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154 Bibliotheken, 2 Leser, 2 Gruppen, 103 Rezensionen

thriller, zoo, nachtwild, amoklauf, gin phillips

NACHTWILD

Gin Phillips , Susanne Goga-Klinkenberg
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 29.03.2018
ISBN 9783423261968
Genre: Krimi und Thriller

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31 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

expedition, alaska, eowyn ivey, abenteuer, 19. jahrhundert

Das Leuchten am Rand der Welt

Eowyn Ivey , Claudia Arlinghaus , Martina Tichy , Ruth Hulbert
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Kindler, 18.08.2017
ISBN 9783463406817
Genre: Romane

Rezension:

-- Worum geht’s? --
Ende des 19. Jahrhunderts, im Norden der Vereinigten Staaten. Colonel Allen Foster begibt sich auf eine Expedition in das damals noch unerforschte Alaska. Seine Frau Sophie, selbst passionierte Naturforscherin, soll ihn erst ein Stück begleiten. Die Umstände verlangen es von ihr, in der Garnison in Vancouver zurückzubleiben, fern jedes Abenteuers, dafür inmitten gelangweilter Offiziersgattinnen, die ihre größte Freude in Klatsch und Tratsch finden.
Während Allen also in der rauen, unbekannten Wildnis Alaskas zu kämpfen hat, mal ums Überleben, mal mit mythischen Begebenheiten, dabei aber die Schönheit dieser Natur kennen- und lieben lernt, muss Sophie gegen die ihren scharfen Geist erdrückende Langeweile bekämpfen. Beide, Allen und Sophie, haben also ihre Proben und Abenteuer zu bestehen.

-- Wie war’s? --
Ich muss nach Alaska. Das Leuchten am Rand der Welt hat mich nur darin bestärkt. Vor allem in Tagebucheinträgen erfährt man, wie es Sophie und Allen ergeht. Gespickt mit Zeitungsartikeln, Fotos, Zeichnungen und Gedichtfetzen mutet das Buch mehr wie ein illustrierter Reisebericht an und ist wunderschön zu lesen. Man kann gar nicht anders, als sich in beide Welten, in Sophies und in Allens, hineinziehen zu lassen und sich vor allem in Alaska zu verlieben.

Ihr mögt keine Reiseromane? Macht nichts, dieser Roman lohnt sich. Ihr steht auf Reiseromane? Ihr werdet es lieben!

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(161)

576 Bibliotheken, 25 Leser, 1 Gruppe, 73 Rezensionen

nevernight, jay kristoff, fantasy, assassinen, rache

Nevernight - Die Prüfung

Jay Kristoff , Kirsten Borchardt
Fester Einband: 704 Seiten
Erschienen bei FISCHER Tor, 24.08.2017
ISBN 9783596297573
Genre: Fantasy

Rezension:

Worum geht’s?

Mia Corvere verliert mit 10 Jahren alles: Ihren Vater an den Strang, ihre Mutter und Bruder an das Gefängnis, und sie selbst muss um ihr Leben rennen. 6 Jahre später wird sie von ihrem Meister, der sie zur Assassinin ausgebildet hat, zur Roten Kirche geschickt, der Kirche der Assassinen, um dort ihre Ausbildung zu beenden. Der Weg dorthin gestaltet sich schwierig, und auch das Leben unter all den Mörderinnen und Mördern gestaltet sich zwar spannend, aber auch erwartungsgemäß sehr gefährlich. Immer an Mias Seite ist Herr Freundlich, die Katze die keine Katze ist, und in den Schatten auf sie aufpasst. Doch auch er kann Mia nur bedingt vor den Gefahren und den Erfahrungen bewahren, die sie in der Roten Kirche macht.

Wie war’s?

Nevernight wurde diesseits und jenseits des Atlantiks in den höchsten Tönen gelobt. Die Welt, die Charaktere und vor allem die Sprache sollen unfassbar bezaubernd, außergewöhnlich und originell sein. Die Story packend bis man seine Nägel auf die Haut runtergekaut hat.
Entsprechend groß waren meine Erwartungen – die nicht erfüllt wurden. Die Sprache fand ich eher sperrig und schleppend als außergewöhnlich, die Story zog sich ewig hin, und die ersten 550 Seiten sind maximal Mittelmaß. Die Charaktere sind bis auf Herrn Freundlich bei weitem nicht so faszinierend wie man erwarten möchte, und auch wenn Sympathien für den ein oder anderen wachsen, ist es bei den wenigsten so, dass man sie vermissen würde. Die Story fühlt sich ebenso wie die meisten Charaktere austauschbar an, teilweise fühlte mich an Hogwarts erinnert – nur mit etwas mehr Blut.

Zudem gab es ein paar kleine, aber feine Details, die mich Korinthenscheißer zumindest anfangs gestört haben.
Es gibt drei Sonnen. Drei. Ich bekomme immer noch nicht in meinen Kopf, wie das astrophysisch funktionieren soll. In der Leserunde meinte jemand, „das ist halt Fantasy“ – frei nach dem Motto „in der Fantasy gelten andere Regeln und Gesetze!!“ Finde ich trotzdem komisch, denn die Schwerkraft scheint ja einwandfrei zu funktionieren! Aber gut, ich habe mich recht schnell daran gewöhnt…
Ein anderer Punkt, der mich etwas genervt hat, war der Name eines Charakters: Adonai. Adonai ist die Bezeichnung der Juden für Gott, da das Tetragram JHWH, das Nichtjuden gerne mit Jaweh übersetzen, eigentlich unaussprechbar ist. Adonai ist also, wenn man so will, eine heilige Bezeichnung. Ja, sie bedeutet übersetzt „Herr“ oder „Mein Herr“, also etwas „profaneres“ als Gott. Trotzdem. Kein Mensch würde auf die Idee kommen, einen Charakter Allah zu nennen, auch wenn der Name Jesus in spanischsprachigen Ländern durchaus gängig ist. Ich bin weder religiös noch gläubig. Von mir aus darf jeder glauben was er mag, solange er seine Mitmenschen nicht beeinträchtigt. Dazu gehört für mich auch, die für manche Menschen heiligen Namen nicht zu profanisieren. Vielleicht rege ich mich mehr darüber auf als ich sollte, vielleicht sehen das jüdische Leser*innen ganz anders oder nicht so eng. Aber ich für mich finde es komisch.

Der Showdown zieht das Tempo schließlich kräftig an und, man verzeihe mir dieses Klischee, die Ereignisse überschlagen sich. Wie man es trotzdem schaffen kann, selbst dort noch Längen einzubauen, ist mir ein Rätsel und zeugt in diesem Fall von einem besonderen Talent des Autors.

Die letzten Seiten konnten das Buch für mich nicht retten, und ich werde den nächsten Teil nicht lesen. Der einzige Handlungsstrang, der mich reizen würde, ist höchstens Nebenhandlung, wenn er nicht sogar nur aus kurzen Einwürfen besteht. Das reicht nicht für das Fortsetzen einer Serie.

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(155)

222 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 132 Rezensionen

thriller, spannung, serienkiller, berlin, targa

Targa - Der Moment, bevor du stirbst

B. C. Schiller
Flexibler Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Penguin, 10.07.2017
ISBN 9783328101512
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

-- Worum geht’s? --
Falk Sandmann ist Professor Psychologie – und ein aktiver Serienmörder. Die Polizei ist ihm bereits seit längerem auf der Spur, konnte ihn bisher aber nicht überführen. Dass soll mit Hilfe von Targa, einer in Ungnade gefallenen Polizistin, nun gelingen. Ihre besondere Gefühlskälte soll es ihr ermöglichen, dem eiskalten Psychopathen nahezukommen und ihn zur Strecke zu bringen. Schon bald stellt sich die Frage, wer wem zu nahe kommt.

-- Wie war’s? --
Es ist mal ein anderer Ansatz, bereits von Anfang an zu wissen wer der Mörder ist, ihn bei seinen Taten zu begleiten und zu sehen, wie nah oder fern die Polizei ist.

Falk Sandmann ist ein durch und durch gelungener Serienmörder: Charmant, intelligent, eiskalt, grausam aber nicht blutig-brutal. Mit der Zeit offenbart sich sein riesiges Netz, das er gesponnen hat, und in dem viel mehr Menschen hängen als man glauben mag.

Neben Sandmann verblasst die titelgebende Protagonistin Targa. Angeblich spürt sie keinerlei Angst oder andere Emotionen. Das wird allerdings in jedem Kapitel widerlegt, was Targa eher unausgereift wirken lässt.

Insgesamt bin ich weder mit ihr noch mit dem Thriller insgesamt warm geworden. Einige Handlungsstränge wollen nicht ganz zum Rest der Geschichte passen, trotz der Erklärungen, und gerade beim Showdown wirken einige Ereignisse schlicht zu konstruiert für meinen Geschmack.

Ich hätte gerne mehr von Sandmann gelesen, denn sowohl von seiner Geschichte als auch von seinem Vorgehen her ist er hoch interessant. Er ist einer der spannendsten Serienmörder, die mir bisher untergekommen sind, gerade weil er nicht so brutal und blutig vorgeht, sondern eher kühl und berechnend.

