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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

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Ein Start ins Leben

Anita Brookner , Wibke Kuhn , Julian Barnes
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783961610112
Genre: Romane

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ganz schön Oscar Wilde


Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 17.08.2017
ISBN 9783845820941
Genre: Sonstiges

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

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Mann am Boden

Roger Smith , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Tropen, 13.01.2018
ISBN 9783608502176
Genre: Krimi und Thriller

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

eine familiengeschichte, england, familiendrama, flucht aus ehe, gewalt in ehe, lebensfragen, selbstverleugnung, südfrankreich, wutausbrüche

Der andere Sohn

Nick Alexander , Alex Wolf
Flexibler Einband: 392 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 12.12.2017
ISBN 9781503949171
Genre: Romane

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Flexibler Einband
Erschienen bei Heyne, 11.03.2019
ISBN 9783453422544
Genre: Romane

Rezension:

M.A.R.Y. und ihre Haare hatten die Farbe von Milch (was völlig egal ist, weil die Geschichte nicht anders verlaufen wäre, wenn sie die Farbe von Whisky hätten)


Es ist ihre Geschichte und sie schrieb sie eigenhändig auf im Jahre des Herrn 1831(also zu einer Zeit, als nicht viele Bauernmädchen schreiben konnten und dafür, dass sie es konnte, hat sie einen hohen Preis gezahlt, wird der Leser erfahren)

Sie, die Ich-Erzählerin, die vierte und jüngste Tochter eines englischen Bauern, der statt so viel Östrogenüberschuss in der Familie bei jedem Kind auf einen zupackenden Sohn gehofft hat, und seinem Frust regelmäßig auch non-verbal zum Ausdruck bringt. Mary, mit einem verkrüppelten Bein als Arbeitskraft auf dem Hof noch weniger Wert als ihre Schwestern, wird von ihm mit knapp 15 Jahren für eine Zuwendung, die den gewünschten Mähdrescher finanzieren hilft, in den Pfarrerhaushalt jenseits des Hügels verhandelt, wo sie sich um die schwer herzkranke Ehefrau kümmern soll. Mary fügt sich dem Willen ihres Vaters, doch gibt sie weder ihm noch ihrem Arbeitgebern gegenüber vor, dass sie das freiwillig tut. Die Pfarrersfrau, die an dem aufgeweckten Mädchen, die ihren Gedanken stets ungefiltert freien Lauf lässt, keine Angst vor Repressalien hat, ihre Freude zu haben scheint, nach einigen Monaten, kurz nach dem ihr Sohn Ralph zum Studium das Haus verlässt, stirbt, verlängert der Witwer das Arrangement mit ihrem Vater. Weil es nun weniger Arbeit im Haus gibt, entlässt er das langjährige Dienstmädchen, obwohl er darum weiß, dass es Mary ist, die gerne zurück zu ihrer Familie möchte. Allein mit Mary im Pfarrhaus bittet der der ältere Mann das junge Mädchen nun jeden Abend nach dem gemeinsamen Abendessen in der Küche hinter seinen Schreibtisch neben ihm Platz zu nehmen, um ihr mit Hilfe der Bibel Schreiben und Lesen beizubringen und wird von Tag zu Tag übergriffiger bis die Situation eskaliert.

Nach einem Jahr nur sie nur noch zwei Wünsche, dass sie noch genug Zeit hat, jetzt wo sie doch die Worte buchstabieren kann, ihre Geschichte zu Papier zu bringen und dass ihr das schnell genug gelingt, bevor man erkennt, dass die Übergriffe Folgen hatten.

Mit einer fast unheimlichen anmutenden Distanz zu sich selbst und den Ereignissen beschreibt die Ich-Erzählerin dieses letztes Jahr in ihrem kurzen Leben. Mit stoischer Gleichmut berichtet sie von einem harten, ungerechten Leben, in dem ein Mädchen wie sie kaum eine Chance hatte. Erst der Vater, dann ein Ehemann, und wenn nicht der, dann ein Dienstherr bestimmten die Regeln, nach denen die Frauen damals lebten, geben und vor allem nehmen. Mary hat im Gegensatz zu ihren Schwestern keine rosaroten Träumen von einem anderen, besseren, freien Leben, sie ist zufrieden mit dem kleinen Glück, ein Leben mit den Personen, die ihr am Herzen liegen. Wahre Freiheit kann es für ein Mädchen wie Mary nur auf eine Art geben.

Leyshons Mary ist nach Margaret Atwoods Grace, schon das zweite Mädchen des Prekariats im 19. Jahrhundert. Die eine aus England, die andere aus dem ländlichen Kanada, deren Geschichten, einer Beichte gleich, ich innerhalb des letzten Jahres lausche. Denn die Unmittelbarkeit mit der Mary erzählt entwickelt eine besondere Energie, gibt dem Leser das Gefühl sie spräche direkt zu ihm, zöge ihn, nur ihn, ins Vertrauen und dabei sucht sie weder Verständnis noch Vergebung. Sie bedauert nicht, entschuldigt nicht und erklärt nichts; sie stellt fest.

Die Stilistik und Konstruktion der persönlichen Aufzeichnung orientiert sich sehr gekonnt an der literarischen Vorlage, der Bibel, mit der ihr das Lesen gelehrt wurde. Die Sprache ist bildgewaltig und wirkmächtig. Dass sie sie sich nach nur wenigen Stunden Unterricht einen solchen Wortschatz angeeignet haben kann, oder auch dass man ihr an diesem Ort in ihren letzten Tagen Feder, Papier und Tinte zur Verfügung stellt, sollte man dafür als künstlerische Freiheit der Autorin hinnehmen. Dass die Vermittlung der Interpunktion nicht über den Punkt als Satzzeichen hinaus gekommen ist, irritiert am Anfang den Leser, benutzt Leyshon etwas expressiv, um Marys Bildungsstand noch deutlicher zu machen.

