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168 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 22 Rezensionen

zwillinge, gewalt, religiöser fanatismus, missbrauch, jugendbuch

In deinem Licht und Schatten

Louisa Reid , Alexandra Ernst
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 25.09.2014
ISBN 9783841421524
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich zitterte in der stillen Januarluft. Es war der erste Tag des neuen Jahres. Meine Schwester war seit einer Woche tot.

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Rebecca und ihre Zwillingsschwester könnten unterschiedlicher nicht sein: Die eine schön wie im Märchen, die andere hässlich wie die Nacht. Nur eines haben sie gemeinsam: das Elternhaus, in dem Kälte und Gewalt regieren. Seit sie denken können, retten die Schwestern sich gegenseitig vor dem Zorn des Vaters. Bis eine den Ausbruch wagt und die andere zurücklässt. Denn wenn dein Leben die Hölle auf Erden ist, was hast du dann noch zu verlieren?
(© Text- & Bildmaterial: FJB Fischer Verlag)

Meine Gedanken zu dem Buch:
Rebecca und Hephzibah sind Zwillingsschwestern und doch sehen sie sich überhaupt nicht ähnlich. Während Hephzi die Hübsche ist, leidet Rebecca seit der Geburt an dem Treacher-Collins-Syndrom. Einer körperlichen Missbildung. Ihre Knochen im Gesicht haben sich nicht gleichmäßig entwickelt, so dass sie entstellt ist. Selbst Hephzi schämt sich für sie. Sie liebt sie und dennoch traut sie sich nicht, zu ihr zu stehen, aus Angst dann alleine zu sein und auch von den Mitschülern verspottet zu werden, wie es Rebecca immer ertragen muss.
Beide Schwestern leben in eine Art Gefängnis. Der Vater ist ein jähzorniger, hasserfüllter und gewalttätiger Gottesmann. Er ist Pfarrer in der ortsansässigen Kirche und die Mutter verabscheut regelrecht Rebecca und auch die andere Schwester leidet häufig unter der Missgunst der Mutter. Die Schwestern dürfen dank der Großmutter, welche bereits durch schlimme Umstände sterben musste, endlich eine öffentliche Schule besuchen. Während Rebecca den Traum eines Schulabschlusses träumt, um sich endlich Arbeit und eine Wohnung suchen zu können, ist Hephzi eher noch sehr blauäugig und genießt die ersten Monate der kleinen Freiheit und eines Stückes Normalität, durch den Besuch der Schule.
Zum ersten Mal fühlt sich Hephzi etwas wie andere Teenager. Sie ist hübsch, beliebt und gern gesehen, während für Rebecca bis auf die wenigen Stunden ohne Schläge, alles beim Alten ist. In der Schule erleidet sie jetzt dafür zusätzlich den Spott und die Demütigung der Mitschüler. Hephzi erlebt für ein paar Momente Glück und findet in Craig ihren Retter, ihren Anker. Er ist die Ruhe und Liebe, die sie immer gesucht hat.
Ich glaube nicht an seinen Gott. Er ist noch nie gekommen, um mir oder meiner Schwester zu helfen, und mehr Beweise brauche ich nicht. Und was die Liebe betrifft: Wenn Gott Liebe war, so war er zusammen mit meiner Großmutter gestorben. ~ Zitat Seite 38
Der Einstieg und der Klappentext haben mich sofort gefesselt. Der Einstieg ist traurig, kalt und erschütternd. Der Verlauf der Geschichte wechselt zwischen den Gedanken der Schwestern, vor und nach dem Tod der von Hephzi.
Nach dem Tod der Schwester findet Rebecca den Mut, aus dem gespielten Familienidyll auszubrechen und erleidet dadurch nur noch mehr Schmerz, findet aber dennoch die Kraft, sich endlich zu öffnen und ihre Angst zu überwinden.
Ich lag da auf dem Haufen verdreckter Decken, zerschunden und vernarbt vom Hass meiner Eltern, ohne die kleinste Hoffnung auf Rettung. ~ Zitat Seite 199
Die Covergestaltung ist trotz der Farbgebung bedrückend und dennoch auf eine besondere Art sofort auffallend und ansprechend. Der Schreibstil und die Beschreibung der Charaktere treffend und auf den Punkt gebracht. Sie übermitteln die richtige Stimmung für diese Geschichte. Der Vater, nach außen hin der Vorzeigebürger, Gemeindeprediger und liebevoller Vater, doch wenn sich die Tür des Hauses schließt, verwandelt er sich in ein zu Mensch gewordenes Monster, das gewissenlos, seine Wut und seinen Frust an den eigenen Kindern auslässt.
Die Autorin lässt den Leser aufmerksam und intensiv teilhaben. Beschäftigt und bedrückt bleibt der Leser zurück und realisiert, dass selbst eine gutgeschriebene und erfundene Story nicht so weit der Realität fern liegt.

Kurz & Gut – mein persönliches Fazit:

Da mich dieses Buch sehr beschäftigt hat und ich immer noch darüber nachdenke, wie oft wir doch in den Medien von solchen Ereignissen hören und immer behauptet wird, dass es niemand mitbekommen hat. Die Autorin hat der einen Zwillingsschwester einen außergewöhnlichen Namen gegeben und wie vermutet handelt es sich bei dem Namen Hephzibah um einen biblischen Namen. Die Erklärung hierzu fand ich im Internet unter Babynamewizard.com:

HEPHZIBAH IS A WONDERFUL NAME FOR A GIRL WHO IS EXPECTED TO BE GREAT BECAUSE THE LORD'S DELIGHT IS IN HER AND HE HAD FAVOURED HER WITH ABUNDANT WEALTH WHICH IS UNQUATIFIABLE.  Ich finde die Bedeutung sehr treffend, wenn ich an den Charakter im Roman denke. Ich kann dieses Buch wirklich jedem wärmstens empfehlen. Dennoch trotz Spannung und Lesevergnügen ist die traurige Geschichte nicht Ohne und leider auch in unserer Realität nicht unbekannt.
© Rezension: 2014, Aygen Ekici (AE)www.buecherkaffee.de

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

JUMP - Das Spiel

Eve Silver
E-Buch Text: 416 Seiten
Erschienen bei Fischer E-Books, 07.08.2014
ISBN 9783104027609
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Ich schlage die Augen auf und sehe verschwommen Blätter und Äste und einen Himmel, der so blau ist, dass es wehtut. Dann kippt die Welt zur Seite und sackt ab, und ich kralle die Finger ins lange Gras und halte mich daran fest. ~ Zitat Seite 21

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Miki Jones kommt bei einem Unfall ums Leben. Doch sie kommt wieder zu sich, an einem Ort, der Lobby genannt wird. Aus ihrem Alltag wurde sie durch Raum und Zeit in eine Art Spiel gezogen, in dem sie gemeinsam mit anderen Jugendlichen furchteinflößende Wesen bekämpfen muss. Teammitglied Luka, ein Schulfreund, erklärt ihr, dass sie weiter ihr gewohntes Leben führen kann, außer wenn sie auf Mission im Spiel ist. Und sie muss jeden Einsatz in dieser anderen Welt überleben. Es gibt keine Vorbereitung, kein Training und keinen Ausweg. Miki muss sich auf die fragwürdige Führung Jackson Tates verlassen, des attraktiven und geheimnisvollen Leiters ihres Team. Er weicht ihren Fragen aus und hält alle auf Abstand. Jeder spiele für sich, lautet sein Motto. Doch dann nimmt das Spiel eine tödliche Wende, und Jackson bringt sich selbst in extreme Gefahr, um Miki zu schützen.
(© Text- und Bildmaterial: Fischer Verlag)
Meine Gedanken zu dem Buch:

Wir werden durch Zeit und Raum versetzt. ~ Zitat Seite 50 Ich möchte mit den Charakteren anfangen. Sie sind zwar sehr gut beschrieben, sammeln aber dennoch keine Pluspunkte. Die Hauptprotagonistin Miki ist anfänglich sehr sympathisch, aber im Lauf der Geschichte verändert sie sich stark, für meine Verhältnisse für Teil 1 einfach zu stark. Ihre beste Freundin Carly ist mir für die Story einfach zu sehr auf Jungs fixiert und ihr Umgang mit Miki ist alles andere als tatsächlich freundschaftlich. Sie ist zu aufbrausend und zickig. Neben dem bereits erwarteten, geheimnisvollen und gutaussehenden Jackson Tate, finde ich Luka sehr gelungen. Er wirkt doch sehr bodenständig und vernünftig.

Der Einstieg in die Geschichte und der Unfall sind sehr gut beschrieben und fesseln den Leser. Jedoch der tatsächliche Einstieg in "das Spiel" selber ist mir zu abgerissen, wirr und nicht wirklich zu durchschauen. Die ganzen offenen Fragen beschäftigen nicht nur die Hauptprotagonistin sondern auch den Leser, um sich tatsächlich auf die Geschichte konzentrieren zu können, fehlen mir zu viele Informationen, um überhaupt einen Bezug zu dieser fremden Welt zu bekommen. Die Missionen werden immer sehr ausführlich beschrieben, dennoch finde ich für meine Verhältnisse nicht wirklich einen Zugang zur Story. Die Aliens mit den Quecksilberaugen sind mir zu undurchsichtig und dürftig beschrieben. Sicher ist dies auch die Absicht der Autorin gewesen, um den richtigen Spannungsbogen für Teil 1 aufzubauen, dennoch finde ich zum Ende hin, die Entwicklung der Geschichte viel zu rasant, anhand der wenigen Informationen.

Die Hauptprotagonistin entwickelt sich ohne Training und Vorbereitung bereits im Auftakt der Trilogie zur perfekten Kämpferin. Ich hätte mir hier lieber etwas mehr Zeit gewünscht, um mich an die Charaktere zu gewöhnen, um evtl. auch d besser  in die Geschichte einsteigen zu können. Dennoch finde ich, dass der stetige Wechsel von der realen Welt in die jeweilige Mission sehr gut gelungen ist.

Die kleine Liebesgeschichte die sich, wie erwartet zwischen der perfekten Kämpferin und dem gutaussehenden, geheimnisvollen Typen entwickelt ist eine gute Ablenkung und teilweise gar interessanter als die Szenen in der jeweiligen Mission selber. Dennoch ein unterhaltsames und auch stellenweise sehr spannendes Buch, das trotz der Kritikpunkte dank dem offenen Ende auf eine bessere Fortsetzung hoffen lässt Gib ihnen die Gelegenheit, und sie werden dich töten. Wenn sie gerade Hunger haben, essen sie dich bei lebendigem Leibe. ~ Zitat Seite 215

Kurz & Gut – mein persönliches Fazit:

Eine neue Science Fiction Trilogie für Jugendliche, in aufgefrischter Variante. Die Story ist nicht ganz fremd und auch die beliebte Teenie Lovestory Szenen sind gut umgesetzt. Mir persönlich hat die, für meine Verhältnisse zu schnelle Entwicklung der Hauptprotagonistin Miki etwas die Spannung für die folgenden Bände genommen. Der Verlauf der Geschichte ist an den gewünschten Stellen eher zu wenig erklärend und zum Ende hin verstrickt sich die Autorin zu sehr in Erklärungen und lässt den Leser mit einem bitteren Ende zurück. Eine Rezension zu diesem Buch möchte ich eher kurz halten, da ich finde, dass der Klappentext schon sehr viel verrät. Dennoch denke ich, dass dieses Buch für Sci-Fi Liebhaber sicherlich der Beginn einer neuen aufregenden Reise ist. Lassen wir uns von Teil 2 überraschen.

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (AE) www.buecherkaffee.de

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80 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 23 Rezensionen

thriller, science-fiction, jugendthriller, science fiction, mystery

Ihr seid nicht allein

Robison Wells , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 21.08.2014
ISBN 9783841421418
Genre: Jugendbuch

Rezension:

DU DACHTEST, DU HÄTTEST ES GESCHAFFT. DOCH DER ALBTRAUM IST NOCH LANGE NICHT VORBEI.

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:



Nach der Flucht aus dem Elite-Internat haben von über 50 Schülern nur der 18-jährige Benson und Becky überlebt. Doch jenseits der Mauern und Stacheldrahtzäune lauert eine noch viel größere Gefahr. Plötzlich steht die verstorbene Jane vor Benson. Sie ist lebendig und fristet ihr Dasein in einem Fort für Schüler der Maxfield Academy, die durch Duplikate ersetzt wurden. Aber auch sie alle sind Gefangene und durch einen Chip im Kopf aus seltsame Art mit ihren Duplikaten in der Schule verbunden. Ein Kampf mit unklaren Fronten beginnt, denn Benson und Becky können sich nicht sicher sein, wer Freund und wer Feind in diesem wahnsinnigen Experiment ist.
Achtung Spoilergefahr!

Meine Gedanken zu dem Buch:

Der Autor hatte mit dem ersten Teil eine rasante, spannende Story mit offenem Ende vorgelegt. Der Schreibstil war auch hier in Teil Zwei fließend, jedoch teilweise zu detailliert und zu sehr auf die Hintergründe fixiert. Die eigentliche Spannung hat meines Erachtens dadurch gelitten. Die bereits bekannten Charaktere tauchen auch hier wieder auf und man trifft sozusagen auf totgeglaubte Schüler. Und zwar ihre Originale. Robison Wells hat sich meiner Meinung zu viel Mühe gegeben, alle Geheimnisse über die Geschehnisse aufzudecken, so dass er keinen Spielraum mehr für Fantasie gelassen hat.


Warum kümmert die das? Weil sie nur dann ein Double von dir machen können, wenn du psychisch gesund bist – zumindest so gesund, dass dein Double sich normal verhalten kann. ~ Zitat Seite 70
Das Cover ist auch diesmal wieder sehr ansprechend und auch die Erweiterung durch das ausführliche Glossar sind besonders erwähnenswert, jedoch ist zu Teil Eins keine Steigerung vorhanden. Die Fortsetzung brachte mir persönlich wider Erwarten nicht den gewünschten Abschluss, sondern eher eine Erweiterung, die viele Szenarien aus dem ersten Teil wiederholt und teilweise auch eher zu übertrieben erklärt und erweitert. Nichtsdestotrotz ist zu erwähnen, dass Teil Eins definitiv ein packender Thriller war und sicher auch die Fortsetzung, dem einen oder anderen Leser den gewünschten Moment schenkt.

Wir gingen so schnell wir konnten, aber es fühlte sich nicht schnell genug an. Wir brauchten viel zu lange, und die Sekunden verrannen. Wir würden es nicht schaffen. ~ Zitat Seite 203

Kurz & Gut – mein persönliches Fazit:

  Die Fortsetzung des YA-Thrillers hat mich leider nicht wirklich überzeugt. Der erste Teil war so fesselnd, spannend, anders und wirklich gut durchdacht. Die Story war frisch und irgendwie neu und obwohl ich mich so sehr auf die Fortsetzung gefreut hatte und auch wirklich gut reingekommen bin, bin ich etwas enttäuscht. Man sollte definitiv den ersten Teil gelesen haben, um auch hier einen guten Einstieg zu haben. Man hat hier zwar den Leser mit einem ausführlichen Glossar bedacht, jedoch ist meines Erachtens die Vorgeschichte erst wirklich lesenswert. Hier in der Fortsetzung schließt man zwar direkt an das Ende von Teil Eins an, aber die darauffolgenden Ereignisse sind zum größten Teil über die Technik der Androide und so wirr, dass man trotz der Geschehnisse, einfach nicht dieselbe Spannung empfindet, wie im ersten Teil. Man hat eher das Gefühl, dass man versucht hat hier so viel wie möglich noch an Action und Hintergrundwissen über die Academy selber reinzupacken, dass man eher überladen ist. Dadurch fühlt man sich zum Ende hin eher gehetzt und scheint nicht wirklich darüber überrascht zu sein, was uns hier diesmal zum Abschluss noch geboten wird. Ich persönlich kann Teil Eins jedem empfehlen, der einen spannenden YA-Thriller lesen möchte. Im Nachhinein betrachtet, wäre ich allein mit dem ersten Teil sehr glücklich gewesen, trotz dem offenen Ende. So hat leider die Story eine eher lahme Wendung genommen und mir persönlich die Spannung, der packenden Story genommen. Dennoch kann ich hier nur nochmal auf den ersten Teil verweisen und Euch raten, jede einzelne Seite davon zu genießen.




