Auseinandergesetzt

Auseinandergesetzts Bibliothek

1 Buch, 1 Rezension

Zu Auseinandergesetzts Profil
Filtern nach
1 Ergebnisse
Wähle einen Buchstaben, um nur die Titel anzuzeigen, die mit diesem beginnen.



LOVELYBOOKS-Statistik

(0)

1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Lebendig. Biblisch. Ermutigend.

Wolfgang Hörner
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei Druckhaus Harms, 01.09.2009
ISBN 9783861473176
Genre: Sachbücher

Rezension:

Dieses Buch zeichnet sich durch seine einseitige Sichtweise komplexer theologischer Sachzusammenhänge und einer ausschließlich positiv-unproblematischen Darstellung des Luthertums aus.
Es wirkt wenig eigenständig durchdacht. Insbesondere deshalb, weil man schnell bemerken wird, dass der Autor eigentlich nichts Neues referiert, sondern sich stark auf bereits erschienene amerikanische und deutsche lutherisch-freikirchliche Literatur/Theologen stützt bzw. daraus abgeschrieben hat. Wenn man sogar sehr sehr genau hinschaut, fallen einem sogar die eigentlichen Autoren der Aussagen ein.
(Das Buch erhebt ja zum Glück keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit.)
Ein sorgsames Abwägen und ein Durchdenken anderer Sichtweisen und daraus folgende Konsequenzen lässt dieses Buch vermissen. Ebenso irritiert ein Ignorieren zahlreicher Bibelstellen, die nicht ins lutherische Konzept passen (Apg. 2,41) etc.
Die menschliche Ratio und ein eng-lutherisch-geschlossenes System (und eben NICHT die Bibel selbst) werden zu letzten Instanzen dafür, was sein darf und was nicht, was als "biblisch" definiert wird und was nicht. Dabei wird teilweise eine exegetisch-hermeneutische Akrobatik bzw. Engführung vollzogen, die nicht jeder hinzunehmen bereit ist. Die dann daraus konkludierten eisegetischen Aussagen sind für den Leser wenig gewinnbringend.
Bibelstellen werden unnachvollziehbar entkontextualisiert oder nur teilweise (wie es eben passt) für ein Argument herangezogen, der Rest des Verses ignoriert. Andere Bibelstellen, die "stören", werden einfach wegerklärt. Ob dieser Umgang mit der Bibel sachgerecht ist, möge der Leser selbst entscheiden.
Im Rahmen dieser Rezension führt es zu weit, detailiert auf die im Buch angeführten Themen einzeln einzugehen.
Beispielhaft für ein nicht sorgfältiges Recherchieren sei die Sicht der sog. "Evangelikalen" im Hinblick auf ihre "Entscheidungstheologie" genannt. Wäre sich intensiv und fair mit dem Evangelikalismus auseinandergesetzt worden (und zwar auch auf theologischer Ebene, nicht nur, was man persönlich dort an Positivem erlebt haben mag), hätte man zu einer ausgewogeneren Betrachtungsweise kommen müssen. Denn de facto gibt es noch immer evangelikale Gemeinden (so man sie denn diesem ja grundsätzlich nicht eindeutig definierten Begriff "evangelikal" zuweisen kann), die ganz klar keine "Entscheidungstheologie" lehren und diese ablehnen. So gibt es zum Beispiel Brüdergemeinden, einige (konservative) Mennonitengemeinden, Baptistengemeinden und andere, die zur Buße und zum Zerbruch über die eigenen Sünden rufen, aber eine "Entscheidung für Jesus" ablehnen.
Was auch immer man von einem Aufruf zu einer "Entscheidung für Jesus" halten mag, stellt sich die Frage, ob man sich an einer solchen - vielleicht nicht geglückten Formulierung - haarspalterisch aufhalten sollte. Denn Formulierung hin oder her - diese Menschen bekennen sich nach einer solchen Christusentscheidung zu Jesus als ihrem Herrn. Muss dann nicht auch ihre "Entscheidung für Jesus" letztendlich eine geistgeleitete sein, da niemand Jesus als Herrn nennen kann außer durch den Heiligen Geist? (1.Kor.12,3)
