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24 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

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Ich weiß, warum der gefangene Vogel singt

Maya Angelou , Harry Oberländer
Flexibler Einband: 321 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 10.09.2018
ISBN 9783518468975
Genre: Biografien

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(80)

95 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

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Wer ist B. Traven?

Torsten Seifert
Fester Einband: 269 Seiten
Erschienen bei Tropen, 14.10.2017
ISBN 9783608503470
Genre: Romane

Rezension:

Vor der Lektüre dieses Buches, die nun zugegebenermaßen schon ein paar Monate her ist, wußte ich eines mit Gewissheit…

Ja, auch, wer B. Traven ist, wusste ich schon vorher, ich meine, ich kannte den Namen, weil ich als lesewütige Zehnjährige seinen Roman Totenschiff im Bücherregal entdeckte hatte, und ich, da ich den Titel schrecklich spannend fand, mich der nicht wirklich kindgerechten Lektüre mit Entdeckereifer widmete, als ich dann merkte, dass ich das über den Inhalt eigentlich nicht sagen würde, habe ich trotzdem wacker bis zur letzten Seite durchgehalten, weil das die pädagogische Bedingung für das Lesen von Erwachsenenbüchern war.

Was ich nämlich bis zur Lektüre von Torsten Seiferts Erstling mit Gewissheit zu wissen glaubte, ist, dass ich zu einer aussterbenden Art gehöre, man sieht es mir von außen nicht an, aber ich bin ein politisch inkorrektes Pipi Langstrumpf-Mädchen! Und die haben es nicht so mit den großen Abenteuern in der Literatur.

Ich traue es mich kaum zu gestehen: Huckleberry Finn, Schatz im Silbersee, Moby Dick, Schatzinsel… schafften es wegen der Erfahrung mit dem Totenschiff nicht auf meine Leseliste.

Als dann noch Seiferts Debut mit den großen amerikanischen „hardboiled novels“ verglichen wurde, dessen hartschaligen Helden, für mich Weichei nie & never an Agatha Christies spitzfindige Miss Marple & ihren bissigen Hercule Poirot oder auch an Patricia Highsmiths aalglatter Mr. Ripley heranreichen können, war das für mich also eher ein weiteres Argument gegen einen Lektüreversuch.

Aber nun hatte er doch den 2017 erstmals auf der Frankfurter Buchmesse verliehenen Blogbuster, den Preis der Literaturblogger, gewonnen, vergeben von einer Bloggerjury um den Initiator Tobias Nazemi (Buchrevier), dessen Art Rezensionen zu verfassen ich schätze, da war meine Neugierde dann doch größer als meine kindlichen Vorurteile.

Also gab ich dem 2. Abenteuerroman meines Lebens eine Chance.

Seiferts Held Leon ist ein Reporter von altem Schrott & Korn, also bewaffnet mit Bleistift & Din A5 Notizblock, den es 1947 auf der Suche nach der wahren Identität des erfolgreichen Autors B. Traven nach Zentralamerika verschlägt, wo gerade der große John Houston den Traven Roman „Der Schatz der Sierra Madre“ verfilmt. Dort lenken ihn zwar sagenumwobenen Bogart & Bacall ab, aber der geheimnisumwitterte Erfolgsautor, von dem auch das allwissende Internet heute noch nicht viel weiß, & sein Spürsinn führen ihn nach Wien, um dann zurück nach Mexico, um das Geheimnis zu lüften.

Spätestens ab Bogart imaginiert der Leser den Romaninhalt nur noch in schwarz-weiß & ab Wien hört man sogar als Hintergrundmusik das Harry-Limes-Theme von Karas.

Der Abenteuerroman entpuppt sich also recht bald als nostalgische Tour de force à la Hollywood, als das noch legendär war. Seifert spielt gekonnt mit den Versatzstücken unseres popkulturellen Erinnerung, dazu schnelle Szenenwechsel à la Tarantino, das alles unterhält auch ein Mädchen-Mädchen wie mich, die sich dann demnächst auch mal an dem "Graf von Monte Christo" versucht.

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8 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

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Zwischen Macht und Liebe: Ein Roman über Katharina die Große

Susan Hastings
E-Buch Text
Erschienen bei Piper Schicksalsvoll, 04.09.2018
ISBN 9783492984515
Genre: Sonstiges

Rezension:

