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4 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Fremdes Land Amerika

Ingo Zamperoni
Fester Einband: 336 Seiten
Erschienen bei Ullstein Buchverlage, 09.09.2016
ISBN 9783550081422
Genre: Sachbücher

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Die Kraft des Fühlens

Ilse Sand , Annette Elisabeth Doll
Flexibler Einband: 160 Seiten
Erschienen bei Beck, C H, 19.09.2016
ISBN 9783406697937
Genre: Sachbücher

Rezension:

Menschen mit erhöhter Sensibilität ihrer Sinne tun sich schwerer im Leben als andere. Und das in mannigfaltiger Hinsicht und zumeist nicht gerade zu deren eigenem Wohl. Die dänische Theologin und Psychologin Ilse Sand, selbst Betroffene, beschäftigt sich in ihrem Buch mit diesem Personenkreis, beschreibt deren spezifische Sonderheiten und Probleme, ihre Erschwernisse und Nachteile im täglichen Leben und bricht hier eine Lanze. Und das Interessante ist, dass einem als Leser einige der von ihr beschriebenen besonderen Empfindsamkeiten gar nicht so unbekannt vorkommen. Ein interessantes, den Horizont erweiterndes Fachbuch nah am praktischen Leben.

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politiker, brd, krebs, leukämie, politik

Zwischen zwei Leben

Guido Westerwelle , Dominik Wichmann
Fester Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Hoffmann und Campe, 10.11.2015
ISBN 9783455503906
Genre: Biografien

Rezension:

Guido Westerwelle hatte nach seiner überstandenen Leukämieerkrankung 2015 das Buch geschrieben, bevor kurz danach dann sein Lebensschicksal seinen endgültigen Lauf nahm.

Egal, wie man zu ihm als Mensch oder Politiker in seiner aktiven Zeit letztlich gestanden hat. Hier spricht ein reflektierender, geläuterter, ehrlicher Mensch, dem seine Krankheit den Blick für die wirklich wesentlichen Dinge des Lebens geöffnet hat, der gelernt hat und dem es ein offensichtliches und glaubhaftes Bedürfnis ist, diese Sichtweise anderen mitzuteilen und deren Denken ebenfalls zu sensibilisieren. Gleichzeitig ein berührendes Dokument über die Vergänglichkeit des Menschen mit sehr interessanten Informationen unmittelbar aus Betroffenensicht zu einer Krankheit, die tatsächlich als eine der Geißeln der Menschheit zu bezeichnen ist. Überzeugend und lesenswert.

 

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Total Recall

Arnold Schwarzenegger , Heike Schlatterer , Anne Emmert , Karlheinz Dürr
Flexibler Einband: 672 Seiten
Erschienen bei Heyne, 09.06.2014
ISBN 9783453640580
Genre: Biografien

Rezension:

Arnold Schwarzenegger hat ein Buch geschrieben. Und was für eins. "I`ll be back" hatte er ja schon als Terminator versprochen. Und Wort gehalten. Eher durch Zufall bin ich auf das Werk gestoßen. Und war von der ersten bis zur letzten Seite begeistert. Nach fast 700 klein gedruckten Seiten mit einer Fülle teils sehr privater Fotos aus allen Stationen seines Lebens hat man wirklich das Gefühl, jetzt nahezu alles über ihn zu wissen, zumal hier in wahrhaft epischer Manier, dabei aber zu keiner Zeit langweilig oder zähflüssig, ein absolut schillernder Mensch portraitiert wird, der es kraft seines positiven Denkens, der absoluten Beharrlichkeit in der Umsetzung seiner Lebensziele, seiner Cleverness und seines Geschäftssinns geschafft hat, vom zweitgeborenen Sohn eines steiermärkischen Polizisten der Nachkriegszeit aus einem einfachen, vorgezeichneten Provinzleben mit gerade zwanzig Jahren auszubrechen und aus dem Nichts über den klassischen Weg "Tellerwäscher zum Millionär" zu einem der weltweit bekanntesten amerikanischen "Helden" aufzusteigen. Bei den vielen Erzählungen über seinen Aufstieg als Bodybuilder in München und Los Angeles mit einem frühzeitigen Mister-Universum-Titel, der nachfolgenden Hollywoodkarriere, seiner Heirat und Familiengründung und seiner späteren Berufung als Gouverneur Kaliforniens macht es einfach Spaß, ihn auf seinem Weg literarisch zu begleiten. Zum einen, weil alles äußerst interessant und tiefgründig erzählt wird, insbesondere aber auch, weil man von Kapitel zu Kapitel immer mehr das Gefühl gewinnt, einen Menschen kennen zu lernen, den man bislang fälschlicher Weise in die Schublade des tumben großkotzigen Haudraufs gesteckt hat und der sich jetzt als intelligenter, zielstrebiger und auch gefühlvoller, denkender Mann entpuppt. Der -und das sei ihm wirklich gegönnt- ganz offensichtlich zwar nicht mit einem besonders großen Ego ob seiner vielen Erfolge geizt, dabei aber immer selbstreflektierend und schonungslos auch die vielen selbstverschuldeten Fehler bis hin zu seiner letztlich gescheiterten Ehe freimütig einräumt, was ihn als Menschen echt sympathisch macht. Ich bin wie ich eben bin, das ist sein Credo und das ist ok so. Auf jeden Fall eine der besten Biographien, die ich bisher gelesen habe. Wer den Menschen Arnie Schwarzenegger mal von einer ganz neuen Seite kennen lernen möchte, dem sei das Buch wärmstens empfohlen. Er kann nämlich auch ganz anders.

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thriller, los angeles, gattis, gewalt, rassismus

In den Straßen die Wut

Ryan Gattis , ,
Flexibler Einband: 528 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 22.01.2016
ISBN 9783499270406
Genre: Krimi und Thriller

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wednesday martin

Die Primaten von der Park Avenue

Wednesday Martin , Hans-Christian Oeser , Nina Frey
Flexibler Einband: 320 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 17.03.2016
ISBN 9783827013101
Genre: Biografien

Rezension:


Die Upper East Side New Yorks. Immer schon ein legendäres, sagenumwobenes Viertel im Nordosten Manhattans, von dem jeder zwar schon mal gehört hat, über das normalerweise aber nur raunend, irgendwie ehrfürchtig und im Regelfall bar jeden Insiderwissens gesprochen wird. Woher soll es auch kommen, so wie sich dieses zwischen 5th und Lexington Ave bzw. 60th und 96th street abgezirkelte Immobilienrechteck präsentiert. Denn hier ist man absolut und ganz bewusst unter sich, hier herrschte früher das "alte Geld", danach fanden dann auch die kapitalistischen Emporkömmlinge der Wall Street die Gnade des Zutritts. Pecunia non olet, so ist das eben überall, hier aber ganz besonders.

