Auroria

Aurorias Bibliothek

57 Bücher, 24 Rezensionen

Zu Aurorias Profil
Filtern nach
57 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(82)

116 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 79 Rezensionen

thriller, schweden, skandinavien, wolf, drogen

Die Fährte des Wolfes

Mons Kallentoft , Markus Lutteman , Christel Hildebrandt
Flexibler Einband: 458 Seiten
Erschienen bei Tropen, 07.09.2017
ISBN 9783608503715
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(60)

111 Bibliotheken, 5 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

ukraine, gewalt, prostitution, kukolka, straßenkind

Kukolka

Lana Lux
Fester Einband: 375 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 18.08.2017
ISBN 9783351036935
Genre: Romane

Rezension:

Samira war stets auf der Suche – auf der Suche nach einem Heim und einer Familie. In den 7 Jahren im Kinderheim in der Ukraine konnte sie weder das eine noch das andere finden. Daher beschloss sie, diese beiden Dinge an einem anderen Ort zu suchen. Weit ist sie nicht gekommen. Rocky, verlockende Versprechungen auf den Lippen und das nötige Verständnis in seinen Worten, führt sie in ein anderes Leben. Der vermeintliche Engel ist jedoch keiner. Er ist mehr ein Sklaventreiber, der gefallene Existenzen um sich schart, damit sie für ihn betteln gehen. Und das ist der bestmögliche Fall. Aufregend emfpindet Samira ihr neues Leben. Nur leider ist es so weit entfernt von behütet, wie man kaum in der Lage ist, es sich vorzustellen.

Samira, die Hauptfigur in diesem Roman, aus deren Sicht alle Geschehnisse geschildert sind, kennt in ihrem kurzen siebenjährigem Leben nichts anderes als das Kinderheim, in dem sie bis dahin aufgewachsen ist. Die geschilderten Zustände in diesem überschritten für mich bereits die Grenze des Erträglichen. Kinder, die zu Zucht und Ordnung angetrieben werden, deren Leben durchreglementiert ist bis hin zu der Körperseite, auf der sie schlafen müssen. Verstöße werden geahndet und das nicht gerade zimperlich. Das Übernachten im Badezimmer und das Abduschen mit einem kalten Wasserstrahl zur Strafe werden als legitime Maßnahmen angesehen. Ohne Rücksicht auf Kinderseelen und die Würde der Kleinsten, ist keines der Kinder dort ein Individuum mit Gefühlen und Bedürfnissen. Was die Erzieherinnen sagen ist Gesetz. Mitgefühl sucht man dort vergeblich. Der einzige Lichtblick ist ein Samstag im Monat, an dem jedes Kind hofft, Adoptiveltern zu finden, die es dort herausholen, in eine richtige Familie. Nur wenigen ist dieses Glück beschieden. Kein Wunder also, dass Samira diesen Zuständen entfliehen will. Als kleine Schönheit mit dunklen Haaren und hellen Augen allerdings mit zu dunkler Hautfarbe wird sie mit allen Vorurteilen abgestempelt und behandelt, die Menschen entgegengebracht werden, die man als Zigeuner bezeichnet. Sie kann fliehen von einem unmenschlichen Ort und findet vermeintlich ein besseres Leben. Rocky, der sie Kukolka – Püppchen nennt, bring sie in ein Haus, in dem bereits andere Jugendliche wohnen und die sich ihren bzw. Rockys Lebensunterhalt mit betteln und Taschendiebstahl finanzieren. Hier lernt sie andere und ältere Mädchen kennen, die ihr etwas beibringen und dafür ist sie dankbar.

"Ich war noch nie jemandem so wichtig gewesen, dass er mir was beibringen wollte." (S. 42)

Sie hat das Gefühl, in einer Gemeinschaft aufgenommen und angekommen zu sein. Allerdings ohne Blick für die Gefahren und Widerwärtigkeiten, die ihr dort drohen. Woher sollte sie dieses Gespür auch haben? Jeder der dort Anwesenden birgt seine eigene schreckliche Geschichte im Herzen, die so schonungslos und mitleidlos erzählt werden, dass ich das Bedürfnis hatte, jeden einzelnen in den Arm nehmen zu wollen und zu trösten und zu versichern, dass es Besseres im Leben gibt, dass auf sie wartet. Dass das Leben nicht so kalt ist, wie sie es kennen gelernt haben, wenn sie doch nur den richtigen Menschen aus den richtigen Gründen wichtig sind, die nichts fordern, sondern Freude am Geben haben.

"Mein Job war es, zu überleben." (S. 186)

Man ahnt wohl bereits, dass das Leben bei Rocky nicht die letzte Station in ihrem Leben ist. Es kommen noch andere. Und jede auf ihre Art noch schrecklicher als die vorherige. Man braucht als Leser also schon ein gewisses dickes Fell, um sich mit Samira durchs Leben zu kämpfen. Samira, deren Grundanlage gut und lieb ist, hätte einen anderen Start ins Leben und eine andere Begleitung durch dieses verdient. Die Verkettung unterschiedlicher Umstände hat für sie jedoch einen anderen Weg vorgesehen und es ist erstaunlich, wie viel ein Mensch aushalten kann, selbst wenn er zum Ding degradiert wird. Samira zeichnet sich durch einen unbändigen Lebenswillen und immer genügend Hoffnung aus. Es ist bewundernswert, woher sie beides nimmt.

Lana Lux ist mit diesem Debütroman etwas ganz besonderes gelungen. Es ist kein einfach zu verdauendes Buch. Wie könnte es auch, ob der Schwere der unterschiedlichen Themen, die es vereint. Tatsächlich gehört es zu den Büchern, an denen ich zu knabbern habe. Es gehört zu der Kategorie Bücher, in denen man Figuren begegnet, die sind so echt und und ihr Schicksal so unfassbar traurig, dass sie einen nicht mehr loslassen. Mehrere Szenen haben mich tief berührt, die Geschichte war derart intensiv, dass ich mehrfach Pausen einlegen musste, um mich für das Kommende zu wappnen, auch wenn es mir unter den Nägeln brannte, unbedingt erfahren zu müssen, wie die Geschichte weitergeht. Aber ich brauchte die Zeit, um zu verarbeiten und auch um zu trauern und um meinen Kopf die Gelegenheit zu geben, im immer und immer wieder „Erleben“ diverser Schlüsselszenen, diesen den notwendigen Platz einzuräumen.

Lana Lux gelingt es, mit ihrer Erzählweise, Samira im Aufwachsen zu begleiten und die kleine, ihr bekannte Welt durch die Augen eines Kindes zu schildern. Das kindlich Naive steht oft im krassen Gegensatz zum Geschilderten und berührte mich umso stärker. Auch wenn Samiras Entwicklung eindeutig zu sehen ist,  erschien sie mir oft älter, als sie tatsächlich war. Die Masse an Erfahrungen war erdrückend.

Ich habe überlegt, ob ich diesem Buch tatsächlich fünf Sterne vergeben möchte oder ob es „nur“ vier werden. Nicht, weil der Stil kleinere Makel aufweist, ganz im Gegenteil, dieser ist perfekt durchs ganze Buch hinweg. Sondern, weil ich so viel Leid eigentlich nicht ertragen kann und es einfach an der ein oder anderen Stelle für mich zu viel war. Allerdings kann ich die eigene Befindlichkeit nicht als Bewertungsmaßstab heranziehen. Und gerade weil es mich so berührt hat, ist es definitiv der 5 Sterne wert. Lana Lux hat mit diesem Debüt Maßstäbe gesetzt und macht neugierig auf Weiteres aus ihrer Feder. Für dieses Buch muss man gewappnet sein. Also wappne dich und lies es!

  (0)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(4)

5 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Ready Player One

Ernest Cline
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Argon Verlag, 27.04.2017
ISBN B07166WK8T
Genre: Sonstiges

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(94)

123 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 90 Rezensionen

thriller, action, spannung, auftragskiller, evan smoak

Projekt Orphan

Gregg Hurwitz , Mirga Nekvedavicius
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei HarperCollins, 07.08.2017
ISBN 9783959671088
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Evan Smoak, eine tödliche Waffe in Menschengestalt, wird von seinen Feinden gefürchtet. Für diejenigen, die keinen anderen Ausweg mehr haben, ist er vielleicht die letzte Chance, um zu überleben. Keiner kennt seinen Namen. Er ist der Nowhere Man. Für ihn gibt es nur den Zustand, einen Auftrag zu haben oder auf einen zu warten. Seine aktuelle Aufgabe, ein junges Mädchen vor einem widerwärtigen und skrupellosen Mädchenhändlerring zu bewahren, gehört für ihn eher zu den leichteren Übungen. Leichtsinnigkeit kann er sich nicht leisten. Doch dieses Mal läuft etwas schief. Evan findet sich plötzlich in den Fängen eines Verbrechers wieder, aus denen es kein leichtes Entrinnen gibt. Kann Evan einen Ausweg finden oder ist er schon längst in einer Sackgasse? Die Zeit läuft, denn ein neuer Auftrag wartet schon.