Katharina die Große, jene schillernde Frauengestalt der Geschichte, die auch heute noch, über 200 Jahre nach ihrem Tod, als Rollenmodell der emanzipierten Frau gilt, die machtvoll und selbstbewusst in einer Männerwelt besteht.
In ihrem historischen Roman „Zwischen Macht und Liebe“ erzählt Susan Hastings, das Pseudonym einer ehemaligen Geologin, die seit Jahren in verschiedenen Genres schriftstellerisch tätig ist, die Lebensgeschichte der wissbegierigen Sophie Frederike Auguste, Tochter des unbedeutenden Fürsten von Anhalt-Zerbst, Statthalter des preußischen Königs in Stettin, und seiner Frau Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorp, Enkelin des dänischen Königs, deren familiären Verbindungen Sophie 1744 an den Hof der sich an die Macht geputschten, kinderlosen Zarin Elisabeth führt. Die kinderlose Tochter Peter des Großen ist auf der Suche nach einer Braut für ihren Thronnachfolger, den emotional und körperlich unterentwickelten 14 jährigen Waisen Peter. Der kindliche Junge ist als Sohn ihrer ehemals nach Norddeutschland verheirateten Schwester Anna und Herzog von Holstein-Gottorp in Kiel im Lutherischen Glauben von einem sadistischen Lehrer erzogen worden, und zum Zwecke ihres Machterhalts nach Moskau befohlen worden, um ihn am Hof auf seine künftige Aufgabe als Zarewitsch und Vater des russischen Volkes vorzubereiten.Peter hasst Russland, die russische Sprache und den russischen Glauben, den er gezwungenermaßen annehmen musste, liebt das preußische Soldatentum bei Tag und seine Puppen bei Nacht. Am Hof fühlt er sich unverstanden, gegängelt und bespitzelt, um so mehr hofft er in der deutschsprachigen Sophie eine Verbündete zu haben.
Doch die, die von ihrer eigenen Mutter als unscheinbares Mädchen nie geliebte, buhlt erst einmal um Elisabeths Anerkennung. Das eher nachdenkliche, zurückhaltende, junge Mädchen, dass philosophische Werke las und stets Regeln hinterfragte, tut nun alles um den Anforderungen, der absolutistischen Herrscherin, der Zarin Elisabeth, an sie zu genügen. Aus dem hässlichen Entlein wird ein bewunderter Schwan, was Elisabeth Eifersucht entfacht. Da aus der Verbindung der beiden Deutschen, die ein Jahr nach ihrer Ankunft geschlossen wird, auch kein Kind hervorgeht, ein möglicher Ersatz für den als Regenten ungeeigneten Peter, und Elisabeth ihr die Schuld dafür gibt, wird ihr Leben am Hof immer mehr zu einem einsamen Gefängnis,
Doch mit zunehmenden Alter emanzipiert Katharina sich, legt ihre ihr anerzogene Gefallsucht ab und findet Möglichkeiten für ihre persönliche Freiheit.
Hastings schildert chronologisch von 1739 bis 1796 sehr ausführlich, auf knapp 6000 e-book Seiten., unterteilt in 6 Leseabschntte, das Leben Katharinas, von ihrer ersten Begegnung mit Peter bis zu ihrem Tod. Sie zitiert, gefühlt, das gesamte damals lebende Personal des Gotha, widmet jedem in die Geschichtsschreibung eingegangenen Liebhabern der Zarin den mehr oder minder verdienten Platz. Ja, sie verdient für ihre Recherchearbeit Fleißsternchen ohne Ende, aber sie entwickelt leider keine für mich erkennbare eigene Sicht auf Katharinas Geschichte, das ist es aber, was einen Roman ausmacht. Möglicherweise ist das noch auffälliger, wenn der Romanautor wie hier eine, dem Leser bekannte, historische Person in den Mittelpunkt stellt. und um so wichtiger ist dann das literarische Vermögen des Autors. Ich glaube neben einer eigenen Idee hätten aber auch Straffung und Perspektivenwechsel dem Stoff gut getan. So ist es leider nur eine beliebige Nacherzählung eines sicherlich nicht beliebigen Frauenlebens im 18. Jahrhundert.

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39 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 20 Rezensionen

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Ein schönes Paar

Gert Loschütz
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Schöffling, 06.02.2018
ISBN 9783895611568
Genre: Romane

Rezension:


Ich schmeiße nicht so schnell mit Lob um mich, aber Gert Loschützs neuer Roman, für den er sich immerhin 12 lange Jahre Zeit gelassen hat, war das Warten wahrlich wert!

Ein schönes Paar auf jedem Photo sind die Eltern, Hertha & Georg, des Erzählers Philipp Karst, die 1957, noch vor dem Mauerbau, nach einem Zwischenfall übereilt die ehemalige DDR verlassen müssen und sich mit ihrem zehnjährigen Sohn in einem Ort im Hessischen niederlassen. Das ersparte Ostgeld angelegt in einer Kamera, rüber geschmuggelt zwischen der Wäsche im leichten Gepäck. Nach nicht einmal einem Jahr führt dieses Werkzeug, dass wie kein anderes als Erinnerungsbewahrer gilt, zum Bruch der Ehe. Die Mutter verlässt Vater und Sohn und taucht unter in der gerade Mal zehn Jahre alten Bundesrepublik. Die Kommunikation mit ihrem Sohn führt sie einseitig, lediglich über sporadisch gesendete Postkarten versehen mit kurzen, unpersönlichen Floskeln, ohne jede Möglichkeit für ihn ihr zu antworten oder sie zu kontaktieren. Jahre später kehrt sie ohne jede Erklärung an den Ort zurück, trifft sich mit ihren Sohn nun regelmäßig, wobei die Distanz und Sprachlosigkeit nie ganz verschwindet .

Gert Loschütz Roman Ein schönes Paar mit autobiographischen Zügen, der Autor selbst ist 1946 in Genthin geboren, ist als Junge mit seinen Eltern in den Westen geflüchtet, wo die Mutter wenig später verstarb. Er kennt Flucht- und Verlusterfahrungen also aus eigener Erfahrungen und weiß, wie sehr das eine Biographie für immer prägt.