Weniger nachvollziehbar für mich war, dass ein Mädchen, das so couragiert ist wie Mary, die Dinge intuitiv durchschaut, hinterfragt, die ausspricht, was sie denkt, auch gegenüber mächtigeren Personen, ohne Angst vor den Konsequenzen, plötzlich verstummt, sie nicht versucht sich wenigstens verbal zu wehren, ihre spitze Zunge nicht zum Selbstschutz benutzt.


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Die Hauswaffe

Nadine Gordimer , Susanne Höbel
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492550130
Genre: Romane

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6 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Römisches Fieber

Christian Schnalke
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.09.2018
ISBN 9783492059060
Genre: Romane

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31 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

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Wir sehen dich

Stephanie Marland , Christine Blum
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.08.2018
ISBN 9783423217491
Genre: Krimi und Thriller

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311 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 16 Rezensionen

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Knochenarbeit

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2011
ISBN 9783453435575
Genre: Krimi und Thriller

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66 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

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Mit jedem neuen Tag

Marc Levy , Bettina Runge , Eliane Hagedorn
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.04.2016
ISBN 9783734100567
Genre: Romane

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Rekorder

John Darnielle , Tobias Schnettler
Fester Einband: 280 Seiten
Erschienen bei Eichborn , 21.12.2017
ISBN 9783847900290
Genre: Romane

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23 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 5 Rezensionen

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Die Büglerin

Heinrich Steinfest
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492056632
Genre: Romane

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60 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 4 Rezensionen

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Eine Geschichte der Wölfe

Emily Fridlund , Stephan Johann Kleiner
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 19.03.2018
ISBN 9783827013675
Genre: Romane

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

band 24, fortstzung, katze, krimi, reihe, serie

Ist die Katze aus dem Haus

Rita Mae Brown , Sneaky Pie Brown , Margarete Längsfeld
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 06.04.2018
ISBN 9783471351529
Genre: Krimi und Thriller

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368 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 89 Rezensionen

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Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 22.09.2017
ISBN 9783961610006
Genre: Romane

Rezension:

M.A.R.Y. und ihre Haare hatten die Farbe von Milch (was völlig egal ist, weil die Geschichte nicht anders verlaufen wäre, wenn sie die Farbe von Whisky hätten)


Es ist ihre Geschichte und sie schrieb sie eigenhändig auf im Jahre des Herrn 1831(also zu einer Zeit, als nicht viele Bauernmädchen schreiben konnten und dafür, dass sie es konnte, hat sie einen hohen Preis gezahlt, wird der Leser erfahren)

Sie, die Ich-Erzählerin, die vierte und jüngste Tochter eines englischen Bauern, der statt so viel Östrogenüberschuss in der Familie bei jedem Kind auf einen zupackenden Sohn gehofft hat, und seinem Frust regelmäßig auch non-verbal zum Ausdruck bringt. Mary, mit einem verkrüppelten Bein als Arbeitskraft auf dem Hof noch weniger Wert als ihre Schwestern, wird von ihm mit knapp 15 Jahren für eine Zuwendung, die den gewünschten Mähdrescher finanzieren hilft, in den Pfarrerhaushalt jenseits des Hügels verhandelt, wo sie sich um die schwer herzkranke Ehefrau kümmern soll. Mary fügt sich dem Willen ihres Vaters, doch gibt sie weder ihm noch ihrem Arbeitgebern gegenüber vor, dass sie das freiwillig tut. Die Pfarrersfrau, die an dem aufgeweckten Mädchen, die ihren Gedanken stets ungefiltert freien Lauf lässt, keine Angst vor Repressalien hat, ihre Freude zu haben scheint, nach einigen Monaten, kurz nach dem ihr Sohn Ralph zum Studium das Haus verlässt, stirbt, verlängert der Witwer das Arrangement mit ihrem Vater. Weil es nun weniger Arbeit im Haus gibt, entlässt er das langjährige Dienstmädchen, obwohl er darum weiß, dass es Mary ist, die gerne zurück zu ihrer Familie möchte. Allein mit Mary im Pfarrhaus bittet der der ältere Mann das junge Mädchen nun jeden Abend nach dem gemeinsamen Abendessen in der Küche hinter seinen Schreibtisch neben ihm Platz zu nehmen, um ihr mit Hilfe der Bibel Schreiben und Lesen beizubringen und wird von Tag zu Tag übergriffiger bis die Situation eskaliert.

Nach einem Jahr nur sie nur noch zwei Wünsche, dass sie noch genug Zeit hat, jetzt wo sie doch die Worte buchstabieren kann, ihre Geschichte zu Papier zu bringen und dass ihr das schnell genug gelingt, bevor man erkennt, dass die Übergriffe Folgen hatten.

Mit einer fast unheimlichen anmutenden Distanz zu sich selbst und den Ereignissen beschreibt die Ich-Erzählerin dieses letztes Jahr in ihrem kurzen Leben. Mit stoischer Gleichmut berichtet sie von einem harten, ungerechten Leben, in dem ein Mädchen wie sie kaum eine Chance hatte. Erst der Vater, dann ein Ehemann, und wenn nicht der, dann ein Dienstherr bestimmten die Regeln, nach denen die Frauen damals lebten, geben und vor allem nehmen. Mary hat im Gegensatz zu ihren Schwestern keine rosaroten Träumen von einem anderen, besseren, freien Leben, sie ist zufrieden mit dem kleinen Glück, ein Leben mit den Personen, die ihr am Herzen liegen. Wahre Freiheit kann es für ein Mädchen wie Mary nur auf eine Art geben.

Leyshons Mary ist nach Margaret Atwoods Grace, schon das zweite Mädchen des Prekariats im 19. Jahrhundert. Die eine aus England, die andere aus dem ländlichen Kanada, deren Geschichten, einer Beichte gleich, ich innerhalb des letzten Jahres lausche. Denn die Unmittelbarkeit mit der Mary erzählt entwickelt eine besondere Energie, gibt dem Leser das Gefühl sie spräche direkt zu ihm, zöge ihn, nur ihn, ins Vertrauen und dabei sucht sie weder Verständnis noch Vergebung. Sie bedauert nicht, entschuldigt nicht und erklärt nichts; sie stellt fest.