„Projekt Orphan“ ist der zweite Teil (man sollte den ersten Teil unbedingt vorher gelesen haben) um den in einem geheimen Regierungsprogramm ausgebildeten Killer Evan Smoak, der sich trotz der Schwere seiner ursprünglichen Aufgabe, Auftragsmorde ohne Nachfrage zu begehen, seine Menschlichkeit bewahrt hat. Er ist ein Aussteiger, der dieses Leben nicht mehr führen wollte. Stattdessen führt er es nun im Namen der Gerechtigkeit. Eine Art Robin Hood für Arme, nur anders und gefährlicher. Man könnte es kurz mit den Worten formulieren: bei Anruf – Mord! Er ermordet die Bösewichter, deren Abgründe Tiefen erreichen, die man sich nicht im Entferntesten ausmalen kann oder will. Anna Reznian gerät ins Visier dieser Unmenschen. Sie ist hübsch, ihre Familie ist arm und mit ihren 15 Jahren passt sie genau in das Beuteschema eines der Auftraggeber eines Mädchenhändlerrings. Sie ist auf einen gut aussehenden Jungen hereingefallen, der sich nicht als Segen, sondern als Fluch entpuppt. Sie weiß, dass diese Sache, in die sie geraten ist, nicht gut ausgehen kann, dass sie ihre Leichtsinnigkeit vielleicht mit dem Leben bezahlt. Der Nowhere Man ist ihr letzter Strohhalm. Natürlich erfüllt Evan seinen Auftrag. Anna hat nichts mehr zu befürchten. Da Evan sein Wirken strikten Regeln unterwirft, muss er gründlich sein. Doch dieses Mal hat er sich vielleicht übernommen. Das zehnte Gebot lautet:

"Lasse niemals einen Unschuldigen sterben."

So kommt es, dass Evan natürlich noch viel gründlicher aufräumen möchte. Denn Anna ist nicht die einzige Unschuldige, die es zu retten galt. Während seiner Nachforschungen gerät er jedoch selbst in die Klauen eines der Verbrecher, die er so vehement versucht auszulöschen. Möglicherweise hat er dieses Mal seinen Meister gefunden.

Gregg Hurwitz hat, wie bereits bei „Orphan X“ einen schnellen Erzählstil, der schnell zum Punkt kommt. Die Handlung tritt dadurch kaum auf der Stelle. Trotzdem lässt mich dieses Buch etwas zwiegespalten zurück. Wird Evan Smoak alt oder sentimental? Das fragte ich mich doch recht häufig. Zwar verfügt er noch immer über schnelle Kombinations- und Beobachtungsgabe, doch ließ seine Performance stark nach. Eindeutig hatte er mit unterschiedlichen Geistern der Vergangenheit zu kämpfen, allen voran mit dem Verlust seines Mentors Jack.  Evan konzentrierte sich zwar durchaus auf das Wesentliche, doch er machte Fehler. Natürlich ist Evan kein fehlerloser Superheld, kein unfehlbarer Übermensch. In diesem Band wurde eindeutig seine verletzliche Seite thematisiert. Auch erhöhen Schwierigkeitsgrade die Spannung. Wie langweilig wäre es, wenn alles gleich auf Anhieb gelingen würde. Was mich an der Sache störte, war eher, dass eine noch ausweglosere Situation scheinbar erfolgreicher zu händeln war. Die Verhältnismäßigkeit ging mir hier eindeutig verloren.

Was das Thema der bösen Buben anbelangt, so bin ich auch hier leider nicht ganz zufrieden. Besagter Bösewicht gefiel sich in der Rolle eines Dorian Gray mit Hang zum schwatzhaften. Auch wollte er sich als vermeintlicher Gönner präsentieren, was so ganz im Widerspruch zu seiner tatsächlichen Intention stand. Es wurden zu viele Klischees bedient, die eher zu einem schlechten Actionfilm passen, als zu diesem Buch, von dem ich mir mehr erwartet hätte.

Auch in „Projekt Orphan“ erhält man durch diverse Rückblenden spannende Einblicke in Evans Vergangenheit. So manchen Dialog sollte man nicht mit zu viel Ernst betrachten, wodurch sich immer mal wieder ein spritziges, schlagfertiges und bisweilen witziges Wortgefecht entspann. Als zusätzlichen Gegenspieler tauchen noch weitere ehemalige Orphans auf, deren Aufgabe darin besteht, Evan aufzuspüren. Das auch diese nichts Gutes im Schilde führen, wird schnell klar. Die Kälte und Gefühllosigkeit, die ihr Agieren auszeichnet, steht im Gegensatz zu Evans Motiven. Die Unterschiede zwischen ihnen und Evan konnte mir Hurwitz jedenfalls nahe bringen.

„Projekt Orphan“ zeigt, dass auch ein Killer keine Maschine ist. Die Schwächen von Evan herauszuarbeiten war gut gedacht, doch in der Umsetzung insgesamt weniger zufriedenstellend. Dieser Thriller ist keinesfalls für zart besaitete Leser geeignet. Auf blutige Brutalität sollte man gefasst sein. Ist der Killer in Evan erst einmal entfesselt, dann geht es wenig zimperlich zu. Das Ende weist darauf hin, dass wohl mindestens noch ein 3. Band zu erwarten ist. Trotz der nicht unerheblichen Schwächen des 2. möchte ich doch wissen, wie es mit dem Nowhere Man weitergeht. Ich halte die Augen nach einer weiteren Fortsetzung offen.

Ich danke NetGalley und HarperCollins für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

  (13)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(13)

19 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

david nathan, manilaclub, hörbuch, monster 198, ivar leon menger

Monster 1983 - Staffel 2

Ivar Leon Menger , Anette Strohmeyer , Raimon Weber
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 31.10.2016
ISBN B01LXRXM30
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nach dem Verschwinden von Sheriff Cody gemeinsam mit seinen beiden Kinder und Deputy Taylor Dunfords plötzlicher Unauffindbarkeit ranken sich allerlei Gerüchte um die Hintergründe im Städtchen Harmony Bay. Trotz der vergangenen Aufregung muss das Leben natürlich weitergehen. Daher wird Deputy Landers kurzerhand zum neuen Sheriff ernannt. Und tatsächlich scheint es ruhiger zu werden, die mysteriösen und beängstigenden Todesfälle haben scheinbar ein Ende gefunden. Aber ist das nur die Ruhe vor einem neuerlichen Sturm?

Die 2. Staffel von „Monster 1983“ von Ivar Leon Menger beginnt mehr oder weniger dort, wo Staffel 1 ihr vorläufiges Ende gefunden hat. Die Erwartungen an eine umfassende, spannende und plausible Aufklärung der dort aufgeworfenen Fragen war groß. Schnell wurde die Legende um den bedrohlichen Nachtmahr wieder aufgegriffen. Anfänglich hatte ich zugegebenermaßen damit das ein oder andere Problem, da ich nicht mochte, in welche Richtung sich die Geschichte damit enwickelte. Der von mir erhoffte unvorhergesehene Wendepunkt, der nochmals alles in einem anderen Licht erscheinen lässt, blieb aus. Da die Handlung jedoch schnell zur altgewohnten Spannung zurückfand, konnte ich mich damit gut arrangieren. Der Mysterieanteil in dieser 2. Staffel ist zwar in nicht unerheblichen Maße vorhanden, die Neuigkeitswert in diesem Zusammenhang jedoch nicht allzu groß. Dafür leben die einzelnen Folgen von Orts- und auch Zeitwechseln sowohl in die unmittelbare als auch mittelbare Vergangenheit, die zur Aufklärung einiger Fragen und Ungereimtheiten beitrugen.

Eine ausgewogenen Mischung aus bekannten wie auch unbekannten Protagonisten sorgte für entsprechende Würze und zusätzliche Spannung aber auch Fragezeichen. So nimmt Bürgermeister Whites weiße Weste mehr und mehr Schaden, Flowers und Bacons Freundschaft sorgt für weniger nervenaufreibende Verschnaufpausen und besticht durch ihre Unkomplizierheit und in Sharkys Bar tummeln sich wie gewohnt allerlei unterschiedliche Gestalten mit ihrer eigenen Geschichte. So erscheint beispielsweise ein mysteriöser Fremder auf der Bildfläche, dessen Intention einige Zeit im Verborgenen bleibt und der dadurch zusätzliche Rätsel aufgibt.

Natürlich spielt auch der frisch gebackene Sheriff Landers eine nicht unerhebliche Rolle. Er war für mich wohl die größte und auch angenehmste Überraschung. In der 1. Staffel überzeugte er nicht unbedingt durch eine wohldurchdachte Handlungsfähigkeit. Einzig die Loyalität zu Codys Vorgänger, Sheriff Briggs, hätte ich ihm über lange Strecken positiv angerechnet, wenn diese auch zu Lasten des neuen Amtsinhabers ging. Diese Loyalität übertrug er nun auch auf den verschwundenen Sheriff Cody. Überzeugt davon, dass dieser nicht grundlos die Stadt verlassen hat, möchte er natürlich den Ursachen auf den Grund gehen. Da jedoch in Harmony Bay noch ganz andere Dinge im Argen liegen, widmet er sich zunächst der nicht ungefährlichen Aufklärung derselben und geht dabei durchaus mit Bedacht und Kombinationsgabe vor. Die Geschichten und Geheimnisse, die in Harmony Bay im Verborgenen liegen, faszinierten und fesselten mich aufs Neue, so dass ich diese Staffel mindestens genauso schnell, wenn nicht schneller durchgehört hatte, wie die erste.

Die Aufklärung so manchem Rätsels erhält der Hörer jedoch hin und wieder nur zu dem Preis, sich auf neue Fragen einlassen zu müssen. Das Licht in der symbolischen Dunkelheit, in der man tappt, ist noch immer nicht ausreichend, um alle Neugier zu befriedigen und alle Antworten zu erhalten. Es zeigte sich ein zweites Mal, dass in Harmony Bay eben nicht alles harmonisch läuft, dass Harmony Bay mindestens so viel Geheimnisse in sich trägt, wie es Einwohner besitzt. Und das der Weg zur Wahrheit oft lang und nicht selten nervenaufreibend und schmerzhaft ist.