Doch auch der Charakter Sandmann hilft nicht, ich kann diesem Thriller nicht genug abgewinnen um ihn empfehlen zu können.

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(223)

456 Bibliotheken, 5 Leser, 1 Gruppe, 88 Rezensionen

thriller, hamburg, darknet, anonym, internet

Anonym

Ursula Poznanski , Arno Strobel
Fester Einband: 384 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 21.09.2016
ISBN 9783805250856
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Worum geht’s?

Ein Forum, in dem man Menschen, die man tot sehen will, für eine Todesliste nominieren kann. Mitglieder, die ungläubig bis begeistert über eben diese Todesliste abstimmen. Und ein Killer, für den deren Willen sein Befehl ist und das Leben in Hamburg lahmlegt.
Daniel Buchholz und Nina Salomon, Ermittler des LKA Hamburg, ermitteln mit ihrem Team auf Hochtouren und vor allem gegen die Zeit. Denn die nächste Abstimmung läuft bereits und der Killer hat seine Opfer schon längst im Visier.

Wie war’s?

Anonym ist spannend geschrieben und man kann es kaum aus der Hand legen. Die Idee, das Internet, speziell das Dark Web, als einen der hauptsächlichen Dreh- und Angelpunkte der Story und der Ermittlungen zu machen erinnert zwar ein wenig an Der Totschläger von Chris Carter, wurde aber dennoch gut umgesetzt. Außerdem führt nicht jede Spur zum nächsten Ermittlungserfolg, man spürt die Frustration der Ermittler also am eigenen Leib.
Die Handlung wird wechselnd aus den Sichtweisen der beiden Ermittler geschildert. Die Kapitel sind allerdings weder gekennzeichnet noch sind die Sichtweisen und damit die Charaktere signifikant anders, als dass man den Wechsel sofort registrieren würde. Alle sind müde, gereizt, frustriert. Warum es überhaupt zwei Sichtweisen gibt ist mir schleierhaft.
Auch die Ermittlerfiguren Buchholz und Salomon an sich sind schwer verdaulich. Vor allem Nina Salomon, die anfangs frischen Wind zu versprechen schien, wurde durch ihre Unprofessionalität zusehends unerträglicher. Auch die Reaktion ihrer Vorgesetzten auf ihre letzte Aktion ist nicht nachvollziehbar bzw. klingt unrealistisch.
Unrealistisch ist übrigens auch die Hilfe der CIA. Dass man beim BKA Amtshilfe leistet ist vielleicht noch im Rahmen des Denkbaren, aber einem LKA? Zudem ist deren Anteil an der Story derart irrelevant, dass man die beiden Agents auch hätte weglassen können. Im Nachhinein wirkt es wie eine Idee der Autoren, die nicht weiter verfolgt oder gar vergessen wurde.
Die Auflösung schließlich und der Killer sind schlichtweg unbefriedigend. Ein Thriller ist dann toll, wenn man nicht schon nach einem Drittel weiß, wer der Killer ist. Nachvollziehbar sollte es aber schon sein. Das ist nicht der Fall, und die Auflösung wirft mehr Fragen auf als sie beantwortet. Außerdem spricht es völlig gegen gewonnene Erkenntnisse während der Ermittlungen.

Insgesamt ist der Thriller packend geschrieben und ein guter Zeitvertreib. Auch die Story ist mal etwas anderes und wirft die Fragen auf, wer eigentlich Schuld an den Morden trägt und, im weiteren Sinne, wer für Aktionen die Verantwortung trägt, die im Netz ihren Ursprung haben. Ist es immer der Handelnde? Oder sind es auch Umstehende, die anfeuern, anstacheln, nichts tun? Eine interessante Frage in unserer heutigen Zeit, und die auch nach Ende des Thrillers noch nachhängt.
Wie schon erwähnt, erinnert die Story ein wenig an Der Totschläger von Chris Carter. In diesem Thriller wird zu der Frage noch eine andere Ebene eingeworfen, und wer sich für Cybercrime in Thrillern interessiert, sollte sich diesen Teil der Rob Hunter Serie auf jeden Fall zulegen.

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34 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 9 Rezensionen

freudenhaus, halbling, divergenz, krähen, zwerg

Tote Helden

Michael Peinkofer
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei Piper, 20.03.2017
ISBN 9783492703420
Genre: Fantasy

Rezension:

Worum geht’s?

Vor Jahrzehnten war Astray bedroht, doch sieben Helden opferten sich und retteten die Welt. Es kam zum Weltenbruch, einem gähnenden Abgrund, der sich quer durch Astray zieht. Während das Ostreich vereint blieb und inzwischen vom jähzornigen König Astyragis regiert wird, zerfiel das Westreich nach kleineren und größeren Kämpfen. Das Leben ging weiter, die Vergangenheit interessiert keinen mehr, und so bekommt kaum einer mit, dass sich im Abyss was tut. Nur Rayan, ein fahrender Sänger, der von den Helden der alten Zeit singt und Visionen der Zukunft hat. Er macht sich auf den Weg nach Skaradag, der Stadt des Salzes im Norden. Er hatte es lange aufgegeben, die Geschehnisse zu beeinflussen, aber die Zukunft, die ihm erschienen ist, kann er nicht hinnehmen.

Wie war’s?

Peinkofer hat eine große Welt mit komplexen Strukturen. Während im Osten des Kontinents einigermaßen Stabilität herrscht, ist der Westen zersplittert und lebt in der Angst vor den Großexekutoren, eines Ordens, der alles Magische und Übernatürliche ausrotten will. Mitten durch den Kontinent zieht sich der Abyss, ein gähnender Abgrund, bei dem keiner wirklich wissen will, was eigentlich drin ist.
Die Charaktere sind vielfältig und glücklicherweise nicht ausnahmslos männlich. Es gibt starke und schwache Frauen, welche, die gerade in einer Entwicklungsphase stecken und welche, die eher unscheinbar im Hintergrund bleiben. Vor allem Prinzessin Nyasha und Bordellbesitzerin Jennara sind spannende Charaktere, die auf vielversprechende Handlungsstränge im Folgeband hinweisen. Interessanterweise fallen manche der männlichen Charaktere dagegen recht fahl aus. Lorymar Thinkling, ein Halbling, ist zwar gewitzt und ein amüsanter Charakter, erinnert aber dermaßen an Thyrion Lannister aus A Song of Ice and Fire, dass er gegen diese Vorlage verblasst. Auch andere Figuren erinnern stark an G.R.R. Martins Epos. So gibt es am Hofe des Ostreiches einen mächtigen Eunuchen, und die Gruppe der Unsichtbaren, die sich selbst allesamt „Niemand“ nennen, erinnern an die Männer ohne Gesicht, die jegliche Identität ablegen.
Bei so einem Buch ist es klar, dass auf den ersten hundert Seiten erst die Grundlagen der Story gelegt werden müssen. Dennoch braucht „Tote Helden“ ziemlich Anlaufzeit, und bei manchen Charakteren sind die Verbindung sehr viel früher schreiend klar als sie tatsächlich aufgeklärt werden.

Insgesamt ist Tote Helden solide Fantasy, allerdings wird das Rad nicht neu erfunden und manche Aspekte erinnern schlichtweg zu deutlich an andere große Werke wie A Song of Ice and Fire oder auch Der Herr der Ringe.

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93 Bibliotheken, 6 Leser, 0 Gruppen, 25 Rezensionen

depression, uwe hauck, depression abzugeben, tagesklinik, psychiatrie

Depression abzugeben

Uwe Hauck
Flexibler Einband: 427 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 13.01.2017
ISBN 9783404609222
Genre: Sachbücher

Rezension:

Triggerwarnung: Diese Rezension bespricht ein Buch über Depressionen und könnte für Betroffene Trigger enthalten

Worum geht's?

Uwe Hauck versuchte Anfang 2015, sich das Leben zu nehmen.
Der Versuch schlug fehl, und als er in der Notaufnahme aufwachte wurde ihm klar, dass er Hilfe braucht. Nach ein paar Tagen auf der geschlossenen Station kommt er auf eine offene und beginnt dort seinen Weg, mit der Krankheit zu leben. Allerdings wird er während der stationären Behandlung „nur“ medikamentös eingestellt, ansonsten in therapeutischen Angeboten erstmal beschäftigt. Nach einigen Wochen wechselt Hauck in die Tagesklinik und endlich gibt es auch Gespräche über seine Krankheit. Doch wie schon während der stationären Therapie wird seine Internet- und Technikaffinität missverstanden und falsch verstanden, sogar als Internetsucht ausgelegt. Zum Verständnis: Hauck tweetete regelmäßig über seinen Klinikalltag mit dem Hashtag #ausderklapse, was ihm persönlich sehr half, besser mit seiner Krankheit umzugehen. Doch Verteufelungen, zu starre Regeln und gar Verbote waren schon immer Gift für Haucks Psyche, sie haben ihn letztlich mit in den Suizidversuch getrieben, nicht davor bewahrt.
Nach etlichen Wochen zu Hause, die schwer genug waren, kommt Hauck noch mal für einige Wochen in die Reha-Klinik. Hauck fügt sich nur widerwillig in das neue Therapiekonzept, und analysiert später auch, woran das lag. Doch auch wenn er sich nicht ganz wohlfühlt mit manchen Therapiekonzepten, merkt er irgendwann doch, dass sie helfen. Er ist gefestigter nach einem Jahr in verschiedenen Kliniken und zu Hause, doch dass er noch am Anfang seines Weges ist, merkt Hauck während der Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag.

