende, zum Spielen war ein goldener Ball gerade mal gut genug“, das war, ganz wie Schlafen im Himmelbett der Prinzessin und morgens mit ihr gemeinsames Frühstück im Bett alles all inclusive. Ja aber wie gesagt, das Leben könnte nur so schön sein, wäre da nicht der Königsvater, der beschließt, dass Töchterchen Stella, inzwischen im richtigen Alter, endlich unter die Haube muss. Welche Alternativen bleiben hier? Entweder jeden potentiellen Kandidaten „durch sein maskulines und absolut furchteinflößendes Chihuahua Bellen zu verjagen“ (wenig erfolgsversprechend) oder es mit einem Zaubertrick versuchen! Beim Froschkönig wurde doch auch gezaubert, oder nicht?

Mehr will und darf ich bei der kurzen Geschichte gar nicht verraten, um nicht zu viel vorwegzunehmen.

Der Sprachstil liest sich locker, leicht. Ich bin fast durch die Geschichte geflogen und konnte dabei wirklich viel schmunzeln. Als Hundehalter konnte ich natürlich auch über Szenen wie „Diego verging der Appetit gänzlich, er entschloss sich dann aber doch dazu das saftige Stück Hirschfleisch zu verspeisen, schließlich wäre es ja eine Verschwendung gewesen.“ herzhaft lachen. Auch einige Ergänzungen in Klammern, die das Weltbild von Diego wieder etwas gerade rücken, denn es handelt sich ja hier um die Geschichte aus dem Mund des Chihuahuas, haben mir super gut gefallen. In der Mitte hatte ich schon fast die Befürchtung, dass die Geschichte etwas ins Kitschige kippen könnte, aber das hat die Autorin mehr als gekonnt abgebogen. Das Ende hat mir super gut gefallen.

Die Zielgruppe ist mit 7 bis 18 Jahre angegeben. Ich bin 39 Jahre alt, ein großer Hundefan, auch wenn meine Fellnase eine Nummer größer als ein Chihuahua ist, und hatte meinen Spaß. Ob es Teenies ebenso ergeht und ob Kids mit sieben Jahren die zahlreichen genialen Winks mit dem Zaunpfahl, wie z.B. auf chauvinistische Väter oder Alltagstrott in Beziehungen verstehen, bezweifle ich etwas. Für ein Kinderbuch fehlen mir auch Illustrationen, was aber wohl bei einem ebook auch nicht ganz so einfach ist. Da ich es aber nicht wirklich beurteilen kann, ziehe ich bei meiner Bewertung dafür, ebenso wenig wie für den doch nicht ganz günstigen Preis für eine Kurzgeschichte keine Punkte ab. Ich kam in den glücklicherweise in den Genuss eines kostenlosen Leseexemplares.

Alles in allem hatte ich witzige, kurzweilige Unterhaltung und wurde auf spaßige Weise darin bestätigt, dass Hunde einfach die besten Freunde des Menschen sind. Deshalb bekommt die Geschichte von mir auch noch 5 Sterne, ich bin schon jetzt gespannt auf weitere Märchen neu aufgelegt aus der Feder von Pia Kovarik.

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66 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 33 Rezensionen

bahnhof, italien, zug, tagebuch, suche

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands

Salvatore Basile
E-Buch Text: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet Verlag, 13.03.2017
ISBN 9783641195021
Genre: Romane

Rezension:

Kann es eine größere Enttäuschung für einen kleinen Jungen geben, als von der Mutter verlassen zu werden? Der sechsjährige Michele sieht seine Mutter in den Zug einsteigen und dann nie wieder. Grund genug für ihn ein völlig abgeschottetes Leben zu führen. Keine Freunde, keine Liebe, keine anderen Lebewesen um ihn herum, kurz gesagt, er lässt niemanden in seine Nähe, viel zu groß ist die Angst davor, wieder enttäuscht zu werden. Inzwischen ist er dreißig. Er hat die Stelle seines Vaters als Bahnhofswärter in Miniera di Mare, und damit auch das Wärterhäuschen übernommen, in dem er mit einer Sammlung an im Zug verlorenen Gegenständen lebt. Er kontrolliert jeden Tag den einzigen Zug, der den Bahnhof morgens verlässt und abends zurückkehrt. Etwas worauf er sich verlassen kann. Eines Abends findet er eine Puppe. Elena ist nicht nur die Erste, die überhaupt nach verlorenen Gegenständen fragt, sondern sie ist auch die Erste, die sein Leben betritt. Die quirlige, junge Frau wirft ihn komplett aus der Bahn. Als er einen Tag später im Zug sein altes Tagebuch, das seine Mutter damals mitgenommen hat, findet, gibt ihm Elena die Kraft sich auf die Suche zu begeben.

Eine „wundersame Reise“ trifft die Geschichte für mich in vielfacher Hinsicht.  Es ist die Reise von Michele zu sich selbst. Es beschreibt die Reise in seine Vergangenheit, die durch Erinnerungen auflebt. Die Geschichte beschreibt auch die Reise, die er unternimmt um seine Mutter zu suchen und bei der er viele Begegnungen mit den verschiedensten Menschen hat. Natürlich war auch das Tagebuch auf einer langen Reise aber ganz zentral ist wohl seine Reise zurück ins Leben.