„Monster 1983“ war erneut ein qualitativ hochwertiges Hörspiel aus dem Hause Audible mit sensationell guten Sprechern, die Harmony Bay auf einzigartige Weise zum Leben erwecken und gleichzeitig hohe Erwartungen an die glücklicherweise geplante 3. Staffel knüpfen. Allen Mystery-Fans sei diese Reihe wärmstens empfohlen.

  (24)
Tags: mysterythriller   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1.069)

1.999 Bibliotheken, 23 Leser, 15 Gruppen, 179 Rezensionen

liebe, engel, lucian, hamburg, fantasy

Lucian

Isabel Abedi
Fester Einband: 553 Seiten
Erschienen bei Arena, 15.09.2009
ISBN 9783401062037
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(192)

393 Bibliotheken, 19 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

thriller, krimi, mord, ehe, gone girl

Gone Girl - Das perfekte Opfer

Gillian Flynn , Christine Strüh
Fester Einband: 832 Seiten
Erschienen bei FISCHER Taschenbuch, 23.07.2015
ISBN 9783596520725
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Unter ominösen Umständen ist Amy Dunne an ihrem fünften Hochzeitstag aus ihrem Haus und dem ihres Ehemannes, Nick Dunne, verschwunden. Die Spuren weisen eindeutig darauf hin, dass Amy das Haus nicht freiwillig verlassen hat. Die Suche nach ihrem Verbleib beginnt und bald schon wird auch ihr Ehemann verdächtigt. Was ist mit Amy geschehen? Wo ist sie? Ist sie noch am Leben oder am Ende sogar schon tot?

Eines möchte ich zu Beginn gleich voranstellen: ich werde so gut wie keine Ausführungen zur Handlung machen, um nicht Gefahr zu laufen, zu viel zu verraten. Dadurch wird meine Rezension recht komprimiert ausfallen. Denn dieses Buch sollte völlig unvoreingenommen und mit möglichst wenig Vorwissen Seite um Seite erkundet und erschlossen werden. Wer noch nie, so wie ich, ein Buch von Gillian Flynn gelesen hat, der macht sicherlich keinen Fehler, sich zunächst diesem Thriller zu widmen, der in Bezug auf unterschiedliche Aspekte seinesgleichen sucht. Wer bei „Gone Girl“ ein Buch mit viel Blut erwartet, dem sei gesagt, dass dies auf den knapp 600 Seiten nicht zu finden ist. Stattdessen spielt die Autorin mit vielfältigen Möglichkeiten und Andeutungen. Das unausgesprochene Wort, das zwischen den Zeilen bedrohlich lauert wie ein Raubtier, das zum Sprung bereit ist, von dem man aber nicht weiß, wann es den Satz zu seiner Beute macht, lässt die Phantasie auf Hochtouren laufen.

"Was haben wir einander angetan? Was werden wir noch tun?" (S. 9)

Sehr schnell wird deutlich, dass so manches Geheimnis im Leben der Ehepartner existiert und die Ehe nicht unbedingt als mustergültig zu betrachten ist. Doch welche Ehe ist dies am Ende? Das Geheimniskrämerische, das immer wieder zum Vorschein kommt, machte es mir nicht leicht, zu beurteilen, wo die Wahrheit versteckt liegt. Die unterschwelligen Befürchtungen, die dadurch beim Lesen entstanden, machen einen Reiz dieses Buches aus, durch den ich dieses kaum aus der Hand legen konnte. Drohte der Handlungsverlauf in absehbarer Zeit ins Langatmige abzurutschen, hat Gillian Flynn auch dafür immer wieder eine Lösung parat – und zwar eine unvorhergesehene. Durch ihre durchdachten und klaren Handlungsverläufe gelingt es ihr, Wendungen und Überraschungsmomente einzubauen, die tatsächlich als solche bezeichnet werden können, weil ich sie nicht habe kommen sehen. Dadurch erschien das Vorangegangene in einem neuen Licht, ein neuer Thrill entstand, der mich dazu brachte, das bereits Bekannte in einem neuen Blickwinkel zu sehen und neu bewerten zu müssen. Einzig in der Schlussphase ließ das Buch in meinen Augen etwas nach. Diese hätte für meinen Geschmack durchaus etwas kürzer ausfallen können.

„Gone Girl“ ist ein Psychothriller, der mich mit seinen unvermittelten und überraschenden Wendpunkten überzeugen konnte. Durch den kleinen „Makel“ auf der Zielgeraden fehlt allerdings ein Quäntchen zum perfekten Thriller. Trotzdem bin ich sehr begeistert von diesem Buch und kann es jedem Thrillerliebhaber nur empfehlen. Vielleicht habe ich mit „Gone Girl“ sogar eine neue Lieblingsautorin für mich entdeckt.

  (19)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(42)

112 Bibliotheken, 11 Leser, 1 Gruppe, 10 Rezensionen

der report der magd, margaret atwood, dystopie, arthur c. clark award, kommandanten

Der Report der Magd

Margaret Atwood , Helga Pfetsch
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 03.04.2017
ISBN 9783492311168
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(132)

276 Bibliotheken, 10 Leser, 1 Gruppe, 108 Rezensionen

smoke, rauch, london, fantasy, dan vyleta

Smoke

Dan Vyleta , Katrin Segerer
Flexibler Einband: 624 Seiten
Erschienen bei carl's books, 13.03.2017
ISBN 9783570585689
Genre: Fantasy

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(22)

31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

harmony bay, mystery, ivar leon menger, hörspiel, kleinstadt

Monster 1983 - Staffel 1

Ivar Leon Menger , Anette Strohmeyer , Raimon Weber
herunterladbare Audio-Datei
Erschienen bei Audible GmbH, 31.10.2015
ISBN B016DI8U72
Genre: Sonstiges

Rezension:

Sheriff Cody und seine beiden Kinder Amy und Michael wohnen erst seit kurzer Zeit in dem Städtchen Harmony Bay. Der Name ist hier Programm. Harmonie ist den Einwohnern wichtig. Schließlich kennt hier jeder jeden. Umso erschütternder sind daher die mysteriösen Todesfälle, die sich in letzter Zeit häufen. Und wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Regierungsbeamte in der Stadt auf, die auf der Suche nach einem russischen Spion sind, der während eines Gefangenentransports entkommen konnte. Wie gefährlich ist der Spion? Und wer ist der Mörder, der in Harmony Bay sein Unwesen treibt?

Harmony Bay klingt nach einem kleinen, idyllischen Küstenstädtchen mit einer malerischen Bucht. Ein Ort, an dem man entschleunigen kann vom Alltag, an dem man einfach mal abschaltet. Ein Ort, den man gern einmal über ein verlängertes Wochenende besucht, um Kraft zu tanken.
Die Bewohner sind freundlich und hilfsbereit, vielleicht etwas zu neugierig. Man interessiert sich füreinander und kümmert sich umeinander. Natürlich ist man auch hier nicht vor Klatsch gefeit.
Für Sheriff Cody scheint dieser Ort perfekt. Er ist erst kürzlich aus dem sonnigen Florida mit seinen beiden Kindern hierher gezogen. Nach einem Schicksalsschlag versucht die kleine Familie zur Ruhe zu kommen. Es soll ein Tapetenwechsel werden und gleichzeitig ein Neuanfang sein. Allerdings macht Deputy Landers ihm den Neustart nicht gerade leicht. Landers pflegte ein sehr gutes Verhältnis zu Codys Vorgänger, Sheriff Gibson, welches von gewissen Freiheiten und Privilegien geprägt war. Diese Freiheiten muss sich Landers bei Cody erst erarbeiten. Doch da Landers wohl selbst mit dem Posten des Sheriffs liebäugelte, stellt sich dies entsprechend schwierig dar. Immerhin schein Deputy Taylor Dunford für angenehme Abwechslung zu sorgen.
Sofern Sheriff Cody erwartete, ein einigermaßen ruhiges Leben in Harmony Bay führen zu können, so wird er schon sehr bald eines Besseren belehrt. Merkwürdige Todesfälle ereignen sich. Die Opfer werden allesamt auf die gleiche grausame Weise umgebracht. Vom Täter fehlt jede Spur. Als dann auch noch Regierungsbeamte in der Stadt auftauchen, die auf der Suche nach einem russischen Spion in Harmony Bay ihre Zelte aufschlagen, scheint der Bevölkerung gleich doppelte Gefahr zu drohen.

Ivar Leon Mengers entführt mit diesem Hörspiel, einer Eigenproduktion von audible, nicht nur an einen fernen Ort in Oregon, er entführt den Hörer auch in eine bereits weit entfernt erscheinende Zeit – ins Jahr 1983. Das damalige Lebensgefühl wird in meinen Augen recht gelungen eingefangen. Zudem bereichern viele verschiedene Charaktere dieses Hörspiel, wenn ich auch gestehen muss, dass mich die Menge der Protagonisten hin und wieder etwas überforderte. Nicht immer konnte ich jede Person sofort zuordnen, obwohl die einzelnen Sprecher hier ausnahmslos eine hervorragenden Arbeit geleistet haben. Manche Charaktere tauchen in der Geschichte einfach nicht so häufig auf, als das ich immer sofort eine Verbindung zu vorhergehenden Szenen herstellen konnte. Trotzdem wird Harmony Bay erst durch die Vielzahl an Protagonisten und die unterschiedlichen Orte, wie z. B. den Jahrmarkt oder das Diner, richtig lebendig. Jeder einzelne Einwohner verleiht dieser Stadt eine eigene Note, sei es die Hippiefamilie mit einem besonderen Hang zu grünen Pflanzen, der Kleinkriminelle mit einer stark ausgeprägten Vorliebe für schnelle Autos oder die besonders neugierige und aufdringliche Nachbarin.

