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24 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 1 Rezension

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Im Kongo

Urs Widmer
Flexibler Einband: 214 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.03.1998
ISBN 9783257230109
Genre: Romane

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12 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Die Fischerkinder. Im Auge des Sturms

Melissa C. Feurer
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 22.08.2018
ISBN 9783961400621
Genre: Fantasy

Rezension:

Mira zog die Augenbrauen hoch. 'Ihr diskutiert das nicht wirklich im Rat, oder?' 'Müssen wir. Als Vertreter der Rebellen nehmen wir alle Anliegen und Forderungen ernst. Auch wenn manche, offen gesagt, eine ziemliche Zeitverschwendung sind.' 'Ist das wieder dieses Demokratieding, auf das die Rebellen so viel Wert legen?'

Unterirdische Städte in Büchern haben schon immer eine besondere Faszination ausgeübt. Dieses Rebellenquartier macht da keine Ausnahme.

Die Fischerkinder-Gemeinschaft hat überstürzt ihr Versteck "Klein-Ararat" verlassen müssen, da sie von Regierungstruppen entdeckt worden waren. Nun befinden sich Mira und Chas auf der Flucht. Gemeinsam schmieden die beiden einen verzweifelten Plan. Sie wollen in die Hauptstadt Vacabunite, um Veras Bruder Filip zu befreien, der Mira und Chas vor dem Zugriff der Regierungstruppen gerettet hat und dafür selber verhaftet wurde. Emotional erschwerend kommt hinzu, dass Vera inzwischen sowohl zu dem verschlossenen Chas als auch zu Filip eine tiefe Zuneigung empfindet, und auch Chas, der eigentlich nach Amerika auswandern möchte, bleibt dies nicht verborgen. Zunächst aber gibt es ein viel akuteres Problem zu bewältigen: Chas ist von einem der Wachleute angeschossen und übel verletzt worden, und Mira versucht alles, um sein Überleben zu sichern - nicht leicht, wenn man keinen Zugang zu Lebensmittelkarten, geschweige denn Medikamenten hat - zumal Mira ihr überall notwendiges Scanner-Armband nicht einzusetzen wagt, da sie dies in noch größere Schwierigkeiten bringen könnte ... aber mit dem Mut der Verzweiflung und Gottes Hilfe schafft sie es immer wieder, unbeschadet aus brenzligen Situationen herauszukommen und auch alte Freunde wiederzufinden, deren Hilfe sie dringend nötig hat. Denn in der Hauptstadt wird inzwischen Filips Hinrichtung vorbereitet ...

Ich finde, man kann Melissa Feurers Schreibweise durchaus als gelungen bezeichnen. Sie schreibt flüssig und klug, mit feinen Zwischentönen. Zum Beispiel gefällt mir sehr, wie die schwierige Beziehung zwischen Chas und Mira gezeichnet wird; auch einige liebevoll ausgefeilte Nebenfiguren beweisen, dass der Roman kein Friede-Freude-Eierkuchen-Bild von den Fischerkindern zeichnen will. Und es wird keinen Augenblick langweilig. Zu aller Überraschung findet man mittendrin spannende Diskussionen der Diktatur-Flüchtlinge über Demokratie oder Religionsfreiheit. Die historischen und politischen Assoziationen, die durch die Geschichte ausgelöst werden, sind vielfältig. In der Lovely-Books-Leserunde zum Beispiel fühlte sich eine Teilnehmerin durch die Gehen-oder-Bleiben-Thematik sofort an die Geschichte der DDR-Flüchtenden erinnert.

Insgesamt finde ich das dramaturgische Konzept sehr gelungen. Auch wenn man im Handlungsverlauf, so man danach sucht, ein paar logische Ungereimtheiten finden kann. Aber nach der Lektüre der Episode mit den Emmausjüngern (einfach und genial eingeflochten) beschloss ich, alle meine Erbsenzählereien über Bord zu werfen. Das Buch hat fünf Sterne verdient, und die bekommt es auch von mir.

Der Schluss ist ... aber da verrate ich zu viel ... gut. Er ist richtig gut. Und macht wirklich auf den dritten und letzten Band neugierig.

Wer eine mitreißende und außergewöhnliche Jugenddystopie sucht, kommt hier voll auf seine Kosten.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

frankreich, geschichte, gourmet, kunst, literatur, orthei, paris, paris links der seine, picass, rive gauche, sehr lesenswert, seine, toll als geschenk, toll geschrieben, wohlfühlbuch

Paris, links der Seine

Hanns-Josef Ortheil , Lukas Ortheil
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2017
ISBN 9783458177210
Genre: Sachbücher

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41 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

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Mein wunderbares Bücherboot

Sarah Henshaw , Janine Malz , Torsten Woywod
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Eden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 03.08.2018
ISBN 9783959101813
Genre: Biografien

Rezension:

Meine gesamte Reise mit der Book Barge über werden Schleusen für mich das sein, was für Ritter in altenglischen Ritterromanzen Begegnungen mit Drachen sind. Sie sind eine echte Prüfung.

Wusstet Ihr, dass es in England keine Buchpreisbindung gibt?
Eigentlich haben die kleinen Buchhändler gar keine Chance. Das muss auch die junge Buchhändlerin Sarah Henshaw erkennen, aber anstatt aufzugeben, sagt sie sich: jetzt erst recht! - und bricht mit ihrem Bücherboot "Joseph" - dem einzigen Longboat weit und breit, das einen männlichen Namen trägt - zu einer abenteuerlichen Kanalreise durch die englischen Binnengewässer auf.

Mutig und kreativ ist sie, das muss man ihr lassen. Und durchgeknallt.
Frau Henshaw kann durchaus schreiben, hat ein Gefühl für gute Pointen und Kapitelabschlüsse. Nur hin und wieder fehlt der gewisse leserfreundliche Feinschliff. Ein paar logische Fallen lauern außerdem in der Übersetzung. Und ob man dem Toilettenproblem gleich ein ganzes - wenn auch kompaktes - Kapitel widmen muss, ist natürlich Geschmacksache. Vor allem wurde mir nicht zur Gänze klar, ob die Bemerkung "wie es funktioniert oder wie man es steuert" sich auf das Boot oder das Urinella bezog ...

Die Schilderungen des Kampfes der bootfahrenden Autorin mit den Kanalschleusen sind auf jeden Fall unterhaltsam. Oft streut sie literarische Betrachtungen in die Erzählung ein. Ausgesprochen nett finde ich, wenn sie sich in Stratford-upon-Aven mit der Hamlet-Statue unterhält. Nur warum muss sie gegen Ende des Kapitels schon wieder so geschmacklos werden? Wie gesagt, die Gute ist hin und wieder etwas spleenig, aber immerhin selbstkritisch genug, um dies auch unverblümt zuzugeben ("Ich bin nicht mehr zurechnungsfähig" schreibt sie an einer Stelle).

In der ersten Hälfte plätschert die Lektüre manchmal etwas planlos vor sich hin. Aber dann, im hinteren Drittel des Buches, fühle ich mich nicht nur gut unterhalten, sondern amüsiere mich gelegentlich auch königlich. Und am Ende ist die Erzählung dicht und wunderschön geschrieben.

Diese Frau ist echt durchgeknallt. Das sagte ich bereits, nicht wahr? Aber schreiben kann sie.

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Als Mutter verschwand

Kyung-Sook Shin , Cornelia Holfelder-von der Tann
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Piper, 10.03.2014
ISBN 9783492303897
Genre: Romane

Rezension:

Das Leben der Schriftstellerin Chi-Hon und ihres Bruders Hyong-Chol gerät aus den Fugen, als ihrem Vater im dichtesten Gedränge der U-Bahn in Seoul die Mutter verloren geht. Fieberhaft beginnen die Geschwister mit der Suche. Flugblätter werden gedruckt; weder Polizei noch Mitbürger erweisen sich als besonders hilfreich. Nur hin und wieder meldet sich jemand, der eine mysteriöse Frau in blauen Sandalen gesehen hat. Dabei wird den Familienangehörigen immer klarer, dass sie ihre Mutter, die sich stets hingebungsvoll für die Familie aufgeopfert hat, kaum richtig kannten, ihre selbstlose Liebe stets als selbstverständlich hingenommen haben. Wer war diese Frau? Und was hat sie durchgemacht? Hatte sie ein schönes Leben? Fragen, die unendlich wehtun. Und denen sich die Familienangehörigen allmählich zu stellen wagen.

Ungewöhnlich, für unsere Ohren: Die Ich-Erzählerin erzählt nicht in der Ich-, sondern in der Du-Form ... das ist in unserer Sprache gewöhnungsbedürftig, aber mal etwas Anderes. Dachte ich. Dann aber gewinnt diese Erzählweise gegen Mitte der Geschichte eine völlig neue Dimension. Das ist schlichtweg genial.

Das Buch endet sehr bewegend, wenn auch in meinen Augen etwas fragwürdig. Es ist ein sehr intensives Buch. Ein Buch über Kälte. Und Über Wärme. Über die Kälte, die die Selbstlosigkeit ausnutzt, aber verachtet. Und über die Wärme, die kommt und bleibt, selbst wenn es zu spät ist. Über Schuld. Und über Menschen, die trotz allem liebenswerte Menschen bleiben.

Abgrundtief traurig. Und wunderschön.

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56 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

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Mit 50 Euro um die Welt

Christopher Schacht
Fester Einband: 304 Seiten
Erschienen bei adeo Verlag, 24.05.2018
ISBN 9783863342098
Genre: Biografien

Rezension:

Endlich mal wieder ein Reisebuch, das sich zu lesen lohnt!
Und - nein, ich will das nicht nachmachen.

Wartend gesellte sich der eben noch so aufgebrachte Brasilianer zu mir und begann geradeheraus mit mir zu flirten. Auch wenn ich ihm da nicht helfen konnte, bemühte ich mich, höflich und nett zu sein.

Ich mag das. Einfach sympathisch.

In vier Jahren reiste der junge Deutsche Christopher Schacht einmal um die Erde. Dabei kam er nicht nur ohne finanzielles Polster aus, sondern auch völlig ohne Flugzeug. Mit der Bereitschaft, überall sofort Kontakte zu knüpfen, jeden Job anzunehmen, und ausgerüstet mit einem unverwüstlichen Charme, gelang es ihm immer wieder, Menschen für sich zu gewinnen, Transportmöglichkeiten zu finden und dabei wirklich sehr außergewöhnliche Abenteuer zu erleben. Wie es ihm gelang, auf verschiedenen Segeljachten anzuheuern und auf diese Weise erst den Atlantik und später den Pazifik zu überqueren, das liest sich ungeheuer spannend. Niemals wird es langweilig. Gekonnt bringt der junge Weltreisende Eigenheiten der verschiedenen Länder auf den Punkt. Und wenn Christopher Schacht dann in Panama über Janosch und Lenau philosophiert und ein paar persönliche Überlegungen einstreut, dann ist das gar nicht aufgesetzt, sondern richtig gut. Das Pazifik-Kapitel schließt er mit einigen scharfsinnigen philosophischen Betrachtungen über das Thema Glauben ab.

