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38 Bibliotheken, 0 Leser, 1 Gruppe, 6 Rezensionen

hunger, japan, bäckerei, haruki murakami, tokyo

Die Bäckereiüberfälle

Haruki Murakami , Damian Larens , Kat Menschik
Flexibler Einband: 80 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 16.07.2014
ISBN 9783832162764
Genre: Romane

Rezension:

Und ein weiterer, illustrierter Kurzroman aus dem Hause Dumont vom Autor Haruki Murakami.

Das war jetzt das dritte Büchlein dieser Art und wieder hat mich diese typische Murakami Art des Schreibens und Denkens fasziniert.

Ich war sehr neugierig auf den Inhalt und kann beruhigen: Es ist nicht annähernd so gefährlich, wie er klingt.

Ich fand die Geschichte auch nicht so tiefgründig wie die Kurzromane davor, obwohl schon sehr klar ist, was Herr Murakami hier ausdrücken will. Es ist auf eine so amüsante Art ein Hinweis auf Lebensumstände: Es ist immer belastend und nie hilfreich, angefangene Wege nicht zu Ende zu gehen. Ziele sollten erreicht werden und nicht halb erledigt abgebrochen werden. Über die Lebensjahre sammelt sich da ein ziemlich schwerer Ballast.

Ich war wie immer begeistert vom Schreibstil, aber ich hatte ja schon öfter erwähnt, dass ich auch jedes Telefonbuch aus seiner Feder verschlingen würde.

Toll sind die zahlreichen Illustrationen, die dieses Mal nicht annährend abstrakt, der Geschichte besser zugehörig sind.

Ich bin gespannt auf mehr und machen auch hinter diesem Buch auf meiner Leseliste ein Häkchen.

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 6 Rezensionen

präkere lebensverhältnisse, vater, tochter, roman

Fliegenpilze aus Kork

Marie Luise Lehner
E-Buch Text: 192 Seiten
Erschienen bei Verlag Kremayr & Scheriau, 08.02.2017
ISBN 9783218010702
Genre: Romane

Rezension:

"Fliegenpilze aus Kork" nennt Marie Luise Lehner ihr Debüt, in dem sie in Ich- Form ihre Kindheit und Jugendzeit beschreibt. Oder sollte ich besser sagen: Aus dem sie während ihrer Zeit des Erwachsenwerdens das Auf und Ab an der Seite des Vaters erzählt, einem Mann, der mit seinen Fähigkeiten und Neigungen nicht in eine westliche, dem materiellen Bestreben zugewandten Gesellschaft passt.
Ich bin keine Psychologin, da ich aber mit ähnlichen Diagnosen durch mein Leben gehe, viele Schwankungen und Verzweiflungen nachvollziehen kann, gehe ich von einer gewissen Hochbegabung, eventuell auch einer adulten ADHS Störung aus, die im Buch aber nie erwähnt wird.
Die Erzählerin erlebt eine gespaltene Familie, von der Mutter, bei der sie eigentlich wohnt, wird kaum gesprochen, aber -für heutige Zeiten ungewöhnlich- behält der Vater eine Erziehungsberechtigung und hat die Tochter mehrfach die Woche bei sich.
Seine Art zu Leben mag vielen Menschen als eine Art Verzweiflung erscheinen, wer sich aber damit beschäftigt, dass viele Menschen in der heutigen Zeit "nicht passen", sich einfach den Regeln eines "geordneten" Lebens nicht unterwerfen können, der wird hier vielleicht verstehen, wie sehr diese Menschen unter den angepassten Menschen, den Vorurteilen und dem Druck, abzuleisten und gleich sein zu müssen, leiden.
Im Grunde ist es auch völlig egal, wie sich die "Störung" nennt, wichtig ist mir, dass Mitmenschen endlich erkennen, dass es tatsächlich eine immer größer werdende Anzahl Menschen in unserer Gesellschaft gibt, die mit der üblichen Tretmühle nicht klar kommen. Nicht weil sie faul sind, oder dumm, oder krank, sondern weil sie andere Bedürfnisse haben, einen anderen Lebensrhythmus und eben nicht "gleich" sind.
Aber deswegen sind es keine schlechten Menschen.
Ich persönlich wünschte mir endlich eine einsame Insel für mich, auf der ich endlich so sein kann, wie ich bin.
Dieses Buch habe ich verschlungen. Ich fand es durchaus humorvoll, spannend, voller Gefühl und abwechslungsreich, ich hätte endlos lesen können!

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33 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 13 Rezensionen

chiemsee, krimi, gut geschrieben, achental, marquartstein

Chiemsee Blues

Thomas Bogenberger
Flexibler Einband: 272 Seiten
Erschienen bei Pendragon, 11.07.2011
ISBN 9783865322739
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Als Debüt ein wirklich gut gelungener, in sich stimmiger Krimi, den Thomas Bogenberger da rund um den Chiemsee entworfen hat.
Der Kommissar Hattinger ist eine ausgesprochen sympathische Person mit Humor trotz Stress und einer inneren Ruhe, die man kaum glauben mag. Ob er diesen in weiteren Fällen beibehält? Hier wirkt er jedenfalls auch in kritischen Situationen ausgeglichen und die Ruhe selbst.
Der Roman beginnt mit dem Auffinden einzelner Körperteile und -nach meinem Geschmack viel zu früh- kommen die Herren und Damen Ermittler auf die richtige Spur!
Und auch die weiteren Ermittlungen gehen alle in die richtige Richtung, so dass einzelne Personen des Ermittlerteams relativ blass bleiben.
Normalerweise ist das Ende eines Krimis für mich immer eine große Überraschung! Hier fügt sich alles innerhalb weniger Figuren zu einem klaren Bild. Fand ich ein bisschen enttäuschend. Ich denke, da wäre mehr drin gewesen, muss aber neidlos anerkennen, dass der Krimi als Debüt manch eingesessenen Krimischreiber um Längen überholt.
Inzwischen verfilmt und durch mehrere Bände ergänzt, kann man auch gleich weiterlesen und die Protagonisten sicherlich besser kennenlernen.
Was mich allerdings eher störte war der bayerische Dialekt der  teilnehmenden Personen. Dadurch erhält der Krimi einen zusätzlichen regionalen Touch, den es nicht gebraucht hätte. Mich erinnern diese Krimis dann doch eher an schon altbekanntes: Kommissare, die man nicht wirklich ernst nehmen kann, eher dümmliche Gestalten mit eingeschränktem Weltbild, darüber kann man geteilter Meinung sein, dem Autor war es auch ein extra Kapitel wert, ich persönlich mag es nicht. 
Als Fazit möchte ich sagen, dass dieser Krimi schnell lesbar, wenig aufregend, durchaus humorvoll und nicht sehr anspruchsvoll ist. eben eine schöne, kurzweilige Lektüre für Zwischendurch, die unterhält, nicht bewegt und nicht im Gedächtnis bleibt.