Anders als es die dümmliche optische Aufmachung und die noch dümmlichere Untertitelung des Buches erwarten lassen, ist man als Leser dann absolut überrascht von der Qualität seines Inhalts.

Die Autorin, mittleres Alter, Mutter zweier Söhne und verheiratet mit einem führenden Wirtschaftsprofessor, ist Anthropologin und Sozialforscherin und irgendwann mal in Downtown Manhattan gelandet. Um ihren Kindern einen möglichst guten Start zu ermöglichen, sucht sie in der UES für die Familie a) ein neues Wohndomizil und logischer Weise b) Sozialkontakte. Ihre hieraus resultierenden geradezu irrwitzigen, zumeist negativen Erlebnisse und Erfahrungen bei ihrem unablässigen Versuch, in dieser abgeschotteten Irrsinnswelt der superreichen Super-"Mamis" irgendwie einen Fuß in die Tür zu kriegen, hat sie in ihrem interessanten, genauso humorvoll wie kompetent geschriebenen Buch in allen Einzelheiten niedergelegt. Das Ganze erhält seinen Charme besonders dadurch, dass sie die ganzen hochkomplizierten und verschachtelten Beziehungs-, Macht- und Geldstrukturen der dortigen Bewohner permanent mit den Erkenntnissen der Primaten- und ähnlichen Forschungen abgleicht und dabei immer wieder erstaunliche Schnittmengen und Übereinstimmungen zwischen Mensch und Tier, und hier ganz besonders mit dem Blick auf den weiblichen Teil der Evolution, feststellt. Wie sie das dann literarisch präsentiert, ist einfach nur köstlich zu lesen.

Erst nach ewigen Anläufen, Anfeindungen und demütigenden Ausgrenzungen seitens der anderen Mütter, durch glückliche Umstände und letztlich durch einen Schicksalsschlag schafft sie es, sich ganz langsam Zutritt in diese abgeriegelte Welt zu verschaffen. Und stellt dabei so nüchtern wie rückschließend fest, dass auch die Primatenfrauen der Park Ave letztlich alle nur mit Wasser kochen. Konsumversessene, unselbstständige Vorzeigepüppchen Ihrer Alphamännchen, finanziell im Regelfall vollständig abhängig und damit immer voller Angst vor dem Entzug des Wohlwollens und damit dem Verlust des Zugangs zum Geld ihrer Männer. Aber zum Glück gibt es ja genug Möglichkeiten und Ablenkungen, solche schlimmen Gedanken und Ängste permanent zumindest äusserlich unter Kontrolle zu halten. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann helfen eben Alk, Xanax und Konsorten.

Ein lesenswertes Buch für Menschen, die sich für die Auswüchse menschlicher Existenz im allgemeinen und den Irrsinn des Upper-East-Lebens im Besonderen interessieren.

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bobby dollar, tad williams, engel, hölle, dämonen

Spät dran am Jüngsten Tag

Tad Williams ,
Fester Einband: 611 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 26.09.2015
ISBN 9783608938357
Genre: Fantasy

Rezension:

Der Abschlussband der Trilogie um den schrägen Himmelsvertreter Bobby Dollar, seines Zeichens Anwaltsengel im steten Kampf um menschliche Seelen. Nach seiner Rückkehr aus der Hölle versucht Bobby, sowohl seine geliebte Dämonin Caz aus dem Schlund der Hölle zu befreien wie auch Licht in die offensichtlich teils dunklen Machenschaften des Himmels zu bringen und endlich aufzudecken, was dort alles im Verborgenen läuft. Aber das erweist sich nach wie vor als schier undurchführbar und bringt ihn immer wieder in dramatische und lebensgefährliche Kalamitäten.

Nach einem ganz guten Start verliert leider auch der dritte Teil der Saga schnell an Fahrt und reicht bei weitem nicht an den hervorragenden Auftaktband heran. Williams walzt die Story einfach zu sehr aus und reitet die Hauptfigur irgendwann in endlosen Wiederholungsschleifen zu Tode. Beim zehnten Lesen zündet eben auch ein eigentlich guter Witz nicht mehr.  Der überfrachtete Handlungsstrang ufert aus und zerfasert. Dass Bobby mit all seinen Schwächen zunehmend vermenschlicht, muss nicht über hunderte von Seiten wiederholt werden. Vor allem die pausenlose Betonung seiner unzügelbaren Triebsteuerung, sobald irgendetwas halbwegs Weibliches seinen Weg kreuzt, in Verbindung mit einer dann plötzlich vulgären Schreibweise des Autors, würde man als Leser ja trotz hohem Nervfaktor noch zähneknirschend hinnehmen. Aber dass unser Anwaltsengel dann irgendwann tatsächlich von dem bislang  toughen, unbeugsamen Cleverle zu einer müden, verzweifelten, die letzten Kräfte mobilisierenden und irgendwie nur noch ausgebrannten Schachfigur im perfiden Spiel der hellen wie dunklen Mächte mutiert, stellt dann wirklich nicht mehr zufrieden. Der drei Bände lang erhoffte intelligente und furiose Showdown bleibt aus, das Ende wirkt hektisch  runter geschrieben und ist doch etwas enttäuschend. Na ja, zumindest weiss man dann, wie alles ausgeht. Das Buch selbst ist ganz ganz knappe drei Sterne wert.

In der Gesamtwertung der Geschichte bleibt fairerweise ein durchaus ideenreich inszeniertes jenseitiges Szenario mit eigentlich vielen guten Ansätzen und auch einer Menge Humor auf mittlerem Niveau in Erinnerung , dem aber leider irgendwann schlicht die Puste ausgeht.

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engel, hölle, bobby dollar-reihe, bobby dollar, fantasy

Happy Hour in der Hölle

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann
Fester Einband: 565 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 23.08.2014
ISBN 9783608938333
Genre: Fantasy

Rezension:

Teil 2 der Geschichte um den Anwaltsengel Bobby "Doloriel" Dollar, der sich diesmal direkt in die Hölle aufmacht, um dort seine geliebte Casimira den Fängen des schrecklichen Dämonenfürsten Eligor zu entreißen. Dieses Höllenfahrtskommando entpuppt  sich schnell als wahnwitziges Unterfangen in einem Universum, das jeden Menschen umgehend auf den Pfad der Tugend zurück bringen würde, wenn er wüsste, wie sich dort der ewige Alltag so gestaltet. Aber unser Bobby ist ja bekanntermaßen unverwüstlich. Wie sich nach und nach heraus stellt, kocht aber auch der Himmel sein ganz eigenes Süppchen und die Zusammenhänge werden immer undurchsichtiger.