Die Stilistik und Konstruktion der persönlichen Aufzeichnung orientiert sich sehr gekonnt an der literarischen Vorlage, der Bibel, mit der ihr das Lesen gelehrt wurde. Die Sprache ist bildgewaltig und wirkmächtig. Dass sie sie sich nach nur wenigen Stunden Unterricht einen solchen Wortschatz angeeignet haben kann, oder auch dass man ihr an diesem Ort in ihren letzten Tagen Feder, Papier und Tinte zur Verfügung stellt, sollte man dafür als künstlerische Freiheit der Autorin hinnehmen. Dass die Vermittlung der Interpunktion nicht über den Punkt als Satzzeichen hinaus gekommen ist, irritiert am Anfang den Leser, benutzt Leyshon etwas expressiv, um Marys Bildungsstand noch deutlicher zu machen.

Weniger nachvollziehbar für mich war, dass ein Mädchen, das so couragiert ist wie Mary, die Dinge intuitiv durchschaut, hinterfragt, die ausspricht, was sie denkt, auch gegenüber mächtigeren Personen, ohne Angst vor den Konsequenzen, plötzlich verstummt, sie nicht versucht sich wenigstens verbal zu wehren, ihre spitze Zunge nicht zum Selbstschutz benutzt.


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202 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 124 Rezensionen

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Zu nah

Olivia Kiernan , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel , Carla Felgentreff
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.04.2018
ISBN 9783959671835
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der weibliche Detective der irischen Polizei für  Gewaltverbrechen, Frankie Sheehan, kehrt nach einer verletzungsbedingten Auszeit in ihre Abteilung zurück. Körperlich wiederhergestellt wird sie aber noch fast täglich von Panikattacken und Flashbacks des traumatischen Erlebnisses, das sie fast  ihr Leben gekostet hätte, heimgesucht, Ihr Vorgesetzter übergibt ihr und ihrem Kollegen Baz trotzdem den Fall, der erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden Mikrobiologin und Universitätsprofessorin Eleanor Castello. Relativ schnell verdichten sich die Beweise, dass es sich dabei um einen Mord handelt. 

Das Team um die angeschlagene Protagonistin nimmt die Ermittlungen auf, neue Mordopfer kommen hinzu, die alle irgendwie im Zusammenhang standen, Verdächtige kommen und gehen, während der dreimonatigen Ermittlung, die in einem vorhersehbaren Show-down münden.

Die Autorin wählt die Ich-Perspektive der angeschlagenen Frankie für ihre Geschichte, die für eine größeren emotionalen Nähe zwischen Leser und Heldin sorgen soll. Der Plot verbindet die aktuellen Mordermittlungen mit Frankies furchtbaren Erlebnissen beim Rettungsversuch einer jungen Frau und der nun beginnenden Gerichtsverhandlung, bei der sie als einzige, überlebende Zeugin geladen ist. Die Figurenzeichnung der Hauptfigur wirkt bemüht, die der Nebenfiguren wie z.B. Baz oder ihres Chefs reichen nicht über ihre Trinkgewohnheiten hinaus, wobei es selbst da noch zu Fehler kommt, und da die Charakterisierungen der Opfer, weitestgehend die Interpretation von Indizien durch die  Ermittlerin sind, war mir das alles zu flach, zu eindimensional.

Das Setting in Dublin und Umgebung ist auch zu vernachlässigen, den kalt und regnerisch zwischen Oktober und Dezember ist es sicherlich auch in anderen Ecken der Welt. Und Pubbesuche, während der Café oder Bier getrunken wird, oder Hinweise auf die Wirtschaftskrise, die gerade auch die junge, gut ausgebildete Generation getroffen hat, machen Irland als Handlungsort nicht zwingend, aber why not?!.

Die sprachllchen Stilblüten wie folgende: "Du begrüßt mich mit einem harten Kuss..", „Ein erregender Schauer flüstert am Rand meines Atems...“, „Die Haustür steht offen zur Dunkelheit des Herbstabends“ hingegen plus die ausgespochen klischeehafte Motivlage haben mich mordlüstern werden lassen.

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30 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die Salzpiratin

Beate Maly
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.12.2017
ISBN 9783548288543
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wer heute den fast 200 m tiefen und knapp 25 qm großen Traunsee mit dem Raddampfer Gisela quert, vorbei am  markanten Traunsteinmassiv, kann sich kaum vorstellen, dass dieses Idyll im 10. Jahrhundert von räuberischen Piraten beherrscht war.

Beate Maly konnte.

Die Handlung ihres neuen historischen Romans Die Salzpiratin spielt in dieser wunderschönen Landschaft im Salzkammergut. Eine Gegend, die nicht ohne Grund so heißt, hier wurde und wird Bergsalz abgebaut, das über die Salzstraßen, die auch über Wasser führten, gehandelt wurde. Salz, das weiße Gold, war lebensnotwendig zur Konservierung von Lebensmitteln in der Prä-Kühlschrankzeit und somit ein einträgliches Handelsgut. 

Die historischen Herren von Orth, steirische Ministerialen, die im Seeeschloss, Schloss Orth, dass 909 erstmals urkundlich erwähnt wurde, bei Gmund am Nordufer des Sees residierten und den Salzhandel kontrollieren, dienten Maly als Vorlage. Ihre Protagonistin, die 16-jährige Ursel, ist die Tochter eines dieser Herren, sie wächst auf am Ufer des Traunsee zusammen mit ihrer Stiefmutter und ihren Brüdern, durch die sie auch früh lernt sich zu behaupten. Sie ist geübter im Bogenschnitzen als im Sticken, ist erfolgreicher als mancher Mann im Jagen und Fischen und wird wie ihre Brüder im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet.