In diesem Buch ist kein Wort zuviel. Der junge Autor hat hier gemeinsam mit dem Adeo-Verlag einen weitsichtigen Mut zur richtigen Lücke im richtigen Augenblick bewiesen, und das Ergebnis ist ausgesprochen leserfreundlich. Aber niemals oberflächlich!
Geliebt habe ich das Korea-Kapitel. Das tiefgehende Gespräch mit dem jungen buddhistischen Novizen über ihre beiden verschiedenen Religionen - ganz großes Kino.

Der Verlag hat sich auch mit der liebevollen graphischen Aufmachung wirklich ins Zeug gelegt; schon das Durchblättern ist ein Genuss. Ein Zusatzbonus sind die praktischen Reisetipps am Ende, wobei er auch ein paar wertvolle Sicherheitshinweise für das andere Geschlecht gibt.

Es gäbe noch unendlich viele Details zu berichten von diesem unglaublichen Reisebuch. Aber lest selber. Es macht einfach Spaß!

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(6.720)

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Tintenherz

Cornelia Funke ,
Buch: 567 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.11.2010
ISBN 9783841500120
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Meggie liebt Bücher. Das muss in der Familie liegen, denn ihr Vater Mo ist Buchbinder. Und auch ihre etwas verschrobene Tante Elinor, die weit weg auf einem alten Landsitz wohnt, hat diesen vollgestopft mit den erlesensten Literaturschätzen. Eines Tages platzt der zwielichtige Staubfinger in das beschauliche Vater-Tochter-Leben, warnt Mo vor einem gewissen Capricorn und veranlasst ihn, Hals-über-Kopf mit Meggie zur Tante aufs Land zu flüchten. Im Gepäck ganz viele Bücher. Und ein besonderes, geheimnisvolles Buch, dessen Inhalt Meggie weder lesen noch sehen darf. Nur so viel hat sie erspäht: in dem Buch befindet sich ein Bild eines gehörnten Frettchens; und auch Staubfinger besitzt so ein merkwürdiges Tier. Mit diesem Buch stolpern Meggie und ihr Vater in ein Abenteuer, das sie sich nicht gewünscht hatten ...

Es begann zu dämmern, als die Berge zurückwichen und hinter grünen Hügeln, weit wie ein zweiter Himmel, plötzlich das Meer auftauchte. Die tief stehende Sonne ließ es schimmern wie die Haut einer schönen Schlange. Es war lange her, dass Meggie das Meer gesehen hatte. Es war ein kaltes Meer gewesen, schiefergrau und blass vom Wind. Dieses Meer sah anders aus, ganz anders.
Es wärmte Meggie das Herz, es nur anzusehen, aber es verschwand viel zu oft hinter hässlich hohen Häusern. Überall wucherten sie auf dem schmalen Streifen Land, der zwischen dem Wasser und den herandrängenden Hügeln lag.


Ich weiß nicht, habe ich jemals so atemberaubend schöne Landschaftsbeschreibungen in einem Kinderbuch gelesen? Denn, ja, es ist ein Kinderbuch. Meggie ist zwölf Jahre alt und verhält sich auch so. Und für ein Kinderbuch ist es ganz schön heftig. Nicht nur, dass die sozial durchaus noch nicht überreife Protagonistin ständig irgendwelchen Leuten irgendetwas an den Hals wünscht ("Ich hoffe, er bekommt eine Lungenentzündung, dachte Meggie") oder ihnen denselben umdrehen will, oder der durch und durch böse Basta zum fünfundzwanzigsten Mal damit droht, jemandem die Nase oder sonst irgendwas abzuschneiden. Was mich noch mehr befremdet hat, ist eine Art gezielter Respektlosigkeit gegenüber christlichen Werten, die ich so in einem Kinderbuch nicht erwartet hätte. Das Hauptquartier des Bösen in einer blutrot von innen getünchten alten Dorfkirche anzusiedeln, überschreitet für mich sämtliche Grenzen des guten Geschmacks.

Das nervt mich ein bisschen an Cornelia Funke, dass die Bösen immer gleich so abgrundtief böse und grausam sind. Aber wie sie das Feuer zu beschreiben vermag! Das ist unglaublich. Allein dafür lohnt es, das Buch zu lesen. Was mir auch gut gefällt, sind die literarischen Kapitelüberschriften. Jedem Kapitel ist nämlich ein kurzer Ausschnitt aus irgendeiner fantastischen Erzählung vorangestellt, auf Seite 114 zu meinem Entzücken mein Lieblingslied aus dem Herrn der Ringe.

Bei diesem Buch bin ich immer wieder hin- und hergerissen. Insgesamt finde ich den Handlungsverlauf eher mau, wenn auch die Grundidee, wie eigentlich immer bei dieser Autorin, ausgesprochen reizvoll ist. Aber was es wirklich rausreißt, ist die Sprache. Wunderschöne, ausdrucksstarke Bilder, dass man aus dem Schwärmen gar nicht mehr herauskommt ...

Staubfinger brach auf, als die Nacht nicht mehr dunkler werden konnte. Der Himmel war immer noch bewölkt, nicht ein einziger Stern war zu sehen. Nur der Mond tauchte ab und zu zwischen den Wolken auf, schwindsüchtig dünn, wie ein Scheibchen Zitrone in einem Meer von Tinte. ...

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Die Fischerkinder

Melissa C. Feurer
Fester Einband: 440 Seiten
Erschienen bei Brendow, J, 19.08.2015
ISBN 9783865067562
Genre: Science-Fiction

Rezension:

Irgendwo in Nordeuropa in der Zukunft. Vielleicht hieß die Gegend früher einmal Deutschland, vielleicht auch nicht. In Leonardsburg herrscht ab neun Uhr abends Ausgangssperre. Lebensmittel kann man nur gegen Rationskarten und Abscannen eines silbernen Identitäts-Armbändchens erhalten. Seit dem Tag 0 hat Vater Staat seine Grenzen dichtgemacht, sämtlichen Handel mit dem Ausland eingestellt und erzieht nun seine darbenden Bürger zu treuen Diktaturhörigen. Den Städtern geht es noch relativ gut. Aber die Menschen in den Außenvierteln schuften auf den Feldern, ohne dass es wirklich zum Lebensunterhalt reichen würde...
Miras Vater ist ein angesehener Staatsbeamter, und dem reibungslosen Lebenslauf seiner Tochter stünde eigentlich nichts im Wege. Wäre da nicht ihre Leidenschaft für Romane, die sie wöchentlich bei Edmund Porter ausleiht. Bücher sind verpönt, aber nicht verboten. Ihnen haftet etwas Aufrührerisches an. Aber wer kann ahnen, dass der wohlerzogenen und mehr oder weniger gehirngewaschenen Staatsbeamtentochter ausgerechnet das gefährlichste Buch aller Bücher in die Hände gerät? Mit diesem Buch beginnt für Mira ein Schritt in eine faszinierende, verbotene Welt - die der Fischerkinder.

Dystopien stellen die was-wäre-wenn-Frage. Das ist es, was mich hin und wieder an diesem Genre reizt. In diesem Fall lautet die bestürzende Fragestellung: Was wäre, wenn die Menschen nichts mehr von Gott wüssten? Wenn ihnen ein solches Wissen streng untersagt wäre? Religiöse Treffen als "Konspirative Kleingruppen" und damit als schwerster Landesverrat gälten? Die Realisierung dieses Szenarios als spannendes, christliches und nicht eben unpolitisches Jugendbuch halte ich für sehr gelungen. Hin und wieder dachte ich beim Lesen: Nordkorea. Ungefähr so muss es dort zugehen. Auch wenn sich vereinzelt logische Schwachstellen im Handlungsverlauf auftun: insgesamt hat die Autorin hier eine schlüssige dystopische Situation geschaffen, die ich mit großer Begeisterung gelesen habe und die spannend bis zur letzten Seite bleibt. Obwohl der Klappentext leider ein Wort zuviel verrät, wenn Ihr versteht, was ich meine.

Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein.
Leseempfehlung!

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529 Bibliotheken, 19 Leser, 1 Gruppe, 131 Rezensionen

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Was man von hier aus sehen kann

Mariana Leky
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.08.2018
ISBN 9783832198398
Genre: Romane

Rezension:

Der Optiker nahm immer die mittlere 'Heimliche Liebe' ohne Sahne. "Die große 'Heimliche Liebe' schaffe ich nicht,", sagte er und sah Selma aus den Augenwinkeln an, Selma aber hatte keinen Sinn für Metaphern, auch wenn sie direkt vor ihrer Nase auf einem Eiscafétisch standen, mit Schirmchen.

Also dass es in der Geschichte um ein Okapi geht, wisst Ihr ja schon aus dem Klappentext. Und auch, dass offensichtlich immer jemand stirbt, wenn Selma von einem solchen träumt. Das allein hatte ja eigentlich schon ausgereicht, dass ich das Buch auf keinen Fall lesen wollte. Ich mag ja diese Art von extrinsischer Konditionierung nicht. Wie Luises Vater kann ich nämlich abergläubischen Regeln, und dann auch noch solchen, die den Tod prophezeihen, so gar nichts abgewinnen. Aber dieses Buch hier ist ein Wunderbuch, genial durchkomponiert und auf rätselhafte Weise seelenerfrischend. Von einer Autorin mit einer herrlich subjektiven und doch so allgegenwärtigen Beobachtungsgabe. Eigentlich ist Luise die Ich-Erzählerin. Aber sie erzählt aus der Perspektive von Selma, aus der Perspektive des Optikers, eigentlich aus der Perspektive von jedem, und es ist richtig so und genau deshalb authentisch, weil es gar nicht authentisch sein kann. Und ich sitze feixend und schmunzelnd im Bus oder wo auch immer man gerade lesen kann und habe eine diebische Freude an dieser unglaublichen Erzählung. Und dann, ganz plötzlich, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Aber es kommt wieder. Und immer wieder höre ich mich "Ach ist das schön!" durch meine stille Wohnung hauchen, als wäre ich meine Uroma, aber was soll ich machen - hach, es ist einfach zu schön! Und mehr Beschreiben geht nicht, denn ich möchte Euch nicht um diese zahlreichen entzückenden und nicht minder überraschenden Pointen bringen ... Ach, was soll ich sagen ... lest selber!

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75 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Die Ländersammlerin

Nina Sedano
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Eden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH, 12.05.2014
ISBN 9783944296203
Genre: Biografien

Rezension:

Ehrlichgesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass die Autorin sämtliche 193 anerkannten Staaten der Vereinten Nationen bereist hat - was für eine beeindruckende Zahl! Aber ob da außer Durchhetzen auch etwas Tiefgang möglich war? Der Stil jedenfalls ist frappierend schlicht und überzeugt mich auf den ersten Seiten noch nicht so recht. Lange habe ich kein so oberflächliches Vorwort mehr gelesen. Und tiefschürfend geht es gleich im ersten Kapitel weiter. Die Autorin begibt sich auf die Suche nach der alles entscheidenden Frage: "Wann war meine erste Reise ins Ausland? Und wohin? Wenn ich nur die Antwort wüsste. Sie liegt so nah und ist doch so fern ..." Leider geht es in dem Stil weiter. "Ich rolle mit den Augen. Am liebsten hätte ich laut gestöhnt." (Und das nur, weil die Mutter die Lokalität der ersten Familien-Auslandsreise  auch nicht mehr weiß...) "'... Aber du musst es doch wissen! Du warst alt genug!' beende ich meinen atemlosen Wortschwall vorwurfsvoll." (An diesem Punkt beäuge ich zum ersten Mal ungläubig den auf dem Cover prangenden roten "Bestseller"-Sticker eines bekannten deutschen Magazins.)