Wer sich auf dieses durch und durch spannende Hörspiel einlässt, mag sich in gewisser Weise an die Fernsehserie Twin Peaks erinnert fühlen. Ich konnte durchaus Parallelen erkennen, wenn die Geschichte auch eine andere ist. In beiden gibt es ein Sägewerk, natürlich auch einen Sheriff, ein Diner, in dem so manche Besprechung stattfindet, Einwohner mit Geheimnissen und eine nicht unerhebliche Mysterykomponente. Insbesondere letzteres sollte dem interessierten Hörer bewusst sein, da es vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Wenn man jedoch bereit ist, sich darauf einzulassen, wird man mit allerlei Andeutungen und unterschiedlichen Handlungssträngen belohnt, die mit bösen Vorahnungen nur so spielen. Verschnaufpausen könnte man nach jeder Episode erhalten, denn derer gibt es in dieser ersten Staffel insgesamt zehn – jede steht für einen Tag. Allerdings endeten diese meistens derartig spannend, dass ich zumindest in die nächste Folge noch kurz reinhören musste. Denn scheinbar kontinuierlich geschieht Schreckliches und Unbegreifliches, das das Kleinstadtleben immer wieder erschüttert. Eine Gefahr, von der man nicht weiß, wo sie lauert und wen sie sich als nächsten holen wird. Klar scheint nur, dass man vor dieser dunklen buchstäblich Bedrohung nirgendwo sicher ist.

Das Ende von „Monster 1983“ mag auf den ersten Blick sehr frustrierent wirken. Es wirft mehr Fragen auf, als das es Antworten gibt. Glücklicherweise kann man gleich mit der 2. Staffel fortsetzen, in der Hoffnung, Licht ins Dunkle zu bringen. Ich habe mir damit allerdings einige Tage Zeit gelassen und meine eigenen Theorien entwickelt. Das ist auch ein ganz besonderer Pluspunkt dieses Hörspiels, dass man animiert wird, mitzurätseln.

„Monster 1983“ ist eine wirklich erstklassige Produktion von audible mit nicht wenigen nervenaufreibenden Momenten. Der Grusel geht direkt ins Ohr und unter die Haut. Ein Hörspiel, dass durch Szenenwechsel mühelos das eigene Kopfkino anwirft und die Theorienwerkstatt füttert. Ich habe durchgehend gebannt gelauscht und fühlte mich sehr gut unterhalten.

  (41)
Tags: hörspiele, mystery thriller   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(50)

65 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 43 Rezensionen

thriller, berlin, david gross, brandstiftung, martin krist

Brandstifter

Martin Krist
Flexibler Einband: 473 Seiten
Erschienen bei Independently published, 19.02.2017
ISBN 9781520648682
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(45)

78 Bibliotheken, 1 Leser, 3 Gruppen, 8 Rezensionen

überwachung, freiheit, terror, little brother, hacker

Little Brother

Cory Doctorow , Uwe-Michael Gutzschhahn
Flexibler Einband: 496 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.11.2011
ISBN 9783499257827
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(67)

84 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 49 Rezensionen

liebe, hochzeit, frankreich, film, kamera

Die Liebeserklärung

Jean-Philippe Blondel , Anne Braun
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Zsolnay, Paul, 30.01.2017
ISBN 9783552063334
Genre: Romane

Rezension:

Corentin, 27, Hochzeitsfilmer, lässt sich von einer Hochzeit zur nächsten treiben, doch eigentlich treibt er wohl auch ziellos durchs Leben. Die Liebeserklärung einer Braut  an ihren Bräutigam berührt Corentin tief und wirft ihn aus der Bahn. Etwas muss sich ändern. Wird Corentin am Ende gar selbst die Liebe finden?

Corentin, der eigentliche Mittelpunkt dieser Geschichte, bessert sein Gehalt als Hochzeitsfilmer in der Firma seines Patenonkels auf. Corentin ist attraktiv, das weibliche Geschlecht ist ihm sehr zugetan, doch irgendwie will es nicht klappen mit der Liebe und auch nicht mit der Lebensplanung. Der Druck, der innerlich und äußerlich auf ihm lastet, macht es nicht einfacher zu finden, was er sucht, zu definieren, was er will. Eine Liebeserklärung auf einer Hochzeit berührt und erschüttert Corentin unverhofft. Er findet neuen Mut für einen länger gehegten Trautm. Vielleicht findet er auch die Antwort darauf, was im Leben zählt.

"Das Leben beginnt." (S. 141)

"Die Liebeserklärung" ist mein zweiter Blondel. Wie bereits bei "This is not a love song" überzeugt mich Blondels leichter und klarer Schreibstil. Mit wenigen Worten und Sätzen zeichnet er die unterschiedlichsten Charaktere, die mit ihren jeweiligen Eigenarten keinen Mangel an Authentizität aufweisen. Jeder einzelne Protagonist wirkte auf mich überzeugend mit einer eigenen Geschichte. So erschafft Blondel vielfältige Stimmungen in ganzen Hochzeitsgesellschaften. Ich erhielt schnell ein Gespür für jeden einzelnen Hochzeitskosmos, war manchmal in gewisser Weise schockiert, manchmal ernüchtert. Ich amüsierte mich oder fühlte mich von Stimmungen oder Wahrheiten berührt.

Über diese Hochzeiten zu lesen, mich in diese einzufühlen war unterhaltsam. Bis zu einem gewissen Punkt. Leider hatte ich irgendwann das Gefühl, Hochzeits-Hopping zu betreiben. Eine Gesellschaft nach der anderen kennenzulernen, begann mich zu langweilen, da es mich nicht in Corentins Geschichte voran brachte. Zudem fehlten die erwähnten Vorzüge über die Greifbarkeit der Charaktere leider ausgerechnet bei ihm. Er war mir zu blass, hielt sich zu sehr im Hintergrund. Wenn die Unauffälligkeit auf Hochzeiten auch seine Aufgabe ist, fehlte mit das Herausarbeiten seiner inneren Einzigartigkeit. Er erschien mir konstant zu lethargisch, zu nüchtern, wenig greifbar. Ich entwickelte nicht viel Sympathie für ihn. Von allen beschriebenen Charakteren war er mir leider der entfernteste.

"Die Liebeserklärung" ist durchaus ein charmantes, kleines, 159 Seiten umfassendes  Büchlein, das leider ein nicht unbeträchtliches Stück hinter den Erwartungen, die ich an diesen Autor habe, zurückbleibt. Eine Lektüre für Zwischendurch mit Überraschungseffekt, der jedoch den Mangel an Tiefe bei Corentin nicht genügend überstrahlen kann. Ein nicht ganz so überzeugender Blondel.

  (21)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(220)

406 Bibliotheken, 5 Leser, 6 Gruppen, 37 Rezensionen

kunst, musik, künstler, leid, medien

Vincent

Joey Goebel , ,
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Diogenes, 27.03.2007
ISBN 9783257236477
Genre: Romane

Rezension:

Wie entsteht Kunst? Wie kann ein Künstler bei der Erschaffung von Kunstwerken unterstützt werden? New Renaissance, eine Akademie für angehende Künstler hat es sich auf die Fahnen geschreiben, den Quell der Inspiration des Künstlers nie versiegen zu lassen. Doch was bedeutet es für ein junges Talent namens Vincent, wenn New Renaissance das Leiden als die einzig wahre Inspiration identifiziert, die zu Höchstleistungen anspornt. Was bedeutet es, ein Pilotprojekt, eine Art Versuchskaninchen zu sein? Ist ein leidvolles und unglückliches Leben am Ende der Preis, den jeder Künstler zahlen muss?

Ein Zitat, von dem ich leider nicht mehr weiß, von wem es stammt, noch, wo ich es gelesen habe, beschreibt eines der Grundthemen dieses Buches in meinen Augen perfekt: „Es ist nicht das Talent, das Dichter erschafft, sondern die Verzweiflung und Einsamkeit.“ Damit Vincents Talent zu voller Blüte kommt, wird ihm ein Manager an die Seite gestellt. Harlan Eiffler lernt Vincent kennen, als dieser gerade einmal sieben Jahre alt ist. Schon in diesem jungen Alter schlummert so einiges in ihm, dass New Renaissance über die Jahre zu voller Entfaltung bringen möchte. Harlan entwickelt sich zu einer Art Konstante in Vincents nicht gerade einfachem Leben. Er ist ein Fixpunkt für Vincent, jemand auf dessen Ratschläge er Wert legt. Oft ist er jedoch schlecht beraten, wenn er auf Harlans Wort hört. Dieser ist schließlich der verlängerte Arm von New Renaissance. Eine Akademie, deren Ideengeber überzeugt davon sind, dass ein Künstler nur durch erfahrenes Leid und Unglück nachhaltige Kunst erschaffen kann. New Renaissance möchte die gleichförmige Unterhaltungsindustrie revolutionieren. Die Qualität der Unterhaltung soll wieder gesteigert, der Wiedererkennungswert und die Einzigartigkeit erreicht werden, die nötig sind, um die Ansprüche des Publikums zu heben.

