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Rising Sparks

Nico Abrell
Flexibler Einband: 356 Seiten
Erschienen bei Books on Demand, 27.12.2017
ISBN 9783744810128
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Für die Figuren wurde sich der typischen Konstellation eines Jugendromans bedient: die unsichere Heldin, die beste Freundin, die Zicke, der Schönling, der Böse. Außer dieser stereotypischen auf den Leib geschriebenen Rollen, bleiben die Figuren blass und farblos. Außer der Protagonistin, die ich allenfalls mit „nerviger Jammerlappen“ beschreiben könnte, stechen die Charaktere mit keinerlei signifikanter Eigenschaften oder gar Besonderheiten heraus.
Der Großteil des Buches besteht aus Passagen, die das Selbstmitleid und die Angst der Protagonistin Skye behandeln. Die 17-Jährige hat vor fast allem Angst und wiederholt dies für den Leser bei jeder Gelegenheit. (Würde man die sich wiederholenden Monologe aus dem Buch streichen, würde dies vermutlich 70% seines Umfangs einbüßen.) Oft wird für den Leser am Anfang eines Kapitels noch einmal aufgearbeitet, was zuletzt geschah und/oder was Skye schon wieder eine furchtbare Angst einjagt, dass sie aus dem Zittern gar nicht mehr herauskommt. Mit der Zeit verleiht dies der Handlung eine Atmosphäre, die zum genervten Aufstöhnen und Überblättern von überflüssigen Wiederholungspassagen anregt.
Anstatt die Welt auszumalen und zu zeigen, wie sie funktioniert, wird lediglich mit den Begriffen „Holo“, „Hoover“ und „Sol“ gearbeitet, die vor allerlei bekannte Worte gesetzt werden, um einen futuristischen Eindruck zu kreieren. Durch unzureichende oder fehlende Beschreibungen von „New Ainé“, der „Maschinen“ und generell Umgebungen, die mehr erfordern, als „gläsern-stählern“ oder „genormt“ zu sein, verbleibt die Welt als eine Art Strichzeichnung, die durch Logiklücken in meinen Augen mit dem Niveau einer Kinderkritzelei verglichen werden kann.
Auch die Handlung weist zum Teil gravierende Logikfehler auf, die das Leseverständnis enorm erschweren und den Eindruck erwecken, als wäre das Buch weder im Hinblick auf zeitliche Abläufe noch auf Sinnhaftigkeit der Handlungen kontrolliert worden. Vieles wirkt gestelzt konstruiert, als ob etwas unter Zwang in die Geschichte hineingeschrieben werden musste, was vom Autor gar nicht ausreichend erzählt/erklärt werden kann oder will. Ich habe den Eindruck, die Realität in der Geschichte wird so verbogen, wie der Autor es für die Fortführung der angedachten Handlung benötigte, darunter leidet die Logik der Figuren leider enorm. Die Handlungen und Wendungen in der Geschichte erscheinen durch dieses gezwungene Konstruieren sehr fragwürdig und teilweise auch sprunghaft.
Auch im Punkto Recherche sind einige Defizite zu finden: Besonders das militärische Training wirkt so, als entspränge es den Vorstellung eines Grundschülers und ist meiner Meinung nach fernab jeder Realität. Es ist ja nur logisch, dass ein Autor sich stellenweise künstlerischer Freiheit bedient, aber dass man in New Ainé zuerst mit einer Waffe zielt, um sie dann zu laden, nicht andersherum, ist für mich leider nur einer von vielen Denkfehlern.
Der Schreibstil kommt mir vor wie eine Mischung aus abgehackten Satzfetzen, die in den allermeisten Fällen nicht einmal eine vollständige Mischung aus Subjekt, Prädikat und Objekt aufweisen. Man könnte dies als Stilmittel bezeichnen, was in angemessener Dosis eingesetzt auch zu einer bestimmten Atmosphäre beitragen könnte, doch in diesem Buch wird maßlos mit dem Einsatz von Ein-Wort-Sätzen übertrieben. An anderer Stelle trifft man dafür auf ausschweifende Gefühlsbeschreibungen, angereichert mit Metaphern und Superlativen, dass man glaubt, der Autor wolle einen mit Tiefsinnigkeit und Epik erschlagen. Auch der Einsatz dieses Stilmittels wird leider völlig übertrieben eingesetzt, so dass die Wirkung übers Ziel hinausschießt und die Aussage des Textes geradewegs ins Lächerliche gezogen wird.
Zusätzlich tauchen immer wieder bestimmte Floskel- und Wortwiederholungen auf, die den Eindruck erwecken, der Wortschatz des Autors sei ebenso blass wie seine Weltschöpfung. Stellweise ist es mit den Wiederholungen so schlimm, dass einige dieser Wörter für mich einen schlechten Beigeschmack erhalten haben und mir nun auch in anderen Texten sauer aufstoßen. (Das muss ich dem Buch wirklich lassen, bisher hat es noch kein Schriftstück geschafft, mein Leseempfinden so nachhaltig zu schädigen.)
Auch das Lektorat hat leider seine Arbeit nicht oder nicht ausreichend gemacht: Es finden sich im Buch viele Fehler im Bereich der Zeichensetzung und Klein- bzw. Großschreibung. Oft werden auch Worte in einem falschen Sinnzusammenhang gebraucht und ziehen damit ganze Sätze ins Unverständliche. Zum Beispiel:
„Ich überlege haarscharf …“ (für: Ich denke scharf nach);
„Ich lasse das Gewehr inständig fallen …“ (für: Ich lasse das Gewehr sofort fallen);
„Ich mache es ihm gleich…“ (für: Ich mache es ihm nach/Ich tue es ihm gleich).
Nach meinem Empfinden kann man etwas nicht „inständig“/voller Inbrunst fallen lassen, und „haarscharf“ ist doch eher ein Synonym für „sehr knapp“ anstatt für „sehr stark“. Das Buch strotzt von solchen falschen Sätzen. Hier hat das Korrektorat leider an sehr vielen Stellen nicht aufgepasst.
Spannung trat für mich durch die extreme Vorhersehbarkeit der Handlung nur an zwei Stellen des Buches auf. Besonders das Finale der Geschichte ist kaum als solches zu erkennen. (Ich gehe davon aus, dass es die Flucht aus der Basis sein soll.) Die Situation bietet eine tolle Gelegenheit für gute Einfälle und spannungserzeugende Mittel, doch diese nimmt der Autor leider nicht wahr und lässt das Potenzial der Situation lieber hinter den immerwährenden Angstgedanken der Protagonistin verblassen.
Abschließend kann ich sagen, dass der Hauptteil des Buches sich fast ausschließlich auf das Innere der Protagonistin und ihre sich ständig wiederholenden Ängste vor der Zukunft konzentriert. So wie er die Geschichte „Rising Sparks“ erzählt (unzureichende Beleuchtung von Welt, Handlung und anderen Figuren) scheint der Autor ein Mensch zu sein, der sich zu sehr auf sich und seine Ängste konzentriert und den Blick nicht ausreichend auf die Außenwelt oder andere Personen werfen kann, um seinem Buch Leben und Glaubwürdigkeit einzuhauchen. Aber das ist natürlich alles nur mein persönliches Empfinden.  
Fazit: Der Versuch einer Dystopie, der an vielen Dingen gnadenlos scheiterte und mein Leseempfinden nachhaltig schädigte. Das Buch hält leider gar nichts von dem, was es verspricht. 

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