Wird er seine Mutter finden? Wenn ja, wie wird es sein? Lässt er Elena in sein Leben? Was versteckt diese eigentlich hinter ihrer dauerplappernden Fassade? Kann man überhaupt leben, oder hat man das verlernt, wenn man lange Jahre überhaupt keinen Kontakt zu seinen Mitmenschen hatte, ja nicht einmal das Bahnhofsgelände verlassen hat? Das sind die Fragen, die mich stets angetrieben haben, diese Geschichte, die mich auf ihre Art sehr berührt hat, unbedingt weiter lesen zu müssen.

Es stecken unheimlich viele tolle Botschaften in diesem Roman. Er ist eine regelrechte Hommage ans Leben, an die Liebe und das Vertrauen in seine Mitmenschen. Er ist ein Aufruf mit dem Leben einen „Glückspakt“ zu schließen und alles zu genießen. Vor Wut in Selbstmitleid baden ist nicht, man muss das Leben in die Hand nehmen.

Der Sprachstil liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die Seiten geflogen. Immer wieder gibt es Szenen, die mich schmunzeln haben lassen. Einer solcher Momente war sicher der, in dem Michele erkannt hat, dass er jetzt eben dabei behilflich war, ein Autorad zu klauen.

Die Geschichte beginnt mit dem Bericht, wie Michele als kleiner Knirps von seiner Mutter verlassen wird und ich war sofort gefangen. Ich war richtig betroffen und ich konnte mich sehr gut in Michele hineindenken und fühlen. Er hat als kleiner Junge jegliches Urvertrauen verloren, hatte scheinbar niemanden, der ihn mit seinem Kummer auffängt und hat sich seither vergraben und vom Leben völlig abgeschottet. Seine innere Zerrissenheit, seine Angst vor dem Leben, seine Angst davor, wieder enttäuscht zu werden kämpfen hier gegen langsam aufkeimende Zuversicht, Sehnsucht und auch dem Wunsch zu leben. Er weiß nicht was Liebe ist, er weiß nicht was Vertrauen ist und noch viel mehr, er weiß nicht was Leben ist. Mir hat die im Roman aufgezeigte Entwicklung sehr gut gefallen, die Reise zurück ins Leben ist mit zahlreichen Selbstreflexionen, Gedanken und Gefühlen wirklich toll dargestellt.

Michele begegnen auf seiner Reise viele Menschen, jeder für sich genommen individuell und toll erdacht, von denen ich einige erwähnen möchte. Elena, der Wirbelwind ist mir mit ihrer hilfsbereiten, lebenslustigen und impulsiven Art sofort ans Herz gewachsen, auch wenn sie, gerade in Liebesdingen, trotz ihrer 25 Jahre vielleicht noch ein wenig jugendliche Naivität an den Tag legt. Witzig fand ich den Griechen Erastos, der sich sein eigenes Paradies geschaffen hat. Auch wenn er vielleicht völlig schräg daher kommt, hat er wohl seinen Platz im Leben gefunden. Richtig schön fand ich auch die Begegnung mit einem Paar, dass sich nach 35 Jahren Ehe immer noch abgrundtief liebt und dies auch ausstrahlt. Sehr leid hat mir ein kleiner Knirps mit Namen Gianni getan, der scheinbar wie er auf der Suche ist und Antonio den Fakir und Musiker bewundere ich um seine Unbeschwertheit.

Allerdings war ich nicht mir allem so glücklich. Kann man sich, nach jahrelangem Schweigen doch wieder so auf Menschen einlassen, kann man sich so unbeschwert berühren lassen? Manches erschien mir doch eine Spur zu weit hergeholt. Viele Zufälle sind hier ebenfalls von Nöten, damit die Geschichte so läuft, wie sie sich der Autor erdacht hat. Da wäre mir der eine oder andere weniger sicher lieber gewesen. Vielleicht auch die eine oder andere Begegnung, die für sich allein genommen fast alle wertvoll und toll waren, weniger wäre meiner Meinung nach mehr gewesen. Über einige realitätsfremde Dinge muss man hier auch hinweg lesen können, was mir bei den meisten auch gelungen ist. Mit dem Ende in den Eisbergen allerdings konnte ich mich dann aber nicht mehr anfreunden.

Aber trotz dieser Dinge bleibt bei mir nach dem Lesen ein zufriedenes Gefühl, ich hatte gute Unterhaltung und kann bestimmt auch die eine oder andere Botschaft für mein eigenes Leben mitnehmen. Es gibt nicht nur eine Erklärung für eine Tat. Unsere eigenen Handlungen entscheiden über unser Leben und nicht die der anderen, auch wenn es manchmal danach aussieht, ist sicher eine davon. Und daher verdient das Buch für mich auch noch 4 Sterne.

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47 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

krimi, amrum, klassenfahrt, nordsee, mord

Backfischalarm

Krischan Koch
Flexibler Einband: 288 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 10.03.2017
ISBN 9783423216722
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Da mich Krischan Koch mit seiner Inselkrimireihe um das originelle Fredenbüller Ermittlerteam bisher immer grandios witzig, aber auch kniffelig spannend unterhalten hat, war ich sehr gespannt auf den fünften Fall. Ganz klar, dass ich auf Amrum, wo dieses Mal ermittelt wird, nicht fehlen durfte, denn da hätte ich so richtig etwas verpasst.