Am Nachmittag vor Fest zur Sommersonnenwende 950 auf die sich die Familie wie auch die Dorfgemeinschafte freute, geht Ursel mit ihrem jüngeren, geistig behinderten Bruder Nikolaus in den Wald. Auf dem Nachhauseweg stürzt sie, verletzt sich so, dass sie nur langsam voran kommen, daraufhin lässt sie schon in Sichtweite den ungeduldigen Jungen, der Angst hat, dass Wichtigste zu verpassen, vorlaufen. Sie selbst muss Minuten später mitansehen, wie eine Gruppe Söldner, bezahlt vom machtgierigen Grafen Wilhelm, Haus und Hof überfällt, mordet und alles niederbrennt, um an diesem Ort ein Kloster zu errichten, das von seiner Cousine Ata als Äbtissin geleitet werden soll. Kein Zeuge soll diese Schandtat überleben, doch als die Männer, den traumatisierten Nikolaus entdecken, rettet ihn, der Glaube des Grafen an die Symbolkraft, dass ein "Irrer" das schreckliche Unglück, als solches soll das Ereignis offiziell dargestellt werden, durch die Gnade Gottes überlebt hat und dass er als Stifter des Klosters den Jungen gnädig dort arbeiten lässt.

Nach dem ersten Schock und der Trauer ist Ursels Überlebenswille stärker als die Verzweiflung, sie erinnert sich an ein Arrangement ihres Vaters mit den Salzpiraten, die sich irgendwo im Wald verstecken. Sie beschließt sich ihnen unter dem Pseudonym ihres verstorbenen Bruders Hans anzuschließen, was ihr trotz ihres schwächlichen Aussehens gelingt, da ihre Fähigkeiten als Bogenschnitzer und Jäger überzeugen. In der Gemeinschaft der raubeiniger Männer, die alle ihre Gründe haben außerhalb der Gesellschaft leben, ist es nicht immer einfach für Ursel ihre Tarnung aufrecht zu halten, aber der Wunsch sich zu rächen, lässt sie auch die größten Schwierigkeiten meistern, bis die Piraten eines Tages den neue Sekretär des Grafen, Steffen, ins Lager bringen und der Anführer die Idee hat, Ursel mit einer Lösegeldforderung ins Kloster zu schicken.

Maly kreiert einen historisch interessanten und inhaltlich spannenden Plot, deren Fremdheit und Andersartigkeit des 10. Jahrhunderts mit seinen archaisch anmutenden Strukturen fasziniert, hinzu kommt das literarisch noch nicht oft bearbeitete Thema der Bergseepiraterie. Auch bei ihren Figuren mag Maly es ungewöhnlich, einen Jungen mit (wahrscheinlich) Trisomie 21 in einem im Mittelalter angesiedelt historischen Roman, der nicht einfach nur als der stereotype Narr dargestellt wird, sondern als Charakter. Mir hat neben dem unterhaltsamen Plot auch die malerische Landschaftsbeschreibung gefallen, mit der Salzpiratin hat sich Frau Maly eigentlich ein lebenslanges Anrecht auf ein unbezahltes Hotelbett im Salzkammergut erschrieben.


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75 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 27 Rezensionen

abt, beginen, flucht, folter, gewalt, glockengießer, historisch, hospital, kirche, liebe, mittelalter, münster, pest, straßburg, ulm

Die Launen des Teufels

Silvia Stolzenburg
Fester Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 11.10.2010
ISBN 9783937357416
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das gewaltige Münster ist ne Baugruppe, die die künstlerische Freiheit in den Winter 1446/7 verschlagen hat, der Schurke ist ein Teufel im Gewand eines Glockengießers, Conrad, der Frau und Kinder schlägt, den Abt eines Klosters erpresst, intrigiert, wie es doch eigentlich nur Frauen können, geht einem Broterwerb als Glockengießer nach, den damals schon die ungarische Konkurrenz vom Ulmer Markt gefegt hatte, kann mit einem Satz zur rechten Zeit den Mop zum Brandschatzen bringen auf dass er Schuld und Schuldzins beim jüdischen Verleihen für immer vergessen kann. Der Teufel in Vatergestalt verschachert sein eigen Fleisch und Blut, seine reine, blonde Tochter an den affig behaarten, wollüstigen Barfüßler, der nix von Keuschheit, dafür viel von Prunk hält. Die holde Maid Anabel hat aber schon nach nur einem schüchternen Blick ihr Herz an den neuen Lehrjungen Bertram verloren, den sein unglücklicher Vater, an den diabolischen Gewinnler Conrad verkauft hat. Auch die Nebenstränge sind ähnlich klischeevoll.


 "Die Launen des Teufels" ist der erste Teil der sogen. Ulmer Reihe und hat mich leider so gar nicht überzeugt, weder der Plot, noch die mehr als eindimensionalen Figuren, die Wahl des Settings in Ulm. Für mich ist es ein "Fleißroman", es ist fleißig Material zusammengesucht worden, es ist fleißig recherchiert worden, das zeigt die profunde Darstellung des mittelalterliche Alltagslebens, aber leider bleibt der Roman teuflisch blutleer.

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111 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 37 Rezensionen

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Tausend Teufel

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423261708
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein höchst spannendes & detailliertes Sittenbild der sowjetisch besetzten Stadt Dresden zwei Jahre nach Kriegsende. Ich finde den Roman sehr gut geeignet für den schulischen Geschichtsunterricht der Mittelstufe, ihm gelingt es mit dem Kriminalfall als Aufhänger dem Leser eine auf jeden Fall aus dieser Perspektve oft vernachlässigte Epoche näher zu bringen. Dem Autor gelingt es gleichzeitig Emotionen und Verstand zu berühren. Für den Leser mit etwas mehr Geschichtswissen und Leseerfahrung ist der Stoff, für meinen Geschmack, etwas zu verdichtet, lässt zu wenig Platz für eigene Gedanken.