Leider kann das Buch nicht mit dem Einstiegsband mithalten, zumal die Handlung sich fast vollständig auf die Geschehnisse in der Hölle beschränkt. Diese hat er sich eigentlich gut ausgedacht, aber in seinen penetranten und exzessiven Schilderungen der Gräuel dieser unsäglichen Welt tut Williams einfach zu viel des Guten.  In dem Versuch, immer noch einen drauf zu setzen, wird der Bogen hier eindeutig überspannt. Das bringt die Geschichte nicht voran, die bislang intelligent und spannungsreich aufgebaute Story wie auch die eigentlich gut ausgeformte Figur des schicksals- gebeutelten Hauptprotagonisten, alles leidet unter den irgendwann nur noch nervigen Schilderungen der brachialen Figuren und laufenden Gemetzel. Aber wenigstens zum Schluss kriegt der Autor zum Glück dann wieder die Kurve, wenn sich die Story zurück auf die uns bekannten diesseitigen Gefilde verlagert. Hoffen wir, dass der Abschlussband der Trilogie wieder an frühere Qualitäten anknüpft.

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ww, psyche, krieg

Kriegserbe in der Seele - Was Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration wirklich hilft

Udo Baer , Gabriele Frick-Baer
Fester Einband: 192 Seiten
Erschienen bei Beltz, J, 21.12.2015
ISBN 9783407857408
Genre: Sachbücher

Rezension:


Die Autoren, beide Traumatherapeuten, arbeiten in ihrem Buch ein leider immer noch sehr lebendiges Kapitel deutscher Realität auf, nämlich in welch fataler Weise die oft unsäglichen Verhaltensweisen der zumeist schwer traumatisierten Persönlichkeiten der Menschen der letzten Kriegsgeneration auf die Leben ihrer direkten Nachkommen Einfluss genommen haben. Ein Thema, mit dem sich wahrscheinlich die überwiegende Zahl deutscher Familien gut auskennen dürfte. Ohne Wertung oder Verurteilung versuchen die Eheleute Baer aus ihrem reichen Erfahrungsschatz mit behandelten Patienten den Spagat, die ganzen Verwirrungen und Wirkmechanismen einer mit teils unsäglichen Kriegserfahrungen belasteten und mangels eigener therapeutischer Behandlung regelmäßig versteinerten und verbogenen Kriegsgeneration auf die eigenen Familienmitglieder  in allen Facetten darzulegen. Offensichtlich wird, wie immens sich diese zumeist negativen interfamiliären Erlebnisse mit den eigenen Eltern sich auf die Leben und die Seelen der Kinder und Enkel, vor allem die der direkt nachfolgenden Babyboomergeneration, ausgewirkt haben, in langen Leidensjahren dort "eingesickert" sind und bei diesen Menschen dann wiederum eigene Verhaltens- und Denkweisen geformt haben, die denen der Vorgängergeneration typischer Weise nur zu ähnlich sind. Die Autoren versuchen, und darin liegt der besondere Wert des Buches, sehr verständnisvoll und in der richtigen Dosierung Hilfestellung und Lösungsansätze aufzuzeigen, wie der Einzelne aus dieser Einbahnstraße familiärer Prägungen immer noch ausbrechen und zu einer Art innerem Gleichgewicht, innerer Stabilität zurückfinden kann. Und dies bei weitem nicht allein über die simple Schiene des Versöhnens und Verzeihens.

Ein gutes, wertvolles Buch zu einem extrem schwierigen Thema und immer schon tabuisierten gesellschaftlichen Problem, das sich erst in einigen Generationen vollständig ausgewachsen haben dürfte.

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dämonen, hölle, bobby dollar, himme, engel

Die dunklen Gassen des Himmels

Tad Williams , Cornelia Holfelder-von der Tann
Flexibler Einband: 573 Seiten
Erschienen bei Klett-Cotta, 23.07.2016
ISBN 9783608949650
Genre: Fantasy

Rezension:


Bobby "Doloriel" Dollar ist Anwaltsengel, ein erdgebundener Vertreter der himmlischen Heerscharen und deren Interessen, der, ausgestattet mit einem ansehnlichen und leistungsfähigen menschlichen Körper, in San Judas, einer mittelgroßen Stadt in Nordkalifornien, lebt. Wenn er nicht gerade ein Techtelmechtel mit menschlichen oder engelhaften weiblichen Wesen hat, seine 38er Smith& Wesson versorgt oder sich mit seinen Freunden, dem Ganzen Kaputten Chor, in seiner Lieblingskneipe die Kante gibt, wird er gelegentlich auch von seinen Bossen zur Arbeit gerufen. Das heisst dann für ihn, am Ablebeort just Verstorbener aufzutauchen und sich dort mit einem gleichartigen Vertreter der Höllenmächte einen erbitterten Kampf um die sich im vorübergehenden stand-by befindliche Seele der betreffenden Person zu liefern. Den Entscheidungsdaumen hebt oder senkt nach den Plädoyers der beiden Parteien dann ein ebenfalls herbeigerufener himmlischer Richter mit der entsprechenden unmittelbaren Konsequenz für den oder die Betroffene.

Als das völlig Unmögliche eintritt, nämlich die Seele eines Prominenten nach seinem Ableben plötzlich spurlos verschwindet, setzt dies in Himmel wie Hölle eine Kettenreaktion mit unabsehbaren Folgen in Gang und Dollar gerät zwischen alle Fronten.

Der überzeugende Auftaktband einer Trilogie, in der Williams alle Register seines Könnens zieht. Ein respektloses Feuerwerk schwarzen, immer treffsicheren Humors, in dem der Autor oberhalb wie unterhalb unserer menschlichen Welt Figuren und Szenarien schafft, die ihresgleichen suchen. Allen voran natürlich die sympathische Hauptfigur, ein letztlich prinzipientreuer, aber immer clever das sich zunehmend als korrupt heraus stellende System hinterfragender Engel aus der Klasse des Fußvolkes, der mit Hierarchien so seine grundsätzlichen Probleme hat, damit eigene, unauthorisierte Wege geht, sich hierdurch regelmäßig  in arge Schwierigkeiten bringt, aus denen er sich aber immer wieder rauswindet. Rasante action, menschliche wie höllische Verfehlungen auf allen Ebenen und die konsequente Hinführung zu den Motiven des Ganzen in Krimimanier innerhalb eines durchdachten, interessanten Handlungsstrangs wechseln in lockerer Folge und bereiten eine Menge Lesespaß. Und natürlich sind auch die ganzen Bösewichte vom erwartet schweren Kaliber.