Nicht nur für Telje und Tadje, die beiden Zwillinge von Polizeiobermeister Thies Detlefsen, sondern auch für sämtliche Klassenkameraden, Klassenlehrer Dr. Niggemeier, Junglehrerin Vanessa Loebell und Referendar Manuel Schloz, den süßen „Captain Sparrow in Lehrerausbildung“, wird die Klassenreise nach Amrum zum einem Erlebnis, das sie bestimmt nie mehr vergessen werden. Schon bei der stürmischen Überfahrt sitzt plötzlich der Hamburger Jungreeder Blankenhorn tot auf dem Sonnendeck, dessen Mord aufzuklären nun Aufgabe von Thies und Kriminalhauptkommissarin Nicole Stappenbek ist. Und es bleibt natürlich nicht bei der einen Aufregung…..

Die Inselkrimireihe sprudelt nur so an Situationskomik und so habe ich auch dieses Mal wieder mit einem Dauergrinsen im Gesicht, das nur von lauten Lachern und ab und an auch mal Gänsehaut, weil es so spannend war, unterbrochen wurde. Schräge Charaktere, wie z.B. Steineguru Rainer, der die Truppe Steinflüsterer in esoterischen Höhen schweben lässt, oder eine Helikoptermutter, die es vielleicht einmal mit vegan kiffen, satt vegan essen versuchen sollte, lassen einen herzhaft lachen. Mit den unzähligen schräg, lustigen Szenen hatte ich herrliches Comedy-Kopfkino. Eines meiner Highlights ist hier sicher das Schwitzhüttenritual. Spitze, pointierte und witzige Dialoge runden das Gute-Laune-Gesamtpaket ab.

Aber hier geht es nicht nur lustig zu, sondern der Fall ist auch spannend von Anfang an. Man kann als Leser super viel rätseln und kombinieren, da aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Die Kids haben so allerlei mit ihren Handys gefilmt, die Polizei ermittelt und damit es nicht zu einfach wird, wird zusätzlich noch nach einer Geldkassette gesucht. Hat die auch etwas mit dem Mord zu tun? Zahlreiche Verdächtige, falsche Alibis, weitere Entwicklungen, der Autor legt ständig nach, sodass der Fall einen richtig mitreißt und sich der Nebel bei den Ermittlungen wirklich erst am Ende mit dem auf Amrum legt.

Krischan Koch lässt bei seinen Charakteren, die er ins Rennen schickt, seiner großen Kreativität freien Lauf und einer ist origineller und liebvoller erschaffen, als der nächste. Ich habe mich riesig über ein Wiedersehen mit der Stammbesetzung um Thies, den Inselpolizisten, und Antjes Imbissbudenrunde von der“ Hidden Kist“, samt Postboten Klaas, Bounty, Schimmelreiter und Piet Paulsen, gefreut. Welch ein Glück auch, dass die gesamte Truppe, einschließlich Hund Susi ebenfalls mit nach Amrum darf. Ganz klar dürfen auch die Zwillinge Tadje und Telje nicht fehlen, auch wenn denen natürlich ganz schön peinlich ist, dass der Papa ständig aufschlägt. Nicole Stappenbeck von der Mord Zwei reist mit ihrem Sohnemann Finn an, der die Imbissbudentruppe gehörig auf Trapp hält. Auch alle Nebendarsteller, die für diesen Fall angeheuert sind, sind einfach nur zu genial. So muss z.B. die nervige Elternvertreterin Frau Lammers-Lindemann, erst einmal von Steineguru Rainer durch „integrale Gefühlsarbeit“ beruhigt werden. Marcel, der Skyte Profi, muss überprüfen, ob Seepferdchen Tattoo, Krap arround Sonnenbrille, Hawaii Bermudas und Wilderness-Survival-Shirt wirklich halten was sie versprechen. Ein richtiges Highlight ist auch der Papagei Käpt´n Flint, ohne dessen super Kommentare, wäre es im „Zum Lustigen Seehund“ nur halb so gut gewesen.

Lokalkolorit vom Feinsten ist hier außerdem gegeben. Der einjährige Finn wird schon auf frische Krabbenbrötchen eingeschworen, die raue See bei der Überfahrt habe ich fast auf meinem Sofa gemerkt und plötzlich eintretender Nebel, der sich über die Dünen legt, hat mir fast den Blick auf die Zeilen genommen. Ich hatte beim Lesen das Gefühl live dabei sein zu dürfen. Immer wieder darf auch einer in Dialekt plappern und dass der HSV der Verein des Nordens, der Imbissbudentruppe und des Autors sein muss, ist ebenfalls nicht zu übersehen.

Krischan Koch schickt hier die 10a auf Klassenfahrt, auch diese besondere Atmosphäre hat er gelungen eingefangen. Die Teenies haben ihre eigene Jugendsprache, in der Klasse gibt es Mobbing, der junge attraktive Referendar wird angehimmelt und ganz klar ist keiner ohne sein Handy überlebensfähig.