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15 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

teenager, einsame insel, fiction

Der Krieg im Garten des Königs der Toten

Sascha Macht
Fester Einband: 200 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 15.02.2016
ISBN 9783832198275
Genre: Romane

Rezension:

Also als Debüt wünsche ich mir immer mal eine neue Erfahrung!
In "Der Krieg im Garten des Königs der toten" von Sascha Macht ist nicht nur der Titel außergewöhnlich, sondern gleich der gesamte Plot.
Protagonist ist Bruno, grade 17 Jahre alt geworden, auf einer Insel wohnend, die offenbar irgendwo liegt und vulkanischen Gesteins, dem Untergang entgegensieht.
Seine Eltern sind mit dem Bus in die Stadt gefahren und nie wiedergekehrt und wer jetzt glaubt, es starte eine Suche und es entfalte sich ein spannender Thriller, der irrt.
Bruno kommt gar nicht auf die Idee zu suchen, zu sehr ist er mit seinen Horrorfilmen beschäftigt, und wenn dieses buch eins getan hat, dann mein Interesse an Horrorfilmen zu wecken.
War mir nie bewusst, dass so viel Psychologie in oft tumben Angststreifen steckt, Bruno hat ein Wissen und ein Einblick, wie ich es nie erwartet hätte.
Und so gestaltet sich der Roman. 
Sehr gut geschrieben, das Lesen machte mir wirklich großen Spaß, entpuppte sich das Buch als ein großer schräger Roman!
Man bekommt Einblick in einer reale Fantasiewelt, nichts ist so abstrus, dass es unwirklich wird, und trotzdem hatte ich oft das Gefühl, ich lese das Buch durch eine Brille der Drogenfantasien.
Nichts wird greifbar, alles bleibt an den Rändern verschwommen und trotzdem tummeln sich sehr interessante Themen in den wenigen Kapiteln.
Ich fand das Buch sehr faszinierend! Der Schreibstil ist toll, es hat auch eine gewisse Spannung, tauchen bei Bruno doch verschiedene Menschen auf. Seine unverblümte, kindlich- unerschrockene Art, mit gewissen Themen umzugehen, hat er doch eine recht einseitige Bildung durch die Horrorfilme, war schon hier und da eine Bereicherung.
Ich glaube, dieses Buch eignet sich für diverse Re-reads, man wird immer neue Facetten entdecken.

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137 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 46 Rezensionen

zirkus, frankreich, zigeuner, familie, roman

Der Zirkus der Stille

Peter Goldammer
Fester Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Atlantik Verlag, 16.04.2016
ISBN 9783455600438
Genre: Romane

Rezension:

Vielleicht lag es am ersten Kapitel, vielleicht auch einfach an meiner Einstellung, oder doch daran, dass ich mehrere Zirkusbücher in einem Jahr gelesen habe, die mir als Biographien einen sehr klaren Einblick in das Leben eines Artisten gaben, ich konnte mit "Der Zirkus der Stille" von Peter Goldammer nicht allzu viel anfangen.
Ich hatte das Buch auch mehrfach begonnen, aber alleine die Beschreibung des Zirkusaffen zwang mich immer wieder, das Buch aus der Hand zu legen.
Es tut mir leid, es ist einfach eine Tierschutzrelevante Angelegenheit. Wenn man Jahre für den Tierschutz kämpft, für ein affengerechtes Leben der Primaten, dann fordert dieses Kapitel über Gebühr.
Als ich es dann nochmal und nochmals begann und das erste Kapitel versuchte zu ignorieren, hatte ich mit dem recht trivialen Schreibstil gleich die nächsten Probleme.
Es tut mir wirklich leid, aber angefangen vom ungewöhnlichen Testament, über die plötzliche Suche nach sich selbst und der Art, sich dem Zirkusleben zu nähern, mir blieb dieses Debüt fremd.
Es lässt sich sehr schnell lesen, Dank des unkomplizierten und einfachen Schreibstils, aber im Grunde hatte ich doch gegenteiliges erhofft. Mich hat das Buch leider nicht berührt.

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10 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

medien, freiheit, freundschaft, psychogramm, journalismus

Traurige Freiheit

Friederike Gösweiner
Fester Einband: 143 Seiten
Erschienen bei Droschl, M, 05.02.2016
ISBN 9783854209768
Genre: Romane

Rezension:


Lange habe ich dieses Büchlein vor mir hergeschoben, ich wollte es lesen, aber nicht jetzt! Mich hatte tatsächlich der Titel UND der Klappentext auf eine völlig falsch Fährte geführt! Ich achte, es handele sich um das Leben der jungen Menschen in den 30igern, also zwischen den beiden Weltkriegen!
Meine Güte!
Kaum hatte ich es angefangen, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen!
"Traurige Freiheit" von Friederike Gösweiner ist nicht nur toll geschrieben, es ist auch unsagbar spannend!!!
Es handelt von einer jungen Frau, die nach dem Studium mit ihrem Freund zusammenlebt. Sie ist nicht unglücklich, aber auch nicht erfüllt. Die Beziehung war nicht immer glücklich, dennoch ist sie sich sicher, den richtigen Mann fürs Leben gefunden zu haben, ihren Seelenpartner.
Da bietet sich eine Karrierechance für sie in Berlin, dieser spannenden Großstadt!
Ihr Freund reagiert mit Ablehnung und sieht in der Idee, für mehrere Monate nach Berlin zu gehen, das Aus für die Beziehung. Fernbeziehung ist nicht, Mitkommen auch nicht.
Und sie geht trotzdem.
Es war so unfassbar spannend, zu lesen, wie sie in Berlin immer wieder scheitert, einerseits die Entscheidung getroffen zu haben, zu gehen, aber nichts aus der Chance zu machen, kein Gas zu geben.
Der Kontakt zum Ex-Freund bleibt, aber sie zieht daraus keine Konsequenz.
Sie lernt einen neuen Mann kennen, aber trifft auch hier keine Entscheidung, obwohl sie das durch die Passivität natürlich tut.
Das Verhalten der jungen Frau, die zwar geht, aber jeder Entscheidung passiv ausweicht, als "Freiheit" zu bezeichnen, das fand ich unfair!
Das "Unglücklichsein" ziehe ich persönlich auch aus der Tatsache, dass sie eben keine wirkliche Entscheidung  trifft!
Sie geht zwar nach Berlin, wohnt heimlich und unangemeldet in der Wohnung der Freundin, statt sich selbst ein Leben aufzubauen, sie steht nicht zu ihren Gefühlen und kämpft nach den Niederlagen nicht weiter, sondern versteckt sich hinter einem Job.
Dann steht wieder das glück vor der Tür, aber sie erkennt viel zu spät und auch nicht wirklich, dass da eine weit offene Türe vor ihrer Nase ist. statt diesen Mann als Chance zu erkennen, bleibt sie unpersönlich, hört ihm zu, aber erwidert nichts. Und statt zu erkennen, dass offenbar der ex-Freund die Ursache ist und da die Entscheidung zu treffen, bleibt sie wieder passiv.
Puh, mich hat das Buch sehr beschäftigt und aufgewühlt.
Für mich eine absolute Überraschung, nach dem ich wirklich so eine falsche Erwartung hatte!

