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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

shangha, liebesgeschichten, japanische besetzer, tereza vanek, abenteue

Die schöne Insel

Tereza Vanek
Buch: 448 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 15.06.2017
ISBN 9783956690501
Genre: Historische Romane

Rezension:


Vaneks dritter Teil ihrer China Trilogie "Die schöne Insel" spielt diesmal im Internationalen Bezirk der chinesischen Metropole Schanghai und auf der, dem chinesischen Festland vorgelagerten Insel Formosa, portugiesisch für die Schöne, das heutige Taiwan. 

Der Roman schildert die Schicksale von vier Immigranten verschiedener Nationalität, die sich Ende des 19. Jh. im Reich der Mitte begegnen. Die Handlungsfäden spinnen sich um die weibliche Protagonistin, die junge Halbjüdin Anastassia, deren Familie vor Jahren aus einem russischen Schtetl nach Schanghai ausgewandert ist und sich dort mehr schlecht als recht bis zum Tod des geliebten Vaters mit einem kleinen Ladengeschäft durchschlägt. Kurz darauf eröffnet ihr die verbitterte Stiefmutter, dass sie und Anas jüngerer Halbbruder ohne sie zurück in die Heimat gehen und Ana von nun ab mittellos auf sich allein gestellt ist. Ana erkennt in ihrer verzweifelten Situation aber auch eine Chance ihr Leben nach ihren eigen Regeln zu gestalten. Anders die Chinesin Clio, der Ana bei der Flucht aus dem Bordell hilft, und die zu ihrer Freundin wird. Auch sie ist ohne Familie, deren Traditionen sie aber so sehr verinnerlicht hat, dass ihre moralische Kontrolle weiter wirkt. Mit der Unterstützung des Sprößlings, des Erben eines deutschen Handelshauses in Schanghai, der sich unglücklich in Clio verliebt, gelangen die beiden Frauen nach Formosa. Jene Insel, auf die Clios Familie nach dem Ende der Ming Dynastie vom Festland ausgewandert und zu Ansehen gekommen ist, so dass die strenge, angesehene japanische Familie ihrer großen Liebe, des Offiziers Nobu, einer Heirat zustimmt. Doch die Ehe kommt nicht zustande und Clio verliert alles: Nobu, ihre Familie, ihre Heimat  Doch führt die Erfahrung des Verlustes aufgrund überbrachter Traditionen nicht dazu diese zu hinterfragen oder sich dagegen zur Wehr zu setzen. 


Vanek gelingt mit ihrem historischem Roman zwar ein überaus interessanter Einblick in erst einmal fremd anmutenden Gesellschaften, die sie prägenden Philosophien und ihren Einfluss auf den Einzelnen, liefert ein gut recherchiertes Portrait der Auswirkung des Imperialismus in Asien und beschreibt eindringlich die verschiedensten interkulturellen Konflikte.  Und so beeindruckt ich von all dem war, leider bleibt die eigentliche Geschichte für mich daneben etwas blass. 

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

amsterdam, niederlande, 17. jahrhundert, tulpen, holland

Tulpenfieber

Deborah Moggach , Ursula Wulfekamp
Flexibler Einband: 283 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 11.09.2016
ISBN 9783458361701
Genre: Historische Romane

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15 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

schuld, doppelmord, kanada, unschuld, wahre begebenheit

alias Grace

Margaret Atwood , Brigitte Walitzek
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei Piper, 02.10.2017
ISBN 9783492313476
Genre: Historische Romane

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31 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 14 Rezensionen

shanghai, china, dreißiger jahre in china, krieg, kolonien

Die Verschwörung von Shanghai

Xiao Bai , Lutz-W. Wolff
Fester Einband: 426 Seiten
Erschienen bei Insel Verlag, 07.08.2017
ISBN 9783458177173
Genre: Romane

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45 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 35 Rezensionen

lesbisch, trauer, ariellev, jüdin, ariel levy

Gegen alle Regeln

Ariel Levy , Maria Hochsieder-Belschner
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Knaur, 21.08.2017
ISBN 9783426214305
Genre: Biografien

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33 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 24 Rezensionen

garten, kochbuch, kochen, backen, gemüse

Mein Gartenkochbuch

Katrin Schmelzle
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Verlag Eugen Ulmer, 22.06.2017
ISBN 9783818601133
Genre: Sachbücher

Rezension:

Vielleicht vorweg, ich koche viel und wenn ich nicht koche oder esse, lese ich in Kochbüchern oder treibe mich auf Kochblogs rum. Aber selbst für einen durchschnittlich Kochbegeisterten fand ich einen Großteil der Rezepte nicht wirklich neu oder aufregend. Die unzähligen Tipps hingegen, fand ich richtig gut, gerade für Einsteiger. Fazit: Als Ratgeber zu empfehlen, als Kochbuch & vom Layout eher altbacken. Letzteres auch im Vergleich zu anderen Büchern aus dem Verlag.

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24 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

türkei, familie, sehnsucht, heimat, gastarbeiterin

Wo noch Licht brennt

Selim Özdogan
Fester Einband: 344 Seiten
Erschienen bei Haymon Verlag, 19.09.2017
ISBN 9783709972991
Genre: Romane

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33 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

kochbuch, vegetarisch, gemüse, regional, schnelle küche

Gemüseliebe

Tina Ganser
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Löwenzahn Verlag, 11.07.2017
ISBN 9783706626071
Genre: Sachbücher

Rezension:

Obwohl ich zu den unhippen Omniovoren gehöre, koche ich oft fleischlos, aber trotzdem selten so, dass das Gemüse im Rampenlicht steht.

Ich liebe Pasta in allen Variationen, aber fast immer ohne Fleisch. Zur Zeit am liebsten mit einem schlichten Tomatensugo aus meinen nun endlich reifen, selbst gesetzten Fleischtomaten, nur mit etwas Knoblauch, Chili, natürlich auch aus eigener Ernte, ein paar geschnittene Basilikumblätter in gutem Olivenöl & dazu frischer Parmesan und mein Herz strahlt. Simpel, fix & fleischlos.

Um mich mit neuen, vegetarischen Ideen zu versorgen, kam das Rezensionsexemplar Gemüseliebe 100 vegetarische Jeden-Tag-Rezepte also genau richtig. Ein Kochbuch, in dem 10 klassische Gemüsesorten, von Karotte bis Zucchini, auf jeweils einer Seite übersichtlich und informativ bezüglich Saison, Vielfalt, Lagerung & Gesundheitscheck vorgestellt werden, und sich dann als Hauptakteure der Rezepte in den graphisch ansprechend gestalteten Kapiteln wie z.B. Snacks und kleine Gerichte, Klassiker usw. wieder finden.

Dort nimmt jedes Rezept eine Doppelseite ein, links die Zutatenliste und die Zubereitungsanleitung in nachvollziehbaren Schritten, plus Zeitangabe, schöne Typo, charmante kleine Gemüse-Icons in der Seitenecken, am Rand in Infoblöcken Hinweise über Verwertung von Gemüseresten oder Variationsmöglichkeiten, rechts das Photo.

Zuvor, ganz am Anfange des Buches, stellt sich die österreichische Autorin Tina Ganser nebst ihrer hehren und natürlich angesagten Botschaft, saisonal und regional einzukaufen, weniger industriell gefertigte Nahrung zu sich zu nehmen und Reste nicht wegzuwerfen, vor. Am Ende des Buches gibt es ein Glossar und als Zugabe für den Leser und die Leserin einen Saisonkalender als Lesezeichen.

Das hat mir auch alles so weit gut gefallen. Die Food-Photographie, die ja immerhin jeweils mindestens eine ganze Seite einnimmt, fällt manchmal zum aktuellen Standard der ganze Geschichten erzählenden Photos in Kochbüchern und Kochblogs etwas ab, dafür ist das anzustrebende Kochergebnis aber gut zu erkennen.