Joey Goebel behandelt in diesem Buch eine wirklich interessante Thematik, die von unterschiedlichen Blickpunkten beleuchtet wird und zu der sich jeder Leser selbst eine Meinung bilden kann. So betrachtet er die Unterhaltungsindustrie und deren Qualität bzw. die Abwesenheit derselbigen z. B. aus dem Blickwinkel des anspruchsvolleren Konsumenten genauso wie die Erwartungen des Mainstreampublikums. Am interessantesten jedoch ist, (wir alle ahnen oder wissen es) vor Augen geführt zu bekommen, wie für die Macher oder Vermarkter der Unterhaltung am Ende nur der Gewinn zählt. Wie eigene Prinzipien verraten oder verlernt werden und Moral wohl eher ein Fremdwort ist.

"Ich weiß nicht, ob die verdummte Unterhaltung nach und nach dem kollektiven Intellekt unserer Nation geschadet hat oder ob die geistige Faulheit des Publikums zuerst da war und wir sie nur bedient haben." (S. 93)


Harlan jedenfalls soll dafür sorgen, dass Vincent möglichst nur außerordentliche Qualität abliefert, koste es, was es wolle. Und Harlan ist augenscheinlich der Richtige für diesen Job. Moral und Gewissen scheint er nicht zu kennen oder kann beides erfolgreich ausblenden. Die Gemeinheiten steigern sich allmählich und der Satz, den er Vincent gegenüber bei ihrem Kennenlernen äußerte:

"Du wirst niemals glücklich sein." (S. 23)

ist mehr als ein Versprechen. Es ist der Pfad, der Vincent vorherbestimmt scheint. Trotzdem hat Goebel die Beziehung zwischen Vincent und Harlan keinesfalls eindimensional angelegt. Ich war des Öfteren hin- und hergerissen über Harlans Motive, seine Person, ob ihm nun doch etwas an Vincent liegt oder er ihn tatsächlich nur als Job sieht. Die Entwicklung der beiden war spannend und schockierend.

Mit allerlei abartigen und zerstörerischen Praktiken wartet dies Buch auf. Andeutungen, die der Zukunft vorgreifen, sorgten dafür, dass ich mich vor dem Weiterlesen fürchtete. Immer wieder hatte ich dunkle Vorahnungen, von denen ich hoffte, dass sie sich nicht erfüllten. Gleichzeitig trieb Goebel mich durch seinen intensiven Stil zum Weiterlesen an. Trotzdem oder gerade deshalb musste ich gelegentlich unterbrechen, abgeschlossene Abschnitte und Kapitel musste ich auf mich wirken lassen. Ich wollte erst über das Gelesene nachdenken, denn in diesem Buch findet sich genug, worüber es nachzudenken gilt. Angefangen beim eigenen Konsumverhalten, der Medienlandschaft, der Geldgier, der modernen Sklaverei bis hin zu Manipulation, Entmenschlichung, enormer Skurpellosigkeit, der Abwesenheit von Moral, dem Unvermögen Empathie zu empfinden und und und…

Goebels Schreibstil ist nüchtern und distanziert. Dadurch wird nur selten die Grenze des Unerträglichen überschritten. Trotzdem mindert es nicht die eigene Betroffenheit. Er schafft hier einen wirklich gelungenen Spagat, um den Leser nicht zu verschrecken.

„Vincent“ ist ein außergewöhnliches Buch mit moralischer Fragestellung, intelligent in Szene gesetzt, mit einem hohen Unterhaltungs- und Mehrwert. Ich bin froh, diesen Roman im Zuge des Diogenes Buchclubs kennengelernt zu haben. Gerne mehr davon

  (36)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(17)

29 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 12 Rezensionen

wölfe, england, beidenwölfen, neuerscheinung, liebeslebe

Bei den Wölfen

Sarah Hall , Nikolaus Stingl
Fester Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Knaus, 26.09.2016
ISBN 9783813506792
Genre: Romane

Rezension:

Wölfe in England – das ist der Traum von Thomas Pennington. Als wohlhabender Lord mit den entsprechenden Ressourcen möchte er sich diesen Wünsch erfüllen. Niemand geringeres als Rachel Caine hat er dafür auserkoren. Eine Expertin auf dem Gebiet der Wölfe, deren Lebensinhalt die Wiederansiedlung dieser Tiere in einem Indianerreservat ist. Eigentlich sieht sie keinen Vorteil in Penningtons Anliegen und möchte dessen großzügiges Angebot ablehnen. Doch unvorhergesehene Änderungen ihrer Lebensumstände führen dazu, dass sie sich schließlich auf den Weg in ihre alte Heimat macht, in der so vieles sie an Zeiten erinnert, die längst vergangen sind und die dann so plötzlich wieder so nah erscheinen. Können alte Wunden heilen?

Ein interessantes Thema hat Sarah Hall für ihr Buch „Bei den Wölfen“ erwählt. Kontrovers diskutiert scheinen Wölfe die Meinungen stets in zwei Lager zu spalten. Fasziniert scheint der Mensch seit jeher von ihnen. Wölfe werden geliebt oder gehasst. Rachel Caine jedenfalls, eine angesehene Wolfsexpertin, liebt sie. Wölfe sind ihr Lebensinhalt. Sie liebt es, tage- und nächtelang ihren Routen zu folgen, sie aufzuspüren und in versteckter Stille zu beobachten. Die Begeisterung, die Rachel für diese Tiere empfindet, wird während des gesamten Buches sehr gut transportiert. Die kleinen Exkurse in die Welt der Wölfe habe ich sehr genossen. Sie waren durchweg interessant. Beschreibungen von der Natur dieser Tiere wirkten nie langweilig. Gern hätten diese einen noch viel größeren Teil im Buch einnehmen können. So, wie es der Titel eigentlich erwarten ließ. Leider wurden die Wölfe eher zur Nebensache in Anbetracht der Ausführungen zu Rachels Vergangenheit und ihren Eigenarten.

Natürlich ist es wichtig, Einblicke in allerlei Details aus Rachels Leben zu erhalten. Nur so kann eine Person angemessen gezeichnet werden. Eindeutig ist diese auch als eine Art einsame Wölfin zu bezeichnen, die in ihrer Arbeit aufgeht, deren Arbeit ihre Berufung ist. Professionell und sicher bewegt sie sich in diesem Terrain. Doch so klar, wie ich sie als Wolfsexpertin vor mir sah, so wenig greifbar war sie mir als Privatperson. Ich könnte sie als eigen bezeichnen, als wenig geschickt im sozialen Umgang, sowohl in Bezug auf Familie als auch in Bezug auf Dritte. Eine starke Frau mit Ecken und Kanten ist sie zweifelsohne. Trotzdem war ihr Charakter mir zu oberflächlich gezeichnet. Ich wurde nicht „warm“ mit ihr und vermisste die Wärme in ihr, die Verbindung, die ich zu ihr finden wollte. Distanziert und größtenteils emotionslos beobachtete ich ihren Weg. Ich fühlte mich von der Autorin leider nicht ausreichend mitgenommen.

Zudem fiel es mir schwer, mich auf Sarah Halls Schreibstil einzulassen. Mehr als 100 Seiten lang hatte ich oft das Gefühl, eine Aneinanderreihung von Beobachtungen, Umgebungsbeschreibungen, Erinnerungen und Gedanken zu lesen. Gemischt wurde das ganze mit politischen Ansichten verschiedener Protagonisten, politischen Entwicklungen und Rachels Einstellung zu körperlichen Bindungen und Bedürfnissen. Lange vermisste ich den richtigen Lesefluss. Die Erzählweise war mir schlicht zu kühl, zu distanziert.  Ich haderte lange mit diesem Buch. Es wurde zwar besser mit der Zeit, doch das Buch entpuppte sich leider trotzdem nicht als schöner Schmetterling. Auch die Handlung kam nur langsam voran, ein Lesesog blieb aus. Viele Andeutungen um die frühere Beziehung zu ihrem Bruder, deren Nachwirkungen die Gegenwart nachhaltig beeinflussten, verliefen sich im Sande. Es wurde wenig Konkretes eingebracht. Klar war nur, dass sich beide erst wieder aneinander annähern mussten, dass wohl jeder in der Vergangenheit andere Erwartungen an den jeweils anderen hatte, die keiner von beiden erfüllen konnte. Und das die Mutter, die beide gemeinsam hatten, alles andere als der Kitt in ihrer Beziehung war. Die ein oder andere Turbulenz brachte etwas mehr Würze in die gesamte Handlung, allerdings nicht genug, als dass sie mich hätte fesseln können.

Zu Gute halten muss man Sarah Hall allerdings, dass sie ein ausgesprochenes Talent dafür besitz, Landschaften und Stimmungen der Natur egal in welcher Wetterlage ausgesprochen bildhaft zu beschreiben. Es gelingt ihr, diese so perfekt zu schildern, dass ich genau wusste, wie sich ein bestimmter Morgen anfühlen würde, ich glaubte mich selbst in diesem einen Fleckchen Erde zu sehen und alles wahrnehmen zu können, was vorging.

Erst auf den ungefähr letzten 80 Seiten entwickelte sich eine Art Spannung, die jedoch den gesamten vorangegangenen Teil leider nicht aufwiegen kann. Die unrunde Erzählweise, die fehldenden Übergänge und die kühle Distanziertheit der Hauptprotagonistin übertrug sich leider zu stark auf mich. Ich fühlte mich nicht betroffen oder involviert. Die interessanten Aspekte der Arbeit mit und für Wölfe kamen zu kurz. Das Vergnügen beim Lesen blieb leider aus.