Wie war's?
Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde auf Leserunden.de< lesen, die von Uwe Hauck begleitet wurde. Im Buch wie auch im Forum oder auch auf Vorträgen ist er sehr offen, was die Krankheit der Depression angeht. Sein erklärtes Ziel ist Aufklärung und, wie er es nennt, Lobbyarbeit für die Betroffenen. Mit dem Buch legt er einen guten Grundstein, denn vor allem für Angehörige bietet es einen Einblick in die Krankheit und in die Gedankenwelt eines an Depression erkrankten Menschen – egal ob Depression die Hauptdiagnose sind oder, wie hier später heraus kam, Symptom einer anderen Diagnose ist.

In einem Abschnitt war ich kurz davor, das Buch abzubrechen. Hauck kam mir dort sehr arrogant und überheblich vor, so, wie er über die Therapien sprach. Es hat etwas Überwindung gekostet, aber ich habe ihn im Forum direkt darauf angesprochen:
„Ich habe deinen Ton und deine Art, über die Therapien in der Tagesklinik zu sprechen, tlw. als überheblich und auch etwas herablassend empfunden. Ich hoffe, ich erwische dich da nicht auf dem falschen Fuß, Uwe. Du hast den Sinn und Zweck hinter den einzelnen Therapieangeboten nicht verstanden und sie daraufhin schlecht gemacht. Im Grunde das Gleiche, was die Ärzte mit deiner Technik- und Internetpassion machen.“
„Bücherkrähe du erwischt mich da garnicht auf dem falschen Fuss, genau das wollte ich ja vermitteln, dass ich da am Anfang meine Probleme damit hatte, zum Teil auch überheblich reagiert habe. Auch das ist ein Teil dessen, was man erst durch die ganz Therapie lernt. Über den Schatten springen, neues versuchen, den eigenen Tellerrand überschreiten. Dazu war ich aber beim Wechsel dorthin noch nicht bereit.“
So ganz reflektiert bzw. erklärt hat Hauck das am Ende doch nicht, auch wenn er die Wirkung der Therapien anerkennt. Er macht sich bspw. bis zum Schluss über die Kreisform der Sitzordnung in allen Therapien lustig, dabei frage ich mich, was die Alternative wäre.

Streckenweise empfand ich das Buch als wirklich anstrengend, und es kommt meiner Meinung nach nicht an Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben von Matt Haig heran. Trotzdem ist Depression abzugeben eine gute und vor allem ratsame Lektüre besonders für Angehörige von depressiven Menschen, die statt medizinischen Fakten und Ratgebern einen Einblick in die Gedanken von Betroffenen gewinnen möchten. Die Kapitel lesen sich leicht herunter und werden immer wieder von Haucks Tweets, die er während seiner Klinikaufenthalte schrieb, strukturiert werden.

Danke an Leserunden.de für die Organisation der Leserunde, an Uwe Hauck für die tolle Begleitung, und an Bastei Lübbe für das Leseexemplar.

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(184)

397 Bibliotheken, 9 Leser, 1 Gruppe, 110 Rezensionen

frankreich, schwestern, zweiter weltkrieg, resistance, widerstand

Die Nachtigall

Kristin Hannah , Karolina Fell
Fester Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Rütten & Loening Berlin, 19.09.2016
ISBN 9783352008856
Genre: Romane

Rezension:

Frankreich, 1940. Das kleine Städchen Carriveau liegt vom Krieg noch unberührt und idyllisch in einem nicht näher benannten Teil Frankreichs und ist beinahe kitschig schön. Hier in der Nähe wohnt Vianne Rossigniol mit ihrem Mann Antionne und ihrer Tochter Sophie in einem alten Bauernhaus, das seit Jahrhunderten inFamilienbesitz ist. Schließlich holt der Krieg Vianne und ihre kleine Familie doch ein, Antionne wird eingezogen, die Deutschen besetzen Frankreich und auch in dem ruhigen Örtchen wird es zunehmend ungemütlicher. In dieser Zeit zieht Viannes jüngere Schwester Isabelle zu ihr, die von ihrem Vater aus PAris weggeschickt wurde. Während Vianne versucht, ihren Kopf untern zu halten um auch ihre Tochter zu schützen, zumal ein deutscher Offizier bei ihr einquartiert ist, muss sie Isabelle immer wieder ermahnen, ihre Rebellion nicht offen zu tragen. Konflikte zwischen den beiden Schwestern sind vorprogrammiert, denn jede sucht in dieser Situation ihren eigenen Weg, mit der Besatzung umzugehen, doch versteht den Weg der anderen nicht. Schließlich geht Isabellle wieder nach Paris, doch erst nach dem Krieg merken die beiden Schwestern, dasss sie sich gar nicht so unähnlich sind.

Der Stil, in dem Hannah schreibt, ist so bildhaft, dass er beinahe kitschig wirken könnte, stellte er nicht mit den malerischen Beschreibungen einen deutlichen Kontrast zu den Schrecken, Verunsicherungen und Ängsten der Charaktere unter der Besatzung dar. Schon auf den ersten Seiten zeugt sich dieser Bruch zwischen Szenerie und Situation und transportiert so die Emotionalität, mit der der Kriegsalltag bestritten wurde. Man kann mit den Charakteren dadurch mitfühlen, ihre Wut, ihre Verzweiflung aber auch ihre Angst wird dadurch umso greifbarer.
Im Zentrum der Geschichte stehen die beiden ungleichen Schwestern Vianne und Isabelle. Während Vianne glücklich verheiratet und Mutter ist, und ein beschauliches Leben auf dem Land führt, fliegt Isabelle von einem Internat nach dem nächsten. Ihre ungestüme, rebellische Ader ist in diesen Zeiten gefährlich, doch ihre Jugend lässt die Konsequenzen entweder nicht erkennen oder nur mit den Achseln zucken. Obwohl beide Charaktere unterschiedliche Wege einschlagen, mit der Besatzung der Deutschen und all ihren Konsequenzen für das Alltagsleben umzugehen, kann man die Entscheidungen beider nachvollziehen, manchmal aber auch den Kopf schütteln. Spannend sind beide Wege, denn beide Schwestern finden Wege, nicht mit den Deutschen konform zu gehen.

Das Buch ist ein wahrer Rausch zu lesen, nicht nur, was die Beschreibungen und die Sprache angeht, sondern auch die Emotionen, die man fast schon gezwungen ist zu fühlen. Hannah beschreibt in ihrem Buch den alltäglichen Schrecken während des Zweiten Weltkrieges, der sich erst langsam und kaum bemerkbar in das tägliche Leben schlich und es schließlich bestimmte, und auch, wie Freundschaft und Mitgefühl in dieser Zeit immer schwerer gegen die Angst ankamen.
Das Buch ist eines der Jahreshighlights 2016!

ACHTUNG: Ab hier kommen Spoiler vor!!

Obwohl ich das Buch unglaublich genossen habe und es mir Lust auf gehaltvollere Literatur gemacht hat, gibt es dennoch ein paaar Kritikpunkte, die ich an- bzw. Besprechen möchte.
Während die Geschichte voranschritt, überkam mich zeitweise das Gefühl, dass es etwas zuviel ist für die Familie Rossigniol. Vater und jüngere Tochter bei der Resistance, sie sogar eine der meistgesuchtesten Kämpferinnen, die ältere Tochter versteckt jüdische Kinder und stellt falsche Papiere her. Beide Parteien – Resistance und Kinderrettung – wussten nichts voneinander. In einer Rezension kritisierte Violet Wells auf Goodreads, dass Hannah versuchte, den gesamten Schrecken des Zweiten Weltkrieges in diese kleine Stadt im Nirgendwo und in diese kleine Familie zu packen. Bis zu einem gewissen Punkt ist die Kritik nachvollziehbar, auf der anderen Seite waren gerade die SChilderungen von den Vorkommniessen in Carriveau nicht überladen oder übertrieben. Jeder, der ein Geschichtsbuch mit Zeitzeugenberichte gelesen hat, weiß, dass sowas durchaus Gang und Gäbe war.

Ein weiterer, nicht nachvollziehbarer Kritikpunkt ist der Vorwurf, es sei ein Liebesroman. Vianne leidet, als Antoine eingezogen wird, und zwischendurch wird immer wieder deutlich, dass sie ihren Mann über alles liebt. Auch Isabelle hat jemanden, den sie liebt, und ab und an werden die komplizierten Verhältnisse angesprochen, in denen die beiden ihre Liebe leben müssen. Allerdings sind diese Szenen schon fast Randnotizen und stehen in keinster Weise im alleinigen Fokus der Geschichte, als dass sie die Bezeichnung ¨Liebesroman¨ rechtfertigen würden.