Chronologisch ist nicht immer logisch, das wissen alle Romanleser. Völlig willkürliche Zeitsprünge in einem Reisebericht finde ich aber etwas problematisch, vor allem nachdem die Autorin uns ausführlich an Skiurlaub und Sprachreise teilhaben ließ, um in der Reisereihenfolge ja nichts auszulassen. Ein wenig Spannung kommt immerhin auf, wenn sie zum ersten Mal mit ihrer Freundin eine PKW-Tour nach Südfrankreich unternimmt. Im 5. Kapitel geht es dann nach Australien. Und wieder muss sich der Leser zunächst durch ermüdende Ausführungen quälen und erfährt, wieso die Autorin Reisen schön aber anstrengend findet. Der gewollte Humor ist  nicht immer ganz meiner. Immer noch auf dem Flug nach Australien, springt die Autorin plötzlich zu ihrer noch nicht so lange zurückliegenden Islandreise, weil sie sich beim Menüverzehr in der Businessclass daran erinnert, wie ihr ein Islandpony den Mantel vollgekotzt hat. Und dann ist das Kapitel auch schon zu Ende, nachdem wir auch noch erfahren haben, dass unsere Autorin von ihrem Mann getrennt lebt und darüber traurig ist. Nochmals: Kann mir jemand erklären, wie es so ein Buch in die Spiegel-Bestseller-Liste geschafft hat?

Hier noch eine Kostprobe: "Es ist jedes Mal das Gleiche mit mir: Ich habe keine Zeit, mich zu erholen! Ich koste meine Lebenszeit zum Leben und Erleben aus und habe eine tolle Zeit. Mich im Urlaub auszuruhen, dem süßen Nichtstun hinzugeben, steht nie auf meinem abwechslungsreichen Reiseprogramm. Solange ich genug Energie habe, spicke ich einen kostbaren Urlaubstag mit interessanten Aktivitäten." Da hätte sie vielleicht auch mal einen Schreibkurs belegen können.

Hin und wieder gibt es nette Berichte, zum Beispiel die Schilderung des Besuchs bei den Berggorillas in Ruanda. Die Lektüre wird erträglicher, aber so richtig vom Hocker reißt sie mich immer noch nicht. Ein bisschen spannend verspricht es zu werden, als sie in der Slowakei ganz alleine zu einer Wanderung durch einen Nationalpark aufbricht. Doch schon nach kurzer Zeit kehrt sie um, weil sie Angst hat, sich jenseits der Zivilisation zu verletzen. In Asien wird es dann tatsächlich mal interessant. Und ein kleines bisschen atmosphärisch. Die Begegnung mit den Menschen auf den Philippinen ist eine der wenigen Schilderungen, die ich ausgesprochen gern gelesen habe. Aber mit Sehenswürdigkeiten hat es die Autorin allgemein nicht so. Von ihnen erfahren wir höchstens stichpunktartig etwas in der Kapitel-Abschlussnotiz. Es werden durchaus einige interessante Erlebnisse geschildert, zum Beispiel die unglaubliche Odysse durch die iranischen Botschaften der Länder Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien - in dem verzweifelten Versuch, als alleinreisende Frau ein Visum für den Iran zu bekommen. Richtig gut - und damit hatte ich eigentlich nicht mehr gerechnet - ist die Episode, als sie in Afghanistan die Burka ihrer Gastgeberin anprobieren darf. Diese Beschreibung ist außergewöhnlich und Grund genug, zumindest einen zweiten Stern zu vergeben. In Kabul bekommt sie endlich ihr Visum für den Iran. Nur schade, dass es ausgerechnet von der Iran-Reise keinen Bericht gibt - dem Afghanistan-Kapitel lässt sie ungerührt Griechenland folgen.

Einen Reisebericht aus Nordkorea zu lesen, ist natürlich spektakulär, und natürlich ist das eine ganz gruselige Sache. Aber Frau Sedano lästert von Anfang an nur über die schwierigen Bedingungen ab und ärgert sich, dass sie dieses minderwertige Land unbedingt der Vollständigkeit halber abhaken muss, anstatt sich einmal mit behutsamer Neugier auf die heikle Situation einzulassen. So würde mir Reisen auch keinen Spaß machen. Und so faszinierend es ist, einmal einen Blick hinter die Kulissen des nordkoreanischen eisernen Vorhangs zu werfen, so abgeschmackt und unangenehm finde ich die überhebliche Berichterstattung. Zwischendurch gelingt es der Autorin allerdings durchaus, eine beklemmende Spannung zu erzeugen; nicht alles an dem Bericht ist abgeschmackt. Höchst peinlich ist es allerdings, wenn sie anlässlich des billigen Plastikbestecks der nordkoreanischen Fluglinie damit angibt, wie viel hochwertigeres Essbesteck anderer Fluglinien sie schon hat mitgehen lassen. Da fehlen mir die Worte.

Die Filmdreh-Episode mit den beiden tollpatschigen Kameramännern Heinz und Stefan hätte echt Potential zu einer amüsanten Schilderung, vor allem, als die drei in Sierra Leone ohne Drehgenehmigung verhaftet werden; aber anstatt da was Lustiges draus zu machen, schreibt sie viele empörte Ausrufezeichensätze, warum nur?

Insgesamt kann ich leider nicht sagen, dass sich die Lektüre lohnt. Mit etwas Glück findet man zwar hin und wieder ein paar taugliche, atmosphärisch dichte Beschreibungen. Aber die Autorin  beherrscht die Übergänge nicht gut, die Gedankensprünge, die richtige Dosierung von Philosophieren und Schwadronieren ... So war das Lesen eher ein von Durchhalteparolen begleiteter Härtetest. Fassungslos macht mich immer noch der rote Sticker auf der Vorderseite des Buches. Manche Dinge versteh' ich einfach nicht.

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388 Bibliotheken, 8 Leser, 3 Gruppen, 100 Rezensionen

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Die Geschichte eines neuen Namens

Elena Ferrante , Karin Krieger
Fester Einband: 623 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.01.2017
ISBN 9783518425749
Genre: Romane

Rezension:

Hart und schmerzvoll wird mein Wissen wieder auf den Stand gebracht, den es gegen Ende des ersten Bandes hatte - dies ist jetzt leider ein Jahr her, so dass ich mich zur Sicherheit mal durch den Prolog der Personenbeschreibungen quäle. Diesmal ist es aber, im Gegensatz zu dem im ersten Band, durchaus hilfreich, dieses Verzeichnis. Ich gebe zu, dass ich im Folgenden hin und wieder spicken musste, um nicht den Überblick zu verlieren.

Lilas Ehe beginnt mit einem katastrophalen Fehlstart. Noch in der Hochzeitsnacht zieht sie, die allzeit Kompromisslose, die sich verraten und verkauft fühlt, den Schlussstrich der inneren Emigration. Stefano reagiert in seiner Hilflosigkeit mit der einzigen Verhaltensregel, die man im Rione lernt: Prügel und Vergewaltigung. Als Leser hat man in diesem Band eine Menge zu schlucken. Auch Lenú beschreibt als Ich-Erzählerin wieder ihre eigenen egoistischen Gemütszustände, die jeder andere normalerweise halb unwissend ganz tief in sich verbergen würde. Dabei ist sie dermaßen direkt, dass einem vor Ekel schon mal die Luft wegbleibt, besonders, wenn Lenú mitten im derbsten Sex mit Antonio daran denkt, dass sie dies eigentlich nur tut, um Lila eifersüchtig zu machen.

Aus der unheilvollen Abhängigkeit wird eine missbräuchliche Freundschaft. Lila benutzt Lenú und ihre Bedürfnisse, um diese noch dümmer und hässlicher dastehen zu lassen. Und ausgerechnet in dem Augenblick, in dem Elena (Lenú) sich ihrer eigenen missgünstigen Gedanken gegenüber ihrer Freundin bewusst wird und sich dafür schämt, hat Lila so übertrieben mit dem Ausspielen ihrer Hochbegabtenkarte, dass Elena dringend eine Lila-Pause einlegen sollte. Dies wird aber ihr schlechtes Gewissen verhindern. Stattdessen beginnt sie, ihre Freundin besser zu verstehen, analysiert mit scharfem Blick deren Furcht davor, so zu werden wie die älteren Frauen des Rione, und sieht auf einmal selber alle Frauen mit völlig neuen Augen. Das alles ist so genial erzählt (und übrigens auch übersetzt), dass es, wie ich finde, die gewöhnliche Sterne-Bewertung sprengt.

Wenn man diesen zweiten Band liest, ahnt man, warum die Autorin unter Pseudomym schrieb (das leider von einem trotteligen, sensationsgeilen Journalisten aufgedeckt wurde). Mafiöse Strukturen der Heimatgosse, genannt Rione, treten nun klarer hervor. Es wird sehr spannend.

Mir gefällt es, dass Personen nie einseitig charakterisiert werden. Wenn man gerade angefangen hat, sie zu verabscheuen, zeigen sie plötzlich andere Seiten ihres Charakters, die einen versöhnlich stimmen. Nur mit Lila wird es von Kapitel zu Kapitel schwerer. Aber gerade für sie hat die Autorin ein schier unendliches Verständnis. Der Leser wird schon manchmal wütend auf die Handelnden, die Autorin nie.

Lila, der eine bessere Bildung verwehrt blieb, tritt nun, als wohlhabende Ehefrau, als Lenús Förderin auf. Diese Lila-Lenú-Lerngemeinschaft hat durchaus etwas Guerillamäßiges. Wenn sie Lenú nicht schon wieder in diese ungesunde Abhängigkeit treiben würde. Ein erster Wendepunkt kommt mit der Party bei Prof. Galiani. Auf einmal wird Elena wertgeschätzt. Sie blüht geradezu auf. Sogar Nino, ihr heimlicher Schwarm, wird auf sie aufmerksam. Und, wie könnte es anders sein, Lila kann ihr diese Freude nicht gönnen. So traurig. Und um Elena macht man sich als mitfühlender Leser allmählich Sorgen. Anstatt ständig für Lila den Fußabtreter zu geben, sollte sie endlich anfangen, ihr eigenes Leben zu leben. Argumentationsketten junger Menschen sind nicht immer logisch. Oft möchte man Elena an den Schultern packen und fest rütteln. Es wird immer mehr die Geschichte eine Missbrauchs. Und gleichzeitig eines unerträglichen Mitläufertums.

Lila ist schwer einzuordnen. Sie entzieht sich jeder Schublade. Die Verwandten rätseln vergeblich, ob sie auf der Seite ihrer Familie oder auf der Seite der Solaras steht. Ist alles, was Lila tut, nur eine billige Vergeltungsmaßnahme? Um sich dafür zu rächen, dass sie es nie aus dem Rione herausschaffen wird? Lenú aber schon? Aber mit dieser Konsequenz hat sich Lila ihr eigenes unerbittliches Urteil gesprochen.

Warum es am Ende trotzdem ein wunderbares Buch ist? Am Ende haben beide Freundinnen endlich etwas kapiert. Mehr muss ich hier wohl nicht verraten.