Sein Protagonist Philipp stößt nach dem Tod der Eltern, im Abstand von nur wenigen Wochen, wie es bei lange miteinander verbundener Eheleute nicht selten vorkommt, doch waren Herta und Georg seit über 40 Jahren getrennt, bei den nun folgenden Haushaltsauflösungen auf jenen Photoapparat & alte Photos. Dadurch beginnt er über das Leben & die Liebe der beiden Königskinder, die zum Schluss auf zwei gegenüber liegenden Hügeln der Stadt, getrennt durch einen Fluss, lebten, zu phantasieren.

Loschütz Held erzählt die Geschichte seiner Eltern nicht chronologisch, sondern springt im Zeitverlauf hin und her, aber Erinnerung funktioniert ja auch nicht linear. Was er erinnert sind Assoziationsketten, die durch Trigger ausgelöst werden, und auch vor seine Erwachsenenvita, seiner eigenen Liebeserfahrungen nicht halt machen. Sein Bemühen diese Liebe zu verstehen, sich den Eltern nach dem Tod anzunähern, die stets irgendwie Fremde geblieben sind, sie endlich zu verstehen, sich ihnen nah zu fühlen, auch um sie gehen zu lassen, treibt ihn an & gipfelt in einem versöhnlichen Ende.

Dem Nominierten des Deutschen Buchpreises ist mit diesem Roman eine wunderbar altmodische, romantische & dabei kitschfreie Geschichte über die Liebe gelungen, die zugleich eine psychologisch raffinierte & sensible Studie über unseren Umgang mit Verlust ist.

Ob die schöne Geschichte, die er dem schönen Paar zuschreibt, wahr ist, ist völlig nebensächlich, schließlich ist all unsere Erinnerung immer nur eine gefühlte Wahrheit.

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108 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 73 Rezensionen

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Vier Tage in Kabul

Anna Tell , Ulla Ackermann
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.08.2018
ISBN 9783499273841
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Anna Tells Thrillerdebut "4 Tage in Kabul" ist der erste Band einer Serie um die Arbeit der 34- jährige Ermittlerin der Schwedischen Task Force für Auslandsentführungen, Amanda Lund. Die toughe, Stockholmer Polizistin, die sich zu Romanbeginn als Ausbilderin der Armee, allen unter Männern, in Afghanistan aufhält, wird von ihrem Vorgesetzten bei der Reichskriminalpolizeil ,Bill Ekman, in die Botschaft nach Kabul geschickt, um vor Ort bei der Entführung zweier Botschaftsangehöriger mitzuwirken, während er ihren Eisatz koordiniert.. Es gibt eine Lösegeldforderung aber keine weiteren Anweisungen der Entführer. Amanda erkennt zwar sehr schnell, dass die dortige Umgang mit den für das Land notwendigen Sicherheitsvorkehrungen sträflich lax gehandhabt werden, aber ansonsten gestaltet sich die Ermittlungen in Schweden, die Regierung hat absolute Geheimhaltung bestimmt, um die positive Außendarstellung des baldigen Staatsbesuchs des afghanischen Präsidenten nicht zu trüben, und vor Ort in Kabul recht zäh. Trotz enormen Zeitdrucks gelingt es ihr durch ihre einfühlsame Gesprächsführung den dortige Botschafter dazu zu bringen ihr zu gestehen, dass seine homoerotischen Abenteuer ihn erpressbar gemacht haben. Konkret ist er mit der Situation überfordert, der Aufforderung 2 KG Heroin an seinen ehemaligen Liebhaber und Botschaftsangehörigen Eric nach Schweden zu schicken, wenn er ein Handyphoto, das ihn, jenen Ex und einen dritten afghanischen Mann beim Liebesspiel zeigt nicht in der schwedischen Klatschpresse veröffentlicht sehen möchte, mit einer Klospülung des wertvollen Pulvers begegnet. Gleichzeitig wird in Stockholm die ermordete, unidentifizierte Leiche eines jungen Mannes in der Nähe eines Clubs für Homosexuelle aufgefunden, dessen verantwortlicher Ermittler wenig Elan an den Tag legt, so dass lange kein Zusammenhang mit dem Kabuler Fall gesehen werden kann. Der Roman lebt von Tells Insiderwissen. Sie, die selbst als Kriminalkommissarin für die schwedischen Streitkräfte u.a. für 12 Monate in Afghanistan stationiert war, kennt die Abläufe der Polizeiarbeit im Inn- und Ausland, auch nimmt man ihr ab, dass sie aus eigener Erfahrung um die unterschiedlichen Agenda von Praktikern vor Ort und von Regierungsbeamten in der Heimat weiß. Die Schilderungen der Ermittlungsarbeit und vor allem der Arbeitsbedingungen ihrer Protagonistin fand ich spannend zu lesen, die Beschreibung und unterschwellige Kritik an einem Land, 1000 Kilometer von uns entfernt ,am Hindukusch, in dem nun seit Jahrzehnten Krieg und Terror herrscht, war mir etwas zu klischeehaft, zu unkritisch, geäußert von einer Frauenfigur, die sich selbst ausdrücklich als 'normal' beschreibt und von anderen Figuren als hehre Kämpferin für Gerechtigkeit charakterisiert wird. Lund wie Ekman sind, polizistentypisch, privat eher gebeutelt, sie, wie sollte es anders sein, "die Langzeit-Geliebte" mit dem gaaanz langen Geduldsfaden und er, der Co-Abhängige, der für seine Frau, die Batterie ausgetrunkener Weinflaschen still und leise entsorgt. Tell gelingt es mit einigen Tricks den Spannungsbogen bis zum Schluss zu halten, wobei an mir anscheinend eine Super-Ermittlerin verloren gegangen ist, da ich wieder viel zu früh "er is's!" schreien konnte. 