Ich danke Randomhouse und dem Knausverlag für dieses Rezensionsexemplar.

  (41)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(902)

1.397 Bibliotheken, 6 Leser, 7 Gruppen, 130 Rezensionen

liebe, e-mail, email, freundschaft, e-mails

Gut gegen Nordwind

Daniel Glattauer
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 30.04.2012
ISBN 9783442478019
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(19)

51 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

finanzkrise, non-profit-organisation, familie, heyne verlag, kampf gegen kohlemagnaten

Anklage

John Grisham , Kristiana Dorn-Ruhl , Bea Reiter , Imke Walsh-Araya
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei Heyne, 11.07.2016
ISBN 9783453438422
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Samantha Kofer ist eine junge, erfolgreiche und ehrgeizige Anwältin in einer Großkanzlei. Doch der berufliche Aufstieg wird jäh durch die Finanzkrise gestoppt. Plötzlich ist sie eine der vielen Anwälte, die ohne Job dastehen und sich neu orientieren müssen. Sofern Samantha sich jedoch bereit erklärt, als Praktikantin ehrenamtlich für eine gemeinnützige Organisation zu arbeiten, könnte sie ihre bisherige Anstellung nach einer gewissen Zeit zurück bekommen. In Ermangelung an Alternativen willigt Samantha ein und zieht von New York in die Provinz. Dort müssen kleine Leute gegen große Probleme und um ihr Recht kämpfen. Und plötzlich sieht sich auch Samantha mit ungeahnten Widrigkeiten konfrontiert.

Von John Grishams „Anklage“ erwartete ich mir etwas in der Richtung wie Erin Brokovitch. Natürlich mit gewissen Unterschieden. So zeichnet sich Samantha dadurch aus, dass sie Rechtsanwältin ist. Doch ich erhoffte mir, dass den „einfachen“ Menschen, denen Ungerechtigkeit widerfährt, geholfen wird und eine Großklage illegale Machenschaften aufdeckt. Großklagen sind durchaus Thema in diesem Buch. Und trotzdem war dieses Buch ganz anders. Doch von vorn: Nachdem Samantha gefeuert wurde, nimmt sie den ihr angebotenen Deal an. Jedoch gestaltet sich die Suche nach einer geeigneten Praktikumsstelle schwieriger als gedacht. Die Flut der freigesetzten Anwälte beschert Samantha einige ungewohnte Absagen. Nach einigen Misserfolgen erhält sie immerhin die Chance auf ein Vorstellungsgespräch in einer Kleinstadt in den Appalachen. Aus Neugier und vielleicht auch, weil sie nichts Besseres zu tun hat, fährt sie hin, mit nicht unerheblichen Zweifeln im Gepäck.

"Und was würde sie in Brady, Virginia, vorfinden, was so spannend wäre, dass sie ein gesamtes Jahr dort verbringen wollte? Die Antwort lautete: nichts." (S. 50)

Doch Samantha bleibt schließlich. Die zu bearbeitenden Fälle zeichnen sich durch eine thematische Vielfalt aus, die sie bisher nicht gekannt hat. Da in den Appalachen Kohleabbau eine große Angelegenheit ist, wird sie auch bald mit allerlei schmutzigen Machenschaften konfrontiert. Diese aufzudecken und dagegen anzukämpfen hat sich ein ortsansässiger junger Anwalt auf die Fahnen geschrieben. Samanthas Aufenthalt entwickelt sich schnell turbulenter und abwechslungsreicher als gedacht. Und dann auch wieder nicht.

„Anklage“ ist eines der Bücher, die sich leicht und flüssig lesen lassen. Die Informationen, die ich zum Kohleabbau erhielt, waren durchaus nicht uninteressant. Allerdings verfügt das Buch auch über nicht unerhebliche Strecken. Inhaltlich ist zwar recht viel los, da unterschiedliche Themenbereiche behandelt werden. Trotzdem war mir alles zu wenig, denn ich fragte mich schnell, worauf das alles hinauslaufen sollte. Zwar hatte ich eine Vorstellung davon, in welche Richtung es gehen sollte. Allerdings wurden erzählerisch zu viele Haken geschlagen, sodass ich nie das Ziel erreichte, von dem ich glaubte, dass es erreicht werden sollte. Schade, dass die Geschichte in den Startlöchern hängen blieb. Denn eigentlich wäre viel mehr drin gewesen. Stattdessen war die Phase der Selbstfindung und Neuorientierung von Samantha recht vordergründig. Sie wusste immer genau, was sie alles nicht wollte. Leider korrelierte das nicht mit den Vorstellung, die ich hatte bezüglich dem, was ich als Leserin wollte. Jedes Mal, wenn sich ein gewisser Spannungbogen entwickelt hatte und ich guter Dinge war, dass es nun endlich richtig losging, wurde ich enttäuscht. Da ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass ich mit der Figur Samantha nicht richtig warm wurde. Sie erschien mir oft zu unterkühlt und unnahbar, zu wenig empathisch. Obwohl sie eine Fremde in dem kleinen Örtchen und der neuen Arbeitsstätte war, wurde ihr ohne Weiteres großes Vertrauen entgegen gebracht. Für mich recht unverständlich. Und natürlich durfte auch die ein oder ander amouröse Entwicklung nicht fehlen.

In „Anklage“ werden zu viele Fälle beleuchtet. Hin und wieder verwirrten mich diese. Weniger wäre hier sicherlich mehr gewesen. Eine Fokussierung auf ein bestimmtes Thema hätte diesem Buch gut zu Gesicht gestanden. So aber blieb mein erster Grisham weit hinter den Erwartungen zurück. Die Assoziationen, die mit dem Titel Anklage bei mir geweckt wurden, konnten den Entwicklungen nicht standhalten. Trotzdem gut geschrieben und flüssig zu lesen. Leider fehlt das gewisse Etwas.

  (14)
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(28)

55 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

hogarth shakespeare, shakespeare, jeanette winterson, der weite raum der zeit, das wintermärchen

Der weite Raum der Zeit

Jeanette Winterson , Sabine Schwenk
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Knaus, 11.04.2016
ISBN 9783813506730
Genre: Romane

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(69)

129 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 49 Rezensionen

thriller, berlin, martin krist, spannung, kannibalismus

Märchenwald

Martin Krist
Flexibler Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783548287645
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:  
Tags:  
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(77)

108 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 72 Rezensionen

italien, insel, familiengeschichte, sizilien, roman

Die langen Tage von Castellamare

Catherine Banner , Marion Balkenhol
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei List Verlag, 12.08.2016
ISBN 9783471351307
Genre: Romane

Rezension:

Im Laufe eines mehr oder weniger bewegten Lebens verschlägt es den Arzt Amedeo auf eine kleine beschauliche Insel namens Castellamare. Schnell fühlt er sich auf dieser Insel zum ersten Mal in seinem Leben richtig zuhause. Genauso schnell schließt er die Bewohner in sein Herz. Allerdings erschüttert nach einiger Zeit ein Skandal das Inselleben. Es werden, so sagen die Insulaner, Zwillinge in einer Nacht geboren, allerdings von zwei verschiedenen Müttern und Amedeo gilt als Vater der beiden Kinder. Als Arzt kann Amedeo bald darauf nicht mehr praktizieren. Da er jedoch unter keinen Umständen seine neue Heimat verlassen will, eröffnet er mit seiner Frau Pina ein Café. Ein Ort, an dem sich Menschen versammeln und die allerlei zu erzählen haben - über das Leben und über die Legenden der Insel.

Die Inhaltsangabe von "Die langen Tage von Castellamare" klang für mich spannend. Amedeo als Geschichtensammler würde im Lauf der Zeit sicherlich so manches Unerhörte und Wundersame erfahren. Denn Geschichten haben die Menschen immer zu erzählen. Gleichzeitig war ich hin- und hergerissen, ob ich diesen Amedeo denn nun sympathisch finden könnte oder nicht. Schließlich verriet die Inhaltsangabe bereits, dass er Frau und Geliebte hatte. Der Beginn des Buches zeigte Amedeo dann auch von einer kühlen und abweisenden Seite. Ich mochte ihn nicht - nur um bald darauf meine Meinung wieder zu revidieren. Denn jeder Mensch hat seine eigene Geschichte und so auch Amedeo.

Das Buch ist in fünf unterschiedliche Zeitabschnitte unterteilt, von 1914 bis 2009. Viel Zeit, in der viel geschehen kann auf Castellamare. Jeder einzelne Zeitabschnitt beginnt mit einer Geschichte oder Sage, die bereits den ein oder anderen Hinweis auf die kommenden Geschehnisse liefert und gleichzeitig ein rundes Bild ergibt.
Amedeo, kommt als Fremder auf die Insel. Und doch gelingt es ihm, immer tiefer in das Leben dort einzutauchen und intensiv zu leben. Eigentlich scheint Castellamare fern der Welt, Nachrichten treffen verspätet ein und doch ist es genau der Ort, der Amedeo ein Leben lang gefehlt hat.

"Die Insel war in seinen Augen wie ein abgetrenntes Land, nicht Teil des Italiens, in dem er seine einsame Jugend verbracht hatte." S. 49f

Catherine Banner gelang es mühelos, auch mich in das Inselleben eintauchen zu lassen, die Eigenarten der Menschen, ihre besondere Lebensweise und die heiße sizilianische Sonne wahrzunehmen und in gewisser Weise zu schätzen. Castellamare erschien mir wie ein Fleckchen Erde, an dem man Urlaub machen könnte, vom Alltag abschalten und zu entschleunigen. Auch wenn viele Insulaner wohl den Traum hegten, von der Insel wegzukommen und nie wieder einen Fuß auf diese zu setzen, so schien es mir erstrebenswert, über dieselbige zu wandeln. Der Autorin ist es mit Leichtigkeit gelungen, dass ich Castellamare durch Amedeos Augen sah.