Nur für die Rezepte selbst konnte ich mich leider etwas weniger begeistern, aus mehreren Gründen:

Ich fand sie wenig innovativ, da gab’s einfach nicht viel Neues aus Österreich. Zucchininudeln und -kuchen, Schichtsalat im Weckglas und die x-te Quinoabowl setzt ja nun auch schon Lieschen Müller, dank Bild der Frau Rezept, ihrer Familie vor.

In der Rubrik „Moderne Klassiker“ das Rezept des 70er Jahre Stars die mit Reis und Schafskäse gefüllten Paprika, die wow, hier ein paar Cashewkerne und Cranberries zusätzlich enthält. Oder die Zucchinischnitzel, also panierte Zucchinischeiben, deren moderner Twist, die zum Panieren verwendeten Cornflakes sind.

Hinzukam, dass ich viele Rezepte einfach nicht verstanden habe. Also z.B. die Kombination der Texturen wie „Cremespinat mit porchiertem Ei und dazu Süßkartoffel-Wedges“, alles eher für Kaufaule mit Hang zur Schnabeltasse. Oder auch die Würzung, „Guacamole“ nur mit Salz und Pfeffer? Das ist nichts Anderes als Avocadomus. In Mexico würde man gesteinigt für diesen Frevel. Aber auch gerne das Gegenteil. Das volle Würzprogramm, wie das großzügige Salzen durch Sojasauce, Salz und gesalzene Erdnüsse für den „Chinesischen Nudelsalat“. Oder Unharmonisches wie Rotweinzwiebeln und Chili-Ketchup im „Cheeseburger“ Rezept oder Coleslow und Basilikumpesto im „Burger“.

Dann habe ich mich noch daran gestoßen, dass gefühlt in jedem 2. Rezept mindestens 200 ml Schlagobers, also Sahne, und ein bisschen Speisestärke gehören, passierte Tomaten gerne mit Wasser verdünnt werden und Pinienkerne 8 Minuten in Saucen mitköcheln und auch typische industriell gefertigte, recht zucker bzw. salzlastige Produkte wie Dosenananas, Chili-Ketchup und fertiges Pesto regelmäßig auf der Zutatenliste stehen.

Ich liebe Kochbücher, ich kann stunden- gar tagelang in ihnen lesen, sie immer wieder zur Hand nehmen, mir überlegen, ob diese Suppe oder jener Salat als Vorspeise geeigneter wäre, nach diesem einen Rezept mit Kürbis suchen, das ich doch schon immer mal nachkochen wollte oder mich einfach inspirieren lassen, was es morgen Abend geben könnte.

Von den 100 Rezepten in diesem Kochbuch der Ernährungswissenschaftlerin und leidenschaftlichen Gemüseköchin Ganser, die auch Kochkurse leitet, gab es leider nur 4 Rezepte (Blaukrautsuppe, Karottensuppe mit Marillen, Pilz-Maronischaumsuppe mit Kokosmilch und Knoblauchchips, marinierte Karfiol(Blumenkohl)-Fenchel-Gemüse auf cremiger Parmesan-Polenta), die ich so noch nicht kannte, und die meine Gemüseliebe entfachen konnten.

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14 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

frankreich, normandie, liebe, neue wege gehen, familie

Ein Sommer in der Normandie

Nadine Roux
Flexibler Einband: 296 Seiten
Erschienen bei epubli, 29.06.2017
ISBN 9783745090352
Genre: Romane

Rezension:

Je sius terriblement désolée.. aber das war leider nix. Nichts für mich auf jeden Fall. Kein romantisch-amusanter Sommerroman süß wie Crêpes au sucre, spritzig wie ein Cidre und doch gehaltvoll wie ein gut gereifter Camembert aus einer der schönsten französischen Regionen, der Normandie. Das diese doch eigentlich wie geschaffen für mitreißende Romanhandlungen ist, hat schließlich schon Maupassant hinreichend bewiesen. 
Hier aber agieren blutleere, ungewollt überzeichnete Figuren in einem wohl auf dem Zeichenbrett der Kleinmädchenphantasie konstruiertem Plot, zusammengehalten von einer Erzählerstimme, bei der ich manches Mal das Bedürfnis hatte, sie über die Steilküste von d' Étretat zu stoßen. 

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21 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 18 Rezensionen

thriller, david sedlaczek, usa, flucht, geschlossene psychiatrie

Runaway

David Sedlaczek
E-Buch Text: 309 Seiten
Erschienen bei independently published, 28.07.2017
ISBN 9783000570766
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Klappentext:

Wegen des Mordes an seiner Frau sitzt Frederick Hagel seit 18 Jahren in der geschlossenen forensischen Psychiatrie. Gefügig gemacht durch unzählige Medikamente. Ohne Aussicht auf Entlassung. Eines Abends läuft im Aufenthaltsraum die Übertragung eines belanglosen College-Baseballspiels. Eine Großbildaufnahme zeigt das Publikum. Er will nicht glauben, was er gerade dort oben auf dem kleinen Fernseher gesehen hat.

Ein verzweifeltes Katz-und-Maus-Spiel beginnt …



Ein ambitioniertes, gesellschaftskritisches Debut. Meist spannend, wenn auch eher auf einer psychologischen Ebene, als dass es sich im Blutrausch verliert. Gut gezeichnete Figuren, allen voran der Protagonist ist ein interessanter Held, der nicht dem üblichen Klischee des zu Unrecht eingesperrten Sympathieträgers entspricht. Die Idee die Flucht als Roadtrip durch die USA anzulegen, hat mir gut gefallen. Die Stimmung des Gehetzten ist durch die Beschreibung der stundenlangen Fahrten Überland, der Motelzimmer, der Dinnerketten sehr gut ausgedrückt worden. Ich finde den Plot an einigen Stellen nur nicht ganz realistisch und den Realitätsanspruch stelle ich persönlich an Genre Literatur wie Thriller. Ich störe mich an Dingen wie z.B. wird der immense Medikamenten-Cocktail, den die Patienten in der Psychiatrie einzunehmen gezwungen werden, beschrieben, der physische und psychische Auswirkungen hat, unter dem ich mir eine solche Ausbruchsplanung und – durchführung nur schwer vorstellen kann, auch wie die Anschaffungen von elektron. Equipment während der Flucht mit den Geldmitteln aus nur einem kurzen Aushilfsjob möglich sein soll . Weiter frage ich mich, wie ein Mietwagenvertrag ohne Kreditkartenhinterlegung funktioniert. Kleinigkeiten vielleicht über die andere hinweglesen, die aber meinen Lesegenuss etwas mindern, trotzdem ein lesenswerter Erstling.

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35 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

pubertät, kurzgeschichten, kein ratgeber, mit viel humor, lustig

Und ewig schläft das Pubertier

Jan Weiler , Till Hafenbrak
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.07.2017
ISBN 9783492057721
Genre: Humor

Rezension:

Zum dritten Mal dürfen Anekdoten aus dem Familienleben der deutsch-italienischen Familie Weiler, bestehend aus Papa, Mama & mittlerweile zwei Heranwachsenden, zur 17 jährigen Tochter Carla gesellt sich nun auch, der natürlichen Lebensuhr des Menschen sei Dank, der jüngere Sohn Nick altersmäßig ins Reich der Pubertiere, die Leserschaft amusieren.

Der Journalist und Autor Jan Weiler, dessen angeheiratete, italienische Mischpoke ihm die Vorlage für den humorigen Buch- und Kinoerfolg „Maria ihm schmeckt’s nicht!“ geliefert hat, um dann seinen schriftstellerischen Fokus auf die eigens produzierten Nachkommen zu richten, ist wieder da!

Nachdem sich die häuslichen Begebenheiten der nächste Generation in Kolumnen der „Welt am Sonntag“ erfolgreich zu Markte tragen ließen, war es nur logisch sie einem Upcycling zu unterziehen. So wurden die Pubertiere des Hauses zu Titel- und Inhaltspendenden Protagonisten seiner Kurzerzählungen.