© Rezension: 2014, Aygen Ekici (AE) www.buecherkaffee.de

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110 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 29 Rezensionen

liebe, zusammenhalt, florine, maine, carlie

Eisblaue See, endloser Himmel

Morgan Callan Rogers , Claudia Feldmann , Morgan Callan Rogers
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Mare Verlag, 05.08.2014
ISBN 9783866482289
Genre: Romane

Rezension:

Manchmal denken die Leute, sie wären gut, und dann tun sie Dinge die sie nicht tun würden, wenn sie wüssten, wie sich das für die anderen anfühlt. ~ Zitat Seite 150

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:



An der Küste von Maine wird Hochzeit gefeiert: Florine heiratet ihre große Liebe Bud, der aus nächster Nähe erlebt hat, wie sie jahrelang vergeblich auf die Rückkehr ihrer verschwundenen Mutter Carlie wartete. Doch als sich die Liebe im Alltag bewähren muss und mysteriöse Briefe Carlies Verschwinden in neuem Licht erscheinen lassen, weiß Florine bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht.

Meine Gedanken zu dem Buch:

Zurück in The Point. Endlich Zuhause. Genau das empfindet man ab der ersten Zeile dieses Romans. Florine, Bud, Dottie und Co. alle sind sie wieder da. Florine und Bud haben sich endlich getraut und geheiratet. Sie lieben sich innig und sind glücklich. Obwohl Florine noch immer an dem Gedanken festhält, ihre Mutter doch irgendwann zu finden, hat sich so etwas wie ein geregelter Alltag in beiden Leben entwickelt. Florine kümmert sich um die Kinder und Bud arbeitet in einer Werkstatt. Als jedoch Bud arbeitsbedingt aus The Point weg muss und Florine somit auch ihr Zuhause Grands Haus verlassen muss, beginnen schon die ersten Probleme. Florine vermisst ihr Zuhause, sie vermisst die See, die sie gegen einen Trailer an der Schnellstraße, weit weg von The Point eintauschen musste und Bud driftet immer mehr ab, wird schweigsamer und aggressiver. Immer mehr erinnert er an seinen alkoholkranken Vater Sam. Florine hält diese Enge und Einsamkeit nicht aus und immer wenn sie ein paar Tage wieder in The Point verbracht haben, fühlt sie sich noch einsamer denn je. Als dann bei jedem ihrer Besuche, kleine Umschläge im Postfach in The Point eintrudeln, die offensichtlich an Carlie geschrieben wurden, beginnt ihre endlose Suche nach ihrer Mutter wieder von vorne. Die nie enden wollende Unruhe, der fehlende Abschied, vergangene Tage und bleibende Erinnerungen rauben nicht nur Florine den letzten Nerv, nein, auch Bud beginnt über sein Leben mit Florine, den Kindern und seiner Erwartung an das Leben zu zweifeln.

Wie bereits im ersten Roman „Rubinrotes Herz, eisblaue See" bleibt auch diesmal Gänsehaut, Trauer und gleichzeitig Geborgenheit und ein „Heimatsgefühl" nicht aus. Morgan Callan Rogers katapultiert den Leser gleich zu Beginn direkt zurück an das Ende der Geschichte zu „Rubinrotes Herz, eisblaue See". Es ist alles noch so vertraut für den Leser und die Charaktere wecken Erinnerungen und Sehnsüchte nach Erlebtem. Der Leser möchte Geschehenes nachholen.

Es war ein milder Herbst. Die Blätter verfärbten sich nur langsam, und die wenigen Stürme hatten keine Kraft. Der Oktober kam mit einem Gähnen herangeschlendert und wischte den September geistesabwesend beiseite wie ein zerrissenes Spinnennetz. ~ Zitat Seite 67

Das Cover ist auch diesmal zauberhaft gestaltet und erinnert den Leser gleich an den Vorgänger. Definitiv ein Cover das auch in Erinnerung bleibt. Die Charaktere sind reifer geworden, haben sich entwickelt und vermitteln ein vertrautes Gefühl. Selbst die unliebsamen Personen der Geschichte wurden nie vergessen und wecken den ein oder anderen bösen Vorfall in einem. Die Autorin versteht es dem Leser etwas Besonderes zu bieten. Nicht nur, dass der Leser endlich zum letzten Happy End eine Auflösung sucht, sondern auch Abschied nehmen möchte, vom kleinen Fischerdorf The Point bis zu den Freunden und der Familie. Man entwickelt förmlich als Leser eine Art Zugehörigkeit. Nichts scheint fremd. Jedoch möchte ich auch anmerken, dass es empfehlenswert wäre, den ersten Roman „Rubinrotes Herz, eisblaue See" auch wirklich zuerst zu lesen. Es wird zwar auch hier immer wieder ein Teil der Vorgeschichte erwähnt, aber ich denke, diese Geschichte würde ihren Zauber verlieren, wenn man die bereits erlebten Geschehnisse nicht kennen würde Es kam keine Antwort, aber etwas glitt durch mich hindurch, von den Füßen bis zum Kopf, und was immer es war, es löste einen Tränenstrom aus, der sich anfühlte wie ein warmer Regen nach einer langen Dürrezeit. Er befeuchtete den Staub in meiner Seele und sickerte in mein Herz, und ich wusste, dass dieses Haus, mein altes Haus, und ich wunderbar miteinander auskommen würden. ~ Zitat Seite 412


Kurz & Gut – mein persönliches Fazit:

Endlich konnte ich mit und von Florine und The Point Abschied nehmen. Dieser Roman bildet den perfekten Abschluss zu „Rubinrotes Herz, eisblaue See".  Zurück in The Point erleben wir noch einige Windwechsel. Ebbe und Flut begleiten uns. Wiedersehensfreude, Trauer, Verlust, aber auch Gänsehaut, Geborgenheit und viel Liebe bietet dieser Roman. Morgan Callan Rogers hat wieder eine wunderbare Geschichte geschaffen. Der perfekte Einstieg in vergangene Tage und eine Auflösung, die jetzt lange auf sich warten ließ. Ich bin glücklich und empfehle es jedem, der bereits „Rubinrotes Herz, eisblaue See" gelesen und geliebt hat. Und den anderen, die noch keinen der beiden Romane gelesen haben, empfehle ich das schleunigst nachzuholen - ihr verpasst eindeutig etwas. Ich hatte das erste Buch fast ein Jahr im Regal stehen und habe es dann, wie dieses übrigens auch, an einem Tag gelesen.

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (AE) www.buecherkaffee.de

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16 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

väter, brd, glück, ddr, haus

Das halbe Haus

Gunnar Cynybulk
Fester Einband: 576 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 06.03.2014
ISBN 9783832197230
Genre: Romane

Rezension:


Aus einem kleinen Fehler kann man stets einen ungeheuerlich großen machen, wenn man auf ihm beharrt, wenn man ihn tief begründet, wenn man ihn zu Ende führt. Zitat Seite 43

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:


Geschichte geht durch diese deutsche Familien, die eigentlich eine halbe ist: Großmutter, Vater, Sohn. Krieg und Vertreibung haben sie zersplittert. Obwohl sie vom Schwarzen Meer stammt, zieht es sie in Zeiten des Kalten Krieges in den Westen. Vor allem der Vater, Frank Friedrich, träumt von den Brücken in Paris. Er drängt seine Mutter Polina, im Dezember 1981 aus der DDR in die Bundesrepublik überzusiedeln, und hofft auf die spätere Zusammenführung der Familie. Sein Sohn Jakob hat einen anderen Traum: die Kinder- und Jugendsportschule. Dann passiert das Unglück. Frank verliebt sich die schöne Eva, die zu eng mit dem System verbunden ist. Dennoch treibt er sein Freiheitsprojekt voran. Im März 1983 wird er verhaftet.  
Seit dem Morgengrauen ist er wach, aber das haus schläft noch. Es ist ein halbes haus, in dem eine halbe Familie lebt. Die eine Hälfte ist da, die andere weg: gestorben, gefallen und vergessen. Zitat Seite 11   

Meine Gedanken zu dem Buch: 

Zu Beginn möchte ich noch mal betonen, dass die Aktion des Verlages zu diesem Buch mein Interesse geweckt hat und wirklich sehr gelungen ist. Ein Kurzinterview des Autors mit passenden schwarzweiß Fotos und dem Stammbaum geben einen kurzen Einblick und weckten meine Neugierde. Der Erzählstil ist gut durchdacht und erfordert einiges an Aufmerksamkeit. Ein schnelles und leichtes Lesen ist hier nicht möglich. Ich habe mir doch einige Zeit für dieses Werk genommen und bin über den Aufbau und den Verlauf der Geschichte positiv überrascht. Der Autor erzählt eine Geschichte zu Zeiten der DDR aus mehreren Perspektiven. Sowohl die Großmutter Polina mit ihren Kriegserinnerungen, Jakob, der Sohn, der einst Olympiasieger werden wollte und sich dann doch irgendwie verliert und sich dem Anpassungszwang widerstrebt, als auch Friedrich, der Vater von Jakob und einer der Söhne von Polina, der einfach nur aus der DDR weg möchte und letztendlich auch verhaftet wird. All diese Lebensgeschichten sind detailreich erzählt und wirken authentisch. Ebenso die immer wieder auftauchenden Stasi Akten, die dem Leser, wie ich finde, eine kleine Zusammenfassung ermöglichen, erleichtern das Verständnis.

Es ist eine sehr eindringliche und intensive Geschichte, gepaart mit autobiografischen Ereignissen der Familie des Autors. Dieses Werk lässt den Leser nachdenklich und mit einigen offenen Fragen über die damalige Zeit zurück. Selbst Lesern, die wie ich nur Ausschnitte aus Erzählungen der DDR Zeit kennen, die meist und nahezu immer positiv waren, hinterlässt der Roman einen bedrückenden Beigeschmack über die Lebensweise der Bürger damals. Waren tatsächlich alle über die Situation glücklich oder hatten sich einige aufgrund ihrer Anpassung einfach damit abgefunden und gewisse Einschränkungen eher als normal und gesellschaftlich angesehen?

Dieses Buch lässt den Leser all das Herzblut, mit dem es geschrieben wurde spüren. Mehr möchte ich auf die Geschichte gar nicht eingehen und empfehle sie gerne jedem geschichtlich interessierten und aufmerksamen Leser weiter.  Herz ist ein Muskel, man kann es trainieren. Er weiß, dass es so kommen wird. Der Trainer wird den Zug verlassen, und allein wird er über die Grenze fahren. Er wird Minigolf spielen, Popcorn essen und eine Kartbahn besuchen. Jede Woche wird er die Bravo kaufen. Er wird über den Christkindlmarkt schlendern und in Bad Itz die Lichtertanne bestaunen, die fast so hoch ist wie ihr altes Haus. Am Anfang wird ihm blümerant sein und dann nicht mehr. Er würde jetzt wirklich gern heulen, damit seine Augen so weh tun wie sein Herz. Zitat Seite 572  

Kurz & gut - mein persönliches Fazit: 

Ich kenne Geschichten aus der ehemaligen DDR nur aus Erzählungen von Freunden, meiner Schwägerin und ihrer Familie. Ich habe allerdings auch noch nie jemand kennengelernt, der je schlecht über seine Zeit in der ehemaligen DDR gesprochen hat. Gunnar Gynybulk Schreibstil fesselt einen ab der ersten Seite. Trotz dem mehrmaligen Wechsel der Erzählform, verschenkt der Leser nicht einen Moment der Aufmerksamkeit. Ein überaus gelungenes Debüt. Ehrlich, offen und bestückt mit eigenen Familienereignissen und Erzählungen des Autors. Bereits das Kurzinterview des Autors hatte meine Neugier auf diese Geschichte geweckt. Mich persönlich würde allerdings noch eine Frage interessieren. Ich habe auch mal in Leipzig gelebt und ich wüsste gerne, ob der Autor am Anfang vom Scherbelberg in Leipzig spricht? Dem Berg, von dem man über die ganze Stadt sehen kann. Dieses Buch werde ich gerne an meine Erzählquellen aus vergangenen Tagen empfehlen und natürlich auch all denen, die sich schon immer dafür interessiert haben, wie das Leben der Menschen hinter der Mauer war. Von diesem Autor möchte ich definitiv gerne mehr lesen.    © Rezension: 2014, Aygen (AE) www.buecherkaffee.de

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3 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Bronze und Sonnenblume

Wenxuan Cao , Nora Frisch
Fester Einband: 250 Seiten
Erschienen bei Drachenhaus Verlag, 01.05.2014
ISBN 9783943314090
Genre: Romane

Rezension:

Auf Erden gilt die Sonnenblume wohl als die intelligenteste aller Pflanzen, denn sie kann Menschen sogar den Eindruck vermitteln, sie verfüge über eine ausgeprägte Wahrnehmung, als sei sie voller Leben und Willen. Stets blickt sie zur Sonne. ~ Zitat Seite 33

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

In einem kleinen chinesischen Dorf zur Zeit der Kulturrevolution. Sonnenblume ist sieben Jahre alt, als sie durch einen tragischen Unfall ihren Vater verliert. Zum Glück wird sie von einer liebevollen Familie aufgenommen, die sich fortan rührend um sie kümmert. In ihrem stummen Bruder Bronze findet Sonneblume einen Seelenverwandten. Mit ihm erlebt sie die kleinen und die großen Abenteuer des Alltags, die Schönheit der Natur und die glücklichsten Momente, aber auch echtes Leid und die harten Seiten des Lebens auf dem Land.

"Es war bereits Herbst, es hatte schon einmal Frost gegeben, das Dachschilf war von rotgoldener Farbe, die Halme standen kerzengerade wie Kupferdrähte. Im Wind bewegte sich das Schilf, und wenn sich die Blätter berührten, erzeugten sie ein metallisches Geräusch. Bis zum Horizont erstreckte sich das Meer, die Wellen waren weiß, und auch hier war ein Meer ein Meer aus Gras, dessen Wellen rotgold waren." ~ Zitat Seite 108Meine Gedanken zu dem Buch:

Einst wir Kinder waren, so unbeschwert und glücklich… So sollte es doch heißen. Eine andere Art von Jugendbuch. In dieser Geschichte begegnen wir Elend, Armut, Trauer, Verlust, Zeichen der Zeit und was das Leben uns bescheren kann. Die Geschehnisse dieser Geschichte erscheinen uns hier so weit und ereilen uns doch in geminderter und veränderter Form im Laufe unseres Lebens immer wieder. Die Hauptprotagonisten Bronze und Sonnenblume. Der stumme Junge, dessen Ziehschwester und Familie in auch ohne Worte verstehen. Trotz der Armut, den schweren Zeiten und des Verlustes von Haus, Heim und Familienangehörigen, schaffen sich diese zwei bezaubernden und charakterstarken Kinder eine Zeit, die durchaus leicht, unbeschwert und glücklich wirkt. Wie viel Leid und Kummer ein Kind ertragen und stärken kann, zeigt uns diese Geschichte.

Wir befinden uns in einem kleinen chinesischen Dorf in dem das kleine Waisenmädchen Sonnenblume, nach dem tragischen Tod ihres Vaters in die Obhut einer Familie gegeben wird. Sie wird von einer der ärmsten Familien auserwählt, die es sich zur Aufgabe machen, ihm ein glückliches Leben voller Liebe zu schenken. Sonnenblume hat auf einen Schlag eine Familie Mutter, Vater, Großmutter und Bronze ihren stummen Bruder. Dieser Junge beschützt und behütet sie, arbeitet hart und ermöglicht ihr durch harte Arbeit eine Schulbildung und ein Dach über dem Kopf. Die Familie ist so liebevoll, aufopfernd und dennoch haben sie immer das Gefühl dem kleinen Mädchen nicht gerecht zu werden. Nach schweren Schicksalsschlägen und materiellen Verlusten, endet diese Geschichte auf eine unerwartete Weise. Poetisch, sanft, facettenreiche und tragisch erzählt der Autor hier von dem Leben einer besonderen Familie und deren inzwischen zwei Kindern auf so unverwechselbare Weise. Zurück bleiben die Hoffnung und auch die Trauer, welche dem Leser dennoch etwas schenkt. Dankbarkeit.
Eines Tages strömte der Regen sintflutartig herab, ringsum war vor lauter Regen nichts mehr zu erkennen. Die Leute hörten, wie die Mutter nach Bronze rief. Tränen mischten sich in ihre Stimme, sie durchdrangen den Regenvorhang und bewegten die Herzen der Dorfbewohner. Zitat Seite 233 Kurz & gut - mein persönliches Fazit:
Ein ganz besonderes und ungewöhnliches Jugendbuch. Die Aufmachung ist so liebevoll und besonders. Die Kapitel mit chinesischen Zeichen geschmückt und ein Glossar zur Begriffserklärung rundet die Gestaltung ab. Inhaltlich schwere Kost mit einem Hauch kindlicher Leichtigkeit, entführt der Autor uns in eine farbenprächtige Natur, mit herzlichen Menschen. Armut, Elend, Verlust und auch viele viele Glücksmomente werden dem Leser beschert. Eine andere Art von Happy End, die abhängig von der persönlichen Meinung eines jeden Lesers ist. Lesen und Lieben!