Natürlich entwickelt sich auch das Leben an diesem kleinen Ort weiter, so wie sich die Welt weiterentwickelt. Trotz des verursachten Skandals gelang es Amedeo, an diesem gefundenen Glück festzuhalten. Er gründet eine Familie, die den Irrungen und Wirrungen des Lebens trotzt. Obwohl Amedeo und Pina "meine Zeit auf Castellamare" lange begleiteten, rückten bald andere Protagonisten in den Fordergrund. Schnell wird klar, dass die eigentlichen Helden die weiblichen Familienmitglieder der Espositos sind und vieles für sie oder wegen ihnen geschieht. Zeiten der Freude, werden von Zeiten der Trauer oder von Zukunftsängsten abgelöst. Wahrscheinlich erschien mir das Buch daher so authentisch, weil es aus dem Leben gegriffen schien, weil es Schicksale beinhaltet, die so oder so ähnlich vielen geschehen sein könnten. Doch Castellamare wäre nicht Castellamare, wenn es nicht gleichzeitig ein Ort der Wunder wäre, die hin und wieder dem Leben eine Wendung versetzen.

All diese "Zutaten" machen dieses Buch zu einem lesenswerten Kleinod. Nur zwei Dinge störten mich etwas beim Lesevergnügen. Mir fiel es mitunter schwer, den Protagonisten wenigstens ihr ungefähres Alter zuzuordnen. Durch die großen Zeitspannen verlor ich hier viel zu oft den Überblick, gerade weil das Alter nur sporadisch erwähnt wurde, nur um im nächsten Moment schon wieder hinfällig zu sein. Zweitens: wenn Personen die Insel verließen, dann kehrten sie nicht wieder zurück. Sie besuchten die Familie nicht und wurden von ihr nicht in der Ferne besucht. Egal ob zu Hochzeiten, Geburten oder Todesfällen. Eigentlich vermittelte mir das Buch, dass Wert auf die Familienbande gelegt wird. Hier galt jedoch eher das Motto: aus dem Augen aus dem Sinn. Angemessenen Kontakt über Briefe oder Telefon zu halten, erschien mir unpassend. Davon abgesehen eine tolle Familiensage mit italienischem Flair!


  (29)
Tags: familiensaga, italien, krieg, sizilien   (4)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(68)

91 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 55 Rezensionen

england, glaube, andrew michael hurley, fanatismus, roman

Loney

Andrew Michael Hurley , Yasemin Dincer
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 09.09.2016
ISBN 9783550081378
Genre: Romane

Rezension:  
Tags: glaube, pilgerreise   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(179)

250 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 163 Rezensionen

thriller, familie, jenny milchman, night falls, mord

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken

Jenny Milchman , Marie Rahn
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 15.07.2016
ISBN 9783548287553
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Ein traumhaftes Haus mitten in der Natur ohne direkte Nachbarn macht das Leben von Sandy und ihrer Familie perfekt. Wie jede normale Familie kämpfen sie mit normalen Problemen. Bis an einem Winterabend plötzlich zwei Fremde in Sandys Haus erscheinen und den Traum in einen Alptraum verwandeln, Angst und Schrecken verbreiten und eine Schneise der Verwüstung schlagen. Einen der Männer kennt Sandy jedoch. Dabei hat sie doch bisher alles dafür getan, ihn zu vergessen, um ihre Familie zu schützen.

Der Beginn des Buches fiel erwartungsgemäß interessant aus. Zunächst laufen zwei Erzählstränge parallel, in welche ich gut eintauchen konnte. Die Idylle und Ruhe des Traumhauses von Sandy und ihres Mannes Ben sowie deren Familienleben wurden genauso gut beschrieben wie die Szenen um die beiden Sträflinge Nick und Harlan. Nick kann als Kopf der beiden bezeichnet werden und Harlan als die ausführende Gewalt mit bemitleidenswerten bis hin zu sympathischen Tendenzen. Das ungleiche Duo bricht zu günstiger Gelegenheit aus dem Gefängnis aus. Kurz nachdem sie den Duft der Freiheit gerochen haben, lassen sie keinen Zweifel daran, dass sie diese behalten wollen. Und dazu ist insbesondere Nick jedes Mittel recht, das er mit aller ihm zur Verfügung stehenden Skrupellosigkeit auch durchzusetzen weiß. Mit dem Eindringen in Sandys und Bens Haus prallen diese beiden Erzählstränge dann aufeinander. Keinesfalls ist ihr Zusammentreffen als zufällig zu bezeichnen, denn das Harlan und Nick einen Zwischenstopp bei ihnen einlegen, ist auf Nicks Planung zurückzuführen. Brutal wird Ben außer Gefecht gesetzt und Sandy und ihre Tochter Yvi werden als Geiseln genommen. Diese sind fortan der Kaltblütigkeit und Unberechenbarkeit von Nick ausgesetzt. Als ein Schneesturm die Häftlinge am Weiterziehen hindert, scheint der Horror kein Ende zu nehmen.

"Sandy hatte ihr halbes Leben vor ihm geheim gehalten, nicht bewusst, sondern weil ihre Vergangenheit niemals in Berührung mit ihrer Gegenwart kommen durfte." S. 265

Sandy ist wie erstarrt, kennt sie doch Nick aus einem früheren Leben. Es wird eine zweite Zeitebene eingebaut, die Einblicke in die Vergangenheit gewährt. Dies ermöglicht es dem Leser bereits sehr früh zu durchschauen, woher Nick und Sandy einander bekannt sind. Diesbezüglich sind somit im Folgenden leider keine großen Überraschungen mehr zu erwarten. Vielmehr führt Sandys Starre dazu, dass sie überwiegend auf die Geschehnisse um sie herum reagiert. Hier hätte ich mir eindeutig mehr Aktion gewünscht. Die wenigen Gelegenheit, die sich ergaben, um auf die Geiselnahme aufmerksam zu machen, waren durchaus mit Spannung unterlegt. Spannend insbesondere dahingehend, ob es einem oder mehreren Familienmitgliedern gelingen könnte, sich aus den Fängen der Geiselnehmer zu befreien und Hilfe zu holen.

Für zusätzliche Spannung wollte Milchman sorgen, als endlich die Katze aus dem Sack war in Bezug auf Sandys Vergangenheit. Bei Yvi löste diese Offenbarung eine ablehnende Haltung ihrer Mutter gegenüber aus, die sie auch offen zeigte. In gewisser Weise nachvollziehbar, doch in Anbetracht der, gelinde gesagt, misslichen Situation unangebracht und für mich enervierend. Der Überlebensinstinkt hätte hier stärker sein müssen als beleidigtes Teenagergehabe. Die wenigen Gelegenheiten, zu denen Sandy und Yvi unbeobachtet waren, wurden u. a. aus dieser konfliktträchtigen Situation heraus, zu wenig genutzt, um den Geiselnehmern zu entkommen. Gegen Ende entspann sich zudem noch, gemessen an der drohenden Gefahr quasi direkt vor der Tür, ein zu langwieriger Dialog über die ausweglose Situation, über die Mutter-Tochter-Beziehung und über die vielleicht letzte Chance, dieser Hölle zu entkommen.

Unterm Strich ist „Night Falls“ ein durchaus spannender Thriller, wenn auch nicht „der aufregendste“. Für meinen Geschmack hat er jedoch zu viele Längen und erscheint an der ein oder anderen Stelle zu unplausibel. Zudem nahm ich die kaltblütige Boshaftigkeit von Nick insgesamt zu wenig wahr. Statt der eigentlichen Unberechenbarkeit fand ich zu viel Vorhersehbares bei ihm. Streckenweise erschien er fast zu nett. Schockierende Überraschungsmomente seinerseits fand ich zu wenige. Sandy dagegen war mir zu passiv. Gemäß ihrer Profession hätte ich mir einen psychologischen Meisterkniff gewünscht, der einen spektakulären Wendepunkt eingeläutet hätte.

„Night Falls“ startete für mich vielversprechend. Leider ging dem Buch zu schnell die Puste aus. Auch lässt es mich mit der ein oder anderen unbeantworteten Frage zurück und reiht sich in die Kategorie der Bücher ein, an die ich hohe Erwartungen hatte, denen es zu wenig gerecht wurde.

  (23)
Tags: geiseln, sträflinge, thriller   (3)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(1.867)

3.023 Bibliotheken, 44 Leser, 3 Gruppen, 306 Rezensionen

obsidian, liebe, fantasy, lux, aliens

Obsidian - Schattendunkel

Jennifer L. Armentrout , Anja Malich
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Carlsen, 29.04.2016
ISBN 9783551315199
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
Tags: fantasieroman, jugenbuch   (2)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(35)

49 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 30 Rezensionen

helden, liebe, coming of age, edel und electric, roman

Wir waren keine Helden

Candy Bukowski
E-Buch Text: 236 Seiten
Erschienen bei edel & electric, 01.07.2016
ISBN 9783960290063
Genre: Romane

Rezension:

Candy wohnte in den 80ern am Arsch der Welt. Und in einem ist sie sich ganz sicher: sie wird den Arsch der Welt verlassen. Denn an diesem Ort findet nicht das Leben statt. Hier ist alles gleichförmig, eintönig, austauschbar und festgefahren. Das Leben, das sie führen will, wird bunt und schillernd. Oder etwa nicht?