Ein echtes Gute-Laune-Buch für Leute, denen nichts Menschliches fremd ist und die, ausgestattet mit einem stabilen unempfindlichen Humorlevel, auch was aushalten können. Möge es im Folgeband in gleicher Weise weiter gehen.

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23 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

beziehungen, ängste, schreiben, gesellschaft, geschichten

Immer noch New York

Lily Brett ,
Flexibler Einband: 223 Seiten
Erschienen bei Suhrkamp, 24.10.2015
ISBN 9783518466353
Genre: Romane

Rezension:

Die australische Schriftstellerin Lily Brett lebt zusammen mit ihrem Mann seit über fünfundzwanzig Jahren in Soho, einem südlich gelegenen Viertel Manhattans. In ihrem Buch erzählt sie uns unterhaltsame Geschichten aus ihrer Stadt, von ihren Lieblingsplätzen dort, von den vielen kulinarischen Verlockungen, den dort lebenden Menschen, von ihrer jüdischen Familie, ihrem täglichen Leben mit drei erwachsenen Kindern und einem fast 100jährigen Vater, der sich immer noch selbstständig in der Lower Eastside lebend durchs Leben schlägt. Das macht sie mit viel Humor, ein wenig Egozentrik, aber auch offen und launig und mit einem erfrischenden Schreibstil. Dabei lässt sie den Leser tief in ihren Kopf schauen und scheut sich durchaus nicht, von ihren ganzen inneren Zwängen und Ängsten, Schrullen und Neurosen zu berichten, mit denen sie sich so den ganzen Tag herumschlägt und die sie zu nicht geringem Teil auf ihr Leben als Tochter von zwei Auschwitzüberlebenden zurückführt. Insgesamt ein wirklich nett geschriebenes Buch, aus dem man vor allem auch noch viel über die stillen Geheimplätze dieser pulsierenden Metropole erfahren kann.  

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31 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 3 Rezensionen

bourbon kid, anonymus, thriller, drei killer für ein halleluja, zombies

Drei Killer für ein Halleluja

Anonymus , Thomas Schichtel
Flexibler Einband: 352 Seiten
Erschienen bei Bastei Lübbe, 15.04.2016
ISBN 9783404173518
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:

Die Story in Kurzform:

Ein sadistischer Killer, der Rote Irokese, ist drauf und dran, den Papst anlässlich dessen medizinischer Behandlung in den USA um die Ecke zu bringen. Neben ihm sind diverse weitere korrupte und zwielichtige Regierungsgestalten am Werk. Aufhalten soll den Killer vor allem eine Truppe aus durchgeknallten, zusammen gewürfelten Gesetzlosen, den Dead Hunters.

Wertung:

Schade. Viel mehr fällt mir hier nicht ein. Nachdem ich gesehen hatte, dass Anonymus, der Autor der gelungenen "Buch"-Reihe, einen neuen Roman an den Start gebracht hat, schlug ich direkt frohen Mutes zu. Und wurde leider enttäuscht. Der klassische Fall eines misslungenen Aufgusses bisheriger Erfolge, indem man ein paar allseits bekannte und beliebte Figuren einfach in ein neues Buch transformiert, diese dann aber weder weiter elaboriert noch mit einer gelungenen Story aufwarten kann. Sondern letztlich nur eine krasse, im negativen Sinne abgefahrene und ohne Pause einfach nur unerträglich brutale Splatterstory abliefert. Nicht mal ansatzweise Anzeichen des sprühenden Witzes und der Ideen der früheren Werke. Und da wäre so einiges drin gewesen. Tja, das war´s dann wohl mal wieder mit der literarischen Weiterentwicklung eines "unbekannten" Newcomers der letzten Zeit.

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19 Bibliotheken, 1 Leser, 1 Gruppe, 4 Rezensionen

familie, eifersucht, geheimnisse, freundschaft, london

Worauf du dich verlassen kannst

Kate Tempest , , ,
Fester Einband: 400 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 21.05.2016
ISBN 9783499269899
Genre: Romane

Rezension:




Große Klasse, der Debutroman der englischen Autorin. Eindringlich, abgeklärt und irgendwie wehmütig portraitiert sie South East London, die bodenständige, raue Arbeitergegend, in der Alkohol, Drogen und Gewalt die vorherrschenden Merkmale des täglichen Lebens sind. Hier ist sie selbst aufgewachsen und die Authentizität ihrer Beschreibungen spürt man in jedem ihrer Worte.

Leben haucht sie ihrer Milieustudie ein, indem sie vier Hauptpersonen in Szene setzt, allesamt aus schwierigen bis gescheiterten Elternhäusern. Das sind Harry, eine Frau um die Dreißig, von Jugendtagen an Dealerin, die sich in den gehobenen Kokserkreisen Londons einen Namen gemacht hat, nach außen tough und eloquent, tief im Innern ein kleines schüchternes Mädchen voller Selbstzweifel und angewidert von ihrem Job. Leon, ihr Freund seit frühester Kindheit, ihr einziger echter Vertrauter und Beschützer bei ihrer täglichen Arbeit. Beide haben einen Traum, den sie sich irgendwann von ihrem gebunkerten Geld erfüllen wollen. Dann noch Pete, Harrys jüngerer Bruder, unreif und durchgeknallt, langzeitarbeitslos, der sein Leben absolut nicht auf die Reihe kriegt. Und Becky, hübsche charismatische Mittzwanzigerin, die seit Jahren erfolglos und ausgebeutet auf eine Karriere als Tänzerin hinarbeitet, aber immer in zweiter Reihe steht und nur mit einem Nebenjob als Masseuse ihr Leben finanzieren kann. In komplizierten, manchmal gewollten, aber dem erzählerischen Ziel der Autorin geschuldeten Handlungssträngen lässt diese ihre Protagonisten im Laufe des Buches immer mehr aufeinander zu laufen, was dann wie zu erwarten zu diversen Kollisionen, aber auch zu zumindest zeitweisem persönlichem Glück Einzelner, und sei es auch nur von kurzer Dauer, führt.