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95 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 37 Rezensionen

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Cloud

Claudia Pietschmann
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Arena, 10.08.2017
ISBN 9783401603490
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Wenn niemand in meiner Nähe ist, fühle ich mich wohl. Wenn niemand redet und ich mit mir ins Reine kommen kann.

Emma hat ihren kleinen Bruder durch einen tragischen Unfall verloren. Daran hat sie schwer zu tragen und kapselt sich von ihren realen Bezugspersonen immer mehr ab. Stattdessen chattet sie ausgiebig mit Paul, den sie in einem Trauerforum kennengelernt hat. Anders als die überbesorgten Eltern und der etwas dominante Schulfreund Matt kann Paul offensichtlich einfach zuhören, ohne ihr ständig gut gemeinte Ratschläge erteilen zu müssen. Durch die Gespräche mit ihm lebt Emma wieder auf. Ihm kann sie alles anvertrauen und weiß ihre intimsten Gefühle bei ihm in guten Händen. Oder etwa doch nicht? Irgendetwas stimmt nicht mit Paul. Dabei tut er ihr so gut, ist wie so ein Stück Freiheit für Emma, ein Schutzraum, in den sie sich zurückziehen kann. Denn ihr Leben scheint bestimmt von übermäßiger Kontrolle: durch die ängstlich besorgten Eltern, den manchmal zu fürsorglichen Matt, die wissbegierige beste Freundin, und dann auch noch ein High-Tech-Haus, das einen auf Schritt und Tritt beobachtet...

Claudia Pietschmann hat ein hochspannendes Buch zu einem erschreckend aktuellen Thema geschrieben. Dabei taucht sie tief in das Gefühlschaos der 16-jährigen Emma ein und vermittelt ein facettenreiches Bild einer komplizierten Teenagerpersönlichkeit, die versucht, sich zwischen Trauer, Gewissenskonflikten und Sehnsüchten einen Weg zu bahnen.

Dann nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Die Seiten fliegen nur so dahin. Man möchte nicht aufhören. Die Geschichte ist sehr schön geschrieben. Beklemmend gut. Berührend. Traurig. Und mit einem Gänsehautende.
Absolute Leseempfehlung!

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russland

In Wahrheit sind wir stärker

Gabriele Krone-Schmalz
Flexibler Einband
Erschienen bei Fischer (TB.), Frankfurt, 01.08.1998
ISBN 9783596107513
Genre: Sachbücher

Rezension:

Die Perestroika war noch ganz jung, als die WDR-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz zu einer Reise durch die damals noch existierenden Sowjet-Republiken aufbrach, um Gespräche mit sowjetischen Frauen zu führen und diese über ihre Lebensweise, ihren Alltag und die sowjetische Frauenpolitik zu befragen. Herausgekommen ist nicht nur eine TV-Dokumentation, sondern auch dieser kurzweilig zu lesende Reisebericht der erfahrenen und feinfühligen Berichterstatterin, deren müheloser, souveräner Stil mich sofort für sie einnimmt.

"Mit meiner Erziehung und meinen westeuropäischen Vorstellungen bin ich hier wohl völlig auf dem falschen Dampfer." Die Journalistin staunt nicht schlecht, als die politisch relativ zugeknöpfte sibirische Ärztin Tatjana lächelnd darüber Auskunft gibt, dass eine Frau selbstverständlich ihren Job liebe und gleichzeitig auch sehr gerne die Hausarbeit zu Hause erledige (die Männer machen das wohl grundsätzlich nicht).

Gemeinsam ist vielen befragten Frauen, dass sie auf keinen Fall auf ihre Berufstätigkeit verzichten möchten, dass sie behaupten, die Hausarbeit sei naturgemäß Aufgabe der Frau und kein Problem, dass sie sich aber mehr Erleichterungen dafür wünschen wie z.B. halbfertige Nahrung oder bessere Arbeitsgeräte (und hier geht es nicht um irgendwelche Luxusartikel, sondern um so elementare Dinge wie zum Beispiel eine Waschmaschine).

In Moskau trifft die Autorin Galina, eine Bauarbeiterin. Viele Frauen arbeiten zu diesem Zeitpunkt in Russland auf dem Bau. Bezeichnend, dass einerseits Männern gewisse niedere Arbeiten nicht zuzumuten sind, Frauen aber körperliche Schwerstarbeit leisten müssen. Inga vom "Komitee der Sowjetfrauen" wird dies später mit den Worten kommentieren:  "Da haben wir uns überlisten lassen mit der Emanzipation, ich glaube, da haben uns die Männer kräftig reingelegt."

Noch extremer ist dieses Missverhältnis im muslimisch geprägten Turkmenistan, wo man kein Hehl daraus macht, dass man Frauen und Mädchen für minderwertig hält. Frauen leisten die schwere Feldarbeit. Dabei sind sie fast immer schwanger. Nur Frauen aus gebildeteren Schichten, wie die junge Dolmetscherin, die die Journalistin begleitet, können sich überhaupt leisten, freiere Ansichten über den Wert der Frau zu haben und diese auch zu leben.
Die Selbstmordrate junger Turkmeninnen, die sich durch Selbstverbrennung das Leben nehmen, weil sie mit der Kluft zwischen Tradition und Moderne nicht zurecht kommen, ist erschreckend hoch. Seit Glasnost werden diese Dinge wenigstens auch in den Medien berichtet. Auch über Gesundheitsfürsorge für Mütter und Kinder macht man sich nun mehr öffentlich Gedanken.  Und man geht nun auch recht offen mit dem Thema Verhütung um.

Und dann sind sich ausgerechnet in dem nach Unabhängigkeit strebenden Estland alle befragten Frauen einig: ein wirklicher Fortschritt für die Frauen in ihrem Land wäre, wenn es ihnen ermöglicht würde, zu Hause bei den Kindern bleiben zu können. Aber das ist ja auch kein Wunder. Wenn Gleichberechtigung nur bedeutet, dass man die Arbeitskraft der Frau noch extremer ausbeuten darf, dann kann man verstehen, warum so viele sowjetische Frauen sich nach der traditionellen Mutterrolle sehnen.

Ich finde sehr spannend, in diese Zeit einzutauchen, in der in der Sowjetunion alles im Umbruch war. Interessant wäre, wenn Frau Krone-Schmalz jetzt noch einmal die gleiche Reise unternehmen würde, um festzustellen, was sich seitdem in den verschiedenen Regionen, die  ja nun auch verschiedene Nationen sind, verändert hat.

Die Autorin versteht es, die Berichte über die Frauen immer wieder mit interessanten Reiseeindrücken zu würzen. Bei ihrer Reise durch die riesige Sowjetunion erlebte sie verschiedene Zeitzonen und extremste Temperaturunterschiede. Sie sprach mit Studentinnen, Fabrikarbeiterinnen, Abgeordneten eines estnischen Frauenkongresses und einer trinkfesten georgischen Parteisekretärin, die immer wieder betont, dass es ja Schewardnadse war, der bereits 1973 in Georgien mit der Perestroika begann.

Das Schlusskapitel gibt das sehr offene ausführliche Gespräch der Autorin mit dem "Komitee der Sowjetfrauen" in Moskau wieder, das hier als Zusammenfassung und Fazit fungiert.

"Das Paradoxe ist", so Inga weiter, "in keinem Land der Welt sind die rechtlichen Voraussetzungen für eine wirkliche Gleichstellung so gut wie in der Sowjetunion, und trotzdem funktioniert es nicht. Im Gegenteil, gerade bei uns öffnet sich die Schere zwischen Theorie und Praxis besonders weit."

Krone-Schmalz schließt mit einem Gorbatschow-Text, der die Rolle der Frau in der Gesellschaft  und die politischen Veränderungen in dieser Hinsicht beleuchtet. Das offene Schlussstatement der Autorin hierzu gefällt mit besonders gut.

Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch. Nicht nur für Frauen.

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Zeig mir das Morgen

Julie Cantrell
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Gerth Medien, 23.02.2015
ISBN 9783957340122
Genre: Romane

Rezension:

Millie wächst in den Dreißigern/ Vierzigern in einer kleinen Hütte in den Südstaaten auf. Sie sammelt Pekannüsse und verkauft sie in der Stadt, hat einen guten Draht zu Tieren, sitzt oft auf ihrem Lieblingsbaum "Sternchen" und beobachtet das Geschehen von oben, und sie hat einen besonderen Freund: Sloth, ihren alten schwarzen Nachbarn, der voller einfacher Lebensweisheit steckt und bei dem sie Halt findet. Und den braucht sie auch. Denn der selten
anwesende Vater ist Alkoholiker und prügelt oft besinnungslos auf die Mutter ein, die hin und wieder in endlose depressive Phasen verfällt. Millie nennt es: im tiefen Tal. Und muss schneller erwachsen werden, als es ihr lieb ist. Denn Sloth ist eines Tages nicht mehr da. Dafür taucht immer wieder ein geheimnisvoller Zigeunerjunge auf, der Millie fasziniert. Und ein mysteriöses Kästchen, das die Mutter am Fluss vergraben hat. Eines Tages kann Millie ihre Neugier nicht mehr zügeln und tritt damit eine Lawine von Ereignissen los, die sie auf drastische Weise mit der familiären Vergangenheit, aber auch mit einer ungewissen Zukunft konfrontieren. Und sie muss eine Entscheidung fällen ...

Die Suche nach der Wahrheit und nach ihren Wurzeln ist für Millie auch mit der schmerzhaften Suche nach Gott verbunden. Von der Mutter hat sie das Psalmenrezitieren gelernt, aber sie lernt auch die Verlogenheit einer um Perfektion bemühten oberflächlich-christlichen Gesellschaft kennen, die zwar für verlorene Seelen beten, aber mit Abweichungen von der Norm nicht umgehen kann. Im Laufe ihrer Suche lernt Millie, eigene Schlüsse zu ziehen und so wirklich allmählich erwachsen zu werden ...

Dieser in jeder Hinsicht gelungene Debütroman von Julie Cantrell wurde zurecht preisgekrönt. Er ist wunderbar dicht geschrieben, mit einer Tiefenschärfe, die nichts verharmlost und nichts erspart, ergreifend, traurig, und doch voller Hoffnung und Menschlichkeit.
Und obwohl ich aus persönlichen Gründen einige Wochen Lesepause einlegen musste, fand ich schnell wieder hinein und konnte das Buch am Ende nicht mehr aus der Hand legen. Mein krönender Leseabschluss des zur Neige gehenden Jahres.

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abenteuer, brian sewell, britisch, england, esel, gentleman, loyalität, pakista, pakistan, reise, reisegefährten, reise von pakistan nach england, rettung, tierliebe, überzeugungstäter

Pawlowa

Brian Sewell , Claudia Feldmann
Fester Einband: 172 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 06.03.2017
ISBN 9783458177005
Genre: Romane

Rezension:

Ein hübsches Büchlein - und doch plätschert es mir zu sehr dahin.
Zunächst einmal aber beginnt es sehr anrührend.  