Alles in allem muss jeder Krimileser, der gerne auch mal lacht, „Backfischalarm“ ganz dringend gelesen haben. Achtung Suchtgefahr und begeisterte 5 Sterne.   

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

buchmesse, doktor, geräusche, selbstbefriedigung, nacktbadestrand

Bloßmenschen

Volker Surmann
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei SATYR Verlag, 01.02.2017
ISBN 9783944035833
Genre: Comics

Rezension:

Will ich unbedingt wissen, wie oft sich der Mann im Zug neben mir selbst befriedigt? Braucht man einen Toilettensitz mit eingebauter Dusche wirklich? Muss man aufräumen und sauber machen, bevor die bezahlte Putzfrau kommt und warum ist es mir eigentlich peinlich, wenn ich dem Arzt den Popo entgegen strecken muss? Jeder kennt sie: diese Situationen, wo aus Offenheit Entblößung wird; wo sich möglichst schnell ein unvermitteltes Wurmloch auftun sollte; und wo man gemeinsam mit dem Universum für einen kurzen Moment den Atem anhalten muss. Komische Geschichten zum Schämen, ach wie schön, wenn man nicht betroffen ist, sondern einfach nur vergnügt davon lesen darf.

Satiriker, Lesebühnenautor und Poetry-Slammer Volker Surmann hat hier seine Sammlung, aus teils bereits veröffentlichten, teils neuen Geschichten geschaffen, die sich im engeren oder weiteren Sinn um das Schämen, Fremdschämen oder Erleben und Aushalten von peinlichen Situationen drehen. In einem ersten Kapitel widmet er sich der teilnehmenden Beobachtung von Alltagsszenen, wie man sie in Zug, Supermarkt, Sauna oder auch auf der Straße erleben kann. Dann geht es mit Kapiteln, die vom Familien- und Berufsleben berichten weiter. Daraufhin folgen Schamgrenzen, die man überwinden muss und seinen eigene Erfahrungen mit Scham. Abschluss bildet ein sechstes Kapitel das Sehnsüchte und Phantasien lebendig werden lässt.

„Präzise, süffisant und mit einer gehörigen Portion Selbstironie präsentiert er seine Geschichten zum Schämen.“ Mit diesem Satz wird für dieses Buch geworben und diese Beschreibung trifft es haargenau. Die Geschichten sprudeln nur geradezu an Situationskomik, so testet der Autor schon einmal das Horrorklo „Geberit Aqua Clean 5000 plus“, damit seine Leser in den Genuss pointierter, teils auch überspitzer Erfahrungsberichte kommen. Originelle Wortschöpfungen wie „delirium tremens“ für den Ausfall eines Spielers nach einer durchzechten Nacht, „Basilikumske“ als Vorschlag für eine mögliche Mehrzahlform von Basilikum, oder „bevorhäutet“ und „nacktmullig“ für gezielte Beobachtungen in der Sauna, machen das Lesen zum großen Spaß. Ganz viele Geschichten haben mich laut lachen, manche auch nur grinsen lassen und bei einigen habe ich mich selbst ertappt gefühlt.

Erwähnen möchte ich auch unbedingt noch die acht Audiolinks, mit denen man sich einzelne Geschichten auch in O-Ton anhören kann. Eine Gratiszugabe, die mir gut gefallen hat.

Alles in allem hatte ich humorvolle Unterhaltung, die auf jeden Fall noch 5 Sterne verdient. Den mir zuvor unbekannten Autor und seinen Verlag werde ich auf jeden Fall auf dem Radar behalten.

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13 Bibliotheken, 4 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

deutschland, migration, geschichten, menschen, kulturen

Heimaterde

Lucas Vogelsang
Fester Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783351036713
Genre: Sachbücher

Rezension:

„Bei uns im Viertel, Quartier Pankstraße, Berlin-Wedding, leben etwa 16000 Menschen, der Anteil der Migranten liegt bei 63 Prozent, die Arbeitslosigkeit bei 12,5, fast die Hälfte der Bewohner ist auf Transferleistungen angewiesen. Transfer, im Fußball bedeutet das immer viel Geld. Im Wedding, das auch ein Ort des Fußballs ist, bedeutet es eher weniger Geld“.

Genau in diesem Viertel wohnt der Journalist Lucas Vogelsang und sitzt dort bald an einem Tisch mit seinen Nachbarn, die ihre Wurzeln in einem anderen Land haben. In Yasmins „Bäckerei für Integration“, gegenüber seinem Wohnblock, gilt „Mahalle“ (man kümmert sich) und jeder darf nach seiner „Faßong“ leben. Dies ist leider nicht überall so, was der Journalist bei seiner Reise auf der Suche nach Antworten auf die Frage, was denn Heimat ist, sehen muss. In elf Kapiteln bekommt man als Leser einen Bericht von dieser Reise und den vielfältigen Interviews, die er mit  unterschiedlichsten Menschen, die alle von ihrer Herkunft und Identität erzählen, führt.  Dabei kommen bekannte Fußballgrößen, Politiker, deren Namen man kennt, prominente Fernsehschauspieler aber auch Menschen wie du und ich, die man als Nachbar haben könnte, zu Wort.