Da alle guten Dinge drei sind, gibt es nach “Das Pubertier”(2014) und “Im Reich der Pubertiere” (2016) jetzt “Und ewig schläft das Pubertier”.

Um die Klimaveränderungen im eigenen Haushalt zu beschreiben, die mit der einsetzenden Pubertät einhergehen, bemüht Weiler die Labor Metapher. Es gibt das Versuchslabor Eigenheim mit ihm selbst als allseits zu Späßen aufgelegten Versuchsleiter und natürlich die zu untersuchenden Labormäuse, Tochter und Sohn Weiler. Aus dieser naturwissenschaftlich anmutenden Versuchsanordnung lässt er seine Pointen purzeln, da geht es um Taschengeldverhandlungen, Kühlschrankinhalte, Verkehrserziehung.

Alles Diskussionsstoffe, die Leidensgenossen sicherlich hinreichend bekannt sind, und dazu führen, dass aus purer Solidarität auch der dritte Band der Reihe ein Verkaufschlager bei den Ü40 wird. Die Kinderbuch kurzen Kapitel können auch von den, ob ihrer adoleszenten Mitbewohner, noch so gestressten Versuchsleitern gelesen werden. Und wenn die elterliche Konzentration, aufgrund der in Gehör vernichtender Lautstärke abgespielten Musikerziehungsversuche des Nachwuchses, selbst das nicht mehr leisten kann: Es gibt Bilder; quietschbunte Illustrationen von Till Hafenbrak.

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 15 Rezensionen

rassismus, new york, usa, 1920er jahre, jazz age

Marylin

Arthur Rundt , Primus-Heinz Kucher , Primus-Heinz Kucher
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Edition Atelier, 25.01.2017
ISBN 9783903005280
Genre: Klassiker

Rezension:

Wer schon einmal in einer Tierdokumentation einen Leoparden beim Jagen in der Kalahari beobachtet hat, kann nicht anders als beeindruckt sein von seinem eleganten, geduldigen, uns „planvollen“ erscheinendem Jagdverhalten, der Hetzjagd.

Wie er sich von ihr unbemerkt an eine zarte, feingliedrige Antilope heranpirscht, die ersten Meter im Trab, dann aber, um so näher er seiner potentiellen Beute kommt, sich weg duckt, sich unsichtbar macht, mit seiner Umgebung verschmilzt. Wie er geschickt versucht, so nah wie möglich an sein wehrloses Opfer heran zu kommen, weil nur das gewährleistet, dass es angststarr nicht mehr rechtzeitig vor ihm fliehen kann. Von ihm gestellt, rast ihr Herz, pumpt das Blut schneller durch die Venen. Von ihm überwältigt ist sie endlich seins.

In dem von Arthur Rundt 1928 erstmals in der Wiener Wochenzeitschrift „Neue freie Presse“ als Fortsetzungsgeschichte publiziertem Roman „Marylin“ benutzt Philip, ein junger, aufstrebender, angestellter Architekt mit 40 Dollar Lohn täglich die Hochbahn, um zu seinem Arbeitsplatz im Centrum von Chicago zu kommen. Er und Tausende mit ihm. In dieser Menschenmasse, die morgens wie abends, eingepfercht, dicht an dicht, zwischen Büro und Bettstatt pendelt, bleibt sein Blickt eines Tages an einer jungen Frau hängen. Sie ist vom Aussehen eigentlich recht unscheinbar, könnte leicht in der Menge verschwinden, wären da nicht „diese zarten Kinderarme, die aus den behutsam wiegenden Schultern hin- und herpendelten“, die Philips Interesse wecken.

Diese zarten, proportional zum Körper langen Arme wirken wie ein Trigger, er kann seinen Blick nicht abwenden, bekommt das Bild nicht aus dem Kopf. Er sucht jetzt täglich im Heer der Massen nach ihr. Als er sie irgendwann entdeckt, will er sie, von der er weiß, das sie die Eine ist, nicht mehr verlieren und nimmt die Fährte auf. Er verharrt im Zug, als dieser seine Haltestelle anfährt, folgt ihr unauffällig als sie an ihrer aussteigt und durch die Straßen ihres Stadtteils schlendert, schlüpft kurz hinter ihr in das Café, in dem sie regelmäßig einen Milkshake trinkt, beobachtet sie heimlich, nur ein paar Tische von ihr entfernt, hält nur wenige Meter Abstand auf ihrem Weg zu dem kleinen Hotel, in dem sie ein Zimmer gemietet hat. Von nun an wiederholt er dies Tag für Tag. In seinen Träumen sind sie schon ein Paar, bevor er sie irgendwann wortlos im Abteil grüßt, bevor er ihr auf der Straße einen guten Tag wünscht, bevor sie übers Wetter sprechen, bevor er ihr seine Begleitung anbietet, bevor sie Angst bekommt.

Marylin arbeitet in einem Verkaufsbüreau einer Seidenstrumpffabrik, sie ist fleißig, eine geschätzte Mitarbeiterin, verdient 25 Dollar. Aber sie muss fliehen, sie nimmt ihre Ersparnisse, ihren Koffer, ihre persönlichen Papiere. Sie flieht. Sie flieht nach Cleveland, Philip folgt ihr, flieht nach New York, Philip heftet sich an ihre Fersen. Sie ist seine Obsession. Sie ist die Frau, die er einmal heiraten will, die zukünftige Mutter seiner Kinder. Er kennt sie nicht, aber er will sie.

Marylin ist müde, zu müde weiter vor ihm zu fliehen, vielleicht zu müde sich ihm und seiner Bitte weiter entgegenzustellen, zu kämpfen. Vielleicht ist sie es auch leid alleine zu sein in der ihr fremden Welt, vielleicht will sie auch glauben, dass alles gut wird.

Die nächsten Monate entsprechen die beiden am ehesten dem Klischee eines frisch verheirateten Paares, doch die meiste Zeit wirkt Marylin wie ein angstvolles Tier in der Falle, unruhig, nervös, aufs höchste angespannt, als wüsste, dass das kein gutes Ende nimmt. Doch noch ist es nicht so weit. Gemeinsamen mit Freunden genießen sie das Großstadtleben der weißen Mittelschichtler. Sie gehen aus in die angesagten Jazzkneipen, Swing Clubs und zu den populären Boxfights der Schwarzen. Sie machen sogar die Bekanntschaft eines bekannten, schwarzen Kämpfers, den sein weißer Kontrahent ob seiner langen Arme als „Affe“ bezeichnet, den sie aber trotzdem, fast stolz auf ihre unkonventionelle Tat, zu sich einladen. Denn es gilt, wenn Schwarze nicht über besondere Talente zum Amusement verfügen, sind sie lediglich geduldet, auf Zeit und nach den Bedingungen der Weißen. Sonst taugen sie nur zum eigentlich unsichtbaren, devot freundlichem Portier oder Fahrstuhlführer. Die amerikanischen Gesetze und der common sense regeln, dass alle besser in ihrer eigenen, angestammten Welt bleiben sollen, damit nichts zusammen kommt, was nicht zusammen gehört.

Marylin wird schwanger, Philip freut sich. Alle freuen sich für sie beide, nur Marylin ist starr vor Schreck und zählt die Tage bis endlich alles vorbei ist. Philip ist auf Geschäftsreise als Marylin ihre Tochter entbindet. Als Phillip sie das erste Mal sieht, mag er seinen Augen nicht trauen. Das Kind ist schwarz. Das ist nicht sein Kind und Marylin nicht mehr seine Frau. Sie ist eine Ehebrecherin, hat sich der sprichwörtlichen Virilität eines Schwarzen hin gegeben. Marylin wirkt trotz der falschen Anschuldigungen unendlich erleichtert, wehrt sich nicht, stellt nichts klar.