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95 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 19 Rezensionen

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Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer

Pierre Martin
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Knaur Taschenbuch, 01.04.2014
ISBN 9783426513842
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein unterhaltsamer Sommerausflug in die Provence. Mit allem was dazugehört: Lavendelduft, Zirkadenzirpen, Mistralwinde und pitoresque Dörfer im Hinterland der Cote d'Azur. So wie Fragnol, der Geburtsort der Titelheldin, Isabelle Bonnaire, Madame le Commissaire, die nach einem traumatischen Erlebnis bei einem Einsatz als Leiterin der frz. Terroreinheit in Paris , bei dem sie zwar das Leben des Präsidenten gerettet, aber auch einige Kollegen verloren und selbst nur knapp mit dem Leben davon gekommen ist, hier nun ihre seelische und körperliche Wunden heilen läßt. Isabelle hat sich dafür in einem kleinen Hotel eingemietet, genießt aber nur kurz das Leben als Touristin, weil sie von einem guten Freund aus dem Elysée gebeten, sich um die Aufklärung eines Verbrechens um einen Englischen Lebemanns zu kümmern, weil nur Faulenzen ihrer Genesung nicht förderlich wäre. Gemeinsam mit ihrem schrägen Assistenten Appolinaire macht sie sich an die Arbeit und ist schon bald erfolgreich. Auch wenn es gleich zwei Kriminalfälle zu lösen gibt, Isabelles Eltern sind, als Isabelle ein Kind war, bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und sie ist weggezogen, doch sie glaubt nicht so recht an einen Unfall. Auch wenn ich spätestens ab Kapitel 30 wusste, wer der Täter ist, tat das meinem Lesevergnügen keinen Abbruch. Der Roman lebt definitiv von seinen charmanten und teilweise eigenwilligen Charakteren und von dem Vermögen des Autors das savoir vivre dieser Region Südfrankreichs einzufangen, wenn er sich dabei natürlich auch ausgiebigst aller Provence-Klischees bedient. Aber so what! Eine Lektüre, die Lust auf eine reale Auszeit in der Provence macht.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

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Ein Start ins Leben

Anita Brookner , Wibke Kuhn , Julian Barnes
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 07.09.2018
ISBN 9783961610112
Genre: Romane

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4 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ganz schön Oscar Wilde


Fester Einband: 96 Seiten
Erschienen bei arsEdition, 17.08.2017
ISBN 9783845820941
Genre: Sonstiges

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18 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 8 Rezensionen

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Mann am Boden

Roger Smith , Ulrike Wasel , Klaus Timmermann
Flexibler Einband: 319 Seiten
Erschienen bei Tropen, 13.01.2018
ISBN 9783608502176
Genre: Krimi und Thriller

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8 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

eine familiengeschichte, england, familiendrama, flucht aus ehe, gewalt in ehe, lebensfragen, selbstverleugnung, südfrankreich, wutausbrüche

Der andere Sohn

Nick Alexander , Alex Wolf
Flexibler Einband: 392 Seiten
Erschienen bei Tinte & Feder, 12.12.2017
ISBN 9781503949171
Genre: Romane

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.03.2019
ISBN 9783453422544
Genre: Romane

Rezension:

M.A.R.Y. und ihre Haare hatten die Farbe von Milch (was völlig egal ist, weil die Geschichte nicht anders verlaufen wäre, wenn sie die Farbe von Whisky hätten)


Es ist ihre Geschichte und sie schrieb sie eigenhändig auf im Jahre des Herrn 1831(also zu einer Zeit, als nicht viele Bauernmädchen schreiben konnten und dafür, dass sie es konnte, hat sie einen hohen Preis gezahlt, wird der Leser erfahren)

Sie, die Ich-Erzählerin, die vierte und jüngste Tochter eines englischen Bauern, der statt so viel Östrogenüberschuss in der Familie bei jedem Kind auf einen zupackenden Sohn gehofft hat, und seinem Frust regelmäßig auch non-verbal zum Ausdruck bringt. Mary, mit einem verkrüppelten Bein als Arbeitskraft auf dem Hof noch weniger Wert als ihre Schwestern, wird von ihm mit knapp 15 Jahren für eine Zuwendung, die den gewünschten Mähdrescher finanzieren hilft, in den Pfarrerhaushalt jenseits des Hügels verhandelt, wo sie sich um die schwer herzkranke Ehefrau kümmern soll. Mary fügt sich dem Willen ihres Vaters, doch gibt sie weder ihm noch ihrem Arbeitgebern gegenüber vor, dass sie das freiwillig tut. Die Pfarrersfrau, die an dem aufgeweckten Mädchen, die ihren Gedanken stets ungefiltert freien Lauf lässt, keine Angst vor Repressalien hat, ihre Freude zu haben scheint, nach einigen Monaten, kurz nach dem ihr Sohn Ralph zum Studium das Haus verlässt, stirbt, verlängert der Witwer das Arrangement mit ihrem Vater. Weil es nun weniger Arbeit im Haus gibt, entlässt er das langjährige Dienstmädchen, obwohl er darum weiß, dass es Mary ist, die gerne zurück zu ihrer Familie möchte. Allein mit Mary im Pfarrhaus bittet der der ältere Mann das junge Mädchen nun jeden Abend nach dem gemeinsamen Abendessen in der Küche hinter seinen Schreibtisch neben ihm Platz zu nehmen, um ihr mit Hilfe der Bibel Schreiben und Lesen beizubringen und wird von Tag zu Tag übergriffiger bis die Situation eskaliert.