Der britische Archäologe Mr. B. ist mit einem für seinen Geschmack eindeutig zu kommerziellen Fernsehteam in Pakistan, als er mitten im städtischen Gewühl eine kleine schmächtige Eselin entdeckt, die jemand viel zu schwer beladen hat. Mr. B. bricht es das Herz. Und er fällt eine Entscheidung. Er nimmt das offensichtlich gerade herrenlose Tier einfach mit. Das entsetzte Fernsehteam schickt er allein nach Hause und macht sich auf den langen und abenteuerlichen Landweg gen Heimat, denn die Eselin im Flugzeug zu schmuggeln, wäre doch ein bisschen auffällig. So lernen Mr. B. und seine Eselin auf sehr ungewöhnliche Weise Länder und Leute kennen, erleben herzliche Gastfreundschaft oder landen auch schon mal für eine Nacht im Gefängnis.

Die Esel-Schmuggel-Challenge führt zu einer sehr erfrischenden Art der Reisebeschreibung, und der Autor versteht es durchaus, Länder und Menschen warmherzig und liebevoll zu schildern.
Brian Sewell hat sich mit dieser rührenden Geschichte sein schlechtes Gewissen von der Seele geschrieben, denn die Initialzündung zu dieser Buchidee war ganz offensichtlich eine reale Begegnung des Autors mit einem Esel in Pakistan, die aber wohl leider nicht in eine Eselschmuggel-Abenteuergeschichte mündete. Ich finde allerdings, der Autor hat beim Schreiben zu sehr auf sein schlechtes Gewissen und zu wenig auf den Leser Rücksicht genommen. So arg sind seine Schuldgefühle der armen Originaleselin gegenüber, dass er an seine Buch-Pawlowa bei der Durchquerung Frankreichs eine ganze Cremetarte verfüttert. Da ist mein Mitgefühl ganz bei den beiden fassungslosen Französinnen, die zurecht die Köpfe schütteln. Auch finde ich nicht sehr komisch, dass die liebe, still die Abwesenheit ihres Mannes erduldende Mrs. B. selbstverständlich hintenan steht in der Rangfolge Eselin - Hunde - Ehefrau. Ebenso deplatziert der Abschiedsannäherungsversuch der ach so hilfsbereiten Botschaftergattin. Wäre der Fall andersherum passiert, der Reisende ein junges Mädchen und die Diplomatengattin ein Diplomatinnengatte, es wäre üble sexuelle Belästigung gewesen.
Sieht man einmal von dieser kleinen Episode ab, würde sich das Buch durchaus als Vorlesebuch für Kinder eignen, aber einem erwachsenen Leser sollte man wirklich nicht schon in der Kapitelüberschrift jeweils alles Wesentliche verraten ... auch diesem Umstand ist es vielleicht geschuldet, dass die Lektüre mich nicht so richtig packen konnte, wenn sie auch immer wieder ihren Reiz hatte.

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bademagd, benediktinerregeln, bogenschießem, burg dürnstein, christoph görg, dorfleben, dürnstein, euromünzen, görg, grosser hund, hadmar von kuenring, henkerskinder, richard löwenherz, ritter, zeitreise

Troubadour

Christoph Görg
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Goldegg Verlag, 15.10.2017
ISBN 9783990600498
Genre: Historische Romane

Rezension:

Ich bin traurig. Traurig und sauer. Weil mich dieses Buch spaltet, wie es noch kein Buch geschafft hat. Wäre die Story in irgendeiner Weise mittelmäßig, könnte ich jetzt einen coolen Verriss schreiben, und weg damit. Warum? Warum muss er so etwas tun? Die Story ist genial. Voll von tollen Einfällen und Überraschungen, sprachlich makellos, mit einem untrüglichen Blick für eine geschickte, ja perfekte Dramaturgie, dazu immer wieder unglaublich komisch; ganz nebenbei lernt man eine ganze Menge Geschichtliches. Lange habe ich nicht mehr so einen Spaß gehabt beim Lesen. Was aber echt zum Himmel stinkt, ist das permanente pornographische Beizeugs. Das letzte Mal, dass ich etwas von dieser Härte anlas, trat es nach wenigen Kapiteln eine Reise ohne Wiederkehr in den Rundordner (Mülltonne) an. Diesmal aber musste ich durch, zum einen, weil ich mich zur Teilnahme an der Leserunde verpflichtet hatte und gerne Verpflichtungen einhalte, zum anderen, weil das Buch einfach grandios war ...

Worum geht's? Niki Wolff, ein einsamer Neunzehnjähriger, der gerade seinen Militärdienst absolviert, flüchtet an einem trüben Winterabend von der deprimierenden Veranstaltung, auf der sein verflossener Jugendschwarm Tina einen anderen geheiratet hat, auf die einsame Burgruine Dürnstein, um dort, am Sehnsuchtsort seiner Jugend, sein trauriges Los mit einer Flasche Wein zu begießen. Betrunken stürzt er an einer rutschigen Stelle ab und landet kopfüber - im Mittelalter. Unglücklicherweise hat er dort nach kurzer Zeit fast alle seine Erinnerungen an die Neuzeit verloren, so dass er auf der Burg noch nicht einmal sagen kann, wer er ist. Damit gilt er natürlich zunächst einmal als höchst suspekt. Denn auf der Burg wird ein prominenter Gefangener gehalten, um dessen Sicherheit man sehr besorgt ist ...

Dieses Buch erhebt von Anfang an nicht den Anspruch, ein hundertprozentig korrekter historischer Roman zu sein - was dem Lesevergnügen keinen Abbruch tut! Dennoch lernt man ungeheuer viel spannendes Historisches. Im noch "neuzeitlichen" Prolog gibt es ein paar kursiv gedruckte Einschübe, die, kurz und spritzig (manchmal sehr flapsig, aber immer auf den Punkt gebracht), dem Leser zu dem nötigen Schnellkurs in historischer Bildung verhelfen. Ganz am Schluss gibt es ein Nachwort, in dem einige erhellende Worte zum Thema Fakt und Fiktion fallen - auch das ein echter Pluspunkt! Was mich aber richtig wütend macht, ist, dass die zuvor bösartig verunglimpfte Eleonore von Aquitanien in diesem Nachwort mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt oder rehabilitiert wird. Das hat diese geniale Frau - eine der größten mir bekannten in der Geschichte des Abendlandes - nicht verdient.

Überhaupt, die Frauen, im Allgemeinen. Also man braucht als Frau schon ein dickes Fell bei diesem Buch. Was mich extrem nervt, ist, dass alle Mädels, die irgendwie ein bisschen interessant sind, sich ständig von irgendwelchen höherstehenden Kerlen besteigen lassen. Am Anfang drückt man ob der vielen Zoten ja noch das eine oder andere Auge zu und ordnet das schulterzuckend unter "Toleranz unverständlichen männlichen Lesevorlieben gegenüber" ab. Und manches von dem erotischen Zeugs ist sogar ganz charmant verpackt (also schreiben kann er wirklich). Aber muss wirklich jede noch so kleine Dorfszene mit den intimsten Details aus dem sexuellen Experimentieren der Dorfbewohner aufgepeppt werden? - "Danke, aber nein danke, dachte Niki. Man kann's auch übertreiben mit den ersten Malen." - Hätte der Autor mal auf seinen Protagonisten gehört.

Jedenfalls, Nikis lakonische Kommentare, in die sich oft flapsige Sprüche aus der Neuzeit geschlichen haben, sind immer wieder herzerfrischend. Immer wieder werde ich mit diesem verrückten Autor ausgesöhnt. Der Mann schreibt einfach phantastisch. Da sitzt jeder Satz. Da wäre es wirklich nicht nötig gewesen, den Roman, damit er auch wirklich gelesen wird, noch mit so vielen vulgären Sexszenen zu spicken. Dass die Erzählung mitunter auch recht blutrünstig ist, stört mich da weniger.

Am Rande sei auch noch erwähnt, dass sich der Goldegg-Verlag viel Mühe mit einer wunderschönen Aufmachung gemacht hat, angefangen bei einem sehr geschmackvollen Titelbild, über die edle Goldprägung auf dem inneren Einband bis hin zu den fein gestalteten Anfangslettern der einzelnen Kapitel, die die Erzählung eindrucksvoll graphisch abrunden.

Christoph Görg hat mit diesem Buch seinen Debütroman vorgelegt. Ein durchaus gelungenes Debüt, das auf mehr Werke aus derselben Feder hoffen lässt. Dem Autor ist dabei allerdings dringend zu raten, an der Feindosierung seiner Beischlafschilderungen und Zoten zu arbeiten, sonst hat er mich als Leserin für alle Zeiten verloren. Und jetzt muss ich gleich heulen, mann.

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christliches leben, dystopie

When the English Fall

Dr David Williams
Fester Einband: 242 Seiten
Erschienen bei Algonquin Books, 11.07.2017
ISBN 9781616205225
Genre: Sonstiges

Rezension:

Gesegnet aber ist der Mann, der sich auf den HERRN verlässt und dessen Zuversicht der HERR ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hinstreckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte.  (Jeremia 17.7-8)

"Die Englischen". So nennen die Amish die hektischen unzufriedenen Menschen da draußen. Mike ist zum Beispiel so einer. Er kommt ab und zu in die Amish-Siedlung, um bei Jay, dem Zimmermann, eine in Auftrag gegebene Arbeit für einen Kunden abzuholen. Mike redet immer viel und ärgerlich über das, was er im Radio hört. Jay beobachtet ihn dabei, ohne Hass, ohne Verachtung, ohne sich von dessen Zorn mitreißen zu lassen. Es tut so gut, diesen erfrischend entschleunigenden Blick des sanftmütigen Zimmermanns auf das Leben, auf die "Englischen", auf die Weltgeschehnisse zu lesen. Und die tragen schon bald apokalyptische Züge. Interessant zu lesen, dass die wackeren Amish-Familienväter dieser Siedlung gar nicht besonders apokalypsegläubig sind. Zudem ist Jay einer, der sich das Denken nicht verbieten lässt. Deshalb ist er aus seiner ursprünglichen Heimatsiedlung weggezogen, hat Anschluss an eine tolerantere Siedlungsgemeinschaft gesucht und gefunden.

Als eine sich schon seit geraumer Zeit anbahnende Naturkatastrophe in ihrer ganzen Härte zuschlägt und das Land ins Chaos stürzt, sind es die schlichten und fleißigen Amish, die mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben, helfen, Notleidende zu versorgen, und deren Leben dank gefüllter Vorratskammer unbeeinträchtigt weitergehen kann. Oder doch nicht? Wie lange kann eine absolut pazifistische Gemeinschaft wie sie überleben angesichts einer um sie herum zusammenbrechenden gewalttätigen Welt?

Soviel Menschlichkeit, Herzenswärme und Güte fand ich selten in einem einzigen Buch. Es ist ein faszinierender Einblick in die stille Welt und den einfachen Glauben der Amish people. Und dabei schwebt stets die Bedrohung der unabwendbaren Auslöschung über der Handlung wie ein Damoklesschwert. Man kann das nicht ausblenden, der epische Rahmen spricht eine zu eindeutige Sprache. Auch der Ich-Erzähler, der das Geschehen in kurzen, treffenden Tagebucheinträgen schildert, spürt etwas davon, obwohl er weniger wissen kann als der Leser. Aber was weiß der Leser eigentlich?