Als Leser darf man den Autor dabei begleiten, wie er, jeweils ausgehend von seinem Berlin Wedding in zehn verschiedene Regionen kreuz und quer durch Deutschland, von Stuttgart bis Inning am Ammersee, von Pforzheim nach Rostock-Lichtenhagen oder in die Kleingärten in Castrop-Rauxel, reist. Sehr gut gefällt mir auch, dass er sich sogar nach Windhoek in der ehemaligen deutschen Kolonie Namibia begeben hat. So fehlt auch die Perspektive eines Mannes, der Deutschland einst verlassen hat, nicht.

Der Schreibstil von Lucas Vogelsang liest sich locker, leicht und ich bin fast durch die Seiten geflogen. Er findet stets die richtigen Worte, egal um welche Art von Interviews es sich handelt.  Alle sind lebendig geschildert und zeugen davon, dass er ganz genau hingehört hat. Teilweise bedarf es wohl auch einfach einer härteren Sprache, wie will man auch Beschimpfungen wie „Kanake“ umschreiben.

Ich habe alle Kapitel mit großem Interesse gelesen, hatte großartige Unterhaltung, ….

Einige habe ich wissbegierig verschlungen. So bekommt man als Leser z.B. Einblick in Bestattungsrituale und die sich daraus ergebenden Probleme eine Balance zwischen den Wünschen der Familie, religiösen Vorschriften und deutschen Gesetzen zu finden oder man erfährt von der endogamen Heiratsordnung der Jesiden nach innen.

Bei einigen habe ich mich richtig darüber gefreut, wie gut Integration gelingen kann. Ein perfektes Vorbild liefert hier der Melting Pott im Ruhrgebiet. Wie toll ist es doch, wenn gemeinsamer Spaß am spießigen Kleingarten zusammenschweißt und man bei Mettbröttchen und Bratwurst einen gemeinsamen Nenner von nahezu 80 verschiedenen Nationen, die inzwischen 75.000 der insgesamt 1 Million bundesweiten Schrebergärten innehaben, finden kann.

Manchmal war ich richtig geschockt über Anfeindungen, die hier ertragen werden mussten. Welch ein Glück, dass sich z.B. Jimmy Hartwig damals von Sprüchen wie „Zehn Schwule und ein Nigger, die Offenbacher Kigger“ nicht entmutigen hat lassen, sondern seinen Weg gegangen ist, trotz aller Steine, die ihm in den Weg gelegt worden sind. Nur so konnte er doch vor 30 Jahren als zweiter farbiger Spieler in der Nationalmannschaft zum Weltstar schaffen. Sätze wie „Ich fühle mich Deutsch. Doch ich seh nicht wie ein Deutscher aus.“, haben mich traurig innehalten lassen. Sprachlos haben mich z.B. die Aussagen von Migranten gemacht, dass sie die AfD wählen wollen.

Aber auch auf dieses Problem geht der Autor mit der Wahl seiner Gesprächspartner ein. So kommt z.B. Waldemar Birkle von der AfD, 1990 selbst aus dem Kasachstan gekommen, zu Wort.  Sehr gut hat mir dazu auch das Treffen mit SPD Politiker Raed Salek gefallen, der ganz deutlich davor warnt, dass „Hass die Demokratie ersetzt“. Gespräche mit Spätaussiedlern, bei denen es alles andere als eine Willkommenskultur gab oder auch mit in ihrer Heimat verfolgten Jesiten geben einen Einblick, wie es zu einem „Wandel, der aus Verschmähten die Besorgten gemacht hat“ kommen konnte und wie ein „seltsam verschrobenes Recycling der Ressentiments“ entstand. Haben doch viele einfach „Angst davor, dass der Hass der alten Heimat auf dem Weg ist in ihre neue.“ „Wir wissen nicht, wer all die Fremden sind, die jetzt hier sind. Da geht es uns wie den Deutschen.“  

Derzeit lauert die Gefahr, dass angesichts der Überforderung aus jedem Zuwanderer gleich ein Selbstmordattentäter wird. Davor wird hier deutlich gewarnt, was ich toll finde. Nicht nur die bereits hier erfolgreich integrierten Migranten müssen leider darunter leiden, das die Freundlichkeit der Bevölkerung ihnen gegenüber deutlich abgenommen hat, sondern, wenn ich ehrlich sein soll, habe auch ich selbst ein wenig Angst vor dieser Tatsache.  

Der Journalist hat mit diesem Buch einen tollen Beitrag dazu geleistet, dass diese Gefahr kleiner wird und ich hoffe, dass es möglichst viele Leser finden wird. Er gibt Einblick in Denkweisen, lässt einige unser rund 21% Migranten, die in Deutschland leben, zu Wort kommen und befreit sie damit ein Stück weit aus dem Mantel des „Unbekannten“.

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Die Kirschendiebin

Helga Schütz
Fester Einband: 170 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783351036751
Genre: Romane

Rezension:

Ich bin wohl mit völlig falschen Erwartungen an diese Erzählung heran gegangen und gehöre außerdem nicht zur Zielgruppe für eine solche Art des Erzählens.