Nach einem Jahr nur sie nur noch zwei Wünsche, dass sie noch genug Zeit hat, jetzt wo sie doch die Worte buchstabieren kann, ihre Geschichte zu Papier zu bringen und dass ihr das schnell genug gelingt, bevor man erkennt, dass die Übergriffe Folgen hatten.

Mit einer fast unheimlichen anmutenden Distanz zu sich selbst und den Ereignissen beschreibt die Ich-Erzählerin dieses letztes Jahr in ihrem kurzen Leben. Mit stoischer Gleichmut berichtet sie von einem harten, ungerechten Leben, in dem ein Mädchen wie sie kaum eine Chance hatte. Erst der Vater, dann ein Ehemann, und wenn nicht der, dann ein Dienstherr bestimmten die Regeln, nach denen die Frauen damals lebten, geben und vor allem nehmen. Mary hat im Gegensatz zu ihren Schwestern keine rosaroten Träumen von einem anderen, besseren, freien Leben, sie ist zufrieden mit dem kleinen Glück, ein Leben mit den Personen, die ihr am Herzen liegen. Wahre Freiheit kann es für ein Mädchen wie Mary nur auf eine Art geben.

Leyshons Mary ist nach Margaret Atwoods Grace, schon das zweite Mädchen des Prekariats im 19. Jahrhundert. Die eine aus England, die andere aus dem ländlichen Kanada, deren Geschichten, einer Beichte gleich, ich innerhalb des letzten Jahres lausche. Denn die Unmittelbarkeit mit der Mary erzählt entwickelt eine besondere Energie, gibt dem Leser das Gefühl sie spräche direkt zu ihm, zöge ihn, nur ihn, ins Vertrauen und dabei sucht sie weder Verständnis noch Vergebung. Sie bedauert nicht, entschuldigt nicht und erklärt nichts; sie stellt fest.

Die Stilistik und Konstruktion der persönlichen Aufzeichnung orientiert sich sehr gekonnt an der literarischen Vorlage, der Bibel, mit der ihr das Lesen gelehrt wurde. Die Sprache ist bildgewaltig und wirkmächtig. Dass sie sie sich nach nur wenigen Stunden Unterricht einen solchen Wortschatz angeeignet haben kann, oder auch dass man ihr an diesem Ort in ihren letzten Tagen Feder, Papier und Tinte zur Verfügung stellt, sollte man dafür als künstlerische Freiheit der Autorin hinnehmen. Dass die Vermittlung der Interpunktion nicht über den Punkt als Satzzeichen hinaus gekommen ist, irritiert am Anfang den Leser, benutzt Leyshon etwas expressiv, um Marys Bildungsstand noch deutlicher zu machen.

Weniger nachvollziehbar für mich war, dass ein Mädchen, das so couragiert ist wie Mary, die Dinge intuitiv durchschaut, hinterfragt, die ausspricht, was sie denkt, auch gegenüber mächtigeren Personen, ohne Angst vor den Konsequenzen, plötzlich verstummt, sie nicht versucht sich wenigstens verbal zu wehren, ihre spitze Zunge nicht zum Selbstschutz benutzt.


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Die Hauswaffe

Nadine Gordimer , Susanne Höbel
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492550130
Genre: Romane

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18 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 11 Rezensionen

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Römisches Fieber

Christian Schnalke
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Piper, 04.09.2018
ISBN 9783492059060
Genre: Romane

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35 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

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Wir sehen dich

Stephanie Marland , Christine Blum
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 31.08.2018
ISBN 9783423217491
Genre: Krimi und Thriller

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313 Bibliotheken, 3 Leser, 3 Gruppen, 16 Rezensionen

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Knochenarbeit

Kathy Reichs , Klaus Berr
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2011
ISBN 9783453435575
Genre: Krimi und Thriller

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67 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

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Mit jedem neuen Tag

Marc Levy , Bettina Runge , Eliane Hagedorn
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.04.2016
ISBN 9783734100567
Genre: Romane

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19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

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Rekorder

John Darnielle , Tobias Schnettler
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Eichborn , 21.12.2017
ISBN 9783847900290
Genre: Romane

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27 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

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Die Büglerin

Heinrich Steinfest
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.03.2018
ISBN 9783492056632
Genre: Romane

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63 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 5 Rezensionen

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Eine Geschichte der Wölfe

Emily Fridlund , Stephan Kleiner
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 19.03.2018
ISBN 9783827013675
Genre: Romane

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Ist die Katze aus dem Haus

Rita Mae Brown , Sneaky Pie Brown , Margarete Längsfeld
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 06.04.2018
ISBN 9783471351529
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
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Die Farbe von Milch

Nell Leyshon , Wibke Kuhn
Fester Einband: 208 Seiten
Erschienen bei Eisele Verlag, 22.09.2017
ISBN 9783961610006
Genre: Romane