Philip hinterfragt nichts, ist außer sich, ob des Betrugs. Es kommt zur Scheidung. Marylin flieht erneut, diesmal mit ihrer Tochter, zu Verwandten ihrer Mutter, in die Karibik. Diesmal folgt er ihr nicht, die Wut über den Verrat hält ihn. Erst als er die Wahrheit, als er von Marylins schwarzer Mutter erfährt, nicht mehr seine „weiße Frau“ ihn mit einem Schwarzen betrogen hat, sondern er nur Sex mit einer Schwarzen hatte, nimmt er den Faden wieder auf und kommt zu spät.

Aus Arthur Rundt, ein heute vergessener Autor, damals ein bekannter Theatermann, Journalist und Reiseautor „Amerika ist anders“ spricht eine Begeisterung für das moderne Amerika der technischen Errungenschaften, für seine Wolkenkratzer und Kühlschränke, ist dabei aber auch nicht blind für Teilung der Gesellschaft in schwarz und weiß, für die juristisch festgelegte Segregation der Bevölkerung.

Sein Roman wird der stilistisch schnörkellosen Neuen Sachlichkeit zugerechnet. Der Erzähler schildert das Geschehen in großen Teilen eher journalistisch, als teilnehmender Beobachter von außen. Die Helden, Philip und Marylin, können nur an ihren Taten gemessen werden, ihre Beweggründe bleiben unbekannt. Das mag einige Leser irritieren, da wir es seit „Freud für alle“ gewohnt sind, dass jeder seine Befindlichkeiten wie ein Banner weit sichtbar vor sich her schwingt.

Für mich gilt trotzdem, so wie ich beim Ansehen der Filmdokumentation die Angst der Antilope spüre, so hat sich beim Lesens des Romans von Seite zu Seite Marylins Angst, das Gefühl ausgeliefert zu sein, auf mich übertragen.


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92 Bibliotheken, 7 Leser, 0 Gruppen, 35 Rezensionen

7 todsünden, neid, sieben nächte, angst, literatur

Sieben Nächte

Simon Strauß
Fester Einband: 144 Seiten
Erschienen bei Blumenbar, 08.07.2017
ISBN 9783351050412
Genre: Romane

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22 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

liebe, freundschaft, schuhkarton voll erinnerungen, panda, alte liebe

Scherbengold (German Edition)

Kathrin Hövekamp
E-Buch Text: 207 Seiten
Erschienen bei null, 30.06.2017
ISBN B073M947GJ
Genre: Sonstiges

Rezension:


Wenn die Herren Werner Schulze-Erdel und Niklas Luhmann & die Hamburger Wunderband Tocotronic gemeinsam bemüht werden, um das Mysterium der Liebe zu klären, ich bin mir sicher, dann liegt die Welt in Trümmern.

Und genau so ist es in Kathrin Hövekamps neuem Roman „Scherbengold„.

Caro hat Jakob verlassen, wie so oft bei Trennungen, für eine der zwei Parteien, gefühlt von jetzt auf gleich. Jakob, der eloquente Ich-Erzähler, 30, kommt von einem Treffen mit Andy, seinem besten Freund seit Grundschultagen, zurück in die seltsam veränderte Wohnung und just in dem Moment, wo der Verstand die Lücken im Bücherregal, die freien Bügel im Kleiderschrank zu einem: „Sie ist weg!“ zusammensetzt, steht die Geflüchtete mit der obligatorischen, blauen Ikea Plastiktüte, dem Week-ender der Großstädterin, erschrocken vor dem zu früh Heimgekehrten, um die letzten Überbleibsel ihrer Anwesenheit in seinem Leben in Abwesenheit zu entfernen. Als Erklärung bietet sie ihm nur ein „Wir haben einfach nicht mehr funktioniert“ an und verschwindet mit der Bitte um zeitweilige Kontaktsperre.

Was bleibt da dem Zurückgewiesenen, vor den Kopfgestoßenen anderes übrig als sich selbst nach dem Warum zu befragen, nachdem er sich mit des männlichen Verlassenem bestem Freund, dem Alkohol, und Trash-Videos erst einmal über die ersten Stunden gebracht hat. Er erstellt eine Liste seiner Exen, akribisch veranlagt wie er ist, von der Grundschule bis zum D-Day. Schnell erkennt er sie alle eint eins: Sie haben ihn verlassen! Um der persönliche Beziehungshistorie Herr zu werden, verschanzt er sich die nächsten Tage mit einer Kiste faßbarer, papierener Zeugen seiner Vergangenheit, die jeder anständig gelebte Mensch über 30, noch irgendwo in den Tiefen eines Schrankes besitzt, in seiner Wohnung. Er versucht mit Hilfe der Photos sein Liebesleben, die Liebe selbst zu verstehen.

Da gab es alles, käufliche Frauen, die ihn für Diddel-Mause Sticker verließen, da gab es die vermeintlich Coole mit der Aufmerksamkeitsspanne von Eintagsfliegen, auch für den Mann an ihrer Seite, und da gab es jenes geheimnisvolle Panda Mädchen, die Frau mit der Maske.

Mit ihr hatte er sich mit 15 Jahren auf einer Faschingsfeier in der schwäbischen Provinz, seiner Heimat, zu später Stunde, als alle anderen der Mischung von altersgerechter Hormondominanz und dem gesellschaftlichem Verlangen nach Coolness geschuldetem übermäßigen Alkoholkonsum erlegen waren, und ihre Zungen zueinander legten, plötzlich auf einem Sofa wiedergefunden. Er, der stets zu schüchtern und verkopft war, um ein Mädchen auch nur anzusprechen, geschweige denn sich ihr auf mehr als ausgestreckter Armlänge zu nähern, ohne dass einer seiner Freunde ihm durch angewandte Physik die Richtung vorgab, saß neben einer ihm bis dahin völlig Unbekannten und die Worten sprudelten nur so aus ihm heraus. Über seinen Vater, der die Familie vor Jahren verlassen hat, und seit dem nur in Form von Geburtstagskarten vorbeischaut, von seiner Mutter, die sich regelmäßige für mehrere Tage in ihrem Zimmer verschanzt, die Bettdecke bis zum Kinn, unerreichbar für ihn, um dann wieder Roboter gleich, emotionslos, zu funktionieren. Sogar der, in der Familie mit einem Ausspracheverbot belegte Name seines am frühen Kindstod verstorbenen Bruders, Matthias, kommt ihm über die Lippen. Als sie diese dann auch noch küsst, einen Kuss, der von nun an für immer Maßstab sein wird, flieht er in Panik, bevor alle Dämme brechen.

Kurz danach lernt er die Freundin eines Freundes, die fabelhafte Hannah, kennen. Diese geistige Überfliegerin und Klassenüberspringerin, mit einer ausgeprägten Vorliebe für Grobstrick und Tüll, Philosophie und Meeresbiologie, wird schnell zu seiner besten Freundin. Sie teilen den selben ungewöhnlichen Humor, lieben es das richtige Zitat im falschesten Moment dem abwegigsten Urheber zuzuordnen, gehen über Jahre montags Kinofilme blind verkosten und tragen sich wie ein altes Ehepaar bäuchlings im Freibad Textauszüge aus ihrer aktuellen Lektüre vor.

Auch jetzt in der unmittelbaren Post-Caro Phase ist Hannah die intellektuelle Sparringspartnerin, wenn es darum geht, alle je gedachten Gedanken von den Denkern der Antike bis zu den geplapperter Platituden längst vergessener Vorabend-Moderatoren von Tele 5 zum Mysterium der Liebe zu interpretieren, zu diskutieren und dann doch als wenig hilfreich verwerfen.

Langsam kommt Jakob dann aber doch dem roten (Woll-)Faden hinter seiner sehr bizarren Beziehungsende-Serie näher, und was ihm dann noch fehlt, ist nur der Mut des nicht völlig Verzweifelten den Erkenntnissen auch Taten folgen zu lassen.