Vorab: über die Handlung dieses Romans möchte ich eigentlich gar nicht so viel verraten. Es ist ein Buch über Glück und Leid, über die Liebe, über das Scheitern und die großen und kleinen Erfolge und über das Laut- und Leisesein. Es beginnt bei einem Mädchen zur besten Teenagerzeit. Doch den Löwenanteil nimmt das Erwachsensein in Anspruch, das ich mit immer wacherem und wachsendem Interesse verfolgt habe.

"Und das wir dieses Leben niemals zur flachatmenden Existenz der Alten verrotten lassen würden."

Dieses Gefühl und die Träume, die insgeheim jeder teilt, fängt Candy Bukowksi gekonnt ein, werden durch dieses Buch noch einmal oder wieder erlebbar. Die Überzeugung, unsterblich zu sein und ewig jung, da man sich nichts anderes vorstellen kann, weil man doch noch so viel Zeit hat. Und das Leben, das in den Adern pulsiert, auf wunderbare und intensive Weise nachfühlen zu können.

Zugegebenermaßen war ich sogleich fasziniert von diesem Buch. Von der kraftvollen, manchmal wilden, manchmal zynischen Sprache. Vieles las ich mehrfach. Entweder, da so viel Wahrheit in den Sätzen lag, dass ich es noch einmal lesen wollte. Anderes erschloss sich mir erst nach wiederholtem Lesen, da sich die Wahrheit oft in Schachtelsätzen versteckte und ich nichts davon verpassen wollte. Ich hoffe, dass mir das Herausfiltern des kleinsten Wahrheitsfunkens in all seiner Bedeutung gut gelungen ist. Ich habe nicht das Gefühl, etwas Wesentliches verpasst zu haben. Trotzdem bin ich überzeugt, dass ich, wenn ich das Buch zum zweiten, dritten oder vierten Mal lesen würde, immer wieder Neues, Bewegendes und Berührendes entdecken würde.

Candys Hunger nach dem Leben war immer spürbar. Auch wenn sie schnell erkennen musste, wie leicht es ist, im Alltäglichen und Banalen festzustecken. Doch jede Erkenntnis kann einen Wendepunkt bringen, wenn man es nur will. Im Banalen das Besondere finden, das ist die Kunst. Es sind die Augenblicke und Emotionen mit besonderen Menschen, die es zu konservieren gilt.  Da uns eben leider doch keine Unsterblichkeit gegeben ist. Das alles viel zu schnell und unverhofft vorbei sein kann.

"Die Begegnung mit unserem wahren Ich und dem Begreifen, dass die Idee der Unsterblichkeit eine junge, wilde Wunschvorstellung war, die macht nicht entspannter."

Candy Bukowski ist ein tolles Buch gelungen, das sich immer weiter steigerte. Dieser Debütroman steckt voller Metaphern, voller Bilder, voller Gefühle – Glück, Leid und dem Vielen dazwischen – oft direkt aus der Seele, aus dem Herzen gesprochen. Über weite Strecken immer wieder sehr poetisch ohne schmalzig zu sein. Manchmal hart, zu hart, mit Ecken und Kanten, an denen man sich aufreiben kann. Für mich persönlich insbesondere ab Kapitel neun immer so gut, dass das nächste Kapitel unbedingt gelesen werden muss. Danach ist aber dann wirklich Schluss für heute… oder danach… oder..

Die Helden, die Candy Bukowkski mit vielen Facetten schildert, die doch eigentlich keine waren, sind für mich eben doch Helden. Allesamt Typen, allesamt besonders. Fast jeden davon hätte ich selbst gern in meinem Leben. Um der Freundschaft Willen. Um der besonderen Momente Willen. Weil sie verstehen, zu leben.

Ich frage mich, wieviel Candy steckt in Candy? Kann man dieses Leben so perfekt zeichnen? Ich habe das Gefühl, von einer realen Person ein Stück Geschichte erfahren zu haben. Und bin dankbar für dieses intensive und inspirierende Leseerlebnis, dem ich immer noch nachhänge. Unbedingte Leseempfehlung!

  (37)
Tags: coming of age   (1)
 

LOVELYBOOKS-Statistik

(210)

368 Bibliotheken, 9 Leser, 0 Gruppen, 137 Rezensionen

vergewaltigung, thriller, manipulation, wendy walker, therapie

Dark Memories - Nichts ist je vergessen

Wendy Walker , Verena Kilchling
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 23.06.2016
ISBN 9783651025424
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Jenny erlebte Schreckliches in dieser einen Nacht, in der sie eigentlich mit Freunden ausgelassen feiern wollte. An das, was ihr widerfahren ist, kann sie sich jedoch nicht mehr erinnern, da ihre Erinnerung medikamentös ausgelöscht wurde. Die wenigen vorhandenen Spuren führen zu keinem Ergebnis. Kann der Täter trotzdem gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden?

Das, was Jenny passiert ist, wird gleich zu Beginn sehr beklemmend und auch verstörend beschrieben. Diese erlebbare Intensität zeichnete ein sehr erschreckendes Bild. Ich war zutiefst abgestoßen von der Tat und empfand zugleich unendliches Mitleid mit Jenny.

Wenngleich während der ersten Kapitel noch nicht klar war, aus welcher Perspektive von den Geschehnissen berichtet wird, war dies der Atmosphäre nicht abträglich. Im weiteren Verlauf bis zur Aufklärung, wer zum Leser spricht, empfand ich diesen Aspekt sogar als recht interessant.

Das Löschen von Jennys Erinnerungen - die Entscheidung hierzu traf ihre Mutter Charlotte - an die traumatischen Geschehnisse der Tatnacht war ursprünglich als Segen gedacht. Entwickelte sich nach und nach für Jenny allerdings zum Fluch. Jenny weiß durch Erzählungen und Berichte, was mit ihr geschehen ist, kann es aber nicht als Teil ihres Schicksals annehmen, da sie keine persönliche bzw. aktive Erinnerung daran hat, die sie an die Oberfläche befördern könnte. Trotzdem hat sich mit ihr, in ihr, etwas verändert. Ihr Leben ist nicht mehr, wie es war. Die Unbeschwertheit ist verschwunden und hat einer tiefen Traurigkeit und Unverständnis Platz gemacht.

Auch das Familienleben ist anders geworden. Jennys Vater, Tom, war eigentlich nicht mit Charlottes Entscheidung über die medikamentöse Behandlung einverstanden. Seiner Frau gegenüber konnte er sich allerdings nicht durchsetzen. Für die Veränderung, die mit Jenny vor sich geht, macht er seine Frau verantwortlich. Gleichzeitig beobachtet er seine Tochter mit Argusaugen, was dieser natürlich nicht entgeht und sie zusätzlich belastet. Die Beleuchtung beider Sichtweisen der Elternteile konnte ich bis zu gewissen Punkten durchaus nachvollziehen, fühlte mich aber Toms Ansatz näher als dem von Charlotte.

Bis dahin empfand ich dieses Buch als recht fesselnd. Da es duch das mitgelieferte Lesezeichen als "Thriller des Jahres" beworben wurde, waren die Erwartungen daran natürlich auch sehr hoch. Doch je mehr ich in die Geschichte vordrang, desto weniger war ich davon überzeugt, dass es sich überhaupt um einen Thriller handelt.

Um Jennys Erinnerungen zu reaktivieren, so es denn solche überhaupt gab, sollte sie sich in Therapie bei Alan Forrester begeben. Ziel sollte sein, dass Jenny ihr Schicksal annehmen und verarbeiten könnte und sie damit in die Lage zu versetzen, wieder ein normales Leben zu führen. Wer nun allerdings erwartet, den Therapiesitzungen "beizuwohnen" ähnlich wie bei Remember Mia, der wird enttäuscht. Stattdessen erging sich Forrester in allerlei relevanten und irrelevanten Details der Geschichte. Mehr erfuhr ich über die Therapiesitzungen von Charlotte und Tom, über deren Vergangenheit und warum sie nun mal so sind wie sie sind und was das mit ihrem Eheproblem zu tun hat. Außerdem war die überlegene Intelligenz von Forrester seiner Frau gegenüber Thema und auch sein Sohn scheint nicht so "helle" wie er. Bloß gut, dass er seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten auch ganz ehrenwert ehrenamtlich einzusetzen weiß.

Neben dieser Antipathie dem Therapeuten gegenüber gefielen mir auch immer weniger die zeitlichen Sprünge. An sich ist dies nichts Negatives. Doch gegen Ende stiftete es (vielleicht gewollt?), eher Verwirrung, die ich als anstrengend empfand. Auch Andeutungen und kleine Vorausblicke, die im nächsten Moment als voreilige Vorgriffe deklariert wurden, trafen nicht meinen Geschmack. Denn Spannung, wie es sich für den Thriller des Jahres gehören würde, suchte ich dadurch vergeblich.

Insgesamt empfand ich die psychologischen Erläuterungen zwar als nicht uninteressant. Im Gegenteil, sie wurden gut verständlich ausgeführt. Doch fehlte mir die erwartete Ermittlungsarbeit und entsprechende Momente des Nervenkitzels. Meine Vorstellungen und Erwartungen konnte "Nichts ist je vergessen" allerdings nicht erfüllen. Wenige gute und spannende Kapitel machen eben leider keinen Thriller daraus.

  (39)
Tags: manipulation, therapie, vergewaltigung   (3)
 
57 Ergebnisse