Zum Schluss seien noch zwei Logiklöcher angesprochen, die aber nicht weiter ins Gewicht fallen. Zu klären wäre, wie Isabelles falsche Papiere das KZ überstanden haben, denn sie hatte keine persönlichen Dinge mehr. Zum anderen kommt Rachel, die beste Freundin Viannes, erstaunlich schnell, nämlich innerhalb weniger Stunden, an falsche Papiere für sich und ihre Kinder. Wie das auf die Schnelle ging wurde leider nicht erklärt.
Insgesamt kann keiner der Kritikpunkte etwas an der Bewertung ändern, denn was ich vor der Spoilerwarnung schrieb gilt auch nach der Spoilerwarnung: Das Buch ist eines der Jahreshighlights 2016!

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Tags: frankreich   (1)
 

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91 Bibliotheken, 3 Leser, 2 Gruppen, 25 Rezensionen

tagebuch, senioren, altenheim, altersheim, niederlande

Eierlikörtage

Hendrik Groen , Wibke Kuhn
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 01.08.2016
ISBN 9783492058087
Genre: Romane

Rezension:

So ein Leben im Seniorenheim kann ganz schön langweilig sein. Für Normalsterbliche vielleicht, nicht aber, wenn man Hendrik Groen heißt. Er hat keine Lust mehr auf das ewige Gejammer und Hinvegetiere seiner Mitbewohner und beschließt, etwas zu ändern. Das geheime Tagebuch ist erst der Anfang, denn im Laufe des Jahres tut sich so einiges. Von hinterhältigen Mordanschlägen auf die örtlichen Aquarien, über einen Rebellenclub („Alt aber nicht tot“) bis hin zu Guerillaplänen gegen Überwachungskameras: in Groens Seniorenheim in Amsterdam Noord ist ordentlich was los. Es geht aber auch um andere Themen, um die unvermeidbaren Verschleißerscheinungen im Alter, sich nicht davon unterkriegen zu lassen, und vor allem um ganz viel Freundschaft und Lebensfreude.

Hendrik Groens Tagebuch beginnt sehr erheiternd mit dem Eintrag:

„Auch im neuen Jahr habe ich für Senioren nichts übrig. Dieses Geschlurfe hinter Rollatoren, diese völlig deplatzierte Ungeduld, dieses ewige Gejammer, diese Kekse zum Tee, dieses Geseufze und Gestöhne.“

In diesem Tenor aus feiner Beobachtung, spitzer Zunge und einer ordentlichen Portion Ironie, die auch vor dem Autor selbst nicht Halt macht, begleitet man Hendrik Groen durch das Jahr 2013. Er berichtet davon, wie eine Änderung im Speiseplan seine Mitbewohner tagelang verwirren kann, fragt sich, ob US-Senioren als Äquivalent der First Rifle ihrer Enkel wohl eine Last Rifle haben und was das für die Sicherheit in Altenheimen bedeutet – bei den tatterigen Händen – wir erleben hautnah den Kampf gegen unsinnige Vorschriften und natürlich auch gegen das Älterwerden.
Doch neben all den Lachtränen, die man als LeserIn vergießt, gibt es auch Tränen der Rührung, wenn die alten Freunde sich um sich kümmern und mit ihren Gebrechen ganz vorurteilsfrei umgehen, und auch der Trauer, wenn man liebgewonnene Menschen in die Demenz begleiten muss.

Ich habe meinen Opa über alles geliebt, er war neben meinen Geschwistern mein absoluter Lieblingsmensch und ich habe ihn und meine Großmutter jahrelang jede Woche besucht. Hendrik Groen würde ich allerdings sofort als Dritt-Großvater adoptieren, und seinen Rebellentrup gleich dazu. Hendrik hat mir zwei Sachen gezeigt: erstens muss man seinen Humor mit 70 nicht beim Pförtner abgeben. Zweitens habe ich, seit ich das Buch lese, im Alltag sehr viel mehr Geduld mit alten Menschen.
Lieber Hendrik, Danke!

“Heute hatte unser Heim einen richtigen Supertag: ein Herzanfall, eine gebrochene Hüfte, und ein Bewohner ist beinahe an einem Mürbeteigkeks erstickt.”

Und ich beinahe an meinem Kaffee, als ich das gelesen habe…

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Tags: humor, rentner, senioren, tagebuch   (4)
 

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166 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 62 Rezensionen

paige mckenzie, geister, grusel, sunshine girl, mystery

Sunshine Girl - Die Heimsuchung

Paige McKenzie , Alyssa Sheinmel , Doris Hummel
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 18.08.2016
ISBN 9783845814032
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Kurz nach ihrem 16. Geburtstag zieht Sunshine mit ihrer Mutter Kat vom sonnigen Texas in das verregnete Washington. Schon vor dem Haus überkommt sie ein ungutes Gefühl und schnell wird klar: es spukt im neuen Zuhause. Ihre Mutter tut Sunshines Beobachtungen als Symptome von Heimweh ab und auch ihre beste Freundin Ashley glaubt ihr nicht. Mal ernsthaft, Geister? Einzig ihr neuer Klassenkamerad Nolan glaubt ihr und zusammen versuchen sie, der Sache auf den Grund zu gehen. Als Sunshines Mutter sich immer rätselhafter verhält, muss Sunshine sich beeilen, ansonsten ist ihre Mutter für immer verloren.

Sunshine Girl beruht auf einer Youtube-Serie von Paige McKenzie, die mit Hilfe von Alyssa Sheinmel nun auch eine Buchserie bekommt.
Das Buch liest sich recht schnell und flüssig. Zwischen den einzelnen Kapiteln, die alle aus der Sicht von Sunshine erzählt werden, berichtet auch ein unbekannter Beobachter von seiner Überwachung Sunshines.
Sunshine Girl soll ein Horrorbuch sein, dementsprechend habe ich einige Gruselstunden erwartet. Bis auf einmal kam aber keine wirkliche Spannung auf (und besagtes eine Mal hatte ich kurz vorher gerade erst wieder Supernatural geguckt…). Hauptcharakter Sunshine ist mit ihren Gedanken zu ihren Haaren und Nolan zwar ein typischer Teenager, trägt ansonsten aber recht wenig zur Handlung bei. Ab dem Zeitpunkt, an dem Nolan sich ihrer Suche nach Antworten anschließt, bekommt sie eben jene und Lösungen zu ihren Problemen nur noch vorgesetzt. Die meiste Arbeit macht Nolan, und Sunshine bricht als Antwort ohne ersichtlichen Grund einen Streit vom Zaun.
Atmosphäre kommt keine auf. Das Vokabular beschränkt sich auf „gruselig“ in verschiedenen Ausprägungen (supergruselig, gruseltastisch, etc.), das Haus riecht grundsätzlich modrig nach Schimmel, Sunshine ist immer kalt. Dass Sunshine Sätze, von denen sie nicht weiß, wie sie sie beenden soll, regelmäßig mit einem „…bla!“ abbricht, wirkt ebenfalls stümperhaft. Ich bin mir durchaus bewusst, dass Teenager so reden können, aber in einem Buch erwarte ich mehr Abwechslung in der Sprachgestaltung!
Hinzu kommt, dass fast allen Personen eine wichtige Rolle in der Gruselwelt zukommt und sie Sunshine weiterhelfen. Das ist mir einfach zu viel des Guten, es gibt außer der Mutter keinen normalen Menschen in Sunshines Umfeld.

Insgesamt ist dieses Buch leider einfach nichts Besonderes. Weder kommt eine Gänsehautatmosphäre auf noch sind die Charaktere auf Dauer sympathisch genug, als dass man mit ihnen mitfiebern würde. Das Ende kommt etwas überhastet und ist mir unterm Strich zu viel heile Welt.
Für die vorgesehene Altersgruppe ab 14 ist es sicherlich passend, da keine Splatterszenen vorkommen und ich mich in dem Alter bestimmt mehr gegruselt hätte. Für Ältere empfielt sich allerdings der Griff zu Altbewährtem wie Stephen King.

Ein Gedanke noch zur Übersetzung: Doris Hummel hat auch Fire Girl übersetzt, das ich Anfang des Monats gelesen und rezensiert habe. Dort hat mir die Übersetzung ausgesprochen gut gefallen. Bei Sunshine Girl schien sie aber Probleme zu haben, die englische/amerikanische Jugendsprache adäquat ins Deutsche zu übersetzen, und so wirken manche Dialoge etwas sehr gewollt. Schade.

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Tags: geister, geisterhaus, paranorma   (3)
 

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(68)

121 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 53 Rezensionen

hexen, fantasy, magie, dämonen, england

Fire Girl - Gefährliche Suche

Matt Ralphs , Doris Hummel
Fester Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Ars Edition, 18.08.2016
ISBN 9783845816401
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Hazel lebt mit ihrer Mutter, einer Hexe mit Heilkräften, von der Außenwelt abgeschottet auf einer idyllischen Lichtung eines englischen Waldes. Sie ist etwas frustriert, dass sie keine magischen Kräfte zu haben scheint. Dass sie doch welche hat, stellt sich ausgerechnet dann heraus, als ein Dämon Hazels Mutter entführt und verschleppt.
Hazel macht sich sofort auf den Weg, ihre Mutter zu retten, und natürlich muss ihr neuer magischer Begleiter, eine sarkastische, etwas mürrische Haselmaus namens Bramley, auch mit. Sie tun sich mit zwei Hexenfindern zusammen, und zunächst funktioniert es, wenn auch leidlich. Dann trifft das Gespann auf einen weiteren Dämon, und die Ereignisse überschlagen sich.