Rezension:

M.A.R.Y. und ihre Haare hatten die Farbe von Milch (was völlig egal ist, weil die Geschichte nicht anders verlaufen wäre, wenn sie die Farbe von Whisky hätten)


Es ist ihre Geschichte und sie schrieb sie eigenhändig auf im Jahre des Herrn 1831(also zu einer Zeit, als nicht viele Bauernmädchen schreiben konnten und dafür, dass sie es konnte, hat sie einen hohen Preis gezahlt, wird der Leser erfahren)

Sie, die Ich-Erzählerin, die vierte und jüngste Tochter eines englischen Bauern, der statt so viel Östrogenüberschuss in der Familie bei jedem Kind auf einen zupackenden Sohn gehofft hat, und seinem Frust regelmäßig auch non-verbal zum Ausdruck bringt. Mary, mit einem verkrüppelten Bein als Arbeitskraft auf dem Hof noch weniger Wert als ihre Schwestern, wird von ihm mit knapp 15 Jahren für eine Zuwendung, die den gewünschten Mähdrescher finanzieren hilft, in den Pfarrerhaushalt jenseits des Hügels verhandelt, wo sie sich um die schwer herzkranke Ehefrau kümmern soll. Mary fügt sich dem Willen ihres Vaters, doch gibt sie weder ihm noch ihrem Arbeitgebern gegenüber vor, dass sie das freiwillig tut. Die Pfarrersfrau, die an dem aufgeweckten Mädchen, die ihren Gedanken stets ungefiltert freien Lauf lässt, keine Angst vor Repressalien hat, ihre Freude zu haben scheint, nach einigen Monaten, kurz nach dem ihr Sohn Ralph zum Studium das Haus verlässt, stirbt, verlängert der Witwer das Arrangement mit ihrem Vater. Weil es nun weniger Arbeit im Haus gibt, entlässt er das langjährige Dienstmädchen, obwohl er darum weiß, dass es Mary ist, die gerne zurück zu ihrer Familie möchte. Allein mit Mary im Pfarrhaus bittet der der ältere Mann das junge Mädchen nun jeden Abend nach dem gemeinsamen Abendessen in der Küche hinter seinen Schreibtisch neben ihm Platz zu nehmen, um ihr mit Hilfe der Bibel Schreiben und Lesen beizubringen und wird von Tag zu Tag übergriffiger bis die Situation eskaliert.

Nach einem Jahr nur sie nur noch zwei Wünsche, dass sie noch genug Zeit hat, jetzt wo sie doch die Worte buchstabieren kann, ihre Geschichte zu Papier zu bringen und dass ihr das schnell genug gelingt, bevor man erkennt, dass die Übergriffe Folgen hatten.

Mit einer fast unheimlichen anmutenden Distanz zu sich selbst und den Ereignissen beschreibt die Ich-Erzählerin dieses letztes Jahr in ihrem kurzen Leben. Mit stoischer Gleichmut berichtet sie von einem harten, ungerechten Leben, in dem ein Mädchen wie sie kaum eine Chance hatte. Erst der Vater, dann ein Ehemann, und wenn nicht der, dann ein Dienstherr bestimmten die Regeln, nach denen die Frauen damals lebten, geben und vor allem nehmen. Mary hat im Gegensatz zu ihren Schwestern keine rosaroten Träumen von einem anderen, besseren, freien Leben, sie ist zufrieden mit dem kleinen Glück, ein Leben mit den Personen, die ihr am Herzen liegen. Wahre Freiheit kann es für ein Mädchen wie Mary nur auf eine Art geben.

Leyshons Mary ist nach Margaret Atwoods Grace, schon das zweite Mädchen des Prekariats im 19. Jahrhundert. Die eine aus England, die andere aus dem ländlichen Kanada, deren Geschichten, einer Beichte gleich, ich innerhalb des letzten Jahres lausche. Denn die Unmittelbarkeit mit der Mary erzählt entwickelt eine besondere Energie, gibt dem Leser das Gefühl sie spräche direkt zu ihm, zöge ihn, nur ihn, ins Vertrauen und dabei sucht sie weder Verständnis noch Vergebung. Sie bedauert nicht, entschuldigt nicht und erklärt nichts; sie stellt fest.

Die Stilistik und Konstruktion der persönlichen Aufzeichnung orientiert sich sehr gekonnt an der literarischen Vorlage, der Bibel, mit der ihr das Lesen gelehrt wurde. Die Sprache ist bildgewaltig und wirkmächtig. Dass sie sie sich nach nur wenigen Stunden Unterricht einen solchen Wortschatz angeeignet haben kann, oder auch dass man ihr an diesem Ort in ihren letzten Tagen Feder, Papier und Tinte zur Verfügung stellt, sollte man dafür als künstlerische Freiheit der Autorin hinnehmen. Dass die Vermittlung der Interpunktion nicht über den Punkt als Satzzeichen hinaus gekommen ist, irritiert am Anfang den Leser, benutzt Leyshon etwas expressiv, um Marys Bildungsstand noch deutlicher zu machen.

Weniger nachvollziehbar für mich war, dass ein Mädchen, das so couragiert ist wie Mary, die Dinge intuitiv durchschaut, hinterfragt, die ausspricht, was sie denkt, auch gegenüber mächtigeren Personen, ohne Angst vor den Konsequenzen, plötzlich verstummt, sie nicht versucht sich wenigstens verbal zu wehren, ihre spitze Zunge nicht zum Selbstschutz benutzt.