Scherbengold ist ein ausgesprochen charmanter und kurzweiliger Roman über das Leben und die Liebe, die beide ja gerne mal die Bitch geben, einem gut komponiertem Plot, ja, zuckersüß, mit buntem Zierrat und Happy-end, aber ohne jede Kariesgefahr, einem Ich-Erzähler und Helden, der exakt meiner Mr Right Backform entspricht und geschrieben von einer Autorin, deren pop-kulturelles Zitaten- Feuerwerk mir Flash-backs ganz ohne Photokiste bereitet hat.


Ein wunderbares Buch bei Herz-Schmerz-Liebeskummer oder auch ganz ohne!


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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Bonjour tristesse

Françoise Sagan , Rainer Moritz
Fester Einband: 176 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 11.08.2017
ISBN 9783550081385
Genre: Romane

Rezension:

Ich muss hier gestehen, ich bin eine Wiederholungstäterin, was die Lektüre dieses Romans angeht. Ich habe ihn im zarten Alter von 13 oder 14 schon einmal gelesen. Damals, weil ich in meiner französischen Phase jedes Kulturgut der „Grand Nation“ und das ist dieses Debut nun einmal, gierig goutiert habe, den Hype im Erscheinungsjahr 1954, um seine Leistung als Emanzipationsroman, Jahrzehnte später, jugendlich ignorant wie ich war, aber nicht wirklich nachempfinden können. Dafür wurden die beiden Heldinnen Anne und Cécile aber für lange Zeit meine Blaupause für Französinnen mit einer deutlichen Preferenz.

Jetzt mit dem Abstand an Jahren und Erfahrungen ihn noch einmal zu lesen, fand ich ausgesprochen spannend. Einerseits, dass der Roman gerade jetzt erneut aufgelegt wurde, wo ich oft das Gefühl habe, dass die schon erstrittenen Freiheiten auch von Frauen oft mit Füßen getreten werden, und andererseits, weil ich wissen wollte, welche Wirkung er heute auf mich hat.

Françoise Sagans, mit zarten 18 Jahren in nur 7 Wochen herunter geschriebenes Debut „Bonjour Tristesse“ von 200 Seiten ist nicht nur ein in 22 Sprachen übersetzter Welterfolg, sondern vor allem in der Heimat der Autorin ein Kultbuch, weniger wegen seiner überragenden literarischen Qualität als des Eklats, der mit seinem Erscheinen im Nachkriegsfrankreich, dem Frankreich der Vierten Republik mit ständig wechselnden Regierungen, einer siegreichen Kolonie Indochina und den ersten Aufständen in Algerien, einherging.

Der Roman handelt wie so viele Romane von der Liebe. Ein Mann, drei Frauen, eine Intrige.

Cécile, die 17 jährige Erzählerin verbringt die langen, französischen Sommerferien mit ihrem Vater Raymond, und seiner aktuellen Geliebten, der 29 jährigen Elsa, eine sinnliche Rothaarige mit Hang zum Sonnenbrand, ein plaudernde Naive, der Männer nur schwer widerstehen können, in einer mondänen Villa an der Côte d’Azur. Der charmante, selbstverliebte Raymond ist Cécile trotz seiner 40 Jahre, mehr Kamerad als Erzieher seit sie zwei Jahre zuvor das Internat verlassen hat, und zu ihm nach Paris gezogen ist, wo die Beiden das Leben der Reichen und Schönen, der bohemianhaften Non-Konfomisten mit dem nötigen Kleingeld führen. Beide sind in ihrer ungewöhnlichen Vater-Tochter-Beziehung glücklich, Cécile stört sich nicht an den wechselnden Gespielinnen ihres Vaters, die ihm Zeitvertreib und Streicheleinheiten fürs Ego sind und Raymond verwöhnt sein kleines Mädchen, stellt keine bürgerliche Forderungen nach Schulabschluss und Zubettgezeiten, sondern macht sie zu der Einen, seinen ständigen Begleiterin.

So ist der Urlaub zu dritt ein Sommertraum, der sich unter flirrender Hitze zwischen verschlafen Café auf der Terrasse mit Meerblick, bäuchlings im heißen Sand liegend und abends in St Tropez oder Cannes ein Barbesuch, ein Restaurant und dann ein Club bewegt.

Cécile lernt den 25 jährigen Jurastudenten Cyril kennen, der mit seiner Mutter in einer benachbarten Villa residiert: sie baden im Meer, segeln an der Küste und küssen sich im Pinienwäldchen.

Dieses Idyll des seligen Nichtstuns wird unterbrochen als sich Anne Larsen, eine Freundin von Cécils verstorbener Mutter zu ihnen gesellt. Anne ist eine elegante, gebildete Frau, eine Frau mit Grundsätzen und Stil, die in Paris ein Modeatelier leitet und die leicht unterkühlte, maßvolle Aura einer Lauren Bacall versprüht. Sie wird von der flatterhaften Cécile, die gerade durch ihre Abiturprüfung gefallen ist und sich zu einer Nahprüfung nicht aufraffen kann, mit ängstlicher Bewunderung verehrt. Doch schnell schlägt die Stimmung um. Die Frau in den Vierzigern ist ganz Taktikerin, zu klug, um sich offen gegen Elsa zu positionieren. Und Raymond beißt an, er verbringt eine Nacht mit ihr, der Gleichaltrigen, die so vernünftig und verantwortungsbewusst ist, so exotisch, dass sie am Morgen danach Cécile ihre Heiratspläne eröffnen. Cécile ist zu schockiert, sie schwank zwischen Freude über die zukünftige Erwachsene in ihrem flatterhaftem Leben, die ihrem und dem Leben ihres Vaters Richtung gibt und Wut darüber, dass Anne ihnen damit auch das Gefühl gibt unzureichend zu sein, die personifizierte Kritik in ihr Leben träte. „Durch Annes Schuld geriet ich nun in eine Welt der Vorwürfe, des schlechten Gewissens, in der ich mich verlor..“ Das führt dazu, dass Cécile sich in ihrer Verlustangst wehrt und eine nicht unbedingt kreative Intrige spinnt, an deren Wirkung sie sogar bis zum Schluss zweifelt.

Sie bringt Cyril und Elsa dazu ein Liebespaar zu mimen, um Raymonds Jagdtrieb zu wecken, was ihr letztlich gelingt. Er, dessen Ego es nicht verkraftet, dass Elsa sich so schnell nach der Trennung mit einem jüngeren Mann tröstet, nutzt die Gelegenheit im Pinienwäldchen Zärtlichkeiten mit ihr Auszutauschen und wird dabei von Anne inflagranti ertappt. Diese, tief verletzt, setzt sich in ihr Auto und rast viel zu schnell die kurvige Küstenstraße entlang und kommt zu Tode. Ein schrecklicher Unfall oder gar Selbstmord? Vater und Tochter sind geschockt, aber nicht wirklich betroffen von Annes tragischem Tod, an dem sie nicht unschuldig sind. Sie kehren zurück nach Paris und schon bald auch zurück in ihr altes Leben. Cécile lernt einen jungen Mann kennen, ihr Vater eine junge Frau. Sie sitzen wie zuvor gemeinsam am Tisch und erzählen sich lachend und trinkend von ihren kleinen Liebeleien, während sie den nächsten Sommerurlaub an der blauen Küste planen.

Dieses Skandalbuch steht für den Bruch mit den damals auch in der Literatur vorherrschenden bürgerlichen Werten. Fünf Jahre zuvor war Simone de Beauvoirs „Le deuxième sexe“ erschienen, es thematisierte die Gleichstellung der Frau und wandte sich gegen die vor allem für Frauen maßgebliche christliche Moral. Au revoir: Monogamie und eheliche Treue; Bonjour: Sex just for fun! Das die Vielleserin Sagan das Buch gelesen hat, halte ich für wahrscheinlich und sicherlich hätte es sie nicht unberührt gelassen. Die katholische Kirche war auf jeden Fall empört und setze beide Werke auf den Index der verbotenen Bücher.