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

russland, sowjetunion, provinzalltag, drastische szenen, ekel

Das kalte Licht der fernen Sterne

Anna Galkina
Fester Einband: 224 Seiten
Erschienen bei Frankfurter Verlagsanstalt, 15.02.2016
ISBN 9783627002244
Genre: Romane

Rezension:


Ich hatte mich so gefreut, dass ich dieses Debüt aus dem Jahr 2016 zum Lesen bekam. Ich hatte vermutlich zu hohe Erwartungen, denn unter dem Titel "Das kalte Licht der fernen Sterne" von Anna Galkina hatte ich einen warmherzigen und berührenden Roman erwartet.
Gelesen habe ich oft unzusammenhängende Kurzkapitel über das Leben in Russland in den 80iger Jahren, sehr nüchtern und kalt geschrieben, ohne Spannungsbogen und im Verlauf oft scheinbar in konfuser Reihenfolge.
Es berichtet aus der Sicht der Protagonistin, Kindheit, Jugend und Flucht aus Russland.
Hin und wieder hatte ich den Eindruck, die Autorin hatte einige Abschnitte schon früher geschrieben, vielleicht um tagebuchartig einige Vorkommnisse zu verarbeiten, und hat diese dann hier eingefügt. Leider unpassend, ein Lesefluss, einen chronologischen Zeitrahmen mit  "Warmwerden" mit der Protagonistin und dem Fassen einer Sympathie, war mir leider nicht möglich.
Es hatte eher was von Kurzerzählungen, die aneinandergereiht wurden, wobei sich mir der Sinn leider nicht ergab.
Das Leben im kalten Russland ist hart, auch heute noch.
Auf politische Situationen, Erklärungen, Hintergrundwissen wurde komplett verzichtet, dafür aus der Sicht der Protagonistin Dinge beschrieben. War sie Kind, dann waren die Beobachtungen kindlich und oft unverständlich, als Jugendliche eher teenagermäßig aggressiv, bockig.
Mir hätte ein runder, in ich geschlossener Roman mit Gefühl und Persönlichkeit besser gefallen. Dazu kommt, dass auch ich in den 80igern als Teenager gelebt habe und auch in Deutschland waren die Zeiten damals anders. Und auch heute werden Welpen ertränkt und einige andere, wohl schockierend gemeinte Maßnahmen durchgeführt, dazu muss man weder nach Russland, noch in die Vergangenheit reisen, nur ändern wird man es auf diese Art des Romans auch nicht.
Schade, für dieses Buch kann ich keine Empfehlung aussprechen.

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457 Bibliotheken, 15 Leser, 2 Gruppen, 70 Rezensionen

david hunter, thriller, simon beckett, england, backwaters

Totenfang

Simon Beckett , Sabine Längsfeld , Karen Witthuhn
Fester Einband: 560 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Wunderlich, 14.10.2016
ISBN 9783805250016
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Es ist schon länger her, dass ich einen Thriller von Simon Beckett las. Offenbar fehlt mir auch eine Folge, denn "Totenfang" ist immerhin schon das 5. Buch der Serie um und mit David Hunter.
Er scheint mir recht depressiv und unglücklich, und ich kann nachvollziehen, wie sehr er innerlich aufblühte, endlich wieder an einen Leichenort gerufen zu werden. In diesem Buch bekommt der Leser detaillierten Einblick in das Leben und Wirken von Wasserleichen, sehr spannend und informativ und für mich in dieser Art neu.
Auch wenn das Buch an manchen Stellen eher umständlich langatmig geschrieben ist, so werden offensichtliche Umstände doch nochmals ausführlich beschrieben, die Seiten fliegen nur so vorbei und es bleibt -Dank dem buchstäblichen Auftauchen immer neuer Leichen- spannend.
Obwohl im Plot mit bekannten Mustern gearbeitet wird, beispielsweise komische Käuze, unfreundliche, in sich gekehrte Menschen, dann eine hübsche, intelligente Frau, sympathischer Polizist, aber unpersönliche Chefermittlerin .... nach der langen Wartepause und den Bänden, die ich davor gelesen habe, war es ein vertrautes "nach Hause kommen" und ich habe das Lesen genossen.
Es war schön, wieder von Hunter zu erfahren, und ich bin gerne bereit auf den nächsten Band zu warten.
5 Sterne vergebe ich aufgrund der vielen fachlichen Informationen, der guten Recherche, dem vertrauten Gefühl, der tollen Landschaftsbeschreibungen, die Reiselust fördern, und dem durchgehend anhaltenden Lesevergnügen!

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17 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

jagd, wildgulasch, dorf, tierschutzaktivisten, wildschwei

Provenzalische Geheimnisse

Sophie Bonnet
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Blanvalet, 18.04.2016
ISBN 9783734102974
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Leider konnte mich Band zwei der Serie in der Provence nicht wirklich packen. 
Ob es an dem Umstand lag, dass ich Band eins als gekürztes Hörbuch hörte, diesen gelesenen Band fand ich in langen Strecken langatmig und wirr.
Die angesprochenen Themen: Jagdunfall, Tierschutz, und einigen anderen, die ich jetzt nicht erwähnen möchte, um die Spannung nicht gänzlich zu töten, haben mich durchaus sehr angesprochen.
Aber ob es jetzt an der Umsetzung lag, daran, dass sehr viel Privatleben mit persönlichen Problemen und Beziehungsstress die Spannung killte, oder daran, dass die Figuren recht plump gezeichnet wurden, ich fand den Band um mindestens hundert Seiten zu lang.
Im Dorf Sainte- Valérie sol leine große Hochzeit stattfinden. Doch sie platzt, da der Bruder der Braut am Vortag im Wald erschossen wird. Ist es ein Jagdunfall? Oder stecken andere Motive dahinter, denn der erschossene hatte viele Feinde.
Kommissar Pierre Durand beginnt zu ermitteln, mehr halbherzig und auch nicht so intensiv, mehr aus Neugier, denn er hat Liebesstress mit Charlotte und Ärger mit dem gekauften Bauernhaus.
Mir war dieser Band sehr zerrissen, fand ich den ersten Band sehr gelungen und humorvoll abwechslungsreich, hatte ich hier den Eindruck, ich lese weder Fleisch noch Fisch.
Kindischer Beziehungsstress, vorhersehrbarer Bauärger und halbherzige Ermittlung .... ich war gelangweilt und enttäuscht.
Vielleicht sollte ich diese Serie doch lieber als gekürzte Hörbuchfassung weiterverfolgen.