Das Buch überzeugt absolut durch seine lyrische, blumige und gefühlvolle Sprache, vor allem in den Szenen, in denen sie dem Leser wie einem stillen Mitwisser tiefe Einblicke in die ausgebrannten Seelen der Figuren gestattet, zum Beispiel wenn sich die lesbische Harry in völliger Hingabe an Becky und absoluter Hilflosigkeit im Umgang mit ihren Gefühlen innerlich immer mehr zerreißt. Genau so werden aber auch die passenden Kontrapunkte durch die Brutalität der harten unerbittlichen Welt dieses Viertels gesetzt, das seine Bewohner fest in den Klauen hält und jedes Ausbrechen und jede Perspektive zu verhindern weiß. Und dem die Autorin dennoch immer wieder eine zwischen den Zeilen versteckte Liebeserklärung zukommen lässt.

Starke Lektüre.

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84 Bibliotheken, 0 Leser, 3 Gruppen, 6 Rezensionen

ratgeber, eq, intelligenz, emotionale intelligenz, psychologie

EQ. Emotionale Intelligenz

Daniel Goleman , Friedrich Griese
Flexibler Einband: 432 Seiten
Erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft, 01.05.1997
ISBN 9783423360203
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der bereits vor 20 Jahren geschriebene Bestseller hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Wie sollte er auch, bewegen sich doch die gesellschaftlichen Gesamtstrukturen -bedauerlicher Weise- immer stärker genau in die Gegenrichtung dessen, was der Autor in seinem Werk propagiert.

Kompetent und in allen Facetten beleuchtet Goleman sein Thema anhand vieler wissenschaftlicher Untersuchungen und mittels diverser Fallbeispiele und kommt zu dem dauerhaft gültigen Schluss, dass hier einiges zu tun bliebe. Mal theoretisch und etwas ausufernd, dann wieder äußerst verständlich, spannend und realitätsnah; ein gutes interessantes Buch, das auch den emotionalen IQ des Lesers nur heben kann ;)

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6 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

Menschen durchschauen und richtig behandeln

Werner Correll
Buch: 445 Seiten
Erschienen bei mvg, 20.04.2007
ISBN 9783636072009
Genre: Sachbücher

Rezension:  
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12 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 0 Rezensionen

fremd, schizophrenie, explosion, familie, beziehungen

Bonita Avenue

Peter Buwalda , Gregor Seferens , ,
Flexibler Einband: 640 Seiten
Erschienen bei ROWOHLT Taschenbuch, 01.10.2014
ISBN 9783499258435
Genre: Romane

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1 Bibliothek, 0 Leser, 0 Gruppen, 1 Rezension

Was ist mit den Amis los?

Christoph von Marschall
Flexibler Einband
Erschienen bei Verlag Herder, 14.01.2016
ISBN 9783451312588
Genre: Sachbücher

Rezension:

Der Autor, Journalist beim Berliner Tagesspiegel und sehr US-erfahren, beleuchtet in seinem Buch breit gefächert und lebensnah die oftmals völlig verschiedenen Denkweisen, Grundwerte und Lebenswirklichkeiten von Amerikanern und Deutschen. Vieles, was man schon ahnte oder wusste, wird bestätigt, vieles ist neu und interessant und macht nochmal sehr deutlich, wie unterschiedlich doch die beiden Anrainerstaaten des trennenden Atlantiks so ticken. In der großen Politik und ihren Verwicklungen, im täglichen Leben, in der Erwartungshaltung an den Staat und seine Fürsorge- und Regulierungsfunktionen. Ein sehr kompetentes, gut geschriebenes und vor allem faires Buch, in dem der Autor zwar Stellung bezieht, allerdings ohne einseitige Wertung. Empfehlung.

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375 Bibliotheken, 16 Leser, 0 Gruppen, 122 Rezensionen

wer war alice, thriller, alice, t.r. richmond, roman

Wer war Alice

T. R. Richmond , Charlotte Breuer , Norbert Möllemann
Flexibler Einband: 448 Seiten
Erschienen bei Goldmann, 29.02.2016
ISBN 9783442205080
Genre: Krimi und Thriller

Rezension:


Es ist Anfang Februar 2012, als die fünfundzwanzigjährige Alice Salmon unter ungeklärten Umständen in ihrer Studienstadt Southampton an einem Wehr im eiskalten Fluss Dane ertrinkt. War es ein Unfall, Selbstmord oder gar ein Verbrechen? Die Polizei steht vor einem Rätsel und die Spuren verwischen immer mehr. Über viele aneinandergereihte, aber konsequent strukturierte und verschachtelte Briefe, Blogeinträge, Forenstränge, Protokollauszüge usw. verschiedenster Beteiligter aus Alices Umfeld (anstelle eines stringenten Handlungsstrangs in klassischer Romanform) gewinnt die Figur der jungen Frau zunehmend an Form und der Leser lernt sie mit all ihren Stärken und Schwächen und inneren wie äußeren Dämonen immer besser kennen. Aber auch sehr genau die ihrer Freunde, Bekannten, ehemaligen Professoren und Familienmitglieder. Und da tun sich teils Abgründe auf, die weit in die Vergangenheit zurück reichen.

Richmond ist mit seinem Erstlingsroman ein echt guter und auf dem zeitgemäßen Level der heutigen Kommunikationstechniken angesiedelter Wurf gelungen. Die ständig wechselnden Berichts- und Erzählebenen lockern das Ganze auf und machen die Lektüre interessant, auch wenn der Autor hier fast schon etwas zu viele Zufälle, schicksalhafte Begebenheiten und Verflechtungen reinpackt. Neben seiner offenkundigen und ideenreich vorgetragenen Kritik an den sensationsgeilen und korrupten englischen Medienlandschaften, die in ihrem Kommunikationswahn jede Spekulation und Vermutung so lange biegen, bis sie dem Konsumenten als Fakt präsentiert wird (aber das können andere ja auch), zerrt er hier auch so ziemlich jede denkbare menschliche Schwäche und Verfehlung über seine Protagonisten ins Rampenlicht. Eine klare Trennung zwischen Gut und Böse findet nicht statt, alle versuchen, mit ihren ganzen eigenen Zwängen, Trieben und Neurosen in der Grauzone menschlichen Brackwassers den Kopf oben zu halten. Auch wenn man hier manchmal meinen könnte, dass gerade englische Jugendliche absolut nichts anderes im Kopf haben als Party, Sex und Komasaufen. Na ja, bisschen Klischee muss eben auch sein. Interessantes Buch, auch wenn mich das Ende dann irgendwie nicht so ganz zufrieden stellen konnte.