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67 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

buchreihe, domino, ermittlung, ermittlungen, fall, fortstzung, krimi, kriminalroman, mord, nathalie svensson, psychologie, rache, schweden, selbstjustiz-notwehr, serienmörder

Dominotod

Jonas Moström , Nora Pröfrock , Dagmar Mißfeldt
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.12.2017
ISBN 9783548288925
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jonas Moström hat mit Dominotod , im Dezember 2017 im Ullstein Verlag erschienen, seinen zweiten aus der Natalie-Svensson-Reihe vorgelegt, mit dem ich gestern bei strahlend blauen bayrischen Wetter auf der Gartenliege gen Schweden abgetaucht bin. 384 relativ unblutige Seiten, die aber eine solche Sogwirkung hatten, dass ich ihn erst aus der Hand legen konnte, als ich wusste, wer es war. Aber der Reihe nach ? In Dominotod geht es, wie in seinem Vorgänger (, den ich noch nicht gelesen habe, was zum Verständnis des Buches auch nicht notwendig) ist, um die renommierte psychiatrische Oberärztin und Professorin Natalie Svensson, 45, frisch geschieden und auf der Suche nach Streicheleinheiten fürs weibliche Ego, Mutter zweier Grundschulkinder aus Uppsala und im Sorgerechts-Clinch mit deren Vater, die mit ihrem Fachwissen eine Schweden weit operierendes Spezialeinheit OFA (Einheit für operative Fallanalyse) bei der Aufklärung schwerer Gewaltverbrechen unterstützt. In diesem Fall werden sie zur Verstärkung des Vorortteams in den waldreichen Norden Schwedens nach Sundsvall gerufen, wo ein am örtlichen Krankenhaus beschäftigter Arzt, Thomas Hofmann, nur mit einer Unterhose bekleidet im Wald tot aufgefunden wird. Er scheint vor seinem Tod mehrere Tage gefangen gehalten und gefoltert worden zu sein, bevor man ihn mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen hat. In seinem Rachen findet die Gerichtsmedizinerin einen Dominostein. Ein weiterer Stein taucht wenig später neben dem Namensschild des vermutlich vom selben Täter bzw. von den selben Tätern entführten Kollegen, Oberarzt Eric Jensen, auf. Er ist ebenfalls geschieden und seit Schultagen der beste Freund des für den Fall verantwortlichen Kriminalhauptkommissar Johann Azberg, 40. Azberg ist Vater eines gerade kränkelnden anderthalbjährigen Sohnes und lebt mit ihm und dessen Mutter, Carolina zusammen, die mitten in den Ermittlungen sehr engagiert dabei ist ?die Beziehung auf die nächst höhere Ebene? zu heben ? Der letzte Mensch hingegen, der Eric lebend gesehen hat, ist Natalies verheiratete, jüngere Schwester Estelle, zu der sie seit ein paar Jahren nur begrenzt Kontakt hatte. Zu den emotionalen Verstrickungen durch persönliche Beziehungen der Ermittler zu Opfer und Zeugen, kommt erschwerend der Zeitdruck hinzu, da sie schnell erkennen, dass die Opfer nach 3 Tagen Gefangenschaft getötet werden. Vom spannenden und stilistische gut konstruiertem Plot, der Leser nähert sich der Geschichte aus zwei Erzählperspektiven und Zeitebenen, und dem malerischem Setting abgesehen, finde ich das sozialpolitische Kolorit und die Figurenzeichnung besonders hervorhebenswert. Das Skandinavien, so auch Schweden, uns in Punkto Emanzipation und Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein gutes Beispiel sein kann, weil dort vieles schon diskussionslos als gesetzt gilt, was wir hier noch zäh verhandeln, zeigen nicht nur die Figuren, sondern auch der Autor. Moström, Jahrgang 73 und selbst Mediziner, hat in seiner Elternzeit zu schreiben begonnen. Überhaupt gefiel mir die (für mich typisch skandinavisch) Normalität der Ermittler. Die einzelnen, dezenten Verweise im Roman auf den ersten Teil der Reihe "So tödlich nah" hat mich so neugierig gemacht, dass ich mir jetzt wohl noch einen Schwedenhappen gönne. 

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Alligatoren

Deb Spera , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Fester Einband: 376 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.09.2018
ISBN 9783959672207
Genre: Historische Romane

Rezension:

Seit Stunden belauern sie sich gegenseitig: das Alligatorenweibchen, das seine Jungen beschützen muss, und Gertrude, deren vier Töchter seit Tagen nichts gegessen haben. Ein Schuss fällt, doch er trifft nicht das Reptil – es gibt Schlimmeres als Hunger.

Es war dieser Zitat, dass mich neugierig gemacht hat, so neugierig, dass ich meine bornierten Vorurteile überwunden habe, es trotz der Autorin zu lesen.

Der Debutroman Alligatoren, der Anfang September 2018 in Deutschland erscheint, wird vom Verlag Harper Collins nämlich mit dem Hinweis auf die Autorenschaft Debra Speras bei der erfolgreichen amerikanischen TV Serie Criminal Minds beworben. Speras ist, das spukt Google aus, ein US-amerikanisches Produzenten Urgestein. Sie war an Filmen wie „Gilbert Grape“ & „From Dusk Till Dawn“ beteiligt und an verschiedenen sehr erfolgreichen TV Serien, u.a. ist seit 2011 mit ihrer eigenen Produktionsfirma One-Two Punch Production erfolgreich.

Spera ist aber auch Absolventin des UCLA (University of California, Los Angeles) Extention Writers‘ Programm & Finalistin der renommierten Montana & des Kirkwood Literaturpreises. Also gab ich dem Buch eine Chance.

Die Autorin, die selbst in den Südstaaten aufgewachsen ist, lässt ihre Geschichte in dem kleinen Ort Brancheville, im Nordosten Alabamas, spielen, in dem ihre eigene Großmutter aufgewachsen ist und den sie als Kind oft besucht hat. Dort, in einer Region geprägt von großen, wenn auch nicht mehr rentablen, Baumwollplantagen mit ihrem „Vom Winde verweht“- Herrenhäusern, in denen immer noch weiße Herren mit ihren Misses über die Gemeinde regieren, nun umsorgt von der erste Generation freier Schwarzer, nach dem Bürgerkrieg, 1865, schaffte der 13. Verfassungszusatz offiziell die Sklaverei ab, lässt Spera ihre drei so unterschiedlichen, kämpferischen Heldinnen im heißen Spätsommer im Jahre 1924 aufeinander treffen.