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37 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

thriller, festa verlag, joe kurtz, privat detektiv, dan simmon

Eiskalt erwischt

Dan Simmons
Flexibler Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Festa Verlag, 06.11.2012
ISBN 9783865521866
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Eiskalt erwischt" von Dan Simmons ist genau das, was mich so unsagbar begeistert. 
Diese "lonely riders", diese eiskalten und harten, durchaus brutalen Helden, die für das Gute kämpfen und dabei selbst zum Täter werden. Die, die so sympathisch sind, dass man sie ins Herz schließt, obwohl es eigentlich Täter sind, die man im realen Leben ablehnen würde ....
Also, wer solche Helden gerne liest, der wird sich auch mit Joe Kurtz recht schnell anfreunden. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, bricht er wo er geht und steht gegen die Auflagen. 
Spannend und durchaus sehr humorvoll nimmt uns der Autor mit bei der Aufklärung eines Falles für eine große Mafia-Familie.
Joe Kurzt, der nicht nur eine recht pfiffige Bewährungshelferin an der Nase rumführen muss, der vor dem Nichts stehend eine neue Existenz aufbaut, wird von Altlasten fast überrannt. Von allen Seiten lauern Bösewichte, die ihn auslöschen wollen, er scheint vor dem Weg ins Gefängnis nicht wirklich viele Freunde gehabt zu haben.
Ich fand den Thriller sehr lesenswert, ich hatte viel Spaß und Spannung, die mich weiterlesen ließ, obwohl andere Tätigkeiten wichtiger gewesen wären.
Eiskalt erwischt ist ein erster Band und für mich ein gelungener Einstieg in sehr gute, wirklich spannende Unterhaltung. Auch Klassiker-Liebhaber werden nicht zu kurz kommen! Und manchmal, so ganz selten, dachte ich, ich lese eine Art Parodie auf Thriller.
Selbst wenn es so sein sollte, egal, ich habe mich vorzüglich unterhalten und möchte den hartgesottenen, amerikanischen Thriller-Lesern dieses Buch wärmstens empfehlen!

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26 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 5 Rezensionen

london, soho, 10, chief inspector thomas nightingale, zauberei

Schwarzer Mond über Soho

Ben Aaronovitch , Dietmar Wunder
Audio CD
Erschienen bei Jumbo, 09.10.2012
ISBN 9783833730153
Genre: Fantasy

Rezension:

Nach dem ersten Buch der Serie um Peter Grant, diesem "Polizisten in Ausbildung", der zum Zauberlehrling wird, war ich mir nicht sicher, ob ich wirklich die nächsten Bände lesen werde.
Ich wusste, um was es ging, fand es phasenweise absurd, chaotisch, ausbaufähig und lahm.
Vor wenigen Wochen hatte ich dann die Gelegenheit ein aktuelles Hörbuch zu hören und es hat mich begeistert.
Vorgelesen von Dietmar Wunder, der die richtigen Stellen durch seinen eigenen Humor stimmlich entsprechen herausarbeitet und fördert, hat mich die Serie gepackt.
Und es ist wie immer in Serien: Man kennt die Figuren, deren Macken und Kanten und je mehr man hört, desto intensiver wachsen sie ans Herz.
Zurück zu Band zwei: Auch hier viel bekanntes Chaos, Durcheinander und viel viel viel Humor, dieses Mal in Milieu der Jazzclubs Sohos.
Wer wie ich den Kopf voller Sorgen durch die Welt trägt und oft "nicht frei ist", sondern beim Lesen abdriftet, der sollte sich die Serie dringend vorlesen lassen!
Dietmar Wunder ist immer ein Hit! Man sitzt dauergrinsend vor dem Abspielgerät und ist bestens unterhalten!
Irgendwann hat er mich sicher so weit, dass ich auch seinetwegen die Bond Filme kucke - obwohl ich Schwierigkeiten habe, diesen witzigen Mann in der Rolle von Bond sprechen zu hören.
Hier ist er genau richtig und ich bilde mir ein, dass man hören kann, wie viel Spaß er beim Lesen hat.
Peter Grant ist seit den Hörbüchern ein lebhafter, pfiffiger, warmherziger, gerechter, verletzlicher und unendlich komischer Kauz geworden, den ich aus meinem Leben nicht mehr wegdenken möchte.
Gott sei Dank liegt hier schon das nächste Buch! Natürlich als Hörbuch!

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72 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

paris, liebe, malerei, kunst, botanik

Rendezvous im Café de Flore

Caroline Bernard
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Aufbau TB, 14.11.2016
ISBN 9783746632711
Genre: Liebesromane

Rezension:

"Rendezvous im Café de Flore" von Caroline Bernard ist durchaus ein lesenswertes Frauenbuch.
Das sage ich jetzt so ein kleines bisschen deutlich, weil ich den Beziehungsdramen, die im Buch geschildert werden und das verhalten der fiktiven Männer sehr einseitig und "typisch weiblich" dargestellt werden.
Mir hat dieser Teil nicht gefallen, ich fand es überzogen, oft lächerlich und kitschig und nahm mir leider oft auch den Spaß am Lesen.
Daher einen dicken Stern Abzug, wobei ich eher tendiere einen weiteren Stern abzuziehen.
Ich habe mich dennoch entschlossen es bei 4 Sternen zu belassen, weil mich das Buch in das frühere Paris der Künstler und Botaniker entführt hat.
Der Roman ist in zwei verschiedenen Zeiten geschrieben: Heute (diesen Teil hätte ich gerne entfernt) und damals, 1939, kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges. 
Und dieser Teil faszinierte mich mehr und mehr. Ich habe selten ein Buch so intensiv und vertieft gelesen wie diese Kapitel. 
Die Autorin versteht es wunderbar, die Begeisterung und die Leidenschaft, die man für ein Thema entwickeln kann, zu  vermitteln. Fast hätte ich selbst zu Farbe und Pinsel gegriffen!
Und es wurde immer spannender: Der Ausbruch des Weltkriegs, die Verdrängung des Geschehens seitens der Pariser, die Übernahme der Stadt, die Begründung der Widerstandsorganisationen, es packte mich der Mut der Pariser, dieses Engagement und Temperament der Bürger, erst hinsichtlich ihrer persönlichen Interessen und dann vereint im Widerstand.
Doch, das ist lesenswert!

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11 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 4 Rezensionen

laos, cotterill, vientiane, drsiri, volksrepublik laos

Dr. Siri und die Geisterfrau

Colin Cotterill , Thomas Mohr
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 20.06.2016
ISBN 9783442547685
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Dr. Siri und die Geisterfrau" von Colin Cotterill ist jetzt vielleicht das vierte Buch der Serie, das ich gelesen habe. Ich habe die Bände weder chronologisch gelesen, noch kenne ich den ersten Band. Hatte ich mit den Bänden zuvor noch manches Mal Probleme mit der absonderlichen Art des Pathologen Dr. Siri Paiboun und dessen "zweites Gesicht", so ist mir in diesem Band seine politische Einstellung, Reaktionen und Meinungen vertraut. 
Ich habe das Buch begrüßt, wie einen alten, lange vermissten Bekannten und war nach wenigen Zeilen "nach Hause gekommen".
Alleine schon wegen dieses Gefühls lese ich sehr gerne Serien. Man muss nicht erst warm werden, sich umschauen, sondern man kennt die Protagonisten, die Räumlichkeiten und die Macken der Figuren.
In diesem Band (inzwischen Band 9!) wird mehr Augenmerk auf Dr. Siris Geisterkontakte, aber auch auf die Lebensgeschichte seiner Frau gerichtet. Sehr interessant!
Jetzt ist mir klar, warum diese Frau so selbstbewusst ist und die ideale Partnerin für den exzentrischen Dr. Siri darstellt!
Und der Autor schafft es tatsächlich mich zum Grübeln zu bringen! 
Es gibt in Laos tatsächlich wiederauferstandene Geister, die als Medien arbeiten? Ich kam aus dem Staunen nicht raus!
Und wie habe ich mich für Dr. Siri gefreut, dass da noch andere "Menschen" sind, die "seine" Geister ebenfalls sehen können und ihm helfen können, mit seiner "Gabe" (falls es denn eine ist. Es könnt auch ein Fluch sein.) umzugehen.
Und es war tatsächlich der erste Band, in dem mir der britische Humor des Autors so richtig bewusst wurde. Ich kam aus dem Schmunzeln und Lachen nicht raus!
Ob ich tatsächlich ebenso begeistert gewesen wäre, wenn ich diesen Band ohne Vorkenntnis gelesen hätte, das wage ich zu bezweifeln.
Ich denke, man muss als Leser schon bereit sein, sich auf diese Geschichte mit allen Facetten einzulassen. Wer mit dem kauzigen Alten nicht warm wird, dem wird generell die gesamte Serie keinen Spaß machen. Und wer Dr. Siri wirklich kennen lernen möchte, der braucht den Ehrgeiz, mehrere Bände durchzuhalten, auch wenn die Krimis an sich oft nicht oberste Liga sind.