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55 Bibliotheken, 3 Leser, 0 Gruppen, 10 Rezensionen

science fiction, amerikanischer literat, endzeit, mond, raumstation

Amalthea

Neal Stephenson , ,
Fester Einband: 1.056 Seiten
Erschienen bei Manhattan, 09.11.2015
ISBN 9783442547623
Genre: Science-Fiction

Rezension:


Ich spüre Erleichterung. Befriedigung wär natürlich besser gewesen, geht aber nicht. Und weshalb nicht? Weil ich unter Aufbietung aller inneren Lesekräfte und mit schierem Willen ein Buch, ein Monstrum, durchgehalten habe, auf das ich mich sehr gefreut hatte, das sich dann aber schon nach wenigen seiner über tausend Seiten als irgendwie verquer und unausgegoren, energieraubend im schlechtesten Sinne herausstellte. Aber da ja die Hoffnung wie immer zuletzt das Zeitliche segnet, hab ich mich dann doch am Riemen gerissen, immer in der zunehmend schwindenden Erwartungshaltung, dass sich doch bitte bitte irgendwann noch etwas tun, die story einen genialen Kniff oder Dreh erleben möge, der neues Interesse am Fortgang der Dinge wecken könnte. Aber Fehlanzeige auf ganzer Linie. Liebloses, irgendwie uninspiriertes Geschreibe, das nicht mal ansatzweise an die visionären Feuerwerke anderer genialer Schöpfer von Zukunftswelten heranreicht. Ja, ich bin so was von erleichtert. Es hinter mir zu haben, ohne abzubrechen, und dass ich mich endlich wieder lohnenderer Lektüre widmen kann. Und an die vertane Lesezeit darf man nicht mal denken. Aber ein (einziges) Gutes hat es ja gehabt: Tägliches Training der Armmuskulatur durch lesegerechtes Halten eines kiloschweren Wälzers.

Noch kurz zur Geschichte: Durch irgendeine interstellare Katastrophe wird der Mond getroffen und bricht in kleinste Trümmer auseinander, die in den kommenden zwei Jahren auf die Erde herabregnen, diese komplett verwüsten und die Menschheit damit auslöschen werden. Im Wettlauf mit der Zeit bereiten die Nationen daher gemeinsam das Überleben ihrer Spezies im Weltraum vor und bauen hierzu mangels Alternativen die ISS als Rettungsinsel für einige hundert Auserwählte aus, die überleben sollen. Da sich die Erdbewohner schon in normalen Zeiten nicht grün sind, potenzieren sich alle Probleme unter dem Zeitdruck dieser Extremsituation natürlich sprunghaft.

Mann, was hätte man aus dieser Grundidee (und nur für diese gibts den einen Stern) alles machen können, eine handfeste, solide, packende Geschichte. Stattdessen ergeht sich Stephenson über hunderte von Seiten in endlosen technischen und völlig unwichtigen Detailbeschreibungen seiner Raumarchen und des ganzen Drumherums, was vielleicht ein paar Nerds oder Raketenwissenschaftler oder wen auch immer in Verzückung setzen mag, den normalen Leser wie mich aber endlos langweilt und die eigentliche Handlung immer wieder fast zum Stillstand bringt. Und wer sich zumindest zum Ende hin nach einem Zeitsprung von 5000 Jahren zumindest noch ein fulminantes Ende erhofft, wird ebenso maßlos enttäuscht. Und wie schon in seinen früheren Werken zeigt sich auch hier wieder ganz deutlich: Menschen formen kann Stephenson einfach nicht. Alle Figuren bleiben absolut farblos, austauschbar, unsympathisch. Sie sind hier ganz deutlich erkennbar reines Mittel zum Zweck und reagieren durchgängig irgendwie unlogisch, abstoßend, fremdartig, geradezu unmenschlich. Nicht zu einem einzigen Protagonisten  konnte ich auch nur ansatzweise irgendeine Verbindung aufbauen, geschweige denn Interesse an seiner/ihrer persönlichen Weiterentwicklung spüren. Total egal, alles wird der rein technisierten Denke und Zielsetzung des Autors unterworfen.

So funktionieren Science-Fiction-Bücher leider nicht. Wie es anders geht, haben sonstige Autoren bestens bewiesen. Schade drum. Von daher: Mr. Stephenson, wünsche Ihnen für die Zukunft weiterhin gutes literarisches Gelingen. Aber ab sofort ohne mich, denn einen weiteren Versuch werde ich nicht mehr starten. Never ever! Farewell!

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37 Bibliotheken, 2 Leser, 0 Gruppen, 7 Rezensionen

geburtstagsgeschenk, gwynfaer, theater, skurril

Gretchen

einzlkind
Flexibler Einband: 240 Seiten
Erschienen bei Heyne, 10.11.2014
ISBN 9783453438019
Genre: Romane

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129 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 20 Rezensionen

england, harold, schwarzer humor, melvin, vater

Harold

einzlkind
Flexibler Einband: 222 Seiten
Erschienen bei Heyne, 12.09.2011
ISBN 9783453435971
Genre: Romane

Rezension:

Harold und Melvin (man beachte die feine Anspielung auf die legendäre Soultruppe der 70er) heißen die beiden. Harold ist 49, lebensgescheiterter, aber durchaus sympathischer Einzelgänger mit einem Hang zum Morbiden, da er sein Leben so gut wie nicht auf die Reihe kriegt und im Grunde gar nicht weiß, warum er eigentlich lebt. Melvin ist 11, ein neuer Nachbar von ihm und ein kleines Genie mit großer Klappe und leicht autistischen Zügen. Harold verliert gerade seine Stelle als Fleischereifachverkäufer und eiert jetzt nur noch orientierungslos rum, der kleine Melvin wird ihm von seiner alleinerziehenden Mutter aufgrund dringender Geschäfte für eine Woche zwecks Betreuung zugeschanzt. Und damit beginnt für die beiden Chaoten eine irrwitzige Reise durch Großbritannien auf der Suche nach Melvins Vater. 

Das gelungene Erstlingswerk des dubiosen Autors mit der vollen Breitseite von Satire, schwarzem Humor, und Comedyelementen, dass wie seine anderen Werke von umwerfendem Sprachwitz und subtiler Situationskomik lebt. Einfach nur lustig.  