Thomas Falkenhain ist in dem Alter, in dem man aufräumt und sich erinnert, selbst wenn man sich nicht erinnern will. Zum Beispiel an eine heimliche Studentenliebe in den 60ern, die abrupt endete, als Mela, seine »Kirschendiebin«, mit Mann und Sohn in den Westen fliehen musste. Erst aus den Stasi-Akten weiß er, dass sie ihm später Briefe geschrieben hat.
Unerwartet erhält er ein Stipendium für eine römische Künstlervilla. Kaum dort eingetroffen, ertappt er eine Frau im Park, die eine Orange pflückt und sogleich isst: Mela. Als wären nicht Jahrzehnte vergangen, beginnt die Liebe von neuem. Es ist schön, schwach zu sein und bejahrt. Nur Mela müsste ihm endlich auch von Angst und Ohnmacht erzählen.

Dies ist die Beschreibung zu dieser Geschichte und ich hatte mir Erinnerungen an die Zeit vor Melas Flucht, Berichte darüber, wie es den beiden während der getrennten Zeit erging und dann natürlich eine Beschreibung ihres Wiedersehens erwartet. Ganz klar, grob skizziert dies auch den Ablauf der Erzählung.

In einem ersten Kapitel wird hauptsächlich aus der Sicht von Thomas Falkenhain erzählt. Er berichtet von Fliegenpilzexperimenten um die Enge zu ertragen, von seinem abgebrochenen Studium, von seinem Aufenthalt in der Neurologischen der Charité, vom Abschnittsbevollmächtigten von Gegenüber, von Gisela, einer Bekannten, die sich ihm annimmt,  und von der Akteneinsicht in den „Vorgang Solist“. All diese Erinnerungen bekommt man als Leser allerdings nur als Fragmente dargeboten, zumindest habe ich es so empfunden. Abgehakte, extrem kurze Sätze, ein kalter, distanzierter Sprachstil mögen sicher zu seiner Orientierungslosigkeit passen, mir hat der Stil aber einfach nicht zugesagt. Ebenfalls Probleme haben mir die zahlreichen Zeitsprünge bereitet. Mela noch da, kurz darauf schon ein Buch im Westen veröffentlicht. Absätze hätten mir das Lesen hier vielleicht erleichtert.

Das zweite Kapitel schildert aus Melas Sicht. Dieses hat mir von den dreien noch am besten gefallen. Sie berichtet davon, wie sie als uneheliches Kind auf die Welt kam, wie ihr nach der Flucht nichts so brutal gefehlt hat, wie der Osten. Was sie natürlich nicht laut sagen durfte, denn es gab ja nun Auto, täglich Bananen und Luxus. „Wer Freunde für immer verlässt, kann nie mehr froh werden.“ Dieser Satz beschreibt wohl ihre Gefühlslage sehr gut. Sie berichtet von Alpträumen und die Flucht ins Vereinsleben um sich abzulenken und sie berichtet davon, wie wichtig ihr der Wald wurde. Hier wird chronologisch berichtet, was mir leichter viel. Ich hatte auch den Eindruck, dass der Sprachstil hier nicht so gebrochen wie im ersten Teil war.

Das dritte Kapitel berichtet von der Zeit in Rom. Unabhängig voneinander werden sie von den Kulturämtern als Auszeichnung für populäre Verdienste ins Haupthaus, der Villa in Rom, eingeladen. Man erfährt von der ersten zufälligen Begegnung im Garten, wie damals vor der Flucht beim Kirschklau, ertappt Thomas Falkenhain Mela Weiss hier beim verbotenen Orangenpflücken. Die beiden nähern sich langsam an. Mela wird krank, aber Falkenhain erkundet Rom für sie mit, denn er „schleppte die ewige Stadt zu ihr aufs Sofa“ indem er ihr ausführlich von den Eindrücken bei seinen Touren berichtet.

Die Autorin arbeitet mit vielen Vergleichen mit der Natur. So beschreibt Mela z.B. einen Buchenbaum, dessen Stamm sich geteilt hat, sicher als Bild für die Trennung und dann „die Stämme hatten sich nach vielen Jahren Himmelsstürmerei allmählich wieder einander zugeneigt.“ wohl als Ausdruck ihrer Hoffnung.  Stellenweise konnte ich mit dieser bildhaften, poetischen Sprache etwas anfangen. Gut gefallen hat mir z.B. „Ich war nicht jeden Tag tot. Manchmal hielt mich eine steife Hülle, ein Chitinpanzer, der war gut, aber da wollte ich raus. Raus aus der Puppe. Rumpf beugen. Beine heben, Fühler ausstrecken. Endlich Käfer.“ Da wird für mich ihre Gefühlswelt deutlich klar. Weniger zugesagt haben mir solche wie „Zornig hatten sich die die aufsässigen Menschenkugeln mit ihren vier Beinen und Armen und zwei frechen Köpfen geteilt, danach die Teile auf die Erde geworfen.“  oder „Fast ein Kuss, höflich, mit gelindem Schreck. Was fällt dich an, was fällt dir ein. Stacheln am Rosenholz.“

Alles in allem hatte ich mir wesentlich mehr erzählte Geschichte, wie in einem Roman üblich, erhofft. Der eigentlich kühle, distanzierte Stil durch abgehackte, kurze Sätze, kombiniert mit dieser Anhäufung an Bildern ist leider nichts für mich.