Als da wären Gertrude Pardee, von der das Eingangszitat stammt. Eine junge, weiße Mutter, die früh und ungefragt von ihrem Vater an ihren Mann, verschachert wurde, dessen strenger Vater dies auch für ihn entschieden hatte, der schon nach kurzer Ehezeit meist nur durch Abwesenheit glänzt und wenn er in ihrer armseligen Hütte am Rande des Sumpfes auftaucht, betrunken ist, schlägt und die Mädchen verprügelt, wie er von seinem Vater verprügelt wurde und ihnen das bisschen Geld klaut, das sie mehr schlecht als recht vom Verhungern bewahren könnte. Ihre einzige Zuflucht vor Hunger und Gewalt von Zeit zu Zeit ist die kleine, unergiebige Farm, die ihr kinderlos verheirateter Bruder allein mit seiner Frau bewirtschaftet. Gertrude erkennt, dass sie ihr Leben selbstbestimmt, im besten Wortsinne, in die eigene Hand nehmen muss, um sich und ihre Töchter zu schützen, auch wenn das bedeutet sich über die für sie als weiße Unterschichtsfrau geltenden moralischen Regeln hinwegzusetzen.

Auf der Suche nach Arbeit als Näherin trifft sie auf Oretta Booties, eine hellsichtige, ältere Schwarze, die seit Jahrzehnten als Haushälterin auf der Baumwollplantage der Familie Cole arbeitet, und ihr, obwohl sie sich nicht kennen, anbietet ihre kranke kleine Tochter bei sich aufzunehmen. Oretta und ihr Mann leben in der vorrangig von schwarzen bewohnten Siedlung, Shag Rag. Die stolze Frau lebt in der Gemeinschaft ein bescheidenes Glück, überschattet von dem Jahre zurück liegenden Verlust ihrer geliebten, kleinen Tochter und dem Tod ihrer besten Freundin Odell. In deren kleines Siedlungshäuschen zieht Gertrude mit ihren Töchtern nachdem sie den Job bekommen hat.

Und dann ist da noch Annie Cole. Die angesehene Misses, der es nicht reicht nur die Ehefrau des Plantagenbesitzers zu sein. Auch sie hat den schmerzlichsten Verlust erlebt, den eine Mutter erleben kann. Ihr jüngster Sohn starb schon als Kind durch ein Unglück, dessen schrecklicher Hintergrund ihr erst im Laufe der Geschichte bewusst werden wird, und auch ihre zwei Töchter konnten das Elternhaus nicht schnell genug verlassen und weigern sich seitdem es wieder zu betreten. Die über beträchtliches eigenes Vermögen verfügende Annie hat sich aus einer ehemaligen Baumwollsäckenäherei ein über die Region hinaus erfolgreiches Modeatelier aufgebaut. Dessen Auftragslage auch dank der Kreativität ihres älteren Sohnes, Lonnie, eines freundlichen, schüchternen jungen Mannes, so gut ist, dass sie immer mehr Frauen der Umgebung als Näherinnen beschäftigen kann Diese haben so die Möglichkeit auf eine gewisse finanzielle Unabhängigkeit von ihren meist noch in der Landwirtschaft arbeitenden Männern, wenn sie an modernen Nähmaschinen den die Region einst reich gemachten Baumwollstoff vor Ort verarbeiten. Obwohl der Baumwollkapselkäfer in den letzten drei aufeinanderfolgenden Jahren auch die Ernte auf den umliegenden Plantagen zerstört hat, auch die ihres Mannes, und die etwaigen Rücklagen und Ersparnisse gleich mit, stehen also immer mehr Plantagen vor dem finanziellen Ruin, so halten diese Männer der Oberschicht an ihrer stolzen, selbstherrlichen Gebaren fest.

Alle drei Protagonistinnen übernehmen abwechselnd die Rolle der Ich-Erzählerin, mit erkennbar unterscheidbaren Stimmen, lassen sie den Leser ganz nah heran, offenbaren ihre Ängste und Träume, zeigen ihre persönlichen Verletzungen.

Speras Frauen, ob Protagonistin oder Nebenrolle, u.a. die historische Suffragette und Charlestons erstes weibliches Ratsmitglied, Clelia McGowan, sind allesamt starke Frauenrollen, sind Kämpferinnen, löwenstarke Mütter, Frauen die sich auch damals nicht mit dem Katzentisch des Lebens zufrieden gaben, die mehr wollten als die Gesellschaft freiwillig bereit war ihnen zu geben. Sie waren unkonventionelle Vertreterinnen ihre Klasse, deren innere Stärke, ihr Streben nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben, deren Sinn für Freundschaft auch über Klassen- und Rassenschranken hinweg sie zu wichtigen Rollenmodellen macht.

Der rurale US-amerikanische Süden als Erzählort, ihre Figuren und die Themenwahl erinnern natürlich stark an die bekannten und ausgezeichneten Romane Die Farbe Lila von Alice Walker, erschienen 1982, und Grüne Tomaten von Fannie Flagg, erschienen 1987, und doch hat Alligatoren etwas Eigenes. Die Geschichte um die drei Frauen ist melancholisch, manchmal sogar traurig, anrührend, vorbildhaft, unbedingt kraftvoll und solidarisch mit ihren drei Heldinnen und ihren Leserinnen. Man spürt, dass Spera darum weiß, dass People of Color und wir Frauen allgemein auch heute noch für unsere Selbstbestimmung und Freiheit gegen eine patriachalische Gesellschaftsstruktur kämpfen müssen und dass wir diesen Kampf nur gewinnen können, wenn wir uns gegenseitig schwesterlich unterstützen.

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bosnien, bundesheer, donald trump, empfangsdame, flüchtlingswelle, gay parade, grado, islamische welt, journalist, korridorpenion, moldawien, moral und anstand, nazi-zeit, nordafrikaner, österreich

Der Lügenpresser

Livia Klingl
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Kremayr & Scheriau, 08.03.2018
ISBN 9783218011075
Genre: Romane

Rezension:

Der Herr Karl ist verliebt. 

Herr Karl, das Pendant des österreichischen Herrn Mustermann, wird vom Statischen Bundesamt immer dann bemüht, wenn es darum geht den Durchschnittsmann und dessen Befindlichkeiten darzustellen. Welche Schuhgröße er trägt, welche Eissorte er schleckt und wie viele Kinder er so zeugt? Ein Mann mitten aus dem Volk, der hier (vermeintlich) mit der oft bemühten Volkes-Stimme spricht.