© Rezension: 2014, Aygen (AE) www.buecherkaffee.de

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904 Bibliotheken, 30 Leser, 5 Gruppen, 112 Rezensionen

schweden, thriller, psychothriller, erik axl sund, krähenmädchen

Krähenmädchen

Erik Axl Sund , Wibke Kuhn
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 21.07.2014
ISBN 9783442481170
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Krähenmädchen Band 1 - Buchtrailer
Der Zufall war ein heimtückischer Begleiter. Manchmal ein Freund, aber genauso oft ein unberechenbarer Feind.
Zitat Seite 9


Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Stockholm. Ein Junge wird tot in einem Park gefunden. Sein Körper zeigt Zeichen schwersten Missbauchs. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche…Auf der Suche nach dem Täter bittet Kommissarin Jeanette Kihlberg die Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, bei der eines der Opfer in Therapie war. Ihr Spezialgebiet sind Menschen mit multiplen Persönlichkeiten. Eine andere Patientin Sofias ist Victoria Bergmann, die unter einem schweren Trauma leidet. Sofia lässt der Gedanke nicht los, bei ihr irgendetwas übersehen zu haben. Schließlich müssen sich Jeanette und Sofia fragen: Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, ehe er selbst zum Monster wird?


Ihr Kopf ist wie eine Lampe, die man in einem stillen, dunklen Haus vergessen hat. Rund um das kalte elektrische Licht flattern die Nachtfalter und schlagen ihr mit trockenen Flügeln in die Augen.
~ Zitat Seite 87

Meine Gedanken zu dem Buch:


Es scheint eine besondere Gabe der Autoren in Skandinavien zu sein oder vielleicht liegt es auch an der Luft, man weiß es nicht, dass sie mich persönlich bisher immer begeistern konnten. Wie auch hier ist dem Autorenduo ein packender Psychotriller mit Gänsehauteffekt gelungen. Zu Beginn war ich erst etwas über die doch sehr  vielen Namen und Geschichten, sowohl aus der Vergangenheit als auch aus der Gegenwart verwirrt. Aber im Verlauf der Story fügen sich die grausamen Flashbacks zu einem Ganzen zusammen und dem Leser wird immer mehr bewusst, welcher Protagonist ihn die ganze Zeit gekonnt hinters Licht geführt hat. Die Auflösung war für mich ein Schockerlebnis. Die Protagonisten sind perfekt gewählt und auch, dass eine Ermittlerin gewählt wurde, hat mir besonders gefallen. Dieses Buch mag dem einen oder anderen Thrillerklischee entsprechen, aber dennoch schafft das Autoren Duo durch kleine Veränderungen, allein in der Wahl der Charaktere bereits etwas Außergewöhnliches. Ein besonders schwieriges Thema des Kindesmissbrauches wird hier so eiskalt, brutal und packend erzählt, dass man dem Sog aus Faszination, Wut und Trauer nicht verlassen kann.
Der Körper würde aus zwei Wesen bestehen, einem Tier und einem Menschen. Einem Opfer und einem Täter. Einem Täter und einem Opfer. Freier Wille vereint mit dem körperlichen Trieb. Zwei Pole in einem Leib. ~ Zitat Seite 183

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:


Ganz Ehrlich? Es wurde mal wieder Zeit für einen kaltblütigen, spannenden und sehr gut durchdachten Psychothriller aus Skandinavien. Ich habe schon eine Weile nichts Vergleichbares aus dem Genre gelesen. Ich liebe skandinavische Krimis und Psychothriller. Vielleicht liegt es oft an der Umgebungsbeschreibung oder einfach daran, dass die Stories meist wirklich noch Überraschungen bergen. Ein ganz eigenständiger Charme, wenn man das über dieses Genre wirklich sagen kann. Thrillerliebhaber werden wissen was ich meine, wenn sie dieses Buch erst einmal gelesen haben. Noch knapp zwei Monate und das Autoren-Duo schlägt ein zweites Mal zu. Narbenkind und Schattenschrei
stehen praktisch schon in den Startlöchern.

© Rezension: 2014, Aygen (AE) www.buecherkaffee.de

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25 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

monster, freunde, phantasie, mut, gruslig

Stichkopf und der Scheusalfinder

Guy Bass , Salah Naoura , Pete Williamson
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 27.03.2014
ISBN 9783596855650
Genre: Kinderbuch

Rezension:  
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(62)

142 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 27 Rezensionen

internat, thriller, trauen, robison wells, benson

Du kannst keinem trauen

Robison Wells , Alice Jakubeit
Flexibler Einband: 480 Seiten
Erschienen bei FISCHER FJB, 22.05.2014
ISBN 9783841421401
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Du hast dir ein besseres Leben gewünscht. Doch wo du jetzt landest, ist es schlimmer als je zuvor.

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Der 18-jährige Benson hat ein Stipendium für ein Elite-Internat ergattert. Doch die Schule ist nicht wie erwartet: Umgeben von Stacheldraht und hohen Mauern, ohne Kontakt zur Außenwelt sind die Schüler dort Gefangene. Es gibt keine Lehrer, aber strikte Regeln, deren Einhaltung durch Kameras überwacht und mit harten strafen geahndet wird. Die Schüler sind gezwungen, um ihr Überleben an der Schule zu kämpfen. Gegen die Regeln verliebt sich Benson in Jane. Als sie bei einem brutalen Kampf schwer verletzt wird, macht Benson eine grauenvolle Entdeckung…


Mein ganzes Leben lang war ich allein gewesen, aber so einsam wie jetzt hatte ich mich noch nie gefühlt. Zitat Seite 329

Meine Gedanken zu dem Buch:

Der Hauptprotagonist Benson ist seit seinem 5. Lebensjahr in dreiunddreißig Pflegefamilien gewesen und sieht endlich eine Chance auf ein besseres und glückliches Leben in dem neuen Elite-Internat. Ungeahnt dessen was ihn dort erwartet, macht er sich voller Vorfreude auf eine bessere Zukunft auf den Weg. Benson muss bereits bei der Ankunft erkennen, dass das Gebäude selbst äußerlich auf den ersten Blick nicht wie eine gewöhnliche Schule wirkt, sondern eingefasst von Mauern und Stacheldraht eher einem Gefängnis gleicht. Robison Wells nimmt bereits ab der ersten Seite ein ziemliches Tempo auf. Der Verlauf der Story ist perfekt aufgebaut und enthält auch keine unnötigen, langatmigen Passagen. Die Charaktere sind gut durchdacht und fügen sich einheitlich in den Verlauf ein. Während man zu Beginn glaubt zu wissen, wie sich die Geschichte entwickelt, wird man rasch eines besseren belehrt und ist über die Vorkommnisse und neuen Bekanntschaften in der Geschichte derart erstaunt, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Robison Wells hat hier eine rasante und spannende Hetzjagd geschrieben, dessen Fortgang nicht lange auf sich warten lassen wird.

Dieser Bildschirm beherrschte unser Leben – er sagte uns, wo wir hinmussten, wann wir dort sein mussten und welche Kleidung wir zu tragen hatten. Zitat Seite 203

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Internatsgeschichten reizen mich immer besonders, da ich selber in einem Internat aufgewachsen bin, allerdings war es trotz der strengen Regeln nicht gefährlich und von der Außenwelt isoliert, wie hier beschrieben. Ein packender Pageturner ab der ersten Seite. Benson ist ein wahrhaft starker Charakter und der Verlauf der Geschichte  überrascht den Leser von Kapitel zu Kapitel. Unvorbereitet und mit voller Wucht wird man immer wieder aufs Neue geschockt und driftet immer tiefer in die Fänge der Mitschüler und deren, die die Schule gegründet haben. Glücklicherweise muss der Leser hier nicht lange auf die Fortsetzung warten, denn im August erscheint bereits der zweite Teil.

© Rezension: 2014, Aygen (AE) www.buecherkaffee.de

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54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

gorilla, tiere, kinderbuch, tiergeschichte, zoo

Der unvergleichliche Ivan

Katherine Applegate , Ingrid Ickler , Patricia Castelao
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Knesebeck, 20.02.2014
ISBN 9783868736946
Genre: Kinderbuch

Rezension:



Es gibt Tiere, die leben im Verborgenen, unbeobachtet. Mein Leben ist anders. ~ Zitat Seite 13

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Der Silberrücken Ivan lebt mit Stella, einer alten Elefantendame, und Bob, einem herrenlosen Hund, in einer heruntergekommenen Zirkus-Mall. Früher einmal war er ein wilder Berggorilla. Doch er erinnert sich kaum an sein Leben in Freiheit und hat sich mit seinem tristen Dasein abgefunden. Das Wichtigste sind ihm seine Freunde Bob, Stella und Julia, die kleine Tochter seines Pflegers George. Als Ruby, ein Elefantenbaby, auftaucht und Stella Stella stirbt, ändert sich seine Situation schlagartig. Nun ist es an ihm, die Dinge zum Besseren zu wenden und ein wirkliches Zuhause für sich und seine Freunde zu finden.


Ich kann keine Traumbilder malen. Ich erinnere mich nie an meine Träume, obwohl ich manchmal mit geballten Fäusten und klopfendem Herz aus dem Schlaf aufschrecke. ~ Zitat Seite 15


Meine Gedanken zu dem Buch:
Die Geschichte über Ivan und seine Freunde wird aus der Perspektive von Ivan geschildert. Ivan erzählt uns seine Geschichte. Beginnend mit dem Leben im Käfig in der Shopping-Mall, über kleine Erinnerungen aus seiner Zeit davor, bis zu seiner Befreiung und dem schönen Leben im Zoo. Ivan lässt uns an seinen Gedanken teilhaben und beschreibt die Menschen aus seiner Sicht. Schildert auf so unvergleichliche Art und Weise seine Geschichte über seine Freunde in der Shopping-Mall. Stella, die alte, schwächelnde Elefantendame, Bob, der wilde Streuner, der dem Leser hier und da ein Lächeln zaubert und nicht zuletzt, die kleine Ruby, das Elefantenbaby.

Die Autorin hat hier eine ganz bezaubernde Kindergeschichte geschrieben, die auch einige wahre Schilderungen über den Gorilla Ivan enthalten. Genau diese Mischung aus den Geschehnissen, Gedanken und wahren Ereignissen bilden hier eine wundervolle, mit zauberhaften Abbildungen geschmückte Geschichte. Ivan, wird nicht nur als starker, kluger und warmherziger Gorilla dargestellt, die Beschreibung seiner Gedanken und seiner Mimik, vermitteln das bekannte Gesicht eines Gorillas. Ein tiefer, intensiver Blick, der dennoch Wärme ausstrahlt. Ein Gorilla, dessen Beschützerinstinkt trotz der jahrelangen Gefangenschaft und ohne Kontakt zu anderen Artgenossen, so ausgeprägt und ungebrochen ist. Ein wundervolles Buch, das einen besonderen Platz in meiner Sammlung erhalten wird.

Ich bin seit 9855 Tagen in meinem Zuhause. Allein. Früher, als ich noch jung und dumm war, dachte ich, ich wäre der letzte Gorilla auf der ganzen Welt. Ich habe versucht, nicht darüber nachzudenken. Es ist nicht so einfach, gut gelaunt zu bleiben, wenn man glaubt, der einzige seiner Art zu sein. ~ Zitat Seite 24

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:
Ich habe seit Langem kein Kinderbuch gelesen und bin auf dieses zufällig im Katalog einer Buchhandlung gestoßen. Das Cover hat mich gleich angesprochen und der Titel klang einfach gut. Zudem mag ich Gorillas. Sie strahlen so viel Stärke aus und wirken in vielerlei Hinsicht so menschlich. Genau dieses Gefühl wird hier auch durch die Autorin vermittelt. Ein starker Berggorilla, der gleichzeitig so viele menschliche Züge und Angewohnheiten hat, dass er eher menschlich wirkt. Die Geschichte der Autorin zu diesem Buch ist faszinierend und schenkt dem Ganzen noch die besondere Note. Ich habe dann einfach, weil mich die wahre Geschichte von Ivan so interessiert hat, im Internet recherchiert und bin tatsächlich auf der Seite des Zoo´s von Atlanta/USA fündig geworden. Hier kann man sich ein Video des inzwischen verstorbenen Ivan ansehen. Ein bezauberndes, altersentsprechendes Kinderbuch, so herzerwärmend, berührend und lustig zugleich. Eine absolute Leseempfehlung für Jung und Alt.

Endlich draußen – Himmel. Gras. Baum. Ameise. Stock. Vogel. Dreck. Wolke. Wind. Blume. Felsen. Regen. Meins. Meins. Meins. ~ Zitat Seite 231


© Rezension: 2014, Aygen (AE) www.buecherkaffee.de

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98 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 38 Rezensionen

familie, philadelphia, rassismus, great migration, usa

Zwölf Leben

Ayana Mathis , Susanne Höbel
Fester Einband: 368 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.2014
ISBN 9783423280280
Genre: Romane

Rezension:



Sie empfand den Tod der Kinder wie einen Riss durch den eigenen Körper. Hatties Kinder starben in der Reihenfolge, wie sie zur Welt gekommen waren: erst Philadelphia, dann Jubilee. ~ Zitat Seite 27

Ein kleiner Einblick in den Klappentext

Als Hattie ihre erstgeborenen Zwillinge Philadelphia und Jubilee taufte, war das Ausdruck einer großen Hoffnung. Hatte der Norden, die »Wiege der Freiheit«, den Schwarzen, die aus dem Süden kamen, nicht Gleichheit und Wohlstand versprochen? Und schmeckte das Leben in dem kleinen Haus an der Wayne Street nicht nach Zukunft? Hattie wird noch viele weitere Kinder bekommen, aber kaum etwas von ihren Hoffnungen wird sich erfüllen. Schmerz über Versagen und Schicksalsschläge überschattet Hatties Dasein. Es ist ein Schmerz, der sich fortschreiben wird in die nächste Generation.



Stolz ist der Grund für den Niedergang vieler Menschen. Irgendwann musst du dich umdrehen und gucken, was es ist, wovor du wegläufst. ~ Zitat Seite 295

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die Autorin beschreibt die Lebensgeschichte von Hattie, ihren elf Kindern und einer Enkeltochter in zwölf Einzelportraits. Die Ereignisse finden zwischen den Jahren 1925 und 1980 statt. Auf den letzten Seiten des Buches sind zusätzlich noch einmal eine Zeittafel, sowie eine Abbildung eines Stammbaums der großen Familie vorhanden. Es handelt sich um eine besondere Familien Saga, deren Inhalt erst zum Schluss ein einheitliches Bild gewährt. Auch die Erzählreihenfolge ist nicht, wie vermutet, chronologisch, dennoch kommt man nach dem schweren Einstieg relativ schnell in die Geschichte und beginnt auch im Verlauf, die einzelnen Lebensereignisse zu einem Ganzen zusammenzufügen. Die Charaktere wurden von der Autorin sehr authentisch und selbständig beschrieben. Jedes der Kinder ist auf seine Art besonders und dennoch erkennt man die charakterlichen Züge der Mutter in jedem von Ihnen. Eine Geschichte mit Tiefgang, Verzweiflung, Mut und Melancholie.