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Sie werden lachen

Katrin Weber , Stefan Schwarz
Fester Einband: 198 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 17.03.2017
ISBN 9783351036676
Genre: Humor

Rezension:

Bisher kannte ich die die lustigste Frau Sachsens leider nicht und ich muss sagen, ich habe so richtig etwas verpasst. Dass Katrin Weber einer der hellsten Sterne am sächsischen Kabaretthimmel ist, wundert mich kein bisschen und nach diesem super Buch, bei dem ich Tränen gelacht habe, muss ich Sie ganz unbedingt einmal live erleben.

Der Sprachstil nimmt einen richtig mit. Ich hatte als Leser das Gefühl, als wäre ich live bei den Plaudereien zwischen Karin Weber und Bestsellerautor Stefan Schwarz mit dabei. Es ist fast so, wie wenn man locker, leicht einen schönen, super lustigen Abend mit Freunden verbringt und jeder die peinlichsten Momente seines Lebens zum Besten gibt. Allerdings bin ich überzeugt, dass unter meinen Freunden niemand ist, der diese auch nur annähernd so gelungen pointiert zum Besten geben könnte.

Als Leser darf man mit auf „Lebensreise vom Dussel zur Diva“ gehen. Katrin Weber und Stefan Schwarz erzählen hier wie sich das „moppelige, pausbäckige, kaum die Augen auf bekommende Wuchtbrummelchen“, trotz, oder gerade wegen der ganzen Fettnäpfchen, die erfolgreich getroffen wurden, ein solch leuchtender Stern am Kabaretthimmel gemausert hat. Welch ein Glück, dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt und deshalb eben nicht an „Witzstau“ gestorben ist, wie befürchtet. Denn „Jeder nicht gemachte Witz klemmt sich bekanntlich irgendwo im Körper fest, bläht sich auf und dann platzt man irgendwann.“

In der Kinderkrippe in die Abstellkammer gesperrt, auf dem Schulweg wegen der Eintragungen im Muttiheft nur zu gern getrödelt, die ersten Verehrer von der Mama erfolgreich mit Wasserflöhen in die Flucht geschlagen, oder waren es die Kittelschürzen, bei der Ausbildung den Fließbandkasper gespielt, satt das Soll erfüllt, das bunte Studentenleben in Dresden genossen, sich durch die Gesangsausbildung gequält, durch den Zweiten Preis beim Nationalen Opernsängerwettbewerb, bei Nichtvergabe des ersten, bekannt geworden und dann Erfahrungen bei Musical, Theater und Kabarett gesammelt. Das sind die Stationen aus Katrin Webers Leben, die hier angesprochen werden, und sie werden wirklich lachen, diese Frau ist scheinbar ein Magnet für peinliche Sachen.

Wer sich wirklich herzhaft durch ein Buch lachen will, muss hier unbedingt zugreifen.  Jeder der wissen will, wie aus selbstgenähten Bürstenpolstern auf dem Jahrmarkt leicht ein Keuschheitsgürtel wird, bzw. was es mit „Als dralle Dirn eingestiegen, als flacher Witz wieder raus“, „ich entdeckte sofort, dass die geistige Belebung durch die Bowle mit der Erlahmung aller übrigen Körperteile erkauft worden war“ oder „Bei mir kann man noch erkennen, warum das überhaupt Rolle heißt“, auf sich hat,  wird hier die offene Wahrheit erfahren. Nicht verpassen sollten Sie auch wie aus einem „vom zentralen Elektromotor angetriebenen Motorradbüffel“  ein sterbender Büffel wird sowie zahlreiche andere Bühnenpannen!

Liebe Frau Weber, Sie sind eine gigantisch tolle Frau und auch wenn Sie wirklich eine Katastrophe im Trösten sind, muss ich Sie ganz unbedingt einmal live erleben. Absolute Leseempfehlung und begeisterte 5 Sterne.

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Die Zutaten der Liebe

Elisabetta Flumeri , Gabriella Giacometti , Verena von Koskull
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 17.03.2017
ISBN 9783746633039
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschichte beginnt mit einem Alptraum für Margeritha, dann hat auch noch das Tageshoroskop im Radiowecker nur Horrormeldungen parat und ihr Ehemann Franceso, der sich wie ein Pascha das Frühstück ans Bett bringen lässt, droht ihr, sie darf das Vorstellungsgespräch auf gar keinen Fall vermasseln. Was dann aber natürlich prompt passiert. Zurück zu Hause findet sie das Kündigungsschreiben für ihre  Wohnung und dann taucht auch noch Francescos Englischlehrerin auf, die ihm wohl alles andere als Englisch beigebracht hat. Hat sich Maggy in Rom noch nie wohl gefühlt, ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, nicht nur der Stadt, sondern auch ihrem Ehemann den Rücken zu kehren. Sie packt ihre Siebensachen samt ihrem kleinen Zoo und fühlt sich wenig später zurück in ihrer toskanischen Heimat Roccafitta schon fast wieder richtig daheim. Allerdings ist hier auch nicht alles Gold was glänzt. Der Traum das Restaurant ihrer verstorbenen Mutter wieder aufleben zu lassen, ist schnell ausgeträumt, denn es gehört inzwischen der Bank. Die Versteigerung droht, weil ihr Vater Armando lieber weiter spielt, als Schulden zurück zahlt. Sie muss sich also erst einmal Arbeit suchen und Matteo, ihr bester Freund aus Jugendtagen, hätte auch sofort die passende Gelegenheit. Kochen ist ihre Leidenschaft, eigentlich nichts lieber als das, aber ausgerechnet für Mr. Tiefkühlkost, dessen Attraktivität indirekt proportional zu seinem schlechten Charakter ist, nie im Leben. Aber Maggy nicht mit dem Gefühlsstrudel gerechnet, denn noch nie einem Mann gegenüber so ein heftiges Verlangen verspürt. Und auch dem kalten, skrupellosen Geschäftsmann Nicolas Ravelli geht die in seinen Augen so desorganisierte, kindische und impulsive Frau, seit ihrem Tintenfisch Anschlag im Supermarkt nicht mehr aus dem Kopf. Er sucht eine Köchin, Maggy braucht das Geld und so …