Der 62-jährigen Dr. der Geschichtswissenschaften,  Junggeselle seit ewigen Zeiten und Journalist der größten österreichischen Boulevardzeitung, Karl Schmied, ist, vielleicht sogar das erste Mal, so richtig verliebt. Verliebt in Sonja, die als Gastarbeiterin in Wien nur wenige Stunden pro Woche Zeit für ihn hat.

Die unerfüllte Sehnsucht macht ihn redselig und aus Mangel eines realen Gegenübers ist es an den Lesern in der Gedankenspringflut von amusanter Beschreibung des Redaktionsalltags, nostalgischen Kindheitserinnerungen im konservativen Wien der Nachkriegszeit allein mit der Mama, bis hin zur weltpolitischen Großwetterlage im allgemeinen, dem Inneren Dialog des Protagonisten, nicht ans feindliche Ufer gespült zu werden.

Ist Dr. Schmied als Akademiker, mit gut bezahlter Festanstellung, auch nicht unbedingt Durchschnitt im Gauß`schen Sinne, ist er doch ein Mann, der von sich behauptet ganz nah dran an Volkes Stimme zu sein, und diese mit Schriftgröße 36+ und im Fettdruck etwas lauter gestalten zu können.

Von Montag bis Donnerstag lässt die Autorin ihren Helden schwadronieren, monologisieren & philosophieren, salbadern, palavern & hadern,  gar geifern & keifen, kein Thema zu dem er keine Meinung hätte, gerne auch mal sich widersprechende. In diesem Punkt ist Herr Karl ganz schrecklich menschlich, ein Jedermann, der natürlich auch eine Jederfrau sein kann, und uns den Spiegel vorhält. Gefährlich wird es, wenn die Personen als Medienvertreter eine besondere Wirkmacht haben.  Und noch gefährlicher, wenn gefühlige Meinungen Fakten den Platz streitig machen und zu Handlungsmaximen werden. 

Am Freitag dann kommt es zum Show-down, der eigentlich jedem Western alle Ehre machen könnte, wenn dieses letzte Kapitel nicht so überzeichnet wäre, dass es etwas von einer Farce hat. Wo es 4 Tage handlungsarm vor sich hin plätscherte, aber gedankenreich grollte, wird nun der behäbige Kommentator aus seinem gemütlichen Besserwissersesssel geschubst, zum Routieren & (Über-)Agieren gebracht. Mir fehlt die logische inhaltliche und konzeptionelle Verbindung zwischen den vorherigen vier und diesem Kapitel.

Hier wird am deutlichsten, dass Livia Klingl, eine in Österreich sehr bekannte Journalistin mit Schwerpunkt Kriegsberichterstattung, langjährige Leiterin des Außenpolitikresorts im Kurier und Trägerin des Staatspreises für publizistische Leistungen im Interesse der Geistigen Landesverteidigung im Jahre 2000 das Genre Roman als weiteres Vehikel, neben ihren aufklärerischen Sachbüchern, benutzt, um ein politisches Statement zu machen. Das ist natürlich aller Ehren wert.

ABER...warum hat diese kluge Frau, ein Medienprofi, die in diesem Buch schließlich auch Medienkritik thematisiert, bitte nicht auf den marktschreierischen, klar auf die Verkaufszahlen schielenden, Titel verzichten können???  Lügenpresser! Das ist billig & beschämend.

Der Begriff Lügenpresse, der vom rechten Rand nicht nur in Dresden & Wien auf der Straße, sondern auch im world wide web skandiert wird, der die Presse als gesteuerte Institution, als Systemmedien "am Gängelband von.." meint, die bewusst, also wider besseren Wissens, die Unwahrheit schreiben, reicht zurück ins 19. Jahrhundert und vor allem die Nazis haben ihn in propagandistischer Absicht zur politischen Gleichschaltung benutzt.

Wenn dieser Begriff nun von den Medien und ihren Vertretern bedenkenlos übernommen wird, verharmlosen sie ihn, und machen den rechten Diskurs nicht nur zitierfähig, sonder  titelgebend.

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201 Bibliotheken, 5 Leser, 3 Gruppen, 122 Rezensionen

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Die Herzen der Männer

Nickolas Butler , Dorothee Merkel
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 11.02.2018
ISBN 9783608983135
Genre: Romane

Rezension:

Diese Frage stellte 1984 der dt. Schauspieler und Sänger Herbert Grönemeyer, der mit seinem Song Männer (und vielleicht auch seinem ungewöhnlichem Tanzbärstil) zu Ruhm und Ehre kam.

Männer von Herbert Grönemeyer, 1984

Männer nehmen in den Arm
Männer geben Geborgenheit
Männer weinen heimlich
Männer brauchen viel Zärtlichkeit
Oh Männer sind so verletzlich
Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich
Männer kaufen Frauen
Männer stehen ständig unter Strom
Männer baggern wie blöde
Männer lügen am Telefon
Männer sind allzeit bereit
Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit
Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht
Außen hart und innen ganz weich
Und werden als Kind schon auf Mann geeicht
(Wann ist ein Mann ein Mann?)
(Wann ist ein Mann ein Mann?)
(Wann ist ein Mann ein Mann?)
Männer haben Muskeln
Männer sind furchtbar stark
Männer können alles
Männer kriegen ’n Herzinfarkt
Oh Männer sind einsame Streiter
Müssen durch jede Wand, müssen immer weiter
Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht
Außen hart und innen ganz weich
Werden als Kind schon auf Mann geeicht
(Wann ist ein Mann ein Mann?)
(Wann ist ein Mann ein Mann?)
(Wann ist ein Mann ein Mann?)

Nun stellt sie sinngemäß auch Nickolas Butler, erfolgreicher amerikanischer Autor, in seinem soeben auf deutsch erschienen Roman Die Herzen der Männer.