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20 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

Eine fast perfekte Familie

Meg Mitchell Moore , Sabine Schwenk
Fester Einband: 432 Seiten
Erschienen bei Berlin Verlag, 01.03.2016
ISBN 9783827012838
Genre: Romane

Rezension:


Es geht um die Hawthornes, eine Familie aus der gehobenen Mittelschicht San Franciscos. Das sind Vater Gabe, Partner in einer erfolgreichen Consultingfirma, zielstrebig und bodenständig, aber in den Feinheiten des familiären Zusammenlebens mit nicht immer ganz glücklicher Hand agierend. Dann Nora, seine Frau, Immobilienmaklerin und rechte Hand ihres Chefs. Gleichzeitig auch noch Mutter von drei Töchtern und sich damit rund um die Uhr zerreißend zwischen ihrem Job und dem unerfüllbaren Wunsch, auch zuhause einfach alles perfekt zu deichseln. Und das auch noch in einer ungesunden Kombination von permanenter Neugier und Besorgnis um ihre Familie. Und dann die drei Kinder. Angela, siebzehn, im letzten Highschooljahr stehend, extrem ehrgeizig, voll gestresst und genau wie ihr Vater besessen von dem Wunsch, nach der Schule einen Studienplatz in Harvard zu ergattern . Cecily, die Mittlere, ist zehn, ein liebenswertes Mädchen und der ausgleichende Familienfaktor, ein Tanztalent, sozial und mit immer großem Herz für Menschen und Tiere. Und dann noch Maya, sieben, die Kleine, die Liebe, das Nesthäkchen eben.

Das Buch besticht zum einen durch den überzeugenden Wortwitz und den Humor seiner Autorin, die sich in den  Tiefen amerikanischer Familienverhältnisse und deren Denkweisen offensichtlich genau so gut auskennt wie in den verzwickten Seelen- und Gefühlslandschaften junger wie älterer Menschen. Ein Feuerwerk voll subtiler, selbstironischer Querverweise und Anspielungen auf die Eigentümlichkeiten in der  gesellschaftlichen Realität des US-amerikanischen Bügertums wird hier abgebrannt und bereitet mächtig Lesespaß. Genau wie die teils urkomischen Dialoge und Interaktionen zwischen den einzelnen Beteiligten der Familie. Und natürlich hat jeder hier sein kleines wie großes Päckchen zu tragen, alles ist dabei, was das Leben so an Schwierigkeiten, Miss- und Unverständnissen im Miteinander innerhalb und außerhalb der eigenen vier Wände für alle zu bieten hat.  Gewürzt mit der ein oder anderen Leiche im Keller, die über kurz oder lang dann ans Licht gezerrt wird. Aus den immer wieder wechselnden Erzählperspektiven der einzelnen Familienmitglieder heraus erfährt der Leser im Laufe des Buches dann so ziemlich alles über die einzelnen Hawthornes und wie jeder von ihnen so tickt.

Ein echtes Gute-Laune-Buch mit sympathischen Figuren, das sich in einem Rutsch weg liest, nah am Leben und mit nettem Wiedererkennungswert für eigentlich jeden Leser. Aber dabei durchaus mit dem erkennbar ernsten Anliegen der Autorin, über ihre Geschichte das teils unsägliche tiefverwurzelte amerikanische Leistungs- und Karrieredenken kritisch ein wenig zurecht zu rücken.

Auch wenn Moore hier natürlich versucht, wirklich jede denkbare Eskapade und jedes gesellschaftliche Klischee in die story zu packen. Auch wenn die erstklassige Leistung der Übersetzerin des Buches so ganz im Gegensatz zu den vielen nervenden Rechtschreibfehlern steht, die den Lesefluss immer wieder stören. Und auch wenn die gute Meg hier ganz offensichtlich und geradezu dreist eine der Kernideen ihres Buches aus der genialen amerikanischen Anwaltsserie "Suits" einfach mal so abgekupfert hat: Das Buch funktioniert als gute, überzeugende Sommerlektüre und nette Familiengeschichte. Und zwar großartig. Echte Überraschung.  

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2 Bibliotheken, 0 Leser, 0 Gruppen, 2 Rezensionen

Ohne Gnade: Polizeigewalt und Justizwillkür in den USA

Bryan Stevenson ,
Fester Einband: 416 Seiten
Erschienen bei Piper, 14.09.2015
ISBN 9783492057226
Genre: Sachbücher

Rezension:


Der Autor ist heute Professor an der juristischen Fakultät der NYU und erzählt uns zum einen seine eigene Geschichte, sein Aufwachsen in der rassistisch geprägten Welt der US-Südstaaten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von seinen vielen negativen Erlebnissen und erlebten Ungerechtigkeiten, die ihn irgendwann dazu veranlassten, ein Jurastudium zu beginnen und sein Leben dem Kampf gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung zu widmen. Nach anfänglichen Alleingängen gründet er bereits in jungen Jahren die EJI, die Equal Justice Initiative, einen Verbund engagierter Juristen in Alabama, die sich mit aller Kraft gegen die Todesstrafe wenden und hier insbesondere versuchen, zu Unrecht verurteilte Afroamerikaner aus der Haft zu bekommen, deren Verfahren neu aufzurollen, bevor die Urteile tatsächlich vollstreckt werden.

Was der Leser hier zu lesen bekommt, ist harter Tobak und teils einfach nur unglaublich und erschütternd. Es ist kaum vorstellbar, mit welcher Brutalität gerade in den Gefängnissen der Südstaaten gegen Frauen wie Männer vorgegangen wird, wie deren Menschenwürde und Menschenrechte mit Füßen getreten werden, vor allem aber, wie Richter und Staatsanwälte mit teils geradezu kriminellen Methoden und unter Missachtung aller Fakten Verfahren im kurzen Prozess gegen Schwarze bis in die Neunzigerjahre hinein durchgezogen haben. Engagiert und gefühlvoll erzählt Stevenson von seinen Fällen, von Menschen, die er retten konnte, aber auch von solchen, die keine Chance mehr bekamen. Und er gibt seinen Häftlingen ein Gesicht, lässt sie zu Wort kommen mit ihren teils verpfuschten und nicht mehr raparablen Leben. Ein Mann, vor dem man nur den Hut ziehen kann.Näheres auf eji.org.