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regenwald, urvolk, holzmafia, palmöl, dschungel

Das Verschwinden der Luft

Christian Kahl
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Divan, 17.10.2016
ISBN 9783863270407
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Das Verschwinden der Luft" von Christian Kahl ist ein spannender Roman, der die Hintergründe der Regenwald-Abholzung beleuchtet. 
Zum Inhalt: Ein neureicher Multimillionär mit recht wenig politischen Ambitionen stolpert mehr oder weniger zufällig über die Machenschaften der sog. Holzmafia. Er verliebt sich in eine junge Frau, die im Tauchresort arbeitet, um Geld für eine Expedition in den Urwald zu sparen. Sie sucht nach ihrem Bruder, der verschollen ist. Kurzentschlossen finanziert der Millionär einen Großteil der Expedition und begleitet die junge Frau.
Der Roman war wirklich gut und glaubhaft geschrieben. Für mich war es eine Mischung zwischen klassischem und sehr spannenden Abenteuerroman und einem politischen Thriller, angelehnt an die Geschichte rund um Bruno Manser.
Ich persönlich habe das Verschwinden dieses sehr engagierten Umweltaktionisten entweder gar nicht mitbekommen, oder aber längst vergessen. Umso wichtiger sind Autoren wie Christian Kahl, die wieder erinnern, die solche engagierten Menschen nicht vergessen lassen.
Abgesehen von diesen beiden Hauptthemen schwingen aber viele weitere Themen im Roman mit: Dieser Überdruss der Millionäre und deren oft sehr naive Weltanschauung, die sich gerade auch mit Mr. Trump deutlich bestätigt. Die Hintertüren, die relativ simpel zu finden sind, wenn globaler Arten- oder Naturschutz von großen Organisationen in der Politik durchgesetzt werden. Naturvölker, die einerseits traditionsverbunden leben wollen und sich doch dem Fortschritt nicht entziehen können.
Die Geschichte mit dem Anwalt und dessen Probleme und Verhalten wäre sicher noch ausbaufähig gewesen, aber insgesamt hat der Autor bewiesen, dass er nicht nur realitätsnahe Themen mutig und spannend vermitteln kann, er schreibt vielschichtig und nachhaltig zum Denken anregend. Und solche Autoren brauchen wir dringend, werden wir in den üblichen Medien viel zu wenig umfassend und hintergründig informiert.
Ich wünsche mir für Naturvölker dringend mehr Millionäre, die investieren, und mehr Tauchurlaube von Politikern in gefährdeten Zonen, es wird dringend Zeit, dass sich etwas tut.
Vielen Dank für dieses Buch!

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Das sechste Sterben

Elizabeth Kolbert , Ulrike Bischoff
Flexibler Einband: 312 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 11.07.2016
ISBN 9783518466872
Genre: Sachbücher

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74 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 32 Rezensionen

berlin, gefühlschaos, traurigkeit, planlos, erwachsenwerden

Realitätsgewitter

Julia Zange
Fester Einband: 157 Seiten
Erschienen bei Aufbau Verlag, 14.11.2016
ISBN 9783351036584
Genre: Romane

Rezension:

Bevor ich mich eingehender zum Roman "Realitätsgewitter" von Julia Zange äußere, möchte ich kurz erklären, was mein persönlicher Hintergrund ist: Ich stamme aus einer Kleinstadt in Baden-Württemberg, streng katholisch, konservativ, staubtrocken und materiell eingestellt. Nicht Ziel oder Charakter zählt, sondern die Größe des Hauses und der Wert des Autos. Ich kam 1984 nach Berlin um zu studieren ... und bin geblieben. Meine Eltern haben mich gehasst, dafür, dass ich ging, sie waren nicht bereit meine Ausbildung zu finanzieren und unterstellten mir Drogenkonsum und Prostitution, nur weil ich den strengen Sitten entwich.
Ich finde diese laute, hektische, unfreundliche und dreckige Stadt oft zum Kotzen, doch sobald ich Berlin den Rücken kehre, fehlt mir die Luft zum Atmen. Es fehlt mir das Multikulturelle, die Offenheit, die Unkompliziertheit, das lebendige Pulsieren, denn ich habe den Eindruck, der Rest von Deutschland schläft, immer noch beschäftigt damit, nur bis zum eigenen Gartenzaun zu sehen.


Marla ist eine junge Frau. Sie kommt aus einer Kleinstadt, um in Berlin zu studieren. Nach nur 14 Tagen bricht sie gelangweilt das Studium ab und versackt wie viele junge Leute in den Parties von Berlin. Haufenweise Kontakte, aber keine Bindung, viel buntes Treiben, aber keinen festen Boden.
Völlig unvorbereitet auf das Leben, kein wirkliches Ziel vor Augen, beginnt sie zu trudeln.

Mir persönlich, die sich über 30 Jahre ständig anhören musste, dass Berlin "nicht normal" sei, wurde erstmals -Dank dieses Buches- klar, dass tatsächlich die Leute außerhalb Berlins das eigentliche Problem sind.
Unfähig, sich auf die eigenen Kinder einzustellen, nicht mal ein nettes Gespräch ist möglich, wirft man diese lieber aus dem Haus.
Amüsiert lese ich die bisherigen Rezensionen zu diesem Buch und sehe: Wer das Leben in Berlin nicht gelebt hat, der kennt den Sog nicht. Es gibt hier keine sicheren und gut bezahlten Arbeitsplätze, sondern Jobs, es gibt keine Häuschen mit park-ähnlichen Gärten, sondern Mietbuchten, alte. verwohnte, schmuddelige Wohnungen, die man sich alleine, trotz drei Jobs, nicht mehr leisten kann. "Freundschaft" existiert nicht, selbst Partnerschaften und Ehen sind hier oft nur Schein und haben nichts gemein mit den herkömmlichen festen Bindungen.
Und ich möchte jetzt verdammt nochmal nicht hören, wer schon mal für 6 Monate in Berlin zu Besuch war und in topmoderner Wohnung wohnte, oder wer als Tourist davon nichts mitbekam. Ich rede hier vom Leben als mittelloser Student, der von Restdeutschland nach Berlin kommt und hier Fuß fassen muss. Man passt nicht mehr dahin, wo man herkam.... vermutlich wäre man sonst auch nie aufgebrochen. Aber wenn man hier nicht ein klares Ziel hat, dann wird man gefressen, schneller als man gucken kann.
Ich wünsche mir für dieses Buch empathische Leser, die die Zwischentöne vernehmen.