Die Ereignisse und Erlebnisse der Kinder sind nie banal geschildert. Im Gegenteil, wie auch die Mutter Hattie haben die Kinder im Lauf ihres Lebens so einiges mitgemacht und zeigen zeitgleich eine Verletzlichkeit und Härte auf, die man sich meist nur aneignet, um bewusst anderen das Gefühl von Unnahbarkeit zu vermittelt. Zum Selbstschutz vor Fremden und in diesem Fall auch teilweise vor der eigenen Familie. Die Autorin schafft hier eine schwere Atmosphäre gepickt durch harte Schicksalsschläge, Lebenskrisen und dem bitteren Beigeschmack, alter geschichtlicher Ereignisse, die uns zum Glück erspart geblieben sind.  Ein Roman über das Leben und wie viel eine doch so zarte Seele in jedem von uns, zu vertragen vermag. Die Autorin hat hier ein grandioses Meisterwerk hinterlassen.

Es erfordert eine gewisse Zärtlichkeit, die Anziehsachen für einen kleinen Menschen rauszulegen. Mutter war nie zärtlich. ~ Zitat Seite 328


Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Lange Zeit habe ich zwischen den einzelnen Kapiteln pausieren müssen und mir bewusst viel Zeit beim Lesen gelassen. Dieser Roman bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Gerade zu Beginn, erkennt man aufgrund der mangelnden chronologischen Reihenfolge einzelner Kapitel, den Zusammenhang nicht sofort. Aber in der fortlaufenden Geschichte entwickelt sich dann ziemlich rasch ein persönlicher Rhythmus, der auch die Teilchen zum Ganzen zusammenfügt. Man erkennt Hattie, die eigentlich die Hauptrolle in dieser Geschichte ist, in jedem ihrer Kinder. Ihren Einfluss auf das Leben jedes Einzelnen. Hattie verliert selbst mit zunehmendem Alter, nicht an der beschriebenen Stärke und dem Mut zur Veränderung. Ihr Kampfgeist erlischt einfach nicht und das, obwohl sie im Leben so einiges an Schicksalsschlägen verkraften musste. Ein wunderbares Buch, das mich etwas an den Film „Die Farbe Lila" erinnert. Ein Debütroman, der einiges an Anerkennung und Aufmerksamkeit verdient hat.

Noch war sie nicht zu alt, um ein weiteres Opfer zu überstehen. ~ Zitat Seite 362


© Rezension: 2014, Aygen (AE) www.buecherkaffee.de

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

fortsetzun, serie, band 14, krim, reihe

Machtkampf

Manfred Bomm
Flexibler Einband: 504 Seiten
Erschienen bei Gmeiner-Verlag, 05.02.2014
ISBN 9783839215159
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Nur einige Straßenlampen, die von der energiesparenden Nachtschaltung ausgenommen waren, erhellten die schwarz glänzenden Straßen. ~ Zitat Seite 103

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

RUFMORD Das ländliche Idyll wird jäh zerstört: Der rätselhafte Selbstmord eines Viehhändlers erschüttert ein Dorf auf der Alb. Dass es sich um den besten Freund eines Großgrundbesitzers handelt, der nach den Hofgütern der kleinen Bauern trachtet, erweckt sofort den Argwohn von Kommissar August Häberle. Und als gegen den neuen örtlichen Pfarrer eine schwerwiegende Anschuldigung erhoben wird, tun sich menschliche Abgründe auf…


"Er war ein bislang unbescholtener Mann, 63 Jahre alt, Familienvater noch dazu. Und was weitaus schlimmer wog: Er war Pfarrer." Zitat Seite 7

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die Covergestaltung ist zum Inhalt passend gewählt. Hier handelt es sich um den 14. Fall des Kommissars August Häberle. Ein häufig vorkommender Familienname im schwäbischen Raum. Die Beschreibung der einzelnen Handlungsorte und Charaktere sind einfach gehalten. Die Geschichte besteht aus mehreren Vorkommnissen, die letztendlich einen gemeinsamen Abschluss finden. Beginnend mit einem anfänglich geglaubten Selbstmord, über Kindesmissbrauch und sogar einem kleinen Zwangsausflug weit über die Grenzen der Schwäbischen Alb bis nach Moskau und Thailand. Der Leser findet hier einen schnellen Einstieg und die Puzzleteile fügen sich von Kapitel zu Kapitel verständlich zusammen. Ein klassischer Krimi, der Aufbau ist einfach und dennoch spannend geschrieben. Der Schreibstil ermöglicht dem Leser, trotz der vielen vorkommenden Ereignisse und auch Personen einen guten Überblick. Die Geschichte findet im letzten Drittel einen sauberen und zusammenfassenden Abschluss.

"Der Angeschuldigte schloss die Augen. Er versuchte, sich den kleinen Manuel vorzustellen. Schüchtern, verängstigt, kontaktarm. Kaum in der Lage sich zu artikulieren." Zitat Seite 8

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Mein erster Bomm. Regionalkrimis sind jetzt nicht jedermanns Sache. Sie sind häufig sehr einfach gehalten und entsprechend ist der Storyaufbau auch ziemlich simpel und logisch. Hier hat sich der Autor mit der Täterbekanntgabe bis zum Schluss Zeit gelassen. Da ich ja die meisten beschriebenen Ortschaften bzw. Städte bis auf Rimmelbach auch zum größten Teil kenne, war für mich jetzt der Spannungsfaktor nicht allzu groß, was die Beschreibung, die Aufklärung und die Vorkommnisse angeht. Nichtsdestotrotz finde ich persönlich, dass dieses Werk ganz gut ohne Schnörkel und Schnickschnack auskommt. Einfach aber gut. Der einzige Störfaktor waren nicht die sozialkritischen Äußerungen des Autors an sich, sondern die ständige Erwähnung eines nahezu jeden Titelthemas aus der Zeitung. Das war mir dann stellenweise doch etwas zuviel, die Story allein hätte mir vollkommen auch ohne diese ständigen Erwähnungen gereicht. Da ich keinen Vergleich zu seinen vorigen Werken ziehen kann, kann ich nur meine persönliche Meinung hierzu äußern. Ein unterhaltender und spannender Krimi mit einem sauberen Aufbau und Abschluss.

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (ae)buecherkaffee.blogspot.de


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40 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

reise, dänemark, krankheit, behinderung, freundschaft

Der Tod fährt Audi

Kristian Bang Foss , Nina Hoyer
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei carl's books, 10.03.2014
ISBN 9783570585290
Genre: Romane

Rezension:

Wir setzten uns an den Tisch, und Waldemar erzählte mir von seinen Krankheiten und Syndromen. Er war ein wandelndes Lexikon seltener und unschöner Leiden, ja, er hatte so viele Krankheiten, dass ich wohl ohne Weiteres einen Mord begangen hätte, um vor derlei verschont zu bleiben. Zitat Seite 20

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Der Werbetexter Asger wird nach einer grandios verpatzten Kampagne gefeuert und fühlt sich von der Welt betrogen. Als er einen Pflegejob bei einem Mann im Rollstuhl annehmen soll, will er sich am liebsten drücken. Aber dann freunden sich Asger und der todkranke Waldemar an. Mit gnadenlosem Zynismus und viel schwarzem Humor betrachten sie ihr tristes Dasein. Bis Waldemar Asger zu einer verrückten Reise von Dänemark bis nach Marokko überredet, wo es einen Wunderheiler geben soll.Die Fahrt mit einem schrottreifen VW-Bus durch ganz Europa wird zu einem unvergesslichen Erlebnis voller skurriler Begegnungen und ungeahnter Hürden. Und was hat es mit dem mysteriösen Audi auf sich, der an den unterschiedlichsten Orten der Reise immer wieder auftaucht? Der Tod fährt Audi ist ein herrlich unterhaltsamer, tragikomischer Roman über eine einzigartige Freundschaft und die Abenteuer, die das Leben bis zuletzt bereithält.
"Ein weiteres typisches Kennzeichen von Stentofte waren die Brände: mindestens einmal im Monat ging irgendetwas in Flammen auf, seien es Müllcontainer, Autos oder schlimmstenfalls Gebäude. Das Freizeitheim war schon vor Langem abgefackelt worden, zurückgeblieben war nur eine Brandstätte." ~ Zitat Seite 46

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die Covergestaltung ist ansprechend und der Titel erweckt auf jeden Fall die gewünschte Aufmerksamkeit. Dem Klappentext folgend erwartet man einen aufregenden, spannenden und auch humoristischen Roman. Der Schreibstil ist zu Beginn fesselnd und auch der Einstieg erklärend und ermöglicht somit dem Leser auch einen kleinen Überblick über die Hauptprotagonisten Asger und Waldemar. Wie gesagt, zu Beginn schafft der Autor eine gewisse Übersicht und einen kleinen Einblick in das Leben beider Männer und somit auch in den Verlauf bzw. das Kennenlernen der Beiden, trotz unterschiedlicher sozialer Schichten und Stadtteilen. Die Geschichte spielt zum Größtenteils in Stentofte, ein Viertel außerhalb der Stadt in Dänemark. Es wird eher als ein Ghetto beschrieben, abgewrackte Wohnviertel, kriminelle Jugendliche, Armut und auch die Umgangsarten innerhalb der Gemeinde werden sehr anschaulich beschrieben.  Asger ist eigentlich Werbetexter und verliert aufgrund eines Fehlverhaltens nicht nur seinen Job, sondern auch seine Partnerin und das Stiefkind und in diesem Zusammenhang auch seine Wohnung. Ab da rutscht er dann auch ab, verlottert und seine Lebensverhältnisse verändern sich negativ. Er verliert den Zugang zur Gesellschaft, bis er die Stelle als Pfleger bei Waldemar bekommt. Waldemar ist todkrank und lebt in Stentofte. Es entwickelt sich eine besondere Freundschaft zwischen beiden Männern. Der Schreibstil des Autors ist ansprechend, jedoch stellenweise zu langatmig und leider werden die krankheitsbedingten schweren Situationen meines Erachtens zu detailliert beschrieben, so dass sie bei mir eher eine Abneigung hervorriefen. Auch die anfänglich komischen Situationen und Witze beider Männer flachen ab und man verliert als Leser etwas den Bezug zur Geschichte. Ein tragisch-komischer Roman, der zwar eine Story aufweist, jedoch im Laufe der Geschichte zu ausladend und abweichend der ursprünglich erwartenden Geschichte wird. Der Schluss ist erwartet tragisch, jedoch dann meiner Meinung nach doch zu flapsig und kurz formuliert. Etwas weniger von der langen und wirren Fahrt und dafür etwas mehr Tiefgang am Ende hätte für meinen Geschmack die Story noch retten können.

"Aldi kennen alle, das ist einfach ein Laden, in dem man preiswert einkaufen kann, Stentoftes Netto dagegen ist etwas ganz anderes, ja, dieser Supermarkt ist der Inbegriff der Hoffnungslosigkeit: Die Bratwürste in den Kühltruhen bestehen aus einer grauen Masse aus Angst und Verzweiflung, die Wurst ist Elend in Schreiben, Die Kassiererin die vollkommene Verkörperung einer Selbstmordkandidatin." ~ Zitat Seite 26

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Vorab, es handelt sich hier ausschließlich um meine persönliche Meinung zu diesem Buch. Es gibt hier und da eben literarische Werke, die nicht jedermanns Geschmack treffen. Als ich den Klappentext las, dachte ich erst an eine alte bereits bekannte Geschichte von zwei Männern und ihrer besonderen Freundschaft. Die Thematik an sich sprach mich an, jedoch der Aufbau und Verlauf der Geschichte haben mich etwas enttäuscht. Vielleicht lag es auch einfach daran, das ich einfach mit den Protagonisten nicht warm wurde bzw. eher eine Antipathie entwickelte, was wohl auch auf die Verhaltensweisen der Beiden zurückzuführen ist. Schade, ein Buch das mich leider nicht erreicht hat. Es ist zwar ein trauriger Roadmovie - allerdings nicht wie ich mir einen klassischen Roadmovie vorstelle bzw. gewünscht hätte. Aber wie gesagt, das entspricht nur meiner Meinung und ich bin überzeugt, dass auch dieses Werk bei dem einen oder anderen Leser die gewünschte Stimmung und Euphorie ausgelöst hat.

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (ae) buecherkaffee.blogspot.de

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681 Bibliotheken, 8 Leser, 2 Gruppen, 123 Rezensionen

liebe, mathematik, matt haig, menschsein, menschen

Ich und die Menschen

Matt Haig ,
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei dtv, 01.04.2014
ISBN 9783423260145
Genre: Romane

Rezension:

Für die, die es nicht wissen sollten: Menschen sind eine reale, zweibeinige Lebensform von mittelmäßiger Intelligenz, die von Illusionen geprägt auf einem kleinen, wasserreichen Planeten in einer sehr einsamen Ecke des Universums existiert. Zitat Vorwort Seite 12

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

"In einer regnerischen Freitagnacht wandert Andrew Martin, Professor für Mathematik in Cambridge, nackt eine Autobahn entlang. Professor Martin ist nicht mehr er selbst. Ein Wesen mit überlegener Intelligenz und von einem weit entfernten Stern hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser neue Andrew hält nicht viel von den Menschen, jeder weiß schließlich, dass sie zu Egoismus, übermäßigem Ehrgeiz und Gewalttätigkeit neigen. Doch andererseits: Kann eine Lebensform, die Dinge wie Weißwein und Erdnussbutter erfunden hat, wirklich grundschlecht und böse sein? Und was sind das für seltsame Gefühle, die ihn überkommen, wenn er Debussy hört oder Isobel in die Augen blickt?"

"Man kam auf die Welt mit Babyhänden und Babyfüßchen und kannte nichts als unendliches Glück, und dann ließ das Glück allmählich nach, im gleichen Maß, in dem Hände und Füße wuchsen. Ab der Teenagerzeit begann das Glück einem durch die Finger zu rinnen und gewann dabei immer mehr an Masse." Zitat Seite 146

Meine Gedanken zu dem Buch:

Als ich das Cover sah, wollte ich dieses Buch unbedingt haben. Der Klappentext klang zugleich spannend und lustig. Besondere Erwartungen hatte ich an diese Geschichte anfänglich nicht. Ich dachte mir: "Ok, ein Alien nimmt Besitz von einem menschlichen Körper und muss auf der Welt einen Auftrag erfüllen und zudem womöglich menschliche Wesen eliminieren" Falsch gedacht, das mag auf den ersten Blick die Grundidee sein, aber dieser Roman ist mehr. Matt Haig schafft eine unglaubliche Atmosphäre durch seinen wunderbaren Schreibstil. Auf eine lustige Art und Weise schildert der Protagonist, ein Außerirdischer, wie Menschen auf ihn wirken, aussehen und sich verhalten. Er baut jedoch geschickt wunderbare literarische Zitate und Lebensweisheiten in die Story ein und nimmt den Leser mit auf eine besondere Reise. Eine Reise zu seinem ICH. Der Leser betrachtet das Leben aus einem anderen Blickwinkel. Man beginnt über sich und sein Leben zu philosophieren, erkennt sich in vielerlei Dingen selber als komisches Wesen an, geprägt durch die Gesellschaft und längst im Alltag versunken ohne sich bewusst darüber zu sein, wie Besonders wir doch sind. Wir sind einzigartig und es grenzt an ein Wunder, das wir, genau wir, auf dieser Welt sind. Wie gering die Wahrscheinlichkeit an sich überhaupt an sich ist, das Glück zu besitzen, tatsächlich das Licht der Welt erblicken zu dürfen. Ich kann dieses Buch jedem wärmstes empfehlen, der bereit ist, sich auf eine verrückte Geschichte mit unerwartetem Tiefgang einzulassen. Ein besonderer Lesegenuss mit einer gelungenen Story und einer wichtigen Botschaft.

"Strebe nicht nach Perfektion. Die Evolution und das Leben kommen nur durch Fehler weiter." Zitat Seit 326 Punkt 30  

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Ein beeindruckender Roman, vor allem dann, wenn man sich die Nachbemerkung des Autors durchliest. Die Idee zum Roman ist faszinierend. Dieses Buch mag dem Klappentext nach und auch inhaltlich stellenweise humoristisch und unreal sein, aber es hinterlässt dem Leser nicht nur wundervolle Zitaten sondern regt zum Nachdenken an. Man wird durch philosophische Abschnitte und Zitate zum  Leben, Sein und Lieben angeregt. Eine absolute Leseempfehlung und dank der vielen Zitate wird dieses Buch sicher noch oft aufgeschlagen werden.