Die Tagebucheinträge sind kurz, gerade so, wie Tagebucheinträge sein können, wenn man den ganzen Tag auf Feld und Hof schuftet und das einzige schlechte Gewissen, das man sich im Leben jemals macht, die Frage ist, ob es recht ist, ein Tagebuch zu führen. Die unaufgeregte, einfache Sprache des tiefgläubigen Mannes hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

It was not what I wanted to hear today, but perhaps it is always that way. Among the English, being a preacher meant you were important, that you were a leader. Here, it is a task. It is a simple demand of the Order. It is like plowing a field, or butchering a cow.
I hope that, for me, it is not too much like butchering a cow.


Ein wunderbares, stilles Buch. Und am Ende extrem berührend.
Eindeutig mein diesjähriges Lesehighlight.

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Marthas Widerstand

Kerry Drewery , Sabine Bhose
Fester Einband: 426 Seiten
Erschienen bei ONE, 16.03.2017
ISBN 9783846600436
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Martha hat Jackson Paige erschossen; so sieht es jedenfalls aus. Sie flüchtet nicht, lässt sich festnehmen, denn hier geht es ums Prinzip. Ein politisch motivierter Mord also? Auf jeden Fall stellt der Leser fest, dass sie einem erbarmungslosen Justizsystem ausgesetzt ist, in dem unparteiische Gerichte abgeschafft wurden und eine Show namens "Death is Justice" per manipuliertem Zuschauervoting über das Schicksal von Schuldigen und Unschuldigen entscheidet. Sieben Tage bleiben Martha bis zu ihrer voraussichtlichen Hinrichtung, von denen sie jeden in einer anderen von insgesamt sieben Todeszellen zubringen muss. Während die Sechzehnjährige in diesen Tagen der seelischen Folter versucht, ihr achterbahnfahrendes Kopfkino zu beherrschen, kämpfen draußen verzweifelt ein paar ihrer Freunde einen aussichtslosen Kampf um ihr Leben.

Ein Wahnsinnsthema. Und seit dem Auftreten eines gewissen amerikanischen Präsidenten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, allen demokratischen, ethischen und freiheitlichen Errungenschaften der Neuzeit den Garaus zu machen, auch erschreckend aktuell. Mir gefallen allerdings Geschichten nicht, die Fronten betonieren anstatt sie in Frage zu stellen. Das ist zum Beispiel eine grandiose Stärke der "Panem"-Trilogie, dass sie dieser Falle entgeht. Frau Drewery hingegen scheint zwischenzeitlich voll reinzutappen.

"Alles muss entweder schwarz oder weiß sein." Das Buch macht leider genau den Fehler, den es kritisiert. Wobei die Gefahr, dass so eine Verkehrung von Gerechtigkeit in unserer Welt passiert, tatsächlich zum Greifen nah ist. "Dadurch, dass sie gegen unsere Gesetze verstoßen haben, haben die Gefangenen das Recht auf ihre Privatsphäre eingebüßt." Das Frappierende daran ist, dass es eine ganze Menge Kleinzeitgeister gibt, die tatsächlich genauso denken und sich eine solche Justiz wünschen. Allerdings: Diktaturen hat es schon immer gegeben, denn um nichts anderes handelt es sich ja in dieser dystopischen Geschichte: um eine Diktatur, die sich wie schon so oft als Volkes Wille tarnt. Gleichgeschaltetes Fernsehen, korrupte Polizei, und eine unabhängige Justiz ist nicht mehr vorhanden. Das Neue und Erschreckende in unserer heutigen westlichen Gesellschaftsentwicklung ist ja, dass es gewisse kultur-und geschichtsvergessene rechte Ecken gibt, die sich eine solche abartige Gesellschaft herbeizusehnen scheinen, und die sich offensichtlich bedrohlich vergrößern. Einiges, was man da an unmenschlichen Äußerungen liest, kommt einem irgendwie aus den sozialen Netzwerken gruselig vertraut vor. Dennoch sind es bei uns bisher nur die "Ecken". Zwar gibt es eine Menge subtiler Manipulation in der heutigen Berichterstattung, und doch ist der Journalismus bei uns insgesamt noch sehr frei, ist die Justiz noch ziemlich unabhängig, gibt es eine Menge Korrektive, die verhindern, dass das System ins Extrem abdriftet. Und was ich überhaupt nicht mag, an Dystopien ebensowenig wie an geschichtsverfälschenden historischen Romanen - ganz unterschwellig schleicht sich beim Leser oft ein Bild im Kopf ein, genauso müsse es abgelaufen sein bzw. genauso würde es sich aktuell entwickeln.

Aber interessant ist es ja schon und gibt zu denken, dass als Motto dieses sogenannten Rechtssystems, das unschuldige Menschen auf dem Gewissen hat, das sich für wirkliche Beweise nicht interessiert, keine Verteidigung erlaubt, ausgerechnet "Auge um Auge" ausgewählt wurde (Jesus von Nazareth erklärte dieses alte System von Sühne und Rache bereits vor zweitausend Jahren für überholt). Es ist ein gelungener Coup der Autorin, dass sie hier einen Finger in die Wunde eines gewissen urteilsfreudigen Zeitgeistes legt. Aber leider trägt sie dabei manchmal einfach viel zu dick auf. Angefangen bei: "Ein schlanker Mann Mitte dreißig, mit einer perfekt sitzenden Frisur und einem strahlenden Zahnpastalächeln." Ach ja, und dann natürlich noch die obligatorisch am Handgelenk blitzende unbezahlbare Uhr... Auf diese Weise in Gut und Böse einzuteilen (ich höre schon meine geistig umnebelte Mit-Twitterer-Gemeinde "Establishment!!!" brüllen...), finde ich genauso gefährlich wie die Sehnsucht gewisser politischer Kräfte nach genau so einem wie in dem Buch beschriebenen Auge-um-Auge-System.

Die Reality-Show wird für meinen Geschmack zu ausführlich zelebriert. Jedes Logo, jeder Schriftzug, jedes Abendkleid der sadistischen Moderatorin wird genau beschrieben, und wenn man glaubt, es geht nicht menschenverachtender, wird noch eine Plattheit draufgesetzt. Und dann gibt es in dieser Geschichte einfach zu viele Koinzidenzen. Der skrupellose Paige hat nämlich nicht nur Marthas Mutter auf dem Gewissen, sondern auch noch Ollie, Marthas besten Kumpel aus der Vorstadt, der an Paiges Stelle vom System für den Mord abgeurteilt und hingerichtet wurde. Und dann ist da auch noch Isaac, der geheimnisvolle Mann in Marthas Leben; dieser ist nämlich ... oh, aber jetzt spoilere ich zu viel.

Die Schilderungen der chaotischen Gedankengänge der zum Tode Verurteilten aus der Zelle sind bedrückend und glaubwürdig, aber die zahllosen Rückblenden, die etwas Licht in die Angelegenheit bringen sollen, sind manchmal ein bisschen langatmig, und das mit dem Philosophieren liegt der Autorin auch nicht immer so. Allerdings: wenn die beiden Verliebten dann am Lagerfeuer sitzen und den Sternenhimmel betrachten, das ist schon schön geschrieben, da gibt es nichts.

Teilweise wirkt einiges arg konstruiert. Zwischendurch verliert man auch schon mal ein wenig den Überblick, wer eigentlich was vorhat und überhaupt. Dabei ist es aber immer wieder auch interessant, dass die Geschichte bestimmte kranke Ideen auf die Spitze treibt und zeigt, was aus diesen letztendlich, konsequent verfolgt, werden könnte. Ein spannendes und brutales Gedankenexperiment, wenn auch teilweise sehr abgedreht und surreal. Aber in Diktaturen ist eine Menge möglich. Und auch unser großer Führer Trump hat auch noch nicht alle seine Trümpe aus dem Ärmel gezogen - hoffen wir, dass ihn sein Volk noch rechtzeitig aus dem Amt entfernen kann.

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Tags: dystopie, gerechtigkeit, korruption, todesstrafe, widerstand   (5)
 

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albträume, armut, band 2, bessere welt, blind, christlicher roman, cornwall, dunkle machenschaften, entführung, erbe, erpressung, familie, fischer, geheimnisse, gesellschaft

Die Rückkehr des Erben

Nicola Vollkommer
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei SCM Hänssler, 01.09.2017
ISBN 9783775157858
Genre: Historische Romane

Rezension:

Eines schönen Tages klopft ein verwahrlostes Mädchen an die Tür der Wirtschaftsräume des Anwesens Birch Heights. Von der burschikosen Franny wird sie sofort der Tür verwiesen, aber Charlotte, die gutherzige Gutsherrin, erbarmt sich der Armen (das hatte Franny schon befürchtet) und nimmt sie vorübergehend als Haushaltshilfe auf. Das führt zu Komplikationen, denn das fremde Mädchen mit dem Namen Marie weigert sich, etwas über ihre Herkunft preiszugeben und ist daher einigen Bediensteten höchst suspekt. Allerdings zeigt sich bald, dass es Marie wie keiner anderen gelingt, Zugang zu der störrischen kleinen Tochter der Gutsherrin zu finden. Als Marie daraufhin eine dauerhafte Anstellung in Birch Heights angeboten wird, scheint das Glück für alle perfekt. Aber etwas stimmt nicht mit Marie. Was hat sie mit den Vorgängen um ein heruntergekommenes Londoner Waisenhaus zu tun? Es kommt der Moment, in dem Charlotte sich fragt, ob sie nicht in ihrer Großzügigkeit einen fatalen Fehler gemacht hat.

Von Anfang an besticht die bildhafte Sprache. Obwohl wir es mit einer Fortsetzung zu tun haben (1. Teil: "Wie Möwen im Wind"), wird der neue Leser nicht mit zu vielen verwirrenden Informationen überfrachtet. Nebenfiguren werden gut eingeführt, geheimnisvoll und spannend bleibt es trotzdem. Die Autorin versteht es hervorragend, den neuen Leser abzuholen und an die Hand zu nehmen; insofern ist ihr eigenes diesbezügliches Vorwort eigentlich überflüssig.

Die romantische Story hätte im Grunde genommen alles (ein englisches Herrenhaus, Pferde, geheimnisvolle Höhlen am Meer, romantische Liebe, abgrundtiefe Bösewichte), um schnell ins billigste Klischee abzusinken. Dass das nicht passiert, verdankt sie einer sehr gekonnten Schreibweise einer klugen Autorin, liebevoll ausgestalteten Nebencharakteren, vielen überraschenden Entwicklungen und vielleicht auch der Tatsache, dass immer wieder, am Rande und unaufdringlich, Glaubensfragen in die Erzählung eingeflochten sind, die über eine reine schwarz-weiß-Einordnung weit hinausgehen.
Dass anfangs ein paar Details etwas wie Anleihen aus unserer Zeit klingen (ein Schiffswrack soll Als Spielplatz für Ferienkinder hergerichtet werden, oder die recht dominante Art von Lady Charlotte, einen Ehestreit zu führen), vergisst und vergibt man schnell während der folgenden mitreißenden Lektüre.
Ein klug geschriebenes, spannendes Buch mit einem Ende, das glücklich macht.