Ich hatte wirklich Schwierigkeiten, in das Buch hineinzufinden. Sehr, sehr lange tut sich für meinen Geschmack nichts, nämlich bis fast zur Mitte der Story. Dann geht’s allerdings auf einmal ab und man liest das Buch in einem Rutsch weg.
Hazel ist ihren noch-nicht-ganz 13 impulsiv, manchmal ängstlich und ziemlich dickköpfig. Manchmal hat sie es mir zu faustdick hinter den Ohren bzw. sie ist für meinen Geschmack etwas zu ausgebufft dafür, dass sie noch nie in der „Außenwelt“ war. Allerdings überwiegt die Sympathie, sie versucht verzweifelt aber sehr entschlossen, ihre Mutter zu finden, und muss sich dafür mehr als einem Schrecken stellen.
Der kleine Bramley ist überhaupt nicht begeistert von seiner neuen Rolle als „Vertrautem“, wie man es nennt, und ist dementsprechend oft am jammern und nörgeln. Allerdings warnt er Hazel auch oft, beruhigt sie und hat dann doch mal das ein oder andere nette Wort für sie übrig. Die Freundschaft zwischen den beiden entwickelt sich während der Geschichte immer mehr zum Positiven.

Fire Girl ist ein typischer Fantasyroman für 12-14Jährige. Junge, mutige und nicht perfekte Heldin, ein neunmalkluger Begleiter, Figuren zum Mögen und Verabscheuen, Gruselmomente, Szenen zum Mitärgern… und warum dann trotzdem nur 3 Sterne? Wegen der unfassbaren Startschwierigkeiten. Ich war kurz davor, das Buch abzubrechen, und dafür gibt es deutlichen Punktabzug.

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Tags: england, hexen, magie   (3)
 

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918 Bibliotheken, 26 Leser, 1 Gruppe, 128 Rezensionen

harry potter, hogwarts, magie, theaterstück, fantasy

Harry Potter and the Cursed Child

Joanne K. Rowling , Jack Thorne , John Tiffany
Fester Einband: 330 Seiten
Erschienen bei Little, Brown, 31.07.2016
ISBN 9780751565355
Genre: Jugendbuch

Rezension:  
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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

frauen, kriminalität, männer, rechtsgeschichte, verbrechen

Vergewaltigung

Mithu M. Sanyal
Flexibler Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Edition Nautilus GmbH, 24.08.2016
ISBN 9783960540236
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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54 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 12 Rezensionen

roboter, freundschaft, zukunft, humor, deborah install

Der Roboter, der Herzen hören konnte

Deborah Install , Susanne Goga-Klinkenberg
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei FISCHER Krüger, 28.07.2016
ISBN 9783810522863
Genre: Romane

Rezension:

Ben wohnt mit seiner Frau im Haus, das er von seinen Eltern geerbt hat, ist finanziell unabhängig und lebt motivationslos vor sich hin. Eines Tages sitzt ein kleiner Schrotthaufen namens Tang in seinem Garten und beobachtet fasziniert die Pferde. Tang ist etwas verbeult, stur, und weigert sich, seine Herkunft preiszugeben. Auch als Ben sieht, dass der Zylinder in Tangs Innerem kaputt ist, dringend repariert werden muss, dafür aber der Erbauer gefunden werden muss.
Also begibt sich das ungleiche Paar auf einen Roadtrip der etwas anderen Art. Tang lernt jeden Tag dazu, seien es neue Worte, Gefühle oder Stimmlagen, und kostet Ben manchmal mehr Nerven als dieser denkt zur Verfügung zu haben. Zwischen den beiden entwickelt sich im Laufe der Zeit eine besondere Beziehung, und als Tang in Gefahr gerät, muss Ben sich entscheiden, ob er ohne Tang nach Hause zurückkehrt, oder die liebenswerte Klapperkiste rettet.

„Ich muss zugeben, ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich einmal mit einem Retroroboter und einem radioaktiven Dackel in einem Dodge Charger durch die Wüste fahren würde.“


Ein paar Eindrücke vorweg:
1. Ich habe Abschiedsschmerz. Großen.
2. Jeder, wirklich JEDER!! braucht so eine kleine Klapperkiste wie Tang.
3. Ich bin kurz davor, der Autorin zu schreiben, sie möge bitte einen zweiten Teil schreiben. Das Ende fordert es geradezu heraus!
4. Es ist in den Top 3 der Bücher 2016. Vielleicht sogar Platz 1.

Schon beim Klappentext wusste ich, dass ich das Buch unbedingt lesen muss, und ich wurde nicht enttäuscht. Der Roboter, der Herzen hören konnte ist herzerwärmend und witzig, und der kleine Roboter Tang schepperte sich ziemlich schnell in mein Herz und hat es sich darin gemütlich gemacht. Man begleitet ihn und Ben auf ihrem abenteuerlichen Roadtrip, und man fühlt oft mit Tang mit, wenn taktlose Menschen ihn aufgrund der Tatsache, dass er eben kein Androide ist, ausgrenzen oder diskriminieren. Deborah Install schafft es mühelos, Freude und Aufregung zu transportieren, und ich musste so oft während der Lektüre grinsen, dass mir hinterher das Gesicht wehtat.
Es gab so viele kleine und größere Szenen, die mir im Kopf geblieben sind (Tang und die Halloween-Hexe; wie er sich an Bens Bein klammert, wenn er unsicher oder ängstlich ist; seine Liebe zu großen Autos), und obwohl Tang vieles noch nicht versteht, sind wichtige Sachen schon längst tief in ihm verankert.
Als Ben nach Jahren endlich um seine Eltern weinen kann, sagt er zu Tang, der gerade gelernt hat, dass sich menschliche Körper selbst heilen können: „Entschuldige, ich laufe wieder aus.“ „Nein. Ben heilt.“

Das Buch ist voll von solchen schönen, witzigen, klugen Dialogen, und ich möchte dieses Buch nicht in meinem Regal missen. Es gehört zu den wenigen Büchern, bei denen ich mir vorstellen kann, sie nochmal zu lesen – und normalerweise lese ich keine Bücher mehr als einmal!

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259 Bibliotheken, 12 Leser, 0 Gruppen, 45 Rezensionen

fantasy, wüste, markus heitz, wedora, magie

Wédora – Staub und Blut

Markus Heitz
Flexibler Einband: 608 Seiten
Erschienen bei Knaur, 01.08.2016
ISBN 9783426654033
Genre: Fantasy

Rezension:

Telonia, Walfor, ist eine beschauliche Grafschaft, in der Liothan mit seiner Frau sowie seine Jugendfreundin Tomeija leben. Dass sie die örtliche Ordnungshüterin ist, wirft manchmal einen Schatten auf ihre Freundschaft, denn Liothan ist nebenberuflich Räuber, wenn auch mit goldenem Herzen. Trotzdem ist alles friedlich und harmonisch…
Bis ein Einbruch nicht läuft wie erwartet, und Tomeija und Liothan in die Wüste einer anderen Welt gezaubert werden. Nicht nur die Wüste, auch die Metropole Wédora in ihrer Mitte ist sehr viel gefährlicher als ihre Heimat. Kurz nach ihrer Ankunft trennen sich die Wege der beiden Freunde, und sie müssen fortan jeder eigene Abenteuer bestehen, während sie versuchen, einen Weg nach Hause zu finden. In der Wüstenstadt braut sich zum Jubiläumsfest einiges zusammen, und zwischen all den Eigenheiten, der Magie und den Intrigen müssen sich die Freunde schneller einleben als ihnen lieb ist, um sich in der Stadt behaupten zu können.

Wédora war mein erstes Buch von Markus Heitz, und ich bin hellauf begeistert. Schon in den ersten Kapiteln, die in der Wüste spielen, hatte mich die Welt von Wédora in ihren Bann gezogen, nicht zuletzt, weil Heitz es versteht, die Wüste in all ihrer Schönheit und Gefährlichkeit darzustellen.
Die Stadt Wédora ist eine riesige, abgeschottete Stadt, die die Handelsrouten zwischen den umliegenden Ländern verbindet. In ihr leben unzählige Menschen, manche bettelarm, andere so steinreich, dass sie sich die Welt kaufen könnten. Kranke haben ein eigenes Viertel, ebenso wie die Vergnügungsmeilen, die Reichen haben ihr eigenes Quartier wie auch die Armen. Geführt wird die Stadt vom Daremo, einem Herrscher, den nie jemand gesehen hat.