"Liebe ist das, was die Menschen ausmacht, und doch haben sie keine Ahnung, wie sie funktioniert. Wenn sie es wüssten, wäre sie nicht mehr da." Zitat Seite 235

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (ae) buecherkaffee.blogspot.de

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63 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 39 Rezensionen

indien, weltreise, humor, siebeneisen, james cook

Freitags in der Faulen Kobra

Stefan Nink
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Limes, 17.03.2014
ISBN 9783809026365
Genre: Humor

Rezension:

Alle trugen sie die gleiche weiße Uniform, den gleichen Turban in Orange und den gleichen imposanten Schnauzer. Siebeneisen vermutete, dass es sich um die Achtlinge einer kinderreichen Familie handelte, die allesamt hier einen Job gefunden hatten. Zitat Seite 20

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Um einem indischen Maharadscha zu helfen, begibt sich Siebeneisen erneut auf Weltreise: Er soll die Bruchstücke einer magischen Elefantengottstatue finden, die der legendäre Entdecker James Cook vor 250 Jahren versteckt hat. Leider aber haben auch andere die Suche nach den Statuenteilen aufgenommen. Also liefert sich Siebeneisen ein Wettrennen mit den unbekannten Meisterdieben, das von Rajasthan in Indien unter anderem nach Tonga, Neusseeland und Hawaii führt. Außerdem  mit dabei: eine Kobra mit Vorliebe für AC/DC-Gitarrensoli, ein Guru mit Kräuterschnaps – und natürlich Siebeneisens Freunde Wipperfürth und Schatten.

Meine Gedanken zu dem Buch:

Weiter immer weiter! Lautet gleich zu Beginn ein Zitat von Oliver Kahn und genau dieses Zitat beschreibt das Lesegefühl ab der ersten Seite. Auf knapp 448 Seiten bereisen wir die Welt, beginnend in Indien über Tonga, Neuseeland, Hawaii bis nach Japan. Verrückter kann es nicht sein. Die Anreise zu den einzelnen Ländern ist haarsträubend und chaotisch organisiert. Man steigt zig Mal vom Flieger auf ein Schiff, weiter mit dem Bus, bis man endlich sein Ziel erreicht. Wipperfürth ist ein Reiseplaner, den man sich im wahren Leben definitiv nicht wünscht. Sein Credo lautet: Je billiger umso besser. Das Buch beschenkt einen mit jede Menge Lachern. Stefan Nink findet für alle antreffende Menschengruppe eine urkomische und perfekte Umschreibung, die einen jedes Mal laut auflachen lässt.

Die meisten Besucher wirkten, als hätten sie das Auktionshaus zufällig während eines Stadtbummels entdeckt. Sie trugen grellfarbene Trekkingjacken und schleppten Einkauftüten in den Saal, suchten lange nach einem passenden Platz und verließen diesen drei Minuten später wieder, weil sie einige Stuhlreihen weiter vorne einen vermeintlich besseren ausgemacht hatten. Andere waren offenbar nicht in der Lage, ihre Mobiltelefone auszuschalten, unentwegt erklangen Sirenentöne oder Popsong-Intros oder quietschende Stimmen, die Dinge wie Muddi! Gemarann, Muddi riefen. Zitat Seite 10

Trotz der Komik, ist die Reise nach den heiligen Bruchstücken einer Elefantenstatue neben all der Komik auch geografisch Lehrreich und sehr spannend. Die einzelnen Stationen wecken den Backpacker Instinkt in mir und ich würde zu gerne mit Siebeneisen und Schattens Kreditkarte die Welt bereisen. Ein grandioses Buch, was bis zum letzten Drittel, den Leser im Dunkeln tappen lässt. Die Aufdeckung bzw. Entdeckung des Meisterdiebes hat mich sehr überrascht, denn bis zu dem Zeitpunkt war ich so gefesselt, dass ich tatsächlich nicht damit gerechnet hätte. Die Covergestaltung ist bunt und verrückt, wie das Buch selber. Stefan Nink ist eine wunderbare Abenteuergeschichte gelungen, die sowohl Jung und Alt begeistern wird. Eine absolute Leseempfehlung.

Wie Du Dich bestimmt erinnern kannst, habe ich vor einigen Jahren Elbisch gelernt, die Sprche des Volkes der Sterne. Untere VHS-Leiterin weigert sich ja bis heute, einen solchen Sprachkurs anzubieten. Deutsch für alle und Englisch für Berufseinsteiger seien ihr wichtiger, argumentiert sie. Angeblich hätte es auch keine kommunalen Zuschüsse für Kurse gegeben, in denen Fantasiesprachen unterrichtet werden. Da kann man mal sehen, wie kulturlos unsere Welt geworden ist! Zitat Seite 197


Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Dieser Roman war mein erste Buch des Autors und ich bin begeistert. Ich habe mir diesmal bewusst viel Zeit beim Lesen gelassen, denn dieses Buch beschert unvergesslich, komische Lesestunden und lässt einen komplett abschalten. Man kommt aus dem Lachen gar nicht raus. Wer geschichtlich Interessiert ist, kommt hier nicht zu kurz. Die Verbindung zwischen Komik und geschichtlichem Hintergrund sowie eine kleine literarische Weltreise sind hier garantiert. Stefan Nink liefert einen grandiosen Kurzurlaub.

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (AE)buecherkaffee.blogspot.de

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71 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 20 Rezensionen

türkei, liebe, patchworkfamilie, sayan, ostern

Heartbreak-Family: Als ein anderer mir den Kopf verdrehte

Deniz Selek
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei FISCHER KJB, 27.03.2014
ISBN 9783596855421
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als uns die Leute interessiert musterten, wurde mir zum ersten Mal bewusst, was wir für einen Anblick boten. Fünf Menschen mit heller und dunkler Haut, eine südländische Schwangere, ein mädchen mit langen roten Haaren, eins mit schwarzen Korkenzieherlocken, ein Junge mit Dreads und Halbafrikaner mit Glatze. Zitat Seite 41

Ein kleiner Einblick in den Klappentext:

Jannah fliegt mit ihrer Patchworkfamilie in die Türkei. In der ferienanlage lernt sie einen Jungen kennen, der alles hat, was einen coolen Typen ausmacht. Er sieht gut aus, ist total nett, sportlich, und schnell fängt es zwischen Jannah und ihm an zu knistern. Das passt ihrem Stiefbruder Ken nun aber überhaupt nicht. Eifersüchtig lässt er Jannah und ihren Neuen nicht mehr aus den Augen. Bis zur Abschiedsparty am Strand…

Mit den Ohren im Meer lauschte ich. Auf das Krsipeln der Sandkörner unter mir, das Klickern der Kieselsteine, das Zischen der Wellen, die an den Strand glitten, und auf das dumpfe Gluckern endloser Weite. Zitat Seite 152

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die Aufmachung und die Covergestaltung haben sich kaum verändert, was aber den Wiedererkennungswert des Buches steigern. Auch das Glossar ist wieder greifbar und erklärt die türkischen Begriffe und Sprichwörter. Diesmal taucht ein weiterer Charakter auf. Sayan, ein Junge, den Jannah im Urlaubsparadies Bodrum in der Türkei kennenlernt und für den sie zu schwärmen beginnt. Dennoch lies mich die ganze Zeit über das Gefühl nicht los, dass sie stärkere Gefühle für Ken hat. Ken stichelt zwar immer noch aber diesmal zeigt er auch Gefühle. Seine Eifersucht ist selbst für die anderen Familienangehörigen nicht zu übersehen. Deniz Selek schafft auch diesmal eine tolle Atmosphäre. Man fühlt sich verliebt und schwebt im 7. Himmel. Die Entwicklung der Story erreicht diesmal am Ende den Höhepunkt und lässt mich glücklich zurück. Ich kann dieses Buch jungen Mädchen wärmstens empfehlen. Teeniealltag gepaart mit romantischen Momenten an einem wunderschönen warmen Ort. Eine außergewöhnliche Patchworkfamilie, die man schnell lieb gewinnt und nicht mehr missen möchte.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Diese Buch lässt mich auch diesmal mit einem glücklichen Seufzer zurück. Bereits im ersten Teil von Heartbreak Family war ich von der Patchwork Familie begeistert und habe ganz aufgeregt auf die Fortsetzung gewartet. Ein wunderbaren Jugendbuch, altersentsprechend und so bezaubernd geschrieben, dass man dieses Kribbeln in Jannah nur zu gut nachvollziehen kann. Wer bereits Teil 1 kennt, wird im zweiten Teil auf jedenfall auf seine Kosten kommen. Ken und Jannah sind einfach wunderbar.

Ein Blick ohne rechts und links, mitten durch die Menge, mitten durch alles, was bisher geschehen war, mitten in mein Herz. Zitat Seite 210

© Rezension: 2014, Aygen Ekici (AE)buecherkaffee.blogspot.de

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liebe, gemeinsamkeiten, unterschiede, einsamkei, brieffreundschaft

Die unverhofften Zutaten des Glücks

Deborah McKinlay , Frauke Brodd
Fester Einband: 288 Seiten
Erschienen bei Heyne HC, 03.03.2014
ISBN 9783453269057
Genre: Liebesromane

Rezension:

Rezension {Aygen} | die unverhofften Zutaten des Glücks | Deborah McKinlay

 

Ich glaube, jeder muss sein eigenes Rezept finden, und ich habe meins entdeckt.  – Seite 285

 

Ein Blick in den Klappentext:

Aus einer Laune heraus schreibt die Britin Eve dem amerikanischen Bestsellerautor Jack Cooper einen Leserbrief. Und er antwortet! So beginnt eine wunderbare Freundschaft. Beide teilen die große Leidenschaft für das Kochen und gutes Essen – und beide stecken mitten in einer existenziellen Lebenskrise. Sie spenden sich gegenseitig vorsichtig Trost und Rat, wodurch ihre Beziehung immer inniger wird. Schließlich schlägt Jack ein Treffen in Paris vor. Doch das fürchtet Eve, kann niemals stattfinden…

 

Meine Gedanken zu dem Buch:

Als ich den Klappentext las, dachte ich zuerst an eine klassische Liebesgeschichte zweier Menschen. Das Buch beginnt mit einem Leserbrief an einen Autor Namens Jack Cooper. Eve Petworth ist Britin, wohlhabend und lebt in England. Sie hat eine erwachsene Tochter und wurde vor langer Zeit von ihrem Ehemann verlassen. Sie wird als ruhige und sensible Person beschrieben und hatte bisher schwer unter ihrer herrschsüchtigen Mutter Virginia zu leiden, welcher inzwischen verstorben ist, jedoch Eve´s Leben stark geprägt und auch ihre Persönlichkeit und Entwicklung beeinflusst hat. Ihre Tochter Izzy kommt charakterlich ihrer Großmutter Virginia gleich, anfänglich hochmütig und teilweise respektlos gegenüber ihren Mitmenschen. Eve hingegen ist in dieser Familie, wie es scheint, der Ruhepol, sie hält sich zurück und hat sich ihr Leben lang damit abfinden müssen, die zweite Geige zu spielen.

 

Das Einzige, was passierte, war, dass sie sich zum Klang des Gelächters ihrer Mutter mit dem baldigen Verlust der Zuneigung ihres Ehemanns abfand. Wie ein Vogel, dessen Herz bereits versagt, bevor die Katze ihn tatsächlich tötet.– Seite 32

 

Umso überraschender ist es für sie, das tatsächlich ihr Lieblingsautor Jack Cooper auf ihren Leserbrief antwortet. Jack Cooper strotzt zu Beginn der Geschichte vor Selbstbewusstsein und trotz der Rückschläge in seinem Leben, ist er der geborene Lebemann, immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer. Insbesondere seit seine Frau ihn für eine andere Frau verlassen hat, scheint er ein verletztes Ego zu haben und dies durch kurzweilige Bekanntschaften wettmachen zu wollen. Über die Dauer der Geschichte entwickeln sich Eve und Jack getrennt voneinander weiter. Er in den USA , sie in England. Anfänglich tauschen Sie Kochrezepte und mit der Zeit entwickelt sich eine innige Freundschaft zwischen Beiden. Jack steht vor seinem 50. Geburtstag und steckt Mitten in einer Lebenskrise, getrieben vom Gedanken noch etwas Besonderes, Außergewöhnliches erleben zu wollen.

 

Die Autorin schafft hier einen besonderen Schreibstil. Briefe und Emails begleiten uns durch beide Leben und man wünscht sich, dass Beide endlich zueinander finden. Der Schreibstil ist leicht, gefühlvoll und zum Ende hin auch melancholisch. Man bekommt einen Einblick in Eve´s und Jack´s Gefühlswelt. Dieses Buch kommt ohne große persönliche Begegnungen, Verliebtheit und ersten Dates aus und schafft dennoch ein Hauch von Romantik der besonderen Art. Obwohl man sich passagenweise mehr Kitsch und Elemente eines Liebesromanes wünscht, wird man nicht enttäuscht. Der Verlauf der Story ist zwar anders als man womöglich dem Klappentext nach vermutet, aber auch ein kleines Happy End mit dem Spielraum für eigene Gedanken, können verzaubern.

 

Worüber sie jedoch nachdachte, war die Tatsache, dass ihre Freundschaft zu Jack doch viel bedeutungsloser war, als sie sich eingeredet hatte. Durch dieses Foto, diese Abbild der Realität, in dem seine Hand wie selbstverständlich auf dem Arm der wunderschönen jungen Frau ruhte, hatte sich etwas verändert. Diese Etwas wurde ersetzt durch ein Gefühl, das ihr sehr vertraut war: Sie stand im Schatten, während jemand anders im Licht erstrahlte.-Seite 161

 

Kurz & gut – mein persönliches Fazit:

Passend zum Frühling ein leichter und kurzwelliger Roman. Ein zaghafter Brief und eine unverhoffte Antwort, die zu einer wunderbaren Freundschaft zweier Menschen auf verschiedenen Kontinenten führt. Anders als der Klappentext vermuten lässt entwickelt sich die Geschichte nicht zur gewohnten klassischen Romanze. Aber lest selbst.  

@Rezension: 2014, Aygen (AE)

 

Die unverhofften Zutaten des Glücks, erschienen im Heyne Verlag

 

Genre: Roman

Ausstattung: 288 Seiten, Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

ISBN13: 978-3-453-26905-7

Preis Printausgabe: 17,99 € [D]*

Preis eBook: 13,99€ [D]*

*Preis zum Zeitpunkt der Rezension

 

Quelle Coverbild:© Website Heyne Verlag, mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Buch Zitate:© by Deborah McKinlay

 

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freundschaft, sterbehilfe, meteorit, epilepsie, schweiz

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Gavin Extence , Alexandra Ernst
Fester Einband: 480 Seiten
Erschienen bei Limes, 03.03.2014
ISBN 9783809026334
Genre: Romane

Rezension:

Eigentlich ist anders zu sein in der Mittelstufe das einzige Verbrechen, das man begehen kann. Die meisten Dinge, die von der UN als Verbrechen betrachtet werden, sind in der Mittelstufe durchaus akzeptiert. Grausam zu sein, ist in Ordnung. Brutal zu sein, ist in Ordnung. Widerlich zu sein, ist Ordnung. Oberflächlich zu sein, ist besonders in Ordnung. Gewaltausbrüche sind in Ordnung. An der Demütigung anderer Gefallen zu finden, ist in Ordnung. Jemandes Kopf in eine Toilettenschüssel zu drücken, ist in Ordnung (und je schwächer das Opfer und je dreckiger die Toilette, umso besser). Nichts davon wird den sozialen Status beeinträchtigen. Aber anders zu sein – das ist unverzeihlich.  – Seite 99

 

Ein Blick in den Klappentext:

Alex Woods ist zehn Jahre alt, und er weiß, dass er nicht den konventionellsten Start ins Leben hatte. Er weiß auch, dass man sich mit einer hellseherisch begabten Mutter bei den Mitschülern nicht beliebt macht. Und Alex weiß, dass die unwahrscheinlichsten Ereignisse eintreten können – er trägt Narben, die das beweisen. Was Alex noch nicht weiß, ist, dass er in dem übellaunigen und zurückgezogenen lebenden Mr. Peterson einen ungleichen Freund finden wird. Einen Freund, der ihm sagt, dass man nur ein einziges Leben hat und man immer die bestmöglichen Entscheidungen treffen sollte. Darum ist Alex, als er sieben Jahre später mit 113 Gramm Marihuana und einer Urne voller Asche an der Grenze in Dover gestoppt wird, einigermaßen sicher, dass er das Richtige getan hat.