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erfahrungen, glaube, gott, indien, jesus, liebe, moderator-in, neuorientierung, redakteur-in, roman, schweiz, schweizer autor-in, sex, stylist-in, verlag: fontis

Venus

Tina Weiss
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Fontis, 12.09.2017
ISBN 9783038481263
Genre: Biografien

Rezension:

Die Schweizerin Tina Weiss war Stylistin, Produzentin, Trendscout, Playboy-Redakteurin, kreierte das Label "World of Venus", veranstaltete Partys, auf denen sie vor allem sich selbst feiern ließ, war eine angesagte Größe in der Modewelt, experimentierte mit Drogen, hetzte von einer Liebesbeziehung in die Nächste, spielte mit den jungen Männern, die sie wechselte wie die Sommermode. Dass ihr extremes Hype-Leben nur eine Flucht vor sich selbst darstellte, begreift sie erst nach vielen Jahren. Ein Burnout bringt sie dazu, ganz neue Wege zu gehen; sie lebt eine Zeit lang als Hippie im Zelt am Ufer der Aare, nimmt an einem Schwitzhüttenritual teil, reist auf der Suche nach Erleuchtung nach Indien - und findet Jesus. Und dann wird alles anders ...

Es ist die Geschichte einer Umwandlung.

Der Stil ist manchmal recht schlicht, und nicht immer zeugen die Berichtfetzen aus Kindheit und Jugend von einem großen inneren Zusammenhang. Aber andererseits ist es auch diese gewisse Unbeholfenheit der Newcomerin mit dem Medium Buch, die es authentisch macht. Hier schreibt jemand ganz ehrlich sein Leben auf. Kleine Stückchen schmucklose Lyrik zeigen schonungslos den ganzen Wahnsinn der Teenagerjahre auf, auch das gefällt mir gut. Auf Dauer liest man aber schon ein bisschen genervt von den gesammelten Anektdötchen der Eskapadenprinzessin. Muss sie uns wirklich mit in ihre geschmacklosesten Abenteuer hineinnehmen? Und auch stilistisch muss man manchmal ein Auge zudrücken. Dabei kann sie eigentlich schreiben. Gut finde ich, dass sich die Autorin so ehrlich ihrer damaligen abgrundtiefen Charakterschwäche stellt und alles entblößend berichtet. Man bekommt einen sehr echten und schockierenden Einblick in das verkorkste Seelenleben einer orientierungslosen jungen Frau. Aber obwohl die Beschreibungen allgemein kurz gehalten sind, verzettelt sich die Autorin zu viel in der Auflistung unerheblicher Episoden. Das ermüdet auf Dauer. Hier wäre Straffung hilfreich gewesen. Zudem beherrscht sie nicht sauber das Hantieren mit den verschiedenen Zeitebenen. Dadurch muss man manches mehrfach lesen, um nachzuvollziehen, in welchem Kontext eine Episode gerade stattfindet.
Aber immer wenn es philosophisch wird, wird es auf einmal richtig gut. Der Text "Was wäre, wenn ..." ist zwar aus einem sehr begrenzten Blickwinkel, aber dennoch wirklich gut geschrieben. Interessant ist es dann, wie sie zu einem späteren Zeitpunkt ihre eigenen Schreibergüsse kommentiert und widerlegt. Das macht auch wieder eine Qualität des Buches aus. Aber ein guter Lektor hätte ihr ein Drittel der ersten 200 Seiten weggekürzt. Ein radikaler die Hälfte, und auch so wäre noch eine Menge unnötiger Ramsch übriggeblieben.

Die zweite Hälfte des Buches liest sich viel müheloser. Bei ihren neuen christlichen Freunden in Indien gewinnt sie überraschende Einsichten und erlebt am eigenen Leib, dass das Christentum nicht nur deshalb für Indien so ein großer Segen ist, weil es das Kastenwesen aufhebt.

Es stehen sehr viele scharfsinnige Lebensweisheiten im hinteren Teil des Buches, und es lohnt sich wirklich, bis dorthin vorzudringen. Auch wenn ich aus einigen schon genannten Gründen nicht mehr als drei Sterne vergeben möchte, empfinde ich Respekt und große Sympathie für diese Frau, die die Chance, die Gott ihr gegeben hat, so konsequent ergriffen hat. Deswegen möchte ich eine ausdrückliche Leseempfehlung aussprechen. Wer auf der Suche ist, könnte hier fündig werden. Allerdings muss er sich ein wenig mühsam durch die erste Buchhälfte arbeiten. Aber es lohnt sich!

Vielleicht spoilere ich, aber ich muss zum Abschluss einfach dieses Zitat bringen, denn es illustriert für mich, warum dieses Buch, das ich nicht immer mit anhaltender Begeisterung gelesen habe, mich am Ende dennoch überzeugt hat:

"In meinen Gedichten hatte ich immer zum Ausdruck gebracht, dass ich der Liebe wegen sterbe - und wie schmerzhaft die Liebe doch ist. Höchst dramatisch! Doch das ist völliger Schwachsinn. Gott ist gut. Gott ist Liebe. Und Liebe ist wunderbar, heilig und völlig rein. Die Schmerzen entstehen aus der Unfähigkeit, diese Liebe anzunehmen und weiterzugeben."

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Tags: freiheit, gott, jesus, liebe, sex, suche   (6)
 

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hoffnung, kindesmisshandlung, vater

Es blieb mir nur die Hoffnung

Lidia Czyz , Ina Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Fontis, 16.08.2017
ISBN 9783038481324
Genre: Romane

Rezension:

Das Buch erzählt die wahre Geschichte von Nadia, die mit fünf Jahren von ihrem polnischen Vater getrennt und von der Mutter mit in die Tschechoslowakei genommen wird. Dass sich das Mädchen nach wie vor nach seinem Vater sehnt und sich nicht in die neuen Familienverhältnisse einpassen will, versucht man ihm mit jahrelangen Misshandlungen und Demütigungen der schlimmsten Art auszutreiben. Der Kontakt zum leiblichen Vater wird unterbunden, so dass sie weder weiß, wo er ist, noch ob er überhaupt noch am Leben ist.
An ihrem achtzehnten Geburtstag flieht Nadia aus dem gewalttätigen Zuhause nach Italien, schlägt sich dort als Illegale durch, gerät an die falschen Leute, wird ausgenutzt, muss sich prostituieren, wird drogenabhängig - das volle Programm. Als sie schließlich durch eine Therapie frei von Drogen ist, dafür aber mittellos schwanger, bleibt ihr keine andere Wahl, als vorübergehend in den Schoß der tyrannischen Familie zurückzukehren. Ihr Leben scheint wie ein ständig sich neu entfaltender Alptraum zu sein. Aber es gibt doch Fortschritte. Immer wieder schafft sie es, sich aus eigener Kraft oder mit Hilfe anderer Menschen aus dem Sumpf der Verzweiflung herauszuarbeiten, nicht aufzugeben, obwohl sich bestimmte Schemata des Ausgenutztwerdens in ihrem Leben gebetsmühlenartig zu wiederholen scheinen. Aber nie kann sie ihren leiblichen Vater vergessen, und sie sehnt sich nach der Liebe und Geborgenheit, die sie als kleines Mädchen auf seinem Schoß spürte. Und dann beginnt sie eines Tages, ihn zu suchen. Die wunderbare Wiederbegegnung findet schließlich statt, und es stellt sich heraus, dass, anders als man es ihr erzählt hat, auch ihr Vater nie aufgehört hat, sie zu lieben und sich nach ihr zu sehnen. Und noch etwas Wunderbares findet Nadia heraus: da ist noch jemand, der sich "Vater" nennt ...

Nadia gibt es wirklich, aber sie heißt anders, und auch die Autorin Lidia Czyz hat ihre Geschichte nur stellvertretend aufgeschrieben. Das ist sicher besser so; nach solch heftigen Vorgängen ist es gut, dass die richtigen Namen der Beteiligten nicht bekannt sind. Ich hätte es allerdings gut gefunden, darüber im Vorwort statt erst im Nachwort aufgeklärt zu werden. Im ersten Augenblick wundert man sich doch, dass die Dialoge so ausführlich wiedergegeben werden; ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass sie alle der exakten Erinnerung der wahren "Nadia" entsprechen. Wahrscheinlich hat die Autorin hier ein bisschen kreativ gearbeitet, um die eigentlichen Fakten anschaulich einzubetten. Aus ihrer Anfangsbemerkung, "Alles, was in dieser Geschichte außergewöhnlich erscheint, ist tatsächlich passiert", lese ich heraus, dass alle drastischen, aber auch alle wunderbaren Erfahrungen substantiell richtig berichtet sind, dass aber an den unbedeutenderen Details gefeilt wurde. Das geht vielleicht auch gar nicht anders, wenn man ein lesbares Buch schreiben möchte, trotzdem hätte ich zum Thema Fakt oder Fiktion ein etwas genaueres Statement begrüßt.

Die Autorin schreibt in einem flüssigen Stil, den man schnell mal so weglesen kann.
Aber teilweise ist es schwer erträglich, was da geschildert wird. Und es hört nicht auf. Man fasst sich manchmal an den Kopf beim Lesen und fragt sich, warum niemand etwas gemerkt hat. Niemand eingeschritten ist. Die Nachbarn, die Lehrer, die Ärzte. Aber das war im tiefsten Sozialismus, und offensichtlich waren die Leute alle behördenhörig (die Mutter hatte nämlich Einfluss in der Stadtverwaltung). Eine Lehrerin hat es versucht, ja. Entsetzlich naiv; danach hat das Kind angefangen, Lügen zu erzählen, damit das nicht nicht nochmal passiert...
Schockierend fand ich auch, dass Nadia in einer späteren Phase, als es ihr eigentlich schon besser ging, immer noch glaubte, sich bei ihren Wohltätern mit Sex bedanken zu müssen. Das ist zwar leider ein bekanntes Muster missbrauchter Frauen, aber an dieser Stelle fehlt mir ein relativierender Kommentar der Autorin. Zu sehr wird dieses Verhalten als völlig legitim, ja normal, stehengelassen.
Die Geschichte insgesamt ist auf jeden Fall sehr glaubwürdig. Allerdings frage ich mich, ob man ein paar der ausführlichen Schilderungen des Elends nicht hätte reduzieren können. Ich glaube, jeder Leser hat nach kurzer Zeit kapiert, dass das Leiden, das diese Frau erlebt hat, jeder Beschreibung spottet. Manche Dialoge hätte man gut und gerne ein bisschen abkürzen können. Auch die Leidensfähigkeit eines Lesers ist begrenzt. Nach drei Vierteln des Buches voll mit abgrundtiefem Leiden müsste doch langsam mal etwas Aufbauendes kommen?

Der Schluss reißt es raus. Er ist sehr berührend, authentisch, radikal. Wie kann man bei so abgrundtief unmenschlichen Grausamkeiten überhaupt auch nur an das Wort "Vergebung" denken? Man kann. Das ist das große Wunder am Ende der Geschichte. Dass man mit Gott über solche undurchdringlichen Mauern springen kann. Aber auf keinem anderen Weg.

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eis, finnland, geisterglaube, geistlicher, insel, inselpfarrer, jahreslauf, kälte, kirche, kuh, lebenslauf, meer, nachkriegszeit, natur, örar-inseln

Eis

Ulla-Lena Lundberg , Karl-Ludwig Wetzig
Flexibler Einband: 530 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 15.02.2016
ISBN 9783442483174
Genre: Romane

Rezension:

Und dann übers Meer zu einem offenen, strahlenden und fantastischen Leben. Zehnmal besser als das, was er sich demütig als unerreichbares Fernziel ausgemalt hatte. Freiheit. Offenheit. Wärme. Schönheit. Und das Wort, das man vorsichtig auf der Zunge wägt, weil man Angst hat, es zu verlieren, das aber in einem frohlockt wie ein Lobgesang: Glück.