Soviel zum faszinierenden Setting. Die Charaktere sind nicht minder bunt gemischt. Verschlagene Tänzerinnen, faire Betreiber zwielichtiger Theater, moralisch fragwürdige Statthalter, und alte Menschen, die den Tod austricksen wollen, um nur mal die Nebencharaktere zu erwähnen.
Hier stachen mir vor allem Kasul, der Händler auf den Riesenechsen, der Tomeija und Liothan in der Wüste rettet, und Irian Ettras, der Kannibale, ins Auge und zählten schon auf den ersten Seiten zu meinen Lieblingsfiguren.
Tomeija ist eine Frau voller Geheimnisse und mit mehr Flüchen geschlagen, als gut für einen Menschen ist. Durch ihre besonderen Kampffähigkeiten kann sie sich schnell in Wédora behaupten und findet rasch neue Verbündete, die ihr nicht zuletzt auch wegen ihrer Ehrlichkeit zur Seite stehen. Sie ist auch diejenige, die ungewollt von einem Abenteuer ins nächste stürzt, sich aber aus jeder noch so aussichtslosen Situation befreien kann. Die Frau hat Köpfchen und behält die Ruhe, was in Wédora ein großer Vorteil ist.
Liothan ist ungestümer. Er lässt sich von seinen Emotionen leiten und ist recht aufbrausend. Doch da auch er ein nicht völlig unerfahrener Kämpfer ist, behält er letztendlich immer die Oberhand. Trotzdem konnte ich mich nicht hundertprozentig mit ihm anfreunden. Er wirkte neben Tomeija eher wie ein stumpfer Bauer und hatte nichts mit ihrer kriegerischen Eleganz und ihrer Weitsicht gemein.

Die Geschehnisse in Telonia werden in einigen wenigen Kapiteln ebenfalls erzählt, und dort ist es mit der Beschaulichkeit erstmal vorbei. Allerdings kann ich hier nicht mehr zu sagen, da ich sonst große Teile dieses Erzählstrangs preisgeben müsste.
Was in Telonia passiert ist zwar wichtig für das Ende des Buches, trotzdem hatte ich diesen Strang einfach nicht auf dem Schirm. Jedes Mal, wenn die Geschichte wieder in Liothans und Tomeija Heimat sprang, dachte ich: „Ach stimmt, da passiert ja auch nocht was.“ – und sehnte mich gleichzeitig nach Wédora zurück.

Und ich sehne mich immer noch. Wédora hat mich immer noch nicht losgelassen, obwohl es jetzt schon einige Tage her ist, dass ich es beendet habe. Ich kann nur schwer aus dieser wunderbaren Welt wieder auftauchen, und die Bilder hängen mir noch sehr nach. Ich habe zwischenzeitlich sogar mein Sketchbook wieder ausgepackt und angefangen, manche Szenen zu zeichnen. Das ist seit Jahren nicht mehr vorgekommen.
Ich hoffe sehr, dass Heitz mindestens einen zweiten Teil schreibt. Sowohl vom Ausgang her bietet es sich an, als auch von all den Charakteren, denen ich gerne folgen möchte. Ich will Wédora weiter erkunden und wissen, was da noch so alles in der Wüste um Wédora herum ist.

Einen halben Stern Abzug gibt es für die kleinen Krittelpunkte (Walfor-Strang, auch wenn er wichtig war; ein, zwei Szenen waren einfach zu viel des Guten), ansonsten spreche ich eine eindeutige Leseempfehlung aus.

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Tags: mahet, wüste   (2)
 

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9 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

Zwanghaft

David Adam , Ursula Pesch
Flexibler Einband: 304 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 24.06.2016
ISBN 9783423348799
Genre: Sachbücher

Rezension:

Zwangsstörungen und Zwangsneurosen sind in der Gesellschaft inzwischen gängige Begriffe. Manch einer sagt sogar – an das englische Wort für Zwangsstörung OCD (obsessive-compulsive disorder) angelehnt – „Da kommt meine OCD durch“, wenn er den Bilderrahmen gerade rückt oder Geschirr sofort nach dem Essen abräumt. Genau solche Aussagen zeigen aber auch, dass die meisten nicht genau wissen, was man sich unter einer Zwangsstörung oder einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung vorzustellen hat.

Mit diesen falschen Wahrnehmungen und Missverständnissen will David Adam aufräumen. Er selbst leidet seit Jahren an einer Zwangsstörung und geht damit im Buch ganz offen um. Er erklärt, dass jeder intrusive Gedanken hat, also solche, die einen verstören („Ich könnte jetzt auch einfach vor den Zug springen“, „Was passiert, wenn ich das Baby einfach fallen lasse?“, etc.), und auch die Zusammenhänge von Zwangsstörungen und anderen (Begleit-)Krankheiten wie Depressionen. Es ist erfrischend, wie Adam mit seiner eigenen Krankheit umgeht und sie den Lesern auf seine ganz eigene Art näher bringt.
Die wissenschaftlichen Erklärungen stützt er nicht nur mit seinen eigenen Erfahrungen, sondern auch mit echten Beispielen aus Geschichte, Literatur und Gesellschaft. Als Laie bzw. Nicht-Betroffener bekommt man eine gute Vorstellung davon, was die verschiedenen Krankheitsbilder ausmachen, die Adam im Laufe des Buches vorstellt.
Trotzdem ist die Sprache oft voll von Fachbegriffen, die in der Fülle verwirrend sein können und das Lesen sperrig machen. Wenn man sich allerdings die Zeit nimmt, wird die wissenschaftliche Sprache vertrauter, die Begriffe prägen sich ein. Wer allerdings eine leichte Sprache wie bei Matt Haig in Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben erwartet, wird leider enttäuscht.

Es ist bisher das beste Buch, das ich zum Thema Zwangsstörungen in die Hände bekommen habe, und ich denke, gerade Interessenten, die noch neu in dieser Thematik sind, sind mit diesem Buch sehr gut beraten. Neben der Fülle an Informationen, bereits in diesem Buch vermittelt werden, gibt es ein umfassendes Literaturverzeichnis sowie weiterführende Literaturhinweise.

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Wolf by Wolf

Ryan Graudin
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Little, Brown Books for Young Readers, 20.10.2015
ISBN 9780316405126
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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10 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 9 Rezensionen

anthologie, kurzgeschichten, geschlechterrolle, mädchen, freundschaft

Unicorns don't swim

Antje Wagner , Ingrid Annel , Antje Wagner , Juliette Bensch
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei AvivA, 16.03.2016
ISBN 9783932338823
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Mädchen haben viele Facetten, und definitiv mehr, als die Gesellschaft bereit ist, ihnen zuzugestehen. Die paar Schubladen, die eben jene Gesellschaft bereithält, sind wenig, zu klein und werden durch unzählige Erwartungen noch enger.

 

Dass Mädchen unfassbar vielschichtig und unterschiedlich sind, sollte keine wundersame Überraschung sein. Die Autorinnen der Kurzgeschichten, die Antje Wagner zusammengestellt hat, haben einen bunten Strauß unterschiedlichster Charaktere vorgestellt, bei denen es – größtenteils – Spaß macht, kurz in ihr Leben zu schnuppern.

Da gibt es Skaterinnen, Mädchen, die von ihren Müttern verlassen wurden und solche, die ihre Liebe in unerwarteten Menschen und Orten finden. Wir sehen schüchterne und unsichere, selbstbewusste und laute, verwirrte, verzweifelte und sehr wütende Mädchen. Vor allem sind die Mädchen und jungen Frauen stark.

Mit manchen konnte ich mich sehr gut identifizieren, bei anderen Geschichten hatte ich einen wundervollen Aha-Effekt. Denn diese Geschichten halten einem selbst und den unbewussten, tief verankerten Erwartungen, die wir durch das Leben in unserer Gesellschaft gelernt und verinnerlicht haben, den Spiegel vor.  Mit manchen Geschichten konnte ich wenig bis gar nichts anfangen, was aber der Gesamtheit des Buches nichts wegnimmt.

 

Es ist eine tolle Anthologie, die man aus einer feministischen, gesellschaftskritischen Haltung heraus lesen kann, aber nicht muss.

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495 Bibliotheken, 6 Leser, 2 Gruppen, 93 Rezensionen

zwillinge, fantasy, mystery, magie, lügen

Book of Lies

Teri Terry , Petra Knese
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei Coppenrath, 05.07.2016
ISBN 9783649667520
Genre: Jugendbuch

Rezension:

Als Quinn gegen den Willen ihrer Großmutter zur Beerdigung ihrer Mutter geht will sie sich eigentlich nur vergewissern, dass sie tot ist. Allerdings wartet dort ein viel größerer Schock auf sie: in der ersten Reihe der Trauergäste sitzt ein Mädchen, das Quinn bis auf’s Haar gleicht. Es ist ihre Zwillingsschwester Piper, von deren Existenz bisher nichts wusste. Nach einigen Schockmomenten beschließen die Zwillinge, dass Quinn erstmal bei Pipers Freund Zak bleibt, denn es gibt viele Fragen zu klären.
Wusste Piper von Quinn? Warum wurden die Schwestern bei der Geburt getrennt? Und wieso durfte Piper in einem liebevollen Zuhause aufwachsen, während Quinn im unwirtlichen Dartmoor von der Außenwelt fast abgeschnitten war? Was hat es mit dem Familiengeheimnis auf sich? Und ist Quinn wirklich der böse Zwilling?