Cécile, Sagans Alter Ego, das androgyne, kleine Ding, strebt nicht, wie es sich für eine Frau ihrer Zeit und Gesellschaftsschicht gehörte, nach einem Ehemann, Kindern, einem bürgerlichen Dasein, sondern lebt für den Augenblick, liebt Luxus und Genuss, ist schamlos und lässt sich treiben von ihren unmoralischen Bedürfnissen. Den Plan, die Beziehung zwischen Anne und ihrem Vater zu sabotieren, führt sie mit fast kindlicher Boshaftigkeit aus und wie ein Kind gelingt es ihr auch ihre bösen Taten schnell zu vergessen. Sie sagt über sich selbst: „Die einzige meinem Wesen gemässe Charaktereigenschaft ist die Freude am Vergnügen und am Glücklichsein.“

Eine Hedonistin at her best!

Ach, und die Wirkung: Ich habe „Bonjour Tristesse“ geliebt; gestern wie heute.

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australien, hamburg, historischer roman, liebe, 19. jahrhundert

Die Australierin

Ulrike Renk
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.12.2013
ISBN 9783746630021
Genre: Historische Romane

Rezension:

Welch ein wundervoll praller historischer Roman, der den Leser so richtig tief ins Pfeffersack beherrschte Hamburg des 19. Jh.s eintauchen lässt. So tief, so kenntnisreich, so stimmungsvoll beschrieben, dass man nach dem Zuschlagen der letzten Seite erst einmal verwundert die Augen reibt, dass man sich im Hier und Jetzt befindet.

Ulrike Renk hat mit ihrer Familiensaga „Die Australierin“ , um die Lebensgeschichte Emilia Bregartner, der Tochter aus gutem Hause, in Hamburg bedeutete das die per Geburt erlangte Mitgliedschaft im Club des lutherischen Geldadels, erworben durch Handel und Hafen, nicht nur eine Hommage einer ungewöhnlich starken Frau, sondern auch ein kenntnisreiches Portrait der freien Hansestadt Hamburg und ihrer Bewohner in der zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gezeichnet.

Emilia erlebt als 8 jährige Tochter, des Werftbesitzers Martin Bregartner den verheerenden, großen, drei Tage währenden, Brand Hamburgs im Jahre 1842 aus der Ferne, dem vor der Stadtgrenze liegenden Gut ihrer Familie in Othmarschen mit. Dort lebt sie zwar das Leben eines kleinen Mädchen der Hamburger Oberschicht mit Personal und Spitzenkleidchen, aber das Personal ist Teil der Familie und vor allem zu Inken, der Dienstmagd, hat sie eine sehr innige Beziehung, und das Dorfleben führt zu einer gewissen Erdung.

Während die Männer an diesem schrecklichen Tag in Hamburgs Geschichte in der Stadt alles tun, um das Schlimmste zu verhindern, liegt ihre Mutter Anna, nach mehreren vorangegangenen Totgeburten, seit Stunden in den Wehen, und die kleine, verängstigte Emilia wird trotz Ascheregens mit der benachbarten Lotsenfamilie Jörgensen, eine Art Ersatzfamilie, mit deren Töchtern sie spielt, in die Kirche geschickt.

Unter den über 30.000 Obdachlosen, die der Brand hervorgebracht hat, befindet sich auch der ältere Bruder und Geschäftspartner ihres Vaters, Hinrich, und seine Frau Wilhelmina, so dass beide Aufnahme im ehemaligen Elternhaus finden, was zu weitreichenden Veränderungen des einst beschaulichen Lebens auf dem Land führt. Die an einen mondänen Lebensstil gewöhnte Wilhelmina reißt die Führung des Hauses an sich, da Anna, geschwächt nach der Geburt ihres Sohnes Julius, dazu erst einmal für Monate nicht in der Lage ist.

Zwei Jahre später, das neu erbaute Haus von Onkel und Tante an der kleine Alster ist gerade fertig gestellt, gehen Emilias Eltern mit dem kleinen Bruder nach London. Emilia muss trotz tränenreicher Bitten in Hamburg bleiben. Der Kontakt zwischen Eltern und Kind reduziert sich mit den Jahren auf einen bloßen Informationsaustausch.

Bei ihren ehrgeizigen und äußerst geschäftstüchtigen Onkel und Tante wächst sie zu einer jungen, gebildeten Frau heran, die auf Diner, Souper und Bällen ihren Marktwert zur Schau trägt, um möglichst gewinnbringend zum Wohle des Unternehmens an einen der jungen Erben gebracht zu werden. Emilia verliebt sich aber unter ihren Stand in den jungen Kapitän Carl Gotthold Lessing, der in der Reederei ihres Onkels ein Segelschiff, finanziert mit der Hilfe verschiedener Brüder, in Auftrag gibt. Gegen den Willen ihrer Familie schaffen die zwei Tatsachen, heiraten und gehen an Bord der frisch vom Stapel gelaufenen „Lessing“, um auf ihr gen Peru zu segeln, wo auch Lilly, ihre erste Tochter, das erste von acht Kindern, zur Welt kommt.

Schon auf der Rückfahrt, Emilia ist erneut schwanger, erreicht sie die Nachricht ihres 16 jährigen Bruders über den Tod des Vaters und die darauf folgende Rückkehr von Mutter und Bruder, dem Erben des Vaters. Er lädt sie ein in ihr geliebtes Elternhaus nach Othmarschen. So beschließen die jungen Eltern, dass Lilly und Emilia in Hamburg bleiben, und Emilia dort auch niederkommen wird, während Carl sich gen Australien aufmachen wird, um vor Ort zu prüfen, ob dieses Land ihnen eine mögliche zukünftige Heimat sein könnte.

Nach zwei Jahren folgt Emilia mit ihren Töchtern ihrem Mann und siedelt sich mit ihrer immer größer werdenden Familie in einem Vorort von Sydney an. Carl und Emilia segeln in Begleitung ihrer Kindern zwischen Südafrika, China und Australien, so dass er auch nach Einschulung der Ältesten nur Monate und nicht Jahre von der Familie getrennt ist.

Die Kinder werden älter und das Schicksal scheint sich zu wiederholen, als die Zweitälteste, Minnie, sich in einen Mann, Rudolph, verliebt, der vor allem Carl als nicht geeignet erscheint. Doch Emilia erinnert ihn an ihre eigenen Anfänge ohne jede familiäre Unterstützung, so dass Carl einer Ehe zustimmt, wenn er seine Skepsis auch nie ganz ablegt und den jungen Mann dies spüren lässt. Minnie wird Mutter von vier Kindern innerhalb von acht Ehejahren, der gemeinsame Traum von einer Farm mit Weinherstellung scheitert, die Farm muss verkauft werden, und ihr Mann einen Job als reisender Immobilienhändler annehmen. Die Familie lebt nun in der Stadt, in einer billigen, schäbigen und feuchten Wohnung. Minnie, geschwächt, wird krank und zieht mit den Kindern zurück zu ihren Eltern, wo sie kurz nach der Geburt des vierten Kindes an den Folgen der Krankheit verstirbt. Rudolph ist untröstlich, gibt sich die Schuld, und es ist Carl, der ihn tröstet.

Die Kinder bleiben bei den Großeltern, während Rudolph arbeitet, bis zu dem Tag als er beschließt seine älteste Tochter Carola, die ihrer Großmutter sehr nah steht, und ihrer Mutter sehr ähnelt, zu seiner kinderlosen, wohlhabenden Schwester zu geben, die dafür seine Schulden tilgt. Weder Carolas herzzerreißender Protest, noch die Einwände der Großeltern können ihn umstimmen. Selbst am Tag des Abschieds, Carl wird sie höchst selbst nach Hamburg segeln, ist ihr Vater nicht da. Carola wächst bei ihrer Tante und ihrem Ehemann, einem Sohn der Hamburger Kaufmannsfamilie Amsinck auf, der Emilia einst den Hof machte, doch im Gegensatz zu Emilia verbindet sie mit ihrer Großmutter ein inniger Briefwechsel. Emilia ist es auch, an die sich wendet, als sie sich verliebt, und Tante und Onkel mit ihrer Wahl nicht einverstanden sind, die ihr rät sich zu prüfen und dann ihrem Herz zu folgen.