(Nebenbei bemerkt, möge der Leser selber prüfen, ob die lutherische "Überstülptheologie" bei der eine Wiedergeburt und ein Abwaschen der Sünde ohne eigenen Zerbruch und Buße des Subjekts über die Sünde möglich ist, nicht ebenso problematisch anzusehen ist wie möglicherweise eine "Entscheidung für Jesus". Oder die kühne Behauptung mancher Lutheraner, das Baby bekehre sich während der Taufe und sei über seine Sünde zutiefst betrübt.)
Darüber, dass es im Alt-Luthertum auch Ansätze gibt, die man zutiefst hinterfragen kann bzw. bei intensiver Überprüfung sogar hinterfragen muss, gibt das Buch keine Hinweise.
Andere Aspekte des Alt-Luthertums wie beispielsweise die beinahe völlige Vereinnahmung der Kreuzestheologie als Rechtfertigungslehre oder die starke Überlagerung des himmlischen Christus zuungunsten des menschlichen Christus werden in dem Buch nicht diskutiert.
Ein anderer nicht unwesentlicher Punkt ist m.E. die für einen unkundigen Leser Verschleierung der nicht unwichtigen Information, dass das (str)eng-orthodoxe Luthertum mit der Bibel alleine gar nicht auskommt, sondern weitere (menschliche) Schriften, wie den Kleinen und den Großen Katechismus, die Confessio Augustana etc. benötigt, um seine Thesen zu begründen. Kommt man insbesondere mit Altlutheranern ins Gespräch, kann man nicht selten mit Erstauenen feststellen, dass sie diese Schriften zum Teil besser auswendig zitieren können als die Bibel selbst und dass dem Katechismus, der CA etc. ein Stellenwert eingeräumt wird, der die Autorität der Bibel manchmal zu übersteigen scheint. Insbesondere, wenn man detailiert die Schriftstellen beispielsweise zu Aussagen aus dem Katechismus genannt haben möchte, erhält man oft ratlose Gesichter.
Einer Gefahr, der man sich als Befürworter des streng-lutherischen Sakramentalismus ebenfalls bewusst sein sollte und die dieses Buch auch unberücksicht lässt, sind nicht ungefährliche Verschiebungen auf den Stellenwert von Christus bzw. dem Kreuz. Geht es nicht mehr wie bei Paulus um "Gott in Christus", sondern stets um "Gott in Christus in den Sakramenten", dann rückt Christus zwangsläufig ein Stück ferner. Dann hört man auch nur noch wenig davon, dass Christus uns durch das Kreuzesgeschehen rettet, aber viel davon, dass die Sakramente retten bzw. das Heil vermitteln. Sakramente als Christusersatz???
Viele Christen sind unbewusst so in einer Sakramentsfrömmigkeit verhaftet, dass diese Sakramente in alle möglichen Bibelstellen hineininterpretiert werden, in denen von ihnen gar nicht die Rede ist (Bsp.: Titus 3,5 als angebliche Stelle für die Taufe).
Eine weitere Frage zur Pneumatologie, die nicht diskutiert wird: Kann im Alt-Luthertum der Heilige Geist wirklich wirken wann und wie er will? Oder wird er nicht viel mehr von der Kirche durch die Sakramente "verwaltet"?
Viele Dinge scheinen wie schon erwähnt nicht fundiert untersucht worden, sondern lediglich unhinterfragt übernommen worden zu sein (Beispiel: Proselytentaufe).
Um sich zu informieren, wie Alt-Lutheraner denken, mag das Buch einen komprimierten Überblick geben. Die inhaltlichen Aussagen selbst möge der Leser an einigen (nicht unwesentlichen!) Stellen mit Vorsicht genießen.
Erfreuen werden sich an dem Buch alle, die die darin enthaltenen (Hypo-) Thesen schon teilen. Für die anderen Leser/- innen bleiben die Inhalte mehrheitlich - schon aufgrund der aufgezeigten Vorgehensweisen mit der Bibel - fragwürdig.

  (6)
Tags:  
 
1 Ergebnisse