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Zu nah

Olivia Kiernan , Klaus Timmermann , Ulrike Wasel , Carla Felgentreff
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 03.04.2018
ISBN 9783959671835
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Der weibliche Detective der irischen Polizei für  Gewaltverbrechen, Frankie Sheehan, kehrt nach einer verletzungsbedingten Auszeit in ihre Abteilung zurück. Körperlich wiederhergestellt wird sie aber noch fast täglich von Panikattacken und Flashbacks des traumatischen Erlebnisses, das sie fast  ihr Leben gekostet hätte, heimgesucht, Ihr Vorgesetzter übergibt ihr und ihrem Kollegen Baz trotzdem den Fall, der erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden Mikrobiologin und Universitätsprofessorin Eleanor Castello. Relativ schnell verdichten sich die Beweise, dass es sich dabei um einen Mord handelt. 

Das Team um die angeschlagene Protagonistin nimmt die Ermittlungen auf, neue Mordopfer kommen hinzu, die alle irgendwie im Zusammenhang standen, Verdächtige kommen und gehen, während der dreimonatigen Ermittlung, die in einem vorhersehbaren Show-down münden.

Die Autorin wählt die Ich-Perspektive der angeschlagenen Frankie für ihre Geschichte, die für eine größeren emotionalen Nähe zwischen Leser und Heldin sorgen soll. Der Plot verbindet die aktuellen Mordermittlungen mit Frankies furchtbaren Erlebnissen beim Rettungsversuch einer jungen Frau und der nun beginnenden Gerichtsverhandlung, bei der sie als einzige, überlebende Zeugin geladen ist. Die Figurenzeichnung der Hauptfigur wirkt bemüht, die der Nebenfiguren wie z.B. Baz oder ihres Chefs reichen nicht über ihre Trinkgewohnheiten hinaus, wobei es selbst da noch zu Fehler kommt, und da die Charakterisierungen der Opfer, weitestgehend die Interpretation von Indizien durch die  Ermittlerin sind, war mir das alles zu flach, zu eindimensional.

Das Setting in Dublin und Umgebung ist auch zu vernachlässigen, den kalt und regnerisch zwischen Oktober und Dezember ist es sicherlich auch in anderen Ecken der Welt. Und Pubbesuche, während der Café oder Bier getrunken wird, oder Hinweise auf die Wirtschaftskrise, die gerade auch die junge, gut ausgebildete Generation getroffen hat, machen Irland als Handlungsort nicht zwingend, aber why not?!.

Die sprachllchen Stilblüten wie folgende: "Du begrüßt mich mit einem harten Kuss..", „Ein erregender Schauer flüstert am Rand meines Atems...“, „Die Haustür steht offen zur Dunkelheit des Herbstabends“ hingegen plus die ausgespochen klischeehafte Motivlage haben mich mordlüstern werden lassen.

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32 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

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Die Salzpiratin

Beate Maly
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 01.12.2017
ISBN 9783548288543
Genre: Historische Romane

Rezension:

Wer heute den fast 200 m tiefen und knapp 25 qm großen Traunsee mit dem Raddampfer Gisela quert, vorbei am  markanten Traunsteinmassiv, kann sich kaum vorstellen, dass dieses Idyll im 10. Jahrhundert von räuberischen Piraten beherrscht war.

Beate Maly konnte.

Die Handlung ihres neuen historischen Romans Die Salzpiratin spielt in dieser wunderschönen Landschaft im Salzkammergut. Eine Gegend, die nicht ohne Grund so heißt, hier wurde und wird Bergsalz abgebaut, das über die Salzstraßen, die auch über Wasser führten, gehandelt wurde. Salz, das weiße Gold, war lebensnotwendig zur Konservierung von Lebensmitteln in der Prä-Kühlschrankzeit und somit ein einträgliches Handelsgut. 

Die historischen Herren von Orth, steirische Ministerialen, die im Seeeschloss, Schloss Orth, dass 909 erstmals urkundlich erwähnt wurde, bei Gmund am Nordufer des Sees residierten und den Salzhandel kontrollieren, dienten Maly als Vorlage. Ihre Protagonistin, die 16-jährige Ursel, ist die Tochter eines dieser Herren, sie wächst auf am Ufer des Traunsee zusammen mit ihrer Stiefmutter und ihren Brüdern, durch die sie auch früh lernt sich zu behaupten. Sie ist geübter im Bogenschnitzen als im Sticken, ist erfolgreicher als mancher Mann im Jagen und Fischen und wird wie ihre Brüder im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet.

Am Nachmittag vor Fest zur Sommersonnenwende 950 auf die sich die Familie wie auch die Dorfgemeinschafte freute, geht Ursel mit ihrem jüngeren, geistig behinderten Bruder Nikolaus in den Wald. Auf dem Nachhauseweg stürzt sie, verletzt sich so, dass sie nur langsam voran kommen, daraufhin lässt sie schon in Sichtweite den ungeduldigen Jungen, der Angst hat, dass Wichtigste zu verpassen, vorlaufen. Sie selbst muss Minuten später mitansehen, wie eine Gruppe Söldner, bezahlt vom machtgierigen Grafen Wilhelm, Haus und Hof überfällt, mordet und alles niederbrennt, um an diesem Ort ein Kloster zu errichten, das von seiner Cousine Ata als Äbtissin geleitet werden soll. Kein Zeuge soll diese Schandtat überleben, doch als die Männer, den traumatisierten Nikolaus entdecken, rettet ihn, der Glaube des Grafen an die Symbolkraft, dass ein "Irrer" das schreckliche Unglück, als solches soll das Ereignis offiziell dargestellt werden, durch die Gnade Gottes überlebt hat und dass er als Stifter des Klosters den Jungen gnädig dort arbeiten lässt.