Seit der Gelöscht-Trilogie bin ich Fan von Teri Terry, und natürlich musste ich auch das neue Buch von ihr lesen. Es gefiel mir zwar besser als Mind Games, das ich letztes Jahr gelesen habe, aber auch Book of Lies kommt für mich nicht an Terrys erste Trilogie heran. Zudem probiert sich Terry hier, die sonst im Genre der YA Dystopien schreibt, im Bereich von Mystery/Fantasy, wenn man das so nennen kann. Hexerei, Seelenreisen, (magische) Manipulation und Flüche sind zentrale Aspekte der Story.
Die Geschichte wird wechselnd aus der Perspektive von Quinn und Piper erzählt. Man lernt beide Mädchen und ihre Motive, Absichten und Charaktereigenschaften gut kennen und merkt schnell: äußerlich scheinen sie sich zum Verwechseln zu ähneln, innerlich sind sie jedoch völlig verschieden. Terry baut mit ihrem Stil die Spannung durchgehend aus, auch wenn sich die Story teilweise sehr viel Zeit lässt. Das Ende wirkt im Vergleich dazu etwas überstürzt, die Ereignisse überschlagen sich und plötzlich ist das Buch vorbei. Über das Ende kann man streiten, ich hätte mir ein etwas anderes gewünscht (und wenn ich so die Meinungen der Teilnehmerinnen der Leserunde rekapituliere, war ich nicht die Einzige mit dieser Meinung).
Die meisten Charaktere wirken oft einfach wie Beiwerk, für die Geschichte an sich tragen sie relativ wenig bei. Ausnahme ist die Großmutter, die einige Fragen klären kann, und die mir von allen am meisten ans Herz gewachsen ist. Obwohl die Geschichte aus Sicht beider Zwillinge geschrieben ist, blieben manche ihrer Handlungen nicht nachvollziehbar und vor allem bei Quinn – so gerne ich sie auch hatte – habe ich nicht das Gefühl, sie gut kennengelernt zu haben.

Insgesamt ist das Buch kurzweilig, allerdings bleiben mir zuviele Fragen ungeklärt, das Ende passt meines Erachtens nicht zum Rest des Buches, und die Charaktere bleiben weit hinter ihrem Potential zurück.

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781 Bibliotheken, 14 Leser, 7 Gruppen, 93 Rezensionen

thriller, los angeles, mord, chris carter, robert hunter

Totenkünstler

Chris Carter , Sybille Uplegger
Flexibler Einband: 464 Seiten
Erschienen bei Ullstein Taschenbuch Verlag, 08.03.2013
ISBN 9783548285399
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als eine junge Schwesternschülerin morgens zu ihrem Pflegepatienten geht, alarmiert sie zutiefst geschockt die Polizei. Schnell werden auch Robert Hunter und Carlos Garcia von Mord 1 hinzugezogen, der Abteilung für Serienmörder und besonders grausame Morde. Als sie eintreffen, bietet sich ihnen ein Bild des Grauens. Die Wände sind voller Blut, die Leiche zerstückelt. Makabrer Höhepunkt der Szenerie ist eine Skulptur, gefertigt aus den abgetrennten Körperteilen des Opfers. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel, denn das Opfer war schwer krank und hätte nicht mehr lange zu leben gehabt, und keiner hat auch nur ansatzweise eine Ahnung, was die Skulptur zu bedeuten hat. Auch als eine weitere Leiche samt Skultpur gefunden wird bringt das Hunter und Garcia nicht viel weiter. Erst ein Hinweis aus der Bevölkerung bringt sie dem Täter näher.

Dieser Teil der Rob-Hunter-Reihe hat mich wieder mehr gefesselt als bspw. Der Vollstrecker. Die Skulpturen geben dem Fall seinen eigenen Charakter, so makaber und grausam es auch sein mag. Wie immer ist mit der Lösung des Falls eine menge Arbeit und Recherche verbunden, etwas, das ich bei vielen anderen Thrillern dieser Art vermisse. Vor allem tritt Garcia langsam auch aus dem Schatten seines Wunderkind-Partners, der zwar sehr sympathisch, aber manchmal etwas zuviel des Guten ist.
Das Ende war überraschend. Weniger die Motive des Täters, aber wer es war. Und zum ersten Mal seit ich Thriller lese konnte ich nachvollziehen, warum die Opfer so sterben mussten wie sie starben, ich konnte den Täter verstehen und fand es fast schade, dass er geschnappt wurde. An diesem Punkt sollte ich vielleicht meine ethischen Grundsätze dringend überdenken…

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5 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

zombies, krankenhaus, serienmörderin, comic, zombieapokalypse

Alice Matheson. Band 1

Jean-Luc Istin , Philippe Vandaële
Fester Einband
Erschienen bei Splitter-Verlag, 01.07.2016
ISBN 9783958393004
Genre: Comics

Rezension:

London. Alice Matheson ist Krankenschwester von Beruf und Todesengel von Berufung. Sie genießt den Augenblick, wenn das Leben aus den Augen ihrer Patienten weicht, denn in dem Moment fühlt sie sich lebendig. Eines Tages fühlt sich auch eine Leiche so – sie steht einfach wieder auf und hat einen Mordshunger auf Alice. Kurz danach erheben sich auch die anderen Verstorbenen in der Leichenhalle, und das Krankenhaus steht kurz davor, die erste Brutzelle der Zombieapokalypse zu werden.

Ich liebe Zombiecomics, Serienmörder liebe ich noch mehr, und nun wird beides kombiniert. Muss ich noch extra betonen, wie begeistert ich bin? Obwohl ich mit Alice (noch) nicht hundertprozentig warm geworden bin, habe ich den Auftakt zu dieser Serie genossen. Die Story ist vielleicht nicht einzigartig was die Zombies angeht, was die Charaktere betrifft allerdings auf jeden Fall. Ich freue mich schon darauf, Alice durch die Zombiehorden zu begleiten und zu sehen, ob und wie ihre Psychopathie zum Überleben beträgt.
Der Zeichenstil ist klar und wundervoll coloriert. Je nach Setting wird das Farbschema angepasst, was subtil aber hervorragend die Stimmung der Story unterstreicht. Besonders gefiel mir, dass eine Rückblende komplett in Sepia gehalten wird, nicht in bunt wie die Gegenwart. Diese gekonnte Verwendung von Farben hat mich deswegen gefreut, weil in vielen anderen Comics komplett auf eine steuernde Farbgebung verzichtet wird.
Was ich im Nachhinein auch nicht verkehrt fand: Istin verzichtet komplett auf Splatter-Szenen, in denen die Zombies über unzählige Panels hinweg derartig abgeschlachtet werden, dass Blut und Gedärme nur so spritzen. Alice Matheson: Tag Z legt, zumindest bisher, den Fokus mehr auf die Charaktere und die Story. Ich bin gespannt, wie es weitergeht, und ob mich die Serie ähnlich fesseln kann wie die beiden Zombie-Serien von Peru.

Übrigens: Band 2 erscheint am 1. September!

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Tags: comic, graphic novel, serienmörder, splitter verlag, zombieapokalypse, zombies   (6)
 

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125 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 13 Rezensionen

vampire, internat, hörbuch, blut, katze

House of Night - Gezeichnet

P.C. Cast , Kristin Cast , Marie Bierstedt
Audio CD
Erschienen bei Lübbe Audio , 18.12.2009
ISBN 9783785741627
Genre: Fantasy

Rezension:

Zoe Bird lebt in einer Welt, in der Vampire in der Öffentlichkeit leben. Sie haben eigene Schulen, die dem speziellen Biorhythmus der Vampire angepasst ist: der Unterricht findet nachts statt. Zum Vampir wird man nicht, wie in klassischer Vampiliteratur, durch einen Biss, sondern indem man markiert wird – und sofern man die Wandlung von Mensch zu Vampir überlebt, was nicht zwangläufig der Fall ist.
Eines tages wird Zoe mitten in ihrer High School gezeichnet und spürt sofort, dass sie anders ist. Die Sonne tut ihr weh, und ihre bis dahin beste Freundin weicht vor ihr zurück, obwohl bekannt ist, dass von frisch Gezeichneten keine Gefahr ausgeht. Auch ihre Mutter ist der Meinung, dass dieses Schlamassel Zoes eigene Schuld ist, und ihr ungeliebter aber fanatisch gläubiger Stiefvater will gleich einen Exorzismus durchführen lassen. Zoe flüchtet zunächst zu ihrer Großmutter und kommt später in das House of Night, der Vampit High School. Wie in jeder Hogh School muss sich Zoe hier als Neue zurechtfinden und beweisen, zumal ihr Vampirmal außergewöhnlich ist und Neider auf sich zieht.

Die Serie House of Night ist 12 Bände stark. Im ersten Teil sucht und findet Zoe neue Freunde, bekommt eine Katze und muss bereits ihr erstes übernatürliches Abenteuer bestehen. Das Hörspiel hat mir gut gefallen, Marie Bierstedt liest mit unglaublich viel Gefühl und kreiert eine ganz eigene Stimmung. Die Story allerdings… Im Grunde ist es eine typische High School Geschichte im Vampirsetting: Frischling sucht auf neuer Schule Freunde, es gibt die allseits beliebt-berüchtigte Schulzicke (die natürlich die Intinfeindin wird), den Schulschönling (der sich natürlich in die Außenseiterin verliebt), ein Club in den jeder rein will, und natürlich ist Zoe eigentlich überall die Beste: schön, intelligent, übersinnlich hochbegabt, etc.pp. Allerdings ist sie auch sehr zickig und verschwiegen, wodurch sie einen Großteil der Probleme produziert, über die sie sich beschwert.