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92 Bibliotheken, 4 Leser, 1 Gruppe, 61 Rezensionen

sport, kanada, laufen, olympische spiele, familie

Die Frau, die allen davonrannte

Carrie Snyder , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 352 Seiten
Erschienen bei btb, 13.06.2016
ISBN 9783442754649
Genre: Romane

Rezension:

"Die Frau, die allen davonrannte" von Carrie Snyder.
Die Autorin hat sich intensiv mit den Rechten der Gleichberechtigung im Sport auseinandergesetzt. Ich finde es toll, mit welcher Inbrunst und welcher Energie sie sich da aufregt. Der 800 Meter Lauf der Frauen, der 1928 in Amsterdam für einen Skandal sorgte, war dann der Auslöser für diesen Roman.
Allerdings stellt sie sämtliche Tatsachen um, so dass es eine völlig fiktive Geschichte ist, die man da liest. Allerdings, und dies fand ich sehr gefühlvoll und eindringlich, schildert sie das Abgleiten in eine hilflose Depression, die so manch einen Sportler früher unvorbereitet nach großen Siegen traf.
Kurz zum Inhalt: Carrie Snyder erzählt die Lebensgeschichte einer Langstreckenläuferin, die Kanada 1928 in Amsterdam bei der Olympiade vertritt. Sie erzählt von der Kindheit, der Armut, dem Drang zu Laufen in einer Art, dass man kaum aufhören kann zu lesen. Ich habe lange kein so toll geschriebenes Buch mehr gelesen, es hat mich völlig eingelullt.
Was muss das für eine Zeit gewesen sein, mit unpassender Kleidung, schweren Schuhen, blutenden Blasen und schlechter Ernährung solche Zeiten zu laufen! Schwimmtraining in eiskaltem, dreckigem Wasser!
Carrie Snyder erschafft mit Aganetha eine Protagonistin, die wohl jeden Leser in den Bann zieht. 
Aber, und davor sei gewarnt: Es ist eigentlich eine sehr düstere und traurige Geschichte. Nicht nur, dass Aga bereits 104 Jahre alt ist, als wir sie kennenlernen, sondern es ist auch ein Lebensbericht einer Frau, die trotz Gewinn immer verloren hat! Die nie wirklich DIE Chance hatte, aus ihrem Leben etwas passendes zu machen. Teils weil die Zeit eben war, wie sie war, teils weil sie die Chancen nicht nutzte, weil sie eher introvertiert und nachgebend den anderen den Vortritt ließ. 
Sie war nicht nur die Frau, die allen davonrannte, sondern die, die auch selbst vor allem davonrannte.
Mich hat das Buch berührt, melancholisch gestimmt und hilflos zurückgelassen.
Ich war froh, dass ich parallel fröhlichere Bücher lesen konnte, das Buch hat mich unglaublich verbittert und nach unten gezogen.

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4 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

hörbuch

Am Gletscher

Halldór Laxness , Bruno Kress , Peter Jordan , Peter Jordan
Audio CD
Erschienen bei HörbucHHamburg, 15.07.2011
ISBN 9783899031522
Genre: Romane

Rezension:

Als ich zum Hörbuch "m Gletscher" von Halldór Laxness griff, war ich mir überhaupt nicht im Klaren, was ich da grade einpackte.
Dass diese Geschichte schon ein halbes Jahrhundert alt ist, neu aufgelegt, gar kein typischer Krimi, und aus der Feder eines Nobelpreisträgers für Literatur 1955 stammt, das hatte ich so gar nicht im Auge.
Mich hatte das Cover angezogen, der titel klang nach Krimi und Kurzweil und überhaupt hatte ich grade Zeit. Ich war mir auch sicher, das buch schon auf diversen Verkaufstischen im Handel gesehen zu haben und dacht mir, perfekt, dann kann ich hören und muss nicht einmal lesen.
Kaum mit der ersten CD begonnen, wurde mir klar, dass ich da eine ganz besondere, etwas schräge Praline in den Einkaufskorb gelegt hatte, und ich begann zu recherchieren.

"Am Gletscher" ist für mich ein Potpourri aus ganz unterschiedlichen Zutaten: Religion, Mystik, Ethik, Humor, Schabernack, Psychologie, Sekten, Philosophie, Astronomie, Politik und sogar Quantenmechanik um nur einige zu nennen!
Es handelt von einem Nachwuchs Theologen, der vom Bischof nach Island entsendet wird, um dort in einer abgelegenen Gemeinde nach dem Pfarrer zu sehen. Dieser scheint seiner Aufgabe nicht nachzukommen: Kinder werden nicht getauft, Tote nicht bestattet, die Kirche nicht gepflegt, keine Messen gehalten.
Sehr jung, naiv und wenig lebenserfahren, aber unerschrocken macht sich der junge Theologe auf die Reise. Er sucht den Pfarrer und spricht mit den Bewohnern. Gewissenhaft führt er Tagebuch und zeichnet alles auf, ohne selbst Urteil zu fällen.

Ich gestehe, ich war sehr verwundert, in Gefahr das Hörbuch abzubrechen, aber dann packte es mich, und ich lauschte mit wachsendem Vergnügen diesem skurrilen und humorvollen Ideenreichtum des 1998 verstorbenen Autors. Ich staunte, wie weitsichtig, reif und altklug er Dinge beschrieb, die zu seiner Lebenszeit nicht im Fokus standen, lachte über diese trockenen, oft schwarz-humorigen Passagen, die durch den naiven Theologen erst so richtig zur Geltung kommen und fand diese pausenlosen Crashs von festgefahrenem Christentum und dem Leben im Extrem mit völlig anderen Lebensumständen einfach köstlich und genial!

In diesen wenigen Seiten stecken so viele Anregungen, so viele philosophischen und psychologischen Aussagen, ich wäre als Aufzeichnender längst geflohen, oder hätte den Glauben an den Nagel gehängt.
Ich habe mich ganz wunderbar amüsiert und unterhalten und freue mich, dass ältere Literatur auch heute so viel Freude schaffen kann. Vielen Dank für die Neuauflage und die Gelegenheit!