Nach dem ersten Schock und der Trauer ist Ursels Überlebenswille stärker als die Verzweiflung, sie erinnert sich an ein Arrangement ihres Vaters mit den Salzpiraten, die sich irgendwo im Wald verstecken. Sie beschließt sich ihnen unter dem Pseudonym ihres verstorbenen Bruders Hans anzuschließen, was ihr trotz ihres schwächlichen Aussehens gelingt, da ihre Fähigkeiten als Bogenschnitzer und Jäger überzeugen. In der Gemeinschaft der raubeiniger Männer, die alle ihre Gründe haben außerhalb der Gesellschaft leben, ist es nicht immer einfach für Ursel ihre Tarnung aufrecht zu halten, aber der Wunsch sich zu rächen, lässt sie auch die größten Schwierigkeiten meistern, bis die Piraten eines Tages den neue Sekretär des Grafen, Steffen, ins Lager bringen und der Anführer die Idee hat, Ursel mit einer Lösegeldforderung ins Kloster zu schicken.

Maly kreiert einen historisch interessanten und inhaltlich spannenden Plot, deren Fremdheit und Andersartigkeit des 10. Jahrhunderts mit seinen archaisch anmutenden Strukturen fasziniert, hinzu kommt das literarisch noch nicht oft bearbeitete Thema der Bergseepiraterie. Auch bei ihren Figuren mag Maly es ungewöhnlich, einen Jungen mit (wahrscheinlich) Trisomie 21 in einem im Mittelalter angesiedelt historischen Roman, der nicht einfach nur als der stereotype Narr dargestellt wird, sondern als Charakter. Mir hat neben dem unterhaltsamen Plot auch die malerische Landschaftsbeschreibung gefallen, mit der Salzpiratin hat sich Frau Maly eigentlich ein lebenslanges Anrecht auf ein unbezahltes Hotelbett im Salzkammergut erschrieben.


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78 Bibliotheken, 2 Leser, 3 Gruppen, 29 Rezensionen

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Die Launen des Teufels

Silvia Stolzenburg
Fester Einband: 472 Seiten
Erschienen bei Bookspot Verlag, 11.10.2010
ISBN 9783937357416
Genre: Historische Romane

Rezension:

Das gewaltige Münster ist ne Baugruppe, die die künstlerische Freiheit in den Winter 1446/7 verschlagen hat, der Schurke ist ein Teufel im Gewand eines Glockengießers, Conrad, der Frau und Kinder schlägt, den Abt eines Klosters erpresst, intrigiert, wie es doch eigentlich nur Frauen können, geht einem Broterwerb als Glockengießer nach, den damals schon die ungarische Konkurrenz vom Ulmer Markt gefegt hatte, kann mit einem Satz zur rechten Zeit den Mop zum Brandschatzen bringen auf dass er Schuld und Schuldzins beim jüdischen Verleihen für immer vergessen kann. Der Teufel in Vatergestalt verschachert sein eigen Fleisch und Blut, seine reine, blonde Tochter an den affig behaarten, wollüstigen Barfüßler, der nix von Keuschheit, dafür viel von Prunk hält. Die holde Maid Anabel hat aber schon nach nur einem schüchternen Blick ihr Herz an den neuen Lehrjungen Bertram verloren, den sein unglücklicher Vater, an den diabolischen Gewinnler Conrad verkauft hat. Auch die Nebenstränge sind ähnlich klischeevoll.


 "Die Launen des Teufels" ist der erste Teil der sogen. Ulmer Reihe und hat mich leider so gar nicht überzeugt, weder der Plot, noch die mehr als eindimensionalen Figuren, die Wahl des Settings in Ulm. Für mich ist es ein "Fleißroman", es ist fleißig Material zusammengesucht worden, es ist fleißig recherchiert worden, das zeigt die profunde Darstellung des mittelalterliche Alltagslebens, aber leider bleibt der Roman teuflisch blutleer.

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Tausend Teufel

Frank Goldammer
Flexibler Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 13.10.2017
ISBN 9783423261708
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein höchst spannendes & detailliertes Sittenbild der sowjetisch besetzten Stadt Dresden zwei Jahre nach Kriegsende. Ich finde den Roman sehr gut geeignet für den schulischen Geschichtsunterricht der Mittelstufe, ihm gelingt es mit dem Kriminalfall als Aufhänger dem Leser eine auf jeden Fall aus dieser Perspektve oft vernachlässigte Epoche näher zu bringen. Dem Autor gelingt es gleichzeitig Emotionen und Verstand zu berühren. Für den Leser mit etwas mehr Geschichtswissen und Leseerfahrung ist der Stoff, für meinen Geschmack, etwas zu verdichtet, lässt zu wenig Platz für eigene Gedanken.

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