Renk legt mit „Die Australierin“ nicht nur einen spannenden und emotional ergreifenden Plot mit gut gezeichneten Figuren, von der Heldin bis zum Schiffsjungen an Bord, vor, sondern versteht es auch sehr gekonnt dies sprachlich umzusetzen. Sie hat ihren Figuren wahrlich „aufs Maul“ geschaut, was sicherlich Anteil daran hat, dass diese so ungewöhnlich lebendig wirken. Kenntnisreich berichtet sie über die Hochseefahrt, benutzt die Sprache der Seeleute, aber nicht zur auktorialen Selbsterhöhung, um zu zeigen, dass sie recherchieren kann. Sie weiß um den Balanceakt den Leser in die für ihn fremde Zeit zu entführen, ohne ihn oder aber die Zeit zu verraten. Das ist wahrlich nicht die Regel in diesem Genre.

Für mich ein absolut lesenswerter historischer Roman.

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russland, st. petersburg, zar peter, sankt petersburg, newa

Die Stadt des Zaren

Martina Sahler
Fester Einband: 528 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 11.08.2017
ISBN 9783471351543
Genre: Historische Romane

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freundschaft, hautfarbe, rassismus, london, großbritannien

Swing Time

Zadie Smith , Tanja Handels
Fester Einband: 640 Seiten
Erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, 17.08.2017
ISBN 9783462049473
Genre: Romane

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frankreich

Die Summe aller Möglichkeiten

Olivier Adam , Michael von Kilisch-Horn
Fester Einband: 445 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 09.08.2017
ISBN 9783608980332
Genre: Romane

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niederlande, malerei, delft, pest, porzellan

Nachtblau

Simone van der Vlugt , Eva Schweikart
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 10.07.2017
ISBN 9783959671064
Genre: Historische Romane

Rezension:

Es gibt ihn also doch, den anspruchsvollen historischer Roman mit dem gekonnt konstruierten, spannenden Plot und Figuren, die nicht wie eindimensionale Pappkameraden agieren, sondern wie Menschen aus Fleisch und Blut. Simone van der Vlugts kraftvolle Heldin, die junge Catrijn aus dem kleinen Dorf de Rijps, die sich aus ihrem alten Leben als Opfer ihres cholerischen Ehemannes befreit, und in der Hoffnung ihren Traum auf ein freies, selbstbestimmtes Leben als Künstlerin  zu verwirklichen, in ein unbekanntes, neues aufbricht, ist weit  entfernt von der Klischee Superwoman, und gerade deshalb ist sie eine würdige Vertreterin des ungewöhnlich durchlässigen, sozialen Gefüges in der "Republik der sieben Niederlande" im 17. Jahrhundert. In den knapp zwei Jahren erzählter Zeit verschlägt es sie, auf der Flucht vor der Vergangenheit, aus ihrem Heimatdorf über Alkmaar und Amsterdam nach Delft, wobei sie so illustre, historische Persönlichkeiten wie Rembrandt & Vermeer kennenlernt und an der "Erfindung" der bis heute weltberühmten Delfter Keramik beteiligt ist. Für mich ist "Nachtblau"  ein unbedingt lesenswerter Roman, der seine Leser ins "Gouden Eeuw" , das Goldenen Zeitalter der Niederlande, entführt, in der jene einzigartige Blüte von Kunst und Kultur herrschte, und einen bildgewaltigen Hintergrund für die persönliche Entwicklung einer interessanten Frau.

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nicolai, krieg, familiensaga, ostpreussen

Das Herz der Schneetänzerin

Judith Nicolai
E-Buch Text: 303 Seiten
Erschienen bei dotbooks, 04.10.2016
ISBN 9783958247994
Genre: Romane

Rezension:

Mit "Das Herz der Schneetänzerin" hat Judith Nicolai einen kurzweiligen Schmöcker für einen verregneten Nachmittag auf dem Sofa oder einem trägen Vormittag auf der Sonnenliege vorgelegt, der seinem erfolgreichen Vorgänger mit einem ausgewogenen Herz Schmerz Verhältnis in nichts nachsteht. Die Romantriologie um die junge Anna Finke, die ihre geliebte, ostpreußische Heimat, das Gut Mechnitzer, ihre beste Freundin, die quirlige Helene, ihre Eltern und ihre große Jugendliebe Adam, verloren glaubt und noch vor Ende des Krieges bei ihrer Großmutter und ihren zwei Tanten in Bremen Unterschlupf findet, geht mit diesem Band in die zweite Runde. Die ersten Jahre der Nachkriegszeit sind eine Art Zwischenzeit, in der der die Menschen tatkräftig den Neuanfang wagen, den Schutt von den Straßen räumen, ihre beschädigten Häuser reparieren und tanzen gehen, aber auch noch im Krieg gefangen sind, weil sie auf Nachrichten über den Verbleib ihrer Männer  und Söhne warten. So ähnlich  ergeht es auch Anna,  die in einer GI Kantine arbeitet, neue Freundschaften schließt, Spaß hat, sich sogar verliebt, aber gefangen im Netz ihrer Erinnerungen an ihr altes Leben daran gehindert wird, ein neues zu beginnen.

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40 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 24 Rezensionen

tanz, identitätssuche, rhythmus, rassismus, schwarz

Swing Time

Zadie Smith
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Hamish Hamilton, 15.11.2016
ISBN 9780241247310
Genre: Romane

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diskriminierung, historischer roman, zigeuner, nicole steyer, sinti

Der Gaukler und die Tänzerin

Nicole Steyer
Flexibler Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.06.2017
ISBN 9783426520000
Genre: Historische Romane

Rezension:

Darmstadt im 18. Jahrhundert:


Magdalene, die aufgeweckte 6 jährige Tochter des Landgrafen zu Darmstadt-Hessen und seiner wunderschönen langjährigen Mätresse ,wird zufällig Zeugin, wie die eifersüchtige Geliebte ihres Vaters Luise von Spiegel ihre im nach einer Fehlgeburt im Kindbett liegende Mutter tötet. Aus Angst vor der Rache dieser Frau, die nichts zu verlieren hat, da die Schwangerschaft von ihrem langjährigen Geliebten, dem Wanderzirkusbetreiber Lorenzo, bald sichtbar sein wird, und somit ihre Chance den Grafen dazu zu bringen sie zu einer ehrbaren, sprich verheirateten, Frau und das ungeborene Kind  zu seinem zu machen, mit jedem Tag geringer wird, läuft das Mädchen aus der Stadt. Der Graf lässt nach der geliebten Tochter suchen, gibt aber bald auf, als Frau von Spiegel das Gerücht streut, Romi hätten die Kleine entführt. Dies führt dazu, dass der Graf alle Roma auf seinem Herrschaftsgebiet zum Abschuss frei gibt, ein Kopfgeld auslobt, an jeden zu zahlen, der einen Angehörigen dieser eh schon ungeliebten Minderheit tötet. Bei einer kleinen Gruppe genau dieser herumziehenden Heimatlosen findet Magdalene nun Unterschlupf und liebevolle Aufnahme. Sie wird zu Suni und tritt mit ihnen als Tänzerin auf Märkten auf. Ihre Erinnerung an ihr früheres Leben verblassen mit der Zeit, zurück bleibt ein unbestimmbares Sehnen.