Der Schreibstil liest sich locker, leicht und man fliegt fast durch die Seiten. Margherita hat sich das Kochen von ihrer Mutter abgeschaut und wie schon für diese ist es zur großen Leidenschaft geworden. Maggy kocht um sich zu trösten, sie kocht aus guter Laune, sie kocht um sich abzulenken, oder sie kocht um zu verführen. Es gibt nichts im Leben, was sich nicht wegkochen lassen würde. Ihr Leben dreht sich zu einem großen Teil ums Essen und die Zubereitung immer neuer Köstlichkeiten. Diese Leidenschaft durchdringt auch die Ausdrucksweise, so gibt es die passenden Vergleiche wie „Maggys Gefühlskonsistenz war so bröselig und spröde wie Mürbeteig“, oder Kosenamen wie „Miss Zitroneneis“ werden verliehen. Gut gefällt mir, dass man immer wieder schmunzeln darf, so kann es schon mal sein, dass Maggy im Supermarkt der Tintenfisch aus der Tüte rutscht und prompt auf dem Anzug von Nicolas landet. Gelungen empfinde ich auch, dass der Leser von Maggys Gedanken und Gefühlen, die so oft ihrem Handeln widersprechen, durch kursive Einschübe erfährt.  Gefreut habe ich mich darüber, dass es trotzdem die Begierde und das Verlangen deutlich spürbar sind, keine ausladenden Sexszenen gibt, denn das ist nicht mein Ding. Beide haben ihren Stolz, ihre Prinzipien und wollen ihre Gefühle eigentlich gar nicht zulassen, daher kommt die Liebesgeschichte auch nicht schnülzig daher, sondern hat Gefühl, aber eben auch Pfiff. Wie viel Happy End verträgt eine solche Geschichte? Wegen mir hätte nicht alles so rund laufen müssen, aber auch mit dem Ende kann ich gut leben.

Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und Margherita habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Sie hat ihren Stolz und lässt sich nicht verbiegen, was mir gut gefällt. Außerdem sind ihr Freunde und die Familie sehr wichtig, auch wenn das Wichtigste in ihrem Leben wohl das Kochen ist. Ganz anderes hingegen ist Mister Tiefkühlkost. Nicolas denkt mit Geld lasse sich alles regeln und er geht wegen einem guten Geschäft auch über Leichen. Aber die kalte Fassade bröckelt, ob Maggy ihn weichkocht? Auch die kleineren Rollen sind toll besetzt. So wird z.B. Papa Armando mit seiner Spielsucht äußerst authentisch dargestellt. Oder bei Nicolas Assistentin Carla trifft es wohl die Beschreibung „effizient, zuverlässig, aber ohne einen Funken Humor“ mehr als genau. Erwähnen möchte ich noch den kleinen Tierpark, dem sich Maggy angenommen hat. Die beiden Katzen Ratatouille und Asparagio, MischlingshundArtusi und vor allem Beo Valestro mit seinen super Kommentaren haben mir als tierische Unterstützung gut gefallen.

Ich muss eigentlich beim Lesen von Romanen nicht unbedingt noch Rezepte geliefert bekommen, aber hier passt es richtig gut. Maggy hat schon ganz besondere Köstlichkeiten in petto, sodass vielleicht sogar ich zum Kochlöffel greifen werde. Parmesanpudding, Schokoladenmousse mit Chilli,… ich komme.

 „Eine herrlich spritzige, sinnlich-romantische Sommerkomödie voller Aromen und toskanischem Flair, die die Sehnsucht nach Italien weckt.“ Mit diesem Satz wird für diesen Roman geworben und er verspricht nicht zu viel.  Hier bekommt man herrlich spitze Dialoge, Leidenschaft und Gefühle. Der Mund wird einem wässrig bei den ganzen Köstlichkeiten, die Maggy zubereitet und man kann sich so richtig nach Italien, bzw. in die Toscana träumen. Zwischen Weinbergen tolles Essen genießen und Schmetterlinge im Bauch fühlen, das fühlt sich fast wie Urlaub an. Natürlich ist es leichte Unterhaltung, aber das sollte bei der Buchbeschreibung ja schon klar sein und deshalb bekommt die Geschichte von mir auch noch 5 Sterne.

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