 

Meine Gedanken zu dem Buch:

 

Die Geschichte beginnt mit dem eigentlichen Ende. Als Alex am 03.Juli 2004 im Krankenhaus zu sich kommt, hat er bereits knapp einen Monat seines Lebens verloren. Er ist 10 Jahre alt, als ein Meteorit durch die Zimmerdecke des Hauses knallt und ihn schwer am Kopf verletzt. Es ist ein Wunder, das Alex überlebt. Er erfährt im Krankenhaus was passiert ist und ist total überrascht, dass er sich auch an nichts erinnern kann.

 

Als ich zu mir kam, dachte ich erst, ich sei im Himmel. Ich nahm an, es müsste der Himmel sein, weil alles so schmerzvoll weiß war. Nach einigen Zuckungen wurde mir klar, dass ich immer noch Augen und funktionierende Augenlider besaß, obwohl ich mein irdisches Dasein hinter mir gelassen hatte, und dass ich für den Bruchteil einer Sekunde durch die zusammengekniffenen Augen blinzeln konnte – war mir ratsam erschien, bis sich meine Augen an das Milliarden-Watt-starke Leuchten des Jenseits gewöhnt hatten. – Seite 27

 

Nur diese eine große Narbe an seinem Kopf erinnert an das Ereignis. Seit dem Unfall hat Alex epileptische Anfälle, die anfänglich nicht kontrollierbar sind und ihn in die ein oder andere peinliche Situation bringen. Alex ist in der Schule eher der Außenseiter. Seine Begeisterung nach dem Unfall gilt den Naturwissenschaften und seine Krankheit betreffend der Neurologie. Alex lernt eher durch einen unglücklichen Zufall, als er mal wieder auf der Flucht seiner Mittelstufen Peiniger ist, den griesgrämigen Mr. Peterson kennen. Mr. Peterson ist gerne direkt, ausfallend und nimmt kein Blatt vor den Mund. Aber genau das macht ihn so besonders. Auch wenn die Schimpfwörter und Beleidigungen situationsbedingt oft ein Gefühl von Fremdschämen verursachen, hat er eine für sich liebenswürdige und auch väterliche Art. Zwischen Alex und ihm entwickelt sich eine besondere Freundschaft und der kleine Junge wirkt mit seinem kindlichen Charme doch sehr Erwachsen und nicht altersentsprechend naiv sondern ganz im Gegenteil, sehr selbständig, verantwortungsbewusst und überdurchschnittlich klug.

Im Laufe der Geschichte lernen wir einiges über Alex´s Epilepsie und den Verlauf seines noch sehr jungen aber aufregenden Lebens kennen. Der Geschichtsverlauf geht über 7 Jahre und während dieser Zeit erleben wir nicht nur die persönliche Entwicklung von Alex sondern auch den Beginn und das Ende einer außergewöhnlichen Freundschaft.

Der Aufbau und der Schreibstil sind dem Autor sehr gut gelungen. Gleich zu Beginn tauchen wir in eine komplett surreale Situation ein, als Alex mit Marihuana und einer Urne voll Asche von Zollbeamten im Alter von 17 Jahren an der Grenze zu Dover aufgegriffen wird. Im Auto dröhnt laute klassische Musik und kurze Zeit später sitzen wir bereits im Verhörraum auf dem Revier und lauschen dem 17 Jährigen Alex, wie er uns an die Hand nimmt und uns mit auf eine Reise durch seine Vergangenheit nimmt. Eine Geschichte, die uns berührt, traurig und zeitlich auch mutiger macht. Mit der Lust auf mehr Wissen und dem Einfühlungsvermögen und der Kraft, das eigene Leben nicht nur verändern zu wollen, sondern auch am Leben anderer intensiver teilhaben zu wollen.

 

Nun unser Gehirn erschafft für jeden individuellen Mensch ein eigenes, einzigartiges Universum. Darin existiert alles, was wir wissen. Alles, was wir sehen oder berühren. In gewisser Weise erschaffen unsere Gehirne die Realität. Ohne das Gehirn gibt es nichts. –Seite 76

 

Kurz & gut – mein persönliches Fazit:

 

Eine besondere Freundschaft zwischen einem besonderen Jungen, der die Welt aus einer anderen Perspektive betrachtet und alles an Wissen aufnimmt, was man ihm anbietet und einem alten, aber dennoch sympathischen Grieskram, der immer wieder durch seine direkten und verbalen Aussetzer einen laut zum Lachen bringt und gleichzeitig berührt. Alex Woods ist einer außergewöhnlicher Junge mit einer ganz speziellen Geschichte, die weitergetragen werden muss.

@Rezension: 2014, Aygen (AE)

 

Das unerhörte Leben des Alex Woods – Oder warum das Universum keinen Plan hat, erschienen im Limes Verlag

 

Genre: Jugendroman

Ausstattung: 480 Seiten, Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

ISBN13: 978-3-8090-2633-4

Preis Printausgabe: 19,99 € [D]*

Preis eBook: 15,99€ [D]*

*Preis zum Zeitpunkt der Rezension

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221 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 23 Rezensionen

gillian flynn, thriller, familie, mord, vergangenheit

Cry Baby - Scharfe Schnitte

Gillian Flynn , Peter James , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei FISCHER Scherz, 10.01.2014
ISBN 9783651011649
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"In dem etwa dreißig Zentimeter breiten Spalt zwischen dem Eisenwarenladen und dem Schönheitssalon klemmte ein kleiner Körper, die Beine zum Gehweg gestreckt." Seite 42

Klappentext: 

Babydoll steht auf ihrem Bein. Petticoat auf ihrer linken Hüfte. Böse findet sich ganz in der Nähe. Girl prangt über ihrem Herzen, schädlich ist ihr Handgelenk geritzt. Camille Preakers Körper ist übersät mit Wörtern. Wörtern, die sie sich in die Haut geritzt hat. Das letzte Wort, das sie sich einritzte, hieß verschwinden. Danach stellte sie sich. Den Therapeuten, aber auch ihrer Vergangenheit. In ihrer alten Heimatstadt Wind Gap wurden zwei Teenager entführt und ermordet. Camille Preaker soll den Fall für ihre Zeitung vor Ort recherchieren. Dabei findet sie die Dämonen ihrer Kindheit. Und die verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sondern töten auch. 

Meine Gedanken zu dem Buch: 


Wie beschreibe ich dieses Buch am besten ohne zu viel zu verraten? Es ist eine Art Thriller, der weniger blutig ist aber definitiv auf die Psyche geht. Die demütige und schmerzerfüllte Protagonistin Camille Preaker, aufgewachsen in einem wohlhabenden Elternhaus in einer Kleinstadt. Die Familie Preaker wirkt auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich, angesichts der Tatsache, dass die Schwester von Camille bereits sehr jung verstorben ist. Jedoch wird im Laufe der Geschichte klar, dass Camille und der Verlauf ihres Lebens stark unter der Vergangenheit und den Ereignissen in ihrer Familie gelitten haben. Ihr vernarbter Körper, vollgeritzt mit Worten wie böse, schädlich und verschwinden sind nur Auszüge aus dem Klappentext und lassen nur einen Hauch Einblick in die Geschichte zu.

"Ich schneide mich nämlich. Ich schnipsle, schlitze, ritze, steche. Ich bin ein Sonderfall."Seite 83


Camille Preaker ist inzwischen Erwachsen und Journalistin. Sie wird von ihrem Chef in ihre alte Heimat geschickt, um die STORY über zwei verschwundene Mädchen zu schreiben. Zu Beginn ist noch unklar, was sich für Abgründe auftun und der Fokus der Geschichte eigentlich nicht auf den vermissten Mädchen liegt, sondern auch die Vergangenheit von Camille und ihrer verstorbenen Schwester zu Tage bringt. Die bösartige Mutter, die für Jedermann in diesem Ort, als wohlhabende, großzügige und hilfreiche Frau dargestellt wird, hat eine ausgeprägte und teils unmenschliche Seite, welche sie sehr gerne im Kreise ihrer eigenen Kinder auslebt. Die jüngere und frühreife Schwester Amma durchlebt eine Art Entwicklung vom Biest zum hilfebedürftigen kleinen Mädchen. Die Autorin schildert besonders gelungen die Charaktere der Protagonistin Camille und Amma. Amma wird als kleines, besitzergreifendes, bestimmenden und berechnendes Miststück dargestellt. Mit der Zeit entfaltet sich ihr Charakter immer mehr und die Fassade bröckelt, so das ein zerbrechliches, kleines Wesen zum Vorschein kommt, das die Hilfe der großen Schwester sucht und benötigt. Camille ist eine faszinierende und gleichzeitig traurige Person, die einen durch ihre Gedankengänge in den Bann zieht.


Die Entwicklung und der Spannungsaufbau ist der Autorin sehr gelungen und trotz ausfallendem blutigen Intermezzo, was ich als Leserin zu beginn erwartet habe, ausgeblieben. Die Story entwickelt sich dennoch so spannungsgeladen, dass man es nicht aus der Hand legen kann. Der ungeahnte Verlauf der Geschichte hat mich fasziniert und wie im Buch angegeben wird, werden wohl alle Bücher der Autorin verfilmt. Natürlich bin ich auf die Umsetzung dieses Buches sehr gespannt und frage mich, ob Camille meiner Vorstellung entspricht. Ein absolut empfehlenswertes Buch. Nach diesem Roman werde ich sicher bald auch Gone Girl lesen.


Kurz & gut - mein persönliches Fazit:


"Gone Girl" steht noch ungelesen im Regal und "Cry Baby" war eher ein Spontankauf. Aber es hat sich definitiv gelohnt. Ein wahrer Pageturner, der mich ab der ersten Seite gefesselt hat. Camille ist ein wunderbar beschriebener Charakter. Demütig und so schmerzerfüllt, dass man das Gefühl hat, sie beschützen zu wollen. Eine absolute Leseempfehlung und ein Roman der besonderen Art.

"Es heißt, Blau sei die Farbe der Traurigkeit, daher auch Blues, doch für mcih sind Depressionen uringelb. Ein müdes, verwaschenes Meer aus Pisse." Seite 87


© Rezension: 2014, Aygen (AE)

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94 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 34 Rezensionen

schicksal, zeitreise, wiedergeburt, schnee, karma

Die Unvollendete

Kate Atkinson , Anette Grube
Fester Einband: 544 Seiten
Erschienen bei Droemer, 02.09.2013
ISBN 9783426199817
Genre: Romane

Rezension:

"Das kleine Herz. ein hilfloses kleines Herz, das verzweifelt schlug. Plötzlich aufgab wie ein Vogel, der vom Himmel fällt. Ein einziger Schuss. Es wurde dunkel." Seite 16

Klappentext:

Was wäre, wenn man sein Leben wieder und wieder leben könnte, bis man schließlich alles perfekt gemacht hätte? Wäre man dann ein glücklicher Mensch? Ursula Todd ist eine für ihre Zeit ganz besondere Frau: unabhängig, modern, realistisch. Mit Humor begegnet sie nicht nur ihrer skurrilen Familie, sondern auch den seltsamen Ereignissen in ihrem Leben. Wie jeder erlebt sie Situationen, in denen sie sich fragt: Was wäre wenn? Was wäre geschehen, wenn sich ihre Teenagerliebe erfüllt hätte? Was wäre geschehen, wenn sie studiert hätte? Oder was wäre aus ihr geworden, wenn sie nicht in England, sondern in einem anderen Land aufgewachsen wäre? Wäre ihr Leben schrecklicher oder besser verlaufen? Doch anders als anderen Menschen bleibt es für Ursula nicht bei diesen Fragen. Ihr ist es gegeben, ihr Leben immer wieder zu korrigieren und damit jeden Fehler zu beseitigen. Dennoch erlebt sie Verlust, Verrat, Krieg und Tod. Was also soll diese Gabe? Ist es überhaupt möglich, sein Leben fehlerlos zu leben?

"Sie empfand eine Art Rausch, einen Nervenkitzel nahezu, als sie in die bodenlose Luft geschleudert wurde, und dann nichts. Es wurde dunkel." Seite 76

Meine Gedanken zu dem Buch:

Ursula die Hauptprotagonistin wird als nachdenkliche, kluge und ab und an ungeschickte Tochter einer reichen englischen Familie im Zeitfenster von 1910-1945 dargestellt. Der Klappentext zum Buch hat meine Neugier geweckt: "Was wäre, wenn man sein Leben wieder und wieder leben könnte…" Eine durchaus spannende und interessante Frage. Die Autorin schildert in diesem Roman das Leben von Ursula, die genau diese Möglichkeit besitzt, sich jedoch durch ihr Ungeschick ziemlich häufig in unfallreiche bzw. ungünstige Situationen bringt, die ihren Tod zur Folge haben. Nicht immer durch eigenverschulden. Denn zu Beginn der Geschichte, stirbt Ursula das erste Mal bereits bei ihrer Geburt. Immer wieder wird man als Leser im ersten Drittel nach jedem Sterben, an den Anfang geschickt. Die Autorin erweitert mit jedem Sterben die Geschichte um weitere Ereignisse und Charaktere.

Trotz Einstiegsschwierigkeiten, begann ich von Kapitel zu Kapitel immer mehr Gefallen an diesem Buch zu finden. Außergewöhnlich und anders. Ursula schildert das Leben in ihrer und von ihrer skurrilen Familie. Die Charaktere sind buntgemischt, zeitgemäß der Geschichte angepasst und frischen jedes neue Kapitel durch außergewöhnliche, teils traurige und geschichtsträchtige Ereignisse auf. Es vergeht nahezu kein Kapitel, in dem man nicht über Ursula's Einfallsreichtum, um ihr weiteres Ableben zu verhindern, schmunzeln muss. Ebenso schafft der Schreibstil der Autorin die Richtige Mischung sich der Trauer und gleichzeitigen Komik der Geschichte anzunehmen. Trotz zahlreicher Charaktere, Handlungsorten und verschiedenen Jahren, in denen die Geschichte spielt, verliert man nicht den Überblick, da man durch den stetigen erneuten „Beginn“ der Geschichte sozusagen einen erneuten Rückblick und eine grobe Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse erhält.

Kurios, philosophisch angehaucht mit einem wunderbaren Schreibstil, der einen in längst vergangene Zeiten katapultiert und dennoch im hier und jetzt stattfindet, weil man sich von Kapitel zu Kapitel bereits auf einen weiteren unachtsamen Fehler einstellt, um erneut beginnen zu können.

"Liebe Bridget, eine Bande Räuber ist im Dorf. Kannst du bitte bei Clarence'Mutter bleiben? Zur Sicherheit fügte sie hinzu: Und ich habe Kopfweh, klopf also nicht. Sie unterschrieb mit Mrs. Todd." Seite 119

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Trotz anfänglicher Verwirrungen ein gelungenes und spannendes Werk. Geschichtlich angehaucht und eine gute Mischung aus Humor, Trauer und Tragödien. Allerdings ein wahrer Wälzer, der dem Leser im ersten Drittel Durchhaltevermögen und Geduld abverlangt, welches aber definitiv belohnt wird.

Rezension buecherkaffee.blogspot.de

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57 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 26 Rezensionen

istanbul, liebe, türkei, oetinger verlag, bioluminiszenz

Yakamoz - Eine Liebe in Istanbul

Aygen-Sibel Çelik , Aygen-Sibel Celik , Cordula Schmidt
Buch: 192 Seiten
Erschienen bei Oetinger Taschenbuch, 01.02.2014
ISBN 9783841502551
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Die nostalgische Straßenbahn auf der Istiklâl Caddesi in Beyoglu fuhr mitten durch die Flaniermeile. Zitat Seite 68

Klappentext:

Seit ihrem letzten Türkei-Urlaub kann Tuana nur noch an Noyan denken. Sie muss ihn unbedingt wiedersehen und überredet ihre Eltern, dass sie in den Sommerferien ihre Oma in Istanbul besuchen darf. Tatsächlich trifft sie Noyan dort wieder – und ist im siebten Himmel. Doch dann behauptet Tuanas Cousine, Noyan hätte eine Freundin. Tuana ist schockiert. Kann das wirklich sein? Hat Noyan sie etwas angelogen? Tuana ist sich sicher: Noyan ist ihre große Liebe. Aber ist sie auch seine?