Die Geschichte war dank Marie Bierstedt nett zu hören, aber das was auch das einzige. Mir war die Story zu schnell und zu flach, ich bin mit Zoey überhaupt nicht warm geworden und ich glaube nicht, dass ich auch nur ein weiteres Hörbuch aus der House of Night Reihe durchstehe.

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18 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

graphic novel, bipolare störung, depressio, depression, erfahrung

Meine Tassen im Schrank

Ellen Forney , Johanna Wais
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Egmont Comic Collection, 02.10.2014
ISBN 9783770455119
Genre: Comics

Rezension:

Was tun, wenn man mit einer Bipolar I Störung diagnostiziert wird? Ellen Forney wagt die Flucht – nach vorn, wie sie glaubt. Sie weigert sich anfangs, Medikamente zu nehmen, denn in den Hochphasen ihrer Manie fühlt sich Ellen künstlerisch produktiv, kreativ, großartig. In diesen Phasen ist sie überzeugt, dass die Tiefphasen, die sie durchstehen muss, rückblickend gar nicht so schlimm sind, und dass Medikamente, die sie stabilisieren sollen, ihr die Kreativität nehmen würden. Ein Todesurteil für eine Künstlerin. Als sie sich eines Tages doch dazu entschließt, Medikamente zu nehmen, beginnt ein Jahre andauernder Prozess der medikamentösen Einstellung, der oft sehr frustrierend und mitterschmetternd ist.
Ellen Forney schreibt und vor allem zeichnet, wie sie anfing ihre Krankheit zu akzeptieren und wie sie lernte, dass Medikamente nicht das Ende ihres künstlerischen Schaffens sind, sondern sie im Gegenteil augleichen und sie so noch mehr Energie hat. Geholfen hat ihr dabei auch die Recherche über andere depressive, bekannte Künstler wie z.B. van Gogh, ob und wie Depressionen und künstlerisches Schaffen zusammenhängen. Am Ende kann sie nur eine Antwort für ich selbst finden, die sie aber zufrieden stellt. Zumindest für den Moment hat sie einen Weg gefunden, ihr Bipolar I Störung zu handhaben.

Forney erzählt frech und geradeheraus. Der Zeichenstil ist wie die Sprache schnörkellös, was der Klarheit des Themas zugute kommt. Viele, im erstem Moment komplex erscheinende Sachverhalte werden verständlich dargestellt, und man bekommt einen Einblick in die Denk- und Verhaltensmuster eines Menschen mit Bipolar I Störung. Manches bleibt letztlich vielleicht doch etwas unverständlich, aber wenn es so einfach wäre, wären Therapiemöglichkeiten leichter anzuwenden.

Ich fand die Graphic Novel spannend, bisher hatte ich nur ein – wenn überhaupt – rudimentäres Verständnis von dieser Krankheit. Trotzdem hatte sie ein paar Längen und der Zeichenstil unter’m Strich nicht meins.

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16 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 16 Rezensionen

ehe, absicht, 2016, beziehung, mord

Anatomie einer Absicht

Ana Bilic
Fester Einband: 160 Seiten
Erschienen bei HOLLITZER Verlag, 16.03.2016
ISBN 9783990122945
Genre: Romane

Rezension:

Lidia hat genug. Genug von ihrem Mann, genug von ihrer Ehe. Sie will den Tod ihres Mannes. Sie schildert wie sie vorgehen möchte, vor allem aber erzählt Lidia, warum ihr nur der Tod ihres Ehemannes Helmut Genugtuung verschaffen kann. Minutiös berichtet sie von ihrer Ehe, ihren Gefühlen und ihrem Mann. Und dann kommt doch alles anders.

Der Roman ist recht kurz, einfach geschrieben und in fünf Abschnitte aufgeteilt, von denen drei Introspektiven sind. Neben Lidia erhält man auch von Helmut Einblicke in seine Sicht auf die Ehe.
Das längste Kapitel gehört Lidia und ihren ausschweifenden Erzählungen, wie schrecklich ihre Ehe sei, wie sehr sie zu leiden habe und warum all dies den Mord an ihren Mann rechtfertigen würde. Sie berichtet davon, wie ihr Mann sie in ihrer Arbeit belächelte, versuchte sie kleinzuhalten, sie als eigenständige Frau nicht ernst nahm. Er wünschte sich eine Accessoire-Frau, die nicht arbeitete sondern zu Hause blieb und, wenn Geschäftspartner oder Freunde zu Besuch kamen, repräsentativ am Tisch saß.
Betrachtet man Lidias Erzählungen nüchtern, lebte sie in einer unglücklichen Ehe. Ebenso nüchtern betrachtet war Lidia aber bei weitem nicht unschuldig daran. Ihr Verhalten erinnert oft an eine bockige Teenagerin, Kommunikation schien ein Fremdwort für sie zu sein, und die Folgen ihres Handelns waren nie ihre, sondern grundsätzlich Herberts Schuld.
Es gibt Situationen, da versteht man, warum ein Mensch den anderen umbringt oder es zumindest möchte. Lidias Ehe gehört nicht dazu, schon gar nicht mit ihrer Argumentation. Eine Scheidung aber reicht ihr nicht, sie will die Existenz ihres Mannes komplett auslöschen, und das aus dem einfachen Grund, weil er nicht so ist und funktioniert wie sie es erwartet.
Lidia bleibt als Charakter fremd. Ihre Gefühlsregungen und Verhalten gegenüber ihrem Mann sind oft einfach nicht nachvollziehbar.

Die fünf Kapitel bilden eine chronologische Linie, aber das ist auch das einzige, das sie verbindet. Kein Kapitel bezieht sich auf das vorherige. Zwei Kapitel stehen sogar derart außerhalb des Geschehens, dass man sich fragt, ob sie wirklich notwendig waren, denn zur Geschichte oder Verständnis von Lidias Beweggründen tragen sie nichts bei.

Hätte ich dieses Buch nicht im Rahmen einer Leserunde bekommen, ich hätte es vermutlich nicht beendet. Dennoch vielen Dank an den Hollitzer Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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141 Bibliotheken, 1 Leser, 2 Gruppen, 17 Rezensionen

zeit, poesie, tod, beständigkeit, die autobiographie der zeit

Die Autobiographie der Zeit

Lilly Lindner , Lisa Wöhling
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Droemer Taschenbuch, 02.05.2016
ISBN 9783426305409
Genre: Romane

Rezension:

Die Geschicke der Menschheit werden von vier Mächten begleitet: Kevin, dem Raum, Shay, dem Abgrund, David, der Beständigkeit, und der namenlosen Zeit.
Die Zeit berichtet, wie sie auf ihrem Heimatplaneten Winter auserwählt wurde, eine der unsterblichen Mächte zu werden, und wie es für sie und die anderen in der Menschenwelt weiterging. Sie erzählt über einen großen Zeitraum hinweg, und sie erzählt, wie einer nach dem anderen von ihnen, den Mächten, an der Aufgabe, der Unsterblichkeit und nicht zuletzt an den Menschen zerbrach. Vor allem aber geht es um sie selbst, die sich mit ihrer Aufgabe nicht anfreunden kann, sich von den anderen Mächten nicht verstanden und einsam fühlt, und sie ständig auf der Suche ist. Vielleicht nach Ruhe, vielleicht nach Verstehen. Und am Ende stellt sich heraus, dass die Mächte vielleicht unsterblich sind, die Personen, die sie darstellen, aber nicht.
„Ich starb unsichtbar und lautlos. Und dann. Dann kam eine neue Zeit.“

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt – Der Anfang der Zeit, Der Ozean im Meer, und Das Ende der Zeit – die jeweils relativ kurze, manchmal nur ein, zwei Sätze umfassende Kapitel beinhalten.
Lilly Lindner wird immer wieder für ihr Sprachgefühl gelobt und gilt als Ausnahmetalent der deutschen Literatur. Doch genau diese Sprache funktionierte für mich dieses Mal nicht. Während ich in Was fehlt, wenn ich verschwunden bin hineinsank, fand ich zu Die Autobiografie der Zeit keinen Zugang. Die Sprache wirkte oft gewollt poetisch, zu konstruiert, was sie unglaublich anstrengend zu lesen machte. Die Interpunktion ist mühselig, der Verlauf der Geschichte zäh. Die Leichtigkeit Lindners Sprache, von der Kritiker immer schwärmen, war hier nicht vorhanden. Hier nutzte sie ihr Sprachgefühl, um eine ungeheure Sperrigkeit und Schwere zu erzeugen. Das sind vermutlich beabsichtigte Stilmittel der Autorin, ich vermute, um die Schwermütigkeit der Zeit und ihr unterbrochenes Selbst zu unterstreichen, und sie machen den Roman zu einem durchdachten Werk. Trotzdem fühlte ich mich immer außen vor und konnte mit der Zeit kaum mitfühlen.
Die Illustrationen von Lisa Wöhling in diesem Buch sind wunderschön und stellen mit ihrem leichten Aquarellstil einen Bruch zur sperrigen Sprache dar.

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