 Erst als sie den 2 Jahre älteren, ehemaligen Schokoladenjungen aus dem Haushalt ihres Vaters, Mathis, wieder trifft, mit dem sie einst eine innige  Kinderfreundschaft verband, kehren diese langsam zurück. Mathis war damals auch aus dem Haus geflüchtet, aber direkt dem skrupellosen Lorenzo in die Arme gelaufen, der durch Zwang und Schläge allerlei exotische Menschen um sich versammelt hat, die er in seinem Zirkus für sich recht einträglich ausstellt. Seine Beziehung zu Frau von Spiegel hält über die Jahre an und eines Tages, nach einem unerwarteten Aufeinandertreffen mit der nun fast erwachsenen Magdalene, gesteht sie dem ihr hörigen Geliebten ihre einstige Tat, und bittet ihn die junge Frau, die ihr immer noch gefährlich werden kann, zu finden und zu töten.


Von dieser Suche nach Suni handeln nun die weiteren gefühlten 390 Seiten von 400. Endlos wiederholt sich das Aufspüren durch den grausamen Lorenzo, Sunis abenteuerliche Flucht in letzter Minute, gefolgt von einer freundlichen Aufnahme bei gutherzigen Menschen. Aufspüren, Flucht, Aufnahme, immer nach dem selben Prinzip Zufall, also "hyperkonstruiert". Ein ewiger, einlullender Kreislauf bis zum Happy End. Währenddessen kämpft die junge Frau mit ihren zwei Identitäten, diesen belastenden, inneren Konflikt zwischen Roma und deutschem Adel wird die Erzählerstimme nicht müde ein weiteres und noch ein weiteres Mal zu erwähnen. Der auch für den unsensibelsten Leser überaus deutlich mit den zwei Mädchennamen ausgedrückt wird.


Alles in allem wirkt der aktuelle historische Roman "Der Gaukler und die Tänzerin" von Nicole Steyr leider uninspiriert auf mich, der Plot zu unelegant konstruiert, der Weg vom Beginn zum Ende der Geschichte mir zu oft nach zäher Füllmasse, um auf die Seitenzahl zu kommen. Sprachlich hingegen fehlt mir die Opulenz, die Üppigkeit der Beschreibungen von Raum, Zeit und Figuren, die ich an diesem Genre liebe.

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napoleon, französische revolution, schwestern, missbrauch, blaue augen

Schwestern im Sturm

Sibylle Baillon
E-Buch Text: 316 Seiten
Erschienen bei dotbooks, 01.03.2017
ISBN 9783958249462
Genre: Historische Romane

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moritzburg, dresden, kommune1, atemnot, freudsche lehre

Die Badende von Moritzburg

Ralf Günther
Fester Einband: 112 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 19.05.2017
ISBN 9783463406862
Genre: Romane

Rezension:

Diese wundervoll leichte und doch gehaltvolle Sommernovelle „Die Badenden von Moritzburg“ hat die anregende Wirkung eines spritzigen Grauburgunders oder eines erfrischenden Bades in einem der unzähligen die Stadt umlagerten Teiche, so dass man eben noch die letzte der knapp hundert Seiten gelesen, schon das Allernötigste in die Reisetasche geworfen, sich aufmachen möchte zu neuen Ufern.

Der Autor, der Schriftsteller und Drehbuchautor, Ralf Günther, ist mit diesem im Kindler Verlag erschienen Büchlein mit dem nach Aufmerksamkeit heischenden magentafarbenen Einband und der Titel gebenden Kirchner Darstellung, nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise ins lange 19. Jahrhundert. Er entführt den Leser schon nach nur wenigen Seiten der Lektüre in die vor allem auch für Frauen stickige Welt des gründerzeitlichen Bürgertums. Eine Welt in der sie im doppelten Wortsinne in ein zu enges Korsett gezwungen werden.

So ergeht es auch der Protagonist Clara Schimmelpfenninck, eine junge Frau im heiratsfähigen Alter, die sich 1910 ob ihrer regelmäßigen Anfälle von akuter Atemnot zur Kur in einem Sanatorium befindet. Dort werden derlei Leiden unter strengem Regime der Krankenschwestern mit veganer Kost und medizinischen Sonnenbädern mit regelmäßigen Wendeaufrufen, bekleidet nur in luftigen Hemdchen, damit auch jene Körperstellen gelüftet und beschienen werden, die sonst unter gesellschaftskonformen Verpackungslagen eingezwängt sind, den Kampf angesagt. Bei Clara, die sich dieser Prozedur nun schon seit Wochen ergebnislos unterwirft, bis dahin ergebnislos.

Als ein junger Vertretungsarzt sie nach erster Anamnese zu einer modernen, für Clara gänzlich ungewöhnlichen, Therapie auf seine Couch einlädt, um sie im Sinne eines Dr. Freud zu befragen, willigt sie, die gelangweilt vom immer gleichen Trott des Anstaltslebens fern des gesellschaftlichen Amusements ihrer Berliner Heimat ist, zögerlich, aber auch neugierig ein.

Clara, unbeschuht auf dem Sofa, bedacht sich nicht zu kompromitieren und einem fremden Mann zu viel Knöchel zu zeigen, berichtet Dr.Brandstetter, wie sie, die nach dem Tod der Mutter, als einzige Tochter, in deren Fussstapfen trat, dem Vater den Haushalt zu führen, beim ersten von ihr zu verantworteten Dinner ihren ersten Erstickungsanfall bekam.

Schon nach nur wenigen Sitzungen gelangt der hoch motivierte Freudianer zu einer ersten Diagnose, davon beflügelt, traut er sich vorsichtig seiner Patientin einen gegen alle gesellschaftliche Regeln über Schicklichkeit und Anstand verstoßenden Vorschlag zu unterbreiten, um weitere Therapieerfolge zu generieren, den Gesprächsort ins zwei Stunden entfernte Städtchen Moritzburg zu verlegen. Clara, schockiert und um ihren Ruf besorgt, stellt klar, dass es dabei nur um die Heilung ihrer Atemnot gehen darf, und willigt freudig erregt in das Abenteuer ein.

Bevor Dr. Brandstetter in der Pension mit dem Namen „Sorgenlos“ eintrifft, entledigt sich Clara, die schon auf der Fahrt trotz Lokomotivqualms wieder befreit durchatmen kann, bei einem Spaziergang im morastigen Schlick erst ihre Schuhe, und trifft so befreit auf die nackten Mitglieder der Künstlergruppe Die Brücke. Sie verbringt die nächsten Stunden mit Kirchner, Pechstein und Heckel und ihren Musen, bestaunt ihre Kunst, schaut für kurze Zeit mit ihrem Blick auf die Welt, auf Traditionen, auf Moral und Anstand und auf sich Selbst. Lauscht Kirchners Ausführungen: „Malen muss eine Befreiung sein. So wie uns die Kleidung zwickt und zwackt, so wie dein Korsett dir fast den Atem nimmt, ist der Rahmen eine Beschränkung des Künstlers… Wahre Kunst befreit sich.“ Letztendlich wirft sie in der Sturmnacht allen Ballast ab, löst die Knoten, dann aber, und das ist der Teil der Geschichte, der mir besonders gut gefällt, folgt sie nicht einfach dem neuen Propheten, sondern geht, unbeschuht ihren eigenen Weg.

Günther gelingt es mit dieser wunderbaren unterhaltsamen, kleinen Geschichte auf sehr dichtem Erzählraum und -zeit, ein expressives Sittengemälde der bürgerliche Gesellschaft zu malen, einem Auslaufmodel, das technologisch und ökonomisch das lange 19. Jh. Jahrhundert schon hinter sich gelassen hat, sich aber noch an die auch stützenden und schützenden Moralvorstellungen klammert.

Demgegenüber die Konventionen sprengende Gruppierungen, die das moralische Korsett mit Wonne sprengten, ihren Zeitgenossen voraus marschierten, nicht nur als künstlerische Avant-garde, ihnen manchmal auf schockierende Art aufzeigten, was für ein Leben noch möglich ist und sie damit schlussendlich beeinflussten.

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