Meine Gedanken zu dem Buch:

Tuana ist 15 Jahre alt und verbringt nahezu fast jede Ferien mit ihren Eltern bei ihrer Oma in Istanbul. In den letzten Ferien hat sie dort vor der Schule ihrer Cousine Yaren, den gutaussehenden Noyan kennengelernt. Seit dem geht er ihr nicht mehr aus dem Kopf. Obwohl es nur zwei kurze Begegnungen waren, hat sie sich in ihn verliebt und ein türkisches Lied über Istanbul als Klingelton für seine eingehenden Nachrichten hinterlegt. Einige Wochen nach ihrer Rückkehr aus den letzten Ferien erhält sie nachts eine WhatsApp Nachricht von ihm. Mit weichen Knien und Schmetterlingen im Bauch berichtet sie ihrer besten Freundin davon und beschließt ihm zu antworten.

Tuana ist so aufgeregt und wünscht sich nichts sehnlicher als Noyan bald wieder begegnen zu können. Doch für die kommenden Ferien stehen die Sterne eher schlecht. Als sie mehrmals versucht per Email ihre Cousine in Istanbul zu kontaktieren, aber keine Antwort erhält beschließt sie eigenständig mit ihrer besten Freundin Jule einen Plan auszuhecken, um die Sommerferien in der Türkei verbringen zu können. Natürlich alleine – ohne ihre Eltern. Der Plan geht auf und sie macht sie auf die Reise in die große Weltmetropole Istanbul.

Die Hauptprotagonistin Tuana wird als gute und auch wohlerzogene Schülerin beschrieben und ist von Anfang an sehr sympathisch. Wohingegen ihre Cousine eher einen ominösen und wilden Eindruck hinterlässt und im Laufe der Geschichte eher unschöne Charaktereigenschaften präsentiert. Noyan, der gutaussehende türkische Junge wird romantisch, fürsorglich, verliebt und wie ein wahrer Gentleman, weitaus über sein Alter hinaus, beschrieben. Die Geschichte baut sich in einem ziemlich schnellen, spannenden und doch frischen Tempo auf und zieht den Leser ab der ersten Seite mitten in eine bunte, wilde und moderne Stadt, voller Sehenswürdigkeiten und der für mich vertrauten Geborgenheit.

Hier gab es nichts, was es nicht gab. Und ich sog den Duft der Lebendigkeit ein und spürte meine Einsamkeit, tief in meinem Inneren, umso mehr. Zitat Seite 69

Die Covergestaltung ist orientalisch angehaucht und präsentiert den Schatten eines glücklichen Paares. Der Titel zur Geschichte ist passend gewählt und fällt einem sofort ins Auge. Eine tolle Geschichte über jugendliche Verliebtheit gepaart mit den kleinen Eifersüchteleien unter Gleichaltrigen, welche in einer wunderschönen und so facettenreichen Stadt wie Istanbul den passenden Hintergrund gefunden hat.

Eine absolute Leseempfehlung, die der angegebenen Altersangabe entspricht und den Leser mit einem glücklichen Seufzer zurücklässt.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Wie man unschwer erkennen kann, war es nicht allein die Covergestaltung und der Klappentext, der mich ansprach. Da mein Vorname hierzulande eher selten ist, habe ich mich natürlich gefreut als ich „Yakamoz“ von Aygen-Sibel Celik in der Buchhandlung entdeckte. Zudem ist mir der Titel auch sofort ins Auge gefallen. Ich finde es immer wieder schön auch von türkischen Autoren/-innen Bücher zu entdecken, insbesondere dann, wenn in den Geschichten kleine Anekdoten, Bezeichnungen oder sogar ganze türkische Sätze vorkommen. Diese kleine Geschichte ist wunderbar und für meinen Geschmack hätte sie auch gerne länger sein dürfen. Ein wundervolle, romantische und etwas turbulente Liebesgeschichte, die durch die einzelnen türkischen Sätze zu etwas besonderem wird. Die Übersetzung und die Erklärungen zu den Sätzen finde ich allein schon grandios. So vieles in diesem Buch ist insbesondere für mich nachvollziehbar gewesen. Wer schöne, romantische und orientalisch angehauchte Liebesgeschichten mag, wird diese sehr mögen. Istanbul wie bekannt und beliebt - schillernd, geschichtsträchtig, modern und wild durch die Augen einer 15 jährigen präsentiert.

Istanbul'u dinliyorum gözlerim kapali. -
Meine Augen geschlossen, lausche ich Istanbul Zitat Seite 7


© Rezension: 2014, Aygen (AE) buecherkaffee.blogspot.de

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129 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 21 Rezensionen

thriller, psychose, tom rob smith, labil, sschweden

Ohne jeden Zweifel

Tom Rob Smith
E-Buch Text: 384 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 14.10.2013
ISBN 9783641091484
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Ich war so verzaubert von dem Hof, dass ich darin ein Zeichen gesehen habe; ich dachte, meine rückkehr nach Schweden stünde unter einem guten Stern und wir hätten endlich wieder ein bisschen Glück" Zitat Seite 52

Inhaltsangabe:
Daniel lebt mit seinem Partner Mark in einer schönen, noblen Wohnung in London. Seine Eltern haben vor einiger Zeit England verlassen und sind für immer nach Schweden in die Heimat seiner Mutter ausgewandert, um sich dort zur Ruhe zu setzen. Eines Tages erhält Daniel auf dem Nachhauseweg einen Anruf seines Vaters, der ihm mitteilt, dass seine Mutter aufgrund psychischer Probleme in eine geschlossene Anstalt eingewiesen wurde und Daniel sich umgehend auf den Weg nach Schweden machen soll. Daniel ist schockiert über den Anruf und kratzt sein letztes Geld zusammen und holt sich ein Ticket. Ungeahnt dessen, dass seine Mutter sich zum selben Zeitpunkt selber entlassen hat und auf dem Weg nach London ist. Ein verwirrendes und nervenaufreibendes Ereignis nimmt seinen Lauf und Daniel weiß noch nicht mal annähernd, was hinter der Geschichte und dem plötzlichen Wandel seiner Mutter steckt.

Meine Gedanken zu dem Buch:
Daniel ist seit drei Jahren mit seinem Partner Mark zusammen. Seine Eltern wissen nichts von seiner homosexuellen Beziehung und bisher konnte er es auch gut verheimlichen. An dem Tag als Daniels Vater anruft und in aufgrund eines großen Familienproblems, nämlich der Einweisung in eine geschlossene Anstalt seiner Mutter umgehend nach Schweden bittet, ahnt Daniel noch nicht, dass sich sein Leben verändert wird und ihn nervenaufreibende Stunden und Tage erwarten.

Daniel ist Gartengestalter für Luxusobjekte bzw. für Dachterrassen, so hat er auch seinen Partner kennengelernt. Allerdings hat er seit geraumer Zeit kaum Aufträge und somit auch kein Geld. Sein Partner Mark war bis zu seinem Outing verheiratet und gehört zu den renommierten Anwälten in London und unterstützt auch Daniel finanziell. Mark weiß, dass Daniel Zeit braucht um seine Familie auf sein Outing vorzubereiten, zumal er ein Einzelkind ist und er sehr behütet aufgewachsen ist. Seine Eltern führten bisher eine vorbildliche Ehe und ermöglichtem ihm eine gute, glückliche und sichere Kindheit. Seinen grünen Daumen hat Daniel von seinen Eltern geerbt, die Jahrelang eine Gärtnerei betrieben haben und irgendwann beschlossen ein idyllisches  kleinen Haus mit Hof in Schweden für immer zu beziehen, um so ihren Ruhestand zu genießen. Als Daniel sich auf den Weg nach Schweden machen will um zu erfahren, warum seine Mutter aufgrund psychischer Probleme eingewiesen wurde, erhält er erneut einen Anruf, in dem sein Vater ihm mitteilt, dass seine Mutter sich selber entlassen hat und laut Bankauszug wohl schon auf dem Weg nach London ist. Zeitgleich meldet sich Daniels Mutter und teilt ihrem Sohn mit, dass sie auf dem Weg zu ihm ist und er seinem Vater nicht verraten soll, dass sie kommt. Seine Mutter wirkt panisch, verwirrt und scheint an Verfolgungswahn zu leiden. Daniel beschließt auf seine Mutter zu warten. Diese hat sich optisch stark verändert, ist abgemagert, wirkt ungepflegt und schließt sich mit Daniel in dessen Wohnung ein, um mit ihm unter vier Augen zu sprechen. Daniel weiß gar nicht, wie ihm geschieht, als seine Mutter ihm von einem verschwundenen ja sogar ermordeten Mädchen in Schweden erzählt. Um Daniel ihre Geschichte glaubhaft zu übermitteln hat sie eine Tasche an unterschiedlichen Dokumenten und Beweismaterialien dabei. Daniels bisher gekanntes und erlebtes Leben mit seinen Eltern fängt an zu bröckeln als er die Geschichte seiner Mutter hört. Angefangen von materiellem Verlust, der Zwangsauswanderung nach Schweden bis hin zu einem Mädchen, dass spurlos verschwunden ist, befindet sich Daniel schnell in einem wahrgewordenen Albtraum.

"Mit ein paar Sätzen hatte meine Mum mein gesamtes Bid unseres Famiilienlebens weggewischt, wie ein Erwachsener, der aus Versehen den Klötzchenturm seines Kindes umwirft." Zitat Seite 68


Anfänglich hat mich die Mutter des Hauptprotagonistin rasend gemacht, sie erzählt so detailliert aus ihrer Vergangenheit, wie es überhaupt zur Idee bzw. Zwangsauswanderung kam und warum sie seit ihrem 16. Lebensjahr nicht mehr in Schweden, ihrer Heimat, war, dass ich mir immer dachte. Irgendwann jetzt sollte sie wirklich zum Punkt kommen und endlich aussprechen, was passiert ist. Die Geschichte besteht Größtenteils aus den Erzählungen der Mutter. Jedoch sind der Erzählstil und die ständigen Panikattacken der Mutter so kraftvoll und spannungsgeladen, dass es einem unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen. Die Charaktere in der Geschichte sind teilweise sehr ominös und schaurig zugleich und schaffen eine gruselige Atmosphäre. Der Verlauf und das Ende sind überraschend und die Länge der Story ist perfekt gewählt, bevor es zum absoluten Showdown kommt. Ein spannungsgeladener Thriller, der jedem Thriller Liebhaber gefallen wird.

"Es wurden Kinder missbraucht. Adoptierte Kinder. Der ganze Adoptionsapparat ist korrupt. Diese Kinder sind schutzlos. Sie werden als Besitz angesehen." Zitat Seite 285


Die Covergestaltung besteht aus einzelnen Polaroids, die zusammen ein altes schwedisches Haus mit Hof im Nebel zeigen und spiegelt die Stimmung der Story.

Mehr möchte ich zu dieser Geschichte nicht erzählen, denn die Auflösung der Story und der packende Schreibstil sind definitiv lesenswert und zugleich schafft dieser Thriller eine bedrückende und schaurige Stimmung.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:
Wow, ich hatte das Buch angefangen, um mich so etwas abzulenken und dachte mir: "So zwischendurch bzw. parallel ein Thriller zu meinem aktuellen Roman würde mich etwas ablenken." Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich diesen Thriller in knapp 6 Stunden auslesen würde. Ein wahrer Pageturner, dessen Verlauf, so überraschend ist. Spannend, actionreich und schaurig zugleich schildert der Autor eine grausige Vergangenheit der Mutter des Hauptprotagonisten Daniel. Bisher kannte ich die Bücher des Autors nur vom Hörensagen, aber nach diesem Thriller wird Tom Rob Smith definitiv in meiner Sammlung der Thriller aufgenommen und die vorher erschienene Trilogie „Kind 44“, „Kolyma“ und „Agent 6“ werden definitiv noch nachgekauft. Ein absolutes Lesemuss!

© Rezension: 2013, Aygen (AE)buecherkaffee.blogspot.de

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

museum, japan, aufgabe, mikroskop, dorf

Das Museum der Stille

Yoko Ogawa , Ursula Gräfe , Kimiko Nakayama-Ziegler
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 09.12.2013
ISBN 9783746630069
Genre: Romane

Rezension:

Klappentext:

Ein junger Mann kommt in ein abgelegenes Dorf in der
Provinz. Unter Anleitung einer alten Dame soll er dort ein Museum
einrichten, das eine Sammlung von Alltagsgegenständen beherbergt. Alle
Gegenstände wurden von der alten Dame gestohlen, um die Erinnerung an
verstobene Dorfbewohner zu bewahren. Schon bald wird er von der alten
Dame gedrängt, sich selbst auf die Suche nach Erinnerungsstücken zu
machen. Als dann jedoch eine junge Frau ermordet wird und man den jungen
Mann am Tatort beobachtet, gerät er unter Verdacht, die Tat begangen zu
haben.

"Was ich im Auge habe, ist ein grandioses,
bedeutungsvolles Museum, das einzigartig ist und das ein Grünschnabel
wie Sie sich gar nicht vorstellen kann. Und wenn Sie einmal angefangen
haben, unterstehen sie sich, mittendrin aufzuhören!." Zitat Seite 13

Meine Gedanken zu dem Buch:

Die
Geschichte „Das Museum der Stille“ ist im positiven Sinne schwer zu
beschreiben. Für alle die bereits Werke der Autorin kennen, wissen was
ich meine. Nicht die Handlung der Geschichte an sich ist
ausschlaggebend, sondern das ganze Geschehen und die Beschreibung der
Protagonisten. Wer die Autorin noch nicht kennt, wird nach dem ersten
gelesenen Roman sicherlich zum Nächsten greifen und sich, wie ich auch,
vertraut und verzaubert fühlen.

Die Autorin greift hier nach
ihrem bereits bekannten Muster. Die Protagonisten werden detailliert in
ihren Charakterzügen und Mimiken beschrieben aber dennoch nicht benannt.
Aber die Namenlosen wirken so vertraut und irgendwie auch auf ihre Art
so gewöhnlich, dass man erst am Ende feststellt, dass man hier die ganze
Zeit von einem Jungen, dem Gärtner, einer alten Greisin und einem
Mädchen gelesen hat, deren Existenz sich ausschließlich an den überaus
auffälligen Charakterzügen einen Platz in der Geschichte fest machen und
so auch in unseren Köpfen. Sie verzichtet ebenso auf Ortsnamen. Man
befindet sich also in einem kleinen malerischen Ort, mit einem
wunderschönen Marktplatz, in dem alljährlich zudem ein besonderes
Baseballspiel stattfindet, weiß aber dennoch nicht, wie diese Stadt
heißt oder in welchem Land wir uns befinden. Anfänglich etwas
befremdlich aber für Ogawa Leser bereits gewohnt und schön.

"An
allen Gegenständen waren Zettel mit dem Namen und Todestag ihres
Besitzers befestigt, aber da die meisten davon zerrissen waren oder die
Schrift nicht mehr zu entziffern war, half mir das wenig." Zitat Seite
55

Die Geschichte entwickelt sich langsam, mit der Anreise eines
jungen Mannes, der einen Auftrag zur Gründung eines Museums angenommen
hat. Zu Beginn seiner Reise, geht er noch von einer ihm bereits
bekannten Auftragslänge von ein paar Wochen aus. Angekommen erfährt er
erst, dass es sich hierbei nicht um alte, geschichtliche Exponate
handelt, sondern um gestohlene Gegenstände. Die Meisterdiebin ist
allerdings eine kratzbürstige, direkte, unhöfliche und teilweise eklige
alte Greisin, deren Umgangsformen wirklich zu Wünschen übrig lassen. Der
junge Mann erlernt somit ihm bisher eine unbekannte Art und Weise, um
an Ausstellungsstücke für ein Museum zu kommen. Die Geschichte wird aus
Sicht des jungen Mannes erzählt und man begleitet ihn auf seinen teils
makaberen Aktionen bei Tag und Nachtzeit. Als es jedoch darum geht,
einen Gegenstand aus der Wohnung einer getöteten jungen Frau zu holen,
gerät der junge Mann unter Mordverdacht. Die Entwicklung der Geschichte
nimmt erst hier an Spannung an und verliert dennoch nicht an poetischem
Einfluss. Mit Krimitypischen Passagen im letzten Drittel entwickelt die
Geschichte jedoch ein ungewohntes aber bedeutendes Ende.