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74 Bibliotheken, 3 Leser, 1 Gruppe, 11 Rezensionen

new york, punk, stromausfall, katastrophe, nachtstimmun

City on Fire

Garth Risk Hallberg , Tobias Schnettler
Fester Einband: 1.080 Seiten
Erschienen bei S. FISCHER, 10.03.2016
ISBN 9783100022431
Genre: Romane

Rezension:


Ein durchaus besonderes Buch. Was sowohl Länge wie Inhalt betrifft. Hallberg verlagert die Handlung  seiner überbordenden Liebeserklärung an eine Stadt, die man lieben oder hassen, aber niemals ignorieren kann, in die späten Siebziger des vergangenen Jahrhunderts, in eine Zeit also, als New Yorks Straßen noch absolut  dreckig, verkommen und gefährlich waren (was ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen kann). Betont langsam und weitschweifig setzt der Autor seine zwei Handvoll Protagonisten unterschiedlichster Couleur einen nach dem anderen auf das Schachbrett Manhattans und verwebt deren Schicksale im Laufe hunderter von Seiten immer dichter und unentrinnbarer miteinander.

Dreh- und Angelpunkt der story ist die Dynastie der Hamilton-Sweeneys, einer typischen schwerreichen Familie der Upper Eastside mit ihrem langsam abbauenden Firmenpatriarchen und seinen beiden Kindern. Hier Regan, die mit allen Konsequenzen ans Unternehmen zwangsgebundene Tochter, unglücklich verheiratet und innerlich zerrissen. Dort William, der homosexuelle, unstete Sohn, der schon früh seine Verachtung für Firma und Vater, der sich nach dem Tod der Mutter von einem mit allen Abwassern gewaschenen Geschwisterpaar vereinnahmen lässt, bekennt, sich irgendwann völlig lossagt und stattdessen in eine Künstlerwelt voller Drogenexzesse und eine zeitweise Karriere als Sänger einer Punkband abtaucht. Dann Mercer, ein schwarzer Lehrer aus den Südstaaten, der Williams Interimslebenspartner wird. Sam, ein siebzehnjähriges Mädchen, die in eine undurchsichtige Clique von halbpsychopathischen Punkmusikern abrutscht und in der Silvesternacht 1977 im Central Park lebensgefährlich angeschossen wird, anschließend nur noch von Maschinen am Leben gehalten. Charlie, der Junge, der sie liebt, aber immer nur bester Freund bleibt. Und Larry, der kauzige, verkrüppelte und clevere Inspector des NYPD, der versucht, Licht in die diversen Dunkel zu bringen. Und viele, viele mehr.

Das riesige Werk ist verschachtelt, aber durchaus packend konstruiert und lebt von der langsamen Formgebung seiner diversen Mitwirkenden über verschiedenste Zeitsprünge vor und zurück, wodurch der Leser jeden Einzelnen immer besser kennen lernt und versteht, warum die Dinge so passieren, wie sie passieren. Und dabei tun sich mannigfaltige menschliche Schicksale und Abgründe auf. Leben im wahrsten Sinne, Welten von Hass, Verzweiflung, Unverständnis, Wut, auseinanderbrechenden Familien und Beziehungen. Unmöglich, das alles auf den Punkt zu bringen, dafür muss man das Buch einfach lesen.

Was mich persönlich am meisten begeistert hat war, wie treffend  und plastisch Hallberg die Lebensumstände, die Musik, die ganze Welt des New Yorks der damaligen Zeit vor dem Leser ausbreitet, diesen gnadenlosen Moloch, der alles und jeden verschlingt und manchmal sogar wieder ausspuckt. Das ist Kunst, das macht ein Buch auch aus. Und alles geschrieben von einem Autor, der damals noch gar nicht auf der Welt war.

Insgesamt ein überzeugendes, wenn auch aufgrund seiner Überlänge durchaus anstrengendes Werk, welches lediglich in einigen Handlungssträngen doch etwas zu sehr ausufert. Echte Leseempfehlung für Liebhaber der ganz großen Epen.

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32 Bibliotheken, 1 Leser, 0 Gruppen, 8 Rezensionen

autismus, wissen, roman, biographie, autobiographisch

Verstörungstheorien

Marlies Hübner
Flexibler Einband: 264 Seiten
Erschienen bei Schwarzkopf & Schwarzkopf, 07.03.2016
ISBN 9783862655373
Genre: Biografien

Rezension:


"Die anderen konnten etwas, das ich nicht konnte. Sie konnten Mensch". Diese so klaren wie traurigen Worte, rückblickend durch die Protagonistin des Buches namens Elisabeth in Erinnerung an ihre Kindergartenzeit als Vierjährige formuliert, sagen eigentlich alles. Sie beschreiben das von klein auf empfundene eigene Anderssein, die fehlende Kompatibilität zu anderen Menschen, das gegenseitige Nichtverstehen, Nichtnachempfindenkönnen, das elementar Bedrückende in ihrer Selbsterkenntnis.

Die Autorin ist selbst Autistin und breitet mit stark autobiographischer Anlehnung in ihrem Buch über die icherzählende Elisabeth das Leben eines Menschen mit diesen besonderen Eigenschaften in all seinen zumeist unerfreulichen, oftmals faszinierenden, manchmal einfach nur speziellen Facetten in den einzelnen Phasen von der Kleinkindzeit bis zur erwachsenen Frau aus. Das macht sie hier genauso pragmatisch wie emotional. Erst in ihren frühen Zwanzigern und aus eigener Kraft schafft sie es endlich, sich die Diagnose von den Medizinern selbst zu "besorgen" und damit endlich eine Erklärung für ihre ganzen selbst empfundenen Abweichungen vom "Standard" und den Verhaltensnormen ihrer Umwelt zu haben.

Der Leser erfährt hier direkt aus erster Hand von einer Frau, die weiß, wovon sie spricht, viele neue, oftmals bisher unbekannte Einzelheiten aus dem täglichen Leben eines Autisten und mit welchen Widrigkeiten er zu kämpfen hat. Neben den ganzen rein sachlichen medizinischen Informationen überzeugt das Buch durch eine während der Lektüre tief nachzuempfindende Ehrlichkeit und Abgeklärtheit in der Haltung der Autorin zu ihrem Anderssein, und durch eine spürbare Kraft und Stärke, der lange Jahre voller Enttäuschungen und Rückschläge voran gehen mussten. Ein positives, starkes, informatives und empathisches Buch. Empfehlung für alle, die noch mehr direkt aus dem Innersten einer unmittelbar Betroffenen über dieses ganz spezielle Thema erfahren möchten. 

Klarer Hinweis der Autorin am Rande: "Forget rain man!"

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