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36 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 17 Rezensionen

thriller, terror, vergeltun, vorsätzlicher mord, anarchismus

Corporate Anarchy

Nils Honne
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Divan, 15.10.2016
ISBN 9783863270384
Genre: Romane

Rezension:

"Corporate Anarchy" von Nils Honne hat mich gleich mehrfach überrascht. Da ich vom divan Verlag mehrere Bücher zu liegen hatte, hatte ich dieses Buch erst mal liegen lassen, die Inhaltsangabe fand ich nicht annähernd interessant wie die der anderen Bücher .... weit gefehlt. Es ist mit Abstand das Beste der drei Gelesenen, auch wenn der Inhalt oft trocken und langatmig scheint.
Es beginnt sehr humorvoll: Der Leser lernt Marvin kennen, einen jungen Mann, der an unserer Konsumgesellschaft mit den Lügen, Korruptionen und Umweltgiften verzweifelt. Beeindruckend, in wie vielen Themen der junge Mann Hintergrundwissen besitzt, wo er Inhalttsstoffe nach Gefahrenklasse und Nebenwirkungen kennt, und mit was er sich neben seinem Beruf als Werbetexter alles beschäftigt.
Es grenzt schon an wahnhaftem Verhalten und schon auf den ersten Seiten hätte ich mir psychologische Begleitung oder wenigstens Gleichgesinnte mit festerer Bodenhaftung für Marvin gewünscht.
Auf einer Demo eskaliert ein Streit zwischen Demonstrierenden und der Polizei und Marvin erhält vermeintliche Hilfe.
Er wird gerettet und kommt in eine Art Kommune der Aussteiger, die sich die Rettung der Menschheit als Ziel gesetzt hat. Die Umsetzung und die Methoden lassen zweifeln und haben mich auf ganz andere Art beschäftigt:
Ob Schwerverbrecher oder Firmenchef, wessen Ansichten sind "richtig"? Wer ist fähig falsches Tun zu erkennen und sein Verhalten zu ändern? Und wer redet sich seine Taten einfach nur schön? Und wie kann man Leute bekehren, ab wann und wie setzt eine Erkenntnis des Falsch-Verhaltens ein?!?
Mich hat das sehr beschäftigt, da ja oft Schwerverbrecher offenbar geläutert in die Freiheit entlassen werden, aber woran erkennt man, dass diese Erkenntnis wirklich echt ist?!?
Mit dem Anfang des Romans nimmt der Autor das Ende scheinbar vorneweg, aber der Weg dahin ist manchmal wirklich spannend, auch wenn langatmig, so doch nötig und in sich logisch und schlüssig ... und am Ende ist dann doch vieles nicht so, wie es anfänglich schien.
Ich finde diese Thematik mit der Art der Umsetzung einfach genial! Ich wusste nicht, dass wir auch in Deutschland Autoren haben, die ernsthafte Missstände amüsant und spannend ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln können und nach drei Romanen steht der divan Verlag für mich an wichtiger, vorderer Stelle, wenn es um interessante, aktuelle Themen in spannenden und lesenswerten Romanen geht.
Weiter so!

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17 Bibliotheken, 0 Leser, 2 Gruppen, 14 Rezensionen

schleuser, beirut, berlin, familie, libanon

Berlin – Beirut

Gitta Mikati
Flexibler Einband: 256 Seiten
Erschienen bei Divan, 15.09.2016
ISBN 9783863270360
Genre: Romane

Rezension:

"Berlin Beirut" ist ein sehr spröder Roman aus den 70igern des vergangenen Jahrhunderts zu Zeiten des Bürgerkrieges im Libanon. Die Autorin Gitta Mikate greift dieses Thema in ihrem Debüt auf, schildert die damalige politische Situation in der DDR und in West Berlin. Sie beschreibt diesen Menschenhandel, der von der DDR initiiert tausenden von Arabern ein sicheres Leben in der DDR versprach, letztendlich aber eine illegalen geheime Abschiebung nach West-Berlin beinhaltete, wo sich wiederum gewitzte Deutsche an der Hilflosigkeit der Männer bereicherten. 
Die Autorin lüftet den Vorhang und lässt den Leser einen Blick hinter die alten, schweren Brokatvorhänge der Berliner Diskotheken und bekannten Etablissements werfen, wo wir Dreck, Lügen, illegale Geldwaschanlagen und asoziale, nicht humane Vorgänge erblicken.

Wie ist es heute? In Berlin gibt es Riesenhallen vollgestellt mit Billigpritschen, ohne Sanitäranlagen oder Küchen, in denen Flüchtlinge schlimmer als Schweine zusammengepfercht über Monate und Jahre wohnen müssen, jeden Tag bedroht von Ausweisung, ohne jegliche Chance auf Arbeit und Wohnung, aber in Gefahr vor wütenden Deutschen, die vor den Toren Naziparolen brüllen. Die Frauen werden vergewaltigt, oft von den deutschen Sicherheitsbeamten, die sich einen Spaß daraus machen, diese Frauen mit Handys zu filmen, wenn diese duschen oder ihre Kinder stillen ... und niemand tut etwas dagegen!

Hinter dieser politischen Situation, und der leider recht eindeutigen Aussage des Romans, dass Araber hier nicht herpassen, alle lügen, illegalen Geschäften nachgehen (weil man ihnen im Grunde keine Chance für legale Geschäfte gibt, aber das ist nicht Inhalt des Romans!), kriminell sind und immer in undurchsichtigen, verlogenen Geschäften verstrickt sind, habe ich mehr als Bauchschmerzen!

Ich kann gar nicht beschreiben, wie unangenehm mir das Lesen wurde, wie entsetzt ich bin, dass die deutschen Menschenhändler noch bedauert werden und volles Verständnis finden, während wieder und wieder die Araber als Übel darstellt werden.
Wobei ich nicht der Autorin eine Absicht unterstelle, aber leider lesen Leser das, was sie lesen wollen.

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44 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 32 Rezensionen

motorrad, reisebericht, christopher many, weltreise, overlander

Hinter dem Horizont rechts

Christopher Many
Flexibler Einband: 520 Seiten
Erschienen bei Delius Klasing, 12.09.2016
ISBN 9783667105639
Genre: Sonstiges

Rezension:  
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25 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 19 Rezensionen

australien, zirkus, reisebericht, clown, artisten

Clown Under

Andreas Schaible
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 14.10.2016
ISBN 9783404609130
Genre: Sachbücher

Rezension:

"Clown Under" ist eine Art Bericht von Andreas Schaible über seine Erfahrung als Mitarbeiter eines renommierten australischen Zirkus. Ein halbes Jahr begleitete er den Zirkus, arbeitete erst als Reinigungskraft und stieg dann auf ins aktive Feld der Darsteller.

Das Buch liest sich leicht, ist nicht schlecht geschrieben,. Aufgelockert durch einige Bilder bekommt der Leser auch eine Ahnung von der heutigen Zirkuswelt jenseits der Tage der Kuriositäten Darstellung und Tierqualen.
Ich habe mir nach dem Lesen etwas Zeit zur Beurteilung genommen. Ich war im Zwiespalt: Als ältere Leserin konnte ich über die manchmal doch sehr unreifen und naiven Ansichten nur schmunzeln, andererseits hat Andreas Schaible meinen vollen Respekt für seinen Mut, entgegen seiner Ängste das Leben zu erkunden und immer positiv und freundlich auf Menschen und Situationen zuzugehen.
Mir selbst ist diese positive Einstellung aufgrund mancher Schicksalsschläge verloren gegangen, aber ich kann mich erinnern, dass auch ich in jungen Jahren neugierig und erkundungslustig war und meine Träume entgegen den pessimistischen Prophezeiungen meiner Mitmenschen und Familie einfach umsetzte. Und dabei war ich sicher in vielen Bereichen noch blauäugiger und  naiver als Andreas Schaible.
Aber ich bin eben heute einige Jahrzehnte älter, mich berührte nur weniges von dem, was ich gelesen habe.
Dazu kommt, dass der junge Autor hervorhebt, wie angenehm und erfüllend ein Leben ohne Technik, ohne Internet, Computer und Handy doch sein kann, vom Leser aber im Grunde verlangt, die zahlreichen Codes im Buch abrufen zu können. Ich konnte es nicht und fühlte mich dadurch regelrecht verschaukelt und ausgeschlossen.
Im Grunde erinnerte mich das Buch an frühere Zusammenkünfte, wenn Freunde vom Urlaub erzählten, man endlos im Dunkeln sitzen musste, um sich monotone Dias anzusehen, die für Nicht-Mitreisende so gar keinen Unterhaltungs- oder Erinnerungswert hatten.
Was mir allerdings wiederum sehr imponierte ist das soziale Engagement des Autors. Das Buch hat durchaus Vorbildfunktion für jüngere Menschen, die an der Schwelle zum eigenen Leben stehen.
Aber dafür ein Buch höher bewerten? 
Ich bin wirklich lange in mich gegangen.
Da ich aber leider nur wenige wirkliche Informationen rund um Zirkus oder besonders Australien erhalten habe -ich kann selbst nicht reisen und hungere nach Input über das Leben in Ländern, die ich selbst niemals sehen werde!- bin ich doch zu drei guten Sterne zurückgekommen.
Alles Gute für die Zukunft!