Die
Covergestaltung wirkt harmonisch und strahlt Ruhe aus. Dem Titel
entsprechend die „Stille“. Ein Ogawa Leser wird auch hier wieder voll
auf seine Kosten kommen und sich in der wunderschönen klaren und doch
poetischen Sprache verlieren. Für alle die noch nichts von der Autorin
gelesen haben, sei gesagt: Wer Poesie, Wortwitz, Sarkasmus und eine
besondere Stille in Büchern liebt, wird den Schreibstil der Autorin
lieben.

"In dem Moment jedoch, als ein Schatten darauf fiel, hob
sich jedes zeichen vom gelben Messing ab und zog uns in seinen
unentrinnbaren, ernsten Bann. Zitat Seite 210

Kurz & gut – mein persönliches Fazit:

Yoko
Ogawa hat einen einzigartigen Schreibstil. Entweder man mag ihn oder
nicht. Sie versteht es, selbst sarkastische, brutale oder komische
Situationen auf eine poetische und beflügelte Art zu umschreiben, wie es
sehr wenige beherrschen. Nachdem ich so vom Roman „Das Geheimnis der
Eulerschen Formel“ begeistert war, musste ich auch dieses Buch lesen.
Sie ist sich definitiv treu geblieben und obwohl die Geschichte komplett
anders als erwartet endet, entdecken wir hier die klare Struktur und
den so bekannten Schreibstil der Autorin ab der ersten Zeile. Eine
wunderbare Autorin, die es immer wieder schafft aus einer anfänglich
unbedeutsamen Geschichte und alltäglichen Handlung ein poetisches
Meisterwerk zu zaubern.

© Rezension 2013 Aygen (AE)buecherkaffee.blogspot.de

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japan, samurai, familie, verlust, 19. jahrhundert

Die Tochter des Samurai

Lesley Downer , Susanne Aeckerle
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bertelsmann, C, 11.11.2013
ISBN 9783570101582
Genre: Romane

Rezension:


„Im Inneren der Schwarzen Päonie war es heiß, dampfig und voll von außerordentlichen Gerüchen und Geräuschen. Rauch von bratendem Fleisch vermischte sich mit Tabakqualm, der schwer über dem Raum hing.“ Zitat Seite 12

Inhaltsangabe:

Das alte Japan 1873. Die 13 jährige Taka erlebt gerade den Umbruch nach dem Krieg im Land, als Tochter einer der berühmtesten Geishas Namens Fujino und dem Samurai und General Kitaoka. Das tragen von westlicher Kleidung ist nur eins der unangenehmen Dinge, die fortan ihr Leben verändern werden. Takas Familie hat Kyoto verlassen und lebt jetzt in Tokyo. Die Stadt ist wild und buntgemischt. Von den sogenannten „Barbaren“ (westliches Volk) bis hin zu den Samurais verschiedener Clans, befindet sich die Stadt immer noch in Aufruhr. Offiziell herrscht zwischen Norden und siegreichen Süden Frieden, aber der Schein trügt. Gerade untereinander ist das Volk immer noch geteilt, in verschiedene Clans. Taka begegnet dem mittellosen Nobuyuki Yoshida, genannt Nobu,  der ihr und ihrer Familie das Leben rettet. Fortan ist er ihr Diener, doch Taka spürt eine besondere Zuneigung zu dem Jungen und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

„Auf halbem Weg zwischen Kind und Frau, hatte sie das hübscheste Gesicht, das er je erblickt hatte, eine Haut wie Porzellan und große braune Augen mit einem Goldtupfen darin, dazu eine Unschuld, die unwiderstehlich und anziehend war.“ Zitat Seite 34

Meine Gedanken zu dem Buch:

Taka, ihre Schwester Haru sowie ihre Mutter Fujino und deren Geisha Freundinnen sitzen in einem der bekanntesten Restaurants der Stadt, als plötzlich ein Ronin, ein Samurai ohne Dienstherr, sie versucht anzugreifen. Der junge und mittellose Nobu, der aus dem Nichts auftaucht, verteidigt ihr Leben und wird zum Dank als Diener in die Dienste des Generals aufgenommen. Taka bewundert den gutaussehenden Jungen und erkennt in ihm weitaus mehr als einen Dienstboten. Seine Gesichtszüge, sein Verhalten lassen eine edle Abstammung vermuten. Doch sein Dialekt gehört dem verfeindeten Norden des Aizu Clans an. Auch Nobu hat im Krieg einen großen Teil seiner Familie verloren und somit auch Haus und Hof. In ihm ist wächst der große Hass zum General Kitaoka, der für all das verantwortlich ist. Ungeahnt dessen, dass er gerade die Familie des Feindes gerettet hat, lässt er sich von der Wärme und Schönheit die Taka umgibt, darauf ein, Dienstbote im Hause des Feindes zu werden. Er ist ein guter Dienstbote, wissbegierig, fleißig und stets gern in der Nähe der Tochter. Bald kommen die Zwei sich näher und Takas Bruder Eijiro, der von vorneherein Nobu als Feind betrachtet, wirft Nobu schwerverletzt auf die Straße.

Erst Jahre später begegnen sich die Zwei erneut. Nobu ist inzwischen zum Offizier ausgebildet worden und als dann auch noch eine Rebellion ausbricht, muss sich Nobu entscheiden. Für Taka, die Tochter des Feindes oder ob er endlich dem Wunsch nach Rache an dem Satsuma Clan nachkommt. Eine wunderbare Geschichte, aufwühlend, herzerwärmend, romantisch und leidenschaftlich. Wir erleben hier beide Seiten der Hauptprotagonisten. Taka, die einst schon die Ausbildung zur Geisha begonnen hatte und nun doch eine westliche Schule besucht, um eine ehrbare und demütige Ehefrau zu werden und Nobu, der nach dem Krieg mittellos ist sich seinen Platz zurück in das Leben und die Gesellschaft erkämpft.

„Nobu wandte sich ihr zu. Sie sah das Gesicht, das sie sich so oft vorgestellt hatte, die schrägen Augen, den vollen Mund, den schwarzen Haarschopf, und in ihr wurde die Gewissheit, alles würde gut werden, so stark, dass ihr die Knie weich wurden. Sie taumelten, drohte zu fallen, und er fing sie auf und hielt sie ganz fest.“ Zitat Seite 468

Zur Covergestaltung ist nicht viel zu sagen. Eine wunderschöne Samuarai Tochter ziert den Schutzumschlag, farblich den immer wieder auftauchenden Kirschblüten in der Geschichte angepasst. Das Buch ist unterteilt in fünf Teile, diese wiederum in einzelne Kapitel. Jeder Buchteil ist mit einer schönen Zeichnung geziert. Diese kleine Zeichnung passt zu dem detaillierten, teilweise auch verschnörkelten Schreibstil, wenn es um die Beschreibung der Handlungsorte geht. Der Kontrast hierzu sind die Vergnügungsviertel, die laut und bunt beschrieben werden.

Die Autorin schafft durch ihre Expertenkenntnisse, hier immer wieder Fachbezeichnungen der japanischen Kultur zu nutzen, sowie auch traditionelle Bräuche zu erwähnen und zu beschreiben, die einen ab der ersten Seite in den Bann ziehen. Zugegeben, am Anfang ist es für einen Laien der Japankultur schwer einige Begriffe und Bezeichnungen zuzuordnen, aber das nimmt hier der Geschichte nicht den erwarteten Zauber. Der Schreibstil, die Beschreibung der Handlungsorte sind das i-Tüpfelchen zu dieser wunderbaren Liebesgeschichte.

Im Nachwort nennt die Autorin noch Quellen bzw. Geschichtsbücher über die Rebellion und den damaligen tatsächlichen großen Kämpfern in dieser Zeit. Lesley Downer ist, was die Japanliteratur angeht, eine bekannte und anerkannte Expertin, wie ihrer Biographie zu entnehmen ist. Denn auch sie hat sich vor Jahren zur Geisha ausbilden lassen und verfügt über fundierte Experten Kenntnisse der Japankultur. Abschließend ist noch der Link zur Homepage der Autorin gesetzt, wo man auch einen Einblick in ihre bisherigen Romane und Erzählungen gewinnen kann.

Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Lesley Downer entführt den Leser auf eine besondere Reise durch enge Gassen des alten Japan, erfüllt mit dem Duft verschiedener exotischer Gewürze, gebratenem Fleisch und farben- und lichterprächtigen Vergnügungsviertel. Angelegte Gärten und Parks mit blühenden Kirschbäumen und prachtvollen Bauten. Alles ist so real und detailgetreu beschrieben, dass man das Gefühl hat, tatsächlich Vorort zu sein. Man hört Musik und das wilde Treiben. Lesley Downer beschreibt nicht nur die Umgebung sondern auch Sitten und Bräuche auf eine fantastische Art und Weise, das man keine Sekunde daran zweifelt, sich nur im geschriebenen Wort zu befinden, sondern direkt im Geschehen. Eine wunderbare Liebesgeschichte, die uns als Leserin in eine sowohl anmutige Geisha als auch eine Samurai Tochter hineinfühlen lässt. Demütig, anmutig und doch stark. Eine wunderbare Geschichte über die Liebe zweier Menschen aus verfeindeten Clans im alten Japan.

© Rezension: 2013, Aygen (AE) buecherkaffee.blogspot.de


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glasgow, drogen, schwestern, familie, tod

Bienensterben

Lisa O'Donnell , Stefanie Jacobs
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 06.12.2013
ISBN 9783832197285
Genre: Romane

Rezension:

Heute ist Weihnachten. Heute hab ich Geburtstag. Heute werde ich fünfzehn. Heute hab ich meine Eltern im Garten begraben. Geliebt wurden sie beide nicht.
Zitat Prolog


Kurzbeschreibung:

Glasgow/Schottland. Die Geschwister Marnie und Nelly haben ihre drogensüchtigen und alkoholkranken Eltern im Garten beerdigt. Bepflanzt mit viel Lavendel um so von dem bestialischen Geruch abzulenken, der sich bereits im Haus festgefressen hat. Sie haben sich geschworen, niemandem ein Wort davon zu sagen, dass die Eltern tot sind. Traurig sind sie darüber nicht, aber sie müssen dieses Geheimnis für sich behalten. Was sie dabei nicht bedacht haben, dass sie vielleicht jemand im Garten beim Lavendel pflanzen gesehen haben könnte bzw. sich jemand fragen könnte, wo die Eltern stecken. Eine traurige Geschichte nimmt ihren Lauf…



Meine Gedanken zu dem Buch:

Das Buch erzählt die Geschichte von Marnie, die erst fünfzehn geworden ist und ihrer jüngeren Schwester Nelly. Diese zwei Personen sind das absolute Gegenteil, ihre einzige Verbindung ist nicht nur dasselbe Blut, das sie tragen sondern auch die gemeinsamen traurigen Erinnerungen und die grausame Kindheit. Ihre Eltern Izzy und Gene waren drogensüchtige Alkoholiker und haben ihnen die Kindheit zur Hölle gemacht. Marnie ist aufmüpfig und hat Sex mit irgendwelchen Klassenkameraden und sogar dem Dealer ihres Vaters, der weitaus älter und sogar verheiratet ist. Nelly hingegen ist wie eine kleine Blume. Unschuldig, talentierte Violinen Spielerin und spricht wie eine Frau aus früheren Zeiten. Das Buch selber ist in Jahreszeiten unterteilt und erzählt die Geschichte nicht nur aus Nelly´s und Marnie´s Sicht, sondern auch aus Sicht des homosexuellen Nachbarn Lennie. Lennie ist die verlorene Seele, der immer mit seinem verstorbenen Partner Joseph spricht und die Mädchen anfänglich nur beobachtet. Lennie ist bei den Nachbarn in der Stadt als pädophiler kranker Mann bekannt, seit er nachts auf dem Strassenstrich mit einem minderjährigen Jungen erwischt wurde.

Lennie beobachtet eine ganze Weile zu Beginn die Mädels im Nachbarhaus und fragt sich wo die Eltern der beiden Minderjährigen stecken. Auch er weiß, dass die Rabeneltern mehr schlecht als recht sind, aber dennoch findet er es verantwortungslos, dass sie einfach verschwunden sind und die Mädchen auf sich alleine gestellt sind.


"Ich beobachte sie jetzt schon seit Tagen. Wie sie graben. Pflanzen." Zitat Seite 30


Nach einer ganzen Weile kommen die Drei doch in Kontakt und es entwickelt sich so eine Art Freundschaft, die wohl auch zugleich als Familienersatz für alle Drei dient. Die flapsige Schreibweise von Marnie und die hochgestochene Ausdrucksweise von Nelly legen einen besonderen Zauber über diese so dramatische, traurige und spannende Geschichte zugleich.

Lennie kommt mi der Zeit hinter das Geheimnis der Mädchen und doch bewahrt er es für sich um nicht das Vertrauen der Mädchen zu brechen und lässt sie im Glauben, er würde ihnen die Lüge über den Spontanurlaub der Eltern glauben. Auch als der Dealer des Vaters auftaucht und auf sein noch ausstehendes Geld besteht und der Großvater der Beiden, der Vater von Izzy nach Jahren auftaucht, ist Lennie der einzige Halt der Mädchen. Er bekocht sie, stellt ungekannte Regeln auf, die in normalen Familienverhältnissen alltäglich scheinen auf und bringt so eine gewisse Idylle in das Leben der Beiden.

"Diese Mädchen verbergen nichts, nein, sie kennen es nicht anders, als es jetzt ist. Die Abwesenheit ihrer Eltern ist entzsetzliche Realität, schon ihr ganzes Leben lang." Zitat Seite 83


Im Verlauf der Geschichte, erfahren wir so viel über diese drei besonderen Menschen und ihren Leidensweg, der so schmerzvoll ist, dass er eine bedrückende Stimmung schafft und doch hat die Autorin hier durch ihre Schreibweise eine Leichtigkeit in die Geschichte gelegt, die diesen harten Stoff so greifbar und locker macht, dass man zeitweise die schweren Passagen mit einem schmunzeln liest und zeitgleich betrübt ist.

"Sie warf ihren geliebten iPod nach mir, aber herrgott noch mal, was hätte ich denn tun sollen, der Hund fraß unsere Mutter und unseren Vater. Unterträgliches Vieh" Zitat Seite 209


Diese besondere Schreibweise macht diese bereits bekannte Geschichte über Teenies, die aus schlechten Verhältnissen kommen zu einem besonderen Lesegenuss und legt einen besonderen Hauch von Spannung rein, der ab der ersten Seite einen packt. Trotz stetig wechselnden Erzählern zwischen den Protagonisten, verliert man dank der kurzen Kapitel nie den Faden. Die Geschichte fügt drei Charaktere und deren Darstellung ihres bisherigen Lebens zu einer Geschichte zusammen.



Zudem ist die Gestaltung des Covers passend gewählt und mir bereits auf der Buchmesse in Frankfurt ins Auge gestochen. Ein Scherenschnitt ähnliches Bild, welches drei Personen abbildet, sowie eine Violine, Ein Haus mit Gartenzaun, ein Messer, ein Cannabisblatt, eine Spritze und Zigaretten. Auf den ersten Blick sieht man das Profil zweier schöner Mädchen und beachtet erst gar nicht das Drumherum. Definitiv ein wunderbar passendes Cover. Schlicht und dennoch Aussagekräftig.


"Die Vögel zwitschern weiter und die Musik spielt weiter. Ein Leben verebbt, doch das Leben geht weiter." Zitat Seite 270


Kurz & gut - mein persönliches Fazit:

Ein grandioser Debütroman. Die Autorin vereint hier die Geschichte dreier Menschen, die nicht unterschiedlicher sein könnten und doch verbindet sie nicht nur ein Geheimnis sondern auch auf eine bestimmte Art ein gemeinsames Schicksal. So einfühlsam und gespickt mit jede Menge Sarkasmus, der zwar das Lesen erleichtert aber die schwere und bedrückende Last dieser Erlebnisse einen den Schmerz spüren lässt. Ein wunderbarer Roman über die traurigen Seiten des Lebens, das uns glücklicherweise erspart geblieben ist, aber dennoch wohl das ein oder andere Schicksal in dieser Welt zum Teil wiederspiegelt.

© Rezension: 2013, Aygen (AE) buecherkaffee.blogspot.de



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