Auf den abgelegenen Örar-Inseln ist die Stelle des Pfarrers vakant und nicht leicht zu besetzen. Denn wer erst einmal sein Pastoralexamen in der Tasche hat, zieht von dort weg aufs Festland, in eine bessere Anstellung. Anders der junge, aufgeschlossene Pastorsanwärter Petter Kummel, der nun die Stelle antritt. Er und seine Familie fühlen sich in der kargen Umgebung und bei den rauhen, aber herzlichen Leuten, deren harte Schale zu knacken nicht ganz leicht ist, zunehmend wohl. Sie beschließen, zu bleiben.

Es ist ein drei Jahre überspannendes Epos, ein faszinierender Einblick in das Nachkriegsleben auf einer finnischen Schäreninsel, das mit großer Ruhe, fast wie eine locker erzählte Fernsehdokumentation, das Leben der Pfarrerfamilie und der Örar-Insulaner erzählt. Man weiß eine ganze Weile nicht, worauf das hinausläuft. Kommt da noch etwas Dramatisches, oder ist es einfach so etwas wie Bullerbü für Erwachsene? Vielleicht wäre das gar nicht so schlimm. Ich mag das eigentlich, dass die anerzogene Hochspannungs-Erwartungshaltung durchbrochen wird, dass das Damoklesschwert, das über der rauhen Inselidylle zu hängen scheint, gar nicht zum Einsatz kommt. Schön wär's...

Ich glaube nicht, dass es besonderen Spaß macht, das Buch zu lesen, wenn man mit der Kirche nichts am Hut hat. Die Tätigkeit des Pfarrers wird doch recht gründlich beschrieben, und seine theologischen Überlegungen fließen ganz natürlich in die Geschichte ein. Das verleiht ihr Glaubwürdigkeit, aber das schränkt natürlich auch den Kreis der Leser ein wenig ein. Dabei ist es wirklich lesenswert, was die Autorin da an zwischenmenschlichen Entwicklungen auslotet. Wie sie ganz allmählich in dieser so oft vorenthaltenen wörtlichen Rede dennoch immer tiefer und überraschender die Gedankengänge des Pastors bloßlegt. Und die heimlichen Helden der Geschichte sind, neben dem sympathischen Pfarrer, immer mehr auch die Pfarrerskinder, die einen ganz unvermutet, dort, wo es überhaupt nichts zu lachen gibt, zum Schmunzeln bringen. So liebevoll und weise denkt sich Ulla-Lena Lundberg in die einzelnen Charaktere hinein, dass sogar das barsche und völlig unpädagogische Auftreten der Pfarrersfrau Mona verzeihlich wird.

Der ganz große Verdienst der Autorin ist, dass sie sich auf eine intensive Weise in die inneren Denkweisen und Gefühlswindungen der Figuren hineinschreibt, wie ich es noch nie in einem Roman gelesen habe. Und das trotz der anfangs so distanziert, ja fast etwas fahrig wirkenden Schreibweise. Während der Pfarrer und seine Frau stets nur Gegenstand einer Gegenwartserzählung in der dritten Person sind, wird die nur am Rande vorkommende Figur des Postboten Anton immer wieder als Ich-Erzähler wie ein Intermezzo eingeschoben. In diesen kursiv gedruckten Postboten-Reflektionen werden die Naturgewalten lebendig, ja zu Geistern, weicht die Distanz des unbeteiligten Erzählers einer Vertrautheit, die gleichzeitig Gefahr bedeutet. Aber was sind diese Naturerscheinungen wirklich, von denen Anton erzählt und die er "Geister" nennt? Mary Baker Eddy hat einmal gesagt: "Wenn die Sterblichen korrektere Anschauungen über Gott und den Menschen erlangen, werden zahllose Dinge der Schöpfung sichtbar werden, die vorher unsichtbar waren." Doch hier bleibt das Buch leider in der alten mythischen Schicksalsdenke verhaftet, die unerklärliche Phänomene in Geister einteilt und personifiziert. So kommt es wie es kommen muss, aber da verrate ich schon wieder zu viel. Nur soviel: nicht umsonst heißt das Buch "Eis". Solchen Büchern darf man nicht trauen.

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Das Lächeln der Frauen

Nicolas Barreau , Sophie Scherrer
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.04.2012
ISBN 9783492272858
Genre: Romane

Rezension:

Die Restaurantbesitzerin Aurélie Bredin ist gerade von ihrem extrovertierten Lover verlassen worden und irrt nun traurig und ziellos durch Paris, als sie in einer kleinen Buchhandlung auf ein Buch stößt, das sie magisch in den Bann zieht, und in dem sie nicht nur großen Trost findet, sondern in dem sie erstaunlicherweise auch selber vorkommt. Kurzentschlossen schreibt sie dem Autor einen Brief und lädt ihn zu einem Essen in ihr Restaurant ein. Sie ahnt nicht, welch dramatische Verwicklungen sie damit auslöst, denn den Autor - gibt es gar nicht ...

Nicolas Barreau ist mit diesem Roman ein wunderbarer Wurf gelungen, spannend, poetisch, geistreich, witzig. Ausgesprochen gut gefallen mir die Perspektivwechsel in der Ich-Erzählung. Hier schreibt einer, der weiß, wie's geht und dazu noch das größte Vergnügen daran zu haben scheint. Und das überträgt sich mühelos auf den Leser.

Dieser Autor macht Lust auf mehr. Ein Lesegenuss!

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Artemis Fowl - Der Comic

Eoin Colfer ,
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 23.09.2008
ISBN 9783551357793
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Artemis Fowl ist gerissen, gewissenlos, und hochbegabt - und außerdem ist er erst zwölf Jahre alt. Gemeinsam mit seinem hünenhaften Diener namens Butler, der ihm treu ergeben ist, will er würdig in die familiären Gangsterfußtapfen treten und möglichst viel Geld und Macht anhäufen. Als Objekt seiner Begierde hat er sich das Gold des Erdvolkes, also der Elfen, Zwerge und so weiter ausersehen. Aber die Elfen, allen voran die ambitionierte Holly Short, sind ebenfalls ziemliche Technik-Nerds und nicht auf den Kopf gefallen. Dumm nur, dass Holly schon so lange nicht mehr ihr magisches Ritual vollzogen hat, gerade als es brenzlig wird, denn ein regelrechter Krieg zwischen Menschen und Elfen bahnt sich an, in dem der geniale Zwölfjährige dem Volk aus der Tiefe immer einen Schachzug voraus zu sein scheint...

Der Autor mischt Magisch-Märchenhaftes mit einer ordentlichen Prise nerdigen High-Tech-Inventars zu einer flotten und actionreichen Story voller ungewöhnlicher Einfälle. Ehrlichgesagt riss mich das Buch nicht durchgehend vom Hocker, aber vielleicht bin ich da einfach zu erwachsen und entspreche nicht der Zielgruppe. Zu makellos ist mir oft der geniale bösartige Junge in seinen präzise geplanten Schritten; er scheint niemals Fehler zu machen. Und nicht alles, was witzig sein soll, ist meine Schiene Humor. Aber insgesamt hat das Buch dann schon Spaß gemacht. Wenn auch - für ein Kinderbuch, hm, relativ brutal. Und, tja, die Skrupellosigkeit, mit der auf Seiten beider Kriegsparteien über Menschen- oder Elfenleben entschieden wird, weist auch eher auf eine ältere Zielgruppe (will ich hoffen).

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schwäne

Der spanische Gärtner / Das Licht / Das Haus der Schwäne

A. J. Cronin
Sonstige Formate
Erschienen bei ZSOLNAY- VERLAG, 01.06.1991
ISBN 9783552037359
Genre: Sonstiges

Rezension:

Meine Rezension bezieht sich auf den deutschen Titel "Das Haus der Schwäne", Stuttgarter Hausbücherei. Eine Jahreszahl ist leider nicht angegeben.

Wie ich auf dieses Buch gekommen bin? Nachdem ich zwei Tage in der mazedonischen Wildnis überlebt hatte, beschloss ich, dass ich dringend etwas zu lesen brauchte. Aber wo sollte ich mitten in Ohrid deutsche Literatur finden? Auf dem Bücherflohmarkt im Herzen der Altstadt. Dort, inmitten abgegriffener Exemplare von Simmel, Konsalik und von Däniken (Hubbels grässliche Dianetik stand auch irgendwo herum) fand ich dieses buchrückenlose Exemplar aus den Fünfzigern, das mir beim Durchblättern verlockender erschien als der billige moderne Historienschinken daneben. Es war genau die Sorte leichter Urlaubslektüre, die ich brauchte.

Das Haus der Schwäne ist ein mysteriöser Sehnsuchtsort, mit einem verwunschenen Garten und Fräsienblüten, einem Brunnen und schlafenden Eidechsen. Die junge Adlige Mary Fielding träumt oft von diesem Haus. Auf einer Schiffsreise nach Gran Canaria begegnet sie dem zynischen und menschenfeindlichen Harvey Leith, dem das Leben übel mitgespielt hat und dem sein Freund diese Reise verordnet hat, um durchzuatmen und einen Neuanfang wagen zu können. Harvey glaubt nicht an diesen Neuanfang. Doch dann begegnet er der verträumten Mary, und obwohl er es nicht wahrhaben will, passiert etwas zwischen den beiden, das alles verändert ...

Sicherlich mag nicht jeder mit diesem typischen Fünfziger-Jahre-Stil etwas anfangen. Mir aber gefiel von Anfang an die bildhafte, lichtdurchwobene Schreibart. Die Charaktere sind liebevoll ausgeformt, nur hin und wieder ein wenig überzeichnet, was leider gegen Ende zunimmt. Die ausladende Melodramatik, in der die Story kulminiert, ist letztlich zuviel des Guten. Und was ich von der eingewobenen abergläubischen Frömmigkeit halten soll, weiß ich auch nicht so recht. Auf jeden Fall gibt es mir zu viele Visionen, Erleuchtungen und Winke des ach so unerbittlichen Schicksals mit dem Zaunpfahl. Manches ist schlicht unerträglich, zum Beispiel, wenn der tumbe und sich konsequent selbst betrügende Missionar Tranter sich mit hehren Bibelsprüchen an die gelangweilte männerfressende Elissa heranmacht, so dass er völlig zur Karrikatur verkommt. Dabei hätte man aus dem Charakter echt noch was machen können. Und die unglückliche Liebesgeschichte zwischen der frommen Susan und dem bereits unsterblich in Mary verliebten Harvey ist auch zu rührselig. Dabei ist die Schreibweise, wo sie nicht gerade schwülstig wird, wendig, intelligent und charmant.

Das Ende ist merkwürdig, unerwartet, macht es einem nicht so leicht wie erwartet und ist dabei durchaus schlüssig.

Ein sehr gemischter Leseeindruck. Teils anregend und gut unterhaltend, wurde die Lektüre dann zu oft durch Stöhnen und heftiges Augenrollen der Rezensentin begleitet. Daher kann ich leider nicht mehr als drei Sterne vergeben.

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