So wie Grönemeyer „Männer schon als Kind auf Mann geeicht“ sieht, beginnt auch Butlers Roman 1962 mit der Erziehung seines Protagonisten Nelson Doughty zum Mann. Dieser verbringt seit seinem siebten Lebensjahr seine Sommerferien in einem der in den zahlreichen Pfadfindercamps, der schon 1910 gegründeten Boy Scouts of America (BSA) in Wisconsin, in dem schon seit Generationen in der wilden Natur aus tapferen, kleinen, amerikanischen Jungs wahre Männer gemacht werden. Dass es dabei nicht unbedingt zimperlich zugeht, wenn so viel Testosteron versammelt ist, kann sogar ich mir als Mädchen vorstellen. Allen voran, weil diese oft als Neckereien und Kabbeleien verharmlosten Auswüchse von „wir gegen den Anderen“, nicht nur den brodelnden Hormonen, sondern auch der militärisch, straff organisierten Hierarchie der Institution, die in der höchsten Rangstufe, den Eagle Scouts, die auch berufliche Vorteile bringen, ihre Vervollkommnung sieht, geschuldet ist.

In Butlers Geschichte trifft die erniedrigende Behandlung eines Latrinenbades den engagierten, gefallwütigen Nelson, der mit Leib und Seele Pfadfinder ist, und sich nichts mehr wünscht als hier dazuzugehören, wenn ihm dies schon zu Hause nicht gelingt. Er, der fleißig Abzeichen sammelt, die verantwortungsvolle Aufgabe des Lagertrompeters inne hat, und der den Schwur „On my honor, I will do my best to do my duty to God and my country. To help other people at all times. To obey the Scout Law.“ bestimmt im Schlaf hinunter beten kann, liegt doch nachts alleine in seinem Zelt.

Doch sein Ehrgeiz alles richtig machen zu wollen, seinen Vater stolz, und der von den Campbetreuern als nachahmenswertes Beispiel dargestellt wird, entfernt ihn nur immer weiter von seinen Kameraden. Die Jungs reagieren darauf mit dem, was wir heute“Bullying“ nennen. Das Ganze kulminiert in Gewaltexzessen, die wahrhaftig Ähnlichkeit mit den sadistischen Sequenzen aus Lord of the flies haben. Ein Kultbuch, sogar Pflichtlektüre an amerikanischen Schulen, das der Autor nach eigener Aussage aber erst in späteren Jahren gelesen hat, und das eine starke und nachhaltige Wirkung auf ihn hatte.

Butler zeigt viel Mitgefühl für seinen jungen, aber auch, wie sich in den nächsten drei Abschnitten zeigen wird, für seinen erwachsenen Helden. Genau das ist Nelson für ihn, ein Held. Der Antagonist des kindlichen Helden, eine Art frenemy Nelsons, ist Jonathan, auch er ein Pfadfinder und Elitesoldat im Vietnamkrieg. An ihn und Teile seiner Familie wird der Erzählstab weiter gereicht, denn Butler hat seinen Roman ein bisschen wie einen Staffellauf konstruiert, der erst nach langer Strecke 2019 ins Ziel getragen wird.

Bis dahin werden uns in Die Herzen der Männer aus aus wechselnden Perspektiven intime, manchmal geradezu schmerzvoll intime, Einblicke in die persönlichen Lebensgeschichten gewährt, auf der Suche nach dem, was das Mannsein ausmacht. Als da wären körperliche Stärke, pure Muskelkraft und physische Überlegenheit, Güte und Anstand, Boshaftigkeit, aber auch innere Stärke, Ehre, Respekt vor Anderen, Heldentum, ja sogar Ritterlichkeit, die einst der amerikanische Präsident Theodor Roosevelt den Pfadfindern zuschrieb.

Genau darum geht es Butler; zu ergründen welcher moralische Kompass das starke Geschlecht Amerikas leitet, gestern bis heute.
Wie trifft der Einzelne seine Entscheidungen? Wie geht er mit Rückschlägen um? Denn zeigt sich nicht gerade in der Krise unser Charakter am deutlichsten? Nelson, dessen Kindheit sicherlich heute das Jugendamt auf den Plan riefe, seine traumatischen Kriegserfahrungen in Vietnam, die er ohne psychologische Unterstützung meistern musste, statt Karriere, der Rückzug ins Camp in Wisconsin, nun als Leiter, wo er trotz alledem, seinem einst getätigten Schwur treu bleibt.

Aber auch die Veränderung im Großen, die Veränderungen des gesellschaftlichen Wertesystems, in der Pre-Trump-Ära, am Beispiel einer in Amerika bis in die Politik und Wirtschaft hineinreichende Institution, die Organisation wird von verschiedenen, großen Unternehmen finanziert, aufzeigen. Wo sind sie hin die Tugenden der wolves & bears & lions?

So spannend diese moralischen Fragen sind, so sehr sie die Geschichte und den Leser vorantreiben, so sehr konterkariert Butler sein Anliegen selbst, indem er es nicht wie einst Grönemeyer bei den Fragen belässt, sondern wehmütig ein Männerbild, den Ritter, ohne Fehl und Tadel, heraufbeschwört, den es so tautropfenrein schon an Artus Tafelrunde nicht gab.

Trotz oder vielleicht sogar wegen dieser offensichtlichen Parteilichkeit hat mir der Roman gefallen, weil er zu verstehen hilft, wie aus diesen niedlichen, kleinen, amerikanischen Jungs in Uniformen, die ganz unschuldig an Haustüren Kekse verkaufen, Männer wurden, die so felsenfest davon überzeugt sind, zu wissen, was Recht und Unrecht ist, dass sie mit missionarischen Eifer, die Welt bekehren wollen.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

roman

Das Licht von vierzig Monden

Nadia Hashimi , Britta Evert
Fester Einband: 570 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 29.03.2018
ISBN 9783785726143
Genre: Romane

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9 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

schuld, südafrika, waffenbesitz

Die Hauswaffe

Nadine Gordimer , Susanne Höbel
Flexibler Einband: 365 Seiten
Erschienen bei btb Verlag (TB), 01.02.2000
ISBN 9783442723706
Genre: Krimi und Thriller

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