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17 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

dresden, 2. weltkrieg, mord, frank goldammer, kommissar

Der Angstmann

Frank Goldammer , Heikko Deutschmann
Audio CD
Erschienen bei Der Audio Verlag, 23.09.2016
ISBN 9783862318308
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Der Angstmann" von Frank Goldhammer habe ich in der ungekürzten Hörbuch Ausgabe als MP3 vorliegen.
Das Hörbuch ist sehr gut gelesen von Heikko Deutschmann. Es war überhaupt kein Problem stundenlang zuzuhören und dem Plot zu folgen. 
Was mich allerdings wirklich begeisterte ist weniger der Krimi, der um den Kriminalinspektor Max Heller gesponnen ist, sondern die Eindrücklich geschilderten Szenen der Bombardierung und Zerstörung Dresdens und der Besetzung durch die russischen Soldaten.
Mir standen die Haare zu Berge, wenn ich mit den Protagonisten im Luftschutzbunker saß, mir wurde schlecht, wenn ich diese Schockszenen der herumirrenden Kinder und traumatisierten Leute mitanhörte.
Also näher an der Geschichte kann ein Krimi während der damaligen Zeit nicht sein. Man hat so oft Filmmaterial über die Verschleppung der Juden gesehen, diese Bilder aus dem KZ, aber hier traf mich die damalige Situation von einer ganz anderen, völlig unerwarteten Seite.
Max Heller ist Kriminalinspektor mit Leib und Seele. Er beschäftigt sich, immer wieder unterbrochen vom Fliegeralarm, mit Mordfällen, die einen Serientäter vermuten lassen. Schnell ist nach der ersten Frauenleiche ein Verdächtiger gefasst und vorab verurteilt. 
Aber es tauchen immer neue Leichen auf, die auf den gleichen Täter schließen lassen, aber nicht zum verurteilten Mann passen.
Max Heller ermittelt in einem unsicheren Dresden, behindert durch Einsparungen, in Gefahr als Hitler-Verachter aufzufliegen und kommt dem Täter sehr nahe. Und just an diesem Abend treffen erstmals Bomben und Dresden liegt in Schutt und Asche. Heller ist sich sicher, dass der Mörder diesen Abend nicht überlebt haben kann ----- aber das Morden geht weiter.
Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Gewöhnlich höre ich Hörbücher nebenbei, aber bei diesem Buch habe ich irgendwann alle anderen Tätigkeiten eingestellt und saß nur noch lauschend vor dem Player.
Auch wenn in der heutigen, aggressiven Jugend die damalige Stimmung nicht mehr ankommt, in meiner Generation löst ein solches Buch dicke Gänsehaut aus und die Gewissheit, dass solche und ähnliche Zeiten auf alle Fälle vermieden werden müssen.

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236 Bibliotheken, 2 Leser, 1 Gruppe, 117 Rezensionen

thriller, wald, junggesellinnenabschied, ruth ware, glashaus

Im dunklen, dunklen Wald

Ruth Ware , Stefanie Ochel
Flexibler Einband: 384 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 23.09.2016
ISBN 9783423261234
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

"Im dunklen, dunklen Wald"  ist das Debüt von Ruth Ware. 
Die Autorin schreibt recht gut. 
Was mich von Anfang an erstaunte, ist die Tatsache, dass ich der Autorin glaubhaft folgte. Wenn man den Plot mit Abstand betrachtet, dann kommt Unglaube und Zweifel, aber während man liest, ist alles nicht nur glaubhaft, sondern schlüssig.
Wie macht die Autorin das? 
Leonora ist eine sehr seltsame Protagonistin. Erst 26 Jahre alt erschien sie mir von der ersten Zeile an wie eine alte, verbrauchte und von der Welt abgewandte Person. Sie erhält eine Einladung zum Junggesellinnenabschied einer früheren Freundin per e mail von einer unbekannten Frau. 
Ich selbst hätte sofort abgesagt, aber die Autorin schafft es hier zum ersten Mal, nicht nur eine Zusage plausibel zu machen, sondern den Leser glauben zu lassen, dass eine Absage völlig abstrus gewesen wäre.
Und diese Technik wiederholt sich unzählige Male.
Legt man das Buch aus der Hand und pausiert, versteht man oft die Welt nicht mehr, zieht vieles in Zweifel, sobald man liest, wird man von dieser ruhigen Art des Erzählens eingelullt. 
Und so ganz langsam baut sich das Grauen auf.

Ich meine, jetzt mal ehrlich. Ich selbst habe nie geheiratet, wozu auch? Ich war auch nie auf einer Hochzeit, da in meiner Umgebung kaum jemand heiratete, und wenn, dann hochschwanger mal eben schnell vor der Geburt.
Feiert man einen Junggesellinnenabschied mit nur wenigen Leuten, die sich noch nicht einmal kennen und teils über Jahre keinen Kontakt zur Braut hatten, in einer dunkeln, abgeschiedenen und kalten Hütte im tiefen Wald ohne telefonische Verbindung,  indem man unheimliche und verletzende Spiele spielt?
Ich dachte immer, es wäre ein fröhliches Besäufnis mit Männerstrip. 
Aber, ich kann das nur wiederholen: Während man das Buch liest, scheint es plausibel und man geht als Leser mit der Geschichte mit. 

Die Autorin arbeitet mit vielen bekannten Effekten, steht auch dazu, da sie die Quelle oft selbst benennt. Aber sie schafft es auch, diese Elemente neu zu richten und anders zu nutzen, so dass man nach Beenden des Buches erst mal atemlos und verwirrt zurück bleibt.
Ob die Autorin schon am nächsten Buch schreibt? Und ob das dann ein klassischer Horror wird? Das Zeug dazu hätte sie.

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(57)

93 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 30 Rezensionen

südstaaten, mystery, banküberfall, trilogie, horror

Niceville

Carsten Stroud , Dirk Gunsteren
Flexibler Einband: 512 Seiten
Erschienen bei DuMont Buchverlag , 07.03.2013
ISBN 9783832162122
Genre: Krimi und Thriller

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